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DIGITAL ÜBERALL

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Clever unterwegs bei der digitalen Jobsuche

Digitale Medien haben den ganzen Suchprozess nach einer neuen Stelle grundlegend verändert. Die gute Nachricht: Der digitale Raum bietet auch neue Werkzeuge, um den passenden Steckbrief im Datenhaufen zu finden. Kursleiter Joachim Maier gibt Tipps, wie die digitale Jobjagd mit über- schaubarem Aufwand zum Erfolg führt.

Einen attraktiven Bewerbungsbrief schreiben, einen möglichst perfekten Lebenslauf auf hochwertiges Briefpapier drucken und beides im Deux-Piece oder im Anzug mit Krawatte beim Wunsch- arbeitgeber vorbei bringen – die Zeiten sind längst passé. Wer heute leibhaftig beim Wunscharbeitgeber einmarschiert, begeht heute ein echtes «No-Go». Im vir- tuellen Zeitalter kommt man fast nur noch digital zu einem realen Job: Die Jobsuche beginnt online und auch der Kontakt zum Arbeitnehmer in spe läuft praktisch ausschliesslich über Datenleitungen. Fangen wir mit dem wenigen an, was gleich geblieben ist: Ein durchdach- tes CV und ein souveränes Interview sind unverändert Schlüsselerfolgsfaktoren, um zur Wunschstelle zu kommen. Aber selbst die Darstellung des CVs hat sich den digitalen Gepflogenheiten angepasst – und auch da sollten Stellenbewerberinnen und -bewerber zeigen, dass sie up-to-date

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sind (Kasten Seite 68). Für den Rest gilt: nichts ist wirklich einfacher gewor- den, aber vieles ganz anders. Sowohl auf Seiten der Bewerber als auch in den Per- sonalabteilungen.

Zeitfresser Angebotsflut Denn: Wenn die Recruiter offene Stellen immer häufiger nur noch auf der eigenen Website, in einer Online-Stellenbörse oder in Social-Networks ausschreiben, dann muss man auch dort danach suchen (Grafik 1). Gemäss dem Trend-Report Online-Recruiting ist eine Bewerbung auf Papier bereits bei 60 Prozent der Arbeitgeber nicht mehr zugelassen oder unbeliebt. Rund die Hälfte aller Arbeit- geber nutzt heute bereits Social-Networks, um Stellen auszuschreiben. Am belieb- testen sind nach wie vor Bewerbungen per E-Mail oder via ein standardisiertes For- mular auf der Firmenwebsite (Grafik 2). Sicher ist: Man kann sich in der digi-

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Welche Kanäle nutzen sie zur Stellenauschreinung/-suche
talen Flut an Jobangeboten verlieren.
Es gibt Tausende scheinbar relevante
Quellen. Die Online-Jobsuche ist darum
für viele ein zeitintensiver, mühsamer und
vielfach entmutigender Prozess. Die rich-
tige Jobausschreibung scheint immer ge-
rade dort zu lauern, wo man gerade noch
nicht gesucht hat: auf Firmenwebsites,
Karriereseiten, in Zeitungsannoncen
oder Nischenwebsites für bestimmte
Industrien oder Berufsgruppen. Prak-
tisch alle Teilnehmenden meiner Work-
shops verbrachten mehr als eine Stunde
pro Tag mit der Jobsuche im digitalen
Raum – einige sogar fünf Stunden und
mehr. Doch: Wer nicht rechtzeitig auf-
hört zu suchen, verschwendet nur seine
Zeit. Und wer am falschen Ort sucht,
ebenfalls.
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Grafik 1
© Trend Report 2014
Welche Bewerbungsarten lassen Sie zu? (Arbeitsgeber)
Die richtigen Keywords als Schlüssel
Meine Empfehlung lautet: Mit der richti-
gen Suchstrategie reichen 15 Minuten
pro Tag vollkommen. Dafür muss man
sich allerdings vorab die wesentlichen
Fragen stellen. Als ersten Schritt gilt es,
sich genau zu überlegen, was man eigent-
lich sucht. Das Was bestimmt das Wo.
Das Mantra der digitalen Welt lautet:
«Du wirst bekommen, wonach du suchst –
aber wenn du nach allem suchst, wirst
du am Ende mit nichts dastehen.» Nur
wer weiss, wonach er sucht, kann die
passenden Suchwörter kennen und jene
Karrierewebsites finden, die geeignete
Job-Profile ausschreiben.
Um seine Suchbegriffe zu finden,
kann es hilfreich sein, in Szenarien zu
denken. Die Ausgangsfrage dafür lautet:
Grafik 2
© Trend Report 2014
Wie sieht meine berufliche Situation in
einem halben Jahr aus? Die vier mögli-
chen Szenarien heissen:
1. Alles beim Alten: «same as it ever was»
2. Alles wird gut: «best case»
3. Es kommt schlimmer, als man denkt:
«worst case»
4. Traumjob: «dreams come true»
Diese vier Szenarien kann man in allen
Details vor seinem inneren Auge vorbei-
ziehen lassen, am besten mit seinem
Lieblingslied aus den Kopfhörern in den
Ohren – und gleich darauf auf Papier
festhalten, was man gesehen hat. Jedes
Szenario erhält einen Jobtitel oder eine
passende Überschrift, darunter wird der
Berufsalltag festgehalten: Wie verbringe
ich die Tage? Womit bin ich beschäftigt?
Was begeistert mich? Welche besonderen
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Fertigkeiten kann ich einsetzen? Mit wem arbeite ich zusammen: Wer sind meine Kolleginnen und Kollegen,

Fertigkeiten kann ich einsetzen? Mit wem arbeite ich zusammen: Wer sind meine Kolleginnen und Kollegen, Chefs, Kundinnen?

senden Annoncen in Google eingeben – um herauszufinden, wo die Anzeige noch publiziert worden ist. Wie nützlich die so ausfindig gemachten Karriereplattfor- men für die eigenen Zwecke sind, lässt sich dann dort mit der entsprechenden Keywordsuche überprüfen. So sollten sich mindestens zwei Nischenwebsites finden lassen, die gut zum eigenen Suchfokus passen und bessere, mehr oder schlicht andere Stellenausschreibungen liefern.

Wer sich online auf ein Jobangebot be- wirbt, sollte die Perspektive wechseln und sich erst einmal mit dem befassen, worauf die Recruiter achten. Jeder HR-Profi wird sein Augenmerk auf vier Punkte richten:

Auf das Richtige fokussieren Wenn diese Arbeit einmal gemacht ist, dürfte es nicht mehr schwer fallen, zu jedem Szenario fünf bis acht relevante Suchbegriffe zu definieren. Ob die erhal- tene Kombination an Suchbegriffen wirk- lich zu brauchbaren Resultaten führt, sollte man allerdings im Reality-Check testen. Dafür empfehle ich die Plattform indeed.ch. Indeed ist die wichtigste Kar- riereseite in den USA und funktioniert auch in der Schweizer Version hervor- ragend als Datenkrake; sie liefert i.d.R. sehr viele Suchergebnisse. Wer seine Suchbegriffe kombiniert bei Indeed ein- gibt, erhält dort eine erste Antwort auf die Frage, wie brauchbar der gewählte Suchfokus ist. Meine Faustregel: Mehr als 150 Suchresultate pro Anfrage deuten auf einen zu weiten, weniger als fünf Resultate auf einen zu engen Fokus hin.

1. Macht der Kandidat einen guten ers- ten Eindruck?

 

2. Bringt er die passenden Kompetenzen und Erfahrungen mit?

3. Ist der Kandidat motiviert und bereit, sich zu engagieren?

 

4. Stimmen die Vorstellungen übers Ge- halt überein?

SERVICE
SERVICE
   

Nach allfälligen Anpassungen bei den Keywords bietet Indeed in den meis- ten Fällen ein gutes Grundrauschen:

     
 

International und übersichtlich:

der CV von Europass

ein Grundbild an passenden Stellenaus- schreibungen. Zumindest zwei bis drei viel versprechende Stellenausschreibun- gen sollten sich mit Indeed finden lassen. Zum Ziel führen können neben solchen Mega-Job-Plattformen aber auch Ni- schenwebsites, welche es für praktisch jede Berufsgruppe oder Branche gibt:

Neben einem Kurzprofil auf dem Deckblatt von der Länge eines LinkedIn- Profils (140 bis 200 Zeichen) setzen sich allmählich auch die Richtlinien

der

EU-nahen Organisation Europass für die Darstellung eines guten

CV

durch:

– Länge: Maximal 2 Seiten

 

– Mit dem CV belegen Sie Ihre Kompetenzen – die bisherigen Berufs- stationen aufzuzählen ist nicht genug

z.B. für Jobs im pädagogischen Bereich,

bei der Stadtverwaltung oder für Ma- nagement-Trainer.

Die Perspektive der HR-Profis Solche spezifischen Job-Portale lassen sich auf einfache Weise ausfindig ma- chen: Stellentitel, Arbeitsort und allen- falls weitere Informationen aus einer der bereits auf Indeed gefundenen, pas-

– Beschreiben Sie Funktionen und Verantwortlichkeiten in früheren Karrierestationen

– Belegen Sie, wie in den USA schon lange üblich, das, was Sie alles erreicht haben mit Zahlen. Bsp.: «Ich habe das Thema x mit einem Budget von y verantwortet, die Kundenzufriedenheit um 30 Prozent erhöht und wurde als drittbester von 20 Mitarbeitern beurteilt.»

Vorlage und Leitfaden zum Europass CV finden sich im Netz:

www.europass.cedefop.europa.eu

 
 

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EB NAVI #2

    68 EB NAVI #2 Ein gutes Online-Dossier überzeugt auf allen Ebenen, die

Ein gutes Online-Dossier überzeugt auf allen Ebenen, die Spreu vom Weizen ge- trennt wird aber schon beim ersten Ein- druck. Deshalb gilt es, da keine Fehler zu machen.

Sich selbst ein Profil geben Heute noch viel mehr als früher gilt:

Kürze gibt Würze. Die digitalen Leitfor- mate SMS und Twitter mit ihren Be- schränkungen auf Kurznachrichten ha- ben unsere Lese- und Sehgewohnheiten verändert: Wir sind vielfach nicht mehr bereit, ein briefähnliches E-Mail oder ei- nen ausführlichen Cover-Letter zu lesen. Ein kurzes, knackiges Profil auf der ers- ten Seite des Dossiers bringt gleich auf den Punkt, worauf es ankommt. In den USA hat es sich schon eingebürgert, dem Dossier ein Deckblatt voranzustellen, dass ungefähr einem Twitter-Profil ent- spricht: maximal 200 Zeichen, plus ein ansprechendes Bild sowie die Koordina- ten das Bewerbers.

Digitale Visitenkarte Wichtig ist auch die Einsicht, dass die Personalverantwortlichen ein Dossier zu jedem Zeitpunkt beiseite legen und den Namen einer Bewerberin oder eines Bewerbers in eine Suchmaschine, auf Facebook oder in ein berufliches Netz- werk wie LinkedIn eingeben können. Vielleicht sogar in der Hoffnung, sich einen schnelleren oder leichter verdauli- chen Eindruck zu verschaffen, als ihn die

leichter verdauli- chen Eindruck zu verschaffen, als ihn die AUF KURS BLEIBEN Digital Jobhunting Digitale Jobsuche

AUF KURS BLEIBEN

Digital Jobhunting Digitale Jobsuche mit allen wesentlichen Stationen in 15 Minuten pro Tag Mit E-Portfolio potenzielle Arbeitgeber überzeugen Mithilfe eines E-Portfolios seine Kompetenzen überzeugend kommunizieren Beratung Bewerbungsdossier Das Bewerbungsdossier digital oder in Papierform auf den neusten Stand bringen. Gelungene Rekrutierung – gelungene Lehrzeit Eignung und Persönlichkeit einschätzen für Lehrbetriebe

Anmelden: eb-zuerich.ch/digital

– gelungene Lehrzeit Eignung und Persönlichkeit einschätzen für Lehrbetriebe Anmelden: eb-zuerich.ch/digital

Bewerbungsunterlagen bieten. Ein Profil im Netz, das einen schiefen ersten Ein- druck vermittelt, kann einen darum in jeder Phase des Bewerbungsprozesses aus dem Rennen werfen. Zum Beispiel dann, wenn auf der LinkedIn-Seite nichts von den geforder- ten Kompetenzen steht oder aus den Einträgen auf Twitter hervorgeht, dass sich die oder der Stellensuchende nicht wirklich für die Themen interessiert, die mit seiner neuen Position verbunden

wären – oder weil er oder sie offensicht- lich kein zum Job passendes Netzwerk mitbringt. HR-Profis sowie zukünftige Kolleginnen und Kollegen beziehen den digitalen Auftritt immer ins Gesamtbild mit ein. Jede Jobhunterin und jeder Job- hunter sollte darum mindestens über ein gut gepflegtes LinkedIn- (oder Xing-) und Twitter-Profil verfügen. Und man sollte seinen digitalen Fingerabdruck unbedingt regelmässig überprüfen und

aktualisieren.

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unbedingt regelmässig überprüfen und aktualisieren. n Joachim Maier gibt an der EB Zürich Kurse rund ums

Joachim Maier gibt an der EB Zürich Kurse rund ums «Digital Jobhunting». Kürzlich hat er zu dieser Thematik bei Amazon ein E-Book publiziert. Er ist Diplom-Betriebswirt und Dr. der Humanwissenschaften und widmet sich als Trainer und Coach seit Jahren der Vermittlung von digitalen Kompetenzen. In seiner Firma «Filmreif Beraten» nutzt er das Medium Film zur Team-, Organisations- & Führungsentwicklung.

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