Sie sind auf Seite 1von 1
Nisargadatta Maharaj sie vollkommen eine Projektion Ihrer Psyche ist. Dies ist die Basis Ihrer Verwirrung

Nisargadatta Maharaj

sie vollkommen eine Projektion Ihrer Psyche ist. Dies ist die Basis Ihrer Verwirrung und keine neue Explo- sion wird sie geraderücken. Sie müssen es selbst zu Ende denken. Es gibt keinen anderen Weg.

Frage: Wie soll ich es zu Ende denken, wenn meine Ge- danken kommen und gehen, wie es ihnen passt? Ihr endloses Geschwätz lenkt mich ab und erschöpft mich.

Maharaj: Beobachten Sie Ihre Gedanken, so wie Sie den Straßenverkehr beobachten. Menschen kommen und gehen, Sie registrieren sie, ohne zu reagieren. Am Anfang mag das vielleicht schwierig sein, doch mit einiger Übung werden Sie feststellen, dass Ihr

Verstand auf vielen Ebenen zur gleichen Zeit funk- tionieren kann und Sie können sich all dieser Ebenen gewahr sein. Nur wenn Sie ein aus der Erinnerung geborenes Interesse an einer bestimmten Ebene ha- ben, erweckt es Ihre Aufmerksamkeit und die ande- ren Ebenen bleiben unbeachtet. Doch auch dann, ohne dass Sie sich dessen bewusst sind, geschehen weiterhin Dinge auf diesen unbeachteten Ebenen. Kämpfen Sie nicht gegen Ihre Erinnerung und Ihre Gedanken, versuchen Sie nur, die wichtigeren Ge- danken in das Blickfeld Ihrer Aufmerksamkeit zu

wissen, was Sie lieben. Es ist nicht der Körper, den Sie lieben, es ist das Leben – Wahrnehmen, fühlen, Denken, handeln, Lieben, Streben, Erschaffen. Es ist dieses Leben, das Sie lieben, das Sie sind, das alles ist. Realisieren Sie dies vollkommen, jenseits aller Teilung und Begrenzung und alle Ihre Begierden werden darin verschwinden, denn das Größere bein- haltet das Kleinere. Deshalb finden Sie sich selbst, denn in diesem Selbst finden Sie alles. Jeder ist glücklich, zu sein. Doch nur wenige kennen die Fülle des Seins. Sie werden dies erfahren, indem Sie Ihren Verstand auf das „Ich bin“, „Ich weiß“, „Ich Liebe“ konzentrieren und anstreben, den tiefsten Sinn dieser Worte zu erfassen.

Frage: Kann ich denken, „Ich bin Gott“?

Maharaj: Identifizieren Sie sich nicht mit einer Idee. Wenn Sie mit Gott das Unbekannte bezeichnen, dann sagen Sie nur, „Ich weiß nicht, was ich bin“. Wenn Sie Gott wie sich selbst kennen, brauchen Sie es nicht zu sagen. Am besten ist das einfache Ge- fühl „Ich bin“. Verweilen Sie geduldig darin. Geduld ist in diesem fall Weisheit. Denken Sie nicht darü- ber nach zu versagen, bei diesem Vorhaben gibt es

Maharaj: Beachten Sie sie nicht. Bekämpfen Sie sie

nicht. Tun sie nichts mit Ihnen, lassen Sie sein, wel-

cher Art sie auch immer sein mögen. Dass Sie sie

bekämpfen, gibt ihnen Leben.

Ignorieren Sie, durchschauen Sie sie. Erinnern Sie

sich: „Was immer geschieht, geschieht, weil ich

bin.“ Alles erinnert Sie daran, dass Sie sind. Machen

Sie vollen Gebrauch von der Tatsache, dass Ihr Sein

die Voraussetzung für jede Erfahrung ist. Sie müs- sen nicht aufhören zu denken. Hören Sie nur auf, daran interessiert zu sein. Es ist das Desinteresse, das befreit. Halten Sie nicht fest, das ist alles. Die

Welt besteht aus Ringen, die Haken sind von ihnen gemacht. Begradigen Sie Ihre Haken und nichts kann Sie festhalten. Geben Sie Ihre Abhängigkeiten auf, es gibt nichts anderes aufzugeben. Hören Sie mit Ihrer Habgier auf, ihrer Gewohnheit, nach Er- gebnissen zu suchen und die Freiheit des Univer- sums gehört Ihnen. Geben Sie Ihre Anstrengungen auf.

Frage: Das Leben ist anstrengend, es gibt so vieles zu tun.

Maharaj: Tun Sie, was getan werden muss. Wehren Sie sich nicht dagegen. Ihr Gleichgewicht muss dy- namisch sein und darauf basieren, von Moment zu Moment die richtigen Dinge zu tun. Seien Sie nicht wie ein Kind, das nicht aufwachsen will. Starres und stereotypes Verhalten wird Ihnen nicht helfen. Ver- trauen Sie voll und ganz auf die Klarheit Ihrer Ge- danken, auf die Reinheit Ihrer Motive, die Ehrlich- keit Ihrer Taten. Dann können Sie nicht falsch han- deln. Gehen Sie darüber hinaus, lassen Sie alles hinter sich.

Auszug aus: Ich Bin (Teil 1) von Nisargadatta Maharaj (Kamphausen Verlag)

Maharaj: Ich bin jetzt 74 Jahre alt, und doch fühle ich, dass ich ein Kind bin. Trotz aller Wechsel fühle ich ganz klar, dass ich ein Kind bin. Mein Guru sag-

te mir, dieses Kind, was Sie auch jetzt sind, ist Ihr wahres Selbst (Swarupa). Kehren Sie zurück zu die- sem Zustand reinen Seins, wo das „Ich bin“ noch in seiner Reinheit existiert, bevor es vergiftet wurde mit dem „ Ich bin dies“ oder „Ich bin das“. Sie bela- sten sich mit falschen Selbstidentifizierungen, ge- ben Sie alle auf. Mein Guru sagte mir: „Vertrauen Sie mir. Ich sage Ihnen, Sie sind göttlich. Nehmen

Ich Bin

rücken, wie zum Beispiel „Wer bin ich?“ „Wie ge-

kein Versagen.

schah es, dass ich geboren wurde?“ „Wie entstand

das Universum um mich herum?“ „Was ist real, was

Frage: Meine Gedanken lassen mich nicht.

ist momentan?“ Erinnerung existiert nur solange,

wie Sie an ihr interessiert sind. Es ist Ihre emotiona-

le Bindung, die Ihr Gefangensein andauern lässt. Im-

mer jagen Sie dem Vergnügen hinterher und versu-

chen, Schmerzen zu vermeiden. Immer suchen Sie

das Glück und den Frieden. Sehen Sie nicht, dass es

genau diese Suche nach dem glück ist, die Sie un-

glücklich sein lässt? Versuchen Sie es andersherum,

gleichgültig zu sein gegenüber Leiden und Vergnü-

gen, sie weder zu suchen noch abzulehnen. Lenken Sie all Ihre Aufmerksamkeit auf die Ebenen, au f de- nen das „Ich bin“ immer präsent ist. Dann werden Sie bald erkennen, dass Friede und Glückseligkeit Ih- re wahre Natur sind und sie werden nur dadurch ge- stört, dass Sie versuchen, sie mit bestimmten Mit- teln zu erriechen. Hören Sie auf, sie zu stören, dass ist alles. Sie brauchen sie nicht zu suchen. Sie wür- den nicht suchen, was Sie bereits haben. Sie selbst sind Gott, die höchste Realität. Für den Anfang ver- trauen Sie mir, vertrauen Sie dem Lehrer. Das ermöglicht Ihnen den ersten Schritt, der das Vertrauen durch Ihre eigene Erfahrung rechtfertigt. In jeder Lebenslage bedarf es eines anfänglichen Vertrauens, nichts kann ohne es passieren. Jede Tat ist ein Akt von Vertrauen. Sogar Ihr tägliches Brot essen Sie mit Vertrauen! Indem Sie sich an das er- innern, was ich gesagt habe, werden Sie alles errei- chen. Und ich sage es Ihnen noch einmal: Sie sind die alles durchdringende, alles transzendierende Re- alität. Verhalten sie sich entsprechend, denken, füh- len und handeln Sie in Harmonie mit dem Ganzen und Ihre tatsächliche Erfahrung wird Ihnen in kür- zester Zeit bestätigen, was ich Ihnen gesagt habe. Es bedarf keiner Anstrengung. Haben Sie Vertrauen und handeln Sie entsprechend. Bitte sehen Sie, dass ich nichts von Ihnen will. Das, was ich sage, ist in Ihrem eigenen Interesse, denn mehr als alles andere lieben Sie sich selbst, Sie wollen für sich selbst Si- cherheit und Glückseligkeit. Schämen Sie sich des- sen nicht, leugnen Sie es nicht. Es ist natürlich und gut, sich selbst zu lieben. Doch sollten Sie genau

Sie es an als die absolute Wahrheit. Ihre Freude,

auch Ihr Leiden ist göttlich. Alles kommt von Gott.

Erinnern Sie sich immer daran. Sie sind Gott.

Nur Ihr Wille wird geschehen.“ Ich glaubte ihm und

sehr bald realisierte ich, wie absolut wahr und kor-

rekt seine Worte waren. Ich habe meinen Verstand

nicht mit den Gedanken programmiert, „Ich bin

Gott, ich bin wundervoll, ich bin jenseits“. Ich habe

nur einfach seine Anweisungen befolgt und die hie-

ßen: Konzentrieren Sie Ihren Verstand auf das reine

Sein, auf das „Ich bin“ und bald wurde Friede, Freu-

de und eine tiefe, alles unfassende Liebe mein Gu- ru, das Leben, das ich gelebt hatte, die Welt um mich herum. Nur Frieden blieb übrig und eine um- fassbare Stille.

Frage: Das sieht alles recht einfach aus, aber das ist es nicht. Manchmal erwacht in mir dieser wunderbare zustand von freudigem Frieden und ich betrachte ihn und wundere mich, wie leicht er kommt und wie ver- traut erscheint, wie total er mein eigen ist. War es nö- tig, so hart zu arbeiten, um einen zustand zu erreichen, der so greifbar nahe ist? Diesmal wird dieser Zustand sicherlich endgültig bleiben. Und doch verschwindet er dann wieder so schnell und lässt mich in Verwunde- rung zurück – war dies nun ein Hauch von der Wirk- lichkeit oder nur eine neue Verirrung? Wenn es die Wirklichkeit war, warum blieb sie nicht? Vielleicht brauche ich eine ungewöhnliche Erfahrung, um mich endgültig in diesem Zustand zu halten und bis das pas- siert, muss dieses Versteckspiel weitergehen.

Maharaj: Ihr Erwartung von etwas Ungewöhnli- chem, Dramatischem, von einer wunderbaren Explo- sion, verhindert und verzögert nur Ihre Selbstver- wirklichung. Sie brauchen auf keine Explosion zu warten, denn sie ist bereits passiert – in dem Mo- ment, als Sie geboren wurden, als Sie sich erkann- ten als das Sein, Wissen, Fühlen. Sie machen nur ei- nen Fehler: Sie halten das Innere für das Äußere und das Äußere für das Innere. Der verstand und die Gefühle sind äußerlich, doch Sie halten sie für das Vertraute. Sie halten die Welt für objektiv, während

90 VISIONEN 2/04 ONE Spirit special

Festivalinfos: www.rainbow-spirit.de Tel. 07221-9964950