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Kommentar zu Beitrag von Nora Rastetter Essay über das Erfahrungslernen in der Bielefelder

Laborschule

In ihrem Essay über das Erfahrungslernen in der Bielefelder Laborschule formuliert die
Verfasserin eine klare These „Schule muss zu einem Lern- und Erfahrungsraum werden“.
Rastetter sieht in dem Modell der Bielefelder Laborschule (BL) einen gangbaren Weg, das
vorhandene Schulsystem zu reformieren. Grundsätzlich hält sie die Grundprinzipien der BL
für sinnvoll. Von den drei von ihr benannten, der Förderung der Persönlichkeitsentwicklung,
der Individualisierung und dem Erfahrungslernen, hält die Autorin letzteres für das wichtigste
Element. Um ihre o.g. These zu untermauern, hebt die Verfasserin darauf ab, dass sich Lehrer
und Schüler gleich „wohl“ fühlen müssten. Dazu trage der zur Verfügung stehende
Erlebnisraum, sowohl physisch durch die Einrichtung und räumliche Organisation, als auch
atmosphärisch durch andere alternative (Gruppen-)organisationssysteme u.ä. wesentlich bei.
Die BL hebe gewisse Ordnungen der traditionellen Schule auf, ohne dabei Struktur zu
verlieren. Durch andere Zeitpläne soll mehr auf die Bedürfnisse der Schüler eingegangen
werden und auch (Zeit-)Raum für Diskussion und Gespräche geschaffen werden. Alle
Ordnungsrahmen erfordern von allen Beteiligten, Verantwortung zu übernehmen und mit zu
bestimmen. Die Aufgabe des Lehrers geht über den klassischen Frontalunterricht hinaus.
Er/Sie soll Gelegenheiten schaffen, um Schüler mit Spielprozessen zu neuen Lernerlebnissen
zu führen.

Die Verfasserin ist der Meinung, dass die die drei o.g. Kriterien richtig gewählt sind, um die
traditionelle Schule zu einem neuen Erlebnis- und Lernraum werden zu lassen. Grundsätzlich
spricht nichts dagegen, die bestehenden Systeme kritisch in Frage zu stellen und dadurch
weiterzuentwickeln. So sollten doch weniger mit Klischees argumentiert werden. Den
Frontalunterricht pauschal zu verurteilen, oder Begriffe wie „Belehrung“ mit etwas negativem
zu verbinden wie „Langeweile, Tafel, Schulbücher, Zuhören und Klassenzimmer“, wollen
nicht einleuchten. Wieso sind Schulbücher, Zuhören und ein Klassenzimmer negativ besetzte
Begriffe? Es hängt wohl doch sehr stark auch von dem erfahrenen Unterricht im
Klassenzimmern, mit Schulbüchern und Zuhören ab. Das Erfahrungselemente verstärkt
eingesetzt werden sollten, weil sie das Lernen vereinfachen und gleichwertig wie auf
traditionellem Wege verfolgen können, steht aufgrund jahrelanger Erfahrung sicher außer
Frage. Aber: meiner Meinung nach erfüllt die Schule nicht nur eine „Wohlfühlfunktion“.
Gerade in der Schule ist es wichtig, Grenzen zu erfahren und sich nicht vollkommen frei
entfalten zu können. Verantwortungsbewusstsein und Demokratieverständnis in allen Ehren –
wichtig ist eine ausgewogene Mischung von Freude am Lernen, umfangreicher, kompetenter
Vermittlung von Lerninhalten, Verständnis von sozialen Kompetenzen und der Einordnung in
ein gesellschaftliches Gefüge. Die Darstellung der Verfasserin lässt anmuten, dass nur die BL
in der Lage ist, Möglichkeiten zu schaffen, dass starke Schüler Schwächeren helfen. Auch
heute wird schon an unterschiedlichen Schulen in Gruppen unterrichtet, um so unterschiedlich
leistungsstarken Schülern zu begegnen. Gerade die neue Generation von Lehrern bringt neue
moderne und an die heterogenen Situationen angepasste Lernmethoden ein. Darüber hinaus
ist es äußerst unwahrscheinlich, dass in absehbarer Zeit, genug Geld für mehr Lehrpersonal,
bessere räumliche Ausstattung, u.ä. vom Staat bzw. Land zur Verfügung gestellt wird.
Insbesondere die räumliche Ausstattung in naher Zukunft um gestalten zu können, sehe ich
vor dem Hintergrund der budgetären Situation des Staates/Landes als nicht realisierbar.
Weiter ist meiner Meinung nach nur eine Vergleichbarkeit von Schulen mit der BL möglich,
sofern diese Schulen über entsprechend gleich viele Lehrkräfte, Lernausstattungsmaterial, etc.
verfügt. Die BL mit bspw. den PISA-Ergebnissen anderer Schulen pauschal zu vergleichen,
ist nicht aussagekräftig und zielführend. Am Ende ihrer Ausführungen stellt die Verfasserin
selbst die Ordnungsmechanismen der BL in Frage und stärkt damit die von mir oben
angeführte Argumentation im Zusammenhang mit dem Erlernen und der Akzeptanz von
Grenzen. Ordnung nach feststehenden Regeln, Konsequenzen bei Regelverstößen sind
grundlegende Elemente einer realistischen, das heißt realitätsnahen Erziehung. Dies schließt
die Entwicklung eines kritischen Intellekts durchaus nicht aus. Nach der Schule steht
immerhin oftmals die Intergration in den Arbeitsmarkt. Dort herrschen anderer Regeln,
nämlich das Gegenteil von Mitbestimmung und Verantwortungsbewusstsein bzw. -gefühl.
Deshalb bin ich der Auffassung, dass es besser ist, Kinder möglichst schonend, aber sehr
realitätsbewußt zu lehren und zu erziehen. Das dazu Änderungen und Modifikationen in den
bestehenden Strukturen notwendig sind, ist offensichtlich und notwendig.