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12

Behälter unter Innen- und Außendruck

 

Eine Vielzahl technischer Bauteile wie zum Beispiel Druckbehälter, Dampf- und Gasleitun- gen, Pipelines, Hydraulik- und Pneumatikzylinder aber auch Bremsleitungen in Fahrzeugen, werden durch einen inneren Überdruck beansprucht. Mitunter erfolgt jedoch auch eine Bean- spruchung durch einen äußeren Überdruck. Als Beispiele können Ansaug- oder Kondensati- onsleitungen genannt werden. Da ein Versagen derartiger, insbesondere durch Innendruck be- anspruchter Bauteile zumeist mit erheblichen Schäden einher geht (man denke beispielsweise an eine Dampfkesselexplosion), ist ein sorgfältiger Festigkeitsnachweis aus Sicherheitsgrün- den von größter Bedeutung.

Ziel dieses Kapitels ist die Spannungsermittlung und der Festigkeitsnachweis von Behältern unter einem inneren oder äußeren Überdruck. Unter dem Begriff "Behälter" sollen dabei of- fene Hohlzylinder wie zum Beispiel Rohrleitungen, geschlossene Hohlzylinder wie Druckbe- hälter sowie Hohlkugeln verstanden werden.

Vielfach ist die Wandstärke von Druckbehältern und Rohrleitungen klein gegenüber ihrem Durchmesser, so dass die Tangentialspannung in der Behälterwand als konstant angesehen werden kann. Außerdem kann die Radialspannung vernachlässigt oder ein linearer Spannungs- verlauf zugrunde gelegt werden. Dementsprechend ist es aus Gründen des Berechnungsauf- wandes zweckmäßig, zwischen dünnwandigen und dickwandigen Behältern zu unterscheiden.

12.1 Dünnwandige Behälter

 

Ein Behälter wird nach DIN 2413 als dünnwandig bezeichnet, falls für sein Durchmesserver- hältnis gilt:

 

d

a

1,2

bzw.

s

0,1

(12.1)

 

d

i

d

i

Bei einem dünnwandigen Behälter kann dann, wie bereits erwähnt, die Tangentialspannung in der Behälterwand als konstant angesehen werden. Außerdem kann die Radialspannung ver- nachlässigt oder ein linearer Spannungsverlauf zugrunde gelegt werden, so dass sich der Be- rechnungsaufwand zur Spannungsermittlung erheblich reduziert.

12.1.1 Dünnwandige Behälter unter Innendruck

 

Ein innerer Überdruck (p i ), nachfolgend kurz als "Innendruck" bezeichnet, weitet den Behälter zunächst auf, d. h. sein Durchmesser bzw. Umfang wird vergrößert. Hierdurch entstehen Span- nungen in Umfangsrichtung die im Folgenden als Umfangsspannungen oder Tangential- spannungen t bezeichnet werden sollen.

Sofern der Behälter beidseitig verschlossen ist (z. B. Druckbehälter) oder eine abgewinkelte Rohrleitung vorliegt, wirkt der Innendruck auch auf die Böden bzw. die Leitungsbögen und führt zu einer Verlängerung des Behälters in Axialrichtung. Hierbei entstehen Spannungen in Längsrichtung, die als Längsspannungen oder Axialspannungen a bezeichnet werden.

Letztlich wirkt der Innendruck auch auf die Innenoberfläche des Behälters und erzeugt eine Spannung in radialer Richtung, also senkrecht zur Behälterwand, die Radialspannung r .

208

12 Behälter unter Innen- und Außendruck

Zur Spannungsermittlung wendet man das Schnittprinzip an, indem man ein Flächenele- ment senkrecht zur wirkenden Tangential- bzw. Axialspannung herausschneidet (Bild 12.1).

 
man ein Flächenele- ment senkrecht zur wirkenden Tangential- bzw. Axialspannung herausschneidet (Bild 12.1).  

Die nachfolgenden Beziehungen beschränken sich, mit Ausnahme der Hohlkugel, auf den zy- lindrischen Teil des Behälters, d. h. es soll ein ausreichender Abstand von seinen Enden ange- nommen werden. Eine Beeinflussung durch die komplexen, einer elementaren Berechnung nicht zugänglichen Spannungsverhältnisse im Bereich der Endböden von Druckbehältern oder Bögen von Rohrleitungen ist dementsprechend nicht zu erwarten (Prinzip von de Saint-Venant).

Tangentialspannung (Umfangsspannung) Zur Ermittlung der Tangentialspannung ( t ) führt man einen Schnitt längs der Behälterachse

Bild 12.1

Spannungskomponenten an einem Schnittelement aus der Wand eines durch Innendruck beanspruchten, dünnwandigen Behälters

durch und betrachtet den in Bild 12.2 dargestell- ten Halbring. Ansetzen des Kräftegleichgewichts ergibt (l = Länge des Behälters):

 
in Bild 12.2 dargestell- ten Halbring. Ansetzen des Kräftegleichgewichts ergibt ( l = Länge des Behälters):
 

p

i

d l

i

2

t

s l

Tangentialspannung eines

d i p t i 2 s
d
i
p
t
i
2 s
 

dünnwandigen

 

Behälters

 

(12.2)

unter Innendruck

   

Axialspannung (Längsspannung) Zur Berechnung der Axialspannung ( a ) führt man einen Querschnitt senkrecht zur Behälterachse durch (Bild 12.3). Das Kräftegleichgewicht in Axialrichtung liefert:

einen Querschnitt senkrecht zur Beh älterachse durch (Bild 12.3). Das Kräftegleichgewicht in Axialrichtung liefert:
einen Querschnitt senkrecht zur Beh älterachse durch (Bild 12.3). Das Kräftegleichgewicht in Axialrichtung liefert:
einen Querschnitt senkrecht zur Beh älterachse durch (Bild 12.3). Das Kräftegleichgewicht in Axialrichtung liefert:

Bild 12.2 Längsschnitt am dünn- wandigen Behälter un- ter Innendruck

 

2

  2  
  2  
 
 

d

i

   

 

d

2

d

2

 
 

p

i

4

 

a

4

 

(

(

d

a

2

i

s

)

)

2

d

2

 
 

a

 

4

i

 

i

  a   4 i   i
 

a

 

4

2

d

i

4

d

i

s

4

s

2

d

i

2

Da die Wandstärke s voraussetzungsgemäß klein sein soll, kann man s 2 vernachlässigen und erhält:

 

2

  2
 

p

i

d

4

i

a

4

4

d

i

s

  p i d 4 i a 4 4 d i s
 

d

i

t

Axialspannung eines dünnwandigen Behäl- ters unter Innendruck

 

(12.3)

Bild 12.3 Querschnitt am dünn- wandigen Behälter un- ter Innendruck

a

p

i

 

 

2

 
 

4

s

   

Die Gleichungen 12.2 und 12.3 werden in der Praxis auch als "Kesselformeln" bezeichnet.

 

12.1 Dünnwandige Behälter

209

Radialspannung Da der Innendruck unmittelbar auf die Innenoberfläche der Behälterwand wirkt, entsteht dort eine radiale Druckspannung vom Betrag des Innendrucks, also ri = - p i (Hinweis: 1 bar = 0,1 N/mm 2 = 0,1 MPa). An der lastfreien Außenoberfläche ist die Radialspannung Null ( ra = 0). Üblicherweise rechnet man beim dünnwandigen Behälter mit einem konstanten Mittelwert und erhält dann für die Radialspannung r :

p i r 2
p
i
r
2

Radialspannung eines dünnwandigen Behälters unter Innendruck

(Mittelwert)

(12.4)

Da die Radialspannung sehr viel kleiner ist im Vergleich zur Tangential- oder Axialspannung wird sie mitunter auch vernachlässigt und ein näherungsweise zweiachsiger Spannungszustand zugrunde gelegt.

Für einen Festigkeitsnachweis müssen noch die Hauptspannungen 1 , 2 und 3 bestimmt wer- den. Da die gewählten Schnittflächen Symmetrieebenen von Form und Belastung sind, können dort keine Schubspannungen wirken. Das Vorhandensein von Schubspannungen würde gemäß dem Hookeschen Gesetz für Schubbeanspruchung (Gleichung 2.44) in den Schnittflächen Schiebungen (Winkelverzerrungen) hervorrufen und damit zu einer unsymmetrischen Verfor- mung führen. Dies ist jedoch bei reiner Innendruckbeanspruchung nicht der Fall. Normalspan- nungen, die in schubspannungsfreien Symmetrieschnitten auftreten, müssen daher zugleich Hauptspannungen sein. Dementsprechend sind also t und a Hauptspannungen. Damit muss aber auch r eine Hauptspannung sein, da die drei Hauptspannungen stets senkrecht zueinan- der sind. Mit der Indizierungsregel gemäß den Gleichungen 6.2 bis 6.4 folgt dann:

d

2 s

d

4 s

2

In der Wand eines dünnwandigen, kreiszylindrischen Behälters unter Innendruck herrscht ein dreiachsiger Spannungszustand. Falls die Radialspannung vernachlässigt wird, kann der Span- nungszustand, wie bereits erwähnt, näherungsweise auch als zweiachsig angesehen werden.

Zur Durchführung eines Festigkeitsnachweises, muss der dreiachsige Spannungszustand mit Hilfe einer geeigneten Festigkeitshypothese (Kapitel 6) in einen äquivalenten, fiktiv einachsi- gen Spannungszustand überführt werden. Da Druckbehälter üblicherweise aus duktilen Werk- stoffen hergestellt werden, stehen hierfür die Schubspannungshypothese (SH) oder die Ge- staltänderungsenergiehypothese (GEH) zur Verfügung. Da die Schubspannungshypothese im Vergleich zur Gestaltänderungsenergiehypothese höhere Vergleichsspannungen und damit konservative Ergebnisse liefert, wird sie, auch der Einfachheit halber, häufig zur Berechnung dünnwandiger Druckbehälter herangezogen. Man erhält damit die Beziehung:

V SH 1 3 d m p V SH i 2 s
V SH
1
3
d
m
p
V SH
i
2 s
 

d i

p i

p

i

t

r

p

i

2

s

2

d

i

s

2 s

Vergleichsspannung eines dünnwandigen Behälters

unter Innendruck unter Anwendung der Schubspan- nungshypothese

(12.8)

1

1 t p i i (12.5)

t

p i

i

(12.5)

2

a

p i

i

(12.6)

3

r

p

i

(12.7)

210

12 Behälter unter Innen- und Außendruck

Bild 12.4 zeigt den wahren Verlauf der Spannungskomponenten (Gleichungen 12.53 bis 12.55) in Wand eines
Bild 12.4 zeigt den wahren Verlauf der
Spannungskomponenten (Gleichungen
12.53 bis 12.55) in Wand eines durch In-
nendruck beanspruchten Behälters, im
Vergleich zu den vereinfacht berechneten
Verläufen gemäß den Gleichungen 12.2
bis 12.4.
Errechnet man aus den vereinfacht ermit-
telten Spannungskomponenten die Ver-
gleichsspannung (Gleichung 12.8) und
vergleicht diese mit den Vergleichsspan-
nungen die sich aus dem wahren Verlauf
der Spannungskomponenten ergeben
würde, dann erkennt man, dass bis zu ei-
nem Verhältnis von d a /d i = 1,16 Glei-
chung 12.8 konservative Ergebnisse lie-
fert (Bild 12.4c). Die vereinfachte Be-
rechnung der Spannungskomponenten bis
zu einem Verhältnis von d a /d i = 1,2 (Glei-
chung 12.1) ist also durchaus gerechtfer-
tigt.
12.1.2 Dünnwandige Behälter
unter Außendruck
Werden dünnwandige Behälter durch ei-
nen äußeren Überdruck (p a ), nachfolgend
kurz als "Außendruck" bezeichnet, bean-
sprucht, dann können die Herleitungen
aus Kapitel 12.1.1 sinngemäß übernom-
men werden und man erhält für die Span-
nungskomponenten in der Behälterwand
die folgenden Beziehungen:
Tangentialspannung:
Bild 12.4 Spannungsverläufe in der Behälterwand un-
ter Innendruck
d
a
p
(12.9)
a) Übersicht
t
a
2 s
b) Vergleich
der
vereinfacht
berechneten
Tangentialspannung eines dünnwan-
digen Behälters unter Außendruck
mit den wahren Spannungskomponenten
c) Vergleich der vereinfacht berechneten
mit der wahren Vergleichsspannung am
Innenrand des Behälters

12.1 Dünnwandige Behälter

211

Axialspannung:

 
d a p a a 4 s
d
a
p
a
a
4 s

Axialspannung eines dünnwandigen Behälters unter Außendruck (Mittelwert)

(12.10)

Radialspannung:

 
p a r 2
p
a
r
2

Radialspannung eines dünnwandigen Behälters unter

(12.11)

Außendruck

 

In Analogie zum dünnwandigen Behälter unter Innendruck und unter Beachtung der Indizie- rungsregel entsprechend den Gleichungen 6.2 bis 6.4 folgt für die Hauptspannungen:

1

r

p

a

2

(12.12)

 

d

a

(12.13)

2

p

 
 

a

a

4 s

 
 

d

3

p

t

a

a

2 s

12.1.3 Dünnwandige Hohlkugel unter Innen- bzw. Außendruck

(12.14)

Schneidet man eine dünnwandige Hohlkugel längs einer Ebene durch den Kugelmittelpunkt, dann liegen im Hinblick auf die Schnittspannungen dieselben Verhältnisse vor, verglichen mit dem Querschnitt durch einen zylindrischen Behälter (Bild 12.5). Dementsprechend gilt an der aufgeschnittenen Kugelhälfte unter der Wirkung eines inneren Überdrucks (Innendruck):

 

d

i

2

 

d

2

d

2

 

p

i

4

t

4

(

(

d

a

2

i

s

)

)

2

d

2

 

t

t

4

4

i

2

d

i

4

d

i

s

i

4

s

2

2

d

i

Da die Wandstärke s voraussetzungsgemäß klein sein soll, kann man s 2 vernachlässigen und erhält:

d i p t i 4 s
d
i
p
t
i
4 s
 

Tangentialspannung einer dünnwandigen Hohlkugel unter Innendruck

(12.15)

 
 
 
 

Bild 12.5 Längs- und Querschnitt an einer dünnwandigen Hohlkugel unter Innendruck

 

212

12 Behälter unter Innen- und Außendruck

In analoger Weise erhält man für die Druckspannung in der Wand einer dünnwandigen Hohl- kugel unter der Wirkung eines äußeren Überdrucks (Außendruck):

d a p t a 4 s
d
a
p
t
a
4 s
 

Tangentialspannung einer dünnwandigen Hohlkugel unter Außendruck

(12.16)

Die beschriebenen Spannungsverhältnisse sind aus Gründen der Kugelsymmetrie in jeder den Kugelmittelpunkt beinhaltenden Schnittebene identisch, d. h. an jeder beliebigen Stelle der Kugelwand sind die Spannungen gleich groß.

12.1.4 Dünnwandige Behälter mit elliptischer Unrundheit

 

Hohlzylinder sind aus fertigungs- technischen Gründen in der Regel nicht exakt kreisförmig, sondern mehr oder weniger unrund.

sind aus fertigungs- technischen Gründen in der Regel nicht exakt kreisförmig, sondern mehr oder weniger unrund.
sind aus fertigungs- technischen Gründen in der Regel nicht exakt kreisförmig, sondern mehr oder weniger unrund.
sind aus fertigungs- technischen Gründen in der Regel nicht exakt kreisförmig, sondern mehr oder weniger unrund.

Wird ein unrunder Behälter durch Innendruck beansprucht, dann ver- sucht der Behälter die Kreisform anzunehmen. Hierbei entsteht eine zusätzliche Biegespannung in Um- fangsrichtung in der Behälterwand. Die Biegespannung überlagert sich der Tangentialspannung.

Bild 12.6 Spannungsverhältnisse in unrunden, dünnwandigen Behältern unter Innendruck

Unter der Voraussetzung einer elliptischen Unrundheit berechnet sich die zusätzliche Biegespan- nung b zu:

 
Voraussetzung einer elliptischen Unrundheit berechnet sich die zusätzliche Biegespan- nung b zu:    
Voraussetzung einer elliptischen Unrundheit berechnet sich die zusätzliche Biegespan- nung b zu:    
Voraussetzung einer elliptischen Unrundheit berechnet sich die zusätzliche Biegespan- nung b zu:    
Voraussetzung einer elliptischen Unrundheit berechnet sich die zusätzliche Biegespan- nung b zu:    
Voraussetzung einer elliptischen Unrundheit berechnet sich die zusätzliche Biegespan- nung b zu:    
Voraussetzung einer elliptischen Unrundheit berechnet sich die zusätzliche Biegespan- nung b zu:    
Voraussetzung einer elliptischen Unrundheit berechnet sich die zusätzliche Biegespan- nung b zu:    
Voraussetzung einer elliptischen Unrundheit berechnet sich die zusätzliche Biegespan- nung b zu:    
 
   

2

 

b

3

p

4

i

d

s

i

f

 

(12.17)

Biegespannung in der Wand eines unrunden, dünnwandigen Behälters

 

   

mit

2

d

max

d

min

 

(12.18)

d

max

d

min

 

und

f

 

1

(12.19)

und f   1 (12.19)  
 
 
 

2

 

3

 
 

1

1

 

d

i

 

Bild 12.7 Korrekturfaktor

f für die Biegespan-

2 E

p

i

s

 

nung unrunder, dünnwandiger Behälter

Der Korrekturfaktor f berücksichtigt, dass mit zunehmender Annäherung des Behälters an die Kreisform, die tatsächlich auftretende Biegespannung b abnimmt. Der Korrekturfaktor f kann für elliptisch unrunde Stahlbehälter (E = 210000 N/mm 2 ; µ = 0,30) auch aus Bild 12.7 abge- schätzt werden.

12.2 Dickwandige Behälter

213

12.2 Dickwandige Behälter Im Unterschied zum dünnwandigen Behälter muss bei der Berechnung dickwandiger Behälter
12.2 Dickwandige Behälter
Im Unterschied zum dünnwandigen Behälter muss bei der Berechnung dickwandiger Behälter
unter Innen- bzw. Außendruck eine ungleichmäßige Spannungsverteilung über der Wanddicke
berücksichtigt werden.
Voraussetzung für die nachfolgenden Berechnungen sind:
eine große Länge des Zylinders (keine Randeinflüsse)
linear-elastisches ideal-plastisches Werkstoffverhalten
Vernachlässigung von Volumenkräften (Eigengewicht)
Zur Spannungsermittlung dickwandiger Behälter ist es sinnvoll, die folgenden Zustände ge-
trennt zu betrachten:
Elastischer Zustand: der gesamte Behälter bzw. die gesamte Behälterwand ist elastisch
beansprucht.
Teilplastischer Zustand: der innere Teil der Behälterwand ist elastisch beansprucht (ela-
stischer Innenring), während der übrige Wandteil bereits plastifiziert ist (vollplastischer
Außenring).
Vollplastischer Zustand: die gesamte Behälterwand ist plastifiziert.
12.2.1 Elastischer Zustand unter Innen- und Außendruck
Ein elastischer Zustand liegt vor, sofern an keiner Stelle der Behälterwand plastische Verfor-
mungen auftreten.
12.2.1.1 Spannungsermittlung
Da aus Symmetriegründen die Lastspannungen unabhängig vom Winkel sind, empfiehlt es
sich, Polarkoordinaten einzuführen. Dann sind die Spannungen nur noch vom Radius r abhän-
gig (Bild 12.8a).
Zur Spannungsermittlung wird entsprechend Bild 12.8b ein Segment aus der Behälterwand he-
rausgeschnitten und das Kräftegleichgewicht betrachtet. Am herausgeschnittenen Segment
wirken die Schnittspannungen t , r und r + d r . Diese Schnittspannungen sind unbekannt
und sollen nachfolgend in Abhängigkeit vom Radius r sowie der äußeren Belastung durch den
Innendruck p i bzw. den Außendruck p a ermittelt werden.
Bild 12.8 Kräftegleichgewicht an einem frei geschnittenen Segment eines dickwandigen Behälters unter
Innen- und Außendruck

214

12 Behälter unter Innen- und Außendruck

Die Tangentialspannung t wirkt in der Schnittfläche 1 (Bild 12.8b). Hieraus resultiert die Schnittkraft F
Die Tangentialspannung t wirkt in der Schnittfläche 1 (Bild 12.8b). Hieraus resultiert die
Schnittkraft F t :
dr l
(l = Länge des zylindrischen Behälters)
(12.20)
F t
t
Die Schnittkraft F t kann in die Komponenten F tx in x-Richtung und F ty in y-Richtung zerlegt
werden. Für die Komponenten der Tangentialkraft in y-Richtung gilt:
d
dr
l
sin
(12.21)
F ty
t
2
Für kleine Winkel kann näherungsweise sin(d / 2) d / 2 gesetzt werden. Damit folgt aus
Gleichung 12.21:
d
Der Innen- bzw. Außendruck erzeugt weiterhin eine Radialspannung r in der Mantelfläche
des herausgeschnittenen Segments und damit eine Radialkraft F r . Die aus der Radialspannung
r resultierende radiale Kraftkomponente in y-Richtung errechnet sich zu:
d
2
Für kleine Winkel kann näherungsweise wiederum sin(d / 2) d / 2 gesetzt werden. Damit
folgt aus Gleichung 12.23:
r d l
(12.24)
F ry
r
In analoger Weise liefert auch die Radialspannung r + d r eine Kraftkomponente in y-Rich-
tung:
*
( ) (
d
r
dr
)
d
l
(12.25)
F ry
r
r
Kräftegleichgewicht in y-Richtung liefert:
*
F
F
2
F
ry
ry
ty
d
(
d
)
(
r
dr
)
d
l
r
d
l
2
dr
l
:(
l
d
)
r
r
r
t
2
r d
r
dr d dr
r
dr
(12.26)
r
r
r
r
r
t
Mit d dr 0 folgt aus Gleichung 12.26 eine lineare Differentialgleichung zwischen den ge-
suchten Spannungen r (r) und t (r):
d
dr
Gleichung 12.27 genügt zur Ermittlung der beiden unbekannten Funktionen r (r) und t (r)
nicht. Das Kräftegleichgewicht in x-Richtung, das Kräftegleichgewicht in Richtung der Be-
hälterachse sowie das Momentengleichgewicht sind identisch erfüllt und liefern daher keinen
weiteren Beitrag zur Lösung.

F ty

t

dr l

2

(12.22)

F

ry

r

2

r

sin

l

(12.23)

t

t r r r 0 Kräftegleichgewicht (12.27)

r

r

r

0 Kräftegleichgewicht

(12.27)

12.2 Dickwandige Behälter

215

Eine zweite unabhängige Gleichung erhält man aus der geometrischen Verträglichkeit. Damit unter dem Einfluss der
Eine zweite unabhängige Gleichung erhält man aus der geometrischen Verträglichkeit. Damit
unter dem Einfluss der Spannungen t und r keine Klaffungen oder Überdeckungen im Zy-
linder auftreten, ist nur die in Bild 12.9 dargestellte Verformung des Elements möglich. Die
nach außen (radial) gerichtete Verschiebung sei u, deren Änderung zwischen Außen- und In-
nenrand des Volumenelements du. Die Verschiebungen in radialer Richtung am herausge-
schnittenen Segment betragen somit (Bild 12.9):
am Innenrand :
u
am Außenrand: u + du
Damit errechnen sich die Dehnungen r (r) in radialer Rich-
tung zu:
u
du
u
du
( r )
(12.28)
r
dr
dr
und in Umfangsrichtung t (r) am Innenrand:
(
r
u
)
d
r
d
u
( r )
(12.29)
t
r
d
r
an
Um einen Zusammenhang zwischen der Radialdehnung
r (r) und der Tangentialdehnung t (r) zu erhalten, werden
die Gleichungen 12.28 und 12.29 miteinander kombiniert.
Hierzu löst man Gleichung 12.29 zunächst nach u auf:
Bild 12.9 Verschiebungen
einem herausgeschnitte-
nen
Segment
eines
dickwandigen Behälters
u
(r) r
(12.30)
t
Differentiation von Gleichung 12.30 nach r unter Beachtung der Produktregel ergibt:
du
d
t
r
(12.31)
t
dr
dr
Einsetzen von Gleichung 12.31 in Gleichung 12.28:
d
t
r
(12.32)
r
t
dr
d
t
r
0
(12.33)
t
r
dr
Unter Anwendung des allgemeinen Hookeschen Gesetzes können schließlich die Spannungen
t (r) und r (r) mit den Dehnungen t (r) und r (r) verknüpft werden. Zu berücksichtigen ist
dabei noch die Längsspannung a , die beispielsweise bei einem beidseitig verschlossenen Zy-
linder oder einer abgewinkelten Rohrleitung auftritt. Die Längsspannung ist über den Quer-
schnitt konstant, also keine Funktion vom Radius r. Das allgemeine Hookesche Gesetz lautet
für die Dehnungen in Tangential- und Radialrichtung (Gleichungen 5.14):
1
(
)
(12.34)
t
t
r
a
E
1
(
)
(12.35)
r
r
t
a
E

216

12 Behälter unter Innen- und Außendruck

Differentiation von Gleichung 12.34 nach r liefert unter Berücksichtigung von d a / dr = 0 (da a = konstant):

d 1 d t t r dr E d dr (12.36) dr Setzt man die
d
1
d
t
t
r
dr
E
d
dr
(12.36)
dr
Setzt man die Gleichungen 12.34, 12.35 und 12.36 in Gleichung 12.33 ein, dann erhält man:
r
d
1
1
t
r
d
(
)
(
)
0
E
t
r
a
r
t
a
E
dr
dr
E
E
d
d
r
r
t
0
t
r
a
r
t
a
dr
dr
d
d
r
t
r
(
)
(
)
0
(
1)
r
t
r
t
dr
dr
d
d
r
t
r
(1
)
(
)
0
Verträglichkeitsbedingung
(12.37)
r
t
dr
dr

Gleichung 12.37 (Verträglichkeitsbedingung) ist die noch fehlende zweite Differentialglei- chung zwischen den Spannungen r (r) und t (r). Das System der beiden Differentialgleichun- gen 12.27 und 12.37 wird wie ein System gewöhnlicher Gleichungen gelöst, d. h. eine der bei- den unbekannten Funktionen wird eliminiert. Hierbei ist es zweckmäßig, Gleichung 12.27 nach t aufzulösen, nach r zu differenzieren (Beachtung der Produktregel !) und schließlich t sowie d t / dr in Gleichung 12.37 einzusetzen.

Aus Gleichung 12.27 folgt:

d

dr

Differentiation von Gleichung 12.38 nach r liefert unter Beachtung der Produktregel:

d

t

d

r

d

r

d

2

r

dr

dr

dr

r

dr

2

d

d

d

2

t

2

r

r

r

(12.39)

dr dr

 

dr

2

Gleichung 12.38 und 12.39 in Gleichung 12.37 (Verträglichkeitsbedingung) eingesetzt liefert:

2 d d d d r r r r r 2 r (1 ) r
2
d
d
d
d
r
r
r
r
r
2
r
(1
)
r
r
r
2
dr
dr
dr
dr
2
d
d
d
d
r
r
r
r
r
2
r
(1
)
r
0
: r
2
dr
dr
dr
dr
2
d
d
d
d
d
r
r
r
r
r
2
r
0
( r
)
2
dr
dr
dr
dr
dr
2
d
d
r
r
r 2
3
r
0
2
dr
dr

0

(12.40)

t

r

r

t r r r (12.38)
t r r r (12.38)

r

(12.38)

12.2 Dickwandige Behälter

217

Gleichung 12.40 ist eine homogene, lineare Differentialgleichung 2. Ordnung (Eulersche Dif- ferentialgleichung) für die
Gleichung 12.40 ist eine homogene, lineare Differentialgleichung 2. Ordnung (Eulersche Dif-
ferentialgleichung) für die unbekannte Radialspannung r (r). Die allgemeine Lösung dieser
Differentialgleichung ergibt sich aus dem Potenzansatz:
n
C r C
(12.41)
r
1
2
Ein- bzw. zweimalige Differentiation von Gleichung 12.41 ergibt:
d
dr
d
2
dr
Setzt man die Gleichungen 12.42 und 12.43 in Gleichung 12.40 ein, dann erhält man:
2
n
2
n
1
r
C
n
(
n
1)
r
3
r
C
n
r
0
:
C
(
C
0)
1
1
1
1
n
n
n
(
n
1)
r
3
n
r
0
n
r
n
(
n
1)
3
n
0
n
2
r
n
2
n
0
n
r
n n
2
0
(12.44)
Gleichung 12.44 ist erfüllt für n = 0 und für n = -2. Die Lösung n = 0 ist trivial, da sie eine
identisch erfüllte Gleichung liefert, während n = -2 zur gesuchten Lösung führt. Mit n = -2
ergibt sich aus Gleichung 12.41:
C
r
Die Tangentialspannung t erhält man, indem man Gleichung 12.45 in Gleichung 12.38 ein-
setzt:
C
C 2
1
r
t
C 1
2
2
3
r
r
C
1
C
(12.46)
t
2
2
r
Die Konstanten C 1 und C 2 erhält man aus den Randbedingungen:
für den Innenrand (r = r i ):
r (r = r i ) = -p i
für den Außenrand (r = r a ): r (r = r a ) = -p a
Einsetzen der Randbedingung in Gleichung 12.45 ergibt:
C
r
i
und
C
r
a

r

C

1

n r

n

1

(12.42)

2

r

(

C n n

1

2 r ( C n n 1 1) r n 2 (12.43)
2 r ( C n n 1 1) r n 2 (12.43)

1)

r

n

2

(12.43)

r

C

2

1

2

(12.45)

p C

i

2

p C i 2 1 2 (12.47)

1

2

(12.47)

p C

a

2

p C a 2 1 2 (12.48)

1

2

(12.48)

218

12 Behälter unter Innen- und Außendruck

Subtrahiert man Gleichung 12.48 von Gleichung 12.47 dann folgt: C C r i r a
Subtrahiert man Gleichung 12.48 von Gleichung 12.47 dann folgt:
C
C
r
i
r a
2 2
r a
r i
C 1
(
p
p
)
(12.49)
a
i
2
2
r a
r i
Gleichung 12.49 in Gleichung 12.47 eingesetzt liefert für C 2 :
C
1
C
p
2
i
2
r
i
2 2
1
r a
r i
p
(
p
p
)
i
a
i
2
2 2
r i
r a
r i
2
2
p
(
r
2 )
p
r
2
p
r
i
a
r i
a
a
i
a
2
2
r a
r i
2 2
p
p
r
i
r i
a
a
C
(12.50)
2
2 2
r a
r i
Setzt man die Gleichungen 12.49 und 12.50 schließlich in 12.45 und 12.46 ein, dann erhält man:
C
r
2
2
2 2
p
p
r
p
p
i
r i
a
a
r a
r i
a
i
(12.51)
r 2
2
2 2
2
r
r
r a
r i
a r
i
und
C
1
C
t
2
2
r
2
2
2 2
p
p
r
p
p
i
r i
a
a
r a
r i
a
i
(12.52)
t
2
2 2
2
2
r
r
a r
i
r a
r i
Formt man die Gleichungen 12.51 und 12.52 weiter um, dann erhält man schließlich:
Radialspannung unter
2
2
2
2
r a r
r
p
r
a
i
1
p
1
Innen- und Außendruck im
(12.53)
r
i
a
2
i
2
2
2
2
2
r
r
r
r a r
r
a
i
i
elastischen Zustand eines
dickwandigen Behälters
Tangentialspannung unter
2
2
2
2
r
r
r
r
i
a
a
i
Innen- und Außendruck im
p
1
p
1
(12.54)
t
i
a
2
2
2
2
2
2
elastischen Zustand eines
r a r
r
r a r
r
i
i
dickwandigen Behälters
Ist der Hohlzylinder an beiden Enden verschlossen bzw. handelt es sich um eine abgewinkelte
Rohrleitung, dann tritt zusätzlich zur Tangential- und Radialspannung noch eine über den
Querschnitt konstante Axialspannung a auf. Sie hat in hinreichender Entfernung von den En-
den des Zylinders, also im Bereich der Zylindermitte, keinen Einfluss mehr auf Tangential-
und Radialspannung. Die Axialspannung a errechnet sich zu (Bild 12.10):

p p

i

a

p p i a 1 2 2 1

1

2 2

1

p p i a 1 2 2 1
p p i a 1 2 2 1

r

C

2

1

2

12.2 Dickwandige Behälter

219

2 2 F r p r p a i i a a a 2 2
2
2
F
r
p
r
p
a
i
i
a
a
a
2
2
A
(
r
r
)
a
i
2
2
p
r
p
r
i
i
a
a
(12.55)
a
2
2
r
r
a
i
Axialspannung unter Innen- und
Außendruck im elastischen Zustand
eines dickwandigen Behälters
Zur Veranschaulichung der Gleichungen
12.53, 12.54 und 12.55 sind in Bild 12.11
die Verläufe der Tangential-, Axial- und
Radialspannung in der Zylinderwand am
Beispiel eines elastisch beanspruchten,
dickwandigen Behälters mit r a / r i = 2 un-
ter Innen- und Außendruck graphisch dar-
gestellt.
Bild 12.10 Querschnitt am dickwandigen Behälter
unter Innen- und Außendruck
Bild 12.11 Abhängigkeit der Radial-, Tangential- und Axialspannung vom Radius r eines elastisch be-
anspruchten, dickwandigen Behälters
a) unter Innendruck für
d a / d i = 2
b) unter Außendruck für d a / d i = 2

220

12 Behälter unter Innen- und Außendruck

Die Gleichungen 12.53 bis 12.55 zeigen auch, dass die Spannungskomponenten t , r und a in zylindrischen Behältern nicht von der absoluten Größe des Behälters sondern nur von sei- nem Durchmesserverhältnis r a / r i abhängen. Es gilt daher die folgende Aussage:

Geometrisch ähnliche zylindrische Hohlzylinder (r a / r i = konstant) unter Innen- und/oder Außendruck sind bei gleicher Druckbelastung gleich hoch beansprucht.

Man überzeugt sich leicht von dieser Tatsache, indem man beispielsweise für zwei verschie- den große Behälter mit gleichem Durchmesserverhältnis d a / d i an einer beliebigen Stelle der Behälterwand die Spannungskomponenten berechnet und vergleicht (das Verhältnis r a / r bzw. r / r i muss bei beiden Behältern gleich sein).

12.2.1.2 Vergleichsspannungen

 

Mit Hilfe von Gleichung 12.53 bis 12.55 können die Spannungskomponenten t , r und a an einer beliebigen Stelle der Wand eines durch Innen- und/oder Außendruck beanspruchten Be- hälters berechnet werden. Da die Schnittflächen in Bild 12.8b aus Gründen der Symmetrie von Form und Belastung keine Schubspannungen enthalten, sind die Lastspannungen t , r und a gleichzeitig Hauptspannungen.

Für p i > p a gilt entsprechend der Indizierungsregel für Hauptnormalspannungen (Gleichungen 6.2 bis 6.4):

t

1

a

2

(12.56)

r

Für p i < p a folgt:

3

r

1

a

2

(12.57)

t

3

Der Spannungszustand in einem dickwandigen Druckbehälter unter Innen- und/oder Außen- druck ist also in der Regel dreiachsig. Falls kein Außendruck wirkt, herrscht am Außenrand ein zweiachsiger Spannungszustand bzw. falls kein Innendruck wirkt, herrscht am Innenrand ein zweiachsiger Spannungszustand. Für Festigkeitsnachweise ist die Berechnung der Ver- gleichsspannung V unter Zugrundelegung einer geeigneten Festigkeitshypothese (NH, SH oder GEH, siehe auch Kapitel 6) erforderlich.

a) Normalspannungshypothese (NH) Ein Versagen von Druckbehältern, insbesondere bei hohem Druck, kann zu katastrophalen Schäden führen. Daher werden diese Bauteile aus sicherheitstechnischen Gründen in der Regel aus duktilen Werkstoffen gefertigt. Ein Druckbehälter oder eine Druckleitung aus einem sprö- den oder versprödeten Werkstoff und damit die Notwendigkeit der Anwendung der Normal- spannungshypothese ist in der Praxis selten anzutreffen.

Bei spröden Werkstoffen bzw. bei einem spröden Werkstoffverhalten und für den Fall, dass alle Hauptnormalspannungen positiv sind (Behälter unter Innendruck) tritt unter statischer Zugbeanspruchung ein verformungsloser Trennbruch ein, sobald die größte Normalspannung

12.2 Dickwandige Behälter

221

( 1 ) die Trennfestigkeit des Werkstoffs erreicht (Kapitel 6.1). Die Vergleichsspannung nach der Normalspannungshypothese entspricht also 1 :

VNH

1

(12.58)

Die größte Normalspannung herrscht unabhängig vom Durchmesserverhältnis sowie von der Höhe des Drucks stets am Innenrand des Behälters (r = r i ). Ein Bruch tritt unter Innendruck ein, sobald gilt:

(12.59)

VNH

R

m

Für den seltenen Fall, dass positive und negative Hauptnormalspannungen (Behälter unter Innen- und Außendruck) bzw. nur negative Hauptnormalspannungen (Behälter unter Außen- druck) auftreten sind die Grenzen der Anwendbarkeit der Normalspannungshypothese zu be- achten (Kapitel 6.1.3).

b) Schubspannungshypothese (SH)

Zur Berechnung der Vergleichsspannung V kann bei duktilen Werkstoffen die Schubspan- nungshypothese (SH) herangezogen werden. Im Vergleich zur Gestaltänderungsenergiehypo- these (GEH) führt die in der Anwendung einfachere Schubspannungshypothese zu konservati- ven Ergebnissen (Kapitel 6.3). Gemäß der Schubspannungshypothese gilt für die Vergleichs- spannung:

VSH

1

3

(12.60)

Die Festlegung von 1 und 3 folgt entsprechend Gleichung 12.56 bzw. 12.57.

Mit plastischen Verformungen (Fließen) ist zu rechnen, sobald gilt:

V SH

R

e

bzw. R

p0,2

(12.61)

c) Gestaltänderungsenergiehypothese (GEH)

Neben der Schubspannungshypothese kann bei duktilen Werkstoffen auch die zu genaueren Ergebnissen führende Gestaltänderungsenergiehypothese (GEH) zur Berechnung der Ver- gleichsspannung V herangezogen werden:

1

1

2

2

2

3

2

3

1

VGEH 2
VGEH
2

(12.62)

Zur Indizierung der Hauptnormalspannungen sind ebenfalls die Gleichungen 12.56 bzw. 12.57 zu beachten.

Mit plastischen Verformungen (Fließen) ist zu rechnen, sobald gilt:

V GEH

R

e

bzw. R

p0,2

(12.63)

222

12 Behälter unter Innen- und Außendruck

In Bild 12.12 ist die Vergleichsspannung nach der NH, SH und GEH für einen dickwandigen Behälter unter Innendruck (Bild 12.12a) bzw. Außendruck (Bild 10.12b) im elastischen Zu- stand in Abhängigkeit der Ortskoordinate r graphisch dargestellt. Aus der Abbildung wird ersichtlich, dass die höchste Beanspruchung an der Innenwand (r = r i ) herrscht, und zwar un- abhängig davon, ob der Behälter nur durch Innendruck, Innen- und Außendruck oder nur durch Außendruck beansprucht wird. Für den Festigkeitsnachweis eines dickwandigen zylin- drischen Behälters ist also die Beanspruchung der Innenwand maßgebend.

 
 
 
 
 
   
   
 
   
   
   
   
   
   
   
   
 
Beanspruchung der Innenwand maßgebend.       Bild 12.12 Abhängigkeit der Vergleichsspannungen V N
Beanspruchung der Innenwand maßgebend.       Bild 12.12 Abhängigkeit der Vergleichsspannungen V N
Beanspruchung der Innenwand maßgebend.       Bild 12.12 Abhängigkeit der Vergleichsspannungen V N
Beanspruchung der Innenwand maßgebend.       Bild 12.12 Abhängigkeit der Vergleichsspannungen V N
Beanspruchung der Innenwand maßgebend.       Bild 12.12 Abhängigkeit der Vergleichsspannungen V N
Beanspruchung der Innenwand maßgebend.       Bild 12.12 Abhängigkeit der Vergleichsspannungen V N
Beanspruchung der Innenwand maßgebend.       Bild 12.12 Abhängigkeit der Vergleichsspannungen V N
Beanspruchung der Innenwand maßgebend.       Bild 12.12 Abhängigkeit der Vergleichsspannungen V N
Beanspruchung der Innenwand maßgebend.       Bild 12.12 Abhängigkeit der Vergleichsspannungen V N
Beanspruchung der Innenwand maßgebend.       Bild 12.12 Abhängigkeit der Vergleichsspannungen V N
Beanspruchung der Innenwand maßgebend.       Bild 12.12 Abhängigkeit der Vergleichsspannungen V N
Beanspruchung der Innenwand maßgebend.       Bild 12.12 Abhängigkeit der Vergleichsspannungen V N
Beanspruchung der Innenwand maßgebend.       Bild 12.12 Abhängigkeit der Vergleichsspannungen V N
Beanspruchung der Innenwand maßgebend.       Bild 12.12 Abhängigkeit der Vergleichsspannungen V N

Bild 12.12 Abhängigkeit der Vergleichsspannungen V NH , V SH und V GEH vom Radius r eines dick- wandigen Behälters unter Innendruck bzw. Außendruck im elastischen Zustand

12.2.1.3 Fließbeginn unter Innendruck

 

Mit steigendem Innendruck setzt eine Plastifizierung des Hohlzylinders zuerst am Innenrand ein, sobald die Vergleichsspannung ( VGEH ) die Streck- bzw. Dehngrenze erreicht. Der zum Fließen führende Innendruck (p iFB ) soll nachfolgend berechnet werden.

Der Übersichtlichkeit halber sollen sich die nachfolgenden Ausführungen auf den in der Pra- xis wichtigsten Fall eines durch Innendruck beanspruchten Behälters beschränken. Für Druck- behälter welche durch Innen- und Außendruck bzw. nur durch Außendruck beansprucht sind, können die nachfolgenden Rechenschritte analog durchgeführt werden. Außerdem soll die zu genaueren Ergebnissen führende GEH Anwendung finden.

12.2 Dickwandige Behälter

223

Die maximale Vergleichsspannung tritt bei einem dickwandigen Behälter stets am Innenrand (r = r i
Die maximale Vergleichsspannung tritt bei einem dickwandigen Behälter stets am Innenrand
(r = r i ) auf (Kapitel 12.2.1.2). Der (duktile) Werkstoff plastifiziert also dort zuerst. Damit eine
Plastifizierung des Werkstoffs mit Sicherheit vermieden wird, muss für die Vergleichsspan-
nung am Innenrand gelten:
R
R p0,2
e
(
r r
)
bzw.
(12.64)
V GEH
i
S
S
F
F
Zur Berechnung der Vergleichsspannung, müssen zunächst die Spannungskomponenten am
Innenrand ermittelt werden. Aus den Gleichungen 12.53, 12.54 und 12.55 erhält man für r = r i :
Tangentialspannung am Innenrand:
2
2
2
2
r
r
r
r
i
a
a
i
)
p
1
p
(12.65)
t (
r i
i
i
2
2
2
2
2
r
r
r
r
a
i
r i
a
i
Axialspannung am Innenrand:
2
r
i
)
p
(12.66)
a (
r i
i
2
2
r a
r i
Radialspannung am Innenrand:
2
2
r i
r a
(
r
)
p
1
p
(12.67)
r
i
i
i
2 2
2
r a
r i
r i
Für die Vergleichsspannung nach der GEH gilt (Gleichung 12.62):
1
(r )
2
2
2
r r
(
)
(
)
r r
(
)
(
)
r r
(
)
(
)
(12.68)
VGEH
i
1
i
2
i
2
i
3
i
3
i
1
i
2
Unter Berücksichtigung der Indizierung der Hauptnormalspannungen entsprechend Gleichung
12.56 folgt:
1
(r )
2
2
(
)
(
)
(
)
(
)
(
)
(
)
2
(12.69)
VGEH
i
t
r i
a
r i
a
r i
r
r i
r
r i
t
r i
2
Setzt man die Gleichungen 12.65 bis 12.67 in Gleichung 12.69 ein, dann erhält man:
2
2
2
2
2 2
2
p
r a r
2
2
r
r
i
i
a
)
i
(
r i 1
r i
1
VGEH
r i
2
2
2
2
2
2
2
2
r a r
r
r
r
r
r
i
a
i
r a
i
a
i
2
2
2
2
2
2
2
p
2 r
i
r a
r a
a
(
)
VGEH
r i
2
2
2
2
2
r
r a r
2
r a r
r a
i
i
i
2
2
p
i r
a
(
)
6
VGEH
r i
2
2
2
r r
a
i
2
3 r
a
(
r
)
p
(12.70)
VGEH
i
i
2
2
r a
r i

224

12 Behälter unter Innen- und Außendruck

Damit an der höchst beanspruchten Stelle (Innenrand) eines durch Innendruck beanspruchten Behälters keine plastischen Verformungen auftreten, muss also gelten (Gleichung 12.70 in Gleichung 12.64 eingesetzt):

p

i

3 r 2 R   R p0,2

3 r

2

R

 

R

p0,2

a

e

bzw.

2

r

a

r

i

2

S

F

 

S

F

(12.71)

Den zum Fließen führenden Innendruck erhält man damit aus Gleichung 12.71 mit p i p i FB :

2 2 r r a i p R i FB e 2 3 r a
2
2
r
r
a
i
p
R
i FB
e
2
3
r
a

Innendruck mit Erreichen des Fließbeginns

(am Innenrand) eines dickwandigen Behälters

(12.72)

Für Festigkeitsnachweise druckbeanspruchter Behälter sollte der Sicherheitsbeiwert gegen Fließen (S F ) größer 1,5 gewählt werden.

12.2.2 Vollplastischer Zustand unter Innendruck

Der Übersichtlichkeit halber sollen sich auch hier die nachfolgenden Ausführungen auf den in der Praxis wichtigsten Fall eines durch Innendruck beanspruchten Behälters beschränken. Für Druckbehälter welche durch Innen- und Außendruck bzw. nur durch Außendruck beansprucht sind, können die nachfolgenden Rechenschritte analog durchgeführt werden. Außerdem soll die zu genaueren Ergebnissen führende GEH Anwendung finden.

Wird ein Behälter einer stetig zunehmenden Beanspruchung durch Innendruck ausgesetzt, dann setzt am Innenrand die Plastifizierung ein, sobald der Innendruck p i den Grenzwert p i FB (Gleichung 12.72) erreicht. Steigert man den Innendruck weiter, dann schreitet die Plastifizie- rung bis zum Außenrand fort. Sobald auch dort Fließen eintritt, wird der vollplastische Zu- stand erreicht. Zur Berechnung der Spannungskomponenten für den vollplastischen Zustand geht man von Gleichung 12.27 aus. Die Beziehung wurde aus dem Kräftegleichgewicht her- geleitet und hat daher, unter der Voraussetzung kleiner Verformungen, auch für den voll- plastischen Zustand Gültigkeit. Das Kräftegleichgewicht lautet (Gleichung 12.27):

d

dr

12.2.2.1 Spannungsermittlung

Liegt ein mehrachsiger Spannungszustand vor, dann ist mit einer Plastifizierung des Bauteils zu rechnen, sobald die Vergleichsspannung ( V ) die Streck- bzw. Dehngrenze (R e bzw. R p0,2 ) erreicht. Unter der Voraussetzung eines linear-elastischen ideal-plastischen Werkstoffverhal- tens ist die Vergleichsspannung im vollplastischen Zustand an jeder Stelle r des zylindrischen Behälters konstant.

Die Ermittlung der Spannungskomponenten in der Behälterwand kann entweder unter Zugrun- delegung der Schubspannungshypothese oder der Gestaltänderungsenergiehypothese erfolgen. Nachfolgend soll, wie bereits erwähnt, die zu genaueren Ergebnissen führende GEH zugrunde gelegt werden.

Im vollplastischen Zustand muss die nach der GEH errechnete Vergleichsspannung V GEH an jeder Stelle r des zylindrischen Behälters konstant sein. Es muss also gelten:

t

r

r

r

0

(12.73)

12.2 Dickwandige Behälter

225

1 2 2 2 ( ) ( ) ( ) R bzw. R (12.74) VGEH
1
2
2
2
(
)
(
)
(
)
R
bzw.
R
(12.74)
VGEH
t
a
a
r
r
t
e
p0,2
2
Anhand der Gleichungen 12.53, 12.54 und 12.55 lässt sich leicht überprüfen, dass bei einer
rein elastischen Beanspruchung zwischen den Spannungskomponenten t , r und a die Be-
ziehung gilt:
t
r
(12.75)
a 2
Geht man von einer näherungsweisen Gültigkeit dieser Beziehungen auch im plastischen Zu-
stand aus, dann erhält man (näherungsweise) im vollplastischen Zustand aus Gleichung 12.74:
2
1
t
r
t
r
2
2
R
t
r
t
e
2
2
2
r
2
2
1 (
)
2 (
)
4
(
)
t
r
t
r
t
r
R
2
e
2
2
2
2
2
2
3
(
)
R
t
r
e
2
(12.76)
t
r
2 R
e
Gleichung 12.76 in Gleichung 12.73 (Kräftegleichgewicht) eingesetzt ergibt:
2
d
r
R
r
0
(12.77)
e
3
dr
Separation und Integration der Veränderlichen liefert:
2
1
d
R
dr
r
e
3
r
2 R
ln r C
(12.78)
r
e
Die Integrationskonstante C ergibt sich aus der Randbedingung r (r = r a ) = 0. Damit folgt aus
Gleichung 12.78:
2
0
R
e
3
2
C
R
ln
r
(12.79)
e
a
3
Gleichung 12.79 in Gleichung 12.78 eingesetzt ergibt schließlich für die Radialspannung r :
2
Radialspannung unter Innendruck im vollplasti-
a
R
ln r
(12.80)
r
e
schen Zustand eines dickwandigen Behälters
3
r

ln

r

a

C

226

12 Behälter unter Innen- und Außendruck

Aus Gleichung 12.76 folgt dann für die Tangen- tialspannung:

 
Aus Gleichung 12.76 folgt dann für die Tangen- tialspannung :    
 
 

t

2

3
3

R

e

r

     

t

2

1 ln r

a R e 3 r
a
R
e
3
r

(12.81)

t 2 1 ln r a R e 3 r (12.81)

Tangentialspannung unter Innendruck im

Tangentialspannung unter Innendruck im
Tangentialspannung unter Innendruck im
 
 

vollplastischen Zustand eines dickwandigen Behälters

Aufgrund der bereits erwähnten, näherungswei- sen Gültigkeit von Gleichung 12.75 auch im vollplastischen Zustand, ergibt sich schließlich für die Axialspannung a :

von Gleichung 12.75 auch im vollplastischen Zustand, ergibt sich schließlich für die Axialspannung a :
 

a

R e a 1 2 ln 3 r
R
e
a
1
2
ln
3
r

r

 

(12.82)

   
   

Axialspannung unter Innendruck im vollpla- stischen Zustand eines dickwandigen Behäl- ters

Axialspannung unter Innendruck im vollpla- stischen Zustand eines dickwandigen Behäl- ters  
Axialspannung unter Innendruck im vollpla- stischen Zustand eines dickwandigen Behäl- ters  
 
stischen Zustand eines dickwandigen Behäl- ters   Vergleicht man den Verlauf der Tangentialspan- nungen für
stischen Zustand eines dickwandigen Behäl- ters   Vergleicht man den Verlauf der Tangentialspan- nungen für

Vergleicht man den Verlauf der Tangentialspan- nungen für den elastischen und den vollplasti- schen Zustand eines Behälters unter Innendruck (Bild 12.12a und Bild 12.13), dann wird deut-

Bild 12.13 Verlauf von Radial-, Tangential- und Axialspannung eines dick- wandigen Behälters unter Innen- druck im vollplastischen Zustand

lich, dass im vollplastischen Zustand die größte Tangentialspannung am Außenrand auftritt. Steigert man also den Innendruck über p i VPL (Gleichung 12.83) hinaus, dann tritt an der Außenseite des dickwandigen Behälters der Trenn- bruch ein. Diese Beobachtung wurde auch durch Versuche bestätigt.

12.2.2.2 Innendruck zum Erreichen des vollplastischen Zustandes

 

Den zum Erreichen des vollplastischen Zustandes erforderlichen Innendruck p i VPL erhält man aus der Bedingung:

 

r

(r r ) p

i

i VPL

 

Mit Gleichung 12.80 folgt damit letztlich:

 
   

r

2 a R ln e 3 r i
2
a
R
ln
e
3
r
i

Innendruck zum Erreichen des vollplastischen

(12.83)

p

i VPL

Zustandes eines dickwandigen Behälters

 

Bild 12.14 veranschaulicht die Spannungskomponenten in Abhängigkeit vom Radius r für den vollplastischen Zustand eines zylindrischen Behälters (r a / r i = 2) unter Innendruck (p i ).

12.2 Dickwandige Behälter

227

Trägt man die auf die Streck- bzw. Dehngrenze (R e bzw. R p0,2 ) bezo-
Trägt man die auf die Streck- bzw.
Dehngrenze (R e bzw. R p0,2 ) bezo-
genen Innendrücke p i FB und p i VPL
(Gleichung 12.72 und 12.83) über
dem Durchmesserverhältnis d a / d i
auf, dann erhält man zwei Grenz-
kurven I und II. Unterhalb der
Grenzkurve I ist der Behälter elas-
tisch beansprucht, oberhalb von
Grenzkurve II hingegen vollplas-
tisch (Bild 12.14). Dazwischen be-
findet sich der teilplastische Be-
reich, der im nachfolgenden Kapi-
tel 12.2.3 besprochen wird.
Zum Vergleich sind in Bild 12.14
zusätzlich die nach der SH berech-
neten Drücke für den Beginn der
Plastifizierung sowie für das Errei-
chen des vollplastischen Zustandes
mit eingetragen. Man erkennt auch
hier, dass die Anwendung der SH
konservative Ergebnisse liefert.
Bild 12.14 Grenzkurven des bezogenen Innendrucks (p i / R e )
in Abhängigkeit vom Durchmesserverhältnis
(d a /d i ) für den elastischen, teilplastischen und voll-
plastischen Zustand
12.2.3 Teilplastischer Zustand unter Innendruck
Überschreitet der Innendruck den Grenzwert
p iFB (Gleichung 12.72), dann beginnt der Hohlzy-
linder an der Innenseite (entspricht der höchst
beanspruchten Stelle) zu plastifizieren. Mit stei-
gendem Innendruck schreitet die plastische Ver-
formung von innen nach außen fort, bis schließ-
lich der Innendruck den Wert p i VPL (Gleichung
12.83) erreicht und der vollplastische Zustand
eintritt. Innendrücke zwischen p i FB und p i VPL
führen zum teilplastischen Zustand (siehe auch
Bild 12.14).
Der teilplastische Zustand ist dadurch gekenn-
zeichnet, dass zwischen Innenrand (r = r i ) und
Radius r = c (r i < c < r a ) ein plastischer Innen-
ring, zwischen Radius r = c und dem Außenrand
(r = r a ) hingegen ein elastischer Außenring
vorliegt (Bild 12.15). Der zu einer Plastifizierung
bis zum Radius r = c führende Innendruck soll
im Folgenden mit p ic bezeichnet.
Bild 12.15 Vollplastischer Innenring und
elastischer Außenring im teilpla-
stischen Zustand eines durch In-
nendruck beanspruchten dickwan-
digen Behälters

228

12 Behälter unter Innen- und Außendruck

Für die nachfolgenden Ausführungen soll wiederum die Gestaltänderungsenergiehypothese (GEH) als Fließbedingung zugrunde gelegt werden. Elastischer Außenring und plastischer In- nenring werden getrennt betrachtet. Der Übersichtlichkeit halber soll nur eine Beanspruchung durch Innendruck zugrunde gelegt werden (p a = 0).

12.2.3.1 Elastischer Außenring

Für den Verlauf der Spannungskomponenten in Abhängigkeit der Koordinate r im elastischen Außenring erhält man aus den Gleichungen 12.53 bis 12.55 mit p i = p c , p a = 0 und r i = c:

 

2

2

 

c

r a

1

(12.84)

 

p

c

 

t

2

2

2

 

r a

c

r

 
 

2

2

 

r

p

c

2

c

2

r a 1

2

(12.85)

 

r a

c

r

2

 

p

c

c

(12.86)

 

a

2

 

2

 

r a

c

Setzt man die Gleichungen 12.84 bis 12.86 unter Berücksichtigung der Indizierungsregel (Gleichung 12.56) in Gleichung 12.62 (GEH) ein, dann erhält man:

VGEH

VGEH

VGEH

2 2 2 2 2 2 2 2 1 p c p c p c
2
2
2
2
2
2
2
2
1
p
c
p
c
p
c
p
c
r
c
c
c
c
a
r a 1
1
2
2
2
2
2
2
2
2
2
2
2
c
r
r
c
r
c
r
c
r
r a
a
a
a
2
2
2
2
2
p
c
r
p
c
r
c
a
c
1
a
1
2
2
2
2
2
2
c
r
r a c
r
r a
2 2 2 2 2 2 2 2 2 1 p c r p c
2
2
2
2
2
2
2
2
2
1
p
c
r
p
c
p
c
c
a
c
r a
c
2
2
2
2
2
2
2
2
2
2
2
r a c
r
r a c
r
r a c
r a
r
2 2
c
1
r a
p
3
c
2 2
2
c
r
r a

(12.87)

Am Innenrand des elastischen Außenrings treten plastische Verformungen ein, falls gilt:

VGEH

(r c) R

e

bzw. R

p0,2

Damit folgt aus Gleichung 12.87:

2

p 3 r a R c e 2 2 c r a 2 R c
p
3
r a R
c
e
2
2
c
r a
2
R
c
e
p
1
c
2
3
r a

(12.88)

Die Spannungsverläufe im elastischen Außenring erhält man letztlich durch Einsetzen von Gleichung 12.88 in die Gleichungen 12.84 bis 12.86.

12.2 Dickwandige Behälter

229

Für die Tangentialspannung im elastischen Außenring ergibt sich aus Gleichung 12.84:

2 2 2 R c c r e a 1 t 2 2 2 2
2
2
2
R
c
c
r
e
a
1
t
2
2
2
2
3
r
c
r
r a
a
2
2
2
2
R
r
c
c
r
e
a
a
2
2
2
2
3
r a c
r
r a
2
2
R
c
r
e
a
1
t
2
2
3
r
r
a

1

1

Tangentialspannung unter Innendruck im elasti-

schen Außenring eines dickwandigen Behälters

(12.89)

Für die Radialspannung im elastischen Außenring folgt aus Gleichung 12.85:

r

2 2 2 R c c e 1 r a 1 2 2 2 2
2
2
2
R
c
c
e
1
r a 1
2
2
2
2
3
r a r
r
c
a
2
2
2
2
r