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1. BSG,Urteil vom 20.08.2009, Az.

B 14 AS 34/08 R

Hartz IV-Empfänger haben keinen Anspruch auf Leistungen für Unterkunft und Heizung, wenn sie
keine Miete bezahlen.

Arbeitslosengeld II - Unterkunftskosten - Leibrentenzahlung - keine konkrete


Zahlungsverpflichtung

Hartz IV-Empfänger haben keinen keinen Anspruch auf Leistungen für Unterkunft und Heizung,
wenn sie keine Miete bezahlen (vgl zum Mietvertrag unter Verwandten BSG, Urteile vom 7. Mai
2009 - B 14 AS 31/07 R - und vom 3. März 2009 - B 4 AS 37/08 R). Allein der Umstand, dass der
Kläger seine Halbwaisenrente an seine Mutter "im Rahmen des gemeinsamen Wirtschaftens"
weiterleitete, lässt nach den übrigen Feststellungen des LSG nicht erkennen, dass ihm KdU iS
des § 22 Abs 1 Satz 1 SGB II entstanden sind. Mit der Aufteilung der KdU nach Kopfteilen, wenn
mehrere Familienmitglieder eine Wohnung gemeinsam nutzen, wird lediglich dem Umstand
Rechnung getragen, dass in diesen Fällen in aller Regel eine an der unterschiedlichen Intensität
der Nutzung ausgerichtete Aufteilung der Aufwendungen nicht möglich ist (vgl BSG, Urteil vom
27. Januar 2009 - B 14/7b AS 8/07 R; Urteil vom 15. April 2008 - B 14/7b AS 58/06 R - SozR 4-
4200 § 9 Nr 5).

Ein Grundsicherungsträger ist nur bei konkreter Zahlungspflicht verpflichtet, die Zahlung einer
Leibrente als Kosten der Unterkunft zu berücksichtigen.

http://juris.bundessozialgericht.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?
Gericht=bsg&Art=en&Datum=2009&nr=11192&pos=0&anz=170

2. BSG, Urteil vom 07.05.2009, B 14 AS 31/07 R

ALG II Leistungsträger darf die Übernahme der Kosten für Unterkunft und Heizung nicht
ablehnen, bloß weil kein schriftlicher Mietvertrag vorliegt.

Arbeitslosengeld II - Unterkunft und Heizung - mündlicher Untermietvertrag unter Verwandten -


rechtlicher Bindungswille -Stromkosten - Warmwasserkosten

Gemäß § 22 Abs 1 Satz 1 SGB II werden Leistungen für Unterkunft und Heizung in Höhe der
tatsächlichen Aufwendungen erbracht, soweit sie angemessen sind. Bereits aus dem
Gesetzeswortlaut ergibt sich eindeutig, dass der Grundsicherungsträger nur solche Kosten zu
übernehmen hat, die dem Hilfebedürftigen tatsächlich entstanden sind und für deren Deckung ein
Bedarf besteht. Dies werden in erster Linie Kosten sein, die durch Mietvertrag entstanden sind,
wie sie der Kläger vorliegend auch geltend macht. "Tatsächliche Aufwendungen" für eine
Wohnung liegen allerdings nicht nur dann vor, wenn der Hilfebedürftige die Miete bereits gezahlt
hat und nunmehr deren Erstattung verlangt. Vielmehr reicht es aus, dass der Hilfebedürftige im
jeweiligen Leistungszeitraum einer wirksamen und nicht dauerhaft gestundeten Mietzinsforderung
ausgesetzt ist (BSG Urteil vom 3. März 2009 - B 4 AS 37/08 R -RdNr 24).

Denn bei Nichtzahlung der Miete droht regelmäßig Kündigung und Räumung der Unterkunft.
Zweck der Regelung über die Erstattung der Kosten für die Unterkunft ist es aber gerade,
existentielle Notlagen zu beseitigen und den Eintritt von Wohnungslosigkeit zu verhindern. Der
Hilfebedürftige wird - solange er im Leistungsbezug steht - zumeist auf die Übernahme der
Unterkunftskosten durch den Grundsicherungsträger angewiesen sein. Ausgangspunkt für die
Frage, ob eine wirksame Mietzinsverpflichtung des Hilfebedürftigen vorliegt, ist - wovon auch das
LSG ausgegangen ist - in erster Linie der Mietvertrag, mit dem der geschuldete Mietzins
vertraglich vereinbart worden ist (vgl Berlit in LPK-SGB II, 2. Aufl 2007, § 22 RdNr 19) .

http://juris.bundessozialgericht.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?
Gericht=bsg&Art=en&Datum=2009-5&nr=11182&pos=20&anz=41

3. Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen L 6 AS 11/09 22.09.2009 , Urteil

Ein Betriebskostenguthaben reduziert die durch den Grundsicherungsträger zu erbringenden


Kosten für Unterkunft und Heizung, und zwar unerheblich davon, dass der Hilfebedürftige die
Rückzahlung tatsächlich erhält. Die Anspruchsgrundlagen für die Höhe des Arbeitslosengeldes II
ergeben sich unabhängig von den Regelungen der Insolvenzordnung (InsO) allein aus dem SGB
2. Angesichts des klaren Regelungsinhalts des § 22 Abs 1 S 4 SGB 2 muss die Reduzierung der
von der öffentlichen Hand gezahlten Sozialleistungen einer Pfändung durch Insolvenzgläubiger
vorgehen; eine Auslegung unter Berücksichtigung des § 35 InsO ist weder möglich und
erforderlich.

Gemäß § 22 Abs. 1 S. 1 SGB II werden Leistungen für Unterkunft und Heizung in Höhe der
tatsächlichen Aufwendungen erbracht, soweit diese angemessen sind. Rückzahlungen und
Guthaben, die den Kosten für Unterkunft und Heizung zuzuordnen sind, mindern die nach dem
Monat der Rückzahlung oder der Gutschrift entstehenden Aufwendungen; Rückzahlungen, die
sich auf die Kosten für Haushaltsenergie beziehen, bleiben insoweit außer Betracht (§ 22 Abs. 1
S. 4 SGB II).

Die Vorschrift des § 22 Abs. 1 S. 4 SGB II findet auch dann Anwendung, wenn sich der
Leistungsempfänger in der Verbraucherinsolvenz befindet, der Rückzahlbetrag in die
Insolvenzmasse genommen wird und somit dem Leistungsempfänger nicht tatsächlich zur
Verfügung steht.

http://www.sozialgerichtsbarkeit.de/sgb/esgb/show.php?
modul=esgb&id=122728&s0=&s1=&s2=&words=&sensitive=

4. Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen L 7 AS 72/08 27.08.2009 , Urteil

Eine Bedarfsgemeinschaft mit 10 schulpflichtigen Kindern hat keinen Anspruch auf Übernahme
des Eigenanteils zu den Lernmitteln für das Schuljahr 2007/2008 als Beihilfe, wenn der
Leistungsträger mehrfach angeboten hat, die Eigenanteile als Darlehen nach § 23 Abs. 1 S. 1
SGB II zu gewähren und Ermessen bei der Tilgung des Darlehens ausgeübt hat.

Eine Erhöhung der nach dem SGB II festgelegten Regelleistung (§ 20 bzw. § 28 SGB II) ist nach
der Konzeption des Gesetzes nicht vorgesehen (BSG, Urteil vom 07.11.2006 - B 7b AS 14/06 R).
Der Gesetzgeber hat insoweit seinen Gestaltungsspielraum zulässig ausgefüllt und eine
pauschalierte Leistungsgewährung normiert, die nur in den vom Gesetz abschließend
aufgeführten Fallgestaltungen zusätzliche Bedarfe anerkennt.

Die Vorschrift des § 21 SGB II stützt das Begehren der Kläger nicht.

Nach § 21 Abs. 1 SGB II werden über die pauschale Leistung des § 20 SGB II, in Fällen
bestimmter festgelegter Bedarfslagen, die nicht durch die Regelleistung abgedeckt sind,
zusätzliche Leistungen gewährt. Dabei kann es sich um Bedarfe handeln, die grundsätzlich von
der Regelleistung umfasst werden oder solche, die durch Ausnahmesituationen bedingt sind. Die
Leistungen für Mehrbedarfe sind nur für die in § 21 SGB II normierten Bedarfslagen zu bewilligen.
Nach § 3 Abs. 3 S. 2 SGB II (eingefügt durch das Gesetz zur Fortentwicklung der
Grundsicherung für Arbeitsuchende vom 20.07.2006 BGBl. I S. 1706) wird - insoweit klarstellend
(BT-Drucks 16/1696 S 26 zu Nr. 2; BSG, Urteil vom 07.11.2006 B 7b AS 14/06 R Rn. 19 ) - der
Wille des Gesetzgebers bei Schaffung des SGB II nochmals ausdrücklich hervorgehoben, dass
eine hiervon abweichende Festlegung der Bedarfe ausgeschlossen ist. Die Voraussetzungen der
in § 21 Abs. 2 bis 5 SGB II genannten Fallgruppen liegen (offensichtlich) nicht vor. Ein Anspruch
auf die Übernahme des Eigenanteils zu den Lernmitteln ist nicht von der Aufzählung umfasst.

http://www.sozialgerichtsbarkeit.de/sgb/esgb/show.php?
modul=esgb&id=122720&s0=&s1=&s2=&words=&sensitive=

Hinweise zur Entscheidungsdatenbank

http://www.my-sozialberatung.de/cgi-bin/baseportal.pl?htx=/my-
sozialberatung.de/entscheidungen&localparams=1&db=entscheidungen&cmd=list&range=0,10&
Freigabe==1&sort=-Datum%20der%20Entscheidung

Herzliche Grüße Bernd Klumpp

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Erste Vereinbarung bei den schwarz-gelben Koalitionsverhandlungen: Das


Schonvermögen wird deutlich erhöht, Hinzuverdienst erleichtert - und Immobilien werden
nicht mehr angetastet.

Verdreifachung des Schonvermögens

Die drei Generalsekretäre betonten am Mittwoch, mit den Beschlüssen würden die größten
Ungerechtigkeiten der Hartz-IV-Reform "von einer bürgerlichen Koalition" beseitigt. Künftig sollen
Geldanlagen, die der Altersvorsorge dienen, bis zu einem Betrag von 750 Euro pro Lebensjahr
unangetastet bleiben, wenn Arbeitslosengeld II beantragt wird.Das bedeutet eine Verdreifachung
des sogenannten Schonvermögens. Damit solle den Menschen ein Anreiz gegeben werden,
auch künftig Vorsorge für das Alter zu treffen, sagte CDU-Generalsekretär Ronald
Pofalla.Außerdem soll selbst genutztes Wohneigentum nicht auf Hartz-IV-Leistungen
angerechnet werden. Das schaffe mehr Gerechtigkeit und verhindere Altersarmut, sagte FDP-
Generalsekretär Dirk Niebel. Bisher gelten beispielsweise für zwei Personen im eigenen Haus 90,
in einer Eigentumswohnung 80 Quadratmeter als angemessen. Beide Maßnahmen zusammen
werden die Staatskasse mit etwa 300 Millionen Euro belasten.

Die Anhebung der Zuverdienstgrenzen ist zunächst nur im Grundsatz beschlossen. Details
müsse der künftige Arbeitsminister regeln, sagte CSU-Vorsitzender Horst Seehofer. Es handele
sich um einen "äußerst komplexen Sachverhalt", weshalb es sich in den Verhandlungen verbiete,
"mit Zahlen zu jonglieren". Bisher können Hartz-IV-Empfänger höchstens 100 Euro im Monat
anrechnungsfrei hinzuverdienen, so dass es sich in den Augen vieler Menschen gar nicht lohnt,
eine Arbeit aufzunehmen.

Einschnitte bei Hartz-IV-Empfängern

Daneben soll die Auszahlung der Mieten für Hartz-IV-Empfänger neu geregelt werden. Demnach
muss die öffentliche Hand die Mieten von Arbeitslosen und Sozialhilfeempfängern künftig direkt
auf das Konto des Vermieters überweisen. Dies ist bereits freiwillig möglich, spielt in der Praxis
dem Mieterbund zufolge bislang aber keine Rolle. Auch diese voraussichtlich geplante Änderung
kritisierte der Mieterbund: "Wer Unterkunftskosten von Hartz-IV-Empfängern direkt an die
Vermieter überweisen will, entmündigt insoweit knapp vier Millionen Haushalte in Deutschland",
erklärte Verbandschef Rips. Zudem gebe es dann niemanden, der Mieterhöhungen und
Betriebskostenabrechnungen auf ihre Berechtigung prüfe.

Quelle: Bild,Mieterbund

Das Liberale Bürgergeld der FDP


Zu den Eckpunkten:

- finanziert durch eine negative Einkommenssteuer heisst: es ist das Modell einer staatlichen
Transverleistung, die das Existenzminimum deckt und die jeder Bürger ohne oder mit nur
geringem Einkommen erhält. Die Höhe der Zahlung nimmt in dem Maße ab, wie der Bürger
eigenes Einkommen erzielt. Das Modell stellt eine Alternative zu
einer bedarfsorientierten Grundsicherung wie etwa SGB I und II dar. Es verlangt die
Umstrukturierung der Einkommenssteuer.

- Auszahlung über das Finanzamt (erneut Antrag und Prüfung für alle) Die Einsparungen an
Behörden mag zwar beträchtlich sein, aber wo arbeiten diese Leute dann?

Das Bürgergeld wären also etwa 650 Euro zzgl. 200-Euro Krankenkassen-Gutschein zzgl.
Sonderpauschalen.

- Hinzuverdienständerung auf 600 Euro + würde im Endeffekt heissen, das es nunmehr auch
Dumpingjobs (vermutlich Teilzeitarbeit) auf 600 Euro-Basis "umgestellt" werden. Deswegen
werden aber nicht die 400 Euro-Jobs steigen sondern sozialversichter Jobs abgebaut.

Laut der FDP-Tabelle bedeutet Hinzuverdienst:

400€ Einkommen (40% Freibetrag) = Bürgergeld + 400€ - 40%


600€ Einkommen (40% Freibetrag) = Bürgergeld + 600€ - 40%
800€ Einkommen (20% Freibetrag) = Bürgergeld + 800€ - 20%
über 1200€ Einkommen (10% Freibetrag) = Bürgergeld +1200€ -10%

Das sind bei 400€ + Bürgergeld 650€ also 1050€ Brutto - (40%=) 420€ = 630€ Da bekommt man
also weniger raus als rein!
Das sind bei 600€ + Bürgergeld 650€ also 1250€ Brutto - (40%=) 500€ = 750€
Das sind bei 800€ + Bürgergeld 650€ also 1450€ Brutto - (20%=) 290€ = 1160€

Dieses "Freibetrag Brutto" von was genau (?) ist also der Knackpunkt.

1. Arbeitslosengeld I wird komplett abgeschafft. Jeder der Arbeitslos wird, fällt sofort auf
Bürgergeld-Niveau.

2.Weiterqualifizierung ist offensichtlich nicht berücksichtigt. Vermutlich wird es als


Ausbildungspauschale berechnet bzw. ganz abgeschafft.

3. Der Rentenanspruch von Harz IV wird sogar noch halbiert. Damit wird es Rentner dritter
Klasse geben, unzwar neben den Rentnern mit Grundsicherung (2. Klasse) und Rentnern mit
ausreichend Rente (1. Klasse).

4.das Bürgergeld ist nicht bedingungslos! Die Eingliederungvereinbarung wird quasi automatisch
pauschalisiert nnerhalb des Bürgergeld-Antrages. Damit unterschreibt jeder der einen Antrag
stellt, das er Rechte aufgibt.

Mehr INFOS http://www.fdp-bundespartei.de/files/363/Abschlb-Buergergeld

http://www.welt.de/politik/bundestagswahl/article4755338/Das-Buergergeld-soll-vor-der-
Sozialhilfefalle-retten.html#reqRSS

Unionspolitiker wollen Hartz IV nicht abschaffen

Die Forderung aus der FDP, Hartz IV und weitere Leistungen durch ein Bürgergeld zu ersetzen,
stößt bei der Union auf Ablehnung. Zwar wolle man auch bestimmte Regelungen überarbeiten,
sagen CSU-Landesgruppenchef Ramsauer und CDU-Generalsekretär Pofalla. Doch im
Grundsatz sei Hartz IV richtig.

Führende Unionspolitiker haben die Forderung des künftigen Koalitionspartners FDP nach einer
Abschaffung von Hartz IV abgelehnt. CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer sagte im ZDF,
es werde bei der Grundsystematik der Grundsicherung für Arbeitsuchende bleiben.

Es sei richtig gewesen, dass zwei Hilfssysteme zusammengefasst worden seien. „Der
Grundansatz war richtig, und bei dem wird es auch bleiben“, sagte er. Allerdings werde es
Verbesserungen im System geben. Mit der Schaffung der Grundsicherung für Arbeitsuchende
(Arbeitslosengeld II) wurden im Jahr 2005 die Arbeitslosen- und die Sozialhilfe zusammengelegt.

Auch der als Arbeitsminister gehandelte CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla sagte, er sehe
keine Notwendigkeit, die Hartz-IV-Regelungen grundlegend zu ändern. Die Union sei gegen
Pauschalierungen. Im WDR führte er als Beispiel das Wohngeld an, dessen Pauschalierung
Ungerechtigkeiten auslösen würde, da die Mieten regional stark

Änderungen kündigte Pofalla aber beim sogenannten Schonvermögen an. „Diejenigen, die
gespart haben, die sollen besser gestellt sein, weil sie für ihre Zukunft gesorgt haben“, sagte er.
Zudem sollten die Zuverdienstmöglichkeiten für Bezieher von Arbeitslosengeld II erhöht werden.

FDP-Schatzmeister Hermann Otto Solms hatte zuvor die Wahlkampfforderung seiner Partei
wiederholt, Hartz IV durch ein Bürgergeld zu ersetzen. Das werde seine Partei in den
Koalitionsverhandlungen verlangen, sagte er WELT ONLINE.

mit pauschalierten Bürgergeld sollen alle Sozialleistungen zusammengefasst werden, die sich
aus Steuern finanzieren. Dazu zählt die Partei das Arbeitslosengeld II einschließlich der
Leistungen für Wohnen und Heizung, das Sozialgeld, die Grundsicherung im Alter, die
Sozialhilfe, den Kinderzuschlag und das Wohngeld.

Gruß Bernd Klumpp

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Rechtliche Tipps zur anstehenden Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes über


die Regelleistungen

Das BVerfG wird am 20. Oktober die Höhe der Regelleistungen überprüfen. Es ist zu erwarten,
dass Mängel bei der Bemessung der Kinderregelleistung festgestellt werden. Wir geben hier ein
paar Tipps, wie gegebenenfalls rückwirkend (auch für Erwachsene) Ansprüche gesichert werden
können.Am 20. Oktober 2009 findet beim Bundesverfassungsgericht (BVerfG) die mündliche
Verhandlung zur Höhe der Regelsätze im SGB II / SGB XII statt. Die schriftliche
Urteilsverkündung wird voraussichtlich erst einige Monate später erfolgen.Auch wenn sich das
Bundesverfassungsgericht im Rahmen der anstehenden Entscheidung mit der Höhe der
Regelleistungen insgesamt befassen wird, ist zu erwarten, dass vor allem die Bemessung der
Regelleistungen für Kinder im Fokus einer kritischen Überprüfung stehen wird.

Hauptkritikpunkt dabei ist, dass die Kinderregelleistungen prozentual von den Regelleistungen
der Erwachsenen abgeleitet sind und dass demzufolge die kinderspezifisch
entwicklungsbedingten, wachstumsbedingten und ausbildungsgeprägten Bedarfslagen hier nicht
berücksichtigt sein können. Zudem hält das Bundessozialgericht den Ausschluss der
abweichenden Bedarfsfestlegung (§ 3 Abs. 3 S. 2 SGB II) für verfassungswidrig. Auch diese
Regelung könnte beim BVerfG zur Disposition stehen.
Dass es zu einer umfassenden Überprüfung der Bemessungsgrundlage der Regelleistungen für
Erwachsene kommt, ist dagegen aus unserer Sicht kaum zu erwarten.

http://www.tacheles-sozialhilfe.de/aktuelles/2009/Rueckwirkend_Ansprueche_Sichern.aspx

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1. Hervorragender Aufsatz zur Aufhebung von Verwaltungsakten nach §§ 45, 48 SGB X

Udo Geiger RiSG Berlin hat im neuen info also einen hervorragenden (allerdings scher
verständlichen) Aufsatz zu den Feinheiten der Rücknahme von Verwaltungsakten nach §§ 45, 48
SGB X erarbeitet. Dabei geht es um die Detailabgrenzungen, wann ein VA nach § 45 und wann
nach § 48 SGB X aufzuheben ist. Der Aufsatz ist online zu erreichen unter:

http://www.info-also.de/infoalso/hefte/Aufsatz_infoalso_09_04.pdf

2. Aufsatz: Über die modifizierte Zuflusstheorie

Bernd Eckhard / ALZ Nürnberg: Die modifizierte Zuflusstheorie im SGB II - eine kritische
Betrachtung
hat einige Überlegungen zur „Zuflusstheorie“ aus der Praxis entwickelt und rechtliche und
einscheidungsmäßige Unzulänglichkeiten aufgezeigt. Die Überlegungen stellen einen sehr guten
Diskussionsansatz da, es wäre zu wünschen, dass dies vom Gesetzgeber und den Gerichten
berücksichtigt werden würde.
Der Aufsatz ist hier zu finden:

http://www.harald-thome.de/media/files/Die-modifizierte-Zuflusstheorie.pdf

3. . Neue Entscheidung des BVerfG: Auch Beratungshilfe bei Widerspruch

Das BVerfG hat am 13.08.09 wiederholt in einer Entscheidung klargestellt, dass Beratungshilfe
auch für eine rechtliche Beratung im Widerspruchsverfahren gewährt werden muss. Der Verweis
auf die Beratungspflicht der Behörde endet immer dort, wo diese in Gegnerrolle ist. PM und
Entscheidung gibt es hier:

http://www.harald-thome.de/media/files/BverfG-zu-Beratungshilfe-13.-Aug.-2009.pdf

4. Örtliche Richtlinie zu KdU und Hausrat

http://www.harald-thome.de/oertliche-richtlinien.html

5. BSG, vom 07.05.2009, Az. B 14 AS 35/08 R

Hartz IV: Bei einem langjährig Selbständigen kann die Pflicht zur Verwertung seiner
Lebensversicherung eine besondere Härte bedeuten.

http://juris.bundessozialgericht.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?
Gericht=bsg&Art=en&Datum=2009-5&nr=11154&pos=20&anz=37

6. LSG Sachsen- Anhalt L 2 AS 315/09 B ER , rechtskräftiges Urteil vom 22.09.2009

Abwrackprämie für Hartz-IV-Empfänger bleibt anrechnungsfrei

Wie schon zuvor das Sozialgericht Magdeburg hat auch das Landessozialgericht Sachsen-Anhalt
jetzt entschieden, dass die Abwrackprämie nicht als Einkommen auf die Leistungen nach dem
SGB II angerechnet werden darf. Es sei eine zweckbestimmte Einnahme, mit der die
Bundesregierung den Absatz von Neuwagen fördern wollte. Würde die Prämie angerechnet
werden, hätten die Leistungsbezieher nicht zum Kauf eines Neuwagens motiviert werden können.
Auch stehe die Prämie nicht für den Unterhalt zur freien Verfügung, da sie wirtschaftlich
betrachtet in die Bezahlung des Neuwagens einfließe. Das neue Auto sei nicht als Vermögen zu
verwerten gewesen, da es den vermögensgeschützten Wert von 7.500 Euro nicht erreiche.

http://www.asp.sachsen-
anhalt.de/presseapp/data/lsg/2009/009_2009_182b1bb3df06adb6e64deeb5fe2cb393.htm

7. Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen L 7 B 298/09 AS 15.09.2009 rechtskräftig ,


Beschluss

Die dringende Erforderlichkeit eines Umzuges in eine andere Wohnung kann aus
gesundheitlichen Gründen bei einem Hilfebedürftigem gegeben sein .

http://www.sozialgerichtsbarkeit.de/sgb/esgb/show.php?modul=...

8. Landessozialgericht Rheinland-Pfalz L 5 AS 111/09 23.07.2009 , Urteil

1. Die Kosten einer Instandhaltungsrücklage sind bei Wohnungseigentümern Kosten der


Unterkunft im Sinne von § 22 Abs. 1 SGB II .

2. Aus Gründen der Gleichbehandlung von Wohnungseigentümer und Mieter sind auch bei
Eigentumswohnungen die Kosten des Kabelanschlusses zu übernehmen, wenn der
Arbeitsuchende kraft Beschlusses der Wohnungseigentümerversammlung zur Zahlung
verpflichtet ist und die Gebühr nicht abwenden kann.

http://www.sozialgerichtsbarkeit.de/sgb/esgb/show.php?
modul=esgb&id=122098&s0=&s1=&s2=&words=&sensitive=

9. Bürgertelefon des BMAS

Sie haben konkrete Fragen zu Themen wie Rente, Minijobs, Kurzarbeit oder anderen
Aufgabenbereichen des Ministeriums? Das Bürgertelefon des Bundesministeriums für Arbeit und
Soziales ist von montags bis donnerstags zwischen 8.00 und 20.00 Uhr für Sie erreichbar.Für
jeden Themenbereich gibt es spezielle Durchwahl-Nummern, so haben Sie schneller eine
Expertin oder einen Experten am Apparat, der oder die Ihnen weiterhelfen kann.

Arbeitsmarktpolitik und -förderung/Kurzarbeitergeld 01805 / 67 67 12 *

Ausbildungsförderung/Ausbildungsbonus 01805 / 67 67 18 *

10. Weisungen und Gesetze der Bundesagentur für Arbeit zum Thema "SGB-II-Leistungen"

http://www.arbeitsagentur.de/nn_166486/Navigation/zentral/Veroeffentlichungen/Weisungen/Arbe
itslosengeld-II/Arbeitslosengeld-II-Nav.html

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BSG Urteil vom 2.7.2009, B 14 AS 36/08 R

Eine Pauschalierung der Heizkosten ist im Leistungsrecht der Grundsicherung nach dem SGB II -
nicht - zulässig , denn die am Einzelfall orientierte Angemessenheitsprüfung für die Heizkosten
hat grundsätzlich getrennt von der Prüfung der Angemessenheit der Unterkunftskosten zu
erfolgen.
Arbeitslosengeld II - Unterkunft und Heizung - Unzulässigkeit der Pauschalierung von Heizkosten
- Angemessenheitsprüfung bzw -maßstab - Anwendung eines bundesweiten Heizspiegels -
Warmwasserkosten - Heizkostenvorauszahlungen - Betriebskostenrückzahlungen - temporäre
Bedarfsgemeinschaft -Übergangsfrist - Kostensenkungsverfahren .

Gemäß § 22 Abs 1 Satz 1 SGB II werden Leistungen für Unterkunft und Heizung in Höhe der
tatsächlichen Aufwendungen erbracht, soweit diese angemessen sind . Die Angemessenheit der
Unterkunft iS dieser Vorschrift bestimmt sich nicht allein nach der Größe des Wohnraums. Die
Größe des angemessenen Wohnraums, die grundsätzlich nach den landesrechtlichen
Wohnraumförderbestimmungen zu ermitteln ist, ist nur ein erster Schritt bei der Ermittlung der
angemessenen Unterkunft. Des Weiteren ist zu berücksichtigen, welchen Wohnstandard die
Wohnung aufweist und in welcher Gegend sie liegt (zu den einzelnen Ermittlungsschritten zuletzt
Urteil des Senats vom 18. Juni 2008 - B 14/7b AS 44/06 R; grundlegend bereits BSGE 97, 217 =
SozR 4-4200 § 22 Nr 1, jeweils RdNr 18 ff). Maßgebend ist nach der ständigen Rechtsprechung
des BSG insoweit die sogenannte Produkttheorie, die im Wesentlichen darauf abstellt, ob der von
der Bedarfsgemeinschaft zu entrichtende Mietpreis sich im Rahmen des Angemessenen hält.

http://juris.bundessozialgericht.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?
Gericht=bsg&Art=en&Datum=2009&nr=11181&pos=3&anz=159

2. Landessozialgericht Hamburg L 5 AS 49/06 16.07.2009 , Urteil

Hartz IV : Verlustbeträge aus der Selbständigkeit sind vom Leistungsträger nach dem SGB II -
nicht - zu übernehmen .

Einkommensberechnung - Bedarfserhöhung über die Regelleistung - Steuerrecht -


unabweisbarer Bedarf

Die Kläger haben keinen Anspruch darauf, dass der im Januar 2006 entstandene Verlust-betrag
nach dem SGB II aufgefangen wird. Zunächst kann der Verlust nicht im Rahmen der
Einkommensberechnung nach § 11 SGB II als "negatives Einkommen" Berücksichti-gung finden.
Als Einkommen der Bedarfsgemeinschaft wird lediglich das Kindergeld ange-rechnet. Davon
kann der Verlustbetrag aber nicht abgezogen werden. Nach § 11 Abs. 2 Nr. 5 SGB II können nur
die mit der Erzielung des Einkommens verbundenen notwendigen Ausgaben vom Einkommen
abgesetzt werden. Das ist nach allgemein anerkannter Auffassung so zu verstehen, dass
notwendige Ausgaben für jede festgestellte Einkom-mensart gesondert abzusetzen sind und –
anders als im Steuerrecht – gerade kein Ver-lustausgleich zwischen verschiedenen
Einkommensarten stattfindet (Bayerisches LSG, Beschl. v. 14.6.2005, L 11 B 218/05 AS;
Sächsisches LSG, Beschl. v. 10.1.2006, L 3 B 233/05 AS-ER; Hessisches LSG, Beschl. v.
24.4.2007, L 9 AS 284/06 ER; LSG Berlin-Brandenburg, Urt v. 6.3.2008, L 28 AS 1276/07; LSG
Nordrhein-Westfalen, Beschl. v. 19.3.2008, L 20 B 223/07 ER ). Das folgt aus dem Begriff
"verbunden" im Wort-laut des § 11 Abs. 2 Nr. 5 SGB II und ist schon deswegen gerechtfertigt,
weil Tätigkeiten, die im Ergebnis zu Verlusten führen, nicht durch andere Einkommensarten
auszugleichen, sondern einzustellen sind, um die Sozialleistungsträger nicht zu belasten.

Das SGB II bietet auch keine andere Anspruchsgrundlage für das Verlangen der Kläger. Sie
erhalten die Regelleistungen und die Kosten der Unterkunft. Eine Bedarfserhöhung über die
Regelleistung hinaus aufgrund des eingetretenen Verlustes sieht das Gesetz – zu Recht – nicht
vor; das würde im Ergebnis der Allgemeinheit den Verlust auferlegen. Weitere Ansprüche räumt
das SGB II in § 21 – Mehrbedarfe – und § 23 Abs. 3 – einmalige Leistungen – ein. Das passt
ersichtlich nicht. Ein allein in Betracht kommender darle-hensweiser Ausgleich des
Verlustbetrages nach § 23 Abs. 1 SGB II, den die Kläger im Berufungsverfahren offenbar geltend
machen wollen, setzt einen nach den Umständen unabweisbaren Bedarf voraus. Das scheitert
bereits daran, dass sich der Kläger zu 1. nach seinen Bekundungen in der mündlichen
Verhandlung die Mittel, die er im Januar 2006 im Rahmen seiner selbständigen Tätigkeit benötigt
hatte, von Freunden und von der Bank geliehen hatte. Es konnte also nur noch um die Tilgung
dieser Schulden gehen; das aber ist kein unabweisbarer Bedarf im Sinne des § 23 Abs. 1 SGB II.
Der entstandene Verlustbetrag fehlte im Februar 2006 mithin zwar rechnerisch, nicht aber
tatsächlich. Die Kläger erhielten vielmehr im Februar die mit Bescheid vom 22. November 2005
bewilligten Leistungen und konnten darüber verfügen. Die Schulden tilgte der Kläger aus den
später erzielten Gewinnen.

http://www.sozialgerichtsbarkeit.de/sgb/esgb/show.php?
modul=esgb&id=122548&s0=&s1=&s2=&words=&sensitive=

3. Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen L 12 B 50/09 SO 24.09.2009 rechtskräftig ,


Beschluss

Rückständige Energiekosten sind in einem Eilverfahren - nicht - zu übernehmen, wenn eine


Kündigung der Wohnung und eine Stromsperre noch nicht eingetreten sind.

Zu Recht hat das Sozialgericht es abgelehnt, die Antragsgegnerin im Wege der einstweiligen
Anordnung zu verpflichten, rückständige Energiekosten zu übernehmen und die über den
monatlichen Anteil hinausgehenden Energiekosten in tatsächlicher Höhe zu bewilligen. Hierzu
verweist der Senat in Anwendung von § 142 Abs. 2 Satz 3 des Sozialgerichtsgesetzes (SGG) auf
die zutreffenden Gründe der angefochtenen Entscheidung, der er sich nach Prüfung der Sach-
und Rechtslage zu eigen macht.

Auch das Vorbringen der Antragstellerin zur Begründung ihrer Beschwerden führt zu keiner
abweichenden Beurteilung, denn ungeachtet der umfangreichen Ausführungen zum
Anordnungsanspruch hat die Antragstellerin nach wie vor das Vorliegen der Voraussetzungen
eines Anordnungsgrundes nicht geltend gemacht. Das Darlegen der Voraussetzungen eines
Anordnungsgrundes ist aber unabdingbare Voraussetzung für den Erlass einer einstweiligen
Anordnung, denn hiermit wird deutlich gemacht, aus welchem Grunde eine Eilbedürftigkeit
besteht, die es rechtfertigt, dem Ausgang des Hauptsacheverfahrens vorzugreifen.

Die Antragstellerin hat in ihrer Beschwerdebegründung expressis verbis ausgeführt, eine


Kündigung ihrer Wohnung und eine Stromsperre seien noch nicht eingetreten. Damit ist kein
Grund erkennbar, der es rechtfertigen würde, durch eine positive Entscheidung im Eilverfahren
dem durchzuführenden Hauptsacheverfahren vorzugreifen. Allein die Tatsache, dass eine
Kündigung und eine Stromsperre möglich sind, reichen hierfür nicht aus.

Aus diesem Grunde hat das Sozialgericht es auch zu Recht abgelehnt, der Antragstellerin für das
erstinstanzliche Verfahren Prozesskostenhilfe unter Beiordnung eines Rechtsanwalts zu
bewilligen.

http://www.sozialgerichtsbarkeit.de/sgb/esgb/show.php?
modul=esgb&id=122517&s0=&s1=&s2=&words=&sensitive=

4. Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen L 19 B 266/09 AS ER 28.09.2009 rechtskräftig ,


Beschluss

Die Gewährung berufsfördernder Maßnahmen steht im Ermessen der Behörde .

§ 16 Abs. 1 Satz 2 SGB II i.V.m. § 77 Abs. 1 Nr. 1 des Sozialgesetzbuches Drittes Buch -
Arbeitsförderung - (SGB III) - Ermessensentscheidung

Nach § 16 Abs. 1 Satz 2 SGB II i.V.m. § 77 Abs. 1 Nr. 1 des Sozialgesetzbuches Drittes Buch -
Arbeitsförderung - (SGB III) können Arbeitnehmer bei beruflicher Weiterbildung durch
Übernahme der Weiterbildungskosten gefördert werden, wenn die Weiterbildung notwendig ist,
um sie bei Arbeitslosigkeit beruflich einzugliedern, eine ihnen drohende Arbeitslosigkeit
abzuwenden oder weil bei ihnen wegen fehlenden Berufsabschlusses die Notwendigkeit der
Weiterbildung anerkannt ist (Abs. 1 Nr. 1), vor Beginn der Teilnahme eine Beratung durch die
Agentur für Arbeit erfolgt ist (Abs. 1 Nr. 2) und die Maßnahme und der Träger der Maßnahme für
die Förderung zugelassen sind (Abs. 1 Nr. 3). Anerkannt wird die Notwendigkeit der
Weiterbildung bei Arbeitnehmern wegen fehlendem Berufsabschlusses, wenn die Arbeitnehmer
nicht über einen Berufsabschluss verfügen (Abs. 2 Nr. 2), oder über einen Berufsabschluss
verfügen, jedoch aufgrund einer mehr als 4 Jahre ausgeübten Beschäftigung in an- und
ungelernter Tätigkeit eine entsprechende Beschäftigung voraussichtlich nicht mehr ausüben
können (Abs. 2 Nr. 1).

Entgegen der Beschwerdebegründung des Antragstellers ist die Notwendigkeit seiner


Weiterbildung nicht bereits im Hinblick darauf zu bejahen, dass er seine Tätigkeit als
Wirtschaftsprüfer/Steuerberater seit mehr als 4 Jahren nicht mehr ausgeübt habe. Nach dem
klaren Wortlaut von § 77 Abs. 2 Nr. 1 SGB III ist vielmehr weiter erforderlich, dass die
Unterbrechung in Form einer "an- oder ungelernten Tätigkeit" stattgefunden hat. Insoweit ist vom
Antragsteller derzeit weder plausibel vorgetragen noch sonst ersichtlich, dass es sich bei der von
ihm ausgeübten Tätigkeit als Unternehmensberater in Thailand um eine Anlerntätigkeit oder eine
Tätigkeit für ungelernte Kräfte gehandelt haben könnte. Sowohl dies wie auch die weiteren von
der Antragsgegnerin und vom Sozialgericht geäußerten Zweifel an einer Notwendigkeit der
beruflichen Weiterbildung des Antragstellers im Sinne des Gesetzes können jedoch im Ergebnis
dahinstehen. Sein Antrag scheitert jedenfalls daran, dass die Gewährung berufsfördernder
Maßnahmen im Ermessen der Antragstellerin steht (vgl. Eicher/Spellbrink, SGB II, 2. Auflage, §
16 Rdnr. 61; BSG SozR 4300 § 77 Nr. 1 Rdnr. 21; Beschluss des Senats vom 22.04.2009 - L 19
B 49/09 AS ER -).

Die einstweilige Verpflichtung des Leistungsträgers kommt in diesen Fällen nur in Betracht, wenn
entweder das Ermessen in der Weise geschrumpft ist, dass allein die Leistungsgewährung
rechtmäßig sein kann (Ermessensreduzierung auf Null) oder die nachzuholende
Ermessensentscheidung mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zugunsten des Antragstellers
ausgeht oder ohne die begehrte Regelungsanordnung Rechtsschutz nicht erreichbar und dies für
den Antragsteller unzumutbar ist (vgl. Beschlüsse des Senats a.a.O. sowie vom 31.10.2008 - L
19 B 187/08 AS ER - m.w.N.). Hiervon ist nach dem aktenkundigen und teils vom Antragsteller
selbst vorgetragenen Sachverhalt bislang keinesfalls auszugehen

http://www.sozialgerichtsbarkeit.de/sgb/esgb/show.php?
modul=esgb&id=122511&s0=&s1=&s2=&words=&sensitive=

5. Sozialgericht Berlin S 104 AS 16420/07 30.06.2009 , Urteil

Während der Dauer eines Urlaubsemesters kann Anspruch auf Hartz IV bestehen .

Grundsicherung für Arbeitsuchende - Leistungsausschluss bei Ausbildungsförderung - keine


abstrakte Förderungsfähigkeit eines Studenten im Urlaubssemester

Im Rahmen des BAföG förderungsfähig, und zwar bereits dem Grunde nach, ist eine Ausbildung
grundsätzlich nur dann, wenn eine Ausbildungsstätte besucht wird (vgl. § 2 Abs. 1 Satz 1 BAföG),
und wenn eine Ausbildung an einer Ausbildungsstätte durchgeführt wird (vgl. § 2 Abs. 1 Satz 2
BAföG). Wer eine Ausbildung nicht an einer Ausbildungsstätte betreibt, sei es auch nur
vorübergehend, ist nicht förderungsfähig. An der Grundvoraussetzung für eine Förderung nach
dem BAföG, dem Besuch einer Ausbildungsstätte fehlt es, wenn und solange der Auszubildende
von der Ausbildungsstätte beurlaubt ist (vgl. BVerwG, Beschluss vom 25. August 1999 – 5 B
153/99 – ) .

http://www.sozialgerichtsbarkeit.de/sgb/esgb/show.php?
modul=esgb&id=122325&s0=&s1=&s2=&words=&sensitive=