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Die Übertragung von Tumoren auf neugeborene Säugetiere

Stand / Letzte Aktualisierung durch Elisabeth Rieping 06.03.2006

Probleme bei der Suche nach Tiermodellen

Als man anfing, sich mit Tumoren experimentell zu beschäftigen, suchte man nach Tiermodellen, um Tumorerkrankungen besser untersuchen zu
können. Es gelang auch, Tumore zu übertragen. Aber der Erfolg war gering. Von vielen infizierten Tieren, die mühsam aufgezogen werden
mussten, bekamen nur wenige Tumore. Der erste große Erfolg:

Übertragbare Brusttumore der Maus

Das erste brauchbare System, was man fand, war das Maus-Mammatumor-System, bei dem Mäuse über die Muttermilch infiziert werden. Dabei
erkrankte ein Großteil der infizierten Tiere, ob sie nur von ihrer Mutter oder von einer Mäuseamme gesäugt wurden, später nach einer Latenzzeit an
Brusttumoren. Durch Ammenversuche erkannte man, dass es ein Faktor in der Milch war, der - nach einem Mitarbeiter der Jackson Labors -
Bittner-Faktor genannt wurde, da er zuerst Arbeiten über diese Entdeckung publiziert hatte. Später wurde der Name in MMTV (für Mouse oder
Murine Mamma Tumor Virus) geändert. Das System war deshalb so brauchbar, weil ein Großteil der als Säugling infizierten Mäuse später
erkrankte. Warum war dieses System erfolgreich?

Die Bedeutung der Stillzeit

Mit anderen Viren war man nicht so glücklich. Oft musste man sehr viele Tiere infizieren, um eines aufzuziehen, das nach langer Zeit einen Tumor
entwickelte. Schließlich stellte sich heraus, dass die Säuglingszeit die Zeit war, in der sich mit Viren besonders leicht Krebs erzeugen lässt. Man
vermutete, dass das Immunsystem in der Zeit noch nicht kompetent ist, fremde eindringende Organismen zu erkennen und abzuwehren und sie
deshalb unerkannt im Organismus verbleiben, ohne zu einer Entzündung oder akuten Erkrankung zu führen. Stattdessen kommt es später in einigen
sehr wenigen Zellen zur Tumorerkrankung.

Bei der Übertragung von MMTV über die Milch hatte die Übertragung ohne Planung in der Stillphase stattgefunden. Und deshalb war man so
erfolgreich gewesen. Ähnliche Erfolge hatte man früh bei der Übertragung von Viren auf Eier, mit der man Tumoren in Vögeln erzeugte. Auch hier
hatte man eine frühe Zeit in der Entwicklung des befallenen Organismus erwischt und war deshalb erfolgreich. Eine weitere Bedingung für die
erfolgreiche Tumorerzeugung:
Die Nutzung von Viren anderer Tierarten

Schließlich ergab sich noch ein weiterer Fortschritt, als man erkannte, dass Tumore im Labor mit der größten Aussicht auf Erfolg erhalten werden,
wenn man möglichst junge Tiere mit dem Virus einer anderen Art infiziert. Also einen menschlichen Virus für ein Hamsterbaby benutzt, um
Tumore im Hamster zu bekommen. Oder einen Hamstervirus, der im Hamster harmlos ist, zur Erzeugung von Tumoren in der Maus. Als man über
diese beiden Erkenntnisse verfügte, war man einen wichtigen Schritt weiter. Ergebnis: Ein Tumor wird am besten mit Viren fremder Arten in
einem Neugeborenen erzeugt.

Besteht eine Gefahr der Übertragung von Rinderviren durch die Flaschenernährung von Säuglingen durch Kuhmilchprodukte? Die RNA-
Tumorviren sind sehr hitzeempfindlich und alle Säuglingsnährmittel werden durch Kochen sterilisiert. Dabei müssten sämtliche RNA-Tumorviren
zerstört werden. Das Kochen machte die Ernährung der Säuglinge mit Tiermilch erst möglich. Denn nicht nur Milch von Tieren, natürlich auch die
des Menschen, enthält nicht nur Viren, sondern auch Bakterien, die vor der Erfindung der Hitzesterilisierung die Hauptursache der hohen
Säuglingssterblichkeit war.

Ein Problem bei der Übertragung latenter Milchviren könnte aber die hitzstabilen Proviren der RNA-Tumorviren darstellen. Sie wurden - integriert
in die Milchlymphozyten der Kuhmilch -vielfach nachgewiesen. DNA ist aber hitzestabil und wird durch Kochen nicht zerstört.

Da man das menschliche Brustkrebs-Virus nicht finden konnte, suchte man nach einem direkten Einfluss der Risikofaktoren. Eine verhängnisvolle
Entscheidung. Bei Aids hatte man die Risikofaktoren benutzt, um den Infektionsherd zu finden und war schnell auf die Übertragungswege gestoßen.
Aber die Brustkrebsforschung nahm einen anderen Weg

Links

Gesäugekarzinome der Tieren


Die Suche nach dem Brustkrebsvirus des Menschen
Die künstliche Säuglingsernährung vor Nestle

Brustkrebsübersicht

Text im Archiv der Library of Congress: http://web.archive.org/web/*/http://www.erieping.de/bksaug.htm