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Was Dir dieses Buch geben wird:

Eine echte Wahl – Mehr als Eine!

Mein Ziel ist allerdings, Dir viel mehr zu geben: Einsichten in die Me- chanismen des Burnouts, was Deine Persönlichkeit und Deine Erfah- rungen damit zu tun haben und wie Du wieder Land unter die Füsse bekommst – sprich, die Möglichkeiten siehst, Dein Leben entweder op- timaler zu gestalten oder gleich einen Sprung in ein neues Leben zu wagen: Kurs auf’s Leben eben. Dieses Buch ist voll von persönlichen Erfahrungen und Erkenntnissen aus meiner praktischen Tätigkeit mit Klienten, die diese Tipps und Ratschläge erfolgreich umgesetzt haben. Sie sind so zusammen gestellt, dass Du Dich wieder neu erfinden oder definieren kannst, auch wenn Du bereits unter dem Druck von Dauerstress oder Burnout zusammen gebrochen bist.

Folgende Zitate möchte ich Dir einführend mit auf den Weg geben:

„In zwanzig Jahren wirst Du viel mehr über die Dinge enttäuscht sein, die Du nicht getan hast, als über die Dinge die Du getan hast. Darum: Leinen los! Segle hinaus aus dem sicheren Hafen. Fange den Wind in deinen Segeln! Erforsche. Träume. Entdecke!“ (Mark Twain)

„Folge Deiner Bestimmung und das Universum wird Dir Türen öffnen, wo vorher nur Wände waren.“ (Joseph Campbell, Verfasser der „Heldenreise“)

„Dein Charakter ist Deine Wahl. Tag für Tag ist das, was Du wählst, was Du denkst und was Du tust, dasjenige, das bestimmt zu Wem wirst.“ (Heraklit, ca. 480 v. Chr.)

Christian Semlitsch

KurS auf’S Leben

Vom burnout in ein erfüllendes Leben

ein praxisorientierter ratgeber

www.windsor-verlag.com © 2014 Christian Semlitsch Alle Rechte vorbehalten. All rights reserved. Verlag: Windsor Verlag

www.windsor-verlag.com

© 2014 Christian Semlitsch Alle Rechte vorbehalten. All rights reserved.

Verlag: Windsor Verlag ISBN: 978-1-627842-78-5

Umschlaggestaltung: Julia Evseeva Titelbild: © Snowshill - Fotolia.com Layout: Julia Evseeva

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder son- stige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Alle Fallbeispiele entsprechen im Kern der Wahrheit, wurden jedoch aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes verändert.

INHALTSVERZEICHNIS

TEIL 1: VoRWoRT

9

 

1.1.1

Grundsätzliche Fragen

10

1.1.2

Einführung Burnout

12

1.1.3

Ein Leben für Andere

14

1.1.4

Vorgehen in diesem Buch

15

1.2

GRUNDSäTZLICHES

18

1.2.1

Was Du über Burnout wissen musst

18

1.2.2

Dein EGo als Risikofaktor

19

1.2.3

Die Burnout-Metapher

20

1.2.4

Wer gehört zur Risikogruppe?

23

1.2.5

Ursprung

24

1.2.6

Verhaltensmuster

26

1.2.7

Lösungsversuche

30

1.2.8

Symptome der 12 Stadien des Burnouts

31

1.2.9

Die Folgen

37

1.3. EMoTIoNALE BEWERTUNG

40

 

1.3.1

Wie funktioniert die Bewertung?

40

1.3.2

Was bewirkt Stress in uns?

44

1.3.3

orientierung auf der Emotionsskala

48

TEIL 2: URSACHEN UND MECHANISMEN

51

2.1 GESELLSCHAFT UND DEINE IDENTITäT

51

2.2 DIE GRUNDBEDüRFNISSE DES MENSCHEN

57

2.3 „INNERE“ FAkToREN

72

 

2.3.1

Stress und Dauerstress

72

2.3.2

Frust ohne Frusttoleranz

74

2.3.3

Todsünde Vergleich

75

2.3.4

Angst

76

2.3.5

Perfektionismus

78

2.3.6

Leistungsanspruch

79

2.3.7

Leben für Andere

82

2.3.8

Konflikte

83

2.4

äUSSERE FAkToREN

85

2.4.1 Geldmangel

85

2.4.2 Beziehungsprobleme

87

2.4.3 Unfälle, Unglücke und krankheiten

88

2.4.4

Umstrukturierungen und Zwickmühlen

89

2.4.5 Digitale Medien

91

2.4.6 Die Superlative – Dein Hamsterrad

92

2.5 DEIN INNERER DIALoG

94

2.6 BEZIEHUNG

95

2.7 AUSSERoRDENTLICHE FAkToREN

97

2.7.1

Trauma, PTBS

98

2.7.2 Bindungsstörungen

101

2.7.3

übertragung

103

TEIL 3: GRUNDTHEMEN

105

3.1 DEINE HELDENREISE

105

3.2 DEIN SELBST

115

3.2.1 Selbst Bewusstsein

115

3.2.2 Selbst-Respekt

117

3.2.3 Selbst-Verantwortung

118

3.2.4 Selbst-Wahrnehmung

120

3.2.5 Selbst-Behauptung

12

3.2.6 Nein Sagen und Abgrenzung

126

3.2.7 Selbst-Wert

129

3.2.8 Werte

130

TEIL 4: TRANSFoRMATIoN

135

4.1 ALLeS nuR eine FRAGe DeR MoTiVATion?

135

4.2 WARuM Dich ZieLe nichT WeiTeR BRinGen?

136

4.3 WANN DICH ZIELE WEITER BRINGEN

140

4.4 WoRUM ES WIRkLICH GEHT

143

4.5 INTENTIoN

145

4.6 BEGEISTERUNG

148

4.7 koNGRUENZ

149

4.8 AUTHENTIZITäT

152

4.9 UNBEWUSSTES UND UNTERBEWUSSTES

153

4.10 VERTRAUE!

156

4.11 INSTALLIERE DEIN UNTRüGLICHES NAVIGATIoNSSySTEM

157

4.11.1 Der Test

159

4.12 FINDE DEINE WAHRE BESTIMMUNG

162

4.13 BURNoUT-koMPETENZ

165

TEIL 5: ZEIT ZUR VERäNDERUNG!

168

5.1 ES WIRD ZEIT

168

5.2 VERäNDERUNG

169

5.3 DU HAST kEINE ZEIT

175

5.4 MANIFEST FüR DEIN LEBEN

176

5.5 MEIN SUPPoRT

179

TEIL 6: MASSNAHMEN

181

6.1 oRDNUNGS-„THERAPIE“

181

6.2 DEIN LEBEN NEU oRDNEN

182

6.3 UMGANG MIT DEINEM EGo

184

6.4 NATURVERBUNDENHEIT

189

6.5 MUSIk

190

6.6 SoCIAL MEDIA UND SoZIALE NETZWERkE

192

6.7 NATURHEILkUNDE UND MEDIZIN

193

TEIL 7: VoM BURNoUT IN EIN ERFüLLENDES LEBEN

199

7.1 SELBSToRGANISATIoN UND WEITERE MASSNAHMEN

199

7.2 SELBST-HyPNoSE

200

7.3 ENTSPANNUNGSTECHNIkEN

202

7.4 DIE LöSUNG LIEGT IN DIR

206

7.5 INNERE RUHE

207

7.6 MEDITATIoN

211

7.7 FokUSSIERUNG

212

7.8 RESSoURCEN ERkENNEN

213

7.9 koMMUNIkATIoN & GESPRäCHSTECHNIkEN

216

7.10 FITNESS

219

7.11 ADRENALIN

220

7.12 RITUALE

223

7.13 kLEINE DINGE

227

7.14 WECkE DEN TIGER

229

7.15 FREUDE ENTWICkELN

231

7.16 WEG VoN DER SUPERLATIVE

233

7.17 STäRkE DIE STäRkEN

235

7.18 LEBENSRHyTHMUS

237

7.19 DIE MACHT DER GEWoHNHEIT

239

7.20 RAUS!

242

7.21 DU BIST, WAS DU DENkST

244

7.22 PoSITIVE LEITGEDANkEN

246

7.23

DIE kAMERA ZURüCkFAHREN

248

7.24 LöSUNGSoRIENTIERUNG

252

7.25 EIGENVERANTWoRTUNG

253

7.26 DIE MAGISCHE FoRMEL

255

7.27 VERGLEICH

257

7.28 TUE WAS DU LIEBST

259

7.29 AMBIVALENZ-MANAGEMENT

261

7.30 BEWERTUNG

264

7.31 BEDüRFNISSE koMMUNIZIEREN

266

7.32 PLAN B

272

7.33 PoWER-CIRCLE

274

7.34 DAS EISENHoWER-PRINZIP

277

7.35 PERFEkTIoN UND PARETo V.

282

7.36 VERGANGENHEIT UND ZUkUNFT VEREINEN

286

7.37 MATERIELLE DINGE

288

7.38 MEDIEN-ABSTINENZ

289

7.39 WERT-SCHäTZUNG

291

7.40 DANkBARkEIT

292

7.41 kAFFEEBoHNEN, ERBSEN UND NüSSE

294

7.42 GLüCkS-TAGEBUCH

295

7.43 INVASIoN

296

7.44 MUSTER-UNTERBRECHUNG

298

7.45 kRAFTSyMBoLE UND RITUALE

301

7.46 EIN APPELL

307

7.47 DAS WICHTIGSTE ZUM SCHLUSS

309

8. SCHLUSSWoRT

312

9. üBER DEN AUToR

314

10. LINkS ZUR DEN WEBSITES

316

online-Training

317

1.
1.

VoRWoRT

es ist mir ein persönliches wie ein berufliches Anliegen, Men- schen mit Burnout-Problemen eine praxisorientierte und funkti- onierende Anleitung zu geben, mit eigener kraft aus dem Burn- out wieder zurück ins Leben zu finden.

Im Prozess des Schreibens habe ich für mich realisiert, dass es mir nicht um Burnout geht. Es geht mir um Dich, um Dein Po- tenzial und um Deine Träume. Ein Burnout zeigt Dir an, dass verschiedenes in Deinem Leben nicht stimmt, Du nicht „auf kurs“ bist oder dass Du Dich selbst sabotierst.

Daher werde ich Dir im ersten Drittel des Buches viele einbli- cke über die Mechanismen von Dauerstress, Burnout und dessen Folgen geben. Im zentralen Teil – und das soll auch meine zent- rale Botschaft sein – geht es mir darum, dass Du einen Marsch- halt einlegst und Dich fragst, was Du denn wirklich im Leben willst. und der letzte Teil des Buches gibt Dir eine grosse Anzahl von Ideen und Tipps, wie Du Dich und Deine Ressourcen auf- bauen oder stärken kannst. Such Dir heraus, was Du brauchst, aber arbeite zuerst das Buch durch.

über dieses Buch begleite ich Dich eine gewisse Zeit in Deinem Leben und ich hoffe natürlich, dass Dir meine jahrelang erprob- ten und praktischen Ratschläge ebenfalls von nutzen sein wer- den. Viele Kapitel schliesse ich mit einer „Take Action“ Aufforde- rung. nimm diese Fragen und Aufgaben ernst, denn ich möchte Dir damit helfen, Dich auf kurs und „zurück ins Leben“, in ein selbstbestimmtes Leben führen.

Da ich selbst mehrmals im Leben schwere Zeiten durchlebt habe und diese am Ende immer ohne fremde Hilfe und ohne Medika- mente gelernt habe durchzustehen, erlaube ich mir, meine An- sprache in der „Du“-Form zu halten – einerseits weil ich mich solidarisch mit Dir verbunden fühle und andererseits weil ich denke, dass ich Dich damit etwas direkter ansprechen kann. Auch wenn ich Dich nicht (oder noch nicht) persönlich kenne, fühle ich mich so besser mit Dir verbunden.

Und noch die Gender Frage: Ich meine damit auch Frauen. Mehr und mehr erlebe ich in der Praxis leider auch Frauen mit Burn- out-Symptomen, gerade bei Frauen aus bildenden und pflegen- den Berufen und ich bedaure diese Entwicklung für unsere Ge- sellschaft. Mit diesem Buch hoffe ich auch, ein Gegengewicht zu setzen.

1.1.1
1.1.1

Grundsätzliche Fragen

kennst Du folgende Symptome und Zeichen aus eigener Erfah- rung? Findest Du Dich in den folgenden Symptomen oder Mustern wieder?

Bist Du ständig müde?

Fühlst Du Dich ausgemergelt und erschöpft?

hast Du den eindruck, dass Dir die energie ausgeht?

Schläfst Du schlecht oder wie ein Stein und bist morgens nicht richtig wach?

Alles geht irgendwie schwer, fühlt sich mühsam an und kos- tet unglaublich viel energie?

Morgens musst Du Dich überwinden, zu Deiner Arbeit zu gehen?

Du musst sogar unglaublich viel Aufwand und Energie in die einfachsten Dinge des Lebens stecken, um sie überhaupt noch geregelt zu bekommen?

Du hast bereits Dein Privatleben reduziert, um besser durch zu halten?

Siehst Du Deine Freunde seltener als früher?

Ziehen sich die Menschen von Dir zurück?

Bist Du manchmal lustlos, frustriert oder wütend?

oder bist Du manchmal an dem Punkt, wo Du einfach nicht mehr weiter willst?

Frag Dich einmal Folgendes:

Könnte es sein, dass Du ständig eine Maske vor Dir herschiebst, mit der Du ande- ren Menschen vorgaukelst, etwas zu sein, was Du gar nicht bist? Du in Wirklichkeit völlig anders lebst, als Du vorgibst? Du eine grosse Diskrepanz spürst, zwischen dem, was Du wirklich willst und dem was Du tust? zwischen dem, was Du willst und dem was Dein eigentlicher Lebenszweck sein müsste, eine zu grosse Differenz ist? Du selbst von Anderen energie abziehst? Du Dich von Anderen abhängig machst? Du Dir selbst nicht treu bist? Dir dein ego wichtiger ist, als das, was Dir Dein Gefühl sagt? es Dir wichtiger ist, wie Du vor anderen da stehst, als dass Du Dich wohl fühlst?

Wie würde es sich anfühlen, wenn Du zu Deinen Stärken und gerade auch zu Deinen Schwächen, zu Deiner Verletzlichkeit und Deiner inkonsequenz stehen würdest? mehr und mehr mit jedem Tag zu dem Menschen wirst, den Du schon immer sein wolltest? lebst wie Du bist und damit völlig oK bist? Dich auf den Weg machst und Tag für Tag an Dir arbeitest?

bereit bist, nach vorne zu schauen und auf ein Ziel hin zu arbeiten, anstatt „weg von etwas“ zu wollen? Deinem tiefsten inneren Wunsch folgst, Dich beständig wei- ter zu entwickeln? Wenn Du Dir selbst treu bleibst anstatt anderen etwas vor zu machen? Wenn Du bereit bist, auf andere zu zu gehen und etwas zu geben, auch wenn Du nicht danach gefragt wurdest?

ich möchte mit Dir hier keinen „Burnout-Test“ machen. ich bin sicher, Du weißt bereits, wovon ich spreche, denn Du kannst die erschöpfung, die Frustration, enttäuschung und die Leere bereits spüren. In der Emotionsskala im kapitel 1.3.3 wirst Du Dich mit Sicherheit schnell wieder finden. Dieses Buch und all die darin beschriebenen hilfen werden Dir wertvolle unterstützung dabei geben, Dich nicht nur wieder zu finden, sondern viel mehr Dich „neu“ zu erfinden. Wie „neu“ bestimmst Du allerdings selbst.

1.1.2
1.1.2

einführung burnout

Aus all den Gesprächen, die ich in Coachings mit Burnout-kli- enten hatte, begann sich ein Muster heraus zu kristallisieren, das bei einem grossen Teil der Burnout-Betroffenen im hintergrund abzulaufen scheint:

Burnout ist eine kombination verschiedener, teilweise leistungs- orientierter und teilweise defizitärer Verhaltens- und Denkmus- ter.

Drei Hauptfaktoren scheinen dabei eine Rolle zu spielen:

Um ein richtiges Burnout zu kreieren muss man ein ausgepräg- tes Leistungsdenken, eine schlechte Selbst-Wahrnehmung und unzureichende kommunikationsfähigkeiten haben. Flankierend

unterstützt wird die entstehung von Burnout-Reaktionen durch eine mangelnde Abgrenzungsfähigkeit gegenüber anderen Men- schen, Problemen und Leistungsanforderungen und eine einge- schränkte Übersicht über Wahlmöglichkeiten im Leben.

Diese zentrale Kombination wird nach Belieben und Persönlich- keit von weiteren, energieraubenden Prozessen verstärkt. Dazu kommen Schwächen im Beziehungssystem (kriselnde Partner- schaft, keine Partnerschaft, wenig Freunde) und Schwächen im eigenen „Selbst“-System (-Respekt, -Wahrnehmung, -Verant- wortung etc.). Je mehr defizitäre Persönlichkeitsstrukturen und je ausgeprägter eine Aussen-orientierung, die über egogetriebe- ne Leistungsbereitschaft funktioniert, desto grösser dauerhaft ein Risiko, selbst ein Burnout zu kreieren. Ja, Du hast richtig gehört: ein Burnout kreierst Du durch Deine handlungen und Nicht-Handlungen, durch Dein Verhalten, Deine Gedanken und vieles mehr. Wie das geschieht, erfährst Du noch.

Mit steigender Performance von computern, netzwerken und dem Gefühl der ständigen Erreichbarkeit via Smartphone, WhatsApp und vielem anderen wächst bei vielen Menschen das Gefühl von Druck und Anspannung – typische Signale von Stress – und es wächst das Gefühl, dieser technokratischen Welt nicht entfliehen zu können.

Dauerstress, Perfektionismus und die Angst vor Arbeitsplatzver- lust führen auf die Dauer zu einer völligen Überforderung des Einzelnen. Und dabei erwischt es nicht die Gemütlichen, die Ar- beitsscheuen sondern gerade, und darin liegt die Tragik, diejeni- gen Menschen, die wir gerne als Motor der Wirtschaft, als Loko- motive im Betrieb bezeichnen – die engagierten Menschen also.

Vielleicht gehörst ja gerade Du zu diesen Menschen. Zu den Menschen, die Ansprüche haben, die etwas bewegen wollen, die etwas richtig gut machen möchten und die auch alles daran set- zen, das in sie gesetzte Vertrauen zu erfüllen.

1.1.3
1.1.3

ein Leben für andere

Mehr als 80 % der arbeitstätigen Bevölkerung arbeitet im Ange- stellten-Verhältnis. ich möchte das nicht beurteilen. nicht jeder- mann ist für eine selbstständige Tätigkeit geeignet und – um auch das gleich vorweg zu nehmen – Selbstständigkeit birgt ebenfalls ein nicht unerhebliches Burnout-Risiko, zumindest fühlen sich viele Unternehmer in einem gewissen Dauerstress.

Als Angestellter erledigst Du Deine Tätigkeiten im Auftrag Dei- nes Arbeitgebers, erfüllst Termine und Zeitvorgaben und vieles mehr. Vielleicht arbeitest Du auch im Schichtbetrieb, schlägst Dir die nächte im Geschäft um die ohren anstatt bei Deinem Lebenspartner im Bett zu liegen, vielleicht arbeitest Du auch in Zeitarbeit und hast unregelmässige Präsenzzeiten. oder noch schlimmer, Du arbeitest auf Abruf, hast Rufdienst oder Du ge- hörst zur Klasse von leitenden Angestellten, die oft auch in der Freizeit, abends oder sogar an Wochenenden auf Abruf sein müssen, die viel unterwegs sind und morgens nicht mehr wis- sen, in welcher Stadt sie gerade aufwachen.

Vielleicht aber erkennst Du Dich darin: Du trägst grosse Verant- wortung, z.B. für ein Projekt, eine wichtige entwicklung, in die Millionen von Euro investiert wurden. Du bist ein wichtiges Rad im Getriebe und ohne Dich geht nichts, zumindest nicht so, wie es sollte. oder?

und während dem Du Dir Sorgen um Job, Beruf, Projekt und viele euros machst, die nebenbei gesagt ja gar nicht Dir gehören, verlierst Du ganz langsam und unbemerkt den Bezug zu Dir, zu Freunden und sogar zu Deinem Lebenspartner und Deiner Fa- milie. und dann? Wenn Deine Gesundheit versagt, wenn Deine Nerven blank liegen, vielleicht sogar nachdem Dein Lebenspart- ner Dir die Partnerschaft gekündigt hat, genau dann bricht Dein Realitätskonstrukt zusammen.

Und hier stehst Du nun und suchst Auswege.

Das ist auf alle Fälle schon mal eine erste positive Haltung. Denn solange Du noch Auswege suchst, ist noch soviel Lebenswille und –Kraft in Dir vorhanden, dass Du auf jeden Fall wieder auf die Beine kommen kannst. Du liest dieses Buch und das heisst, dass alles was Du willst:

raus aus dem burnout und Kurs auf’s Leben.

1.1.4
1.1.4

Vorgehen in diesem buch

Wenn Du soweit bist, dass Du erkennst, dass Dein Lebensmo- dell, Deine Denkweise und Dein Verhalten Dich soweit gebracht haben, dass Deine Gesundheit, vielleicht sogar schon die karrie- re und möglicherweise auch Dein Partnerschaft am Boden sind, dann wird es Zeit, etwas in Deinem Leben zu verändern. Grund- legend!

Dieses Buch ist alles, nur keine Theorie. Ich biete Dir schlüssige Erklärungsmodelle, Vorgehensweisen und auch praktische Er- fahrungen und übungen, die ich sowohl in meinem Leben, als auch in meiner Praxis mit klienten gemacht habe.

Was ich Dir zeige und an Vorschlägen bringe, ist eine kombina- tion aus Informationen und übungen, aus Ideen und Empfeh- lungen, aus denen Du Dir diejenigen aussuchen kannst, die Dich ganz persönlich ansprechen oder zu denen Du eine unbestimmte Resonanz fühlen kannst.

in den einzelnen Kapiteln findest Du unter der Aufforderung „Take Action“ übungen, Massnahmen oder Ideen, was Du zum jeweiligen Thema tun könntest. Die Trance-Files, die Du ausser-

dem von unserer Website www.burnout-kompetenz.com/downlods. html herunterladen kannst, sind auf die spezifischen Kapitel und Themen ausgerichtet und bieten Dir eine weitere Möglichkeit, auf unbewusster Ebene an die wahren Gründe Deiner Entwick- lung, an Deine Blockaden und an ganz besonders an Deine Res- sourcen zu kommen oder sie überhaupt erst zu entdecken. Aber ich versichere Dir: Sie sind da.

Hypnosetechniken und Trance-Arbeit sind seit Jahrzehnten wissenschaftlich anerkannte Vorgehensweisen, mit denen sich grundlegende Einstellungen verändern und Blockaden und auch Beschwerden nachhaltig verbessern oder gar beseitigen lassen. Der Vorteil: Du musst nichts aktiv tun, ausser die Files herunterzuladen, sie regelmässig zu hören und Dich für das ent- sprechende Thema zu öffnen. Mache Dir Dein unterbewusstsein zu Deinem persönlichen, unbestechlichen Kooperationspartner und lass es für Dich arbeiten.

Auch wenn mir klar ist, dass es noch viele Menschen mit Vorbe- halten gegen hypnose gibt, möchte ich hier betonen, dass Du al- lein – oder genauer gesagt, Du und Dein Unterbewusstsein – be- stimmen, welche Fortschritte Du machen kannst und wirst. es ist aber völlig ok, wenn Du die Trance-Files nicht nutzen willst. Das Buch ist so ausgelegt, dass Du viele Fortschritte auch durch die Anwendung der in den verschiedenen Teilen und Abschnitten beschriebenen Methoden erreichen kannst – deutlich aufwändi- ger, aber ebenso machbar. überall dort, wo Du speziell gefordert bist, aktiv mit dem Thema zu arbeiten, wirst Du die überschrift „Take Action“ finden.

!
!

achtung Benutze oder konsumiere die Trance-Files auf keinen Fall während dem Autofahren, Motorradfahren oder ähnlichem! es kann sein, dass Du vom hören müde wirst oder sogar einschläfst!

nimm Dir die Zeit und höre Dir die Audio-Files oder Teile da- von an, wenn Du ausserhalb des belastenden Umfelds bist. Bit- te Deine Familie und Deinen Partner um Verständnis, dass Du Dich für eine halbe Stunde zurückziehen möchtest, um Dich in einen entspannungszustand zu versetzen und – wichtig – dass Du während dieser Zeit nicht gestört werden willst.

Alle beschriebenen Methoden sind anerkannte Vorgehensweisen aus der kognitiven Verhaltenstherapie, Embodiement, der prak- tischen und klinischen Psychologie, NLP und Erickson-Hypnose und dem integrativen Coaching. Es sind allesamt Methoden, die ich mit meinen klienten in mei- ner Praxis, in Workshops und einzelcoachings ebenfalls nutze und von denen ich aus Erfahrung weiss, dass sie funktionieren.

in jedem Fall wird es so sein, dass Du Dich, wenn Du die Übun- gen und Methoden anwendest und erst recht, wenn Du mit den Trance-Files arbeitest, in einen glücklicheren und entspannten Menschen tranceformieren wirst. Ich gehe davon aus, dass es das ist, was Du willst:

Du willst wieder glücklich sein!

UND

Die meisten dieser Techniken kannst Du auch nutzen, wenn Du „nur“ im Stress bist, wenn Du Dein Leistungsfähigkeit steigern möchtest oder auch ganz einfach Deinen Lebensstil verändern möchtest.

Wenn Du die, für Dich passenden Massnahmen ausgewählt hast, aktiv an Deinen Träumen arbeitest und die Trance-Files re- gelmässig verwendest, dann hast Du das Deine getan, um wie- der das zu werden, was Du ursprünglich warst, als Du auf diese Erde gekommen bist:

ein glücklicher und zufriedener Mensch.

1.2

GRUNDSäTZLICHES

1.2.1
1.2.1

Was Du über burnout wissen musst.

Burnout ist eher ein gängiger Begriff als eine Diagnose in der Medizin. Nach dem medizinischen Diagnoseschlüssel ICD-10 unter der Ziffer Z73.0 wird Burnout als „Ausgebranntsein“ und „Zustand der totalen erschöpfung“ bezeichnet. nach icD-10 ist das Burnout nur eine Rahmen- oder Zusatzdiagnose und keine Behandlungsdiagnose, die zum Beispiel die Einweisung in ein Krankenhaus ermöglichen könnte. Tatsache ist, dass der Begriff Burnout auch eher im deutschsprachigen Raum verwendet wird. In England beispielsweise ist „Burnout“ keine Diagnose. In der Medizin sprechen wir bestenfalls von einer erschöpfungsdepres- sion oder „nur“ von einer Depression, manchmal höre ich von den Medizinern dazu auch den Begriff „Anpassungsstörung“.

In der modernen Medizin, insbesondere in der Psychiatrie wird Burnout und erschöpfungsdepression mit Psychopharmaka be- handelt. ich möchte ihnen hier zwei Betrachtungsweisen vermit- teln:

a) Wenn Du in einer schweren Depression bist, Deine Ressour- cen nicht aktivieren kannst und Dich völlig handlungsun- fähig fühlst, dann mag es sein, dass Du eine erste, schwere Phase mit Medikamenten überbrücken willst. überbrücken heisst vielleicht mal 3-6 Monate. Leider erhalten Patienten von ihren ärzten manchmal Dauermedikationen verschrie- ben, die sie – meines erachtens – in einer hilflosigkeit und vor allem abgeschnitten von ihren Gefühlen und emotionen und vor allem von ihren kraftvollen und unterstützenden Ressourcen halten. Ich will diese Vorgehensweise weder wei- ter ausführen noch zu sehr generalisieren. Doch ich bin der Überzeugung, dass jeder Betroffene mit der richtigen Vor-

gehensweise auch ohne längeren Medikamenteneinsatz aus seiner Situation heraus geführt werden kann. Da Du bereits begonnen hast, dieses Buch zu lesen, kann ich mit grösster Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass Du Dich nicht völlig handlungsunfähig fühlst, bereits auf der Su- che nach Lösungen bist und noch nicht völlig in hoffnungs- losigkeit und Apathie gelandet bist.

b) Als Coach, Begleiter und als Ratgeber und auch aus vielen wertvollen erfahrungen aus der Praxis möchte ich Dir jedoch eine andere Betrachtungsweise offerieren:

burnout ist eine gesunde und kompetente reaktion Deines Organismus’, der Dich daran hindert, ein dauerhaft selbst- schädigendes Verhalten weiter zu führen.

In diesem Sinne würde ich umformulieren, dass Du nicht an einem Burnout leidest, sondern dass Dein Körper gerade eine wertzuschätzende Pause einfordert, um Dich vor Dir selbst oder den selbstschädigenden Zielen Deines ego’s zu schützen.

1.2.2
1.2.2

Dein eGO als risikofaktor

Vielleicht fragst Du Dich, was hier Dein Ego zu suchen hat. Schliesslich hast Du beinahe alles für Deine Ziele, die Ziele der Firma, für den Job und alle Anderen geopfert.

Tja, genau darin liegt die ironie: Du glaubst vielleicht, dass Du alles für die Anderen getan hast. Das Gegenteil ist der Fall. Dein EGo (oder ein bestimmter Anteil davon) ist der eigentliche An- treiber, der Dich in diesen Zustand getrieben hat. Ein Ego, das „will“, „muss“, „nicht anders kann“ etc. stellt Dich solange und so perfekt zurück, damit Du vor den anderen gut da stehst bis Du am Rande der Selbstzerstörung angelangt bist und hoffent-

lich rechtzeitig beginnst, dies zu ändern, um auf Dich und Dei- nen organismus zu achten. Mehr dazu im kapitel über Ursa- chen und Mechanismen. Im Allgemeinen und in der Wirtschaft im Speziellen werden Menschen mit Burnout – eigentlich mit ei- ner diagnostizierten erschöpfungsdepression – oft ausgegrenzt und abgeschoben. Sehr zum Leidwesen der Betroffenen, die sich oft über Jahre oder Jahrzehnte engagiert, für den Betrieb und die Firma eingesetzt und engagiert haben.

Auch aus wirtschaftlicher Sicht ist dieses Verhalten von Betrie- ben und Vorgesetzten unverständlich. Denn das Wissen, die er- fahrung und die kompetenz gerade von leitenden Angestellten, von Spezialisten und engagierten Mitarbeitern ist nicht ohne weiteres zu ersetzen – und wenn, dann nur unter erheblichen kostenfolgen. Leider erscheinen diese Art von kosten nicht in der Erfolgsrechnung, sondern bestenfalls unter der Rubrik „Per- sonalaufwand“. Und damit wird diesen Menschen nicht die Wertschätzung entgegen gebracht, die Sie eigentlich verdient hätten. in manchen Betrieben hat man jedoch die Zeichen der Zeit erkannt beginnt, Präventionsseminare zu halten. Wie wirk- sam diese sind, kann ich nicht abschätzen, doch alleine das The- ma firmenintern ins Bewusstsein der Angestellten zu rücken ist sicher ein guter erster Schritt.

1.2.3
1.2.3

Die burnout-Metapher

Natürlich brennen Menschen nicht einfach aus. Stell Dir vor, wie viele rauchende Köpfe wir täglich ertragen müssten. obwohl, wenn ich darüber nachdenke – vielleicht wäre das ja gerade gut. Wenn wir sehen würden, in wie vielen Menschen es innerlich bereits brodelt, würden wir möglicherweise früher etwas än- dern - oder vielleicht auch nicht, da wir ja auch einen der bro- delnden Köpfe tragen und wir es vielleicht als „normal“ erach-

ten würden, wenn die Köpfe rauchen, die herzen verkümmern und die Seele sich vom „Leben“ verabschiedet. Im Motorsport bezeichnet man als Burnout unter anderem das Bild eines im Ste- hen durchdrehenden Reifens, der solange dreht, bis er entweder komplett durchgefahren ist oder eben zu brennen beginnt. Auch einen Motor, den Sie im Leerlauf ständig in den roten Drehzahl- bereich hinein drehen, wird innert kürzester Zeit quasi inner- lich verbrennen. Unser organismus brennt natürlich nicht. Aber in der Hirnforschung wird vermutet, dass Menschen aufgrund von dauernder Belastung mit erschöpfungs-Depressionen an ei- nem Mangel von sogenannten neuro-Transmittern leiden. Diese neuro-Transmitter haben vereinfacht gesagt die Aufgabe, be- stimmte Arten von Signalen von einer Nervenzelle zur anderen zu übertragen.

ein Mangel an bestimmten Transmittern – insbesondere Seroto- nin - führt zu verschiedenen Folgen: Stimmungsschwankungen, Schlafstörungen, Konzentrationsmangel, abgeflachte emotionale Spektren, Traurigkeit, Müdigkeit, Apathie und so weiter. Natür- lich ist das nur ein Konzept, eine Theorie. Genauso gut könnte ich sagen, dass aufgrund der willentlich herbeigeführten Dauer- anstrengung der Stoffwechsel des Gehirnes temporär überlastet ist und eine Entlastung bei entsprechender Ernährung und Le- bensführung innert nützlicher Zeit zu einer Wiederherstellung des regelrechten Stoffwechsels im Gehirn führt

Die Mediziner, insbesondere die Psychiater verordnen Medi-

kamente, die in den Gehirnstoffwechsel eingreifen. Meine er- fahrung ist jedoch die folgende: Menschen, deren emotionen aufgrund willentlich herbeigeführter überlastung (Ich will

noch beenden etc.) werden durch die Me-

dikamente nicht dauerhaft entlastet. Die Ursache des Verhaltens bleibt bestehen, wird jedoch einfach gedämpft. Der Gehirnstoff- wechsel auf der anderen Seite gewöhnt sich teilweise an diese Medikamente und hört auf, selbst die entsprechenden neuro- transmitter in ausreichendem Masse herzustellen.

erreichen, ich will

Die Folge der Dauermedikation ist, dass manche Menschen von diesen Medikamenten nicht mehr loskommen. Gut, in diversen Fällen mag dies das kleinere Übel sein. eine erschöpfungsde- pression – kurz Burnout – fühlt sich für den Betroffenen, das kann ich aus eigener Erfahrung sagen, schrecklich an. Denn ein Teil der Betroffenen nimmt die Veränderung in der Persönlich- keit und im Verhalten nach aussen wahr, ist aber unfähig das zu verändern. Und ein anderer Teil ruft nach Hilfe. Die einzige Entscheidung, die Du in diesem Zusammenhang fällen musst, ist die, ob Du Dir selbst vertraust und den Weg aus dem Burnout konservativ, also ohne Antidepressiva, gehen willst oder nicht.

Das scheint eine einfache Sache zu sein – ist es jedoch nicht. Dei- ne entscheidung hat weitreichende Konsequenzen:

Variante 1: Auf die Medikamente zu vertrauen bedeutet automa- tisch, dass Du Deine Genesung, und damit Dich selbst von Aus- sen, von ärzten und Medikamenten abhängig machst. Es kann sein, dass Jemand bereits so tief in der erschöpfungsdepression hängt, dass es ohne diese Variante nicht mehr geht. Sollte dies so sein, dann würde ich Dir trotzdem empfehlen, die Zeit der me- dikamentösen unterstützung so kurz wie möglich in Anspruch zu nehmen, um selbst wieder aktiv werden zu können, also in einem zweiten Schritt zu Variante 2 zu kommen.

Variante 2: Deine Entscheidung, den Weg selbst aus dem Burn- out zu suchen und auf Deine persönlichen Fähigkeiten und Kompetenzen zurück zu greifen. Dies ist ein komplett anderer Ansatz: nicht passiv zu bleiben („Wasch mir den Pelz aber mach mich nicht nass“) oder AkTIV eine Veränderung herbei zu füh- ren („ich schaff das!“).

natürlich kannst und sollst Du Deinen Körper auf dem Gene- sungsprozess durch angepasster ernährung, Mineralstoffe und ähnlichem unterstützen. Aber Du tust es selbst, aus eigenem An- trieb, eigener Verantwortung.

1.2.4
1.2.4

Wer gehört zur risikogruppe?

Diese Frage ist bereits an einigen Stellen diskutiert, aber hier nochmals zusammengefasst:

Engagierte Menschen wie Du

Belastbare und belastete Menschen

Menschen mit hoher Verantwortung in Beruf und/oder Fami- lie

Menschen mit hohem Anspruch an sich selbst

Menschen mit hohem Anteil an Perfektionismus an sich und Andere

Menschen mit hohem zeitlichen Arbeitspensum

Leitende Angestellte, Führungspersonen, Firmeninhaber, Geschäftsführer

Menschen mit hohen Idealen, die sie verfolgen

Menschen mit traumatischen Erfahrungen (Gewalt, Miss- brauch, Mobbing, Unfall etc.)

Menschen mit Projektverantwortung

Menschen mit hoher Budgetverantwortung

Menschen, die sich überfordern oder ihre eigenen Leistungs- grenzen nicht kennen

Menschen, die mit einer spezifischen Situation (Verlust von Arbeitsplatz, Partner, Familie oder Familienmitglied) über- fordert sind.

Menschen, die sich nicht gut abgrenzen können

Menschen, die Schwächen in Ihrem Selbst-Wertgefühl haben und sich über Leistung definieren

Etc.

Vielleicht bekommst Du nun eine Idee, um welche Art von Men- schen oder Mitarbeitern es sich handelt. Die vorgängig genannte Liste ist nicht abschliessend, soll Dir aber aufzeigen, dass es sich in den meisten Fällen um Menschen handelt, die sich in einer Dauerstress-Belastung oder einer Anforderung gegenüber se- hen, die sie vermeintlich nicht erfüllen oder aushalten können.

1.2.5
1.2.5

ursprung

Du gehörst nicht zu der Sorte Mensch, die sich mit wenig oder mit Durchschnittlichem zufrieden geben. Du willst es richtig ma- chen. Du stellst Dich den täglichen Ansprüchen an Dich (Beruf, Status, erfolg), bist hoch motiviert, je nachdem sogar getrieben im eigenen Anspruch, das Beste für Dich zu erreichen, insbeson- dere aber auch den Bedürfnissen von organisationen, Firmen, Freunden etc. gerecht werden zu können.

Du bist vielleicht in einer Zwickmühle zwischen Firma, karrie- re und Familie, Gesundheit, Partnerschaft. Die Zwickmühle be- steht bereits in Dir, weil Du das Gefühl hast, weder Dir noch anderen Dingen wie Familie, Gesundheit, Kindern, persönlichen Interessen etc. gerecht zu werden. Als Resultat wertest Du Dich selbst ab, wirst frustriert im Gefühl, diese inneren Konflikte nicht lösen zu können, keinen Weg zu finden und den vermeintlichen Anforderungen nicht zu genügen. In dieser Abwertung, die Du Dir selbst unbewusst gibst, steckt bereits eine weitere Ursache auf der Spirale hinab zur erschöpfungsdepression.

Je länger dieser Prozess dauert und je schneller Du Dich auf der Abwärtsspirale bewegst, desto öfter stellst Du Dir auch noch Sinnfragen wie „wofür das alles?“ und „wohin soll das führen?“. Je klarer Du Deine Situation in der Abwärtsspirale erkennst und die Überforderung wahrnimmst, desto hilfloser fühlst Du Dich – denn subjektiv scheinst Du keine Wahl zu haben, scheint es kein Entkommen aus dem Hamsterrad zu geben.

So bist Du einem ständigen erleben von Defiziten ausgesetzt, was eine Art von emotionaler Aushöhlung mit sich zieht, insbe- sondere wenn die dringend benötigte Wertschätzung und auch Balance ausbleibt. Je länger die scheinbar von Aussen benötigte Wertschätzung ausbleibt, desto mehr leidet das Selbstwertgefühl – und damit auch das Selbstbewusstsein.

im Körper entsteht eine Form von Dauerstress, die von Dir meist nur unbewusst wahrgenommen wird aber omnipräsent zu sein scheint. Dauerstress, innere und äussere Abwertung, nicht be- antwortbare Sinnfragen und das permanente Gefühl, keine Wahl zu haben erschöpft sowohl das zentrale nervensystem auf der ebene des Stoffwechsels als auch den Körper, der dem Dauer- stress auf Dauer nichts entgegen zu setzen hat.

Viele Berater und Bücher empfehlen Entspannungs- und Atem- übungen. nicht dass das ein schlechter Ansatz ist, doch ist stän- dige Entspannung etwas realitäts- oder kontext-fremdes und führt wieder zum Gefühl des Versagens, weil es schlichtweg unmöglich ist. Kann ein Manager oder ein Teamleiter in einer Besprechung immer entspannt bleiben? ist nicht die Fokussie- rung und konzentration immer ein Stückweit begleitet von ei- ner körperlichen Anspannung? Wärst Du entspannt, wenn Du in archaischer Zeit vor der höhle stehen und die darin wartende Familie, die Vorräte und Felle vor den Bären verteidigen müss- test? entspannung wäre in diesem Moment wenig hilfreich. un- ser Körper hingegen funktioniert in einer Stress-Situation jedoch noch genau so, wie vor tausenden von Jahren.

Eine Metapher dazu – wieso Atmung den Stress nicht dauerhaft kontrolliert: Stress produziert sehr oft Aggression. Wenn Du Dir den Stress in etwa wie einen Hells Angel vorstellst, der grummig auf seiner harley Davidson sitzt und die Atmung wie einen luf- tigen Hippie, der mit Hilfe von „Come on Mann, make Peace & Love - Atme mal tief durch und lass los“ versucht, den grummi- gen Hells Angel zu kontrollieren, dann bekommst Du vielleicht ein Bild von den emotionalen Macht-Verhältnissen im Körper.

Mit solchen kontext-fremden Erwartungskriterien – also immer im Flow, entspannt zu bleiben und immer zufrieden und gelas- sen zu sein – stellst Du Anforderungen an Dich selbst, die per se nicht nur unerfüllbar sind sondern auch dem kontext – sprich der Arbeitssituation – nicht gerecht werden oder sogar wider- sprechen. Und damit stellt das Nichterfüllen der eigenen Erwar-

tungshaltung bereits eine weitere Abwertung dar. Das Ziel wäre somit eine Form der Eutonie, das heisst, dem Finden einer op- timalen Balance zwischen Spannung und Entspannung – aber kontextbezogen.

1.2.6
1.2.6

Verhaltensmuster

Du befindest Dich in einem System und bist Teil davon. Dem System der Gesellschaft, dem, Deines privaten Freundeskreises, der Partnerschaft, der Firma und so weiter. Jedes dieser Systeme funktioniert interaktiv und eigenständig. Was auch immer Du für Verhaltensmuster an den Tag legst, in jedem System kommt darauf eine kontextbezogene Reaktion.

Deine Verhaltensmuster haben in dem System, in dem Du Dich bewegst, einen prägenden Charakter. Chefs wissen, dass Du das letzte geben wirst, um möglichst termingerecht und dazu noch perfekt zu sein, Freunde nutzen Deine hilfsbereitschaft und Lo- yalität, um Dich in ihrem eigenen Sinne – und das ohne böse Absicht – einzusetzen. Beziehungspartner sind von Dir ein be- stimmtes Verhalten gewohnt und gehen davon aus, dass Du entsprechend handeln wirst, für sie sorgen wirst etc. Verstehe mich nicht falsch: Dies sind nur Beschreibungen dessen, was mit uns allen geschieht. Und in einer Lebensweise, in der sich die verschiedenen Aspekte des Lebens in einer gewissen Balance befinden, ist das auch völlig ok und meist auch auf die Dauer unproblematisch.

Aber – um hier ein anderes Bild zu wählen – Wenn Du der Ak- robat bist, der die chinesischen Teller auf der Stange im Drehen hält, dann weißt Du, dass jeder Teller mehr oder weniger die sel- be Aufmerksamkeit benötigt, jeder Teller in unterschiedlicher in- tensität und individuellem Rhythmus angetrieben werden muss

aber dennoch: Jeder Teller, der sich auf der Stange drehen soll, muss immer wieder bedürfnisgerecht bewegt und gedreht wer- den. So kannst Du Dir auch all die unterschiedlichen Bereiche Deines Lebens vorstellen. Alle Bereiche benötigen Aufmerksamkeit und alle gehören zu einem gesunden, ausgeglichenen Leben. Wenn Du einen Teller nicht am drehen halten kannst, fällt er he- runter. Wenn Du einige Teller fallen lässt, hast Du mehr Zeit für die anderen Teller und Du kannst sie sogar schneller drehen las- sen oder mit ihnen kunststücke vorführen. Und am Ende drehst Du vielleicht nur noch einen Teller, den Du dafür grandios be- herrscht. Doch was, wenn der fällt? und wie fühlt es sich an, wenn die anderen Aspekte in Deinen Leben fehlen, für welche die drehenden Teller – metaphorisch gesehen – stehen?

beispiel Der Neffe eines Klienten war Projektverantwortlicher in einem gros- sen Unternehmen und er engagierte sich, forschte, nahm die Arbeit mit nach Hause und wollte das Beste für sein Projekt. Er hatte keine Zeit für eine Partnerschaft und für andere Tätigkeiten, in seinem Sportclub hatte er noch etwas Zeit für „Freunde“. Als er sich mit der Firmenlei- tung uneinig über den weiteren Verlauf der Projektarbeiten war und sich mit ihnen überwarf, wurde ihm seine Stelle gekündigt. Zu diesem Zeitpunkt war er noch keine 40 Jahre alt. Mit seinem Fachwissen hät-

te er mit Sicherheit in einer vergleichbaren Branche und Position eine neue Tätigkeit gefunden. Doch sein Denken war verhaftet am Projekt, an der Verletzung durch die Kündigung. Während dem er nach sei- ner Kündigung nicht aus seinem Grübeln herauskam, betrieb er etwas mehr Sport im Club mit seinen Freunden. Wenn mein Klient ihn fragt, wie es ihm wirklich gehe, winkte der Neffe mit der lapidaren Bemer-

“ ab. Keiner seiner Sportfreunde bemerkte das

Brodeln unter seiner Oberfläche. Eines Tages erschien er nicht mehr im Sportclub – und auch sonst nirgendwo mehr. Noch keine 40 Jahre alt hatte er sich das Leben genommen.

kung „Ach, frag nicht

Vielleicht findest Du dieses Beispiel krass, doch die Statistiken zeigen, dass Männer mit solchen Situationen oft dauerhaft nicht

umgehen können, weil sie in ihrer Verletzung und im Gefühl, keine Wahl zu haben, stecken bleiben. Manche wählen den letz- ten Ausweg: Sie geben das Geschenk des Lebens zurück.

Die Verhaltensmuster, die uns unglaublich kreativ und leistungs- fähig werden lassen, können uns auch in den gesundheitlichen, sozialen und persönlichen Ruin treiben, wenn wir „die anderen Teller unseres Lebens nicht am drehen halten“. Perfektionsmus- ter und überdurchschnittliches engagement entstehen oft aus einer tiefen, oft nicht wahrgenommenen Angst: Der Angst, nicht zu genügen, der Angst, es nicht gut genug zu machen. Leistung, die aus Angst geboren wird, konsumiert um ein vielfaches mehr energie, mental wie körperlich. Die Angst bringt den Betroffe- nen dazu, sich ständig zu ducken, keinen Widerspruch zu leis- ten. Er lässt zu, bewusst oder unbewusst, dass andere Menschen über ihn lästern, über ihn verfügen und ihn benutzen. und Tag für Tag wächst die Angst vor dem Arbeitsplatzverlust, Angst vor dem Verlust von Status und Ansehen, Angst vor dem Verlust des Partners, der Freunde, des Besitztums. All diese Ängste ku- mulieren sich bis zur Unerträglichkeit. Das Resultat: Das Selbst- bewusstsein leidet und bröckelt Tag für Tag etwas mehr. Jeder Arbeitstag wird zum Spiessrutenlauf, zur seelischen Folter. Der Körper schüttet täglich unmengen von aktivierendem Adrenalin aus, um dem Druck und der Belastung noch stand zu halten, solange, bis es nicht mehr geht.

Kommt Dir das bekannt vor?

Menschen mit niedrigem Selbstbewusstsein und geringem Selbstwert tendieren dazu, es Allen recht machen zu wollen und die Verantwortung für ihr persönliches Wohlbefinden an An- dere abzugeben – und sind dann enttäuscht, wenn Andere auf ihnen herumtrampeln. „Everybodies Darling is Nobodies Dar- ling“ beschreibt treffend, was mit den Menschen passiert, die es allen Recht machen wollen: Sie erreichen genau das Gegenteil. Anstatt Respekt und Wertschätzung erwartet sie Abwertung und Zurückweisung.

Die Verantwortung für Dein Handeln und für Dein Verhalten liegt bei Dir alleine! Du wirst nun vielleicht sagen, dass Du ja nichts da- für kannst, dass Du halt so oder so bist. oder dass Du Dich nicht durchsetzen kannst. Ja und nein. Du kannst nichts dafür, dass Du in Deiner kindheit auf diese Art und Weise geprägt und erzogen wurdest. Doch als erwachsener stehen Dir alle Möglichkeiten of- fen, die Defizite zu beseitigen, die Du aus erziehung, Kindheit, aus Fehlverhalten, Schulmobbing etc. erlangt hast.

Ich zum Beispiel hatte eine strenge Erziehung, in der ich nicht gelernt hat- te, zu mir zu stehen, zu kommuniziere und zu diskutieren. In der Folge war ich in der Schule kaum in der Lage, einer Diskussion zu folgen, noch aktiv daran teilzunehmen, frei zu sprechen und meine Meinung dazu zu vertreten. Nach Abschluss meines Abiturs verspürte ich den Drang, endlich frei das zu tun, was ich immer wollte: Ich besuchte Kraft- und Kampfsporttraining in der Uni, lernte Autogenes Training, und begann, mich mit Rhetorik zu befassen. Einen Durchbruch in meiner Kommuni- kation erlebte ich mit dem ersten Dale Carnegie Training, einem System, das die Kommunikationsfähigkeiten über Monate systematisch aufbaut. Dem folgten weitere Fortbildungen und ich suchte im beruflichen Um- feld nach Herausforderungen, um diese Fähigkeiten weiter auszubilden – und es war beileibe nicht immer angenehm. So mancher, scheinbarer Misserfolg brachte mich wieder weiter. Der Weg war oft sehr steinig, er war schwer, aber er war machbar.

Daraus folgt die magische Formel: e = Sr²

Wir sehen hier beinahe eine kopie der Einstein Formel (E=MC²)

e

ist das Ergebnis, die aufgrund Deiner Reaktion auf die Situation entsteht. In Bezug auf die Einstein-Formel könnte man auch sagen: Die emotionale energie.

S

ist die Situation, mit der Du zu tun hast und die konstan- te, die Du in den meisten Fällen nicht verändern kannst.

r

ist Deine Reaktion auf diese Situation und steht auch für die Ressourcen, die Du in Deine Reaktion auf die Situati- on mit einbringen kannst, daher RxR= R².

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