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neuwal Sommergespräch

"Das politische System ist nicht mehr tauglich, Zukunftsfragen zu lösen"

Johannes Voggenhuber (MeinOE) im neuwal Sommergespräch 2012

Stefan Egger im Gespräch mit Johannes Voggenhuber

Heute zu Gast bei uns im Sommergespräch ist Johannes Voggenhuber von MeinOE. Herzlich Willkommen.

Dankeschön.

Interviewer: Danke fürs Dabeisein. Wir fokussieren heute gemeinsam auf neue Ideen und politische Veränderungen, den Fahrplan zur Nationalratswahl 2013 und andere, lokale Wahlen, Möglichkeiten zur politischen Mitgestaltungen sowie Positionen und Standpunkte zu aktuellen politischen Themen. Ich darf Sie einleitend um eine Kurzvorstellung bitten. Was ist denn MeinOE genau, seit wann gibt es die Initiative - und was sind die wichtigsten Ziele?

Befragter: MeinOE ist ein Volksbegehren, ein überparteiliches, unparteiliches, über alle Parteigrenzen hinweg. Die Proponenten stammen aus allen Lagern, zum Teil auch mit einer langen politischen Karriere, mit Ämtern wie bei Busek als Vizekanzler oder Fischler als Kommissar, Frischenschlager als Verteidigungsminister oder Voggenhuber als langjähriger

als Vizekanzler oder Fischler als Kommissar, Frischenschlager als Verteidigungsminister oder Voggenhuber als langjähriger

EU-Abgeordneter.

Interviewer: Prominenz ist vorhanden.

EU-Abgeordneter. Interviewer: Prominenz ist vorhanden. neu wal .com Befragter: Prominenz ist vorhanden, und das ist

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Befragter: Prominenz ist vorhanden, und das ist vielleicht auch das Besondere. Es ist einerseits ein Volksbegehren von unten, es ist andererseits eines, das von Proponenten aller Lager mit großer politischer Erfahrung angestoßen wurde. Betonung: Angestoßen, das war eigentlich unsere Absicht. Und es ist das erste Volksbegehren in Österreich, das eine umfassende Demokratiereform im Auge hat. Und das ist vielleicht auch deshalb so wichtig, weil eigentlich die Crux an der österreichischen Demokratie ist, dass sie nie von unten errungen wurde, keine rollenden Köpfe von Königen oder Kaisern wie in anderen Demokratien am Anfang, eigentlich immer von oben oder außen diktiert. Immer mit dem Ergebnis, dass man keine wirkliche Verfassung, sondern mehr eine Realverfassung hat. Nun kann man einerseits daran herumbasteln mit einem neuen Wahlrecht oder mehr direkter Demokratie. Oder man kann einmal versuchen, die Schlüsselprobleme und Schlüsselkonflikte dieser Demokratie anzusprechen. Das haben wir versucht, das ist auch unser Handicap, das heißt schon etwas, das zu transportieren und kommunizieren. Wir haben neun Punkte, vom Wahlrecht angefangen über den Ausbau der direkten Demokratie, ein stärkeres Parlament, Föderalismus, Parteienfinanzierung und Parteiendemokratisierung, Medien und Unabhängigkeit der Justiz. Das ist schon ein großes Thema. Die Demokratie ist nicht etwas, das man mit zwei Stellschrauben reparieren kann. Deshalb haben wir uns das vorgenommen.

Interviewer: Warum eine Initiative und nicht innerhalb einer Partei?

Befragter: Weil es die Parteien nicht tun. Jeder von uns hat es schon viele Jahre probiert. Es gibt ja etwas Gemeinsames, was diese politischen Figuren haben, nämlich ein bisschen eine dissidentische Vergangenheit in allen Parteien…

Interviewer: Querdenker?

Befragter: Querdenker… ich sage immer Geradeausdenker, weil ich glaube, die Parteien denken da meistens ein bisschen quer! Diese Geradeausdenker, die über die Parteigrenzen über dieses Thema zusammengefunden haben, weil es eine große Krise gibt. Die Gemeinsamkeit war eigentlich die Erkenntnis, das es nicht nur an Personen hängt, man moralisiert ja gerne in Österreich, und auch nicht an einzelnen Missständen, sondern dass dieses politische System nicht mehr funktioniert, Probleme nicht mehr lösen kann. Wenn es keinen Parlamentarismus gibt, wenn es keine unabhängigen Medien gibt, wenn die Menschen keinen Transport ihrer Bedürfnisse, Interessen, Ideen mehr in die Politik haben, wenn die Justiz nicht mehr unabhängig ist, dann ist das politische System nicht mehr

Ideen mehr in die Politik haben, wenn die Justiz nicht mehr unabhängig ist, dann ist das

tauglich, Zukunftsfragen zu lösen.

tauglich, Zukunftsfragen zu lösen. neu wal .com Interviewer: An diesen Punkten erkennen Sie das, und dafür

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Interviewer: An diesen Punkten erkennen Sie das, und dafür braucht es die Initiative. Wie soll das dann funktionieren, diese politische Veränderung, was bedeutet das für Sie wirklich? Es gibt dann eine Art Think Tank, einen Ideengeber, Meinungen aus dem Volk, wie soll das die österreichische, parlamentarisch-politische Landschaft verändern?

Befragter: Also wir haben unserem eigenen Motto der Demokratisierung entsprechend einmal unsere Ideen und die neun Punkte im Internet zur Abstimmung gestellt, haben auch viele Punkte aufgenommen und überarbeitet. Jetzt stehen wir vor der Situation:

Wie transportieren wir das? Das war schon bei der jetzt abgeschlossenen Phase der Unterstützungserklärungssammlung, damit wir es überhaupt einreichen können, sehr viel schwieriger, als wir gedacht haben. Die Menschen sind es müde, es gibt 37 Volksbegehren, 37 davon sind im Papierkorb gelandet, die Menschen sind es überdrüssig, sich einzureden, es hilft was, wenn sie zum Bezirksamt gehen oder zum Magistrat. Das war eine große, große Hürde. Die Menschen haben gesagt, wunderbar. Interessanterweise zu meinem Erstaunen gab es keine Polarisierung, was die neun Punkte betrifft, sondern zu dem Punkt "Hilft eh nix, ändert eh nix". In der Schwierigkeit stecken wir an sich. Wir haben diese Phase vor dem Sommerloch abgeschlossen, und jetzt zeigt sich, dass wir das ohne Geld machen. Das Bildungsbegehren von Androsch hatte 1,8 bis zwei Millionen Euro… wir finanzieren uns durch Mini-Spenden auf respekt.net, ohne Sponsoren, ohne alles. Ist ja auch ein heikles Thema, werden oft gefragt, wer zahlt das eigentlich, wer steckt dahinter…

Interviewer: Sie bringen da Ihre Zeit und Energie und letztendlich auch Geld ein?

Befragter: Auch das Geld. Wobei wir jetzt ein bisschen anstehen, ganz ohne Geld sind die Menschen schwer erreichbar, auch die Vernetzungen sind um vieles schwieriger. Die Leute auch auf Trab zu halten, wenn sie einmal gesagt haben: "Ich mache mit". Also wir haben mehr Schwierigkeiten, als ich gedacht habe. Jetzt werden wir es einreichen, dann wird es eine Eintragungswoche geben. Wenn es nach uns geht, gemeinsam mit der Volksbefragung zum Bundesheer - damit Sie auch etwas Brandneues haben in der Sendung! Wir werden verlangen, wir werden fordern, das unsere Eintragungswoche für das Volksbegehren genau in der selben Woche wie jene zum Bundesheer ist.

Interviewer: Um die Teilnahme zu maximieren?

Befragter: Aber auch um es den Bürgern zu erleichtern, die werden sich wahrscheinlich was ausreißen, um das nicht zu machen. Ist es ja ein Bürgerservice, die Menschen tun sich auch leicht hinzugehen, müssen nicht zweimal hingehen. Und es ist eine Mobilisierung des Bürgerwillens. Ich schaue mir erst an, wie sie das ablehnen.

nicht zweimal hingehen. Und es ist eine Mobilisierung des Bürgerwillens. Ich schaue mir erst an, wie
neu wal .com Interviewer: Wäre es vorstellbar, dass aus MeinOE doch wieder eine politische Partei

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Interviewer: Wäre es vorstellbar, dass aus MeinOE doch wieder eine politische Partei oder Parteienplattform entsteht?

Befragter: Das ist so ein Satz, wo ich mit den Worten vorsichtig geworden bin. Was immer ich auch sage, heißt es am Ende, Sie kandidieren. Ich will aber auch nicht sagen, ich kandidiere nicht. Wir haben uns das nicht zum Ziel genommen. Wir haben uns das eigentlich auch gar nicht überlegt, weil wir der Meinung sind, da ist schon die Integrität der Volksbefragung in Frage. Ich möchte nicht, dass es zu einem Vehikel wird. Aber angesichts einer politischen Praxis, die uns ganz drastisch wieder mit dem Bildungsbegehren vorgeführt wurde, dass ja sogar im Parlament gewisse Zustimmungen im Ausschuss, sogar einen überparteilichen Konsens gefunden und dann von den Parteizentralen abgedreht wurde. Wir haben nur einen Vorsatz gefasst: Das lassen wir uns nicht gefallen. Wurscht, wie viel wir am Ende haben. Wenn es über 100.000 sind, also im Parlament behandelt werden muss, werden wir darauf bestehen, dass die Parteien das anders behandeln. Jetzt nehme ich vieles vorweg: Nachdem wir versucht haben, Verhandlungen zu führen, die Parteien dazu aufgefordert haben, Stellung zu nehmen, uns zu allen Themen gemeldet haben, wenn sie aktuell werden, ob das die Justiz, die Medien oder das Wahlrecht oder die Antikorruption ist; wenn sie dann am Ende glauben, sie können uns mit irgendeiner Prozedur doch im Papierkorb verstauen, dann sollen sie wissen, wir tun es nicht! Auch wenn es uns am Ende eine Kandidatur bedeutet.

Interviewer: Also auch nicht, wenn es letztendlich bedeutet, dass Sie sich persönlich ins Rennen werfen müssen.

Befragter: Es ist denkbar, wer wird sich dann zeigen. Wir wollten ja immer Bewegungscharakter. Es wird sich zeigen, ob es eine Demokratiebewegung gibt.

Interviewer: Sie sind ja, ich sag's mal vorsichtig, nicht ganz unbekannt und kommen in den Medien häufiger vor als unsere durchschnittlichen Diskutanten. Wir haben Sie trotzdem gebeten, den Menschen Ihre fünf persönlichen und politischen Meilensteine im Leben vorzustellen. Was war denn der erste prägende Moment in Ihrem Leben?

Befragter: Das ist für mich wie eine maßgeschneiderte Idee, weil fünf Stationen, damit kann ich so ziemlich meine ganzen, schwerwiegendsten politischen Phasen kennzeichnen. Sie werden sehen, dass es ein Kreis ist. Ich habe begonnen als Vertreter der Zivilgesellschaft 1977, als Sprecher der Vereinigten Bürgerinitiativen Salzburgs: Altstadtlandschaft, Demokratisierung, Verkehr, das ganze urbane politische Umfeld - das war die erste große Station, da habe ich einmal gelernt, was Zivilgesellschaft sein kann, wie man einen Aufstand macht, wie man Barrikaden baut. Es ist uns gelungen, in dieser Stadt, die ja unglaublich versteinerte Verhältnisse hat und ein Fischmarkt von Neapel war, wo sich die Parteien halt

Stadt, die ja unglaublich versteinerte Verhältnisse hat und ein Fischmarkt von Neapel war, wo sich die
neu wal .com alle Pfründe und Märkte aufgeteilt haben. In einer unglaublichen Weise, undurchdringlich, die

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alle Pfründe und Märkte aufgeteilt haben. In einer unglaublichen Weise, undurchdringlich, die Medien mit eingepackt, praktisch keine Chance. Wir haben einen Aufstand in der Bevölkerung mobilisiert, über große Themen, große Kritik, viel Mut, 13 Prozesse geführt auch gegen die riesigen Baubosse und alle gewonnen sogar. Dann sind wir zur Gemeinderatswahl angetreten, da kam ich 1977 als junger Mann, der alle belehrt hat, z.B. einen Herbert Fux, wie man's eigentlich machen müsste, der die Nacht lang getobt hat, und um 4 in der Früh hat er gesagt: Machst du halt das Flugblatt! Dann haben wir ein Flugblatt gemacht: Hände über der Stadt, ein Titel aus einem Film über die Mafia in Palermo. Das haben wir mit 30.000 aufgelegt, es war in aller Munde, hat einen riesigen Tusch gemacht - dann sind wir zur Wahl angetreten, haben 5,5 Prozent gemacht. Ich blieb Sprecher der Vereinigten Bürgerinitiativen, das war sozusagen die Trägerplattform dieser Bürgerliste. Damals haben wir Häuser besetzt, uns an Bäume gekettet, alles, was uns eingefallen ist, aber ziemlich drastisch. Ein paar Dinge, die ich mir heute zurückwünschen würde. Wir haben sehr viel recherchiert über Bauspekulation etc., haben das dann in Riesen-Inseraten, wo uns jeder Werbemensch gesagt hat, das ist absurd, das liest kein Mensch, riesige Kolonnen in den Salzburger Nachrichten. Komischerweise wurde das zum Renner, es gab Leute, die sich die Zeitung nur deswegen gekauft haben. 1982 - das war dann schon die zweite Station - sind wir von fünf auf 18 Prozent gestiegen, das ergab einen Platz in der Regierung. Ich wurde dann Stadtrat mit dem größten Ressort, das in der Stadt je existiert hat, aus dem strategischen Kalkül der Parteien: Die machen wir jetzt nieder. Die Wetten haben ungefähr auf sechs Monate gedauert, bis der Spuk vorbei ist.

Interviewer: Das wurde als Abnormität abgetan?

Befragter: Ja, und die führen wir jetzt vor… Das riesige Ressort hat mir aber ermöglicht, wirklich ein umfassendes Reformkonzept zu entwickeln, eines, das wirklich sehr sehr viel auch international als Projekt bekannt wurde. Gestaltungsbeirat, Landschaftsgürtel um die Stadt, Fußgängerzone, Planungsdemokratie vollständig bis zum letzten Bauvorhaben, Architekturwettbewerbe, Verkehrsberuhigung, grüne Salzach - das war schon ein ganz großes Projekt, eine revolutionäre Zeit. Ich wusste ganz genau, dass ich meinen Kopf zu Markte trage, wenn ich mich dafür entscheide, die Macht auszuüben statt zu erhalten. Das war die große zweite Station. Dann kam eine Reaktion, die hieß, dass wir von 17 auf 11 Prozent gefallen sind. Ich bin dann von allen Ämtern als Konsequenz zurückgetreten. Die Grünen haben mich dann als Bundesgeschäftsführer gerufen, heutiger Bundessprecher. Dann ging ich nach Wien und dann war Nationalrat und Fraktionschef, Klubobmann. Dann begann das mit den Grünen disparat zu werden aus vielen Gründen. Ich ging dann, das war die nächste Station, nach Europa, wo ich 15 Jahre war. Mitglied der beiden Konvente, zweimal Vizepräsident des Verfassungsausschusses. Das war eine ganz große Zeit der Arbeit an der Verfassung. Mein zentrales Erlebnis war, dass ich mir niemals erträumt hätte, wie viel ein einzelner Abgeordneter auf große europäische Dinge haben kann. Nationalrat war die ernüchterndste Schule der Politik, die es überhaupt gibt. Man kann in der Kommunalpolitik sehr viel bewegen, in der Zivilgesellschaft, in Europa… der Nationalrat

überhaupt gibt. Man kann in der Kommunalpolitik sehr viel bewegen, in der Zivilgesellschaft, in Europa… der
neu wal .com war eigentlich eine unsäglich mühevolle, unfruchtbare Arbeit. Viel mehr als Reden und

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war eigentlich eine unsäglich mühevolle, unfruchtbare Arbeit. Viel mehr als Reden und Öffentlichkeit herzustellen, konnte man nicht. Das war Europa, dann kam ich zurück - und wollte eigentlich mit der Politik, muss ich ehrlich gestehen, nicht mehr so viel zu tun haben. Habe dann ein Buch geschrieben…

Interviewer: Sie haben sich ein bisschen zurückgezogen

Befragter: …habe mich zurückgezogen, in Innsbruck unterrichtet als Gastprofessor. Habe aber die Idee aus Europa immer mitgebracht: wenn noch einmal Politik, dann nicht Partei, nicht Nationalrat, dann die Demokratie. Mir die für mich zentrale Fehlentwicklung in diesem Land noch einmal vorzunehmen, aber mit der Zivilgesellschaft und nicht mit Parteien.

Interviewer: Das ist meinOE?

Befragter: Das ist meinOE.

Interviewer: Ich bin ja erstaunt oder überrascht, dass Sie gleichzeitig mit der Bundesheer-Volksbefragung nächstes Jahr Ihre Volksbefragung abhalten möchten, weil Sie in der Pressestunde gesagt haben, das ist ein willkürlicher Missbrauch des Instruments. Es geht Ihnen jetzt darum, das zu vereinfachen - aber die Volksabstimmung an sich unterstützen Sie nach wie vor nicht?

Befragter: Sagen wir es einmal so. Ein Volksbegehren über das Bundesheer ist ja nicht nix. Ist mit Neutralität verbunden, mit Nato-Beitritt, schleichend, nicht offen, mit der europäischen Sicherheitsarchitektur verbunden, mit einer äußerst haarigen Frage des Einsatzes im Inneren und der Grund- und Freiheitsrechte. Von all dem ist überhaupt nichts diskutiert, ich sehe auch nicht die geringste Absicht dazu. Was ich sehe, ist ein Landeshauptmann in Niederösterreich, Schwarz, der die Idee eines Landeshauptmanns in Wien, Rot, kopiert, vor einer Landtagswahl, kurz einmal Stimmung zu machen. Jetzt macht er zehn Jahre Hochwasser und verbindet damit ein paar Vorstellungen - Landeshauptmann in Gummistiefeln rettet Hamster vor dem Ertrinken - das ist ungefähr das Niveau dieser Volksbefragung. Die nestroyanische Komödie, dass man zuerst eine Volksabstimmung macht, dann sagt, nein eine Volksbefragung, weil ein Gesetz kann man uns ja nicht zumuten… Diese ist nicht bindend, dann sagt man, machen wir sie halt bindend, aber uns in der Diskussion über den Ausbau der direkten Demokratie und zwingende Volksabstimmung ab 300.000 beim Volksbegehren entgegenhalten, das unterläuft den Parlamentarismus bis zum Bundespräsidenten hinauf. Dann im Fernsehen eine kurze Handbewegung des Herrn Spindelegger: Das ist schon politisch verbindlich. Für wen? Das jetzige Parlament, das nächste, die Wähler - hat er gefragt? Nein. Diese Karikatur einer direkten Demokratie, erinnert mich penetrant an Napoleon den Dritten, plebiszitäre Bürgerkönige.

Diese Karikatur einer direkten Demokratie, erinnert mich penetrant an Napoleon den Dritten, plebiszitäre Bürgerkönige.

Interviewer: Also der Vorwurf bleibt?

Interviewer: Also der Vorwurf bleibt? neu wal .com Befragter: Der Vorwurf bleibt. In der Sache selbst

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Befragter: Der Vorwurf bleibt. In der Sache selbst werden die Parteien die Aufgabe haben, die Menschen zu informieren, die Diskussion zu führen. Wenn es eine Volksbefragung gibt, gut, werde ich mich persönlich auch daran beteiligen. Dann bitteschön nicht nur die Themen, die einem Landeshauptmann gerade einfallen, sondern auch die von uns und dann auch eine gemeinsame Abstimmung.

Interviewer: Sie haben's schon selber angesprochen vorhin, dass viele dieser Volksbegehren, Volksbefragungen etc. letztendlich wenig Resultate erzeugen. Die werden entweder in die Schubladen gelegt oder es wird etwas umgesetzt wie damals im ORF, mit dem nächsten Intendanten war wieder alles viel schlimmer als vorher. Wie möchten Sie das verhindern und mit meinOE und anderen Volksbegehren, Volksbefragungen wirklichen Wandel schaffen?

Befragter: Eine Sache war einmal: Nein, wir machen eben nicht ein Thema, weil sie alle in den Papierkorb wandern. Wir machen eine Gesamtreform der österreichischen Demokratie, und versuchen da, eine solche öffentliche Meinung aufzubauen, dass die Demokratie selber zur Diskussion gestellt wird. Schwierig. Jetzt muss ich zu unserem Vorteil sagen: Wir haben eigentlich sehr viel bewegt, alleine durch die Ankündigung. Die Parteienfinanzierung, ich sage nicht wie und mit Fußnoten, wurde geändert, es hat sich etwas geändert bei der Korruption, bei der Transparenz. Insofern könnten wir einfach zufrieden sein, wir haben einiges bewegt. Ich weiß nicht, wie viele Kleinparteien es in Österreich gibt, die in den letzten Jahren das bewegt, was wir bewegt haben. Das reicht aber mit Sicherheit nicht. Wir wollten noch mehr als die Volksbefragung eine Demokratiebewegung anstoßen. Ein bisschen stehen wir alten Kolosse, die da wie die Samurais vor dem buddhistischen Tempel sitzen, im Weg - wegen dem Alter, der politischen Laufbahn, der Polemiken "die hätten doch, als sie…" und so weiter. Die Bewegung ist nicht ganz so zustande gekommen, aber ich gebe da nicht auf, es kann nur eine Kooperation der Zivilgesellschaft sein. Ich war überrascht, wie viele Demokratieinitiativen es im Land gibt, an den Universitäten - ich habe das auch nicht gewusst, gebe ich zu, die jetzt alle Kontakt aufnehmen, sind sehr empfindsam gegenüber Vereinnahmung und sonst etwas. Es gibt ein Netzwerk in der Zivilgesellschaft. Ich bin auch im Advisory Board beim respekt.net, beim Bürgerforum 2020 als Sprecher. Es kommt so ein Netzwerk zustande, wo ich hoffe, dass das Thema Demokratie bis zu einer umfassenden Verfassungsreform, in der sowohl die parlamentarische als auch die direkte Demokratie massiv gestärkt werden, dass eine Demokratiebewegung nicht aufhört, das einzufordern. Das ist das große Thema. Wir brauchen uns über Soziales nicht unterhalten, nicht über Europa, nicht über Schulen, nicht über Bildung, nicht über Gesundheit, wenn wir nicht ein politisches System haben, in dem die Menschen sich einbringen können. Das haben wir jetzt zum Thema gemacht. Ich hoffe, dass es zündet, dass es Funken schlägt, dass wir einfach

können. Das haben wir jetzt zum Thema gemacht. Ich hoffe, dass es zündet, dass es Funken
neu wal .com ein bisschen Charisma für dieses Thema einbringen und leuchten lassen. Dan vertraue

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ein bisschen Charisma für dieses Thema einbringen und leuchten lassen. Dan vertraue ich eigentlich darauf, dass die Jungen sagen: So, okay, und jetzt nehmen wir uns das.

Interviewer: Wie kann das mit dem Bürgerforum Europa 2020 funktionieren? Viele scheitern dann daran, diese Themen auf die europäische Ebene zu heben, es ist im eigenen Land schon schwer - da sind einem die Themen näher, kennt man die Leute. Wie bringen sie das nach Europa, um auch Europa zu demokratisieren?

Befragter: Ich habe das gegründet mit den Herren Karas und Bösch gemeinsam, auch parteiübergreifend, weil wir es einfach unerträglich fanden, dass alles in dieser nationalen Käseglocke vor sich hindunster, Ressentiments gezüchtet werden darin wie die Schimmelpilze gegenüber Europa, aber keine Information. Keine Klarstellung, was man dort gemeinsam machen könnte, ein Riesenfeld voller Chancen auch für die Jugend. Nicht nur bei den bekannten Dingen wie Studienprogramme und freie Grenzen, sondern auch mit der direkten Demokratie. Es gibt ja auch ein Volksbegehren in Europa, von dem ich mir relativ viel verbreche. Wir haben gesagt, wir werden die Innenpolitik abklopfen auf ihren Bezug und die Parteien auf ihre Kompetenz gegenüber Europa, was ein zutiefst frustrierendes Feld ist. Als ich im Hauptausschuss des Nationalrats noch das Rederecht hatte, habe ich in glasige Augen geschaut. Man hat auch selbst im Parlament keine Ahnung, so kann es nicht sein. Jetzt kann ich, was mich betrifft, nicht wieder auf drei Hochzeiten tanzen, also versuche ich, meinOE jetzt einmal als Hauptpriorität. Im Herbst werden wir im Bürgerforum 2020 das auch entwickeln, und auch eine europäische Bewegung versuchen. Was eine Kandidatur betrifft: Wenn Sie jetzt einmal ein bisschen schauen, was eine künftige Partei, die in diesem Vakuum entstehen könnte oder müsste, für Themen abdeckt. Piraten und so, wie kommt man zu einem glaubwürdigen Programm. Dann haben Sie ein Bildungsbegehren, eine zivilgesellschaftliche Europabewegung, eine meinOE Demokratie Jetzt Bewegung, ein Volksbegehren Soziales und Steuer, da ist schon einiges abgedeckt von großen, gewichtigen Initiativen in der Gesellschaft. Wenn die eines Tages den Parteien die Macht streitig machen und den Einfluss und das Monopol auf die Macht, dann ändert sich was.

Interviewer: Jetzt gibt es noch viel brennendere, akutere Themen. Zum Beispiel die Euro-Krise, das Korruptionsthema, den Stillstand bei uns, Demokratiedefizit. Wie berühren die Initiativen diese Themen konkret?

Befragter: Ganz massiv. Der Stillstand ist einfach, weil das politische System nicht mehr funktioniert, weil sich die Parteien gegenseitig paralysieren, weil sie den Staat im Grunde genommen zu ihrem Eigentum erklärt haben. Wir haben ja keine Regierung, wir haben zwei Regierungen, die sich gegenseitig bekriegen bis hin zu Spiegelministern, die sich belauern, und Staatssekretären, die sich belauern, und Abgeordnete, die bei ihren Ministern fragen müssen, ob sie ihnen eine Anfrage stellen dürfen - das ist ja alles Nestroy! Da gehören einmal alle Fenster aufgerissen und viel Licht hinein. Und dann einmal durchbuchstabieren,

ja alles Nestroy! Da gehören einmal alle Fenster aufgerissen und viel Licht hinein. Und dann einmal
neu wal .com den Parteien die Demokratie noch einmal Wort für Wort buchstabieren. Gewaltenteilung, Öffentlichkeit

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den Parteien die Demokratie noch einmal Wort für Wort buchstabieren. Gewaltenteilung, Öffentlichkeit der Gesetzgebung

Interviewer: Das soll funktionieren mit diesen beiden Initiativen?

Befragter: Das muss funktionieren.

Interviewer: Jetzt kommen wir zum Word-Rap, ich bitte wirklich um ein Wort oder ganz kurze Sätze als Antwort. "Griechenland".

Befragter: Stunde der Wahrheit für die europäische Solidarität.

Interviewer: "Europäische Zentralbank".

Befragter: Gute Entscheidung vorgestern.

Interviewer: "Kärntner Verhältnisse".

Befragter: Fremdschämen.

Interviewer: "Silberrücken".

Befragter: Ich und die Gorillas.

Interviewer: "Direkte Demokratie".

Befragter: Eine unverzichtbare Ergänzung der repräsentativen Demokratie!

Interviewer: Auf einer Skala von 0-10, wo 0 klassisch rechts und 10 klassisch links ist, wo findet sich meinOE wieder?

Befragter: Das ist eine Allianz von ganz bunten Hunden, die nur einen gemeinsamen Punkt haben, die Demokratie, und der sitzt tatsächlich in der Mitte. So sehr mir dieser Punkt sonst nicht naheliegt, aber der aufgrund der umfassenden Initiative einen Konsens ausdrückt, den bis auf Extreme alle teilen können.

naheliegt, aber der aufgrund der umfassenden Initiative einen Konsens ausdrückt, den bis auf Extreme alle teilen
neu wal .com Interviewer: Dort sehen Sie die Wähler und Unterstützer auch und sollen Sie

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Interviewer: Dort sehen Sie die Wähler und Unterstützer auch und sollen Sie sehen?

Befragter: Ich glaube, das geht dann mit Themen wie Bildung und soziale Gerechtigkeit und Europa auch darüber hinaus, vielleicht dann auch mit dem starken Schwerpunkt Soziales ein bisschen Links von der österreichischen Mitte, die ja etwas verschoben ist astronomisch.

Interviewer: Gibt es politische Parteien, die die Bewegung meinOE und Bürgerforum 2020 unterstützen?

Befragter: Nach der Vorstellung der Parteien sind wir ja nicht blöd. Wir haben sie gefragt. Die Grünen haben gesagt, sie unterstützen uns, sie haben keinen Finger gerührt, nicht einmal eine Aussendung. Sie fürchten sich davor und das ist auch gut so.

Interviewer: Sie wollen bewusst von außen diesen Impuls geben.

Befragter: Ja. Ich vertraue ihnen auch nicht, wenn sie es unterstützen, außer dass sie uns um die Zeit bringen und Verzögerungen und Verwässerungen verursachen. Wenn wir die Unterstützungserklärungen haben und ich hoffe, ein Gewicht, dass die Parteien zwingt, dann werden sie mit uns verhandeln.

Interviewer: Sie wollen mit diesen Unterstützungserklärungen und den Stimmen das Gericht erreichen und den Persönlichkeiten ein Gewicht erreichen, um diese Themen einzubringen, aufs politische Tapet zu bringen. Wir nehmen an, es gelingt und beide Initiativen haben den Erfolg, dass sie sich einbringen können und dass auch etwas passiert im Nachfeld, was ja nicht dasselbe ist. Was wäre anders, woran erkennt es die Bevölkerung?

Befragter: Die würde das blitzartig erkennen. Die Fragen mögen sehr schwierig sein, europäische Themen, Krise, Korruption, Parlament zu machen, eine unabhängige Justiz, das hat viele am Millimeterpapier zu erringende Fortschritte und all das. Wir haben konkrete Vorstellungen, es könnte also relativ schnell gehen. Wir können zurückgreifen auf den Verfassungskonvent, der auch in den Schubladen landete. Was ich mir erwarte, was sich innerhalb von Stunden nach einer Wahl zeigt, ist ein völlig anderes Klima im Land. Eines der Offenheit, der intellektuellen Redlichkeit, der Information, der Beteiligung der Bürger. Des Aufhörend von Sündenbock-Geschichten wie mit Europa und des sich gegenseitig in die Hölle Verdammens jeden Tag von oben bis unten. Mit Enttäuschung nehme ich zur Kenntnis, dass es es nicht stattfindet: Das ist es, was ich von den Grünen in Wien erwartet hätte. Ich kenne es, wir haben es besprochen, ich war auch Stadtrat in Salzburg, es ist alles sehr mühsam, aber ein Klima entstehen zu lassen der Erwartung, des Aufbruchs, des Engagements, der Einbeziehung der Leute, Signale zu setzen, ja - da ist die Zivilgesellschaft

des Aufbruchs, des Engagements, der Einbeziehung der Leute, Signale zu setzen, ja - da ist die
neu wal .com willkommen und wir setzen uns auseinander damit - dieses Klima kann man

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willkommen und wir setzen uns auseinander damit - dieses Klima kann man in wenigen Stunden erzeugen. Das würde ich mir wünschen bei der nächsten Wahl. Irgendwie sehe ich die heutigen Politiker immer noch als Vatermöder auf Schwarzweißfotos des vorigen Jahrhunderts, es ist alles sehr staubig und träge und vor allem unendlich verlogen.

Interviewer: Sie wollen Österreich durchlüften und entstauben?

Befragter: Ich würde gerne einen Anstoß geben zu einer modernen Demokratie, die viele viele Vorteile hat, auch kulturell, Künstler haben es in kaum einem Land so schwer wie hier. Ich glaube, dass ein Signal des Aufbruchs, die Bleigewichte einer Vergangenheit, die man noch dazu missversteht oder nicht aufarbeitet, dass man sagt: Lasst uns etwas machen! Die Magie ist ja keine politische Kategorie, aber wir haben ein neues Jahrhundert und da könnte man doch sagen, wir machen etwas Neues.

Interviewer: Legen wir los

Befragter: Wir legen los!

Interviewer: Herr Voggenhuber, herzlichen Dank fürs Dabeisein, für die spannenden Antworten. Ich bedanke mich auch bei unseren Zuseherinnen und Zusehen fürs Dabeisein, bei unseren Partnern und Kollegen in den ichmachpolitik-Studios und ZigeTV und freue mich auf die nächste Diskussionsrunde der neuwal Sommergespräche 2012.

den ichmachpolitik-Studios und ZigeTV und freue mich auf die nächste Diskussionsrunde der neuwal Sommergespräche 2012.