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LEADER in Deutschland

Stark in der Krise!


IMPRESSUM

Herausgeber

Bundesarbeitsgemeinschaft der
LEADER-Aktionsgruppen
in Deutschland (BAG LAG) e. V.

Kurze Geismarstraße 33
37073 Göttingen

www.baglag.de

November 2020

Bearbeitung

Amtshof Eicklingen Planungsgesllschaft mbH & Co. KG


Gudrun Viehweg & Laura-Charline Bulat - LAG Aller-Fuhse-Aue

Landkreis Göttingen
Anja Kreye - LAG Region Osterode am Harz

Titelfoto: Bildquellen im Innenteil


DAS POTENZIAL
VON LEADER
Die Bundesarbeitsgemeinschaft der LEADER-
Aktionsgruppen (BAG LAG e.V.) vertritt die
in den ländlichen Räumen nahezu flächen­

Hartmut Berndt / Quelle privat


deckend vorhandenen LEADER-Aktionsgrup-
pen. Sie sieht sich als sektorunabhängige
Stimme der Akteure der ländlichen Räume in
Deutschland. In den Lokalen Aktionsgruppen
bildet sich die große Vielfalt der Akteure ab,
die ein unschätzbares Potenzial für die zu-
künftige Entwicklung bieten.

Die europäische LEADER-Förderung im Rah-


men des Landwirtschaftsfonds für die länd­
liche Entwicklung (ELER) hat sich in Deutsch- prinzip“. Die LEADER-Aktionsgruppen haben
land in den vergangenen 25 Jahren zu einem in den vergangenen Monaten dazu beigetra-
wichtigen Motor in fast allen ländlichen Räu- gen, die Auswirkungen in den ländlichen Räu-
men entwickelt. Die Idee, die lokalen Akteure men zu mindern und arbeiten auch weiterhin
von Beginn an in die Umsetzung einzubezie- entschieden an diesem übergeordneten Ziel.
hen, ist zu einer Erfolgsgeschichte geworden, Einige Anpassungen der Rahmenbedingun-
die die Regionen resilienter gemacht haben. gen sind allerdings wünschenswert, um die
Seit kurzem ergänzt die Bundesregierung Handhabbarkeit und Akzeptanz dieses För-
den LEADER-Förderansatz mit dem Regio- deransatzes weiter zu verbessern. Eine Um-
nalbudget aus der Gemeinschaftsaufgabe frage unter allen Lokalen Aktionsgruppen in
Agrarstruktur und Küstenschutz (GAK) und die Deutschland zu Beginn der Pandemie hat dies
erste Resonanz aus den Regionen ist überaus gezeigt.
positiv.
Wir sind überzeugt, dass der LEADER-Ansatz
Die COVID-19-Pandemie hat Stadt und Land und das Regionalbudget als passgenaue
vor große Herausforderungen gestellt und Instrumente zur Förderung von vielfälti-
tut dies weiterhin. Sie hat aber auch gezeigt, gen, schnell wirksamen Vorhaben in den
wie wichtig und wertvoll regionale Ansätze ländlichen Räumen hervorragend in der
vor Ort sind, um außergewöhnlichen Krisensi­ augenblick­lichen Pandemie-Situation zum
tuationen begegnen zu können. Der „Bottom- Einsatz gebracht werden können und die
up“-Ansatz eignet sich in besonderer Weise Projektförderung einen äußerst wichtigen
zur zielgenauen Förderung, berücksichtigt Beitrag zum Wiederaufbau leisten kann.
die spezifischen regionalen Gegebenheiten Daher plädieren wir dafür, den ELER und
und vermeidet ein ineffizientes „Gießkannen- LEADER entsprechend in der Mittelausstat-

3
tung und Programm­planung zu berücksichti- che positiven Effekte durch das Wirken der
gen und bitten alle Entscheidungsträger, dies Lokalen Aktionsgruppen erzielt wurden. Die-
zu unterstützen und sich dafür im gesamten se Projekte stehen beispielhaft für tausende,
Gesetzgebungs- und Entscheidungsprozess die in den letzten Jahren in der Bundesrepu-
einzusetzen. Die LEADER-Förderung sollte ei- blik umgesetzt wurden. Jeder Euro, der in die
nen Schwerpunkt bei der Umsetzung der für Förderprogramme LEADER und Regionalbud-
die Bewältigung der Krise im ELER zur Verfü- get fließt, kann dazu beitragen, viele weitere
gung gestellten Mittel bilden, um die Heraus- dieser kreativen Ideen Wirklichkeit werden
forderungen in den ländlichen Räumen nach- zu lassen und leistet einen guten und wichti-
haltig bewältigen zu können. gen Beitrag für starke, lebhafte und resiliente
ländliche Regionen!
In der vorliegenden Broschüre haben wir
beispielhaft einige Vorhaben zusammen- Hartmut Berndt
getragen, die eindrucksvoll darstellen, wel- für den Vorstand der BAG LAG e.V.

BUNDESARBEITSGEMEINSCHAFT DER
LEADER-AKTIONSGRUPPEN IN DEUTSCHLAND

In der Bundesarbeitsgemeinschaft der LEADER-Aktionsgruppen (BAG LAG e.V.) sind der-


zeit bundesweit über 160 LEADER-Regionen organisiert. Die Arbeitsgemeinschaft besteht
seit 2009 und bündelt die gemeinsamen Standpunkte der lokalen Gruppen, zunächst als
loser Zusammenschluss, seit 2016 als Verein. Sie bringt sich in die Diskussionsprozesse auf
allen Ebenen ein und vertritt die Interessen ländlicher Räume und ihrer Bewohner*innen in
Berlin und Brüssel. Die BAG LAG versteht sich nicht ausschließlich als Interessenvertretung
der LEADER-Regionen, sondern aller ländlicher Regionen und deren Akteure in Deutsch-
land. Die BAG LAG ist Mitglied der European LEADER Association for Rural Development
(ELARD) und hat derzeit deren Vizepräsidentschaft inne.

Die BAG LAG gibt den Bürgern und Akteuren des ländlichen Raums eine Stimme. Über die
LEADER-Aktionsgruppen, die sich durch ihre Vielfalt auszeichnen, werden die täglichen
Probleme und Herausforderungen der ländlichen Bevölkerung an die BAG LAG herange-
tragen. Sie ist die einzige bundesweite Interessensvertretung der ländlichen Bevölkerung
mit all ihren Facetten und nimmt diese Aufgabe in vielen verschiedenen Gremien wahr,
ohne dabei eine bestimmte Berufs- oder Bevölkerungsgruppe hervorzuheben.

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INHALT
Baden-Württemberg: Kraichgau - Calisthenics-Anlagen 6

Bayern: 365 Tage – 24 Stunden – 100% regional - Prientaler Bergbauernladen 8

Brandenburg: Ländlicher Tourismus - Ferienscheune Kümmernitztal 10

Hessen: Marketingplattform - Land.schnuppern 12

Mecklenburg-Vorpommern: Wiederbelebung der Dorfmitte - Dorfladen Bernitt 14

Niedersachsen: Themenmagazin Einkaufstipps - LandLeute 16

Niedersachsen: Kooperationsprojekt - Unser Dorf fährt elektrisch 18

Nordrhein-Westfalen: Rhede - Schaufenster der Wirtschaft 20

Rheinland-Pfalz: Moderne Dienstleistung - Tele.Hebamme 22

Saarland: Global denken - lokal handeln - Essbare Biosphärenstadt 24

Sachsen: Co-Working in ländlichen Räumen - CoLabora  26

Sachsen-Anhalt: Pollands Hof Rohrsheim - Die Fallstein Destillerie 28

Schleswig-Holstein: Innovativer Klimaschutz - Bau einer Karbonisierunsanlage 30

Thüringen: Selber machen! - Streuobst als Alltagskultur 32

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BADEN-WÜRTTEMBERG

Fotos: LAG Kraichgau


KRAICHGAU
CALISTHENICS-ANLAGEN

Ein Entwicklungsziel der LEADER-Region effektiv. Die Anlagen erinnern etwas an Spiel-
Kraichgau ist der Fokus auf Jugendliche plätze aus Metallstangen, mögliche Übungen
in der Region. Um der Abwanderung von werden auf Tafeln jeweils für Anfänger und
jungen Erwachsenen entgegen zu wirken, Fortgeschrittene erklärt.
sollen die Freizeitangebote für diese Ziel-
gruppe ausgebaut werden. In Großstädten gibt es solche Anlagen bereits
seit einigen Jahren, im ländlichen Raum nur
Jugendliche im Kraichgau hatten sich auf ei- sehr spärlich. In einem vom Regionalmanage-
nem Jugendforum im Rahmen des LEADER- ment gesteuerten Prozess wurde der Wunsch
Beteiligungsprozesses Calisthenics-Anlagen der Jugendlichen aufgenommen und ge-
gewünscht. Calisthenics ist eine Outdoor- meinsam mit fünf kleinen Kommunen mit ei-
Sportart mit einem kleinen Sportpark, in ner Einwohnerzahl zwischen 1.600 und 5.000
denen Menschen fernab von Fitnessstudios Menschen ein Netz an Anlagen in der Re­gion
jederzeit und kostenlos aktiv werden können. aufgebaut.
Üblicherweise stehen diese Anlagen im Dorf-
kern und nicht wie z.B. Trimm-Dich-Pfade am Die Gemeinden haben dabei nochmals einen
Ortsrand. An den Recks, Sprossenwänden, eigenen Beteiligungsprozess gesteuert und
Barren und Klimmzugstangen kann nur mit Ei- am Ort gemeinsam mit den Bürger*innen,
gengewicht trainiert werden, das jedoch sehr Sportvereinen, Schulen und Jugendlichen

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den besten Standort gesucht. Die Anlagen in
Angelbachtal, Ittlingen, Sulzfeld und Zaisen-
hausen sowie im Eppinger Stadtteil Elsenz
unterscheiden sich je nach Ort. So wurde an
Schulen ein Bewegungsparcours integriert, in
der Ortsmitte Geräte für Senioren aufgenom-
men oder an einem See der Sportaspekt in
den Vordergrund gestellt.

Die Anlagen bieten der Bevölkerung nun ein


kostenloses Bewegungsangebot in der Nach-
barschaft. Auch eine lose Facebook- und
Trainingsgruppe an aktiven Sportlern hat sich
gegründet, die Neulingen beim Einstieg hilft.
Ein Angebot, das gerade während Corona
und der Schließung von Fitnessstudios wich-
tig wurde und sehr gut angenommen wird.

AUF EINEN BLICK


Projektname Effekte
Calisthenics-Anlagen im Kraichgau „„Freizeitangebot für Jugendliche und
junge Erwachsene ausbauen
Projektträger
„„niederschwellige Bewegungsangebote für
Gemeinden Angelbachtal, Ittlingen, Sulzfeld und die Bevölkerung stärken
Zaisenhausen sowie Stadt Eppingen
„„Kooperationen zwischen Schulen, Turn-
Lokale Aktionsgruppe vereinen und Bevölkerung unterstützen

Kraichgau e.V. „„Reaktivierung von Brachflächen in den


Ortschaften
LEADER-Förderung
118.177 Euro

7
BAYERN

365 TAGE – 24 STUNDEN – 100 % REGIONAL


PRIENTALER BERGBAUERNLADEN

Landwirtschaftliche Produkte in Hand- Der „Prientaler Bergbauernladen“ hat sich


arbeit zu erzeugen und diese selbst seit seiner Eröffnung im Sommer 1999
re­gional zu vermarkten, das ist die Idee, zum Erfolgsmodell entwickelt. Bereits vor
die hinter dem „Prientaler Bergbauern- zwei Jahrzehnten hatten regionale Betrie-
laden“ steht. Liebe und Leidenschaft für be – meist Bergbauern aus dem Umland
regionale Produkte sowie enge Koopera- von Prien – die innovative Idee, einen tra-
tion mit der heimischen Landwirtschaft – ditionellen Bauernmarkt in der Gemeinde
dafür steht der schmucke Laden mit gro- Aschau zu eröffnen.
ßer Verkaufsfläche unter freiem Himmel
und dem Charme eines traditionellen Der ehemalige Bahnhofskiosk der Gemein-
Bauernmarktes. Seine Kunden hatten nur de Aschau ist ein Magnet für Einhei­mische
ein Problem: Der Laden öffnet nur einmal und Gäste. Die Produktpalette reicht von
in der Woche – immer freitags. Doch hier Eiern und Nudeln über Brot, Fleisch, Käse,
hatten die Betreiber eine LEADER-geför- Gewürze, Marmeladen und Schnaps sowie
derte Idee – die „Regio Box“. saisonfrisches Gemüse bis zu Holzhand-

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werk und Accessoires. Rund 80 % der Wa-
ren entstammen aus heimischem, biolo­
gischem Anbau.

Wie für klassische Bauernmärkte üblich,


öffnet der Bauernmarkt nur einmal wö-
chentlich. Um der konstant hohen Nachfra-
ge von Einheimischen und Gästen gerecht
zu werden, musste eine Lösung gefunden
werden.

Mit Hilfe der LEADER-Förderung waren die


Bergbauern in der Lage, einen Verkaufsau-
tomaten anzuschaffen. Dieser ermöglicht
ihnen, das Serviceangebot auf die Wo-
che zu vergrößern, neue Kundengruppen
zu erschließen und der Nachfrage nach
weiteren Öffnungszeiten, die neben dem
aufwendigen Tagesgeschäft nicht leistbar
sind, nachzukommen.

Fotos: Sabine Ostenried

AUF EINEN BLICK


Projektname Effekte
365 Tage – 24 Stunden – 100% regional „„Verbesserung der Vermarktung alm- und
landwirtschaftlicher Produkte und des
Prientaler Bergbauernladen
regionalen Angebotes
Projektträger „„Arbeitsentlastung durch Innovation
Der Prientaler Bergbauernladen GbR
„„Sicherung der bäuerlichen Familienbetrie-
Lokale Aktionsgruppe be und Erhalt regionaler Wirtschafts- und
Landschaftsstrukturen
Chiemgauer Alpen
„„Förderung einer ökologisch orientierten
LEADER-Förderung Landwirtschaft
6.488 Euro „„Steigerung der regionalen Wertschöpfung
durch Verbesserung des aktuellen Service-
Angebotes für die lokale Bevölkerung,
Wochenend-Besucher und Gäste

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BRANDENBURG

Fotos: Smolka-Gunsam / LAG Storchenland Prignitz (rechts)


LÄNDLICHER TOURISMUS
FERIENSCHEUNE KÜMMERNITZTAL

Im äußersten Nordwesten Brandenburgs ein 100-jähriges Stallgebäude befindet. Eine


liegt die Prignitz, eine ländlich geprägte LEADER-Förderung ermöglichte den Ausbau
Region mit einer vielseitigen Natur- und des alten Gemäuers zur Ferienscheune Küm-
alten Kulturlandschaft und ursprünglichen mernitztal. 2017 starteten die Bauarbeiten,
Dörfern. Tourismus ist hier ein wichtiger 2018 konnte die Eröffnung gefeiert werden.
Wirtschaftszweig, der sich zunehmender
Nachfrage erfreut. Besonders in den letz- In der Ferienscheune sind vier Zimmer mit
ten Jahren sind qualitativ hochwertige An- insgesamt acht Betten entstanden, die mit
gebote entstanden, die dazu beitragen. viel Liebe zum Detail gestaltet wurden und
Gästen eine Auszeit vom hektischen Alltag
Ein sehr gelungenes Beispiel ist die Ferien- bieten. Entspannen können sich Urlauber z.B.
scheune Kümmernitztal. Sie liegt im Ort Gra- vor dem Kamin, in der Bibliothek, am großen
bow in der Gemeinde Kümmernitztal, einem Naturpool, in den verschiedenen „Gartenzim-
idyllischen alten Rundlingsdorf auf halber mern“, bei Kneippschen Anwendungen oder
Strecke zwischen Hamburg und Berlin. im Wellnessbereich mit Whirlpool. Es besteht
auch die Möglichkeit, Coachings im Bereich
Hier haben die Besitzer im Jahr 2011 ein Burnoutprophylaxe wahrzunehmen.
Grundstück erworben, auf dem sich auch

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Alternativ zum Bed & Breakfast wird die ge-
samte Ferienscheune als Ferienhaus an Grup-
pen bis acht Personen vermietet, dies wird
gerne von Mehrgenerationenfamilien oder
Freundesgruppen in Anspruch genommen.
Auch auf Fahrradtouristen ist man eingestellt.
In dem fahrradfreundlichen Betrieb sind Bu-
chungen für eine Nacht möglich, es gibt ei-
nen abschließbaren Fahrradschuppen und
Reparaturmaterialien. In der Region, die als
Radlerparadies gilt, wird das gut nachgefragt.

Neben Ferienaufenthalten besteht auch die


Möglichkeit, an regelmäßig stattfindenden
Brunchs, Cocktailpartys, kulinarischen The-
menabenden, Bierbraukursen, KNEIPP-Semi-
naren und verschiedenen Workshops teilzu-
nehmen oder die Ferienscheune für private
und geschäftliche Feiern zu nutzen.

Zusätzlich zur touristischen Nutzung konn-


ten im Gebäude auch ein Gewerbe neu
angesiedelt und mehrere Arbeitsplätze ge-
schaffen werden.

AUF EINEN BLICK


Projektname Effekte
Um- und Ausbau eines Stallgebäudes und „„Stärkung qualitativ hochwertiger
Angebote des Landtourismus
Gestaltung der Außenanlagen
„„Schaffung von Arbeitsplätzen
Projektträgerin
„„Schaffung vielfältiger, touristischer
Sabine Smolka-Gunsam
Angebote
Lokale Aktionsgruppe „„Umnutzung historischer ehemals land-
Storchenland Prignitz e.V. wirtschaftlicher Bausubstanz

LEADER-Förderung „„Schaffung und Erweiterung von Freizeit-


angeboten im ländlichen Raum
156.000 Euro

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HESSEN

MARKETINGKAMPAGNE
L AND.SCHNUPPERN

Mit dem Projekt „Land.schnuppern“ wur- Als ergänzendes Angebot zu dem Kon-
de eine touristischen Marketingkampa- zept „Urlaub auf dem Bauernhof“ hat das
gne zur Erlebbarkeit des ländlichen Rau- Projekt „Land.schnuppern“ dazu beitragen,
mes im Naturpark Diemelsee entwickelt. Beherbergungsbetriebe mit den Anbietern
Ziel des Projektes Land.schnuppern ist die dörflicher, landwirtschaftsnaher Angebo-
Förderung des Verständnisses und eine te und Produkte zu vernetzen. Das heißt,
Sensibilisierung für die Hintergründe der bestehende Betriebe bauen ihre Koope-
landwirtschaftlichen Produktion durch den rationen untereinander und mit den tou-
Kontakt zwischen Landwirten und Touris- ristischen Beherbergungsbetrieben, unab-
ten. Es handelt sich um ein länderübergrei- hängig von ihrer Größe, aus. Bestehende
fendes Kooperationsprojekt zwischen den Angebote wurden besser in Szene gesetzt
LEADER-Regionen Hochsauerland und Die- und neue Ansätze konnten entwickelt und
melsee-Nordwaldeck, beide Regionen de- vermarktet werden. Mit dem Projekt „Land.
cken ein Teil des Naturpark Diemelsee ab. schnuppern“ wurde ein neues Angebot für

12
unterschiedliche touristische Zielgruppen
geschaffen, welches zu dem landwirt-
schaftlichen Charakter der Region passt
und den sanften Tourismus stärkt. Teil des
touristischen Produkts sind Schnupperer-
lebnistage in den landwirtschaftlichen Be-
trieben (u.a. Milch-Viehbetriebe, Obstwie-
senbauern) der Region, welche direkt über
den Gastgeber gebucht werden können.

Das Projekt „Land.schnuppern.“ wurde zu-


nächst u.a. über einen Katalog und eine In-
ternetseite über die Tourist-Informationen
der Naturpark Kommunen vermarktet. Der
Katalog enthält die Vorstellung der einzel-
ner Beherbergungsbetriebe und die ver-
schiedensten dörflichen, regionalen und
landwirtschaftsnahen Erlebnisse.

Fotos: Naturpark Diemelsee

AUF EINEN BLICK


Projektname Effekte
Land.schnuppern „„Zusammenführung touristischer Beher-
bergungsbetriebe und landwirtschaftli-
Projektträger cher Betriebe mit „Edutainment“ in einem
buchbaren touristischen Produkt
Naturpark Diemelsee
„„persönliches Verständnis für die Hin-
Lokale Aktionsgruppe tergründe der Produktion erzeugen
Verein für Regionalentwicklung Diemelsee- durch Kontakt zwischen Landwirten und
Nordwaldeck e.V Touristen
„„Sensibilisierung für ein nachhaltiges Ver-
LEADER-Förderung
braucherverhalten
15.743 Euro
„„Unterstützung der Diversifizierung von
landwirtschaftlichen Betrieben

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MECKLENBURG-VORPOMMERN

Fotos: LAG Güstrower Landkreis


WIEDERBELEBUNG DER DORFMITTE
DORFLADEN BERNITT

In einem flächenmäßig großen Bundesland und passende Räumlichkeiten zu stellen. In


wie Mecklenburg-Vorpommern kann die einer Umfrage wurden die Bernitter zu ih-
ländliche Nahversorgung zu einer großen ren Ideen und Wünschen befragt, sodass
Herausforderung werden - so auch in der diese direkt in die Ausgestaltung des Vor-
Großgemeinde Bernitt (dreizehn Ortsteile, habens eingefließen konnten. Unter dem
Landkreis Rostock). Vor der Eröffnung des Ziel der „Wiederbelebung des Bernitter
Bernitter Dorfladens im Dezember 2016 Dorfmittelpunktes als integriertes Kommu-
war die nächste Einkaufsmöglichkeit gut nikations- und Begegnungszentrum mit
12 km entfernt. integriertem Dorfladen“ wurden folgende
Ansätze verfolgt:
Die Idee, einen neuen Dorfmittelpunkt
samt Einkaufsmöglichkeit zu schaffen, wur- „„ Angebot von (regionalen) Waren des
de ca. 2014 geboren und führte zur Grün- täglichen Bedarfs
dung einer Interessengemeinschaft. Diese „„ Angebot von Dienstleistungen (Post-,
formierte sich später zu einer Bürgergenos- Kopier- und Faxservice, ein öffentl. In-
senschaft, die das Vorhaben professiona- ternetzugang, Café- und Imbissange-
lisierte. In enger Zusammenarbeit mit der bot)
Gemeinde Bernitt erklärte diese sich 2015 „„ Kooperation mit Kita und Schule für die
bereit, einen Antrag auf LEADER-Förderung Frühstücks- und Pausenversorgung

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„„ zentrale Lage zur guten Erreichbarkeit
insbes. für ältere Einwohner*innen und
zur Erledigung notwendiger Dinge auf
dem Weg zur Arbeit, Schule, Kita etc.
„„ Treffpunkt der Dorfgemeinschaft für
Begegnung und Austausch

Der Bernitter Dorfladen hat sich über die


Jahre hinweg sehr gut etabliert und wird
nicht nur von Ortsansässigen rege genutzt.
Es besteht ein breites Produktsortiment, ein
Frühstücks-, Mittags- sowie Imbissangebot
inklusive Kaffee und Kuchen. Die Sitzecke
mit Bücherbörse wird zum Beisammensein
und für diverse Workshops (z.B. Osterbas-
teln) genutzt. An der Fassade des Ladens
befindet sich seit einiger Zeit außerdem viel Raum zusammenzukommen und sich
eine Ladestation für E-Fahrzeuge. auszutauschen. Darüber hinaus wurde der
Laden in der aktuellen Corona-Situation
Seit der Entstehungsphase ist die Bür- durch das Angebot eines Lieferdienstes zu
gerbeteiligung ein großes Anliegen der einem wichtigen Akteur in der täglichen
Betreiber*innen des Dorfladens: Die Bernit- Versorgung der ländlichen Umgebung vor
ter sollen aktiv ihre Wünsche z.B. zu Sor- Ort.
timent, Veranstaltungen, Gestaltung des
Dorfladens äußern. Für die Bernitter besteht

AUF EINEN BLICK


Projektname Effekte
Wiederbelebung der Dorfmitte Bernitt „„Förderung regionaler Wertschöpfungs-
ketten
Projektträger
„„Unterstützung regionaler Dienstleistun-
Gemeinde Bernitt (über Amt Bützow-Land) gen

Lokale Aktionsgruppe „„Förderung der dörflichen Gemeinschaft


und des Zusammenlebens
Güstrower Landkreis
„„Förderung der Vernetzung verschiedener
LEADER-Förderung Akteure in der Region (an dem Projekt
49.500 Euro ist ein Bündnis verschiedener regionaler
Akteure partnerschaftlich beteiligt)

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NIEDERSACHSEN

THEMENMAGAZIN EINKAUFSTIPPS
LANDLEUTE - WIR VERSORGEN SIE...

Aus dem Vorläufer einer Freizeitkarte wur- „Warum in die Ferne schweifen, wenn das
de in der LEADER-Region „Aller-Fuhse- Gute so nah liegt?“ Dieses bekannte Zitat
Aue“ eine lebendige und lebensnahe Reihe von Johann Wolfgang von Goethe kann ohne
von vier Themenmagazinen entwickelt, die Bedenken auch auf die Produktion von Nah-
die Menschen der Region in den Vorder- rungsmitteln angewendet werden. Ange-
grund stellt. Die Themen umfassen die Be- sichts von Klimawandel, Bodenbelastungen
reiche Freizeit, Einkaufen und Feste feiern und der mit der Corona-Krise ans Tageslicht
sowie herausragende LEADER-Projekte. kommenden Verhältnisse etwa in der indus­
Den in der Region lebenden Menschen soll triellen Wurst- und Fleischproduktion schauen
anhand der Themenmagazinen vor Augen Verbraucher*innen zunehmend kritisch auf
geführt werden, welche Schätze in ihrer Re- die Herkunft ihres täglich Brots und wenden
gion liegen. Gerade vor dem Hintergrund sich regional erzeugten Produkten zu.
der Corona-Pandemie ein nicht zu unter-
schätzender Aspekt.

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Die LEADER-Region „Aller-Fuhse-Aue“
möchte mit dieser Broschüre Menschen aus
der Region vorstellen, die sich mit viel Enthu-
siasmus der Produktion von Lebensmitteln
widmen und die individuelle Verkaufsstätten
jenseits der uniformen Discounter bieten. Ty-
pische Produkte für die Region sind Spargel,
Erdbeeren, Kartoffeln und Zwiebeln. Aber es
gibt noch viel mehr zu entdecken. So wird in
der Region Knoblauch angebaut. Und es
gibt auch einen Fisch-Sommeliers.

Den Menschen in der Region soll ermög-


licht werden, die Produzenten Face-to-Face
kennenzulernen und begeistert werden,
am nächsten Wochenende einen neuen
Hofladen zu besuchen oder die Milch zu-
künftig an einer der Milchtankstellen in der
Region zu kaufen.

Fotos: Jens-Christian Schulze

AUF EINEN BLICK


Projektname Effekte
Themenmagazine LandLeute „„Stärkung der Bedeutung regionaler Pro-
dukte sowie regionaler Kreisläufe
Projektträger
„„Stärkung der regionalen Landwirtschaft
Samtgemeinde Flotwedel
„„Stärkung der persönlichen Verbundenheit
Lokale Aktionsgruppe mit der Region
Aller-Fuhse-Aue „„Werbung für die Region als Wohn-,
Arbeits- und Erholungsraum
LEADER-Förderung
36.000 Euro

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NIEDERSACHSEN

Fotos: Dietrich Kühne / Ralf König


KOOPERATIONSPROJEKT
UNSER DORF FÄHRT ELEKTRISCH

Die Dörfer aus den drei LEADER-Regio- Die benötigte Ladeinfrastruktur, das Elek-
nen Harzweserland, Göttinger Land und troautomodell, die Ausgestaltung des Bu-
Osterode am Harz waren im Rahmen des chungsprozesses sowie die Gestaltung
Wettbewerbes „Unser Dorf fährt elektrisch“ der Nutzungsentgelte legten die örtlichen
aufgerufen, ein Modell zum E-Carsharing Aktionsgruppen fest. Acht Orte aus den Land-
zu entwickeln und umzusetzen. Acht Orte kreisen Göttingen und Northeim haben be-
aus den Landkreisen Göttingen und Nort- eindruckende E-Carsharing-Konzepte einge-
heim wurden prämiert. reicht und Ladeinfrastruktur im Wert von bis
zu 12.000 Euro erhalten.
Der Wettbewerb „Unser Dorf fährt elekt-
risch“ startete im Oktober 2017 und endete Eine Fachjury, bestehend aus einer interdis-
im Mai 2020. Alle Interessierten konnten sich ziplinären Arbeitsgruppe, hat pro LEADER-
in örtlichen Aktionsgruppen engagieren und Region einen Gewinner ermittelt. Die jeweils
bei der Entwicklung der konkreten Konzepte Erstplatzierten in jeder LEADER-Region haben
mitwirken. Durch frühzeitige Partizipation der zusätzlich einen Zuschuss in Höhe von 7.500
Einwohner*innen bei der Entwicklung der E- Euro für die Finanzierung eines E-Autos ge-
Carsharing-Konzepte wurde Akzeptanz für wonnen.
das Projekt geschaffen.

18
Während des Wettbewerbs stand den Ort-
schaften eine Projektmanagerin, die über
LEADER finanziert wurde, beratend zur Seite.
In vielen Dörfern wurde neben einem Fahr-
dienst auch ein Einkaufsservice eingerichtet,
von dem insbesondere während der Corona-
Pandemie viele Dorfbewohner *innen profi-
tieren.

Durch den Wettbewerb „Unser Dorf fährt


elektrisch“ ist eine Vielzahl von nachhaltigen
und praxistauglichen E-Carsharing-Konzep-
ten in der Region entstanden, die als Vorbild
für die Umsetzung von E-Carsharing in wei-
teren Kommunen dienen können. Ortschaf-
ten, die das E-Carsharing bereits realisiert
haben, stehen Dorfgemeinschaften, die sich
mit dem Thema neu befassen, als Experten
beratend zur Seite.

AUF EINEN BLICK


Projektname Effekte
Unser Dorf fährt elektrisch „„Sicherstellung der Mobilität im ländlichen
Raum
Projektträger
„„Stärkung der Dorfgemeinschaft
Landkreis Göttingen
„„Sicherung der Daseinsvorsorge
Lokale Aktionsgruppe
„„Abbau von Vorbehalten gegenüber neu-
Harzweserland, Göttinger Land sowie en Antriebsformen
Osterode am Harz (Kooperationsprojekt) „„Klimaschutz durch die Reduzierung von
Zweit- und Drittwagen sowie der Einsatz
LEADER-Förderung
von erneuerbaren Energien
157.500 Euro

19
NORDRHEIN-WESTFALEN

Fotos: LAG Region Bocholter Aa


RHEDE
SCHAUFENSTER DER WIRTSCHAFT

Auch in Rhede im westlichen Münsterland Die Verkehrs- und Werbegemeinschaft


leidet der Einzelhandel unter der zuneh- Rheden hat deshalb ein altes leerstehendes
menden Digitalisierung und den Webshops Gebäude in der Innenstadt von Rhede als
großer Anbieter. Das sorgt für einen zuneh- Verkaufsraum und für die zukünftige Tou-
menden Leerstand in der Innenstadt sowie rist-Info hergerichtet und bietet dort Waren
für deutliche Umsatzeinbußen im Einzel- von Unternehmen „von der grünen Wiese“
handel. Unternehmen außerhalb der Innen- zum Verkauf an.
stadt beginnen nun auch mit Hilfe von ei-
genen Shopping-Systemen, ihre Produkte Die Verkehrs- und Werbegemeinschaft Rhede
über den Online-Handel zu verkaufen. (VWG e.V.) als Ansprechpartner für Einzelhan-
del und Wirtschaft in der Kommune wollte
Ein direkter Verkauf ihrer Produkte ab Werk den bisherigen Standort „Rathaus“ verlassen
ist jedoch aufgrund von Einzelhandels- und und näher an den Geschehnissen und den Be-
Zentrenkonzepten nicht möglich. Vielen dürfnissen im Ort sein. Dazu wurden Räum-
Bürger*innen ist daher gar nicht bewusst, lichkeiten in einem der ältesten historischen
welche Produkte in ihrer Kommune produ- Gebäude im Rheder Stadtkern innerhalb der
ziert werden und wie man diese erwerben Fußgängerzone angemietet.
kann.

20
In diesem Gebäude in direkter Lage zum neu-
en Stadtquartier „Stadthöfe am Rheder Bach“
wurden die Büroräumlichkeiten für den VWG
e.V. untergebracht und damit eine zentrale
Anlaufstelle für Bürger*innen, Kunden, Einzel-
handel und Wirtschaft geschaffen. In diesen
Räumlichkeiten wurde auch eine separate
Verkaufsfläche für Rheder Unternehmen rea-
lisiert, wo die vielfältigen Produkte aus Rhede
unter dem Stichwort „Schaufenster der Wirt-
schaft“ auf kurzen Wegen gebündelt, zu er-
werben sind Gemeinsam mit den Unterneh-
men soll zudem ein Konzept zur Verbindung
von Online-Handel und stationärem Handel
erstellt und im Ort implementiert werden
(Stichwort „Click and Collect“).

In einem weiteren Schritt zog auch die


Tourist-Information der Stadt Rhede in das
Gebäude ein, um die Kräfte innerhalb und
für den Ort zu bündeln und somit eine an
den Nachfragen und den Kundenbedürfnis-
sen ausgerichtete optimale Anlaufstelle für
Kunden und Wirtschaftsakteure in Rhede zu
schaffen.

AUF EINEN BLICK


Projektname Effekte
Schaufenster der Wirtschaft „„Stärkung der lokalen Wirtschaft

Projektträger „„identitätsstiftend für die einheimischen


Bürger*innen
Verkehrs- und Werbegemeinschaft Rhede
„„Bekämpfung von Leerständen in der
Lokale Aktionsgruppe Innenstadt
Bocholter Aa „„Vernetzung von Wirtschaft, Kultur und
Freizeit in der Innenstadt
LEADER-Förderung
„„Entwicklung eines zukunftsfähigen Stadt-
130.862 Euro quartiers

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RHEINLAND-PFALZ

MODERNE DIENSTLEISTUNG
TELE.HEBAMME

Stellen Sie sich vor, Sie haben gerade Ihr chen Raum geschaffen. Mütter, die zuvor
Baby geboren und freuen sich auf die Zu- keine Versorgung durch eine Hebamme
kunft als junge Familie. Trotz aller Bemü- erhalten haben, können nun eine digitale
hungen konnten Sie jedoch keine Hebam- Betreuung durch ausgebildete Hebammen
me finden, die Sie und Ihr Kind während rund um die Uhr erhalten.
der ersten Zeit zu Hause betreut. Speziell
für diese jungen Mütter ohne Nachsorge- Nach Erstkontakt mit dem zuständigen
hebamme bietet die Hunsrück Klinik eine Projektkoordinator und positivem Antrags-
völlig neue Dienstleistung an: die virtuelle verfahren lädt die junge Mutter sich eine
Hebammensprechstunde. Was genau ist zugehörige Applikation auf das eigene
das? Endgerät, beispielsweise das Mobiltelefon
oder den Computer, herunter. Mittels ei-
An den beiden Krankenhausstandorten nes postalisch erhaltenen Zugangscodes
Simmern/Hunsrück und Bad Kreuznach kann sie anschließend über eine gesicher-
wurde ein neues Angebot für den ländli- te WLAN-Verbindung per Video-Dialog

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mit einer Hebamme in der Hunsrück Klinik
kommunizieren. Hierdurch ist eine soforti-
ge und professionelle Hilfe, beispielsweise
bei Stillproblemen oder der Säuglingspfle-
ge, durch eine qualifizierte Ansprechpart-
nerin gegeben. Dieser Service steht für
Notfälle an sieben Tagen in der Woche
rund um die Uhr zur Verfügung. In allen
anderen Fällen zu festen Sprechzeiten.

Das niederschwellige Angebot ergänzt die


persönliche Hebammenunterstützung der
jungen Familien. Zur Teilnahme werden
nur ein Internetanschluss und ein Endge-
rät mit Videofunktion benötigt. Zum Ein-
satz kommt eine datenschutzkonforme
Software aus der Telemedizin. Die wissen-
schaftliche Begleitung durch die Universi-
tät Koblenz-Landau sichert die Evaluation
des Projektes und dessen Übertragbarkeit.

Fotos: Adobe Stock Foto bzw.


ThorstenF über Pixabay (links)

AUF EINEN BLICK


Projektname Effekte
Tele.Hebamme „„Schließung vorhandener Lücken der Heb-
ammenversorgung im ländlichen Raum
Projektträger
„„Schaffung niedrigschwelliger Angebote
Stiftung kreuznacher diakonie der nachgeburtlichen Versorgung

Lokale Aktionsgruppe „„Unterstützung junger Familien auch ohne


persönliche Präsenz der Hebamme
Hunsrück und Soonwald-Nahe
(Kooperationsprojekt) „„Standortsicherung für Kliniken mit Ge-
burtshilfe im ländlichen Raum
LEADER-Förderung
„„bei Erfolg Möglichkeit der Adaption der
95.050 Euro Idee in anderen ländlichen Regionen

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SAARLAND

Fotos: Elke Birkelbach (links), Andreas Ternes (rechts)


GLOBAL DENKEN - LOKAL HANDELN
ESSBARE BIOSPHÄRENSTADT

Unsere Heimat, der Bliesgau, ist gesegnet Nach und nach wurden an verschiedenen
mit Tieren und Pflanzen, die heilen, schme- Punkten der Barockstadt Gärten in Form von
cken, beglücken, nähren, munden, sich ver- Hoch- oder Bodenbeeten angelegt. Selbst
schenken. Dort, wo wir die lebendige Natur Blumenkästen verwandelten sich in „Mikro-
sorgsam pflegen, strahlt sie lichtvoll und gärten“. Es gibt sogar einen kleinen Weinberg
berührt Körper, Seele und Geist. am Treppenaufstieg unterhalb desWallfahrts-
klosters.
Die Stadt Blieskastel im Herzen des UNESCO-
Biosphärenreservates Bliesgau hat im Frühjahr Mit dabei sind das Zentrum für Bildung und
2016 ein Modellprojekt ins Leben gerufen. Der Beruf gGmbH (ZBB), das Jobcenter des Saar-
Ansatz der „Essbaren Stadt“ sieht die Berück- pfalz-Kreises, die örtlichen Imker, Obstund
sichtigung von Nutzpflanzen auf öffentlichen Gartenbauvereine, der NaBu Blieskastel, die
Flächen vor, um das Thema Natur mit ihrer Vereine Bliesgau-Obst und Bliesgau-Genuss
biologischen Vielfalt stärker in Städten zu ver- sowie viele Bürger*innen.
ankern und neue Zugänge zu einer bewuss-
ten, gesunden Ernährung zu schaffen. Der Biosphären-Bürgergarten ist das „Herz-
stück“ des LEADER-Projektes. Auf einer Fläche
von knapp 5.000 m² der ehemaligen Stadt-

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gärtnerei laden hier eine Streuobstwiese, eine
Blühfläche, eine Naschstraße, Hochbeete,
Bienenstöcke mit Lehrpfad, ein Insektenhotel,
Nistkästen und der Kommunikations-Pavillon
ein. Die örtlichen Kindergärten und Schulen
bewirtschaften im Biosphären-Bürgergarten
in Eigenregie ihre „Patenbeete“: Bildung für
nachhaltige Entwicklung wird bei uns groß
groß geschrieben.

Das LEADER-Projekt „Essbare Biosphären-


stadt“ hat sich trotz oder gerade in Coro-
na-Zeiten bestens bewährt. Das LEADER-
Projekt „Essbare Biosphärenstadt“ zielt im
Rahmen des Lernbereiches „Globale Ent-
wicklung“ auch auf weltweite Zusammen-
hänge ab. Dies wird gerade in Zeiten einer
weltweiten Pandemie besonders deutlich.

AUF EINEN BLICK


Projektname Effekte
Essbare Biosphärenstadt „„Schaffung einer attraktiven und grünen
Stadt zum körperlichen und seelischen
Projektträger Ausgleich
Stadt Blieskastel „„Möglichkeit der Reflexion und Entspan-
nung
Lokale Aktionsgruppe
„„Stärkung der Bedeutung regionaler Pro-
Biosphärenreservat Bliesgau e.V.
dukte sowie regionaler Kreisläufe
LEADER-Förderung „„Anregung auf gärtnerische Selbstversor-
98.000 Euro gung und gesunde Ernährung

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SACHSEN
HESSEN

CO-WORKING IN LÄNDLICHEN RÄUMEN


COLABORA

Im transnationalen Projekt CoLabora der vorhandenen Coworking Angebote bis


arbeiten sieben LEADER-Regionen aus hin zum Aufbau komplett neuer Cowor-
sechs europäischen Ländern daran, Cowor- king-Strukturen.
king in ländlichen Räumen zu etablieren.
Dabei sind die Ausgangsbedingungen in Gemeinsam wurde ein Aktionsplan entwi-
jeder Region unterschiedlich: Von Regionen ckelt, der alle Ziele in einem gemeinsamen
mit bereits etablierten Coworking Spaces, Handlungsrahmen vereint. Jede der Regi-
über Regionen mit ersten Versuchen solche onen zeigt sich für die Erfüllung einer Ak­
Orte der kollaborativen Arbeit zu etablie- tion verantwortlich und erreicht dies durch
ren, hin zu LEADER-Gebieten in denen zu Maßnahmen wie die Gründung eigener
Beginn des Projektes gar keine Erfahrun- Coworking Spaces, die Unterstützung re-
gen in Hinblick auf Coworking bestanden. gionaler Coworking-Netzwerke, bis hin zur
Durchführung wissenschaftlicher Untersu-
So verfolgt jede Region individuelle Zielvor- chungen. Bei den halbjährlichen Koope-
stellungen, von der stärkeren Ver­netzung rationstreffen arbeiten alle gemeinsam an

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den Aufgabenfeldern und profitieren dabei
direkt von den Erfahrungen der anderen
Regionen.

Im Ergebnis des Projektes entsteht ein


Werkzeugkasten, der es regionalen Stake-
holdern ermöglicht, Coworking Spaces zu
gründen, zu betreiben und zu unterstützen.
Weiterhin wird ein euro­päisches Netzwerk
von Coworking Spaces gegründet, das so-
wohl den personellen Austausch als auch
den Wissenstransfer zwischen den Cowor- Fotos: LAG Leipziger Muldenland e.V.
king Gemeinschaften erreichen soll.
Übergeordnete Ergebnisse die mit dem
Flankiert werden diese Maßnahmen durch Projekt unterstützt werden sollen, sind un-
die Erstellung eines Logos, einer Website ter anderem die Steigerung der Attraktivität
und eines kurzen Informa­tionsvideos, dass der ländlichen Räume als Wohn-, Arbeits-
über Coworking in ländlichen Räumen auf- und Unternehmensstandorte und Unter-
klärt. nehmensstandorte sowie die Verringerung
des Pendelverkehrs und des damit verbun-
denen CO2-Ausstoßes.

AUF EINEN BLICK


Projektname Effekte
CoLabora – Europäisches Kooperationsprojekt „„Aufbau regionales Netzwerk von Cowor-
king Spaces, Kommunen, Verbänden,
zu Coworking in ländlichen Räumen
Interessenvertretungen und weiteren
Projektträger Stakeholder*innen – seit Corona online

LAG Leipziger Muldenland e.V. „„Kooperation mit wissenschaftlichen


Einrichtungen
Lokale Aktionsgruppe
„„Acht innovative Nutzungskonzepte und
Leipziger Muldenland e.V. in Kooperation mit Entwürfe zur Umnutzung leerstehender
sechs weiteren LEADER-Regionen in ganz Gebäude
Europa
„„Knüpfung enger Kontakte zu
LEADER-Förderung Akteur*innen der Kreativwirtschaft

15.200 Euro, 368.000 Euro Gesamtförderung „„Sensibilisierung der Öffentlichkeit zum


Thema „Coworking im ländlichen Raum“

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SACHSEN-ANHALT

Fotos: Fallstein Destillerie


POLLANDS HOF ROHRSHEIM
DIE FALLSTEIN DESTILLERIE

Bereits zu Beginn der EU-Förderperiode prämierte Edel-Spirituosen zu erzeugen.


2007-2013 wurde im Rahmen mehrerer Die Produkte sind dabei nicht nur Teil der
LEADER-Maßnahmen die Hofstelle „Pol- regionalen Marke „Typisch Harz“, sondern
lands Hof“ in Rohrsheim zu einer Manufak- werden vermehrt weltweit als hervorragen-
tur (Demmel & Cie. GmbH / Fallstein Des- de Produkte ausgezeichnet und geehrt.
tillerie) umgenutzt, die regionales Obst zu
verschiedenen Bio-Delikatessen (z.B. Likör, Gleichzeitig hat die Familie ein 4-Sterne
Obst- und Kornbrände, Marmeladen und Gästehaus im denkmalgeschützten Herren-
Fruchtsäften) verarbeitet und veredelt. haus des Hofes errichtet, das mittlerweile
weit über die Region hinaus ein hohes An-
Familie Demmel hält die Tradition eines sehen, insbesondere bei anspruchsvolleren
besonders besonnenen Umgangs mit den Gästen, genießt. Zu diesem Zweck wurden
natürlichen Ressourcen und Erzeugnissen verschiedene Gästezimmer, Seminarräume
der Harz-Fallstein-Region am Leben. Sie sowie eine Lehrküche eingerichtet. Auch
betreibt ökologischen Landbau und hat ein kleines Bauern-Museum befindet sich
auf der Grundlage eigener Streuobstwiesen auf dem Hof. Seit dem hat sich der Pollands
und eigenem Getreideanbau eine Destille- Hof zu einem überregional beliebten, tou-
rie gegründet, um national wie international ristischen Reiseziel entwickelt.

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In der EU-Förderperiode 2014-2020 konn-
te die Erfolgsgeschichte der Manufaktur
mit Hilfe von LEADER weiter fortgeschrie-
ben werden. Zum einen wurden zusätz-
lich preiswerte Gästeunterkünfte sowie ein
Fahrradabstellraum für die immer zahl-
reicheren Radtouristen eingerichtet. Zum
anderen wurde die Produktion der Manu-
faktur aufgrund der großen Nachfrage im
Ablauf optimiert und durch weitere Brenn-
und Lagerkapazitäten erweitert.

Zudem werden bislang leerstehende, ehe-


mals landwirtschaftliche Gebäude in Be-
trieb genommen, um z.B. als Whisky-Lager
zu dienen oder als Sozialraum für die
Mitarbeiter*innen. Weitere Projekte für die
Zukunft sind bereits in Planung.

AUF EINEN BLICK


Projektname Effekte
Umnutzung einer ehemaligen landwirtschaftlich „„Ökologischer Landbau
genutzten Hofstelle zu einer Manufaktur mit „„Steigerung der Attraktivität der Region
Gästebetrieb
„„Schaffung neuer Angebote und Stärkung
Projektträger des ländlichen Tourismus

Familie Demmel / Demmel & Cie. GmbH „„Aufbau und Stärkung regionaler Wert-
schöpfungsketten
Lokale Aktionsgruppe
„„Schaffung von Arbeitsplätzen
Rund um den Huy
„„Erhalt und Umnutzung ehemals landwirt-
LEADER-Förderung schaftlich genutzten Baubestandes
527.000 Euro (aufgeteilt auf mehrere Projekte)

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SCHLESWIG-HOLSTEIN

INNOVATIVER KLIMASCHUTZ
BAU EINER KARBONISERUNGSANLAGE

Die Biochar Rendsburg GmbH ist ein junges Biomasse verwertet, deren CO2-Gehalt an-
Unternehmen mit Sitz in Borgstedt (Schles- teilig in der Biokohle verbleibt.
wig-Holstein). Das vorrangige Unterneh-
mensziel besteht in der Entwicklung, der Mit der Anlage wird rund 3.600 MWh Nutz-
Produktion und im Vertrieb von Biokoh- wärme produziert, die im Umfeld des An-
le, Anlagentechnik, Erdensubstraten und lagenstandortes einer Nutzung zugeführt
weiteren Biokohle-Anwendungen. Förder- werden. Es bestehen bereits Trocknungs-
gegenstand ist die Errichtung und Betrieb vorgänge auf dem Betriebsgelände so-
eines innovativen Systems, um organische wie ein Wärmenetz zur Bereitstellung von
Rohstoffe, hier überwiegend regionale Raumwärme, in das die produzierte Wärme
Hackschnitzel, zu Biokohle zu verarbeiten. eingespeist werden kann. Darüber hinaus
In dieser Biokohle wird CO2 fixiert. soll die Anlage als Demonstrationsprojekt
dienen, um Interessierten die Funktion der
Ziel des Projektes ist es, mit Hilfe der zu er- Anlage zu erläutern und über Nutzen und
richtenden Anlage jährlich ca. 550 Tonnen Anwendbarkeit von Biokohle für Umwelt
Biokohle zu produzieren und zu vermark- und Klimaschutz aufzuklären.
ten. Jährlich werden rund 2.000 Tonnen

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Mittels einer Biokohle Produktionsanla-
ge lassen sich beispielsweise aus je zwei
Tonnen Grünschnitt rund eine Tonne CO₂
langfristig der Atmosphäre entziehen. Alle
Energieaufwendungen wie für den Trans-
port des Grüngutes, dessen Zerkleinerung,
den Betrieb der Anlage sowie das Einbrin-
gen der Pflanzenkohle in den Boden ist da-
bei bereits berücksichtigt.

Pflanzenkohle besteht zum überwiegen-


den Anteil aus reinem Kohlenstoff, der
von Mikroorganismen nur sehr langsam
abgebaut werden kann. Wird diese Pflan-
zenkohle in landwirtschaftliche Böden ein-
gearbeitet, bleibt ein Anteil von über 80 %
des Kohlenstoffes für mehr als 1000 Jahre
stabil und stellt somit eine Möglichkeit dar,
das ursprünglich von Pflanzen assimilierte
CO₂ langfristig der Atmosphäre zu entzie-
hen und dadurch den Klimawandel abzu- Fotos: Biochar GmbH
bremsen.

AUF EINEN BLICK


Projektname Effekte
Errichtung einer Karboniserungsanlage zur Fixie- „„ Klimawandel: dauerhafte Speicherung
von CO2 in Biomasse zur Verringerung
rung von CO2 in Form von Biokohle
des Treib-hauseffektes
Projektträger „„ Schaffung von ortsnahen Arbeitsplätzen
Biochar Rendsburg GmbH (am Anfang 1 VZ)

Lokale Aktionsgruppe „„ Stärkung der Kreislauf-Wirtschaft als


Branche
Eider- und Kanalregion Rendsburg e.V.
„„ Baustein für außerschulischen Lernort an
LEADER-Förderung einem Industriestandort
120.000 € ELER + 30.000 € KoFi Land SH und
Region

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THÜRINGEN

Fotos: Dörthe Hagenguth


SELBER MACHEN!
STREUOBST ALS ALLTAGSKULTUR

Noch sind sie da, die vielen alten Obstbäu- Nachdem zunächst in mehreren öffentlichen
me, die unsere Kulturlandschaft so ein- Workshops ermittelt wurde, welche poten-
drucksvoll prägen. Und nach Jahrzehnten ziellen Projektpartner es gibt und welche In-
der Vernachlässigung gibt es inzwischen teressen, Bedarfe und Erwartungen diese ha-
wieder ein Bewusstsein für dieses Kultur- ben, wurde im Ergebnis die Streuobstinitiative
gut und unterschiedliche Initiativen, unsere Ostthüringen gegründet. Über 300 Menschen
Streuobstkultur zu pflegen und zu verwer- und Institutionen sind dem Streuobstnetz-
ten. Was vielfach noch fehlt, ist das Wissen werk Ostthüringen beigetreten. Zu den Ak-
um alte Sorten und fachgerechte Pflege, teuren gehören Mostereien, Direktvermarkter,
die regionale Vernetzung der Akteure und Landwirte, Landschaftspflege- und Natur-
Unterstützung bei der Verwertung bzw. schutzverbände, Imker, Pomologen, Schäfer,
Vermarktung von Streuobstprodukten. Hier Baumpfleger und Baumschulen.
knüpft das Projekt „Selber machen! Streu-
obst als Alltagskultur“ an. Ziel ist es, die Praktischer Erfahrungsaustausch, Weiterbil-
vorhandenen Aktivitäten in den Landkrei- dung, Neuanlage und Pflege bestehender
sen Saalfeld-Rudolstadt, Saale-Holzland Obstwiesen sowie eine raumgreifende wirt-
und Saale-Orla besser zu vernetzen und zu schaftliche Nutzung des Obstes sind Kernzie-
unterstützen. le der Initiative. In regelmäßigen Streuobst-

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Stammtischen werden praktische Schulungen
in Obstbaumschnitt und -pflege und Bera-
tungen zu Neuanpflanzungen angeboten.
Aktivitäten zur Verwertung des Obstes finden
Unterstützung. Über eine im Rahmen des
Projektes entwickelte Streuobst-App werden
die noch vorhandenen Bestände erfasst.

Der Streuobstanbau erlebt derzeit eine kleine


Renaissance. Obstbäume werden wieder ge-
pflanzt, Obstbaumschulen und Auftragsver-
edlungen florieren und „alte Sorten“ werden
wieder als Jungbäume erworben. In den re-
gionalen Mostereien in Ostthüringen werden
neue Produkte aus eigenem Obst kreiert und
vor Ort vermarket. Der Bechstedter Apfel-
Cidre ist bis nach Erfurt bekannt.

AUF EINEN BLICK


Projektname Effekte
Selber machen! Streuobst als Alltagskultur „„Bewahrung alter Obstsorten

Projektträger „„Aufbau regionaler Kreisläufe zur Wert-


schöpfung von Streuobst
Ländliche Kerne e.V.
„„Interessant: Region Slf-Ru ist in mittler-
Lokale Aktionsgruppe weile in Thüringen Spitzenreiter in der
Dichte von stationären und mobilen
Saalfeld-Rudolstadt, Saale-Holzland sowie
Mostereien
Saale-Orla / Thüringen
„„aktuell: Pomologe Hans-Jürgen Mortag
LEADER-Förderung (Initiator der Streuobstinitiative) - Würdi-
gung als Thüringer des Monats Septem-
98.150 Euro
ber

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