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BKA-Gesetz - Eine Frage der Abgrenzung

Die Opposition spricht von »Monsterbehörde« und empört damit die Koalitionsfraktionen
Von Claudia Heine

5Wofür der ganze Aufstand?" Mit dieser Frage der innenpolitischen Sprecherin der FDP-
Fraktion, Gisela Piltz, während der Debatte über das neue BKA-Gesetz am 12. November
lässt sich die wichtigste innenpolitische Debatte der vergangenen Woche zwar überschreiben.
Nur eine Antwort ist noch nicht gefunden. Zweifellos, der Aufstand aller Beteiligten war groß
und hatte eigentlich nur ein Ziel: die Verteidigung des Rechtsstaats. Doch ob das nun
10verabschiedete Gesetz, das dem Bundeskriminalamt (BKA) erstmals in seiner Geschichte
nicht nur repressive, sondern auch umfangreiche präventive Aufgaben zuweist, diesem Ziel
schadet oder es verteidigt, ist noch längst nicht geklärt. Schon kündigten mehrere
Bundesländer, darunter Nordrhein-Westfalen, Hamburg, Baden-Württemberg und Berlin, an,
im Bundesrat gegen das Gesetz stimmen zu wollen. Und bereits Tage vor seiner
15Verabschiedung am 12. November machten die FDP und die Grünen klar, das Gesetz vor das
Bundesverfassungsgericht zu bringen.
Zwei Seiten einer Medaille

Die Koalitionsfraktionen konnten naturgemäß den "ganzen Aufstand" der Opposition und von
20Journalisten- und Ärztevertretern nicht nachvollziehen, waren aber letztlich gezwungen, ihn
mitzumachen, indem sie sich ihm entgegenstemmten. So sehr, dass Bundesinnenminister
Wolfgang Schäuble (CDU/CSU) gleich in den ersten drei Sätzen seiner Rede zwei Mal den
Begriff des "freiheitlich verfassten Rechtsstaats" bemühen musste. Energisch verwahrte er
sich kurz darauf gegen eine "Diffamierungskampagne", die diesem "freiheitlichen
25Verfassungsstaat" nicht angemessen sei. Denn, so Schäuble, "Freiheit und Sicherheit sind
zwei Seiten einer Medaille, und dieses Gesetz wird dem gerecht". Man dürfe dem BKA zur
Abwehr des internationalen Terrorismus nicht weniger Befugnisse zugestehen, als sie jede
Landesbehörde habe. "Wir reagieren auf neue technologische Entwicklungen - mit dem Ziel
der Bewahrung unserer Grundrechte."
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Konkret heißt das: Das BKA darf präventiv tätig werden, wenn eine länderübergreifende
Gefahr vorliegt, die Zuständigkeit einer Landespolizeibehörde nicht erkennbar ist oder die
oberste Landesbehörde um eine Übernahme ersucht. Am umstrittensten ist dabei das Recht
der Online-Durchsuchung privater Computer. Unter bestimmten Voraussetzungen darf das
35BKA "Daten aus informationstechnischen Systemen" erheben, um "terroristische Gefahren ab