Sie sind auf Seite 1von 106

für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen

in der Evangelisch-methodistischen Kirche

1
2
für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen
in der Evangelisch-methodistischen Kirche

1 Eckpfeiler unseres Umgangs mit Kindern und Jugendlichen................8


1.1 Die biblische Sicht auf den Menschen................................................8
1.1.1 Christlicher Glaube und Gewalt ...................................................... 10
1.1.2 Christlicher Glaube und Sexualität ................................................. 11
1.2 Unser Umgang mit Kindern und Jugendlichen................................... 12
2 Zur Bedeutung des Verhaltenskodex‘ und der Leitlinien
für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen .................................. 13
2.1 Der Verhaltenskodex .................................................................... 13
2.2 Die Leitlinien ............................................................................. 13
3 Die Einführung in den Verhaltenskodex ......................................... 14
3.1 Die wichtigsten Gesetzestexte ...................................................... 14
3.2 Einführung des Verhaltenskodex‘ in Gemeinden im Rahmen
des Schutzauftrages der Kinder- und Jugendhilfe.............................. 16
3.2.1 Grundsätzliches.......................................................................... 16
3.2.2 Regelungen für Haupt- und Ehrenamtliche....................................... 17
3.2.3 Hilfen für die Umsetzung des Schutzauftrages.................................. 18
3.3 Der Verhaltenskodex.................................................................... 20
3.4 Einführung des Verhaltenskodex‘ bei Freizeiten
und anderen Maßnahmen für Kinder und Jugendliche ........................ 27
4 Unsere Rolle als Leiter und Leiterinnen
von Kinder- und Jugendgruppen................................................... 28
4.1 Der Leiter und die Leiterin als aufsichtspflichtige Person.................... 28
4.2 Wie kommt Aufsichtspflicht zustande? ............................................ 28
4.3 Wie erfülle ich die Aufsichtspflicht?................................................ 29
4.4 Die Vorbildfunktion des Leiters oder der Leiterin .............................. 32
4.5 Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen als Schutzbefohlene .................. 33

3
5 Wie verhalten wir uns?................................................................ 34
5.1 Unsere Haltung .......................................................................... 34
5.1.1 … gegenüber Kindern und Jugendlichen.......................................... 34
5.1.2 … als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter untereinander....................... 36
5.1.3 ... gegenüber Eltern..................................................................... 36
5.1.4 ... und unsere Rolle als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
gegenüber Jungen und Mädchen.................................................... 37
5.2 Unser Verhalten bei Konflikten ...................................................... 38
5.2.1 Konflikte zwischen Teilnehmern und Teilnehmerinnen........................ 40
5.2.2 Konflikte zwischen Teilnehmenden und Mitarbeitenden...................... 43
5.3 Unser Verhalten bezüglich Intimsphäre und Sexualität....................... 44
5.3.1 Unsere Haltung zur Sexualität ....................................................... 44
5.3.2 Sexuelle Entwicklung................................................................... 45
5.3.3 Intimsphäre............................................................................... 46
5.3.4 Eigene Grenzen........................................................................... 47
5.3.5 Sexualität als Thema.................................................................... 48
6 Zur Sache: Was geht, was geht nicht?............................................. 49
6.1 Grenzen und Grenzüberschreitungen............................................... 49
6.1.1 Allgemeingültige Grenzen............................................................. 49
6.1.2 Grenzüberschreitung und Kindeswohl ............................................. 52
6.2 Unser freiheitlich geprägter Umgang miteinander............................. 55
6.2.1 Grundsätzliches.......................................................................... 55
6.2.2 Normen und Regeln – welche unterscheidet man?.............................. 55
6.2.3 Grundsätzliches für das Leitungsteam einer Gruppe........................... 57
6.2.4 Alkohol auf Freizeiten: ein Praxisbeispiel......................................... 58
6.3 Die Entfaltung von Spontaneität und Kreativität
bei Kindern und Jugendlichen ....................................................... 59
6.4 Sexualität.................................................................................. 60
6.4.1 Sexualität aus Sicht der Evangelisch-methodistischen Kirche .............. 60
6.4.2 Der gesetzliche Rahmen ............................................................... 62
6.4.3 Der Umgang mit Paaren in der Gruppe ............................................. 64
6.4.4 Übernachtungen......................................................................... 65
6.4.5 Beziehungen zwischen Leiterinnen oder Leitern
und Teilnehmerinnen oder Teilnehmern........................................... 65
6.5 Gewalt ...................................................................................... 66
6.5.1 Gewalt unter Kindern und Jugendlichen........................................... 66

4
6.5.2 Gewalt im Umgang mit Kindern und Jugendlichen.............................. 69
6.5.3 Kinder, Jugendliche und häusliche Gewalt........................................ 70
6.5.4 Sexualisierte Gewalt.................................................................... 72
6.5.5 Rituelle Gewalt........................................................................... 74
6.5.6 Religiöse Gewalt ......................................................................... 75
6.6 Möglichkeiten des Eingreifens ....................................................... 78
6.6.1 Sanktionen und Konsequenzen bei übergriffigen und Grenzen
verletzenden Handlungen und sexualisierter Gewalt.......................... 78
6.6.2 Was tun bei körperlicher Gewalt, die von Kindern und Jugendlichen
gegeneinander oder gegen Mitarbeiter ausgeübt wird?....................... 80
7 Der Umgang mit Medien .............................................................. 82
7.1 Medienbesitz und -konsum ........................................................... 82
7.2 Rechtliche Lage .......................................................................... 84
7.2.1 FSK – Freiwillige Selbstkontrolle.................................................... 85
7.2.2 USK - Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle................................... 86
7.2.3 GEMA und VGM............................................................................ 88
7.2.4 Webpräsenzen und Homepages...................................................... 88
7.3 Konsequenzen für die kirchliche Arbeit mit Kindern
und Jugendlichen........................................................................ 89
7.4 Pornografie ................................................................................ 92
8 Unterm Strich............................................................................ 95
9 Dank – Editorial ......................................................................... 95
10 Literaturliste............................................................................. 96
zu 5.3 ................................................................................................ 96
zu 6.1.2 ............................................................................................. 96
zu 6.4.4 ............................................................................................. 96
zu 6.5.3 ............................................................................................. 97
zu 6.5.6.............................................................................................. 97
zu 7 ................................................................................................ 98
11 Impressum................................................................................ 98
Herausgeber............................................................................... 98
Verantwortlich für den Inhalt ........................................................ 99
Redaktion.................................................................................. 99
Design, Satz und Layout............................................................... 99

Stichwortverzeichnis......................................................................... 100

5
Vorwort
Mit dieser Arbeitshilfe legen die Kinder- und Jugendwerke der Evangelisch-
methodistischen Kirche in Deutschland Leitlinien vor, die helfen sollen, den
Themen »Gewalt« und »sexueller Missbrauch« in der Arbeit mit Kindern und
Jugendlichen angemessen zu begegnen. Anstoß für diese Leitlinien ist die
Erfahrung von sexueller Gewalt auch im Bereich der Arbeit mit Kindern und
Jugendlichen in unserer Kirche.
Eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema wurde im Jahr 2009
durch die Einführung des Verhaltenskodexʻ für ehrenamtliche Mitarbeiter und
Mitarbeiterinnen angestoßen und in den darauffolgenden Jahren durch zwei
Klausurtagungen vorangetrieben, auf denen den Teilnehmenden die Wichtig-
keit des Themas und die Notwendigkeit der Herausgabe von Orientierungshil-
fen deutlich wurde. So haben sich viele haupt- und ehrenamtliche Autoren und
Autorinnen gefunden, die an der Erstellung des vorliegenden Textes mitgewirkt
haben. Sie alle sind am Ende dieser Arbeitshilfe namentlich benannt. Neben
den Leitlinien ist auch ein Notfallplan entstanden, der für akute Fälle von
Gewaltanwendung und Kindesmisshandlung Hilfe an die Hand gibt. Dieser
Notfallplan kann gesondert bezogen werden.

Wir wissen um die Gefährdungen, denen Kinder und Jugendliche in unserer


Gesellschaft ausgesetzt sind. Wir nehmen Gewalt in Familien wahr, die durch
Auflösung von Familienstrukturen und Überforderung der Erwachsenen in der
Begleitung ihrer Kinder begünstigt wird. Kinder und Jugendliche kommen zu
uns. Sie suchen nach Orten der Geborgenheit und nach Menschen, die verläss-
lich sind. Das sind hohe Anforderungen, denen wir oft nicht gerecht werden
können. Neben der Fürsorge für die Kinder und Jugendlichen sind wir aufgefor-
dert, denen entgegenzutreten, die unsere Gruppen für ihre eigenen sexuellen
Wünsche missbrauchen. Auch diese Forderung macht uns oft Mühe, vor allem
wenn es Mitarbeiter oder Mitarbeiterinnen betrifft, die sich in der Arbeit be-
währt haben. Des Weiteren sind hier auch die Gefährdungen durch den freien
Zugang zu Medien zu nennen, in denen Gewalt verherrlicht wird, in denen Se-
xualität ihren Wert und ihre Schönheit verliert.
Als Verantwortliche in der kirchlichen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen
wollen wir das Thema der sexuellen Gewalt auch unter biblisch-theologischen
Gesichtspunkten betrachten. Gott schenkt uns Sexualität als Gabe und Aufgabe.

6
Wir dürfen Sexualität leben und uns an ihr
erfreuen. Wo diese Gabe missbraucht wird,
haben wir Stellung zu beziehen und uns
einzumischen. Gott spricht jedem einzel-
nen Menschen Wert und Würde zu. Wo
diese Würde missachtet und zerstört wird,
brauchen die Opfer Menschen, die sich auf
ihre Seite stellen und für eine Zeit Wegbe-
gleiter sind.

Der Text der vorliegenden Leitlinien hat


vor allem zwei Motive: Zum einen wollen
wir verdeutlichen, was Gewalt und sexuel-
ler Missbrauch sind, zum anderen benen-
nen wir Handlungsstrategien, die für unsere Arbeit mit Kindern und Jugend-
lichen verbindlich sind. Unser Ziel ist es, Hilfestellung für betroffene Personen
und Gruppen sowie für begleitende Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zu geben.
Wir bitten alle Gemeinden und Werke der Evangelisch-methodistischen Kirche,
dafür Sorge zu tragen, dass haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter und Mitar-
beiterinnen diese Arbeitshilfe zur Kenntnis erhalten und entsprechend der Leit-
linien mit Kindern und Jugendlichen umgehen.

Jörg Hammer
Leiter des Jugendwerks
der Evangelisch-methodistischen Kirche

Ein Kind ist eine


sichtbargewordene Liebe.
(Novalis)

7
1 Eckpfeiler unseres Umgangs
mit Kindern und Jugendlichen
1.1 Die biblische Sicht auf den Menschen
Das Kinder- und Jugendwerk arbeitet im Auftrag der Kirche und versteht seine
Arbeit deshalb als christliche Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Alles, was
wir tun, tun wir im Auftrag Jesu Christi. Er ist daher Maßstab für alles, was wir
reden und was wir tun.
An Jesus Christus orientiert sich daher auch unser Menschenbild. Das, was
Jesus über Gott und über die Menschen gesagt hat, ist für uns bindend. Die Art
und Weise, wie er mit Menschen umgegangen ist, ist uns Vorbild für unseren
Umgang mit den Menschen, mit denen wir zu tun haben. Seine Sichtweise des
Menschen ist Grundlage für unsere Arbeit.

Der Mensch – das Ebenbild Gottes


Nach biblischer Überzeugung ist der Mensch als Ebenbild Gottes geschaffen,
ihm ähnlich (1. Mose 1,27). Von dieser Überzeugung ausgehend, verstand auch
Jesus den Menschen. Zum Ebenbild Gottes geschaffen zu sein, bedeutet nicht
etwa, seine Macht zu haben, seinen Anspruch, der Herr der Welt zu sein. Gott
ähnlich zu sein, darf nicht verwechselt werden mit dem Wunsch, andere Men-
schen zu beherrschen. Vielmehr sind wir als Ebenbilder Gottes zur Gemein-
schaft mit Gott berufen. Die Schöpfung, die Tiere, die Pflanzen, die Berge, loben
Gott durch ihr Leben, durch ihr Sein. Wir Menschen aber sind als Geschöpfe
geschaffen, die Gott bewusst erkennen, die auf ihn hören und die ihm bewusst
antworten können. Das ist unser Privileg allein. Da jeder einzelne Mensch, ob
groß oder klein, ob reich oder arm, ob behindert oder nicht behindert, das
Ebenbild Gottes ist, sind wir vor Gott auch alle gleichwertig. Kein Mensch soll
über einem anderen Menschen stehen. Kein Mensch darf über einen anderen
Menschen herrschen.
Als Gottes Ebenbildern gilt allen Menschen der Bund, den Gott mit ihnen ge-
schlossen hat. Allen gilt, was Gott in Christus für die Welt getan hat. Allen gilt
in gleicher Weise seine Liebe, seine Vergebung und sein Ruf, Christus nachzu-
folgen und mit ihm zu leben.
Gottes Ebenbild sind wir nicht aufgrund irgendwelcher Eigenschaften, nicht
deshalb, weil wir einen Verstand haben, nicht deshalb weil wir anderen Ge-

8
schöpfen irgend etwas voraushätten, sondern allein aufgrund der Berufung
Gottes, aufgrund seiner Liebe, mit der er alle Menschen gleichermaßen um-
fängt.
Gottes Ebenbilder sind wir nicht erst als Erwachsene. Gottes Ebenbilder sind
wir von Geburt an, ja, schon vor unserer Geburt. Jedes menschliche Leben hat
darum eine ganz besondere Würde und verdient ganz besondere Fürsorge und
Zuwendung. In unserer Liebe und Fürsorge gegenüber unseren Mitmenschen
wollen wir als Gottes Ebenbilder Gott ähnlich werden.
Das bedeutet: Auch Kinder und Jugendliche sind von Gott dazu berufen,
Gottes Ebenbild zu sein. Sie haben dieselbe Würde wie Erwachsene. Auch über
Kinder und Jugendliche dürfen andere Menschen nicht herrschen. Sie sind als
Partner Gottes auch uns Erwachsenen gegenüber gleichwertige und ebenbür-
tige Mitmenschen.

Der Mensch – durch Christus mit Gott versöhnt


Die Bibel weiß, dass der Mensch als Ebenbild des allmächtigen Gottes immer
wieder versagt und seiner Berufung nicht so nachkommt, wie Gott es für ihn
vorgesehen hat. Das Ebenbild Gottes finden wir darum in unserer Welt immer
nur als verzerrtes und teilweise entstelltes Bild vor. Das Bild Gottes in uns ist
nicht zerstört (!), aber es ist (oft bis zur Unkenntlichkeit) entstellt. Dennoch hat
Gott seinen Bund mit den Menschen nicht aufgehoben. Er hat ihn vielmehr er-
neuert, indem sein heilvolles Wort in Jesus von Nazareth Gestalt annahm und
Mensch wurde. Das Leben Jesu war geprägt von Liebe und Zuwendung. Men-
schen erfuhren konkrete Hilfe von ihm. Er sprach ihnen Gottes Vergebung zu.
Er lebte nicht für sich, sondern für seine Mitmenschen. Er nahm den gewalt-
samen Tod am Kreuz auf sich, um den Weg Gottes, den Weg der Liebe und der
Vergebung nicht verlassen zu müssen. Seine Antwort auf die Gewalt, die Men-
schen ihm antaten, war das Wort der Vergebung: »Vater vergib ihnen, denn sie
wissen nicht, was sie tun« (Lk. 23,34). Dieses Verhalten Jesu,
seine unendliche Liebe zu den Menschen, sein Tod, den er
aus Liebe auf sich nahm, erweist seinen Vater im Him-
mel als einen Gott, der zu seinem Wort steht, der sei-
nen Bund hält und der bereit ist, den Menschen ihre
Schuld zu vergeben, immer wieder auf sie zuzukom-
men und in die Gemeinschaft mit ihm einzuladen.

9
Auch die Kinder hat Jesus dabei nicht übersehen. Er sah sie als Menschen,
denen die Liebe Gottes genauso gilt, wie den Erwachsenen. Mehr noch: Für ihn
waren Kinder die Vorbilder des Glaubens. Er hat ihnen bedingungslos das Reich
Gottes zugesprochen und die Erwachsenen aufgefordert, so zu werden »wie die
Kinder« (Mk. 10,15).
Wir verstehen unsere Arbeit deshalb auch als Arbeit mit Kindern, als Arbeit
mit Jugendlichen, und nicht als »Arbeit an Kindern und Jugendlichen«. Wir sind
mit den Kindern und den Jugendlichen gemeinsam auf dem Weg, fragen ge-
meinsam nach Gott, suchen gemeinsam Antworten auf unsere Fragen und wis-
sen uns mit den Kindern und Jugendlichen verbunden als Glieder des einen
Leibes Christi.

Der Mensch – berufen zu einem Leben mit Christus


Zu einem Leben in der Gemeinschaft mit Gott gehört ganz selbstverständlich
das Fragen nach dem, was Gott von uns will. Leben mit Gott ist immer zugleich
das Treten in die Fußstapfen Jesu. Wir versuchen, die Menschen so zu sehen,
wie Jesus sie gesehen hat. Wir versuchen, sie so zu lieben, wie Jesus sie geliebt
hat. Wir versuchen, zum Wohle anderer zu leben, Hilfe zu leisten, wo immer es
möglich ist, zur Gemeinschaft mit Gott einzuladen und somit dem zu entspre-
chen, was Gott von uns, seinen Ebenbildern, möchte.
Auch an dieser Stelle sind wir mit Kindern und mit Jugendlichen gemeinsam
auf dem Weg. Auch Kinder und Jugendliche können nach dem Willen Gottes
fragen. Auch sie können versuchen, in ihrem Umfeld zu tun, was Jesus getan
hat. Darum sind wir als Erwachsene gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen
auf der Suche nach dem Willen Gottes und nach Möglichkeiten, die Liebe Gottes
an andere Menschen weiterzugeben.
Diese biblische Sicht auf den Menschen hat Auswirkungen auf unser Verhält-
nis zu allen Bereichen menschlichen Zusammenlebens. Für unseren Zusam-
menhang sind vor allem zwei Bereiche wichtig:
• das Verhältnis des christlichen Glaubens zu Gewalt
• das Verhältnis des christlichen Glaubens zur Sexualität des Menschen
Diese beiden Bereiche sollen im Folgenden konkretisiert werden.

1.1.1 Christlicher Glaube und Gewalt


Das Leben und Sterben Jesu ist auch Maßstab für unser Verhältnis zur Gewalt.
Jesus lebte gewaltlos. Er fordert alle auf, die ihm folgen, auf Gewalt nicht mit

10
Gegengewalt zu reagieren. »Wenn dich je-
mand auf die rechte Backe schlägt, dem
biete die andere auch dar« (Matth. 5,39).
Der Verzicht auf Gewalt hat Jesus in einen
gewaltsamen Tod geführt. Seine Liebe zu
den Menschen verbot es ihm, auf Gewalt
mit Gegengewalt zu antworten. Als
Christen folgen wir Jesus auch darin nach
und üben uns in Gewaltverzicht, auch
wenn uns das nicht immer gelingt.
In der Arbeit mit Kindern und Jugend-
lichen wollen wir deshalb auf jede Gewalt
verzichten. Gewalt kann körperlich ausge-
übt werden oder auch mit Worten oder
Taten. Auch Strukturen und Organisationsformen können so aufgebaut sein,
dass Menschen dadurch Gewalt angetan wird. Wir versuchen zu erkennen, wo
Gewalt ausgeübt wird und treten ihr, wo wir können, entgegen. Kinder und
Jugendliche üben auch gegenseitig Gewalt aus. Es ist unsere Aufgabe, das zu
erkennen und dem Einhalt zu gebieten.
Die Liebe zu den Kindern und Jugendlichen und deren Wohlergehen sind
oberstes Prinzip unserer Arbeit. Nur so können wir die Würde der Menschen
achten, die uns anvertraut sind. Nur so können Kinder und Jugendliche sich bei
uns sicher und geborgen fühlen. Nur so können sie Vertrauen in uns finden, nur
so können wir ihnen glaubhaft den Weg zu Jesus Christus zeigen.

1.1.2 Christlicher Glaube und Sexualität


Als Christen glauben wir, dass Gott den Menschen geschaffen hat mit allem,
was zu ihm gehört. Ein wichtiger Bereich menschlichen Lebens und Zusam-
menlebens ist die Sexualität. In ihr hat der Mensch die Möglichkeit, in besonde-
rer Weise seiner Liebe Ausdruck zu verleihen. Die Sexualität gibt dem Men-
schen die Möglichkeit, in besonderer Weise Glück zu erfahren und Glück zu
schenken.
Es ist für den Menschen wichtig, eine positive und verantwortungsvolle Ein-
stellung zur Sexualität zu finden, so dass er eine erfüllte Sexualität leben kann,
egal welche sexuelle Orientierung in Bezug auf das Geschlecht bei ihm vorliegt.

11
Wir treten dafür ein, dass Menschen eine unverkrampfte Haltung und einen
positiven Zugang zur Sexualität bekommen. Gleichwohl betonen wir die Ver-
antwortung, die aus der Sexualität erwächst. Denn im Bereich Sexualität ist der
Mensch ganz besonders verletzlich und angreifbar. Die Sexualität macht den
Menschen bei aller Erfüllung und bei allem Glück, das sie ihm schenkt, auch
verwundbar.
Wir wollen in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen beiden Dimensionen
in gleicher Weise Beachtung schenken. Sexualität ist eine gute und in ganz be-
sonderer Weise erfüllende Gabe Gottes, die aber nur dann zu wirklicher Entfal-
tung kommen kann, wenn verantwortungsvoll mit ihr umgegangen wird.
In kaum einem Bereich menschlichen Lebens geschehen so viele Verletzungen
und Gewalttaten wie im Bereich Sexualität. Deshalb sind wir als Mitarbeiter
und Mitarbeiterinnen an dieser Stelle ganz besonders sensibel und versuchen,
in unserem Einflussbereich jegliche Verletzung zu verhindern. Wir wollen ab-
fällige Redeweisen oder sexistische Witze abweisen und mit den Kindern und
Jugendlichen positiv über Sexualität reden.

1.2 Unser Umgang mit Kindern und Jugendlichen


Unser Umgang mit Kindern und Jugendlichen soll von diesem biblischen Men-
schenbild geprägt sein und die folgenden Dinge betonen:
• Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen erfordert eine ganz besondere
Sorgfalt und Behutsamkeit.
• Eltern haben uns ihre Kinder anvertraut und uns beauftragt, in dieser Zeit
für sie zu sorgen, auf ihr Wohl zu achten und sie von jeglichem Schaden
fernzuhalten, soweit es in unserer Macht steht.
• Die Verantwortung, die uns dadurch übertragen wird, wollen wir uns
bewusst machen und sie sehr ernst nehmen.
• In unserer Arbeit mit Kindern und Jugendlichen verzichten wir auf die
Anwendung von Gewalt.
• Wir sind aufmerksam, wenn wir wahrnehmen, dass innerhalb einer Gruppe
Gewalt ausgeübt wird, sei es körperliche, seelische oder verbale Gewalt.
• Der Bereich der Sexualität ist ein besonders sensibler Bereich. Kinder und
Jugendliche brauchen hier unsere ganz besondere Fürsorge und Sorgfalt.
• Besonders bei Übernachtungen achten wir darauf, dass die Intimsphäre
aller Teilnehmer und Teilnehmerinnen und aller Mitarbeiter und Mitar-
beiterrinnen gewahrt bleibt. Getrenntes Schlafen von Jungen und Mädchen
ist dabei selbstverständlich.
12
2 Zur Bedeutung des Verhaltenskodex’
und der Leitlinien für die Arbeit
mit Kindern und Jugendlichen
2.1 Der Verhaltenskodex
Wikipedia beschreibt einen Verhaltenskodex wie folgt:
»Ein Verhaltenskodex (…) ist eine Sammlung von Verhaltensweisen, die in un-
terschiedlichsten Umgebungen und Zusammenhängen abhängig von der jewei-
ligen Situation angewandt werden können bzw. sollen. Im Gegensatz zu einer
Regelung ist die Zielgruppe nicht zwingend an die Einhaltung gebunden – da-
her auch häufig der Begriff der »freiwilligen Selbstkontrolle«. Ein Verhaltens-
kodex ist vielmehr eine Selbstverpflichtung, bestimmten Verhaltensmustern zu
folgen oder diese zu unterlassen.«
Die Evangelisch-methodistische Kirche will mit ihrem Verhaltenskodex zur
Prävention von Gewalt und speziell von sexueller Gewalt diese freiwillige
Selbstkontrolle hervorheben. Vor allem im Bereich der Arbeit mit Kindern und
Jugendlichen soll ein Zeichen gesetzt werden, wenn sich sowohl ehren- als auch
hauptamtliche Mitarbeitende verbindlich zu einem respekt- und achtungsvollen
Umgang mit den ihnen Schutzbefohlenen durch Unterzeichnung des Verhaltens-
kodex’ʻ verpflichten.
Seit Anfang des Jahres 2009 ist der Verhaltenskodex, zusammen mit einer
Einführung in das Thema »Prävention von sexueller Gewalt«, fester Bestandteil
der Lehrgänge zur Grundausbildung für Gruppenleiter und Gruppenleiterinnen
der Kinder- und Jugendwerke.

2.2 Die Leitlinien


Ausgehend vom Verhaltenskodex beinhalten die Leitlinien konkrete und für die
praktische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen verbindliche
Ausführungen. Sie dienen Mitarbeitenden zur grundle-
genden und situationsspezifischen Information und
Anleitung. Sie tragen der besonderen Vertrauens-
und Autoritätsstellung der Rolle und Funktion als
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Arbeit mit
Kindern und Jugendlichen unserer Kirche Rech-
nung.

13
3 Die Einführung in den Verhaltenskodex
3.1 Die wichtigsten Gesetzestexte
Die wichtigsten Gesetzestexte im Zusammenhang mit sexuellem Missbrauch
haben wir zusammengefasst:

§ 72a KJHG/SGB VIII:


Die Träger der öffentlichen Jugendhilfe sollen hinsichtlich der persönlichen Eig-
nung im Sinne des § 72 Abs. 1 insbesondere sicherstellen, dass sie keine Per-
sonen beschäftigen oder vermitteln, die rechtskräftig wegen einer Straftat nach
den §§ 171, 174 bis 174c, 176 bis 181a, 182 bis 184e oder § 225 des Strafge-
setzbuches verurteilt worden sind. 2 Zu diesem Zweck sollen sie sich bei der
Einstellung und in regelmäßigen Abständen von den zu beschäftigenden Per-
sonen ein Führungszeugnis nach § 30 Abs. 5 des Bundeszentralregistergesetzes
vorlegen lassen. 3 Durch Vereinbarungen mit den Trägern von Einrichtungen
und Diensten sollen die Träger der öffentlichen Jugendhilfe auch sicherstellen,
dass diese keine Personen nach Satz 1 beschäftigen.

§174 StGB:
Strafbar sind versuchte und vollendete sexuelle Handlungen an, mit oder vor
Schutzbefohlenen bis 18 Jahre durch Personen, denen die Erziehung, Ausbil-
dung oder Betreuung des Opfers übertragen wurde. Hierzu gehören Eltern,
Lehrer, Erzieher, Pfarrer, Gruppenleiter etc.

§§174 a, b, c StGB:
Die Opferpersonenkreise werden auf Hilfsbedürftige, Kranke und Gefangene
oder sich in Verwahrung oder in Beratungs-, Behandlungs- oder Betreuungs-
verhältnisse befindliche oder stationär untergebrachte Personen ausgeweitet.
Damit vergrößert sich der Kreis der möglichen TäterInnen entsprechend.

§176 StGB:
Strafbar sind jegliche sexuelle Handlungen an Kindern unter 14 Jahren, die
Einbeziehung Dritter sowie sexuelle Handlungen vor Kindern oder das Vorzei-
gen pornographischen Materials.

14
§§176 a, b StGB:
Strafverschärfend sind Fälle von »schwe-
rem« sexuellem Missbrauch: Der vollzo-
gene Beischlaf, gesundheitliche und see-
lische Schädigungen oder erhebliche
Schädigungen der körperlichen und see-
lischen Entwicklung durch die Tat, die
Herstellung pornographischer Schriften.

§ 182 StGB:
Sexueller Missbrauch liegt dann vor, wenn
eine Person über 18 Jahren unter Ausnut-
zung einer Zwangslage oder gegen Entgelt
sexuelle Handlungen an einer Person unter
18 Jahren vornimmt oder durch sie an sich vornehmen lässt. Sexueller Miss-
brauch liegt auch dann vor, wenn eine Person über 21 Jahren sexuelle Hand-
lungen an einer Person unter 16 Jahren vornimmt oder durch sie an sich vor-
nehmen lässt.

§ 225 StGB
Wer eine Person unter achtzehn Jahren oder eine wegen Gebrechlichkeit oder
Krankheit wehrlose Person, die
1. seiner Fürsorge oder Obhut untersteht,
2. seinem Hausstand angehört,
3. von dem Fürsorgepflichtigen seiner Gewalt überlassen worden oder
4. ihm im Rahmen eines Dienst- oder Arbeitsverhältnisses untergeordnet ist,
quält oder roh misshandelt, oder wer durch böswillige Vernachlässigung seiner
Pflicht, für sie zu sorgen, sie an der Gesundheit schädigt, wird mit Freiheits-
strafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren bestraft.

15
3.2 Einführung des Verhaltenskodex’ in Gemeinden im Rahmen
des Schutzauftrages der Kinder- und Jugendhilfe

3.2.1 Grundsätzliches
Unsere Arbeit lebt durch vertrauensvolle Beziehungen von Menschen unterei-
nander und mit Gott. Vertrauen soll tragfähig werden und bleiben. Es darf nicht
zum Schaden von Kindern und Jugendlichen ausgenutzt werden. In unserer
kirchlichen Arbeit bieten wir Kindern und Jugendlichen eine Gemeinschaft, in
der persönliche Nähe, ganzheitliches Lernen und Leben und Erfahrungen mit
Gott Raum finden. Durch diese besondere Vertrauens- und Autoritätsstellung
haben wir als Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen eine prägende Rolle und ver-
antwortungsvolle Funktion für das Wohl der uns anvertrauten Kinder und
Jugendlichen. Dazu gehört auch der Schutz von Kindern und Jugendlichen vor
sexuellen Übergriffen, sexualisierter Atmosphäre, geschlechtsspezifischer Dis-
kriminierung und Pornografie. Ein von der Evangelisch- methodistischen Kir-
che entwickelter Verhaltenskodex für Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in der
Arbeit mit Kindern und Jugendlichen beschreibt, wie wir unsere Aufgabe an
den Kindern und Jugendlichen sehen, und nach welchen Grundsätzen unsere
Arbeit geschehen soll. Wir verpflichten uns damit, Kinder und Jugendliche zu
schützen und ihre Würde zu achten. Vor allem halten wir fest, dass wir Gewalt
in der Erziehung ablehnen und Kinder vor jeglicher sexuellen Gewalt schützen
wollen.
Eine klare Positionierung zum Kinderschutz, ein Klima von offener Ausei-
nandersetzung mit dem Thema, Transparenz und Sensibilisierung ist ein
Gewinn für die Qualität unserer Arbeit und erlaubt es, sowohl Kindern und
Jugendlichen, als auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, sich bei uns wohl
und sicher zu fühlen.

Wir wissen aus den Nachrichten, dass Gewalt, auch sexuelle Gewalt an Kindern
und Jugendlichen, immer wieder vorkommt. Für uns ist es eine Selbstverständ-
lichkeit, dass wir als Kirche jegliches Verhalten strikt ablehnen und verurteilen,
das Kindern und Jugendlichen Schaden zufügt. Ganz besonders sensibel sind
wir in Bezug auf sexuelle Gewalt. Mitarbeitende in der Arbeit mit Kindern und
Jugendlichen dürfen dieses Thema nicht verdrängen. Viele Erfahrungen zeigen,
dass die Mitarbeitenden den Inhalt des Verhaltenskodexʻ sehr unterstützen oder
für »selbstverständlich« halten.

16
3.2.2 Regelungen für Haupt- und Ehrenamtliche
Am 1. Oktober 2005 ist das Kinder- und Jugendhilfeweiterentwicklungsgesetz
(KICK) in Kraft getreten. Darin wird festgelegt, dass die Träger der öffentlichen
Jugendhilfe sicherstellen müssen, dass sie keine Personen beschäftigen, die
rechtskräftig wegen Misshandlung von Kindern oder Jugendlichen verurteilt
wurden. Um dies nachzuweisen, müssen alle Hauptamtlichen in der Kinder-
und Jugendhilfe in regelmäßigen Abständen ein polizeiliches Führungszeugnis
vorlegen. Als Kirche sind wir kein Träger öffentlicher Jugendhilfe, sondern ge-
hören zu dem Bereich der »freien Jugendhilfe«. Dennoch betrifft dieses Gesetz
uns direkt. In § 72a des Kinder- und Jugendhilfegesetzes (KJHG ) ist festgelegt,
dass die öffentliche Jugendhilfe sicherstellen muss, dass auch die Träger der
freien Jugendhilfe keine einschlägig vorbestraften Personen beschäftigen. Auch
die freien Träger der Jugendhilfe müssen den Schutzauftrag, wie er in § 8a
KJHG festgelegt ist, wahrnehmen. Die Kirche hat darum für Hauptamtliche
spezielle Regelungen entworfen, die dem entsprechen.
Nachdem bei uns vor allem Ehrenamtliche in der Arbeit mit Kindern und
Jugendlichen tätig sind, wurde es uns von Seiten der Arbeitsgemeinschaft der
evangelischen Jugend dringend angeraten, Vereinbarungen für Ehrenamtliche
zu entwickeln. Damit wollen wir dazu beitragen und letztlich auch sicherstellen,
dass unsere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sich der Problematik des Schutz-
auftrages bewusst sind. Die Kinder- und Jugendwerke haben darum einen Ver-
haltenskodex entwickelt, der unser Verständnis von Arbeit mit Kindern und
Jugendlichen deutlich macht. Dieser Verhaltenskodex soll mit den Mitarbeitern
und Mitarbeiterinnen in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen auf den Be-
zirken durchgesehen werden. Wir glauben, dass wir so sicherstellen, dass der
Schutzauftrag an Kindern und Jugendlichen verwirklicht wird.
Wir betonen, dass kein Hauptamtlicher und kein Ehrenamtlicher dadurch
verdächtigt oder gar beschuldigt werden soll. Wir wollen aber deutlich machen,
dass wir uns unserer Verantwortung gegenüber Kindern und
Jugendlichen bewusst sind. Ebenso wollen wir als Kirche
nach außen deutlich machen, dass wir das Problem von
Gewalt und sexuellem Missbrauch ernst nehmen und
unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch in die-
sen Fragen aufklären.

17
3.2.3 Hilfen für die Umsetzung des Schutzauftrages
Der Kirchenvorstand der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland
hat bei seiner Sitzung im April 2008 einige wichtige Beschlüsse in Bezug auf
den Schutz von Kindern und Jugendlichen in unserer kirchlichen Arbeit gefasst.
Kernpunkte dieser Beschlüsse sind einerseits Regelungen für die Hauptamt-
lichen, andererseits ein Verhaltenskodex für die ehrenamtlichen Mitarbeiter
und Mitarbeiterinnen.
Der Verhaltenskodex wird allen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen in den
Bezirken, die mit Kindern und Jugendlichen zu tun haben, zur Kenntnisnahme
vorgelegt. Es wird empfohlen, dass die Kenntnisnahme per Unterschrift bestä-
tigt wird.

Zur Umsetzung in den Gemeinden wird beschlossen:

1. Vor Beginn der Einführung des Verhaltenskodexʻ werden die Bezirkskonfe-


renz, der Bezirksvorstand oder die Gemeindevorstände über den Vorgang infor-
miert. Sie bestätigen, dass der Empfehlung des Kirchenvorstands nachzukom-
men ist. Damit wird die Empfehlung verpflichtend.
2. Die Pastoren, Pastorinnen und weiteren Hauptamtlichen auf den Bezirken
haben Vorbildfunktion. Sie sind daher die ersten, die die Kenntnisnahme bestä-
tigen und die Selbstverpflichtung für sich unterzeichnen. Auch ihre Unterschrift
wird zu den Akten des Bezirks genommen.
3. Die Umsetzung des Schutzauftrages geschieht am besten in einer Zusam-
menkunft aller Mitarbeitenden, die sich auf Gemeindeebene in der Arbeit mit
Kindern und Jugendlichen engagieren. In diesem Treffen sollte der Sinn des
Vorgangs besprochen und erläutert werden. Die Pastoren und Pastorinnen sind
in der Verantwortung, dies einsichtig zu machen. Jeder Teilnehmer und jede
Teilnehmerin erhält den Verhaltenskodex und die Gesetzestexte ausgehändigt.
Er oder sie bescheinigt den Erhalt dieses Blattes auf einer Liste durch Unter-
schrift. Ob die Selbstverpflichtung sofort oder später unterschrieben wird, bleibt
den Einzelnen überlassen. Dies muss nicht kontrolliert, sollte aber empfohlen
werden. Bestätigt werden muss nur der Erhalt und die Kenntnisnahme. Wo ein
solches Treffen nicht möglich ist, sind die Pastoren und Pastorinnen aufgefor-
dert, die Mitarbeitenden einzeln anzusprechen und zu informieren. Diese Auf-
gabe kann ausnahmsweise an verantwortungsvolle Personen delegiert werden.

18
Die Kenntnisnahme kann ebenfalls in der
Liste oder auf einem Einzelformular bestä-
tigt werden.
4. In Ausnahmesituationen kann es even-
tuell auch möglich sein, dass der Pastor/die
Pastorin die Gruppenleiter und Gruppen-
leiterinnen über den Inhalt des Schutzauf-
trages informiert und diese mit der Wei-
tergabe in ihren Gruppen betraut. Sie
besprechen in ihren Teams den Verhal-
tenskodex und lassen die Kenntnisnahme
unterschreiben. Sie geben die Liste an den
Pastor/die Pastorin zurück.
5. Der Pastor/die Pastorin ist dafür ver-
antwortlich, dass auch neue Mitarbeitende den Verhaltenskodex zu Beginn
ihrer Tätigkeit erhalten und die Kenntnisnahme bestätigen.
6. Die Bescheinigung über die Kenntnisnahme ist zu archivieren, so dass
auch zu einem späteren Zeitpunkt darauf zurückgegriffen werden kann. Die
unterschriebenen Papiere werden laut Aktenplan der Bezirke unter 3.1.2 Ehren-
amtliche Mitarbeit abgelegt.

Sind die Kinder klein, müssen


wir ihnen helfen, Wurzeln zu fassen.
Sind sie aber groß geworden,
müssen wir ihnen Flügel schenken.
(Sprichwort aus Indien)

19
3.3 Der Verhaltenskodex
Der Text des Verhaltenskodexʻ’ liegt in zwei Fassungen vor. Diese Fassungen
unterscheiden sich nur im Wortlaut der persönlichen Erklärung, die jeweils
unterschrieben werden soll.

Fassung 1: Verhaltenskodex für die Gemeinden


Diese Fassung soll von allen Personen unterzeichnet werden, die in unseren
Gemeinden in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen engagiert sind.
Sie enthält die folgende Erklärung:

Ich erkläre, dass ich diesen Verhaltenskodex bejahe und die umseitig
abgedruckten Paragraphen zur Kenntnis genommen habe.

Sie unterzeichnen die Kenntnisnahme des Textes und geben kund, dass sie den
Verhaltenskodex in der vorliegenden Form bejahen.

Fassung 2: Verhaltenskodex für die Kinder- und Jugendwerke


Diese Fassung muss von allen Haupt- und Ehrenamtlichen der Kinder- und
Jugendwerke unterzeichnet werden und enthält die folgende Erklärung:

Ich erkläre, dass ich diesen Verhaltenskodex bejahe.
Ich erkläre, dass ich darauf achten werde, dass durch mein Verhalten
Menschen nicht zu Schaden kommen und dass ich die Intimsphäre
eines Menschen nie wissentlich verletzen werde.
Die zu diesen Fragen geltenden Gesetze der Bundesrepublik
Deutschland (Auszug umseitig abgedruckt) habe ich zur Kenntnis
genommen. Ich erkläre, dass ich im Hinblick auf die umseitig
genannten Paragraphen unbescholten bin.

20
Verhaltenskodex
ZENTRALKONFERENZ Für ehrenamtliche Mitarbeiter und
IN DEUTSCHL AND
Mitarbeiterinnen in der Kinder-
und Jugendarbeit in der Gemeinde

Unsere Verantwortung gegenüber dass Kinder und Jugendliche in unserer Kirche in


Kindern und Jugendlichen keiner Weise zu Schaden kommen. Gewalt als Mit-
Als Christen glauben wir, dass der Mensch als Bild tel der Erziehung und Konfliktlösung schließen
Gottes von ihm geliebt und bedingungslos ange- wir aus. Wir wollen unsere Aufsichtspflicht ge-
nommen ist. Es ist es uns daher untersagt, Men- genüber Kindern und Jugendlichen sensibel und
schen zu gebrauchen und sie nach unserem Bild aufmerksam wahrnehmen.
zu gestalten. Kinder und Jugendliche bedürfen
eines besonderen Schutzes. Unsere Haltung zum Thema
Als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der »sexueller Missbrauch«
Kinder- und Jugendarbeit der Evangelisch-me- Insbesondere der Bereich der Sexualität und der
thodistischen Kirche sind wir uns unserer hohen Intimität ist hierbei zu schützen. Wir legen größ-
Verantwortung gegenüber den Kindern und Ju- ten Wert darauf, dass jegliche sexuelle Belästi-
gendlichen, mit denen wir arbeiten, bewusst. Wir gung verhindert, dass ein Verdacht angesprochen
wissen darum, dass wir von ihnen als Vorbilder im und gegebenenfalls angezeigt wird.
Leben und im Glauben wahrgenommen werden. Wir wissen, dass wir Kinder gerade in diesem
Wir wissen ebenso, dass uns die Kinder und die Bereich besonders sensibel beobachten, sie be-
Jugendlichen anvertraut sind und dass wir des- sonders aufmerksam wahrnehmen und für ihren
halb eine Mitverantwortung dafür haben, dass Schutz eintreten müssen. Wir sind uns dessen be-
sie in einem für sie hilfreichen und förderlichen wusst, dass unser Verhalten (unser Handeln und
Umfeld aufwachsen. unser Reden) gegenüber Kindern und Jugendli-
chen sehr behutsam sein muss und dass die Gren-
Unsere Aufsichtspflicht zen der Persönlichkeit eines Menschen immer ge-
Für die Zeit, die sie in unseren Gruppenstunden wahrt bleiben müssen. Wir unterbinden jegliches
und anderen Veranstaltungen verbringen, sind Verhalten, das die Intimsphäre eines Menschen
wir für ihren Schutz und ihre Unversehrtheit nicht achtet oder verletzt. Wir wissen, dass insbe-
verantwortlich. Diese Verantwortung nehmen sondere Minderjährigen unsere ganz besondere
wir sehr ernst, insbesondere dann, wenn wir mit Aufmerksamkeit und Fürsorge gelten muss.
Minderjährigen zu tun haben. Wir achten darauf,

Ich erkläre, dass ich diesen Verhaltenskodex bejahe


und die umseitig abgedruckten Paragraphen zur Kenntnis genommen habe.

Name / Vorname Geburtstag T T/MM/JJJJ

Datum / Ort Unterschrift

21
Verhaltenskodex
ZENTRALKONFERENZ Für Ehrenamtliche und Hauptamtliche
IN DEUTSCHL AND
im Kinder- und Jugendwerk der EmK

Unsere Verantwortung gegenüber dass Kinder und Jugendliche in unserer Kirche in


Kindern und Jugendlichen keiner Weise zu Schaden kommen. Gewalt als Mit-
Als Christen glauben wir, dass der Mensch als Bild tel der Erziehung und Konfliktlösung schließen
Gottes von ihm geliebt und bedingungslos ange- wir aus. Wir wollen unsere Aufsichtspflicht ge-
nommen ist. Es ist es uns daher untersagt, Men- genüber Kindern und Jugendlichen sensibel und
schen zu gebrauchen und sie nach unserem Bild aufmerksam wahrnehmen.
zu gestalten. Kinder und Jugendliche bedürfen
eines besonderen Schutzes. Unsere Haltung zum Thema
Als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der »sexueller Missbrauch«
Kinder- und Jugendarbeit der Evangelisch-me- Insbesondere der Bereich der Sexualität und der
thodistischen Kirche sind wir uns unserer hohen Intimität ist hierbei zu schützen. Wir legen größ-
Verantwortung gegenüber den Kindern und Ju- ten Wert darauf, dass jegliche sexuelle Belästi-
gendlichen, mit denen wir arbeiten, bewusst. Wir gung verhindert, dass ein Verdacht angesprochen
wissen darum, dass wir von ihnen als Vorbilder im und gegebenenfalls angezeigt wird.
Leben und im Glauben wahrgenommen werden. Wir wissen, dass wir Kinder gerade in diesem
Wir wissen ebenso, dass uns die Kinder und die Bereich besonders sensibel beobachten, sie be-
Jugendlichen anvertraut sind und dass wir des- sonders aufmerksam wahrnehmen und für ihren
halb eine Mitverantwortung dafür haben, dass Schutz eintreten müssen. Wir sind uns dessen be-
sie in einem für sie hilfreichen und förderlichen wusst, dass unser Verhalten (unser Handeln und
Umfeld aufwachsen. unser Reden) gegenüber Kindern und Jugendli-
chen sehr behutsam sein muss und dass die Gren-
Unsere Aufsichtspflicht zen der Persönlichkeit eines Menschen immer ge-
Für die Zeit, die sie in unseren Gruppenstunden wahrt bleiben müssen. Wir unterbinden jegliches
und anderen Veranstaltungen verbringen, sind Verhalten, das die Intimsphäre eines Menschen
wir für ihren Schutz und ihre Unversehrtheit nicht achtet oder verletzt. Wir wissen, dass insbe-
verantwortlich. Diese Verantwortung nehmen sondere Minderjährigen unsere ganz besondere
wir sehr ernst, insbesondere dann, wenn wir mit Aufmerksamkeit und Fürsorge gelten muss.
Minderjährigen zu tun haben. Wir achten darauf,

Ich erkläre, dass ich diesen Verhaltenskodex bejahe. Ich erkläre, dass ich darauf achten werde,
dass durch mein Verhalten Menschen nicht zu Schaden kommen und dass ich die Intimsphäre
eines Menschen nie wissentlich verletzen werde. Die zu diesen Fragen geltenden Gesetze der
Bundesrepublik Deutschland (Auszug umseitig abgedruckt) habe ich zur Kenntnis genommen.
Ich erkläre, dass ich im Hinblick auf die umseitig genannten Paragraphen unbescholten bin.

Name / Vorname Geburtstag T T/MM/JJJJ

Datum / Ort Unterschrift

22
Die geltenden GESETZESTEXTE (und Zusammenfassungen)
zu Fragen des sexuellen Missbrauchs:

§ 72a KJHG/SGB VIII: (2) Wer unter den Voraussetzungen des Absatzes
Die Träger der öffentlichen Jugendhilfe sollen 1 Nr. 1 bis 3
hinsichtlich der persönlichen Eignung im Sinne 1. sexuelle Handlungen vor dem Schutzbefohle-
des § 72 Abs. 1 insbesondere sicherstellen, dass nen vornimmt oder
sie keine Personen beschäftigen oder vermitteln, 2. den Schutzbefohlenen dazu bestimmt, dass er
die rechtskräftig wegen einer Straftat nach den sexuelle Handlungen vor ihm vornimmt,
§§ 171, 174 bis 174c, 176 bis 181a, 182 bis 184e um sich oder den Schutzbefohlenen hierdurch
oder § 225 des Strafgesetzbuches verurteilt wor- sexuell zu erregen, wird mit Freiheitsstrafe bis zu
den sind. 2 Zu diesem Zweck sollen sie sich bei drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
der Einstellung und in regelmäßigen Abständen (3) Der Versuch ist strafbar.
von den zu beschäftigenden Personen ein Füh- (4) In den Fällen des Absatzes 1 Nr. 1 oder des
rungszeugnis nach § 30 Abs. 5 des Bundeszent- Absatzes 2 in Verbindung mit Absatz 1 Nr. 1 kann
ralregistergesetzes vorlegen lassen. 3 Durch Ver- das Gericht von einer Bestrafung nach dieser Vor-
einbarungen mit den Trägern von Einrichtungen schrift absehen, wenn bei Berücksichtigung des
und Diensten sollen die Träger der öffentlichen Verhaltens des Schutzbefohlenen das Unrecht der
Jugendhilfe auch sicherstellen, dass diese keine Tat gering ist.
Personen nach Satz 1 beschäftigen.
§§174 a, b, c StGB:
§174 StGB: Die Opferpersonenkreise werden auf Hilfsbedürf-
Strafbar sind versuchte und vollendete sexuelle tige, Kranke und Gefangene oder sich in Verwah-
Handlungen an, mit oder vor Schutzbefohlenen rung oder in Beratungs-, Behandlungs- oder Be-
bis 18 Jahre durch Personen, denen die Erzie- treuungsverhältnisse befindliche oder stationär
hung, Ausbildung oder Betreuung des Opfers untergebrachte Personen ausgeweitet. Damit
übertragen wurde. Hierzu gehören Eltern, Lehrer, vergrößert sich der Kreis der möglichen TäterIn-
Erzieher, Pfarrer, Gruppenleiter etc. nen entsprechend.

§174 StGB: §§174 a, b, c StGB:


(1) Wer sexuelle Handlungen A (1) Wer sexuelle Handlungen an einer gefan-
1. an einer Person unter sechzehn Jahren, die ihm genen oder auf behördliche Anordnung verwahr-
zur Erziehung, zur Ausbildung oder zur Betreuung ten Person, die ihm zur Erziehung, Ausbildung,
in der Lebensführung anvertraut ist, Beaufsichtigung oder Betreuung anvertraut ist,
2. an einer Person unter achtzehn Jahren, die ihm unter Missbrauch seiner Stellung vornimmt oder
zur Erziehung, zur Ausbildung oder zur Betreuung an sich von der gefangenen oder verwahrten Per-
in der Lebensführung anvertraut oder im Rahmen son vornehmen lässt, wird mit Freiheitsstrafe von
eines Dienst- oder Arbeitsverhältnisses unterge- drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft.
ordnet ist, unter Missbrauch einer mit dem Erzie- (2) Ebenso wird bestraft, wer eine Person, die in
hungs-, Ausbildungs-, Betreuungs-, Dienst- oder einer Einrichtung für kranke oder hilfsbedürftige
Arbeitsverhältnis verbundenen Abhängigkeit Menschen aufgenommen und ihm zur Beaufsich-
oder tigung oder Betreuung anvertraut ist, dadurch
3. an seinem noch nicht achtzehn Jahre alten mißbraucht, dass er unter Ausnutzung der Krank-
leiblichen oder angenommenen Kind heit oder Hilfsbedürftigkeit dieser Person sexuel-
vornimmt oder an sich von dem Schutzbefohlenen le Handlungen an ihr vornimmt oder an sich von
vornehmen lässt, wird mit Freiheitsstrafe von ihr vornehmen lässt.
drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft. (3) Der Versuch ist strafbar.

23
B (1) Wer als Amtsträger, der zur Mitwirkung an 2. ein Kind dazu bestimmt, dass es sexuelle Hand-
einem Strafverfahren oder an einem Verfahren lungen vornimmt, soweit die Tat nicht nach Ab-
zur Anordnung einer freiheitsentziehenden Maß- satz 1 oder Absatz 2 mit Strafe bedroht ist,
regel der Besserung und Sicherung oder einer 3. auf ein Kind durch Schriften (§ 11 Abs. 3) ein-
behördlichen Verwahrung berufen ist, unter Miss- wirkt, um es zu sexuellen Handlungen zu bringen,
brauch der durch das Verfahren begründeten Ab- die es an oder vor dem Täter oder einem Dritten
hängigkeit sexuelle Handlungen an demjenigen, vornehmen oder von dem Täter oder einem Drit-
gegen den sich das Verfahren richtet, vornimmt ten an sich vornehmen lassen soll, oder
oder an sich von dem anderen vornehmen lässt, 4. auf ein Kind durch Vorzeigen pornographischer
wird mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu Abbildungen oder Darstellungen, durch Abspie-
fünf Jahren bestraft. len von Tonträgern pornographischen Inhalts
(2) Der Versuch ist strafbar. oder durch entsprechende Reden einwirkt.
C (1) Wer sexuelle Handlungen an einer Person, (5) Mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu
die ihm wegen einer geistigen oder seelischen fünf Jahren wird bestraft, wer ein Kind für eine
Krankheit oder Behinderung einschließlich einer Tat nach den Absätzen 1 bis 4 anbietet oder nach-
Suchtkrankheit oder wegen einer körperlichen zuweisen verspricht oder wer sich mit einem an-
Krankheit oder Behinderung zur Beratung, Be- deren zu einer solchen Tat verabredet.
handlung oder Betreuung anvertraut ist, unter (6) Der Versuch ist strafbar; dies gilt nicht für Ta-
Missbrauch des Beratungs-, Behandlungs- oder ten nach Absatz 4 Nr. 3 und 4 und Absatz 5.
Betreuungsverhältnisses vornimmt oder an sich
von ihr vornehmen lässt, wird mit Freiheitsstrafe §§176 a, b StGB:
von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft. Strafverschärfend sind Fälle von »schwerem«
(2) Ebenso wird bestraft, wer sexuelle Handlun- sexuellem Missbrauch: Der vollzogene Beischlaf,
gen an einer Person, die ihm zur psychotherapeu- gesundheitliche und seelische Schädigungen
tischen Behandlung anvertraut ist, unter Miss- oder erhebliche Schädigungen der körperlichen
brauch des Behandlungsverhältnisses vornimmt und seelischen Entwicklung durch die Tat, die
oder an sich von ihr vornehmen lässt. Herstellung pornographischer Schriften.
(3) Der Versuch ist strafbar.
§§176 a, b StGB:
§176 StGB: A (1) Der sexuelle Missbrauch von Kindern wird in
Strafbar sind jegliche sexuelle Handlungen an den Fällen des § 176 Abs. 1 und 2 mit Freiheits-
Kindern unter 14 Jahren, die Einbeziehung Drit- strafe nicht unter einem Jahr bestraft, wenn der
ter sowie sexuelle Handlungen vor Kindern oder Täter innerhalb der letzten fünf Jahre wegen ei-
das Vorzeigen pornographischen Materials. ner solchen Straftat rechtskräftig verurteilt wor-
den ist.
§176 StGB: (2) Der sexuelle Missbrauch von Kindern wird in
(1) Wer sexuelle Handlungen an einer Person un- den Fällen des § 176 Abs. 1 und 2 mit Freiheits-
ter vierzehn Jahren (Kind) vornimmt oder an sich strafe nicht unter zwei Jahren bestraft, wenn
von dem Kind vornehmen läßt, wird mit Freiheits- 1. eine Person über achtzehn Jahren mit dem Kind
strafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren be- den Beischlaf vollzieht oder ähnliche sexuelle
straft. Handlungen an ihm vornimmt oder an sich von
(2) Ebenso wird bestraft, wer ein Kind dazu be- ihm vornehmen lässt, die mit einem Eindringen in
stimmt, dass es sexuelle Handlungen an einem den Körper verbunden sind,
Dritten vornimmt oder von einem Dritten an sich 2. die Tat von mehreren gemeinschaftlich began-
vornehmen lässt. gen wird oder
(3) In besonders schweren Fällen ist auf Freiheits- 3. der Täter das Kind durch die Tat in die Gefahr ei-
strafe nicht unter einem Jahr zu erkennen. ner schweren Gesundheitsschädigung oder einer
(4) Mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu erheblichen Schädigung der körperlichen oder
fünf Jahren wird bestraft, wer seelischen Entwicklung bringt.
1. sexuelle Handlungen vor einem Kind vornimmt,

24
(3) Mit Freiheitsstrafe nicht unter zwei Jahren wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder
wird bestraft, wer in den Fällen des § 176 Abs. 1 mit Geldstrafe bestraft.
bis 3, 4 Nr. 1 oder Nr. 2 oder des § 176 Abs. 6 als (2) Ebenso wird eine Person über achtzehn Jahren
Täter oder anderer Beteiligter in der Absicht han- bestraft, die eine Person unter achtzehn Jahren
delt, die Tat zum Gegenstand einer pornographi- dadurch missbraucht, dass sie gegen Entgelt se-
schen Schrift (§ 11 Abs. 3) zu machen, die nach § xuelle Handlungen an ihr vornimmt oder an sich
184b Abs. 1 bis 3 verbreitet werden soll. von ihr vornehmen lässt.
(4) In minder schweren Fällen des Absatzes 1 ist (3) Eine Person über einundzwanzig Jahre, die
auf Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf eine Person unter sechzehn Jahren dadurch miss-
Jahren, in minder schweren Fällen des Absatzes braucht, dass sie
2 auf Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn 1. sexuelle Handlungen an ihr vornimmt oder an
Jahren zu erkennen. sich von ihr vornehmen lässt oder
(5) Mit Freiheitsstrafe nicht unter fünf Jahren 2. diese dazu bestimmt, sexuelle Handlungen an
wird bestraft, wer das Kind in den Fällen des § 176 einem Dritten vorzunehmen oder von einem Drit-
Abs. 1 bis 3 bei der Tat körperlich schwer miss- ten an sich vornehmen zu lassen,
handelt oder durch die Tat in die Gefahr des Todes und dabei die fehlende Fähigkeit des Opfers zur
bringt. sexuellen Selbstbestimmung ausnutzt, wird mit
(6) In die in Absatz 1 bezeichnete Frist wird die Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geld-
Zeit nicht eingerechnet, in welcher der Täter auf strafe bestraft.
behördliche Anordnung in einer Anstalt verwahrt (4) Der Versuch ist strafbar.
worden ist. Eine Tat, die im Ausland abgeurteilt (5) In den Fällen des Absatzes 3 wird die Tat nur
worden ist, steht in den Fällen des Absatzes 1 ei- auf Antrag verfolgt, es sei denn, dass die Straf-
ner im Inland abgeurteilten Tat gleich, wenn sie verfolgungsbehörde wegen des besonderen öf-
nach deutschem Strafrecht eine solche nach § 176 fentlichen Interesses an der Strafverfolgung ein
Abs. 1 oder 2 wäre. Einschreiten von Amts wegen für geboten hält.
B Verursacht der Täter durch den sexuellen Miß- (6) In den Fällen der Absätze 1 bis 3 kann das Ge-
brauch (§§ 176 und 176a) wenigstens leichtfertig richt von Strafe nach diesen Vorschriften abse-
den Tod des Kindes, so ist die Strafe lebenslange hen, wenn bei Berücksichtigung des Verhaltens
Freiheitsstrafe oder Freiheitsstrafe nicht unter der Person, gegen die sich die Tat richtet, das Un-
zehn Jahren. recht der Tat gering ist.

§ 182 StGB:
Sexueller Missbrauch liegt dann vor, wenn eine § 225 StGB
Person über 18 Jahren unter Ausnutzung einer Wer eine Person unter achtzehn Jahren oder eine
Zwangslage oder gegen Entgelt sexuelle Hand- wegen Gebrechlichkeit oder Krankheit wehrlose
lungen an einer Person unter 18 Jahren vornimmt Person, die
oder durch sie an sich vornehmen lässt. Sexueller 1. seiner Fürsorge oder Obhut untersteht,
Missbrauch liegt auch dann vor, wenn eine Person 2. seinem Hausstand angehört,
über 21 Jahren sexuelle Handlungen an einer Per- 3. von dem Fürsorgepflichtigen seiner Gewalt
son unter 16 Jahre n vornimmt oder durch sie an überlassen worden oder
sich vornehmen lässt. 4. ihm im Rahmen eines Dienst- oder Arbeits-
verhältnisses untergeordnet ist,
§ 182 StGB: quält oder roh misshandelt, oder wer durch bös-
(1) Wer eine Person unter achtzehn Jahren da- willige Vernachlässigung seiner Pflicht, für sie zu
durch missbraucht, dass er unter Ausnutzung ei- sorgen, sie an der Gesundheit schädigt, wird mit
ner Zwangslage Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn
1. sexuelle Handlungen an ihr vornimmt oder an Jahren bestraft.
sich von ihr vornehmen lässt oder
2. diese dazu bestimmt, sexuelle Handlungen an
einem Dritten vorzunehmen oder von einem Drit-
ten an sich vornehmen zu lassen,

25
§ 225 StGB:
(1) Wer eine Person unter achtzehn Jahren oder
eine wegen Gebrechlichkeit oder Krankheit wehr-
lose Person, die
1. seiner Fürsorge oder Obhut untersteht,
2. seinem Hausstand angehört,
3. von dem Fürsorgepflichtigen seiner Gewalt
überlassen worden oder
4. ihm im Rahmen eines Dienst- oder Arbeitsver-
hältnisses untergeordnet ist,
quält oder roh misshandelt, oder wer durch bös-
willige Vernachlässigung seiner Pflicht, für sie zu
sorgen, sie an der Gesundheit schädigt, wird mit
Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn
Jahren bestraft.
(2) Der Versuch ist strafbar.
(3) Auf Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr ist
zu erkennen, wenn der Täter die schutzbefohlene
Person durch die Tat in die Gefahr
1. des Todes oder einer schweren Gesundheits-
schädigung oder
2. einer erheblichen Schädigung der körperlichen
oder seelischen Entwicklung
bringt.
(4) In minder schweren Fällen des Absatzes 1 ist
auf Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf
Jahren, in minder schweren Fällen des Absatzes 3
auf Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf
Jahren zu erkennen.

26
3.4 Einführung des Verhaltenskodex’ bei Freizeiten
und anderen Maßnahmen für Kinder und Jugendliche
Alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen einer Freizeit oder einer anderen Maß-
nahme mit Kindern oder Jugendlichen treffen sich zu einer Vorbesprechung, die
ja in aller Regel sowieso stattfindet. Bei dieser Vorbesprechung wird über den
Schutzauftrag informiert und in die Beschlüsse der Kirche eingeführt. Das Ge-
spräch über den Schutzauftrag will niemanden verdächtigen oder gar vorver-
urteilen. Es will uns vielmehr Hilfestellung für den richtigen Umgang miteinan-
der und mit der Gruppe geben.
Bei diesem Gespräch werden die Grundsätze unserer Haltung gegenüber Kin-
dern und Jugendlichen betont, die unter 1.2 abgedruckt sind.
Alle Mitglieder des Leitungsteams unterschreiben den Verhaltenskodex. Han-
delt es sich um eine Gemeindefreizeit, so wird die Fassung »Verhaltenskodex für
die Gemeinde« mit der etwas kürzeren Erklärung unterzeichnet. Handelt es sich
um Freizeiten, die für alle zugänglich sind und die im Freizeitweiser URLAUB
veröffentlicht sind, wird die Fassung »Verhaltenskodex für die Kinder- und
Jugendwerke« mit der etwas längeren Erklärung unterschrieben. Die Unter-
schriften werden bei Gemeindefreizeiten vom Pastor oder von der Pastorin des
Bezirks gesammelt, bei überregionalen Freizeiten vom zuständigen Freizeit-
sekretär.

27
4 Unsere Rolle als Leiter und Leiterinnen
von Kinder- und Jugendgruppen
4.1 Der Leiter und die Leiterin als aufsichtspflichtige Person
Kaum ein Begriff innerhalb der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ist so
gefürchtet und wird so häufig missverstanden wie der Begriff der »Aufsichts-
pflicht«. Fast jeder und jede, der oder die beruflich oder ehrenamtlich mit Kin-
dern und Jugendlichen zu tun hat, weiß, dass Aufsichtspflicht irgendwie und
irgendwo existiert. Also:

Was ist Aufsichtspflicht?


• Aufsichtspflichtige Personen haben die Verpflichtung, dafür zu sorgen, dass
die ihnen zur Aufsicht anvertrauten Minderjährigen selbst nicht zu Schaden
kommen und auch keinen anderen Personen Schaden zufügen.
• Aufsichtspflichtige Personen müssen ständig wissen, wo sich die ihnen zur
Aufsicht anvertrauten Minderjährigen befinden und was diese gerade tun.
• Aufsichtspflichtige Personen müssen vorhersehbare Gefahren vorausschau-
end erkennen und zumutbare Anstrengungen unternehmen, um die ihnen
anvertrauten Minderjährigen vor Schäden jeglicher Art zu bewahren. Dazu
gehören körperliche, gesundheitliche, sexuelle, geistige, seelische Schäden
oder Sachschäden. Hintergrund dieser Verpflichtung ist die Tatsache, dass
minderjährige Kinder und Jugendliche aufgrund ihres Alters sowie ihrer
fehlenden körperlichen und geistigen Reife besonderen Schutz brauchen,
weil sie einerseits ihnen selbst drohende Gefahren nicht erkennen oder aber
nicht richtig einschätzen können. Weiterhin bestehen aus denselben Gründen
möglicherweise auch erhöhte Gefahren für andere Personen, die durch un-
bewusstes oder unüberlegtes Verhalten von Minderjährigen in Gefahr
gebracht werden oder Schäden erleiden können.

4.2 Wie kommt Aufsichtspflicht zustande?


Die gesetzliche Aufsichtspflicht
Grundsätzlich unterliegen Kinder und Jugendliche der Aufsichtspflicht ihrer
Eltern. Dies ist die gesetzliche Aufsichtspflicht, die sich aus dem Bürgerlichen
Gesetzbuch (BGB) ergibt. Hier wird bestimmt, dass die Eltern das Recht und die
Pflicht haben, das Kind zu pflegen, zu erziehen, zu beaufsichtigen und seinen
Aufenthalt zu bestimmen.
28
Die vertragliche Aufsichtspflicht
Diese Aufsichtspflicht können die Erzie-
hungsberechtigten zum Teil auf einen Ju-
gendgruppenleiter oder eine Jugendgrup-
penleiterin bzw. einen Jugendverband
übertragen. Diese Übertragung ist gesetz-
lich nicht geregelt, bedarf keiner besonde-
ren Form und auch keiner ausdrücklichen
mündlichen oder schriftlichen Vereinba-
rung. Es reicht aus, wenn die Eltern über
die Tätigkeit der Gruppe unterrichtet sind
und dem Eintritt ihres Kindes zugestimmt
haben. Diese Zustimmung ist jedoch unab-
dingbare Voraussetzung. Es empfiehlt sich
dennoch, bei Programmpunkten, die über die gewöhnliche Tätigkeit der Grup-
pe hinausgehen, eine zusätzliche Einverständniserklärung der Eltern einzuho-
len. Dies gilt vor allem bei Aufnahme von Sportarten oder Tätigkeiten, mit de-
nen eine besondere Gefahr verbunden sein kann (Bergsteigen, Kanufahren,
Schwimmen usw.). Notwendig ist eine schriftliche Einverständniserklärung
auch bei Veranstaltungen, die längere Zeit dauern (Fahrten, Freizeiten, Lagern
usw.). Hierbei sollte von den Eltern auch erklärt werden, dass ihr Kind gesund-
heitlich in der Lage ist, an der Fahrt teilzunehmen. Gefordert werden sollte auch
eine Erklärung, dass das Kind schwimmen darf/kann.
Das heißt: Der Leiter oder die Leiterin muss wichtige Informationen über die
ihm anvertrauten Personen (Kinder oder Jugendlichen) haben. Dazu gehören
z.B. Behinderungen oder Einschränkungen, Krankheiten, Medikamentenein-
nahme, Allergien, Schwimmer oder Nichtschwimmer, sportliche Fähigkeiten,
Telefonnummer zur Erreichbarkeit von Eltern usw. Nur so kann die Gestaltung
von Aktivitäten, Freizeiten oder Gruppenstunden entsprechend der Aufsichts-
pflicht abgesichert werden.

4.3 Wie erfülle ich die Aufsichtspflicht?


Für eine ordnungsgemäße Erfüllung der Aufsichtspflicht lassen sich vier Pflich-
ten unterscheiden, die nicht isoliert zu sehen sind, sondern ihren Sinn nur im
Gefüge des gesamten Systems erfüllen:

29
Pflicht zur Information
Der Leiter oder die Leiterin hat sich vor Beginn der Maßnahme, der Freizeit
oder bei regelmäßigen Gruppenstunden laufend über die persönlichen Verhält-
nisse der Aufsichtsbedürftigen zu informieren. Außerdem muss er oder sie die
Besonderheiten der örtlichen Umgebung kennen, d.h. alle Umstände, die mit der
örtlichen Umgebung des Aufenthaltes der Gruppe zu tun haben, z.B.: Sicherheit
von Gebäuden und Gelände, Notausgänge, Sicherheit möglicher Spielgeräte,
Notrufmöglichkeiten, Position des Feuerlöschers, Erste-Hilfe-Material etc.
Der Leiter oder die Leiterin muss sich durch Beobachtungen, im Zweifelsfall
auch durch Befragungen, einen raschen persönlichen Eindruck der Anver-
trauten verschaffen. Er oder sie muss sich auch klar darüber sein, welchen
Gefahren die Aufsichtsbedüftigen während der Veranstaltung ausgesetzt sind.
Nur so ist es möglich, Risikofaktoren vorausschauend zu erkennen und Ge-
fahren bzw. Schäden vorbeugend zu begegnen.

Pflicht zur Vermeidung von Gefahrenquellen


Der Leiter/die Leiterin ist verpflichtet, selbst keine Gefahrenquellen zu schaffen
sowie erkannte Gefahrenquellen zu beseitigen, wo ihm oder ihr dies selbst auf
einfache Art und Weise möglich ist. Von der Anzahl der vorhandenen und dro-
henden Gefahrenquellen hängt ganz entscheidend das Maß der tatsächlichen
Beaufsichtigung ab. Wenn es dem Leiter oder der Leiterin also gelingt, einzelne
Risiken ganz auszuschalten, muss er oder sie sich um diese schon nicht mehr
kümmern.

Pflicht zur Warnung vor Gefahren


Von Gefahrenquellen, auf deren Eintritt oder Vorhandensein der Leiter oder die
Leiterin keinen Einfluss hat, sind die Aufsichtsbedürftigen entweder fern zu
halten (Verbote), zu warnen oder es sind ihnen Hinweise zum Umgang mit die-
sen Gefahrenquellen zu geben.
Die Warnungen und Erklärungen sind in ihrer Ausdrucksweise altersgerecht
so zu gestalten, dass sie von den Aufsichtsbedürftigen auch tatsächlich verstan-
den werden können. Bei jüngeren Kindern hat sich der Leiter oder die Leiterin
durch Nachfragen zu versichern, ob seine bzw. ihre Hinweise verstanden wur-
den, ggf. sind diese zu wiederholen. Der Umgang mit ungewohnten Gegenstän-
den, z.B. Werkzeug, ist vorzuführen. Der Leiter oder die Leiterin hat insgesamt
den Eindruck zu vermeiden, dass Verbote zum Selbstzweck werden. Er bzw. sie

30
soll die sachlichen Gründe, die ihn oder sie zu einem Verbot bewogen haben,
transparent machen, so dass Hinweise und Verbote nicht als »Befehle« empfun-
den werden. Nur so ist auch eine Beachtung und Befolgung gewährleistet.

Pflicht, die Aufsicht auszuführen


Hinweise, Belehrungen und Verbote werden aber in den meisten Fällen nicht
ausreichen. Der Leiter oder die Leiterin hat sich daher stets zu vergewissern, ob
diese von den Aufsichtsbedürftigen auch befolgt werden. Dies ist die Verpflich-
tung zur tatsächlichen Aufsichtsführung. Eine ständige Anwesenheit kann da-
bei nicht in jedem Fall, wohl aber bei Kindern bis zu 5-6 Jahren gefordert wer-
den. Der Leiter oder die Leiterin muss aber ständig wissen, wo die Gruppe ist
und was die Teilnehmer gerade tun. Hierüber muss er oder sie sich in regel-
mäßigen Abständen versichern.
Im Bedarfsfall muss er oder sie einschreiten und verhindern, dass Gruppen-
mitglieder sich gegen die vereinbarten Regeln verhalten. Er bzw. sie muss stets
nachweisen können, dass er oder sie im Bedarfsfall eingegriffen hat bzw. dass
es keine Situation gab, in der er oder sie nicht eingegriffen hat.
Im Allgemeinen kommt ein Leiter oder eine Leiterin dann seiner bzw. ihrer
Aufsichtspflicht nach, wenn er oder sie die »nach den Umständen des Einzel-
falles gebotene Sorgfalt eines durchschnittlichen Jugendleiters« walten lässt.
Das Maß der tatsächlichen Aufsichtsführung hängt also von vielen Faktoren
ab, z.B.: Alter und persönliche Verhältnisse der Kinder oder Jugendlichen,
Gruppengröße, örtliche Verhältnisse, Anzahl, Beherrschbarkeit und Einschätz-
barkeit der vorhandenen Gefahrenquellen, objektive Gefährlichkeit der Aktivi-
tät, Anzahl der Mitbetreuer und Mitbetreuerinnen.
Der Leiter oder die Leiterin sollte stets folgende Fragen mit Ja beantworten
können:
• Bin ich darüber informiert, wo sich die mir anvertrauten Kinder
und Jugendlichen befinden und was sie tun?
• Habe ich generell alle Vorkehrungen zum Schutze
der mir Anvertrauten und Dritter getroffen?
• Habe ich die Kinder und Jugendlichen über
mögliche Gefahren informiert und habe ich
sie über geltende Regeln belehrt?

31
• Habe ich auch in der jetzigen Situation alles Zumutbare getan, was
vernünftigerweise unternommen werden muss, um Schäden zu verhindern?
• Bin ich gegebenenfalls dazu in der Lage, schnell einzugreifen?
• Habe ich gegebenenfalls schon einmal eingegriffen?

4.4 Die Vorbildfunktion des Leiters oder der Leiterin


Auf das Vorbild des Leiters oder der Leiterin kommt es an, und zwar nicht mehr
und nicht weniger als auf das aktive Verhalten der Teilnehmer und Teilneh-
merinnen. Wenn wir wollen, dass aus den Kindern und Jugendlichen bei un-
seren Maßnahmen, Freizeiten und Gruppenstunden kritische und selbstkri-
tische, selbständige und aufgeschlossene Persönlichkeiten werden, aus Schülern
engagierte Jugendliche, die sich auch durch Widrigkeiten nicht unterkriegen
lassen, dann liegt es nicht nur daran, was wir ihnen an Wissen und Können
vermitteln, sondern vor allem auch an uns selbst, an unserer Haltung und un-
serem Verhalten, an unserem Tun oder Unterlassen, an unseren »Vor-Bildern«,
die wir ihnen tagtäglich liefern.
Als Leiter und Leiterinnen sind wir Vorbilder für die Menschen, für die wir
Verantwortung tragen. Kinder und Jugendliche, die unserer Leitung anvertraut
sind, werden kaum etwas tun, was wir nicht auch selbst tun, da sie normaler-
weise mehr dem folgen, was sie sehen, als dem, was sie hören. Unsere Person
wird vor allem durch unsere Taten und durch unser Handeln sichtbar. Grund-
sätzlich ist es so, dass vor allem Kinder und Jugendliche einem Leiter oder einer
Leiterin auf Grund seiner oder ihrer Kommunikationsfähigkeit oder auch auf
Grund seiner oder ihrer äußeren Erscheinung häufig einen Vertrauensvor-
schuss geben. Dieser muss dann jedoch im Laufe der Zeit gerechtfertigt werden,
sonst werden sie diesem Leiter oder dieser Leiterin nicht weiter folgen. Das liegt
daran, dass Vertrauen nicht einfach von alleine entsteht, sondern letztendlich
immer verdient werden muss.
Was wir sagen, muss also mit dem übereinstimmen, was wir tun, und un-
seren Worten müssen auch Taten folgen, sonst werden wir niemals authentisch
erscheinen. Wir müssen verlässlich und vertrauenswürdig sein, sonst verlieren
wir das Vertrauen derer, für die wir Verantwortung tragen.

32
4.5 Die Teilnehmer und Teilneh-
merinnen als Schutzbefohlene
Grundsätzlich sind alle minderjährigen
Teilnehmer und Teilnehmerinnen ohne
Rücksicht auf ihre körperliche, geistige
und seelische Entwicklung Schutzbefohle-
ne. Sie unterstehen der Fürsorge und Ob-
hut des Leiters oder der Leiterin, sind da-
mit aufsichtsbedürftig und stehen in einem
Abhängigkeitsverhältnis. Die Aufsichtsbe-
dürftigkeit Minderjähriger endet unabhän-
gig von der individuellen Entwicklung mit
Vollendung des 17. Lebensjahres. Der indi-
viduelle Reifegrad hat lediglich Einfluss
auf Umfang und Maß der Aufsichtsführung. Volljährige können ebenfalls auf-
sichtsbedürftig sein, wenn ihr körperlicher oder geistiger Zustand eine Beauf-
sichtigung nach den jeweils konkreten Gegebenheiten erforderlich macht.

Liebe kann man lernen. Und


niemand lernt besser als Kinder.
Wenn Kinder ohne Liebe aufwachsen,
darf man sich nicht wundern,
wenn sie selber lieblos werden.
(Astrid Lindgren)

33
5 Wie verhalten wir uns?

Auf der Grundlage unserer Leitlinien im Umgang mit Kindern und Jugend-
lichen soll an dieser Stelle konkreter erläutert werden, welche Haltungen sich
daraus für unsere Arbeit ergeben:
• Haltungen gegenüber den Kindern und Jugendlichen und deren Eltern
sowie untereinander als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
• Haltungen mit spezifischem Blick auf Geschlecht, Konflikte und Sexualität
Durch diese Haltungen und ein entsprechendes Handeln sowohl präventiv als
auch bei oder nach Fehlverhalten sollen Kinder und Jugendliche Kirche und
Gemeinde als einen sicheren Ort erleben können. Mitarbeitende schaffen einen
Rahmen für einen guten Umgang miteinander und tragen dafür Verantwor-
tung.

5.1 Unsere Haltung ...

5.1.1 ... gegenüber Kindern und Jugendlichen


Unsere Haltung den Kindern und Jugendlichen gegenüber ist geprägt von Wert-
schätzung und Achtung jeder und jedem einzelnen gegenüber. Das heißt
konkreter, die Kinder und Jugendlichen ernst zu nehmen – in ihrer jeweiligen
Situation, mit ihren Stärken, Vorlieben, Grenzen und Schwächen, in ihrer Ein-
zigartigkeit und sie zu achten, zu akzeptieren und wertzuschätzen. Die Mitar-
beiter und Mitarbeiterinnen sind bemüht, die Kinder und Jugendlichen in ihrer
Individualität, mit den ganz eigenen Wünschen, Sorgen und Fragen zu verste-
hen und sie zu unterstützen und in ihren Stärken zu fördern – das bedeutet
gleichzeitig, sensibel mit ihren Schwächen umzugehen. Wichtig ist dabei die
Kinder und Jugendlichen in ihrer Eigenverantwortlichkeit zu stärken – ihr
eigenes Lösungspotential zu fördern und ihnen zu helfen, ihre Perspektiven
zu erweitern.
Unsere Haltung als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist geprägt von Echtheit,
in dem, was wir sagen und leben. Das Reden und das eigene Tun müssen einan-
der entsprechen, damit die Kinder und Jugendlichen erleben, dass die Mitarbei-
ter und Mitarbeiterinnen zu ihren eigenen Werten und Überzeugungen stehen
und in ihrem Tun verlässlich sind. Im Umgang mit Kinder und Jugendlichen soll
Klarheit darüber herrschen, welche Rolle ein Mitarbeiter oder eine Mitarbei-

34
terin ausfüllt und welche nicht. Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in der Arbeit
mit Kindern und Jugendlichen sind ein Gegenüber, das die Kinder und Jugend-
lichen ernst nimmt, eine Begleiterin, ein Vorbild für manche Bereiche – aber
nicht Erziehende, Retterin oder Kumpel. In Situationen, in denen es um Grenzen
geht, ist besonderer Wert darauf zu legen, die Dinge so zu sagen, dass sie ernst
genommen werden.
Die Tätigkeit als Mitarbeiter und Mitarbeiterin erfordert Selbstreflexion und
Kritikfähigkeit und die ehrliche Auseinandersetzung mit der eigenen Identität
und Rolle, um eigene Grenzen zu kennen und achten zu können. Dabei sollte
auch der eigene Anspruch und die Motivation für die Arbeit reflektiert werden.
Das beinhaltet die Offenheit, eigenes Fehlverhalten zu erkenen, anzusprechen
und zu verändern.
Eine Fehlerkultur, die gemeinsam entwickelt wird, ermöglicht das Offenlegen
von Fehlern. Für die Kinder und Jugendlichen können damit Fehler als Teil des
Lebens erfahrbar werden. Durch das Wissen um Entwicklungsphasen, Fähig-
keiten, Rechte und Pflichten kann Sicherheit im Umgang mit Kindern und Ju-
gendlichen erlangt werden. Nicht zuletzt sollte die Haltung der Mitarbeiter und
Mitarbeiterinnen von Humor und Freude an der Arbeit mit den Kindern und
Jugendlichen geprägt sein.
In unseren Angeboten geht es darum, entsprechend dieser Haltungen und
Werte die Atmosphäre zu gestalten. Das beinhaltet die Verantwortung der
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die Gestaltung des Rahmens und des
Umgangs in der Gruppe.

Durch den Umgang mit Kindern


gesundet die Seele.
(Fjodor M. Dostojewski)

35
5.1.2 ... als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter untereinander
Gerade im Umgang der Mitarbeitenden untereinander wird unsere Vorbild-
funktion deutlich – das kann sehr positiv, aber auch schwierig sein. Wenn es
uns als Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nicht gelingt, einen positiven Um-
gang miteinander zu leben, wird es sehr viel schwerer, dies den Kindern und
Jugendlichen glaubwürdig zu vermitteln. Wir sollten uns immer wieder fragen,
wovon unser Umgang miteinander geprägt ist. Wo werden Wertschätzung,
Achtung, Liebe – im Sinne des Evangeliums – sichtbar und erlebbar?
Zunächst geht es um das Bewusstsein über die gemeinsame Aufgabe. Diese
Aufgabe und die Verantwortung für die Kinder und Jugendlichen, die dieses
Angebot nutzen, hat höchste Priorität!
Die Zeit mit den Kindern und Jugendlichen steht im Vordergrund unserer
Arbeit. Die Motivation und die Anerkennung von Mitarbeiterinnen und Mitar-
beitern ist sehr wichtig und muss ihren Platz haben, darf aber nicht auf Kosten
der Zuwendung zu den Kindern und Jugendlichen gehen.
Als Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen versuchen wir uns in unserer Arbeit
gegenseitig zu unterstützen und als Team gut und zuverlässig zusammenzu-
arbeiten. Dies beinhaltet auch Transparenz, Offenheit, Kritikfähigkeit sowie die
Entwicklung der schon angesprochenen Fehlerkultur. Feedbackregeln, gemein-
sam vereinbarter Umgang mit Fehlern können das Lernen aus Fehlern ermög-
lichen und eine Atmosphäre schaffen, in der mit Fehlern hilfreich umgegangen
werden kann und diese nicht verdeckt werden müssen. Auch für einen gegen-
seitigen wohlwollenden und trotzdem kritischen Blick im Sinne von Rück-
meldung und Hinterfragen ist in guten Teams Raum.
Hierbei haben Leiterinnen und Leiter eine besondere Verantwortung, da ge-
rade sie für diese Atmosphäre in Teams sorgen können und müssen. Sie sollten
besonders sensibel dafür sein, welche Schwierigkeiten in Teams auftreten
können.

5.1.3 ... gegenüber Eltern


Die Arbeit und der Kontakt mit den Eltern gehört nicht zu unseren Hauptauf-
gaben, dennoch spielen die Eltern eine wichtige Rolle. Sie vertrauen uns ihre
Kinder und Jugendlichen für eine bestimmte Zeit an, haben Erwartungen an
uns, hinterfragen und beurteilen uns und unsere Arbeit. Ebenso werfen wir in
manchen Fällen einen kritischen Blick auf ihren Umgang mit ihren Kindern
und Jugendlichen und haben dafür – im Sinne des Kindeswohls bzw. der Kin-
deswohlgefährdung – Verantwortung.
36
Wichtig für unsere Arbeit ist eine recht-
zeitige und ausreichende Information der
Eltern – nicht nur bezüglich der Themen,
die die Aufsichtspflicht betreffen. Auch
eine grundsätzliche Information über un-
sere Arbeit, über Werte und Regeln in der
Gruppe ist hilfreich.
Transparenz den Eltern gegenüber ist
ebenfalls wichtig. Notwendig ist es dafür,
die eigene Arbeit so darstellen zu können,
dass sie für Eltern nachvollziehbar wird,
sowie sich der eigenen Aufgabe und Rolle
und deren Grenzen bewusst zu sein. Eltern
sind Experten für ihre eigenen Kinder und
Jugendlichen und sollten als solche geachtet und einbezogen werden.
Eltern sollen sich sicher sein können, dass ihre Kinder und Jugendlichen bei
uns gut aufgehoben sind. Gemeinsame Zeiten mit Eltern können dazu ebenso
beitragen wie regelmäßige Elternbriefe oder ähnliches.
Nicht zuletzt ist auch in der Kooperation mit den Eltern wichtig zu bedenken,
wie mit Fehlverhalten umgegangen wird. Es gilt zu überlegen, was gegenüber
den Eltern angesprochen werden muss, auf welche Weise dies möglich ist und
welche Hilfe Teams dafür eventuell benötigen und in Anspruch nehmen können
oder müssen.

5.1.4 ... und unsere Rolle als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter


gegenüber Jungen und Mädchen
Als Mitarbeiterin oder Mitarbeiter habe ich es als Mann oder Frau mit Mädchen
oder Jungen zu tun, die sich oft in sensiblen Entwicklungsphasen bezogen auf
die eigene Geschlechtsidentität befinden. Deshalb ist es wichtig und hilfreich
sich mit der eigenen Geschlechtsidentität auseinanderzusetzen. Die Mädchen
und Jungen brauchen Männer und Frauen, die ihnen gelingendes Mann- und
Frausein vorleben. Nicht im Sinne von perfektem Mann- und Frausein, sondern
im Sinne erfüllter und reflektierter Geschlechtsidentiät. Identität wird hierbei
nicht als stabile, feste Größe verstanden, sondern eher als Prozess.
Unsere Aufgabe ist es, Mädchen und Jungen, Männer und Frauen in ihrer
Unterschiedlichkeit wahrzunehmen, auf deren Interessen in unseren Gruppen

37
und Angeboten einzugehen und nicht in starren Bildern zu denken. Nicht alle
Mädchen mögen Wellnessangebote und nicht alle Jungen wollen die wilde
Matratzenschlacht...
Wir können Orte anbieten, an denen sich die Jungen und Mädchen ausprobie-
ren und erproben können, an denen sie nicht im Vorfeld festgelegt werden,
an denen sie verschiedene Rollen einnehmen und spielerisch ihre Identität ent-
wickeln können.
Dazu ist es auch notwendig, die Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen
heute zu kennen und sich dafür zu interessieren. Für bestimmte Themen kann
es hilfreich und notwendig sein, Raum zu schaffen, in dem Mädchen und Jun-
gen in geschlechtergetrennten Gruppen unter sich sein können.
Eine Atmosphäre der Wertschätzung bezüglich des geschlechterspezifischen
Aspekts zu schaffen, ist von großer Bedeutung – auch im Team. Dies ist – wie
vieles andere auch – eine Gratwanderung. Was hat z.B. ein frauenverachtender
Witz in der Teamsitzung verloren und wo verlieren wir unseren Humor?
Auch der Umgang der Mädchen und Jungen untereinander sollte diesbezüg-
lich im Blick behalten werden, um sensibel zu sein für stattfindende Abwer-
tungen oder Zuschreibungen. Mädchen sind nicht vor allem »zickig« und Jun-
gen nicht vor allem »cool«.
Das Wissen um und die Sensibilität für manche heiklen Situationen und
Momente ist ein wichtiger Aspekt dieses Themenkomplexes, um entsprechend
bewusst Rahmenbedingungen gestalten zu können, die notwendig für eine
sinnvolle Arbeit sind, z.B. bei Übernachtungen oder in der Seelsorge. Auch hier
ist der gemeinsame kritische Blick und offene Umgang eines Teams gefragt.
Die Verantwortung für eine gute Gestaltung von Beziehungen liegt bei den
Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Dies beinhaltet auch das Wissen um die
Verletzlichkeit von Jungen und Mädchen. Dieses Wissen birgt die Chance in
sich, Begegnungen zwischen Jungen und Mädchen, Männern und Frauen gut zu
gestalten, Erprobungsräume zu schaffen und die Auseinandersetzung zwischen
Männern und Frauen anzubieten.

5.2 Unser Verhalten bei Konflikten


Konflikte gehören zum Leben und zu Beziehungen dazu – auch in der kirch-
lichen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Ein Konflikt entsteht durch unter-
schiedliche Interessen und Bedürfnisse. Man spricht von einem Konflikt, wenn
zwischen Einzelnen oder Gruppen mindestens eine Seite sich in ihrem Denken,

38
Fühlen oder Wollen durch das Handeln der anderen Seite (Person, Gruppe oder
Organisation) beeinträchtigt fühlt. Problematisch sind nicht die Konflikte selbst,
sondern wie mit ihnen umgegangen wird.
Die Fähigkeit, Konflikte konstruktiv zu lösen, sollte erlernt werden. Mädchen
und Jungen brauchen hier Unterstützung, um eigene Zielvorstellungen zu ent-
wickeln, sie nach außen zu tragen, und dann in der Auseinandersetzung mit
dem Gegenüber eine für sie akzeptable Lösung zu finden.
Wut und Aggressionen zählen wie Angst, Freude, Hoffnung, Trauer usw. zum
Gefühlsrepertoire eines jeden Menschen. Der Ausdruck von Wut und Aggres-
sion wird in unserer Gesellschaft aber oft negativ bewertet und schnell mit
Destruktivität und Unkontrolliertheit in Verbindung gebracht.
Mädchen und Jungen brauchen Räume, in denen sie ihre Wut auch einmal
unzensiert zum Ausdruck bringen können. Dabei soll eine produktive Aus-
einandersetzung mit diesen Gefühlen ermöglicht und eine Kompetenz im Um-
gang mit der eigenen Wut und Aggression gefördert werden. Mädchen und Jun-
gen brauchen Räume, in denen Bewältigungsstrategien im Sinne einer positiven
Selbstbehauptung und Konfliktfähigkeit eingeübt werden können.
Auch mit Aggression wird oft geschlechtsspezifisch unterschiedlich umge-
gangen bzw. wird diese unterschiedlich bewertet. Während Mädchen Wut und
Aggression kaum zugestanden wird und sie diese oft weniger ausleben können
bzw. mehr nach innen oder gegen sich selbst richten, wird Jungen noch immer
mehr ein außengerichtetes Einsetzen von Aggression zugeschrieben und er-
laubt. Die Kehrseite dieser Sichtweise ist, dass manche Phänomene weniger
sichtbar werden: Jungen sind nicht nur vor allem Täter, sondern oft auch Opfer
von Aggressionen. Mädchen, die ihre Wut zeigen, sind nicht vor allem auffällig
und Mädchen, die Konflikte lieber unter den Teppich kehren und entsprechend
angepasst wirken, sind sicher nicht gesünder. Es gibt sowohl Jungen, die eher
mit Rückzugstendenzen und seelischen oder somatischen Reaktionen auf
Aggression reagieren, als auch Mädchen, die ihre Aggressionen
nach außen tragen – und alle brauchen sie Räume, in
denen sie den kompetenten Umgang mit ihrer Wut und
Aggression ausbauen können.
Diese Räume können wir in unserer Arbeit anbie-
ten und so Jungen und Mädchen dabei unterstützen,
einen konstruktiven Umgang mit Konflikten zu er-
lernen. Dabei sind zwei Fähigkeiten für eine kon-

39
struktive Austragung von Konflikten grundlegend:
• das klare und deutliche Äußern der eigenen Meinung, also das offensive
Vertreten der eigenen Interessen
• die Sensibilität für die oder den anderen, für ihre oder seine Wünsche
und Befürchtungen

5.2.1 Konflikte zwischen Teilnehmern und Teilnehmerinnen


Um in unserer Arbeit mit Kindern und Jugendlichen Werte bezüglich eines
fairen Umgangs miteinander zu vermitteln, bedarf es zum einen einer entspre-
chenden Atmosphäre, zum anderen des Wissens um verschiedene Formen von
Konflikten und Möglichkeiten zur Konfliktlösung.
Konflikte können bezüglich ihrer Dynamik unterschieden werden:
Ad-hoc-Konflikt: Das Tempo, die Dynamik und das Ausmaß einer Auseinan-
dersetzung steigern sich und entladen sich in einem Höhepunkt. Dabei kommt
Aggressivität direkt zum Ausdruck. Es kann aber schon nach kurzer Zeit eine
Lösung gefunden werden – entweder durch die betroffenen Personen allein
oder mit Hilfe unbeteiligter vermittelnder Dritter.
Verzögerter Konflikt: Der Hintergrund für die Aggression ist hier nicht so
leicht erkennbar, d.h. der Konflikt wird nicht an dem Ort der Entstehung aus-
getragen, sondern bricht erst zu einem späterem Zeitpunkt und in Auseinander-
setzung mit anderen Personen aus. Beispielsweise entlädt sich dann ein Kon-
flikt aus der Schule nachmittags in der Jungschar.
Des Weiteren können Konflikte bezüglich der Konfliktanteile der Beteiligten
unterschieden werden:
Konflikte zwischen Kindern/Jugendlichen mit beidseitigem Konfliktanteil:
Hierbei kommt uns als Mitarbeiterin oder Mitarbeiter vor allem die Rolle der
Mediatorin oder des Mediators zu. Ziel ist dabei, dass die Kinder und Jugend-
lichen ihre Konflikte selbst lösen lernen. Mediator oder Mediatorin bedeutet in
diesem Zusammenhang, dem Konflikt und den am Konflikt Beteiligten gegen-
über neutral zu sein und sich nicht parteilich auf eine Seite zu schlagen. Ein
Konflikt hat immer mehrere Wahrheiten, die es deutlich zu machen gilt. Jede
und jeder darf aus seiner oder ihrer Sicht erzählen. Der Mediator oder die Me-
diatorin stellt Fragen nach den Wünschen an den oder die anderen, Fragen
nach dem, was jede und jeder bereit ist, selbst zu geben. Sie oder er hilft dabei,
einfache und klare Lösungen in Form von Kompromissen bezogen auf den Kon-
flikt auszuhandeln, um eine win-win-Situation zu ermöglichen. Dabei ist es

40
wichtig einzuschätzen, wann es eine Über-
forderung ist, den Kindern oder Jugend-
lichen die Regelung des Konflikts völlig
selbständig zu überlassen. Es sollte sich
hierbei um eine freiwillige Konfliktlösung
der beiden beteiligten Parteien handeln.
Konflikte mit klarer Unterscheidung
Täter oder Täterin – Opfer: Sobald ganz
klar ist, dass es in einem Konflikt einen
Täter oder eine Täterin und ein Opfer gibt,
besteht unsere Rolle vor allem darin, dem
Opfer eine Stimme zu geben und eine Wie-
dergutmachung für das Opfer einzufor-
dern. Der Täter oder die Täterin muss die
Opferperspektive kennenlernen und für sein oder ihr falsches Verhalten verant-
wortlich gemacht werden. Diese Verantwortung muss ihm oder ihr in der
direkten Auseinandersetzung zugemutet werden. Dabei dürfen keine Rechtfer-
tigungen oder Verharmlosungen des Täters oder der Täterin geduldet werden.
Dabei ist zwischen Person und Verhalten zu unterscheiden (»Du bist in Ord-
nung, dein Verhalten aber nicht!«). Eventuell können später eigene Opferanteile
der Täterin oder des Täters thematisiert werden. Eine eigene klare Haltung
gegenüber dem Konflikt und den Personen ist dabei sehr wichtig. Eine Wieder-
gutmachung kann gefordert werden kann, Einsicht jedoch nicht. Diese kann
eher zu anderen Zeitpunkten durch Spiele, Gespräche, Übungen gefördert
werden.
Die Unterscheidung der Konfliktarten hilft, die eigene Rolle zu finden.
Grundlegende Regeln und auch Konsequenzen gemeinsam zu erarbeiten hilft,
ein Gruppenklima zu schaffen, in dem jede und jeder gleich wichtig ist, ein
Partizipationsrecht hat und zu Wort kommen kann. Jede und jeder soll lernen
können, eigene Wünsche zu äußern, sich mit den eigenen Gefühlen auseinan-
derzusetzen und auch Aggression und Wut Ausdruck zu geben. Dabei sollten
die Grenzen immer wieder thematisiert und gemeinsame Regeln für Grenz-
überschreitungen festgelegt werden.
Sinnvoll ist dies allerdings nur, wenn Regeln und Konsequenzen vereinbart
werden, die für alle klar sind und auch eingehalten werden können. Vor allem
die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollten konsequent auf deren Einhaltung

41
achten, sich auf beobachtbares, nachprüfbares Verhalten beschränken und die
grundsätzlich wertschätzende Atmosphäre und Haltung nicht aus den Augen
verlieren.
Während entstehender oder eskalierender Konflikte haben wir als Mitarbei-
terinnen und Mitarbeiter vor allem die Aufgabe, auf vereinbarte Regeln hinzu-
weisen, verschiedene Eskalationsstufen zu erkennen und entsprechend einzu-
schreiten.
Das heißt:
1. Wir beobachten, ob die Kinder und Jugendlichen zu einer eigenen Lösung
kommen.
2. Bei einer Zuspitzung des Konflikts bieten wir Hilfe in Form möglichst sach-
licher Lösungen an. Falls beide Parteien dann schon zu einem klärenden Ge-
spräch bereit sind, nehmen wir die Rolle des Mediators oder der Mediatorin ein.
3. Falls der Konflikt in Form von verbalen oder körperlichen Angriffen und
Verletzungen eskaliert ist es unsere Aufgabe einzuschreiten und die beiden Par-
teien möglichst so zu trennen, dass der Konflikt nicht noch weiter aufgeheizt
wird.
4. Erst nachdem sich beide Parteien beruhigt haben, kann ein Gespräch an-
geboten werden und eine mögliche Streitschlichtung beginnen.
Kurz zusammengefasst:
Was geht?
• Regeln und Konsequenzen festlegen und auf ihre Einhaltung achten
• in Konflikten vermitteln und als Mediator oder Mediatorin auftreten
• Verhalten kritisieren und verletzendes Verhalten unterbinden
• im Streit aggressive Gefühle (z.B. Wut) benennen
• kurze, klare Ansagen mit Körperkontakt (Hand auf der Schulter o.ä.)
• Trennen von Konfliktparteien in Eskalation
Was geht nicht?
• willkürliche Strafen verhängen
• sich in alle Konflikte der Kinder und Jugendlichen einmischen und
unreflektiert Partei für eine Seite ergreifen
• die Person angreifen und nur die negativen Seiten hervorheben
• beleidigen, schlagen etc.
• festhalten und anschreien

42
5.2.2 Konflikte zwischen Teilnehmenden und Mitarbeitenden
Auch wenn uns Konflikte zwischen uns und den Kindern und Jugendlichen oft
unangenehm sind und wir sie vielleicht nicht wahrhaben wollen, ist es wichtig,
sie nicht kleinzureden, sondern ernst zu nehmen. Unser Verhalten als Mitarbei-
ter und Mitarbeiterin hat Modellcharakter für den Umgang mit Konflikten.
Das heißt, auch Konflikte im Team und unter Mitarbeiterinnen und Mitarbei-
tern sollten auf eine Art und Weise gelöst werden, die unserem Anspruch ge-
recht wird, so dass wir für die Kinder und Jugendlichen glaubwürdig bleiben.
Kinder und Jugendliche sollen erleben, dass Streit und Aggression gewaltfrei
möglich sind. Auch gelungene Konfliktlösungen und Versöhnung nach einem
Streit sind wichtige Erfahrungen.
Im Team sollte eine Offenheit geschaffen werden für eigene Schwierigkeiten
mit bestimmten Kindern und Jugendlichen oder mit bestimmten Situationen. Es
sollte eine Atmosphäre herrschen, die Ehrlichkeit ermöglicht und fördert.
Bei auftretenden Konflikten muss immer das Machtgefälle beachtet werden.
Eigenanteile am Konflikt gilt es zu reflektieren – wenn möglich mit Unterstüt-
zung des Teams, anderer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter oder von außen hin-
zugezogener Personen.
Bei schwierigeren Konflikten ist auch hier darauf zu achten, jemanden als
Vermittler oder Vermittlerin einzuschalten, der oder die möglichst unparteiisch
ist und beide Seiten ernst nimmt.
Wichtig ist es, die Grenze zu beachten, an der noch ein Konflikt vorliegt, der
innerhalb des Teams oder der Gruppe gelöst werden kann, und wann es um
Fehlverhalten von Seiten des Mitarbeiters oder der Mitarbeiterin und somit um
den nötigen Schutz des oder der Schwächeren geht. Auch in solchen heiklen
Situationen ist es wichtig, die Lage zunächst einzuschätzen, ruhig zu bleiben
und dann evtl. auch andere Stellen einzuschalten.
Was geht?
• eigene Gefühle in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen
zulassen
• Grenzen kennen und thematisieren
• Konflikte haben
Was geht nicht?
• Kinder und Jugendliche unreflektiert mit den
eigenen Gefühlen konfrontieren (z.B. Wut
an Kindern und Jugendlichen auslassen)

43
• Grenzen bewusst überschreiten
• Konflikte nicht ernst nehmen, verheimlichen, herunterspielen
• Machtgefälle für eigene Vorteile ausnutzen

5.3 Unser Verhalten bezüglich Intimsphäre und Sexualität

5.3.1 Unsere Haltung zur Sexualität


Sexualität als einer der intimsten Bereiche unseres Menschseins begleitet uns in
unterschiedlichsten Aspekten durch unser ganzes Leben und verändert sich
dabei ständig. Sexualität ist ein wichtiger Ausdruck von Zärtlichkeit zu sich
selbst und zu anderen Menschen; eine Form der Kommunikation, die mit allen
Sinnen erlebt und ganz unterschiedlich ausgedrückt und erfahren werden kann.
Zärtlich und wild, ernst und spielerisch, leidenschaftlich und sanft, geplant und
spontan – all das kann Sexualität sein.
Jungen und Mädchen, die unsere Angebote besuchen, befinden sich mitten in
einem lebenslangen Entwicklungsprozess gerade auch was ihre Sexualität be-
trifft und sind in diesem Bereich besonders verletzlich. Mit dem Wissen um die
Sensibilität dieses Themas möchten wir Kindern und Jugendlichen einen posi-
tiven Umgang mit Sexualität vermitteln und dazu in unserer Kirche Raum bie-
ten. In der Auseinandersetzung mit diesem Thema, mit ihren Wünschen und
Grenzen können Jungen und Mädchen gestärkt werden gegen Grenzüberschrei-
tungen, die es – eben auch in der Kirche – immer wieder gibt.
Als Kirche haben wir zum Thema Sexualität etwas zu vermitteln: Werte jen-
seits von gesellschaftlichem Druck zum perfekten, rechtzeitigen und ausrei-
chenden, immer befriedigenden Sex einerseits und verklemmter Zurückhaltung
andererseits. Auch die Entlastung von immer größeren Leistungs- oder Norma-
litätsdruck für Mädchen und Jungen – in einer Zeit mit Zugang zu sämtlichen
Informationen – und dem Gefühl, alles wissen und können zu müssen, kann ein
Ziel für den Umgang mit Sexualität sein.
Wir können in unserer Arbeit als Männer und Frauen einen Raum bieten, in
dem sich Kinder und Jugendliche mit diesem Thema ehrlich auseinandersetzen
können. Dabei soll es den Mädchen und Jungen ermöglicht werden, eigen-
ständige Haltungen sowie selbstbestimmte und gleichberechtigte Formen von
Sexualität zu entwickeln. Dies ist eine großartige Chance und gleichzeitig eine
große Herausforderung.

44
5.3.2 Sexuelle Entwicklung
Notwendig für einen sensiblen Umgang
mit diesem Themenbereich ist das Wissen
um die sexuelle Entwicklung von Kindern
und Jugendlichen und darum, was in un-
terschiedlichem Alter angemessen und
ganz normal ist.
Kindliche Sexualität unterscheidet sich
von Erwachsenensexualität und über diese
Unterschiede sollten wir uns bewusst sein.
Babys und Kleinkinder erleben die Sin-
neswahrnehmungen ihres ganzen Körpers
als lustvoll, empfinden Sexualität vor allem
über zärtliche Hautkontakte und unter-
scheiden noch nicht zwischen Zärtlichkeit, Schmusen und genitaler Sexualität,
d.h. ihre Geschlechtsteile beziehen sie in ihre ganzheitliche Sexualität mit ein,
konzentrieren sich aber nicht darauf. In dieser Zeit wird die Grundlage für ein
positives Körpergefühl und die Entfaltung der Sinne gelegt. Themen wie Nackt-
heit, Nähe und Distanz, Festhalten und Loslassen, Beginn der Entwicklung ei-
ner Geschlechterrollenidentität (gegen Ende des 2. Lebensjahrs), Spielen mit
den eigenen Geschlechtsteilen und sinnliche Erfahrungen spielen in dieser Zeit
eine wichtige Rolle.
Ab Mitte des 2. Lebensjahrs bekommt die Entdeckung der eigenen (äußeren)
Genitalien für Mädchen und Jungen eine größere Bedeutung. Die lustvolle An-
eignung des Körpers bildet die Grundlage einer positiven Körperidentität. Das
differenzierte Benennen der Geschlechtsorgane durch die Bezugspersonen und
die Erlaubnis der Erkundung des Körpers sind eine ebenso wichtige Voraus-
setzung dafür. Selbsterkunden und Masturbation finden in der gesamten Kind-
heit statt.
Ab ca. 3 Jahren zeigt sich dieses Entdecken des eigenen Körpers auch bei den
sogenannten »Doktorspielen« mit anderen Kindern. So erkunden Kinder Ge-
schlechtsunterschiede und Gemeinsamkeiten, begreifen ihr biologisches Ge-
schlecht und lernen ihren Körper bewusst als Quelle von Lustgefühlen kennen.
Mögliche Themen in dieser Zeit: die Körperlichkeit der Familienangehörigen,
ein angemessener Umgang mit dieser Entdeckungslust, Schutz der Intimität
und Orte, an denen z.B. Masturbation möglich ist sowie Rollenspiele zu diesem

45
Themenbereich. Auch das eventuelle spielerische Imitieren von Geschlechtsver-
kehr gehört dazu. Kinder praktizieren normalerweise keinen Geschlechtsver-
kehr mit anderen Kindern. Insofern ist diese Imitation unbedenklich, wenn Kin-
der dies aus Spaß und freiwillig nachahmen.
Ab ca. 6 Jahren lässt das Interesse an sexuellen Aktivitäten etwas nach, die
Kinder entwickeln zunehmend Gefühle von Scham und bevorzugen unbeo-
bachtete Situationen. Außerdem findet meist eine Distanzierung vom anderen
und Zuwendung zum eigenen Geschlecht statt. Sexualität als Privatsache, der
Schutz der Intimsphäre sowie das Bedürfnis nach Wissen um Sexualität gewin-
nen an Bedeutung. Für die Jungen und Mädchen ist es wichtig, von ihren Be-
zugspersonen sachliche Antworten auf ihre Fragen zu bekommen sowie deren
Werte kennenzulernen. Sexualerziehung kann in dieser Zeit Wissen, Kom-
petenz und Sicherheit bezüglich des eigenen Körpers vermitteln.
In der Pubertät müssen sich Mädchen und Jungen dann mit vielfältigen, im-
mer früher beginnenden körperlichen Veränderungen auseinandersetzen, sich
ihren Körper quasi neu aneignen und ein verändertes Verhältnis zu ihm ent-
wickeln. Irritationen und Verunsicherungen können diese Zeit ebenso prägen
wie starke Stimmungsschwankungen. Der eigene Körper, die eigene Sexualität
wird auf eine neue Weise erlebt. Dies stellt eine große Herausforderung für die
Jugendlichen dar. Auch das Gestalten der Beziehungen zum anderen Geschlecht,
die Auseinandersetzung mit den Risiken, die mit Sexualität in Verbindung ste-
hen (Verhütung, Aids etc.) sind immer wieder Thema. Wichtig ist, für Mädchen
und Jungen auch in dieser Zeit da zu sein, sie zu bestärken, ihnen in Gesprächen,
Auseinandersetzungen und im Vorleben der eigenen Lebenseinstellungen ein
Gegenüber und Vorbild zu sein.
Diese Punkte stellen sicher nur einen Teil der Entwicklungen und Themen im
Bereich der Sexualität dar und doch wird deutlich, welche große Herausforde-
rung und Chance das auch für uns als Männer und Frauen im Umgang mit
Kindern und Jugendlichen bedeutet. Neben dem Wissen um die verschiedenen
Entwicklungsaufgaben ist eine Auseinandersetzung mit der eigenen Sexualität,
der eigenen Geschlechtsidentität, den eigenen Werten diesbezüglich eine wich-
tige Voraussetzung.

5.3.3 Intimsphäre
Dem Schutz der Intimsphäre kommt eine besondere Bedeutung zu und gerade
dieses Thema erfordert viel Sensibilität. Dabei ist die Intimsphäre nicht allein

46
auf den sexuellen Bereich zu beziehen, sondern insbesonders auf das Verhältnis
von Nähe und Distanz im Umgang miteinander. Auch wenn Kinder und Jugend-
liche die Grenze zwischen dem, was ihnen angenehm ist und dem, was sie als
Übergriff und unangenehm empfinden, deutlich spüren können, können sie
ihre Grenzen nicht immer deutlich machen oder haben Angst, sie wirklich ein-
zufordern.
Ziel sollte es sein, die Kinder und Jugendlichen diesbezüglich zu stärken und
für die Wahrung ihrer Grenzen einzutreten.
Intimsphäre ist etwas, das sehr unterschiedlich benötigt wird. Deshalb ist es
wichtig, sich im Vorfeld Gedanken darüber zu machen, welche Themen diesbe-
züglich eventuell bei der geplanten Freizeit, der Jungschar etc. auftauchen. Die
schon im Vorfeld erfolgte Reflexion geplanter Aktionen oder Situationen und
ihre Wirkung auf den oder die einzelne kann helfen, Grenzverletzungen zu
vermeiden und entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen. Es ist besser,
in Einzelfällen zu enge Grenzen zu formulieren als durch vermeintlich lockeren
Umgang die Intimsphäre Einzelner zu verletzen. Dabei ist es unsere Aufgabe
als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Verantwortung dafür zu übernehmen
und nicht von den Kindern und Jugendlichen zu erwarten, in diesem Bereich für
sich selbst zu sorgen. Unsere Rolle ist es, auch eventuell unbequeme Regeln
umzusetzen.

5.3.4 Eigene Grenzen


Als Mitarbeiterin und Mitarbeiter muss ich mich fragen, was ich selbst verkraf-
ten kann, wo ich überfordert bin und selbst Hilfe brauche (z.B. bei Anzeichen
für sexuelle Übergriffe etc.).
Ich sollte mir bewusst sein, dass z.B. die Rahmenbedingungen (Ort des Tref-
fens, anwesende Personen, gemischtgeschlechtliche Seelsorge usw.) im Bereich
der Seelsorge zu viel Nähe auslösen können. Dazu müssen wir als Mitarbei-
terinnen und Mitarbeiter auch bereit sein, uns kritisch damit
auseinanderzusetzen, welche Gründe uns für unsere Ar-
beit motivieren: Geht es um den Jungen oder das Mäd-
chen und das Beste für sie oder ihn, oder steckt der
Wunsch nach Bestätigung, das Geschmeichelt-Füh-
len, Gebraucht-Werden-Wollen, die eigene Wichtig-
keit hinter unserem Handeln?

47
5.3.5 Sexualität als Thema
Neben Sexualität als Teil unseres menschlichen Lebens kann Sexualität auch
explizit Thema in unserer Arbeit sein. Es handelt sich dabei um ein Angebot,
nie um einen Zwang. Beachtenswert erscheint uns in diesem Zusammenhang
auch das Thema Gruppenzwang oder Gruppendruck. Oft spielt das beim Thema
Sexualität eine große Rolle und veranlasst zu einer unehrlichen Auseinander-
setzung mit dem Thema. Jedes Kind, jede und jeder Jugendliche reagiert anders,
hat andere Fragen, möchte sich anders damit auseinandersetzen und dies muss
akzeptiert und respektiert werden. Wie für alle Themen gilt es hier besonders,
die individuellen Grenzen zu beachten und zu achten.
Alle Kinder und Jugendliche müssen mit ihren Wünschen, Ängsten und Gren-
zen ernst genommen werden. Gerade hier kann es ganz schnell zu Abwer-
tungen kommen, wenn jemand nicht so cool und offen über seine Erfahrungen
reden kann oder dies zu ausführlich tut.
Als Mitarbeiterin und Mitarbeiter sollte ich meine eigenen Grenzen kennen
und vorleben, dass es sie gibt und diese geschützt werden. Ich bin nicht beson-
ders toll und locker, wenn ich über alles rede (und dann aber gar nicht ehrlich
sein kann), sondern es geht darum, die eigenen Grenzen zu achten und vorzu-
leben, dass genau dies ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer reifen Sexu-
alität ist. Wichtig ist dabei – trotz aller Sensibilität – auch einen offenen, unver-
krampften Umgang mit diesem Thema zu erhalten und zu ermöglichen.
Was geht?
• Formen kindlicher und jugendlicher Sexualität kennen, einordnen können
und diese in angemessener Art und Weise zulassen
• Nähe – in dem Wissen um eigene Grenzen und die des Gegenübers –
ermöglichen und zulassen
• Sexualität in allen Facetten in der kirchlichen Arbeit mit Kindern und
Jugendlichen thematisieren
• Kinder und Jugendliche stärken: durch positive Körpererfahrungen
in Fragen von Nähe und Distanz, durch das Achten und Aussprechen von
persönlichen Grenzen, durch offene Gespräche, durch vorgelebte Toleranz
Was geht nicht?
• Kinder Formen von Erwachsenensexualität ausleben lassen
• sexualisierte Gewalt zulassen
• Kinder und Jugendliche zu etwas zwingen, das sie nicht möchten – oder das
dulden, bzw. wegsehen

48
• Kinder und Jugendliche zur Auseinan-
dersetzung mit dem Thema Sexualität
nötigen/zwingen
• Mädchen und Jungen verunsichern oder
verletzen durch Tabuisierung oder
Problematisierung von Sexualität, durch
Intoleranz, Diskriminierung von
Homosexualität, Verurteilungen und
Grenzüberschreitungen

6 Zur Sache: Was geht, was geht nicht?


6.1 Grenzen und Grenzüberschreitungen
Wann liegt sexueller Missbrauch vor und wann nicht? Wurde an der einen oder
anderen Stelle eine Grenze überschritten oder nicht? Solche Fragen sind gar
nicht so leicht zu beantworten. Wo liegt denn die Grenze, die gegenüber einem
anderen Menschen nicht überschritten werden darf? Wie kann diese Grenze
beschrieben werden?

6.1.1 Allgemeingültige Grenzen


Achtung der Persönlichkeit eines Menschen
Jeder Mensch, ist eine Persönlichkeit mit allem, was dazu gehört. Jeder Mensch
ist darum ein Subjekt und darf nicht zum Objekt der Wünsche oder Interessen
eines anderen Menschen gemacht werden. Anders ausgedrückt: Ein anderer
Mensch ist immer auch Zweck unserer Handlungen, niemals nur das Mittel
(siehe auch 1.1).
Diese Grenze wird beispielsweise dort überschritten, wo
• jemand gedemütigt wird. Dann nämlich geht es nicht mehr um den anderen
Menschen, sondern um die Befriedigung der Gefühle dessen, der den
anderen demütigt.

49
• jemand dazu missbraucht wird, die Bedürfnisse eines anderen zu erfüllen,
unabhängig von dem, was die Person selbst will. Beispiel: Ein Kind muss
zur Strafe die Schuhe des Leitungsteams putzen.
• jemand seine Wut an einem anderen unkontrolliert auslässt.
• jemand dazu gezwungen oder überredet wird, etwas zu tun, was andere
zwar erheitert, jenem selbst aber peinlich ist. Beispiel: Ein Kind soll bei
einem Theaterstück spielen, wie es auf dem Klo sitzt, oder wie es sich selbst
befriedigt.
• sexuelle Handlungen jeglicher Art an Kindern oder Jugendlichen vollzogen
werden.
• Kinder oder Jugendliche dazu gezwungen werden (auch Gruppenzwang ist
ein Zwang!), bei einem Saunabesuch mitzumachen.

Respekt vor dem Willen eines Menschen


Aus dem oben Gesagten folgt zwingend, dass jeder Mensch das Recht auf einen
eigenen Willen hat, den es zu respektieren gilt. Der Mensch wird immer dann
zum Objekt der Wünsche anderer, wenn sein Wille nicht mehr respektiert wird.
Dabei erfährt der Wille eines Menschen seine Grenze immer am Willen anderer
Menschen. Wo ich etwas anderes will als mein Gegenüber, oder wo ich gar das
Gegenteil davon will, werde ich meinen Willen nicht mehr ohne Weiteres durch-
setzen können oder wollen. Der Wille eines Menschen ist immer zu respektieren
(siehe auch 1.1).
Diese Grenze wird beispielsweise dort überschritten, wo
• jemand zu einer Handlung gezwungen wird, obwohl für diese Handlung
keine notwendige Veranlassung besteht. Beispiel: Ein Kind hat Angst, bei
einem Zeltlager die Nachtwache zu übernehmen. Es wird vom Leiter oder
der Leiterin dazu gezwungen, obwohl auch andere ohne weiteres diese
Aufgabe übernehmen könnten.
• ein Kind oder ein/e Jugendliche/r dazu gezwungen wird, etwas zu tun,
wovor es Angst hat (Mutprobe).
• ein Kind oder ein/e Jugendliche/r dazu gezwungen wird, etwas zu essen
oder zu trinken, was es nicht essen oder trinken will.
• ein Kind oder ein/e Jugendliche/r dazu gezwungen oder überredet wird
einen anderen zu berühren oder zu küssen.

50
• an einem Kind oder ein/e Jugendliche/r oder bzw. einer Minderjährigen/
einem Minderjährigen sexuelle Handlungen vollzogen werden, unabhängig
davon, ob er oder sie dem zustimmt.

Achtung der Freiheit eines jeden Menschen


Gott hat den Menschen zur Freiheit berufen. Jeder Mensch hat das Recht auf
Freiheit, kein Mensch darf die Freiheit eines anderen Menschen beschneiden, es
sei denn, er schützt dadurch andere Menschen und bewahrt sie vor Schaden
(siehe auch 1.1).
Diese Grenze wird beispielsweise dort überschritten, wo
• jemand in seiner Freiheit prinzipiell eingeschränkt wird, ohne dass dazu
die Notwendigkeit besteht.
• eine Person in einer Gruppe weniger Freiheiten hat, als andere.
• Kinder oder Jugendliche gezwungen oder überredet werden, trotz Heimweh
bei einer Freizeit zu bleiben.
• jemand dazu gezwungen oder drängend dazu überredet wird, etwas zu tun,
was er nicht möchte, beispielsweise vom Sprungbrett ins Wasser zu springen.

Das Recht auf Unversehrtheit des Körpers und der Seele


Jeder Mensch hat das Recht auf Unversehrtheit des Körpers und der Seele. Kein
Mensch hat das Recht, einem anderen Menschen Schaden an Leib oder Seele
zuzufügen (siehe auch 1.1).
Diese Grenze wird beispielsweise dort überschritten, wo
• jemand geschlagen oder anderweitig absichtlich verletzt wird.
• jemand zur Strafe körperliche Schmerzen erdulden muss, z.B. auf Steine
knien.
• jemand mit Worten gedemütigt wird.
• Kinder oder Jugendliche auf Veranlassung eines Erwachsenen Medien
konsumieren, die für Menschen ihres Alters ungeeignet
oder gar schädlich sind.
• Kinder oder Jugendliche an sexuellen Handlungen
beteiligt sind oder ihnen beiwohnen.
• jemand gemobbt oder gegenüber anderen
ungerecht behandelt wird.

51
6.1.2 Grenzüberschreitung und Kindeswohl
Grundsätzlich gilt alles, was oben über Grenzen und Grenzüberschreitungen
gesagt wurde, auch für das Zusammensein mit Kindern und Jugendlichen. Den-
noch muss es Unterschiede zwischen unserem Verhalten gegenüber Erwachse-
nen und dem gegenüber Kindern oder Jugendlichen geben.
Kinder und Jugendliche sind gegenüber Erwachsenen keine gleichberech-
tigten Partner.
Auch wenn Kinder und Jugendliche gegenüber Erwachsenen gleichwertig
sind, so haben sie dennoch nicht die gleichen Rechte. Der sogenannten »Entde-
ckung der Kindheit« haben wir es zu verdanken, dass es ein Kinder- und Ju-
gendschutzgesetz gibt, das Kinder und Jugendliche in ganz besonderer Weise
schützt. Kinder und Jugendliche werden in unserer Rechtsprechung unter ande-
rem auch dadurch geschützt, dass ihnen bestimmte Rechte verwehrt werden.
Ein Grund dafür ist, dass Kinder und Jugendliche auf Grund ihres geistigen
Entwicklungsstandes nicht dazu in der Lage sind, die Folgen ihrer Entschei-
dungen so abzuschätzen, wie das einem erwachsenen Menschen zugetraut
wird. Kinder und Jugendliche haben deshalb beispielsweise nicht das Recht,
Verträge abzuschließen oder den Führerschein zu machen.
Ein weiterer Grund ist, dass Kinder und Jugendliche auf Grund ihres körper-
lichen Entwicklungsstandes verletzlicher und gefährdeter sind als Erwachsene.
Kinder und junge Jugendliche dürfen deshalb beispielsweise keinen Alkohol
trinken. Und schließlich sind Kinder und Jugendliche auf Grund ihres seelischen
Entwicklungsstandes verletzlicher als Erwachsene und haben deshalb nicht die
gleichen Rechte. Kinder dürfen deshalb nur Filme anschauen, von denen
Erwachsene sagen, dass sie für Kinder geeignet sind. Gerade im Bereich der
Sexualität müssen Kinder und Jugendliche an dieser Stelle ganz besonders ge-
schützt werden. Die Rechte, die Erwachsene im Gegensatz zu Kindern und
Jugendlichen haben, werden dabei zu Pflichten zum Schutz von Kindern und
Jugendlichen.
Kinder und Jugendliche sind Persönlichkeiten, suchen aber noch wesentlich
stärker nach der eigenen Identität.
Wir sind heute der Überzeugung, dass Kinder und Jugendliche nicht erst zu
Persönlichkeiten heranreifen müssen, sondern zu jeder Zeit schon Persönlich-
keiten sind. Dennoch vollzieht sich bei Kindern und Jugendlichen ein rasanter
Entwicklungsprozess hin zu einer Identität, die sie als Erwachsene kennzeich-
nen wird.

52
Entwicklungen können dabei jederzeit
sowohl gefördert als auch beeinträchtigt
werden. Eine Störung im Entwicklungs-
prozess kann für betroffene Kinder oder
Jugendliche nachhaltige Folgen haben, un-
ter denen ein Mensch schlimmstenfalls
sein Leben lang leiden muss. Die angespro-
chenen Grenzen von Kindern und Jugend-
lichen müssen deshalb besonders sorgfäl-
tig beachtet und respektiert werden. Kinder
und Jugendliche erfahren zwar auch im-
mer wieder hilfreiche Selbstheilungspro-
zesse, dennoch wird vielen Kindern und
Jugendlichen durch Grenzüberschrei-
tungen nachhaltiger Schaden zugefügt, der nur durch langwierige Betreuung
und Beratung verarbeitet werden kann.
Kinder und Jugendliche haben einen eigenen Willen, sind aber abhängig.
Kinder und Jugendliche haben einen eigenen Willen. Das wissen alle, die
selbst Kinder haben oder mit Kindern und Jugendlichen zu tun haben. Das ist
auch gut so. Das Erlangen von Willensstärke gehört zu den wichtigsten Aufga-
ben der Kindheit. Der Wille von Kindern und Jugendlichen muss aber anders
beurteilt werden als der Wille von Erwachsenen. Kinder und Jugendliche haben
einen eigenen Willen, sind jedoch gleichzeitig immer abhängig von Erwachse-
nen. Kinder und Jugendliche können darum Wünsche von Erwachsenen oft
nicht willentlich ablehnen, sondern sehen sich in vielen Fällen gezwungen, dem
Willen der Erwachsenen nachzugeben, eben weil sie abhängig von ihnen und
damit auf sie angewiesen sind. Gerade im Blick auf Grenzüberschreitungen und
auf sexuellen Missbrauch ist das besonders zu beachten.
Bei Erwachsenen ist es entscheidend, ob ein sexueller Kontakt mit der Zu-
stimmung beider Personen zustande gekommen ist oder nicht. Wenn einer der
beiden Partner gegen seinen oder ihren Willen sexuellen Verkehr hat, dann
wird das als sexueller Missbrauch gewertet. Der freie Wille eines Menschen ist
hier entscheidend. Man spricht hier vom Konzept des wissentlichen Einver-
ständnisses.
»Dieses (Konzept) geht davon aus, dass Erwachsene immer dann eine Straftat
gegen die sexuelle Selbstbestimmung begehen, wenn eine Person an einer an-

53
deren ohne deren Zustimmung sexuelle Handlungen ausführt. Kinder und
Jugendliche sind jedoch im Kontakt gegenüber Erwachsenen keine gleichbe-
rechtigten Partner/Partnerinnen. Sie können sexuelle Kontakte zu Männern
(Frauen) nicht wissentlich ablehnen oder ihnen zustimmen, denn hinsichtlich
ihres emotionalen, kognitiven und sprachlichen Entwicklungsstandes sind sie
von der Liebe, Zuneigung und sozialer Fürsorge abhängig und dem (der) Er-
wachsenen auch rechtlich unterstellt. Folglich muss jeder sexuelle Kontakt zwi-
schen einem (einer) Erwachsenen und einem Kind als sexueller Missbrauch
bewertet werden.« (Dirk Bange)
Wir halten fest: Eine gewalttätige oder sexuelle Grenzüberschreitung liegt
auch dann vor, wenn sie vom Kind nicht wissentlich oder willentlich abgelehnt
wurde. Sexuelle Kontakte zwischen Minderjährigen und Erwachsenen erfüllen
immer(!) den Tatbestand des sexuellen Missbrauchs.
Kinder und Jugendliche haben ein Recht auf Freiheit, brauchen aber die Für-
sorge von Erwachsenen.
Wir haben gesehen, dass zwischen Kindern bzw. Jugendlichen und Erwach-
senen ein Abhängigkeitsverhältnis besteht. Kinder und Jugendliche brauchen
dieses Abhängigkeitsverhältnis, weil sie ansonsten mit dem, was ihnen in ihrem
Leben begegnet, heillos überfordert wären. Kinder und Jugendliche brauchen
Erwachsene die ihnen Orientierung geben und ihnen verbieten, was schädlich
für sie ist.
Kinder und Jugendliche können nicht selbst darüber entscheiden, was gut ist
für sie und was nicht. Die Freiheit eines Kindes findet an dieser Stelle ihre Gren-
ze. Kinder und Jugendliche fühlen sich deshalb von den Erwachsenen oft bevor-
mundet und in ihrer Freiheit beschnitten. Dennoch ist und bleibt es Aufgabe der
Erwachsenen (der Eltern), der Freiheit von Kindern und Jugendlichen Grenzen
zu setzen.
Kinder und Jugendliche haben ein Recht auf Unversehrtheit, sind aber sehr
viel verletzlicher als Erwachsene.
Kinder und Erwachsene haben ein Recht auf körperliche, geistige und see-
lische Unversehrtheit. Als Erwachsene müssen wir im Blick haben, dass Kinder
und Jugendliche verletzlicher sind als Erwachsene. Was Erwachsene vielleicht
noch gut verarbeiten können, kann ein Kind völlig überfordern und nachhaltig
schädigen. Was Erwachsenen durchaus zugemutet werden kann oder gar zuge-
mutet werden muss, kann ein Kind in die Verzweiflung treiben. Die aufge-
zeigten Grenzen einer jeden Persönlichkeit liegen bei Kindern und Jugendlichen

54
oft anders als bei Erwachsenen. Das jeweilige Entwicklungsstadium von Kin-
dern und Jugendlichen, die körperlichen, geistigen und seelischen Vorausset-
zungen, müssen ganz besonders sorgfältig ergründet und bedacht werden.

6.2 Unser freiheitlich geprägter Umgang miteinander

6.2.1 Grundsätzliches
Ein Großteil unseres Lebens spielt sich in verschiedenen Gruppen ab. Damit das
Zusammenleben in einer Gruppe gelingt, braucht es bestimmte Normen und
Regeln für das Miteinander. Ohne sie wäre ein freiheitlich geprägter Umgang
nicht möglich. Ungeregeltes Miteinander würde die Freiheit des einen durch die
Freiheit des anderen gravierend einschränken oder auch gefährden. Im Zusam-
menleben von Menschen muss sich Freiheit an Regeln binden, um einen
sicheren Raum für Einzelne zu bieten. So verstehen wir Regeln und Normen als
wichtige Hilfen für das Miteinander, um größtmögliche Freiheit aller zu gewäh-
ren. Das gilt auch für ein Leitungsteam oder zwischen Leitung und Teilneh-
menden. Gruppenregeln haben immer zwei Seiten: Einerseits bieten sie Sicher-
heit und zeigen Grenzen auf, andererseits ist es oft so, dass zu viele Regelungen
Konflikte heraufbeschwören. Die Begründung von Regelungen muss daher gut
überlegt sein und die Regeln können nur eingehalten werden, wenn sie auch
allen bekannt sind.
Vorweg: Es kann kein umfassendes Regelwerk für alle Situationen in der
Arbeit mit Kindern und Jugendlichen geben. Aber es gibt grundlegende Dinge
für die Arbeit mit Gruppen, die immer wieder bedacht werden sollten. Ein
Bereich sind Normen und Regeln. Was sollte man im Blick auf Regeln des
Zusammenlebens bedenken?

6.2.2 Normen und Regeln – welche unterscheidet man?


Normen sind ausgesprochene und unausgesprochene Regeln
und »Gesetze«, die das Denken und Verhalten der Teilneh-
menden bestimmen. Man unterscheidet vorgegebene,
gesellschaftliche und verabredete Regeln.
Gesetze, Verordnungen, allgemeine Reisebedin-
gungen, Förderbedingungen sowie Regeln, die sich
aus der Fürsorgepflicht des Trägers ergeben, gehö-
ren zu den vorgegebenen Regeln. Diese Regeln ste-

55
hen fest und bilden für unsere Arbeit mit Kindern und Jugendlichen den äuße-
ren Rahmen.
Umgangsformen, bestimmte Verhaltensweisen, kulturelle Unterschiede und
Traditionen gehören zu den gesellschaftlichen Regeln. Diese vorgegebenen und
gesellschaftlichen Regeln müssen nur erinnert werden. Verabredete Regeln
müssen in einer Gruppe entwickelt und vereinbart werden.
Regeln sind dann hilfreich, wenn z.B. Absprachen und Vereinbarungen ge-
meinsam verhandelt werden und ihr Sinn für alle erkennbar ist. Damit kann in
der Gruppe Sicherheit im Umgang mit den anderen erzielt und Gruppenpro-
zesse geregelt und strukturiert werden. Wenn das geschieht, ist das Finden von
Regeln für ein Team oder eine Gruppe ein bewusst offener und transparenter
Vorgang. Verabredete Regeln müssen immer wieder überprüft und dem ge-
meinsamen Ziel und Anliegen untergeordnet werden. Dazu gehören:
• Kommunikationsregeln
• Kritikformen
• Regeln für das Miteinander in einer Gruppenstunde
• Regeln für Küchendienst
• Zeltlagerordnung
• Umgang mit Alkohol oder Nikotin in Gruppe und Team
• Ablaufpläne, Zeitstruktur
• Räume und Plätze
• Umgang mit Gegenständen
• Regeln für Ausflüge, erlebnispädagogische Aktivitäten (Klettern,
Kanutouren etc.)
• Tischregeln etc.
In einer Gruppe entwickeln sich immer implizite (unausgesprochene) Normen
und Regeln, wenn Situationen in einer Gruppe ungewiss sind, sich Teilneh-
mende verunsichert fühlen oder Traditionen unausgesprochen übernommen
werden, z.B.:
• »Das haben die auf der letzten Freizeit aber zugelassen!«
• Es wird eine Binnensprache (Gruppen-Slang) gesprochen.
• Wenn nur von Erfolgen erzählt wird, Misserfolge aber nicht angesprochen
werden.
• »Wenn die dabei ist, dann gehe ich nicht in diese Gruppe!«
• »Der spielt immer Gitarre, du brauchst deine nicht auszupacken!«
• Wenn einer etwas sagt, während die anderen dabei abwertend lächeln.

56
Die Gruppenleitung muss darauf ein-
wirken, dass Normen sich transparent ent-
wickeln. Das bedeutet:
• Verunsicherungen ansprechen
• gegenseitige Akzeptanz fördern
• unbewusst ablaufende Prozesse
einsichtig machen
• Überschaubarkeit und Sicherheit
schaffen
Werden Normen und Regeln nicht ein-
gehalten, braucht es Sanktionen (Konse-
quenzen), die für Teilnehmende und Mitar-
beitende gleichermaßen gelten. Welche
das sind, hängt immer von der jeweiligen
Situation und von den Absprachen im Team ab. Konsequenzen müssen in einem
direkten Zusammenhang zum Regelverstoß stehen und für die Kinder und
Jugendlichen verständlich und nachvollziehbar sein (siehe 6.6).

6.2.3 Grundsätzliches für das Leitungsteam einer Gruppe


Regeln frühzeitig klären
Während der Planungsphase für eine Freizeit oder ein Wochenende müssen die
Regelungen und Absprachen für vorhersehbare Situationen geklärt werden.
Das gilt für die Gruppe, aber auch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Dies betrifft beispielsweise:
• Wie ist der Umgang mit Alkohol und Nikotin?
• Was tun, wenn es keine getrennten Schlafräume gibt?
(siehe 6.4.4 Übernachtungen)
• Kann ich als Mitarbeiter oder Mitarbeiterin mit meinen Lebenspartner oder
meiner Lebenspartnerin ein Zimmer teilen, auch wenn wir nicht verheiratet
sind?
• Alle Eltern haben auf der Anmeldekarte erlaubt, dass die Kinder oder
Jugendlichen die Sauna besuchen dürfen. Wie verhalten wir uns, wenn ein
Teilnehmer oder eine Teilnehmerin nicht mitgehen will?

57
Vorausschauend leiten und eingreifen
Es ist wichtig, vorausschauend zu leiten und Konfliktpotential zu erkennen.
Dazu gehört:
• Konflikte erkennen
• ansprechen von problematischen Situationen
• kontrollieren
• gegebenenfalls die Einhaltung abgesprochener Regeln auch gegen
Widerstand durchsetzen
Das Ansprechen von Problemen kann je nach Situation im Einzelgespräch
oder im Rahmen der Gesamtgruppe geschehen. Die Gruppenleitung muss hier
abwägen, in welchem Rahmen das Ansprechen eines Konfliktes am hilf-
reichsten erscheint. Nicht jeder Konflikt muss in der Gesamtgruppe diskutiert
werden. Wenn Regeln aufgestellt werden, dann muss im Team beraten werden,
wie damit umgegangen wird. Folgende Fragen könnten hilfreich sein:
• Was wollen wir regeln?
• Gibt es für den Sachverhalt gesetzliche Grundlagen?
• Wie bringen wir die Regeln in die Gruppe ein? Kann die Gruppe daran mit
gestalten?
• Wie wird bei Grenzüberschreitungen gehandelt?
• Wie sprechen wir uns in schwierigen Entscheidungssituationen ab?
• Fördert die Regel die Entfaltung persönlicher Freiheit im Gruppenleben?

6.2.4 Alkohol auf Freizeiten: ein Praxisbeispiel


Hier ein konkretes Beispiel aus der Praxis einer Jugendfreizeit mit einem
Altersspektrum von 14 bis 22 Jahren:
Das Team hatte im Vorfeld Folgendes geklärt:
1. Die gesetzlichen Regelungen (JuSchG – Jugendschutzgesetz) geben den Rah-
men vor, der vom Leitungsteam pädagogisch sinnvoll ausgefüllt werden muss.
2. Aufgrund der Altersspanne gibt es gesetzlich einen unterschiedlichen Zu-
gang zu alkoholischen Getränken.
3. Die Teammitglieder trinken auch gerne ein Bier.
4. Wenn Alkohol verboten wird, dann muss ganz strikt kontrolliert und sank-
tioniert werden.
5. Beratungsergebnis: Das Team verzichtet in diesen Tagen auf Alkohol, weil es
Verantwortung trägt und bittet die über 16-jährigen sich solidarisch mit denen

58
zu verhalten, die keinen Alkohol trinken dürfen. Die Älteren prüfen, ob sie sich
dem Vorschlag anschließen können.
6. Im Vorfeld hatte das Team klare Regeln aufgestellt für den Fall, dass die
Älteren sich für den Genuss von Alkohol entscheiden sollten. Wie soll damit
umgegangen werden? Was tun bei Grenzüberschreitungen?
Wichtig: Sollten Regeln nicht eingehalten werden, muss es, um glaubwürdig
zu bleiben, auch Konsequenzen geben. Auch hier ist darauf zu achten, dass
diese Konsequenzen gemeinsam mit den Teilnehmern und Teilnehmerinnen
vereinbart werden und vor allem allen bekannt sind.
Was war das Ergebnis? Was hatte die Gruppe angenommen und erkannt?
• Das Leitungsteam verzichtet auf Alkohol, weil es in diesen Tagen für die
Teilnehmerinnen und Teilnehmer Verantwortung trägt.
• Die Älteren haben sofort begriffen: Es ist wichtig, sich auf die Situation der
Jüngeren einzustellen. Keiner soll ausgegrenzt werden.
• So war das Thema Alkohol für die gemeinsamen Tages des Zusammen-
lebens geklärt. Das Ergebnis war: Wir verzichten als Gruppe auf den Genuss
von Alkohol und es schadet nicht.
Sicherlich gibt es noch andere Erfahrungen mit Alkohol. In diesem Bereich
muss darauf geachtet werden, dass Grenzen nicht überschritten werden.

6.3 Die Entfaltung von Spontaneität und Kreativität


bei Kindern und Jugendlichen
Im Bereich der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ist es eine wichtige Aufga-
be von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die Spontaneität und Kreativität von
Teilnehmerinnen und Teilnehmern jeglichen Alters zu fördern kreativen Frei-
raum zu schaffen. Davon profitieren Kinder und Jugendliche in ihrer Entwick-
lung. Lag bisher der Schwerpunkt der Ausführungen auf der Bestimmung von
Regeln und Normen, so ist dies nicht als Einschränkung der Spontaneität und
Kreativität zu verstehen, sondern als sicherer Rahmen, inner-
halb dessen sich diese entfalten können.
In unserer Arbeit wollen wir die Kreativität und
Spontaneität von Kindern und Jugendlichen fördern.
Manche Kinder und Jugendliche haben diese Fähig-
keiten nicht angemessen entwickeln können. Sie
brauchen Unterstützung von anderen und Freiraum
dafür.

59
Ein paar allgemeine Informationen können helfen, sich dem Thema Kreativität
zu nähern.

Was versteht man unter Kreativität?


Kreativität hat etwas mit einer schöpferischen Kraft zu tun. Man schafft etwas
Neues, und kann auf dem Weg dorthin verschiedenen Wegen folgen. In vielen
Fällen hat dieser Prozess etwas mit Spaß zu tun. Dennoch kann man nicht all-
gemein sagen, dass man Kreativität einfach abrufen kann. Gerade bei Kindern
und Jugendlichen ist es oft auch die Art, wie man dazu angeleitet wird, kreativ
zu werden. Zudem benötigt man teilweise eine hohe Frustrationstoleranz bevor
sich ein zufriedenstellendes Ergebnis erreichen lässt.
Mit Kreativität muss nicht nur künstlerisches Schaffen gemeint sein. Sie wird
auch in vielen anderen Bereichen dringend benötigt, um Lösungen für die ver-
schiedensten Probleme zu finden. Jeder Beruf hat z.B. seine eigenen kreativen
Anteile.

Was kann die Kreativität negativ beeinflussen?


• zu hohe Erwartungen an die eigene Person
• allgemeine Hektik, Unruhe und Lärm
• fehlende Anleitung von außen

Kann man Kreativität erlernen?


Jeder Mensch hat Kreativität in sich. Der eine mehr, der andere weniger. Kinder
haben den Vorteil, dass sie nicht darüber nachdenken, wie kreativ sie sind, oder
ob sie wirklich malen können. Sie tun es einfach, sind also kreativ. Mit zuneh-
mendem Alter wird es meist schwerer, sich mit dieser kindlichen Neugier und
Unbeschwertheit an neue Dinge zu wagen. Durch Ausprobieren kann man eige-
ne Potenziale aufspüren oder neu, bzw. wieder entdecken. Dabei ist es wichtig,
auch Fehler und nicht ganz so gelungene Versuche zu zu lassen.

6.4 Sexualität

6.4.1 Sexualität aus Sicht der Evangelisch-methodistischen


Kirche
In der Verfassung, Lehre und Ordnung der Evangelisch-methodistischen Kir-
che, Stand 2005, Artikel 161, Abs. 7-9 heißt es dazu:

60
Menschliche Sexualität
Wir bejahen die Sexualität als gute Gabe
Gottes für alle Menschen. Nach unserer
Überzeugung gehört es zum erfüllten
Menschsein, dass diese Gabe von den Ein-
zelnen angenommen und von der Kirche
und der Gesellschaft anerkannt wird. Wir
fordern alle Menschen zu einem verant-
wortlichen Umgang mit dieser Gabe auf –
sich selbst und anderen zuliebe. Wir sind
überzeugt, dass Gott von uns verantwort-
liche, verbindliche und von der Liebe
bestimmte sexuelle Verhaltensweisen er-
wartet. Von Fachbereichen wie Medizin,
Theologie und Sozialwissenschaften erwarten wir Bemühungen um ein besse-
res Verständnis dieser Gottesgabe. Von der Kirche erwarten wir die Anregung
und Begleitung solcher Bemühungen. Außerdem sehen wir unserem Verständ-
nis dieses Gottesgeschenks entsprechend auch die Aufgabe, verantwortungs-
volle, ernsthafte und liebevolle Ausdrucksformen der Sexualität zu finden. Ob-
wohl Sexualität zum Menschen gehört, können wir sexuelle Beziehungen nur
innerhalb einer verbindlichen Partnerschaft bejahen. Sexualität kann inner-
halb und außerhalb der Ehe missbraucht werden. Wir lehnen alle Arten von
Sexualität ab, die die Menschenwürde verletzen, und bejahen nur solche, die
der Menschenwürde entsprechen. Wir halten sexuelle Beziehungen, in denen
ein Partner den anderen ausnutzt oder missbraucht oder in denen die Partner
häufig wechseln, mit christlichem Verhalten für unvereinbar; zudem sind sie
schädlich für Einzelne und Familien wie für das Miteinander in der Gesell-
schaft. Wir beklagen alle Formen von Kommerzialisierung und Ausbeutung der
Sexualität, die die menschliche Würde verletzen. Wir fordern strengere Gesetze
gegen die Ausbeutung der Sexualität und gegen den sexuellen Missbrauch von
Kindern und Jugendlichen durch Erwachsene. Wir halten eine umfassende,
positive und den jeweiligen Altersstufen entsprechende Sexualerziehung von
Kindern und Jugendlichen sowie sexuelle Beratung von Erwachsenen für nötig
und sehen in der Kirche einen guten Ort, an dem das geschehen kann. Wir
fordern die Einführung von Maßnahmen, die Kinder und Jugendliche vor sexu-
ellem Missbrauch schützen, und die seelsorgliche Begleitung von Kindern und

61
Jugendlichen, die sexuell missbraucht wurden. Wir bestehen darauf, dass weder
das Alter eines Menschen noch sein Geschlecht, weder sein Familienstand noch
seine sexuelle Orientierung ein Grund sein darf, seine Menschen und Bürger-
rechte einzuschränken. Wir wissen uns daher zum Dienst an allen Menschen
und mit allen Menschen verpflichtet. Homosexuelle Menschen sind vor Gott
nicht weniger wert als heterosexuelle. Die einen wie die anderen bedürfen in
ihrem Ringen um menschliche Erfüllung der spirituellen und emotionalen Für-
sorge einer Gemeinschaft, die versöhnende Beziehungen der Menschen mit
Gott, mit anderen und mit sich selbst ermöglicht. Eine Mehrheit in der Kirche
interpretiert die Bibel so, dass sie die Ausübung der Homosexualität nicht billi-
gen kann. Unter diesen Umständen verzichten wir in unserer Kirche auf beson-
dere Feiern für homosexuelle Paare. Trotzdem halten wir fest, dass die Gnade
Gottes allen Menschen gilt.

Sexuelle Übergriffe
Wir glauben, dass die menschliche Sexualität ein Geschenk Gottes ist. Sexuelle
Übergriffe stellen einen Missbrauch dieses Geschenks dar. Unter sexuellen
Übergriffen verstehen wir jede unerwünschte sexuelle Äußerung oder Verhal-
tensweise, die die Betroffenen als erniedrigend, einschüchternd oder nötigend
wahrnehmen. Sexuelle Übergriffe missbrauchen eine vorhandene Machtposi-
tion und haben es keineswegs nur mit Sexualität zu tun. Sie schaffen durch die
Diskriminierung des anderen Geschlechts auch eine feindselige und belastende
Arbeitsatmosphäre. Statt einer angenehmen Gemeinschaft erzeugen sexuelle
Übergriffe, wo immer sie sich ereignen, unangemessene, einengende und ver-
letzende Lebensbedingungen. Sie untergraben das Streben nach Chancen-
gleichheit und den gegenseitigen Respekt von Männern und Frauen.

Gleiche Rechte für alle Menschen ungeachtet ihrer sexuellen Orientierung


Grundrechte und bürgerliche Freiheiten gehören allen Menschen. Wir müssen
dafür sorgen, dass sie auch homosexuellen Menschen gewährt werden. Außer-
dem unterstützen wir alle Bemühungen, Gewalt und andere Formen von Zwang
gegenüber homosexuellen Personen zu beenden.

6.4.2 Der gesetzliche Rahmen


Der Gesetzgeber hat zur Verhinderung von sexuellen Straftaten an Kindern und
Jugendlichen folgenden Rahmen geschaffen:

62
In Bezug auf sexuellen Missbrauch:
§ 174 StGB Sexueller Missbrauch von Schutzbefohlenen
§ 176 StGB Sexueller Missbrauch von Kindern
§ 176a StGB Schwerer sexueller Missbrauch von Kindern
§ 179 StGB Sexueller Missbrauch widerstandsunfähiger Personen
§ 182 StGB Sexueller Missbrauch von Jugendlichen
In Bezug auf sexuelle Handlungen an oder vor Minderjährigen:
§ 180 Förderung sexueller Handlungen Minderjähriger

Unter 14 Jahren
Kinder unter 14 Jahren genießen umfassenden Schutz (§ 176 StGB). Jede und
jeder, der oder die sexuelle Handlungen an einem Kind vornimmt, an sich vor-
nehmen lässt, ein Kind zu sexuellen Handlungen an einer dritten Person ani-
miert, oder ihm Medien mit pornografischem Inhalt zeigt bzw. vorspielt, macht
sich strafbar.

Unter 16 Jahren
Für Jugendliche unter 16 Jahren greifen die Regelungen zum »Vorschub leisten«
oder »Verschaffen von Gelegenheit« (§ 180 StGB). Gemeint ist damit, dass ein
Leiter oder eine Leiterin ganz bewusst einen Teilnehmer oder eine Teilneh-
merin dazu animiert, sich auf eine Beziehung mit einer anderen Person einzu-
lassen, also versucht, ihn oder sie zu verkuppeln. Des Weiteren ist es strafbar,
zwei teilnehmenden Personen eine Gelegenheit (z.B. einen Raum) zur Verfü-
gung zu stellen, in dem sie einige Stunden ungestört sein können. Es bedeutet
auch, einzuschreiten, wenn Personen (mindestens eine von beiden) unter 16
Jahren bei sexuellen Handlungen »erwischt« werden. Das fängt schon beim
Zungenkuss an und beinhaltet des Weiteren Petting, das gegenseitige oder vor
einem Dritten vorgenommene Masturbieren, das Entblößen der Geschlechts-
teile, das Betasten der Geschlechtsteile und jede weitergehende
Form von sexueller Aktivität. Sexueller Missbrauch liegt
nach §182 auch vor, wenn eine Person über 21 Jahren
an einer Person unter 16 Jahren sexuelle Handlungen
vornimmt oder vornehmen lässt bzw. diese dazu be-
stimmt, sexuelle Handlungen an einem Dritten vor-
zunehmen oder von einem Dritten an sich vorneh-
men zu lassen.

63
Unter 18 Jahren
Der gesetzliche Schutz von Jugendlichen unter 18 Jahren hat vor allem die Ver-
meidung jeglicher Form von Missbrauch im Sinne von Prostitution und Zuhäl-
terei (sexuelle Handlungen gegen Entgelt) im Blick. Außerdem ist auch hier die
Ausnutzung eines Abhängigkeitsverhältnisses, wie es bei Gruppenleiterinnen
oder Gruppenleitern und Teilnehmerinnen oder Teilnehmern besteht oder das
Ausnützen einer Zwangslage strafbar (§ 180 Abs.3 StGB). Daraus folgen wich-
tige Konsequenzen für Beziehungen zwischen Leiterinnen oder Leitern und
Teilnehmerinnen oder Teilnehmern (siehe 6.4.5).

6.4.3 Der Umgang mit Paaren in der Gruppe


Grundsätzlich gilt für unseren Umgang mit Paaren in einer Gruppe: Die Bezie-
hung wird akzeptiert und begrüßt. Wenn Menschen eine Beziehung eingehen,
dann ist dies gewollt und grundsätzlich positiv zu sehen. Die Regelungen, die
für den Umgang mit Paaren gelten, zielen nicht auf eine Einschränkung der
Beziehungsbildung und -entwicklung, sondern auf den Schutz der einzelnen
Personen im Leben ihrer Beziehung und ihrer Sexualität, aber auch der posi-
tiven Entfaltung des Zusammenseins bzw. Zusammenlebens der Gruppe, für
die wir als Leiterinnen und Leiter Verantwortung haben. Außerdem schützt uns
dieser klare Umgang vor Konsequenzen, die uns durch Missachtung unserer
Aufsichtspflicht treffen können.
Besonders wichtig ist die Integration von Paaren in die vorhandene Gruppe.
In der Regel gibt es hier keine Schwierigkeiten. Probleme entstehen immer
dann, wenn sich Paare aus der Gruppe und den Gruppenaktivitäten zurückzie-
hen. In einem solchen Fall ist mit den beteiligten Personen zu klären, inwiefern
sie sich dessen bewusst sind, dass ihr Verhalten die Gruppensituation beein-
trächtigt und darauf hinzuwirken, dass die Anteilnahme an der Gesamtgruppe
wieder im Vordergrund steht, denn sonst macht die Teilnahme an der Gruppen-
aktivität keinen Sinn.
Unsere besondere Aufmerksamkeit muss Paaren immer dann gelten, wenn
mindestens eine oder einer der beiden Teilnehmerinnen oder Teilnehmer unter
16 Jahren alt ist. Wir dürfen in diesem Fall keine sexuellen Aktivitäten gestat-
ten.

64
6.4.4 Übernachtungen
Für Übernachtungen in Gemeinschafts-
unterkünften mit Minderjährigen gilt ge-
nerell, dass während der ganzen Zeit ein
Betreuer oder eine Betreuerin anwesend
sein muss. Rechtlich gesehen ist für Über-
nachtungen darauf zu achten, dass hier
kein Vorschub zur Ermöglichung sexueller
Handlungen von Minderjährigen geleistet
werden darf (§ 180 StGB). Daher müssen
bei gemeinsamen Übernachtungen mit
Jugendlichen unter 16 Jahren die Teilneh-
merinnen und Teilnehmer in getrenn-
ten Schlafräumen untergebracht werden.
Wenn dies nicht möglich sein sollte, dann muss auf jeden Fall eine erhöhte Auf-
sicht gewährleistet sein, z.B. dadurch, dass Leiter oder Leiterinnen mit in die-
sem Schlafraum übernachten. Im Ernstfall kann das Leittungsteam nämlich
für einen »Schaden« (Aufwendungen, die im Rahmen der Erziehung eines
Kindes anfallen) durch die unterlassene Aufsicht zur Verantwortung gezogen
werden.
Darüber hinaus sollen die Schlafräume geschützte Räume sein, sodass auch
kein Besuch von Personen in diesen Räumen stattfindet, die dort nicht schlafen.
Es ist darauf zu achten, dass auch nur (möglichst zwei) weibliche Leiterinnen
die Zimmer der weiblichen Teilnehmerinnen betreten und immer (möglichst
zwei) männliche Leiter die Zimmer der männlichen Teilnehmer. Dies dient dem
Selbstschutz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Die Evangelisch-methodistische Kirche pflegt darüber hinaus die Praxis, dass
für weibliche und männliche Teilnehmer über 18 Jahren keine gemischt-
geschlechtlichen Übernachtungsmöglichkeiten angeboten werden, es sei denn,
es handelt sich um ein verheiratetes Paar bzw. eine Familie.

6.4.5 Beziehungen zwischen Leiterinnen oder Leitern


und Teilnehmerinnen oder Teilnehmern
»Sexuelle Interessen des/der Jugendleiter-in haben in der Jugendarbeit mit min-
derjährigen Teilnehmer-innen nichts verloren.« Insbesondere aus § 174 StGB
lässt sich ableiten, dass (sexuelle) Beziehungen von Leiterinnen oder Leitern

65
über 18 Jahren zu Teilnehmerinnen oder Teilnehmern unter 18 Jahren nicht
geduldet werden können. Dies gilt innerhalb aber auch außerhalb der aktuellen
Gruppensituation. Denn die »Abhängigkeit« von Leiter und Gruppenteilnehmer
bleibt auch dann bestehen. Von der hauptverantwortlichen Gruppenleitung
müssen solche Beziehungen untersagt werden.
Natürlich gibt es Beziehungen, die schon vor Beginn eines solchen Abhängig-
keitsverhältnisses bestanden haben. In einem solchen Fall sind die Betroffenen
auf die rechtliche Situation hinzuweisen. Sexuelle Handlungen im Rahmen der
Gruppensituation oder -freizeit sind trotzdem nicht gestattet.
Leiterinnen und Leiter müssen in diesem Bereich insgesamt sehr sensibel
sein. Sie sollten vorsichtig sein bei allem, was ihnen später böswillig als sexu-
elle Handlung ausgelegt werden könnte. Denn hier kann sehr schnell der Ruf
ruiniert sein, auch wenn sich später herausstellt, dass eventuelle Anschul-
digungen haltlos waren.

6.5 Gewalt
Gewalt hat eine althochdeutsche Herkunft: »waltan« bedeutet »stark sein« oder
»beherrschen«. Der Gewaltausübende beherrscht sein Objekt der Gewalt. Gewalt
ist ein bestimmter Aspekt von Macht, nämlich der, anderen gegen ihren Willen
etwas wegzunehmen oder sie zu verletzen. Gewalt hat offene und verdeckte
Erscheinungsformen. Beide verletzen auf je ihre Art. Es können vier Zielrich-
tungen unterschieden werden, für die Gewalt eingesetzt wird:
• Gewalt wird verwendet, um Normen und Werte zu schützen (Staat).
• Gewalt wird strategisch angewendet, um eigene Interessen durchzusetzen
(Raub usw.).
• Gewalt wird als Selbstzweck ausgeübt (Macht ausüben, Kräftemessen usw.).
• Gewalt ist Folge einer emotionalen Kurzschlusshandlung (Wutanfall, usw.).

6.5.1 Gewalt unter Kindern und Jugendlichen


Körperliche Gewalt
Wenn andere Menschen oder auch Sachen durch den Einsatz von Körperkraft
geschädigt oder verletzt werden, dann liegt der Sachverhalt körperlicher
Gewaltanwendung vor. Von Stolpern lassen, an den Haaren ziehen, Kratzen,
Beißen, Boxen, in den Schwitzkasten nehmen, Schlägern, über Prügeln mit
Stöcken, bis hin zum Einsatz von Schreckschusspistolen, Reizgas und Messern
reichen die weit differenzierten Erscheinungsformen körperlicher Gewalt. Be-

66
reits in Kindergärten, nicht nur in Schulen, üben Kinder Gewalt an anderen
Kindern aus.

Seelische Gewalt
Seelische Gewalt wird meist durch verbale und körpersprachliche Aktionen
ausgeübt, bei denen andere durch Worte, Mimik und Gestik verletzt, erniedrigt
oder beleidigt werden. Das betrachten die Täter meist gar nicht als Gewalt. Be-
sonders bei Jugendlichen ist die Meinung weit verbreitet, dass Gewalt letztlich
»nur« die körperliche Komponente habe. Seelische Gewalt wird von Jugend-
lichen weithin gar nicht als solche wahrgenommen. Aktionen wie Ablehnung,
Beleidigung oder Erpressung werden von Tätern oft nicht als Gewalt betrachtet.
Was heute unter »Mobbing« (am Arbeitsplatz) oder »Bullying« (in der Schule)
beschrieben wird, ist nichts anderes als seelische Gewalt. »An Deutschlands
Schulen werden täglich tausende Jungen und Mädchen von Klassenkameraden
geschnitten, gehänselt, geschlagen sowie persönlich oder über Mobiltelefone
und Internetportale beschimpft, gedemütigt, bedroht. [...] Kinder und Jugend-
liche haben die alten Ränkespiele perfektioniert und zum Psychoterror perver-
tiert.« Dass Jugendgewalt nicht nur Jungengewalt ist, wie lange Zeit behauptet
wurde, zeigt das genauere Hinsehen auf die Erscheinungsweisen von Ausgren-
zen, Verspotten und Demütigen anderer. Gerade Mädchen haben solche Formen
von Gemeinheiten in ihr Sozialverhalten aufgenommen.

Verbale und nonverbale Gewalt


Vor allem im Bereich dieser Gewaltform sind sehr oft Erwachsene, Erziehungs-
personen in Familie, Kindergarten, Schule und anderen Einrichtungen die
Aggressoren. Jedoch auch Kinder und Jugendliche üben sich bereits in diesen
Erscheinungsformen der Gewalt. Auch wenn besonders Jugendliche sehr »cool«
auf erlebte verbale oder nonverbale Gewalt reagieren, können die seelischen
Verletzungen dabei sehr tief gehen. Folgende Beispiele helfen
uns, in der Sprache Gewaltelemente zu entdecken:
• Du-Aussagen, die beurteilen oder abwerten:
»Du bist faul!«
• Eine Person wird nicht ernst genommen, indem
sie ironisierende und verspottende Kommentare
ertragen muss: »Du wirst das auch noch
verstehen!«

67
• Es können andere im Gespräch niedergezwungen werden:
»Ich bin klug – du weißt nicht, was richtig ist!«
• sich über andere lustig machen: »Das ist ja lächerlich, was du sagst!«
• Einsatz von Schimpfworten: »Du bist ein Nichtsnutz!«
• Angst durch Drohungen aufbauen: »Wenn du nicht tust, was ich will...«
Wie bereits angedeutet, »sprechen« wir nicht nur mit Worten, sondern auch
mit Blicken, Grimassen oder symbolischen Handzeichen. Solche Gesten können
oft eine wirkungsvollere Gewaltauswirkung hervorrufen als Worte. Auch dazu
einige Beispiele:
• Durch Abwenden vom anderen oder durch Schweigen wird Missachtung
oder Verachtung erfahren. Das Gegenüber wird nicht ernst genommen.
• Durch Blicke und Grimassen werden oft Verachtung und Abscheu vor dem
Gegenüber ausgedrückt.
• Drohende Fäuste und andere Handzeichen bekunden den eigenen
aggressiven Willen. Diese Gesten sollen das Gegenüber einschüchtern.
• Durch Auslachen wird das Gegenüber verächtlich behandelt.
• Durch Weinen können andere zum Nachgeben gebracht werden.

Gewalt als Form des Ringens um Überlegenheit und Anerkennung


Das Ringen um Überlegenheit und Anerkennung in alltäglichen Situationen
zeigt ein wohl entscheidendes Bedürfnis von Kindern und Jugendlichen auf. Das
Streben nach Überlegenheit bzw. das Verhindern von Unterlegenheit bestimmt
heute über weite Teile das Leben von Kindern und Jugendlichen. Nicht zuletzt
ist diese Befindlichkeit für eine zunehmende Gewaltbereitschaft maßgeblich.
Mit dieser Beobachtung ist eine Richtung beschrieben, der Gemeinden und spe-
ziell ihre Gruppen und Kreise nachgehen könnten. Der Kampf um die Überle-
genheit ist eine Gegenreaktion auf Ablehnung und Unterschätzung von Kindern
und Jugendlichen. Somit kann die Atmosphäre gerade in Jungschar, Sonntags-
schule, Teenykreis oder Jugendkreis eben eine entsprechend entgegengerichtete
sein: Anerkennung, Toleranz, Regelwerk und Liebe. Der Reiz und der Hang zur
Überlegenheit liegt in weiten Teilen auch im Wunsch begründet, von anderen
akzeptiert zu werden. Christlicher Glaube eröffnet unter den Glaubenden solch
einen Raum der gegenseitigen Anerkennung. Jesus hat bewusst Gewalt und
gewalttätiges Handeln abgelehnt und nicht zuletzt die Grundlage für eine Ethik
geschaffen, die hier richtungweisend sein kann. Es stellt sich die Frage, inwie-

68
weit Christen (weiterhin) Räume des re-
flektierten mitmenschlichen Umganges
eröffnen werden; Räume, in denen Gewalt
in offenen und verdeckten Formen keinen
Nährboden finden kann.

6.5.2 Gewalt im Umgang mit


Kindern und Jugendlichen
Es ist ein wichtiger Grundsatz in unserer
kirchlichen Arbeit, dass Gewalt im Um-
gang mit anderen Menschen keinen Raum
gewinnen soll. Trotz aller Grundsätze und
Normen gibt es Notsituationen, in denen
Gewalt gegenüber Kindern und Jugend-
lichen eine mögliche Berechtigung hat. Kinder und Jugendliche kommen in der
Regel nur für eine begrenzte Veranstaltungszeit in eine Gemeindegruppe. Die
meisten Erfahrungen machen sie in außerkirchlichen Zusammenhängen. Mit-
arbeiter und Mitarbeiterinnen können in der Arbeit mit Kindern und Jugend-
lichen nur einen begrenzten Erziehungsauftrag wahrnehmen. In dieser
Begrenztheit bleibt den Mitarbeitenden meist nur die Möglichkeit, auf Verhal-
tensweisen der Jugendlichen und Kinder zu reagieren. Therapeutische Einfluss-
nahmen auf Kinder und Jugendliche können nicht in der kirchlichen Arbeit
umgesetzt werden.

Gewalt gegenüber Leitenden


Zunächst ist es wichtig, die eigenen Grenzen zu kennen und zu benennen. Oft
gilt es, Provokationen zu widerstehen, und dann ist es hilfreich, wenn Mitarbei-
tende und Teilnehmende einer Gruppe die geltenden Spielregeln kennen. Wenn
Grenzen klar und deutlich abgeklärt sind, können Spiel- und Kabbelsituationen
schöne und lustige Bereicherungen in Kindergruppen sein. Wenn jedoch Kinder
oder Jugendliche mit übermäßigen Gewaltaktionen, die den abgesteckten Rah-
men überschreiten, an die Mitarbeiter herantreten, ist es zunächst wichtig, die
aggressive Situation so schnell wie möglich zu schlichten. Wenn sich alle Betei-
ligten beruhigt haben, muss eine Aufarbeitung der Situation erfolgen. Hilfreich
sind dabei klärende Gespräche zwischen dem Leitungsteam und den entspre-

69
chenden Kindern oder Jugendlichen. Nach Möglichkeit klärt eine unbeteiligte
dritte Person die Situation.

Gewalt gegenüber Kindern und Jugendlichen


An oberster Stelle steht die Sorgfaltspflicht im Umgang mit Kindern und
Jugendlichen. Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen übernehmen für die Dauer
der Veranstaltung in der Regel Aufsichts- und Fürsorgepflichten. Dazu gehört
unter anderem, dafür zu sorgen, dass die Teilnehmer und Teilnehmerinnen
körperlich und seelisch unbeschadet am Leben der Gruppe teilnehmen können.
Im Umgang mit Kindern und Jugendlichen, darf Gewalt nicht von den Leiter-
innen und Leitern ausgehen. Das gehört in der Regel zur ethischen Basis, auf
der unsere Arbeit mit Kindern und Jugendlichen gegründet ist. Dennoch gibt es
Ausnahmen. Wenn man sich vorstellt, ein Kind oder ein Jugendlicher steht un-
mittelbar vor der Gefahr, verletzt zu werden, erfordert es das Eingreifen der
Verantwortlichen. Es geht dabei um das Ziel, größeren Schaden zu vermeiden.
Wenn Kinder oder Jugendliche einander in Gefahr bringen, sind die Mitarbei-
tenden verpflichtet, Schaden zu verhindern oder abzuwenden. Dazu können
unter Umständen Interventionen erforderlich sein, die ohne den notvollen Um-
stand nicht akzeptabel wären. Kinder oder Jugendliche können beherzt ange-
fasst oder von einer Gefahr weggerissen werden. Der Einsatz einer gewalt-
tätigen Interaktion kann unter bestimmten ethischen Umständen hilfreich und
sogar notwendig sein. Es versteht sich von selbst, dass es dabei wirklich nur um
Ausnahmesituationen gehen kann, in denen versucht wird, Gefahr von Kindern
und Jugendlichen abzuwenden.

6.5.3 Kinder, Jugendliche und häusliche Gewalt


Häusliche Gewalt ist per Definition in erster Linie eine Form der Gewalt, die
zwischen erwachsenen Beziehungspartnern stattfindet. Väter oder auch Mütter
bedrohen und misshandeln ihre Partner. Bei diesen Gewaltsituationen sind in
der Regel niemals nur die Erwachsenen alleine beteiligt. Wenn Kinder und
Jugendliche im Haus leben, sind sie immer mitbetroffen. Diese Mitbetroffenheit
von Kindern und Jugendlichen liegt in der Erfahrung, dass die eigene Mutter
oder der eigene Vater misshandelt wird. Des Weiteren sind sie oft selbst Opfer
seelischer und körperlicher Gewalt.

70
Szenarien häuslicher Gewalt und mögliche Auswirkungen
auf Kinder und Jugendliche
Kinder und Jugendliche stehen häuslicher Gewalt meist machtslos gegenüber
und erleben, dass ihr Handlungsspielraum sehr begrenzt ist. Auch ohne dass
Kinder und Jugendliche im Gegensatz zur Mutter oder zum Vater körperliche
Gewalt an sich erleben, erfahren sie sich in der Rolle eines Opfers. Aus all dem
entwickelt sich bei Kindern und Jugendlichen in diesen Situationen das Bedürf-
nis, die eigene Mutter vor Gewalttätigkeiten des Vaters oder den Vater vor der
Mutter schützen zu wollen. Anstatt des Erfolges bleibt ihnen aber in der Regel
in diesem Unterfangen meist das Negativerlebnis, selbst zwischen die Fronten
zu geraten. Oft ist es nur »zufällig«, aber es geschieht häufig, dass auch Kinder
und Jugendliche durch Gewaltaktionen des Vaters oder der Mutter körperlich
verletzt werden. Auch wenn in diesem Sinn nicht die direkte Gewalt gegen Kin-
der oder Jugendliche gemeint ist, sind sie dennoch mitbetroffen.
In besonderer Weise verursachen Drohungen des Vaters, die Mutter umbrin-
gen zu wollen, massive Angst bei Kindern. Ebenso lösen eventuelle Suizid-
drohungen der Mutter oder gar bereits unternommene Versuche dieser, sich das
Leben zu nehmen, immense Ängste bei Kindern aus. Manche Kinder empfinden
dann verständlicherweise Wut auf den Vater und sein Verhalten, aber auch auf
die Mutter, weil sie das alles erträgt ohne sich, zumindest aus Perspektive der
Kinder, zu wehren. Nun ist es gerade in diesen Situationen verwirrend für sie,
dass sie die (streitenden) Eltern zugleich hassen und lieben können.
Neben der Erfahrung der tätlichen Gewalt erleben Kinder und Jugendliche
auch den Verlust körperlicher und seelischer Sicherheit in Bezug auf die Erzie-
hungspersonen. Ein Mensch zum Reden, ein Ansprechpartner ist in den meist
angespannten Grenzsituationen nicht mehr vorhanden. Dieser Umstand macht
den Kindern und Jugendlichen große Angst und schädigt ihre Psyche, selbst
wenn sie Gewalt »nur« miterleben.
Kinder und Jugendliche erleben so, wie durch häusliche Ge-
walt ihre eigene Grenzen extrem verletzt werden: Sie erle-
ben unter Umständen, wie der Vater die Mutter verge-
waltigt. Kinder sind dabei der furchtbaren Situation
völlig ausgeliefert und erfahren das Verlorensein in
absoluter Hilflosigkeit. Solche Überschreitungen
sexueller Grenzen sind folgenschwer für Kinder. Es
fehlt ihnen eine adäquate Beurteilungsfähigkeit für

71
solche Szenarien, um überhaupt damit umgehen zu können. Frustration und
Ratlosigkeit sind die Folge. Aus entwicklungspsychologischer Sicht ist es auch
nachvollziehbar, dass Kinder in entsprechenden Entwicklungsstadien Schuld-
gefühle entwickeln, weil sie Streitsituationen tendenziell mit sich selbst in Ver-
bindung bringen und glauben, daran Schuld zu haben. Letztlich beschleicht sie
das Gefühl, dem Elternteil einen Grund gegeben zu haben, gewalttätig sein zu
müssen.
Neben den Gefühlen der Frustration und Ratlosigkeit entwickeln Kinder auch
das Gefühl der Machtlosigkeit. Denn sie erfahren, dass es schließlich nicht in
ihrer oder der Mutter bzw. des Vaters Macht liegt, weitere Gewaltausbrüche
eines Elternteils zu verhindern.
Eine ebenso schwierige Belastung ist es für Kinder und Jugendliche, mit nie-
mandem über die Erlebnisse in der Familie, oder darüber hinaus, reden zu
können. Statt dessen schweigen sie, weil sie zutiefst frustriert, verletzt und ein-
geschüchtert sind.

Auswirkungen von häuslicher Gewalt in kirchlichen Kinder-


und Jugendgruppen
Die Wahrnehmung solch belastender Situationen ist für Außenstehende sehr
schwierig. Wenn betroffene Kinder oder Jugendliche nicht über ihre Erfah-
rungen berichten, bleibt nur die Wahrnehmung von Begleiterscheinungen wie
äußere Vernachlässigung und/oder enorme Verschwiegenheit der Kinder oder
Jugendlichen. Wenn Mitarbeiter oder Mitarbeiterinnen einer Gruppe den Ver-
dacht haben, dass ein Kind belastet sein könnte, sollten sie in erster Linie den
Pastor oder die Pastorin der Gemeinde konsultieren. Im weiteren gemeinsamen
Vorgehen kann dann ein Kontakt- und Analyseprozess angeregt werden, der
dem Kind und auch der Familie helfen kann. Dass dies natürlich nur unter Ein-
beziehung von entsprechenden Fachkräften geschehen kann, versteht sich von
selbst.

6.5.4 Sexualisierte Gewalt


Sexueller Missbrauch ist jede sexuelle Handlung, die von Erwachsenen gegen-
über Minderjähringen geschieht. Dabei nutzen Täter und Täterinnen ihre Auto-
ritätsposition aus, um ihre eigenen sexuellen Bedürfnisse zu befriedigen. Das
Opfer steht meistens in einem engen Abhängigkeitsverhältnis und ist häufig
aufgrund seiner körperlichen, emotionalen, sozialen, kognitiven und sprach-

72
lichen Fähigkeiten nicht in der Lage, seine
Grenzen zu wahren und sich zu wehren.
Die Spanne der Handlungen ist sehr weit.
Sie kann bei Worten, Blicken, kleinen Be-
rührungen beginnen und bis zu Vergewal-
tigung, zur rituellen Gewalt oder gar zum
Tod des Opfers führen. Auch die Nutzung
neuer Medien wie zum Beispiel das Ver-
senden von pornografischen Bildern und
Filmen per Mail oder MMS gehören dazu.
Heute wird der Begriff des sexuellen Miss-
brauches oft durch den Begriff der sexuel-
len oder sexualisierten Gewalt ersetzt, weil
er deutlich macht, dass es sich bei diesen
Handlungen nicht in erster Linie um Sexualität, sondern um eine Form des
Machtmissbrauchs handelt. Begrifflichkeiten wie »sexuelle Nötigung«, »sexuel-
ler Übergriff«, »sexuelle Ausbeutung« oder »sexuelle Misshandlung« stellen je-
weils besondere Komponenten der sexuellen Gewalt in der Vordergrund. Doch
ganz egal welche Begrifflichkeit verwendet wird, es handelt sich in jedem Fall
um schwerwiegende Eingriffe in die Persönlichkeit und Lebenswirklichkeit der
Opfer. Sexueller Missbrauch bzw. sexualisierte Gewalt hat schlimme Folgen für
die körperliche und seelische Entwicklung bzw. Gesundheit des Opfers und darf
nicht bagatellisiert oder gar tabuisiert werden.
Täter und Täterinnen können sehr planvoll und geschickt vorgehen. Einblicke
in den sogenannten »Groomingpozess« (Auswahl des Opfers) machen deutlich,
wie still und unauffällig sexueller Missbrauch beginnen kann: Die Täter oder
Täterinnen wählen verletzliche Kinder und Jugendliche aus und bauen eine
vertrauensvolle Beziehung zu ihnen auf. Sie kümmern sich um sie und lernen
so ihre Vorlieben, Stärken und Schwächen kennen. Sie desensibilisieren die
Kinder und Jugendlichen systematisch in Bezug auf körperliche Berührungen
und entkräften moralische Standards. Sie fangen an, das Umfeld des Opfers zu
manipulieren. Zum Beispiel befreunden sie sich inniglich mit den Eltern oder
schaffen eine Spaltung zwischen den Bezugspersonen. Sie können das Opfer
isolieren, bevorzugen, oder Bezugspersonen täuschen u.v.m. Sie schaffen räum-
liche Gegebenheiten, um mit dem Opfer alleine sein zu können und bauen
Grenzüberschreitungen in alltägliche Handlungen ein. Sie verwickeln das

73
Opfer in sexuelle Handlungen, setzen es unter Druck und zwingen es zur Ge-
heimhaltung, indem sie an das Schamgefühl, die Schuld und das Gefühl von
Mitverantwortung appellieren. Schon bei der groben Beschreibung eines sol-
chen Groomingprozesses wird deutlich, wie schwierig es dann für die Opfer
sein kann, sich Hilfe zu holen. Sie erleben sich ohnmächtig und ausgeliefert,
sind enttäuscht vom Vertrauensverlust, negieren eigene Bedürfnisse, stehen in
Loyalitätskonflikten und unter starkem Geheimhaltungsdruck. Sie zweifeln an
ihrer eigenen Wahrnehmung und übernehmen manchmal die Tätersicht.

6.5.5 Rituelle Gewalt


Unter ritueller Gewalt versteht man eine besonders brutale Form der Gewalt an
Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Täter und Täterinnen organisieren
sich meist sehr stark in Gruppierungen, die straff und autoritär geführt sind.
Das können Scheinfirmen und Banden (z.B.: Menschenhandel, Kinderporno-
ringe,…), Vereine mit vordergründig, unauffälligen Hobbys, befreundete Fa-
milienverbände, sektenähnliche Gemeinschaften und vieles mehr sein. Durch
Anwendung von wiederholter, sexueller, körperlicher, emotionaler und men-
taler Gewalt gewinnen diese Täter und Täterinnen eine große Macht über ihre
Opfer und dadurch auch innerhalb ihrer Gruppierung. Es geht dabei immer um
Hierarchien, Macht und um große finanzielle Vorteile. Sie »vermarkten« ihre
Opfer und erzielen horrende Verdienstspannen. Zur straffen Organisation
gehört häufig ein ideologischer Überbau (auch pseudospirituell). Sie nutzen
Expertenwissen indem sie Mitgliedern Ausbildungen, Fort- und Weiterbildungen
zum Beispiel im Bereich Traumatherapie, Neurologie, Psychologie, Jura u.a. er-
möglichen. So können sie u.a. auch begleitend Forschungen betreiben, um mit
dem Fachwissen ihre Opfer und das Umfeld noch besser manipulieren und aus-
beuten zu können. Es herrschen Schweigegebote, Gehirnwäsche, Programmie-
rungen und Mind Control vor. Je mächtiger die Täter sind, desto eher haben sie
die Möglichkeit, die Realität zu definieren und verschieben somit die Wahrneh-
mung der Opfer bis hin zur Dissoziation*.
Rituelle Gewalt beginnt meist sehr früh und dauert häufig bis ins Erwachse-
nenalter. Sexuelle Gewalt wird oft mit speziellen Misshandlungsformen kombi-
niert. Ritualisierte Verhaltensweisen werden geplant und scheinen einem
zwanghaften Muster in Bezug auf Zeitpunkt, Ort und Misshandlungsart zu fol-
gen. Oft werden Opfer gezwungen, andere für Misshandlungen auszuwählen
oder selber Gewalt auszuüben.

74
Was tun? Es ist schon viel, wenn wir wissen, dass es so etwas Schreckliches
gibt. Menschen die in solchen Zusammenhängen zu Opfern wurden, sind schwer
traumatisiert. Oft sind auch die Täter und Täterinnen zugleich Opfer. Im Be-
reich der rituellen Gewalt muss noch einmal besonders betont werden, dass wir
als Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen nichts tun können, als für Opfer, die sich
uns anvertrauen, begleitend da zu sein und ihnen bei der Suche nach profes-
sioneller Hilfe zur Seite zu stehen (siehe Notfallplan). Wir müssen sehr achtsam
und umsichtig sein, da in den organisierten Täterstrukturen eine immense, kri-
minelle Energie steckt.
* Der Begriff »Dissoziation« kommt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie »Trennung« oder »Zerfall«, »Abspalten«. Im Bereich der
klinischen Psychologie und Psychiatrie versteht man unter Dissoziation, dass normalerweise zusammengehörige Informationen, Wahrneh-
mungen, Gedanken etc. nicht miteinander in Verbindung gebracht werden können.

6.5.6 Religiöse Gewalt


Unter religiöser Gewalt ist solches Handeln zu verstehen, dass mit Hilfe reli-
giöser Argumentation eigene Interessen durchzusetzen versucht oder durch
einseitige theologische Verkündigung einen zerstörerischen Glauben vermittelt.
Es geht dabei nicht um unterschiedlich ausgeprägte Frömmigkeitsstile oder un-
terschiedliche Ansichten im Blick auf ethische Fragen, die mit Vehemenz ver-
treten werden. Religiöser Missbrauch geschieht dann, wenn der Glaube des an-
deren in Frage gestellt wird. Solange Auseinandersetzungen von gegenseitigem
Respekt geprägt sind, liegt noch kein Missbrauch vor.

Grundsätzlich kann man drei Ausprägungen religiöser Gewalt unterscheiden:

Machtmissbrauch im geistlichen Sinn


Kommt man mit Kindern aus Familien ins Gespräch, die ihre Frömmigkeit in
sehr engen moralischen Grenzen leben, kommen bisweilen die »tollsten« Er-
lebnisse auf den Tisch. Manchmal sind sie damit verknüpft,
dass Eltern erzieherische Argumente mit bestimmten
biblischen Aussagen vermischen, sodass z.B. das Tra-
gen eines Minirocks bei der Einsegnung nicht erlaubt
wird, weil Gott nicht wolle, dass junge Mädchen sich
aufreizend kleiden. Die familiäre Funktion der El-
tern, die ausgeübte Macht in der Begründung »Gott
will nicht, dass junge Mädchen sich aufreizend klei-

75
den«, ist ein Machtmissbrauch im geistlichen Sinn. Die geistliche Autorität der
Eltern, die den Willen Gottes zu kennen meint und vertritt, wird zur Hilfe he-
rangezogen, um vermeintlich unmoralisches Verhalten abzuwehren.

Im Namen der Religion ausgelebter Machthunger von Menschen


Die Inquisition, wie sie ab dem 13. Jahrhundert als Instrument gegen Häretiker
angewandt wurde und mit deren Hilfe die Kirche ihren Einflussbereich und
damit ihre Macht sichern wollte, ist ein Beispiel dafür, dass Menschen ihren
Machthunger im Namen der Religion auslebten. Es ist ein Beispiel für die zwei-
te Form von religiösem Missbrauch. Man muss allerdings nicht bis ins Mittel-
alter zurückgehen, um Beispiele dafür zu finden. Präsidentenwahlen wurden
schon unter religiösem Deckmantel gewonnen. Kulturelle Konflikte und der
Kampf um entsprechende Einflusssphären werden mit religiösen Argumenten
geführt. Und hat es nicht auch manchmal den Anschein, dass in der Politik das
Adjektiv christlich teilweise nur verwendet wird, um entsprechend geprägte
Personen zur Wahlurne zu locken? Mit den Parteien verbinden sich Personen,
die nicht vor Betrug und Unterschlagungen zurückgeschreckt sind, um die
Macht zu erhalten, um im Namen der christlichen Religion an der Macht zu
bleiben.

Weitergabe religiöser Lehrinhalte, die einen zerstörerischen Glauben


vermitteln
Das bekannte Lied vom kleinen Auge, das aufpassen soll, was es sieht, da der
Vater im Himmel auf es herabsieht, beschreibt die dritte Form von religiösem
Missbrauch. Das hier vermittelte Bild Gottes als Vater, der als alles-überwa-
chender Aufpasser dargestellt wird, steht in der Spannung zweier sich wider-
streitender Symbole: »Gott als Herr« und »Gott als Vater«.
Unser Reden von Gott drückt sich grundsätzlich in Symbolen und Bildern aus,
die es dem Menschen ermöglichen, eine Vorstellung von Gott zu entwickeln. Bei
jeder Form des Redens von Gott muss uns bewusst sein, dass ein Mensch immer
auf eigene Vorstellungen zurückgreift und keine objektive Denkweise von Gott
weitergeben kann. Dies wird besonders auch an der Vorstellung von Gott als
»dem Vater« gegenüber Gott »als dem Heiligen« deutlich, auch wenn hier noch
viele weitere Vorstellungen genannt werden können.
Gott als der »Herr« drückt die heilige Macht Gottes aus. »Herr« ist vor allem
ein Symbol für die unerreichbare Majestät Gottes, für den unendlichen Abstand

76
zwischen ihm und dem Geschöpf. Es ist
auch das Symbol für Gottes Herrschaft
über die gesamte Wirklichkeit. Aber: Der
Gott, der nur »Herr« ist, wird leicht zum
despotischen Herrscher, der seinen Unter-
tanen Gesetze auferlegt und Gehorsam und
blindes Befolgen seiner Gebote verlangt.
Der Mensch würde zerbrechen.
Gott als »Vater« ist Symbol für Gott als
schöpferischer Grund des Seins. Er ist
Symbol für erhaltendes Schaffen, das den
Menschen bewahrt und zur Vollendung
führt.
In der Verkündigung, im Leben unseres
Glaubens gilt es, beide Symbole in der Balance zu halten. Leider ist es so, dass
die Geschichte der Auslegung und unsere eigenkirchliche Tradition diesem
Auftrag nicht immer gerecht wird. Die Waage senkt sich je nach Frömmig-
keitstyp einmal in die eine und dann auch in die andere Richtung. (Gott ist auch
nicht der freundliche Vater, der sentimentale Liebe zu seinen Kindern hat.)
Sieht man vom Machtmissbrauch ab, der in den beiden ersten Formen des
religiösen Missbrauchs erscheint und vielen anderen Formen von Missbrauch
zugrunde liegt, so ist die Weitergabe religiöser Irrlehren, die in der einseitigen
Betonung von Gott als dem »Herrn« wurzeln, der Kern religiösen Missbrauchs.
Ein Beispiel aus der Literatur sind die Erlebnisse im pietistisch-christlichen
Umfeld des Schriftstellers Hermann Hesse. Sie ließen ihn in einem Brief an seinen
Bruder Hans schreiben: »... dass des Menschen Wille von Natur und Grund böse
sei, und dass dieser Wille also erst gebrochen werden müsse, ehe der Mensch in
Gottes Liebe und in der christlichen Gemeinschaft das Heil erlangen könne.«

Reaktionen auf Erfahrungen religiöser Gewalt


• Mehr und mehr löst man sich heute von einem Angst machendem Gottesbild
und begegnet einem Gott, der verheißen hat, begleitend da zu sein, der uns ver-
steht und für uns sorgt.
• Im Rahmen christlicher Lebensberatung werden Menschen begleitet, die
geistlichen (religiösen) Missbrauch erfahren haben. Erfahrungen aus dieser
Arbeit finden sich in Inge Tempelmann, Geistlicher Missbrauch – Auswege aus

77
frommer Gewalt. Sie hat sich schon 1991 mit dem Tabu religiösen Missbrauchs
beschäftigt.
• Hartmut Schott hat eine Initiative mit dem Titel: »Kunst gegen fromme
Gewalt« gegründet. In seiner psychologischen Beratungspraxis bilden religiöse,
dem christlichen Glauben zugewandte Personen den größten Klientenanteil. Er
beschreibt, dass sich bei auffallend vielen ein destruktives Glaubens- und Got-
tesbild darstellt.
• Die evangelisch-lutherische Kirche Sachsens, die sich im Jahr 2007 auf einem
Studientag mit dem Thema »geistlicher Missbrauch« beschäftigte, gibt einige
Empfehlungen, wie geistlichem Missbrauch vorbeugend begegnet werden kann.
Wichtig sind dabei besonders die Möglichkeiten gegenseitigen Austauschs, um
andere Auslegungen biblischer Texte und Sichtweisen auf religiöse Themen
wahrnehmen zu können. Als Stichworte seien daher Kanzeltausch, Meinungs-
vielfalt, demokratische Leitungsstrukturen und Kritikmöglichkeiten genannt.

6.6 Möglichkeiten des Eingreifens

6.6.1 Sanktionen und Konsequenzen bei übergriffigen und


Grenzen verletzenden Handlungen und sexualisierter Gewalt
Sanktionen sollten stets konsequent, zeitnah, im direkten Bezug zum Vergehen
und dem Alter bzw. der Entwicklung der Kinder oder Jugendlichen entsprechen.
Dabei steht der Schutz der Betroffenen an erster Stelle.
Konsequenzen dienen anders als Strafen, die in der Regel abschreckend wir-
ken sollen, zum Schutz betroffener Kinder und Jugendlicher. Sie zielen direkt
auf eine Verhaltensänderung bei übergriffigen Kindern oder Jugendlichen ab.
Konsequenzen wahren aber immer auch die Würde der übergriffigen Kinder
oder Jugendlichen.
• Sie werden befristet, damit sich die Verhaltensänderung lohnt.
• Sie werden konsequent durchgeführt und kontrolliert, damit sie wirksam
sind.
• Sie brauchen einen Konsens im Team und gemeinsame Absprachen.
• Sie machen den übergriffigen Kindern oder Jugendlichen den Ernst der Lage
klar.
• Sie werden von den Mitarbeitern oder Mitarbeiterinnen und nicht von
eventuell beteiligten Kindern oder Jugendlichen entschieden.
Die Verantwortung bleibt stets bei den Mitarbeitenden.

78
• Sie demütigen die Kinder und Jugendlichen nicht und stellen sie gegenüber
anderen nicht bloß.
• Sie betreffen auf keinen Fall Gemeinschaftsaufgaben, wie z.B. Spüldienst
usw., weil dadurch Gemeinschaftsaufgaben abgewertet werden.

Wie geht das?


Nachdem der Schutz der Betroffenen klar geregelt ist, wendet sich der Mitarbei-
ter oder die Mitarbeiterin dem übergriffigen Kind oder Jugendlichen zu.
Kinder und Jugendliche die übergriffig wurden, brauchen verschieden Dinge.
Dazu gehört eine klare Konfrontation, wenig Raum für Leugnung, den Appell
an die Empathie (Wie würdest du dich fühlen, wenn dir das passiert wäre?),
den Hinweis auf das begangene Unrecht, den Hinweis auf das Selbstbestim-
mungsrecht der oder des Betroffenen und alles in allem einen würdevollen Um-
gang. Bei bestimmten Grenzverletzungen oder Übergriffen kann eine Wieder-
gutmachung im Sinne von Schadensbehebung angebracht sein, zum Beispiel
wenn ein Kind oder ein Jugendlicher den Besitz einer anderen Person beschä-
digt oder zerstört hat. Dabei sind unter Umständen auch die Eltern mit einzu-
beziehen.
Bei besonders schweren Grenzverletzungen und/oder Übergriffen kann es aus
Sicht der oder des Betroffenen in Gruppenstunden, bei Aktionstagen, Freizeiten
etc. nötig werden, die übergriffigen Kinder oder Jugendlichen ganz aus der
Situation bzw. dem Gruppengeschehen heraus zu nehmen und den weiteren
Besuch derselben für eine bestimmte Zeit zu untersagen. In Absprache mit den
verantwortlichen Team, dem zuständigen Pastor oder der zuständigen Pastorin
und den Eltern kann das durchaus sinnvoll und angebracht sein. Es genügt
jedoch nicht, die übergriffigen Kinder oder Jugendlichen aus der Situation zu
nehmen. Diese brauchen häufig professionelle Unterstützung, die unsere Kom-
petenzen und Fähigkeiten bei Weitem überschreiten würden. Das ist Sache der
Eltern bzw. der Erziehungsberechtigten, die in einem Eltern-
gespräch auf mögliche Hilfen wie Erziehungsberatung,
Beratungsstellen, Jugendamt etc. hingewiesen werden
sollten.
Wenn Mitarbeitende, seien es Jugendliche oder Er-
wachsene offensichtlich übergriffig werden, es zu
Grenzverletzungen wie körperlicher Gewalt, Frei-
heitsentzug, Demütigungen oder sexuellen Übergrif-

79
fen etc. kommt, können diese bis zur Klärung und gegebenenfalls darüber
hinaus an dieser Stelle nicht mehr mitarbeiten. Auch sie brauchen profes-
sionelle Hilfe, Beratung und gegebenenfalls Therapie.

Weitere Konsequenzen im Bezug auf die Gruppe


Kinder und Jugendliche einer Gruppe, die Zeugen des Geschehens waren, brau-
chen eine kurze, ruhige und sehr sachliche Klärung der Situation. Dabei sind
die Intimsphäre und die Achtung der Würde aller Beteiligten zu berücksich-
tigen. In kurzem Abstand zu den Geschehnissen ist es sinnvoll, eine Präven-
tionsmaßnahme anzuschließen. Im Laufe der Zeit kann es auch angebracht
sein, einen Elternabend oder Gemeindeabend zum Thema Gewaltprävention
anzubieten.

6.6.2 Was tun bei körperlicher Gewalt, die von Kindern und
Jugendlichen gegeneinander oder gegen Mitarbeiter
ausgeübt wird?
Die Frage ist, in welchen Fällen ich eingreifen kann, in welchen nicht und wann
beziehungsweise wie ich eingreifen muss.
Leider kann man diese Frage in der Theorie nicht gänzlich beantworten, da
das Handeln immer situativ abzuwägen ist und jede Auseinandersetzung aus
einer anderen Entwicklung her geschieht.
Zuerst hängt es vom Alter und Entwicklungsstand der jeweiligen Personen
ab, die Gewalt ausüben. Dazu kommt die Art der Gewalt, die ausgeübt wird.
Benutzen die Kontrahenten beispielsweise Waffen? Deshalb beziehen wir uns
an dieser Stelle auf unterschiedliche Altersgruppen und Situationen:
Bei Kindern, die sich prügeln, ist es die Pflicht der Mitarbeiterinnen und Mit-
arbeiter, dazwischen zu gehen. Gewalt erzeugt in der Regel Gegengewalt. Daher
ist es wichtig, die Prügelei möglichst ohne aggressive körperliche Gewalt zu
lösen. Dies kann zum Beispiel erreicht werden, indem sich die Mitarbeiterin
oder der Mitarbeiter zwischen die beiden Kontrahenten stellt. Zudem ist es für
die Lösung des akuten Konflikts hilfreich, wenn so viele Mitarbeiterinnen oder
Mitarbeiter wie Kontrahenten anwesend sind, um alle an dem Konflikt Betei-
ligten zu trennen. Hierbei kann es hilfreich sein, die Betreffenden außer Sicht-
weite der anderen zu bringen.
Falls die beiden Streithähne dadurch nicht auseinander zu bringen sind, kann
man versuchen, sie durch aktives Wegschieben oder Festhalten von einander zu

80
trennen. Dabei sollte beachtet werden, dass
alle Bewegungen der Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter möglichst fliessend und ge-
schmeidig ablaufen. Dies hat den Vorteil,
dass es die Gewaltausübenden nicht noch
zusätzlich reizt und die Gewalt sich plötz-
lich gegen die Mitarbeiterinnen und Mitar-
beiter wendet. Dies gilt generell für jeden
Kontakt mit gewaltausübenden Menschen.
Solche Techniken können beispielsweise in
Deeskalationsseminaren erlernt und ver-
tieft werden.
Wenn Jugendliche in eine Schlägerei ver-
wickelt sind, ist das Einschreiten meist
komplizierter. Grundsätzlich gilt es, das eigene Leben beziehungsweise die
eigene Gesundheit und die des Angegriffenen zu schützen. In manchen Fällen
sollte man nicht einschreiten, sondern sofort die Polizei rufen. Dies ist zum
Beispiel der Fall, wenn Waffen gebraucht werden (dazu zählen unter anderem
Glasflaschen, Messer, Totschläger, Baseballschläger, Pistolen etc.). Dasselbe gilt
bei Massenschlägereien.
Falls vor der Schlägerei Alkohol konsumiert wurde und die Betreffenden
stark angetrunken sind, ist die Chance geringer, die Gewalt unterbinden zu
können. Auch in dieser Situation sollte umgehend die Polizei gerufen werden.
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die aktiv eine Kampfsportart ausüben und
im Besitz eines Abzeichens sind, müssen beachten, dass ihre Hände und Füße
als Waffen gelten, wenn diese in einem gewaltsamen Konflikt eingesetzt wer-
den.

Es ist ein Unterschied,


ob man von Kindheit an lernt,
die Hände zu falten oder
sie zur Faust zu ballen.
(Hellmut Walters)

81
7 Der Umgang mit Medien
Medien sind in zunehmendem Maße Bestandteil unseres Lebens. Unsere Le-
bensbereiche werden durch die Medien beeinflusst und verändert, ob nun durch
den Fernseher im familiären Alltag, das Internet in der Schule, den PC im Be-
rufsleben, das Handy unter Jugendlichen oder die Spielkonsolen bei Kindern.
Diese Medien nehmen auf die Kommunikation, die Sicht der Welt, die Informa-
tionsgewinnung, das Lernen und Vergessen, die Gesundheit und die Identitäts-
bildung Einfluss.
Medien sind mittlerweile aus dem Alltagsleben nicht mehr wegzudenken. Ge-
rade im Leben von Kindern und Jugendlichen nehmen sie einen sehr großen
Stellenwert ein. Doch bringen sie nicht nur Nutzen und Zeitvertreib, sie können
auch zur Gefahr werden. Um diesem vorzubeugen, existieren viele Informa-
tionsprogramme und viele Informationseinrichtungen, die Eltern und Pädago-
gen, aber auch Kinder und Jugendliche umfangreich über den Mediengebrauch
und seine Gefahren aufklären. Dabei wird bewusst versucht, Kinder und
Jugendliche in ihrem häuslichen Umfeld vor Gefahren z.B. von Chats, Social
Networks oder Pornografie zu schützen. Zwar können wir den Mediengebrauch
von Kindern und Jugendlichen selten aktiv beeinflussen oder kontrollieren, da
er außerhalb unseres Handlungsspielraumes liegt. Dennoch können wir im
Rahmen unserer Möglichkeiten auf Gefahren hinweisen und einen verantwor-
tungsvollen Umgang vorleben.
Deshalb sollen an dieser Stelle insbesondere folgende Themen angesprochen
werden: Wie ist die aktuelle Mediennutzung unter Kindern und Jugendlichen
verbreitet und welche Auswirkungen hat das Vorhandensein moderner Medien
auf unsere kirchliche Arbeit mit Kindern und Jugendlichen? Was müssen wir
rechtlich beachten? Wo liegen die Gefahren und wo die Chancen?

7.1 Medienbesitz und -konsum


Der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest führt regelmäßig Stu-
dien durch, um den durchschnittlichen Medienkonsum von Kindern und
Jugendlichen zu untersuchen. Im Rahmen der KIM-Studie 2008 wurden Kinder
im Alter von 6-13 Jahren befragt, im Rahmen der JIM-Studie 2010 Jugendliche
von 12-19 Jahren.
Die Studien bezüglich der Medienausstattung von Kindern und Jugendlichen
enthalten interessante Zahlen: In rund der Hälfte der Kinderzimmer ist mittler-

82
weile eine Spielkonsole zu finden. Eine tragbare Spielekonsole besitzen rund
ähnlich viele Kinder. Jedes zweite Kind hat ein eigenes Handy, einen eigenen
CD-Player oder einen eigenen Fernseher. Jeweils mehr als ein Drittel der Kinder
besitzt einen MP3-Player, ein Radio oder einen Walk-/Discman. Jedem sechsten
Kind steht ein eigener Computer zur Verfügung und etwa jedes zehnte Kind hat
vom eigenen Zimmer aus Zugang zum Internet. Vor allem bei Spielkonsolen,
Computern und Internet sind Jungen deutlich besser ausgestattet als Mädchen.
Im Gegensatz zu den Kindern verfügen die befragten Jugendlichen über einen
stark erweiterten Medien-Privatbesitz. Fast jeder oder jede 12- bis 19-Jährige
hat ein eigenes Handy (95 %) und auch ein MP3-Player gehört zum Standard
(84 %). Drei Viertel der Jugendlichen besitzen einen eigenen Computer oder ein
Notebook. Mehr als die Hälfte ist im Besitz eines eigenen Fernsehers, fast ge-
nauso viele haben vom eigenen Zimmer aus Zugang zum Internet. Fast ebenso
häufig sind Spielekonsolen anzutreffen. Jeder oder jede dritte Jugendliche hat
einen DVD-Player und jeder oder jede sechste besitzt einen DVD-Rekorder,
einen Fernseher mit Flachbildschirm oder einen Videorekorder. Ein Smart-
phone besitzt 2010 nur etwa jeder oder jede siebte Jugendliche, allerdings mit
steigender Tendenz.
Im Rahmen der JIM-Studie wurde die Frage gestellt, ob Jugendliche bereits
Opfer von Cyber-Mobbing geworden sind (also im Internet gemobbt wurden).
Das Spektrum der Übergriffe reicht dabei von der Verletzung von Persönlich-
keitsrechten bis hin zu Verleumdungen und Cyber-Mobbing. So geben rund die
Hälfte der befragten Internetnutzer und -nutzerinnen an, dass schon einmal
Videos oder Fotos, auf denen sie selbst abgebildet waren, ohne ihre Zustim-
mung online gestellt wurden. Ein Viertel berichtet, dass es im Freundeskreis
schon einmal zu Ärger aufgrund von Interneteinträgen kam. Jedem oder jeder
siebten ist es schon einmal passiert, dass Falsches oder Beleidigendes im Inter-
net verbreitet wurde. In Kontakt mit regelrechtem Cyber-Mobbing sind bisher
ein Viertel der Internetnutzer und -nutzerinnen gekommen.
Jedes dritte Mädchen und jeder zweite Junge kann da-
rüber berichten, dass jemand aus dem Freundeskreis
im Internet schon einmal fertiggemacht wurde – sei
es in einer Community oder in einem Chat.
Nirgendwo lassen sich neue Kontakte so einfach
knüpfen wie im Internet. Wer im Chat attraktiv er-
scheint, büßt spätestens dann seine Anonymität ein,

83
wenn nach dem richtigen Namen oder dem Wohnort gefragt wird. Schnell ist
eine Person »gegoogelt«, beim Stöbern in Profilen kann man auf direktem oder
indirektem Weg Interesse bekunden und eine Nachricht hinterlassen. Dass
Fremde im Internet nach Telefonnummer, Adresse oder Namen fragen, bestätigt
ein Drittel der Internetnutzer und -nutzerinnen. Mädchen werden dabei häu-
figer um ihre Kontaktdaten gebeten als Jungen. Mit zunehmendem Alter teilen
immer mehr Jugendliche diese Erfahrung. Positiv ist hervorzuheben, dass der
Großteil der Jugendlichen der Aufforderung, Personendaten preiszugeben, nicht
nachkommt.

7.2 Rechtliche Lage


Der Schutz von Kindern und Jugendlichen vor dem Einfluss von Medien wird in
Deutschland in erster Linie durch das Jugendschutzgesetz (JuSchG) sowie durch
den Jugendmedienschutz- Staatsvertrag geregelt (JMStV). Außerdem berühren
etliche Verbreitungsgebote des Strafgesetzbuchs (StGB) den Jugendmedien-
schutz. Besonders relevant sind diese Regelungen für die Erstellung von eigenen
Medien in den Kinder-und Jugendgruppen, wenn z.B. ein Videobeitrag gefilmt
wird. So dürfen nach den Regelungen des Strafgesetzbuches (StGB) u.a. keine
Propagandamittel verfassungswidriger Organisationen verbreitet werden (§86
StGB), keine Anleitungen zu Straftaten (§130a StGB) und keine Gewaltdarstel-
lungen gezeigt werden (§131 StGB), keine Beschimpfung von Bekenntnissen,
Religionsgesellschaften und Weltanschauungsvereinigungen erfolgen sowie
keine pornografischen oder gewalt- und tierpornografischen Schriften verbrei-
tet werden (§§184 und 184 StGB). Nach den Regelungen des Jugendschutz-
gesetzes dürfen schwer jugendgefährdende Trägermedien Kindern und Jugend-
lichen weder angeboten, noch überlassen, noch sonst zugänglich gemacht
werden. Zu diesen Trägermedien gehören Medien, die einen der o.g. Inhalte
haben oder (§15 Abs 3 JuSchG):
»[...]
2. den Krieg verherrlichen,
3. Menschen, die sterben oder schweren körperlichen oder seelischen Leiden
ausgesetzt sind oder waren, in einer die Menschenwürde verletzenden Weise
darstellen und ein tatsächliches Geschehen wiedergeben, ohne dass ein über-
wiegendes berechtigtes Interesse gerade an dieser Form der Berichterstattung
vorliegt,
3a. besonders realistische, grausame und reißerische Darstellungen selbst-

84
zweckhafter Gewalt beinhalten, die das
Geschehen beherrschen,
4. Kinder oder Jugendliche in unnatür-
licher, geschlechtsbetonter Körperhaltung
darstellen
oder
5. offensichtlich geeignet sind, die Ent-
wicklung von Kindern oder Jugendlichen
oder ihre Erziehung zu einer eigenverant-
wortlichen und gemeinschaftsfähigen Per-
sönlichkeit schwer zu gefährden.«
Somit ist besonders bei Theaterstücken,
Videobeiträgen und Fotomontagen darauf
zu achten, diese Richtlinien einzuhalten.
Des Weiteren wird im JuSchG geregelt, welche Filme und welche Computer-
spiele von Kindern eines bestimmten Alters konsumiert werden dürfen. Das
JuSchG schreibt vor, dass nur Filme gezeigt und Computer- oder Konsolenspiele
gespielt werden dürfen, die »von der obersten Landesbehörde oder einer Orga-
nisation der freiwilligen Selbstkontrolle [...] vor ihnen freigegeben worden sind«
bzw. es sich bei Filmen »um Informations-, Instruktions- und Lehrfilme han-
delt, die vom Anbieter mit ›Infoprogramm‹ʻ oder ›Lehrprogramm‹ʻ gekennzeich-
net sind.« Als Organisationen der freiwilligen Selbstkontrolle haben sich in
Deutschland im Laufe der Jahre die FSK und die USK entwickelt:

7.2.1 FSK – Freiwillige Selbstkontrolle


Die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) ist eine deutsche, von
der Spitzenorganisation der Filmwirtschaft getragene Einrichtung. Sie führt
im Auftrag der obersten Landesjugendbehörden vorgeschriebene Kennzeich-
nungen von Filmen, Videokassetten und sonstigen Bildträgern, wie z.B. DVDs
durch. Zitat von der Homepage: »Im Zentrum der Arbeit der FSK stehen freiwil-
lige Prüfungen für Filme, Videokassetten und vergleichbare Bildträger, die in
der Bundesrepublik Deutschland für die öffentliche Vorführung und Verbrei-
tung vorgesehen sind. Entsprechend den Grundlagen der FSK wird eine Freiga-
be für eine bestimmte Altersklasse beschlossen.« Die FSK legt die Altersgrenzen
dabei aufgrund der vermuteten Wirkung eines Films fest. Die Altersfreigaben

85
sind mit keiner pädagogischen Empfehlung oder ästhetischen Bewertung ver-
bunden.
Nach den gesetzlichen Bestimmungen des Jugendschutzgesetzes dürfen Filme
und andere Trägermedien, die »geeignet sind, die Entwicklung von Kindern
und Jugendlichen oder ihre Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und ge-
meinschaftsfähigen Persönlichkeit zu beeinträchtigen«, nicht für die jeweilige
Altersstufe freigegeben werden (§ 14 Abs. 1 JuSchG). Die FSK-Freigaben lauten
»FSK ab 0 freigegeben«, »FSK ab 6 freigegeben«, »FSK ab 12 freigegeben«, »FSK
ab 16 freigegeben« und »FSK ab 18«. Jede Kennzeichnung ist dabei mit einer
eigenen Farbcodierung kombiniert.
Die Angaben der FSK sind gesetzlich bindend für öffentliche Vorführungen,
wie z.B. Kinderfilmnachmittage, Filmabend in der Gemeinde etc. Wer eine sol-
che Filmveranstaltung ausrichtet, muss auch darauf achten, dass während der
Filmvorführung keine Personen anwesend sind, deren Alter unterhalb der je-
weiligen Kennzeichnungsgrenze liegt. Dabei zählt immer das Alter des jüngsten
Teilnehmers bzw. der jüngsten Teilnehmerin. Im geschlossenen pädagogischen
Bereich, z.B. in der KU-Gruppe, liegt es hingegen im Ermessen des Pädagogen
oder der Pädagogin, die FSK-Vorgabe zu ignorieren.
Seit dem 2003 gibt es die Möglichkeit, dass Eltern (nur Personensorgeberech-
tigte, nicht Erziehungsbeauftragte) mit ihren mindestens 6-jährigen Kindern im
Kino Filme sehen dürfen, die mit »Freigegeben ab 12 Jahren« gekennzeichnet
sind. In der Praxis können z.B. 10-Jährige in Begleitung ihrer Eltern in den Film
»Star Wars« gehen, der erst ab 12 Jahren freigegeben ist. Die Beurteilung,
inwiefern 6-12-jährige Kinder in ihrer individuellen Entwicklung den entspre-
chenden Film verstehen und verarbeiten können, wird somit den Eltern über-
lassen. Wichtig: Jugendleiter und Jugendleiterinnen sind keine »personen-
sorgeberechtigten Personen«! Deshalb ist diese Ausnahme bei gemeinsamen
Kinobesuchen nicht anzuwenden, und die FSK-Regelungen sind in jedem Fall
bindend.

7.2.2 USK – Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle


Für Computer- und Konsolenspiele existiert eine ähnliche, rechtlich verbind-
liche Alterskennzeichnung der Altersfreigabe. Die USK, die Unterhaltungssoft-
ware Selbstkontrolle, führt gemeinsam mit den obersten Landesjugendbehör-
den das Verfahren zur Altersfreigabe von Computerspielen durch. Waren die
Freigaben der USK anfangs Empfehlungen, so sind sie seit dem 01.04.2003

86
verpflichtende Alterseinstufungen, die sowohl auf der Verpackung des Spiels
als auch auf dem Datenträger deutlich erkennbar abgedruckt sein müssen. Die
Altersstufen sind die gleichen wie bei der FSK und ebenfalls im JuSchG fest-
geschrieben.
Spielen, die für Jugendliche nicht geeignet sind, kann die Kennzeichnung ver-
weigert werden. Die Abgabe von nicht gekennzeichneten Spielen an Kinder und
Jugendliche ist in jedem Fall verboten. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, dass
die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien ein Spiel als jugendgefähr-
dend einstuft und indiziert. Indizierte Medien dürfen Kindern und Jugendlichen
weder verkauft noch überlassen oder anderweitig zugänglich gemacht werden.
Sie dürfen nicht mehr beworben und nicht im Versandhandel vertrieben wer-
den, es sei denn, es werden Vorkehrungen getroffen, um sicherzustellen, dass
der Kunde oder die Kundin mindestens 18 Jahre alt ist.
Die USK überprüft nur Spiele, die auf physikalischen Datenträgern vorgelegt
werden. Werden Spiele online, kostenlos oder gegen Gebühr als Download ver-
trieben, so gelten die Bestimmungen des Jugendmedienschutz-Staatsvertrags.
Danach ist die Alterskennzeichnung von Online-Spielen keine Pflicht.
Die Folgen für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen sind die gleichen wie
für Filmvorführungen: Richtet ein Jugendkreis z.B. eine LAN-Party aus, so dür-
fen während der Veranstaltung keine Heranwachsenden zugegen sein, deren
Alter unterhalb der Alterskennzeichnung des jeweils gespielten Spiels liegt.
Auch eine schriftliche Einverständniserklärung der Eltern hebt übrigens die
rechtliche Verbindlichkeit der Altersfreigaben nicht auf. Dass bei solchen
Veranstaltungen nur Originalversionen der Spiele im Rahmen der jeweiligen
Lizenzverträge gespielt werden dürfen, ist durch das Urheber-Gesetz geregelt
und eigentlich selbstverständlich. Im Klartext: Es dürfen grundsätzlich keine
raubkopierten Spielversionen verwendet werden und nicht mehrere Personen
im Netzwerk spielen, wenn nur die Lizenz für eine Person vorhanden ist.

Mit einer Kindheit voll


Liebe aber kann man
ein halbes Leben hindurch
für die kalte Welt haushalten.
(Jean Paul)

87
7.2.3 GEMA und VGM
Die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfäl-
tigungsrechte (GEMA) sowie die Verwertungsgesellschaft zur Wahrnehmung
von Nutzungsrechten an Editionen von Musikwerken (VGM) verwalten in
Deutschland die Urheberrechte an Musik- und Filmwerken bzw. an gedrucktem
Notenmaterial.
Prinzipiell sind alle musikalischen und gedruckte Werke sowie Filme, die in
unseren Gemeindehäusern, Kirchen und Open Air-Veranstaltungen gehört, ge-
zeigt oder selbst aufgeführt werden, anmelde- und vergütungspflichtig. Um den
Verwaltungsaufwand zu reduzieren hat die Evangelisch-methodistische Kirche
jedoch in Deutschland in den Jahren 1978 und 1995 mit den o.g. Verwertungs-
gesellschaften Pauschalverträge abgeschlossen, die uns innerhalb der Kirche
eine gewisse Freizügigkeit bei der Aufführung solcher Werke erlauben. Grob
zusammengefasst erlauben diese Verträge eine entgeltfreie Aufführung von
Musikstücken und Videomaterial sowie das gemeinsame Singen und Musizie-
ren innerhalb gottesdienstlicher Veranstaltungen, Kirchenkonzerten, Gemein-
de- und Jugendveranstaltungen, sofern für diese kein Kostenbeitrag erhoben
wird (»Eintritt frei«). Wichtig ist dabei, dass die Evangelisch-methodistische
Kirche als Veranstalter deutlich zu erkennen ist. Im Hinblick auf die Aufnahme
von Musikstücken, das Erstellen von Sammlungen (z.B. für den kirchlichen
Unterricht) und für die Benutzung von Noten sind uns jedoch auch im kirch-
lichen Rahmen enge Grenzen gesetzt.
Die genauen Regelungen können und sollten im Diensthandbuch der Zentral-
konferenz nachgelesen werden, sobald eine eigene Veranstaltung geplant wird.
Eigentlich sollte es selbstverständlich sein – dennoch hier noch ein Satz zur
Wiedergabe von kopierten Medien: Selbstverständlich ist das Kopieren von
Medien selbst sowie die Aufführung der kopierten Medien nicht gestattet und
nach wie vor strafbar.

7.2.4 Webpräsenzen und Homepages


Immer mehr Jugendkreise und Gemeinden besitzen eigene Webpräsenzen, die
oftmals sozialer Mittelpunkt oder digitale Plattform zum Informations- und
Medienaustausch sind. Bei der Gestaltung und Wartung dieser Präsenzen sind
rechtliche und soziale Stolperfallen unbedingt zu vermeiden.
Zum einen gilt auch im Internet das Urheberrecht, d.h. dass Homepage-
Inhalte grundsätzlich nur mit der Zustimmung des Urhebers veröffentlicht wer-

88
den dürfen. Dies gilt insbesondere für Texte
und Bilder, die von anderen Webpräsenzen
kopiert werden. Am besten werden Home-
page-Inhalte von der Gruppe oder Gemein-
de vollständig selbst erstellt.
Zum anderen sollte bei der Veröffentli-
chung von Bildern und Videos besondere
Vorsicht gelten. Abgebildete Personen sind
nicht immer mit der Veröffentlichung ein-
verstanden und besitzen grundsätzlich ein
gesetzlich verankertes Recht am eigenen
Bildnis (§22 KunstUrhG). Auf der sicheren
Seite ist derjenige, der sich von allen abge-
bildeten Personen vor der Veröffentlichung
eine schriftliche Einverständniserklärung holt.

7.3 Konsequenzen für die kirchliche Arbeit


mit Kindern und Jugendlichen
Als Kirche können wir die mediale Umgebung, die unsere Alltagswelt und spe-
ziell die Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen bestimmt, nicht ignorieren.
Aber wir können sie nutzen, um unsere Arbeit für Heranwachsende anspre-
chender zu gestalten. Zudem ist es unsere Aufgabe, Alternativen zur medial
geprägten Freizeitgestaltung der Kinder und Jugendlichen aufzuzeigen.
Folgende Gedanken halten wir für die Gestaltung unserer Gruppenstunden
für wichtig:
• Es ist ein Trugschluss zu glauben, dass die Aufmerksamkeit von Kindern und
Jugendlichen automatisch steigt, wenn während einer Gruppenstunde Medien
eingesetzt werden. Eine Bereitschaft zur Aufmerksamkeit bzw. eine Lernbereit-
schaft muss bereits vorhanden sein; sie wird nicht durch die Medien selbst ge-
schaffen. Dann allerdings kann der wohlüberlegte Einsatz von Medien Grup-
penstunden bereichern und als Eye-Catcher eingesetzt werden.
• Die Mediennutzung sollte Event-Charakter haben und nicht zu Dauerlösung
werden. Einem Kinoabend in der Jungschar wird entgegengefiebert. Werden
drei Wochen lang am Stück nur Filme angeschaut, verblassen die positiven
Effekte.

89
• Als Kirche sollten wir Kindern und Jugendlichen eine Freizeitgestaltung bie-
ten, die außerhalb der medialen Welt funktioniert. Im Gegensatz zu visualisier-
ten Bildern wollen wir die Fantasie von Kindern anregen, es ihnen ermöglichen,
sich selbst Figuren und Welten auszudenken, anstatt sie visuell präsentiert zu
bekommen. Beim gemeinsamen Basteln und Malen sollen reelle Gegenstände
hergestellt werden, die individuell gestaltet sind. Kinder und Jugendliche sollen
selbst gestalten, anstatt nur fremde Werke und Ideen zu konsumieren. Indivi-
duelle Talente können gezielt gefördert werden.
• »Offline«-Beziehungen zu echten Menschen sind herausfordernder als Chat-
Beziehungen. Für das Gespräch von Mensch zu Mensch wollen Kompetenzen
wie Menschenkenntnis, Einfühlungsvermögen und vieles mehr erlernt werden,
die wichtig sind für den weiteren Lebensweg. Indem wir Gemeinschaft mit
gleichaltrigen und grundsätzlich verschiedenen Menschen bieten, leisten wir
dazu in unseren Gruppen einen wichtigen Beitrag, z.B. in der Konfliktbewälti-
gung und im offenen Umgang mit Gewalt. Wir können eine Gesprächskultur
pflegen, die das Zusammenleben unterschiedlichster Menschen fördert sowie
Toleranz und Verständnis untereinander ermöglichen.
• Wir können uns Kindern und Jugendlichen als Ansprechpartner anbieten, um
auf ihre Probleme einzugehen. Wir können ihnen, im Gegensatz zu Online-Be-
ziehungen, praktische Hilfe in ihrer direkten Lebensumgebung bieten.
• Einen wichtigen Beitrag können wir leisten, indem wir Kinder und Jugend-
liche bei ihrer Emanzipation von der medialen Meinung unterstützen. Denn
obwohl wir heute mit Informationen und aktuellen Nachrichten überhäuft wer-
den, wollen Meinungen grundsätzlich kritisch hinterfragt sein. So ist es wichtig,
Kindern und Jugendlichen zu erklären, dass Bilder in Nachrichtensendungen
grundsätzlich nur die halbe Wahrheit zeigen und Journalisten in Zeitungs- und
Internetartikeln immer zu einem großen Teil ihre subjektive Meinung äußern.
Auch durch das Weglassen von Informationen in Bild- und Wortbeiträgen kann
ein Sachverhalt stark einseitig dargestellt werden.
• Im Gegensatz zum Lesen in Lexika und Büchern müssen besonders Informa-
tionen, die aus dem Internet stammen immer kritisch hinterfragt werden: Wer
hat einen Beitrag geschrieben? In welchem Zusammenhang? Stammt er aus
einer seriösen Quelle? Wurde er redaktionell bearbeitet? Ist er mit Belegen ver-
sehen oder gibt er nur eine subjektive Meinung wieder? Gerade Kindern dürfte
es schwerfallen, objektiv mit solchen Informationen umzugehen.

90
• In Filmen werden oft Klischees der Geschlechter oder einzelner Personen-
gruppen gezeigt, die teilweise an der Wirklichkeit vorbeigehen. Sicher hat die
überspitzte Darstellung ihre Berechtigung, um Filmaussagen besonders deut-
lich und provokant darzustellen. Dennoch wollen sie hinterfragt werden. Des-
halb bietet sich bei schwierigen oder provokanten Filmthemen eine gemein-
same, vorher vorbereitete Nachbesprechung an. Die Erkenntnisse aus dem Film
wollen kritisch hinterfragt werden und vor allem auf uns bekannte Lebens-
situationen und eigene Erlebnisse übertragen werden.
• Die Gewalt unter Jugendlichen, der digitale Missbrauch und die Ausgrenzung
werden in einer digitalisierten Gesellschaft besonders für Eltern oder Gruppen-
leiter immer subtiler und weniger greifbar. Amok-Läufe, wie derjenige in Win-
nenden, zeigen uns die Spitze eines Eisbergs und sind doch nur Symptome weit
tiefer liegender Ursachen. Dennoch bringt uns ein pauschaler Ruf nach Killer-
spiel-Verboten nicht weiter. Vielmehr ist es wichtig, dass wir uns für das digitale
und mediale Leben der uns anvertrauten Kinder und Jugendlichen genauso in-
teressieren, wie wir es in nicht-digitalen Lebenssituationen tun. Es ist nicht nur
wichtig, gemeinsam mit Kindern Lego oder mit Jugendlichen Gesellschafts-
spiele zu spielen, zu lesen oder Fernsehen zu schauen. Auch die Zeit vor dem
Computer oder der Konsum von neuen Medien erfordert unser Interesse und
das kritische Hinterfragen einzelner Handlungen: »Worum geht es denn in dei-
nem Lieblings-Computerspiel? Was ist das Ziel? Darf ich mal mitspielen bzw.
erklärst du es mir? Warum spielst du das Spiel gerne? Was lernst du dabei?
Welche Leute hast du heute im Chat kennengelernt? Wo kommen sie her?
Möchtest du dich einmal mit ihnen treffen? Sind dir die Gefahren eines Chats
bewusst? Was ist der Antrieb für dich, in einem Social Network aktiv zu sein?
Ist dir bewusst, dass alle anderen Menschen deine online gestellten Bilder und
Hobbies einsehen können?«
• Fernseh-Sendungen wie »Deutschland sucht den Superstar« oder »Germanyʻs
next Topmodel« sind symptomatisch dafür, wie Kinder und
Jugendliche Medienkultur erleben. Ebenso wie ihre Idole
möchten sich Heranwachsende durch mediale Aner-
kennung und Berühmtheit definieren. Dabei kommt
es teils zu krassen Fehleinschätzungen der eigenen
Fähigkeiten. In Sendungen wie »Bauer sucht Frau«
wird über Randgruppen unserer Gesellschaft
berichtet, die für die Sender hohe Einschaltquoten

91
garantieren, die am Ende aber oft als mediale Opfer dastehen. Es sollte unsere
Aufgabe sein, Kindern und Jugendlichen zu vermitteln, dass Anerkennung und
Selbstachtung nicht auf Laufstegen und Bühnen zu finden sind, sondern in ihrer
unmittelbaren Umgebung.
• Neue Smartphones und Konsolen dienen der Selbstidentifikation und sind
größtenteils Statussymbole. Ohne Handy wird man in der Schule schnell zum
Außenseiter, ohne Computerzugang ist ein Jugendlicher von der Kommunika-
tion seiner Umwelt, die größtenteils über das Internet erfolgt, praktisch abge-
schnitten. Gegen diese Tatsache können wir wenig unternehmen. Aber wir kön-
nen unsere Erfahrungen weitergeben, dass Statussymbole kurzlebig sind und
dass Beziehungen auch alternativ gepflegt werden können. Unsere Gruppen-
stunden an sich tragen dazu bei, diese Erfahrung machen zu können. Denn in
unseren Augen und vor Gott sind alle Menschen gleich wertvoll und werden
nicht auf ihren Besitz reduziert.

7.4 Pornografie
Die Definition von Pornografie ist äußerst schwierig. Der Wissenschaftler Gun-
ter Schmidt definiert im Rahmen eines Studien-Fragebogens: »[Pornos sind]
Materialien, die darauf zielen, sexuelle Erregung, sexuelle Gefühle, Gedanken
und Fantasien auszulösen oder zu steigern, und die explizit auch die Genitalien
bei unterschiedlichen, zumeist penetrativen, sexuellen Aktivitäten zeigen.«
Pornografie durchzieht unsere Gesellschaft und insbesondere die Jugendkul-
tur mehr denn je, wenngleich die Mainstream-Kultur eine Zone bleibt, in der
echte Pornografie weiterhin nicht geduldet wird. Pornografie spielt mit unseren
Gefühlen, Emotionen und versteckten Wünschen. Praktisch alle Jugendlichen
(besonders die männlichen) hatten bereits mit pornografischen Medien zu tun,
ob bewusst oder aus Versehen.
Die Durchziehung der Alltags-Kultur mit Pornografie ist ein Phänomen, das
vom britischen Medienwissenschaftler Brian McNair als »Porno Chic« bezeich-
net wird. Demnach hat sich die Porno-Kultur über Anspielungen, Zitate und
ironische Verweise in die Musik-Kultur eingeschleust und gewinnt ständig an
Aktzeptanz. In Musikvideos werden Sex oder erotische Anspielungen insze-
niert.
Es existieren unzählige Studien, die herauszufinden versuchen, wie groß der
Konsum von Pornografie unter Teenies und Jugendlichen ist. Im Vergleich der
Forschungsarbeiten kristallisiert sich ein Muster heraus: Jungs sind deutlich

92
interessierter als Mädchen. Im Alter von
11, 12 oder 13 Jahren setzt das Schauen
von Pornos langsam ein. Je älter Teenager
dann werden, desto wahrscheinlicher ist
es, dass sie schon expliziten Sex gesehen
haben. Der Höhepunkt des Pornokonsums
dürfte irgendwo bei 16 oder 17 Jahren lie-
gen. Anschließend scheint das Interesse
wieder etwas nachzulassen.
Pornos sind im Internet mit äußerst ge-
ringem Aufwand auf Internetportalen frei
zugänglich. Dennoch ist nach wie vor un-
klar, wie sich die Verfügbarkeit auf die
Jugendkultur bzw. die seelische und so-
ziale Entwicklung von Jugendlichen auswirkt. Viele Experten haben sich zu
dem Thema geäußert und sehen die Gefahren dieser Entwicklung. Diese liegen
im einen negativen Wandel des Frauenbilds Jugendlicher, das die Frau beim
Geschlechtsverkehr mitunter auf einen rein sexuellen Gebrauchsgegenstand re-
duziert. Weitere Gefahren liegen in der vorgespielten Trennung von Geschlechts-
verkehr und Liebe sowie in der Demonstration fragwürdiger Sexualpraktiken.
Die rechtliche Situation im Bereich der Pornografie ist in Deutschland ein-
deutig. Kindern unter 18 Jahren dürfen pornografische Medien in keinem Fall
zugänglich gemacht werden (§184 StGB). Ähnliches steht im Jugendmedien-
schutz-Staatsvetrag.
Weitergehend sorgen wir als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Evange-
lisch-methodistischen Kirche dafür, dass im Rahmen unserer Arbeit Porno-
grafie Kindern und Jugendlichen jeden Alters in keinem Fall zugänglich ge-
macht wird. Dies schließt beispielsweise auch den nächtlichen Fernseh-Konsum
diverser Privatsender oder den Konsum pornografischer Clips auf Mobiltele-
fonen ein. Eine Regelung, die sich prinzipiell in unseren Gruppenstunden und
Veranstaltungen einfach überprüfen und umsetzen lässt.
Doch das Thema ist vielschichtiger. Denn auch wenn uns Pornos in den mei-
sten Fällen nicht innerhalb der Kirche begegnen, so hat vermutlich mehr als die
Hälfte der Teenies und Jugendlichen bereits mit dem Thema zu tun gehabt.
Aktuelle Studien sprechen davon, dass ca. 90% der 14-17 jährigen Jungs gele-
gentlich Pornos schauen, bei den Mädchen sind es etwa 35%.

93
Insbesondere im Rahmen des Internets ist der Zugriff auf praktisch alle por-
nografischen Medien möglich. Denn hier lassen sich die gesetzlichen Vor-
schriften praktisch nicht kontrollieren. Zum Teil, weil es viel zu viele Anbieter
von Pornografie und viel zu wenig Behörden gibt, die gegen Porno-Anbieter
vorgehen könnten. Zum anderen, weil die zahlreichen ausländischen Anbieter
nicht der deutschen Gesetzgebung unterliegen. Da hilft es auch nicht viel, dass
sich die größten Suchmaschinen-Betreiber selbstverpflichtet haben, von der
Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) indizierte Seiten nicht
anzuzeigen. Der Pornokonsum hat die Gesellschaft voll durchdrungen und
soll deshalb auch in unseren Jugendgruppen nicht als Tabuthema behandelt
werden.
Christoph Pahl beschreibt in seinem Buch »Voll Porno!« ein Erlebnis von
einem Männerabend auf einer christlichen Jugendfreizeit. Im Verlauf des
Gesprächs zwischen Mitarbeitenden und Teilnehmenden kommt es zu einem
offenen Dialog über Pornografie. Zu seiner Überraschung beginnt der 14-jäh-
rige Kevin, dem der Glaube viel bedeutet, von nächtlichen Ausflügen auf Ero-
tikseiten zu erzählen. »Kevin hatte gespürt, dass ihm das nicht guttat, ekelte
sich vor sich selbst und hatte Angst, entdeckt zu werden. Nach einer Zeit des
Schweigens berichteten auch andere Jungs ähnliches. Es waren keine Helden-
geschichten, niemand wusste so Recht, wie er mit der Lust und dem Frust um-
gehen sollte. [...] Das Thema Pornografie ist aktuell wie nie. Aber irgendwie
redet niemand darüber.«
Sowohl Christoph Pahl als auch Johannes Gernert beschreiben in ihren
Büchern pädagogische Modelle, wie man sich dem Thema nähern kann. Beide
ermuntern zu einem ehrlichen Umgang und zur offenen Diskussion mit Grup-
penteilnehmerinnen und -teilnehmern
• über Sexualbegriffe, die Kinder und Jugendliche irgendwo in der Schule
oder bei Freunden aufgeschnappt haben
• über eigene Erfahrungen mit Pornografie oder die Erfahrungen anderer
• über unser christliches Menschenbild und über verantwortungsvolle
Sexualität
• über die Tatsache, dass Pornofilme keine Realität darstellen und dass
Pornodarsteller keine Vorbilder sein sollten

94
8 Unterm Strich
»Als Jugendleiter stehst du mit einem Bein im Knast« – so lautet ein alter Aus-
spruch zu den Gefahren und Unwägbarkeiten der Arbeit mit Kindern und
Jugendlichen. Mit den vorgelegten Leitlinien wollen wir gerade solchen Sor-
gen und Ängsten entgegenwirken. Wer über Handlungsstrategien, Regeln und
Grenzen Bescheid weiß, kann sich als Mitarbeiter oder Mitarbeiterin unbe-
schwert und engagiert einbringen.
Weil unsere Arbeit mit Kindern und Jugendlichen durch vertrauensvolle Be-
ziehungen von Menschen untereinander lebt, ist es uns wichtig, dass nicht alle,
die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, unter Generalverdacht fallen. Es
wäre fatal, wenn wir nur noch misstrauisch miteinander umgehen würden.
Vielmehr wollen wir dazu ermutigen, aktiv gegen Missbrauch und Gewalt ein-
zutreten und sich offen mit dem Thema auseinanderzusetzen, um so vertrau-
ensvolle Beziehungen untereinander zu ermöglichen. Das gibt Sicherheit in
mehrfachem Sinn: Sicherheit für die Kinder und Jugendlichen, Sicherheit für
Gruppenleiterinnen und Gruppenleiter und Sicherheit für die hauptamtlichen
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen.
Offenheit und Sicherheit, Vertrauen und Schutz – auf diesem Boden kann un-
sere Arbeit mit Kindern und Jugendlichen und damit Kirche wachsen.

9 Dank – Editorial
Die Abfassung dieser Leitlinien geschah als gemeinsames Projekt der drei Kin-
der- und Jugendwerke der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland.
Ein besonderer Dank gilt den Autorinnen und Autoren der einzelnen Themen
dieser Leitlinien: Gebhard Böhringer, Leonore Dieke, Jörg Hammer,
Hans Martin Hoyer, Timo Körner, Jens Letzig, Stephanie
Müller, Siegfried Reissing, Karin Toth und Alexander
von Wascinski.

95
10 Literaturliste
zu 5.3
• Aktion Jugendschutz Baden-Württemberg (Hrsg.): (2000). Jungen und Sexua-
lität. Stuttgart.
• Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung [BZgA] (Hrsg.) (2010).
Jugendsexualität. Repräsentative Wiederholungsbefragung von 14- bis 17-Jäh-
rigen und ihren Eltern – aktueller Schwerpunkt Migration – 2010. Köln.
• Freund, Ulli; Riedel-Breidenstein, Dagmar (2006). Sexuelle Übergriffe unter
Kindern. Handbuch zur Prävention und Intervention (2. Auflage). Köln: Mebes
und Noack.
• Hochdorf – Evang. Jugendhilfe im Kreis Ludwigsburg e.V. (Hrsg.) (2010). Und
wenn es doch passiert. Fehlverhalten von Fachkräften in der Jugendhilfe; Er-
gebnisse eines institutionellen Lernprozesses (2. Auflage). Remseck am Neckar.
• Mädchengesundheitsladen e.V. (Hrsg.). Streitkultur und Konfliktlösungskom-
petenz von Mädchen. Methodensammlung.
• Maier, Martin; Gründer, Thomas; Wegner, Lothar. Konflikte lösen – Gewalt
vermeiden. AJS Kompaktwissen.
• Otto, Hans-Uwe; Thiersch, Hans (2001). Handbuch Sozialarbeit, Sozialpäda-
gogik (2. Auflage). Neuwied, Kriftel: Luchterhand.
• Preiß, Dagmar (2008). Perspektiven für Mädchen bei selbstverletzendem und
aggressivem Verhalten. AJS Informationen, 2008 / 3, 14-19.
• Preiß, Dagmar. Mädchen und Sexualität. AJS Kompaktwissen.
• Walker, Jamie (1995). Gewaltfreier Umgang mit Konflikten in der Sekundar-
stufe I. Spiele und Übungen. Frankfurt am Main: Cornelsen Scriptor.
• Wilser, Anja; Neubauer, Gunter (2010). body and more. Über Körperideale,
Essstörungen und den ganz alltäglichen Genuss. Handreichung für Multiplika-
torinnen und Multiplikatoren (3. Auflage). Böblingen.

zu 6.1.2
• Enders, Ursula (Hrsg.) (2003). Zart war ich, bitter war’s. Handbuch gegen
sexuellen Missbrauch. Köln: Kiepenheuer und Witsch.

zu 6.4.4
• Landesjugendring Niedersachsen e.V. (Hrsg.) (2009). Juleica. Handbuch für
Jugendleiterinnen und Jugendleiter (6. Auflage). Hannover.

96
• Mayer, Günter (2008). Aufsichtspflicht, Haftung, Versicherung für Jugend-
gruppenleiter. Praxisratgeber für Jugendorganisationen – Richtig Handeln,
wenn etwas passiert (3. Auflage). Regensburg: Walhalla Fachverlag.
• Sahliger, Udo (2005). Rechtliche Themen aus dem Alltag der Offenen Kinder-
und Jugendarbeit (3. Auflage). In: Deinet, Ulrich; Sturzenhecker, Benedikt
(Hrsg.), Handbuch Offene Kinder- und Jugendarbeit (S. 672). Wiesbaden: VS
Verlag für Sozialwissenschaften.

zu 6.5.3
• Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend [AEJ] (2007). Keine Chance
für ein Tabu. Sexualisierte Gewalt bei Kinder- und Jugendreisen. AEJ-Eigen-
verlag.
• Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend [AEJ] (2007). Kinderrechte
gegen Gewalt und Missbrauch. AEJ-Eigenverlag.
• Cierpka, Manfred (2011). Faustlos – Wie Kinder Konflikte gewaltfrei lösen
lernen (1., neue Auflage). Freiburg im Breisgau: Herder.
• Neider, Andreas (Hrsg.) (2009). Mobbing & Gewalt unter Kindern und
Jugendlichen. Herausforderung für Erziehung und Bildung. Stuttgart: VFG.
• Reemtsma, Jan Philipp (2002). Die Gewalt spricht nicht. Drei Reden. Stutt-
gart: Reclam.
• Rudolph, Sabrina (2007). Kinder stärken gegen häusliche Gewalt. Ansätze für
Interventionen und Aufklärung in der Schule. Marburg: Tectum.

zu 6.5.6
• Lamprecht, Harald (2007). Geistlichen Missbrauch erkennen und vermeiden.
Empfehlungen zur Gemeindeorganisation. Abruf am 20.04.2011 von
http://www.confessio.de/cms/website.php?id=/religionheute/grundlagen/
geistlichen_missbrauch_erkennen_und_vermeiden.html
• Tempelmann, Inge (2007). Geistlicher Missbrauch. Auswege aus frommer
Gewalt; ein Handbuch für Betroffene und Berater. Wuppertal: R. Brockhaus.
• Tillich, Paul (1956). Systematische Theologie, Bd I. Stuttgart: Evangelisches
Verlagswerk.

97
zu 7
• Evangelisch-methodistische Kirche in Deutschland (2005). Diensthandbuch.
Herausgegeben auf Beschluss der Zentralkonferenz in Deutschland. Frankfurt
am Main.
• Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (Hrsg.) (2009). KIM-Stu-
die 2008. Kinder und Medien, Computer und Internet. Basisuntersuchung zum
Medienumgang 6- bis 13-Jähriger. Abruf am 20.4.2011 von
http://www.mpfs.de/fileadmin/KIM-pdf08/KIM2008.pdf
• Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (Hrsg.) (2010). JIM 2010.
Jugend, Information, (Multi-)Media. Basisstudie zum Medienumgang 12- bis
19-Jähriger in Deutschland. Abruf am 20.04.2011 von
http://www.mpfs.de/fileadmin/JIM-pdf10/JIM2010.pdf
• Pahl, Christoph (2010). Voll Porno. Warum echte Kerle Nein sagen. Marburg
an der Lahn: Francke.

11 Impressum
Herausgeber

Evangelisch-methodistische Kirche
Kinder- und Jugendwerk Nord
Schröderstraße 5
D-10115 Berlin

Evangelisch-methodistische Kirche
Kinder- und Jugendwerk Ost
Lessingstraße 6
D-08058 Zwickau

Evangelisch-methodistische Kirche
Kinder- und Jugendwerk Süd
Giebelstraße 16
D-70499 Stuttgart

98
Verantwortlich für den Inhalt
Pastor Jörg Hammer
Giebelstraße 16
D-70499 Stuttgart

Redaktion
Leonore Dieke, Zwickau
Jörg Hammer, Stuttgart
Verona Lasch, Zwickau
Alexander von Wascinski, Stuttgart

Design, Satz und Layout


Daniel Schmidt, Freudental

Drei Dinge sind uns aus dem


Paradies geblieben: die Sterne
der Nacht, die Blumen des Tages
und die Augen der Kinder.
(Dante Alighieri)

Fotohinweise: everystockphoto.com, flickr.com, morguefile.com,


Stefanie Klaus © pixelio.de (Seite 77), Martin Schemm © pixelio.de (Seite 85)

99
Stichwortverzeichnis D
Deeskalation • 81
A Demütigung • 49ff., 67, 79
Abhängigkeit • 33, 54, 64ff., 72 Destruktivität • 39
Abhängigkeitsverhältnis • 33, 54, 64ff., 72 Diskriminierung • 16, 49, 62
Achtung • 12f., 31, 34ff., 49ff., 64, 68, 80, 92 Distanz • 45ff.
Ad-hoc-Konflikt • 40 Dritte • 14, 31, 40, 63, 70,
Aggressionen • 39f DVD • 83, 85
Aids • 46
Aktenplan • 19 E
Aktivität • 29, 31, 46, 56, 63f., 92 Ebenbild • 8ff.
Akzeptanz • 57 Echtheit • 35
Alkohol • 52, 56ff., 81 Ehrenamtlicher • 6f., 17ff.
Allgemeine Reisebedingungen • 55 Eignung • 14
Altersgerecht • 30 Eingreifen • 58, 70, 78, 80
Anerkennung • 36, 68, 91 Einschränkung • 29, 59, 64
Angst • 39, 47ff., 68, 71, 77, 94f. Einverständnis • 29, 53, 87ff.
Anleitung • 13, 60, 84 Eltern • 12, 14, 28f., 34ff., 54, 57, 71ff., 79ff., 86f., 91, 96
Arbeit mit Jugendlichen • 10 Elternbrief • 37
Arbeit mit Kindern • 6ff., 10ff., 16ff., 20, 28, 35, 38, 40, 43, Empfehlung • 18, 78, 86, 97
48, 55f., 59, 69f., 82, 87ff., 95 Entfaltung • 12, 45, 58f., 64
Atmosphäre • 16, 35ff., 40ff., 62, 68 Entgelt • 15, 64, 88
Aufmerksamkeit • 64, 89 Entwicklungsprozess • 44, 52f.
Aufsicht • 28ff., 37, 64f., 70 Erfahrung • 6, 16, 43ff., 48, 59, 69ff., 77, 84, 92, 94
Aufsichtsbedürftige • 30 Erklärung • 20, 27ff., 87
Aufsichtsführung • 31ff. Erlebnispädagogik • 56
Auftrag Jesu Christi • 8 Erwachsene • 6, 9f., 45, 48, 51ff., 61, 67, 70, 72ff., 79
Auseinandersetzung • 6, 16, 35, 38ff., 44ff., 75, 80 Erwachsenensexualität • 45, 48
Ausgrenzen • 67 Ethik • 68ff., 75
Ausnutzung einer Zwangslage • 15 Evangelisch-methodistische Kirche • 13, 65, 88, 98
Evangelium • 36
B
Baby • 45 F
Begleitung • 6, 61, 86 Familie • 6, 45, 61ff., 67, 72ff.
Beherrschbarkeit • 31 Feedback • 36
Behinderung • 29 Fehlerkultur • 35f.
Behutsamkeit • 12 Fernseher • 82f.
Beischlaf • 15 Festhalten • 42, 45, 80,
Belehrung • 31 Filme • 52, 73, 85ff., 91, 94
Bergsteigen • 29 Förderbedingungen • 55
Berufung • 9, 29 Frauenverachtung • 38
Berühren • 50, 84 Freie Jugendhilfe • 14
Bescheinigung über die Kenntnisnahme • 19 Freiheit • 15, 51, 54f., 58, 62, 79
Besonderheiten der örtlichen Umgebung • 30 Freiheitsstrafe • 15
Betreuer • 31, 65 Freiwillige Selbstkontrolle, FSK • 13, 85f.
Betreuungsverhältnis • 14 Freizeit • 27ff., 47, 51, 56ff., 66, 79, 89f., 94
Bewältigungsstrategien • 39 Freude • 35, 39
Beziehung • 14ff., 38, 46, 61ff., 70, 73, 90ff., 95 Frömmigkeitsstile • 75
Bibel • 9, 62 Frustrationstoleranz • 60
Bullying • 67 Führungszeugnis • 14, 17
Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien • 87, 94 Fürsorge • 6, 9, 12, 15, 33, 54f., 62, 70
Bundesrepublik Deutschland • 20, 85 Fürsorgepflicht • 15, 55, 70
Bundeszentralregistergesetz • 14
G
C Gabe • 6f., 12, 61
Chancengleichheit • 62 Geborgenheit • 6, 11
Chat • 82f., 90f. Gefährdung • 6, 36
Christlicher Glaube • 10f., 68 Gefahren • 28ff., 82, 91ff., 95
Christus • 8ff. Gefangene • 14
Community • 83 Gefühlsrepertoire • 39
Computer • 83ff., 91f, 98 Gegengewalt • 11, 80
Cyber-Mobbing • 83 Geheimhaltung • 74

100
GEMA • 88 J
Gemeinde • 7, 16ff., 27, 34, 68f., 72, 80, 86, 88f., 97 Jesus Christus • 8ff., 68
Gemeindefreizeit • 27 JIM-Studie • 82
Gemeinschaft • 8ff., 16, 62, 65, 74, 77, 79, 85f., 90, 97 Jugendhilfe • 14ff., 96
Gemeinschaftsunterkünfte • 65 Jugendliche • 6ff., 16ff., 27ff., 31ff., 40 ff., 59ff., 78ff.,
Geschlecht • 11, 16, 34, 37ff., 45ff., 62ff., 85, 91ff. 89 ff., 97
Geschlechtsidentität • 37, 46 Jugendverband • 29
Geschlechtsteile • 45, 63 Jungen • 12, 37ff., 44ff., 49, 67f., 83f. 96
Geschlechtsunterschiede • 45
Geschlechtsverkehr • 46, 93 K
Geschöpf • 8, 77 Kanufahren • 29
Geschützte Räume • 65 Kenntnis • 7, 18ff., 90
Gesellschaftliche Regeln • 55 KICK • 17
Gesetz • 14, 17f., 20, 28f., 52, 55, 58, 61f., 64, 77, 84, 86ff., KIM-Studie • 82, 98
94 Kinder • 6ff., 16ff., 27ff., 40ff., 59ff., 66ff., 77ff., 82ff, 89
Gespräch • 27, 41f., 46, 48, 58, 68f., 75, 79, 90, 94 Kinder- und Jugendhilfegesetz • 17
Geste • 67f. Kinder- und Jugendwerk • 6, 8, 13, 17, 20, 27, 95, 98
Gesundheit • 15, 28f., 73, 81f., 96 Kindergarten • 67
Getrennte Schlafräume • 57, 65 Kinderschutz • 16
Gewalt • 6ff., 43, 48, 54, 62, 66ff., 84f., 90f., 95ff. Kindesmisshandlung • 6
Gewaltanwendung • 6, 66 Kirche • 6ff., 13, 16ff., 27, 34, 44, 60ff., 65, 76, 78, 88ff.,
Gewaltlosigkeit • 10 93, 95, 98
Gewaltverzicht • 11 Kirchenvorstand • 18
Glaube • 10f., 17, 62, 68, 72, 75ff., 89, 94 KJHG • 14f.
Gott • 6ff., 16, 51, 61f., 75ff., 88, 92 Kommunikationsfähigkeit • 32
Grenzen • 34ff., 41ff.,47ff., 52ff., 59, 67, 69, 71 ff., 75, 78, Kompetenz • 39, 46, 79, 90, 96
88, 95 Konflikt • 34, 38ff., 55, 58, 74, 76, 80f., 90, 96f.
Grenzüberschreitung • 41, 44, 49, 52ff., 58f., 73 Konsequenz • 41f., 57, 59, 64, 78, 80, 89
Groomingpozess • 73 Konsole • 82f., 85f., 92
Grundsätze • 16, 27, 69 Konstruktivität • 39
Gruppen • 6f., 13f., 19, 28ff., 37f., 41, 48, 50 , 55ff., 64, Kontrolle • 13, 18, 39, 50, 58, 78, 82
66f., 72, 79f., 84, 89ff. Körpergefühl • 45
Gruppenaktivität • 64 Körperidentität • 45
Gruppengröße • 31 Körperkontakt • 42
Gruppenleiter • 13f., 19, 29, 57f., 64, 66, 91, 95, 97 Körperlichen Veränderungen • 46
Gruppenstunde • 29ff., 56, 79, 89, 92f. Krankheit • 15, 29
Gruppenzwang • 48, 50 Kreativität • 59f.
Kritikfähigkeit • 35f.
H Kulturelle Unterschiede • 56
Haltung • 12f., 27, 32, 34f., 41f., 44 Küssen • 50
Handlungsspielraum • 71, 82
Hautkontakt • 45 L
Heimweh • 51 Lager • 29
Herrschen • 8f., 35, 43, 66, 74, 85 LAN-Party • 87
Hilfe • 6ff., 14, 16ff., 27, 30, 37, 40, 42, 47, 55, 74ff., 79f., Landesjugendbehörde • 85f
90, 96 Leben • 7ff., 16, 33ff., 43ff., 48, 53ff., 57ff., 62, 64, 68,
Hilfestellung • 7, 27 70f., 73ff., 77, 81f., 89ff.
Hilfsbedürftige • 14 Lebenspartner • 57
Hoffnung • 39 Lehrgang • 13
Homepage • 88f. Leib • 10ff., 15, 28, 33, 42, 45f., 48, 51f., 54f., 66f., 70ff.,
Homosexualität • 49, 62 79f., 84f., 96
Humor • 35, 38 Leitlinien • 6f., 13, 34, 95
Lernen • 16, 36, 39ff., 45f., 60, 73, 82, 97
I Liebe • 8ff., 34, 36, 54, 61, 68, 71, 77, 93
Identität • 35ff., 45f., 52, 82 Lizenz • 87
Individualität • 34 Loslassen • 45
Information • 13, 29f., 37, 44, 60, 75, 82, 85, 88, 90, 96, 98 Loyalitätskonflikt • 74
Internet • 67, 82ff., 88ff., 93 f., 98 Lustgefühl • 45
Intimität • 45
Intimsphäre • 12, 20, 44ff., 80
Irritation • 46

101
M Polizeiliches Führungszeugnis • 17
Macht • 8f., 12, 43f. 62, 66, 71ff. Porno Chic • 92
Machtgefälle • 43f. Pornografie • 14ff., 63, 73f., 82, 84, 92ff., 98
Machtlosigkeit • 72 Prävention • 13, 34, 80, 96
Mädchen • 12, 37ff., 44ff., 49, 67, 75, 83f., 93, 96 Prinzip • 11, 51, 88, 93
Mannsein • 37 Problematik • 17
Maßnahme • 27, 30, 32, 61, 80 Programmpunkte • 29
Maßstab • 8, 10 Prozess • 37, 44, 52f., 56f., 60, 72, 74, 96
Masturbation • 45 Pubertät • 46
Matratzenschlacht • 38
Mediator • 40, 42 R
Medien • 6, 51, 63, 73, 82ff., 86ff., 91ff., 98 Rahmenbedingung • 38, 47
Medikamente • 29 Raubkopie • 87
Menschenbild • 8, 12, 94 Rechte • 35, 52, 62, 83, 88, 97
Menschenhandel • 74 Regeln • 31, 36f., 41f., 47, 55ff., 69, 95
Menschenwürde • 61, 84 Regelverstoß • 57
Minderjährige • 28, 33, 51, 54, 63, 65 Regelwerk • 55. 68
Missbrauch • 6f., 14f., 17, 49f., 53f., 61ff., 72f., 75ff., 91, Reich Gottes • 11
95ff. Reife • 28, 33, 48, 52
Misshandlung • 6, 17, 73f. Respekt • 13, 48, 50, 53, 62, 75
Mitarbeitende • 13, 16, 18f., 34, 36, 43, 57, 69f., 78f., 94 Risikofaktoren • 30
Mitarbeiter • 6f., 12f., 16ff., 27, 34ff., 40ff., 47f., 57, 59, Rolle • 13, 16, 28, 35ff., 40ff., 45, 47f., 71
65, 69f., 72, 75, 78ff., 93, 95 Rollenspiele • 45
Mitarbeiterinnen • 6f., 12f., 16ff., 27, 34ff., 40ff., 47f., 57, Rückzugstendenz • 39
59, 65, 69f., 72, 75, 78ff., 93, 95
Mitmenschen • 9 S
Mobbing • 51, 67, 83, 97 Sachschäden • 28
Mobiltelefon • 67, 93 Sanktionen • 57, 78
Mutprobe • 50 Sauna • 50, 57
Mutter • 70ff. Schaden • 12, 16, 20, 28, 30, 32, 51, 53, 65, 70, 79
Schädigungen • 14
N Scham • 46, 74
Nachtwache • 50 Schlafen • 12, 65
Nacktheit • 45 Schlafräume • 57, 65
Nähe • 16, 45, 47f. Schmerzen • 51
Nikotin • 56f. Schmusen • 45
Normalitätsdruck • 44 Schönheit • 6
Normen • 55ff., 59, 66, 69 Schöpfung • 8
Notausgänge • 30 Schuld • 9, 17, 66, 72, 74
Notebook • 83 Schuldgefühl • 72
Notfallplan • 6, 75 Schule • 40, 67f., 82, 92, 94, 97
Notruf • 30 Schüler • 32
Schutz • 13f., 16ff., 27f., 31, 33, 43, 45f., 48, 51f., 58, 61,
O 63ff., 71, 78f., 81ff., 93, 95f.
Obhut • 15, 33 Schutzauftrag • 16ff., 27
Offenheit • 16, 35f., 43, 48, 56, 66, 69, 90, 94f. Schutzbefohlene • 13f., 33, 63
Öffentliche Jugendhilfe • 17 Schwächen • 34, 73
Opfer • 7, 14, 39, 41, 70ff., 77, 83, 92 Schwimmen • 29
Orientierung • 6, 11, 54, 62 Seele • 51
Orte der Geborgenheit • 6 Seelische Entwicklung • 15, 33, 52, 73
Seelsorge • 38, 47
P Selbstachtung • 92
Paare • 62, 64 Selbstheilungsprozess • 53
Paragraph • 20 Selbstreflexion • 35
Partizipation • 41 Selbstverpflichtung • 13, 18
Partnerschaft • 61 Selbstzweck • 30, 66
Pastor • 18f., 27, 72, 79, 99 Sensibel • 12, 16, 34, 36, 38, 66
Persönlichkeit • 32, 49, 52, 54, 73, 83, 85f. Sensibilisierung • 16
Pflicht • 13, 15f., 18, 28ff., 35, 37, 52, 55, 62, 64, 70, 80, Sensibilität • 38, 40, 44, 46, 48
87f., 94, 97 Sexualerziehung • 46, 61
Pflicht zur Vermeidung von Gefahrenquellen • 30 Sexualität • 6f., 10ff., 34, 44ff., 48f., 52, 60ff., 64, 73, 94,
Pflicht zur Warnung vor Gefahren • 30 96

102
Sexuelle Ausbeutung • 73 V
Sexuelle Entwicklung • 45 Vater • 9, 70ff., 76f.
Sexuelle Gewalt • 16, 74 Verabredete Regeln • 55f.
Sexuelle Handlung • 14f., 50f., 54, 63f., 66, 72, 74 Veränderungen • 46
Sexueller Missbrauch • 6f., 15, 49, 53f., 63, 72f. Veranstaltung • 29f., 69f., 86ff., 93
Sexuelle Nötigung • 73 Verantwortung • 11f., 16ff., 32, 34ff., 38, 41, 47, 58f., 61,
Sexuelle Orientierung • 11, 62 64f., 74, 78, 82, 94
Sexueller Übergriff • 47, 62, 96 Verbindliche Ausführungen • 13
Sicherheit • 30, 35, 46, 55ff., 71, 95 Verbot • 11. 30f., 58, 87, 91
Sinneswahrnehmung • 45 Verdacht • 17, 27, 72, 95
Situation • 13, 19, 31f., 34f., 38, 40, 43, 46f., 55ff., 64, 66, Verdrängung • 16
68ff., 79ff., 91, 93 Vergebung • 8f.
Smartphone • 83, 92 Verhalten • 6, 9, 13f., 16ff., 27f., 31f., 34f., 37f., 41ff., 52,
Sorgen • 12, 15, 28, 34, 36, 47, 62, 70, 93, 95 55ff., 61f., 64, 67, 69, 71, 74, 76, 78, 96
Sorgfalt • 12, 31, 53, 55, 70 Verhaltenskodex • 6, 13f., 16ff., 27
Soziale Netzwerke • 87 Verhaltensmuster • 13
Spiele • 36, 38, 41, 44ff., 50, 67, 83, 85ff., 91, 96 Verletzlichkeit • 12, 38, 44, 52, 54, 73
Spielgeräte • 30 Verletzung • 12, 42, 47, 67, 79, 83
Spielekonsole • 82f. Vernachlässigung • 15, 72
Spontaneität • 59 Verordnung • 55
Sport • 29, 81 Verspotten • 67
Stärken • 34, 46ff., 73, 97 Vertrauen • 11, 13, 16, 32, 36, 73ff., 95
Statussymbol • 92 Verunsicherung • 46, 57
Störung im Entwicklungsprozess • 53 Verwahrung • 14
Strafe • 15, 42, 50f., 78 Verwundbarkeit • 12
Strafgesetzbuch • 14, 84 Verzicht auf Gewalt • 11
Straftat • 14, 53, 62, 84 Verzögerter Konflikt • 40
Streitschlichtung • 42 VGM • 88
Strukturen • 6, 11, 75, 78 Video • 83ff., 88f., 92
Suizid • 71 Vorbesprechung • 27
Vorbild • 8, 10, 18, 32, 35f., 46, 94
T Vorgegebenen Regeln • 55
Täter • 14, 39, 41, 67, 72ff. Vorhersehbare Gefahren • 28
Team • 19, 27, 36ff., 43, 50, 55ff., 65, 69, 78f. Vorkehrungen • 31, 87
Telefonnummer • 29, 84 Vorschub leisten • 63
Thema • 6, 13, 16, 41, 43f., 46, 48f., 59f., 78, 80, 93ff. Vorzeigen pornographischen Materials • 14
Tradition • 56, 77
Träger • 14, 17, 55, 84ff. W
Transparenz • 16, 36f. Wellness • 38
Trauer • 39 Welt • 8f., 38, 82, 84, 89f., 92
Werkzeug • 30
U Wertschätzung • 34, 36, 38, 42
Überforderung • 6, 41 Wille Gottes • 10, 76
Übergriff • 16, 47, 62, 73, 78f., 83, 96 Willensstärke • 53
Überlegenheit • 68 Willentlich • 53
Übernachtung • 12, 38, 57, 65 Willkür • 42
Überschaubarkeit • 57 Wissentlich • 20, 53f.
Übertragung • 29 Wohl • 10ff., 16, 36, 52,
Überzeugung • 8, 35, 52, 61 Wunsch • 6, 8, 34, 40f., 44, 47ff., 53, 68, 92
Übungen • 41, 96 Würde • 7, 9, 11, 16, 61, 78ff., 84
Umgangsformen • 56 Wut • 39, 41ff., 50, 66, 71
Umsetzung • 18
Unbescholtenheit • 20 Z
Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle, USK • 85ff. Zärtlichkeit • 44f.
Unterschrift • 18, 27 Ziel • 7, 13, 39f., 44, 47, 56, 64, 66, 70, 74, 78, 90ff.
Unterschriftenliste • 18 Zimmer • 57, 65, 82f.
Unversehrtheit • 51, 54 Zusammenleben • 10f., 55, 59, 64, 90
Urheber • 87f. Zustimmung • 29, 53f., 83, 88
Urlaub • 27 Zuwendung • 9, 36, 46
Zwang • 15, 48, 50, 62, 64, 74

103
Raum für Notizen

104
105
106