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Auch wer eine Altbauwohnung anmietet, kann erwarten, dass die elektrische Anlage den gleichzeitigen

Gebrauch der heute üblichen Haushaltsgeräte ermöglicht. Der Vermieter muss für die hierzu
erforderlichen Verbesserungen sorgen (VIII ZR 281/03, Urteil vom 26.7.2004; VIII ZR 343/08, Urteil vom
10.2.2010).

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Mindeststandard Altbauwohnung: Ausreichende Stromversorgung in Mietwohnung muss gewährleistet


sein

BGH zum Mindeststandard der elektrischen Anlage

Vermieter von Altbauten müssen die Stromleitungen so auslegen, dass die üblichen Hausgeräte parallel
eingeschaltet werden können, ohne dass ständig die Sicherung herausspringt. Dies hat der
Bundesgerichtshof entschieden.

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Tipps zur Mietminderung".

Im zugrunde liegenden Fall war die elektrische Anlage in einer Wohnung älteren Baujahrs so ausgelegt,
dass ein Kurzschluss verursacht wurde, sobald in der Küche zwei Haushaltsgeräte gleichzeitig betrieben
wurden. Zudem gab es im Bad keine einzige Steckdose. Die Anlage würde nicht den einschlägigen DIN-
Vorschriften entsprechen, meinte der Mieter. Er verlangte daher die Instandsetzung der Elektroanlage.
Der Bundesgerichtshof gab dem Mieter nur teilweise Recht.

Mietvertrag sah keinen bestimmten Standard vor

Die Richter stellten zunächst fest, dass Mieter und Vermieter nicht vertraglich festgelegt hätten, dass die
Elektroanlage der angemieteten Wohnung einem bestimmten Standard, etwa dem zur Zeit des
Vertragsschlusses geltenden Stand der Technik und den dafür maßgeblichen DIN-Vorschriften, genügen
sollte.

Vermieter schuldet übliche Ausstattung der Räumlichkeiten


Mangels einer ausdrücklichen vertraglichen Vereinbarung werde der zum vertragsgemäßen Gebrauch
geeignete Zustand im Sinne des § 535 Abs. 1 Satz 2 BGB durch den vereinbarten Nutzungszweck
bestimmt. Der Mieter einer Wohnung könne nach der allgemeinen Verkehrsanschauung erwarten, dass
die von ihm angemieteten Räume einen Wohnstandard aufwiesen, der der üblichen Ausstattung
vergleichbarer Wohnungen entspreche. Hierbei seien insbesondere das Alter, die Ausstattung und die
Art des Gebäudes, aber auch die Höhe des Mietzinses und eine eventuelle Ortssitte zu berücksichtigen.
Nicht alles, was bei Neubauten und im modernen Wohnungsbau zwischenzeitlich üblich geworden sei,
könne auch bei Altbauten als üblich angesehen oder zum Maßstab gemacht werden.

Kein Anspruch auf Instandsetzung der elektrischen Anlage

Ein Anspruch der Kläger auf Instandsetzung der gesamten elektrischen Anlage bestehe daher nicht.

Mindeststandard ist geschuldet

Der zum vertragsgemäßen Gebrauch geeignete Zustand der Wohnung, der mangels konkreter
vertraglicher Vereinbarungen nach der Verkehrsanschauung zu bestimmen sei, müsse aber auch bei der
Anmietung einer unrenovierten Wohnung in einem Altbau einem Mindeststandard genügen, der ein
zeitgemäßes Wohnen ermögliche und alle mit der Haushaltsführung üblicherweise verbundenen
Tätigkeiten unter Einsatz technischer Hilfsmittel erlaube . Hierzu gehöre die Bereitstellung einer
Stromversorgung, die einen Betrieb der gewöhnlichen Haushaltsgeräte ermögliche.

Steckdose im Bad muss installiert werden

Zu einer zeitgemäßen Wohnnutzung gehöre außerdem, dass das Badezimmer über eine
Stromversorgung verfüge, die nicht nur eine Beleuchtung, sondern auch den Betrieb von kleineren
elektrischen Geräten über eine Steckdose ermögliche.

Kenntnis der Mängel bei Vertragsschluss irrelevant

Die Tatsache, dass der Mieter die Mängel bei Vertragsabschluss gekannt habe, ändere nichts. Nur wenn
sich der Mieter ausdrücklich mit den vorhandenen Zuständen einverstanden erkläre, sei ein Anspruch
auf Mängelbeseitigung ausgeschlossen. Eine solche Erklärung liege aber hier nicht vor.

Eine etwaige Kenntnis der Kläger von den genannten Unzulänglichkeiten bei Vertragsschluss stünde
gemäß § 536 b BGB allenfalls Gewährleistungsansprüchen entgegen, nicht aber dem von ihnen geltend
gemachten Erfüllungsanspruch aus § 535 Abs. 1 Satz 2 BGB.