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Natürlich gibt es viele gefälschte Bioprodukte in China.

Darüber
wurde schon überall in den Medien berichtet. Herkömmlich pro­
duzierte Lebensmittel werden wie Bioprodukte verpackt und dann
im Supermarkt zu einem hohen Preis verkauft. Das ist natürlich
sehr problematisch und liegt auch daran, dass die landwirtschaft­
liche Produktionskette sehr lang ist. Aber China hat in diesem Be­
reich vom Ausland gelernt und erste Gütesiegel ins Leben gerufen.
Am Anfang haben sich viele Bauern hier im Dorf über uns lus­
tig gemacht. Sie dachten, dass wir das auf keinen Fall durchhalten.
Dann haben sie gemerkt, dass wir es allmählich schaffen. Das hat
ihnen ein paar Impulse für Veränderungen gegeben. Ursprüng­
lich dachten sie, dass es egal ist, ob sie Pestizide und chemischen
Dünger verwenden. Aber einige leiden mittlerweile an chronischen
Krankheiten. Dadurch ist ihnen allmählich bewusst geworden,
dass es offensichtlich nicht gut ist, diese Dinge zu benutzen. Das ist
ein Prozess. Man muss es ihnen langsam klarmachen. Sie müssen
das allmählich begreifen. Viele Dinge dauern in China sehr lange.
Die Bauern hier aus der Gegend haben auch keine Lust, sich
übermäßig viel Arbeit zu machen. Das Herstellen von Kompost,
zum Beispiel, wie wir es tun, ist ihnen zu aufwendig. Ihren che­
mischen Dünger muss man nur auf dem Feld verteilen und schon
wachsen die Pflanzen sehr schnell. Wenn man diese Dinge nicht
benutzt, ist es anstrengender.
Man kann aber nicht sagen, dass diese Bauern nicht schlau wä­
ren. Viele haben ein kleines Stück Land, auf dem sie keinen che­
mischen Dünger und keine Pestizide verwenden. Dort bauen sie
Lebensmittel für den Eigenbedarf an. Bei den Produkten, die sie
verkaufen, ist es ihnen eg al...
Generell sind einem Umdenken in der Landwirtschaft viele
Grenzen gesetzt. Der Hauptgrund ist, dass die Bauern in China
keine gute Ausbildung haben und auch das Internet kaum nutzen.
Sie haben einen recht beschränkten Horizont. Selbst wenn sie neue
Konzepte kennenlernen, ändern sie nicht so leicht ihre Einstellung.
Wir denken, dass m ehr junge Leute zurück aufs Land gehen müss­
ten. Sie könnten neue Ideen mitbringen und so allmählich dieses
System verbreiten. Dass fünfzig-, sechzigjährige Bauern nochmal
radikal umdenken, ist eher nicht zu erwarten. Sie sind eben ver-

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