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Karl Theodor Maria Nikolaus Johann

Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester


Freiherr von und zu Guttenbergs
Rücktrittserklärung vom Amt des
Bundesministers der Verteidigung –
Berlin, 01.03.2011
„Ich habe in einem sehr freundschaftlichen Gespräch die Frau Bundeskanzlerin informiert,
dass ich mich von meinen politischen Ämtern zurückziehen werde und um meine Entlassung
gebeten. Es ist der schmerzlichste Schritt meines Lebens. Und ich gehe nicht alleine wegen
meiner so fehlerhaften Doktorarbeit, wiewohl ich verstehe, dass dies für große Teile der
Wissenschaft ein Anlass wäre. Der Grund liegt im Besonderen in der Frage, ob ich den
höchsten Ansprüchen, die ich selbst an meine Verantwortung anlege, noch nachkommen
kann.

Ich trage bis zur Stunde Verantwortung in einem fordernden Amt. Verantwortung, die
möglichst ungeteilte Konzentration und fehlerfreie Arbeit verlangt - mit Blick auf die größte
Bundeswehrreform in der Geschichte, die ich angestoßen habe, und mit Blick auf eine
gestärkte Bundeswehr mit großartigen Truppen im Einsatz, die mir engstens ans Herz
gewachsen sind.

Wenn allerdings, wie in den letzten Wochen geschehen, die öffentliche und mediale
Betrachtung fast ausschließlich auf die Person Guttenberg und seine Dissertation statt
beispielsweise auf den Tod und die Verwundung von 13 Soldaten abzielt, so findet eine
dramatische Verschiebung der Aufmerksamkeit zulasten der mir Anvertrauten statt. Unter
umgekehrten Vorzeichen gilt Gleiches für den Umstand, dass wochenlang meine Maßnahmen
bezüglich der "Gorch Fock" die weltbewegenden Ereignisse in Nordafrika zu überlagern
schienen.

Wenn es auf dem Rücken der Soldaten nur noch um meine Person gehen soll, kann ich dies
nicht mehr verantworten. Und deswegen ziehe ich, da das Amt, Bundeswehr, die
Wissenschaft und die mich tragenden Parteien Schaden zu nehmen drohen, die Konsequenz,
die ich auch von anderen verlangt habe und verlangt hätte. Ich habe wie jeder andere auch zu
meinen Schwächen und Fehlern zu stehen. Zu großen und kleinen im politischen Handeln, bis
hin zum Schreiben meiner Doktorarbeit. Und mir war immer wichtig, diese vor der
Öffentlichkeit nicht zu verbergen. Deswegen habe ich mich aufrichtig bei all jenen
entschuldigt, die ich aufgrund meiner Fehler und Versäumnisse verletzt habe. Und ich
wiederhole dies auch ausdrücklich heute.

Manche mögen sich fragen, weshalb ich erst heute zurücktrete. Zunächst ein möglicherweise
für manche unbefriedigender, aber allzu menschlicher Grund. Wohl niemand wird leicht,
geschweige denn leichtfertig, das Amt aufgeben wollen, an dem das ganze Herzblut hängt.
Ein Amt, das Verantwortung für viele Menschen und deren Leben beinhaltet. Hinzu kommt
der Umstand, dass ich mir für eine Entscheidung dieser Tragweite jenseits der hohen
medialen und oppositionellen Taktfrequenz die gebotene Zeit zu nehmen hatte. Zumal
Vorgänge in Rede stehen, die Jahre vor meiner Amtsübernahme lagen.

Nachdem dieser Tage viel über Anstand diskutiert wurde, war es für mich gerade eine Frage
des Anstandes, zunächst die drei gefallenen Soldaten mit Würde zu Grabe zu tragen und nicht
erneut ihr Gedenken durch Debatten über meine Person überlagern zu lassen. Es war auch ein
Gebot der Verantwortung gegenüber diesen, ja gegenüber allen Soldaten. Und es gehört sich,
ein weitgehend bestelltes Haus zu hinterlassen, weshalb letzte Woche noch einmal viel Kraft
auf den nächsten entscheidenden Reformschritt verwandt wurde, der nun von meinem
Nachfolger bestens vorbereitet verabschiedet werden kann. Das Konzept der Reform steht.

Angesicht massiver Vorwürfe bezüglich meiner Glaubwürdigkeit ist mir auch ein aufrichtiges
Anliegen, mich an der Klärung der Fragen hinsichtlich meiner Dissertation zu beteiligen: zum
einen gegenüber der Universität Bayreuth, wo ich mit der Bitte um Rücknahme des
Doktortitels bereits Konsequenzen gezogen habe. Zum anderen habe ich zugleich Respekt vor
all jenen, die die Vorgänge zudem strafrechtlich überprüft sehen wollen. Es würde daher nach
meiner Überzeugung im öffentlichen wie in meinem eigenen Interesse liegen, wenn auch die
staatsanwaltlichen Ermittlungen etwa bezüglich urheberrechtlicher Fragen nach Aufhebung
der parlamentarischen Immunität, sollte dies noch erforderlich sein, zeitnah geführt werden
können.

Die enorme Wucht der medialen Betrachtung meiner Person, zu der ich selbst viel
beigetragen habe, aber auch die Qualität der Auseinandersetzung bleiben nicht ohne Wirkung
auf mich selbst und meine Familie. Es ist bekannt, dass die Mechanismen im politischen und
medialen Geschäft zerstörerisch sein können. Wer sich für die Politik entscheidet, darf, wenn
dem so ist, kein Mitleid erwarten. Das würde ich auch nicht in Anspruch nehmen. Ich darf
auch nicht den Respekt erwarten, mit dem Rücktrittsentscheidungen so häufig
entgegengenommen werden.

Nun wird es vielleicht heißen, der Guttenberg ist den Kräften der Politik nicht gewachsen.
Das mag sein oder nicht sein. Wenn ich es aber nur wäre, indem ich meinen Charakter
veränderte, dann müsste ich gerade deswegen handeln. Ich danke von ganzem Herzen der
großen Mehrheit der deutschen Bevölkerung, den vielen Mitgliedern der Union, meinem
Parteivorsitzenden und insbesondere den Soldatinnen und Soldaten, die mir bis heute den
Rücken stärkten, als Bundesverteidigungsminister nicht zurückzutreten. Und ich danke
besonders der Frau Bundeskanzlerin, für alle erfahrene Unterstützung und ihr großes
Vertrauen und Verständnis.

Es ist mir aber nicht mehr möglich, den in mich gesetzten Erwartungen mit dem mir
notwendigen Maß an Unabhängigkeit in der Verantwortung gerecht zu werden. Insofern gebe
ich meinen Gegnern gerne recht, dass ich tatsächlich nicht zum Selbstverteidigungs-, sondern
zum Minister der Verteidigung berufen wurde. Abschließend ein Satz, der für einen Politiker
ungewöhnlich klingen mag. Ich war immer bereit, zu kämpfen, aber ich habe die Grenzen
meiner Kräfte erreicht. Vielen Dank.“
Dr. Angela Dorothea Merkels Erklärung
zum Rücktritt Karl Theodor Maria
Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz
Joseph Sylvester Freiherr von und zu
Guttenbergs vom Amt des
Bundesministers der Verteidigung –
Berlin, 01.03.2011
„Karl-Theodor zu Guttenberg hat mir heute Morgen zunächst telefonisch, später auch
schriftlich mitgeteilt, dass er um seine Entlassung bittet. Ich habe sein Gesuch angenommen
und ich füge hinzu, ich habe das schweren Herzens getan.

Karl-Theodor zu Guttenberg hat sein Amt als Bundesverteidigungsminister mit seiner ganzen
Leidenschaft, mit – wie er es heute selbst formulierte – Herzblut für die ihm anvertrauten
Soldatinnen und Soldaten ausgefüllt. Er hat dieses Amt mit Tatkraft und Entschlossenheit
wahrgenommen. Er hat mit der Bundeswehrreform eine wegweisende und tiefgreifende
Reform unserer Bundeswehr eingeleitet, die den neuen Sicherheitsanforderungen unserer Zeit
gerecht wird, und die unumgänglich ist. Und wir werden diese Bundeswehrreform mit aller
Entschlossenheit umsetzen.

Karl-Theodor zu Guttenberg ist ein Mensch, mit einer herausragenden politischen Begabung,
mit einer ganz eigenen und außergewöhnlichen Fähigkeit, die Herzen der Menschen zu
erreichen und sie auch für Politik zu begeistern.

Ich bedaure seinen Rücktritt sehr, aber ich habe auch Verständnis für seine persönliche
Entscheidung und ich bin sicher, so wird es vielen Menschen im ganzen Land gehen.

Heute ist nicht die Stunde, über einen Nachfolger zu reden und bereits zu entscheiden. Das
wird in Kürze erfolgen. Bis zur Ernennung des Nachfolgers ist Karl-Theodor zu Guttenberg
gemäß Artikel 69 Absatz 3 des Grundgesetzes geschäftsführend im Amt.

Heute ist für mich die Stunde, Karl-Theodor zu Guttenberg für seinen Dienst für unser Land
von ganzem Herzen zu danken. Diesen Dank habe ich ihm heute Mittag auch in einem
persönlichen Gespräch noch einmal ausgesprochen. Es wird jetzt ganz unabhängig von
politischen Ämtern mit Sicherheit nicht das letzte persönliche Gespräch von ihm und mir sein.
Ich bin überzeugt, dass er die nötige Kraft haben wird, weiter die Dinge zu klären, die im
Zusammenhang mit seiner Dissertation zu klären sind. Und gerade deshalb bin ich auch
überzeugt, dass wir – in welcher Form auch immer – in Zukunft Gelegenheit zur
Zusammenarbeit haben werden.“