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1 ! 1.#TEIL:#KONZEPTIONE LLE#UND#HISTORISCHE# ASPEKTE

3 !

1.1 ! E INFÜHREND 8 KONZEPTIONELLE# B ETRACHTUNGEN 1.1.1 ! A LTERNATIVEN!EINER! W IRTSCHAFTSPOLITIK!IN ! E UROPA 1.1.2 ! EWWU !ALS!EINE!POLITISCHE ! K ONSTRUKTION 1.2 ! H OFFNUNGEN#UND# B EFÜRCHTUNGEN#HINSICH TLICH#DER# EWWU 1.2.1 ! E INFÜHRUNG 1.2.2 ! H OFFNUNGEN

3 !

3 !

4 !

5 !

5 !

5 !

1.2.2.1 !

6 !

1.2.3 ! B EFÜRCHTUNGEN

7 !

2 ! 2.#TEIL:#WIRTSCHAFTS THEORETISCHE#GRUNDLA GEN

8 !

2.1 ! A NALYSE#DER#ÖKONOMISC HEN# E FFEKTE#EINER# W ÄHRUNGSUNION

8 !

2.1.1 ! W OHLFAHRTSEFFEKTE! ! „T HEORIE!OPTIMALER! W ÄHRUNGSRÄUME !UND! H ETEROGENITÄT!IN!DER! EU

!

8 !

2.1.2 ! W ACHSTUMSEFFEKTE

10 !

2.1.2.1 !

Wachstumseffekte!des!Binnenmarktes!(der!Wirtschaftsunion)

10 !

2.1.2.2 ! Wachstumseffekte!einer!Währungsunion

10 !

2.1.2.3 ! Vorübergehender!vs.!Andauernder!Wachstumsschub

11 !

2.1.2.4 ! Verhinderung!des!Verlusts!an!Wettbewerbsfähigkeit

12 !

2.1.2.5 ! Modellanhang

12 !

2.1.2.5.1 ! E ` I:! Allgemeine! Begründung! von ! Produktionssteigerungen! bei! sinkenden! Kosten,!

si n kendem!Risiko!und!steigender!Nachfrage!bedingt!durch!eine!EWWU

12 !

2.1.2.5.2 ! E ` II:! Nachfragetheoretische! Ableitung! von! Produktionssteigerungen! im! Kontext! des!

IS ` LM!Ansatzes

2.1.2.5.3 ! E ` III:! Angebotstheoretische! Ableitung! von! Produktionssteigerungen! im! Kontext! der!

12

!

traditionellen!neoklassischen!Wachstumstheorie

13 !

2.1.2.5.4 ! E ` IV:!Neue!Wachstumstheorie

15 !

2.1.3 ! S TABILITÄTSEFFEKTE

20 !

2.1.3.1 ! Wirkungen!auf!die!Hochinflationsländer

20 !

2.1.3.2 ! Wirkungen!auf!die!Niedriginflationsländer

21 !

2.1.3.2.1 ! Strukturelle!Unterschiede

21 !

2.1.3.2.1.1 ! Ad!1.:!Unterschiede!in!den!Präferenzen!über!Inflation!und!AL

21 !

2.1.3.2.1.2 ! Ad!2.:!Unterschiede!in!den!Arbeitsmarktsituationen

24 !

2.1.3.2.1.3 ! Unterschiede!in!den!Finanzsystemen

26 !

2.1.3.2.1.4 ! Schlussfolgerung

27 !

2.1.3.2.2 ! Wettbewerbsbeschränkungen

27 !

2.1.3.2.2.1 ! Ad!4.:!Politikkoordination

27 !

2.1.3.2.2.2 ! Ad!5:!Absprachen!der!ZB!Betreiber

29 !

2.1.3.2.2.3 ! Ad!6.:!Erhöhte!Seignorage ` Anreize!der!EWWU

29 !

2.1.3.2.2.4 ! Zusammenfassung

30 !

2.1.3.3 ! Modellanhang

30 !

2.1.3.3.1 ! E ` I:! Zur! Bestimmung! der! optimalen! Inflationsrate! in! einem! klassischen! Modell! der!

30 !

2.1.3.3.2 ! E ` II:!Ableitung!eines!erhöhten!Seignorage ` Anreizes!zur!Inflationierung!in!e iner!WWU 31 !

!

ö f fentlichen!Finanzierung

2.1.3.3.3 ! E ` III!Wechselkursanpassung!und!Kosten!einer!WU

32 !

2.1.3.3.4 ! E ` IV:!Kaufkraftparität!und!Zinsparität

33 !

2.1.3.4 ! Entwicklungspolitische!Effekte

34 !

2.1.3.4.1 ! Direkte,!wachstumsfördernde!Implikationen!einer!EWWU

34 !

2.1.3.4.1.1 ! Anstieg!der!FDIs

34 !

2.1.3.4.1.2 ! Anstieg!der!Transferzahlungen

35 !

2.1.3.4.2 ! Indirekte!wachstumsfördernde!Implikationen!einer!EWWU

36 !

2.1.3.4.2.1 ! Erhöhung!der!pol.!Stabilität

36 !

2.1.3.4.2.2 ! Disziplinierungszwang!durch!Konvergenzkriterien 2 .1.3.4.2.3 ! Glaubwürdigkeitsgewinn!durch!die!EZB 2.1.3.4.3 ! Opportunitätskosten!und!Polarisierungsgefahr 2.1.3.4.3.1 ! Verlust!des!Instruments!der!WK ` Anpassung 2.1.3.4.3. 2 ! Verlust!an!Seignorage ` Einnahmen 2.1.3.4.3.3 ! Wegfall!der!Möglichkeit!des!Entwicklungs ` Protektionismus

36 !

37 !

37 !

38 !

38 !

38 !

3 ! 3.#TEIL:#WIRTSCHAFTS POLITISCHE#VORKEHRUN GEN

39 !

3.1 ! W IRTSCHAFTSPOL ITISCH 8 INSTITUTIONELLE# V ORAUSSETZUNGEN# FÜR# E INE# ERFOLGREICHE# EWWU

#

39 !

3.1.1 ! W ACHSTUMSPOLITIK

39 !

3.1.1.1 ! Grundsätzliches

39 !

3.1.1.2 ! Strukturpolitik:!Die!Lissabon ` Agenda!2000

40 !

3.1.1.3 ! Koordination!der!europäischen!Wachstums ` !und!Strukturpolitiken

41 !

3.1.2 ! S TABILITÄTSPOLITIK

42 !

3.1.2.1 ! Stabilitätsorientierte!Geldpolitik!in!einer!Währungsunion

42 !

3.1.2.1.1 ! Vorkehrungen!im!Maastricht!Vertrag:!Das!EZB ` Statut

42

3.1.2.1.2 ! Erforderliche!bzw.!erwägenswerte!Modifizierungen

42 !

3.1.2.1.3 ! Umsetzung!der!Geldpolitik

46 !

3.1.2.1.3.1 ! Zur!Frage!Diskretionarität!vs!Regelbindung

46 !

3.1.2.1.3.2 ! Zur!Frage!der!inhaltlichen!Strategie

46 !

3.1.2.1.3.3 ! Die!Zwei ` Säulen ` Strategie!der!EZB

47 !

3.1.2.2 ! Stabilitätsorientierte!FiPo!in!einer!WU

53 !

3.1.2.2.1 ! Vorkehrungen!durch!den!EU ` Vertrag,!Konvergenzkriterien!und!Sanktionen

54 !

3.1.2.2.2 ! Fiskalpolitischer!Disziplinierungszwang!durch!die!WU!selbst?

54 !

3.1.2.2.3 ! Der!Stabilitäts ` !und!Wachstumspakt

55 !

3.1.2.2.4 ! Erforderliche/!erwägenswerte!Modifizierungen!des!fiskalischen!Rahmens

59 !

3.1.2.2.4.1 ! Schuldenaufsicht!und!Durchsetzbarkeit!von!Regeln

59 !

3.1.2.2.4.2 ! Zentralisierung!der!Fiskalpolitik

59 !

3.1.2.2.5 ! Exkurs:!Arithmetik!der!Budgetrestriktion!und!Schuldendynami k

60 !

3.1.2.3 ! Stabilitätsorientierte!Lohnpolitik!in!einer!WU

61 !

3.1.2.4 ! Modellanhang:!Zur!Regeldiskussion!in!der!modernen!Makroökonomie

63 !

3.1.2.4.1 ! E ` I!Regelbindung!vs.!Regelv ersprechen

63 !

3.1.2.4.1.1 ! Zeitinkonsistenzproblem!optimaler!Wirtschaftspolitik

63 !

3.1.2.4.1.2 ! Diskretionäre!Lösung

71 !

3.1.2.4.2 ! E ` II:! Passive! vs.! Aktive! Regeln:! zur! modell theoretischen! Ableitung! von!

Überlege n heitskriterien 3.1.2.4.2.1 ! Der!Poole’sche!Ansatz:

77 !

77 !

3.1.2.4.2.2 ! Moderner!Vergleichsansatz

77 !

4 ! 4.#TEIL:#HERAUSFORDE RUNGEN#DURCH#DIE#EW( W)U 8 ERWEITERUNG

79 !

 

4.1 ! A SPEKTE#DER# EW(W)U 8 E RWEITERUNG 4.1.1 ! F ORMALE! V ORAUSSETZUNGEN!EINES ! EWWU ! B EITRITTS

79 !

79 !

4.1.1.1

 

Nominale!Konverg enzkriterien

79 !

4.1.1.2 ! Exkurs:!WKM!II

79 !

4.1.2 ! Ö KONOMISCHE! B EURTEILUNG!DER! K ONVERGENZKRITERIEN

80 !

4.1.2.1 ! Angleichung!der!Inflationsrate!auf!niedrigem!Niveau

80

4.1.2.2 ! Angleichung!der!Zinsrate!auf!niedrigem!Niveau

81 !

4.1.2.3 ! Angleichung!der!Defizitraten!auf!niedrigem!Niveau

82 !

4.1.2.4 ! Stabilisierung!der!WK

82 !

4.1.3 ! K OSTEN!DER! EWWU ! E RWEITERUNG

82 !

4.1.3.1 ! Übergangskosten!für!neue!EWWU!Beitrittsländer

82 !

4.1.3.2 ! Kosten!für!die!übrigen!EU ` Länder

84 !

4.1.3.2.1 ! Zu:!Unterstützungszahlungen!an!die!strukturschwachen!Länder

85 !

4.1.3.2.2 ! Gefahren!einer!antizipatorischen!Rezession

86 !

4.1.4 ! F RÜHE!VS . ! S PÄTE! EU ! E RWEITERUNG

88 !

4.1.4.1 ! Gefahren !einer!frühen!Erweiterung

88 !

4.1.4.2 ! Gefahren!einer!verzögerten!EWWU!Erweiterung

89 !

4.1.5 ! A USWIRKUNGEN! DER! EU ` O STERWEITERUNG! AUF! DE N! E NTSCHEIDUNGSFINDUNGS PROZESS! IM! EZB !

R AT!UND!MÖGLICHE! EZB ! R EFORMEN

89 !

4.1.6 ! E UROPÄISCHER! V ERFASSUNGSVERTRAG

93 !

4.1.7 ! H ISTORIE

98 !

1 1. Teil: Konzeptionelle und historische Aspekte

1.1 Einführend-konzeptionelle Betrachtungen

1.1.1 Alternativen einer Wirtschaftspolitik in Europa

Organisationsoptionen der Wipo in Europa

a) Nichtkooperation (Nebeneinander)

b) Kooperation (Miteinander) Grundsatzentscheidung nach WW2 getroffen Folge

dessen: EWWU Regionale Integration als Abbau von Beschränkungen und ZusA in der Wipo unterscheidet folgende Formen der Integration:

Freihandelszone: Abbau zoll- und mengenmäßiger Beschränkungen zwischen den Mitgliedsländern

Zollunion: Gemeinsame Zollbestimmungen ggü. Drittländern

Gemeinsamer Markt: Aufhebung von Beschränkungen im Fluss von Waren und Dienstleistungen sowie Faktoren (i.e. Arbeit und Kapital) erfordert automatisch eine gewisse Synchronisierung von Wipo. Klass. AWT Ausgleich der Faktorpreise. Praktisch tritt der Effekt allerdings nur in eingeschränktem Maße auf.

Wirtschaftsunion: Harmonisierung anderer Politiken über die Außenhandels- und Zollpolitik hinaus

Währungsunion: Garantie einer vollständigen Konvertibilität der Währungen, vollständige Fixierung der WK und vollk. freien Kapitalverkehr dies ist im Grunde eine gemeinsame Währung

Verbindung der Wirtschftsunion ist mit untersch. Instrumenten mgl.:

a) flex WK

a. logisch konsistente weil wettbewerbsorientierte Lösung

b. Vermeidung der Kosten einer WU (Kosten insb. Anhand eigennutzorientier-

ter Politiker)

c. Verstoß gg. Wettbewerbsprinzip aufgrund Kartellbildung der Banken mit Be- lastungseffekten für die Konsumenten i.e. Geldnachfrager

b) enges WK Band keine dauerhaft stabile Lösung

c) Währungsunion

a. Vorliegen internationaler Externalitäten

b. Erfahrungen hins. Destabilisierungspotenzial flexibler WK

c. Permanenter Destabilisierungsdruck führt zu beggar-thy-neighbour Strate- gien, da WK Instrument zur Verfolgung nationalökonomischer Strategien

d. Weil die WiSu die Anreize zu dieser Politik antizipieren, werden sich die Regierungen auch nicht valide auf eine entsprechende Politik committen können

e. Sticky prices führen zu einem Überschießen der WK über das GG-Niveau hinaus, sodass Spekulationsbewegungen entstehen

GG-Niveau hinaus, sodass Spekulationsbewegungen entstehen 1.1.2 EWWU als eine politische Konstruktion •

1.1.2 EWWU als eine politische Konstruktion

Zustandekommen = politisch motiviert, nicht systemendogen

o

Positive Interpretation: Staat hat Notwendigkeit gesehen aus Koordinie- rungsfunktion heraus

o

Negative Interpretation: Public Choice Ansatz Maßnahme resultiert nur aus Machtstreben der Politik

Hauptmotiv: politische Stabilität insb. Friedenssicherung

Hergang:

o

Ziel bereits 1960er formuliert sodass Weiterentwicklung der EWG erfolgt

o

EWG als Teilorgan der EG 1957 gegründet

o

EWG Vertrag mit Ziel auf Integration der beteiligten VoWis

Harmonische Entwicklung des Wirtschaftslebens

Stetiges und ausgewogenes WiWa

Steigerung der Lebenstandards

Annäherung der WiPo der Mitgliedsstaaten

o

Schritte:

Errichtung eines gemeins. Marktes

Schrittweise Annäherung der WiPo

Ende der 60er bspw. Zollunion & Freizügigkeit der Arbeitskräfte be- reits verwirklicht

o

Anfang 1970 Auftrag an Ministerrat unter Führung von Werner zur Entwick- lung einer EWWU bis 1980

o

Vorschlag des Werner-Plans:

Vollst. Liberalisierung des Kapitalverkehrs

Unwiderrufliche Festlegung der WK

Gemeinschaftswährung

o

Umsetzung wurde durch 1970er i.e. Ölkrise, Bretton-Woods, Dollarverfall, Stagflation verhindert

o

1972 Schlange im Tunnel i.e. WK im Band gegründet, im selben Jahr IE und UK sowie 1973 I schon wieder raus, 1976 auch F raus

o

1977 Stillstand der EWWU

o

Schaffung des EWS 1979 mit Währungsband 2,25% um ECU Kurs

o

1980 Schaffung EWWU wieder initiiert mit Hoffnung auf Erhöhung des Le- bensstandards

o

Padoa-Schioppa-Bericht: Autonomie hins. Geldpolitik nicht vereinbar mit KapMob und fixWK Forderung nach zeitlichem ZusH zwischen den

Maßnahmen

o

Prüfung der Mittel für EWWU Herbeiführung durch Delors-Gruppe

o

Beschluss zur Weiterführung 1990 Madrid

o

1991 Maastricht Vertrag Entwurf, Unterzeichnung 1992 Inkrafttreten 1993

1.11.

o

Weitere Elemente neben EWWU Schaffung

Unionsbürgerschaft

Erweiterung der Gemeinschaftskompetenzen

Schaffung Kohäsionsfonds

Föderale Strukturen und Elemente für die EU

Stärkung der Rechte des EU Parlaments

Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik

Zusammenarbeit im Bereich Justiz und Inneres

o

Vollendung der EWWU in 3 Stufen

1.7.90-31.12.93 = Realisierung Binnenmarkt

ab 02.02.94 Vorbereitungsphase für Stufe 3 mit Kohäsions- und Kon- vergenzforderungen, Schaffung von institutionellen und organisatori- schen Grundlagen, Gründung des EWI zur technisch organisatorischen

Vorbereitung, Fixierung des Verbotes monetärer Defizitfinanzie- rung, no-bail-out-Klausel

ab 01.01.99 Dritte Stufe mit Einsatz als Zahlungsmittel 01.01.02

1.2 Hoffnungen und Befürchtungen hinsichtlich der EWWU

1.2.1 Einführung

Begleiterscheinungen der Investition EWWU:

Hoffnungen

Befürchtungen

Ableitung aus Aussagen der Politik, in Ermangeln einer probaten gesellschaftlichen Wohl-

fahrtsfunktion.

1.2.2 Hoffnungen

Anknüpfung an erhoffte bessere Erreichung bestimmter politischer Ziele

Allgemeine und individuelle Kernziele sind zu ermitteln

a. Allgemeine Ziele

i. Wachstum i.e. Wohlstand

ii. Politische Stabilität i.e. Frieden

b. Partielle Ziele

i. Inflationsabbau (erhofft durch Hochinflationsländer)

ii. Entwicklungsangleichung (für ärmere Länder)

Ad a.i.) Wachstum

Andauernder Wachstumsschub durch EWWU insb. Auf neuer Wachstumstheorie fußende Annahme insb. Aufgrund Lerneffekten und Öffentliches-Gut-Eigenschaft von Wissen

Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit nur durch EWWU mgl. Neue Handelstheorie

Ad a.ii.) pol. Stabilität

Abbau politischer Spannungen & Verhinderung zuk. Kriege bzw. Verhinderung von Balkanisierung

Geschichtliche Begründung anhand positiver Effekte von wirtsch. Zusammenarbeit nach WWII

Vertrauensbildung aufgrund von Kontakt durch Grenzöffnung/ Handel

Identitätsschaffung durch gemeinsame Währung Ad b.i.) Inflationsabbau

Reputations- und Stabilitätsimport für Hochinflationsländer

Disziplinierungszwang durch Abgabe der geldpolitischen Autorität

Implizit auch Erwartung fiskalpolitischer Disziplinierung

Ad b.ii.) Entwicklungsangleichung

Ableitung aus „Neuen Wachstums- und Entwicklungstheorie“

Erzwingung von Hilfen und Finanztransfers der reicheren an die ärmeren Länder

Positive Spillover Effekte im Sinne verstärkter Direktinvestitionen in den ärmeren Ländern

1.2.2.1 Eigener Einschub: Beggar thy neighbor Politiken u.ä.

Beggar-Thy-Neighbor-Effekte

Auswirkung expansiver Geldpolitik bei flexiblen Wechselkursen auf Kosten eines an- deren großen Landes

- Expansive Geldmengenausweitung in Land 1: LM 1 LM 1

- Folge: Senkung des Zinssatzes, Anstieg des realen Volkseinkommens

- Folge des Einkommensanstieg: Höhere Exportnachfrage durch Land 1 in Land 2, Leistungsbilanz in Land 1 wird defizitär. IS 2 IS 2

- Folge des gesunkenen Zinssatzes: Höherer Kapitalexport, i.e. Kapitalbilanz- defizit in Land 1

- Bei vollkommener Kapitalmobilität wird dieses Zahlungsbilanzgleichge- wicht sofort durch eine Wechselkursänderung ausgeglichen. Die Abwertung der Währung 1, erhöht die Nachfrage nach Gütern aus Land 1. IS 1 IS 1

- Land 2 erfährt eine Aufwertung, IS 2 IS 2 ’’

- Im Ergebnis ist das VE des Landes 1 gestiegen, das des Landes 2 gesunken

ist das VE des Landes 1 gestiegen, das des Landes 2 gesunken Lokomotiveffekte • Auswirkungen expansiver

Lokomotiveffekte

Auswirkungen expansiver Fiskalpolitik bei flexiblen Wechselkursen

- Expansive Fiskalpolitik des Landes 1 (IS 1 IS 1 ) erhöht dort Einkommen und Zinssatz

- Folge: Über den Exportmultiplikator steigt auch in Land 2 Einkommen (IS 2 IS 2 )

- Die Verschiebung von IS 2 fällt aber weniger stark aus, als die von IS 1 so- dass nun IS 1 ’/LM 1 oberhalb des Weltzinsniveaus liegen

- Folge: Der Kapitalbilanzüberschuss in Land 1 bedingt dort einen Zahlungs- bilanzüberschuss (Defizit in Land 2)

- Die flexiblen Wechselkurse passen sich jedoch an dieses Szenario an: Wäh- rung 1 wertet auf, Währung 2 ab

- Folge: IS 1 verschiebt sich nach IS 1 ’’, das Einkommen in Land 1 geht zu- rück, während es sich in Land 2 noch weiter erhöht (IS 2 IS 2 ’’)

- Letztendlich ist in beiden Ländern das Einkommen gestiegen. Dieser positi- ve Spillover-Effekt heißt auch Lokomotiveneffekt

i- ve Spillover- Eff ekt heißt auch Lokomotiveneffekt Abwertungswettlauf • Hintergrund : z.B. globale Rezession

Abwertungswettlauf

Hintergrund: z.B. globale Rezession mit keynesianischer Arbeitslosigkeit

Anreiz für größere Länder bei flexiblen WK und Kapitalmobilität: Expansive Geld- politik mit dem Ziel einer realen Abwertung der eigenen Währung

Folge: Preise für Exportgüter verbilligen sich, ausländische Nachfrage wird quasi importiert

Daraus leitet sich ein Anstieg der Beschäftigung und des Einkommens im Inland ab.

Dies geschieht auf Kosten des anderen Landes, daher auch dies eine beggar-thy- neighbor Politik Handeln beide Länder im Gleichklang, wird sich kein positiver Effekt einstellen. Vielmehr wird die Inflation ansteigen.

1.2.3 Befürchtungen

a)

mögliche negative trade-off Beziehungen

b)

negative Externalitäten aus sich gegenseitig aufschaukelnden Vergeltungsaktionen der sich gegenüberstehenden Wirtschaftsblöcke

c)

negative Anreizeffekte auf Grund falscher Erwartung partikularer Gruppen

ad a)

Zunahme der Inflation in den preisstabilen Ländern

Zunahme der Al in den weniger entwickelten Ländern

Ad b)

strategische Außenhandelspolitik und Protektionismus ggü. Drittländern droht

Konfliktpotenzial historisch identifizierbar

Ad c)

Erwartung der Unternehmen dass Konkurrenzdruck durch EWWU verringert wer- den kann

Abschöpfung sicherer Renten?

Bremsung von Innovationen technologischer und organisatorischer Art finden nicht statt

Folge: Strukturkrisen

2

2. Teil: Wirtschaftstheoretische Grundlagen

2.1 Analyse der ökonomischen Effekte einer Währungsunion

Zusammenfassung:

Wachstumseffekte sind zu erwarten, allerdings ist fraglich, ob dauerhafte Effekte erwartet werden können

Die Inflationsbefürchtungen der Niedriginflationsländer sind begründet

Entwicklungsangleichung ist theoretisch ebenfalls plausibel aber nur bei positiven wirtschaftspolitisch beeinflussbaren Rahmenbedingungen

Zeitstruktur ist von Bedeutung

Ländergruppen sind unterschiedlich betroffen

Somit hängt die tatsächliche Erzielung der erhofften Effekte von der Schaffung ent- sprechender institutioneller Voraussetzungen ab

Einschätzung von Chancen und Risiken nur im Rahmen einer politökonomischen Analyse bzw. Institutionenanalyse

2.1.1 Wohlfahrtseffekte – „Theorie optimaler Währungsräume“ und Hete- rogenität in der EU

Theorie opt. WRs aus 1960er Jahren zur Feststellung der Vorteilhaftigkeit von festen oder flexiblen WKs

Definition: Ein optimaler WR kann definiert werden als ein räumlich optimal abgegrenz- tes Gebiet mit unwiderruflich fixen WKs oder einer einheitlichen Währung. Die traditio- nelle Analyse versucht die Optimalität anhand eines einzelnen Kriteriums zu bestimmen, während die moderne Analyse sich auf Kosten-Nutzen-Betrachtungen fokussiert. Die Kri- terien stellen dabei darauf ab, zu prüfen wie gut ein Land auf asymmetrische externe Schocks reagiert. Je besser es sich anpassen kann, desto eher kann es auf das Instrument Wechselkurs verzichten und einer WU beitreten

Implizit sind einige Stabilisierungsannahmen und die Frage nach asymmetrischen und alternativen Anpassungskanälen bei externen Schocks

Voraussetzungen für positive Wohlfahrtseffekte einer WU hängen von der Erfüllung nachfolgender Kriterien seitens der Beitrittsländer ab:

a) Hoher Grad an Faktormobilität

Je mobiler Arbeitskräfte und Kapital im Währungsraum, desto gerin- ger sind die Kosten einer WU

Faktormobilität als Ersatz für Lohn- und Preisflexibilität bei Aufgabe von Schockabsorbtion

b) Hoher Grad an Offenheit

Offenheitsgrad gem. McKinnon: Verhältnis von handelbaren zu nicht handelbaren Gütern

Länder, die handelsmäßig stark verflochten sind, verzichten auf aus- einanderlaufende Wirtschaftspolitik, kleine Länder geben zugunsten großer Länder nach

Je größer die Offenheit, desto geringer der Verlust aus Aufgabe der Autonomie in der Geldpolitik

c) Produktdiversifizierung

Diversifizierung des Exportprofils: Angebot eines breiten Gütersor- timents erzeugt eine geringere Sensitivität gegenüber ausländischen Technologie- und Nachfrageschocks

Verringerung des Drucks auf den WK, sodass bei höherer Produktdif- ferenzierung bessere Eignung für WU gegeben ist.

d) Finanzielle Integration

Kompensation von LB Un-GGs durch KB setzt hinreichende Integra- tion der Finanzmärkte voraus

Der resultierende Ausgleich der Zahlungsbilanz macht eine WK Än- derung überflüssig

e) Ähnlichkeit der Inflationsraten

Andauernde Inflationsunterschiede vermindern internationale Wettbe- werbsfähigkeit in den stärker inflationären VoWis

Resultierende LB Defizite können nur durch WK-Änderung bzw. Be- seitigung von Handelshemmenden Maßnahmen ausgeglichen wer- den

f) Integration der Wirtschaftspolitik

WU impliziert Angleichung der GP und eine weitgehende Synchro- nisierung der FP

Aufgabe der GP Autonomie ist umso einfacher je homogener die Zie- le (insb. Hins. Inflation) seitens der Länder sind.

Problem der Theorie optimaler Währungsräume: keine Spezifikation der Messbar- keit und Instrumenten- bzw. Kriteriengewichtung

Wählt man die entsprechenden Faktoren als Kriterien, so ist der Grad Heterogenität stark positiv korreliert mit der Suboptimalität einer WU

Ergebnisse von Studien hinsichtlich Europa:

Handelsformationen innerlich sehr reger Handel, untereinander wenig Austausch

o

Skandinavischer Block

o

Osteuropäische Kette

o

Zentrales Dreieck

o

Südeuropäisches Viereck

Lokale Schocks dominieren europäische oder weltweite

Konjunkturzyklus in europäischen Ländern wird immer noch von lokalen Fak- toren determiniert

Die vorherrschenden Politikregime und die dahinterstehenden Präferenzen unter- scheiden sich immer noch zwischen den europäischen Ländern

Geringe Arbeitskräftemobilität

Hoher Offenheitsgrad

Hoher Grad an Produktdiversifizierung

Finanzmarktintegration geringer als USA aber hat jüngst zugenommen

Annäherung der Inflationsraten seit Einführung des EUR, seitdem stärkere Schwankungen

Annäherung der politischen Präferenzen im Zuge der Integration

Gegenüberstellung mit Kosten strategischen Verhaltens und von Spillover-Effekten bei Flexkursen

Folglich propagieren die Autoren (insb. Mundell, McKinnon) die Fixierung von WK in nicht optimalen Währungsräumen

Umsetzbarkeit der Theorie ist problematisch:

Kaum ein Staatenbündel dürfte als optimal bezeichnet werden, da die Anwen- dung der unterschiedlichen Kriterien z.T. gegensätzliche Ergebnisse liefert, so- dass entweder Kriterien auszuwählen sind, was der Vollständigkeit Abbruch tut

oder aber zu gewichten sind wofür von Seite der Theorie keine Anhaltspunkte ge- geben werden.

Die Kriterienformulierung ist relativ (i.e. hoher Grad an) sodass sich eine exakte Optimierung im mathematischen Sinne ohnehin nicht durchführen lässt

Strategische und allgemeinpolitische Aspekte spielen in einer WU eine Rolle,

können aber nicht von der Theorie opt. WRs erfasst werden.

Der Einsatz ist in sofern als sinnvoll zu bezeichnen, in soweit die Th. opt. WRs zur Fundierung einer Kosten-Nutzen-Analyse hinsichtlich suboptimaler WRs und der Bildung einer WU eingesetzt werden kann. Lässt sich die Forderung nach einem Europa mehrer Geschwindigkeiten (also nach Län- dergruppen differenzierter Integration) durch die Th. Opt. WRs stützen?

Es liegt nahe zu vermuten, dass die Antwort ja ist. Das vor dem Hintergrund, dass die ToWR einige Kriterien zur Abgrenzung derjenigen Länder liefert, die zuerst teilnehmen sollten an einer WU

Andererseits ist zu hinterfragen ob nicht die Mitglieder, die zunächst nicht auf- genommen werden, die Kriterien innerhalb einer WU besser erfüllt hätten, in- dem z.B. höhere Kapitalmobilität geschaffen worden wäre etc. vgl. dazu Konver- genzkriterien, Balassa-Samuelson Effekt etc. weiter unten.

2.1.2 Wachstumseffekte

2.1.2.1 Wachstumseffekte des Binnenmarktes (der Wirtschaftsunion)

Annahme: Binnenmarkt bewirkt Kostensenkungen oder Nachfragesteigerungen und in der Folge Produktionssteigerungen somit letztlich einen Wachstumsschub

Kostensenkungen

o

Abbau nicht tarifärer Handelshemmnisse (unterschiedliche Standards, Kontingente etc.)

o

Wegfall von Grenzabfertigungen und des resultierenden Aufwands

o

Senkung der Beschaffungskosten bei öff. Aufträgen aufgrund größerer Konkurrenz zwischen den Unternehmen

o

Aufgrund höheren Wettbewerbs induzierte Produktivitätssteigerung

o

Erzielung von Skalenerträgen aufgrund Ausweitung des Absatzmarktes

o

Effizienzgewinne aus unbeschränkter Kapitalmobilität aufgrund optima- lerer Allokation in rentableren Anlagen, da Spekulation verringert wird

Nachfrage- und Einnahmensteigernde Effekte (Wirkungskanäle)

o

Kostensenkungen bedingen Preissenkungen und damit ein höheres Real- vermögen. In der Folge steigt die Kaufkraft Anstieg C und I

o

Erzwungene Preissenkung und Produktivitätssteigerung führen zu ver- besserter Wettbewerbsposition auf dem Weltmarkt und begründen steigen- de Exporte

o

Kostensenkungen und erhöhte Steuereinnahmen erhöhen den Spielraum der Fiskalpolitik ohne Neuverschuldung und damit auch die Staatsnach- frage

o

Nachfragesteigerung bei gleichzeitiger Kostensenkung bewirkt einen An- stieg der Gewinne aus Investitionen und damit auch einen Produktions- anstieg

2.1.2.2 Wachstumseffekte einer Währungsunion

Nicht allein der Binnenmarkt soll wachstumsmäßig profitieren

o Verschwinden des Wechselkursrisikos und damit Wegfall der Kosten der WK-Sicherung dies sind im Einzelnen:

Kosten der WK Sicherung zwischen Mitgliedsländern

Kosten durch Zinsaufschläge aufgrund WK-Unsicherheit

Kosten durch spekulative Marktbewegungen aufgrund WK Schwankungen

Sparung von Transaktionskosten aufgrund wegfallender Konversi- onskosten

Steigerung des Wettbewerbs aufgrund zunehmend transparenter Preise in der Folge dann Preissenkungen

Einspaarungen im Handel mit Drittstaaten aufgrund zunehmender Bedeutung des EUR

o Nachfrage- und Einnahmensteigernde Wirkungen werden durch die glei- chen Faktoren wie bei Binnenmarkteinführung im ZusH mit wegfallen des Risikoaufschlages

2.1.2.3 Vorübergehender vs. Andauernder Wachstumsschub

vorübergehende Wachstumseffekte stellen für institutionelle Investoren gerin- gere Anreize dar als dauerhafte

Hoffnung auf andauernde Effekte speist sich insb. Aus der Neuen Wachstums- theorie

o

Learning-by-doing-effekt: technischer Fortschritt als Nebenerscheinung der Güterproduktion

o

Modelle der Erfindung (F&E): technischer Fortschritt als zwar kostspie- liger aber überlegt eingegangener Prozess. Modellkonzentration auf Anrei- ze bewusst zu erfinden i.e. institutioneller Rahmen und Marktgröße

Wirtschaftsunion und andauernder Wachstumsschub

o

Ermöglichung andauernden Wirtschaftswachstums durch techn. Fort- schritt als Ergebnis erfolgreicher Investitionen in F&E

o

Die Wahrscheinlichkeit erfolgreicher Erfindungen steigt mit steigender Marktgröße weil die Fixkosten hier eher absorbiert bzw. aufgebracht wer- den können.

Währungsunion und andauernder Wachstumsschub

o

Argumentation im Rahmen von LBD-Modellen ist dass technischer Fort- schritt ein Nebenprodukt der Kapitalakkumulation wird, indem die WiSu durch erhöhte Produktion eine bessere Umgehensweise mit den Faktoren erlernen. Außerdem Öffentliches-Gut-Charakter des Wissens.

o

Aufgrund sinkender Risikoprämie (sinkende WK-Unsicherheit) im Zins sinkt auch der (Real-)Zins. Aufgrund sinkender relativer Faktorpreise Realzins/Reallohn steigt die optimale Kapitalintensität, was die Kapital- akkumulation fördert.

o

Es wird angenommen, dass Handel stets eine Option ist, da schwankende WK eine Chance auf höhere Gewinne und auch geringere Gewinne darstel- len nimmt mit erhöhter Variabilität der Wert der Option zu. Zwar werden die Gewinne unsicherer aber damit auch die Wechselwirkungen zwischen Wechselkursvariabilität und Investitionstätigkeit Daher ist un- sicher, ob die Wohlfahrt der Unternehmen und damit die Investitionstä- tigkeit steigt.

o

Empirisch allerdings kann festgehalten werden, dass Unternehmen in in- stabilen WK eines der größten Hemmnisse für Investitionen sehen, ins- besondere wenn diese irreversibel sind und damit sunk costs darstellen, weil eine langfristige Nutzung bei geringer Drittverwendungsfähigkeit vor- liegt.

2.1.2.4

Verhinderung des Verlusts an Wettbewerbsfähigkeit

Ableitung von Arbeitsproduktivitätssteigerungen aufgrund Marktvergröße- rung und Kostensenkung

Verlust an Wettbewerbsfähigkeit AL aufgrund Wachstumseinbruch

Daher Hoffnung auf Steigerung der rel. Wettbewerbsfähigkeit insb. Ggü. USA und JP

Aber Befürchtung: Illusion der verminderten Konkurrenz bei den Unterneh- mern und damit Verzicht auf strukturell notwendige Ressourcenreallokatio- nen, was selbst zu einem Wettbewerbsverlust führen würde.

Aber Problem des empirischen Nachweises eines solchen Verhaltens

Weitere und empirisch besser belegbare Befürchtung ist die der Blockbildung und protektionistischer Abschottung mit entsprechenden negativen Effekten aufgrund einer Nichtnutzung entsprechender komparativer Vorteile. Zudem denk- bare Vergeltungsmaßnahmen anderer Blocks.

Ergebnis: Vorübergehende Wachstumseffekte einer WU liegen auf der Hand aber: Andauernder Wachstumsschub bedarf eines günstigen institutionellen Umfelds. Es ist zudem davon auszugehen, dass WiWa mit Stabilität korreliert sein dürfte, sodass auch die Stabilitätseffekte einer WU untersucht werden sollten.

2.1.2.5 Modellanhang

2.1.2.5.1 E-I: Allgemeine Begründung von Produktionssteigerungen bei sinkenden Kosten, sinkendem Risiko und steigender Nachfrage bedingt durch eine EWWU

Grundlegende Zusammenhänge:

Erlös e – Kosten e – Risikoaufschlag = Gewinn e Erlös = Preis * Nachfrage Preis = P(Nachfrage in Relation zum Angebot) Investitionen = I(Gewinn e ) Produktion = Y(Investitionen,

mit P’>0 mit I’ > 0 mit Y’>0

)

nachfragebedingte Preissteigerung nimmt einen Teil der vorherigen, die Nach- fragesteigerung erst herbeiführenden Preissenkung wieder zurück

Dies entspricht dem Mengenverdrängungseffekt im Multiplikatorprozess, dort allerdings herbeigeführt durch Geldnachfragesteigerung als Folge der Einkom- menssteigerung

Theoretisch kann es im Zuge einer WU auch zu steigendem Angebot und damit fallenden Preisen kommen, was noch positivere Wachstumseffekte bedingen würde weil eine Angebotsausweitung an sich schon Wachstum impliziert.

Andererseits sinken die Preise nicht automatisch, nur weil die Kosten aufgrund einer WU zurückgegangen sind

Aber: Zunahme der Wettbewerbsintensität wenn keine Abschottungsstrategie stattfindet oder Kartelle etc. entstehen.

2.1.2.5.2 E-II: Nachfragetheoretische Ableitung von Produktionssteigerungen im Kontext des IS-LM Ansatzes

Keynes-Effekt

Vermögenseffekte

Ad: Vermögenseffekt Ad Keynes-Effekt: • Realkasse M/P steigt bei sin- kendem Preisniveau (Unterste l- lung:

Ad: Vermögenseffekt

Ad Keynes-Effekt:

Realkasse M/P steigt bei sin- kendem Preisniveau (Unterstel- lung: konstantes oder schwächer abnehmendes Geldangebot)

Auslöser dafür ist währungsuni- onsbedingte Kostensenkung un- ter der Annahme hinreichenden Wettbewerbs

Folge: Überangebot auf dem Geldmarkt, sinkende Zinsen, er- höhte Investitionen, Anstieg der Güternachfrage und dann auch des Angebots

(Dies gilt nicht wenn Liquidi- tätsfalle bzw. Gefangenendi- lemma/Koordinierungsprobleme auf Investorenseite vorliegen)

Graph: Rechtsverschiebung von LM (1), Verschiebung entlang der Nachfragekurve (1)

Preissenkung steigert Realwert der Geldvermögensbestände

Pigou-Effekt: Wisu reagieren mit Konsumausweitung

Robertson-Effekt: WiSu reagieren mit Ausweitung der Ausweitung der Investi- tionsnachfrage

Gegenargument: Neben Gläubiger- und Vermögenseffekten treten Schuldner- Effekte, wie z.B. Fisher-Effekt vor (Realwert der Verschuldung D/P nimmt bei einer Preissenkung zu, worauf die Risikoprämie im Zins steigt, sodass Investitio- nen teurer werden)

Graph: (2) Verschiebung von IS nach rechts, Verschiebung der N-Kurve nach rechts

Zur IS-LM Methodik:

parametrische Einführung der Preissenkung

IS-LM-System als Fixpreis-Modell der Einkommensbestimmung, da ein unend- lich elastisches aggregiertes Angebot bei gegebenem Preisniveau impliziert wird

Die Angebotskurve müsste dabei horizontal verlaufen, sodass sich das Angebot bei jedem gegebenen Preis der Nachfrage anpasst, der Anpassungsprozess ist sehr schnell und läuft über Mengenanpassungen. Der Prozess ist ausschließlich nachfrageseitig bestimmt und zwar durch die Struktur der Nachfrager, die als in ihren Verhaltensstrukturen konstant angenommen werden.

Letztere sind insbesondere auch die zentralen Schwächen des Modells

2.1.2.5.3 E-III: Angebotstheoretische Ableitung von Produktionssteigerungen im Kontext der traditionellen neoklassischen Wachstumstheorie

Darstellung der angebotsseitigen Effekte einer währungsunion-bedingten Redu- zierung des Risikoaufschlags durch

o

Substitutionseffekte

o

Lern- und Produktivitätseffekte

o Lern- und Produktivitätseffekte Ad 3: Substitutionseffekt • Effekt einer WU-bedingten

Ad 3: Substitutionseffekt

Effekt einer WU-bedingten Reduktion des Risikoaufschlags (keine WK- Unsicherheit bei grenzüberschreitenden Transaktionen) im Zins auf Produktion oder Einkommen

Vorübergehender Wachstumseffekt aufgrund Senkung des Kalkulationszinses kann im neoklassischen Wachstumsmodell gezeigt werden

Ausgehend von der Produktionsfunktion y=f(k), wobei f’>0 und f’’ 0

Hier muss die Grenzproduktivität des Kapitals gleich den Grenzkosten des Kapitals also dem Kalkulationszinsfuss sein, sofern ein GG auftreten soll, in dem Pro-Kopf Einkommen y und Pro-Kopf Kapitalausstattung k gegeben sind.

Diese Bedingung ist dann gegeben, wenn die Abzinsungskurve die Produktions- kurve tangiert. Allerdings berücksichtigt die neokl.WT nicht Unsicherheit.

Dennoch bezeichnet der Abzinsungssatz die Rate der intertemporalen Substitu- tion aber auch die Rate, die von Unternehmen für deren Investitionen als Opportu- nität anzusetzen ist.

Interpretiert man also diesen Zins als für die Unternehmen notwendige risikobe- reinigte Rendite, führt eine Reduktion der Risikoprämie zu einer Verringerung der Steigung der Abzinsungsgeraden. Die Rechtsverschiebung des Tangential- punktes spiegelt somit eine Zunahme des Kapitalstocks und damit des Einkom- mens pro Kopf

Ad 4: Lern- oder Produktivitätseffekt

Möglichkeit eines andauernden Wachstumsschubes

Produktivitätssteigerung durch steigende Kapitalakkumulation k endogener technischer Fortschritt

Aufgrund positiver Kapitalakkumulation aufgrund Produktion immer wieder neuer unterschiedlicher Güter wird dabei Wissen akkumuliert, wobei unterstellt wird, dass Wissen den Charakter eines öffentlichen Gutes besitzt.

Die Produktivitätssteigerungen münden in der Verschiebung der aggregierten Produktionskurve nach oben aus. Dies entspricht einer Erhöhung des Produktivi- tätsfaktors A in Af(k), sodass die Grenzproduktivität des Faktors Kapital Af’(k)

Damit verschiebt sich der Tangentialpunkt zwischen der neuen Produktionskur- ve und Abzinsungsgeraden von B nach C sodass das Pro-Kopf-Einkommen gestie- gen ist. Dies mündet in erneutem Wissensanstieg und damit Wachstumsdynamik sodass k wieder steigt und eine Eigendynamik entsteht.

2.1.2.5.4 E-IV: Neue Wachstumstheorie

Anhaltende Wachstumseffekte besser im Rahmen der neuen Wachstumstheorie zu begründen

Im neoklassischen Modell: Kapitalakkumulation kommt aufgrund abnehmen- der Grenzproduktivität des Kapitals zum Stillstand wenn kein exogener tech- nischer Fortschritt. Die NWT versucht demgegenüber den techn. Fortschritt mo- dellendogen zu erklären.

Steady state: Ein Zustand ohne Fehlerwartungen und Anpassungsprozesse, sodass die Variablen im Zeitablauf mit konstanten Raten wachsen.

Neue Wachstumstheorie knüpft an diesem Punkt an und erklärt Wachstum als Folge von technischem Fortschritt endogen

o

AK Modell Humankapitalakkumulation

Konstruktion von Modellen, die keine abnehmenden Produktivitä- ten in den Faktoren unterstellen

Annahme der Proportionalität von Output und Kapital: Y = AK

Die Grenzproduktivität des Kapitals gleicht dem konstanten Technologieparameter A

Keine fallenden Skalenerträge Ermöglichung langfristigen endo- genen Wachstums

Alternative explizite Einbeziehung des Faktors Humankapital in

die PF im Rahmen der Humankapitalmodelle

Auch hier konstante positive Grenzproduktivitäten der akkumulier- baren Faktoren Sach- und Humankapital

Bildungsinvestitionen der WiSu erhöhen deren Produktivität und damit endogen das Wachstum

o

Modelle Learning-by-doing (LBD) z.B. Y i =f(K i ,KL i )

Steigende Skalenerträge aufgrund positiver Externalitäten des Wissens, das entsteht bei immer steigender Produktion neuartiger Güter

Wissen wird als öffentliches Gut modelliert, das bei steigender

Produktion entsteht

Die steigenden Skalenerträge verhindern, dass die Grenzprodukti- vitäten fallen

o

Modelle der Forschung und Entwicklung

Innovationsgetriebene Wachstumsmodelle, die explizit technolo- gischen Fortschritt endogenisieren

F&E bezeichnet hier den zielgerichteten Ressourceneinsatz ge- winnorientierter Unternehmen, der Wissen generiert und ver- marktet

Innovationen

Ergänzung bestehender Produkte und Prozesse (vertikale Diff.) Spezialisierungsgewinne der Arbeitsteilung

Verbesserung bestehender Produkte und Prozesse (hori- zontale Diff.) effizientere Nutzung der Produktionsfakto-

ren

Einteilung des Wissens in zwei Kategorien

Konkret angewandte Erkenntnisse i.e. spezifische Infor- mationen über ein bestimmtes Produkt (blueprints)

Allgemeine theoretische Erkenntnisse, die im weiteren Forschungs- und Produktionsprozess verwendet werden (applied science)

Unterschied zu den obigen Ansätzen: Wissen ist hier kein rein öffentliches Gut. Es ist sowohl öffentlich, da nicht ri- valisierend, zum anderen privat, da teilweise ausschluss- fähig

Insbesondere die Ausschlussfähigkeit ist im Prinzip (im Gegensatz zu Nicht-Rivalität) quasi stetig, Wissen kann al- so in unterschiedlichen Graden ausschlussfähig sein.

Folgende Schlussfolgerungen

o

Durch F&E induzierter technologischer Fort- schritt kann nicht im Rahmen vollständigen Wettbewerbs erklärt werden

o

Die teilweise Ausschlussfähigkeit begründet Wis- sens-Spillovers

Unvereinbarkeit mit Vollst. Wettbewerb: Hier konstante Skalenerträge und Entlohnung der Faktoren mit ihren marginalen Grenzkosten. Die Güter werden zu Preisen ab- gesetzt, die deren marginalen Grenzkosten der Produktion entsprechen. Die Unternehmen erwirtschaften somit keine Gewinne. Aufgrund der Nicht-Rivalität sind die marginalen Grenzkosten neuen Wissens 0. Allerdings verursacht die Wissensproduktion hohe Fixkosten sodass die Produktions- kosten stets über den marginalen Grenzkosten liegen Wissen amortisiert sich hier niemals!

Durchschnittskosten AC

= Gesamtkosten TC/Stückzahl x

= variable Kosten v + Fixkosten F/Stückzahl x >0 da F> 0 und v = 0 aufgrund der verschwindend geringen variablen Kosten in Relation zu den fixen entstehen Grenzkosten von:

MC = TC Def. /x = 0 Folglich gilt: AC > MC

Es bleiben somit keine Ressourcen für die Entlohnung der rivalisierenden Fak- toren Arbeit und Kapital

Die Fixkosten der Wissensproduktion amortisieren sich nie, es besteht kein Anreiz zur Durchführung von F&E

Um also die Existenz von F&E zu erklären, muss angenommen werden, dass sich Wissen zumindest zeitweilig zu Preisen über den marginalen Grenzkosten vermarkten lassen muss. Dies ist nur bei teilweiser Ausschlussfähigkeit möglich.

Dieser Wissensvorsprung des Erfinders ist bereits bei Schumpeter bekannt. Die Arbeiten von Dixt, Spence Stiglitz, Ethier haben dann im Rahmen des Modells Monopolistischer Konkurrenz eine Formalisierung vorgenommen.

Zweite Implikation von Wissen: Positive Spillover Effekte des nicht ausschluss- fähigen Anteils von Wissen. I.e. Auch WiSu die nicht an der Wissensentwicklung beteiligt waren können positiv hiervon partizipieren.

Kanäle der Wissensdiffusion in der geschlossenen VoWi

o

Personalbewegungen

o

Fachpublikationen

o

Offenlegung von Patentierungen

o

Informeller Austausch

Unterstellt man zudem, dass jede Innovation den Wissens-Kapitalstock der VoWi erhöht, erleichtern Wissens-Spillovers zukünftige Wissensentwicklungen. Dies gilt, solange proportionale Entwicklungen des Wissensstocks und F&E Aktivitäten unterstellt werden. Empirisch kann eher eine unterproportionale Kausalität ab- geleitet werden, da insb. angenommen werden muss, dass Innovationen immer komplexer und damit stärker forschungsintensiv werden

Industrielle Innovationen ermöglichen einen selbsterhaltenden, kumulativen Prozess:

o

Aufgrund der Nichtrivalität ist Wissen personenungebunden und damit unbegrenzt akkumulierbar

o

Technologisches Wissen ist damit keine knappe Ressource da es unbe- grenzt ausweitbar ist (unbegrenzte Anzahl an Innovationen) es existieren also auch keine abnehmenden Grenzerträge

o

Wissens-Spillover senken die Kosten der weiteren Wissensentwicklung und geben damit einen steten Anreiz zur Wissensgenerierung auch bei ei- ner zunehmenden Anzahl von Innovationen.

Dynamische Interaktion zwischen Lernen und Erfindung (i.e. Verbindung der LBD- und FE-Modelle)

LBD ist in der Praxis limitiert und kann dauerhaft nur durch ein fortwährendes

Angebot an neuen Erfindungen aufrecht erhalten werden

Dies verringert nicht die Relevanz der Modellierung von Wissen

Ein realistisches Wachstumsmodell müsste eig. Die bewusste und kostspielige Erfindung neuer Güter und Prozesse modellieren

LBD senkt die Kosten von Erfindungen und beeinflusst damit deren Profitabili- tät

Es ist somit anzunehmen, dass eine dynamische Interaktion zwischen Lernen und Erfindung besteht.

Betrachtet man Lernen als nichtintendierte Erforschung des endlichen produk- tiven Potenzials erfundener Technologien, so ist es von Erfindung abhängig

Zugleich ist aber auch die Erfindung vom Lernen abhängig insofern als die Ko- sten der Erfindung vom aggregierten Lernpotenzial einer Gesellschaft abhängen.

Young modelliert dies wiefolgt:

o

Gesellschaft weiß zu jedem Zeitpunkt wie ein gegebenes Güterbündel pro- duziert werden kann

o

Jedes Gut erzeugt eine bestimmte Einheit an Learning-by-doing

o

Das so generierte Wissen verbreitet sich firmenunabhängig weiter

o

Endgüterproduktion unter Bedingungen monopolistischer Konkurrenz

o

Freier Zugang zum Entwicklungsprozess

o

Präferenzen werden so spezifiziert, dass kein Gut wesentlich ist, sodass für eine gegebene Preisverteilung die Nachfrage elastisch vom Grad 1 ist.

Ergebnis: Entscheidender limitierender Faktor ist die Marktgröße

In kleinen Märkten ist die Rentabilität von Erfindungen gering, aufgrund der ge- ringeren Erwirtschaftbarkeit der Fixkosten

Hier ist die Erfindungsrate der begrenzende Faktor. Weniger das Lernen. Erfin- dungssubventionen verbessern hier die Wohlfahrt

In großen Märkten sind Erfindungen sehr profitabel Hier begrenzt die Rate des Lernens die Erfindung. Ressourcen fehlen z.T. in der Produktion, sodass eine Steuer auf Erfindungen, die so Ressourcen für Produktion freigibt wohl- fahrtssteigernd wirkt.

Es können auch GGs gefunden werden, in denen Steuern oder Subventionen ir- relevant sind in sofern als sie keinen Einfluss auf die steady-state Wachstumsrate ausüben.

Die Ergebnisse sind in sofern modellabhängig, als dass zwei Aktivitäten (Lernen und Erfinden) stattfinden aber nur Erfinden vergütet wird, sodass hier eine Ten- denz zu überschüssiger Aktivität besteht. Wohlfahrtsanalyse

Laissez-faire-GGs setzen zu wenige Ressourcen im wachstumsschaffenden Be- reich ein

Dies resultiert insbesondere aus nicht internalisierbaren positiven Externalitäten der Aktivität

Es kann aber auch den umgekehrten Fall geben in dem Firmen nicht den Surplus- Verlust aus den Spillover Effekten einkalkulieren schöpferische Zerstörung Schwächen

Überschätzung der Ergebnisse der NWT

Nicht hinreichend als Begründung für andauernde Hoffnungen auf nachhaltigen Wachstumsschub

Adäquate Beschreibung nur eines Teils der Zusammenhänge zwischen Wissen und Produktivität

Stark stilisierte Annahmen

Ausgrenzung maßgebender Einflussfaktoren

3 zentrale Probleme

o

zu starkes Vertrauen auf steady-state-Konstruktion Alle Ansätze ma- chen Annahmen, die auf die Sicherung eines steady-state Wachstums aus- gerichtet sind realitätsfern. Allerdings Annahmen nicht aus methodolo- gischen Gründen sondern aus Gründen der Handhabbarkeit

o

Vertrauen auf rationale Erwartungen und kostenlose sowie vollständige Informationsbeschaffung seitens der WiSu hinsichtlich der Funktion des Wirtschaftssystems und insbesondere, wie es funktionieren wird wenn heute noch unentdecktes Wissen in der Zukunft zutage tritt. Dies er- scheint insbesondere in einer Theorie, die sich mit langsamem und kost- spieligem Wissenserwerb beschäftigt, fragwürdig. Man muss auch zudem fragen, ob nicht ein Teil des Fortschritts ggf. auch exogen sein kann. Zudem besteht der Hang zu multiplen Gleichgewichten in den Wach- stumsmodellen. Der Endpfad der VoWi hängt dann in kritischer Weise von den Ausgangsbedingungen und zufälligen Schockeinwirkungen ab. Es ent-

stehen zudem auch multiple Steady-state Wachstumsraten bzw. non- steady-state-Trajektorien o Unausreichende Beachtung von Institutionen und Transaktionskosten. Aber insb. Die neue Institutionenökonomie weist darauf hin, dass ein we- sentlicher Anteil des Wachstums der Entwicklung von Institutionen zure- chenbar sein kann. So werden z.B. finanzielle Restriktionen der Forschung weitgehend ausgeblendet. Wir haben soeben gesehen, dass sich permanente Wachstumsdifferenzen mit der neo- klassischen Wachstumstheorie nicht begründen lassen und auch Niveauunterschiede nur mit Einschränkungen in Einklang zu bringen sind mit der neoklassischen Wach- stumstheorie. Einen Ausweg bietet hier die neue Wachstumstheorie, der es möglich ist, sowohl empirisch festzustellende Wachstumsdifferenzen als auch Niveauun- terschiede zu erklären. Wesentliches Merkmal der neoklassischen Wachstumstheorie ist die Exogenität des technologischen Fortschritts. Wird dieser außerhalb des Modells entstehende Fort- schritt nicht berücksichtigt, kommt die Kapitalakkumulation zum Stillstand. Der Grund ist die abnehmende Grenzproduktivität des Faktors Kapital, so dass der Anreiz, den Kapitalstock weiter zu erhöhen, verschwindet. Damit wird auch die Wachstumsra- te Null. An diesem Punkt setzt nun die neue Wachstumstheorie an. Gemeinsames Kennzeichen dieser Theorie ist, dass sie in der Lage ist, eine positive Wachstumsrate, auch ohne Rückgriff auf einen exogenen technologischen Fortschritt, endogen in dem Modell zu bestimmen. Auf diese Weise können dann internationale Wachstums- und Einkommensdifferenzen erklärt werden. Dies gelingt der neuen Wachstumstheorie durch zwei alternative Mechanismen. Erstens existieren Modelle, die die Akkumu- lation von Faktoren in den Mittelpunkt stellen, zweitens gibt es Modelle, die den technologischen Fortschritt endogenisieren.

Erste Modellklasse In dieser Modellklasse, die als Wachstumsdeterminante auf die Akkumulation von Faktoren zurückgreift, können wir zwei Versionen unterscheiden. Eine erste Mög- lichkeit anhaltendes Wachstum zu begründen besteht darin, Modelle zu konstruieren, die zwar weiterhin gesamtwirtschaftlich konstante Skalenerträge aufweisen, aber berücksichtigen, dass alle Faktoren akkumulierbar sind. Auch das neoklassische Modell ist durch konstante Skalenerträge gekennzeichnet, allerdings wird dort nur die Akkumulation von Kapital zugelassen. Wird aber nur Kapital in der Produktions- funktion berücksichtigt (also der Produktionsfaktor Arbeit nicht integriert, so dass die Produktionsfunktion linear wird [35] ), so ist die Grenzproduktivität des Kapitals kon- stant und es resultiert anhaltendes Wachstum, falls die Sparquote und somit die Rate der Kapitalakkumulation höher ist als die Abschreibungsrate. Man kann aber neben Sachkapital als zweiten Faktor auch Humankapital integrieren. Humankapital ist von dem Faktor Arbeit, so wie wir ihn bisher betrachtet haben, zu unterscheiden. Es wird angenommen, dass es selbst bei konstanter Bevölkerung möglich ist, den Be- stand an Humankapital zu erhöhen. Dies geschieht durch Investitionen in Bildung, zum Beispiel durch betriebliche Weiterbildung oder den Besuch von Schulen und Universitäten. Im Ergebnis führt dies zu einer Produktionsfunktion mit konstanten Grenzproduktivitäten der beiden nun akkumulierbaren Faktoren Sach- und Humankapital, ohne dass technologischer Fortschritt eingeführt werden muss. Eine zweite Möglichkeit anhaltendes Wachstum ohne technologischen Fortschritt zu begründen, besteht in der Annahme gesamtwirtschaftlich steigender Skalenerträge auf Grund positiver Externalitäten. Diese Modelle stellen zumeist auch auf die Ka- pitalakkumulation ab, sie berücksichtigen aber, dass mit der Zunahme des Kapital-

stocks auch der Stand des Wissens als durch die Unternehmen nicht internalisier- ter Nebeneffekt steigt. Modelltheoretisch ausgedrückt, der Parameter A aus dem So- low-Modell in (siehe Anhang) wird durch jede Erhöhung des Kapitalstocks ebenfalls erhöht. Der Kapitalstock übernimmt damit die Rolle des exogenen technologi- schen Fortschritts im Solow-Modell. Durch diese Externalität kommt es zu gesamt- wirtschaftlich steigenden Skalenerträgen (dies sehen Sie, wenn Sie den Parameter A im Anhang durch K ersetzen), entscheidend ist, dass so die Tendenz zu fallenden Grenzproduktivitäten verhindert wird. Diese Modelle stellen bereits eine Verbindung zu der im Folgenden erläuterten zweiten Modellklasse her, die den technologischen Fortschritt endogenisiert. Formal wird endogenes Wachstum bei den Modellen mit steigenden Skalenerträgen zwar durch die Akkumulation von Faktoren gesichert, in- haltlich aber ist es der technologische Fortschritt (ausgedrückt durch eine Veränderung des Parameters A), der ein Fallen der Grenzerträge des Kapitals verhindert.

Zweite Modellklasse Diese Modelle gehen im Gegensatz zu den oben vorgestellten Modellen davon aus, dass die Akkumulation von Faktoren kein langfristiges Wachstum bewirken kann, da die Grenzproduktivität fallen wird und so die Akkumulation zum Stillstand kommen muss. Die zweite Modellklasse stellt daher die Endogenisierung des tech- nologischen Fortschritts explizit in den Mittelpunkt. Der technologische Fortschritt wird durch die bewusste Ressourcenverwendung privater Unternehmen in einem Forschungs- und Entwicklungssektor erreicht. Es lassen sich grundsätzlich zwei verschiedene Modellierungen unterscheiden. Einerseits wird der technologische Fortschritt durch die quantitative Produktinnovation, also eine stetig zunehmende Produktvielfalt, abgebildet. Eine zunehmende Zahl der Güter wird als grundlegende Innovation, also als technologischer Fortschritt, interpretiert. [36] Andererseits wird der technologische Fortschritt durch die qualitative Produktinnovation, also die zuneh- mende Produktqualität, ausgedrückt. Diese Qualitätsverbesserungen repräsentieren den ständigen Prozess der Produktaufwertung in einer bestehenden Branche. Diese beiden als komplementär zu betrachtenden Modellierungen beleuchten somit jeweils unterschiedliche Aspekte des technologischen Fortschritts. Gemeinsames Kennzeichen der Modelle der neuen Wachstumstheorie ist also die En- dogenisierung der Wachstumsrate. Dadurch wird es im Gegensatz zu der neoklassi- schen Wachstumstheorie möglich, zum Beispiel durch wirtschaftspolitische Maß- nahmen die Wachstumsrate zu beeinflussen, so dass auch internationale Wachstumsdifferenzen (Wachstumsschwäche) und Unterschiede in den Pro-Kopf- Einkommen (Unterentwicklung) nun theoretisch hergeleitet werden können. Je nach Modellierung bieten sich zur Überwindung einer Wachstumsschwäche somit ver- schiedene wirtschaftspolitische Maßnahmen an, die wir weiter unten noch ansprechen werden.

2.1.3 Stabilitätseffekte

Welche Auswirkungen hat eine EWWU auf die ökonomische Stabilität der Mitgliedsländer, insb. Auf deren Preisstabilität und welche Voraussagen lassen sich wirtschaftstheoretisch un- termauern?

2.1.3.1 Wirkungen auf die Hochinflationsländer

These: Die Hochinflationsländer (HIL) können mit einem Stabilitätsimport aufgrund der WU rechnen.

o Disziplinierungseffekt der Geldbehörde in den HIL durch Abgabe der monetären Autonomie Anpassung der Inflation an die NIL

o

Außerdem implizite Erwartung einer fiskalpolitischen Disziplinierung

o

Abbau der Infl. ohne übermäßige Kosten in Form von AL

o

Ohne WU bleibt ein Reputationsimport beschränkt weil Abwertungs- spekulationen gegen HIL wahrscheinlich sind, sodass mittelfristig relativ hohe Desinflationskosten in Form von AL wahrscheinlich sind

o

Ob ein Reputationsimport einsetzt und wie stark er sein wird, hängt von der Art der WU Einführung (schockartig vs graduell) ab. Schockartige Einführung deutet auf höheren RI hin. Entscheidend ist die Glaubwür- digkeit der WU, die entsprechend als unumkehrbar wahrgenommen wer- den sollte.

o

Bei nur graduellem Übergang wird eine latente Spekulation auf Abwei- chung von festen aber nicht als unumkehrbar wahrgenommenen WK statt- finden, weil ein starker Anreiz zur Nutzung des WK als Schockabsorp- tionsinstrument besteht, denn: Bei nicht hinreichend flexiblen Löhnen und Preisen sowie nicht hinreichend mobilen Arbeitskräften bzw. nicht hinrei- chend zentralisierter Fiskalpolitik sind Wechselkursanpassungen noch im- mer die preiswerteste Alternative.

2.1.3.2 Wirkungen auf die Niedriginflationsländer

These: Befürchtung der Destabilisierung der bislang preisstabilen Länder

Allg. Begründungen

o

Struktureller Unterschied zwischen den Teilnehmerländern

o

WWU-bedingte Wettbewerbsbeschränkungen

2.1.3.2.1 Strukturelle Unterschiede

Bestehen der Gefahren bei Vorliegen eines oder mehrerer struktureller Unterschiede

1. Unterschiede in den Präferenzen über Inflation und AL

2. Unterschiede in Arbeitsmarktsituation

3. Unterschiede der Finanzsysteme (und damit Seignorageabhängigkeit)

2.1.3.2.1.1 Ad 1.: Unterschiede in den Präferenzen über Inflation und AL

Betrachtung zweier Länder, die sowohl Inflation als auch AL versuchen zu ver- meiden. Sie unterscheiden sich nur in ihrer relativen Aversion gegenüber den bei- den Faktoren

Sie haben eine allgemeine Verlustfunktion L(U,π) = aU 2 +b π mit a,b>0

Der Unterschied in der Präferenz für Inflation bzw. AL spiegelt sich in dem Pa- rameterverhältnis a/b

Graphisch kann dies durch die Steil- heit der jeweiligen länderspezifischen Indifferenzkurven, die ein jeweiliges Verlustniveau angeben gezeigt wer- den. Im Graph nimmt Land 1 also ei- ne höhere Inflation in Kauf als Land 2, sodass a/b größer und die Steigung der Indifferenzkurve d π/dU größer:

Inflation in Kauf als Land 2, sodass a/b größer und die Steigung der Indifferenzkurve d π

Nun gehen wir der Einfachheit halber davon aus, dass beide Länder der gleichen Phillips- kurve gegenüberstehen. Diese zeigt den graphischen ZusH zwischen Inflation und AL bei Vorliegen bestimmter struktureller Rahmenbedingungen wie z.B. Arbeitsproduktivität, Ar- beitsmarktinstitutionen, Inflationserwartung. Bei Stabilitätserwartung kann man die Phillips- kurve wiefolgt ausdrücken:

(2) π = f(U N – U) mit f’>0

ausdrücken: (2) π = f(U N – U) mit f’>0 Der Tangentialpunkt zwischen der Phillipskurve und

Der Tangentialpunkt zwischen der Phillipskurve und der Indifferenzkurve gibt den opti- malen Punkt hinsichtlich der Präferenzen an. (eine weniger stabilitätsorientierte ZB wird eine höher liegende PK bewirken weil die WiSu nun grundsätzlich mehr Inflation erwarten. Die natürliche AL liegt dann auch über der bisherigen natürlichen AL, Der Punkt U n kann dabei als natürliche AL betrachtet werden, wenn gilt π e =0) A ist der Punkt für Land 1 (das HIL), B derjenige für Land 2 (das NIL), wobei optimal hier die Kombination mit maximalem Nutzen bzw. minimalem Verlust bezeichnet. Die Wahl des Punktes in dem weder Inflation noch AL herrschen, wird durch die NB Phillipskurve verhindert. Die Punkte A und B geben die Lösung des nachfolgenden Optimierungspro- blems an:

Min L(U;π) u.d.N. π = f(U N – U)

blems an: Min L(U; π ) u.d.N. π = f(U N – U) Die Differenz zwischen

Die Differenz zwischen den angestrebten Inflationsraten der beiden Länder drückt gemäß Kaufkraftparitäten-Bedingung den Anpassungsbedarf hinsichtlich des Wechselkurses der beiden Länder aus:

(3) Δe = π 1 - π 2 Da in einer WU der WK unwiderruflich fest ist, gilt Δe = 0; es kann keine Abweichungen zwischen den Inflationsraten geben. Daher muss es zu einem Anpassungsprozess kommen, in dem ein Land die eigene optimale Kombination aufgibt und die Position des zweiten übernimmt oder beide die optimale Kombination aufgeben und ein subjektiv suboptimales

Ergebnis hinnehmen, sodass die einheitliche Inflation dann zwischen π 1 und π 2 liegt und eine AL zwischen U 1 und U 2 bewirkt.

Das Abweichen von der jeweils optimalen Position sind die Kosten der WU.

Diese Sichtweise dominierte zumindest die VWL der 70er. Allerdings wird heute landläufig davon ausgegangen, dass zwischen einer instabilen kfr. PK, die sich in abh. Der Erwartun- gen nach oben verschiebt und einer stabilen lfr. PK, die senkrecht verläuft unterschieden werden muss.

PK , die senkrecht verläuft unterschieden werden muss. Den vorübergehenden kurzfristigen Rückgang der AL bei

Den vorübergehenden kurzfristigen Rückgang der AL bei höherer Inflation erklärt man ge- meinhin mit einem inflationsbedingten Reallohnrückgang:

W/P, und Y = Y(K,N(W/P)), mit Y N >0 und N’<0 Sodass der Reallohnrückgang die Arbeitsnachfrage steigert und damit auch die Produkti- on. Allerdings setzt ein solcher inflationsbedingter Reallohnrückgang voraus, dass Lohnver- tragsbindungen oder unvollkommene Information auf Seiten der AN vorliegen. Sowohl Informationsunvollkommenheiten als auch Vertragsbindungen werden früher oder später ab- gebaut. Somit werden die Inflationserwartungen der inzwischen realisierten Inflation an- gepasst und gehen damit in die Lohnverträge ein, sodass der Arbeitslosigkeitsrückgang wie- der aufgehoben wird. Die lfr. PK verläuft somit senkrecht. Auch die kfr. PK kann senkrecht verlaufen wenn angenommen wird, dass die WiSu den Anreiz der Geldbehörde zu höherer Überraschungsinflation kennen und eskomptieren. Dadurch entfällt der vorübergehende Reallohnrückgang und der Anreiz zur Mehrproduk- tion seitens der Unternehmen. Es kommt somit auch nicht zu den höheren Kosten der WU für Land 1 mit geringer relativer Inflationsaversion (also größerem a/b). Wenn es also nicht geling, die Inflation des Landes 1 sofort nach Beitritt zur WU auf das Niveau von Land 2 zu drücken, wird nur Land 2 die Kosten der WU tragen müssen, da beide Länder die aufgrund gleicher PK für beide identische NAIRU U N realisieren können. Die neuen GG Inflationsraten der beiden Länder nach einer WU und die Inflation der WU selbst, können durch Parallelverschiebung der Phillips- und Indifferenzkurven erreicht werden:

Die kurzfristige PK verschiebt sich mit den Inflationserwartungen nach oben gem. der Formel:

(2a) π = f(U N -U)+π e Solange der Berührungspunkt links von der lfr. PK liegt, erhöhen sich die Inflationserwartun- gen, da die AL, die dann unter U N liegt nur auf unvollkommener Information beruhen kann.

Es kommt somit auch hier zur Anpassung der Inflationserwartungen und deren Einbezie- hung in die Lohnkontrakte. Somit erhöht sich die AL aber auch das Preisniveau (Firmen setzen Preise durch Kostenaufschlag). Vor der WU realisieren also 1 und 2 im GG jeweils A*>A und B*>B an Inflation. Durch die WU-Einführung bildet sich ein gewichteter Durchschnitt der Infl. Raten zwischen A* und B* z.B. M. Wenn M A hat das Land 1 also keine Inflationskosten zu tragen. Nur 2 trägt die Kosten der Anpassung. Ist Land 1 zudem im Vergleich zu Land 2 ök. (sehr) klein, nähert sich M an B* an, so- dass die WU Land 1 quasi kostenlos eine Inflationsreduktion verschafft.

1 quasi kostenlos eine Inflationsreduktion verschafft. Bei Verzicht auf das Instrument des WK erleidet Land 1

Bei Verzicht auf das Instrument des WK erleidet Land 1 (höhere Inflationszielra- te) einen Wettbewerbsverlust. Außer- halb einer WU könnte es gemäß KKPT die Währung abwerten. Der Wettbe- werbsverlust impliziert einen relativen Rückgang des Lebensstandards. Ein sol- ches Gefälle an Lebensstandard inner- halb der WU müsste normalerweise durch Finanztransfers von Land 2 nach Land 1 finanziert werden, wenn es nicht als hinnehmbar angesehen wird.

Die Nachteile aus der WU, die Land 2 erleidet, sind unter der Annahme gleicher Strukturparameter bis auf relative AL-Infl. Prä- ferenz abgeleitet worden. Die Zulassung weiterer struktureller Unterschiede kann zu einem veränderten Bild führen. Hat bspw. Bei ansonsten gleichen Bedingungen Land 1 einen höhe- ren Arbeitsproduktivitätszuwachs q als Land 2, so muss es nicht zu den beschriebenen In- flationskosten für Land 2 und AL Kosten für Land 1 kommen. Das resultiert aus der Tatsache, dass sich die GG-Inflationsraten trotz unterschiedlicher Präferenzen nicht unterscheiden müssen, da gemäß Preisaufschlagstheorie gilt, dass die Inflationsrate π der Differenz aus der Lohnzuwachsrate w und der Arbeitsproduktivitätszuwachsrate q ist. π = w – q für beide Länder mit q=const., exog. Dabei wird davon ausgegangen, dass die Verteilungsgruppen ihre Anteile verteidigen kön- nen wobei eine konstante Lohnquote vorherrscht:

WN/PY = Geldlohn*Arbeitsstunden/Preisniveau*reales VE Bei einer auf 1 normierten Lohnquote gilt: P = W/(Y/N). Durch Wachstumsratenbildung dann:

π = w – q. Ein unterschiedliches q bedeutet grafisch, dass der Ursprung im Phillipskurven- diagramm für das Land mit der höheren Arbeitsproduktivitätszuwachsrate q höher liegt als für das Land mit geringerem Produktivitätszuwachs. Entspricht also der Abstand A* - B* genau dem Produktivitätszuwachsraten-Unterschied

q 1 -q 2 so müssen die Präferenzunterschiede nicht zu unterschiedlichen GG-Inflationsraten

führen. C.p. gilt nämlich wenn q 1 >q 2 dann kann w 1 >w 2 ohne dass sich die Inflationsraten unterschei- den: π 1 - π 2 = (w 1 +w 2 ) – (q 1 -q 2 )

Die inflationssenkende Wirkung einer höheren Arbeitsproduktivitätszuwachsrate gleicht gerade die Differenz zwischen den Präferenzen aus.

2.1.3.2.1.2 Ad 2.: Unterschiede in den Arbeitsmarktsituationen

Auch hier soll die Ausgangsbasis eine Situation sein, die für beide Länder iden- tisch ist

Einziger Unterschied sind hier die Arbeitsmarktsituationen z.B. charakterisiert durch den Grad an Zentralisierung der Lohnverhandlungen

Dieser Unterschied führt zu unterschiedlichen Lohn- und Preisreaktionen auf auf- tretende Preisschocks.

Zudem resultiert ein Unterschied in der Annäherung an eine differenzierte, produktivitätsorientierte Lohnpolitik, die eine notwendige Stabilisierungsbe- dingung einer WU darstellt.

Angenommen, Land 1 hat einen höheren Grad an Zentralisierung der Lohnver- handlungen

Somit haben die Arbeitnehmer in Land 1 eine höhere Marktmacht.

Die Folge sind höhere Lohnsteigerungsraten bei gleichen Umweltbedingungen bzw. eine geringere Zurückhaltung bei Löhnen nach negativen Angebotsschocks.

Somit würde Land 1 länger brauchen, um mit Schocks fertig zu werden als Land 2, da der Wechselkurs in einer WU nicht als Anpassungsinstrument zur Verfügung steht. In sofern sind die Kosten der WU für Land 1 dann höher als Land 2, was allerdings nur kurz bis mittelfristig gilt.

M.a.W. hängen die Kosten der Währungsunion vom Ausmaß der Lohn- und Preisrigidität ab.

Denn: Nach monetaristischer Auffassung haben nominelle WK-Änderungen nur vorübergehende Effekte auf die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes. Weder nominelle WK-Änderungen noch FiPo Maßnahmen lösen lfr. Das Problem das aus asymmetrischen Nachfrageschocks oder Angebotsschocks resultiert. Die dahinter Stehende Philosophie geht davon aus, dass strukturelle Probleme (Unterschiede) nur durch strukturelle und nicht nominelle Maßnahmen angeglichen werden können. So verhindert bspw. Eine nominelle Abwertung lediglich rezessive Ef- fekte im Übergangsprozess auf Kosten von Inflation und das auch nur bei Vor- liegen von asymmetrischer Information bzw. Lohn- und Preisrigiditäten. Au- ßerdem vermeidet Ausgabenreduktion Inflation auf Kosten rezessiver Effekte im Übergangsprozess. Entsprechend löst eine nominelle Abwertung auch nicht die realen Folgen eines negativen Angebotsschocks. Sie hilft lediglich dabei, die reale Zahlungsbilanzsituation zu verbessern. In jedem Fall haben nominelle Politiken bei flexiblen Löhnen und Preisen keine Effekte.

Auch die Abarbeitung asymmetrischer Nachfrageschocks würde dann in Land 1 länger dauern.

Allerdings wird argumentiert, dass eine WU noch stärker von intra-industriellem Handel geprägt sein wird, sodass die Häufigkeit und Intensität von asymmetri- schen Schocks in einer WU geringer sein wird.

Als Gegenargument kann man anführen, dass eine Handelsintegration (die sich ja aus Skalenerträgen ableitet) zu einer regionalen Konzentration (Polarisierung) führt, sodass sektorspezifische Schocks wieder regionen- bzw. länderspezifische Schocks werden können. In jedem Fall würden in Land 1 Wettbewerbsnachteile die Folge sein, was relativ stärkere Strukturprobleme als in Land 2 zur Folge hätte.

Bei nicht ausreichender fiskalpolitischer Zentralisierung und Arbeitsmobilität könnten diese Entwicklungen nur über anhaltende diskretionäre Finanztrans- fers zwischen Land 1 und 2 aufgefangen werden.

Somit müssten „sich vernünftig verhaltende“ Länder anderen „unvernünftigen“ Ländern Finanztransfers gewähren.

BRD als Beispiel? Zentralisierung der FiPo gegeben, Arbeitsmobilität gegeben, WU gege- ben aber: nachhaltig keine Überwindung der Unterschiede.

Der politische Widerstand in Land 2 ist vorprogrammiert, könnte aber durch die Politik verschleiert werden, indem die Transfers mittels Inflation finanziert werden

Die Inflationssteuer wird aber nur dann genutzt, wenn die ZB das Spiel mit- macht und die Gewinne aus der Seignorage an das Land 2 abtritt.

Dies dürfte allerdings insb. Im Fall der EWWU nicht gelingen, sodass die Legiti- mationsprobleme der Transferleistungen virulent werden dürften.

Probleme dieser Argumentationslinie:

o

Kann eine WU nicht das Verhalten der Gewerkschaften so verändern, dass das Strukturproblem nicht virulent wird? s. 3.1.2.3

o

Betrachtung des WK als Allheilmittel?!

Weiterer Strukturaspekt: Ein höherer Zentralisierungsgrad bei der Lohnver- handlung kann über die obigen Strukturprobleme zugleich eine höhere NAIRU bedingen, bei der sich tendenziell auch eine höhere Gleichgewichtsinflationsrate einstellt (s. Gleichung (2a)):

Gleichgewichtsinflationsrate einstellt (s. Gleichung (2a)): Die Gleichgewichtsinflationsrate wird sich in Land 1 auf A**

Die Gleichgewichtsinflationsrate wird sich in Land 1 auf A** erhöhen. Andauernde Struktur- probleme können dazu führen, dass die SockelAL und Sockelinflation noch weiter steigt. Dies ist insbesondere durch Hysteresis-Effekte zu erklären, die implizieren, dass LangzeitAL ihre Qualifikation für die sich verändernden Job-Profile verlieren. Sie sind dann ohne strukturelle Maßnahmen, wie z.B. Umschulungen nicht mehr vermittelbar. Man wird aber versuchen, durch sich aufschaukelnde Inflation die ursprüngliche Sockel-AL zu halten. Dies kann als Hauptursache der hohen Infl. in den strukturschwachen Ländern betrachtet werden. Diese Hypothese beinhaltet allerdings eine gewisse Irrationalität bzw. Koordinationspro- bleme weil den rationalen Politikern und WiSu ja bewusst sein müsste, dass eine Al unter der NAIRU nur durch akzelererierende Inflation erreichbar ist. Somit (bei Irrationalität) kann selbst bei gleichen Indifferenzkurven in strukturschwachen Ländern selbst dann eine höhere und sich aufschaukelnde Inflation auftreten, sodass diese Länder in einer WU Druck in Rich- tung einer höheren Inflation ausüben werden.

2.1.3.2.1.3 Unterschiede in den Finanzsystemen

Herleitung von Inflationsdruck in einer WU: Unterschiedliche Abhängigkeit von Seignorage-Finanzierung

Theorie optimaler öffentlicher Finanzierung betont: Abhängig von der unter- schiedlichen Effizienz der Finanzsysteme einzelner Länder lassen sich diesen unterschiedliche Inflationsraten zuordnen

Regierungen wählen die Finanzierungsquellen so, dass deren Grenzkosten der Einnahmenerhebung um 1 Einheit ausgeglichen sind. In Ländern mit relativ un- terentwickelten Steuersystemen sind bspw. Die Kosten der Steuereinnahmenerhö- hung um 1 GE höher. Somit besitzen diese Länder auch eine höhere optimale In- flationsrate als höher entwickelte Länder

Eine WU zwingt diese Länder dann eine geringere Inflationsrate zu realisieren als eigentlich gewünscht, da in einer WU ein endogener Druck zum Ausgleich der Inflationsraten herrscht.

Die Abweichung von der individuell optimalen Inflation jedoch führt zu einer hö- heren als der optimalen AL. Die zusätzlichen sozialen Verluste hieraus können von dem betroffenen Land als Kosten der WU eingestuft werden.

Solange sich die finanzstrukturschwachen Länder nicht den stärkeren Ländern an- geglichen haben, besteht für sie ein permanenter Anreiz zur Inflationierung.

Solche Annäherungsversuche an die individuell optimale Situation geschehen zu- meist über politischen Druck bzw. Lobbytätigkeit. Ob dies gelingt hängt von den individuellen Restriktionen der Politik ab.

2.1.3.2.1.4 Schlussfolgerung

Bei vorliegen von Strukturunterschieden ist in einer WU mit stetigen internatio- nalen Finanztransfers zu rechnen, zumindest solange Preisinflexibilitäten bzw. Arbeitsimmobilitäten herrschen.

Dies dürfte politische Widerstände in den jeweiligen Zahler-Ländern zur Folge haben.

Um dem entgegenzuwirken und zugleich die Legitimationsprobleme der EWWU einzudämmen besteht für die Politiker der Anreiz, die Transferzahlungen über Inflation zu finanzieren.

Gelingt dies, wälzen die leistungsfähigsten Länder zumindest teilweise die Trans- fers via Geldmengenfinanzierung auf die übrigen Länder ab.

Eine andere Alternative wäre die Finanzierung über EU- Schuldverschreibungen, was aber die Zinsen hochtreiben und crowding-out ver- ursachen würde. Dies würde einen Druck zur Wiederherstellung des niedrigen Zinsniveaus herbeiführen, was wiederum denselben Effekt hätte, wie direkte Sei- gnorage-Finanzierung, sodass die bislang NIF Länder bestrebt wären sich mit den HIF zusammenzuschließen, um die Umverteilung über Inflation einzudäm- men.

Beides setzt aber voraus, dass die EZB einknickt“ also nicht konsequent die an- gekündigte Preisniveaustabilisierung betreibt. Es ist zu bedenken, dass egal wie unabhängig eine ZB auf dem Papier ist, es nicht zu erwarten ist, dass sie auf Dauer Preisstabilität gegen den Widerstand lohn- und fiskalpolitischer Akteure garantie- ren kann.

2.1.3.2.2 Wettbewerbsbeschränkungen

Stabilitätsgefahren entstehen für die NIF auch wenn WU-bedingte Wettbewerbsbeschrän- kungen wirksam werden wegen (4) Politikkoordination (5) Absprachen der Zentralbankbetreiber (6) eines erhöhten Seignorage-Anreizes

2.1.3.2.2.1 Ad 4.: Politikkoordination

Voraussetzung für Einführung einer WU ist zunehmende Politikkoordination zwischen den Teilnehmerländern

Dies erzeugt aber den Anreiz zu expansiverem Geldmengenwachstum, denn

o

Jedes Land, das außerhalb einer WU unkoordiniert expansive Geldpoli- tik betreibt ist von einer realen Abwertung der Währung und damit im- portierter Inflation bedroht.

o

Jedes Land, das außerhalb einer WU unkoordiniert expansive Fiskalpoli- tik betreibt ist von Zinserhöhungen, Aufwertungen und crowding-out be- droht

o

Beide Handlungsschranken entfallen, wenn expansive Politiken im inter- nationalen Gleichschritt betrieben werden (BSP.: Exp. Fipo allein = Y↑ → i↑ → NK&IM ↑ → Devisenm. In Abh. Von KapMob, hohe KapMob ist kontraktiv da aufwertend und auch noch wahrscheinlicher, crowding out höher da Zins und Wechselkurseffekt; Exp. Fipo 2/2 Ländern gleich

=

Y&Y* ↑ → i&i* ↑ → IM&IM*,

NK=NK*=const.