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Vorwort.

Von den im vorliegenden Bande vereinigten Abhandlungen sind die vier


ersten, welehe sich auf die Theorie der eindeutigen Functionen
einer Veränderlichen beziehen, in den Jahren 1876, 18HO, 1881 ge-
schrieben und aus den DenkschriftPn und den Monatsberichten der Ber-
liner Akademie ohne wesentliche Veränderungen abgerlmckt worden.
Die fünfte Abhanrllnng, welche eine Reihe von Sätzen über .die ein-
ueutigen Fnnctionen mehrerer Argumente enthält, von denen ich
in meinen Vorle8nng~n über rlie Abel'schen Transcentlenten Gebrauch
mache, haue ich im Jahre 1879 für meine Zuhörer lithographiren lassen,
ohne sie in tlen Buchhandel zu geben. Die darauf folgende, den Monats-
berichten aus dem .Jahre 18iü entnommene Abhandlung "Neuer Beweis
eines Hanpt~atzPs tler 'l'heorie der periodischen Functionen von
mehreren Veränderlichen" hat beim Neudruckt~ versehie<lene redaetio-
nelle Aenderungen erfahren. Die letzte Abhandlung endlich " 0 beI" tl i e
'l'heorie rler analytischen Facultäten", welche ich aus dem in der
Einleitung angegebenen Grunde aufgenommen habe, ist im Ganzen so
geblieben, wie sie (im Jahre 1854) in dem 51. Bande des Crelle'schen
J oumals erschienen; ich überzeugte mich aber während des Dmckes von
der Nothwendigkeit, an vielen Stellen, namentlich in rler Einleitung mul
in den §§ i, H Berichtigungen lm<l Verbesserung·en anzubringen. Eine
gänzliche Umgestaltung der Arbeit mit den gegenwärtig von tler Functionen-
lehre dargebotenen Hülfsmitteln vorzunehmen, konnte ich mich nicht ent-
schliessen.

Weierstrass.
Inhaltsverzeichniss.
Seite.

1. Znr Theorie der eindeutigen analytischen Functionen . . 1- 52

2. Über einen functionentheoretischen Satz des Herrn


G. 1\fittag-I.. effler 53- ü6

3. Zur Functionenlehre 67-101

4. Nachtrag zu der vorstehenden Abhandlung 102--10-t

5. Einige auf die Theorie der analytischen Functionen


mehrerer Veränderlichen sich beziehende Sätze . 105-1ü4

6. Neuer Beweis eines Hauptsatzes der 'l'heorie uer perio-


dischen Functionen von mehreren Veränderlichen 165-Hl:!

7. Über die Theorie der analytischen Facultäten . 183-:WO


Zur Theorie der
eindeutigen analytischen Fu11ctionen.
Aus den Abhandlungen der Königl. Akademie der Wissenschaften zu
Berlin vom Jahre 1876.
ISBN 978-3-662-42735-4 ISBN 978-3-662-43012-5 (eBook)
DOI 10.1007/978-3-662-43012-5
Softcoverreprint ofthe bardeover Istedition 1876
2 Zur Theorie der eindeutigen analytischen Fnnctionen.

Es sei n irgend eine im Endlichen liegende Stelle uncl r der Radins


des Convergenzuezirkes der Reihe 1-ß(x In), welche die Function t'(a:) in
einer gewissen Umgebung von n darstellt.
Hat ~· einen endlichen -werth, so giebt es unter denjenigen \V erthen
von x, für welche Ix -- a 1:;;: r ist*), mindestens einen (x'), der dem in
Rede stehenden Bereich nicht angehört. Dann ist entweder x' seil1st
eine Grenzstelle des Bereichs, oder es findet sich eine solche in der
Strecke (x' ... c~) zwischen x' und a..
Ist dagegen r = oo, so giebt es unendlich grosse \Verthe von x, denen
auch unendlich grosse \Verthe von f(x) entsprechen; in diesem Falle h;t
also die Stelle (x = oo) -- und zwar diese allein - vom Stetigkeits-
bereich der betrachteten Function ausgeschlossen und bildet die Begrenzung
desselben.
Hiermit ist festgestellt, dass für jede Function f'(x) im Gebiete der
Veränderlichen x nothwendig singuläre Stellen, wie ich sie nennen will,
existiren, welche Grenzstellen des Stetigkeitsbereichs der Function sind,
ohne diesem selbst anzugeh1iren. (Das Letztere ergiebt sich unmittelbar
aus der Definition des Stetigkeitsbereichs.)
Ist n' irgeml eine solche singuläre Stelle, so giebt es innerhalb eines
beliebigen Bezirks, dessen .Mittelpunkt n' ist, uneneUich viele Stellen, die
dem Stetigkeitsbereich von t(x) angeh1iren. Möglicherweise g·ilt dies,
"\Venn der Radius <les Bezirks hinlänglich klein angenommen wird, von
allen Stellen des letzteren, und dann kann es vorkommen, dass sich f'(x)
durch J\Iultiplication mit einer ganzen Potenz von a; -- ct' in eine in der
Umgebung von a' regulär sich verhaltende Function verwandeln lässt.
Jenachdem dies der Fall ist oder nicht, nenne ich a' in Beziehung auf
die Function t'(x') eine ansserwe:'lentliche oder eine wesentliche sin-
guläre Stelle.
Hierzu ist noch Folgendes zu bemerken. Eine Function t'(x) kann
so beschaffen sein, rlass es im Gebiete von x Stellen giebt, die weder
dem Stetigkeitsbereiche der Function (A) angehören, noch Grenzstellen
desselben sind. An diesen Stellen, deren Gesammtheit mit A" be-
zeichnet werden m1ige, ist dann die Function nicht definirt. Es ist
aber A" ein Bereich von derselben Beschaffenheit wie A; nimmt man in
demselben eine Stelle n" l!eliebig an, so liegen auch alle einer gewissen
Umgebung von n" angehörigen Stellen in A". Daraus folgt, dass <ler
Bereich ..:!" ein begrenzter ist, seine Grenzstellen aller nicht zu ihm ge-

*) Ich bezeichne 1len absoluten Betrag einer complexen Grösse x mit : x 1.


Zur Theorie der eindeutigen analytischen Fnnctionen. 3

hören, also, da sie auch nicht in A liegen, nothwendig mit Grenzstellen


des letzteren Bereichs zusammenfallen, und zwar mit solchen, die wesent-
liche singuläre Stellen für die betrachtete Function sind. Nun liegt aber
in jeder Strecke, die einen Punkt von A'' mit einem Punkte von A ver-
bindet, mindestens eine Grenzstelle des Bereichs A"; es hat also die
Function f(x) in dem angenommenen Falle unendlich viele wesentliche
singuläre Stellen.
Nach diesen Auseinandersetzungen lässt sich nun die Klasse der
rationalen Functionen einer Veränderlichen (x) definiren als die Ge-
sammtheit derjenigen eindeutigen l!~unctionen von x, für die
es im Gebiete dieser Grösse nur ausserwesentliche singuläre
Stellen giebt.
Ist nämlich erstens f(x) eine rationale Function - im gewöhnlichen
Sinne - und a irgend ein bestimmter "\Verth von x, so kann man f(x)
zunächst als Quotienten zweier ganzen Functionen von (x - ct), die für
x = ct nicht beide gleich Null sind, darstellen und so dann, wenn von
den nicht verschwindenden Gliedern des Divisors das niedrigste von der
m ten Ordnung ist, bei hinlänglich kleinen W erthen von (x - a)

( x- ct)1n f(x )

in eine Reihe ~(x Ia) entwickeln; d. h. es existiren für die Function f(x)
nur ausserwesentliche singuläre Stellen.
Angenommen zweitens, es sei f(x) eine irgendwie definirte eindeutige
Function, von der sich feststellen lässt, dass für sie wesentliche singuläre
Stellen im ganzen Gebiete von x nicht existiren, so dass in der Umgebung
jeder beliebig angenommenen Stelle a die Function in der Form

darstellbar ist, wo m eine ganze, nicht negative Zahl bedeutet. Nimmt


man zunächst a = oo, so giebt es nach dem Obigen im Innern des
Convergenzbezirkes der Reihe ~(x I a), jenachdem m /" 0 ist, entweder
gar keine singuläre Stelle, oder nur die eine oo. Sämmtliche sin-
guläre Stellen - ausser oo - sind also in einem ganz im End-
lichen liegenden Bereiche zu suchen. In demselben kann es aber nur eine
endliche Anzahl solcher Stellen geben. Existiren nämlich für irgend
eine eindeutige Function im Innern eines begrenzten Bereichs unendlich
viele ausserwesentliche singuläre Stellen, so giebt es im Innern oder an
der Grenze des Bereichs wenigstens eine Stelle, welche sich dadurch
1*
4 Zur Theorie der eindeutigen analytischen Fuuctionen.

auszeichnet, dass in jeder Umgebung derselben von ihr verschiedene sin-


guläre Stellen vorhanden sind, und die deshalb nothwendig eine wesentliche
singuläre Stelle für die Function ist. Es ergiebt sich also aus der ange-
nommenen Beschaffenheit der betrachteten Function f(x) mit N ot.hwendig-
keit, dass es für sie nur eine endliche Anzahl singulärer Stellen geben kann.
Es ist nun zunächst der Fall möglich, dass t(x) in der Umgebnug
jeder im Endlichen liegenden Stelle sich regulär verhält, also durch eine
für jeden endlichen W erth von x convergirende Reihe von der Form

A 0 +A
' 1
x-'-A
' 2
x 2 +' ...

dargestellt werden kann. Dann hat die Function nur die eine singuläre
Stelle oo, und da diese der Voraussetzung nach eine ausserwesentliche
ist, so muss sich eine ganze, nicht negative Zahl m so bestimmen lassen,
dass
( x1 )m+I t(x)
für jeden unendlich grossen Werth von x unendlich klein ist. Dies aber
ist nach einem bekannten Satze nur möglich, wenn in der vorstehenden
Reihe jeder Coefficient, dessen Index grösser als m ist, verschwindet. Es
ist also in dem betrachteten Falle f(x) eine ganze rationale Function.
In dem Falle ferner, dass f(x) im Endlichen singuläre Stellen besitzt,
mögen dieselben mit

bezeichnet werden, und es sei mk die kleinste ganze Zahl, durch welche
bewirkt werden kann, dass die Function

in der Umgebung der Stelle a'k sich regulär verhält. Dann ist

eine Function, welche in der Umgebung jeder im Endlichen liegenden


Stelle sieh regulär verhält, woraus nach dem Bewiesenen folgt, dass t'(x)
in der Form
_ _ _G(x__.:.)_ __
(x - a 1)m1• • • • ( x• -- a·y)m,.
Zur Theorie der eindeutigen analytiHchen Fun1~tionen. 5

dargestellt werden kann, "\VO G (x) eine ganze rationale Function von x
be(leutet.
Hiermit ist bewiesen, dass durch die gegebene Definition wirklich
die charakteristische Eigenthümlichkeit der rationalen Functionen einer
Veränderlichen ausgesprochen wird.
Durch die vorstehenden Erörterungen ist aber auch für die Unter-
suchung und Classification der transeendeuten eindeutigen Functionen
eines Arguments ein Fingerzeig gegeben.
"\Verden dem Stetigkeitsbereich einer Function diejenigen von seinen
Grenzstellen, welche a usserwesen tliche singuläreStellen für dieFunction
sind, hinzugefügt, so entsteht ein Bereich A', von welchem man, dem
soeben Festgestellten gemäss, sagen kann, dass in ihm f(x) überall wie
eine rationale Function sich verhalte. Dieser Bereich ist ein unbegrenzter
oder ein begrenzter, je naclHlem f(x) eine rationale oder eine trans-
c e n <1 e n t e Function ist, und wird im letztem Falle seine Begrenzung
von den wesentlichen singulären Stellen der Function gebil!let, deren
Anzahl endlich oder auch unendlich gross sein kann.
Betrachtet man nun als einer Klasse angehören~ alle Functionen
f(x), für welche der definirte Bereich A' ·ein und derselbe ist, so bildet
nach dem Vorhergehenden die Gesammtheit der rationalen Functionen
von x eine solche Klasse. Dagegen existiren unzählige Klassen von
transceiHlenten Functionen f (x); um für die Eintheilung derselben in Gat-
tungen ein sachgemässes Princip zu gewinnen, wird man zu untersuchen
haben, welche wesentliche Verschiedenheiten in rler Begrenzungsweise eines
Bereichs A', der für eine Klasse eindeutiger Functionen von x die ange-
gebene Bedeutung hat, möglich sind. Aber auch ohne auf diese Unter-
suchung näher einzugehen, wird man in den eindeutigen Functionen mit
einer endlichen Anzahl wesentlicher singulärer Stellen die den rationalen
Functionen am nächsten stehenden erkennen, und als einer Gattung an-
gehörend alle diejenigen betrachten, für welche die Zahl solcher Stellen
dieselbe ist.
Man überzeugt sich leicht, dass es Functionen dieser Art mit beliebig
vielen, und zwar vorgeschriebenen wesentlichen singulären Stellen
wirklich giebt.
Wie oben bemerkt worden, wird durch jede unendliche Reihe

A0 +Ax+Ax
1 2
2 +···'

deren Coefficienten gegebene Gonstanten und so beschaffen sind, dass die


Reihe für alle endlichen Werthe der Veränderlichen x convergirt, eine
6 Zur Theorie ~!er eiudeutigen analytischen Functionen.

Function mit der einen wesentlichen singulären Stelle oo dargestellt.


Dasselbe gilt, wie in ganz ähnlicher ·weise gezeigt werden kann, wenn
G1 (x), G 2 (x) zwei solche Functionen sind - wobei jedoch eine von
ihnen auch eine ganze rationale sein darf - für den Quotienten

in jedem Falle, wo derselbe nicht auf eine rationale Function reducirt


werden kann.
Dies vorausgesetzt seien nun

irgend n Paare solcher Functionen, x 1 , ••• x,. aber lineare Functionen von
x, welche an n verschiedenen, im Übrigen willkürlich anzunehmenden
Stellen

unendlich gross werden; dann ist

eine eindeutige Function von x, für welche

wesentliche singuläre Stellen sind, während sie in der Umgebung jeder


andern Stelle sich wie eine rationale Function verhält.
Zusammengesetztere Ausdrücke solcher Functionen kann man bilden,
indem man in einer beständig convergirenden unendlichen Reihe von der
Form

oder auch in dem Quotienten zweier solcher Re~hen für x 1 , x 2 , ••• xn


beliebige rationale Functionen der Verän<lerlichen x substituirt: die so
Zm Theorie <ler eindeutig-en analytiReheu Fnnctionen. 7

gebildete Function von x hat dann keine anderen wesentlichen singulären


Stellen als diejenigen, an (lenen eine der Grössen :1'1 , ••• xn unendlich wird.
Nun ist im Vorhergt>henden gezeigt worden, dass man von einer
Function f(x) nur zu wisRen braucht, sie sei eine eindeutige Function
ohne eine wesentliche singuläre Stelle, um sicher zu sein, dass sie als
Quotient zweier ganzen rationalen Functionen von x (von denen sich
eine auch auf eine Gonstante reduciren kann) darstellbar ist; mit anderen
\Vorten , es ist nachgewiesen worden, dass durch die beiclen ange-
nommenen Eigenschaften der Function auch (lie Art der arithmetischen
Abhängigkeit ihres Werthes von dem \Verthe der unabhängigen Veränder-
lichen bedingt und bestimmt ist. Dadurch ist die Frage nahe gelegt,
ob für die eindeutigen Functionen mit einer endlichen Anzahl wesent-
licher singulärer Stellen etwas Ähnliches gelte - ob es möglich sei,
arithmetische, aus der Veränderlichen x und aus unbestimmten
Gonstanten zusammengesetzte Ausdrücke zu bilden, welche
sämmtliche Functionen einer bestimmten Klasse - und nur
diese - darstellen.
In der vorliegenden Arbeit findet diese Frage, in der ein den Ele-
menten der Functionenlehre angehöriges, allgemeines und zugleich wohl-
begrenztes Problem ausgesprochen ist, ihre vollständige Erledigung. Das
Resultat ist einfacher als die Mannigfaltigkeit der Formen, in denen, wie
die gegebenen Beispiele lehren, Functionen der in Rede stehenden Art
auftreten können, es erwarten liess.
Unter den Functionen, um welche es sich handelt - die rationalen
jetzt eingeschlossen - sind die einfachsten diejenigen, für welche es
im ganzen Gebiete der unabhängigen Veränderlichen nur eine (wesentliche
oder ausserwesentliche) singuläre Stelle giebt. Liegt diese Stelle im Un-
endlichen, so kann, wie oben bemerkt, eine solche Function stets dar-
gestellt werden durch eine Reihe von der Form

in der x das Argument der Function, die Goefficienten A 0 , Al' A 2 , •••


aber von x unabhängige, bestimmte Grössen bedeuten; so wie ander-
seits jede Reihe von dieser Form, wenn sie für jeden endlichen "\Verth
von x convergirt, der Ausdruck einer eindeutigen Function von x
mit der einen singulären Stelle oo ist. Eine solche Function will
ich eine ganze eindeutige Function von x nennen - oder auch bloss,
8 Zur Theorie der ein<leutigen analytischen .Fundione11.

wo keine Zweideutigkeit dadurch entsteht, ganze Function -; man hat


also zu unterscheiden zwischen rationalen ganzen Functionen, fiir wekhe
die Stelle = eine ausserwesentliehe singuläre ist und die angegebene Reihe
aus einer endlichen Anzahl von Gliedern besteht, und transcendenten
ganzen Functionen, für welche= eine wesentliche singuläre Stelle ist nnd <lie
Reihe unendlich viele Glieder hat. Als Fnnctionszeiche.n für eine tmbe-
stimmte, in der in Rede stehenden Form ausge<lrückt gedachte Fnnction
verwende ich auch im Folgenden den Buchstaben Cl und untersehei<le, Wf•nn
mehrere solche Functionen zu bezeichnen sind, die einzelnen dmch hinzu-
gefügte Indices.
Dies vorausgesetzt, ist nun die Beantwortung der gestellten Frag·e
in folgenden Sätzen enthalten.

A. Der allgemeine Ausdruck einer eindeutigen Function von x mit nur


el!ler (wesentlichen oder aussenvesentlichen) singulären Stelle (c)
ist

0 ( l_ ··)
:r -- I' '

1
wo der obigen Festsetzung gemäss, wenn c -c <X), durch a:
:;· - ('

zu ersetzen ist. Die singuläre Stelle ist eine wesentliehe oder


ausserwesentliehe, jr,nachdem G eine transcendr,ntr, oder eine
rationale ganze Function von - 1- - ist.
;,~;-('

B. Der allgemeine Ausdruck einer eindeutigen Function von x mit n


(wesentlichenoder ausserwesentlichen) singulären Stellen (e 1 , ••• 1· 11 )
kann in mannigfaltiger ·weise aus n .B'unctionen mit je einer
singulären Stelle zusammengesetzt, am einfachsten aber in den
nachstehenden Formen aufgestellt werden:

1) 2) I1
n G (-
V=l
V ;;; -
1
('
-) • R*(:x·)~ '
V

wo R*(x) eine rationale Function bedeutet, welche nur an den


wesentlichen singulären Stellen der darzustellenden Function Null
und unendlich gross wird.

0. Jede eindeutige Function von x, welche n wesentliche singu-


läre Stellen (r 1 , ••• r·11 ) und ansser diesen noch beliebig viele
Zur Theorie tler eindeutigen analytischen Functioneu.

(auch unendlich viele) ausserwesentliche hat, kann in jeder der


beiden naehstehenden :Formen:

n
2:
'I= I
G (- _!_ __ )
V ;x;- Cy
1)
n 0 ( - 1- )
~~ - 17+v X - l"v

n
IJ 0, (x --~
1 1. )
2) v=:oi ________ _'I_ .Jl*(:x:)

IT (} n+v ----
11
---
V=l
1 )
(
X-I"
V

ausgedrückt werden, und zwar dergestalt, dass Zähler und Nenner


für keinen W erth von x beide verschwinden.
Umgekehrt stellt jeder dieser Ausdrücke, wenn die :Functionen
G1 , ••• Gm willkürlich angenommen werden, eine eindeutige
:Function von x dar, welche im Allgemeinen· n, in speciellen
:Fällen auch weniger als n wesentliche singuläre Stellen hat,
während die Anzahl der ausserwesentlichen singulären Stellen,
an denen die :Function unendlich wird, unbeschränkt ist.
Von diesen Sätzen war bisher nur der unter (A) angeführte bekannt,
und der unter (B, 1) aufgestellte aus bekannten Sätzen leicht abzuleiten.
Die übrigfm aufzufinden war nicht schwer, nachdem einmal die Aufgabe,
um die es sich handelt, gehörig präcisirt war. Um sie allgemein be-
weisen zu können, hatte ich jedoch, wie sich alsbald ergab, zuvor eine
in der Theorie der transeendeuten ganzen :Functionen ·bestehende, sogleich
anzugebende Lücke auszufüllen, was mir erst nach manchen vergeblichen
Versuchen vor nicht langer Zeit in befriedigender Weise gelungen ist.
:Für jede eindeutige :Function f(x) gilt, dass in einem Theile des
Gebiets von x, der weder im Innern noch an der Grenze eine wesent-
liche singuläre Stell~ enthält, Werthe, für die f(x) == oo, und ebenso
Werthe, für die f(x) == 0 ist,. stets nur in endlicher Anzahl vorhanden sind.
Das Erstere ergiebt sich unmittelbar aus dem oben (S. 3) Bemerkten,
und das Letztere ebenfalls, wenn man beachtet, dass die :Function

1
f(x)

dieselben wesentlichen .singulären Stellen hat wie f(x) st>lhst.


10 Znr Theorie tler eindeutigen analytischen Functione11.

Ist insbesondere f(:x') eine ganze eindeutige Function, so giebt' es


also unter den \Verthen von x, deren absoluter Betrag eine willkürlieh
angenommene Grenze nkht übersteigt, stets nur eine endliche Anzahl
solcher, für die f(.x:) gleich Null ist. Dies gilt auch noch, wenn in
Übereinstimmung mit dem bei ganzen rationalen Functionen Gebräuch-
lichen festgesetzt wird, dass bei Bestimmung der in Rede stehenden Zahl
jeder Werth, für welchen ausser der Function f(:r) selbst auch die (p. - 1)
ersten Ableitungen derselben verschwinden, die p. te aber nicht, als ein
p.-rnal zu zählender betrachtet wenlen soll.
Hieraus folgt, dass es stets müglieh ist, ans denjenigen Wertheu
von X' für die eine uestirnrnte eindeutige ganze Function dieser Griisse
verschwindet, eine Reihe
a 1 , a2 , a~, ...

zu bilden, welche jeden Werth so oft enthält, als er nach der gt>maehten
Festsetzung zu zählen ist, und zugleich, falls die Anzahl ihrer Glieder
unendlich gross ist, der Bedingung

Lim. I an I~=
11=00

genügt. Die so gebildete Reihe (aP a2 , a 3, .. ·) möge. die Reihe der


"Null- Stellen" der betreffenden Function ]wissen.
Dies festgestellt, ergeben sich nun :;;:wei Fragen:
1) In wie weit ist eine Function G(x) durch die Reihe ihrer Null-
Stellen bestimmt?
2) Existirt, wenn eine unendliche Reihe bestimmter Grüssen
a1 , n2 , a3 , • •• , die der Bedingung Lirn.l a11 I = =genügt, gegt>ben
n==
ist, stets eine Function G(x), für welche diese Reihe in dem
festgestellten Sinne die Reihe der Null-Stellen bildet?
Die erste Frage beantwortet sich leicht. Es giebt unendlich viele
ganze Fundionen, welche dieselben Null- Stellen haben wie eine gegebene
G(:c); sie sind sämrntlich enthalten in dem Ausdruck

G(:r) eG(x) ,

wo unter G ('x') eine willkürlich anzunehmende ganze Function zu ver-


stehen ist.
Was dagegen die zweite, bis jetzt unerledigt gebliebene Frage an-
geht, so werde ich im folgenden Paragraphen nachweisen, dass dieselbe
unbedingt zu bejahen ist.
Zur Theorie der eindeutigen analytischen Fnnctionen. 11

Mit Hülfe des so gewonnenen fundamentalen Satzes lassen sich dann


von den im Vorstflhenden unter (A, B, C) aufgestellten Theoremen zn-
nächst diejenigen leicht beweisen, welche auf Functionen mit einer
wesentlichen singulären Stelle sich beziehen.
Sodann wird der nachstehende Hiilfssatz eingeschaltet:
Es sei
kt kn
~(x)=k
0
+--+···+--
X - C J.: - r· '
1 n

wo die (r, k). Constanten bedeuten, welche nur der Beschränkung unter-
worfen sind, dass von den Grössen kp ... kn keine gleich ,Null, und
von den Grössen c1 , ••• cn nicht zwei einander gleich sein sollen. Ferner
seien F 0 (y), F 1 (y), ... Fn_ 1 (y) eindeutige Functionen der Veränderlichen
y mit der einen wesentlichen singulären Stelle CXJ. Alsdann stellt nicht
nur der A nsdmck

wo c eine beliebige der Grössen c11 ••• "n bedeutet, wenn man in demselben

y = ~(x)

setzt, stets eine eindeutige Function mit den wesentlichen singulären


Stellen c1 , ••• cn dar, sondern es lassen sich auch für j e d e gegebene
Function f(x) dieser Art die Functionen F 0 (y), ... F 11 _ 1 (y) so bestimmen,
dass

f(x) = ~ Fv(~(x)) · (~)"


v=O X C

ist. Dabei werden F 0 (1J), ... F 11 _ 1 (y) sämmtlich ganze Functionen von y,
wenn die Function f(J.) keine ausserwesentliche singuläre Stelle hat.
Dieser Satz dient zur Begründung des unter (B, 1) gegebenen Aus-
drucks einer Function mit n (wesentlichen oder ausserwesentlichen) sin-
gulären Stellen.
Eine solche Function kann so beschaffen sein, dass sie an keiner
Stelle, welche von den Stellen c1 , ••• cn verschieden ist, verschwindet; in
diesem Falle ergiebt sich für sie der Ausdruck
12 Zur Theorie der eindeutig-en analytischen Fnnetionen.

Ist nun f'(x) eine lleliebige eindeutige Function mit den n wesent-
lichen singulären Stellen 1·1 , ••• cn, so hat man das Gebiet der VeräiHler-
lichen x in n Theile dergestalt zu zerlegen, dass im Innern eines jeden
Theiles eine der genannten Stellen liegt, und dass zug·leich die Funct.ion
f'(a.:) an der Grenze zwischen je zwei Theilen üllerall einen endlichen und
von Null verschiedenen ·werth hat; dies kann auf unendlich viele Arten
geschehen. Dann giebt es, wenn mit c irgend eine der Stellen c1 , ••• 1·11
und mit C der zugehörige 'fheil bezeichnet wir<l, unter den zu () ge-
hörenden \V erthen von r~:, für welche

lx-ci>P

ist, wo p eine beliebig klein anzunelnnende positive Grösse bedeutet, nur


eine endliche Anzahl solcher, für die f'(a.:) versclnvindet; dasselbe g·ilt auch
noch, wenn auch jetzt festgesetzt wird, dass bei der Zählung dieser W erthe
so verfahren werde, wie vorhin für eine ganze Fnnction angegeben worden
ist.. Es kann demnach, wenn es überhaupt in C Werthe giebt, für die
f'(x) = 0 ist, aus der Gesammtheit derselben eine Reihe

in der Art gebildet werden, dass in derselben jecler einzelne \Vert.h so oft
vorkommt, als er der Festsetzung gemäss zu zählen ist, uncl zugleieh.
falls die Reihe nicht abbricht,

Lim. I a.11 -- ci= 0


11==

ist. Dann ist die Reihe

__
1 , ___
1 , ..... ,
a.1 - ~: a2 - c an - c

so beschaffen, dass eine Function G ( x') existirt, für welche sie die Reihe
der Null- Stellen bildet; und wenn man in dieser :~:' = - 1-- setzt, so ist
J::- c

eine Function von x, welche nur die eine wesentliche singuläre Stelle c
hat und zu der Function f(x) in der Beziehung steht, dass die vollst.än-
Zur Theorie der eindeutigen analytischen Fnnctionen. 13

dige Reihe ihrer Null-Stellen identisch ist mit der Reihe der dem be-
trachteten Theile C angehörenden Null-Stellen von f(x). (Sind Werthe von
x, für die f(x) verschwindet, in C nicht vorhanden, so ist die definirte
Function G in den folgenden Formeln durch die Zahl 1 zu ersetzen.)
Ebenso giebt es, da die Function {(~) dieselben wesentlichen singulären

Stellen wie f(x) hat, eine Function G'(;;~ J, welche zu f(~) in derselben

Beziehung steht wie a(--


X-C
1--) zu f(x).
Bezeichnet man nun diese beiden Functionen für die Stelle cv mit

aCv)(_l
x-cv
-)' aCn+v)(__l_),
X - Cy

und setzt

so ist ( 1 (x) eine Function, welche an allen Stellen des Gebiets


von x, mit Ausnahme der Stellen c1 , ••• c1P einen endlichen und
von Null verschiedenen Werth hat.
Drückt man sodann diese Function {1 (x) in der vorhin angegebenen
Weise aus, so ergeben sich die unter (B, 2) und (C, 2) aufgestellten
Formen von f(x). Aus der letztern erhält man dann schliesslich mit
Hülfe des Theorems (B, 1) den unter (C, 1) gegebenen Ausdruck derselben
Function.
Die im Vorstehenden zusammengestellten Ausdrücke einer eindeutigen
Function mit einer endlichen Anzahl wesentlicher singulärer Stellen
können nun noch weiter entwickelt werden, so dass die arithmetische
Abhängigkeit des Werthes der Function von dem Werthe ihres Arguments
unmittelbar in Evidenz tritt. In den :Formeln (B, 1) und (0, 1) ist es
für diesen Zweck am angemessensten, jede Function a(-l_-)
x-c
in der

Form einer Potenzreihe von _1.__ darzustellen. Es lässt sich aber, wie
x-c
in§ 2 nachgewiesen wird, jede Function G(x) auch darstellen als Product
unendlich vieler Factoren, welche ebenso wie die Potenzen von x bestimmt
14 Zur Theorie der eindeutigen analytischen Functionen.

charakterisirte Functionen sind; diese Ausdrucksform der Functionen


G (--1- ) wird man am zweckmässigsten zur weitern Entwicklung der
x-c
Formeln (B, 2) und (0, 2) verwenden.
Ist

die Reihe der Null-Stellen einer ganzen rationalen Function G(x), und x0
irgend ein in dieser Reihe nicht enthaltener Werth, so hat man

G(x) _ ITr (x-an)


G(xu')- n=l Xu- Ctn •

Man hat schon früh versucht, diesen Satz auf transcendente ganze Func-
tionen auszudehnen, wobei sich jedoch erhebliche Schwierigkeiten darboten.
Man erkannte, dass es im Allgemeinen nöthig sei, dem Ausdruck rechts
noch einen Factor von der Form

hinzuzufügen (Oauchy, Exercices de MatMmatiques, III.); aber dies reicht,


wenn von dem Falle, wo Null-Stellen der Function nur in endlicher Anzahl
vorhanden sind, abgesehen wird, nur aus, wenn die Reihe

und mit ihr das Product

convergirt , was im Allgemeinen nicht der Fall ist.


Bei manchen Functionen gelingt es zwar, durch :Festsetzung einer
bestimmten Aufeinanderfolge der Factoren, oder überhaupt durch Vor-
schrift einer bestimmten Ausführungsweise der unendlich vielen Mültipli-
cationen das Product zu einem bedingt convergenten zu machen; im
Allgemeinen indess ist auch dies nicht möglich, wie unter andern das
Beispiel der Function
1
h(X)
Zur Theorie der eimleutigen analytischen Functionen. 15

zeigt, bei welcher das in Rede stehende, aus den Factoren

X :x:
1--t-x 1+-, 1~--,···
3
' 2 I

zu bildende Product unter allen Umständen divergirt.


Aber eben diese Function weist auf den Weg hin, der zum Ziele
führt. Nach der von Gauss gegebenen Definition ist der Ausdruck der~
selben das beständig convergirende unendliche Product

oder

d. h. die Function ist darstellbar als Product unendlich vieler Factoren,


welche zwar nicht ganze lineare Functionen· von x , aber doch gleich
diesen eindeutige Functionen mit nur Einer singulären Stelle (oo)
und auch nur Einer Null-Stelle sind.
Von dieser Bemerkung ausgehend legte ich mir die Frage vor, ob
sich nicht jede Function G(x) ans Factoren von der Form

(kx + l) eG(x)

möge zusammensetzen lassen, und gelangte, indem ich diesen Gedanken


verfolgte, schliesslich zu einem Ergebnisse, durch welches die Theorie der
eindeutigen Functionen mit einer endlichen Anzahl wesentlicher singulärer
Stellen einen befriedigenden Abschluss erhält.
Ich nenne "Primfunction" von x jede eindeutige Function dieser
Grösse, welche nur Eine (wesentliche oder ausserwesentliche) singuläre
Stelle und entweder nur Eine oder gar keine Null- Stelle hat. Der
allgemeinste Ausdruck einer solchen Function ist, wenn die singuläre
Stelle mit e bezeichnet wird,

wo k, l Gonstanten bedeuten, und zu beachten ist, dass k auch gleich


Null und G ( -1--) eine Gonstante sein kann. Es erweist sich aber für
x-c
16 Zur Theorie der eindeutigen analytischen Functionen.

den in's Auge gefassten Zweck als ausreichend und zweckmässig, aus-
schliesslich solche Primfunctionen einzuführen, bei denen G (__1--)
x-c
eine

rationale ganze Function von-~--- ist; dies soll also im Folgenden überall,
x-c
wo von Primfunctionen die Rede ist, stillschweigend angenommen werden.
Dies festgestellt, ergiebt sich zunächst, dass jede eindeutige Function
f(x) mit Einer (wesentlichen oder ausserwesentlichen) singulären Stelle
entweder selbst eine Primfunction ist oder ein Product von
Primfunctionen mit derselben singulären Stelle; und lassen dann
die unter (B, 2) und (0, 2) angegebenen Ausdrücke unmittelbar erkennen,
dass und wie eine beliebige Function der hier betrachteten Art aus
Primfunctionen durch Multiplication und Division zusammen-
gesetzt werden kann.
Ich lasse dieser Analyse des wesentlichen Inhalts meiner Arbeit
und der Darlegung der leitenden Gesichtspunkte nunmehr die erforderlichen
Entwickelungen in mehr synthetischer Form folgen, wobei ich bemerke,
dass ich bei denselben mit Vorbedacht nur einige elementare Sätze der
Reihen-Theorie und die Eigenschaften der Exponentialfunction als bekannt
voraussetze.

2. Zur Theorie der ganzen eindeutigen Functio:nen


Einer Veränderlichen.

Ist eine unendliche Reihe gegebener Grössen

von denen keine den Werth Null hat, so beschaffen, dass


. 1I ctn I-
L Im. - oo,
U=oo

so kann man derselben auf mannigfaltige Weise eine Reihe ganzer Zahlen

von denen jede : : : _ 0 ist, so zuordnen, dass die Summe

für jeden Werth der Veränderlichen x einen endlichen W erth hat.


Zur Theorie der eindeutigen analytischen Functioneno 17
Man braucht zu dem Ende nur irgend eine unendliche Reihe posi-
tiver Grössen

so anzunehmen, dass c < 1 ist und dass

einen endlichen Werth hat, und dann die Zahlen m1 , m2 , m3 , 0 0 • so zu


bestimmen, dass (für V = 1, 2, 3, o o ocx>)

wird.
Setzt man hierauf

F(x) =
00
1
~--~ ( -x- )mv ,
V= I X--- av Ctv

so ist F(x) eine für jeden endlichen \Verth von x definirte eindeutige
Function von der Beschaffenheit, dass sich F( a + k), wenn a irgend ein
bestimmter Werth von x ist, bei hinlänglich kleinem Werthe der Veränder-
lichen k in der Form
m
k+ \ß(k)

darstellen lässt, wo m eine ganze (nicht negative) Zahl ist, welche an-
giebt, wie oft der W erth a in der Reihe a 11 a2 , a 3 , ••• vorkommt. Nach
einem früher (Crelle's Journal, Bd. 52, S. 333) von mir bewiesenen
Satze existirt also eine Function G(x), welche der Gleichung

dG(x)__ = F(x) G(x)


0

dx

genügt und die Eigenschaft besitzt, dass für sie die Reihe

in dem oben angegebenen Sinne die Reihe der N nll- Stellen bildet.
Dies lässt sich aber noch einfacher als a. a. 0. folgendermassen
beweisen.
2
18 Zur Theorie der eindeutigen analytischen Fnnctionen.

Fiir diejenigen "\Verthe von x, deren absoluter Betrag kleiner als


Eins ist, hat man

woraus

1 -x=e
-i: (::-~)
r=O

folgt. Man setze nun

E(x, 0) = 1- x,
E(x, 1) = (1- x)ex,
E(x, 2) = (1 - x ) ex+-l- x2 ,

~(x;)
E(x, m) = (1 - x)e t"-1
- ,

so ist, unter der Bedingung, dass I x I < 1,

-~(:·:;)
Ex,m
( ) =e r-1
-

Fasst man nun die Gesammtheit der Grössen ins Auge, welche aus der
Formel
1 Ix lr+mv
r +rnv av

dadurch hervorgehen, dass man t· = 1, 2, ... oo; v = n, n + 1, ... oo


setzt, so ist ersichtlich, dass die Summe dieser Grössen einen endlichen
"\Verth hat, wenn der Veränderlichen x nur solche Werthe gegeben wer-
den, die dem absoluten Betrage nach kleiner sind als jede der Grössen

denn dann ist sie kleiner als


Zur Theorie der eindeutigen analytisehen Fnuetionen. 19
also, wenn man mit lc den kleinsten der W erthe

l-1_!!__1,
an+
...
I

bezeichnet, kleiner als das Product aus j ~ I und der Summe

welche der Voraussetzung nach einen endlichen W erth hat. Daraus folgt,
dass die Doppelsumme

flir die angegebenen \V erthe von x nicht nur unbedingt convergirt, son-
dern auch dadurch, dass man alle Glieder, welche dieselbe Potenz von x
enthafien, in eine Potenzreihe

\ß(x, n)

verwandelt werden kann.


Nimmt man nun zunächst x dem absoluten Betrage nach kleiner
als jede der Grössen ·aP a~, ... an, so convergiren sämmtliche Reihen

\ß(x, 1), 1-ß(x, 2), ... ,


und man hat

\ß (x, 1) - \ß (x, n -1 1) =
n
~ ~
=
---
1 (X -
)r+mv
,
v=l r=I r + 11tv Ctv

woraus sich

e -1-Jl(x,I)_IJn
- E(~.)
, mv • e-1-Jl(x,n+I)
v=I av
ergiebt.
Es lässt sich aber jede der Functionen

2*
20 Zur Theorie der eindeutig·en analytischen Functionen.

in eine für jeden endlichen W erth von x convergirende Reihe von der
Form
(vl (v)
1 + A1 x + A2 x2 + · ..
entwickeln, und

in eine Reihe von derselben Form


(n} (n) 2
1 +BI X + B2 X + ... '

welche jedenfalls convergirt, wenn x dem absoluten Betrage nach kleiner


als jede der Grössen a11 + 1 , a1t+ 2 , ••• ist. Nimmt man daher eine positive
Grösse g beliebig, n aber so an, dass

I av I > g ist, wenn v > n ,

so geht aus der Entwickelung des Products

(II) (11.)
(1 +BI X-+ B2 X + .. ·)
2 rr (1 +Al X+ A2 X
1!
(V} (Y) 2
+ .. ·)
V=l

eine Reihe

hervor, welche sicher für diejenigen ·werthe von x, deren absoluter Be-
trag nicht grösser als g ist, convergirt. Die Coefficienten dieser Reihe
sind aber, da der vorstehenden Gleichung gernäss für hinlänglich kleine
Werthe von x
1 + A x + A x 2 + · · · = e-~(x, I)
I 2

ist, unabhängig von der willkürlich anzunehmenden Grösse g; , es folgt


also aus dem Bewiesenen, dass die Reihe für jeden endlichen Werth
von x convergirt und somit eine ganze eindeutige Function
G(x) darstellt.
Diese Function verschwindet nun für einen bestimmten W erth a
von x nur in dem Falle, wo a in der Reihe ct 1 , a 2 , • • • enthalten ist, w1e
aus der Gleichung
Zur Theorie der eindeutigen analytischen Functionen. 21

ohne Weiteres erhellt, wenn man n so gross annimmt, dass a innerhalb


des Oonvergenzbezirks der Reihe

\ß(:r, n -, 1)

liegt, und beachtet, dass die Exponentialfunction für keinen endlichen


Werth ihres Arguments verschwindet. Man sieht aber auch, dass, wenn
a in der Reihe a 1 , a 2 , ••. (-1-mal vorkommt,

G(x) auf die Form (x -- a) 11 f(x')

in der Art gebracht werden kann, dass f(a:) für x ~= a einen von Null
verschiedenen endlichen W erth hat. Die gegebene Reihe

ist also die Reihe der Null-Stellen für die Function G(x), welche nach
dem Vorstehenden dadurch hergestellt werden kann, dass zunächst die
Summe

~
oo
L-----
oo
+
V=I 1'=1 1'
-- 1
111 v
( X )?'+nlv
{(.V '

in welcher die Zahlen mv die oben angegebene Bedeutung haben, auf die
Form ~(x, 1) gebracht, und dann

-I.Jl(:r, I)
e

nach Potenzen von x entwickelt wird.


Multiplieilt man G(x) noch mit x\ wo :A. eine ganze positive Zahl
bedeutet, so erhält man eine Function, für welche die Reihe der Null-
Stellen ausser den Grössen ap a2 , a. 3 , ••• noch :A. Glieder, die gleich Null
sind, enthält.
Es ist also stets möglich, eine ganze eindeutige Function G (x) mit
vorgeschriebenen Null- Stellen

zu bilden, wofern nur die nothwendige Bedingung

Lim. I a11 I ~-~ CX)


'/1=00

erfüllt ist.
22 Zur Theorie der eintlrmtigen analytischen Fnnctionen.

Es giebt aber nicht bloss eine solche Function, sondern unendlich


viele.
Setzt man nämlich
G1 (x) = G(x) eG(x),

so hat offenbar die Function G1 (x) dieselben Null-Stellen wie G(x), wie
auch die Function G(x) angenommen werden möge. Umgekehrt ist, wenn
zwei Functionen G (:c), G 1 (a) dieselben Null- Stellen haben, der Quotient

der mit G2 (x) bezeichnet werde, eine Fnnction, die für jeden endlichen
\V erth von x einen von N nll . verschiedenen endlichen W erth bat. Es
lässt sich deshalb
1 llG~(:1")
G2 (a:) -~

in eine beständig convergirende Reihe

entwickeln, und man erhält, wenn man

- 1 1
G(x)· --- C·o J'. C~~ ...."'' -'- ,.,.2 -' ' ·~- C3 x·3 -+- ·. ·
' 2 C2 '"'

setzt, und die Constante C0 so annimmt, dass

ist,
--~-
1 llG 2 (x)
----~
dG(a:)
G 2 (x) dx dx

G2 ( x ) =
eG(x) .

Die Formel
G(x)cG(x)

giebt also alle ganzen eindeutigen Functionen vön x, welche dieselben


Null-Stellen wie G(;r:) haben.
Zur Theorie rler einrlrntig-en nn~tlyt.ischen Fnnctionen. 23
Jetzt bedeute G(x) irgend eine gegebene ganze Function von x,
so künnen drei Fälle eintreten:
1) sie hat keine Null-Stellen - dann ist sie eine Fnnct.ion wie die
eben mit G2 (x) bezeichnete, und kann in der Form

G(x)
e
an!'gedriickt werden;
2) sie hat Null-Stellen m endlicher Anzahl -- dann ist sie in der
Form.

darstellllar, wo G 0 (:~·) eine rationale ganze Function bedeutet;


3) sie hat unendlich viele Null-Stellen - in diesem Falle kann
sie auf die Form

gebracht werden, wo A. Null oder eine ganze positive Zahl,


G0 (x) aller in der beschriebenen Weise aus den von Null ver-
schiedenen Null-Stellen (a. 1 , a~, a3 , ••• ) der Fnnction, einer Reihe
ganzer Zahlen (mp m2 , m:~, ... ) und der Veränderlichen :~: zu-
sammenzusetzen ist.
Dieser Function G0 (x) kann man nun nach dem Vorstehenden für
einen bestimmten Werth von x die Gestalt

IIE(
n
x , mv ) e-'.ß(x,n+I)
-
V=l aV

geben, wenn man n so gross annimmt, dass x dem absoluten Betrage


nach kleiner ist als jede der Grüssen an+I, a.n+ 2 , . . . Aus dem oben be-
stimmten Ausdruck der Grenze, unterhalb welcher der absolute Betrag
von
jß(x, n)
stets liegt, ergiebt sich aller

Lim. ~(x, n+ 1) = 0,
11=oo

indem

L1m.
• ~ 11
00

?l=oo ,1= 11
- ( -X
a,, a,,
)mv·I - o
J
24 Zur Theorie der eindeutigen analytischen Functionen.

ist, wenn die Zahlen mv, wie angenommen worden, so bestimmt sind, dass

einen endlichen Werth hat. Folglich ist - filr jeden Werth von x -

Der Function G(x) kann man ferner in mannigfaltiger Weise die Gestalt

G(O) + ~ .1v (:1':)


v=l

geben, in der Art, dass die gv(x) sämmtlich rationale, für x = 0 ver-
schwindende ganze FÜnctionen werden. Setzt man dann

so ergiebt sich

G(x) -= C. a/· I1
00
{( x)
1 - - - e Yv(x)l ,
V=l Uv

wo C eine Constante bedeutet. Da man nun auch im Falle (1)

oo .iiv(x)
G(x) = CIJe ,
v=l

und im Falle (2), wenn a1 , a2 , ••• am die von Null verschiedenen Null-
Stellen der Function G0 (x) sind,

G(x) =
X) (x)} .
C x /.. IIm l' ( 1 - - e.ffv rroo eifix)
V=l (I,V V=tn+l

hat, so ist hiermit der Satz begründet:


Jede ganze eindeutige Function von x kann dargestellt
werden in der Gestalt eines Products, dessen Factoren
sämmtlich Primfunctionen von der Form

(kx + l) Jl (x)
Zur Theorie der eindeutigen analytischen Functionen. 25

sind, wo g(x) eine rationale, für x = 0 verschwindende


ganze Function ist und k, l Gonstanten bedeuten. (Dabei ist
zu beachten, dass g(x) und ebenso eine der Grössen k, l auch den
W erth Null haben kann, also auch eine Gonstante als Primfunction
zu betrachten ist.)
Hierzu ist noch Folgendes zu bemerken.
Das Product, durch welches G(x) dargestellt wird, convergirt -
wenn es aus unendlich vielen Factaren besteht - unbedingt und zu-
gleich für alle Werthe von x, deren absoluter Betrag eine willkürlich
anzunehmende Grenze nicht übersteigt, gleichmässig, vorausgesetzt,
dass bei der angegebenen Zerlegung der Function G(x) so verfahren wird,
dass die Reihe

unbedingt und für die in Rede stehenden Werthe von x_ gleichmässig con-
vergirt; was unter allen Umständen möglich ist. Denn unter dieser
Voraussetzung braucht man nur nachzuweisen, dass das Product

die angegebene Beschaffenheit besitzt, was der Fall ist, wenn die folgende
Bedingung erfüllt ist: Nach Annahme zweier positiven Grössen ~' 13, von
denen die erste beliebig gross, die andere beliebig klein sein kann, muss
es möglich sein, eine Zahl n so zu bestimmen, dass das Product aus be-
liebig vielen deijenigen Functionen

in denen v > n, für jeden Werth von x, dessen absolute1: Betrag kleiner
als ~ ist, von der Einheit um eine Grösse abweicht, die ihrem absoluten
Betrage nach kleiner als o ist. Dies ist aber in der That möglich.
Nimmt man nämlich n so gross an, dass I av I > ~ ist, sobald v > n,
so hat inan für jeden 'Verth von v, der grösser als n, und jeden Werth
von x, dessen absoluter Betrag nicht grösser als ~ ist,
26 Znr Thcoril' <ler einclentigen analytischen Fnnctionen.

und es ist daher , wenn man von diesen Funct.ionen E (-~ ,


(/.'1
mv) beliE--big
viele auswäl1lt und das Product derselben gleich

- f (:.r)
e

setzt, I f(x) I stets kleiner als


oo on • E ·r + 111v
~ ~ 1 : . I
.t...J ~ --··· .. t I :
v= u + l 1'= 1 ·r -!- 111 v ! l.tv I

von welcher Grösse gezeigt worden ist., dass sie für einen unendlich
grossen Werth von n unendlich klein wir<l; woraus sich das Behauptete
sofort ergiebf..
Es ist femer zu beachten, dass die in den Primfactoren <ler Funct.ion
G (x) vorkommenden Exponentialgrössen nicht vollständig bestimmt sind.
Nimmt man nämlich eine Reihe rationaler ganzer Functionen y~(:.t) so
an , dass fiir jeden \V erth von x

L: y~ (x) .,-: 0
00

V= I

ist - was auf unendlich viele Arten geschehen kann - so ändert der
Ausdruck von G' (x) seim~n \Ver t h nicht , wenn man in jedf:'m seiner
Factoren
.fJv(x) + .r;~(a;) für gv(x)

setzt. Umgekehrt erhellt , dass man auf diese Weise alle möglichen Dar-
stellungen von G(x) in der Form eines aus Primfunctionen gebilde.ten
Product.s erhält.
Endlich miige noch bemerkt werden, dass in dem hii.nfig vorkommen<len
Falle, wo für eine bestimmte ganze und positive Zahl J.1.

einen endlichen ·werth hat, die in den Functionen E(.3?.. ,


Ov
mv) vorkommenden
Zahlen rn P rn2 , • • • alle gleich (J.L - 1) gesetzt werden können.*)

*) Die in diesem und dem folgenden § ent haltenen Sätze habe ich bereits im H erbst
1874 in meinen Universitäts-Vorlesungen ausführlich vorgetragen.
Znr Theorie der eindeutigen analytischen Fnnctiouen. 27

3. Eindeutige Functionen von x mit Einer wesentlichen


singulären Stelle.

Ist f(x) eine eindeutige Function von x mit der einen wesentlichen
singulären Stelle oo, so lässt sich in dem Falle, wo sie ausserdem beliebig
viele (auch unendlich viele) ausserwesentliche singuläre Stellen hat, eine
Function G 2 (x) herstellen, für welche die Reihe der Null-Stellen identisch
ist mit der Reihe der Null-Stellen der Function

Dann ist G2 (x). f(x) ebenfalls eine ganze Function von x, und man hat,
wenn diese mit G 1 (x) bezeichnet wird,

f(x) = g~ ~~~.
Zugleich sind diese Functionen G1 (x), G2 (x) so beschaffen, dass sie für den-
selben Werth von x nicht beide verschwinden. Und umgPkehrt, wenn
man zwei ganze Functionen von dieser BeschatfenhPit willkürlich an-
nimmt, und wenigstens eine von ihnen transcendent ist, so stellt der
Quotient

eine eindeutige Function von x mit der einen wesentlichen singulären


Stelle oo dar.
Ist ferner f(x) eine eindeutige Function mit einer (wesentlichen
oder ausserwesentlichen) singulären Stelle c, so verwandelt sich, wenn
man
1
x'=--
x-c

setzt, f(x) in eine Function von x' mit der einen singulären Stelle oo,
woraus sich

f(x) = a(-
1 )
X-<;
28 Zur Theorie der eindeutigen analytischen Fnnctionen.

ergiebt. Dabei ist G eine transeendeute oder rationale Function, jenachdem


die singuläre Stelle c eine wesentliche oder ausserwesentliche ist.
Ebenso ergiebt sich als allgemeiner Ausdruck einer eindeutigen
Function von x, welche ausser einer wesentlichen singulären Stelle c
beliebig viele ausserwesentliche hat, der Quotient

a (~~--)
1 X-C

a(-
2 X-C
1 )-,

wo die Functionen GI' G2 nicht beüle für einen und denselben vVerth
von a; verschwinden, und wenigstens eine von ihnen transcendent ist.

4. Ein Hülfssatz.

ISt F(y) eine eindeutige Function, welche nur die eine wesentliche
singuläre Stelle oo hat, und i?(x) eine rationale Function nten Grades,
welche an n verschiedenen Stellen (c1 , ••• cn) gleich oo wird, so verwandelt
sich F(y), wenn man y = i?(x) setzt, in eine eindeutige Function von
x mit den n wesentlichen singulären Stellen (e1 , ••• r·11 ). Man überzeugt
sich indessen leicht, dass man auf diese vV eise nur besondere Functionefi
dieser Art erhält. Wohl aber ist es möglich, wie bereits in § 1 angegebett
worden und jetzt bewiesen werden soll, jede eindeutige Fnnction f(a.;),
deren wesentliche singuläre Stellen (c1 , ••• c11 ) sind, in der Form

darzustellen, wo c irgend eine der Grössen e1 , ••• cn bedeutet.


Ich will zuerst annehmen, dass eine der wesentlichen singulären
Stellen von f(x), z. B. cu den vV erth oo habe, so dass

ko kn
i?(x) =~ k +lc 1 x+ ---+ · · · · +
0 x-c·
- -
X-('
• '2 .17

ist, wo von den Constanten k1 , ••• kn keine den \Verth Null hat. Nimmt
man dann zwischen x und einer andern Veränderlichen y die Gleichung

i?(X) = y
Znr Theorie der eiudeutigen analytisehen Funetionen. 2\)

an, :,;o gehören zu je<lem endlichen W erthe von ?/ im allgemeinen n eben-


falls endliche und zugleich von den c2 , ••• c11 verschiedene W erthe von x,
welche mit x 1 , ••• x 11 bezeichnet werden mögen; und man kann, wenn von
denjenigen speciellen, nnr in endlicher Anzahl vorhandenen Wertheu von v
für die unter den Grösseu x 1 , ••• :rn sich gleiche finden, vorläufig abgesehen
wird, n von y abhängige Grös:sen F 0 , F 1 , ••• F 11 _ 1 dergestalt bestimmen,
dass

L: Fv ;;:'~
n-1

= f(;r) ist für X = .T 1 , ••• x 11 •


'1=0

Setzt man
TI'(;;') ~ t1 r~ (.~)
rlx '
so ist

woraus sich - wenn

II (J' ) ~ J;
n
-1
X I J' 11--1 v
. i • ~2 ;r
II-~
T • • • + >\; r

gesetzt wird, so dass also

ist - die folgenden Formeln ergeben :

n f(xv)
F11-I = L: h'(x-)'
V=l V

...:. ~ xvf(xv)
· v=l
~ IT'(x)
v
'

~ xvf(xv) X
+ LJ fl'(--)-. 1
v=l Xv
30 Zur Theorie rler eindeutigen analytischen Functionen.

Von diesen A usdrilcken F 0 , FP ... Fn-J ist nun zu zeigen, dass sie ein-
deutige Functionen von y mit der einen wesentlichen singulären Stelle
oo sind.
Setzt man
(x- c) ... (x- c11) = ~(x),
so ist
~(x) (cp(x)- y) = ki II(x),
und es sind demnach XI , .. Xn-I sämmtlich ganze lineare Functionen von y.
Die Ausdrücke

ferner, in denen die Grössen xi, ... xn ebenso wie in XI, ... Xn symme-
trisch vorkommen, haben gleichfalls eindeutig bestimmte Werthe für jeden
W erth von y, der nicht zu den vorläufig ausgeschlossenen gehört; es
reicht dies aber nicht aus zu dem Nachweise, dass sie - und mit ihnen
F 0 , •• ~~-I - Functionen der angegebenen Art von y sind, sondern es
muss auch gezeigt werden, dass sich dieselben, wenn y in der Umgebung
irgend eines bestimmten endlichen \Verthes b angenommen wird, entweder
unmittelbar oder doch, nachdem sie mit einer gewissen ganzen positiven
Potenz von (y- b) multiplicirt worden, in der Form

~(y- b)
darstellen lassen.
Wird zunächst b so angenommen, dass unter den Wurzeln der Glei-
chung cp(x) = b, welche mit ai, ... an bezeichnet werden mögen, keine
zwei gleiche sich finden, so ist

(v = 1, ..• n)

nicht gleich Null, und es hat also die Gleichung

cp(x) = y,

welche, wenn x in der Umgebung von av angenommen wird, auf die


Form
Znr Theorie tler eiudenti14e11 annlytbchcn Fuuctiuneu. 31

gebracht werden kann, für binlänglich kleine Werthe von (y- b) eine
in der Form

darstellbare Wurzel. Wird diese mit xv bezeichnet, so hat man, da TI'(nv)


nicht gleich Null, und av nicht eine der wesentlichen singulären Stellen
der Function f(x) ist, für A = 1, ... n,

wo mv Null oder eine ganze positive Zahl ist, jenachdem f(x) in der Um-
gebung von av sich regulär verhält oder nicht. Bedeutet also m die
grösste der Zahlen m1 , ••• mn, so ist

Hat aller b einen ~olchen Werth, dass die Gleichung

~(x) = b

weniger als n von einander verschiedene ·wurzeln besitzt, so sei a eine


derselben, und p. die Ordnungszahl der niedrigsten Ableitung von if(x),
welche fiir x = ct nicht verschwindet. Dann lässt sich die Gleichung

'P(x) = y'

wenn x in der Umgebung von ct angenommen wird, auf die Form

1 (!J.) !! 1 (!J.+l) !!+1


-ip (a).(x-ct) +---ip (a).(x-a) +···=y-b
p.! (p. + 1)!

bringen, und es giebt, wenn man


I

[ p.!(y-b)]Ti = 'fl
if<!!)(n)

setzt, eine Reihe von der Form


32 Zur Theorie der eindeutigen analytischen Functionen.

welche, für x gesetzt, bei hinlänglich kleinen Werthen von (y- b) die
Gleichung
G?(x) = y

befriedigt; wobei zu beachten ist, dass \ß("fJ) für "I)= 0 nicht verschwindet.
Fixirt man also einen der p. W erthe von "I) und setzt
2ni
e: = ~-rl-
'

so sind xP x2, ... xrl diejenigen p. Wurzeln der Gleichung, welche für
y = b den Werth a annehmen. Man hat dann, da die niedrigste Ablei-
tung von ll(x), welche für y = b, x = a nicht verschwindet, die p. te
ist, für v = 1 , . . . p.

n'(Xy ) _-- nXyn-1 ,-, ( n - 1) X 1 Xvn-2 --;-, • • • ,-


, X _ (V-I
11_ 1 - e: "/)
)rt-1 -( v-1 )
l_ß e: "/) '

wo 1,ß (e:v- 1 "fJ) für "I) = 0 nicht verschwindet, und, wenn für \Verthe von x
m der Umgebung der Stelle a

f(x) = (x- a)-m [A 0 + A 1 (x -- a) + · · ·J,


so ist

Aus der Reihe auf der rechten Seite dieser Gleichung müssen nun, da

L:rl e:(v-1) p

Y=1

nur für solche ganzzahlige \Verthe von p, die durch p. theilbar sind, einen
von Null verschiedenen Werth hat, alle Potenzen von "1), deren Exponent
nicht ein Vielfaches von p. ist, fortfallen; und es ist daher

Hat also die Gleichung


G?(x) = b
Zur Theorie der eindeutigen analytischen Functionen. 33

a.,., und haben 11~o mx für a.x


r von einander verschiedene 'Vnrzeln n1 ••••
dieselbe Bedeutung wie im Vorstehenden p., m für ct, so ergiebt sich für
hinlänglich kleine Werthe von (y- b)

:x-~-1 f(:x·v) n -rllx


"5:
..._. --- ll' -(:x·-----
11

) = "5:
..._. (IJ. - b)
0.)
\l~. (y - b)
1" ')(. '
'/:::_:1 • 'J 'X.=l

und somit, wenn jetzt m die grösste der Zahlen mx bedeutet, ganz so
wie in dem Falle, wo unter den Wurzeln der Gleichung cp(x) = b sich
keine zwei gleiche finden,
" /._-]/'( )
(y- ur~~'!_-,-~ x_v_ = \15(1.) (y- b).
'1=1 n (.x'l)
Hiermit ist bewiesen, dass die Ausdrücke

(1. = 1, .. . n)

und daher auch die Grössen F 0 , ••• Fn-P welche jetzt mit

bezeichnet werden mögen, eindeutige Functionen der Veränderlichen y mit


der einen wesentlichen singulären Stelle =
sind. Zugleich folgt aus dem
Vorstehenden, dass F 0 (y), ... F 11_ 1 (y) in dem Falle, wo es fiir. die
Function f(x) ausserwesentliche singuläre Stellen nicht giebt - die Zahl
m also stets gleich Null ist - sämmtlich ganze Functionen von y sind.
Der Definition dieser Functionen Fv(Y) gernäss besteht nun die
Gleichung
n-1
~ xv Fv (y) = f(x),
V=Ü

wenn für irgend einen endlichen "\Verth von y die Grösse x der Gleichung
:p(x) = y genügt. Versteht man also unter x' irgend einen endlichen,
von- den r:2 , ••• c11 verschiedenen "\Verth und setzt y = cp (x') , so kann
man x = x' nehmen, und erhält dann
n-1
~ Fv(Cf!Cx')) x'v = f(x');
'1=0
3
34 Zur Theorie rler eindeutigen analytischen Fnnctionen.

d. h. es gilt für jeden W erth von x, der nicht in der Reihe (=, r2 , ••• r11 )
enthalten ist, die Gleichung
11-1
~ Fv(~P(x))x'1 = f(x).
'1=0

Es ist· angenommen worden, dass c1 gleich = sei, weil dann ein.em


endlichen ·werthe von y stets endliche 'Verthe der Grössen x 1 , • • • x11 ent-
sprechen , und somit bei dem Beweise des vorstehenden Satzes das V er-
halten der Functionen Fv(Y) in der Umgebung der Stelle = nicht be-
sonders untersucht zu werden braucht. Sind aber c1 , ••• cn sämmtlkh end-
liche Grössen, so setze man
1
X=C
1
+-
z '
und bezeichne mit Cfi(z), f(z) die Functionen, in welche sich ip(x), f(x)
dadurch verwandeln. Dann hat man

k' k'
2 -···+-n-,,
cp(z)=k0 +k'z+--
1 z- c; z- cn

-wo die (k', c') wiederConstanten bedeuten- und es sind(=, c'2, ••• c') 11

die wesentlichen singulären Stellen für die Function f(z). Man hat also,
wenn man jetzt die Functionen F 0 (y), . . . F 11 _ 1 (y) für die Function fez)
ebenso bestimmt wie im Vorhergehenden für f(x),
n-1

Z: Fv(qi(z)) zv = {(z),
V=O

oder
n-1
Z:Fv(~P(x)). (~)v = f(x).
V=1 X Cl

In dieser Form, welche in die vorher aufgestellte übergeht, wenn


man c1 = = setzt, kann ~lso die Function f('x) stets dargestellt werden,
wenn ip(x) eine beliebige'l:ationale Function n ten Grades ist, welche an
jeder der n wesentlichen singulären Stellen der ersteren unendlich gross
wird.*)
*) Es lassen sich leicht auch ähnliche Ansrlrücke von f(x), in denen die Grössen
c1 , • . . c., symmetrisch vorkommen, aufstellen; es genügt aber der vorstehende für drn
zunächst ins Auge gefassten Zweck.
Znr Theorie der ein<lentigen analytischen Functionen. 35

5. Eindeutige Functionen von x mit einer endlichen


Anzahl (wesentlicher oder ausserwesentlicher) singulärer
Stellen.

Eine rationale Function f(x) mit den singulären (ausserwesentlichen)


Stellen c1 , ••• cn lässt sich bekanntlich in der Form

darstellen, wo G 1 , ••• Gn rationale ganze Functionen bedeuten.


Es soll nun gezeigt werden, dass jede eindeutige Function f(x) mit
einer endlichen Anzahl (wesentlicher oder ausserwesentlicher) singulärer
Stellen (cp ... c11) in derselben Form ausgedrückt werden kann, und zwar
dergestalt, dass unter den Functionen

::;o viel transeendeute vorkommen, als f(x) wesentliche singuläre Stellen hat.
Es möge zunächst f'(x) nur wesentliche singuläre Stellen haben.
Dann sind, wenn man f(x) auf die im vorhergehenden § auseinander-
gesetzte Weise in der Form

darstellt, die Functionen Fv (y), wie nachgewiesen worden ist, sämmtlich


ganze Functionen von y, so dass man

2: (Fv,"A. :p'-(x))
00

Fv(:p(x)) =
).=0

hat, wo die Fv , 1- von x unabhängige Grössen sind.


3*
36 Zur Theorie der einrlPntigen analytischen Fnnctionen.

Für alle \\' erthe von :r, bei denen der absolute Betrag von (:r -- 1" 1)

unterhalb einer bestimmten Grenze bleibt, ist nun

1
cp(x) = --~(x- c1 ),
X- c1

00

Fv(Cfl(x)) = ~ (Fv,A. (x- c1)-A i.]JA(x- c1));


A.=O

und somit, wenn man

00

~;.(x-c 1 ) = ~A;.,f-l(x-c 1 t
f-l=Ü

setzt,

Die Doppelsumme auf der Rechten dieser Gleidnmg hat aber die Eigen-
schaft, dass sie convergent bleibt, ·wenu man jedes ihrer Glieder durch
dessen absoluten Betrag ersetzt. Gonvergil-t nämlich die Reihe ~(x- c 1),
wenn der absolute Betrag von (x- 1' 1) kleiner als p ist, so lässt sich eine
positive Grösse g so bestimmen, dass jeder Coeflicient von ~ (x - () dem
absoluten Betrage nach kleiner ist als der entsprechende Coefficient in der
Entwickelung der Function

g
x- c1
1----
p

und dann ist, wenn I x - c1 I = ~ gesetzt und ~ < p angenommen wil'd,

also
Zur Theorie der eindeutigen aualytis~hen Fuuctiouen. 37

woraus sich das Behauptete sofort ergiebt, indem die Summe

:f: (I
A=O
Fv, "A I · ?J '')

für jeden endlichen W erth von y einen eben falls endlichen Werth hat.
Die Doppelsumme, durch welche Fv ( rp (x)) ausgedrückt worden, con-
vergirt also unbedingt, und es ist rl.aher gestattet, in ihr alle Glieder,
welche dieselbe Potenz von (x- c1) enthalten, in eines zusammenzuziehen.
Geschieht dies in den Ausdrücken sämmtlicher Functionen

so ergiebt sich

f(x) = L: C.x,rll(~
oo

:K= 1
1 )x+ 1,)5
X Cl
0)
(x- cJ

für alle \Verthe von x, bei denen der absolute Betrag von (x- c1) kleiner
als p ist.
Die Reihe

convergirt hiernach für beliebig grosse Werthe von - 1- , und ist also
X-C 1

eine ganze Function dieser Grüsse, welche mit G 1 ( -1- ) bezeichnet


x-c1
werden möge.
Man hat dann

f(x)-G 1 ( -1-) =\,ß (I)(x-c 1);


X-C 1

d. h. die Differenz

1
f(x)- G1 (x-c
-- )
1

verhält sich in der Umgebung der Stelle c1 regulär.


38 Zur Theorie der eindeutigen analytischen Fnnctionen.

Versteht man nun unter Gv (,. ~ rJ die Function, welche in Be-

ziehung auf die singuläre Stelle cv dieselbe Bedeutung hat wie G1 (;;~--;:-J
in Beziehung auf die Stelle c1 , so ist

n ( 1
f(x)- ~Gv
Y= 1
~)
c( I y

eine eindeutige Function von x, welche sich in der Umgebung jeder be-
liebig angenommenen Stelle regulär verhält. Denn die Function Gv (x. ~~)
verhält sich regulär in der Umgebung jeder von cv verschiedenen Stelle;
es könnte also jene nur die singulären Stellen c1 , ••• c11 haben, was nach
dem eben Bewiesenen nicht der Fall ist - und hieraus folgt, wie schon
in § 1 gezeigt worden, dass sie einen constanten W erth hat, der mit C
bezeichnet werden möge.
Es ist also

f(x) = n
C+ ~Gv (
V=l
---=- ,
X
1
Cv
)

oder auch, wenn man zu den Functionen G1 , ••• Gn constante


Glieder, deren Summe gleich C ist, hinzufügt

f(x) = 2:n G
V=l V
( -~-
1 ) .
X-l'y

Wenn nun ferner f(x) die m wesentlichen singulären Stellen (t 1 , ••• rm),
und die (n -m) ansserwesentlichen (rm+J, ... l'n) hat, so lässt sieh, wenn v
eine der Zahlen (rn + 1), ... n ist, und x in der Umgebung von rv an-
genommen wird,
. -rn I ('1) (V) }
f(x) m der Form (x- l'v) ". \ C0 -:- C1 (x- cv) + · · ·

darstellen. Setzt man also

mv-1
~ 1 )
"'-" Cx (x- rv) -rn.,+X (
(V)
= Gv -_----;- ,
X=O X 1v
Zur Theorie uer einueutigen analytischen Functionen. 39
so ist {1 (x) eine eindeutige Function, welche m wesentliche singuläre
Stellen (c1 , • • • rm), aber keine ausserwesentliche hat, und deshalb nach
dem Vorhergehenden in der Form

--
1 -)
~ Gv
11!

V=l
(
x-c V

dargestellt werden kann.


Man hat also auch in diesem Falle

mit dem Unterschiede, dass jetzt unter den Functionen Gv nur


m transeenden te sich finden.
Hiermit ist der in § 1 unter (B, 1) angegebene Satz vollständig
bewiesen.*)

6. Eindeutige Functionen von x, welche n wesentliche


singuläre Stellen besitzen, an jeder andern Stelle aber
einen endlichen und von Null verschiedenen Werth
haben.

Ist f(x) eine Function dieser Art, so hat man, wenn x in der Um-
gebung irgend einer nicht singulären Stelle a angenommen wird,

f(x) = .A 0 + A 1 (x- a) + A 2 (x- a) 2 + · .. ,

wo A 0 nicht gleich Null ist. Daraus folgt, wenn a nicht = ist,


1 df'(x)
f'(x) dx = ~(x- a);

*) Es bedarf kaum der Erinnerung, dass unter Voraussetzung einiger Sätze, die
nicht uen er~ten Elementen der Fnnctionenlehre angehören, uer im Vorstehenden ent-
wickelte Ansdruck von f(x) auf kürzerem Wege ohne den im vorhergehenden § be-
wiesenen Hiilfssatz hätte hergeleitet werden können. Indess giebt dieser Hülfssatz,
auch abgesehen von dem Gebrauch, der von ihm g·emacht worden ist, einen an sich
bemerkenswerthell allgemeinen Ausdruck der untersuchten Functionen, den ich nicht
übergehen mochte.
40 Zur Theorie uer eindeutigen analytischen Functiouen.

dagegen, wenn in dem Falle, wo die singulären Stellen (r· 1 , ••• (' 1) von
f(x) alle im Endlichen liegen, a = = genommen wird, also x- a = -~
~;

zu setzen ist,

Die Function
_1_ df(x)
f(x) dx

hat also nur die n singulären Stellen c1 , ••• cn, und kann daher wie im
vorhergehenden § gezeigt worden, in der Form

dargestellt werden, so dass in den Functionen Gv kein constantes Glied


vorkommt.
Ist cv nicht=, und kv der Coefficient von - 1- - in Gv, so lässt
X- ('v

sich
. F orm - kv
G ( -1-) au f d1e - + - d- 0- ( -1-)
v x- (\/ :~:-~·v d;r v x- rv

bringen, wo auch G-v{- 1- )


x-~
eine ganze Function von - 1-
x-~
ohne con-
stantes Glie(l ist. .In dem Falle, wo die cv sämmtlich e11!lliche W erthe
haben, ist ferner, wenn x dem absoluten Betrage nach grüsser als jecler
dieser Werthe ist,

C+ ~
'l=l X
1)
n Gv ( -_------;-
(v
= C+ -1~ kv + -1~ ~ (1)
11

XV=! X
- - ;- ;
X

es muss also
n
C= o, ~kv = 0
'1=1

sein, U11!l man hat


Znr Theorie der eindeutigen aualytiseheu Fnuctionen. 41

·wenn dagegen eine der Grüssen ~'v den \Verth = hat, so miige tn diese
sein; dann ist

wobei man Gn(O) = 0 annehmen kann; man hat also ·in diesem Falle

Es ist nun zunächst zu zeigen, dass in beiden F;lllen die J.:v sämmtlich
ganze Zahlen sind.
Man setze, unter p eine constante, und unter 't eine veränderlkhe
reelle Grüsse verstehend,

wo A im ersten Falle eine der Zahlen 1, ... n und im zweiten eine der
Zahlen 1 , ... (n - 1) bedeutet. Dann lässt sich, wenn man p hinreichend
klein annimmt, in beiden :Fällen die Summe der Grüssen

auf die Form

IJI'ingen; und es ist

Daraus folgt, wenn man

~ G (~1~)+'-J3(x-c l
~ V X-(:,, I.

F(x) = e v=l
setzt:

wo C eine von 't unabhängige Grüsse bedeutet.


42 Zur Theorie der eimleutigAn analytischen Fnnctionen.

Vermehrt man in dieser Gleichung 't um 27t, so bleibt x, ungeändert;


es muss also

und somit kv eine ganze Zahl sein.


Setzt man jetzt, unter C0 eine Gonstante verstehend,

B*(x) = Co rr (x-
n-s

V=l
Cy)kv'

wo E = 0 oder 1 zu nehmen ist, jenachdem cn einen endlichen "\V erth


hat oder nicht, so ist

und es ergiebt sich bei gehöriger Bestimmung der Gonstante C0

n -G ( -1- )
f(x) = R*(x). [f e ., x-c., .
Y=l

Da nun in dem Falle, wo die Grössen cv sämmtlich endliche \V erthe


haben,
n
2: ky =
v=l
0

ist, so ist für x = oo die Function R*(x) weder Null noch unendlich
gross; sie ist also eine rationale Function von x, welche an je(ler Stelle,
die nicht zu den singulären Stellen von f(x) gehört, einen endlichen und
von Null verschiedenen Werth hat. Für n = 1 reducirt sich dieselbe
auf eine Gonstante.
Es lässt sich also jede Function f(x) von der oben angegebenen
Be~chaffenheit in der bereits in § 1 aufgestellten Form ausdrücken.
Umgekehrt stellen die vorstehenden Formeln stets eine Function dieser
Beschaffenheit dar, wenn man die Grössen c1 , ••• cn und die Function
Gv ( -1- ) willkürlich, die Function R*(:~;) aber so annimmt, dass sie
X-Cv
die angegebene Eigenschaft besitzt.
Znr Theorie der eindeutigen analytischen Fnnctionen. 43

Hierzu ist noch Folgendes zu bemerken. ·wenn von einer eindeutigen


1
Function f(x) feststeht, dass nicht nur sie selbst, souderen auch f(x)
in der Umgebung jeder Stelle, welche nicht zu einer Reihe gegebener
Stellen (c1 , ••• r11 ) gehört, sich regulär verhält, während über ihr Verhalten
in der Umgebung einer der letzteren Stellen nkhts bekannt ist, so ergiebt
sich ebenso wie im Vorstehenden

_!_I
l f( )
_x_=C-L~G (--}--)=~ _.-v__ ,_!__ ~()
j{'r) !{X ' V~
1/, 11- E

f:::
h l ?I
(-1-) Cy '
V X - l'v 1 ;J: - l'v , !{X vf.i v X -

f(x') = R*(x·) rr
11

v=l
-G (
e 'I
_ 1 _)
x-c., ' wo R*(:x:)= crr
n-s

V=l
(x- Cy)
k
'I'

mit dem Unterschiede, dass jetzt die Functionen Gv zum Theil oder auch
alle gleich Null sein können.

7. Eindeutige Functionen von x mit n wesentlichen und


beliebig vielen ausserwesentlichen f'ingulären Stellen.

Das Verfahren, durch welches man mit Hülfe der in den§§ (2 ;- 6)


entwickelten Sätze zu den in der Einleitung unter (B, 2) und (0, 1 u. 2)
aufgestellten Ausuriicken einer eindeutigen Function f(:r) mit einer end-
liehen Anzahl wesentlicher singulärer Stellen gelangt, ist der Haupt-
sache nach bereits in § 1 so vollständig anseinander gesetzt worden, dass
nur \Veniges hinzuzufügen bleibt.
Hat die darzustellende Fnnction keine Null-Stellen, so sind
die a. a. 0. mit G1vJ bezeichneten Functionen sämmtlich durch die Zahl 1
zu ersetzen.
Hat sie Null-Stellen in endlicller Anzahl, so kann man dieselben
m beliebiger \V eise den wesentlichen singulären Stellen zuordnen; es
werden- dann die a<vl(--1- ) rationale Functionen, welche zusammen-
x- cv
genommen dieselben Null-Stellen wie f(x) haben. Am einfachsten ist es
in diesem Falle, eine der Functionen G('IJ so zu bestimmen, dass <lie
Reihe ihrer Null-Stellen mit der von f(x) übereinstimmt, und die übrigen
dann durch die Zahl 1 zu ersetzen.
44 Znr Theorie der eindeutigen analytischen Functionen.

In dem Falle endlich, wo f(x) unendlich viele Null-Stellen hat,


giebt es unter den wesentliehen singulären Stellen mindestens eine - sie
möge mit c1 bezeichnet werden - die so liegt, dass in jeder Umgebung
derselben unendlich viele Null-Stellen von f(x) vorhanden sind. Ist dann
cA irgend eine der übrigen wesentlichen singulären Stellen, und versteht
man unter CA diejenige Umgebung derselben, in welcher

I x- c,.\ S p

ist, so kann man p so klein annehmen, dass C). nur die eine wesentliche
singuläre Stelle c)) und N nll- Stellen nur in dem Falle enthält, wo in
jeder Umgebung von c). sich solche finden. ·wenn man dabei p aucll so
annimmt, dass an der Grenze von q_ keine N nil-Stellen liegen, und dann
unter C1 denjenigen 'l'heil des Gebietes von x versteht, der nach Aus-
scheidung von C2 , G~P ... übrig bleibt, so ist das ganze Gebiet dergestalt
in Theile C" C~, ... zerlegt, dass sich in der a. a. 0. beschriebenen \V eise
Functionen

G(2)( ~~.
1 ) , ...
x- c~

bilden lassen, deren N nil-Stellen beziehlieh die in C~' C2 , • • • enthaltenen


Null-Stellen von f(x) sind. Dabei ist, wenn es in einem dieser Theile
keine Null-Stellen von f(x) giebt, die entsprechende Function GM dnreh
1 zu ersetzen; woraus erhellt, dass man auf die angegebene \V eise ver-
fahrend die geringste Zahl von Fnnetionen G(vJ( -·1__-) erhält, für welche
. T - Cv

die Gesammtheit ihrer Null-Stellen identisch ist mit der Reihe der Null-
Stellen der Fnnction {(x ).
Wenn nun ferner f( x) - wie in § 5 angenommen worden -
n (wesentliche oder ausserwesentliche) singuläre Stellen (c 1 , ••• cn) hat,
so sind wieder drei Fälle zu unterscheiden.
Die singulären Stellen können sämmtlich wesentliche sein - dann
ist, wenn man

f(x) = rr
11

V=l
a<v)(~~-~).
X Cy
fl(x)

setzt, f(x) eine Funetion von der im vorhergehenden § vorausgesetzten


I
Beschaffenheit, so dass sie sich, da jede ihrer wesentlichen singulären
Zur Theorie der eindeutigen analytischen Functionen. 45

Stellen m der Reihe c1 , ••• ~'n enthalten ist, in der Form

darstellen lässt - wobei zu beachten ist, dass nach dem am Schluss d. a. §


Bemerkten die Functionen Gv zum Theil oder auch alle gleich Null sein
können. Setzt man also

so ergiebt sich

f(x) =ITn G (·-·-·--·).


V=l
-
1
.
R*(x).
V X-('
V .

Hat ferner f(x) m wesentliche singuläre Stellen (1' 1 , ••• c11 ) und (n -- m)
ausserwesentliche (r111 + 1 , ••• c 11 ), so möge, wenn v eine der Zahlen m. -f-1, ..• n
ist, mv die kleinste vositive ganze Zahl sein, durch welche bewirkt wird,
dass

für x = ev eilwn endliehen \v erth erhält. Setzt man dann

0 (-
V X'- Cy
J---) = ( ___1___
X - Cy
)111.,
'
(v=m+l, ... n)

und

TI Gv(-~-~),
11-

f(x") = f(x).
V=llt+l X Cy

so ist t(x) eine Function, welche die m wesentlichen singulären Stellen


(c1 , ••• cm), aber keine aussenvesent1iche hat, mithin in der Form

rr
V=l
"111

Gv (____1--:-) . R* (x)
X Cv

ausgedrückt werden kann.


Sind endlich c1 , ••• cn sämmtlich ausserwesentliche singuläre Stellen
für die l!"'unction, und hat mv dieselbe Bedeutung wie oben, so ist, wenn
46 Zur Theorie der eindeutigen analytischen Fnnctionen.

von den G rössen c1 , ••• c11 keine (len ·werth C<J hat,

l(x) = G(x)
(x - c1)m;-:-.~ (;-x---~--~~7Yn,~ '

wo G(.r) eine ganze rationale Function von nicht höherem als dem
(111 1 + · · · r m11 ) ten Grade bezeichnet --- dagegen, wenn c11 = C<J,

G(:r)

wo der Grad von G(x) den des Nenners um mn Einheiten übertrifft. l\Ian
kann daher in beiden Fällen t'(:x:) auf die Form

bringen, in der Art, dass Gv (-- 1 ----) eine ganze rationale Function mv teu
;)'-(''!

Grades von - 1- ist.


;J' -('y

Hiernach kann also jede eindeutige Function yon x mit n singulären


Stellen in der in § 1 unter (B, 2) aufgestellten Form

ausgedrückt werden. Dabei ist zu beachten, dass R*(x) - wie a. a. 0.


angegeben worden -- nur an solchen Stellen, welche sich unter den
wesentliehen singulären Stellen der darzustellenden Fundion finden,
Null und unendlich gross wird; so wie au(;h, dass keine der Fnnctionen
Gv(x -~ rJ , "·e1m dieselben in der beschriebenen \Veise gebildet werden,
an einer der Stellen c1 , ••• c11 verschwindet und sich auch nicht auf eine
Gonstante reducirt. ·zugleich erhellt, dass, ·wenn die Fnnctionen Gv, R*
diesen Bedingungen gemäss, im Übrigen aber willkül'lidt angenommen
werden, die vorstehende Formel auch stets eine eindeutige Function von x
mit n singulären Stellen dargestellt.
Zur Theorie der eindeutigen analytischen Functionen. 47

Jetzt sei f(x) eine beliebige eindeutige Function mit den n wesent-
lichen singulären Stellen (~"u ... cn)· Dann ist wieder, wenn man unter

die Fnnctionen yersteht, welche zur Function ft'X:) in derselben Beziehung


stehen wie

d1) (-1-)
x-c '
... dn) (-1-)
x-c
1 n

zu f(x)*) - so dass die Gesammtheit ihrer Null-Stellen identisch ist mit


der Reihe der Null-Stellen von f(~) - und

f G!v) (-!___-) \l
f(x) -
-
n "l\ (
n

'I= 1 Gl1+'1
X - Cv
1 ) {"
;-=---~ J
{1 (x)

setzt, {1 (x) eine Fnnct ion von derselben Beschaffenheit wie die im Vor-
stehenden so bezeichnete. l\Ian erhält also, wenn man für dieselbe den
angegebenen Ansdruck setzt und

bezeichnet

f(:r)
TI Gv(x ~c)
V=1 V
11 - - - - - · - . R*(:J').
rr c
=

T/t-1-'1
(-_!__ -)
X-(",
'1=1 I

Dies ist der in § 1 unter (C, 2) gegebene Ausdruck von f'(x).

*) Es ist zu beachten, dass die zur Definition der Functionen G,.+, erforderliche
Zerlegung- des Gebietes von x in n Theile den in .Beziehung auf die Funetion f(x) ge-
gebenen Bestimmungen gemä~s auszuführen ist, so dass diese Theile nicht nothwendig
dieselben werden wie die vorhin mit 0 1 , C2 , • • • bezeichneten.
48 Zur 'l'heorie der eindeutigen analytischen Functionen.

Die in diesem Ausdrucke vorkommenden Fundionen G1 , ... G~n sind


so beschaffen, dass nieht zwei derselben eine gemeinschaftliche Null-Stt'lle
haben, und auch keine von ihnen an einer der Stellen c1 •••• ('11 verschwindet.
Ferner ist von den Factaren des Nenners jeder, welcher nicht unendlich
Yiele Null-Stellen hat, eine rationale Funetion, nnd der entsprechende fles
Zählers dann nothwendig eine transcendente. Dabei darf angenommen
werden, dass die Anzahl de1jenigen Factoren des Nenners, welche nicht
gleich 1 sind, ein :Minimum sei; dann ist in dem Falle, wo f(x) unenfllich
viele ausserwesentliche singuläre Stellen hat, jeder dieser Factaren eine
Fun!'-tion mit unendlich vielen Null-Stellen, währencl im entg·egengesetzten
Falle der Nenner sich auf eine rationale Function von x mit Einer - in
der Reihe c1 , • •• cn enthaltenen - singulären Stelle, oder auch auf eine
Constante reducirt. R* (x) hat dieselbe Bedeutung wie im vorher be-
trachteten Falle.
Zugleich ist klar, dass der vorstehende Ausdruck stets eine eindeutige
Function von x mit den n wesentlichen singulären Stellen (cp ... cn) dar-
stellt, wenn die Functionen

G 1 ( _ __!__ )
x-c
1
'
••• G ( -1---)
11 x-c
n '
G
11+1
( -- 1---) ... G.,
X - ('1 ' -'~~
(-L__ )
X - Cn '
R*(x)

so angenommen werden, dass· sie die angegebene Beschaffenheit haben, 1m


Übrigen aber willkürlich gewählt sind.
Die Function R* (x:) kann in der Form

wo c'- eine beliebige der Grössen c1 , ••• cn bedeutet, dergestalt ausgedrückt


werden, dass a;' a; rationale ganze Functionen VOll
1
X-----;;; ohne ge-
meinschaftlichen Theiler sind.
Es lässt sich also der allgemeinste Ausdruck einer ein-
deutigen Function von x mit den n wesentlichen singulären
Stellen cP ... en auch in der Form

IJ
n
V=l
(
Gv x-~
1
V
)
Znr Theorie der eindeutigen analyti~chen Fnnctionen. 49
darstellen, wo die Functionen GP ... G211 dieselbe Beschaffenheit
wie in dem vorhergehenden Ausdruck haben, mit der 1\fodifi-
cation, dass jetzt auch ein Factor des Zählers und der ent-
sprechende des Nenners an einigen der Stellen cp ... cn beide
verschwinden können.
Übrigens erhellt, dass beide Ausdrücke, wie auch die Functionen
G1 , • • • G2n angenommen werden mögen, stets eine eindeutige Function
von x darstellen, deren wesentliche singuläre Stellen sich sämmtlich in
der Reihe c1 , ••• cn finden; so wie auch, dass c>. wirklich eine wesentliche
singuläre Stelle dieser Function ist, wenn unter den übrigen Grössen cv
keine ihr gleiche sich findet und der Quotient

sich nicht auf eine rationale Fundion reducirt.


Der zweite Ausdmck von /'(x) kann nun auf doppelte ·weise noch
\Veiter entwickelt werden.
Setzt man
f'l (x)
f( a·)
!J;)'

r (:~·) =
I
na (
II

v~l V
1 ___).
;L'- ('V •

I!

t:~ (x) = fi
-
V=l
Gv+I (--!___--)X-C
V
'

so sind ( 1 (x), l~(x) Functionen von a:, welche sich in der Umgebung jeder
von c1 , ••• ~"n verschiedenen Stelle regulär verhalten, und deshalb nach
§ 5 in der Form
11

Z: Z: A ll,v (.x -
00

/'1 (:r) = A+ Cv)- 1\


v~l 11~1

n oo

f~(;x:) = B -+ Z: Z: A ,v (x -
V=l f1=1
11 Cv)-1-l

4
50 Zur Theorie rler einrlcntigen analytischen Fnnctionen.

dargestellt werden können, wo die Coefficienten

Constanten und so beschaffen sind, dass die Reihen fiir jeden von c1 , ••• c11
verschiedenen Werth der Verändt>rlichen x unbedingt convergiren. So
ergiebt skh der in § 1 unter (0, 1) aufgestellte Ansdruck von f(x).
\V enn man ferner das in § 2 auseinander gesetzte Verfahren zur Zel;-
legung einer ganzen eindeutigen Function in Primfactaren auf die Func-
iionen G 1 , ••• G211 anwendet, so erhält man jededer Functionen ( 1 (:r), tJr),
wofern sie nicht selbst eine Primfunction ist, als Prodtwt ron (rationa-
len oder transcendenten) Primfactaren dargestellt, und zwar so, dass <lie
singuläre Stelle jedes einzelnen eine der wesentlichen singulären Stellen
von f(x) ist, und das Prodnct, falls es aus unendlich vielen Factoren be-
steht, in jedem Theile des Gebiets von x, der weder im Innem noch an der
Grenze eine der Stellen c1 , ••• c11 enthält, unbedingt und gleichmilssig
convergirt.
Hiermit ist vollständig nachgewiesen, wie sich jede eindeutige Func-
tion f(:r) mit einer endlichen Anzahl wesentlkher singulärer Stellen ans
den einfachsten Fnnctionen mit Einer ( wesPntlkhen oder anssenrest>nt-
lichen) singulären Stelle dnn:h arithmetische Operationen zusammensetzen
lässt.
Es bleibt aber noch übrig zu ermitteln, wie eine solche Fnnction sich
in der Umgebung einer ihrer wesentlichen singulären t:ltellen rerhiilt.

8. Verhalten rler untersuchten Functionen in rler Um-


gebung einer ihrer wesentlichen singulären Stellen.

Ist f(x) eine ganze eindeutige Function, so weiss man, dass es un-
endlich grosse Werthe von x gieht, für welche der \\' ert h von /(:r) ebeu-
falls unendlidt gross ist - mit aiHlem \V ortPII, dass sich, wenn rc, /1
zwei willkürlich angenommene positive G rüssen siud, llllll'r <ltn W erthen
vun x, die ihrem absoluten Betrage nach grüsser als a sind, stets solche
fin<len, für die der absolute Betrag von f(:J') grösser als u ist.
Dasselbe gilt für jede eindeutige Fm1ctiun vun x mit <lel' einen weseilt-
liehen ~ingulären Stelle =· l\lan denke ~idt nämlidt eine sulche Fum:tiun
Zur Theorie der eindeutigen analytischen Functionen. 51
so, wie in § 3 angegeben worden, in der Form

G 1 (x)
a 2(x)

ausgedrückt, so hat man zwei Fälle zu unterscheiden. Ist der Nenner


eine transeendeute Function, so verschwindet derselbe für unendlich viele
\Verthe von x; unter diesen giebt es also nothwendig unendlich grosse,
und in einer unendlich kleinen Umgebung eines solchen Werthes ist der
W erth von f(x) unendlich gross. Ist aber Gix) eine rationale Function,
so kann

G1 (x) G3 (x)
-(-)
G2 X auf die Form G.,(x) + G4 (x)
M

in der Art gebracht werden, dass G3 (x) eine rationale ganze Function von
niedrigerem Grade als G2 (x), und G4 (x) eine transeendeute ganze Function
ist; woraus sich, da der Quotient

G3 (x)
a;(x)

für jeden unendlich grossen \Verth unendlich klein ist, die Richtigkeit
des Behaupteten auch in diesem Falle ergiebt..
Dies vorausgeschickt bedeute ·jetzt f'(x) wieder eine beliebige ein-
deutige Function mit einer endlichen Anzahl wesentlicher singulärer Stellen,
so kann dieselbe, wenn c irgend eine dieser Stellen ist, nach dem vor-
hergehenden § in der Form

dergestalt. ausgedrückt werden, dass F(x) in der Umgebung der Stelle c


sich regulär verhält, aber für x = c nicht verschwindet. Es giebt
also, wenn p, R positive Grössen sind, von denen die erste beliebig klein
4*
52 Zur Theorie der einclentigen analytischen Functionen.

und die andere l.Jeliel.Jig gross angenommen werden kann, "\V erthe von :r,
für die
Ix- c I < P, If'(x) I> H
ist.
Nun hat al.Jer, wenn C eine willkürlich anzunehmende Grösse uedentet,
die Function
1
f(x)- C

dieselben wesentlichen singulären Stellen wie f(x); es existiren also auch


W erthe von x, für die

Ix-cI < p' It'(x)l- CI> R'


ist.
Hiemach ändert sich die Function f(x) in einer unendlich
kleinen Umgel.Jung der Stelle c in der Art discontinuirlich,
dass sie jedem willkürlich angenommenen Werthe beliebig nahe
kommen kann, für x = c also 'einen bestimmten "\Verth nicht be-
sitzt; was sich in den entwickelten A usdriicken der Function
dadurch zu erkennen giebt, dass diesei ben für x = c aufhören,
eine Bedeutung zu haben.

---~-·-
Über einen functionentheoretischen Satz
des Herrn G. Mittag-Leffler.
Aus dem Monatsbericht der Königl. Akademie der Wissenschaften zu
Berlin vom August 1880.
Über einen functionentheoretischen Satz des
Herrn G. Mittag-Leffler.
.Aus dem Monatsbericht der Königl. .Akademie der Wissenschaften zu Berlin
vom .August 1880.

In den Berichten der Akademie der Wissenschaften zu Stockholm*)


a. d. J. 1877 hat Herr Mittag-Leffler im Anschluss an meine in den
Denkschriften unserer Akademie a. d. J. 1876 veröffentlichten Unter-
suchungen über die eindeutigen analytischen Functionen einer Veränder-
lichen einige sehr beachtenswerthe Theoreme entwickelt. Unter denselben
ist von besonderer Wichtigkeit das nachstehende, auf welches näher ein-
zugehen ich aus dem Grunde Veranlassung habe, weil es mir dazu gedient
hat, die Ergebnisse meiner Arbeit in mehreren wesentlichen Punkten zu
vervollständigen:
"Es seien gegeben
1) eine unendliche Reihe bestimmter endlicher Grössen:

unter denen keine zwei gleiche sich finden, und die der
Bedingung
Lim. av= oo
V=oo

genügen; und
2) eine unendliche Reihe rationaler Functionen einer Verän-
derlichen x:

von denen fv(x) nm an der Stelle (x = av) unendlich gross


wird, und für x = oo verschwindet.
*) Öfversigt af Kongl. Wetenskaps-Akademiens Förhandlingar, 1877.
56 Über einen fnnctionentheoretischen Satz des Herrn G. Mitta,g-Leffler.

Dann lässt sich stets eine eindeutige analytische Function F(x)


mit der einen wesentlichen singulären Stelle CXJ bilden, welche
nur an den Stellen n1 , a. 2 , a 3 , ••• unendlich gross wird, und
zwar so, dass - für jeden bestimmten \Verth von v - die
Differenz

an der Stelle (::r; = av) einen endlichen \Vertb hat, und daher
innerhalb einer gewissen Umgebung dieser Stelle

F(x) in der Form fv(::r:) + Sß(x- a,J


dargestellt werden kann."
Herr 1\fittag-Leffler beweist diesen Satz, indem er zeigt, dass
sich aus den gegebenen Functionen

eine Reihe anderer rationalen Functionen:

dergestalt ableiten lässt, dass jede der Differenzen

eine ganze Function von x oder eine Gonstante ist, und zugleich die
unendliche Reihe

innerhalb jedes Bereichs, der keine der Stellen a1 , ct 2 , a 3 , • • • enthält,


gleichmässig convergirt, woraus sich folgern lässt, dass dieselbe eine
Function F(x) von der angegebenen Beschaffenheit darstellt.
Man kann indess für die Functionen Fv (x) eine einfachere Bildungs-
weise als die von Herrn Mittag-Leffler auseinandergesetzte angeben
und dadurch den Beweis des Satzes erheblich vereinfachen.
Man nehme eine unendliche Reihe positiver Grüssen:
Über einen functionentheoretischen Satz des Herm G. Mittag-Leffler. 57

deren Summe einen endlichen \V erth hat, und ausserdem eine ebenfalls
positive Grüsse E, die < 1 ist, willkii.rlich an.
Ist nun, für einen bestimmten \Verth von v, av = 0, so nehme man

Wenn aber av einen von Null verschiedenen \Verth hat, so entwickele


man fv(x) in eine Potenzreihe

welche für jeden der Bedingung

genii.genden \Verth von x convergirt. Dann kann man eine ganze Zahl
m so bestimmen, dass für jeden der Bedingung

entsprechenden \Verth von x der absolute Betrag von

kleiner als Ev ist.*)


.
Nach Ermittelung dieser Zahl m nehme man

m-1
Fv(x:) = f:,(:x:)- ~
J!=O
A:
cJ
x 1\

*) Nach Annahme einer positiven Grüsse s 0 , die kleiner als 1, aber grösser als
s ist, bestimme man eine Grüsse g so, dass für jeden Werth von x, der den absoluten
Betrag s,, 1 a., 1 hat,

ist. Dann hat man


58 Über einen functionentheoretischen Satz des Herrn G. 1\fittag-Leffler.

wobei zu bemerken, dass Fv(x) = fv(x) zu setzen ist, wenn m = 0, und


dass man

hat, wo rpv(x) eine rationale Function ist, die ebenso wie fv(x) nur für
x = av unendlich gross winl, und für x = =
verseit windet.
Nun sei x 0 irgend ein bestimmter endlicher Werth von x, der nicht
in der Reihe

enthalten ist, und p eine positive Grösse, die man so klein anzunehmen
hat, dass auch unter denjenigen Wertheu von x, für die

keine der Grössen a1 , a~, aa, . . . sielt findet. Dann kann, wenn oirgend
eine gegebene, beliebig kleine Grösse ist, eine ganze Zahl r so ange-
nommen werden, dass für jeden der eben angegebenen \V erthe von x,
sobald v :::> r,

und somit

ist. Die Reihe


CO

und es ist somit, wenn I :. I:-< s ,

Man kann nun unter den m. !len kleinsten \Verth mit m bezeichnen mul so wählen,
e m
dass _ßs · ( ; ) < Sv ist.
1-- 0
So
Über einen functionentheoretischen Satz des Herrn G. Mittag- LPffler. 59

convergirt also, und zwar gleichmässig, für alle der Bedingung

entsprechenden \Vertbe von x, und kann daher, nach einem bekannten


Satz, für diese auch in der Form einer gewöhnlichen Potenzreihe von
(x - x 0 ) dargestellt werden.
Ist ferner a, irgend eine der Grüssen a1 , a,~, a:1 , • • • , und nimmt
man p so klein an, dass sich unter denjenigen W erthen von x, für die

ausser a, keine der genannten Grüssen findet, so ist nach dem Vor-
stehenden die Reihe
00

~ Fv(x)- F, (x)
V=l

für die in Rede stehenden Werthe von x gleichmässig convergent und


in der Form
~(x- a,)

darstellbar, so dass man


00

~ Fv(x) = F, (x) + jß (x- a,) = {, (x) + \ß 1 (x- a,)


Y=l

hat. Damit ist bewiesen, dass die Reihe

eine Funciion F(x) von der in dem angeführten Satze angegebenen Be-
schaffenheit darstellt.
Hierzu ist noch Folgendes zu bemerken. Ist G(:x:) eine beliebige
(rationale oller transeendeute) ganze Function von x, und setzt man

F(x) = F(x) + G(x),

so ist auch F(x) eine Function von der in Rede stehenden Beschaffenheit.
Und umgekehrt, wenn F(x), F(x) irgend zwei solche Functionen sind,
so ist die Differenz
F(x)- F(x)

nothwendig eine ganze Function von x.


60 Über einen fnnctionentheoretischen Satz des Herm G. Mittitg-Lefflcr.

2.

Nunmehr sei t'(a:) irgend eine gegebene eindeutige analytische


Function von x, welche nur clie eine wesentliche singuläre Stelle =
besitzt, und an beliebig vielen andern Stellen

gleich = wird, wobei in dem Falle, wo die Anzahl dieser Stellen un-
endlich gross ist, angenommen werden darf, es seien dieselben so ge-
ordnet, dass
Lim. ftv==.
V=oo

Dann lässt sich, wenn av eine lv mal zu zählende =-Stelle der Function
t'(x) ist, für die einer bestimmten Umgebung dieser Stelle angehörigen
Werthe von x
CYJ

darstellen; man hat also, wenn


l-1
fv (X) = ~
~
c<v)(
J.l. ;,; - ltv)
-z+~-~.
J.I.=O
gesetzt wird ,

und es ist f'v(x) eine rationale Function von x, die nur fiir x = av un-
endlich gross wird, uml für x ~ = verschwindet.
Leitet man nun aus den Functionen

auf die in (1) beschriebene ·weise die Functionen

ab -· wobei man, wenn die Anzahl der =-Stellen von f'(x) endlich ist,
.F'v(x) = f~(x) setzen kann, es wird die Differenz
Über einen functionentheoretischen Satz des Herrn G. }Iittag-Leffler. 61

für keinen endlichen "\V erth von x unendlich gross, und es ist also

f(x) = ~ Fv(x) + G(;r) ,


V

wo G (x) wieder eine ganze Function von x bedeutet.


Bringt man
G(a:) auf die Form ~gv(x),
V

in der Art, dass .r;Jx), g2 (x), ... ganze und rationale Functionen von x
sind, so hat man

Es lässt sich also jede eindeutige analytische Function f(x),


für die im Endlichen keine wesentliche singuläre Stelle existirt,
als eine Summe von rationalen Functionen der Veränderlichen x
dergestalt ausdrücken, dass jede dieser Functionen im Endlichen
nur eine oo-Stelle hat.
Dies war hisher nm für die rationalen und für einige bestimmte
transeendeute Functionen einer Veränderlichen bekannt.

3.

Aus den beiden in (1, 2) entwickelten Sätzen leitet man leicht die
folgenden ab.
A. Es seien gegeben
1) eine bestimmte Grösse c und eine unendliche Reihe von c
verschiedener Grössen:

unter denen keine zwei gleiche sich finden, und die der Bedingung

Lim. av = c
V=oo

genügen; und
2) eine unendliche Reihe rationaler Functionen:
62 Über einen functionentheoretischen Satz des Herrn G. l\Iittag-Leffler.

von denen fv(x) nur an der Stelle (x = ctv) unendlich gross


wird, und für x = c verschwindet.
Dann lässt sich stets eine eindeutige analytische Function
F(x) mit der einen wesentlichen singulären Stelle c bilden,
welche nur an den Stellen a1 , a 2 , n3 , ••• gleich oo wird, und
zwar so, dass

F(x)- fv(x)

an der Stelle (x = av) einen endlichen W erth hat.


Diese Purretion F(x) kann dargestellt werden in der Form

CO

wo Fv (x) eine in der Form

f (x)-+ G
V V
-1- - )
(X-("v

ausdrückbare rationale Function bezeichnet.

B. Jede eindeutige analytische Function f(x) mit nur einer


wesentlich singulären Stelle c lässt sich als eine Summe von
rationalen Functionen der Veränderlichen x dergestalt aus-
drücken, dass jede dieser Functionen nicht mehr als eine von c
verschiedene oo-Stelle hat.

Diese Sätze ergeben sich ans den in (1, 2) bewiesenen, wenn man

1
--=x'
x-c

setzt, und dann f(x) als Function von x' betrachtet.


Der Satz B reiht sich den in §§ 2, 3 meiner oben angeführten Ab-
handlung entwickelten Sätzen an.
Über einen functionentheoretischen Satz des Herrn G. Jl[ittag-Leffler. 63

4.

In der genannten Abhandlung habe ich (§ 7) für eine eindeutige


analytische Fnnetiun einer V eränderliehen x mit n we~entliehen singu-
lären Stellen (c 1 , ••• cn) zwei allgemeine Ans<lrikke aufgestellt, nämlich

1)

IT
'
n G ( --
I ·)
' x~ c
2) ''ii~l____ l.__ . R*(:.r),
I1 Gu+l. ( - 1 - )
).=1
x~(·.
A

wo R* (:r) eine rationale Fundion von ::r, die nur an den Stellen cP ••• cn
Null und uneJHllieh gTo~s wird, berleutet.
Bezeichnet man 111it F(x; c) eine eindeutige analytische Function
yon x mit der einen wesentlichen singnliiren Stelle c, so lässt sich der
Ansdruck (:l) auf die Form
il

2a) TI F,v·; cJ
i.=l

bringen.
Nun stellt aber auch der Aus<lml'k

}}

3) ~ F,(x; c)
l-=1

eine eindeutige Fnn<"tion mit n we~entliehen ~ingnlären Stellen (c 1 , ••• cn)


dar; e~ konnte aber mit den in der g·emwllten Abhamllung augewandten
Hiilf~mitteln nicht bewie~en werde~~, da~~ j t~d e sokhe Fnnet ion, wie ich
jetzt mit Hülfe des Satzes (3, A) zeigen will, in der vorstehenden Form
(3) ansgedrüekt werden kann.
E~ ~ei /'(x) irgend eine Fundion yon <ler in Rede stehenden Be-
~dtaifenheit, so zerlege man das Gebiet der Veränderlichen x derge~talt
64 Über einen fnnctionentheoretischen Satz des Herrn G. l\Iittag- Leffler.

in n Tlteile, dass im Innern eines jenen eine der Stellen cP ... cn liegt,
und zugleich an der Grenze zwiscllen zwei Theilen F(;;·) überall tinen
endlichen \Verth hat. De1jenige 'l'heil, in wt'lchtrn c; liegt, werde mit
C). bezeichnet. Angenommen nun, es enthalte, fiir einen bestimmten \Verth
von A, C). unendlich viele ausserwesentliclw sing·nlü re Stellen der be-
trachteten Function:

so darf vorausgesetzt werden, es seien dieselben so geoi·1lnet, dass

Bestimmt man dann eine Reihe rationaler Functionen

t.(i.) ( ) /.().)( ·) /,(i-l(")


I X ' ~ X ' 3 :J ' •• •

dergestalt, dass f' ~ 1 (x) nur an der Stelle (x = a~l) UIICIHUich gross wirtl,
die Differenz

aber an derselben Stelle einen endlichen \Verth hat, und überdies r;;l (:r)
für x = c verschwindet; so lässt sich nach (3, A) eine eindeutige Function
F' 0.l(:r) mit der einen wesentliehen sing·nliireu Stelle c; herstellen, welche
nur an 1l en Stlle eu a ().) nuemll"l "d 1
IC 1 gross wn· , UIH zwar so,
1 , u~ , a 3 ,
(i.) Ii)

dass die Differenz

an der Stelle (x = a~).J) einen endlichen W erth hat. Daraus folgt dann,
dass die Function
(i.)
f'(;r) - F (:1')

im Innern und an der Grenze von C). ansser c). keine sing·uläre Stelle
besitzt.
Enthält ferner C). nur eine endliche Anzahl ansserwesentlicher sin-
gulärer Stellen der Function F(x):
Uber einen functionentheoretischen Satz des Herrn G . .1\'Iittag-Leffler. 65

so setze man

wo die Functionen t?l(x), f~Al(x), ... dieselbe Bedeutung haben wie vorhin,
so wird Fcn (x) nur an den Stellen aO-) a (Al ' ••• unendlich gross, und es
1 ' ~
besitzt auch in diesem Falle die Function

im Innem und an der Grenze von C), ausser cA keine singuläre Stelle.
In dem Falle endlich, wo CA keine ausserwesentliche Stelle der
Function l(x) enthält, setze man

F 0 \x)=O.

Sind auf diese Weise die Functionen FC 1J(x), ... Fcm(x) bestimmt, so ist
der Ausdruck

L: F
11

l(x) - (x)
1) 1

/.=1

eine eindeutige Function von x, die keine anderen (wesentlichen oder


ausserwesentlichen) singulären Stellen als c1 , ••• cn besitzt, und somit
(nach § 5 der g. Abhdlg.) in der .Form

L: G),
11

/.=1
( -1-)
x- c
}_

dargestellt werden kann, wo G), (x--1-c),) eine ganze Function von -x - 1- c'l.
bezeichnet.
Setzt man nun

so ist

5
66 Über einen fuuctionentheoretischen Satz <les Herm G. 1\'Iittag-Leffler.

Da die Functionen F(l.)(x), aA(- 1-·- )


X - CA
im Gebiete der Veränderlichen X

keine von cA verschiedene wesentliche singuläre Stelle besitzen, so gilt


dies auch von der Functioil t~_(x; tJ; für diese aber ist in Folge der
Voraussetzung, dass F(x) n wesentliche singuläre Stellen besitze, cA noth-
wendig eine solche Stelle.
Zu bemerken ist, dass nicht zwei der Functiouen

eine gemeinschaftliche oo "Stelle haben.


Der im Vorstehenden mit Hülfe des in (1) mitgetheilten Mittag-
L e ffl er' sehen Theorems begründete Satz ist in meiner Abhandlung
bloss für den Fall bewiesen worden, wo die Function F(x') ausserwesent-
liche singuläre Stellen entweder gar nicht oder nur in endlieber Anzahl
besitzt. (S. § 5 d. g. Abhdl.)
Stellt man jede der Functionen t;_ (x; cJ in der oben (3, B) an-
gegebenen Gestalt dar, so ergiebt sich ein neuer allgemeiner Ausdruck
einer eindeutigen analytischen Function f'(x) mit einer endlichen Anzahl
singulärer Stellen in der Form einer unendlichen Reihe, deren Glieder
sämmtlich rationale Functionen der Veränderlichen x sind. Diese Reihe
convergirt gleichmässig für alle "V
erthe von x, welche einem Bereidte
angehören, der weder im Innern noch an der Grenze eine der singulären
Stellen der Function f'(x) enthält.

----.J\/\1\f\f\f\rJ'V-----·-·-
Zur Functionenlehre.
Ans dem l\Ionatsbcricht ller Künigl. Akademie der Wissenschaften zu
Berlin vom August 1880.

5*
Zur Functionenlehre.
Ans dem Monatsbericht der K1inigl. Akademie der \Vissenschaften zu Berlin vom
August 1880.

Im Nachstehenden theile ich ermge auf unendliche Reihen, deren


Glieder rationale Functionen einer Veränderlichen sind, sich beziehende
Untersuchungen mit, welche hauptsächlich den Zweck haben, gewisse,
bisher - so viel ich weiss - nicht beachtete Eigenthümlichkeiten, die
solche Reihen darbieten könn~n und deren Kenntniss für die Functionen-
lehre von Wichtigkeit ist, klar zu stellen.

1.

Es seien unendlich viele rationale Functionen einer Veränderlichen x


in bestimmter Aufeinanderfolge gegeben:

Die Gesammtheit derjenigen 1Nerthe von x, für welche die Reihe


00

~ fv(x)
V=O

einen endlichen Werth hat, nenne ich den Convergenzbereich dieser


Reihe. Lässt sich ferner für eine bestimmte Stelle a dieses Bereichs
eine positive Grösse p so annehmen, dass die Reihe für die der Bedingung

jx-aj<=p
70 Zur Fnnctionenlehre.

entsprechenden W erthe von x gleichmässig *) convergirt, so will ich


sagen, die Reihe convergire gleichmässig in der Nähe der Stelle a. Die
Grösse p hat dann eine obere Grenze; ist diese R, so möge - in Be-
ziehung auf die betrachtete Reihe - die Gesammtheit dmjenigen ·werthe
von x, für welche

ist, die Umgebung von a, und R deren Halbmesser genannt werden.


Nimmt man in dieser Umgebung eine Stelle beliebig an, so ist klar,
dass auch in der Nähe der letzteren die Reihe gleichmässig convergirt.
Daraus ergiebt sich, dass die Gesammtheit der Stellen, in deren Nähe
die Reihe gleichmässig convergirt, in der Ebene der Veränderlichen x

*) Eine unendliche Reihe


00

deren Glieder Functionen beliebig vieler Veränderlichen sind, convergirt in einem


gegebenen Theile (B) ihres Convergenzbereichs gleichmässig, wenn sich nach Annahme
einer beliebig kleinen positiven Grösse ll stets eine ganze Zahl m so bestimmen lässt,
dass der absolute Betrag der Summe
00

für jeden Werth von n, der::;:::>- m, und für jedes dem BereicheBangehörige Werthsystem
der Veränderlichen kleiner. als ll ist. Soll die Reihe in demselben Bereiche zugleich
unbedingt convergent sein, d. h. bei jeder Anordnung ihrer Glieder denselben Werth
haben, so muss es, wie man auch ll annehmen möge, stets möglich sein, ans der Reihe
eine endliche Anzahl von Gliedern so auszusondern, dass die Summe von beliebig vielen
der übrigbleibenden fiir jedes der betrachteten Werthsysteme der Veränderlichen kleiner
als ll ist. Diese Bedingung ist sicher erfüllt, wenn es eine Reihe bestimmter positiver
Grössen

giebt, für die sich feststellen lässt, dass an jeder Stelle des Bereichs B

lf.l~-g.,, (V=O, ,,.oo)

und die Summe


00

einen endlichen Werth hat. - Aus der gegebenen Definition der gleichmässigen Con-
vergenz folgt u. A. unmittelbar, dass, wenn die betrachtete Reihe in mel}reren Theilen
ihres Convergenzberefchs gleichmässig convergirt, dasselbe auch für den aus diesen
Theilen zusammengesetzten Bereich gilt.
Zur Functionenlehre. 71

durch eine einfache*) Fläche repräsentirt wird, welche aber aus mehreren,
von einander getrennten Stücken bestehen kann.
Angenommen nämlich, es gebe überhaupt Stellen der in Rede stehenden
Art, deren Gesammtheit mit A bezeichnet werde, so denke man sich
eine von ihnen willkürlich angenommen, in der Umgebung derselben eine
beliebige zweite, in der Umgebung dieser eine dritte, u. s. w. Die Ge-
mmmtheit der Stellen von A, zu denen man auf diese Weise gelangen
kann, ist dann ein in der Ebene der Grösse x durch ein zusammen-
hangendes Stück derselben repräsentirtes Oontinuum (A 1), dessen Begrenzung
aus einzelnen Punkten, aus einer oder aus mehreren Linien, und auch
aus einzelnen Punkten und Linien zugleich bestehen kann. Möglicherweise
existiren nun ausserhalb A 1 noch Stellen von A, dann giebt es mindestens
noch ein zweites Oontinuum (A 2) von derselben Beschaffenheit wie A 1 , das
ebenfalls ein Bestandtheil von A ist und mit A 1 keine Stelle gemein-
schaftlich hat - was jedoch nicht ausschliesst, dass die Begrenzungen
von A 1 und A 2 theilweise oder ganz zusammenfallen. Existiren ferner
noch Stellen von A, die weder in A 1 noch in A 2 liegen, so giebt es
mindestens noch ein drittes Oontinuum (A 3) von derselben Beschaffenheit
wie A1 , A 2 , das gleichfalls ein Bestandtheil von A ist und mit den beillen
ersten keine Stelle gemein hat. U. s. w.
Nachdem so festgestellt ist, wie der Bereich A mö~licherweise ge-
staltet ist, kann leicht an Beispielen gezeigt werden, dass die angegebenen
verschiedenen Fälle auch wirklich vorkommen. Es genügt hier die
beiden Reihen
00 00
~XV, ~ ( V 1 -V )
V=O V=O X +X

anzuführen. Für die erstere bilden den Bereich A alle diejenigen "\Verthe
von x, die ihrem absoluten Betrage nach kleiner als 1 sind, für die
anderen ausser denselben W erthen auch alle diejenigen, die ihrem absoluten
Betrage nach grösser als 1 sind; es besteht also A in dem ersten Falle
aus einem zusammenhangenden Stücke, in dem anderen aus zwei solchen
Stücken, die keine Stelle gemein haben. Beispiele von Reihen der hier
betrachteten Art, für welche der Bereich A aus mehr als zwei Stücken
besteht, werden später vorkommen.
Es ist ferner noch Folgendes nachzuweisen.
Angenommen, es convergire die betrachtete Reihe gleichmässig in
der Nähe jeder Stelle, die im Innem oder an der Grenze eines gegehe11en

*) d. h. eine Fläche, die durch keinen Punkt mehr als einmal hindurchgeht.
72 Zur Functionenlehre.

zusammenhangenden Bereichs (B) liegt, so convergirt sie auch in dem


ganzen Bereiche gleichmässig.
Sind a, a' irgend zwei Stellen des Bereichs A, von denen a' in der
Umgebung von a liegt, und ist R der Halbmesser der letzteren, D = I a' - a I
der Abstand der beiden Stellen, so folgt aus den gegebenen Definitionen
unmittelbar, dass der Halbmesser (R') der Umgebung von a' nicht kleiner
als R- D sein kann. Ist D < iR,. so ist also R' > JR, und es
liegt a in der Umgebung von a'; mithin muss R> R'- D sein, R' also
zwischen
R-D und R+D

liegen. Wenn daher die Stelle a in A ihre Lage stetig ändert, so änd.ert
sich auch der zugehörige "\Verth von R stetig. Daraus folgt weiter,
dass die untere Grenze R 0 derjenigen Werthe von R, die diese Grösse
im Bereiche B annehmen kann, mindestens an einer im Innern oder an
der Grenze dieses ·Bereiches liegenden Stelle wirklich eneicht wird, und
dass daher R 0 nicht gleich Null ist. Deshalb kann B in eine endliche
Anzahl von Theilen dergestalt zerlegt werden, dass in jedem einzelnen
Theile der grösste Abstand zweier Stellen kleiner als R 0 ist. Jeder
solcher Theil liegt dann ganz in der Umgebung einer in ihm willkürlich
angenommenen Stelle; für die demselben angehörigen "\Verthe von x con-
vergiit also die betrachtete Reihe gleichmässig, woraus nach dem oben
Bemerkten die Richtigkeit des ausgesprochenen Satzes sich unmittelbar
ergiebt.
Eine Reihe der in Rede stehenden A11 kann so beschaffen sein,
dass sie in der Nähe jeder im Innern ihres Convergenzbereichs liegenden
SteHe gleichmässig convergirt. Im Folgenden werde ich ausschliesslich
Reihen von dieser Beschaffenheit untersuchen. Wenn man nämlich von
der Reihe
00

~ fv(x)
v=O

nur weiss, dass es im Gebiete der Veränderlichen x einen zusammen-


hangenden Bereich giebt, in welchem die Reihe convergirt, so lässt sich
daraus allein nicht einmal folgern, dass ihr W erth in demselben Bereiche
eine stetige Function von x sei. Macht man aber die angegebene Vor-
aussetzung, so lässt sich zeigen, dass die Reihe in jedem der im
Vorstehenden definirten Stücke (Au ...) ihres Convergenz-
Zur Functionenlehre. 73

bereiches im Allgemeinen einen eindeutigen Zweig einer mono-


genen analytischen Function von x, und in besondern Fällen
eine solche Function vollständig darstellt.
Hierzu ist ein Hülfssatz erforderlich, den ich zunächst anführen
und beweisen will.

2.
"Es seien unendlich viele Potenzreihen einer Veränderlichen x, welche
Potenzen dieser Grösse mit ganzen, positiven und negativen Exponenten
in beliebiger Anzahl enthalten, in bestimmter Aufeinanderfolge gegeben:

und es sei möglich, zwei reelle Grössen R, R', von denen R' > R, R > 0
ist, so anzunehmen, dass für die der Bedingung

entsprechenden W erthe von x nicht nur jede einzelne der gegebenen


Reihen, sondern auch die Summe

convergirt, und zwar die letztere für alle diejenigen \V erthe der Ver-
änderlichen, die denselben absoluten Betrag haben, gleichmässig. Dann
hat, wenn
A(V)
ft

der Coefficient von xll in P v ( x) ist, die Summe

für jeden W erth von fl einen bestimmten endlichen W erth, der mit All
bezeichnet werde, und es lässt sich zeigen, dass für jeden Werth von x,
dessen absoluter Betrag grösser als R und kleiner als R' ist, die Reihe
74 Zur Fnnctionenlehre.

convergirt und die Gleichung

besteht."
Es sei r irgend eine bestimmte, zwischen R Ull!l R' enthaltene
positive Grösse, und k eine beliebige andere, so kann in Folge rler
hinsichtlich der Convergenz der Reihe

gemachten Voraussetzung eine ganze positive Zahl m so angenommen


werden, dass für jeden W erth von x, dessen absoluter Betrag g·Ieich r
ist, und für jede ganze Zahl n, die ~-m, der absolute Betrag der Summe

kleiner als ~ lc, und deshalb für jede Zahl n', die ~ n,
11'

12.: Pv(x:) I<= k


'1='1!

ist. Man hat aber

und es ist deshalb nach einem bekannten Satze für jeden ganzzahligen
Werth von fL
n'
12.: A~) I< 1.'1·--ll.
Y=U

Demgernäss hat die Summe

einen bestimmten e111llichen '\Verth, der mit A 11 bezeichnet werde.


Nun nehme man zwei positive GriJssen r 1 , r2 so an, dass

R<r1 <r<r2 <R' '


Zur Fnnctiouenlehre.

so kann man der Zahl n einen solchen Werth geben, dass

auch kleiner als jede der bei<len Grüssen

ist; woraus folgt:

I
I~ A~J ~krl'!'
V=lt

00

I~ A~J 1-s: kr2J!.


V=n

Hiernach hat man, wenn


n-1 oo
"A<vJ = A' "A<vJ = A"
~ J! J!' ~ J! J!
V=O V=n

gesetzt, und der Veränderlichen x ein "\Verth, dessen absoluter Betrag


gleich r ist, beigelegt wird,

-oo -oo J!
"~ I A"J! xl! I ~lc" (__!~)
-~1.'
J!=-1 J!=-1 1

+oo +oo , J!
"~ I A Ji'L
" ' ,J! I ~IC
/1 ~
" ( ;-.1 ) '
Ji=O J!=u 2

und somit

J: I A"J! xli I ::::=_Jc


+oo
~ --
( t•
__
r-r
1_ + --~
r-r
1' ')
.
Jl=-oo 1 2

Die Reihe

ist also unbedingt convergent, und da

n-1

~ P" (x) = ~ A;1 xll,


Y=O J.l
76 Zur Functionenlehre.

so gilt dasselbe auch von der Reihe

Man hat ferner

2: Pv(x)- 2: A;~x11 ,
2: Pv(x)- 2: A 11 x11 v=n
00 00

=
V=O fl fl

und somit

~ oo
I ..::..... P (:r) - ~ A :i./1 I < 7; -i- k -(T 1- 1") •
+ '}"____:!_
V ..::..... fJ. I- )" - 1" - }'
V=U fJ. 1 ~

Da man nun für jeden bestimmten \Verth von x, dessen absoluter Betrag
(r) zwischen R und R' enthalten isL zunächst r 1 , r 2 der angegebenen
Bedingung gernäss, und dann k so annehmen kann, dass

kleiner ist als eme beliebige gegebene Grüsse, so folgt, dass für jeden
der Bedingung
R <]xl <B'

entsprechenden \V erth von x nicht nur die Reihe

convergirt, sondern auch die Gleichung


CO

besteht; w. z. b. w.
Es sei jetzt

2: fv(x)
00

F(x) =
V=O

irgend eine Reihe von der am Schlusse des § 1 angegebenen Beschaffen-


heit, und es werde mit A' eines der Stücke bezeichnet, aus denen nach
der vorangegangenen Auseinandersetzung der Convergenzbereich der Reihe
besteht.
Zur Functionenlehre. 77
Nimmt man dann in A' eine Stelle a0 willkürlich an, und beschränkt
die Veränderliche x auf die Umgebung von a0 , so lässt sich nicht nur
jede der Functionen fv(x), sondern nach dem vorhergehenden Satze auch
die Summe derselben durch eine gewöhnliche Potenzreihe von x - a0 , die mit

bezeichnet werde, und die ich ein "Element" der Function F(x) nenne,
ausdrücken."*)
Nimmt man ferner in der Umgebung von a0 eine zweite Stelle (a 1)
an, und ist ~ 1 (x- a 1) das zu dieser gehörige Element von F(x), so hat
man für diejenigen Werthe von x, die in der Umgebung von a0 sowohl
als von a 1 liegen,

wo

Daraus folgt, dass der Coefficient von (x- ct1)11 in ~/x- a 1) mit dem
entsprechenden Coefficienten der Entwicklung von ~ 0 (x- a0) nach Po-
tenzen von (x- a 1) übereinstimmen muss.
Nun kann man, wenn a eine beliebige Stelle in A' ist, zwischen a0
und a eine Reihe von Stelle:t;t

*) Him·zu bemerke ich, dass nach dem Satze des v. § der Coefficient von (x- ao)~-'
gleich

ist. Die Function F(x) hat also in A' Ableitungen jeder Ordnung, und es ist

d~'- F(x) = ~ j,_l'-fv(x)


d X 1'- ~ d"' •
'1=0 X

Es ist ferner leicht zu zeigen, dass auch die Reihe auf der rechten Seite dieser Glei-
chung in der Nähe jeder Stelle von A' gleichmässig convergirt, und somit dieselbe
Beschaffenheit wie die gegebene hat.
78 Zur Functionenlehre.

so einschalten, dass a 1 in der Umgebung von a 0 , a 2 m der Umgebung


von a 1 , u. s. w. und schliesslich a in der Umgebung von an liegt.
Dann hat man, wenn

die zu den Stellen a 1 , a 2 , ••• an, ct gehörigen Elemente der .Funetion F(;;')
sind,
00 !!
~' 1 ( :t,, - 7 , ~(!!)(
~
tt
) -
- · II - II·
)(:t- 111)
- · · ---
I ~O 0 I U p.!

)'!
x-
CXJ (
m (- , ) -- ~ m!llJ . . ) a~
1-'z x - a~ - L..i 1-'1 ( a2 - ttl - ' ·-
ll=O (J..
n. s. w.

Es besteht also in dem Bereich A' zwischen den Elementen der be-
trachteten J1'unction ein solcher Zusammenhang·, dass aus einem beliebig
angenommenen Elemente jedes andere dunh ein bestimmtes Rechnungs-
verfahren abgeleitet werden kann. Pür die dem g·enannten Bereich an-
gehörigen '\Verthe von x ist also die Function völlig· bestimmt, sulml<l
irgend eines ihrer Elemente gegeben ist.
Möglicherweise erstreckt sich, wenn die Stelle a der Begrenzung von
A' hinlänglich nahe angenommen wird, der Convergenzbrzirk der Reihe
~(x- a) über A' hinaus. In diesem Palle (der sogar der g·ewölmliche
ist) existiren unendlich viele, ans lß 0 (::x;- a0) durch das beschriebene Ver-
fahren ableitbare Potenzreihen lß' (x- ct'), deren Comergenzbezirke ganz
oder theilweise ausserhalb A' liegen, und aus diesen können dann mög-
licherweise durch dasselbe Verfahren wieder andere sich ergeben, welche
in ihrem Convergenzbezirk auch Stellen von A' enthalten, aber an diesen
andere Werthe wie F(x) haben. Alle diese Reihen stellen Portsetzungen
der durch die gegebene Reihe F(x) zunächst für die dem Bezirk A' an-
gehörigen W erthe von x definirten Function dar; sie sind, nach der in
meinen Vorlesungen über die Anfangsgründe der allgemeinen Functionen-
lehre eingeführten Terminologie, sämmtlich Elemente einer monogenen
analytischen Function, die eindeutig oder mehrdeutig sein kann, aber als
vollständig definirt zu betrachten ist, sobald irgend eines ihrer Elemente
gegeben ist.
Zur Functionenlehre. 79

\Venn der Oonvergenzbereieh der Reihe '.ß(x- a), wie man auch a
annehmen möge, stets ganz in A' enthalten ist, so kann die durch den
Am;druck F(x) für den Bereich A' definirte Function über die Grenzen
dieses Bereichs nicht fortgesetzt werden. Es stellt also in diesem Falle
- der wirklich vorkommt, wie weiter unten wird gezeigt werden -- die
Reihe, wenn die Veränderliche x auf den Bereich .d.' beschränkt wird,
eine eindeutige monogene Function von x vollständig dar.
Hiernach lässt sich das im Vorstehenden Auseinandergesetzte kurz
so, wie am Schlusse von § 1 geschehen ist, zusammenfassen.
Hieran knüpft sich nun eine für die Functionenlehre wichtige Frage.
Angenommen, der Oonvergenzbereich der betrachteten Reihe bestehe
ans mehreren Stücken (Au A 2 , ••• ) , so ist es möglich, dass sie in den-
selben Zweige einer und derselben monogenen Function darstellt. Es
fragt sich nun, ob sich dies in allen Fällen so verhält. Muss diese
Frage verneint werden, wie dies. wirklich der Fall ist, so ist damit be-
wiesen, dass der Begriff einer monogenen Fnnction einer com-
plexen Veränderlichen mit dem Begriff einer durch (arith-
metische) Grössenoper a tio nen ausdrückbaren Abhängigkeit
sich nicht vollständig deckt.*) Daraus aber folgt dann, dass mehrere
der wichtig·sten Sätze der neueren Functionenlehre nicht ohne \Veiteres
anf Ans1lrücke, wekhe im Sinne der älteren Analysten (Eul er, Lagrange
n. A.) _Fnnctionen einer complexen Veränderlichen sind, dürfen angewandt
werden**).
*) Das Gegentheil ist von Riemann ansgc~prochen worden (Grundlagen für die
allgemeine Theorie der Functioneu einer complexen Grösse, 9 19, am Schluss), wo bei
ich bemerke, dass eine Function eines complexeu Arguments, wie sie R ie mann definirt,
stets auch eine monogene Funetion ist.
**) Wenn z. B. zwei Ausdrücke

2: f,(x), 2: r;cx)
00

'1=0 V=O

der hier betrachteten Art gegeben sind, und <'s lässt sich zeigen, dass es in der Nähe
einer bestimmten, im I uncm des Converg·cnzbereichs sowohl ·des einen als des andern
liegenden Stelle unendlich viele Werthe von x giebt, für welche die Ausdrücke gleiche
W erthe haben, so ist damit festgestellt, dass innerhalb eines bestimmten zusammen-
hangeJHlen Bereichs der V erämlerlichen x die Gleichung·
00 00

2: f~(x)
'1=0
= ~
'I=Ü
f,(x)

besteht; es lässt sich aber nicht behaupten, da,;s dieselbe an allen Stellen des gemein-
schaftlichen Convergenzbereichs der beiden Reihen gelte, wofern nicht der Nachweis
geführt wenlen kann, dass beide Ausdrücke in llem genannten Bereich monogen()
Functionen siml.
80 Zur Functionenlehre.

Ich habe bereits vor Jahren gefunden - und in meinen Vorlesungen


mitgetheilt - dass die oben angeführte Reihe

F(x) = ~ (xv; x-=v),


v=O

deren Convergenzbereich aus zwei Stücken besteht, zwei verschieden


monogene Functionen, und zwar eine jede vollständig darstellt.
Ist nämlich x0 irgend ein W erth von x, der den absoluten Betrag
1 hat, so lässt sich - mit Hülfe von Sätzen, welche die Theorie der
linearen Transformation der elliptischen &- Fnnctionen liefert - zeigen,
dass sich sowohl unter denjenigen "\Verthen von x) fiir die Ix I < 1, als
auch unter denen, fiir die Ix I:> 1, in jeder noch so kleinen Umgebnng
von x 0 solche finden, für die der absolute Betrag von F(x) jede beliebig
angenommene Grösse übertrifft. Darans folgt sofort, dass die Reihe in
jedem der beiden Stücke ihres Convergenzbereichs eine Function darstellt,
die über die Begrenzung des Stückes hinans nicht fortgesetzt werden kann.
Es blieb indessen, obwohl dies eine Beispiel zur Erledigung rler in
Rede stehenden Frage ausreichte, noch ein Bedenken übrig.
Die beiden durch die angefiihrte Reihe ausgedrückten Functionen
stehen in einer sehr einfachen Beziehung zu einander, indem

F(x- 1) = F(:x)

ist. Es war daher der Gedanke nicht abzuweisen, ob nicht iiberhanpt


in dem Falle, wo ein arithmetischer Ausdruck F(x) in verschiedenen
Theilen seines Geltungsbereichs verschiedene monogene Fnnctionen rler
complexen Veränderlichen x darstellt, unter diesen ein nothwendiger
Zusammenhang bestehe, der bewirke, dass durch die Eigenschaften d'er
einen auch die Eigenschaften der a11dern bestimmt seien. Wäre rlies der
Fall, so würde darans folgen, dass der Begriff der monogenen Fnnctiou
erweitert werden müs.ste.
Um jeden Zweifel über diesen Punkt zu beseitigen, habe ich mir die
Aufgabe gestellt, einen Ausdruck

L fv(x)
00

F(x) =
Y=l'

von der hier angenommenen Beschaffenheit, der den folgenden Bedingungen


genüge, zu bilden: Der Convergenzbereich der Reihe soll aus n Stiicken
Zur l!'nnl'tionenlehre. 81
(A 1 , A2 , ••• A 11 ), wie sie oben definirt worden sind, bestehen, und es soll
F(x) in A 1 gleich F 1 (x), in A 2 gleich F 2 (x), ... in A 11 gleich ~~(:x) sein,
wo F 1 (x), F 2 (x), ... ~~ (x) willkürlich anzunehmende, für das ganze
Gebiet der Veränderlichen x, mit Ausnahme von einzelnen Stellen, definirte
eindeutige und monogene Functionen bedeuten.
Zur Lösung dieser Aufgabe stelle ich zunäclu;t einen Ausdruck von
der angegebenen Form her, welcher in der Nähe jeder Stelle, wu der
reelle Theil von x nicht gleich Null ist, gleichmässig convergirt und deu
Werth
+ 1 oder -1

hat, jenachdem der reelle Theil von x positiv oder negativ ist. Formeln,
die in der Theorie der elliptischen Functionen vorkommen, führen zu
einem solchen Ausdruck. Bei der nachstehenden Herleitung llesselben
habe ich jedoch absichtlich aus der genannten Theorie nichts vorausgesetzt.

4.

Nimmt man zwei endliche und von Null verschiedene complexe


Grüssen (w, w') su an, dass der reelle Theil des Quotienten

w'
wi
nicht gleich Null ist, und versteht unter v, v' unbeschränkt veränderliche
ganze Zahlen, su hat llekauutlich die Summe

einen endlichen Werth, wenn bei der Summation dasjenige Glied, in


welchem v, v' beide gleich Null sind, fortgelassen wird*). Es stellt
deshalb - wie in § 2 meiner Abhandlung· iiber die eindeutigen Functionen
gezeigt worden ist - die Reihe

*) Durch das tlem 2": beigefügte Zeichen (') soll hier und im Polgenden darauf
hingewiesen werden, dass unter den \Verthen, die der Ansdruck unter dem Summen-
zeichen annehmen kann, sich einer findet, der = = ist und bei der Summation fortge-
lassen werden muss.
6
82 Zur Functionenlehre.

welche bei jeder Anordnung ihrer Glieder denselben Werth hat, ein
eindeutige analytische Fl\nction der Veränderlichen u - ·mit der eine:
wesentlichen singulären Stelle oo - dar, welche Function hier mit

Hn, w, w')
bezeichnet werden möge.

Mit Hülfe der bekannten Gleichungen:

7tctgu7t = 1 ~'(
-+
n v
- 1+ -1)
-
u-v v
,

7t(ctgu7t- cotgn7t) = ~ ( -1- - - 1- ) , wenn a keiLe ganze Zah


v n-v a-v

lässt sich der vorstehende Ausdruck von H n, w, w') folgendermasse


umgestalten.

Es ist

1 ' ~· (
'i'u,w,w=----r-7,
·'· ( ') 1 + 1 + u 9)
~~ ~· n-2vw-2v'w' 2vw+2v'w' (2vw+2v'w'Y

Die Summe aller Glieder dieser Reihe, in denen v' = 0, ist:

-- 2 w ~· ( - -
1 ).-+~ 1 +- n ~· -=-ctg-+--u.
1 ) ( +-. 1 1t n 7t 1t
2

2w n v _3!_- v v 4w2 v v2 2w 2w 12w2


2(!)

Ferner die Summe aller Glieder, in denen v' einen bestimmten, von Nu
verschiedenen W erth hat:

2~2:(u-2}ID,
V ----V
---d-.-)+-n22:(v·} ) 2
---V 4W v -+V
2 (!) (!) (!)

n- 2v'w'
. 2(V'ID' )'
1 ( v'w' ) 1t2 n
= 2w ctg~-7t+ CtgW7t + 4w2sm -- 1t (!)
Zm Fnnctionenlehre. 83

Man hat also

·'· (n w tü') ~ -
1t
ctg ---
n1t
+ -1t ~
' ( n-2v'w'
cto- - - - - - 1t -1
v'w' )
cto- - - 1t
f ' ' :!tu W :!W~,
V
"' :!W "' W

+ ( ;)1· -t "5: . _ 2 ("w' )) 2


n1t-
7 Sill - w- 1t •-
4w
'
oder auch, wenn man unter n eine ganze positive Zahl versteht, und

7t2
= - - ( 1 , 1 ,· -~ (nw'
I;oo Sill - 1t))
.,
'fl
w 1:! -,. :! w
ll=l

setzt,

~(n w w') =-'fjn- ,.. - w ctg n1t


-;-- 1t ~ ( H-2nw' n,- 2nw' )
J , ctg·-- - -- 1t -t ctg --- - - 7t .
' ' lt) 2W W 2W 1f:;: 1 2W 2W

Aus dieser Gleichung ergiebt sich:

4(n + :!w, w, w') = 4(n, w, w') + 2'fl.

Setzt man n = - w, und bemerkt., dass 4(n, w, w') eine ungrade Fnnction
von H ist und fih· n = - w' nicht = wird, so giebt die vorstehende =
Gleichung
'f} = ~(w, w, w'),

und man erhält also ans der vorhergehenden Gleichung, wenn man

n=w'
setzt,
w'4(w, w, w')- w~(w', w, w')

w'1t , 1t oo (
7t ctg-., (2n -1)lü' (2n + l)w' )
= - - "5: ctg - - - - 1t- ctg ------ 7t .
:! w 2 1f;;;!1 2w 2w

Man hat aber, wenn m eine beliebige positive ganze Zahl ist,

lü'7t 1t~ 111 ,(2n--l)w'_ . (:!n-+1)w' )--7t-·t~~ 1 1t-~-~)_~' .


1t
--cto·---·;--
('·
cto--------.--cto--- -----1t- Ct; 7t,
2 "' •·t) :! ."-1
' II = 1
"' •>•-t)
-'
"' •ht)
~c
:! :!ltl

fl*
84 Zur Functionenlelue.

es ist also derAusdruck auf der rechten Seite der vorhergehenden Gleichung
gleich der Grenze, der sich
(2m+l)w' 1t (2»t+l)w' 1t

1t (2m+ 1)w' e wi +e wi ni
- 2 ctg ----;;-- 7t = O·tlt+l)uJ' (2m+l)w' 2
-'--~-=---- 1t - - - .- 1t
e wi _ e wt

nähert, wenn m unendlich gross wird. Diese Grenze aber hat den 'V erth
ni ni
-oder--
2 2 '

jenachdem der reelle Theil von w'. positiv oder negativ ist.
(J)~

Es geht ferner aus dem ursprünglichen Ausdruck von 4(u,, w, w'),


da derselbe sich nicht ändert, wenn man gleichzeitig

v' für v, und - v für v'


setzt, die Gleichung
4(n, w, w') = 4(n, w', -- w)
hervor. Man hat also:
w'4(w, w, w') -- w4(w', w',- w) = ± ~i,
wo das obere oder das untere Zeichen gilt, jenachdem der reelle Theil
von w'. positiv oder negativ ist.
Wt

Es gilt ferner, wenn c eine beliebige Grösse ist, die Gleichung

4(u,, w, w') = c4(cn, cw, cw'),

woraus sich, wenn c = _!_


(J)
gesetzt wird,

4( (J) ' (J) ' w') = w-1 4 ( l' 1' w')


--w-
ergiebt. Ebenso ist

4(w' w' - w)
' '
= -
w'
14 (1 ' 1' - _w)
w' '
und man hat also

w' ( 1,1,-
-.4 w') +-,4
wi ( 1,1,----,
w) 1t
=±'>.
(J)t (J) (J) (J) ~
Znr Fnnctionenlchrr. 85

Setzt man nun


w'
--:-==X'
Wt

so dass x eine complexe Grösse ist, welche jeden \V erth, dessen reeller
Theil nicht gleich Null ist, annehmen kann, und

X(:r) ~ 2 :r
~
Hl, 1, .1:i) + 2:
~X
if (t, 1, i),
X

so ist

2
Xx=-x-Lx
()
-1 +--
2
7t ( , ' )
2:' ((1-2v-2v'xi)(2v+2v'xi)2
7t.,,.,•
X )

2 ,( x-1 )
+ ~~. (1-2v-2v'x- 1 i)(2v+2v'x- 1 ir
ein in der Form einer unendlichen Reihe, deren Glieder sämmt-
lich rationale Fnnctionen von x sind, dargestellter Ausdruck
und hat den Werth
+1 oder - 1,

j en ach rlem der reelle Theil von x positiv oder negativ ist.
Man nehme nun im GelJiet der Grösse x einen ganz im Endlichen
liegell(len Bereich (X) so an, dass weder im Innern noch an der Grenze
desselben der reelle Theil von x gleieh Null wird; so lässt sich leicht
zeigen, dass die vorstehen<le Reihe innerhalb dieses Bereiches
unbedingt und gleichmiissig convergirt.
Man setze
1c = 2v -7-2v';;·i,
so dass
·H 1 , 1 , x i) = 1 + .,,2:v' .c1-= -ir-)1l 2

ist. Versteht man nun unter 7c den kleinsten Werth, den der absolute
Betrag oer Grijsse
~ + ~· (~ + ~· i)i

für reelle Wertbe der Veränclerlkhen ~, E', ~, ~' unter der Bedingung, dass
Zur Fnnctionenlehre.

sein und ~ + ~· i im Innern oller an der Grenze von X lit~gen soll, an-
nehmen kann; so ist k nicht gleich Null, und man hat

I w I ;;, 2k)/vv + v'v'


i 1- 11" I > 7.-l 1(2v -- 1)~ -: 4v'v'

für jeden nicht ausserhalb des Bereichs X liegenden ·werth von x. Es


ist- aber für je(le ganze Zahl v

(2v-1)2 > v2 ,
also

und somit
, _ _1___ 1 < (vv -:__'~'-'()-~
1(1-11")11"~ ~~ 41.-: 1 •

Hiernach ist jedes Glietl <ler Reihe, durch welche ·~ (1, 1, xi) dargestellt
wird, seinem absoluten Betrage nach kleiner oder hüchstens eben so gross
als das entsprechende Glied der Reihe

welche bekanntlich eine endliche Summe hat. Damit ist bewiesen, da:;;:;;
die erstgenannte Reihe fiir die dem Bereiche X angehörigen Werthe von x
unbedingt und gleichmiissig convergirt.
Es ist aber, wenn x in X angenommen wird, der Bereich der
Griisse _!_ ebenfalls so beschaffen, dass weder im Innern noch an der
X

Grenze desselben der reelle- Theil von _!__ gleich Null wird. Daher con-
x
vergirt auch der Ausdruck von ~ ( 1 , 1, ~) für die dem betrachteten
Bereiche angehörigen W erthe von x: unbedingt und gleichmässig. Dasselbe
gilt also auch für die Reihe, durch welche x(x) dargestellt ist.
Es möge noch bemerkt werden, dass man in der Reihe ~ (1, 1, xi),
weil dieselbe unbedingt convergent ist, je zwei Glieder, in denen v den-
selben, v' aber entgegengesetzte "\Verthe hat, in eines zusammenziehen
kann, wotlmch man, wenn unter n eine ganze positive Zahl verstanden wird,
Zur Fnnction·enlehre. f:li

erhält. Die Glieder der so umgeformten Reihe sind rationale Functionen


von x, welche rationale Coefficienten haben, und nnr für solche \Verthe
von x, deren reeller Theil gleich Null ist, unendlich gross werden. Als
Summe von eLenso beschaffeneu Glie<leru liisst sieh also auch X(x) aus-
drücken.

5.
Nun sei x' eine beliebige rationale Function von x, und es werde

gesetzt, so dass X1 (x) ebenfalls eine Summe von unen<llich vielen rationalen
Funetionen der V eränclerlichen x ist. In der ElJene der letzteren Grüsse
werden dann diejenigen W erthe derseiLen, für welehe der reelle Theil
von x' verschwindet, dureh eine reelle algebraische Curve repräsentirt,
welche die Ebene dergestalt in mehrere Stücke zerlegt, dass der reelle
Theil von x' in einigen Stücken ülJerall positiv, in den andern überall
negativ ist. In den ersteren hat also X1 (x) überall den Werth --:- 1, in
den andern überall den \V erth - 1.
Nimmt man beispielsweise

XI =
axI
--- -
_L ß
'(X+ 0

an, wo o:, ß, y, ö Gonstanten bedeuten, deren \Vahl keiner andern Be-


schränkung unterliegt, als dass o:o- ßy nieht gleich Null sein darf, so
ist die genannte Curve bekanntlich ein Kreis*), und es können o:, ß, y, o
so bestimmt werden, dass dieser Kreis ein geg·ebener wird und der reelle
'L'heil von x' für einen gegebenen Punkt ein vorgeschriebenes Zeichen hat.
Nun seien P 1 (x), J<~(x) irgend zwei eindeutige Functionen von x mit
einer endlichen Anzahl wesentlicher singulärer Stellen. Dann lässt sich,
wenn

X1 (x)- x(~x -i- ß)


- yx ~ o '

6I (:r)
•.
= F 1 (a;)_- _l11::_(x)
~

*) Dies g·ilt allgemein, wenn man Pinr nulleg-renzte Gerade als einen Kreis mit
unendlich grossem Radins betrachtet.
H8 Zur Functionenlrhre.

gesetzt wird, der Ausdruck

in eine unendliche Reihe, deren Glieder rationale Functionen von x sind,


umformen, und diese stellt in dem einen der beiden Theile, in welche
<las Gebiet der Veränderlichen x durch den genannten Kreis zerlegt wird,
die Function F 1 (x), in dem andern Theile dagegen die Function F 2 (x) dar.
Nimmt man ferner in der Ebene der Grösse x beliebig viele Kreise
(oder unbegrenzte Geraden):

Kll VII
.ll. l "•
T.T(l")
.H..

willkürlich an, und bestimmt r lineare Function von x

I II
x,;x, ... x (r)

so, <lass der reelle Theil von x 0·l in der Linie x 0·l verschwindet, so wird
die Ebene durch die genannten Linien in eine gewisse Anzahl von Stücken
dergestalt zerlegt, dass der reelle Theil einer jeden Function x<"Al innerhalb
eines solchen Stückes überall dasselbe Zeichen hat. Sind dann

%0 (x), ~ 1 (x), ... %,r(.r)

eindeutige Functionen von x mit einer endlichen Anzahl wesentlicher sin-


gulären Stellen, und setzt man

(A = 1, ... 1·)

so kann der Ausdruck

ebenfalls in eine unendliche Reihe, deren Glieder rationale Functionen


von x sind, umgeformt werden, und diese Reihe hat dann die Eigen-
thümlichkeit, dass sie zwar innerhalb eines jeden der Stücke, in welche
die Ebf\lH\ zer1f'gt ist, einen Zweig einer bestimmten monogenen Function
darste1lt, in versehiedenr.n Stücken abPr Zweige verschiedr.ner Functionen.
Sind z. B. K', K", ... J(<rl Kreise, von denen keiner einen andern
umscbliesst, so wird dureil dieselbe die Ebene in (r + 1) Stücke zerlegt;
Zur Functionenlehre. 89
und wenn man die Function x('-l so bestimmt*), dass ihr reeller Theil im
Mittelpunkt von K('-l positiv ist, so liefert der Ausdruck

Fr+l (x)
1 r
+ 2 _2: (1 +X), (x)) (F;, (x)- Fr+ (x)),
/,=!
1

der mit dem vorstehenden übereinstimmt, wenn unter F 1 ( x) , F 2 ( x),


... ~·+r (x) ebenfalls eindeutige Functionen mit einer endlichen Anzahl
wesentlicher singulärer Stellen verstanden werden, eine Reihe von der
in Rede stehenden Eigenthümlichkeit, indem dieselbe, wenn x innerhalb
der von KIJ.l begrenzten Kreisfläche angenommen wird, gleich Fx (x), und
wenn x ausserhalb aller dieser Flächen liegt, gleich Fr+ 1 (x) ist, also
innerhalb eines jeden der (r + 1) Stücke, worin die Ebene zerlegt ist,
einen Zweig einer willkürlich anzunehmenden Function von der hier vor-
ausgesetzten Beschaffenheit darstellt.
Ein anderes Beispiel erhält man, wenn die Kreise K', K", ... x<r>
so angenommen werden, dass jeder der (r- 1) ersten von _dem folgenden
umschlossen, und somit die Ebene durch sie gleichfalls in (r + 1) Stücke
zerlegt wird. Dann hat nämlich der Ausdruck

2 (F1 (x) +- Fr+I (x)) +2 L (F~.(x)- F;+1 (x))X~.(x:)


1 1 r

A=l

die Eigenschaft, dass er innerhalb eines jeden der genannten Stücke gleich
einer der Functionen F 1 (x), F 2 (x), ... Fr+ 1 (x) ist. (Ein besonderer Fall
ist der, wo an die Stelle der r Kreise r einander parallel gerade Linien
treten.) Scheidet man ferner aus dem Gebiete der Veränderlichen x alle
negativen Werthe (mit Einschluss von 0) aus, so existiren bekanntlich**)
unendliche, aus rationalen Functionen von x zusammengesetzte Reihen,
welche einwerthige Zweige gewisser mehrdeutiger Functionen, wie z. B.
logx, xm (wo m eine beliebige Oonstante bedeutet) darstellen und in der
Nähe jeder Stelle, die nicht zu den ausgeschlossenen gehört, gleichmässig
convergiren. Es können nun in dem Ausdruck
~0 (x) + ~ 1 (x)X 1 (x) + ~)x:)X2 (x) + · · · + ~\(x)Xr(x)

*) Ist r'- der Radins des Kreises K(l,), nnd rtx der \V e1 th von re im Mittelpunkt
dessclbeu, so kann man
X
t')_ -a).
(A) .
=----
+x
t'x +a~-. -x
setzen.
**) S. die auf die Gans s sehen KettenbrUche und die nach Kngelfnnctionen fort·
schreitenden Reihen sich beziehenden Abhandlungen von 'L'home im 66. uncl 67. Bande
des Bor c h a r d t' scheu Journals.
90 Zur Fnnctionenlehre.

~0 (:r), ~ 1 (x), ~ 2 (x), ... ~r(x) auch solche Reihen sein, und man erhält
dann ans ihm eine gleichfalls ans rationalen Fnnctionen gebildete Reihe,
welche in jedem der Stücke, in !lie das Gebiet von x durch die Linien J{<l·>
und die Strecke der negativen Werthe zerlegt wird, einen einwertlügen
Zweig einer mehrdeutigen monogenen Function darstellt, in verschiellenen
Stücken aber im Allgemeinen Zweige verschiedener Functionen.
Aus diesen Beispielen erhellt zur Genüge, dass die am Schlm;se des
§ 3 aufgeworfene Frage folgemlermassen zu beantworten ist:
Wenn der Convergenzbereich einer Reihe, deren Glieder
rationale Functionen einer Veränderlichen x sind, in der
Art in mehrere Stücke zerlegt werden kann, dass in der
Nähe jeder im Innern eines solchen Stiickes gelegenen
Stelle die Reihe gleichmässig convergirt; so stellt die-
selbe in jedem einzelnen Stücke einen einwerthigen Zweig
einer monogenen Function von ;x; dar, in verschie!lenen
Stiicken aber nicht nothwendig Zweige ein und der-
selben Function.

G.
Ich habe in meinen Vorlesungen über die Elemente der Functionen-
lehre von Anfang an zwei mit den gewöhnlichen Ansichten nicht über-
einstimmende Sätze hervorgehoben, nämlich :
1) dass man bei einer Function eines reellen Arguments ans der
Stetigkeit derselben nicht folgarn könne, dass sie auch nur
an einer einzigen Stelle einen bestimmten Differentialquo-
tienten, geschweige denn eine- wenigstens in Intervallen -
ebenfalls stetige Ableitung besitze;
2) dass eine Function eines complexen Arguments, welche für
einen beschränkten Bereich des letzteren definirt ist, sich nicht
immer über die Grenzen dieses Bereichs hinaus fortsetzen lasse;
mit andern Worten, dass monogene Functionen einer Verämler-
lichen existiren, welche die Eigenthümlichkeit besitzen, dass in
der Ebene der Veränderlichen diejenigen Stellen, für welche
die Function nicht definirbar ist, nicht bloss einzelne ·Punkte
sind, sondern auch Linien und Flächen bilden.
Da im Vorhergehenden von Functionen einer complexen Veränder-
lichen, denen die unter (2) genannte Eigenthümlichkeit zukommt, clie
Rede gewesen ist, so will ich bei tlieser Gelegenheit ein leicht zu lJe-
han!lelndes Beispiel einer solchen Function beibringen.
Znr Fnnctionenlehre. 91

Angenommen, der Halomesser des ConvergenzlJezirks einer gewühn-


lichen Potenzreihe

2: Av ;;;v
00

V=U

sei gleieh 1, die Reihe convergire aber aneh unbedingt und gleichmiLssig
fiir alle \Verthe von x, deren absoluter Betrag gl<~ich 1 ist, so dass,
wenn unter t eine reelle Veränderliche verstanden wird,

eine stetige Function von t ist.


Im Innern des Convergenzbezirks der Reihe nehme man eine Stelle x 0
beliebig an und forme die gegebene Reihe in eine Potenzreihe ~(.r- x 0 )
um. Ist r 0 der absolute Betrag von x 0 , so kann der Halbmesser <lrs
Convergenzbezirks der Reihe ~(:;;- x 0) nicht kleiner als 1 ~ r 0 , wohl
aber grüsser sein. Ist <las I.~etztere der Fall, so liegt eine Streeke der
Begrenzung des Convergenzbezirks der gegebenen Reihe ganz im Con-
vergenzbezirke von ~(x- x 0 ), und es besteht, wenn

x t i . ti
-?"0 = e 0 ISt ' und x = e
0 t

gesetzt wird, fiir alle "\Verthe von t zwischen zwei bestimmten Grenzen
(t0 ~ -c, t0 + -c) die Gleichung

'I=Ü

Nun hat aber ~ (x- ::r·0 ), als Function von x betrachtet, Ableitungen
je<ler Ordnung, dassrlbe gilt also auch von ~(::r: 1 - ;:r0 ), als Fnnction von t
beLntehtet, für <lie zwischen t0 ~ -c nn<l t0 + -c liegenden \Verthe dieser
Grösse. Hierans folgt nun: Wenn sich· in einem bestimmten Falle be-
weisen liisst, dass die Function
()() .
~
..:::...
' e;-tt
~-iv
V=Ü

in keinem Intervalle der Veränderlichen t Ableitungen je<ler Ordnung be-


sitzt, so ist darans zu schliessen, dass der Convergenzbezirk der Reihe
~ (x ~ x 0), wie man auch x 0 annehmen müge, ganz in dem Convergenz-
Lezirk <ler gegebenen Reihe enthalten ist., <lie Fnnction also, welche durch
92 Znr Fnndionenlehre.

diese letztere dargestellt wird, über deren Convergenzbezirk hinaus nicht


fortgesetzt werden kann.
Nun sei a eine ungrade positive ganze Zahl, b eine positive GrüRse,
die < 1 , und av = av. Dann erfüllt die Reihe

die oben fiir die betrachtete Reihe gestellten Bedingungen. Es ist aller
von mir der Beweis*) geführt worden, dass die Function
00

~ lJ V COS (/,V t'


V=O

sobald ab ::> 1 + ·~ 1t ist, für keinen Werth von einen bestimmten


Differentialquotienten besitzt. Durch die Reihe

wird also, wenn ab ::> 1 + ~ 1t, eine Function definirt, die nicht über
den Convergenzbereich der Reihe binaus fortgesetzt werden kann, und
also ausschliesslich für solche W erthe von x, deren absoluter Betrag 1lie
Einheit nicht überschreitet, existirt.
Es ist" leicht, unzählige andere Potenzreihen von derselben Be-
sehaffenheit wie die vorstehemle anzugehen, UJl!l selbst für einen heliPhig
begrenzten Bereieh der Veränderlichen x die Existenz von Fnnetionen
derselben, die über diesen Bereieh hinaus nicht fortgesetzt werden künnrn ,
nachzuweisen; worauf ich jedoch hier nicht eingehe.
Schliesslich müge noch bemerkt werden, dass sich auch in Beziehung
auf zuRammengesetr,tere arithmetische Formen, welche einrleutige monogene
Functionen einer und mehrerer Veränderlichen oder einwerthige Zweige
solcher Functionen auszmh·ücke_n geeignet sind, Untersuchungen anstellen
lassen, welche der hier für eine der einfachsten Formen durchgefiihrten
analog sind und zu ähnlichen Resultaten führen.
*) Dieser Beweis ist von Hrn. P. !ln Bois-Reymon1l, drm ich ihn brieflich
mitgetheilt hatte, im 79 Rten Bande von B o rc h a r d t · s .Tomnal H. :30 veröffentlicht.
(Ich berichtige bei dieser Gelegenheit zwei a. a. 0. si1·h limlPwle Drnekfehler. Z. 10 v. o.
muss es ":r;· statt "a.;·,und Z. 4 v. u, ,,auch" Htatt "uieht" hei~:;Pu.)

...
·----··.!f,.~·---
Anmerkungen.
1. Zu S. 7-!, Z. R v. u.

Den hier angeführten wichtigen Satz beweise ich in meinen Vor-


lesungen in sehr einfacher "\V eise.
Ich betrachte zunächst eine Potenzreihe P(x), welche nur eine end-
liche Anzahl von Gliedern enthält, also die Form
V=+ln
P(x') = ~ Avxv
'1=-m

hat, wo m eine ganze positive Zahl bedeutet.


Es sei ~ eine bestimmte Grösse, deren absoluter Betrag gleich 1 ist,
und deren "\Vahl nur der Beschränkung unterliegt, dass ~v, wenn v eine
der Zahlen 0, + 1 , ± 2 , . . . ± m ist, nicht gleich 1 sein darf. Ferner
bedeute r eine beliebig anzunehmende positive Grösse, so existirt für den
absoluten Betrag von P(x), ·wenn man der Veränderlichen x nur solche
"\Verthe beilegt, deren absoluter Betrag gleich r ist, eine endliche obere
Grenze, die mit G bezeichnet werden möge. Dann ist, wenn unter l eine
beliebig·e positive ganze Zahl verstanden wird,

Man hat aber

IV
1 1- ~
Ao + T~
I
= Av ~~v 1' v'
V 1- ~
I

wo bei der durch das Zeichen ~ angedeuteten Summation der Zahl v alle
Werthe von -m bis + m, mit Ausschluss der Null, zu geben sind.
Nun kann man aber, nach Annahme einer beliebig kleinen positiven
Grösse o, der Zahl l einen so grossen "\V erth geben, dass der absolute
Betrag von
94 Znr Functionenlehre.

kleiner als o wird; dann hat man

also

Jetzt sei

2:
V=+ctJ

P(x) = Av xv
v=-oo

eine beliebige Potenzreihe, welche convergent ist für je(len Werth von x,
dessen absoluter Betrag zwischen zwei bestimmte Grenzen R, R' liegt.
Ist dann r eine zwischen R und R' enthaltene, im Übrigen wilkürlich
anzunehmende positive Grösse, so giebt es wieder für den absoluten Be-
trag von P(x), wenn man der Veränderlichen x nur solche \Verthe bei-
legt, deren absoluter Betrag gleich r ist., eine endliche obere Grenze,
die mit g bezeiclmet werden möge. Man kann ferner, nach Annahme
einer beliebig kleinen positiven Grösse o, eine Zahl m so bestimmen,
dass für jeden W erth von x, für den I x I = J',
'J=-00 '1=00

I 2:
'1=-lit-1
Av x v I < ~ o, I 2: A :r v I <
'l=lit+l
~o
ist; dann hat man

I2: I< .rJ + 0


V=+llt

Av X 'I
V=-1H

also nach dem Bewiesenen

und somit

Lässt man ferner die Reihe x-~'- P(x), wo f.L eine beliebige ganze Zahl
bedeutet, an die Stelle von P(x) treten, so ist gr--p. die obere Grenze
für den absoluten Betrag von x-p. P(x), wenn man der Grösse x nur
solche -werthe giebt, deren absoluter Betrag gleich 1· ist; man hat also

was zu beweisen war.


Für Potenzreihen von mehreren Veränderlichen gilt ein analoger Satz,
der sich ebenso elementar wie der vorstehende beweh-;en lässt.
Zur Functionenlehre. 95

2. Zu S. 81. Z. !) v. n.

Sind w, w' zwei complexe Grössen, fiir welche der reelle Bestandtheil
von w~. lJOsitiv ist, und bezeichnet man die Werthe, welche die Function
Wt
p(n I w, w') fiir 1~ = w, w + w', w' annimmt, beziehlieh mit ep e:l, ":P so
hat man*)
"
2(1)) ~ ~
(-;;
4 9
. (e1 -eJ = (1 + 2h + 2h + 2h + ···) ,
WO

h= e wi

ist. Nimmt man ferner vier ganze Zahlen p, q, p', q' so an, dass unter
ihnen die Relation
p q' - p'q = 1
bestellt, und setzt
<ii'rc
<i> = p w + qw' , ii>' = p'w + q'w' , h1 = e - <iii

so ist , wenn p', q beide grade, p, q' also beide ungrade Zahlen sind, auch
~?(ii> I w, w') = ~: P S:J (ii> + ii>' I w, w') = *'-t' s:J(<i>' I w, w') = e3 ,
und es gilt die Gleichung·

(2tii):! (el- ''a) =


7t • (1 + 2ht + '2/tt -1 2hl9+ ···)4 ;
4

man hat also

Nun sei t eine positi ve Grösse, und


1 1 t·
(l) = 2 ' (l)
I
= -2- ~ '
so ist
. 7t = L'nn. e- trc = 0 ,
L 1111.
t=oo t=oo
7l+q'ti . q' .
- - - : - 'ltt - 'lU
. l 1 = L'un. e 11 +alt
L 1111. 1
= e ""
t=oo l !=oo
*) S. die "Formeln uud J,ehrsiitze zum Gebrauche der elliptischen Fnnctiouen,
herausgegeben von H. A. Sc h w :\1' z ", S. 43.
96 Zur Functionenlehre.

es ergiebt sich also, wenn unter x eine Veränderliche, deren absoluter


Betrag kleiner als 1 ist, verstanden wird, aus der vorstehenden Gleichung,
dass der absolute Betrag der Summe

1+2Z:xvv
V=l

unendlich gross wird, wenn sieh x auf einem bestimmten Wege dem Grenz·
werthe
q' .
--1H
eq

nähert. Nun kann man aber, wenn x 0 irgend eine bestimmte Grösse
vom absoluten Betrage 1 ist, die Zahlen p, q, p', q' so annehmen, dass
dieselben den angegebenen Bedingungen genügen und überdies der ab~
solute Betrag der Differenz
q' .
-7tt
eq -x0

so klein wird, wie man will; es giebt also in jeder noch so kleinen
Umgebung von x 0 Werthe der Veränderlichen x, für welche der
absolute Betrag von
00

grösser ist als jede beliebig angenommene positive Grösse.


Hieraus ergiebt sich nun ohne vV eiteres das, was im Texte bereits
von dem Ausdrucke

gesagt worden ist, indem für diejenigen Werthe von x, deren ab-
soluter Betrag kleiner als 1 ist, die Gleichung

1+4P(x) = (1+2 i:x·~vy


V=l

gilt*).
Dazu bemerke ich noch Folgendes:
Setzt man, unter 't eine Grösse verstehend, deren zweite Coordinate
nicht gleich Null sein soll,
't7ti
x=e , 1-J-4P(x)=cp('t),
*) Fund. nov. § 40, GI. (4.) und § 95, Gl. (6.).
Zur Functionenlehre. 97
so hat man, wenn die zweite Coordinate von -r positiv ist,

c;{t) = &~(o 11:),


woraus sich die Relation

ergiebt. Ist dagegen die zweite Coordinate von -r negativ, so hat man

also

Hiernach ist also der Ausdruck

:p ('t)

in dem einen Theile seines Geltungsbereichs gleich -r, in dem andern aber
gleich - -r; er ist also nicht eine monogene Function von 1:, und dem-
zufolge auch F(x) nicht eine monogene Function von x.

3. Zu S. 92, Z. 9.

Ich lasse hier den angeführten Beweis aus dem 79 sten Bande des
Borchardt'schen Journals unverändert abdrucken.
"Es sei x eine reelle Veränderliche, a eine ungrade ganze Zahl,
b eine positive Constante, kleiner als 1, und

00

f(x') = ~ bn cos (ctn x 1t);


n=O

so ist f(x) eine stetige Function, von der sich zeigen lässt, dass sie,
sobald der 'Verth des Products ab eine gewisse Grenze übersteigt, an
keiner Stelle einen bestimmten Differentialquotienten hat.
7
98 Zur Functionenlehre.

Es sei x 0 irgend ein bestimmter \V erth von x, und m eine beliebig


angenommene ganze positive Zahl; so giebt e::; eine bestimmte ganze
Zahl cxrn, fiir welche die Differenz

die mit :rm+I bezeichnet werde, >


Setzt man dann
a --;-1
X"= __111 ___ _
(t II! '

so hat man
1-x
x''-x = m+I
o Ctm ·

es ist also
x' < x· 0 < :r" .

Man kann aber m so gross annehmen, dass x' x" beide der Grösse x
' 0
so nahe kommen, wie man will.
Nun ist

f(x')- t"(x 0)
x' -x0

m-I (
~
""-~
(ab t. cos n ( n x ' TC )
a 11 (x'-
cos ( a n x 0 TC) )
-
:x) /
H=O • U

Der erste Theil dieses Ausdrucks ist, da

. ( n :r' - X'0 )
cos ( a n X ' TC) - cos ( n n x0 TC) _ ,• ( n x ' + x~0 )
Sill ct -~-
-
TC

Ct
n( X r - )
X0
-- TCSlll lt --'>--TC . 1' X'-Xo
~
n , - 2-TC
und der W erth von
. ( n x'-x·0 )
Slll ::____ ~--TC_

n x'-X'0
lt ~TC
Zur Functionenlehre.

stets zwischen --1 und + 1, liegt, dem absoluten Betrage nach kleiner als

L: (auY~,
111-1
7t
n=U

also auch kleiner als


7t m
--(au) .
au- 1
Ferner hat man, weil ct eine ungrade Zahl ist:

cos ( lt m+n x 1 7t ) = cos ( ll n( :xm- 1) 7t) = - (-1 )(J.'" ,

cos ( lt lll + n x 0 1t) = cos ( n n :xm 7t + a n xm+I 1t) = ( -1 )rJ."' cos ( a n x 111 + 1 7t) ,

also

) = ( n )
~
oo
m+n (cos ( n m+n x. 1 " ) - cos ( a m+n x 01t) (J.m m ~ 1-t- cos a xm+l1t n
7, b · · ·-------- =(-1) (ab) ~ -- b ·
lf;;;!O xl- Xo n=o 1-i- :x·m+I

Alle Glieder der Summe

~ 1 + co:(a 11 xm+ 1 7t) bn


n=o 1 ' xm+I

sind positiv, und das erste, da cos (xm_,_ 1 1t) nicht negativ ist, 1 + xm+I

aber zwischen ~ und -} liegt, nicht kleiner als ~ .


Hiernach hat man

wo 'Y} eine positive Grösse, die > 1, bezeichnet, während e zwischen


- 1 und + 1 enthalten ist.
Ebenso ergiebt sich

wo 'Y] 1 ebenso wie 'Y} positiv und > 1 ist, e1 aber zwischen - 1 und + J
liegt.
100 Zur Functionenlehre.

3
Nimmt man nun a, b so an, dass ab > 1 + 2 1t, also

2 1t
->--
3 ab -1
ist, so haben
f(x')- f(x 0) f(x") -- {(:1)
x'-x0 x"-x 0

stets entgegengesetzte Zeichen, werden aber beide, wenn m ohne


Ende wächst, unendlich gross.
Hieraus ergiebt sich unmittelbar, dass f'(x) an der Stelle (x = x0)
weder einen bestimmten endlichen, noch auch einen bestimmten unendlich
grossen Differentialquotienten besitzt".
Im 13ten Bande der "Fortschritte der Mathematik" finde ich auf
S. 335 in einem Referate über Herrn Wiener's im 90sten Bande des
Borchardt'schen Journals erschienene, auf die im Vorstehenden betrachtete
:Function f'(x) sich beziehende Abhandlung die Bemerkung, es sei Herr
Wiener durch eine gründliche geometrische und analytische Untersuchung
der in Rede stehenden Function zu dem Resultate gelangt, dass die Be-
hauptung, es besitze diese Function an keiner Stelle einen bestimmten Diffe-
rentialquotienten, nicht durchweg aufrecht erhalten werden könne. Ich
entnehme daraus, dass ich im GlaulJen, Jedermann wisse, was erforder-
lich ist, wenn eine stetige Function an einer bestimmten Stelle einen
bestimmten Differentialquotienten besitzen soll, am Schlusse des obigen
Beweises mich doch zu kurz gefasst haben muss, weswegen ich die fol-
genden Erläuterungen hinzufüge, welche freilich für die meisten Leser
überflüssig sein werden.
Wenn eine stetige Function F(x) der reellen Veränderlichen x an
einer bestimmten Stelle (x = x 0) einen bestimmten endlichen Diffe-
rentialquotienten besitzen soll, so ist dazu nothwendig - selbstYer-
ständlich aber nicht hinreichend- dass alle 'Verthe, welche der Quotient

F(x)- F(x0 )
X- X 0

nach Festsetzung einer oberen Grenze fiir den absoluten Betrag der
Differenz x - x 0 annehmen kann, zwischen endlichen Grenzen enthalten
seien. Diese Bedingung ist für die von mir angegebene Function f(x)
niemals erfilllt, wie man auch x0 annehmen möge.
Zur Functionenlehre. 101
Soll ferner F(x) für x = x 0 einen bestimmten unendlich grossen
Differentialquotienten (+ oo oder - oo) haben, so muss nach Annahme
einer beliebigen positiven Grösse g für den absoluten Betrag von x - x 0
eine obere Grenze:sich so festsetzen lassen, dass jeder Werth, den der
F(x)- F(x)
Quotient 0 alsdann erhalten kann, im ersten Falle zwischen
X-X 0
g und + oo, im zweiten dagegen zwischen - g und - oo liegt. Eine
nothwendige_Bedingung für die Existenz eines bestimmten unendlich grossen
Differentialquotienten der Function an der Stelle (x = x 0 ) ist also, dass
der Quotient

für alle einer binlänglich klein angenommenen Umgebung der Stelle x 0 an-
gehörigen Werthe von x dasselbe Zeichen habe. Auch diese Bedingung ist
für die in Rede stehende Function f(x), wie gezeigt worden, niemals erfüllt.
Ich muss also den Satz, dass die von mir aufgestellte Function an
keiner Stelle einen bestimmten Differentialquotienten besitze,
als unbedingt gültig aufrecht erhalten. Herrn Wiener's Einwendungen
dagegen beruhen übrigens auf einem leicht aufzuklärenden Missverständnisse.
Es ist mit dem Satze gar wohl vereinbar, dass für gewisse Werthe x 0 sich
eine unendliche Reihe von W erthen x 1 , x 2 , x 3 , • • • so bestimmen lässt,
dass Lim. xn = x 0 ist und zugleich
n=oo

einen bestimmten 'Verth erhält. Daraus aber zu schliessen, dass in einem


solchen Falle f'(x) an der Stelle (;x; = :x:0 ) einen bestimmten Differential-
quotienten besitze, ist ebenso unzulässig, wie es sein würde, wenn man
z. B. von der Function
F(x) = x sin (x + ;)
behaupten wollte, sie besitze an der Stelle (x = 0), den Differential-
quotienten Null, weil sich, wenn man xn = __!__ setzt
n7t '

ergiebt.
----~~---
"zur Functionenlehre".

Nachtrag.
(Aus dem llonatsbericht der Akademie der Wissenschaften vom 21. Februar 1881.)

In der am 12. August 1880 der Akademie vorgelegten Abhandlung


"Zur Functionenlehre" habe ich (in § 4) eine aus rationalen Func-
tionen einer Veränderlichen x gebildete unendliche Reihe aufgestellt,
welche die Eigenthümlichkeit besitzt, dass sie den \V erth

·~· 1 oder- 1

hat, jenachdem der reelle Theil von x positiv oder negativ ist.
Obwohl diese Reihe an sich einfach g·enug ist und für den Gebrauch,
den ich von ihr zum Beweise des in § 5 d. g. Abhdl. gegebenen Haupt-
satzes gemacht habe, durchaus geeignet sich erweist, so ist doch ihre
Herleitung einigermassen umständlich und setzt mehrere Sätze aus der
'l'heorie der trigonometrischen J!'unctionen voraus. Um so interessanter
war es mir, kürzlich durch eine briefliche Mittheilung von Hrn. J. Tannery,
Professor an der Faculte des sciences zu Paris, der meine Abhandlung
in's Französische übersetzt hat, zu erfahren, dass es höchst einfache
Reihen ähnlicher Art giebt, welche nicht nur für den angegebenen Zweck
dasselbe leiste.n wie rlie meinige, sondern vor dieser zugleich den wesent-
lichen Vorzug haben, dass zu ihrer Aufstellung und zum Nachweis ihrer
charakteristischen Eigenschaft nur die elementarsten Siitze der Functionen-
lehre erforderlich sind.
"Zur Fnuctionenlehre". Nachtrag. 103

Ich erlaube mir, ans Hrn. Tannery's Briefe das Nachstehende mit-
zntheilen.
"Man nehme eine unendliche Reihe positiver ganzer Zahlen

so an, dass
r. im.
1l=oo
1)/11 = ='
so ist
.
Lm1. 1 -+-
--~
xmn__ = {+ 1, wenn ,I x I<::: 1 ,
•1
' == 1_ xm"
' - ____. 1 .
1 ' wenn 1'"x I --

' -'!
Man hat aber
1-t-x111'~~
---
_ 1+xm0 n.~1-t-xm.,
-,' ~
~ --~·------- 1+x111
1 ,m,. ·--- 1 ,?llo 1 ,111., 1 111v-J
-X - rf, V=l ·- x, -X

1 __j_
I X
m0 n.
~
2 X m.,_, (X m.,-m.,_, - 1)
~ ------------1- ~ ---···-·----- --.
1- x: 1110 · v=I (:xr·,- 1) (x111v-~l -1) '
setzt man also

so convergirt !lie RPilte auf ller rechten Seite llieser Gleichung fiir jeden
~Wertlt von :x:, !lessen absoluter Betrag_ von 1 verschieden ist, und hat
den \Verth
+ 1 oder - 1,
jenaclulem <ler absolute Betrag von x kleiner oder griisser als 1 ist.
Nimmt man in dem vorstehenden Ans<lrncke von ·~ (x)

so erhält <lerselbe eine lmson<lers einfache Gestalt; es ist llann

1 -'-X 2X 2 .~
·~(J;)- ~---'_'' + -:;-.:_ __ + _:-:')'·!::_
-~
+- ..'1-__ + ... "*)
t-x x--L :x:+--1
8 x· -1

*) Ich hin vor nicht Iang;er Zeit daranf anfmerhrun gemacht worden, dass Rirh
in einer Abhanlllnng des Herm E. SchrU der a. d .•T. lS7G (Schloemi!ch's Zeitschrift

f :r:
fiir 1\fath. n. Phys., 22 ..Tahrg. S. lH-!) die Formel

1 1 I wenn I x I< 1'


+ ----- + + - -1- - + ... = I ,

l -
--~ ----~- .
-1
x- ::c x -
2 -2
:1:
4 -4
x - x
A
::c - :r
--8 \ I
~- wenn Ix I> 1
' X-I' - '

fhulet, woraus Rich die im Texte nachgcwirsene BigenRehart der Fnnction 4(:r) in dem
:Falle, wo mv = 2v ist, nnmitt.el!Jar ergieht.
104 "Zur Functionenlehre". Nachtrag.

Dazu bemerke ich noch Folgendes.


Es ist unmittelbar ersichtlich, dass die von Hrn. Tannery gegebene
Reihe in der Nähe jedes W erthes von x, dessen absoluter Betrag nicht
gleich 1 ist, gleichformig convergirt.
Ist ferner x' eine beliebige rationale Function von x, so werden in
der Ebene der letzteren Grösse dirjenigen ·werthe derselben, für die der
absolute Betrag von x' gleich 1 ist, durch eine algebraische Curve
repräsentirt, welche die Ebene dergestalt in mehrere Stücke zerlegt, dass
der absolute Betrag von x' in einigen Stücken kleiner als 1, in den
andern grösser als 1 ist. Setzt man also

t,Ji(x') = X1 (x),

so ist X1 (x) ein Ausdruck von derselben Beschaffenheit wie der von mir
im Anfang des§ 5 d. g. Abhdl. ebenso bezeichnete. Nimmt man insbesondere

1 -t X
x'=--,
1-x

so erhiilt man einen Ausdruck, der gleich dem von mir mit X(x) be-
zeichneten den \V erth
-!- 1 od<·r - 1

hat, jenachdem der reelle Theil von x positiv oder negativ ist.
Einige auf die Theorie der analytischen
Functionen mehrerer Veränderlichen sich be-
ziehende Sätze.
Einig·e auf die Theorie der analytischen
Functionen Inehrerer Veränderlichen sich be-
ziehende Sätze.

1. Vorbereitungssatz. *)

Ist F(x, xi' ... xn) eine gegebene, in der Form einer gewöhnlichen
Potenzreihe dargestellte Function von x, xP ••• X 1p welche, wenn diese
Verän!lerlichen sämmtlich verschwin!len, ebenfalls gleich Null wird, so
giebt es stets unendlich viele, <lem Convergenzbezirke der Reihe ange-
hörige \Verthsysteme der Grüssen x, x 1 , ••• xn, welche die Gleichung

befriedigen.
Bei vielen Untersuchungen hantlelt es sich nun darum, von diesen
W erthsystemen alle diejenigen zu bestimmen, fiir welche der absolute Be-
trag jeder einzelnen Grüsse eine - beliebig klein anzunehmende - Grenze o
nicht überschreitet.
Diese Aufgabe lässt sich folgen<lermassen lösen.
Es wer!le

bezeichnet und

gesetzt, so dass E'1 fiir jeden ·werth von x gleich Null wird, wenn xl' ... xn

':') Diesen Satz habe ich Reit dem Jahre 1SGO wiederholt in meinen Uuiversitäts-
Vorlesuugen vorgetragen.
108 Einige auf die Theorie der analyt. Funct. mehrerer Veränderl. sich bez. Sätze.

sämmtlich verschwinden. Ich nehme nun zunächst an, dass F 0 (x) nicht
für jeden Werth von x verschwinde. Dann kann man eine positive
Grösse p so annehmen, dass F 0 (x) für keinen \Verth von x, dessen
absoluter Betrag > 0, aber <:: p ist, verschwindet, und dass es zugleich
\Verthe von xl' x 2 , ••• xn, die sämmtlich von Null verschieden sind,
giebt, für welche die Reihe F 1 (p, x 1, ••• xn) convergirt. \Venn ferner
eine zweite positive Grösse p0 so angenommen wird, dass sie :> 0, aber
. ::::: p ist, und festgesetzt wird, dass der absolute Betrag von x zwischen
Po und p liege, die absoluten Beträge von XI' ••• Xn aber alle unter einer
Grenze p1 bleiben sollen, so kann man p1 so klein annehmen, dass für
alle Werthsysteme von x, x 1, ••• xn, welche diese Bedingungen erfüllen,

F 0 dem absoluten Betrage nach grösser als F 1

ist. Man hat dann

Es ist aber, da der grösste \V erth, welchen der absolute Betrag von
~1 für alle jetzt l!etrachteten \Verthe von x, x 1•••• xn besitzt, kleiner
0
als 1 ist, die Reihe
A=CO F A.
~ _1_ ~~
A "L-,A
/..=! .L'
0

gleichmässig convergent, und daher

oF oF F A.
-
--o:r.----
---0
ox
- - . - -- - o
------ 1:
A.~oo
1 - -1- .
1? 1?
--::- ·--
r,-,. 1 A
0 o.'" /..= 1 A ]?
0
Einige auf die Theorie der aualyt. Fnuct. mehrerer Verämlcrl. sich bez. Sätze. 109

Es kann ferner, wenn das Anfangsg·lied in der Entwickelung· von F 0 (x)


FA
den Exponenten m hat, 1 in eine Reihe von der Form
FA
0

entwickelt werden, wo G(xl' . .. xn) eine gewölmliche Potenzreihe von


1-' p.
xl' ... xn bedeutet; und bei der eben erwähnten Eigenschaft der Reihe

kann man alle Glieder, welehe dieselbe Potenz von x enthalten, in eines
zusammenziehen und erhält so:

A=oo FA 'I=+C>J

T.1 -~j_I = ~
1

~ O(xu ... :l'u) x'',


A=l ~ ~=-= V

wo auch G(x 1 , ... J'n\ eine gewöhnliche Potenzreihe bezeichnet. Ferner ist

wo G (x) eine gewöhnliche Potenzreihe von x bedeutet. Also:

iJF
(·.r -I
. -}, ., -- 111 J'

Aus dieser Gleichung lässt sielt zunächst ersehen, dass, wenn man den
Grössen x~' x~, ... J'n bestimmte 'Verthe, die dem absoluten Betrage nach
sämmtlich kleiner als p1 sind, beilegt, die Gleichung

stets durch m 'V erthe von x, die dem absoluten Betrage nach kleiner
als p sind, befriedigt wird, vorausgesetzt, dass jeder so oft gezählt wird
als die zugehörige Ordnungszahl anzeigt. (Vgl. S. 10.)
110 Einige auf die Theorie der analyt. Fuuct. mehrerer Veränllerl. sich bez. Sätze.

Dass es überhaupt innerhalb des angegebenen Bereiches W erthe von


x giebt, welche F= 0 machen, lässt sich so zeigen: Angenommen, es
würde F(x, xv ... xn) bei gegebenen \Verthen von xv ... xn für keinen
oF
der in Rede stehenden Werthe von x gleich Null, so liesse sich o;.
für alle W erthe von x, die dem absoluten Betrage nach kleiner als p
sind, in eine nur ganze p osi ti v e Potenzen von x enthaltende Reihe ent-
wickeln, und diese müsste für die ihrem absoluten Betrage nach zwischen p0
und p liegenden W erthe von x mit der vorstehenden übereinstimmen. Dies
ist aber nicht. möglich, da in der letzteren Reihe das Glied mx- 1 vorkommt.
(Da die erste Ableitung einer Potenzreihe von x niemals ein Glied mit
dem Exponenten - 1 enthält, so kann sich das angegebene Glied nicht
gegen ein anderes heben). - Angenommen nun, es seien

I II (t')
X ,X , ... X

die in dem angegebenen Bereiche liegenden \Verthe von x, welche die


Gleichung F(x, x 1, ... xn) = 0 befriedigen, wobei ein jeder in diese Reihe
so oft aufzunehmen ist, als seine Ordnungszahl anzeigt, so wird die
Differenz
oF
ox 1 1
-11-- x-x 1 -

für keinen Werth von x, dessen absoluter Betrag kleiner als p ist, un-
endlich gross, und kann daher in eine nur ganze positive Potenzen von
x enthaltende Reihe \ß(x) entwickelt werden. Für alle \Verthe von x,
die dem absoluten Betrage nach kleiner als p, aber grösser als jede der
Grössen x', x", ... x<t·) und p0 sind, hat man also:

oF
-j.-- = ~ (:x:) + ~
"1=00

8,1 X -v-1 '


Y=O

wo
Sv = (x )
1 V
+ · · ·+ ( (1') V
x ) ,
und
Einige auf die Theorie der analyt. Funct. mehrerer Verämlerl. ~ich bez. Sätze. 111

Die Vergleidnmg die~er ·" · giebt


beiden Ausdrücke von - 0.F

s0 = m oder r = m

d. h. die Anzahl der in Rede ~tehenden, die Gleichung F(x, xl' ... xn) = 0
befriedig·enrlen \Verthe von x ist gleich dem Grade de~ Anfangsgliedes
\'Oll F(:r, 0, ... 0).
Ferner ergiebt sich, wenn man

'I = - l uml l :::::-- 0 annimmt

Setzt man daher:

so dass
cif'
ox
-·-- = ~--~
1
-1- -1- 1
f' x-x' x- xP11 l
0 ••

ist, so erhält man für ·werthe von x, die dem absoluten Betrag·e nach grösser
. 1 , (Ii!)
smd a s x , ... x ,

' ( ) . '111-~ ' ' .


nu• 111-1 • m-1 f1x· -,-···-,-tm-1 -1
-- •= IIIX I ~1 ;1:

und hieraus:

Hiernach sind f'I' ... t;n sämmtlich Potenzreihen von xi' ... x 1P welche
sicher convergiren, wenn alle diese Grössen dem absoluten Betrage nach
112 Einige auf die Theorie der aualyt. Fnuct. mehrerer Veräuderl. sich bez. Sätze.

kleiner als p1 sind. Die g·esuchten m Werthe von x werden dann ge-
funden durch Auflösung der Gleichung

:x·m + f 1 xm-1 + ... + f'm = 0


aF
Man erhält ferner durch Vergleichung der beiden Ausdrücke von c;.
00

für alle W erthe von x, die dem absoluten Betrage nach kleiner als p sind.
Setzt man daher

~ (x ". "' ) = e@ (x, .rl, ... .x·")


u '"'I'···"' n '

so sind @ und % gewöhnliche Potenzreihen von x, x 1, ••• :.~·11 , welche


sicher convergiren, wenn I x I < p, I x 1 I < Pp ... I x 11 I < p1 • Dabei wird
%= 1 , wenn x, xl' ... xn sämmtlich verschwinden.
Aus der Gleichung

() 1!' }J_[_ _oJI_


iJx o.r ' ax
F
--t' -~-, -%-
folgt nun

wo C den Coefficienten von xm in P(x, 0, ... 0) bedeutet.


Die Coefficienten von l, %sind nun unabhängig von den gewählten
Grössen p, p1 ; die vorstehende Gleiclmng muss also gelten für alle Werthe
von x, :r 1, ••• ;:x:n, bei denen die Reihen F,{, % alle drei convergiren.
N ehrneu wir also eine Grösse o so an, dass erstens alle
W erthsysteme von x, xv ... xn, in denen jede dieser Grössen
dem absoluten Betrage nach die Grenze o nicht überschreitet,
dem Convergenzbezirk der genannten drei Reihen angehören, und
dass zweitens /5(x, x 1, •.• x 11 ) fiir keines derselben verschwindet,
so werden diejenigen unter diesen \V erthsystemen, welche die
Gleichung P(x, xp ... xn) = 0 befriedigen, durch Auflösung der
Gleichung m ten Grades f(x, xp ... xn) = 0 bestimmt.
Einige auf die Theorie der analyt. Funct. mehrerer Veränllerl. sich bez. Sätze. 113

Es ist hierbei, wie bemerkt, angenommen worden, dass


.F(.r, 0, ... 0)
nicht identisch gleich Null ist. Ist dies der Fall, so hat man zur
Lösung der gestellten Aufgabe folgendennassen zu verfahren.
Man bezeichne mit (x, x 1, ... x 11 \ die Summe de~jeuigen Glieder von
Ji1:x, xw·· xn), welche von der Heu Dimension sind, und mit f..l den
kleinsten -werth von A; für welchen die Coefficienten von (x, x 1, ••• xn)A
nicht sämmtlich verschwinden, so dass man
F(x,xw··xn) = (x,xl' ... xn),..~ + (::r,a:·P ... xn\..t+I + ····················
hat. Sodann führe man an Stelle von x, Xp ••• xn ebenso viele andere
Veränderliche y, yl' ... Yn ein mitte1st der Gleichungen:

wo die Grössen c00 , ••• t' 11 n Gonstanten bezeichnen, die keiner andern Be-
schränkung unterworfen sind, als dass

! 1'oo' · · · ~'on [

('1o' • • • e111

und

von Null verschieden sein müssen. Durch diese Substitution verwandelt


sich F(x,xw .. x 11 ) in eine ähnliche Function von y,yw .. Yn' welche
mit F(y, Yp ... Yn) bezeichnet werden möge. Dann hat man:

Es ist also die Function F(y, 0, ... 0) nicht identisch gleich Null
und ihr Anfangsglied von der fi ten Ordnung.
Man kann daher nach dem Bewiesenen F(y, y 1, ••• Yn) darstellen
in der Form
114 Einige auf (lie Theorie der analyt. Funct. mehrerer Veränderl. sich bez. Sätze.

wo @I' ... @ 11 Potenzreihen von !/p ... Yn bezeichnen, die sämmtlich gleich
Null werden, wenn diese Verämlerlichen sämmtlich verschwinden, während
@(y,yl" .. yn) eine Potenzreihe von y, y 1, ... !ln ist, welche einen von Null
verschiedenen Werth erhält, wenn y, !}p ... Yn sämmtlich gleich Null gesetzt
werden. Die letztere Reihe kann nun in eine ebenso beschaffene Potenz-
reihe von x, x 1, ... Xn verwandelt werden, die mit @(x,xl' ... x 11) bezeichnet
werden möge. Dann hat man

Nun kann man o so klein annehmen, dass fiir jedes ·werthsystem


der Grössen :x·, xl' ... x 11 , in welchem jede einzelne dem absoluten Betrage
nach kleiner als ö ist, erstens @(x, xw .. :L'11) einen von Null verschie-
denen 'V erth erhält und zweitens das entsprechende 'Verthsystem der
Grössen !/p ... Yn ·dem gemeinschaftlichen Convergenzbezirke der Reihen
® 1 Ü/1 : . . . !ln), ... @ll (!/p ... y 11) angehört. Hieraus ergiebt sich Folgendes:
'Venn man zn jedem dem gemeinsehaftlichen ConYergenz-
bezirke der Reihen @ 1 , ••• (5J11 angehörigen 'Verthsysteme y 1•••• !ln
die 1-1. der Gleiclmng

ll , 11- 1 n:t
( )
!I -r!f ~l !ft: .. ·!/11 -

genügenden '\V erthe von !J bestimmt, und dann aus den so sich er-
gebenden 'Verthsystemen y, !/p ... !Jn die entsprechenden 'Verth-
systeme x, xl' ... :x~n liereclmet, so finden sich unter den letzteren
alle diejenigen, welche die Gleichung F(x, xi" .. xn) = 0 befriedigen
und die Bedingung erfüllen, dass jede einzelne Grösse dem ab-
sohlten Betrage nach kleiner als die angegebene Grösse ö ist.

~-

Eine Potenzreihe ~ 1 (xp ... ;rn) ist dnrch eine andere ~ 0 (:x·~' ... :x·11 )
th eilbar, wenn sich eine dritte Reihe ~;/xP ... :x:11 ) so bestimmen lässt,
dass
,u (··· .,. ) _ m (··· ,,. ) 111 (x· P " ' "'Jt
1"1 "'P " ' "'11 -- 1"o "·p ' " "'Jt 1"~
.•. )
ist.
Hat ~ 0 an der Stelle (x 1 = 0, ... xn = 0) einen von Null verschie-
ctenen Werth, so existirt stets eine die vorstehende Gleichung befriedigende
Einige auf die Theorie der analyt. Fnnct. mehrerer Veränderl. sich bez. Sätze. 115

Reihe \.ß 2 ; dagegen ist dies nicht der Fall, wenn \,ß0 (0, ... 0) = 0 ist,
während 'ß 1 (0, ... 0) einen von Null verschiedenen Werth hat. Es bleibt
daher nur zu untersuchen, unter welchen Bedingungen 'ß 1 durch 'ß0 theil-
bar ist in dem Falle, wo

\.ß 0 (0, ... 0) , ~JO, ... 0)


beide gleich Null sind.
Man führe (wie in Art. 1) an Stelle von xl' ... xn n andere Ver-
änderliche tP ... tn ein, indem man

setzt und die Gonstanten g11 , g 1 ~, ••• !!un so wählt, dass erstens xl' ... xn
von einander unabhängige Functionen der Grüssen tP ... tu sind, und
zweitens weder 'ßo0n tl' ... !Jm t 1) noch 1-5 1 (r; 11 tl' ... g11 1 t 1) für jeden
\Verth von t1 verschwindet. \Venn dann die höchsten Potenzen von tl'
durch welche diese beiden Functionen von t 1 theilbar sind, beziehlieh die
Exponenten (-L, v haben, so kann man, wie in Art. 1 gezeigt worden,

" "
bringen, wo
ll 0 Jl-1 0
G0 (tp t2 , ••• t 11 ) = t1 -: IJ-~ 1 (t~, ... f 11 ) f 1 + · · · --+- ~Jl (t~, ... fn)
v l v-1 1
G 1 (t 11 t 2 , ••• t1) = t 1 -f IJ-5 1 (t~, ... f 11 ) t 1 + · · · -15Jl (t~, ... tn)
0 0 1 1
ist. Dabei verschwinden \ßp ... s:ßJl, s:JSP ••• 'ß,1 sämmtlich an der Stelle
(t2 ~~o, ... f 11 =0), während \ß 0 (0, ... 0), 'ß 1 (0, ... 0) beide einen von Null
verschiedenen \V erth haben.
Man nehme nun eine positive Grösse o so an, dass für jedes den
Bedingungen

8*
116 Einige auf die Theorie der analyt. Fnnct. mehrerer Veränderl. sich bez. Sätze.

genUgende \Verthsystem (ti, ... tu) die angegebenen Umformungen von


\ß 0 (xl" .. xn), \ßi(xi" .. xn) gelten. Dann kann man ferner eine positiYe
Grösse oP die kleiner als o ist, so annehmen, dass für jedes den Be-
dingungen
lt·2I ' .0 1'
~ lf I·· ~
• • • . n:--~·c;I

genügende \Verthsystem (t 2, ... t11) jede der beiden Gleichungen

GU(tl't2, ... tll) = 0'


GI (tp t 2, ... t 11 ) = 0

nur durch solche \Verthe von ti, die dem absoluten Betrage nach kleiner
als o sind, befriedigt wird. Sind für irgend ein System bestimmter W erthe
von t2, ••• tn

die von einander verschiedenen \V erthe von ti , welche der einen oder der
anderen dieser Gleichungen, oder auch beiden genügen, so hat man

wo Al' ... \n ganze Zahlen bezeichnen, deren Summe gleicil v - f.L ist.
Hat eine dieser Zahlen einen negativen \Verth, so kann man der Grüsse ti
einen solchen \Verth geben, dass

ist, wo. ,r; eine beliebig angenommene positive Grösse bedeutet, ohne dass
G0 (ti, t2, ... t11) = 0 ist. Infolge der Gleiclnmg

\ßi (xp ... X 11) ~ 1 (tp ... f1)


GI (tl' t2, ... t11 )
\ßo(xi, ... ::~::lj = -Gof,l;;l2, ...t~). \ßo(ti, ... tu)

existiren also in jeder noch so kleinen Umgebung der Stelle (0, 0 .... 0)
W erthsysteme (xi, ... x 1) , für die der Quotient

ll~ '''I' " ' X' II )


1' I ("'
~o(X~Xn)
Einige auf die Theorie der analyt. Funct. mehrerer Veränderl. sich bez. Sätze. 117

dem absoluten Betrage nach jede beliebig angenommene Grösse übertrifft.


Daraus folgt sofort, dass, wenn \ß 1 (x 11 • •• xn) durch \,ß 0 (x1 , ••• xn) theil-
bar sein soll, jede der Zahlen AP ... \n positiv oder gleich Null, und
somit (zunächst unter der Voraussetzung, dass t2 , ••• tn bestimmte, den
Bedingungen

genügende W erthe haben, und der absolute Betrag der Veränderlichen t 1


nicht grüsser als o sei) G1 (t11 t2 , ••• tn) durch G0 (t11 t2 , ••• tn) theilbar sein
muss. Dazu ist zuerst erforderlich, dass v > !L sei.
Nun kann man aber, wenn diese Bedingung erfüllt ist, und

11 f.l-1 v v-1
A 0 ty + A 1 t1 + · · · -l. A 11 , B 0 t1 +B 1 t1 + · · · + B,1
zwei ganze Functionen von t 1 mit unbestimmten Coefficienten sind, zwei
andere Functionen

dergestalt bestimmen, dass die Gleichung

besteht; und es siJ;ld dann

ganze Functionen von A 0 , ••• All, B 0 , ••• Bv. Die nothwendigen und hin-
reichenden Bedinrlungen dafür, dass bei bestimmten Wertheu von A 0 , ••• A !1,
B 0 , ••• Bv und unter der Voraussetzung, dass A 0 nicht den 1Verth Null
habe,

werden dann durch <lie !L Gleichungen

ausgedrückt.
118 Einige auf die Theorie der analyt. Funct. mehrerer Veränderl. sich bez. Sätze.

Setzt man nun

so werden 00 , ••• Cv-J.t, D 1, ••• DJ.l Potenzreihen von t 2 , ••• tn, die sämmt-
lich an der Stelle (t 2 = 0, ... tn = 0) verschwinden und mit

bezeichnet werden mögen. Damit ~ 1 (xp ... xn) durch ~ 0 (:rl' ... xn) theil-
bar sei, müssen nun
4
~~~ (tp ... f11)

sämmtlich yerschwinden, wenn

Dies ist aber nur möglich, wenn in jeder Reihe sämmtliche Coefficienten
gleich Null sind.
Angenommen nun, diese Bedingung sei erfüllt, so hat man

und daher

~ 1 (xl' ... xn) = G0(tl' t 2, ... t11 ) . GH(tl' t2, ... tn). ~ 1 (tp ... tn)

= 'ßo(xl'x:!, ... xn) . Ga(tP t2, ... tn). ~~(tp ... tn)
~o(tp ... tn)

Verwandelt man nunmehr ~ 2 (tp ... f11 ) in eine Potenzreihe von xl' ... :r1p so
ergiebt sich
Einige auf die Theorie der analyt. Fnnct. mehrerer Veräuderl. sich bez. Sätze. 119

Wir haben also folgenden Satz:


Es seien ~ 0 (x 1 ~ ••• x 11), '15 1 (xp ... xn) zwei Potenzreihen von
xl' •.• a-·n, welche beide an derStelle (;:r 1 = 0, ... Xn = 0) verschwinden.
l\Ian bilde auf die angegebene Weise die beiden Ausdrücke

0 0 1 1
und setze aus ~ 0 , ••• '15 11 , ~P ••• 'lSv die Potenzreihen

zusammen. Die nothwendige und hinreichende Bedingung


dafiir, dass ~ 1 (xl' ... xn) durch ~ 0 (xp ... xn) theilbar sei, be-
4 4
steht dann darin, dass in jeder der Reihen ~1' ... '15,.,. sämmt-
liche Coeffieienten gleich Null sein müssen.
Es geht aber auch ans dem Vorstehenden hervor, dass nnr in dem
Falle, wo eine der mit A1, ... Am bezeichneten Zahlen negativ ist, ~ 1
nicht durch ~~ 0 theilbar ist. Daraus lässt sich schliessen:
Kann man zeigen, dass der absolute Betrag des Quotienten

wenn (xp ... xn) in einer gewissen Umgebung der Stelle (o, ... o)
und so, dass '150 (xl' ... xn) nicht gleich Null ist, angenommen wird,
stets kleiner als eine angehbare Grüsse ist, so reicht dies aus, um
festzustellen, dass '15 1 (xp ... xn) durch ~ 0 (xp ... xn) theilbar ist.
Denn wäre das Letztere nicht .der Fall, so müsste wenigstens eine der
Zahlen A1, ... \n negativ sein, und es existirte, wie gezeigt worden, inner-
halb jeder Umgebung der Stelle (0, ... 0) ein Werthsystem (xl' ... xn), für
welches der absolute Betrag des in Hede stehenden Quotienten jede an-
gebbare Grüsse überträfe, ohne dass ~ 0 (xl' ... xn) gleich Null wäre;
was der Voraussetzung widerspricht.
In jedem Falle, wo entschieden werden kann, ob der Quotient ~:
die angegebene Beschaffenheit hat oller nicht, ist man demnach der Bil-
4 4
!lung de1· Reihen ~ 1 •••• 1.1-~ 11 überholwn.
120 Einige auf die Theorie der analyt. Funct. mehrerer Veränderl. sich bez. Sätze.

Es soll nun ferner untersucht werden, unter welchen Be-


dingungen zwei Reihen ~ 0 (xp ... xn), \ß 1 (xi' ... xn), die
beide an der Stelle (0, ... 0) verschwinden, einen gemein-
schaftlichen Theiler von derselben Form, der ebenfalls an der
Stelle (0, ... 0) verschwindet, besitzen.
Angenommen, man habe

~u(xp ... ;rn) = ~,/:rl' ... ;rn). ~:~(Xp ... xn)


~~ (:rp ... :J'n) = lß2 (:rp ... Xn). ~4 (:x·l' ... xn)'

und es sei \ß 2 (0, ... 0) = 0. Man verwandle wieder \ß 0 , \ß 1 auf die an-
gegebene "\V eise in Functionen von t1 , ••• tn. Zufolge der in Betreff der
Functionen ~ 0 (1J 11 tP •.• g11 1 t1), \,ß 1 (1J 11 tl' ••• gm t 1) gemachten Voraussetzung
kann auch ~ 2 ((/ 11 tl' ••• Pm t1) nicht für jeden Werth von t1 verschwinden;
die höchste Potenz von t 1 , durch welche diese Function theilbar ist, habe
den Exponenten A1 , so kann man

bringen, wo

und ~ 2 (0, ... 0) nicht gleich Null ist.


Dann hat man

Es sind also

beide durch G2 (tp t2 , ••• t11) theilbar.


Nun kann man bekanntlich, wenn
Einige auf die Theorie der analyt. Funct. mehrerer Veränderl. sich bez. Sät.ze. 121

unbestimmte Grössen bedeuten , aus denselben eine Reihe von ganzen


Functionen

zusammensetzen, vermittelst welcher sich die nothwendigen und hinreichen-


den Bedingungen dafii.r, dass bei bestimmten W erthen von A 0 , ••• A f.t,
B 0 , ... Bv und unter der Voraussetzung, dass weder A 0 noch B 0 gleich
Null sei, die Functionen

t ~.t+···+A f.tl B 01tv+···+BV


A 01

einen grössten gemeinschaftlichen Theiler Aten Grades besitzen, sich fol-


gendermassen ausdriicken lassen: Es muss CA in der Reihe der Gröss:en
C, Cl' C2, ... die erste sein, welche nicht gleich Null ist.
Diese Bedingung als erfüllt vorausgesetzt, stellt sich dann der grösste
gemeinschaftliche Theiler der beiden Functionen in der Form

' (A)
A CA A-1 CA
t1 +
.cA
- t1 + .. ·+--
cA
, (Al
dar, wo CA, ... CA ebenfalls ganze Functionen von .A 0 , ... Alt, B 0 , ... Bv
sind. Nimmt man

1
Bv=l.ßv(t2, "' tn)'

so werden C, Cl' C2 , ... ; C~, C~', ... Potenzreihen von t 2 , ... tn, die mit

bezeichnet werden mögen. Dann muss, damit fii.r ein bestimmtes ·werth-
system (t2 , ... tn)

als Functionen von t 1 betrachtet, einen gemeinschaftlichen Theiler haben,


122 Einige auf die Theorie der analyt. Funct. mehrerer Veränderl. sich bez. Sätze.

sein. Diese Gleichung besteht also bei der in Betreff der Functionen
lß0 (x 11 ... x11 ), \ß,(xp ... xn) gemachten Annahme, wenn man den Grössen

t2 , ••• tn solche Werthe giebt, für welche die angegebenen Umformungen


von \ß 0 , lß 1 gelten; woraus folgt, dass die Coefficienten der Reihe lß (t2 , ••• t11 )
sämmtlich gleich Null sein müssen.
Damit ist die nothwendige Bedingung dafür, dass lß 0 (x 1, ••• x 11 ),
lß 1 (x1, ... xn) einen gemeinschaftlichen Theiler besitzen, festgestellt.
Angenommen nun, es seien für zwei gegebene Potenzreihen lß0 (x 1 , ••• ~:11 ),
lß1 (x1, ... xn) die im Vorstehenden definirten Functionen

gebildet, und es ergebe sich, dass die Coefficienten der Reihe lß(t2 , ... t 11 )
sämrntlich gleich Null sind, so wie ferner, dass lß 0'l in der Reihe 1ler
Functionen lß, lß(l}, . . . die erste sei, die nicht identisch gleich Null ist.
Nimmt man dann im Jnnern des gemeinschaftlichen Convergenzbezirkes
der Reihen
0 I
\ß, (t2, ... fn)' 'ißv (t2, "· t,)
irgend ein bestimmtes 'Verthsystern (t2 , ... f11) der Grössen t2 , ••• tn an
und unterwirft diese der .Bedingung, dass

und 1ß1"'l(t2, ... tn) nicht gleich Null sein soll, so haben

als Functionen von t1 betrachtet, einen grössten gemeinschaftlichen Theiler


vorn Grade A., der zunächst in der Form

erhalten wird. Die 'V erthe von t,,


für welche diese Function verschwindet,
sind sämmtlich unter denen, für die 0 0 (t" t~, ... t,) -~ 0 wird, enthalten.
Einige auf die Theorie der analyt. Funct. mehrerer Veränderl. sich bez. Sätze. 123

.Jeder der letzteren aber hat, wie man auch t2, ••• tn den angegebenen
Bedingungen entsprechend annehmen möge, einen endlichen W erth, dessen
absoluter Betrag unterhalb einer angebbaren, von t 2 , ••• tn unabhängigen
Grenze liegt. Dasselbe gilt also auch von dem Bruch

(A.' = 1, ... A.)

woraus sich nach dem Obigen ergiebt, dass der Zähler durch den Nenner
theilbar ist. Damit ist bewiesen, dass der vorstehende gemeinschaftliche
Theiler von G0 (t1, t 2, ••• tn) und G1 Ctv t 2, ••• tn) in der Form

dargestellt werden kann.


Betrachtet man nun wieder G 0 ( tv t2, ••• tn), G 1 (tp t2 , ••• tn), G 2 ( tl' t 2 , ••• tn)
als Functionen von t1 und dividirt die beiden ersten durch die dritte, so
ergiebt sich:

G 0 (tpt~, ... tn) = G 2 (fpt 2 , ••• tn) G3 (tpt2 , ••• fn)

G 1 (tpt~, ... tn) = G 2 (tpt 2 , ••• tn) G4 (tpt 2 , ••• t 11 ),

wo G3 , G4 ganze Functionen von tP deren Coefficienten Potenzreihen


von t 2 , ••• tn sind, bezeichnen.
Multiplieilt man sodann die erste dieser Gleichungen mit \ß 0 (tp ... tn),
die zweite mit \ß 1 (tl' : .. tn) und drückt darauf t 1, ••• tn durch x 1, ••• xn aus,
so ergiebt sich:

~l\(xp ... ;::r;n) = ~2(xp ... xn) ~3(xp ... xn)

~rC:r1, ··· xn) = ~2(:rl' ··· xn) \ß4(:ci' ··· xr)'


wo

ist.
Es lässt sich nun ferner beweisen, dass \ß 3 (xv ... xn), \ß 4 (xv ... xn)
nicht beüle durch eine an der Stelle (x 1 = 0, ... xn = o) verschwindende
Potenzreihe von x 1 , ••• xn theilbar sind.
124 Einige auf die Theorie der analyt. Fnnct. mehrerer Verällllerl. sich bez. Sätze.

Es ist:

\ß3 (xp ... xn) = G3 (tpt 2 , ... f 11) ~ 0 (t 1 ,t2 , ... f 11 )

\ß 4 (x 1, ... Xn) = G4 (t 1, t~, ... tn) \l5 1(tp t2 , ... t 11 ) •

Wären nun \ßa(Xp ... xn), \ß4(x1, ... x 11 ) beide durch eine an der Stelle
(x1=0, ... Xn=O) verschwindende Potenzreihe von xi' ... xn theilbar,
so müssten sich, wie oben gezeigt worden ist, zwei Grössen o, o1 so
annehmen lassen, dass für jedes den Bedingungen

genügende \V erthsystem ( t2 , ... t11 ) die Gleichungen

Ga(tl,t2, ... tn) \ßo(tn ... tn) = 0'


G4 (tp t2 , ... f11) \ß 1 (tp ... tn) = 0

durch einen und denselben \Verth von t1 , dessen absoluter Betrag kleiner
als o wäre, befriedigt würden. Bei hinlänglich kleinen Wertheu von o, o1
müsste dieser W erth von t1 also den beiden Gleichungen

G3 (tpt 2 , ... tn) = 0,

G4 (t1,t2 , ... tn) = 0

genügen, und es hätten somit für jedes den angegebenen Bedingungen


entsprechende Werthsystem (t2 , ... tn)

als Functionen von t 1 betrachtet einen gemeinschaftlichen Theiler, und


daher

einen gemeinschaftlichen Theiler von höherem als dem ), ten Grade. Dies
ist aber nicht der Fall, wenn man t 2 , ... tn so annimmt, dass \ß 0'l(f 2, ... f11)
nicht verschwindet; und es ist somit die Annahme, dass \ß 3 (xi' ... x 11 ) und
\ß4(x1, ... xn) beitle durch eine an der Stelle (x1= 0, ... x 11 = 0) verschwin-
dende Potenzreihe von xn ... xn theilbar seien, unstatthaft..
Einige auf die Theorie der analyt. Fnnct. mehrerer Veräuderl. sich bez. Sätze. 125

Wir haben also den Satz:


Die noth wendige und hinreichende Bedingung dafilr, dass
zwei gegebene, an der Stelle (x 1 =0, ... Xn=O) verschwindende
Potenzreihen ~l\(xp ... xn), ~~ (xp ... Xn) bei<le durch eine dritte
Reihe von derselben Beschaffenheit theil bar seien, besteht darin,
dass die Coefficienten einer bestimmten, nach der gegebenen Vor-
schrift zu bildenden Potenzreihe von n- 1 Veränderlichen t2 , ••• tn
sämmtlich gleich Null sein müssen. Femer ist es, wenn diese
Bedingung erfüllt ist, stets möglich, ~Vxi' ... x 11 ), ~ 1 (xl' ... xn)
m der Form

'.ßu(xl, ... :r·ll) = ~2(J'l' ... Xn) ~4(Xp ... :r·u)

~/1:·1' ... ;;·n) c= '+V:i·I' ... a:·n) ~5(:x·l' ... xn)

so ausdrücken, dass ~/x 1 , ... x 11 ), ~ 5 (x 1 , ... xn) keinen an der


Stelle (x 1 = 0, ... xn = 0) verschwindenden gemeinschaftlichen
Theiler haben.*)
Hieran knüpfen sich nun noch einige andere Sätze.
lch nehme jetzt an, es seien '+\(x 1, ... x 11 ), ~ 1 (xp ... xn) nicht
1Jeide 1lmch eine an der Stelle (0, ... 0) verschwindende Potenzreihe von
xl' ... xu theilbar, aber '.ß0(0, ... 0) und '-15 1(0, ... 0) gleich Null. Dann
giebt es in jeder Umgebung der Stelle (0, ... 0) unendlich viele Werth-
systeme (xp ... :x~ 11 ), fiir die sowohl ~\(xp ... x 11 ) als ~ 1 (xp ... x 11 ) ver-
sehwindet. Denn man drücke wieder ~ 0 (x" ... x 11 ), \ß 1 (xp ... x 11 ) auf
die angegebene ·weise dmch die Veränderlichen t 1, t2 , • • • tn aus, be-
stimme die Funct.ion \ß (t2, ••• t11 ) und nehme auch die Grüssen o, o1
so a11, wie ollen festgesetzt worden ist. Dann giebt es unendlich viele,
den Bedingungen

entsprechende \Verthsysteme (t 2 , ... f 11 ), für die

ist, mHl zn jedem dieser Werthsysteme gielJt es wenigstens einen Werth

*) Es lässt sich aus tlem Vorhergehenden noch leicht ableiten, dass jede Potenz-
reihe vou .r" ... x,., dnrch welche die gegebenen Reihen bei<le theilbar sind, nothwendig
ein Theilcr von ~ 2 (x 1l ••• x) ist.
126 Einige auf die Theorie der analyt. Funct. mehrerer Vet·änderl. sich bcz. Sätze.

von fp dessen absoluter Betrag kleiner als ö ist, und der die beiden
Gleichungen

befriedigt; woraus das zu Beweisende unmittelbar folgt.


Man nehme jetzt im Gebiete der Grössen xi' ... xn irgend einen
die Stelle (0, ... 0) umgebenden Bezirk so an, dass für jedes demselben
angehörige Werthsystem (x 1, ••• xn) nicht mu· die Gleichungen

gelten, sondern auch \ß0 (ti' ..• tn), ~ 1 (tp ... t11) beide einen von Null ver-
schiedenen Werth haben; und setze, unter (cl' ... c11) irgend ein bestimmtes
W erthsystem der Grössen x 1, ••• x 11 in dem genannten Bezirke und unter
(b 1, ••• b1) das entsprechende 'Verthsystem der Grössen ti' ... tn verstehend,

so dass man

hat.
Es können nun ~ 0 (c 1 +n 11 ... c11 +n11), ~ 1 (c 1 +n 1 , ... c11 +nn), als
Potenzreihen von n 1, ••• u 11 betrachtet, einen an der Stelle (11 1 = O, .. . nn = 0)
verschwindenden gemeinschaftlichen Theiler nur in dem :Falle besitzen, wo
~ 0 (c 11 ... c11 ), ~ 1 (c 11 ... c11) beide gleich Null sind. Dann ist auch
Einig·e auf die Theorie der analyt. Fnnct. mehrerer Veränderl. sich bez. Sätze. 127

es geht aber aus den Ausdriicken von G0 , G1 hervor, dass weder


G0 (b 1 +sp b~, ... bn) noch G 1 (b 1 +sp b2 , ... bn) fiir jeden Werth von s1 ver-
schwindet; man kann also

"
in der Art bringen , dass

" ... 0)./11'


()

\ß(O, ... 0\, l.j._\(0,


1 1
1f5(0, ... 0\, 'l.\ (0, ... 0) 11

sämmtlich gleich Null sind, während Sß(O, ... 0)0 , \ß(O, ... 0) 1 beide einen
von Null Yerschiedenen "\V erth haben.
Angenommen nun, Sß0 (c 1 +uv ... cn + n 11), l_ß 1 (c 1 -Hiv ... cn-' nn) wären
beitle durch eine dritte an der Stelle (n 1 = 0, ... nn = 0) verschwindende
Potenzreihe von n 1 , ••• nn theilbar, so würde sich nach dem Vorher-
gehenden zu jedem System unendlich kleiner "\V erthe von s2 , ••• sn ein
ebenfalls unendlich kleiner Werth von s1 finden lassen für den

beide gleich Null wären. bann aber müsste

~~~
~
(11:! _j_
1
~ •••
(_:!' bn . 1' ._n
~ ) --
- 0

für jedes System unendlich kleiner "\V erthe von s2 , ••• ~'~n sein, was nach
einem bekannten Satze nur der Fall ist, wenn

für jedes dem Convergenzbezirk der Reihe angehörige Werthsystem


t~, ... tn verschwindet, also die Coefficienten der Reihe sämmtlich gleich
Null sind. Bei der in Betreff der Reihen \ß 0 (x 1, ... xn), \ß 1 (xp ... xn)
gemachten Annahme ist aber lß (t~, ... tn) nicht identisch gleich Null;
und es ist somit erwiesen:
128 Einige auf die Theorie der analyt. :Funct. mehrerer Veränderl. sich bez. Sätze.

Wenn die Reihen

keinen an der Stelle (x 1 =0, ... x 11 =0) verschwindenden gemein-


schaftlichen Theiler besitzen, so haben auch

als Potenzreihen von nw .. ltn betrachtet, keinen an der Stelle


(n1=0, ... nn=O) verschwindenden gemeinschaftlichen' Theiler,
vorausgesetzt, dass die Stelle (x 1 = c1, • • • xn = cn) innerhalb
einer· gewissen - oben definirten - Umgebung der Stelle
(x 1=0, ... Xn=O) angenommen werde.

3.
Zur Theorie der eindeutigen analytischen Functionen
beliebig vieler Veränderlichen.

Ich sage von einer eindeutigen analytischen Function f(x~' ... xn), sie
verhalte sich an einer bestimmten Stelle (a1, ••• an) regulär, wenn sie in
einer gewissen Umgebung dieser Stelle durch eine Reihe von der Form

(vu ... '111 = O, ... oo)

dargestellt werden kann, wo vl' ... v11 ganze Zahlen bezeichnen und
unter den Coefficienten Avu ... v,. von x 1, ••• xn unabhängige Grössen zu
verstehen sind. Diese Reihe nenne ich dann ein reguläres Element der
Function. Dabei ist zu bemerken, dass die Grössen al' ... a11 zum Theil
oder auch alle den Werth oo haben können, wenn festgesetzt wird, dass
das Zeichen x- oo gleichbedeutend mit _.!_ sein soll.
X
Aus der vorstehenden Definition ergiebt sieh nun sofort:
Verhält sich eine eindeutige analytische Function f(:x·P ... xn) regulär
an einer bestimmten Stelle (a 1, ... a11 ), so gilt dasselbe auch von jeder
Stelle (a~, ... ct~), die in einer gewissen Umgebung der ersteren liegt.
Einige auf die Theorie der analyt. Fund. mehrerer Veränderl. sich bez. Sätze. 129

Denn es sei ~(x 1 -(tl' ... :rn-au) die Reihe, welehe die betrachtete
Funetion in der Umgebung von (ap ... an) dar:stellt, so lässt sich ans der-
seluen, wenn man im Innem ihres Convergenzhezirkes eine Stelle (a~, ... n;)
willkürlich annimmt, eine andere Reihe ~/:r: 1 -u;, ... xn-ct;) dergestalt
ableiten, dass für alle einer gewissen Umgehung der Stelle (a;, ... a;t) an-
gehörigen W erthsysteme (xp ... x 11 ) die Gleiclmng

besteht. Es ist also ~ 1 (x 1 -a;, ... :rn-rt;t) ebenfalls ein Element der
Function f(x 1 , ••• xn), und es verhält sich diese demnach auch an der
8telle (a:, ... ct;1) regulär.
Die Gesammtheit der Stellen, an denen die Function f"(xl' ... xn) sich
regulär verhält, bildet hiernach ein 2n-fach ausgedehntes Continunm im
Gebiet der Grössen x 1, ••• xn-
Dieses Continuum ist nun nothwemlig begrenzt.
Angenommen nämlich, es sei jß(x1-cti' ... xn--an) irgend ein Element
der Function {, wobei verausgesetzt werde, dass die Stelle (np ... a1) im
Emllichen liege; so können zwei Fälle eintreten:
1. Convergirt die Reihe jß(x1-a 1, ••• xn-ct1) für jedes System end-
lichervVerthe der Grössen xi' ... x 1P so besteht, wenn jß 1 (x1-n;, ... x·n-a~)
irgend ein reguläres Element der Function f ist, für jedes dem Convergenz-
bezirk der Reihe ~ 1 angehörige System endlicher Werthe von x 1, ••• xn
die Gleichung

Dies ist aber unmöglich, wenn die Grössen a;, ... a;t nicht sämmtlich
endliche vVerthe haben, woraus folgt, dass in dem angenommenen Falle
eine Stelle (x1, ••• xn) im Innern oder an der Grenze des in Rede stehenden
Continuums liegt, je nachdem die Grössen xl' ... xn sämmtlich endliche
W erthe haben oder nicht.
2. Liegen die den Convergenzbezirk der Reihe jß(x 1- al' ... xn-ctn)
begrenzenden Stellen alle oder zum Theil im Endlichen, so giebt es, wie
in der Functionentheorie gezeigt wird, unter ihnen mindestens eine Stelle,
an der sich f(x 1, ••• xn) nicht regulär verhält; eine solche Stelle liegt dann
auch an der Grenze des in Rede stehenden Uontinuums.
Dies festgestellt, nenne ich jede an der Grenze dieses Continuums
liegende Stelle eine singuläre Stelle für die betrachtete Function.
9
130 Einige auf die Theorie 1ler aualyt. Fnuct. mehrerer Veränilerl. sich bez. Sätze.

Ist (a;, ... a~) eine solche singuläre Stelle, so kann es mtiglichenveise
eine Potenzreihe

geben, die für x1= a;, ... x11 = a;1 verschwindet und so beschaffen ist,
dass das Product

für alle einer gewissen Umgebung der Stelle (a;, ... a;J angehörigen Werth-
systeme (xi' ... xn) in der Form

dargestellt werden kann. In diesem Falle nenne ich ( o;, ...a;J eine
ausserwesentliche, in jedem andern Falle eine wesentliche singu-
läre Stelle.
Es giebt aber, wenn n > 1 ist, zwei wohl von einander zu unter-
scheidende Arten von ausserwesentlichfm singulären Stellen.
Ist (ai' ... a1J irgend eine solche Stelle, so lässt sich die Function
f(xp ... x 11 ) für hinläng·Iich kleine \V erthe der Differenzen x 1-· ct 1, ... xn- an
stets dergestalt in der Form

darstellen, dass \ß 0 (x 1- a1• ••• xn- an), \15 1(x 1- al' ... Xn- an) nicht beide
durch eine dritte, an der Stelle (al' ... an) verschwindende Reihe
\ß(x 1- al' ... xn-a n) theilbar sind.
Wenn dann \ß 1 (x 1 - al' ... x 11 - an) an der Stelle (al' ... an) einen von
Null verschiedenen W erth hat, so ist für alle einer unendlich kleinen
Umgebung der Stelle (a1, ... a11 ) ang·ehörigen W erthsysteme (x r ... J'11) der
\Verth von f(xp ... x 11 ) unendlich gross, und daher

Verschwinden dagegen \ß 0 (x 1 -a1 , ... xn-a11 ), ~ 1 (X 1 -ap ... X11 - U 1)


beide an der Stelle (ap ... a11 ), so kann man (nach Art. 1), indem man
homogene lineare Functionen t1' t~, ... tn von x(- al' ... xn- an ein-
Einige auf die Theorie der analyt. Fnnct. mehrerer Veränderl. sich bez. Sätze. 131

führt, in mannigfaltiger Weise

bringen, dergestalt dass


0 0 1
~1(t:l, ... tn)' ... ~11 (t:l, ... tn)' ~1 (t2, ... tn),

für t2 =0, ... tn=O verschwinden, \ß 0 (0, ... 0), ~ 1 (0, ... 0) heidevon Null
verschieden sind und die Functionen

keinen an der Stelle (t1 = 0, ... tn = 0) verschwindenden gemeinschaft-


lichen Theiler besitzen. Dann existiren unzählige Systeme unendlich
kleiner W erthe tl' t:l, ... tn, fii.r welche die erste der vorstehenden Functionen,
nicht aber zugleich die zweite verschwindet; woraus folgt, dass es in jeder
noch so kleinen Umgebung von (a 1 , ••• ctn) andere Stellen (xp ... xn) giebt,
an denen ~0 (x 1 -al' ... Xn-an) verschwindet, ~ 1 (x 1 -al' ... Xn-·an) aber
nicht, so dass an jeder solchen Stelle f(xl' ... xn) = oo ist. Es hat aber,
wenn b eine beliebig angenommene endliche Grösse ist, die Function

in der Umgebung der Stelle (al' ... an) dieselbe Form wie f(xl' ... xn); es
existiren also in jeder Umgebung von (al' ... an) auch Stellen, an denen

d. h.

ist. Es kann also f(xl' ... xn) in dem jetzt betrachteten Falle in einer
unendlich kleinen Umgebung der singulären Stelle (al' ... an) jeden
beliebigen Werth annehmen und besitzt deshalb an dieser Stelle selbst
keinen bestimmten \V erth.
9*
132 Eiuig·e auf •lie Theorie tler analyt. Fnnct. mehrerer Veräuderl. ~ich lwz. Sätz•~.

Hierzu ist noch Folgendes zu bemerken:


Die Gesammtheit der Stellen, an denen sieh {(xP ... x 11) wie eine
rationale Function verhält -- d. h. die Gesammtheit der nicht singuliire11
und der anssenvesentlichen sing·nliiren tltellen - ist ein 2n-fach aus-
gedehntes Continuum, dessen Begrenzung die wesentlichen singulären
Stellen bilden.
Ist (a.P ••• (~11 ) irgend eine bestimmte Stelle im Innem dieses Con-
tinnums, und hat {(!t 1 , ••• u11 ) einen l>estimmten endliehen 'Verth, so ver-
hält sich, wie schon oben angegeben worden ist, f(xP ... x 11) in einer be-
stimmten Umgebung der Stelle (ap ... a11 ) überall regulär.
1st f'(np ... a7) = =, so giebt es in jeder Umgebung der Stelle(nw .. a11 ),
die keine singuläre Stelle der Fundion

1
t{xp . ::-x~)

enthält, unendlich viele, eine (2n-2)-faehe Mannigfaltigkeit bildende


Stellen, an denen die Fundion {(xp ... :r11) den 'Verth =
hat, während
sie sieh an allen übrigen f:-;tellen des genannten Bereiches regulär verhält.
Hat endlich f'(xp ... xn) an der Stelle (ctp ... a11 ) keinen bestimmten
\V erth, so giebt es in jeder Umgebung dieser Stelle nicht nm unendlich
viele andere singuläre Stellen, an denen f'(xp ... xn) den 'Verth hat =
-· was schon vorhin nachgewiesen ist - soudem auch, wenn n > 2 ist,
unendlich viele Stellen, an denen f'(xp ... x 11) keinen bestimmten 'Verth
hat. Das Letztere lässt sich folgendermassen zeigen:
Es gelte für alle 'V erthsysteme (xP ... x 11 ) in der Umgebung von
(ap ... a7J die Gleichung

unter der gestatteten Annahme, dass die Potenzreihen \ß 0 , 1:ß 1 keinen an


der Stelle (rtp ... n11 ) wrselnviwlewlen gemeinschaftlichen '!'heiler haben.
I Jmerhalh des gt>meinschaftliclwn Comergenzbezirks der l.Jeiden Reihen
nehme man eine Stelle (a;, ... (t;) zunächst beliebig an, und setze

xi-ui7= ~~·
J' --- II I
I I
--- E'·I'
Einige anf di" Theorie der analyt. Fnuct. mehrerer Veräuderl. sich bez. Sätze. 133

Ferner sei cx der \Verth von ~x für :rx ~~ c(, u11<l YJx ~= ~x- ~'x, so sind
(, YJx lineare Functionen von J"x, die Leide für :J'x = a~ verschwinden;
man hat daher

(x=l, ... n)

wo hx, lx Gonstanten bezeichnen. ('Venn ax nicht = = ist, so ist hx = 1,


lx = 0.) Entwickelt man nun

nach Potenzen von Y) 1 ,YJn und verwandelt die so sich ergebenden Reihen
•••
• • >=' >='
m Potenzreihen von ." 1 , ... "''~' d' .
. 1e nnt

bezeichnet werden mögen, so gelten für alle einer bestimmten Umgebung


der Stelle (a~, ... c<) angehörigen Werthsysteme (x· 11 ... :rn) die Gleichungen

Nun nehme man - was dem am Schlusse von Art. 2 Bewiesenen zufolge
stets angeht - n positive Grössen C11 ••• Cn so an, dass erstens die
Stelle (~ 1 = 01 , .•• ~n = Cn) im gemeinschaftlichen Convergenzbezirk der
Reihen "lV~P ... ~n), ~ 1 (~p ... ~n) liegt, und dass zweitens, wenn man
cl' ... cn den Bedingungen

unterwirft, ~ 0 (c 1 +Yiu ... cn+YJn), ~ 1 (c 1+Y)p ••• cn _LYin), als Potenzreihen


von Y)p ••• YJn betrachtet, keinen an der Stelle (YJ 1 =0, ... YJn=O) ver-
schwindenden gemeinschaftlichen Theiler haben. Dann besitzen auch die
Reihen ~ 2 (x 1 -a~, ... Xn-a;) und \.ß 3 (x 1 - a~, ... Xn-a~), wie sofort er-
hellt, keinen an der Stelle (x 1 =ct~, ... Xn=ct;~) verschwindenden gemein-
schaftlichen Theilern, und es hat daher nach dem vorhin Bewiesenen
134 Einige auf die Theorie der analyt. :Fnnct. mehrerer Veränderl. sich bez. Sätze.

f(xi, ... xn) an der Stelle (a;, ... a~) keinen bestimmten \Verth, wenn
\ß 2 (0, ... 0), \ß 3 (0, ... 0) beide gleieh Null sind. Es giebt aber, wenn
n > 2 ist, wie am Schlusse von No. 2 gezeigt worden ist, unendlich viele,
den vorstehenden Bedingungen genügende \Verthsysteme (cp ... cn), für
welche die beiden Gleiehungen

bestehen; jedem dieserWerthsysteme, deren Gesammtheit eine (2n-4)-faehe


Mannigfaltigkeit bildet, entspricht also im Gebiete der Grössen_ xi, ... Xn
innerhalb des durch die Bedingungen

definirten Bezirkes eine Stelle (a;, ... n;), an der f(xp ... xn) keinen be-
stimmten Werth hat.
Hieran knüpft sich noch eine wichtige Bemerkung.
Es seien zwei beliebige Potenzreihen

gegeben, so lässt. sich für die dem Innern des gemeinscl~aftlichen Conver-
genzbezirks der beiden Reihen angehörigen Stellen (xp ... xn), deren
Gesammtheit mit @ bezeichnet werde, eine eindeutige Function f(xl' ....Tn)
in folgender Weise definiren:
Ist x;, ...
x~ eine Stelle von @, an der \ß 0 , \ßi nicht beide ver-
schwinden, so soll

sein.
Hat aber an einer Stelle (x~, ... x~) sowohl \ß 1 als \ß 0 den ·werth
Null, so bringe man auf die im Vorgehenden angegebene ·weise

in der Art, dass die Reihen \ß 2 , \ß 3 keinen an der Stelle (xi = x; , ••• Xn = x;1)
verschwindenden gemeinschaftlichen Theiler haben. \Venn dann

\ß 2 (0, ... o) , \ß 3 (o, ... o)


Einig-e anf die Theorie der analyt. Fnnct. mehrerer Veränderl. sich bez. Sätze. 135

nicht Leide gleich Null sind, so soll

l,ß:\(0, ... 0)
f(x; .... x;)~ ll!( )
1-'~ o, ... 0

sem. Dag·egen soll, wenn sowohl

l,ß~(o, ... o) = 0 als l,ß~(O .... o) = 0

ist, f(;,;p ... xn) an der Stelle (x·;, ... x~) keinen Lestimmte'!l Werth haben.
Dies lässt sich auch so ausdrücken. Ist (x;, ... x;) irgend eine
Lestimmte Stelle von @, so kann man stets zwei Potenzreihen

ohne
.
einen an der Stelle (x 1=x ',1 ••• x 11 ~x')
1l
verschwindenden gemein-
schaftliehen Theiler so bestimmen, dass an allen einer bestimmten Um-
gebung <ler Stelle (x;, ... x;) angehörigen Stellen die Gleichung

besteht. Dann ist


, , l,ß:1(0, ... 0)
f(:rp ... xn) = mc··o·- ---0)
1-'2 ' •.•

zu setzen, mit der Massgabe, dass, wenn so dargestellt f(x;, ... x~) in

der Form ~ erscheint, der Function f an der Stelle (x;, ... x~) kein
bestimmter "\Verth beizulegen ist.
Es ist nun zu zeigen, dass die so definirte Function f(xp ... xn) inner-
halb des Bereiches @ eine eindeutige analytische Function ist, für welche
diejenigen Stellen, an denen sie der gegebenen Definition gemäss den '\Verthoo
hat oder unbestimmt ist, ausservvesentliche singuläre Stellen in dem oben
festgestellten Sinne sind, während sie an allen übrigen Stellen sich regulär
verhält.
Es sei (x;, ... x~) irgend eine bestimmte Stelle von @, und

l,ß 0(X 1- ftp ... Xn -- Cln) = l,ß 2(:r 1- x;, ... Xn- x;) . l,ß4(x1- x;, ... Xn- X~)
l,ß 1 (x 1- a 1, ... Xn- an) = l,ß 3 (x 1-- x~, ... Xn- x;,) . l,ß 4 (x 1- x;, ... Xn- x~),
13G Einige anf die 'l'heorie der analyt. Fnnet. mehrerer Veränderl. sich bez. SätzP.

wo 1,ß 2 , l.ß:l' lfS 4 dieselbe Bedeutung wie im Vorsleitenden haben, und I_J._~-t
sich auf eine Gonstante re(ludren kann. N ae!t dem oben Bewit>senen
kann man nun eine Umgebung (]er Stelle (:r;, ... :r1;) so bestimmen, das:-;,
wenn (x;', ... x;;) eine bestimmte Stelle (liP~er Umgebung ist., und man
ans m~2 , m ~:P m 1-'-< (1·Ie (1rm· p ot enzre1ten
'] 11! ~:P 111
~ 2 , \ü 1-'4 von x 1- :r: 1" , ... xn -x~~."
ableitet, fiir welche bei hinläng·Iich kleinen W erthen (lieser Differenzen,
die Gleichungen

lJes·t e1ten, (1·1e beH. 1en R e1'I ten lli ~, 1 k emen


1-' 2 • lli . · (l e1, St eIIe (:r~·1 - -x 1" , ... :xn
an · --:J ·11")
verschwiiHlenden g'emeinsclmft lit·lwn T!teiler besitzPn. ~Wenn (lann /'(:~:;', ... :r/,')
einen be~timmten elHllielten \Vertlt hat, so ist

ml(o, ... 0)
f'(:r" J'')
• I . . . . . 11
=
~vo ....
1-'. - -----
o)

d. h. es gilt die Gleichung

innerhalb einer gewissen Umgebung der Stelle (x; . ... x~) für alle Stellen
(xp ... xn), an denen f(x P ... xn) einen bestimmten endlichen Werth hat.
Wenn daher ~\(0, ... 0) nicht= 0 ist, so verhält sich f(xu ... xn) an
der Stelle (x;, ... x;) regulär.
Ist \ß 2 (0, ... 0) = 0, nicht aber \ß 3 (0, ... 0), so kann man die in
Rede stehende Umgebung von (x;, ... :1·;) so klein annehmen, dass an allen
Stellen derselben der absolute Betrag· von /'(xp ... xn) grösser ist als jedt•
beliebig angenommene ewlliehe Grösse, so dass f(x;, ... x;1) ==zu setzen
ü;t, wie der Ausdruck von t'(x 1 , ... xJ angiebt.
Sind endlich \ß 2 (0, ... 0), \ß 3 (0, ... 0) Leide gleich Null, so giebt es,
wie oben gezeigt worden ist, in jeder noch so kleint:n Umgebung von
Einige auf die Theorie der analyt. Fnnet. mehrerer Veränderl. sich bez. Sätze. 137

(:r:;, ... x;J Stellen, an denen (lie Function f(x 1, ••• :r 11 ) einen beliebig vor-
geschriebenen Werth !tat; sie hat also an rler Stelle (:r;, ... :r;J selbst keinen
bestimmten Werth.
Damit ist bewiesen, dass die in der angegebenen \V eise definirte
Function f(xp ... x 11 ) innerhalh des Bezirkes (SJ sich UlJerall wie eine
rationale Function verhält..

4.

Zur Theorie der ganzen eindeutigen Functionen von


beliebig vielen Veränderlichen.

Dem Vorstehenden zufolge stellt eine Potenzreihe 'ß(xp ... xn), die
fiir jedes System endlicher \Verthe der Verändel'lichen xP ... xn conver-
girt, eine eindeutige Function f(xp ... x 11 ) dar, die sich an jeder im
Endlichen des Grüssengebiets (::r 1, ••• x 11 ) liegenden Stelle regulär verhält.
Umgekehrt weiss man, dass jede eindeutige Function f(xp ... xn),
rlie sich an allen im Endlichen liegenden Stellen des Gebietes (xp ... x 11 )
regulär verhält, durch eine für jedes System endlicher W erthe von
xp ... x 11 convergirende Reihe ~(xp ... x 11 ) ausgedrückt werden kann.
Ich nenne eine solche Function f(xp ... xn) eine ganze Function.
Hat die Reihe, durch welche sie aargestellt wird, unendlich viele Glieder,
deren Coefficienten nicht gleich Null sind, so ist die Function eine trans-
cendente.
Sind ferner zwei Potenzreihen \ß 0(xp ... xn), \ß 1(xP ... x 11 ) gegeben,
welche beide fiir jedes System en(llidter Werthe von .T 1.... xn conver-
giren, so wird durch den Quotienten

'ßi (Xp •.• xn)


~o(xl' ... Xn)

den in Art. 3 festgesetzten Bestimmungen gernäss eine eindeutige Function


f(xp ... xn) definirt, die dadurch charakterisirt ist, dass sie sich an
jeder· im Endlichen liegenden Stelle (les Grüssengebiets (xp ... x11) wie
eine rationale Function verhält.
Ob aber umgekehrt jede eindeutige Function ((xp ... xn), wekhe
sich im Endlichen überall wie eine rationale Function verhält - also,
wenn (ap ... a11) irgend ein System endlicher Werthe ist, in einer ge-
wissen Umgebung rler Stelle (a 1 , ••• an) als Quotient zweier Potenzreihen
138 Einige auf die Theorie 1\er analyt. Funct. mehrerer Veränderl. sich bez. Sätze.

von x· 1--al' ... .r11 - a11 ansgedriickt werden kann - , auch als Quotient
zweier fiir jerle:,; System endlicher \V ertlte von .rP ... x·11 convergirewlen
Potenzreihen fiicll darstellen lasse, das ist eine fiir Functionen von mehreren
Veränderlichen Lis jetzt unerledigte Frage, welche :,;ehr erhebliche ScllwieJ:ig-
keiten darzuLieten sclleint.
Mit dieser Frage ist aber noch eine andere verknüpft.
Für jede rationale Function von ::rP ... x·11 gilt, dass sie als Quotient
zwei er ganzen Fnnctionen dieser V eränderliclren dargestellt werden kann
und zwar so, dass der Dividend und de1· Divisor keinen gemeinschaftlichen
Theiler besitzen. Dann verschwindrn J)ivirlen<l und Divisor gleichzeitig
um· an solehen Stellen, an denen die Fnnction keinen lwstimmten \Ve1·tlt
hat. Es entsteht also die Frage, oL in dem Falle, wo eine Function als
Quotient zweier ganzen Functionen von Xp •.• x 11 , von denen wenigstens
eine transcendent ist, dargestellt werden kann, dies auch in der Art geschellen
künne, dass der Quotient nur bei solchen \Verthsystemen der Veränderlichen,

für welche die Function unbestimmt ist, in der Form ~ erscheint - mit

andern \V orten, dass aus den \Verthen, welche Dividend und Divisor an
einer Lestimmten Stelle hallen, sich unmittelbar entnelnnen lässt, oh an
dieser Stelle die Function einen Lestimmten Werth hat. oder nicht, nnrl
wie sie sich in der Umgebung· dieser t-ltelle nrhiilt. A nch diese Frage ist
bis jetzt nur fiir Functionen von einer Veränderlichen - und zwar fiir
diese im bejahenden t-linne - entschieden.
In manchen Fällen, wo eille eindeutige Function mehrerer Veränder-
lichen durch analytische Bestimmungen definirt ist, ist es aber möglich,
die angeregten Fragen mitte1st eines Theoremes, das ich im FolgeiHlen
ausführlich entwickeln will, zu erledigen.
Es bedeute jetzt f(xp ... .r11 ) eine (transcendente oder rationale) ganze
Function der Veränderlichen Xp ••• x 11 • Man setze fiir dirse Grüssen
ganze lineare Functionen einer Veränderlichen '

so geht f(x 1, .•• :r11) in eine ganze Function von ' über, welche im Allge-
meinen - d. h. wenn die Grüssen cP ... c11 einer sogleich anzugebenden
Beschränkung unterworfen werden - nicht fllr jeden \V erth von ' yer-
schwindet. Denn es erhält f'(.r P ... x 11 ), nach Putenzen ron .r 1 - aP ... :J'11 - 1111
entwickelt, die Form
=
Einige auf die Theorie der analyt. Fnuct. mehrerer Verämlerl. sich bez. Sätze. 13\:l

wo (x 1-al' ... xn-an)v eine homogene g·anze Function von x 1-aP .•• xn-an
bezeichnet; es brauchen also die Grössen cl' ... cn nm die Bedingung zu
erfüllen, dass die Ausdrücke

nicht alle gleich Null sind. Dies vorausgesetzt, Rei in der Entwickelung
von f'(a 1+c 1c, ... an+cnc) nach Potenzen von ' das erste Glied, dessen
Coefficient nicht verschwindet, von der Ordnung p., so hat man

l((l I .' I •I~' ' .. '


II ' • ~) -- 11 _11 L /1
'n -r I II'
~ f!+ I ,
-- ""11 ' -, ""11 +I ' -;-- ... '

wo Cf-L nicht gleich Null ist. Daraus ergiebt sich für hinlänglich kleine
Werthe von '

l:ß( c) .

Setzt man also


n
cZlogf'(x 1.... ::x:11 ) - Lf~(xp ... x 11 )tl:rrx.
a..=l

wo ( 1 (x 1 , ••• xn), ... ln (xp ... x 11 ) eindeutige FunctioJJeu sind, welche sich
an jeder im ElHllichen liegenden Stelle des Gebietes (x 1•• • x 11) wie rationale
Functionen verhaltm1 und den Gleichungen

o!~ (:r' . ... ::x·u) of~(x" ... x 11)


axß oXrx
genügen, so hat man

n
Lfrx(Xw .. xn)tlxrx = (p.,- 1 ~(c))1Zc,
C<=l

wenn

gesetzt wird, und es ist dann p. stets entweder gleich Null oder eine
positive ganze Zahl.
Dieser Satz lässt sich nun in folgender Weise umkehren:
Es seien n Functionen
140 Einige auf die Theorie der analyt. Funct. mehrerer Veränderl. sich bez. Sätze.

gegeben, welche den folgenden Bedingungen genügen:


1) Sie sollen eindeutige Functionen sein, für die wesentliche singuläre
Stellen im Endlichen des Grössengebiets (x 1 , ••• xn) nicht existiren.
2) Der Differentialausdruck

n
~ fu.(:~:I' ... x 11 )d:ru.
U..=l

soll die durch die Gleichungen

ofu. (xp ... Xn) o{ß(Xp ... Xn) c:l


ß
... n)
-1 ...
oxß OXu. ?I

ausgedrückten Integrabilitätsbedingungen erfüllen.


3) Es soll, wenn man filr Xp ... xn irgend welche ganze lineare
Functionen einer Veranderlichen 't substituirt:

für hinlänglich kleine W erthe von 't

n
L fu.(xp··· xn) dxu. die Form (!.t't- + ~(,;)) d,;
U..=l
1

annehmen, und dann f1 entweder gleich Null oder eine positive


ganze Zahl sein, vorausgesetzt, dass von den beiden Potenzreihen
von x 1-al' ... xn-an, als deren Quotient

n
~ cu.fu.(xl' ... xn)
U..=l

in der Umgebung der Stelle (al' ... an) dargestellt werden kann,
der Divisor durch die angegebenen Substitutionen nicht indentisch
gleich Null werde.
Alsdann existirt eine ganze Function f(x~' ... x 11 ), welche der
Differentialgleichung

n
dlogf(xp ... x 11 ) = ~ fu.(:r 1, ... xn) dxu.
u..=l
Einige anf die Theorie der analyt. Fnnct. mehrerer VPränderl. sich bez. Sätze. 141

g·e n ü gt und völlig bestimmt ist, wenn der Werth irgend eines ihrer
Coefficienten, der in Folge der vorstehenden Gleichung nicht nothwendig
gleich Null ist, fixirt wird, was in beliebiger Weise geschehen kann.
Um diesen Satz zu beweisen, nehme ich zuerst an, es sei innerhalb
einer bestimmten Umgebung der Stelle (0~ .•. 0) jede Function fa in
der Form
fa(:x:I' ··· Xn) = 'ßa (:x·P · ·· Xn)

= ~ (xp ... xn)v


v=o a

darstellbar. Dann ist irrfolge der Bedingung (2)

V V
a(xp ... x 11)a o(xp . .. xn)ß
oxß oXa

Setzt man

so ist

Es ist aber

n
= ~ v(xp ... xn)~ dxß
ß=l

n
= ~ v(xp ... x 11 ): dxa,
CX=l

und daher
142 Einige auf die Theorie der analyt. Fnnct. mehrerer Vertiuderl. sich bez. Sätze.

Entwickelt man also, unter C eine willkürlich anzunehmende Constante


verstehend, den Ausdruck

nach Potenzen von xl' ... xn, so genügt die so sich erg·ebende Potenz-
reihe, für f'(xl' ... xn) gesetzt, der in Rede stehenden Differentialgleichung
und ist sicher convergent in dem gemeinschaftlichen Convergenzbezirk der
Entwickelungen von 1'1 (xp ... ::rn), ... ln (x1, ... xn)·
Zweitens nehme ich an, man habe für alle einer bestimmten Um-
gebung der Stelle (0, ... 0) angehörigen Werthsysteme (xp ... xn)

wobei ich bemerke, dass es nicht eine nothwendige Bedingimg ist, dass
(I) (I)
45a
1 (xl' ... xn), ~a (xp ... xn) keinen an der Stelle (x 1= O, ... :X'11= 0) ver-
sdnvindenden gemeinschaftlichen Theiler haben. Man sulJstituire nun für
xl' ... :x·n homogene lineare Functionen von n andern Veränderlichen tP ••• t11

n
Xa = L: !la~tß' (o:= 1, ... n)
ß=l
wodurch sich das Differential
n
~fa(Xp ... xn)dxa
C(=l

m em anderes von der Form


n
L: 'fo:(tp ... tn)dta
0:=1

verwandelt, für welches die Integrabilitätsbedingungen ebenfalls erfüllt


sind. Die Cunstanten gaß hat man so anzunehmen, dass die Determinante

lJn lJ12 • • • • lhn


!1~1 g.,., · · · · !l:>.n
Einige auf Jie Theorie tler analyt. Fund. mehrerer VcräwiPrl. sich hcz. Sätze. 143

von Null verschieden ist, und bei keiner der Fuuctionen

wenn man sie nach Potenzen von t1 entwickelt, sämmtliche Coefficienten


verseil winden.
Dann lässt sich

darstellen, und es ist ~ 0 (tp 0, ... 0) eine Potenzreihe von t 1, deren Coefficienten
nicht sämmtlich gleich Null sind. Ist das Anfangsglied dieser Reihe von der
Ordnung l, so nehme man eine positive Grösse Ö1 so an, dass die Stelle
(t 1= oP t~= 0, ... tn= 0) innerhalb des gemeinschaftlichen Convergenzbezirks
der Reihen

liegt, und die Function

für jeden Werth von t1 , dessen absoluter Betrag nicht grösser als Ö1 ist,
einen von Null verschiedenen Werth hat. Wird darauf eine zweite positive
Grösse ö', die kleiner als o1 ist, ueliebig angenommen, so lassen sich
n-1 andere ö", ... ön so bestimmen, dass die Stelle (t 1 = o~' t 2 = o2 , ... tn = on)
innerhalb des gemeinschaftlichen Convergenzbezirkes der Reihen ~ 0 , 115 1, .•• ~n
liegt, und für jedes den Bedingungen

genügende Werthsystem (tpt2 , ... tn)

ist. Dann g·iebt es, wie in Art. 1 gezeigt worden ist, für jedes den Be-
dingungen
144 Einige anf rlic Theorie !Im· nnalyt. Fnnct. mehrerPr Verlhulerl. sieh bez. Sätze.

entsprechende W erthsystem (t~, ... t 11 ) unter denjenigen W ertlten von t 1• für


welche I t 1 I:.:__..: Ö1 ist, nicht mehr als 1, welehe der Gleichung

genügen, UJl(l diese sind ihrem alJsoluten Betrage naeh sänuutlich kleiuer
als ö'. Nun sei (t~, ... () irgend ein System lJestimmter, den Bedingungen
B) genügender \Verthe von t~, ... t1., und es habe die Gleichung

r von einander verschiedene \Vurzeln

welche ihrem absoluten Betrage nach kleiner als ö' sind. Setzt man dann

so werden Xp ••• xu gauze lineare Funtionen von 1:, weldH~ der oben (unter 3)
angegebenen Bedingung genügen, indem

ist, und \ß 0 (t;+'t, t;, ...


t~) nicht für jeden Werth von 1: verschwindet.
Man erhält also für hinlänglich kleine \V erthe von 1:

wo m' eine ganze Zahl und > 0 ist; und ebenso

wo rn " , ... m (1") gle1c


. ]lla
l' 11 . ht negative
s ganze, mc . z"'ahl en snH.
. l Daraus
folgt, dass die Differenz

m (t Jl t'•J' ••• t')- (-!~~-----' ___1!~'- -L · • ·-+ _ _!!!<:2_)


TJ
- 11 t I -- t II '
t I - t "I , '.
t I - t ()r
Einige auf die Theorie der analyt. Funct. mehret·er Veränderl. sich bez. Sätze. 145

für keinen "\Verth von t1 , dessen absoluter Betrag kleiner als o1 ist, un-
endlich gross wird und demgernäss in der Form

dargestellt werden kann. Setzt man also


, " (l")
Im II m (r) m
rp(t) = (t- tl) (t -- tl) ... (t- tl )

so ergiebt sich fiir. jeden der Bedingung /t1 / < o1 genügenden "\Verth
von t 1

Die Function rp(t) lässt sich aber ermitteln, ohne dass es nöthig wäre,
. Grössen ti'I t II , ••• t (r) un d d"1e zugehörigen Zahlen m I , m II , ... m(1") zu
d1e 1 1

bestimmen.
Man kann, wenn man die Grössen t1,t2, ••• tn den Bedingungen

0)

unterwirft, jß0 (t1,t2 , ••• tn) in der oben (in Art. 1) angegebenen Weise auf
die Form

bringen, in der Art, dass \ß 0(tl' ... tn) für kein den vorstehenden Bedin-
gungen entsprechendes Werthsystem (tl' t 2 , ••• tn) verschwindet. Die Func-
tion Gu(ti' t 2, ••• tn) kann dann nicht unendlich klein werden, wenn man
die Grössen t1, t2 , ••• tn den Bedingungen (A) unterwirft. Für alle diesen
Bedingungen genügenden W erthsysteme (t1, t2 , ••• tn) lässt sich deshalb

in eine gleichmässig convergirende Reihe von der Form

10
146 Einige auf die Theorie der analyt. Funct. mehrerer Yerän<lerl. sich bez. Sätze.

entwickeln, in der die Coeffieienten Tv gewöhnliche Potenzreihen von


t-2, • •• tn sind. Diese Reihe convergirt dann auch, als Potenzreihe von
tPt2, .•• in betrachtet, bei jeder Anordnung ihrer Glieder. Dasselbe gilt
für die gewöhnliche Potenzreihe von tl' t-2, ••• t1P in welche der Quotient

~~ (tl' ... tn)

l.l5o (tl' ... tn)

verwandelt werden kann; man erhält daher für die jetzt betrachteten
Werthsysteme (t 1, ••• t11 ) die Fnnctiou ~:p 1 (tl' ... tn) dargestellt durch eine
bei jeder Anordnung ihrer Glieder converg·irende Potenzreihe der Grössen
tl' t 2 , ••• t1n welche negative Potenzen von t 1 in unendlicher Anzahl, aber
keine negative Potenzen von t 2 , • •• tn enthält und somit auf die Form:

gebracht werden kann.*)


Es lässt sich aber auch

---,.' " 1lt(l")


d~:p(tl)
-----
1
--
111
+ -----,,
jJt
+ ••. -1 (!')'
\fl (tl) dtl tl-tl tl- tl tl-tl

wenn lf'!~I-~·
~ G ist, in eine Reihe von der Form

entwickeln, und es ist dann namentlich r; = m' + m" +.· · · + m<rl. Man
hat also

*) Diese Reihe erhält man auch datlmch, dass man (unter <ler Annahme~. ::;; jt,l;:;; 8'
die Fnnction q; 1(t.,t2 , ... t,.) als Potenzreihe von t 2 , ... f,. darstellt und darauf die
Cocfficienten rlerselben, welche sämmtlidt rlie :Fm·m

haben, nach stei~entlcn Putenzen Yon f 1 entwickelt.


Einige auf die Theorie der analyt. Funct. mehrerer Veränderl. sich bez. Sätze. 14 7

Ans dieser Reihe müssen nun dem vorhin Bemerkten znfolge alle
Glieder mit einer negativen Potenz von t 1 verschwinden; man hat also

(J-!=Ü, ... oo)

Es ist daher l,ß<-r\t2 , ... tn) für jedes der betrachteten Werthsysteme
• • (-1)
(t~,... tn) eme ganze Zahl. Darans folgt, dass siCh l,ß (t~, ... tn) auf
ein von t~, ... tn unabhängiges Glied redncirt. Denn wäre dies nicht der
Fall, so würde ~e-r) ( t2 , ... t11) eine continnirliche Fnnction von t2 ... tn
sein, die auch andere als ganzzahlige \V erthe haben könnte. Es ist also
die Summe (m' +m" + · · · +m <r>) von dem gewählten Werthsystem (t~, ... t~)
unabhängig und kann gefunden werden, wenn man gleichzeitig t~ = 0, ... t~ = 0
setzt.
Da nun, wenn t~, ... t;t sämmtlich gleich Null gesetzt werden,

dr.p(tl) = (m
' (I') ) t -1
,+m " + ···-,-m
-""--
d~ 1

ist, und aus der Differenz der Ausdrücke auf der Rechten dieser Glei-
chungen alle Glieder mit negativen Potenzen von t 1 wegfallen müssen,
so sieht man, dass die Entwickelung von

für jeden Werth von tl' dessen absoluter Betrag < Ö1 ist, die Gestalt

hat, wo rn eine ganze Zahl bedeutet, die > 0 ist, und dass man

m'+m"+ · ·· +m<r> = m

hat. Dabei ist noch zu bemerken, dass m immer > 0 ist, wenn nicht
etwa jede Fnnction \ß~1 ) (xp ... x 11) durch lß~0 \xP ... xn) theilbar ist, welcher
Fall schon behandelt worden und hier auszuschliessen ist.
10*
148 Einige auf die Theorie der analyt. Funct. mehrerer Veränderl. sich bez. Sätze.

Nachdem so der Grad der Function cp(t1) ermittelt ist, setze man

so hat man, zunächst für die der Bedingung

genügenden W erthe von t 1 ,

Daraus ergeben sich die Gleichungen

(-2) , ,
F ],.', \15 (t2 , ••• tn) = 0
(-2) , ,
\15 (t2, ... tn) +
,
3F~ -1- F':.!.

Durch diese Gleichungen lassen sich die Grössen F;, ... F~ bestimmen.
Substitnirt man in den Ansdrücken derselben für t;, ... t;t
die unbestimmten
Grössen t2 , ... t1P bezeichnet die Potenzreihe von t2 , ... tn, in welche F ~
dadurch übergeht, mit

und setzt

so ist durch das Vorstehende bewiesen, dass für jedes den angegebenen
Bedingungen entsprechende 'Verthsystem (t 1 ,t2 , ... tn)
Einige auf die Theorie der analyt. Funct. mehrerer Veränderl. sich bez. Sätze. 149

ist. Da aber die Reihe auf der Rechten dieser Gleichung keine negativen
Potenzen von t1 enthält, so convergirt sie für jedes den Bedingungen (0)
genügende W erthsystem (t1, t2 , ••• t1,), und zwar, wie aus ihrer Ent-
stehungsweise hervorgeht, unabhängig von der Anordnung ihrer Glieder.
Dasselbe gilt von den Reihen

es besteht somit die vorstehende Gleichung für jedes den zuletzt angegebenen
Bedingungen entsprechende W erthsystem (t1 , ••• tn).
Nun hat man, wenn a; > 1 ist,

oi.f!cx. (tw·· tn)


------
otl

Es lassen sich aber, wenn man tl' t2 , ••• tn wieder den Bedingungen (A)
unterwirft,

in Reihen von derselben Form, wie die im Vorhergehenden für r.p 1(tl' ... tn)
angegebene, entwickeln. Die vorstehende Gleichung lehrt nun, dass in
der Differenz dieser beiden Reihen Glieder mit einer negativen Potenz
von t1 nicht vorkommen, und dass man

hat, wo jß~\t2 , ••• tn) die Summe der von t1 unabhängigen Glieder der
eben erwähnten Entwickelung von i.f!rx.(t1, ••• tn) bezeichnet, und r.p~\t2 , ••• tn)
ologr.p(tp ... t",)
dieselbe Bedeutung für die Function t hat. Aus der Form
0 IX
der Ausdrücke auf beiden Seiten dieser Gleichung ergiebt sich dann wieder,
dass die Gleichung für jedes den Bedingungen (0) entsprechende Wertb-
system (t1,t2, ••• tn) gilt.
150 Einige auf die Theorie der analyt. Funct. mehrerer Veränrlerl. sich bez. Sätte.

Damit ist bewiesen, dass sich

n
~ ~a.(tp ... t11) tlfa.
CX.=l

auf die Form


n
dlog~(t1 , ... tn) + ~ \.l5(f 1, ... t1) dta.
CX.=l "

brin.gen lässt. Der Ausdruck unter dem Summenzeichen genügt dann


wieder den Integrabilitätsbedingungen und kann nach clem im zuerst be-
trachteten Falle Bewiesenen in der Form

dargestellt werden, wobei man lß(O, ... 0) = 1 annehmen kann. Folglich


ist, wenn man, unter C eine von Null verschiedene, im Übrigen willkürlich
anzunehmende Constante verstehencl,

setzt,
n
~ ~a. (ti' ... tn) rl ta. ~ dlog4 (t1, ... tn).
CX.=l

Drückt man nunmehr t1, ... tn durch a;P ... xn aus und setzt

so ergiebt sich
n
~ fa.(Xp ... Xn) dxa. = dlogf(x 1, ... xn).
CX.=l

Diese Gleichung gilt nun ihrer Herleitung zufolge für alle einer gewissen
Umgebung der Stelle (0, ... 0) angehörigen Werthsysteme (x 1 , ... x11).
Etwas Bestimmteres über den Convergenzbezirk der Reihe für f(x 11 ... x11 )
lässt sich durch die gegebene Deduction nicht ermitteln, weil bei der-
selben nur vorausgesetzt ist, dass die Functionen la.(x 1 , ••• xn) innerhalb
einer begrenzten Umgebung der Stelle (0, ... 0) überall eindeutig definirt
seien und sich wie rationale Functionen verhalten. Gleichwohl reicht der
in der vorstehenden Gleichung ausgesprochene Satz aus, um für den Fall,
Einige auf die Theorie der analyt. Fnnct. mehrerer Veränderl. sich bez. Sätze. 151

wo die Functionen t~(xp ... xn) sich an allen im Endlichen des Grössen-
gebietes (x1, ••• xn) liegenden Stellen wie rationale Functionen verhalten,
das oben ausgesprochene Theorem zu beweisen.
Es sei (ctp ... an) ein System bestimmter, endlicher Werthe von
x 17 ... xn, und man nehme an, es convergire die auf die beschriebene
Weise hergeleitete Reihe f(x 1 , ••• xn) (in der wir uns jetzt für die Oon-
stante C einen bestimmten Werth gesetzt denken) für jedes den Bedingungen

genügende Werthsystem (x 1 , ••• x 11 ). - Ferner sei (a.~, ... ct;1) irgend ein
bestimmtes W erthsystem, das den Bedingungen

gemäss, 1m Übrigen aber beliebig angenommen ist. Dann kann man


innerhalb einer bestimmten Umgebung der Stelle (n~, ... a;~)

darstellen und nach dem Vorhergehenden· eine Reihe

herleiten, welche der Gleichung

genügt. Diese Reihe möge convergiren an allen Stellen, für die

ist, wo o eine positive Grösse bedeutet. Unter diesen Stellen giebt es


nun auch solche - und zwar bil!len dieselben ein 2n-fach ausge!lehntes
Continuum, - welche zugleich den Bedingungen
15 2 Einige auf die Theorie der analyt. Funct. mehrerer V eränderl. sich bez. Sätze.

genügen. Innerhalb des Bereiches dieser Stellen hat man also


n
dlogl,ß(x 1 -a~, ... Xn-a;) = L: frx(xp ... xn) dxrx
rJ.=l
n
dlogt'(xp ... ;~;n) = L: frx (xl' ....x
rJ.=l
11 ) rlxrx

df'(;;·P ... xn)


f(x----;::, xn) '
woraus sich, da die Functionen f(xp ... x 11 ), l,ß (x 1 - a~, ... xn- a~1)
innerhalb des in Rede stehenden Bereichs an allen Stellen sich regulär
verhalten,

ergiebt, wo c' eine von xl' ... xn unabhängige Grösse bedeutet. Da


dies für jedes den angegebenen Bedingungen entsprechende W erthsystem
(a;, ... a;) gilt, so folgt daraus (nach einem der Sätze, welche in der
Functionentheorie in Betreff der Convergenzbedingungen für Potenzreihen
entwickelt werden), dass die Reihe auch noch convergirt für jedes den
Bedingungen

genügende Werthsystem (xp ... xn) Daraus ergiebt sich sofort, dass
die Reihe {(xP ... x 11 ) für jedes System endlicher W erthe von xP ... xn
convergirt und die Gleichung
n
2: f'rx(xl' . .. x 11 ) d:~·rx ~ lllog {(xp ... x 11 )
rJ.=l

befriedigt.
Man sieht zugleich, wie sich die in f(x 1 , ••• xn) vorkommende Gon-
stante C so bestimmen lässt, dass einer der Coefficienten der Reihe, welcher
nicht nothwendig bei jedem W erth von C gleich Null ist, einen vor-
geschriebenen W erth erhält.
Es beqarf kaum der Erinnerung, dass in einem gegebenen Falle
die Entwickelung der Reihe f(x 1 , •.• xn) nicht nothwendig auf dem
beschriebenen Wege bewerkstelligt zu werden braucht. Vielmehr kann
man, nachdem einmal durch das Vorstehende die Form und der Convergenz-
bezirk der Reihe festgestellt worden sind, jedes zur Bestimmung ihrer
Coeffieienten führende V erfahren ohne V erstoss gegen die Strenge der
Herleitung anwenden.
Einige auf die Theorie der analyt. Funct. mehrerer Verändert. sich bez. Sätze. 153

5.
An das im Vorstehenden entwickelte Theorem schliesst sich nun ein
anderes an, durch welches in manchen Fällen für eine eindeutige Function
f(xp ... xn), welche an allen im Endlichen <les Grössengebietes (xp ... xn)
liegenden Stellen sich wie eine rationale Function verhält, der Nachweis
geführt werden kann, dass sie als Quotient zweier - transeendeuten oder
rationalen - ganzen Functionen von xl' ... xn darstellbar ist, und zwar
in der Art, dass nur an denjenigen Stellen, wo f(xl' ... xn) keinen
bestimmten Werth hat, der Dividend sowohl als der Divisor verschwindet.
Angenommen, es sei eine bestimmte Function f(xi' ... xn) in der
angegebenen Weise als Quotient zweier ganzen Functionen g/x1 , ••• xn),
g0(xi' ... x·11 ) ausgedrückt, so hat man, wenn

gesetzt wird,

und es besitzen die Functionen {~0>, {~> folgen<le Eigenschaften:


1) Sie sind alle eindeutige :B'unctiouen von :rP ... xn, welche sich im
Endlichen überall wie rationale Functionen verhalten.
2) Die Differentialausdrücke

genügen beide den Integrabilitätsbedingungen.


3) Jede im Endlichen gelegene singuläre Stelle einer der Functionen
{~01(x 1 , ••• xn) ist zugleich eine singuläre Stelle der Function
f(x 1 ••• xn); jede im Endlichen gelegene singuläre Stelle einer der
Functionen f~l)(xl' ... xn) ist entweder eine Null-Stelle von
f(x 1 , ••• xn) oder eine derjenigen singulären Stellen dieser Function,
an denen sie keinen bestimmten W erth hat.
154 Einige auf die Theorie der analyt. Funet. mehrerer Veränderl. sich bez. Sätze.

Dirs Theorem - dessen Beweis auf der Hand liegt - lässt sich
folgendennassen umkehren.
Angenommen, man wisse von einer irgen(lwie definirten Function
f(x:l' ... x 11 ), dass sie eine eindeutige Fnnction der hier betrachteten Art
sei, und es gelinge, das Differential

in der Form

• • (0) (I)
dergestalt auszudrücken, dass d1e Functwnen fa , fa die im Vorstehenden
(unter 1, 2, 3) angegebenen Eigenschaften besitzen; so sind diese Func-
tionen auch so brsc!taffen, dass sich auf die in Art. 4 gelehrte Weise zwei
ganze Functionen .11o (xp ... x 1J, .fh (xp ... xn) bestimmen lassen, welche die
Gleichungen

A)

befriedigen. Dann ist

B)

wo C eine von xl' ... xn unabhängige Grösse bezeichnet, und es verschwin-


den .rJ0 , ih gleichzeitig nur an solchen Stellen (xp ... xn), wo f(x 1, ... xn)
keinen bestimmten "\V erth hat.
Es sei (a 1 , ••• an) irgend ein System endlicher Werthe der Grössen
xl' ... xn so giebt es - nach Art. 2 - eine gewisse Umgebung (~) der
.
S teile (a 1 ••• an ) , mnerha I . l . f t.(O)
b welcher Jede< er Functwnen , 1 , ••• tn.(O) . t,(l) t.(l)
1 , • • • 11
sich als Quotient zweier Potenzreihen von x 1- a 1 , ••• xn- an in der Art
darstellen lässt, dass der Dividend und der Divisor nur an solchen Stellen
(x 1 , ••• xn), wo die betreffende Function keinen bestimmten W erth hat,
gleichzeitig verschwinden. Bezeidmet man für /', (~01 , /~11 die Dividenden
Einige auf die Theorie der analyt. Funct. mehrerer Veränderl. sich bez. Sätze. 155

bez. mit p, p~, q~ und die Divisoren bez. mit q, Jirx., fJrx., so hat man

n (1 op
~ -- - - -- -
p~)
dxrx. =
n
~
(1
-- -
oq -
q~)
- d:cr:t.,
rx.=l Ji OXrx. J!rJ. r1.=1 q OXrx. IJrx.

woraus sich, da <lie Veränderlichen xP ... .rn unabhängig von einander


sind,

(rx.=1,2, ... n)

ergiebt.
Der Voraussetzung (3) nach kann fJrx. innerhalb des Bereiches (~)nur an
solchen Stellen (x 1 , ••• x 11 ) verschwinden, die zugleich singuläre Stellen der
Function 1~ sind, für welche also q = 0 ist. Ebenso kann Jlr1. nur an
I]
solehen Stellen verschwinden, an denen p = 0 ist. Daraus kann man
schliessen, dass 1lie Function

1 0 I] q~

sich innerhalb (~) regulär verhält. Denn wäre dies nicht der Fall, so
hätte sie (nach Art. 3) innerhalb(~) unendlich viele singuläre Stellen, und
unter diesen gäbe es unzählige, an denen q = 0 wäre, p aber, und somit
auch Prx., einen von Null verschiedenen W erth besässe, was der Gleichung

1 oq

widersprechen würde. Man kann also für die dem Bereiche(~) angehörigen
Werthsysteme (xp ... xn)

setzen und hat dann


156 Einige auf die Theorie der analyt. Funct. mehrerer Veränderl. sich bez. Sätze.

Der Differentialausdruck auf der rechten Seite dieser Gleichungen genügt


nun den lntegrauilitätsbedingungen; man kann ihn daher in der Form

darstellen und erhält dann

Es sind also die :B'unctionen {~0 \xi' . .. Xn), r:!)(xi' ... xn) in der That so
beschaffen, dass man (nach Art. 4) zwei ganze :B'unctionen go(xp ... x·n),
g/xi' ... xn) bestimmen kann, für welche- bei gehöriger Bestimmung der
Constante C - die vorstehemlen Gleichungen (A, B) gelten. In der
Umgebung jeder bestimmten Stelle (a1 , ••• an) ist dann

_m(x-a x-a)
n ) = CI '1flC
II ("'' X 'fo' 1 1' . 0 0
11
:JO "''I' · · •
"

wo C1 , C2 Constanten bezeichnen; es verschwinden daher g0 , g 1 gleichzeitig


an der Stelle (ap ... an) mu· dann, wenn auch p, q an derselben beide
verschwinden, f(xp ... xn) also für das "\V erthsystem (x: 1 = rti' ... xn = rt11 )
keinen bestimmten Werth besitzt; w. z. b. w.

Anm er kun gen.


1. Es ist vorausgesetzt worden, man wisse von der :B'unction f(x 1, . .. xn),
dass sie eine eindeutige Function sei und im Endlichen sich überall wie
eine rationale :B'unction verhalte. Ist dies nicht bekannt, vielmehr die
Aufgabe gestellt, clie :B'unction so zu bestimmen, dass sie der Differential-
gleichung
n n
dlog{(x" o o .1"11 ) = ~ 1~1 \xl' .. x 11 ) rlxrx. --
0 ~ t~' 1 (o?ip .. 0 xn) dxrx.
rt.=l rt.=l

genüge, so hat man zur Lösung dieser Aufgabe kein anderes Mittel als
zu untenmchen, ob jeder der beiden Difrerentialausdriicke auf der Rechten
Einige auf die Theorie der aualyt. Fuuct. mehrerer Veränllerl. sich !Jez. Sätze. 15 7

der Gleichung die in Art. 4 von dem dort betrachteten Ausdruck

n
L: f(l.(x
(/.=}
1, ... xn) dx(l.

vorausgesetzte Beschaffenheit habe, und im Falle, dass sich dies bestätigt


und somit feststeht, dass f(x 1, ... xn) in der Form

g1 (Xp •. • Xn)
go(Xp ••. Xn)

dargestellt werden kann, sich zu vergewissern, ob die Functionen f~01 , f~1 l


auch der oben (unter 3) angegebenen Bedingung entsprechen.
2. Das im Vorstehenden entwickelte Theorem kann ohne Schwierig-
keit folgendermassen verallgemeinert werden:
Es sei von einer irgendwie definirten Function f(xp ... xn) bekannt,
dass sie sich im Endlichen überall wie eine rationale Function verhalte,
und es lasse sich dmlog((x 1, ... xn) in die Form

(a,, ... am = 1, 2, ... n)

dergestalt ausdrücken, dass jeder der beirlen Differentialausdrücke auf der


Rechten der Gleichung den Integrabilitätsberlingungen genüge, und die
• (0) (1) • •
Functwnen {(!. 1, ..• (1.
m
, ((I. 1, ••. (1. m ehe 1m Vorstehenden unter (1, 3) angegebene

Beschaffenheit besitzen, so ist f(x 1 , ••• xn) in der Form

gl (:;:·I' · .. Xn)
go(xl, ... Xn)

darstellbar, wo g0 , g1 ganze Functionen von xP ... xn ·sind, welche nur an


solchen Stellen (xp ... xn), wo f(xp ... xn) keinen bestimmten W erth hat,
gleichzeitig verschwinden.
Der Beweis dieses Satzes ist dem für den Fall, wo m = 1 ist, durch-
geführten ganz analog, und braucht dabei nur folgender, leicht abzuleitende
Hülfssatz vorausgesetzt zu werden:
158 Einige auf die Theorie der analyt. Fnnct. mehrerer Verällllerl. sich !Jez. Sätze.

Genügt ein Differentialansdruck

"l_ßa.
~
a. (:r - a 1,
u··· m 1
••• xn- a",)
'"
d:ra. 1 ... rlxa.m

den Integrabilitätsbedingungen, so kann er auf die Form

gebracht werden.
3. An eh das in Art. 1 bewiesene Theorem kann folgendermassen Vel'-
allgemeinert werden:
Ist ein den Integrabilitätshedingnng·en genügender Differentialausdruck

(a.1, ••• et 111 =1,2, ... n)

gegeben, in. welch Pm die Functionen fa.,, ... a."' (x1 , ••• xn) eindeutige Functionen
der hier betrachteten Art sind, und lässt sich zeigen, dass derselbe, wenn
für xl' ... :rn lineare Functionen einer Veränderlichen 1: gesetzt werden -
welche nur der in Art. 4 für den Fall, wo m = 1 ist, angegebenen Be-
dingung unterworfen sind für hinlänglich kleine Werthe von 1: stets die
Gestalt

erhält, wo f.L entweder gleich 0 oder eine positive ganze Zahl ist, so ist
jede der Differentialgleichung

d m logf(x 1 : .•• xn) = "'0 fr-v-.1,


~ .••
a. m (x 1 , •.• Xn) dxa. 1 ... dxa. m
a.

genügende Function t'(x 1, ••• ::r11 ) eine ganze Fnnction von xP •.• x 11 ; und ist
eine solche Function /~(xp ... x 11 ) bestimmt, so erhält man den allgemeinen
Ausdruck von t'(xp ... xn), wenn man

-(.(·
f( XI' ... Xn ) -- )G(x,, ... x,,)
0 XI ' ... Xn e

setzt und für G(xp ... xn) eine ganze rationale Function (m -1) ten Grades
von xP ... xn mit willkürlichen Coefficienten nimmt.
Einige auf die Theorie -der analyt.. Fnnct.. mehrerer Verändrrl. sich bez. Sätze. 15!)

Um diesen Satz beweisen zu können, hat man znnäclu;t zu unter-


suchen, unter welchen Bedingungen ein gegebener Ausdruck
n
~I~ (x 1 , ••• x 11)dxa. ,
f:X.=l

in welchem die Functionen fa.(x 1 , ••• x 11 ) eindeutige Functionen der hier be-
trachteten Art sincl, das Differential einer ebenfalls eindeutigen Function
ist - eine Frage, welche sich mit Hülfe der Ergebnisse der vorhergehenden
Untersuchungen ohne Schwierigkeit erledigen lässt, auf die ich aber hier,
wo es sich hauptsächlich um eine Zusammenstellung solcher Sätze handelt,
die in meiner Vorlesung über die Abel'schen Functionen als Hülfssätze ge-
braucht werden, nicht eingehe.

6.
Über n-fach periodische ganze Functionen von
n Veränderlichen.
Eine ganze Function f( ~~P ••• nn) der n Veränderlichen nl' ... nn sei
n-fach periodisch; d. h. es soll n Systeme von je n Gonstanten

2w 11 , 2 w12 , 2w 111
2w21' 2w22' 2w2n

geben, für welche bei beliebigen W erthen von n 1~ ••• ~~n die n Gleichungen

(ß = 1, 2, ... n)

gelten, wobei vorausgesetzt werde, dass die Determinante

nicht gleich Null sei.


Führt man statt Hp .•• H 11 andere Veränderlichen v1, ••• v11 ein mitte1st
der Gleichungen
n
na. = ~ 2wa.ß 1'ß (a.=l, ... n)
ß=l
160 Einige auf die Theorie der analyt. Funct. mehrerer Veränderl. sich bez. Sätze.

und bezeichnet mit cp(vp v2 , ••• 1'n) rlie Fnnction, in welche f(up ... nu)
durch diese Substitution übergeht, so hat man

cp(v1+1, v2 , ••• vn) = cp(vp v2 , ••• vn),


cp(vp v2+1, ... vn) = cp(1•I' v2 , ... vn),

aus welchen Gleichungen sich die allgemeinere

ergiebt, wo rnl' m2 , ... mn beliebige ganze Zahlen bedeuten.


Es soll nun bewiesen werrlen, rlass sich cp(vp v 2 , ... vn) durch eine
beständig convergirende Reihe von der Form

darstellen lässt, \\'0 die cvl>v2, ... v,. von vl, v2, ... Vn unabhängige Grössen
sind.
Es ist leicht, diesen Satz aus dem auf Functionen mehrerer Veränder-
lichen ausgedehnten Fourier'schen Theoreme abzuleiten. Man setzt zu
dem Ende, unter ·'p ... s1i, tl' ... tn reelle Grössen verstehend,

so lässt sich cp (t 1-; s 1 i, ... tn+ s11 i), als Function von tl' ... tn betrachtet,
m der Form

(v 1 , ••• vn = -oo · · · +oo)

ausdrücken, wenn man


Einige auf die Theorie tler analyt. Fnnct. mehrerer Veräuderl. sich bez. Sätze. 161

nimmt. Man beweist dann leicht, dass die partiellf'n Ableitungen der
als Function von sl' ... sn betrachteten Grösse

bei der voransgesetzten Beschaffenheit der Fnnction q; sämmtlich gleich


Null sind, diese Grösse also einen von sl' ... sn unabhängigen "\Verth
hat, woraus sich der angegebene Ausdmek von q; (vp ... vn) und die
Bestimmung von Cv v , nämlich
1' ••• n

ergiebt.
Die Schwierigkeiten, mit denen eine strenge Begründung des Fourier-
sehen Theorems für beliebige Functionen reeller Veränderlichen verknüpft
ist, fallen für die Function q;(t1-ts11·, ... tn+sni) fort., indem deren Ab-
leitungen stetige Functionen von tl' ... tn sind.
Es lässt sich indess der in Rede stehende Ausdruck von q;(vp ... vn)
auch aus den Fundamentalsätzen der Theorie der gewöhnlichen Potenz-
reihen ableiten. Dies soll hier ausgeführt werden.
Es sei
g(v, Xp ... x 1.)
eine ganze Function der r+ 1 von einander unabhängigen Veränderlichen
v, x 1 , ••• xr, welche in Beziehung auf die Veränderliche v die Periode 1
besitzt, so dass, wenn m eine beliebige ganze Zahl ist, die Gleichung

besteht. Setzt man dann

so ist nicht nur g0 , sondern auch g1 eine ganze Function von v, x 1, ••• xr.
Denn der Nenner von g1 verschwindet nur, wenn v = 1~ und m eine
m
ganze Zahl ist; setzt man aber v=-- -1- h so ist
2 '

· (m2- + 1)
Sll12 I 7t = :1-. Sll12 · I
t1t

11
162 Einige auf die Theorie der analyt. Funct. mehrerer Veränderl. sich bez. Sätze.

und es hat somit g1 ( v, x 1, ••• xv) auch für v = 1; einen bestimmten end-
lichen W erth.
Jetzt sei s eine neue unbesehränkt veränderliche Grösse, und es werde
eine Function G0 ( s, x 1, ... xr) folgendermassen definirt: Jedem endlichen
"\Verthe von s ordne man einen die Gleich1mg

S = COS2V1t

befriedigenden W erth von v zu und nehme dann

G 0 (s,x1 , ... xr) = g0 (v,xp ... xr),

so hat G0 (s, xl' ... xr) für jedes System endlicher Werthe von v,xl' ... xr
einen beRtimmten und ebenfalls endlichen Werth. Denn es sei v' irgend
einer derjenigen W erthe von v, welche für einen gegebenen W erth & ' von
s der Gleichung s' = cos 2vn genügen, so werden alle übrigen durch die
Formel
± v'+m
geliefert, wo m eine ganze Zahl bedeutet; für alle diese 'V erthe yon v
hat aber g0 (v,x 1, ... xr) denselben ~Werth. Nimmt man ferner s llinläng-
lich nahe bei s' an und setzt lt = 2 1t ( v- v '), so erhält man aus der
Gleichung
, . , ( h3 ) , (h2 h4 )
s- s = -- sm 2 v n . h - 3T + · · · - cos 2 v 1t :l ! - 4-c + ·· · ,

falls sin 2v'n nicht gleich Null ist, einen dieselbe befriedigenden Werth
von v- v', und in dem Falle, wo sin 2v'7t = 0 ist, einen Werth von
(v- v ') 2 in der Form einer Potenzreihe von s- s' ausgedrückt. Da nun
im letzteren Falle v' = ~~ und daher

ist, also in der Entwickelung von g0(1•, xl' ... xr) nach Potenzen von v- I!'
nur gerade Potenzen dieser Grösse vorkommen, so lässt sich in bei(len
Einige auf die Theorie der analyt. Funct. mehrerer Veränderl. sich bez. Sätze. 163

Fällen G0 (s, xl' ... xr) als Potenzreihe von s-:;', x 1 , ••• xr darstellen.
Damit ist bewiesen, dass G0(s,xl' ... x 1.) eine ganze Function von
s, xl' ... xr ist, welche, wenn s = cos2t'7t gesetzt wird, in g0 (v, xn ... xr)
übergeht.
Ebenso wird gezeigt, dass eine ganze Function G1 (s, xn ... xr) existirt,
welche, wenn s = cos 2 v1t gesetzt wird, in .rh (v, Xn ... Xr) übergeht.
Hiernach hat man

·wendet man nun diesen Satz auf die Function r.p(1·I' v2, ... v11 ) an,
so kann man dieselbe zunächst auf die Form

bringen. Die Functionen G0 , G1 haben dann i~ Beziehung auf jedes


Argument v 2 , ... Vn die Periode 1, und man erhält also (für E = 0, 1):

G / cos2v 17t, v 2 , ... vn) = G s,o(cos2v 17t, cos2v 27t, v3 , ... vn)
+ G s. 1( cos2v 17t, cos2v 27t, v:l' ... v11 ) sin2v27t.

Dann haben die Functionen G6 0 , G 6 1' in Beziehung auf jedes der Argu-
mente v3, ••• v11 die Periode 1; man erhält also (für E = O, 1; E1 = 0, 1)

Gs, s, (cos 2v 11t, cos2v2 7t, v3, ... vn) = Gs. E,,o (cos 2L: 17t, cos 2v~ 1t, cos 2v37t, v4 , ••• vn)
+ GE,s" 0 (cos2r 17t, cos2v~7t, cos2v3 7t, v4 , ... vn)sin2v3 7t.

So fortfahrend kommt man zu dem Ergebniss, dass sich r.p(v 1 , v~, ... vn)
in der Form
Zu-t=l

~
.........
~ ···
.L.J
~GE e
.L.J '
stt-1 (cos2r 17t,COS2r.,7t
-
.... cus:!r 1{.,7t)sins2r
'
1 7t.sinE'2c.,7t ... sins,,_,21· 1{.,;-;
11''' - '
2 -=0 E 1=-0 Zn-t·= 0

darstellen lässt, wo die Functionen GE s e sämmtlich ganze Func-


' 1' ··· n-1
tionen der Grössen cos2v 17t, cos2v 27t, ... cos2vn7t sind.
Setzt man sodann
1 2v 1ti 1 -~v Tii 2 V 7t i -2 I' 7t i
cos 2 v ;-; = -
2
e rJ. +-
2
e 1).
.
:sm2 u 7t =
l
--. e '/. -
1
-~ e
N

~
1). 1). 2 l 2l
('I.= l, ... n),
11*
164 Einige auf die Theorie der analyt. Fnnct. mehrerer Verämlerl. sich bez. Sätze.

so kann der vorstehende Ausdruck in eine beständig convergirende Potenz-


reihe der 2 n Grössen

2V 1ti - 2V 1ti
e "' , e "

verwandelt werden, so dass man

erhält. Da diese Reihe gleichmässig convergirt, so kann man, wenn


v1 , v2, ••• vn irgend n bestimmte ganze Zahlen sind, diejenigen Glieder
der Reihe, in denen die Differenzen

bezüglich die W erthe

haben, in ein Glied zusammenziehen, wodurch sicl1 die oben angegebene,


ebenfalls gleichmässig convergirencle Reihe für cp(vl'v2 , ... vn) ergiebt.
Drückt man sodann v I' v2 , ••• 1'n durch die urspriinglichen V eränder-
lichen Hp tt2, ••• nn aus, so gelangt man zu einer Entwickelung von
t'(nl' n 2 , ••• nn), in welcher jedes einzelne Glied dieselbe Periodicität wie
die Function {(n1, ••• nn) selbst besitzt.
Der gleichmässigen Oonvergenz der für cp(vpr 2, ... vn) gefundenen
Reihe wegen ist, wenn 11P ••• lln beliebige ganze Zahlen sind,

= ~ (.V1 1, ••• V . /
,1
•· •
je 1 ( )
2 (v 1-f1 1)v 1+· · ·+(v 11-fl)v,. 1tt
.
d1'J •.• d1>1,
'II ~

'o ·o
(v 1 , ••• v,.=-= · · ·+=)

woraus in Übereinstimmung mit dem oben Angegebenen

folgt.
Neuer Beweis eines Hauptsatzes dPr Theorie
dPr periodischen Functionen von mehreren
Veränderlichen.
Ans <lem Monatsbericht rlrr König·l. Akarlemie der Wisl'enscbaften
zu Berlin vom November 1876.
Neuer Beweis eines Hauptsatzes der Theorie
der periodischen Functionen von mehreren
Veränderlichen.*)
(Monatsberichte tler Akademie der Wissenschaften zu Berlin a. d. J. 1876, S. 680-693.)

1.
Eine Function f von n Veränderlichen (nl' tt 2, ••• u.11 ) kann so be-
schaffen sein, dass für bestimmte Systeme constanter Grössen (P1, P 2, ••• Pu)
bei beliebigen Wertheu von ul'n 2 , ••• nn die Gleichung

besteht. Die Function heisst alsdann periodisch: und jedes einzelne


Grössensystem (P1, P 2, ••• Pu) ein Periodensystem derselben.**)
Aus dieser Definition ergeben sich die folgenden Sätze:
1) Ist

ein Periodensystem einer Function von n Veränderlichen, so ist


auch
(-P' --P' ··· -P')
" 2' n
ein solches.

*) Vgl. Hermite, Extrait de lettres a C. G. J. Jacobi (Crelle's Journal Bd. 40,


S. 310); und
Riemann, Auszug aus einem Schreiben an Weierstrass, ebd. Bd. 71,
s. 197.
**) Dies gilt, mag die Function f eine analytische Fnnction sein oder nicht. Ist
sie mehrdeutig, so besagt die aufgestellte Gleichung, dass die Gesammtheit der zu einem
bestimmten Werthsystem (n 1, n 2 , ••• u.,) gehörigen Werthe von f identisch ist mit der
Gesammtheit der zu (u 1 +P1 , u.+P2 , ... un+Pn) gehörigen.
166 Neuer Beweis eines Hauptsatzes

2) Sind

irgend zwei Periodensysteme der Function, so ist auch

ein solches System.


3) Aus diesen beiden Sätzen folgt dann der allgemeinere:
Sind irgend ?' Periodensysteme

der Function gegeben, so kann man aus ihnen beliebig viele


andere (PI' P 2, ... P 11 ) ableiten, indem man r ganze Zahlen
(ml' m:l, ... m1.) willkürlich annimmt und (für a.~l, ... 11)

setzt.
4) Werden aus der Gesammtheit der Periodensysteme der betrach-
teten Function irgend (p+l) Systeme

willkürlich herausgehoben, und ist

P (ß) . ,
(X. = J! (X. ß-+ zp (X. ß'

wo p cx.ß und p ~ß reelle Grössen bedeuten; so lassen sich im Falle,


dass p ::> 2n ist, stets (p+ 1) reelle Grössen (flp ... fip+t) be-
stimmen, welche die 2n Gleichungen

P+l
~ f1 p' = 0 (cx.= I, ... n)
ß=l ß rx.ß

befriedigen uml nicht sämmtlich g·leich Null sind. Möglicherweise


ist dies auch noch der Fall für p=2n-1, p=2n-2 u. s. w.,
der Theorie der periodischen Functionen von mehreren Veränderlichen. 167

jedenfalls aber nicht für p=O. Es muss also einen kleinsten,


zwischen 0 und 2 n+ 1 liegenden Werth von p geben, bei dem
es noch möglich ist, die vorstehenden Gleichungen für beliebige
(p+ 1) Periodensysteme in der angegebenen Weise zu. befriedigen.
Dieser W erth von p werde fortan mit 1· bezeichnet. Dann
existiren nothwendig Complexe von T Periodensystemen, für
welche den in Rede stehenden Gleichungen, wenn man p=1·-1
nimmt, nur dadurch, dass man jeder der Grössen J.L 1 , • • • J.Lr den
Werth Null giebt, genügt werden kann.
Angenommen nun, es seien

irgend r Systeme, welche einen solchen Complex bilden, und


(PI' P 2, ... Pn) ein beliebiges Periodensystem, so lassen sich
(r+ 1) reelle Grössen J.L, f.Lp • • • J.Lr, die nicht sämmtlich den
Werth Null haben, so bestimmen, dass die Gleichungen

(lx.=l, ... n)

bestehen.
In diesen Gleichungen hat dann J.L nothwendig einen von
Null verschiedenen Werth; man erhält also, wenn man

(ß = 1, ... t')

setzt,

(A)

Zugleich folgt aus der angenommenen Beschaffenheit der Systeme


(P?\P?\· ... P:!)), dass zu einem bestimmten Periodensysteme
168 Neuer Beweis eines Hauptsatzes

(PI' P2 , ••• Pn) nur ein System reeller Grüssen m1 , m2 , ••• 111r, für
welches die vorstehenden Gleichungen gelten, gehört.
5) Obgleich die Function unendlich viele Periodensysteme besitzt,
so kann sie doch so beschaffen sein, dass die Anzahl derjenigen
Periodensysteme, in denen jede einzelne Periode ihrem absoluten
Betrage nach eine willkürlich anzunehmende Grenze nicht über-
schreitet, endlich ist. In diesem Falle sind die in den vor-
stehenden Gleichungen (A) vorkommenden Grüssen mi' m2 , ••• m1•
immer rationale Zahlen.
Es lassen sich. aber alsdann die Periodensysteme

stets auch so auswählen, dass die Grössen m1, m 2 , ••• m 1• für jedes
Periodensystem (PP P 2 , ••• Pr) sämmtlich ganz c Zahlen werden.
Der Beweis dieses fundamentalen Satzes kann folgendennassen ge-
führt werden.
Es bedeute A irgena eine der Zahlen 1, 2, ... 1·, so fasse man,
unter der Voraussetzung, <lass die Periodensysteme

(ß = 1... r)

den unter (4) angegellenen Bedingungen gemäss angenommen seien,


diejenigen Periodensysteme (1\, 1'2 , ••• P11 ) in's Auge, für welche die
in den Gleichungen (A) Yorkommenden Grössen 111P 111:!, ••• mr folgenden Be-
dingungen genügen:

0 .-:::: 111).. .-:::: 1'

0 .C:::: mß :S 1 , wenn ß<: A ,


, wenn ß::> A •

. bt es -
So1c11e Systeme g1e . (P(I..)
namentl'1c11 1st P(l..) PCI-)) .
1 , 2 , ••• n emes
von ihnen - sie sind aber, weil durch die angegebene Beschränkung
der Grössen mß für den absoluten Betrag jeder einzelnen Periode eine
Grenze, die er nicht überschreiten kann, festgestellt wird, nur in end-
licher Anzahl vorhanden, und es muss sich unter ihnen eines finden, für
welcht>s 1111.. den kleinsten \V erth hat. Die zu diesem System gehörigen
..
G rossen 111 1 • • • • m:;.,
..
nwgen nu't (Ä) IÄ)
111 1 , ••• 111:A.
. 1me t wer den.
beze1c
der Theorie der periodischen Functionen von mehreren Veränderlirhen. 169

Nach diesen Festsetzungen ist, wenn m;, rn~, . . . rn; reelle Grössen
sind, welche die Bedingungen

erfüllen, das System

ein Periodensystem nur in dem Falle, wo m;, m~, ... m;. sämmtlich gleich
Null sind.
Nun werde gesetzt

(B) c:l, ... 1~)


1--1, ... 1

so lässt sich, wenn mpm 2, ••• mr beliebige reelle Grössen sind, der
Ausdruck
r (ß)
2-:mßPa.
ß=l
stets auf die Form

in der Art bringen, dass m;,m~, ... m;.


die eben angegebenen Betlin-
gungen erfüllen und zugleich vPv 2 , ••. vr ganze /";ahlen werden; was
aus den zu befriedigenden Gleichungen

(1")
mr = vrmr + rn;.,
(1"-1) (r) I
m1·-1 = vr-1 m1·--1 + v1· ?nr-1 + 111 r-1 '
u. s. w.

unmittelbar ersichtlich ist. Wenn aber


170 Neuer Beweis eines Hauptsatzes

ein Periodensystem ist, so ist auch

(
1' . ,
~ 'IJ/ß PI
!ß)
'
J' , (ßJ
~ 111 ßp~ ' · · · · ' ~ lJ/ß 1 n
1" •.}ßi)
ß=I ß=I ß=I

ein solches, und es müssen daher 111;, m~, ... m;. sämmtlich gleich Null
sein. Man hat also

und die Gleichungen (A) wandeln sich um 111 die folgenden:

1"

PI=~ vß Piß'
p=I

(0)

Die durch die Gleichungen (B) definirten Periodensysteme

sind demnach so beschaffen, dass sich aus ihnen alle übrigen


auf die oben -unter (3) - angegebene Weise ableiten lassen.
In den Gleichungen ( 0) nehme man nun, unter y eine der Zahlen
1, 2, ... r verstehend,

P =Pm P =P'1 >


1 1 ' 2 2 '

und bezeichne die Werthe, die dann v1 , v2, ... vr haben, mit

so dass man
der Theorie der periodischen Functionen von mehreren Veränderlichen. 171

hat. Dann ist die Determinante

lv,,, . vw
i .
I
; V
?'I' •
V
1'1'

nothwendig von Null verschieden, weil sich sonst die 2n Gleichungen

,. ,.
~ I. L ßpcx~ -= 0: ~ I..L 1/ = 0
k.J ß cx ß (cx= 1, ... n)
ß=l ß= l

durch reelle W erthe der Grössen I..Lß, ohne dass diese sämmtlich gleich
Null zu sein brauchten: würden befriedigen lassen. Man kann daher,
wenn vPv2, ... v,. beliebige ganze Zahlen sind, 1· rationale Zahlen
m" ... m,. so bestimmen , dass die 1· Gleiclmngen

,.
~ mß 11rß = 11ß (ß = 1, . . . 1')
Y= l

bestehen. Dann ist gernäss den Gleichungen (0)

(cx=l, ... n)

Da es nun, wie vorhin bemerkt worden, fiir jedes Periodensystem


. .. Pn) nur ei n System r eeller Grössen ml'm~, ... m,. giebt, fiir
(Pp P2 ,
das die. Gleichungen (A) gelten, so ist bewiesen, dass diese Grössen, wie
man auch die t' Periodensysteme

(~ = 1, ... n)

den unter ( 4) angegebenen Bestimmungen entsprechend annehmen möge,


stets rationale Zahlen sind.
6) Zu dem v0rstehenden Satze ist noch Folgendes zu bemerken.
Angenommen, es seien fiir eine periodische Function von n V er-
änderlichen die Zalll 1· und die Grössen P~J so bestimmt, wie unter ( 4)
172 Neuer Beweis eines Hauptsatzes

angegeben wurde. Setzt man dann, unter m 1,m2, ... mr reelle Grössen
verstehend, wie oben

1' 1'

Pa=~ mßJI~ß+ i ~mßJl~ß'


ß=l ß=l

so hat der Ausdruck

stets einen positiven W erth, wenn die Grössen m nicht sämmtlich gleich
Null sind. Es ist deshalb, wenn g eine willkürlich angenommene positive
r
Grösse bezeichnet, P > g, sobald der W erth von ~ mß eine bestimmte
ß=l
Grenze überschreitet, und es giebt daher unter denjenigen Werthsystemen
(ml' m 2, ... mr), in denen jede einzelne Grösse eine ganze Zahl ist, nur
eine endliche Anzahl solcher, für welche die absoluten Beträge von
PI'P2 , ... Pn sämmtlich kleiner als g sind. Daraus folgt, dass die
Gleichungen (A), wenn in denselben den Grössen ml'm2 , ... mn bloss ganz-
zahlige W erthe gegeben werden, sämmtliche Periodensysteme der Function
nur in dem Falle liefern können, wo die oben (im Anfange dieser Nr.) {r)
in Betreff der Beschaffenheit der Function gemachten Voraussetzung zutrifft.
Diese Voraussetzung ist aber gleichbedeutend mit der Annahme, dass
die Function kein System unendlich kleiner Perioden besitze.
Man setze
(a= 1, ... n)

wo Pa und Pn+a reelle Grössen bedeuten, und nehme an, es lasse sich eine
positive Grösse k so bestimmen, dass in jedem Periodensystem wenigstens
eine der Grössen p 1, p 2, ••• P~n dem absoluten Betrage nach grösser als k ist.
Wenn man dann 2n ganze Zahlen

willkürlich annimmt, so kann es höchstens ein Periodensystem geben, in


der Theorie der periodischen F unctionen von mehreren Veränderlichen. 1 73

welchem die Grössen p 1 , p 2 , ••• P:m den Bedingungen

(;l.. + 1, ... 2n)

genügen. Denn angenommen, es sei

ein solches, und (q 1 , q2 , ••• q2 n) ein beliebiges System von 2 n Grössen,


welche ebenfalls die Bedingungen

(A= 1, ... 2n)

erfüllen , so ist, wenn man

setzt, lc;l.. dem absoluten Betrage nach kleiner als lc, und deshalb

kein Periodensystem, woraus folgt , dass auch

kein solches ist.


Nun sei g eine willkürlich angenommene positive Grösse, so giebt
es nur eiRe endliche Anzahl solcher Zahlsysteme (v 1, v2 , ••• v2 n), für welche

sämmtlich zwischen den Grenzen g, - g liegen; es existirt also auch nur


eine endliche Anzahl v:on Periodensystemen, für welche jede der Grössen 1\
ihrem absoluten Betrage nach kleiner als g ist.

2.
Ich will jetzt annehmen, die betrachtete periodische Function
f'(1tp H 2, ••• ttn) sei eine eindeutige analytische Function, und zunächst
nachweisen, dass dieselbe ein System unendlich kleiner Perioden
174 Neuer Beweis eines Hauptsatzes

nur in dem Falle besitzt, wo sie sich als Function von weniger
als n Argumenten, die ganze lineare Functionen von n 1 ,n2, ... nn
sind, darstellen lässt.
Es seien v 1 ,v2 , ••• vm ganze lineare Functionen von u 1,1t2 , ••• 'U.n, und
m < n, so können n Grössen PI' P 2 , ••• Pn so bestimmt werden, dass
vl'v2 , ... vm sich nicht ändern, wenn man tt 1-t-PI' n 2 -t-P2 , ••• nn-+-Pn
für n 11 u 2, ••• nn setzt. Im Falle, dass sich f als Function von v1, v2 , ••• vm
ausdrücken lässt, ist also

Man kann aber (n- m) der Grössen P beliebig annehmen, und giebt
man diesen unendlich kleine ·werthe, so werden die übrigen ebenfalls
unendlich klein. Es besitzt also f(u 1, tt2, ••• ttn) Systeme unendlich kleiner
Perioden.
Bezeichnet man {, als Function von v1,v2 , ... vm betrachtet, mit
{, so hat man

(1X=l ... n)

es bestehen also zwischen den partiellen Ableitungen von {, von denen


jetzt die a.te mit f(n 11 n 2 , ••• Hn)IX bezeichnet werden möge, (n -- rn)
Gleichungen von der Form
n
~ c1Xf(n1, .•. nn)IX = 0,
IX=l

wo ci' c2 , • • • Cn Gonstanten bezeichnen, welche nicht sämmtlich gleich


Null sind.
Dagegen findet bekanntlich, wenn die Function f nicht die besondere
Eigenschaft besitzt, sich auf die angegebene Weise in eine Function von
weniger als n Argumenten verwandeln zu lassen, unter ihren Ab-
leitungen keine solche Relation statt, und es ist daher möglich, n nicht
singuläre*) W erthsysteme der Grössen nP n 2 , ... ttn

*) Es ist (tt~ ?t~, ... u~) ein nicht singuläres Argumentensystem, wenn sich
f (u 1 , u2 , ... n,.) unter der Bedingung, dass die absoluten Beträge von u,- u;,
u2 - ?t~, ... u,.- tt;, gewisse Grenzen nicht übersteigen, nach ganzen positiven Potenzen
dieser Differenzen in eine convergirende Reihe entwickeln lässt.
der Theorie der periodischen Functionen von mehreren Veränderlichen. 17 5

so anzunehmen, dass die Determinante

f'Cu;, I
11~, ... n;t\, f'(n;, I
n2, ... ~~:~)
"
f'( II
nl' nz, ... nn •'
II II)
f'(n;l' II
u~, ... nnII)
"
+' (II) (II) (II))
1 (nl ' 11 ~ ' ·· • n1t 1'

einen von Null verschiedenen Werth hat.


Man kann dann ferner, unter h1 , h2 , • • • hn veränderliche Grössen
verstehend, deren absolute Beträge eine Grenze h nicht übersteigen sollen,
die letztere so klein annehmen, dass (für (X = 1, ... n)

und zugleich die Determinante der als lineare Functionen von h 1 , h2 , • • • hn


betrachteten Ausdrii.cke auf der rechten Seite dieser n Gleichungen, welche
für unendlich kleine ·werthe von hP h 2 , ••• hn unendlich wenig von der
vorstehenden verschieden ist, ebenfalls nicht gleich Null ist. Dann sind
die Differenzen auf der linken Seite der Gleichungen nur in dem Falle
sämmtlich gleich Null, wenn sämmtliche Grössen hu h2 , ••• hn es sind.
Hiernach ist es unmöglich, dass in einem Periodensystem der Function f'
jede einzelne Periode ihrem absoluten Betrage nach kleiner als h sei; mit
anderen Worten, die Function besitzt kein System unendlich kleiner
Perioden.
Es gilt also der Satz:
"Eine eindeutige analytische Function von n Veränderlichen
sei periodisch, ohne als Function einer geringeren Anzahl von
Argumenten, die ganze lineare Functionen der ursprünglichen
sind, darstellbar zu sein, und r sei für sie die oben für eine be-
liebige periodische I!'unction definirte Zahl, welche also einen der
Werthe 1, 2, ... 2n hat. Dann lassen sich stets r Perioden-
systeme der Function
176 Neuer Beweis eines Hauptsatzes

so answählen, dass durch die Gleichungen


r
Prx.= ~ vß Prx.ß' (rx.=1, ... n)
ß=l

in denen vl' v1, ••• vn beliebig anzunehmende ganze Zahlen


bezeichnen, sämmtliche Periodensysteme der Function geliefert
werden."
Hierzu ist noch zu bemerken, dass es unmöglich ist, aus irgend
welchen (r- 1) Periodensystemen alle übrigen abzuleiten; was ans der
gegebenen Definition der Zahl r unmittelbar hervorgeht.
Dagegen lassen sich die 1· Systeme

durch unendlich viele Complexe von r anderen ersetzen.


Nimmt man nämlich an

y=l
1'+1
prx.ß =~ ~ VßyPocy' c: 1, ... 1~)
ß -1, ... 1

wo die vßr ganze Zahlen bezeichnen, und es sollen sich ans den r Perioden-
systemen
(ß = 1, ... r)

alle übrigen ableiten lassen, so muss man haben

1'
p = ~v' p
rx.y ~ ßy rx.ß'
ß=l

wo die vßr ebenfalls ganze Zahlen bedeuten, und somit

Es sind aber die Grössen Pocy wie aus der gegebenen Definition der-
selben hervorgeht, so beschaffen, dass es unmöglich ist, die n Gleichungen

(rx.=l, ... n)
der Theorie der periodischen Functionen von mehreren Veränderlichen. 17 7

durch reelle ·werthe von p. 1 , p. 2 , ••• P.r, wenn diese nicht sämmtlich gleich
Null sind, zu befriedigen. Folglich muss

f, ,
.L.J 'lßy vßl.l=
!
1 , wenn y = o,
ß=I 0, wenn y ::;: o,

sein. Daraus ergiebt sich

' ,•
VII' VI?" VII' 'w
= 1'
vri' vrr '
V?"!: '
vrr

und es miissen daher die Zahlen vßy so gewählt werden, dass die Deter-
minante

VII' VIr

= :±: 1
vrP vrr

ist. Umgekehrt erhält man, wenn die8e Bedingung erfiillt ist, die Grössen
P durch die P ß so ausgedrückt, dass die vß' y ganze Zahlen sind, und
~y ~

kann daher sämmtliche Periodensysteme (PP P 2, ••• Pn) auch aus den
r Systemen

ableiten.

3.

Der im Vorstehenden bewiesene Satz gilt, wie ich jetzt zeigen will,
auch in dem Falle, wo f(n 1 , n 2, ••• un) eine m-deutige analytische Function
ist.
Bezeichnet man die m ·werthe der Function, welche zu demselben
Werthsystem (uu n~, ... nn) gehören, mit f (l)' {(2), ••••• f(nt)' und versteht
unter x eine unbestimmte Grösse, so ist das Product

12
178 Neuer Beweis eines Hauptsatzes

eine eindeutige analytische Function von nP u 2, •.• n 1P und eine ganze


(I) (2) (nt)
, ..... f

ratwnale Functwn von x; es können also f , f

definirt werden
als die Wurzeln einer Gleichung m ten Grades

deren Ooefficienten eindeutige Functionen von n 1, u 2 , ••• un sind.


Diese Functionen von n Veränderlichen können nun so beschaffen
sein, dass sie sich alle als Functionen einer geringeren Anzahl von Argu-
menten (vp v 2 , ••• v1), welche ganze lineare Functionen von 'UP ?~2 , ••• 1~n sind,
darstellen lassen. In diesem Falle kann man n Gonstanten cl' c2, ••• c1 ~'
die nicht sämmtlich gleich Null sind, so bestimmen, dass die Gleichungen

(ß = 1, ... l)

befriedigt werden, und daher v1 , v2 , ••• vz sich nicht ändern, wenn man,
unter t eine unbestimmte Grösse verstehend,

setzt. Es bestehen also die m Gleichungen

(A) f".(n 1--+-c 1t, n 2-+c 2t, ... un-+cnt) = f".(upn 2 , ... nn),
(fJ. = l, ... m)

und es sind demzufolge die m Werthe von {(n 1+c 1t, n 2+c2t, ... un+c 1~t)
identisch mit den m \Verthen von f(n 1 , n 2, ••• nn).
Die Function f besitzt also, wenn {1 , • • . • • fm die angegebene Be-
schaffenheit haben, ein Periodensystem (1' 1t, (), ..... cnt), in welchem,
wenn man t unendlich klein annimmt, jede einzelne Periode einen un-
endlich kleinen W erth hat.
Aus den Gleichungen (A) erg·eben sich die nachstehenden:

(B) (tl= 1, ... m)


der Theorie der periodischen Fnnctionen von mehreren Veränderlichen. 17 9

welche also eine nothwendige Folge der in Betreff der Functionen {p ..... frn
gemachten Annahme sind.
Umgekehrt haben diese Functionen die in Rede stehende Beschaffen-
heit, wenn für irgend ein System constanter Grössen cl' c2 , •.. c1P die
nicht sämmtlich glekh Null sind, die Gleichungen (B) bestehen. Denn
dann ist

o~!(nl+clt, 1(.~- r), ... nn+c11t)_- 0


(; t -- '

also f:~(n 1 +c 1 t, n~+c/, ... nn+cnt) von t unabhängig, und es gelten somit
die Gleichungen (A). Setzt man aber in den letzteren

wo A. so zu wählen ist, dass c). nicht den W erth Null hat, so ergiebt sich

(!l=l, ... rn)

wo

Nun ist aber, damit f(nl' n 2, ... Un) als Function von (n-1) linear durch
nl' n 2 , ... nn ausdrückbaren Argumenten betrachtet werden könne, noth-
wendig und hinreichend, dass sich t'Jnl' n:!, ... n 11), • • • • • frn(nl' n 2 , ... nn)
sämmtlich als Functionen derselben (n-1) Grössen darstellen lassen. ·wenn
also, wie in dem zu beweisenden Satze angenommen wird, f(nl' n 2 , .. , nn)
die angegebene besondere Beschaffenheit nieht besitzt, so ist es unmöglich,
dass für irgend ein System constanter Grössen (cp c~, ... cn) wofern nicht
jede von ihnen den '\Verth Null hat, die m :b'unctionen

11

~ c&f11 (npn~, ... nn)a.,


r!.=l

wo tjJnP ... nn)a. die erste Ableitung von /j1 (u.p n:!, ... nn) nach Ha. bedeutet,
alle identisch gleich Null sind. Darans lässt sich folgern, dass man n
1cp
180 Neuer Beweis eines Hauptsatzes

nicht singuläre W erthsysteme

und n ganze Zahlen ft 1 , ft 2 , ••• ft1p von denen jede einen der \Verthe 1, 2, ... m
hat, so auswählen kann, dass die Determinante

f~ 1 ( n;, .. . n; 1),,

ffl.2 cn;', ... u;:)rl


D=

.(' (11) (11) .(' ( (11) (11)


'f'CL (nt ' ... 1tn ) ' lf11n '~~n ' · · · 11 n )n
" 1

einen von Null verschiedenen \V erth erhält.


Man bezeichne, unter s eine der Zahlen 1, 2, ... n verstehend, mit
D 8 die Determinante

so dass

und D11=D ist. Dann hat man, wenn s> 1,

D s= D8-11"' (161(S) , ...


(8))
n1'v
'
-,
D,s-I'"
I' ( (8)
n1 , ..• nn
(8))
-1--···,
rs 1 •s 2

wo D 8 _p n;_p ... nur von den (s-1) ersten \Verthsystemen (n;a\ ... n1~aJ)
abhängen. Sind nun diese und die Zahlen ftp ... lt8_ 1 so gewählt, dass
D 8 _ 1 nicht gleich Null ist, so ist

nicht für jeden \V erth von ft identisch gleich Null; man kann ah;o P·s und
der Theorie der periodischen Functionen von mehreren Verändel'lichen. 181

so annehmen, dass auch D 8 nicht gleich Null ist. Da nun nicht alle
Functionen

gleich Null sind, so kann man zunächst

so dann
1-'-2 un d ul" ' n2" ' ••• nn" '
u. s. w. bis zuletzt

so wählen, dass DP D 2 , ••• Dn sämmtlich von Null verschiedene ·werthe


erhalten.
Man kann dann ferner eine Grenze h so fixiren, dass für alle "\Verth-
systeme

in denen jede einzelne Grösse dem absoluten Betrage nach kleiner als
h ist,

c.~=l, ... tn)

und zugleich die Determinante der als lineare Functionen von h1 , ••• hn
betrachteten Ausdrücke auf der rechten Seite dieser Gleichungen, welche
bei einem unendlich kleinen W erthe von h sich unendlich wenig von D
unterscheidet, ebenfalls nicht gleich Null ist. Dann sind die Differenzen
auf der linken Seite der Gleichungen nur in dem Falle sämmtlich gleich
Null, wenn sämmtliche Grössen h1 , ••• hn es sind. Es ist also unmög-
lich, dass in einem gemeinschaftlichen Periodensysteme der Functionen
{ 1 ( tt!l u 2 , ••• nn), . . . . . fm (n 1, n 2 , ••• nn) jede einzelne Periode dem ab-

soluten Betrage nach kleiner als h sei. Da nun die m W erthe von
f{u 1+hp n 2+h2 , ••• nn+-hn) nur in dem Falle, wo (hp h2 , ••• hn) ein gemein-
182 Neuer Beweis eines Han}Jtsatzes u. s. w.

schaftliches Periodensystem der Functionen fp •..•• frn ist, mit den


m Wertben von f(np n 2, ... n11 ) identisch sind, so folgt, dass die Func-
tion f(up ... n 11 ), wofern sie nicht die besprochene besondere
Beschaffenheit hat, kein System unendlich kleiner Perioden
besitzt, und demnach der in (2) für eine eindeutige Function
aufgestellte Satz bestehen bleibt, wenn das Wort "eindeutig"
in "m-deutig" umgeändert wird.

Anm. 1. Unter welchen Bedingungen der vorstehende Satz für eine analytische Function
• f(u 1 , u 2 , ••• u,.) auch in dem Falle gültig bleibe, wo sie so beschaffen ist, dass
zu jedem Werthsysteme der Veränderlichen n 1 ,n 2 , ••• n,. unendlich viele
'Verthe von f(n 1 , ?t 2 , ••• u,.) gehören, ist noch nicht ermittelt worden. Dass
es aber Functionen dieser Art giebt, für welche der Satz nicht gilt, ist
bekannt. Herr Casorati hat bereits vor Jahren gezeigt, wie sich analy-
tische Functionen eines Arguments, deren Perioden sich nicht aus zwei
derselben ableiten lassen, in sehr einfacher Weise definiren lassen. (Campt.
rend. 21. dec. 1863 ct 25. janv. 1H6-!).
Anm. 2. Das in § 1 begründete Theorem gilt, wie schon oben bemerkt worden ist,
für eine beliebige (analytische oder nicht amllytische) Fnnetion f(n 1 , n 2 , ••• u,.).
Es findet also auch Anwendung, wenn diese Function nur für reelle Werthe
der Veränderlichen n 1 , 11 2 , ••• n,. definirt ist uml somit auch nur Systeme
reeller Perioden in Betracht kommen, in welehem Falle dann die Zahl 7'
der gegebenen Definition nach nicht griisser als n sein kann. Dagegen ist
der Satz, dass eine Function von n Variabeln nur dann Systeme unendlich
kleiner Perioden haben kann, wenn sie sich als Function von weniger als
n Argumenten , die ganze lineare Functioncn der ursprünglichen sind, dnr-
stellen lässt, von mir nur für ein- oder m deutige analytische Functioneu
bewiesen worden. Auf eine nicht analytische eindeutige und stetige Function
reeller Argumente findet jedoch dPr gegebene Beweis nnch noch Anwendung,
wenn die partiellen Ableitungen erster Ordnung der Fuuction existiren und
ebenfalls stetige Functioncn sind. Dnss der in Rrde stehrmle Satz aber richtig
ist und sich beweisen lässt, wenn für eine Fnnction reeller Veränderlichen
nur feststeht, dass sie eindeutig uml stetig ~ei, l1at neuerdings Herr Kro-
necker nachgewiesen. (Sitzungsherichte tler Berliner Akademie, 20. No-
vember 1884.)
Über die Theorie der analytischen
Facultäten.
(Aus Orelle's Journal für die reine und augewandte Mathematik,
B. 51, S. 1-60.)
Über die Theorie der analytischen Facultäten.
(Aus Grelle 's Journal für die reine nnll augewandte J\Iathematik, B. 51, S. 1-GO).

Einleitung.
Bezeichnet man, untern und x unbeschränkt veränderliche Grössen, unter y
aber zunächst eine positive ganze Zahl verstehend, die durch das Product
p-1

Tl (n + vx)
'1=0

dargestellte Function von n, x, y durch f(n, x, y), so gelten die nach-


stehenden, zum Theil schon von Vandermonde*) und vollständig zuerst
von Kramp-**) aufgestellten Gleichungen, in denen y' auch eine positive
ganze Zahl, k hingegen eine willkürlich anzunehmende Grösse bedeutet:

(a) f(u, x, y + y ') = f(n, ~·, y) f(u + yx, x, y '),


(b) {(u, x, 1) = n,
(c) f(lm, lcx, y) = lcy f(n, x, y),
(d) f(n, x, y) = f(u + yx -- x,- x, y),
(e) f(n, 0, y) = uY.

Die in den drei ersten dieser Gleichungen ausgesprochenen Eigen-


schaften der betrachteten Function sind den durch die Gleichungen

1''
n Y +v' = n·y n·',
.J

I
n =n
J/ y y
(kn) = k n ,
*) Siehe die Abhandlu11g: l\Iemoirc sur les irrationelles des diff. ordres. (l\Iem. Par.
il
1772.) Vandermonde betrachtet nur die Function {(1t,- 1, y) - von ihm durch [nj
bezeichnet- auf die er f(u, x, y) reducirt; es finden sich daher bei ihm die Gleichunge11
(c), (d) nicht ausdrücklich angegeben.
**) In einem Abschnitt der Schrift: Analyse des refractions astronomiques et ter-
restres, 1lOt\.
186 Über die Theorie der analytischen Facultäten.

ausgedrückten Eigenschaften der Potenz ~~ Y, in welche f(n, x, y) für


x = 0 übergeht, so analog, dass die genannten Mathematiker sich be-
rechtigt hielten, die Existenz einer analytischen Function f(u., x, y) an-
zunehmen, welche für jeden positiven ganzzahligen W erth von y durch
das obige Product dargestellt werde, aber ebenso wie die Function n Y
für beliebige Werthe von y eine Bedeutun·g habe und den Gleichungen
(a) bis (e) genüge. Für diese hypothetische Function schlug Kramp die
Benennung "Facultät" und die Bezeichnung

y[x
~b

vor; n nannte er die Basis, x die Differenz und y den Exponenten der
Facultät. Der von ihm unternommene Versuch jedoch, eine Theorie dieser
Function aus den vorausgesetzten Eigenschaften derselben abzuleiten,
ist längst als ein gänzlich verfehlter erkannt. Eine Function, wie sie
sich Kramp unter ny?: vorstellte, giebt es gar nicht; denn die
Gleichungen (a) bis (e) sind nicht mit einander vereinbar, wenn y keine
ganze Zahl ist. Ausserdem hat Kramp bei seinen Deductionen den
Fehler l.legangen, dass er aus der Gleichung (e) schloss, es sei

.
L nn.n y\x 11
=n ,
~1'=0

in welcher \V eise aueh x sich !ler Grenze Null nähern müge eine
Annahme, die sich als unzulässig herausstellt, wie ich im Folgenden (§ 2)
zeigen werde.
Ungeachtet der Unhaltbarkeit der Kramp'schen Facultäten-Theorie
wurde indessen der Grundgedanke derselben, angemessen modificirt, von
anderen Mathematikem als Ausgangspunkt fi'tr neue Untersuchungen
aufgenommen.
Bessel*) suchte die Widerspriiche, in welche Kramp sich ver-
wickelt hatte, dadurch zu vermeiden, dass er zur Definition der Facultät
ny[x von den obigen Gleichungen (a) bis (e) nur die erste, zweite und vierte
benutzte:

(f) Iny+y'[x = ny[x(n + yx)Y'lx,

n
1[x
=lb,

I y[-x
(g) ny x = (1b + yx- x) ,
*) Königsherger Archiv für Naturwissenschaft und Mathematik, Jahrg. 1812, St. 3
Über die Theorie der analytischen Facultäten. 187

ausserdem aber, seine U ntersucl~ung auf reelle \Verthe der Veränderlichen


n, x, y beschränkend, festsetzte, es solle
,,]x
11'''
(h) Lim. ------ = 1
lt=+oo 'lly

sein, mit der auch im Folgenden festzuhaltenden Bedingung, dass der


Potenz n Y, wenn ?t positiv ist, ihr reeller \V erth beigelegt werde.
Diesen Bestimmungen gernäss ergab sich ihm:

(k) uy[x = ~1 =im00.l (nx)Y niT-


1
( n + vx ) I, wenn x positiv,
, v=O 1f + y X + VX \

(l) .,,.1/' r- ~ Lim. ~ (- ua::}11 n (n + ·_


I1 IJX- ,
vx) ~ wenn x negativ ist.
11'''"-XJ V=l 1(. VX

Durch diese Formeln wird nun in der That für alle reellen \Verth-
systeme der Grössen ?t, x, y (mit Ausnahme derer, in welchen x = 0 ist)
eine Function ny[x definirt, ·welche die in den Gleichungen (f), (g) ausge-
sprochenen Eigenschaften besitzt und zugleich, worauf Bess el Gewicht
legte, stets einen reellen Werth hat.
Gegen diese Bessel 'sehe Definition der Facultät ist aber Folgendes
einzuwenden. Die Ausdrücke auf der Rechten der Gleichungen (k), (I) sind
beide - unter der Bedingung, dass vom Gebiete der Veränderlichen x
der "\Verth x = 0 ausgeschlossen werde - analytische, für beliebige (com-
plexe sowohl als reelle) \Verthe der Veränderlichen n, x, y definirte :E'unc-
tionen. In der Bestimmung, dass n y[x für positive \Verthe von x durch den
ersten Ausdruck - zu welchem man mit Nothwendigkeit gelangt, wenn
man von den Gleichungen (f), (h) ausgeht - für negative "\Verthe von x
aber dm·ch den zweiten Ausdruek, der eine ganz andere Function ist als
jener, dargestellt werden solle, liegt also eine "\Villkiirlichkeit, die ebenso
wenig zu rechtfertigen ist, wie wenn man z. B. logx für 11ositive \Verthe
von x auf die gewöhnliche \V eise definiren, f~ir negative aber logx =log(- x)
annehmen wollte.*) Auch wüsste ich nicht, nach welchem Princip man
verfahren sollte, um die Bessel'sche Definition von uy[x auf complexe
*) Mit .Anwendung der in der Abhandlung "Zur Functionenlehre" eingeführten
Terminologie würde ich mich jetzt so ausdrücken: Die von Be ss el definirte Facultät u 11 'x
ist keine monogene Function ihrer .Argumente; die beiden .Ausdrücke, von denen der
eine sie für positive, der andere für negative Werthe von x darstellen soll, sind Zweige
zweier verschiedenen analytischen l<'unctionen. (Spätere Anmerkung.)
188 Über die Theorie der analytischen Facultäten.

Werthe von x auszudehnen. Ein Übelstand ist es ferner, dass die obige
Gleichung (c) für Bessel's Facultät nur gilt, ·wenn k eine positive Grüsse
ist, während doch die Ausdrücke auf beiden Seiten der Gleichung auch
für negative ·werthe von k bestimmte W erthe haben.
Abweichend von Bessel hat Crelle*) von den obigen Gleichungen
( a) bis (e) die drei ersten als die Grundgleidnmgen hingestellt, aus denen
sich die ganze Theorie der analytischen E'acultäten ableiten lasse. Dies
ist aber keineswegs der Fall; denn die genannten Gleichungen sind zwar,
wie im Polgenden (§ 1) nachgewiesen wird, mit einander vereinbar,
reichen aber zur Bestimmung der Funetion f'(n, :.r, y) gar nicht
aus.
Es sei nämlich f'1 (n, x, y) irgend eine bestimmte, den in Rede stehen-
den Gleichungen genügende Function, so wenlen die Gleichungen (a), (c)
auch befriedigt, wenn man, unter c:p (u) eine willkürlich anzunehmende
Function von n verstehend,
I(
c:p
(
-:+Y)
f(·."., ;,· ' 1J)
.
= - ---""- -
II
- f'1 (u ' ::r...I'J)
w(-)
' a.:

setzt. Damit nun f(u, x, y) auch der Gleichung (b) genüge, braucht die
Function c:p (n) nur so angenommen werden, dass

oder für jeden W erth von n

c:p(u+1)=c:p(u)

ist; man kann also z. B. · für c:p (n) eine willkürliche Function von
cos(2mt) und sin(2u7t) nehmen.
Es giebt hiernach unendlich viele Functionen f(u, x, y),
welche den Gleichungen (a), (h), (c) genügen.
Wenn also C r e 11 e aus diesen Gleichungen allein völlig bestimmte
Darstellungen einer denselben genügmulen Function f(u, x, y) abgeleitet
hat, so sind dabei nothwendig Fehler von ihm begangen worden, die er
nicht wahrgenommen hat. Die Quelle dieser Fehler findet sich in § 8
der Abhamllung angegeben.
*) Theorie der analytischen Facultäten, 182-!.
l'Iemoire sm· Ia theorie des puissances, des fonctions angnlaires et des facultes
analytiqucs, 1831. (Ursprünglich im 7. Bande des Crelle'schen Journals erschienen.)
Über die Theorie der analytischen Facultäten. 189

Von den späteren Bearbeitungen der Facnltätenlehre führe ich noch


die von Ohm*) und Öttinger**) herrührenden an.
Ohm definirt die Facultät Hy;x, auf reelle Werthe der Grössen 11, x, y
sich beschränkend, zunächst für (positive und negative) ganzzahlige
\V erthe von y, und gelangt dann zu dem Ausdrucke

n y[x = L"Im. rL
(n x·)Y --- n- ----.
(
n[x
-
n,x )
J ! .f'""ur n=---r=, wenn x pos1•t•IV,
. .
n--+-yx n=-oo, wenn x negativ 1st.

Diese Definition von u y:x stimmt vollkommen mit der B es s el 'sehen


überein, so dass etwas Weiteres darüber zu bemerken nnnöthig ist.
Öttinger's Begründung der Facultäten-Theorie muss als eine ebenso
verfehlte wie die Kramp'sche bezeichnet werden. Auch Öttinger hat
es für überflüssig gehalten, genau zu definiren, was unter einer FacultäL
mit einem nicht ganzzahligen Exponenten zu verstehen sei, und kein
Bedenken getragen, derselben alle diejenigen Eigenschaften beizulegen,
die ihr zukommen, wenn der Exponent eine unbestimmte positive ganze
Zahl ist. Das Auffallendste aber ist Folgendes. Es lässt sich eine Reihe
von der Form
., ~-l

:J; :r- x· )
lly (
1 + (y) - -t (y) •) + (y) -. + . . . '
I a :l I( a n·l

wo (y)l' (y) 2, (y) 3 , ••• ganze rationale Fuuctionen von y sein sollen, wie
schon Kramp ausgeführt hat, so bestimmen, dass dieselbe für jeden
positiven ganzzahligen Werth von y gleich

rr (n + vx:)
y--1

ist. Öttinger hat nun diese Reihe für beliebige Werthe von y als
Ausdruck der Facultät nyix betrachtet und häufig Anwendung davon
gemacht, ohne zu almen, dass diese Reihe, wenn y keine positive ganze
Zahl ist, niemals convergirt (§ 7 der Abhandlung), also jedes mit ihrer
Hülfe erhaltene Ergehniss nothwemlig, wenn nicht unrkhtig, doch jeden-
falls unsicher ist.
*) Crelle's Journal, B. 39.
**) Ebend. B. :33, 35, 3S, 44.
190 Über die Theorie der analytischen .Facultäten.

Aus den vorstehenden Bemerltungen erhellt zur Genüge, dass die


Theorie der analytischen FaCllltäten, so vielfach dieselbe auch schon be-
handelt worden ist, noch immer an wesentlichen Mängeln leidet. Diese
darzuleg·en und zu beseitigen, ist der Zweck des vorliegenden Aufsatzes.*)

1.
Ich beginne mit der allgemeinsten Bestimmung de1jenigen von drei
Veränderlichen H, x, y abhängigen Function f(n, x, y), welche den von
Grelle aufgestellten Gleichungen

(I.) f(n, x, y+k) = f(u, x, u) f(n+ yx, x, k)


1j
(2.) f(lm, kx, y) = k' f(n, x, y)
(3.) f(n,x,I) =n
Genüge leistet.
Vertauscht man m der ersten Gleichung y und k mit einander, so
erhält man
f(n, x, y + k) = f(n, x, k) f(n + kx, x, y),

und wenn man hierin n- kx für n setzt,

t'(n ' x 'y) = [(:i_c- kx, x, y--tk).


f(n-kx, x, k) '
n
woraus ferner, indem man u- k x = u: x, also k = - - w setzt,
X

f(wx, x, ~ +y-u:)
f(n, x, y) ~~
f ( u·x, x, x1! -zc)

*) Der Leser wolle bemerken, dass die vorliegende Abhandlung bereits im Jahre
1854, und zwar auf den ausllrücklicheu 'Vunsch Crelle 's, den ich meine Bedenken
gegen seine Theorie der Facultäten mitgetheilt hatte, geschrieben ist, nachdem ich einen
Theil ihres Inhalts schon im Jahre 1843 (als Beilage zum .Jahresbericht des Progym-
nasiums zu Deuts eh- C r o n e) veröffentlicht hatte. Obwohl die Theorie der analytischen
Facultäten in meinen Augen durchaus nicht die Wichtig·keit hat, die ihr in früherer
Zeit viele .Mathematiker beimassen, so habe ich doch die Abhandlung jetzt wieder ab-
drucken lassen, weil sie manches enthält, i!as auch gegenwärtig noch, wie ich glaube,
angehenden Jlfathematikern von Nutzen sein kann. ·wesentliche Veränderungen habe ich
nicht vorgenommen: nur die Einleitung ist neu bearbeitet worden, weil es mir zweckmässig
erschien , auf den 1nhal t der kritisirten, heutzutage nicht .J edermmm mehr zug·änglichen
Schriften etwas ausführlicher als ich es früher für nöthig gehalten, einzugehen.
Über die Theorie der analytischen Facultäten. 191

und sodann, mit Anwendung der zweiten Gleichung,

f(w, 1, ~ -+y-tc)
(4.) f(u, x, y) == xY
u
f ( w,l,x-w )

folgt.
Legt man jetzt der willkürlichen Grösse w irgend einen bestimmten
"\Verth bei, und setzt

(5.) f(w, 1, u-u) = F(n),

so erhält man:

F(~+y)
(6.)
F(~)

Umgekehrt erhellet, dass jede Function f(x, u, y), die, bei ganz
willkürlicher Annahme von F(n), durch diese Formel bestimmt wird,
den beiden ersten der obigen Gleichungen Genüge thut. Denn es ergiebt
sich aus (6):

n
F ( -+-y+k)
f(u, x, y-+ k) == xy+k. ----~~---
F(~)

F(!!__ + y) F(' ~ _y_x:_ -+- k)


y X k X
=o X' • ----~---. X • -- ------ ~--· ----- --··-

F(~) F(' ~/IX:_)


=' f(n, x, y) f(n--+- yx, x, lc),
sowie ferner

F(11_ -+ !!)
f(lm,kx,y) ~" (kx)!!. x == 7.:J1 f'(n,:r,y).
F(-~)
192 Über die Theorie der analytischen Facultäten.

Damit nun auch die dritte Gleichung befriedigt werde, ist nöthig, dass

F(~ +1)
f(u, :x.·, 1) -~c x. ------- = n oder
F(~i)

F( ~-- + 1) = ~ . F( ~)

sei; woraus, wenn man ttx statt u setzt, die Relation

(7.) F(n -1 1) = n F(n)

folgt. Man sieht sofort, dass eine Function, welche dieser Gleichung ge-
nügt, die Legendre'sche r(u.) ist*), und dass man, um den allgemeinsten
Ausdruck von F(n) zu haben,

F(n) = ~(n) r(n)

setzen muss; wo unter ~(n) eine periodische Function zu verstehen


ist, welehe unverändert bleibt, wenn n in n-!- 1 übergeht. Ohne aber
hinsichtlich der Theorie der r-Function irgend etwas vorauszusetzen,
kann man folgendennassen fortfahren.
Aus (7) folgt, wenn n eine ganze positive Zahl bedeutet:

F(n-+ n) = u(n+ 1)(n+ 2) ..... (1t+n-1)F(n),

und hieraus, wenn n - 1 statt n, und 1 statt u gesetzt wird:

F(n) = 1.2 ..... (n- t) F(1), also

F( 1) u(1 -: 1 n) (1 + --~2 n) ..... (1-i -~ 1· ··) • · ,F(~I~ - ·


F(n) 1 n-1 .l!(n-:n)

Nun ergiebt sich aber aus den Sätzen über die Convergenz der un-
endlichen Producte, die ich im Folgenden zusammenstellen werde, dass
sich eine Function tjJ (r1) der positiven veränderlichen Zahl n, falls n
ohne Ende wächst, einer bestimmten endlichen Grenze nähert, wenn der
*) r(u) ist gleichbedeutend mit der Gauss'ischen Function TI(u-1).
Über die Theorie der amtlytischen Faeultäten. 1!)3

Werth von n 2 (~~) __ - 1)


4(n -1)
für n = = nicht unendlich gross wird.
Setzt man nun

so ist
_ ~(n)_ == 1+ n
4(n -- 1) · n- 1

und man sieht, dass zwar nicht 4(n), wohl aber n- 71 ~(n) für n===
einen bestimmten endlichen W erth annimmt, weil für hinlänglich grosse
\V erthe von n

1/.(11-

1.2.n~
l)
- .. -)

H(n--1 1)
=1---2-+······
1.2.n

ist, für n = = also

Da nun ferner

ist, so hat man:

und es hat das unendliche Product

einen endlichen, bestimmten '\Verth, welchen (reellen oder imaginären)


\Verth auch n haben möge. Ich möchte für dasselbe die Benennung
"Factorielle von H'' und die Bezeichnung Fe (u) vorschlagen, indem
13
194 Über die Theorie der analytischen Facultäten.

die Anwendung dieser Function in der Theorie der Facultäten dem Ge-
brauch der r-
Function deshalb vorzuziehen sein dürfte, weil sie für
keinen Werth von H eine Unterbrechung der Stetigkeit erleidet und
überhaupt, gleich den einfachsten transeendeuten Functionen t; 11 , sinn,
cosu u. s. w. im ·wesentlichen den Charakter einer rationalen ganzen
Function besitzt, so dass sie z. B. auch nach ganzen positiven Potenzen
von u in eine beständig convergirende Reihe entwickelt werden kann.
Nun ist

'lt -+- 1) ( n -+- 1) ( n + 1)


n - cu +I) (u-+ 1) (·1-+- -~ 1- 1-+- 2 - . . . 1-+- n-.:::..1 1 n+-n
=~·--,
n n

mithin, wenn man n=~+= setzt:

oder

(8.) Fe (u) = u . Fe (u -; 1) .

Verbindet man diese Gleichung mit der obigen (7), so erhält man

Fe (u). F(n) =Fe (n-+-1). F(1t+1);

d. h. es ist Fe (n). F(u.) eine Function von tt, die sich nicht ändert,
wenn u -+- 1 statt u gesetzt wird. Bezeichnet man dah~r eine solche
Fnnction durch rp(u), so ergiebt sich

und es wird daher der allgemeinste Ansdruck einer Function


f(u, x, y), welche die Gleichungen (1), (2), (3) befriedigen soll,
durch die Formel

Pc (~)
(9.) f(u, x, y) = xy ·
Fe c: +y)
Über die Theorie der analytischen Facultäten. 195
gegeben, wo

(10.) Fe (u) = u .rx.J,_J-+= \ (-OG-)u (1 + u) j


I'X.=l ! OG+l QG I
ist, und cp(tt) eine beliebige Function von u bedeutet, für welche
die Relation
(11.) :p(u + 1) = cp(u)
gilt. Wenn y eine gan:~e Zahl ist, so fällt cp aus dem Aus-
drucke von f(u, x, y) weg.

2.
Nach dem Vorstehenden ist es zur vollständigen Definition von
f(u, x, y) nothwendig, den obigen drei Grundgleichungen noch eine neue
Bedingung hinzuzufügen, durch welche die Function cp(n) bestimmt
wird. Ehe ich aber dieselbe aufsuche, muss ich auf eine, allen Functionen,
welche den Gleichungen (1), (~!), (3) genügen, gemeinsame Eigenthümlichkeit
aufmerksam machen, aus deren Nichtbeachtung in mehreren der
bisherigen Darstellungen der Facultätenlehre erhebliche Irr-
thümer hervorgegangen sind.
Man hat zur Bestimmung von f(u, x, y) unter anderen folgenden Weg
eingeschlagen. Es ist (gemäss (1), (2))

f(n, x, y+1) = f(n, x, y) {(?t+yx, x, 1) = (u+yx). f(n, x, y)


f(u, x, y+ 1) = f(u, x, 1) f(u+ x, x, y) = u. f(n +x, x, y)

und daher
?t
(12.) f(u, x, y) == • f(u+x, x, y);
u+yx

woraus man, indem man u+x, u+2x, u+3x, u. s. w. statt u setzt, weiter

(13 .) (n x 1 ) = n{tt--+--x)(n-+-2x) ... (n+(n-l)x)


~-- · ?t + nx x
f ' ,y (u+yx)(?t+yx+x) ... (n+yx+(n -l)x) f( ' ,y)

folgert, wo n eine ganze positive Zahl bedeutet. Setzt man ferner in


dieser Formel u-nx statt u, so erhält man

-tr
(14.) t\u,x,y )=(u+yx-x)(u+yx-2x) ... (u+yx-nx) ·f( _ )
(u-x)(.?t-2x) ... (u-nx) n nx,x,y.
13*
196 Über die Theorie der analytischen Facultäten.

Nun ist aber

(15.) Fe (n) = Lim. \ n - t t . z~(u~ _fl(n + 2) ·~ .(n +~~ ~:-_ 1 ) l,


n=ool 1.2 ... (n-1) \

also, wenn unter w eine beliebig anzunehmende Grösse verstanden wird,

Fe(~) tt u• ,
( 16 ) --- x -- = Lim \ n- ;I' + :r· . n_~':_ :r)(!(__, :2::r)__. .. _( n ~'- ( II --1 )J') ~
I' (

· Ec (~) n=~ I 1c(1c + x)(w -: 2::~::) ... (zc + (n -- l):r) I·

woraus, wenn man w- x statt n, n- x statt w, - x statt x setzt,

1U
Fe ( 1 - -) I 11' n l
(17.) - - x -~Lim. n--:x:+x. (H"_,_--;r)(l~'=- 2-~.')_:__..(11'-n:r) I
Fe ( 1 -71) n=oo! (n- :r) (n- 2x) ... (n -- nx) \

folgt. Hiernach geben die Gleichungen (13), (14), (16), (17), wenn man
w=u+yx setzt,

Fe(-~-)
(18.) f(n, x, y) = ·· _ _ _ x_ · Lim. \ n -y. f(n + nx, x, y)}
v
.L'C (n--f--y) n==
X
und
y)
(19.) {(tt, x, y) =
Fe ( 1 - '/(,_ -
·-···----- ·
X •
L1m. I\ n -y · f(n- nx, x, y) . l
Fe(1-~) n==

Bis hierher sind nur die Gleichungen (1), (3) angewandt. Mit Hülfe
der zweiten ergiebt sich ferner, da

f'(n-+-nx,x,y)=(u-~ nx)JJ.f'(1 _ _! ___ .,,)


'u+nx · u

f(u-nx.. x y)=(u-nx) Jl .f( 1 -----


X y)
'' 'u-nx' '
und

Lim. 1 n c -11
· (n -1 nx)'Y} --·~ x·1f . Lim. ( 1 -+- n)!/=
--,-- x·11 ,
U=oo 1 'll=oo n;X:

n==
I
Lim. n -1j· (n -- nx)'1f ., =
f
(-
1f
x)' . Lim.
n==
(
1- u.- )!/=
nx
(- x)'
lj
Über die Theorie der analytischen Facultäten. 197
ist:

y c
F (u)
X . X
(20.) f(n, x, y) =X . - - - - - - - . Lm1. f(1' --~' v)'
v
1'('
("'
- + !J) n=co n+nx
;j;
und
Fe (1-11__-y)
(21.) f(n, x, y) = (- x}
1f
---- ___x___ · Lim. f( 1, ~-, y).
v, ( 1 -''')
L'(; - n=co n- nx
X

Setzt man x = 0, so können die Gleichungen (1), (2), (3), die dann in

{(n, O, y + k) = f(n, O, y)f(n, O, k)

f(l.:n, 0, y) = 1l. f'(n, O, y)


{(n, 0, l)=n

übergehen, nicht anders _befriedigt werden, als wenn man

((n, 0, y) = ny

annimmt. Könnte man hieraus folgern, dass f(n, x, y), wenn x seinem
numerischen \Verthe nach bestiindig· abnimmt, sich unbedingt der Grenze ny
nähem müsse, so würde die Gleichung (20)

Y Fe Cd;)
(22.) f(n,x,y)~=x ·-
Fr;(~+y)

geben; was mit dem vorhin Bewiesenen, dass f(n,x,y) durch die
Gleichungen (1), (2), (3) allein nicht bestimmt sei, im Widerspruch steht.
Aber noch mehr. Die Gleichung (21) würde, unter derselben Voraussetzung,

(23.)

geben, und es müsste


198 Über die The01·ie der analytischen Facultäten.

Fe ( -n + y) ~t - y )
• Fe ( 1 - -
X X _ (- 1 )Y
tt u - '
Fe ( 1 - x) . Fe (;)
sein; was ein offenbar falsches Resultat ist, wie schon daraus erhellt,
dass für u = x der Ausdruck links die Form ~ annimmt, sobald y eine
ganze Zahl ist.
Da die Gleichungen (20), (21) strenge Folgerungen aus den Gleichungen
(1), (2), (3) sind, und dieselben wirklich befriedigt werden, wenn man für
{(tt, x, y) irgend eine der durch die Formel (9) gegebenen Functionen
annimmt: so kann der hervorgetretene Widerspruch nur in der Voraus-
setzung seinen Grund haben, dass sich {(1, x, y), wenn der numerische
Werth von x unendlich klein wird, unbedingt der Grenze 1 nähere. Diese
Annahme ist also unstatthaft.
Dies lässt sich aber auch direct folgendennassen nachweisen.
Setzt man, unter w eine positive reelle Grösse verstehend, in der
Formel (9) wx statt u, und wendet die Relation (2) an, so erhält man:

(24.) f( 1 __!_ y)= 1 Y. Fe(w) .~(u+y).


'w' ~r:Y.Fc (w+y) ~(w)

Setzt man aber - x statt x und darauf wx statt tt, so ergiebt sich:

f( 1 _ __!_ y) = ( _ 1) y . Fe (- w) . ~ (- w + y) .
' w' ~r:Y.Fe(-w+y) ~(-w)

In Folge der Formel (10) ist aber

Fe (tt). Fe(- n) =- n. n
cxll=+oo( 1-----:~
u 2)
=-
sin (n 1t)
u--1t-'
CX=l IX

oder, weil Fe (u) = ~t. Fe (n + 1) ist:

(25.) Fl ( ) . sin(tt1t)
e - u = - 1tFe (1 + tt);

daher ist

(26.) f( 1 1
- -- y = - 1
) ( )Y Fe (1+w-y)
. .
sin(w1t)
.
~(-w+y)
'
' 1c' wy Fe (1+w) sin(w-y)1t ~(- w)
Über die Theorie der analytischen Facultäten. 199

oder, wenn man


(- 1) u ~n(u1t) = ~(n)
cp(- u)

setzt, wo dann Hu), eben wie cp(u), die Eigenschaft hat, dass

~(n + 1) = ~(t~)

ist:

Nun hat man ferner:

(28.) Fe (n) = n(n+1)(n+2) ... (n + n- 1). Fe (t~ + n),


Fe (1) = 1.2.3 ... (n -1). Fe (n),

wenn n eine ganze positive Zahl bedeutet. Nach (10) ist Fe (1) = 1, also

Fe (n) tt(u + 1) ... (u + n -1)


v ( )
--:-~---c- • .I! e u = n -u · ---'---'------ ;'---:--
n Fe (tt + n) 1 . 2 ... ( n - 1)

woraus, mit Berücksichtigung von (15)

(29.) .
L 1m. l
11
Fe (n)
n== n Fe (n+n)
~-
- 1

folgt.
Es sei nun n die grösste in w enthaltene gänze Zahl, und w = n + w ',
so hat man:

Fe (u') ( Fe (n) Fe (n) ) (w' + n)-u


w11 F~(;v+t~) = nn+w'Fc(n+ w'+u):nw'F e(w'+n). -;n- '
mithin nach (29)

(30.) .
L Im. l
u Fe (w)
w=+= w Fe (w+u)
~--
- 1•
200 Über die Theorie der analytischen Facultäten.

Eben so ist, weil

.
L Im. ) Fe (1+w-u) l _
(31.) \- 1,
+
11
n·=+oo 1U Fe (1 IC) \

folglich, gemäss (24), (30) und (27), (31):

l l
(32.)
lI
.
Lun.
W=+=
L.1111.
~C=+co

f(1,- ~'
1
1~
f( 1, _!. , y)
U

y) = 1 L1m. \ H . ) /,
W=+oo ! n - y I
-- 1 y L.Im.

Y
W=+oa

.
r.p (U'( +·) y)
'{) 11

~(n·)
,

Es sind aber r.p(w+y) und Htc) beides periodischeFnnctio nen


r.p(u') ~(1c-y)
von w, und können als solche, wenn u· ohne Ende zunimmt, keiner be-
stimmten Grenze sich nähern, wenn sie sich nicht etwa auf Gonstanten
reduciren. Soll dies für j~:den Werth von y geschehen, so müssen r.p (u)
und Hn) selber von 11 unabhängig sein. Das ist aber, weil

iF;t, für beide gleichzeitig nicht möglich. Mithin können sich die Functionen

{(1,+x,y) und {(1,-x,y),

wenn x unendlich klein wird, in keinem Falle beide einer bestimmten


Grenze nähern.

3.
Aus dem Vorhergehenden ist zugleich zu ersehen, dass man eine
Bestimmung der Fu~ction, wie sie zur vollständigen Definition von f(n, x, '!J)
noch nöthig ist, erhält, wenn man festsetzt, es solle sich {(1, x, y), ent-
weder für einen positiven, oaer für einen negativen \Verth von x,
wenn derselbe ohne Ende abnimmt, der Grenze 1 Y nähern. Eine
dieser Annahmen ist nothwendig, wenn die Analogie der Facultäten
mit den Potenzen so viel als möglich behauptet werden soll.
Über die Theorie der analytischen Facultäten. 201
Bei· der ersten Annahme muss sich ~(tt) auf eine Constante redu-
ciren; und wenn man die Function, in welche alsdann f(n, x, y) übergeht,
mit Crelle durch (n,+x)Y bezeichnet, so hat man:

Fe(~)
(33.) (u +x)Y = xY· ___x__
' n
Fe (x -+-y)
Hiernach bedeutet (n, + x)Y eine Function von n, x, y, welche den
Gleichungen
y+k y k
(n,+x)' = (n,+ x) (u, + yx,-+- x)

(34.) (kn,+ kx)Y = ky (n,+ x)Y


1
(tt,+x) =u

genügt, und zugleich die Eigenschaft hat, dass sich (1, .+x)Y der Grenze 1Y
nähert, wenn x, stets positiv bleibend, ohne Ende abnimmt.
B e1'der zweiten
· -r n = ( - 1)nsin(nr.).
A nna11me muss ·'·() ---(··---~-) eme Constante
~ -n

sein. Dann hat man:

Y
Fe(-!.!_)
X
~c-~+v)
X 1J
Fc(t+~-v)
X
f(n,- :x:, y) -~ (--- x) . ------ n --. --- n = :x:· • ------ u .
-x
Ft· (- + y) ~ (- ;) Fe ( 1 + ;)

Diesen besondern Ausdruck für f(n, -x, y) will ich durch

bezeichnen; wobei wohl zu beachten ist, dass man in den Ausdrücken


(u,+x)Y, (n,-x)Y die Zeichen(+) und(-) vor x nicht als zu x ge-
hörige Vorzeichen betrachten darf, so dass also (n,- x)Y keineswegs die
Function bedeutet, in welche (n, + x)Y übergeht, wenn x in- x verwandelt
wird, welche vielmehr durch

zu bezeichnen wäre. Es soll vielmehr, ganz in dem Sinne des Urhebers


dieser Bezeichnungsweise, durch das (+) oder das (-) vor dem x, nur
angedeutet werden, dass x mit n in eine gewisse Verbindung trete, die
202 Über die Theorie der analytischen Facultäten.

in dem einfachsten Falle, wo y eine ganze positive Zahl und

y
(u,+ x) = ~~(n + x)(u + 2x) ... (~t + (y -l)x)
und
y
(~t,- x) = ~t(n- x)(n- 2x) ... (n- (y- l)x)

ist, in der That bei dem ersten Ansdrucke durch Addition, so wie bei
dem andern durch Subtraction vermittelt wird.
Es ist also

(35.)

und es gelten für (n,- x)Y die Grundgleichungen

y+k y k
(u,-x)' =(n,-x) (n-yx,-x),

(36.)
1
(n,- x) = ~t,

zu denen noch die Bestimmung tritt, dass sich (1,- x)Y der Grenze 1 Y
nähert, wenn x, stets positiv bleibend, ohne Ende abnimmt.
Hierdurch sind nnn zwei Arten von Facultäten auf völlig bestimmte
Weise definirt, indem für beide analytische Ausdrücke gefunden sind, die
für alle Werthe von n, x, y ihre Gültigkeit behalten. Es scheint zweck-
mässig, beide Formen

(n, + x)Y und (n,- x)Y

beizubehalten, indem man, wenn die Differenz x positiv ist, vorzugsweise


die erstere, im entgegengesetzten Falle aber lieber die andere anwendet.
Sie hängen übrigens, wie aus (33), (35) ersichtlich, sehr einfach zusammen,
indem

(37.) y (1t-(y-l)x,+x)y
(u,-x)'=
und
y y
(38.) (u,+x) =(u+(y-l)x,-x)
Über die Theorie der analytischen Facultäten. 203

ist. Man hat ferner

Y Y Fe (- :)
(u,+(-x)) =(-x) · - - - -
Fe(-: +y)

Y Fe ( 1+x-y
1(, ) • (H)
sm x 1t
= (--x) . - - .
·v (
L'C 1+- H) . Cu,x-y) 1t
sm
X

also

y Y sin(~) 1t Y
(39.) (n,+(-x)) =(-1} · - - - - · (u,-x);
. cn )
sm x-y 1t

woraus man sieht, dass (u,+(-x))Y nur dann mit (n,-x)Y gleichbe-
deutend ist: wenn y eine ganze Zahl ist.
Anm. Wenn man die in der Einleitung angegebene, von Bessel
und Ohm aufgestellte Formel für die von ihnen durch ttylx bezeichnete
Function entwickelt, so erhält man

y!x
u 1
= (n,+ x)Y,
yl-x y
u = (tt,- ::r) '

wenn in beiden Fällen x positiv ist. Hiernach kann, wie schon be-
merkt, ttylx nicht für alle Werthe von x durch einen einzigen analytischen
Ausdruck dargestellt werden- abgesehen davon, dass die Definition von n ylx
nur für reelle Werthe von x gegeben ist. Ferner ist es zwar dadurch,
dass für positive und negative Werthe von x verschiedene Definitionen
gegeben werden, erreicht, dass für positive 'Verthe von H allerdings die
Gleichung
. ylx Y
LIID.n =n
X=O

besteht, sowohl wenn x positiv, als wenn x negativ ist; es gilt aber diese
Gleichung nicht mehr für negative ·werthe von n, also auch nicht allgemein.
204 Über die Theorie der analytischen Facultäten.

4.
Die bisherigen Erörterungen haben nun zwar zu einer unzweideutigen
Definition von
(n, ,-' ;x.·)y un d ( n, - x )y

geführt; es sind dazu aber vier Bestimmungen für jede dieser Functionen
nöthig gewesen. Dies ist, wie schon aus den im Vorhergehenden ausge-
führten Entwickelungen olme Mühe nachgewiesen werden könnte, mehr,
als nöthig.
Ich werde daher jetzt zeigen, wie man, ausgehend von einer ganz
allgemeinen Definition von

(n, + x)Y und (n,- x)Y

die für jede dieser Functionen nur zwei Bestimmungen giebt, auf völlig
systematischem \Vege zu den Darstellungen derselben durch die Formeln
(33), (35) gelangt; wodurch zugleich die Grundgleichungen (34), (36) ge-
geben werden.
So wie sich ans dem Begriffe eines Prodncts von gleichen Factaren
der allgemeine Begriff der Potenz entwickelt hat, so bildet für die
Facultätenlehre die Betrachtung eines Products äquidifferenter Fac-
taren den Ausgangspunkt. Nachdem nun, wenn y eine ganze positive
Zahl bedeutet, das Product

U (n + X) ( U L 2 X) ... (n -f (y - 1) :T)

durch (n, + x)Y bezeichnet worden ist, findet man, auch ohne dass die
Eigenschaften eines solchen Products weiter untersucht werden, indem

Y u+yx Y
(n + :r, + ;x) = ----· · (n,+ x)
n

ist, die Differenzen· Gleichung

y
~(u,+:r) y~n
(40.) ~-~ --~-- = -·~'

(n, ·t- x)Y u

wenn sich das Zeichen Ä auf n bezieht, und Ä u = x angenommen wird.


Über tlie Theorie der analytist:hen Facultäten. 205

Gleich wie nun die Betrachtung der Differential-Gleichung

df"(n) y dn
t'(ltf n

zu der Potenz n Y mit willkürlichem Exponenten führt, so kann man sich


die Bestimmung einer Function von n zur Aufgabe stellen, welche der
Differenzen-Gleichung

~f~n) .11tln
(41.)
((11) n

bei einem beliebigen W erthe von y genügen soll.


Aus der vorstehenden Gleichung folgt, wenn tl u = x gesetzt wird:

f( n,' x)· - f (n) = - f' (n)


yx
n '
n+yx
f (t~ + x) = ----- f(u)
u '
n
f(n) = --- f(n + x) ·
ll -1 iJ X '

woraus, wenn n eine ganze positive Zahl bedeutet, weiter

n(n + x) (n + 2x) ·--...- (n + (n -l)x)


f(tt + nx),
{(tt) = ------------ -- - - - --- ·
(n+yx)(n+ux+x) ... (n-: (!J-1 n-l)x-)

oder

-n ·f (n-,-, nx)
1i

(42.) f( n ) = (u,--+ x)
- - ---
(n + yx, + x)

folgt. Wenn y eine ganze Zahl ist, so kann man, wie gezeigt, f(u)=(u,+x)Y
setzen. Dann hat man:

(n + nx,-+- x)Y = (u + nx)Y. ( 1 + i't-=t~nx) ( 1 + u :~~x) ... (1 + ~:; ~:),


also
.
L Im. (n-1 nx,+x)!l
------ 1 -- = 1.
n=oo (u-:-nx)Y
206 Über die Theorie der analytischen Facultäten.

Dieser Umstand führt darauf, in der Gleichung (42) n = oo zu setzen


und sie so zu schreiben:

(43.) f(n) =
.
I.Jlm. ~ (n.+ nx) Y · (u,+xt ~ · L1m.
. -------y.
f(u+nx)
n== (n+ yx, + x)n n== (n +-nx)

Es ist daher vor allen Dingen nöthig, gerrauer zu untersuchen, was aus
dem Ausdrucke
y (u,+x)n
(
~t + nx) · n
(u + yx, + x)
wird, wenn die positive ganze Zahl n ohne Ende wächst.
Zu dem Ende schalte ich hier zunächst einige allgemeine Sätze über
die Convergenz der unendlichen Producte ein. Dieselben sind zwar,
so wie die damit verbundenen Sätze über die Convergenz einer bestimmten
Gattung von unendlichen Reihen, zum grossen Theile bekannt. Ich glaube
aber, wenn ich gleichwohl ausführlicher darauf eingehe, nicht nur wegen
der ganz elementaren Herleitung derselben, die einiges Eigenthümliche
haben dürfte, sondern vorzüglich deswegen auf Entschuldigung rechnen
zu dürfen, weil ich überall bei den vorkommenden Grössen die Untersuchung
nicht auf reelle vVerthe derselben einschränken, sondern auch auf complexe
(imaginäre) Werthe ausdehnen werde.

5.
Einige Sätze über die Oonvergenz und Divergenz
unendlicher Producte.
(I.) Wenn die Glieder einer unendlichen Reihe

sämmtlich reell, positiv und kleiner als Eins sind, und zugleich
diese Reihe eine endliche Summe hat, so convergiren die Producte

Pn _c (1 - u 0) (1 -- n 1) (1 - 1t2) ••• (1 - un)

Qn = (1 -+- u 0) (1 + n 1) (1 + n 2) ••• (1 + nn) ,


wenn n ohne Ende wächst, beide gegen eine bestimmte, positive
Grenze; und zwar das erste beständig abnehmend, das andere
beständig zunehmend.
Über die Theorie der analytischen Facultäten. 207

Es ist klar, dass Pn, Qn beständig positiv sind, und dass die erste
Grösse beständig abnimmt, die andere aber zunimmt, wenn n beständig
wächst. Es ist daher zum Beweise des aufgestellten Satzes .nur nöthig,
zu zeigen, dass P n stets grösser, und Qn stets kleiner bleibt, als eine
gewisse positive Grösse.
Es ist, wenn a, b, c, d . . . reelle und positive Grössen sind,

(1 + a) (1 + b) = 1 + a + b +ab> 1 + a + b

(1 + a) 1 + b) (1 + c) > (1 + a + b) (1 + c) > 1 + a + b + c
(1 + a) (1 + b) (1 +- c) (1 + d) > (1-+ a -+- b + c) (1 -f d) > 1 + a + b -+- c --1 d

u. s. w. Dieselben Ungleichheiten bestehen auch, wenn a, b, c, d ... sämmt-


lich negative Grössen, ihrem absoluten Betrage nach aber kleiner als 1 sind.
Ferner kann man, wenn E irgend einen echten positiven Bruch be-
deutet, m so gross annehmen, dass die Summe

für jeden 'Verth von r kleiner als E ist. Dies vorausgesetzt, werde
n = m + r gesetzt, wo auch m, r ganze positive Zahlen bedeuten sollen;
so ist

also
Pn> Pm (1-E), wenn n > m;

was gezeigt werden sollte.


Ferner ist

und da nun, wenn n :::> m, E auch grösser als

um+I Hn
- - - - - -'-- • • • _J_ - - -

l+um+I ' ' l+un


208 Über die Theorie der analytischen Faeultäten.

ist, so hat man:

(II.) Wenn dagegen die Reihe

keine endliche Summe bat, so wird, wenn n ohne Ende zu-


nimmt, indem ~n beständig positiv bleibend und abnehmend,
sich der Grenze Null nähert, während Qn über jede Grenze
binaus wächst.
Es ist nämlich

Qn :::> 1 + n 0 + ~t I -'-· · · · + u 1P
und die Summe n 0 + u 1 + · · · + un wächst mit n über jede Grenze hinaus.
Ferner ist

~to ui
und die Reihe -----, ~---, u. s. w. hat ebenfalls keine endliche Summe.
1- u 0 1-u1

Es nimmt mitbin ~ , gleichzeitig mit n, ohne Ende zu; und zwar über
n
jede Grenze hinaus; woraus folgt, dass Pn, beständig abnehmend, sich
der (trenze Null nähern muss.
Zusatz. Setzt man

Pn = ( 1- ~) ( 1- t) ···(1- ~),
so ist

p = 1.2 ... (n- 1) = ~


n 2.3 ... n n'
Über die Theorie der analytischen Facultäten. 209
also Pn = 0, für n = oo. Daraus geht hervor, dass die unendliche Reihe

1 ...
1 .. . _,
_1 ,_1 ,_,
2 3 4 n

keine endliche Summe haben kann. Wird dagegen

1
Pn = ( 1 - 2) ( 1 - ~) ... ( 1 - ~)
2 3 n
gesetzt, so ist

P. =~ . ~ ... (n-l)(n + 1)
n 2.2 3.3 n.n
1. 2 .. . (n- 1) 3. 4 . .. (n + 1) n +t
2.3 ... n 2.3 ... n = 2"n,

also Pn = ! flir n = oo. Mithin wird die unendliche Reihe

1 1 1
-4 ,-9 , ... n2, ···
eine endliche Summe haben.
(III.) W enn die Glieder der Reihe

sämmtlich reell sind, und von einem bestimmten Gliede an


beständig dasselbe Zeichen behalten und kleiner als Eins bleiben,
so wird das Product

wenn n ohne Ende wächst,. gegen eine bestimmte endliche Grenze


(die, sobald keine der Grössen tt0 , 1t1, ••• = - 1 ist, nicht Null ist)
convergiren, wofern die Reihe ·M0 , ttp . • . eine endliche Summe hat.
·wenn aber das Letztere nicht der Fall ist, so wird

Pn= oooder ~~= 0 fiirn = oo

sein, je nachdem die Grössen tt0 , u,1, ••• von einer bestimmten
Grösse an, stets positiv oder stets negativ sind.
14
210 Über die Theorie der analytischen Facultäten.

Alles dies folgt unmittelbar aus den beiden vorhergehenden


Sätzen.
(IV.) Auch wenn die Glieder der unendlichen Reihe

c om p l ex e (imaginäre) \Verthe haben und die Reihe u n ab-


hängig von der Anordnung ihrer Glieder eine endliche
Summe hat, nähert sich das Product

wenn n ohne Ende wächst, einer bestimmten Grenze, die von N nll
verschieden ist, wofern nicht eine der Grössen u 0 , ni' ... = - 1 ist.
Es werde ~~n = vn + iwn und

(1 + u 0)(1 + tt1) ••• (1 + un) = Pn+ iqn,

VP!+q! =sn,
gesetzt, wo die Quadratwurzel positiv zu nehmen ist. Dann hat man:

Nimmt man nun m so gross an, dass für jeden Werth von n, welcher ?; m
ist, die Summe der absoluten Beträge von vn und wn kleiner als 1 ist, so
kann man

setzen, wo en dasselbe Zeichen wie wn hat, dem absoluten Betrage nach


aber kleiner als Eins ist. Bezeichnet man darauf den absoluten Betrag
s
von vn durch v~, so liegt ~, wenn n > m ist, zwischen den Grenzen
Srn

(1- vm+l- Em+I Wm+I)(1 - v~!+2- EnH-2 U'm+2) •.... (1 - 1:;~- En trn) und

(1 + vm+l+ Em+I wm+l)(l + v;11+2+Em+2wnH2) • · · · · (l -+ u~_;__ En n·n)

Beide Producte nähern sich aber, wenn n ohne Ende wächst, zu folge
des Satzes (l.), bestimmten positiven Grenzen; also bleibt der Werth von
Über die Theorie der analytischen Facultäten. 211

und daher auch der Werth von s11 oder V p~ + q~ stets zwischen

zwei endlichen Grenzen, wie gross auch n werden mag. Mithin muss
es auch für jede der Grössen Jln, qn eine Grenze geben, welche den ab-
soluten Betrag der Grösse nicht übersteigen kann.
Nun ist aber

woraus, wenn man statt n der Reihe nach m, m + 1, ... m + r setzt,

-?cm+Iqm-wm+2qnt+!- · · · -wm+rqm+r-1

qm+f'- qm = + vm+! qm + vm+2 qm+I + ···+ vnH-r qm+r

folgt. Es hat aber jede der Reihen

unabhängig von der Anordnung ihrer Glieder eine endliche Summe; und
da die resp. absoluten Beträge von Pn, q,p wie gross auch n werden mag,
gewisse Grenzen nicht übersteigen, so müssen auch die Reihen

endliebe Summen haben. Folglich kann man m so gross werden lassen,


dass für jeden Werth von 1· die Ausdrücke auf der Rechten der vorstehenden
Gleichungen, also auch Pm+1.-1Jm und: qm+l'- qm, dem absoluten Betrage
nach, kleiner als jede gegebene Grösse sind. Damit aber ist bewiesen,
dass Pn, qn nicht blos endlich bleiben, wenn n ohne Ende wächst, sondern
auch dass jede gegen eine bestimmte Grenze convergirt. Ferner ist klar, dass
diese Grenzen nicht beide gleich Null sein können, weil sonst sn= Vp~ + q~
14*
212 Über die Theorie der analytischen Facultäten.

für n = oo ebenfalls= 0 sein würde; was, wie vorhin gezeigt, nicht


der Fall ist, wofern nicht eine der Grössen n 0 , 1tp ••• = - 1 ist. Dieser
Fall aber kann ganz ausgeschlossen bleiben, weil dann Pn, für jeden
W erth von n, von einem bestimmten vV erthe an, gleich Null sein würde.
(V.) Nicht selten trifft man eine unendliche Reihe an, deren
Glieder

Hn
ein solches Gesetz befolgen, dass sich der Quotient - - in
un-I
eine (endliche oder unendliche) Reihe von der Form

entwickeln lässt, wo ai, a 2 , a3 , ••• von n unabhängig sind,


übrigens aber beliebige complexe "\Verthe haben können, auf
die Weise, dass

Lim. n ( -nn
- - -- 1
) = ai
un-I

für n=oo

u. s. w. ist.
Wenn in diesem Falle ap. die erste der Grössen a 1, a~: ..•
ist, welche nicht verschwindet, so dass

ist, und es ist erstens tt > 1, so wird u11 : wenn n ohne Ende
zunimmt, gegen eine bestimmte, endliche und von Null verschiedene
Grenze convergiren. ·wird dieselbe durch n bezeichnet, so kann
man ferner
Über die Theorie der analytisc!1en Facultäten. 213

setzen, wo vn eine Grösse ist, die endlich bleibt, wie gross auch
n werden mag.
Setzt man

so erliält man

kn) .
. . . ( l+fl
n

Nun ist aber Lim. kn=a 11 ; es bleibt mithin kn endlich, wie gross auch n
n=oo
werden mag. Daraus folgt, dass die Reihe

k! k2 , ... , kn .. oo,
]_r-i' 2f1 nfl'

unabhängig von der Anordnung ihrer Glieder, eine endliche Summe hat,
weil dies für die Reihe
1 1 1
1, 2f1' :-~f1' nfl'

gilt, was bereits für fL = 2 im Zusatze zu (No. II.) gezeigt wurde, und
daher auch feststeht, wenn fL > 2 ist. Damit ist aber nach (No. III.)
erwiesen, dass un für n = oo einen bestimmten endlichen, von Null ver-
schiedenen W erth annimmt.
Bei diesem Beweise ist allerdings vorausgesetzt worden, dass keine
der Grössen n 0 , ui' ... gleich Null sei; der Satz bleibt aber gültig, wenn
diese Bedingung für alle Grössen der Reihe, von einer bestimmten um
an, erfüllt ist. Setzt man nämlich n = m + r, so ist

woraus, sobald r > m ist,

folgt, wo a 11, a~+I, .•• von r unabhängig sind. Mithin bekommt um+r für
r = oo einen endlichen, von Null verschiedenen W erth.
214 Über die Theorie der analytischen Facultäten.

Ist nun
Lim. nn c.= u,
n=oo

Setzt man nun der Reihe nach n+l, n+2, ... n+1·-1 statt n,
wo t· irgend eine positive ganze Zahl bedeutet, und addirt die so ent-
stehenden Gleichungen zu der vorstehenden, so ergiebt sich:

oder auch, wenn

ist, und Pnr einen Mittelwerth zwischen der grössten und der kleinsten
der Grössen' Pn+I, ... p 11 +1., und ebenso Qn,1• einen Mittelwerth zwischen
der grössten und kleinsten der Grössen qn+u ... qn+t· bezeichnet:

Lässt man nun r ohne Ende wachsen, während n constant bleibt, so


nähert sich u'n+t· der Grenze u; ebenso nähert sich crn 1• einer Grenze, die
durch crn bezeichnet werden möge, und deshalb müssen ' auch Pn r, Qn r
gegen bestimmte Grenzen convergiren, welche Pm Qn sein mögen.' Man '
erhält daher

und es ist klar, dass Pn, Qn endlich bleiben, wie gross auch n werden
mag, da dies für gn, hn, vn, wn, also auch für Pn, qn, der Fall ist, und
Über di-e 'fheorie rler analytischen Facnltäten. 215

daher Grenzen existiren müssen, <lie ~~ r und Q12 r und mithin auch Pn, Qn,
' ,
dem absoluten Betrage nach, nitht übersteigen können. Ferner ist

cr ~ -~-1___ _c_
II fl
_ __
·
1___
fl
_ -'-- ___1______ !_
' fl '
••••• =
(n-:-1) (11 • ~) (n+il)

1
--- ---·---·--.
~
1
·-- ----- 1
·---- -t- -------------
!l-2 2 f.L-2
+ ..... = '
(n -: 1) (n -+ 1) (n + 2) (n i 2)

also 1_ - _ _1 __ . + .... ·) , __1__


n··!--1 n+2 nf.L-2'

d. h. cr <--· ----
1
n f.L-1 •
n
En
Man kann also cr -= ----- setzen, wo E11 ein echter Bruch ist, und
n nfl-1

wenn man E11 (1~ 1 ---!- i Qn) durch - ·r11 bezeichnet, so hat man:

und es bleibt vn endlich, wie gross auch n werden mag.


(VI.) Wenn aber zweitens a1 nicht Null ist, so sind drei
Fälle zu unterscheiden.
(A.) Ist der reelle Theil von a 1 positiv, so wirdun unendlich
gross für n =~ oo;
(B.) Ist der reelle Theil von a 1 Null, so bleibt zwar u,n
endlich, wie gross auch n werden mag,, nähert sich aber, wenn n
beständig zunimmt, keiner bestimmten Grenze.
(C.) Ist der reelle Theil von a 1 negativ, so wird Hn= 0 für
n=oo.
Es sei a 1 = g + hi und es werde

Jl
n
= (1 ---1-'·mg )(1 -'-'m+1·····
- _f!__) (1 --''m+n
- __jj__) '
216 Über die Theorie der analytischen Facultäten.

gesetzt, wo m eine ganze positive Zahl bedeuten soll, die grösser ist als
der absolute Betrag sowohl von g als auch von h. Dann hat man:

~: t~n-1
Pnqn Pn-1qn-1

.IJ )- 1(
=
, a1 a2
( 1-,---+2+··· )(
1+-,- - -)-I
1 +hi
n n n,-m n+m

=
a1
( 1+-+···)( .rJ
1--+···)( hi
1--+··)
n n n
2
a'
=1+-2-+ ... ,
n

wo a~ u. s. w. von n unabhängig ist. Mithin convergirt, nach dem vor-


u
hergehenden Satze, _n_, wenn n beständig zunimmt, gegen eine bestimmte
pnqn
endliche und von Null verschiedene Grenze, und man kann

un vn
-- = v +-, also
Pnqn n

Hn=Pnqn· (v+ vn)


n

setzen, wo v von n unabhängig ist, vn aber stets endlich bleibt.


Setzt man q=q~+iq~, so hat man:

, , " " ( h2)(1 + -h2- -)" · .. ( 1+ (m +h2 n)2) '


qq+qq= 1+-
n n n n m2 (m + l)2

und es nähert sich diese Grösse, nach (No. I.), wenn n ohne Ende wächst,
einer bestimmten, von Null verschiedenen Grenze, weil die Reihe

eine endliche Summe hat. Mithin bleiben auch q~ und q~ stets endlich.

Bezeichnet man _7!__ durch tn, so hat man:


m+n
Über die Theorie der analytischen Facultäten. 217

also

Setzt man in diesen Gleichungen statt n der Reihe nach n, n+1, ... , n+r
und addirt die so sich ergebenden Gleichungen, so erhält man:

q~+r- q~-1=- (tn + tn+1+ · · · + tn+t'-1) fl~,r


q~+r- q~-1 = Ctn + tn+1 + · · · + tn+r-1) q~,r;
wo q~ r einen Mittelwerth der Grössen q~_ 1 , q~, ... q~+t·- 1 , und
'
" 1• emen
qn, . 1 e1wer th der Grossen
M'tt .. "
'ln-1' " ... qn+r-
qn, " 1

bedeutet. Nun bleiben aber die Werthe der Grössen auf der Linken
dieser Gleichungen stets endlich, während die Summe

h h h
tn + tn+1 + · · · + tn+1'-1 ~= m + n + m+ n + 1 + · · ·+ m+n + r + 1'

wenn r wächst und n constant bleibt, über jede Grenze hinaus zunimmt.
q;;
Daher müssen q~ 1., r beide sich der Null nähern, wenn r ohne Ende
zunimmt, n aber ' unverändert
' bleibt.
Es werde nun n so gross angenommen, dass die Differenz zwischen
je zwei aufeinander folgenden Gliedern der Reihe q;t-P q;P q~+ll ... dem
absoluten Betrage nach kleiner sei als eine beliebig angenommene, noch
so kleine Zahl E; was möglich ist, weil

und tn+r beliebig klein werden kann, wenn nur n gross genug ange-
nommen wird, während q~+r-I stets endlich bleibt. Ferner sei r so gross,
dass auch der absolute Betrag von q~,r kleiner als E ist. Haben dann
in der Reihe q~-ll q~, ... q~+r- 1 sämmtliche Glieder dasselbe Zeichen, so
ist q~,r dem absoluten Betrage nach grösser als das kleinste derselben;
dieses muss daher von Null weniger verschieden sein als E. Im ent-
gegengesetzten Fall aber muss es zwei unmittelbar auf einander
folgende Glieder von verschiedenen Zeichen geben, und da die Differenz
derselben kleiner als E ist, so folgt, dass jedes von ihnen kleiner als E
ist. Man sieht also, dass man, wenn man in der Reihe q~, q:, . . .
von
218 Übt>r die Theorie der analytisdJPn Facultäten.

irgend einem Gliede aus weiter geht, stets auf eines kommen muss, dass
dem absoluten Betrage nach noch kleiner als jede gegebene Grüsse ist.
Dasselbe gilt für die Reihe q~', q~', ...
Nun nähert sich aber der vVerth von q~q~ + q~q;~, wenn n beständig
zunimmt, einer bestimmten Grenze G, und wenn daher wieder E eine
beliebige kleine Grösse ist, so muss man, ausgehend von einem beliebigen
Gliede der Reihe q0 , q1 , ••• unter den folgenden stets auf eines kommen,
für welches die Bedingungen

erfüllt werden. Dann hat man

d. h. es muss auf jedes Gliecl der Reihe q~, q~, wie weit vom
Anfange entfernt es auch sei, stets wieder ein solches Glied folgen,
welches seinem absoluten Betrage nach der Grenze VG beliebig nahe
kommt. Dasselbe gilt von den Gliedern der Reihe q~', q;', ... ; und somit
ist erwiesen, dass sich q11 , wenn n beständig wächst, keiner bestimmten
Grenze nähert, sondern sowohl cler reelle, als auch der imaginäre Theil
dieser Grösse zwischen zwei verschiedenen endlichen Grenzen schwankt.
Fi'tr das Product p 11 folgt unmittelbar aus (Nr. I.), in Verbindung
mit dem Umstande, dass die Reihe

.rJ .'/ _g__ _


11l' n~--:-+1' m+n'

keine endliche Summe hat:

Lim. p 11 - -- oo, wenn g positiv ist mul


n=co
Lim. p 11 - c- 0 wenn .'/ negativ ist.
1/=CO

Aus der Formel

ergiebt sich jetzt ohne Weiteres Folgendes:


Über die Theorie der analytischen Facultäten. 219

1. ·wenn g positiv ist, so wird der absolute Betrag von nn


unendlich gross für n = oo;
2. Wenn g negativ ist, so wird derselbe unendlich klein für n = oo;
3. Wenn g = Null ist, so nähert sich derselbe, wenn n beständig
zunimmt, zwar einer bestimmten Grenze, aber da dann

ist, so convergirt Hn selbst, gegen keinen bestimmten Werth,


sondern schwankt.
Anmerkung. Setzt man, was hier absichtlich vermieden ist, die
Theorie der Potenzen mit beliebigen Exponenten voraus, so lässt sich
der vorstehende Satz viel kürzer begründen. Denn es ist

1 )_q + h i
- n11__ . __ ?ln-::-__2 __ 1111 (
. 1- - (1-:- g_+lii + .. ·) (1- g_+hi + .. ·)
n·q+hi . ( n- l)!J+hi
· '1111-1 11 n n

1(,11
folglich nähert Rich, wenn n ohne Ende zunimmt, --q+l-:l nach (Nr. 5)

einer bestimmten, von Null verRchiedenen Grenze; und wenn man llieRelbe
durch v bezeichnet, ;;;o kann man

oder
1'
H 11 = n_q. (v + ~) [cos(ll iogn) + isin(hlog·n)]
n

;;;etzen, wo vn stets endlich bleibt. Aus dieser Formel folgt <ler zu he-
weisende Satz unmittelbar.
(VII.) Wenn wieder
220 Über die Theorie der analytischen Facultäten.

ist, so weiss man, dass die Summe

(A.)

wenn n ohne Ende zunimmt, gegen eine bestimmte endliche


Grenze convergirt, sobald der absolute Betrag von x kleiner
als 1 ist; so wie auch, dass sie divergirt, wenn der genannte
Betrag grösser als 1 ist. Beides gilt auch, wenn tn den abso-
luten Betrag von nn, ~ den von x bedeutet, für die Summe

(B.)

Ist aber der absolute Betrag von x gleich 1, so gelten folgende


Sätze.
1) Die Summe (A) con vergirt, wofern nicht x = 1 ist, sobald g
negativ, die Summe (B) aber nur, wenn g <- 1 ist.
2) Wenn aber x = 1 ist, so convergirt die Reihe (A)- und dann
gleichzeitig auch (B) - nur in dem Falle, wo g < - 1 ist; sie
bleibt zwar endlich, wie gross auch n werden mag, nähert sich
aber keiner bestimmten Grenze, wenn g = - 1 und h :i 0 ist;
und divergirt in jedem anderen Falle.
3) Beide Reihen divergiren, wenn g :> 0 ist, indem dann weder
nn xn, noch tn ~n, für n = = unendlich klein werden.
Da der absolute Betrag von x der Einheit gleich sein soll, so ist
die Summe (B) gleich

Ferner, wenn

ttn g+hi g'+h'i


--=1+-~~-+--2-+
un-I n n

ist, so hat man

=1+.,[+ ...
n
Über die Theorie der analytischen Facultäten. 221

Setzt man nun, wenn m eine ganze positive Zahl bedeutet, die grösser
ist als der absolute Betrag von g, wieder

p =(I+
n \
R)
m
(1 + _,q__) · · ·
m+l
_g_)
(1 + m+n'

so kann man (nach Nr. VI), wenn man tn an die Stelle der dort mit
ttn bezeichneten Grösse treten lässt, wo dann qn = 1 wird,

setzen, wo t von n unabhängig ist, t~ aber stets endlich bleibt.


Nun ist

--- _g_
1)n -]?n-1--- ·]J
m+n n-1'

setzt man also in dieser Gleichung statt n der Reihe nach 1 , 2, ... n,
so erhält man durch Zusammenziehung der so entstehenden Gleichungen:

Aus dieser Gleichung aber ist zu ersehen, dass es, wofern nicht g+1=0
ist, zur Convergenz der Summe

hinreichend und nothwendig ist, dass (m + n)pn einer bestimmten Grenze


sich nähere, wenn n beständig zunimmt. Dies kann aber, da

= (1 + ~ + .. -)(1 + ~ + .. ·) = 1+·~: 1 + ...

ist, nur dann geschehen, wenn g + 1 negativ ist, (indem der Fall
g+ 1 = 0 ausgeschlossen ist), wo dann (m + n)pn für n = oo (gemäss
Art. VI) unendlich klein wird.
222 Über die Theorie der analytischen Facultäten.

Ist g-+-1=0, so hat man

1)( 1 ) ( 1 ) m-t-1
Pn = ( 1 - ;;~ 1 - m + 1 · · · · · 1 - m + n = ~+ n

und

1- + __1_ +
1)o+ p 1 -+ · · · +pn == (n1- 1)(·m --- 1--).
· · · + ·m+n
m+ 1

Diese Summe ist aber (Art. II Zus.) divergent. Mithin ist es zur Con-
vergenz der Summe

Po+ PI+ · · · + Pn

nothwendig und hinreichend, dass g < - 1 sei.


Nun ist aber

Wenn daher g < - 1 ist, so wird auch t0 + t 1 + · · · + tn convergiren,


p)1+!
indem (t'1 222
(t' p) + ... -+- _!_ (t' p )
·nnn gleichzeitig mit p 1 + p 2 + · · · + Pn

convergirt.
Ist g > - 1, aber < 0, so divergirt von diesen beiden letzten Summen
die zweite, während <lie erste, da

~t: !1:~ =~~I .}_l: =1 (1 -f- ~ -f- .. ·)(1 -f- {~) =1 -f- !/_~_1 -f- ...

ist, noch convergirt; folglich divergirt auch t0 + t1 -' • • • -!- tw Dasselbe


findet statt, wenn g :;: 0 ist, weil dann tn für n = = nicht unendlich
klein wird. Man sieht also, dass die Reihe (B) convergirt oder divergirt,
je nachdem .IJ < - 1 ist oder nicht.
Im Convergenz der Summe (A) ist zunächst erforderlich, dass
Lim. tn= 0 sei, weshalb g < 0 sein muss. Dies vorausgesetzt, werde
n=oo

g + h i) ( g + h i) ( g + 7t i)
1--r-----;-~-
I
1'm+1 ..... 1+ m+n =Pn
I
(
Über die Theorie der analytischen Facultäien. 223
gesetzt, so hat man:

Mithin kann man (nach Nr. V)

setzen, wo wieder v von n unabhängig ist, wn aber stets endlich bleibt.


Ferner sei
2
Sn= n 1 x + u 2 x + · · · + unxn
S n =Px+Px
1 2
2 -1- · · · +P xn
n
1
+-w P xn.
n n n '
dann hat man

Nun ist

!5~: ~~_!_=(1-_!_)(l+·'l±h~)=1+g-l+hi +
n n-1 n n n

und da g- 1 <- 1 ist, so convergirt, wenn man durch Qn den abso-


luten Betrag von Pn bezeichnet, nach dem vorher Bewiesenen die Summe

und daher auch, indem xnwn stets endlich bleibt, s;;. Daraus folgt,
dass sn gleichzeitig mit Sn convergirt, schwankt oder divergirt.
Es ist aber

=Px+(g-+ht)·
. . l'
-~ ~- x ~+···+--x
- x .- t. · - ~~ ~~ x-P x ~ .
l m-+2 m-+3 m+n n
224 Über die Theorie der analytischen Facultäten.

Die eingeklammerte Summe convergirt: was gerade so gezeigt wird, wie


für S~, und Lim. Pn= 0, weil g negativ angenommen worden; folglich
n=oo
wird auch (1- x)Sn, und, wenn nicht 1- x = 0, auch Sn convergiren.
Die Summe (A) convergirt also stets, wenn g = 0, und nicht x = 1 ist.
Wenn aber x = 1, so hat man

(m-+-n+l)~~-I--- m. Po
Sn+ Po= Po+ PI+ ... + P,,-
,, g+hi+1 ;

wie sich unmittelbar aus der im Vorhergehenden gefundenen Formel


für die Summe p 0 + pi+ · · · + Pn-I ergiebt, wenn man in derselben
g+hi für g und n + 1 statt n setzt. Es wird daher, wofern nicht etwa
g=-1 undzugleichh=Oist, Sn convergiren, wenn sich (m+n+1)~l--H
bei beständig zunehmendem W erthe von n einer bestimmten Grenze
nähert. Dies kann, da

(m+n+l)Pn+I =(1 +g+hi + .. .)(1 + m+1)(1 +m)-I


(m+n)Pn n+l n n
1 +g+l+hi +
n

ist, nur geschehen, wenn g + 1 < 0 ist, indem der Fall g + 1 = 0, h = 0


ausgeschlossen ist.
Ist g + 1 = 0 und h = 0, so ist die Divergenz der Summe
P0 + Pr + · · · + Pn bereits im Vorhergehenden bewiesen.
Folglich convergirt, wofern x = 1 ist, die Summe (A) nur, gleich-
zeitig mit der Summe (B), wenn g < - 1 ist.
Wenn g =- 1 und h :§ 0, so bleibt der "\Verth von (m+n+1)Pn+I
nach (Art. VI.) zwar stets endlich, nähert sich aber keiner bestimmten
Grenze. Dasselbe gilt also auch von Sn und von der Summe (A).
Wenn endlich g > - 1 , also g + 1 > 0 ist, so wird der \V erth von
(m + n + 1) ~~+I unendlich gross für n = oo. Mithin divergirt in diesem
Falle Sn, und auch die Summe (A).
Damit ist der aufgestellte Satz in allen seinen Theilen erwiesen.
Anmerkung 1. Setzt man statt nn den in der Anm. zu (Art. VI) ge-
u vn
gebenen Ausdruck nn= -----,;: + I l'' so ist leicht zu sehen, dass die
ng+ t ng+ + H
Über die Theorie der analytischen Facultäten. 225

Summe (A) gleichzeitig mit der folgenden:

2 :J n
1 -t-- ;x; -+- X
·+- - X------ -t. +---
X
2 g+hi 3 g+hi g+hi
n

convergirt, schwankt, oder divergirt.


A nm. 2. Die Sätze V bis VII stimmen, wenn man den in ihnen
vorkommenden Grössen nur reelle Werthe beilegt, im Wesentlichen mit
denen ü.berein, welche Gauss in der Abhandlung "Disquisitiones gene-
rales circa seriem infinitam"

begründet hat. Mit der hier gegebenen Erweiterung dienen sie für eine
grosse Menge von unendlichen Reihen, die in der Analysis vorkommen,
zur Entscheidung· über die Convergenz oder Divergenz derselben. Aus
diesem Grunde habe ich sie ausführlicher entwickelt, als gerade für den
nächsten Zweck nöthig gewesen wäre. Übrigens würden sie sich ohne
:Mühe noch bedeutend verallgemeinern lassen.

6.

Jetzt zurückkehrend zu der Gleichung (43) des § 4, gebe ich, da

und

(n,-1-x)n n(u -+ x)(u + 2x) ..... (u-+ (n-l)x)


-----··--
(n+ yx·, -: x') 11 (n + yx)(u -C- iJX + x) ..... (u + (y-+n-1)x)

!!_ (1 + ~)(1 + ~) .... .(1 + __ tt_)


x x 2x (n-l)x

ist, indem ich

(44.) n-uu( 1 + u)( 1 -+- *) ..... ( + 1 ??:-~!) = F(u,n)


15
226 Über die Theorie der analytischen Facultäten.

setze, derselben die Form:

!I .
(:x:' ·
f F-n H ) l . \ {(u-+n:x·) '(
( -!5.) f(u) ~~
n=oo lF(:
x L1m.\-------f· Lnn. 1- - - - -~1 .
+y,n) n=oo{ (u+nx)'
Nun ist

1 u H
= (1- -) (1+-)
n n-1

= 1 _ u(u--; 1) + ..... ,
2n

also convergirt F(u, n), wenn n ohne Ende zunimmt, gernäss Art. V des§ 5,
gegen eine bestimmte endliche Grenze, welchen Werth auch H haben
mag. Bezeichnet man diese Grenze, die eine Function von u ist, durch
Fe (1t), so hat man:

(46.) Fc(u) ~~ Lim.) n- 11 u(1+u)(1+~-) ..... (1-!- ~--) j,


n=oo, n 1 \
oder

(47 .) Fe (n) -c- II rr (------=-----) (


~=+ool
Ot=l ' IX T 1
1l
1 _, !_!__) .
IX
. ~
I

Es erhellt aus diesen Formeln zugleich, dass Fe (n) nur ver-


schwindet, wenn ~t der Null oder einer negativen ganzen Zahl gleich ist.
Hiernaeh ist
n n)
F (-, Fe (u)
-
Lim. _ _x___ = _____ ___!!___ __ ,
n=ooF(nx+y,n) V
.L'C
cnx+y)
und es muss daher, der Gleichung (45) gernäss, wenn es wirklich eine
f(u+nx)
Function f(n) giebt, die der Gleichung (41) genügt, einer be.,
(u+ nx)Y
Über die Theorie der analytischen Facultäten. 227

stimmten endlichen Grenze sich nähern: wenn n beständig zunimmt -


wenigstens wofern nicht Fe(:)= 0 ist.
Bezeichnet man diese Grenze, als Function von n betrachtet, durch
~(u), so muss

(48.) Hu+x) = ~(u)

sein, da
Lim. f(u + nxJ_ ~= Lim._[(tt,_+ x+nx~1
n== (n+nx) n=oo(n+x--+nx)

ist, und es ergiebt sich

II
Fe(!!__)
X
(49.) f(u) = x· - - - - - Hn).
Fr ( n -+ y)
X

Umgekehrt lässt sich nun erweisen, dass jede Function von u, welche
durch diese Formel dargestellt wird, wenn nur •Hn) die in der Glei-
chung (48) ausgesprochene Eigenschaft hat, der Gleichung ( 41) genügt.*)
Denn es ist
-n-1 (u+1)(n+2) ..... (u-'-n) u+n"
Ji (u, n) ,
u F( u+ 1, n) = n --------- -- - c - - - - - - - - = --
1.2 ..... (n -1) n

woraus für n = =,
(50.) Fc(u) = uJil (n-+-1)

folgt. Mithin ist

oder
f(u + x)- f(n) ?f.?:
-----
f(u)
-'

welches die Gleichung (41) ist.

*) Es ist zu bemerken, dass bei der Herleitung der Formel (49) die Grössen :r, y
als Constanten betrachtet worden sind und deshalb <j; (1~) anzusehen ist als eine von lt
und von x, y abhängende Grösse, die, als function von tt betrachtet, der Gleichung (48)
genügt.
15*
228 Über die Theorie der analytischen :Facnltäten.

Um nun die :Function tJ; (u) zweckmäs~ig zu bestimmen, kann man


die Forderung stellen, es solle, sowie für die Punction (u, i :r)'/, falls y eine
ganze Zahl ist, die Gleichung

gilt, Jer Function f'(u) für jeden Werth voll !J die dtLrch die Gleichung

ausgesprochene Eigenschaft zukommen.


Dann muss nach dem Vorhergehenden tj;(11) ~- 1!I st>in nnd somit f(u)
durch die Formd

1·~ c~~)
Jl :r
(Ii I.) f(u) x·
Pc(n-y)
;J;

definirt wenlt>n.
Nun ist (in § :2) mittels der beiden, aus (5t)) und (Jt;) folgt>nden
Gleichungen

(52.) Fc(n)--11(n i-l) ..... (n+n-l)Fcin- 11)

(53.) Pc (1) ~" 1

gezeigt worden, dass

(54.)

ist; wobei zu bemerken, dass hier, wie auch in ( 46)

~~~ log 2 n
1.2

zu setzen ist, unter der Bedingung, dass von den verschiedenen W erthen
ron logn der reelle genommen werde. so dast'l also (n) eine eindeutige rc
Function von n ist,
i\brr rlie Throrie rler analytischen Facnitilten. 229'

Hiemaelt ü;t, wenn man jetzt für die durch die Gleichung (51) defi-
nirte Function f'(n) die Bezeielmnng (n,-+ x)Y einfiihrt,

Fe ( 1/.,... +n )
1j
:r)' -- ?/ "
(11 II.T. .T
.,
1'I' (II -t if -i II
)
X

mithin ist für jeden \V t>rtlt von y in der 'rhat:

(ö5.)

Hinsiehtlieh der Funetion F(' (n) ist noch zu bemerken, Jass sie
durch die Gleichungen (50), (53), (54) vollständig bestimmt wird. Denn
aus (50) und (53) folgt

, ( 11(1( ' 1) ..... (u - n -J) F(' (n)


}r· 11) c

1.:! ..... (u-1) Fl'(n-u)'

woraus sic·h mittels (54) die Formel (4G) ergiebt.


Dnreh clas Vorstehende sind also jetzt folgende Resultate erlangt.
I. Es giebt eine, und zwar nur eine~ für alle Werthe der
unbesehränkt veränrlerliehen Grösse n clefinirte, eindeutige unu
für keinen endliehen 'V erth von n nnendlieh gross werdende
Funetion Fe (n), welche diu i!l clen Gleichungen

I F(' (u) c~ II Ft (u L 1) .

J_H(l)=~l,
(56.) I
1'1'_(12) ~ =
11 Lin_1. n_-__
11
1
'1/=CV Fl'('lt-' 1t)\

ausgesprochenen Eig·enscltaften hat und durch die Formel

dargestellt wird.
230 Über die Theorie der analytischen Facultäten.

II. Es giebt eine, und zwar nur eine, von drei unbeschränkt
veränderlichen Argumenten, der Basis n, der Differenz x und
dem Exponenten y, abhängige und durch (u, -+-x)Y bezeichnete
Function, welche der Gleichung
y
d(tt,+x) y:;;
(57.) ------rr
(u, Jx) n

in der sich das Zeichen 1 auf n bezieht und d n = x zu nehmen ist,


genügt, und zugleich die in der Formel

(5H.) . l(n+nx,+xll
L nn. _ Y
y I - 1 ,
n== (u-+-nx) I

wo n eine positive ganze Zahl bedeutet, ausgesprochene


Eigenschaft besitzt. Ihr allgemeiner Ausdruck ist

Fe (!I_)
(59.) (n -+-x)Y = xy x
' n '
Fc(--+-y)
X
oder

Aus der Formel (59) ergeben sich dann, wie in § 1 gezeigt worden,
für (u, -+-x)Y die Grundgleichungen

(61.) (u, + x)y+k = (n, -+-x)Y(H+yx, +x)k,

v--k (u, --i :J:)Y


(6~.) (11, : X)' = ·--------
k
(n+(y -k)x, +x)

(63.) (ku,-:-kx)Y =ky(n,-+-x)Y,

(64.) (u, -+ x/ = 11,

aus welchen sich nun eine Reihe anderer herleiten lässt, z. B.

(65.) (11 , + X) 0 --- 1 ,

(66.) (u, + x) -y = -- ---1 --- --'


(n- yx, +x)Y
Über die Theorie der analytischen Facnlt.äten. 231
und insbesondere, wenn y eine positive ganze Zahl ist,

y
(67.) (n, + x) = n(n + x)(n -~- 2x) ..... (u + (y - l)x)

(68.) (~t +·x) -y = 1


-o--~-c-;----,----------;--
' (u - x )(n - 2x) (u -- yx) ·

Ferner, wenn y, v, w beliebige Grössen bedeuten,

1! -v
11 - x-;;;+Y
(69 .) ( , )y __ (
u,--,x -
x) --(v_,-_t--_zc)_u __
w 1•

X W
(v, +w)

u. s. w. (Vgl. Crelle's "Memoire sur la theol'ie des puissances, des


fonctions angulaires et des facultes analytiques").
Ich bemerke noch, dass die Formel (43), welche aus der Bestimmungs-
gleichung (57) folgt, mittels der anderen (58) unmittelbar zu dem Ausdrucke
von (u, +x)Y in der Form des unendlichen Products (67) führt, dessen
Convergenz nach dem Satze (Art. V.§ 5) feststeht, sobald nicht '!!_+y Null
X

oder eine negative ganze Zahl ist. Ist aber '!!_ -;- y = - m, (unter rn eine
X
ganze positive Zahl, Null eingeschlossen, verstanden), so folgt aus (69),
wenn man v = 1, w = 1 setzt:

-m-1 1
ua nun, nach (6ti), (1, -+ 1) ==ist, so sieht man, dass die Form 0 ,
welche in diesem Falle das Product ( ßO) annimmt, durch die Natur der
Function (n, -Lx)Y gefordert wird.
Nachdem auf die angegebene Weise eine Definition der Fac11Ität (u,-: x)Y
gefunden ist, dienicht mehr Bestimmungen enthält, als nöthig sind,
und die alsbald zu einem allgemeinen Ausdrucke, sowie zu den wichtigsten
Eigenschaften der Function führt, gelangt man auf einem ganz ähnlichen
Wege zu der anderen Facultäten-Form (n, -x)Y; worunter, um wiederholt
daran zu erinnern, nicht (u, +(-x))Y verstanden werden soll.
232 Über die Theorie der analytischen Facultäten.

Sie wird nämlich durch die beiden Gleichung·en

A(u,-x)Y _ yx
J ~-~---

(u,~;x:)Y
~ -~.~,

n
(70.)
., Lim.l (n+nx, ~x)_~! ~ 1 Y
n== (u+nx)Y \

definirt, wo aber jetzt An = - x zu setzen ist.


Dann folgt aus der ersten dieser Gleichungen

(11- x·. -x)Y- (u, -x)Y yx


-~-- ------- --------- -

(u, -x)Y 11 '

y u-yx Y
(u~x, -;x:) = -- 1,-- (n, -;x) ,

und hieraus, wenn man n+x statt tt setzt:

+ (1- y)x
(n, -x)
Y
=
n
-~--u- - (n + x, -x)Y,
welche Gleichung zu der folgenden:

y
(n, -x)

= 1t -f- ( 1 - y) X U -f- ( 2 - y) X ...•. ~~ -f- (?~ - y) '!_ ( n -f- n X _X) Y


n+x u+2x n-'---n;x: '

(/ -u .: 1--//) ./ -'-+1--lj) 1 -u -+-1-lj)\ ,


( ~ + 1- y ) \ H ;(' 1 " t 1-1-- X 2 .
11

. .... ~ 1 :- .r: 1t =-1 .


'II
-------- _______ , (u
1)( 1-t- ~; 1_, l) (1+~ 2+1) ..... (1+ ~--!-_1)
~ -----~----- ~ nJ.·, ·-x')'

( n+
x , n~1

führt. Setzt man statt (n-t-nx, -x)Y

u
y --+y-1
xy (n_±1!~,_--x)_'_ 1!___x_~· ____ (--n~x_)-y
(n+nxl ~u-1 n-tnx '
n x
Über die Theorie der analytischen Facultäten. 233

unrl dann n==, so erhält man, gemäss (70) und (46):

u
F1(; ( --+1-y )
(71.) (n,-x)y =xy X
,
Jii:(~+l)
oder auch

(72.) (n,-::r·) y . .".Yn


,,
~'-:_:r:_-yx(j.r=r+ool' (X+ l)y n + (x+l-y)x
(
~
I..
n + .'r ~.=I x n + x -i-l)x

Zugleich lässt sich aus der Formel (71) mittels der Eigenschaften
der Function Fe (tt) ohne Weiteres beweisen, dass die durch dieselbe aus-
gedrückte Function (n,-x)Y wirklich die in den Gleichungen (70) aus-
gesprochenen Eigenschaften hat.
Es ergeben sich dann aus (71) für (u,-x)Y die Grundgleichungen:

y+k y k
(7 3.) (u,-x)' =(n, -x) (u-yx,-x) ,

-k ( )y
(74.) (u,-xl - - u, -x y
(u-(y-k)x,- x}
y y y
(75.) (ku,--kx) = k (n, -x) ,
1
(76.) (n,-x) =u;

aus denen wieder die folgenden:

0
(77 .) (n, -y) ~= 1,

( -y 1
(78.) \H, - x·) ~~ --- - - - - IJ
(u + yx,- :.r)'

und insbesondere, wenn y eine positive ganze Zahl ist,

y
(79.) (n, -x) = n(n- x) (n- 2x) ..... (n- (y-1)x),

(80.)
234 Über die Theorie der analyt.i~chen Facliltäten.

sowie, wenn y, r, n· beliebige Grössen bedeuten,

l}__}:t__+y
?j 11' X
Y x · (r -w)
(tn.) (u, -x) = C~:-) -- ' __!!____.!~ --
w X
(v,-w)

u. s. w. hergeleitet werden*). Ferner hat man:

y y l
J (n,-:.c) =c(n-~ x-y:r:,-~ ::c) ~ - - - - - -
(n+x,+x)-y
(82.)
t (n,
-
y
-+-x) - (n-x+y:l',-t-x)'
?J
=
(n-x,-a:)
l
---
+y

Setzt man endlich in (59) -n=x=1, und u-1 für y, so findet sich

1
(83.) Fe (n) = -----,
'1!-1
(1,-!---1)

und wenn man in (71) n=O,x=1 und -u-t-1 statt y setzt:

1-1!
(84.) Fr (n)- (0,-1) ,

so dass also die Factorielle Fe (n) selbst eine Facultät ist.

i.

Es ist oben angegeben worden, dass sich die Function Fe (u) nach
ganzen positiven Potenzen von tt in eine beständig, d. h. für alle reellen
und imaginären W erthe von u con vergirende Reihe entwickeln lasse; sowie,
dass die Reihe, in welche man die Facultät (n, +x)Y nach steigenden
Potenzen der Differenz x entwickeln kann, niemals convergirt, wenn y
keine ganze Zahl ist. Es erscheint mir nicht unangemessen, auf die Recht-
fertigung beider Behauptung·en n(iher einzugehen.

*)Es ist hierbei zu bemet·ken, dass, obwohl (u,-x)Y nicht gleich (u,+(-x))Y
ist, gleichwohl alle Gleichungen, die ohne Zuziehung der zweiten Gleichung (iO) aus den
Gleichungen (73-76) folgen, aus den entsprechenden für (u, +x)Y durch Verwandlung
von x in (- x) sich ergeben.
Über die Theoril' der analytischen Facultäten. 235

Zu dem Ende stelle ich noch einige Sätze über die Convergenz
der unendlichen Reihen zusammen, welche hier, sowie auch im Folgenden,
zur Anwendung kommen.
1) Hat man eine unenliche Reihe von der Form

~ aa. ,t',•••
~ x (X. y ß... ,

hat, wo x,y, ... veränderliche Grössen sind und IX,~, ... ganze
Zahlen, von denen jede, unabhängig von den andern, alle W erthe
von 0 bis+ oo durchläuft, und es bleiben die absoluten Beträge
der Glieder der Reihe, wie gross auch IX,~' . . . werden mögen,
sämmtlich kleiner als eine angehbare Grösse, wenn für x,y, ... be-
stimmte Werthe x 0 ,y0 , ••• gesetzt werden; so convergirt die Reihe
für alle Werthe von x,y, ... , die ihrem absoluten Betrage nach
beziehlieh kleiner als x 0 ,yw .. sind, und zwar unbedingt.*)
Bezeichnet man nämlich die absoluten Beträge von

aa.,ß, ... • x,y, ... , xo,Yo, ... ,


durch

Ho lässt sich, der Voraussetzung nach, eine (positive) Grösse G angeben,


die grösser ist als
ß (X.

Aa,ß, ... ~o 'flo · · ·

welche Werthe auch ... haben mögen. Alsdann ist der absolute Be-
IX,~,

trag von aa,ß, ... kleiner als G~0-a.'f)0-ß ... , also der absolute Betrag von
a ß . t: -a -ß a. ß •
aa., ß, ... x y . . . klemer als G ...0 '1) 0 ••• ~ 'fJ •••• , und daher die Summe von
beliebig vielen Gliedern der betrachteten Reihe dem absoluten Betrage
nach kleiner als

wofern ~ < ~ 0 , Y} <: Yj 0 , ••• , wodurch der aufgestellte Satz erwiesen ist.

*) Eine Reihe soll unbedingt convergent genannt werden, wenn sie beijeder be-
liebigen Anordnung ihrer Glieder convergirt. Dazu ist erforderlich und hinreichend,
dass die Reihe der absoluten Beträge ihrer Glieder eine endliche Summe habe.
23() Über tlir Theorie der analytischen Facultät•~n.

2) Es seien die Glü:oer einer unenilliehen Reihe

q;,cr',q;~~ ..... .

Functionen beliebig vieler Veränderlichen x,y, .... die sich nach


ganzen positiven Potenzen von x,y,... in Reihen entwickeln
lassen. Ferner sollen tjJ,tjJ',tjJ 11 , . . . . . diejenig·en Reihen bezeichnen,
in welche die Reihen-Ausdrücke von Cf,cp','f 11 , . . . . . dadurch über-
gehen, dass jeder Coefficient derselben dnreh seinen absoluten
Betrag ersetzt wird.
Wenn nun für bestimmte positire 'Verthe ~ 0 ,'1) 0 , ... von x,y, ...
jede einzelne der Reihen ·~, ·~', '~ 11 ,... UJl(l ebenso ihre Summe

'~ - ' ~~I--- '~ II ~- • • • • •

convergirt, so convergirt aueh die Summe

für alle Werthe von x,y, ... , die ihrem absoluten Betrag·e nach nicht
grösser als beziehlieh ~ 0 , r1w ... sind. Bezeielmet man in den Reihen-
Ausdrücken von er, cp ',Cf 11 , . . . . . die Coefficienten von xayß... be-
ziehlich durch aa, ß, ... , a~, ß, ... , a~, ß, ... , . . . . . und setzt

atJ.,ß . ... -+- I


utJ..~.. ..
II
a"',p, ... . .. -=
-[
~ "') .. ..

so hat jede der Grössen Aa, ß, ... einen endlichen W erth, und
es ist für die genannten Werthe von x, y, ... die Reihe

~A
..::... (1.. ß. . .. .,1.u.ljß
. ...

nicht. nur convergent, sondern auch gleieh der Summe

q;+q;'+q;ll+"""

Dieser Satz ergiebt sich unmittelbar aus dem vorhergehenden und


ans dem Begriffe einer unbedingt convergenten Reihe.
Über die Theorie der analytischen l<'acultäten. 237
3) ~Wenn von den beiden Reihen
:P ·~ L:Oet.ß. __ ;,·Otyß .. .

Cf!= L:betß .... xetyß .. .

jede für alle W erthe von x,y, ... , die dem absoluten Be-
trage nach kleiner als beziehlieh ~ 0 , Yj 0 , . • • sind, convergirt,
so ergiebt sich aus dem vprhergehenden Satze, dass auch die
Reihen

L:(aa,ß, ... :!:c bet, ß.... )xetyß .. .

:2:(aet'.ß' . .. r~Ot",ß" .... J:'a!lß ... ), (et'+et"=Ot, ß'+ß''=ß, ... )

für dieselben W erthe von x, y, ... convergent sind, und beziehlieh


die Summe, die Differenz und das Product von :p und cp 1 darstellen.
Daraus ergiebt sich, als weitere Folgerung:
4) \Venn cp,cpPcp", ..... beliebig viele Functionen von x,y, ... sind,
die sich nach ganzen positiven Potenzen dieser Grössen in Reihen
entwickeln lassen, und F ist eine ganze rationale Function
von cp, cpP cp~, ..... , so ist die Reihe, welche aus F durch Sub-
stitution jener Reihen für cp,cp 1,cp 2, ..... und durch formelle Ent-
wickelung nach Potenzen von x,y, ... hervorgeht, stets un-
bedingt convergent und ihre Summe gleich F für alle
diejenigen W erthe von x,y, .... für welche die Entwickelungen
von 'f, Cf!p cp 2, ..... sämmtlich unbedingt convergiren.
5) Ist aber F eine Function von cp, Cf!p cp 2 , ..... , die sich in eine un-
endliche Reihe

~('.
L..J Ot 1 p.y, .... ,n~Xmßm'(
T TJ T~ '' • • •

entwickeln lässt, und man setzt statt cp, Cf!p cp 2, ..... ihre Reihen-
Ausdrücke, so gelten him;ichtlich der Convergenz der Reihe,
die man aus der vorstehenden durch Entwickeluug derselben nach
Potenzen von x. y, ... erhält, folgende Bestimmungen.
A) Es convergire die ursprüngliche Reihe für F, sobald cp,cpl':p 2, .... .
ihrem absoluten Betrage nach kleinersind als beziehlieh p, pPp 2, ..... .
und es seien q;, q;P ·h, ..... die Reihen, in welche cp, cpP cp 2, ..... über-
gehen, wenn man jeden Coefficienten der letzter~n durch seinen
absoluten Betrag ersetzt; ferner sei f (x, y, ... ) die Reihe, in
238 Über die Theorie der analytischen :Facultäten.

welche F durch die angegebene Substitution übergeht, und ~' "fj, •••
seien wieder die absoluten Beträge von x,y, ... ; alsdann convergirt
f(x, y, ... ) und es besteht die Gleichung

F(cp,cpl'cp 2, ....• ) = f(x, y, ... )

jedenfalls für alle W erthe von x, y, ... , die den Bedingungen

Genüge leisten. Wenn daher cp(O, O, ... ), cp 1(0, 0, ... ), cpiO, 0, ... ), .....
ihrem absoluten Betrage nach kleiner als beziehlieh p, pl' p2, •••••
sind, so wird die Reihe f(x, y, ... ) wenigstens für ale W erthe von
x, y, ... , deren absolute Beträge gewisse Grenzen nicht über-
schreiten, convergiren.
B) Convergirt die Reihe, in welche F nach Potenzen von
cp,cpl'cp 2 , ••••• entwickelt werden kann, für alle Werthe dieser
Grössen, so converg·üt die Reihe f(x·,y, .. .) und es besteht die
Gleichung

f(x, y, ... ) = F( cp, cpl' cp2, •... .)

für alle diejenigen Werthe von x,y, ... , für welche die Reihen-
Entwickelungen von cp, cpl' cp 2 , ••••• sämmtlich unbedingt convergiren.
Anm. Es ist wohl zu bemerken, dass die vorstehenden Sätze (2-5)
nicht unbedingt umgekehrt werden dürfen; man darf also z. B. nicht be-
haupten, in dem zuletzt betrachteten :Falle convergire f(x,y, ... ) nur
für solche Werthe von x,y, ... , für welche die Entwickelungen von
cp, CFv cp 2 , • • • • • sämmtlich convergiren. Die Sätze geben daher, obgleich sie
sich bei vielen Untersuchungen nützlich erweisen, keineswegs die wahren
Kriterien, nach welchen über die Convergenz von Reihen, die nach ganzen
positiven Potenzen einer oder mehrerer Veränderlichen fortschreiten,
entschieden werden kann. Diese Kriterien müssen vielmehr aus einer
andern Quelle abgeleitet werden; wie ich dies bei einer andern Ge-
legenheit zu zeigen gedenke.
Ich betrachte jetzt, um den ersten der oben angegebenen Sätze zu
beweisen, die Fuuction Fe (n), und beschränke die Veränderlichkeit von
H zunächst auf solche 'Verthe, deren absoluter Betrag kleiner als eine

beliebig angenommene ganze positive Zahl m ist


Über die Theorie der analytischen Facultäten. 239

Man hat

Setzt man nun

so ist

Es sei ferner
a=+= n a
~ ( -1_)(_n_-_- _u.)
L..J n = fu(n)
a=2 a(m + ")
und

so dass ~tx(n) aus der Reihe iltx(n) dadurch hervorgeht, dass man in dieser
jeden Coefficienten durch seinen absoluten Betrag ersetzt Dann wird
sich nach dem zweiten der vorstehenden Sätze

nach Potenzen von u in eine convergirende Reihe entwickeln lassen, wenn


die Summe

a
n(m+")

für jeden positiven W erth von u, der kleiner als m ist, einen endlichen
Werth bat. Dies ist in der That der Fall.
240 Über die Theorie der analytischen Facultäten.

Es ist nämlich

oc=+= oc=+=
~ 1 = __!__ ~ _1_~,
~ ~ (
oc=o (m + tX) a ma Ot=O oc)a
1+ m

und wenn man in der letzteren Summe das (n+l)te Glied durch tn
bezeichnet:

( 1 +- ~--=_1)'1
m
(1 + m~n 1)a a
---- - - - - a - = 1 - --- i
(1+ :Y (1+ :) n
also wenn
=+=
~--1-=S
~ ( 1-t- moc)a
OC=O
a

gesetzt wird, ffir a ::> 1 nach (§ 5, VII, 2) sa eine endliche Grösse, die
abnimmt, wenn a wächst; woraus, da

ist, das Behauptete unmittelbar folgt.


Nach dem fünften der obigen Sätze (Art. B.) lässt sich nun von
den beiden Factoren, in die Fe"(n) zerlegt ist, der zweite, welcher gleich

logq> (tt, m)
e

ist, nach ganzen positiven Potenzen von u in eine Reihe entwickeln, die
sicher für jeden der betrachteten Werthe von tt convergirt; der erste
Factor aber ist durch eine beständig convergirende Reihe von derselben
Form darstellbar. Es ergiebt sich also, nach dem dritten der angeführten
Sätze, für Fe (n) eine nach ganzen positiven Potenzen von tt fortschreitende
Reihe, welche jedenfalls convergirt, wenn der absolute Betrag von H
kleiner als m ist. Die Coefficienten dieser Reihe sind aber von m un-
abhängig; da man nun diese Zahl beliebig gross annehmen kann, so muss
die in Rede stehende Reihe für jeden endlichen Werth von n convergiren;
w. z. b. w.
Was den zweiten der obigen Sätze angeht, so bemerke ich zunächst
Folgendes.
Über die Theorie der analytisehen Facultäten. 241

Wenn y eine positive ganze Zahl ist, so kann die Facultät (n, +x)Y
in eine endlie-he Reihe von der Form


y
!
1 + (y)I- + (y)z 2 2 + · · · ~
X

tt
X

entwickelt werden, wo sich die Coefficienten (y)I' (y) 2 , • . • als ganze


Functionen von y darstellen lassen. Nimmt man für y eine beliebige
Grösse an, so verwandelt sich die vorstehende Formel in eine unendliche
Reihe. Ist y eine negatiYe ganze Zahl, so lässt sich leicht zeigen, dass
diese Reihe für alle vV erthe von u, x, bei denen der absolute Betrag
von E unter einer bestimmten, von y abhängigen Grenze liegt, convergirt
n
und ebenfalls gleich (u, : x )Y ist. Man hat nun angenommen, dies müsse
auch für nicht ganzzahlige vV erthe von y der .:B'all sein, unü es hat
namentlich Öttinger in der oben (S. 189) angeführten Abhandlung bei
seinen Deductionen die in Rede stehende Reihe vielfach benutzt. Aus
den nachstehenden Betrachtungen erhellt indessen, dass die Reihe, wofern
!! keine ganze Zahl ist, niemals convergirt, welche Werthe man auch
den Grössen n, x, beilegen möge.
\V enn eine Reihe von (ter Form

ct=+oo
~ ao:xct,
(J.=-oo

wo a eine veränderliche ganze Zahl bedeutet, für jeden Werth von x,


dessen absoluter Betrag zwischen zwei Grenzen a und b liegt, convergirt,
so giebt es, wofern man x auf irgend einen, ganz innerhalb des Convergenz-
gebietes der Reihe liegenden Bm·eich beschränkt, in demselben stets nur
eine endliche Anzahl von Werthen, für welche die Reihe den \Verth Null
annimmt. Der strenge Beweis dieses Satzes, von dem man bei manchen
Untersuchungen Gebrauch machen kann, lässt sich aus den oben auf-
gestellten Convergenz-Sätzen ableiten; was ich jedoch hier der Kürze
wegen übergehe.
Dies vorausgesetzt, werde in der obigen Reihe (was unbeschadet der
Allgemeinheit geschehen kann) x = 1 gesetzt, für y irgend ein bestimmter
vVerth angenommen, und unter n zunächst eine positive reelle Grösse
verstanden. Angenommen nun, die Reihe convergire für irgend einen
16
242 Über die Theorie der analytischen Facnltäten.

bestimmten \V erth n0 von u, so wird dies auch für jeden grüsseren \Vert.h
der Fall sein und es ist unter der Bedingung, dass n zwischen den Grenzen
n 0 und + oo angenommen und bei der Bestimmung der Potenz ,n Y dem
Logarithmus von n sein reeller Werth beigelegt werde,

eine eindeutige und continuirliche Function der Grösse n.


Wenn y eine ganze positive Zahl ist, so hat man

also

Entwickelt man, y als eine unbestimmte Grösse betrachtend, beide Seiten


dieser Gleichung in Reihen, die nach fallenden Potenzen von n fortschreiten,
so müssen die Coefficienten der einen Reihe den gleichsteiligen <ler anderen
Reihe flir alle positiven ganzzahligen W erthe von y gleich sein; woraus
folgt, dass sie identisch einander gleich sein werden, weil sie nämlich
sämmtlich ganze rationale l!'unctionen von !I sind. (In der That ge-
langt man, wenn man die angedeutete Rechnung ausführt, zu den be-
kannten Ausdrücken von (y)p (y) 2 ~ ••• ) • Mithin muss die in der vor-
stehenden Gleichung ausgesprochene Relation

rp(n +1) = u+y


-----
n
rp(n)

gelten, sobald nur die genannten Reihen beide convergiren; was bei den
obigen Annahmen sicher der :Fall ist, wenn 1t nicht nur > n0 , sondern
auch > 1 ist.
Aus dieser Relation ergiebt sich, wenn n eine beliebige positive
ganze Zahl bezeichnet,

() u(u+II ... (u+n--l)


Cf 11 =(u+y)(n+y+l) ... (n+y+n-I):p(n--: n)
Über die Theorie der analytischen Facultäten. 243

oder, wenn F(tt, n) dieselbe Bedeutung hat wie im Anfange des § 6,

Es ist aber
. rp(n+n) 1
]_J1m. y= ,
n=oo (n + n)

und daher (§ 6, Gleichung 46)

wenigstens für jeden W erth von tt, der > n0 und zugleich > 1 ist.
Aus dieser Gleichung folgt , wenn man

setzt,
1 dFc (n) 1 dFe (n + y) y 1 drp 1(n)
Fe (n) --a;;;;~- Fe (tt + y)
------,:----"---- - - --L. - - - - - - -
dn - n ' rp 1(u) dn '

dFe (n) dFc (n+ IJ)) ( IJ drp 1(tt)


rp 1(n) ( Fe (n + y) -~l~--Fe (u) l · - Jj(; (u) Fe (n+ y) -'-rp1(n) + --l-) = 0.
~.n cn n c.n

Der Ausdruck auf der linken Seite der letzten Gleichung lässt sich
nun in eine nach. ganzen (positiven und negativen) Potenzen von tt fort-
schreitende Reihe entwickeln, welche jedenfalls convergirt, wenn der
absolute Betrag von u grösser als u0 ist; die Coefficienten, dieser Reihe
müssen aber, da die Gleichung für jeden zwischen bestimmten Grenzen
liegenden reellen Werth von u gilt, nach dem oben angeführten Hülfs-
satze sämmtlich gleich Null sein.
Daraus folgt, dass die vorstehende Gleichung für jeden
(reellen oder complexen) ·werth von tt, dessen absoluter Betrag
grösser als u 0 ist, besteht. Dies ist aber nur möglich, wenn y eine ganze
Zahl ist. Nimmt man nämlich eine ganze positive Zahl n, die > u.0 ist,
so an, dass rp 1 ( - n) einen von Null verschiedenen Werth erhält, und
setzt n = - n, so reducirt sich die linke Seite der Gleichung auf

dFc (n))
rp 1( - n) Fe ( -n+y~ ( -a;u· U=~n'
16*
244 Über die 'l'heorie der aualyti~cheu Facnltäteu.

und dies Produet hat stets einen von Null verschiedenen \V erth, wenn
y keine ganze Zahl ist.
Hiernach ist die Annahme, dass die Reihe

wenn der Grösse y ein nicht ganzzahliger W erth beigelegt \Yird, fiir
irgend einen endlichen \V erth von n convergire, unstatthaft.
Damit soll jedoch keinesweg·s behauptet werden, dass die Differenz
zwischen (n, 1-1) 11 und der Summe mehrerer der ersten Glieder der vor-
stehenden Reihe, wenn n ohne Ende wächst, nieht kleiner werden könne,
als jede gegebene Grösse. Jnclessen leuchtet ein, dass sich ans der in Rede
stehenden Reihe hinsichtlich der Faeultät (11, -f-x)Y, namentlich was das Ver-
halten derselben betrifft., wenn der Quot.ient !__
n unendlich klein wird, ohne
Betrachtung des Ergänzungsgliedes, welches der Reihe hinzuzufügen ist,
sobald man sie mit irgend einem Gliede abbricht, durchaus keine sicheren
Schlüsse ziehen lassen. Ein brauchbarer Ausdruck für dieses Ergänzungs-
glied dürfte sich aber nur mit Schwierigkeit ermitteln lassen.

8.
Ich gehe jetzt zu den Entwickelungen von

sowie von
log(n, +x)Y und log(tb, -x) 11

über, welche in dem erwähnten Crell e 'sehen "Memoire" aus der


daselbst als allgemeine 'raylor'sche Ueihe aufgestellten Entwickelungs-
formel hergeleitet worden sind. In der Gestalt, wie diese Entwickel-
ungen dort gegeben sind, ist ihre Richtigkeit ausser Frage, indem sie
identische Umgestaltungen der darzustellenden Functionen sind, und
dem allgemeinen n ten Gliede jedesmal der ergänzende Rest beigefügt ist.
Anwendbar sind sie jedoch nur, insofern sich dieses Ergänzungsglied
der G-renze :Null nähert, wenn n ohne Ende zunimmt. Ob dies der
Fall sei, lässt sith in den meisten :Fällen aus der Betrachtung des
Ergänzungsgliedes selbst BUr sehwer erkennen, (es dürfte vielleicht
möglich sein, den in Rede stehmden Rest durch ein bestimmtes In-
Übrr <lie 'l'heorie cler analytischen Facnltäten. 24?'>

tegral auszudrücken, welches eine leichtere Beurtheilung seines Betrages


zuliesse), indem der am ang·eführten Orte zu diesem Zwecke aufgestellte
Satz, wie es von dem Verfasser selbst in einer späteren Abhandlung über
denselben Gegenstand bemm·kt "·orden ist, nur dann gilt, wenn die Reihe
mit irgend einem Gliede ab bricht. Aus dem blossen Umstande aber,
dass die tSumme <ler 11 ersten G liPder, wenn n ohne Ende wächst, sich einer
bestimmten endlichen Grenze nähert, lässt sich bei einer Reihe von dieser
Form nicht schliessen, dass sie der zu entwickelnden Grüsse gleich
sei. Denn gesetzt, es bestehe für eine bestimmte Fnnction F(x) und für
alle einem ge·wissen continuirliehen Bereiche ang·ehürigPn \Verthe von :r
und x + k wirklich die Gleichung

wo rx einr Constante bedeutet und ßx = a zu nehmen ist; so sei·~(;;:) eine


der Bedingung
·~ (::~: rx) = ·~ (x)
genügende Funetion und

Dann convergirt, indem

ist, für die genannten \Vertlte von x und x + 1.: auch die Reihe

dieselbe ist aber gleich y;(x) F(x+k), also nur dann gleich F 1 (x-+ k),
wenn
r.J;(x-+k) = 'f(x)

ist, was bei einem bestimmten Vv erthe von x nicht für alle einem con-
tinuirlichen Bereiche angehörigen \Verthe von 7.: stattfinden kann.
W enngleieh hiernach die Benutzung der in Rede stehenden Ent-
wickelungsformel in den meisten Fällen nicht ohne Schwierigkeit ist, so
bleibt sie doeh jedEmfalls ein treffliches 1\fittel, um fiir manehe Functionen
246 Über tlie Theo1·ie der analyti~chen Facultäten.

auf einem natürlichen und directen ·w ege Reihen-Aus<lrüeke zu erlangen,


von denen man, nachdem sie gefunden worden sind, in vielen Fällen ohne
Schwierig·keit nachweisen kann, dass sie die zu entwickelnden Grössen
wirklich darstellen.
Für die Function (n, +:r)Y hat man, wenn man das Zeichen .l auf
u bezieht und .lu =~ :x· setzt:

Aber es ist

also

(85.)

Durch melmmlige Wiederholung derselben Operation folgt hieraus:

11 y n 11 '1}-tl
(86.) .l (u,+x) =:x; (y,-1) (u--1-nx,-+-:r)· .

Aber es ist
1j
lj-n -n y (u, - ::~· ) ·
(n + 11x, ..1 :.r)· == (n-+-nx, ~ x) (n, +:.r:) = ------ ~ 1-;
(u, -l- ::c)
also

(87.) , )Y = x n( y, -1)n(u,
.ln (u, ,-x -----~ ·n.
'Jl
(u, -: x)

FürdieFunction (u, -x)Y erhält man, wennmanindererstenFormel (70)

~~~~l_-x)Y- (u,- x)Y yx


(u,-x)Y u

tt + x statt u setzt und .:in= ;l: nimmt,

11 yx y y--1
il(n, -x)' = u + x (n-t-;r·, -x)' ~~ yx(u, -x)' ,
Über die Theorie der analytischen Facultäten. 247

woraus weiter
n y n n y-n
(88.) A (u,-x) = x (y,-1) (u,--x)
n n (u, -x)Y
=X (y,-1) ------------n
(u-yx+x,+x)
folgt.
Die angeführte Entwickelungsformel giebt nun

(89.)

wo Rn das Ergänzungsglied bezeichnet, auf dessen Ausdruck es hier nicht


weiter ankommt. Wenn y eine positive ganze Zahl ist, so bricht die Reihe
mit dem (y+1)ten Gliede ab und giebt den vollständigen Am;druck für
(u+k, +x)Y. In jedem andern Falle aber ist die Zahl ihrer Glieder
unendlich, und es ist zu untersuchen:
erstens, unter welchen Bedingungen die Reihe dann eine endliche
Summe habe; und
zweitens, ob diese Summe wirklich gleich (n + k, -1--~·)Y sei.
Es werde (für n=O, 1, ... +oo)
_(jj, -1t (k, -xt = t
(1, --Ll)n
, \n,+x )n
1 n
gesetzt; dann ist

_!_'f!__ = _y-n+l
tn_ 1 n
k-nx+x = ( 1 _ JL=~)( 1 _7c +
n+nx-x n nx
x)( 1 -: '1(: 1~1:x~!!·)-I
u+k
y+--- L
= 1- X -J·- • • •
n
V=--!-00
Die Reihe ~ tv hat daher nach dem Satze (S 5, V U, 1) eine endliche
V=O
Summe, sobald der reelle Theil von

tt __!,_ k
-'-+y
X

positiv ist.
248 ÜlH-r rlie Titeo; ie der ana!yti~clwu F;teultäten.

Nun ist, wenn a.· = 1 gesetzt wird,

y y+k
i_u,_+ k, + 1)' = -~_::+::..!2__~- .
y y k
(u,+l) (u,+1) (n,+1)

Bezeichnet man diesen Ausdruck durch r.p(n), so ergiebt sich (nach


Gleichung 57)
(n + y + k)tt
r.p(n + 1) ~ ~~-- ~- - cp(u)
(n + y) (u + k)
und (nach Gleichung 58)

Lim. r.p(u+n) = 1
n=+<x>

Setzt man daher

so ist zu untersuchen, ob bei bestimmten Wertheu von y, k für alle die-


jenigen Werthe von tt, für welche die Reihe convergirt, ebenfalls die
Relation
(u+y+k)u
l".fl/U + 1) = (u+y)(u+k) r.pl(u)

sich ergebe. Ist dies der Fall, so hat man

r.p 1(u + 1) r.p 1(n) .


r.p(H~-!-1) ~ r.p(n) '

woraus weiter, für jeden ganzzahligen ·werth von n,

r.p 1(n+ n) r.p 1(tt)


r.p(u + n) r.p(n)

folgt. Daraus folgt, da auch Lim. cp 1(n+n) = 1 ist,


n=+<x>
Über die Theorie der analytischen Facultäten. 2-19

d. h. es besteht die Gleiclmng


y+k
(u.+l)
(90.) --~--------·

('u,+l) y( u,+l )"

= 1 -7
yk
-- -!-
y(y-l)l.- (/.'-!)
----- - - y(y-l)(?J~2)k(k-1)(k-2) + .....
11- 1.2.n(n-t 1) l.:Ll.n(u---l)(n 1)

für alle dit>jenigen \V erthe von u, y, k, bei denen n + y + k eine post i v e,


oder auch eine complexe Grüs:se mit positivem reellen Theile ist.
Wird dann ~
x
statt n und 7c statt k gesetzt, so ergiebt sidt die Richtig-
X
keit der Gleichung

(91.)

~ (u.-1- :r)Y I 1 + y~ + y(y ~_!]k(k_~ :r) + y(?J ~lj(?J- 2)/o(l,~- x)(j.· -2:~) +- ... l
1 1l 1.2.u(~t-i:;:) l.2.il.n(n cX)(U; 2x) I

für die angegebenen \V erthe von n, x, y, 7c, bei denen die Reihe convergirt.
Die fragliche Relation für cp 1(n) lässt sich aber folgendermassen er-
weisen.
Es ist, wenn man in uem obigen Ausdrucke tv der Grüsse x den
W erth 1 beilegt,
Y=+oo
cp1(u) = L: tv'
V=Ü

und aus dieser Gleichung ergiebt sich


t
L:
v=+=
cp (u + 1) = n -~-
1 v=o u+-v'

indem sich fv in ___!_t- t verwandelt, wenn n


n+v v
+ 1 statt u gesetzt wird.

Nun ist aber


t = ~y- v)(~~ ~ t
•1+ 1 l)(n+v) v·
(v-~

-=---
tv v+ 1
--t
n-t v (y-v)(k- v) V+1'
also
250 ÜIHw (lie Theorie rler analyti~ehen Facultäten.

indem in der letzten Reihe tlas Glie<l, in welchem v ~= 0 ist, sich auf
Null reducirt. Es ist aber

vn u (y · ;- 1) ____ n_(/,;___ l) __
(y -- v + l)(k- 'I +-I) (k --<yY(u-- ·~=~ i) (y- k)(l; -- '1--;-l)'

und daher

Ferner ist

(1'}-V)f =
(v-' t)(n
---
+-v) t
' y k- 'I '1-t-!'

also
'I= f-rc: '1=---=-+-- . (v li (11 .,' 'I) /,,+1 ~~i ,,, '1(11 'I 1) t'l
~
'1=-......:1)
(IJ -
'I) f V -- ~
,,~=-=U
k -
'I ~
'lc___ t)
k .. ~~

mithin

~+c=y--'1--
L...J
V(11 1- 'I - . 1) t --0.
V=V /; ·- 'I ! .1 V

Aber es ist

y - v-
v(n v-1)·-·
- -------- ~= (n - , y
k-v+l

mithin

V=+oo , . v=+co (k + l)(n + lc)


""(n+1J-,-h)t- ~ ------- t ~o.
~V ' 'I V=V /c-'1+1 'I '

oder

Vertauscht man in dieser Gleichung· k und y mit einander, so erhält man


weiter:
Über die 'l'lteorie der analytisehen Facultäten. 251

und durch Verbindung beider Gleichungen, indem

'1=+''"(/;+l)fv
~
..:....J k--'1-+-1
2: 1'}-V+1
--- ·-- 'l=+oo(y-; 1)fv
---~·~ =
!J·~k
--~· c.p
U 1
(n+ 1)
V=Ü · 'I=Ü •

ist, die zu beweisende Relation

. u(n -t--y t-7.:)


·:p (n + 1) = ·- ---~- c.p (ll).
1 (u+y)(tH-k) 1

Die Formel (90), eine der wichtigsten in der Facultäten-Lehre, findet


sich in der oben (Seite 225) erwähnten Abhandlung von Gauss, wenn
auch in etwas anderer Form; ich habe sie hier hergeleitet, ohne die allge-
meinen Relationen, aus denen sie dort hervorgeht, vorauszusetzen.
Die Rt>ihe für (n + k, -a:) Y lässt sich auf ganz ähnliche \V eise finden,
noch leichter aber aus der vorhergehenden herleiten, indem nach der
ersten .B'ormel (8~)

(n + k,- x)Y = (n + k- (y- 1) x, +x)Y

ist, und daher in (74) nur (n,+x)Y in (n-(y-1)x,+x)Y=(n,-x)Y


zu verwandeln und in der eingeklammerten Reihe u -(y-l)x statt n
zu setzen ist. Da nun aber, nach (73) u. (78),

y
J1t,-:- xf~·~ - (u' - X) n = ( n' - X )y~n
( n - (y - I) X 1 +X t (n-yx+nx,-x)

ist, so ergiebt sich

(V2.) (n+k,-x)'
1j
=
y
(u,-x) +y(u,-:J:)'- k l
1j 1
-u- (u,--x}
y(y-1) y-2
k(k-:J:)

y (y - 1) (y - 2)
(n,-- x)Y-''k(k-:x:)(k-2x) + · · ·
1 .,
-t ·· •) "
1.- ..)

Dem Obigen zufolge gilt diese Reihe für alle W erthe von n, x, y, k, bei
denen der reelle 'l'heil von n- (y- 1)x + k + y = n + k + 1 positiv ist.
X X
2.i2 Über die 'l'hPorie dt•r analytischen Facnltäten.

Dagegen ist die von Kram p n. A. aufgestellte Gleichung·

( lf
1/
-! k. ' 1 )' - 2: ·
V=+oo~(IJ,-1)"
;; (n. ! 1)'
1f-'1 ·~I
(l<. -· 1 ) 1 .
'I -" ( J. ' 1)

zu welcher man gelangt, wenn man (n+k: '-1)Y auf iilmlidte ·weise, wie
im Vorherg·ehenden entwickelt: aller ti1t -~- 1 setzt: im Allgemeinen
unrichtig.
\V eil nämlich
1j 'I
y~v . . v (11,-~ IJ (k.- l)
(n,- 1) (1.,.,.1) -= · - - v
(u-! .11 ~v, 1)

~_±_!)y (k,_~~l) 'I (u,' l)Y(~-k,-+


----- ------------
1/
( 11 -! y- L -1 )Y (1-U-!f,·: 1)"

ist, so hat in Folg·e der Gleichung (!H), wenn in dieser 1-u-y statt u, ferner
- k statt k und a; = 1 gesetzt wird, souald der reelle Theil Yon 1-u-k
positiv ist, die Reihe auf <ler Rechten der vorstehenden Gleichung
den \Verth

(n, !l)J/(1-n--y--k.H)Y (tr,+l/ . y


-- --- - ( -- lt -- J,, -1) .
(1-n-y,-H)Y (-u,-l.IJ

Es ist aber*)

_(!!, ±l)y~ Fe_( u)_!'c ( 1_--.-:_ n) ___ _ sin(ur.)


(-u, -1) 11 Fe (n + y) EI: (1- n ~ y) sln(1t + !;)7t '

und es ergiebt sich denmach an Stelle der obigen Gleichung die folgende:

(93.)

wie dies lJereits Ohm**) bemerkt hat.


Man hat hier ein treffendes Beispiel zu dem oben Gesagten, dass
man beim Gebrauch der Formel
,,
. ßF(n) ß- F(n) k(k-tin) :5.11 F(n) (k.- ßu.t
F(u+k) = F(n)+ -- - k - --- - . --

ßn 6.1( 2 2 1n11 (1, 1/'

*) S. d. folg. ~.
*·') System der .Mathematik, 'l'hl. 2, S. 8!J.
Über die Theorie der analytischen Facnltäten. 253

nicht schliessen dürfe, es sei Rn= 0 für n = =, sobald die Summe der
n ersten Glieder bei stets wachsendem \Y erthe von H sich einer bestimmten
Grenze nähert.
Aus (91) folgt

1 ((u~-k,+x)Y ) y , y(y-1) k-x , y(y-1)(y.1 -2) (k-x)(k-2x) -~-


·-- ---·---1 =-~·------ - - - - - - , - - - - - - - - - - - - - - - - --- --
k (n,+x)Y tt ' 1.:2 u(n-: x) 1.2.3 n(n+x)(n+2x) '

Nimmt man nun an, es sei der reelle Theil !l'+ y positiv, und lässt
X
k unendlich klein werden, so ergiebt sich:

(94.)
!! y(y- I) x 1
y(y -~_1)(!!_~___!:~ ___ -~:x{ ___ _ ...
an H 1-:2 --11(1(,~--;~y~ 1.2.3 n(n+x)(n+2x)

n n-J
--'-- (- 1)n-J (y,::_:_l) {l, +_~_L_ xn-1 __)__ .•.
, n n I

(1,+1) (tt,+x)

y y(y--1) x , y(y-l)(y-2) x2
lt- --2 - tt(n : X) T - - - 3 - - - - it(H -i-X~)~(t-(,.-,-2X) + ...

Nun folgt aber aus der Formel (87), wenn man in derselben n-1 statt
n und n + x statt n setzt:

y n-1
( An-1 1f n-J (H-1- X +x) X
95. ) 1.1 (n+x,+x)' =(y,-1) ' n-I , für ~n=x,
(H+x, +x)

und hieraus, wenn man y = - 1 setzt:

n-J n-1
(96.) .ln-Je;)= ( -1)n-I (l, +l) ~ ' für ~tt = x;
(n, +x)
folglich ist

~I ( y
(97 .)
~01511,-,-X)
I

}!_ _J y(y- 1) .l(-1)\ + !j_{y__~ !)_ (y -=~) ~~(1) ~- ...


an n 1.2 n 1.2.3 n
254 Über die Theorie der analytischen Facultäten.

Legt man nun, bei gegebenen \Verthen VOll x, y, der Grösse n nur
solche W erthe bei, für welche nicht nur der reelle 'l'heil von -~ + y,
X

sondem auch der reelle Theil von n positiv ist, so sind die Ausdrücke
X
auf beiden Seiten dieser Gleichung stetige l!'nnctionen von u, und man
erhält durch Integration:

1) !J (!/ [) (lj 2)
(!J8.) log·(11,- ::r)
.1/
=
lj ( 1j -
y logn -1 .__. 1 ~2 - .1lugu ' 1. 2 .:1 -- 2
ß log11

(1;.- 1) n--1
' -· ii:l log·n-
(1,-~ 1)

in welcher Gleidnmg die W erthe der darin vorkommenden Lug·arithmen


folgendermassen zu :fixiren sind. l\lan be::;timme den Werth von logx so,
dass eylogx gleich der in dem Ansdrucke (GO.) von (u,+x)Y vorkommenden
Potenz x 11 ist. Ferner setze man, wenn w eine Grösse ist, für welche
der reelle Theil von ~~·- einen positiven W erth hat,
X

1C
und lege dem Logarithmus von - dessen Hauptwerth *) bei. Dann wird
;x:

einer der \Verthe von log(11, · · a:}IJ durch die Formel

!! log:r lugn - log(n ~ :1 !/) · t; {


(.(..__.:._ r- _/;

log(n x:r) log( 11 · lfJ · :x;r))- ·!I lng(l


1'

(wo dem Logarithmus von 1 -; -~ sein reeller W erth beizulegen ist) dar-
CG

gestellt, und dieser wird durch die Gleichung (\lH) gegeben, wenn man
auch in dem Ausdrucke auf der .Rechten die \Verthe der Logarithmen

lugu, log(lf J'), log(u ' 2a: .....

*) Ist ~ eine positive und l'i eine beliebige reelle Grösse, so ist cler Hanptwerth
von log (~+l'ji) gleich ~ log(~ 2 +'II 2 ) + iarc. tg ( ~), wo dem Logarithmus YOn ce +'IJ 2)

1t 1t l .
sein reeller Werth beizulegen und der Arcns zwischen - 'T und + 2 anzune 1men 1st.
Über die Theorie der analytischen Facultäten 255

aus denen die Glieder desselben zusammengesetzt sin<l, so, wie bestimmt
worden i::,;t , fixirt.
Auf diese Weise definirt, sind nämlkh beide Seiten der genannten
Gleichung stetige Functionen von tt, welche der Gleichung (97) zufolge
nur um eine von n unabhängige Grösse von einander verschieden sein
können.
Setzt man ferner, unter v eine ganze positive Zahl verstehend, tt = vx,
so werden die Grössen

sämmtlich unendlich klein für einen unendlich grossen W erth von v; es


muss also die genannte Grösse gleich Null sein.
Da
y+'l y lJ
(u, + x)
'I 'I
= (n,+ x) (n + yx,-t-x) = (tt,+ x) (u, + v:r, -~ :x:) ,

also
'I

(u,+x)Y= _(n,+x) --:;(n+vx,+x)Y


(n + yx,+:x:)

ist, und man die ganze positive Zahl v so gross annehmen kann, dass
die reellen Theile von
n n
--+'J und -+'J+y
:x· x·

beide positiv sind, so folgt, dass die Formel (US) in allen Fällen zur
Berechnung von (u, + x) Y ausreicht.
Aus der Gleichung (n,-x)Y = 1 - ergiebt sich ferner, wenn
· (n + x,+x)-y
die reellen Theile von

-nX + 1.' und -nX --! 1- y

beide positiv sind:

. Y y(y-i 1) , . y(!!+ t)(y+2). 2


(!)9.) log(n,-x) =ylog(n+x)---1.2-~log(n-;-x)-;- 1. 2 . 3 ~ log(n+x)-···

n
n-1 (y --!- 1) 11-1
· · · + (- 1) ' · n ~ log(n + x) +
(1,+ 1)

wo wieder, wie in (97), ~n = x zu setzen ist.


256 Über die Theorie der analytischen Facultäteu.

Ferner hat man

(u y
y-v y -v x)
(tt,- x)' = (tt,-x)' (n+yx, -x) = '-
'I
(u+yx+:r, + x)
y
y-v -v y (n+vx, -- x)
(u, -- x) = (n, -:,r) (n+vx, -x) = ~------,
V
(n+x,+x)
also
'I
Y (IH yx+x, +x) 11
(100.) (u,- :r) ~= -------- ., (n-1-vx, -x)',
(n+x,+a)

und es lässt sich wieder in allen Fällen v so gross annehmen, dass die
Formel (99) zur Berechnung von (n, -x)Y benutzbar ist.

u.
Um eine Anwendung· der im Vorhergehenelen Paragraphen entwickelten
Formeln zu geben, will ich daraus die Ausdrücke der trigonometrischen
Functionen dmch Facultäten herleiten.
Man hat, wenn sinn= z gesetzt wird,
3 5 7
1 z 1.3 z 1.3.5 z
u=z+23+ 2.45+2.4---:67+···,

für alle reellen Werthe von u zwischen den Grenzen- und+ diese i-7t i-7t,
selbst nicht ausgeschlossen.
Substituirt man nun, unter rn eine ganz beliebige (complexe) Grösse
verstehend, den vorstehenden Ausdruck von tt in die Reihe

2 :J

1 + (mt') n + (mt.)2 l.i


n
+ (m1_)3 1.n2 . 3 + · · · = e
mui
,

und entwickelt dann die Formel nach Potenzen von z, so muss die daraus
hervorgehende Reihe, die von der Porm
Über die Theorie der analytiBchen Faeultäten. 257

ist, in Folge des Satzes (5, B. d. 9 7) ebenfalls für alle jene Wertl1e von
u converg·iren, und die Gleichung

bestehen.

Nachdem auf diese Weise die Bedingung, unter welcher die vorstehende
Gleichung gilt, festgestellt ist, kann man sich znr Bestimmung der
Ooefficienten nrx irgend einer passenden Methode bedienen. Man erhält z. B.
durch zweimaliges Differentiiren der Gleichung nach n, indem

. ct-2 2 . "-
=IX ( IX-1 ) sm u- IX sm u
ist,
. ct=+oo
-
2 m lll
m e
~ ( (
= .t..J arx IX IX
• tX-2
--1 ) sm n - IX sm rx n )
2 .

Ot=O

ct=+oo ct=+=
= ~ ((IX-1- 2) (IX+ 1) nrx+2 sintXn) - ~ (IX~ ltrx sinO(n),
ct=O ct=O

oder
ct=+oo
e
__ ~
mui --- ~ 1 ( IX2 a rx
-~ - (IX _,- 1)( IX + 2) rtot+ 2) sin ct 11 ;
ot=u m
es muss also

(ct = 0.1. · · · -l-oo)

oder
2 2
cx-m
arx+2 =~--~--~~
(cx +- l)(cx + 2)
sein,
17
258 Über die Theorie der analytischen Facultäten.

Hieraus ergiebt sich (für v = 0, 1, · · · -' =)

( 1 + 1)v
' . 2'
(_!_
--L. 1)v
!

V V
-= ( _ 1)_ V 0_~,_--:-: 22 _01_1,+ 2]
V
(2,+2)
'I
(1,-t ~)

'I V
~ (- 1)V (~11, ---:_2l_(tt~, ±_22 '
"2'1
(I, -1 1)

. 1 1 V l 1
1m(Tm- 2 ,-1) (--2 m-T,
(( = - - - - - - - - - - ---
2V+l V 3 V
(1,+1) (2,+1)

v mi(m- 1,- 2)v(m+ 1, + 2/


=(-1) 2V+l '
(1, + 1)

indem dann wirklich

2 2
(m- 2(v- 1))(m + 2(v- 1)) (2v- 2) - m
-----------
(2v- I) 2v (2v- 1) 2v

2 2
(m- 1- 2 (v- 1) )(m + 1 + 2 (v- 1)) (2v-1)-m
~ --- ---- ---~~-------

2v(2v+1) 2v(2v+1)

ist, und durch Substitution der Reihe n =sinn+··· in die Reihe


mui
für e sich a 0 = 1, a 1 = mi findet. Man hat daher

(101.) cosmn=

~+=~·( -
~ 1)
v (m,-2)v(m,+2)v . 2v
- - - - - -2v-- sm u
I
V=O (1, + 1) I
l'ber die Theorie der analytischen Facnltäten. 259

(102.)

~
-". ! -1)"" -m(m-1,-2)
_,.,,~ \(
V=+oo

V=O
-----
(1, + 1)
(m+1,+2) V

2v+I
V
.
sm
2V+I
u

für jeden W erth von m, und für alle diejenigen reellen Werthe von u, die
nicht ausserhalb des Intervalls - ~7t und + ~7t liegen.
Setzt man nun u = ~ 1t, und 2m statt m, so erhält man durch Ver-
gleichung der so sich ergebenden Ausdrücke von cosm7t, sinnl7t mit der
Formel (90), indem man in dieser u=~, y=m, k=-m, und auch
3 1 1
n=2, y=m- 2 , k=m- 2 setzt:

(103.)

oder, weil

ist,
1 1

. 4m(1, + 1) 2 (1, + 1) 2
(104.) smm7t = +m -m .
(1,+1) (1,+1)
17*
260 Über die Theorie der analytischen Facultäten.

Dividirt man diese Gleichung durch m und setzt darauf m = 0, so ergiebt


sich:

v-7t =
1

(105,) _!_ (1 + 1) 2
2 ' '

und daher

(106,) sinnm = ~m +m,


(l,-t 1) (1,+1)
Da (nach 83)

ist, so erhält man aus den vorstehenden Formeln:

(107,) sin1111t = umFc (m + 1) Fe (1-m)

= 1tFc (m)Fc (1-m),

(108,) V1t= ~1-


FcG)
und, da

1 m Fe(~)
(-,+1) =--
2 Fe (m+ ~)
ist:

(lOH,) cosm7t = 1tF'. ({ + m) Fe(~ - m),

übereinstimmend mit (107), wenn man dort m + ~ statt m setzt.


Alle diese Formeln*) gelten, nach der hier gegebenen Ableitung, für
jeden reellen und imaginären W erth von 111,

*) Setzt man die Darstellungen von sin u rt, cos u rt in der Form unendlicher Pro-
ducte als bekannt voraus, so ergeben sich die Formeln (107, 109) unmittelbar aus dem
Ausdrucke von Fe (u).
Berichtigungen.
s. 19, z. 10 ist hinter enthalten, der Zwischensatz
in ein Glied zusammenzieht fortgefallen.
S. 49, Z. 6 V. U. statt Gv+l ·
S. 57,Z.11,14,15,16}
lies statt rn.
s. 58, z. 1, 3
S. 58, Z. 3 v. u. lies 111 mv (dreimal). statt
s. 58, z. 3 v. u. lies Man kann also für rnv jede ganze, nieltt
negative Zahl m nehmen, die der Bedingung genügt, ....
s. 58, z. 14 lies kleine positive statt kleine.

Iai < ~;:


1 X1 00

s. 58, z. 16 lies ~~;v < o.


v v=r
s. 60, z. 13, 15 lies lv statt l, (dreimal).
s. 60, z. 2 v. u. lies SO statt es.
S. 65, Z. 3, 1 Y. u. lies f-J..(x; CJ. statt f1.(x;c)) •
S. 71, Z. \) V. U. lies andere statt anderen.
s. 80, z. 4 lies verschiedene statt verschieden.
(l)
s. 83, z. 7 lies statt
2W
s. 95, z. 3 lies 6o(nlw, w') statt p(n:w, w').
s. 97, z. 2 lies &:: statt &0 •

s. 116, z. 12 lies f.1. statt m.


s. 117, z. 13 lies t1 statt fv •
s. 120, z. 14 lies A statt A1 •
S. 122, Z. 19 lies ('t2 , ••• '"n) statt ( f2, tn) ·
•••

s. 146, z. 5 lies s:ß0 (ti' ... tn) statt lßo (tl' .. · trJ
s. 159, z. 8 v. u. lies nn+2wnß statt ~t"'+2w"'ß'
s. 162, z. 3 lies X~. statt Xv·

s. 176, z. 13 lies ±
Y=l
statt
r+I

Y=I
~
s. 188, z. 2 v. u. lies §2 statt § 8.
S. 189. Z. 3 v. u. ist das Wort positive zu tilgen.
n H
K 193, Z. 9 lies 1+--- statt 1 + n , (zweimal).
n -1
S. 203, Z. 4 v. u. lieR tl statt n, (zweimal).
S. 208, Z. 8 ist das Wort indem zu tilg·en.
S. 201-J, Z. 9 lies nähern statt nähert.
S. 211, Z. 3, 4 lies der absolute Rtatt den absoluten.
S. 21R, Z. 1 lie>J das statt dass.
262 Berichtigungen.

S. 15fi, Z. 1;3--18. Dies!' Rtellc wird besser folgenrlermassen gefasst:


Denn wäre dies nicht der Fall, so hätte sie innerhalb ( ~) un
endlich viele Unendlichkeits-Stellen, welche eine (2 n - 2) facht
l\lannigfaltig·kPit bildeten und sämmtlich Null- Stellen de1
Function q wären; unter denselben müsste PS uann' da diejenige!
Stellen von (~), an welchen p, q lJ eide verschwinden, nur eint
(211- 4)faehe Mannigfaltigkeit ausmachen, auch solche geben
an denen p, untl somit auch J!ry, einen von Null verschiedene!
W erth besässe dies ahrr willersprieht der Gleichung
,
1 oq 1 op ]Jry,

Buchdruckerei von Gustav Lange jetzt Otto Lange, Berlin.