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Utopie in Dystopischen Zuständen

Die natürlichen und auch sozialen Bedingungen für Utopien verschlechtern sich mehr und mehr. Was bleibt angesichts der Überschreitung der Planetaren Belastungsgrenzen und des Klimawandels noch als Utopie möglich?
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Utopie in Dystopischen Zuständen

Die natürlichen und auch sozialen Bedingungen für Utopien verschlechtern sich mehr und mehr. Was bleibt angesichts der Überschreitung der Planetaren Belastungsgrenzen und des Klimawandels noch als Utopie möglich?
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...

die noch unbequemere


Wahrheit:

Utopie in dystopischen Zuständen?


Annette Schlemm – Januar 2022
vom

Klimanotstandszentrum Jena
Wieviel Zeit haben wir noch?

2
„Die Welt wird nicht gerettet
werden...“

(Desert)
3
Konkrete Utopie

• Nicht „sinnlich-konkret“, sondern „nicht abstrakt“

• Konkrete Utopie = reale Möglichkeit

d.h. abhängig von konkreten Bedingungen

„Die Welt wird nicht gerettet werden...“

4
Konkrete Utopie

5
Utopie in dystopischen Zuständen?

• Grenzen des Wachstums usw.

• Dynamik komplexer Systeme


 Planetare Belastungsgrenzen

• Klima-Umbruch

• ... und nun?


6
Grenzen des Wachstums
(vor 50 Jahren!)

7
Grenzen des Wachstums

2022
8
Grenzen des Wachstums

2022
9
Grenzen des Wachstums

10
Ökologischer Fußabdruck
= biologisch produktive Fläche der Erde, die notwendig ist,
um den Lebensstil und -standard eines Menschen
dauerhaft zu ermöglichen

11
Ökologischer Fußabdruck
= biologisch produktive Fläche der Erde, die notwendig ist,
um den Lebensstil und -standard eines Menschen
dauerhaft zu ermöglichen

Berlin:

• 40% der BRD,

• 168-fache der
Stadtfläche

12
Ökologischer Fußabdruck
= biologisch produktive Fläche der Erde, die notwendig ist,
um den Lebensstil und -standard eines Menschen
dauerhaft zu ermöglichen

... im Verhältnis zur


Biokapazität:

??? 13
Ökologischer Fußabdruck
Ökologischer Fußabdruck im Verhältnis zur Biokapazität
(Biokapazität normiert auf 1 Planet)

14
Ökologischer Fußabdruck
Ökologischer Fußabdruck im Verhältnis zur Biokapazität
(nicht normiert)

15
Ökologischer Fußabdruck
Human Development Index und ökologischer Fußabdruck:

16
Dynamik komplexer Systeme
Wie lange kann das so weiter gehen?

... ???

17
Dynamik komplexer Systeme
• „Kippen“, z.B. bei der Wüstenbildung in der Sahelzone vor
ca. 5000 J.

Eine leichte Veränderung


(über Jahrtausende) der
Erdbahn führte zu einem
trockeneren Klima

Die Wüstenbildung setzte abrupt


(innerhalb von Jahrzehnten,
wenigen Jahrhunderten) vor ca.
5000 Jahren ein.
18
Dynamik komplexer Systeme
Wie lange kann das so weiter gehen?
... Nicht ewig !!!

19
Dynamik komplexer Systeme

Wo sind wir?

20
Dynamik komplexer Systeme

Basener, Bill; Ross, David S (2005): Booming and crashing populations and Easter Island. SIAM. J. Appl. Math. 65: 684-701. 21
22
Dynamik komplexer Systeme
Darstellung in Potentiallandschaften (Zustand zu
bestimmter, fester Zeit)
• zur Kennzeichnung der Stabilität:

23
Planetare Belastungsgrenzen
Veränderung der Potentialzustände im Verlaufe der Zeit:

24
Dynamik komplexer Systeme

([Link] 25
Planetare Belastungsgrenzen

26
Planetare Belastungsgrenzen

27
Planetare Belastungsgrenzen

28
([Link]
Im Klima-Umbruch: 5 nach 12 ?

Holozän:
mehr als 10 000 Jahre außerordentlich
stabile klimatische Verhältnisse
(Temperaturveränderungen  0,75 Grad)

Anthropozän:
bisherige Veränderung gegenüber
vorindustrieller Zeit:
1990: 0,5 Grad, 2015: 0,85 Grad...,
2021: 1,07 Grad
Im Klima-Umbruch: 5 nach 12 ?
Im Klima-Umbruch: 5 nach 12 ?
Im Klima-Umbruch: 5 nach 12 ?
1.5 bzw. 2-Grad-Ziel:
angenommene Grenze zwischen „tolerablem“ und „gefährlichen“
Klimawandel
Was tun?:
Senkung der Emission von Treibhausgasen, insb. CO2

„in den Knick


kommen...“
Im Klima-Umbruch: 5 nach 12 ?
Was bisher geschah
Ziel 1990 (Enquete-Kommission) – Was wurde erreicht?
Im Klima-Umbruch: 5 nach 12 ?
Emissionen 1995

Das Co2-Budget

...oder...

Das Co2-Budget

34
Im Klima-Umbruch: 5 nach 12 ?
Je später das Bremsen beginnt,
desto härter muss gebremst werden,
um das Budget nicht zu überschreiten.

35
Im Klima-Umbruch: 5 nach 12 ?
Je später das Bremsen beginnt,
desto härter muss gebremst werden,
um das Budget nicht zu überschreiten.

36
Im Klima-Umbruch: 5 nach 12 !

2019
WAS
NUN
???
([Link]
2020/07/12/netto-emissionen/) 37
Im Klima-Umbruch: 5 nach 12 !

Lars Fischer, Spectrum der Wissenschaft 10.21, S. 26:

• „Die Chance, glimpflich davonzukommen, schwindet.“

• Bereits jetzt ist das Pariser Klimaziel [...] selbst mit drastischen
Maßnahmen* nahezu außer Reichweite.“

* Vervielfachung der Kernkraft als Energiequelle, technische Maßnahmen zur


Reduzierung der Sonnenlichteinstrahlung und zur künftigen Entfernung von CO2 aus
der Atmosphäre

38
Im Klima-Umbruch: 5 nach 12 !
„Die Risiken des Klimawandels können zu Verdrängungsreaktionen oder sogar zu
fatalistischen Reaktionen („Ich kann ja doch nichts tun.“) führen.

Um diese Reaktionen von


vornherein zu verhindern,
sollte ein „Katastrophismus“
– d.h. die Betonung von

?
potenziellen Klimafolgen
katastrophalen Ausmaßes –
vermieden und die
Kommunikation von Risiken
immer mit der Kommunikation
von Anpassungsmöglichkeiten
verbunden werden.“
(Studie zu „Vulnerabilität“ Renate Sendler-Peters
39
durch Klimawandel)
Im Klima-Umbruch: 5 nach 12 !
Szenarien für Temperatur:

(OHNE Berücksichtigung der möglichen Kipp-Punkte)


40
Im Klima-Umbruch: 5 nach 12 !
Szenarien für Temperatur:

THG-Emissionen waren 2018*:


• 51% höher als 1990
• 11 % höher als 2010
* (AR6_WGIll-leaked: SPM:4)

Sogar beim besten Szenarium (mit Negativemissionen s.o.) wird


der 1,5-Grad-Wert für wenigstens eine Weile um ca. 0,1 Grad
überschritten (IPCC-Sachstandsbericht AR6_WGI_SPM. Summary for Policymakers: 18). 41
Im Klima-Umbruch: 5 nach 12 !
• Bei 4 Grad würde 47% der gesamten
Landfläche davon betroffen sein, dass die
Hitze so groß ist, dass menschliches Leben
nicht auf Dauer möglich ist, das betrifft 74%
der menschlichen Bevölkerung.
(Mora, Camilo; Dousset, Bénédicte; Caldwell, Iain R., at al. (2017):
Global risk of deadly heat. Nature Climate Change, 7 (7). pp. 501-
506. ISSN 1758678X, S. 501)

• Bei einer Erhöhung der global durchschnittlichen


Temperatur um über 6 Grad sind 90% aller Arten vom
Aussterben bedroht.
Zum Vergleich: Beim Aussterben der Dinosaurier vor 66
Millionen Jahren starben „nur“ 76% aller Arten aus
(Barnosky, Anthony D. (2014): dodging extinction. University of California. S. 13)

42
Gesellschaftliche Faktoren
• Die reichsten 10 % der Menschen tragen mit 36 - 45% an den
TGH-Emissionen bei, die ärmsten 10% nur mit 3 - %.
(AR6_WGIll-leaked: SPM: 8)

• Die reichsten 1 % der Menschen tragen mit 50% an den


TGH aus dem Flugverkehr bei.

• Soziale Folgen und Verteilungskämpfe vs.


Solidarität und Transformation

 Es geht nicht um ein „allgemeiner Mensch“ – „Natur“-


Verhältnis, sondern um das Verhältnis zwischen

Mensch – Gesellschaftsform - Natur 43


Gesellschaftliche Faktoren

Kapitalismus

(... Oder: lass Dir Corona verschreiben!)

44
Utopien???
Hans Jonas:

„Der schlechten Prognose den Vorrang zu


geben gegenüber der guten, ist
verantwortungsbewußtes Handeln im
Hinblick auf zukünftige Generationen.“

„Es ist wichtig, das Potenzial des Schlimmsten, was


passieren kann, zu verstehen und für das Schlimmste
zu planen und seien Sie angenehm überrascht, wenn
es nicht eintritt.“ (Spratt, Dunlop 2018: 11)

45
Utopien???

46
Johannes
Heimrath

 Zeitschrift
„Oya“
47
Die Aussichten:

?
5 nach 12!

Trotz alledem!
48
Was tun?

49
Crashtest für Utopien
• Innerhalb der Grenzen der planetaren Regenerationsfähigkeit

50
Crashtest für Utopien
• Innerhalb der Grenzen der planetaren Regenerationsfähigkeit

• Produktivkraftentwicklung nicht mehr auf Basis der Ersetzung


von lebendiger Arbeit durch fossile Energien

• In dynamischer „Mensch-(Gesellschaft)-Natur-Allianz“
„Mensch-Natur-Allianz“

• geht gesellschaftlich (ohne Ökodiktatur) nur fair, gerecht


und „von unten“ selbstorganisiert

• ...aber auch nicht sinnvoll als „Rückfall“ in (idyllisiert


vorgestellte) Vergangenheit 51
Was tun?
Human Development Index und ökologischer Fußabdruck:

52
Was tun?
1. Kein illusionärer Zweckoptimismus!!!

(...und achtet
auf Euch!)

2. Bremsen, wo immer es geht


(ohne zu glauben, dies reiche aus...)

3. Anpassung vorbereiten:
• Klimagerechtigkeit einfordern
• Menschen nicht gegenseitig ausspielen
• Solidargemeinschaften als Keimformen für:

4. Große Transformation: neue Gesellschaftsform


53
in „Allianz“ mit der Natur
[Link]

54

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