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Obligatorische Struktur der Unterrichtsinhalte (RL S 41)

Den Schwerpunkt der Inhalte bilden künstlerische Bildwelten, erweitert durch


nichtkünstlerische Bildkonzeptionen.
Die Orientierung der inhaltlichen und didaktischen Struktur erfolgt an den
- drei Handlungsfeldern Produktion und Rezeption von Bildern und Reflexion
über Bildprozesse
- vier Lernaspekten Umgang mit Materialien und Medien, geistige
Grundhaltungen, Herstellerpersönlichkeit und geschichtliche/soziokulturelle
Zusammenhänge
- ästhetischen Kategorien Farbe, Körper/Raum, Linie, Fläche, Bewegung/Zeit,
von denen jede mindestens zwei mal pro Curriculumseinheit ausdrücklich
thematisiert wird
- Verfahren Zeichnen, Malen, Drucken, Collagieren, Plastizieren, Bauen sowie
Skizzieren/Konzipieren und Handhabung neuer Medien, die jeweils mehrmals
angewandt werden
- Prinzipien der Sequenzialität; die Unterrichtsinhalte müssen während der
Unterrichtsreihe aufeinander aufbauen, und die Reihen müssen einem
Spiralcurriculum entsprechen (Kompetenzen werden schrittweise ausgebaut)

Gesichtspunkte für die Auswahl von Inhalten (RL S.33-35)

1. Bildkonzeptionen
Künstlerische Bildwelten bilden den didaktischen Schwerpunkt, da sie die
Wahrnehmung folgender Sachverhalte fördern:
- Interdependenz von Inhalt und Form
- Interpretationsoffenheit
- Komplexität
- Originalität/Individualität
- Gesellschaftlichkeit
Künstlerische Bildwelten sollen folgendermaßen erschlossen und entwickelt
werden:
- Im Wechselbezug von Gestalten und Begreifen im
gestaltungspraktischen Handeln
- In aktiver persönlicher Auseinandersetzung
- Subjektivität eigener Wahrnehmung soll bewusst werden
- Bereitschaft sich auf Neues einzulassen soll entwickelt werden

Darüber hinaus werden nichtkünstlerische Bildwelten aus Alltagskultur und


Werbung auf Mittel, Absichten und Wirkungen hin thematisiert.

2. Ästhetische Kategorien
- Farbe
- Linie
- Fläche
- Körper/Raum
- Bewegung/Zeit
Jede Kategorie muss in Abständen mehrmals ausführlich thematisiert werden in
Rezeption und Produktion.
3. Bildverfahren und Medien
Schwerpunkt soll auf Materialien und Verfahren liegen,
- die unmittelbare sinnliche Erfahrungen ermöglichen
- unmittelbar handhabbar sind
- vielfältige und individuelle Ausdrucksweisen ermöglichen
- die zu ausdauernden, konzentrierten Gestaltungs- und
Wahrnehmungsprozessen hinführen
wie Zeichnen, Malen, Drucken, Collagieren, Plastizieren, Bauen.

Darüber hinaus sollen neue Medien und Verfahren wie Fotografie, Film, Digitale
Bildbearbeitung genutzt und reflektiert werden.

Handlungsfelder (RL S. 36 ff)

Die Handlungsfelder bilden die fachliche Grundstruktur und ergänzen und


durchdringen sich wechselseitig. (S. 38), es muss aber im Unterricht
schwerpunktmäßig produktion,- reflexions- und rezeptionsbestimmte Phasen geben
in allen zwei Curriculumsstufen (5/6, 7/8)

 A: Produktion von Bildern


Die Bildproduktion geschieht
- in unterschiedlichen Materialien, Formen, Medien,
- um Inhalte des Wahrnehmens Denkens, Erlebens, Vorstellens sicht-
oder tastbar zu er/verarbeiten
- zielorientiert, um Zusammenhänge von Inhalt und Form zu suchen und
zu finden

 B: Rezeption von Bildern


Die Rezeption von Bildern umfasst
- alle Tätigkeiten, die dem Wahrnehmen, Analysieren und Deuten von
Bildern dienen, also auch experimentelle und offene Verfahren
- Methoden der fachlichen Bezugswissenschaften (Kunstwissenschaft,
Kunstgeschichte, Wahrnehmungspsychologie,
Kommunikationswissenschaften), ohne sie explizit thematisieren zu
müssen
- Vielfalt an Zugängen und Vorgehensweisen, um unterschiedliches
Erleben und Verstehen zu ermöglichen

 C: Reflexion über Bildprozesse


Die Reflexion über Bildprozesse umfasst das Nachdenken über Gründe,
Bedingungen und Gesetzmäßigkeiten im Prozess der
• Bildproduktion:
- Fragen des geistigen, kulturellen, kontextbezogenen Rahmens
- Technische Bedingungen der Produktion und Auswirkungen
(Bsp. Buchdruck)
- Gedanken und Gefühle
- Zusammenhänge zwischen Bild und Weltvorstellung
• Bildrezeption
- Konventionen und kollektive Vorstellungen
- Rolle des Betrachters
- Verhältnis von Bild- und Wortsprache
Lernaspekte (RL S. 38 ff)

Lernaspekte sind Akzentsetzungen, die helfen, die Lehr- und Lernintentionen zu


konkretisieren und Inhalte zuzuordnen.
In jeder der zwei Curriculumseinheiten müssen jeweils Lerneinheiten zu allen vier
Lernaspekten im Unterricht behandelt sein.

1. Umgang mit Materialien und Medien


Schwerpunkt: Wechselwirkungen zwischen Medium/Form/Gestaltung und
Wirkung/Inhalt/Funktion
SuS sollen folgende Erfahrungen sammeln:
- Umgang und Wirkung mit/von Materialien und Darstellungsweisen
- Umsetzung von Ideen in Material und umgekehrt auch Material als
Ausgangspunkt für Ideen
- Bewusstes Erleben und Beobachten
- Wahrnehmungsvorgänge erlebend verstehen hinsichtlich der Intention
und ästhetischen Qualität von Bildern

2. Geistige Grundhaltungen
SuS sollen Fragen nach der geistigen Haltung bei Gestaltungsvorgängen klären:
- Ist die Bildproduktion im konkreten fall gefühls-/intuitions- oder
verstandesbestimmt?
- Liegt das Darstellungsinteresse auf Struktur oder Erscheinung des
Gegenstandes?
- Welchem Verhältnis zur Wirklichkeit entspricht das Bild?
- Welche Absicht und Haltung zeigt die Ausdrucksform (realistisch,
idealistisch oder manieristisch)?
- Wie wirken sich (kultur)geschichtliche Zusammenhänge aus?
(Vergleich von Epochen und Kulturen)

3. Persönlichkeit des Herstellers


Die SuS sollen lernen,
- das Bild als Ausdruck eines Individuums mit besonderen
handschriftlichen und inhaltlichen Merkmalen zu betrachten
- ihre eigenen Bilder als Artikulation von individuellen Erfahrungen,
Interessen, Wünschen, Ansichten zu begreifen (Biografien)
- Toleranz gegenüber anderen Arbeiten zu entwickeln

4. soziokulturelle und geschichtliche Zusammenhänge


Die SuS sollen Bildproduktion in gesellschaftliche Zusammenhänge einordnen
lernen unter folgenden Aspekten:
- kunst- und kulturgeschichtliche, politische und wirtschaftliche Einflüsse
auf und von Bildproduktion
- gesellschaftliche Konventionen über Formen, Symbole, Traditionen und
deren Veränderungen
- unterschiedlichen Bildsprachen anderer Zeiten und Kulturen
entschlüsseln, auch mithilfe kunstexterner Quellen, um Abhängigkeit
des Verständnisses von gesellsch. Zusammenhang zu erfahren
- Einfluss der sozialen Prägung auf Bildproduktion und –reflexion
Zu erreichende Qualifikationen (RL S. 42)

Die Schülerinnen und Schüler haben gelernt,

- unterschiedliche Materialien, Medien, Verfahren in Ausdruck / Wirkung


einzuschätzen und eigenständig zu nutzen
- in Bildern die Zusammenhänge und Bezüge zur sichtbaren und
gedachten Welt zu erkennen und herzustellen (mimetisch/
nichtmimetisch)
- unterschiedliche Prinzipien und Mittel der Körper-Raum-Darstellung
zielbewusst und mit der Kenntnis um das gedankliche Umfeld
einzusetzen
- durch kompositorische Mittel Zusammenhang, Ausdruck, Bedeutung in
Gestaltungen zu entwickeln und in Bildern zu erkennen
- sich fachbegrifflich und methodisch angemessen über Bilder zu äußern
- verbale und bildhafte Formen und Mittel/Methoden zum Verständnis
und zur Interpretation von Bildern zu nutzen
- Bilder unter sinnvollen Aspekten zu vergleichen (Motiv, Stil u.a.)
- Texte zu Bildern in Beziehung zu setzen und sie als Verstehenshilfe zu
nutzen
- Eigene und anderer Bilder hinsichtlich der Grundhaltung beurteilen zu
können
- Bilder als Ausdruck persönlichen Erlebens und als Mitteilung über
andere Lebenswelten zu entschlüsseln bzw. zu produzieren
- eigene Konventionen zu reflektieren aufgrund ihrer Erfahrungen und
Kenntnisse über den Einfluss von Konventionen und Traditionen auf
Bilder
- Kulturelle und gesellschaftliche Besonderheiten in Bildern zu
erschließen
- Bilder als eigene Wirklichkeit zu begreifen und zu gestalten