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Chemieschule Dr. Elhardt

Messtechnik

M. Scholz

Skriptum

Einführung in die Messtechnik

Stand 3.10.07

Die Wahrheit hinter dem Spruch:

„Wer viel misst, misst Mist“

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1. Messen und Messfehler

1.1

Begriffsbestimmungen

DIN 1319: „Messen ist der experimentelle Vorgang, durch den ein spezieller Wert einer physikalischen Größe als Vielfaches einer Einheit oder eines Bezugswertes ermittelt wird“

Fundamentalvoraussetzungen:

Die zu messende Größe muss qualitativ eindeutig definiert und quantitativ bestimmbar sein.

Es

muss

ein

durch

Konvention

festgelegtes

Messnormal

als

Vergleichsmöglichkeit geben.

D.h., dass subjektive Größen wie „Wohlbehagen“, „Schönheit“, „Geschmack“ oder „Intelligenz“ keine messbaren Größen sind.

Das Messnormal wird entweder direkt durch einen Gegenstand bereitgestellt (z.B. Urkilogramm) oder über eine experimentelle Vorschrift realisiert (z.B. Tripelpunkt des Wassers als Messnormal der Temperaturmessung).

1.1.1 Wichtige Begriffe

Messen: Tätigkeiten und Vorgänge, mit denen eine quantitativ unbekannte Größe mit einer genauen, und konstanten Vergleichsgröße (Messnormal) verglichen wird Messen heißt Vergleichen.

Messgröße:

Allgemeine Bezeichnung für das zu bestimmende Objektmerkmal oder die physikalische, chemische oder sonstige Eigenschaft, die gemessen wird.

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Messwert:

Messwert = Zahlenwert

 

* Einheit

Beispiel:

Länge

=

12

* 1m

=

12 m

Messprinzip:

Physikalisches Prinzip oder grundsätzlicher gesetzmäßiger Zusammenhang, der für den Messvorgang verwendet wird.

Messverfahren:

Praktische Anwendung und Realisierung eines Messprinzips. Dazu gehört auch die Tätigkeit der Messperson sowie die Handhabung des Messgeräts

1.1.2 Unterteilung der Messverfahren

a)

 

Direktes Verfahren:

Im engeren Sinn: Der Messwert wird mit einem Normal derselben Messgröße verglichen (Bsp.: Messung einer Tischkante mit einem Meterstab)

Im erweiterten Sinn: Auch alle Messverfahren mit Messeinrichtungen, die den Messwert in Einheiten der Messgröße anzeigen (Bsp Flüssigkeitsthermometer: die Temperatur wird zwar in einen Weg umgesetzt, der Weg wird aber in Einheiten der Temperatur skaliert)

Indirektes Verfahren:

Der Messwert wird aus einer oder mehreren andersartigen physikalischen Messgrößen gewonnen. Der Messwert muss dann umgerechnet werden.

Beispiel Widerstandsthermometer: Temperatur wird aus elektrischem Widerstand R

berechnet, R()

Beispiel Kolbenmanometer: Eine Masse muss in einen Druck umgerechnet werden

b)

Analoges Verfahren: Jedem Wert der Messgröße wird ein eindeutiges Ausgangssignal bzw. eine eindeutige Anzeigewert zugewiesen. Diese Zuordnung ist (im Idealfall) eindeutig umkehrbar. Der Vorrat an Anzeigewerten ist unendlich.

Digitales Verfahren: Die Messgröße wird im Ausgangssignal bzw. auf der Anzeige nur in bestimmten Schritten abgebildet (Treppenkurve). Diese Zuordnung ist

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nicht mehr eindeutig umkehrbar. Es gibt nur eine beschränkte Anzahl an Anzeige-/Ausgabewerten.

 

Analog:

Digital:

Beschreibung

zeit- und wertkontinuierlich

zeit- und wertdiskret

 

Messwertausgabe

Skalenanzeige, in Form einer Messgröße (z.B. Länge, Winkel, Intensität)

in Form einer Zahl (z.B. km- Zähler, ph-Wert, Digitaluhr, Stückzahlen)

Änderung des Messwerts Darstellung der Messgröße ändert sich

Änderung des Messwerts Zahlenwert ändert sich (schrittweise)

Ablesung

langsam, unsicher, umständlich

fehlerfrei, sicher, bequem

 

Messbereich schnell erfassbar, (größere Änderungen schnell erkennbar)

Erfassen

des

Messbereichs

dauert

oft

länger,

(Änderungen

nicht

sofort

 

erkennbar)

Störanfälligkeit

hoch

gering

Speicherung/Registrierung

aufwendig

wenig aufwendig

 

Messwertnachbearbeitung

aufwendig

wenig aufwendig

 

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c)

Ausschlagmethode

Dabei wird die Meßgröße direkt in eine Ausgangsgröße x a (z.B. Anzeige) umgewandelt, wobei keine Hilfsenergie zugeführt werden muss. Die zur Messung benötigte Energie kommt aus dem Messmedium oder dem Umfeld (z.B. Schwerefeld der Erde)

Beispiele: Flüssigkeitsausdehnungsthermometer, Federwaage (Abb. 1-1)

Flüssigkeitsausdehnungsthermometer, Federwaage (Abb. 1-1) Abb. 1-1: Federwaage (links)  Differenzmethode Der

Abb. 1-1: Federwaage (links)

Differenzmethode

Der Messgröße wird eine Vergleichsgröße gegenüber gestellt, die während des Messvorgangs konstant bleibt. Zur Anzeige kommt nur die Differenz zwischen Mess- und Vergleichsgröße.

nur die Differenz zwischen Mess- und Vergleichsgröße. Beispiel Differenzdruckmessgerät: Das Messgerät zeigt

Beispiel Differenzdruckmessgerät: Das Messgerät zeigt Null an, wenn der Druck P genauso groß ist wie der Vergleichsdruck in der oberen Kammer

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Kompensationsmethode

Der Messgröße wird eine entgegen gerichtete Kompensationsgröße entgegen gestellt. Wenn durch Verändern der Kompensationsgröße das Messgerät einen Nullausschlag zeigt, ist die Kompensationsgröße zum Maß für die Messgröße geworden. Dazu wird Hilfsenergie benötigt.

die Messgröße geworden. Dazu wird Hilfsenergie benötigt. Abb. 1-2: Balkenwaage als Beispiel der

Abb. 1-2: Balkenwaage als Beispiel der Kompensationsmessmethode

Die Kompensationsgröße kann anderer Natur sein als die Messgröße, d.h. es ist ein Übergang auf einen anderen Signalträger möglich.

Beispiel: Hebelwaage Gewichtskraft ↔ Gewichtskraft

oder

Gewichtskraft ↔ Kraft durch Elektromagnet oder gespannte Feder

1.2 Einheiten und SI-System

Einführung des „Système International d’Unités“ (in allen Sprachen mit SI abgekürzt) im Jahr 1960. Es normiert international die Maßeinheiten in der Physik und gilt ab dem 1.1.1978 verbindlich in Deutschland. Ältere Maßeinheiten dürfen nur noch ergänzend oder hilfsweise verwendet werden.

1.2.1

Basiseinheiten

7 Basiseinheiten: m, s, kg, A, K, cd, mol

Alle anderen Einheiten werden aus diesen Basiseinheiten abgeleitet.

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Formel-

 

Einheiten

 

Größe

zeichen

Name

zeichen

   
       

Länge der Strecke, die das Licht im Vakuum

L, r, d

m

während

der

Dauer

von

(1/299 792 458)

Sekunden durchläuft

m

kg

Einheit der Masse; es ist gleich der Masse des internationalen Kilogrammprototyps

       

das

9 192 631 770fache

der

Periodendauer

der

dem Übergang zwischen den beiden

t

s

Hyperfeinstrukturniveaus des Grundzustandes von Atomen des Nuklids 133 Cs entsprechenden Strahlung

       

Stärke eines konstanten Stromes, der, durch zwei parallele, geradlinige, unendlich lange und im

im

von

einem

I

A

voneinander

angeordnete

 

von

vernachlässigbar

kleinem,

 

Querschnitt fließend, zwischen diesen Leitern je

einem

die

2 · 10 7

Newton hervorruft

 
 

T

K

der 273,16te Teil der thermodynamischen Temperatur des Tripelpunktes des Wassers 1

       

die Stoffmenge eines Systems, das aus ebensoviel

n

Mol

mol

Einzelteilchen besteht, wie Atome in 0,012 Kilogramm des Kohlenstoffnuklids 12 C enthalten sind.

       

Lichtstärke in einer bestimmten Richtung einer Strahlungsquelle, die monochromatische

l

V

cd

Strahlung der Frequenz 540 · 10 12 Hertz aussendet und deren Strahlstärke in dieser Richtung (1/683) Watt durch Steradiant beträgt

1 Zwischen der thermodynamischen Temperatur T und der Celsiustemperatur besteht der Zusammenhang:

/°C = T/K + 273,15

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1.2.2 Schreibweise

[ v ]

m

s

Die Einheit der Geschwindigkeit ist Meter durch Sekunde.“

Beschriftung von Tabellenköpfen oder Koordinatenachsen in Diagrammen:

Kraft

oder F

N N

„Werte der Messgröße Kraft, angegeben in Newton“

Innerhalb der Tabelle bzw. an den Koordinatenachsen stehen dann nur noch die Zahlenwerte.

1.2.3 Dezimale Teile (Zehnerpotenzen)

Nano

Mikro

Milli

Zenti

Dezi

Deka

Hekto

Kilo

Mega

Giga

10

-9

10

-6

10

-3

10

-2

10

-1

10

1

10

2

10

3

10

6

10

9

n

µ

m

c

d

D

H

K

M

G

Tabelle 1: Zehnerpotenzen und Vorsilben

Die Vorsilben sind so zu gebrauchen, dass sich der Zahlenwert der Größe im Bereich 0,1 bis 100 befindet. Hekto, Deka, Dezi sowie Zenti als Vorsilben wenn möglich nur dort verwenden, wo sie ohnehin gebräuchlich sind (z.B. Dezimeter für 0,1 m, aber NICHT Dezikelvin für 0,1 K).

1.3

Messfehler

Physikalische Messungen beinhalten oft nicht näher bestimmbare Störeinflüsse, z.B. Unvollkommenheiten unserer Messgeräte und unser Umgang mit ihnen. Diese führen zu einer Abweichung des Messwerts vom „wahren“ Wert, den man nicht kennt. Zu einem vollständigen Messergebnis gehört also auch die Angabe des Bereichs, innerhalb dessen sich der wahre Wert befinden kann. Dieser Bereich spiegelt die gesamten Unsicherheiten bei der Messung wider; man nennt ihn Messunsicherheit bzw. Messfehler.

Normalerweise verhalten sich Messfehler und Messaufwand umgekehrt proportional. Deshalb unterscheidet man:

Betriebsmessung:

Fehlerminimierung.

Zuverlässigkeit

und

niedriger

Preis

haben

Vorrang

vor

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Labormessungen Messungen mit hohen "Genauigkeitsansprüchenzur Überprüfung theoretischer Untersuchungen. Hier herrscht ein Kompromiss zwischen der Messgenauigkeit bzw. -fehler und den Kosten für die Messungen.

Präzisionsmessungen: z.B. Eichmessungen. Die Fehlerminimierung hat hier absoluten Vorrang vor der Wirtschaftlichkeit.

Neben der Genauigkeit der verwendeten Messgeräte spielt aber auch deren Einfluss auf den gemessenen Vorgang eine Rolle. So kann das Messgerät z.B. als zusätzlicher "Verbraucher" elektrischer Energie auftreten, sein Einfluss muss dann rechnerisch eliminiert werden, was weitere Ungenauigkeiten nach sich ziehen kann. Dieser Typ von Mess-Abweichung ist kein Mess-Fehler - der ermittelte Wert liegt ja zum Zeitpunkt der Messung real vor - trotzdem ist es eine Abweichung von dem gewünschten Messergebnis, da man sich ja eigentlich für den "ungestörten" Zustand interessiert.

Fehler bei der Messung, die auf dem Versagen des Messenden oder seiner Messapparatur beruhen (wenn z.B. statt 1,2 cm 12 cm abgelesen oder bei einer Wägung Gewichte benutzt werden, bei denen durch Herunterfallen ein Teil abgeplatzt ist), nennt man grobe Messfehler Diese Fehler lassen sich zum größten Teil umgehen, wenn man sorgfältig arbeitet und wichtige Schritte nochmals kontrolliert. Da man sie darüber hinaus jedoch nicht mathematisch erfassen kann, sollen sie bei den folgenden Betrachtungen nicht berücksichtigt werden.

Um die Abweichungen abschätzen zu können, ist es notwendig sie nach formalen Kriterien zu klassifizieren.

1.3.1 Einteilung der Fehler nach ihrer Berechnung

a) Absoluter Messfehler

Der absolute Messfehler ist die Abweichung des angezeigten Wertes vom richtigen, wahren Wert. Er besitzt dieselbe Einheit wie die Messgröße selbst.

F x

a

x

r

(1-1)

F = absoluter Fehler; x a = angezeigter, gemessener Wert; x r = richtiger, wahrer Wert

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b) Relativer Messfehler F r

Absoluter Messfehler F dividiert durch eine bestimmte Bezugsgröße x B

F

r

F

x

x

a

r

x

B

x

B

(1-2)

Meistens wird der Messwert x a selbst als Bezugsgröße verwendet. Der relative Fehler F r ist einheitenlos (Einheit = 1 bzw. [F r ] = 1), da sich in Gl. (1-2) die Einheit des absoluten Fehlers F mit der Einheit der Bezugsgröße x B wegkürzt.

Übliche Angaben:

Prozent (1 % ≡ 10 -2

1

100 )

ppm (parts per million; 1 ppm ≡ 10 -6

1

1 Million )

1.3.2 Einteilung der Fehler nach ihrer Entstehung

a) Systematische Fehler

reproduzierbar und gerichtet

Ursache sind konstante, erfassbare, messbare Einflussgrößen wie z.B.

Gerätefehler (Justage, z.B. Waage nicht im Wasser)

Einflussfehler (Temperatur, elektrische oder magnetische Felder etc.)

persönlicher Fehler (Ablesen, Auswertung)

Das aufgrund systematischer Fehler unrichtige Messergebnis kann oft korrigiert werden:

Bestimmung der systematischen Abweichung durch

Parallelmessung mit einem richtig und genau messenden Referenzmessgerät (mit höherer Genauigkeit). Dessen Messwert x Ref wird als „richtiger“ Wert angenommen, so dass man mit Gleichung (1-1) den systematischen Fehler bestimmen kann.

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Chemieschule Dr. Elhardt Messtechnik M. Scholz  Messen eines exakt bestimmten und bekannten „Eichnormals“, z.B.

Messen eines exakt bestimmten und bekannten „Eichnormals“, z.B. Präzisionslineal oder Kalibrier-Gewichtsstück.

z.B. Präzisionslineal oder Kalibrier-Gewichtsstück.  Indirekte Messung z.B. für Volumenmessgefäße über

Indirekte Messung z.B. für Volumenmessgefäße über Masse, Temperatur und Dichte des Wassers

b) Zufälliger/statistischer Fehler

zeitlich verändernde Schwankungen im Messvorgang

Abweichungen können in beide Richtungen erfolgen. Dieser Typ Abweichung ist nicht reproduzierbar, kann aber durch Wiederholung der Messung unter selben Bedingungen vermindert werden.

Beispiele:

Längenmessung: minimale Unsauberkeiten beim Anlegen eines Lineals (Ermüdung, Verschmutzung der Anlegefläche)

Zeigermessgerät: hakelnde Anzeige aufgrund von Reibung im Kugellager des Zeigers

Temperaturmessung: ungleichmäßige Temperaturverteilung im Messbecher aufgrund unzureichenden Rührens

Anhand der Längenmessung eines Aluminiumquaders werden die Fehlerarten weiter verdeutlicht.

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Chemieschule Dr. Elhardt Messtechnik M. Scholz Mit einem Lineal als Messgerät soll die Länge eines Aluminiumquaders

Mit einem Lineal als Messgerät soll die Länge eines Aluminiumquaders gemessen werden.

Zu diesem Zweck legt man das Lineal mit dem Nullpunkt der Skala an das eine Ende des

Quaders und liest am anderen Ende des Quaders auf der Skala den Messwert ab.

Fehlerquellen:

1. Das Anlegen des Lineals an den Quader (Nullposition) erfolgt mit einer

gewissen Genauigkeit, die in das Ergebnis eingeht. Dieser Vorgang wird sicher zu einem anderen Ergebnis führen wenn man ihn wiederholt, ist also statistischer Natur.

2. Das Ablesen am anderen Ende des Lineals wird bei einer Wiederholung zu

einem neuen Ergebnis führen, ist also ebenfalls statistischer Natur.

3. Weitere Abweichungen liegen in der Eichung des „Messgeräts" begründet.

Wurde bei der Herstellung des Lineals die Skala in "falschem Abstand" aufgedruckt, so werden alle Messungen mit diesem einen Lineal ein spezifisches falsches Ergebnis liefern. Diese Abweichung ist von systematischer Natur. Ohne eine Wiederholung des Herstellungsprozesses wird sich an der falschen Eichung nichts ändern.

4. Schließlich kann die Eichung des Lineals zunächst mit nur geringer Abweichung erfolgt sein, aber das verwendete Material hat einen großen thermischen Ausdehnungskoeffizienten. Findet die Messung hei einer anderen Temperatur statt, so ergibt sich eine Abweichung, die für diese Temperatur reproduzierbar ist, also eine systematische Abweichung. Einen ähnlichen Einfluss kann die Luftfeuchtigkeit haben oder Alterungsprozesse im Trägermaterial.

1.3.3 Einteilung der Fehler nach dem Verursacher

a) Objektiver Messfehler

gerätebedingt, kann systematischer oder zufälliger Natur sein.

Beispiele:

Lagefehler: Das Messgerät wird nicht entsprechend der geforderten Gebrauchslage

bzw. -position bedient (gekippt statt senkrecht gehalten, Waage nicht im Wasser)

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Temperaturfehler: Anzeigeänderung durch Änderung der Temperatur oder Überschreiten der Höchsttemperatur für das Messgerät

b) Subjektiver Messfehler

personenbedingt, wird vom Messenden verursacht. kann ebenfalls systematischer oder statistischer Natur sein.

Beispiele:

Parallaxenfehler: Schräges Ablesen der Skala eines Zeigerinstruments

Ablesefehler: falsches Ablesen der Skaleneinteilung (diesen Fehler würde man auch als groben Fehler werten); ungenaues Ablesen aufgrund schlechter Lichtverhältnisse

1.3.4

Weitere Angaben zu Messfehlern

Auflösung

kleinste erkennbare Änderung der Messwertanzeige; sagt jedoch nichts über den Messfehler aus.

Bei digitalen Ziffernanzeigen: Wert der letzten Stelle,

Bei Skalenanzeigen: üblicherweise ungefähr 1/10 eines Skalenteils

2. Messen nichtelektrischer Größen

Bsp: Druck, Temperatur, Volumen, Masse etc.

Meistens wird angestrebt, die nichtelektrische Messgröße auf einen elektrischen Signalträger abzubilden. Die technische Realisierung dieser Messgrößenumwandlung steht deshalb oft im Mittelpunkt der Thematik „Messen nichtelektrischer Größen.” Einrichtungen, die diese Größen in elektrische Signale umformen, heißen Sensoren.

Der Sensor nutzt einen physikalischen Effekt (Messprinzip), der die nichtelektrische Messgröße in eindeutiger Weise in ein elektrisches Ausgangssignal umformt. Diese können z.B. Spannungen, Ströme oder Widerstände bzw. deren Änderungen sein.

aktive Sensoren: geben ein Signal ohne zusätzliche Hilfsenergie ab

passive Sensoren benötigen eine Hilfsschaltung und Hilfsenergie

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Chemieschule Dr. Elhardt Messtechnik M. Scholz Abb. 2-1: Allgemeines Funktionsprinzip eines Sensors 2.1

Abb. 2-1: Allgemeines Funktionsprinzip eines Sensors

2.1

Temperatursensoren

Temperaturen sind die in der Verfahrenstechnik am häufigsten gemessenen Prozessgrößen. Grundsätzliche Unterscheidung: Berührungsthermometer und Strahlungsthermometer. Die Berührungsthermometer stehen in direktem Kontakt mit dem Medium, dessen Temperatur zu erfassen ist. Die Strahlungsthermometer stehen mit dem Messobjekt im Strahlungsaustausch; eine Berührung oder ein materieller Träger für die Wärmeübertragung ist hier nicht erforderlich.

Bei der Temperaturmessung müssen in der Praxis müssen zwei wesentliche Gesichtspunkte stets beachtet werden:

Aufgrund thermodynamischer Zusammenhänge kann ein Thermometer nur die Temperatur anzeigen, die es selbst hat.

Falls das Thermometer (oder ein Teil des Thermometers, Gehäuse etc.) anfangs nicht dieselbe Temperatur wie das zu messende Objekt hat, findet ein Wärmeausgleich innerhalb der Thermometerkonstruktion statt. Dies führt zu Zeitverzögerungen in der Anzeige, sowie unter Umständen zu einer bleibenden Verfälschung des Messwerts.

In der Technik haben sich hauptsächlich zwei Sensorarten durchgesetzt: die Thermoelemente und die Widerstandsthermometer. Sie gehören zur Gruppe der Berührungsthermometer.

2.1.1

Thermoelemente

Physikalische Wirkungsweise: Befinden sich die zwei Enden eines Leiters auf unterschiedlichen Temperaturen, bildet sich zwischen ihnen eine Thermospannung U th aus. Die Größe dieser Thermospannung ist materialabhängig und bewegt sich bei Metallen im Bereich einiger bis einiger zehn Mikrovolt pro Kelvin Temperaturunterschied. Unterschiedliche Materialien besitzen also unterschiedliche Thermospannungen trotz gleicher Temperaturdifferenz.

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Technische Realisierung: Man verbindet zwei Drähte aus den unterschiedlichen Materialien

A und B an einem Ende miteinander, z. B. durch Löten Schweißen, Quetschen. Diese

Kontaktstelle liegt auf der Temperatur T 2 (Abb. 2-2a). An den freien Enden sind diese

Thermodrähte meist an Kupferleitungen angeschlossen, die die Verbindung zum

Spannungsmessgerät oder der elektronischen Auswerteschaltung übernehmen. Diese

Übergangsstelle liegt auf der Temperatur T 0 . In den zwei Leitern entstehen zwischen der

Kontaktstelle 2 und der Übergangs- bzw. Vergleichsstelle 0 unterschiedliche Spannungen, so

dass man an der Vergleichsstelle 0 eine Spannungsdifferenz U zwischen den Enden der

beiden Leiter messen kann.

Diese Spannung U hängt von den Materialien A und B ab, ausgedrückt durch den

Proportionalitätsfaktor k AB , und der Temperaturdifferenz T 2 T 0 :

U = k AB (T 2

T 0 )

(2.1)
(2.1)

Thermoelemente messen also die Temperaturdifferenz zwischen der heißen Verbindungsstelle

mit der Temperatur T 2 und der kalten Verbindungsstelle mit der Temperatur T 0 , an der (evtl.

unter Verwendung von Kupferleitungen) die Spannungsmessung ansetzt.

von Kupferleitungen) die Spannungsmessung ansetzt. Abb. 2-2: Aufbau eines Thermoelements aus den Materialien A

Abb. 2-2: Aufbau eines Thermoelements aus den Materialien A und B; Anschluss ans Spannungsmessgerät mit Kupferleitungen Cu

Empfindlichkeit und Kennlinie. Der in Gl. (2.1) stehende Proportionalitätsfaktor k AB gibt

die Empfindlichkeit des Thermoelements an. Sie wird entweder in µV/K oder in mV/100 K

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angegeben. Die wichtigsten Materialpaarungen sind genormt. Sie werden mit großen Buchstaben bezeichnet, wie z. B. Typ K für die Materialpaarung NiCr-Ni, Typ J für Fe-CuNi oder Typ E für NiCr-CuNi. Die Empfindlichkeiten von Thermoelementen bewegen sich üblicherweise zwischen 5 und 70 mV/1000K.

bewegen sich üblicherweise zwischen 5 und 70 mV/1000K. Abb. 2-3: Kennlinien von Thermoelementen Vergleichsstelle.

Abb. 2-3: Kennlinien von Thermoelementen

Vergleichsstelle. An der Vergleichsstelle findet der Übergang von den Thermodrähten auf die Kupferleitung statt. Die Vergleichsstellentemperatur T 0 muss bekannt sein, um aus der gemessenen Spannung U die Temperatur T 2 der heißen Lötstelle berechnen zu können. Oftmals wird diese Temperatur einfach mit einem präzisen Widerstandsthermometer gemessen. Darüber hinaus kann die Temperatur T 0 der Vergleichsstelle auch durch einen Thermostaten mit einer Heizung auf z. B. 60 °C geregelt und konstant gehalten werden.

Ausführungsformen.

Mantelthermoelemente.

Unterschieden

werden

Thermoelemente

in

Messeinsätzen

und

Um die Thermodrähte vor einer mechanischen Beschädigung und einer chemischen Einwirkung durch das zu messende Medium zu schützen, sind sie zunächst in eine Hülse eingesetzt und bilden mit dieser den sogenannten Messeinsatz (Abb. 2-4). Dieser steckt seinerseits in einem Schutzrohr, das die Wand der Rohrleitung oder des Behälters nach außen abschließt. Ändert sich die Temperatur des Mediums, so muss erst das Schutzrohr, dann die

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Hülse und dann die Lötstelle die neue Temperatur annehmen, bevor die-se zu einer Änderung

der Thermospannung führt. Die Temperaturmessung ist also träge.

führt. Die Temperaturmessung ist also träge. Abb. 2-4 Einbau von Thermoelementen a) Messeinsatz mit

Abb. 2-4 Einbau von Thermoelementen a) Messeinsatz mit Thermopaar 1 und Anschlussklemmen 2 b) Armatur mit Messeinsatz a; 3 Schutzrohr, 4 Anschlusskopf 5 Wand der Rohrleitung oder des Behälters

Schneller sind die Mantelthermoelemente (Abb. 2-5). Dort sind die Thermodrähte von einem

Metallröhrchen als Mantel umgeben und durch Al 2 O 3 oder MgO von diesem isoliert. Die

Mantelthermoelemente haben eine geringere Masse und eine geringere Wärmekapazität als

die Thermoelemente in Messeinsätzen und Schutzrohren. Besonders schnell sprechen

diejenigen an, bei denen die Lötstelle mit dem Mantel verschweißt ist oder überhaupt offen

liegt. Mantelthermoelemente sind mit Außendurchmessern zwischen 0,1 und 3 mm erhältlich.

ist oder überhaupt offen liegt. Mantelthermoelemente sind mit Außendurchmessern zwischen 0,1 und 3 mm erhältlich. 17

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Abb. 2-5 Mantelthermoelemente; 1 Thermopaar offen, 2 Thermopaar mit dem Mantel verschweißt, 3 Thermopaar vom Mantel isoliert

dem Mantel verschweißt, 3 Thermopaar vom Mantel isoliert Abb. 2-6: Verschiedene technische Ausführungen von
dem Mantel verschweißt, 3 Thermopaar vom Mantel isoliert Abb. 2-6: Verschiedene technische Ausführungen von

Abb. 2-6: Verschiedene technische Ausführungen von Mantelthermoelementen

Signalverarbeitung. Die Thermoelemente liefern Spannungen im Bereich von mV. Diese

sind vor ihrer Weiterverarbeitung zu verstärken (Messverstärker).

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2.1.2

Metall-Widerstandsthermometer

Wirkungsweise. Der Widerstand R() eines metallischen Leiters hängt gemäß Gl. (2.2) quadratisch von der Temperatur ab. R 0 bezeichnet den Widerstand bei der Referenztemperatur 0 , α und ß sind materialabhängige Temperaturkoeffizienten.

R  R ( )     1    ( 
R  R
(
)
 
1
 
(
)

(
0
0

0

)

2

  (  )   ( 0 0   0 ) 2 

  (2.2)

Meist wird als Bezugstemperatur 0 = 0 °C gewählt. Wenn man nur den linearen Temperaturkoeffizient α berücksichtigt (dies darf man, wenn man nicht allzu große Temperaturbereiche mit einem Sensor abdecken muss, also z.B. nur zwischen 0 und 100 °C misst), so kann man die vorstehende Gleichung umformen zu

R () R 0 1

R () R E

0

bzw.

(2.3)

Aus dem gemessenen Widerstand R() ergibt sich nach Gl. (2.3) die gesuchte Temperatur zu

E

R (

)

 R (  )  R 0

R

0

(2.4)

E ist die Empfindlichkeit und gibt die Änderung des Widerstands pro °C an ( [E] = Ω/°C).

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Empfindlichkeit und Kennlinie. Als Materialien für Widerstandsthermometer werden vorzugsweise Nickel und Platin verwendet. Die Drähte sind üblicherweise so abgeglichen, dass ihr Widerstand 100 Ω bei 0 °C beträgt (Pt100 und Ni100, siehe Abb. 2-7). Weniger gebräuchlich sind Werte von 200 Ω (Pt200), 500 Ω (Pt500) und 1000 Ω (Pt1000). Der Einsatzbereich des Pt100 liegt im Bereich von -250…+800 °C, in Spezialausführungen auch bis +850 °C. Die Empfindlichkeiten betragen ungefähr

Pt100

0,4 Ω/K

Ni100

0,6 Ω/K

Pt500

2,0 Ω/K

Pt1000

4,0 Ω/K

Bei einer Temperaturänderung von 0 auf 100 °C ändert sich also der Widerstand eines Pt100 um ca. 40 Ω, der eines Pt1000 um ca. 400 Ω. Mit einem Pt1000 können Temperaturschwankungen somit viel feiner aufgelöst werden, und die Messung wird exakter.

viel feiner aufgelöst werden, und die Messung wird exakter. Abb. 2-7 Kennlinie des Pt- und des

Abb. 2-7 Kennlinie des Pt- und des Ni-Messwiderstandes.

Ausführungsformen.

Schichtwiderstände gefertigt.

Die

metallischen

Messwiderstände

werden

als

Draht-

oder

als

Für die Drahtmesswiderstände werden dünne Drähte verwendet, die auf einen Glas- oder Keramikkörper entwickelt werden (Abb. 2-8). Bei der Glasausführung erhält der gewickelte Draht eine Glasschutzschicht, in die er eingeschmolzen wird. Bei den Keramikmesseinsätzen

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ist die Platinwendel in Kapillaren aus hochreinem Aluminiumoxid spannungsfrei eingebettet

und vor Umgebungseinflüssen geschützt. Die Glasausführung kann bis 500 °C, die Kera-

mikausführung bis 850 °C eingesetzt werden.

°C, die Kera- mikausführung bis 850 °C eingesetzt werden. Abb. 2-8 Platinmesswiderstände a) Glasausführung: 1

Abb. 2-8 Platinmesswiderstände a) Glasausführung: 1 Glaskörper, 2 bifilar gewickelter Platindraht, 3 Glasüberzug, 4 Anschlussdrähte b) Schichtwiderstand: 1 Substrat, 2 Widerstandsschicht, 3 Anschlussdrähte

Die Schichtwiderstände lassen sich billiger herstellen als Drahtwiderstände. Die

Dünnschichttechnologie ermöglicht eine reproduzierbare, automatisierbare Fertigung von

großen Stückzahlen bei niedrigeren Kosten.

Dabei werden die Platin- oder Nickelschichten auf einen isolierenden Träger entweder

aufgestäubt oder aufgedampft. In die zunächst flächenhafte Schicht wird mit Hilfe eines

Laserstrahls eine mäanderförmige Struktur gebrannt. An-schließend wird dann der

strukturierte Schichtwiderstand wieder mit Hilfe eines Laserstrahls auf den Normwert

von 100 Ω bei 0 °C abgeglichen. Die Platin- und Nickelschichten werden dann noch mit einer

Schutzschicht überzogen, um eine Verschmutzung oder eine Zerstörung durch Feuchtigkeit

zu verhindern. Zur praktischen Handhabung können die Schichtwiderstände auch in

Transistorgehäuse eingebaut werden.

Signalverarbeitung. Im einfachsten Fall misst man den Widerstand, des Pt100, in dem man

einen konstanten Strom durch den Messwiderstand schickt und den Spannungsabfall misst.

Dabei ist der durch den Messwiderstand fließende Strom gering zu halten (z.B. 1 mA). Es ist

darauf zu achten, dass infolge der umgesetzten elektrischen Leistungen keine

Eigenerwärmung des Messwiderstandes auftritt, die dann die Temperaturanzeige verfälschen

würde.

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2.1.3 Vergleich zwischen Thermoelement und Widerstandsthermometer

Die Widerstandsthermometer sind genauer als Thermoelemente. Sie haben aber im

Allgemeinen eine größere Zeitkonstante und ermöglichen keine punktförmige

Temperaturmessung. Ihr Einsatzbereich ist auf 850 °C begrenzt. Für die Messung höherer

Temperaturen muss auf Thermoelemente zurückgegriffen werden.

 

Thermoelement

Widerstandsthermometer (Pt 100)

Messbereich

200 °C bis 1200 °C

250 °C bis 850 °C

Genauigkeit

Niedrig, typ. 0,5 - 1 °C

Sehr hoch, typ. 0,05 °C

Reaktionsgeschwindigkeit*

 

Hoch

Niedrig

Kosten

 

Niedrig

Hoch

Wärmerauschen

 

Hoch

Mittel

Langfristige

l

 

Stabilität

 

Niedrig

Hoch

Kosten des

   

Messgeräts

 

Mittel

Hoch

* Die Reaktionsgeschwindigkeit wird nur für das Messelement betrachtet, nicht für dessen Gehäuse.

Tabelle 2: Die am häufigsten eingesetzten Temperaturfühler und ihre Eigenschaften

2.1.4 Störung des Temperaturfeldes durch die Berührungsthermometer

Jedes Thermometer zeigt zunächst seine eigene Temperatur an. Ob dies die Temperatur des

Messobjekts ist, bleibt dahingestellt. Damit das Berührungsthermometer die Temperatur des

Mediums annehmen kann, muss auf die Einbaubedingungen geachtet werden.

Der Temperaturfühler ist zunächst ein Fremdkörper und stört das Temperaturfeld. Solange er

noch nicht die Temperatur des Mediums erreicht hat, entzieht er diesem Wärme oder er führt

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Wärme zu. Er zeigt so nicht die tatsächliche, sondern eine durch ihn verfälschte Temperatur an. Die Messung ist nicht rückwirkungsfrei. Um dies zu vermeiden, ist auf einen guten Wärmeübergang auf den Sensor, eine ausreichende Einbautiefe und auf eine geringe Wärmeableitung zwischen Messobjekt und Fühler zu achten. Besonders schwierig ist die Messung von Oberflächentemperaturen an Körpern mit geringer Wärmeleitfähigkeit.

Generell sollte man

den Wärmeaustausch zwischen dem Messobjekt und dem Temperaturfühler begünstigen (z.B. Wärmeleitpaste) und

die Abfuhr oder Zufuhr von Wärme durch den Messfühler soweit wie möglich vermeiden (komplett eintauchen).

Bei größeren Objekten, wie z. B. Öfen, Kessel, Behälter oder Räumen ist der Messort mit Bedacht zu wählen. Diese Objekte haben nicht an allen Punkten die gleiche Temperatur. Hier besteht die Aufgabe, eine repräsentative Stelle für den Einbau des Thermometers zu finden. In Behältern wie z.B. Messbechern oder Kolben ist das Medium umzuwälzen, um Temperaturschichtungen zu vermeiden. Für eine Messung der Raumtemperatur ist der Temperaturfühler so anzuordnen und gegebenenfalls auch von der Wand zu isolieren, dass er die Luft- und nicht die Wandtemperatur erfasst. In einem Ofen soll das Thermometer weder in der direkten Flamme noch in einem toten Winkel sitzen.

2.1.5 Temperatur-Strahlungssensoren

Jeder Körper gibt eine seiner Temperatur entsprechende charakteristische elektromagnetische Strahlung ab. Diese Strahlung eines Körpers kann man zur Temperaturmessung nutzen, z.B. über die Erwärmung von Widerständen und deren Temperaturverhalten.

2.1.6 Thermosäule

Eine Thermosäule oder Thermokette besteht aus einer Vielzahl (bis zu 1000) von einzelnen Thermoelementen, die in Reihe geschaltet sind (Abb. 2-9). Dadurch addieren sich die einzelnen Thermospannungen. Thermosäulen werden als Sensoren für die Wärmestrahlung im infraroten Spektralbereich oder als thermoelektrische Generatoren verwendet (siehe Anmerkung am Ende Kap. 2.1.1)

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Chemieschule Dr. Elhardt Messtechnik M. Scholz Abb. 2-9: Prinzipschaltung einer Thermosäule: 1 Membran mit heißen

Abb. 2-9: Prinzipschaltung einer Thermosäule: 1 Membran mit heißen Kontaktstellen, 2 Substrat mit kalten Kontaktstellen, 3 Anschlusspunkte

2.1.7

Bolometer

Bolometer bestehen aus einer dünnen Trägerfolie, auf die eine Widerstandsschicht wie z.B.

Platinschichtwiderstand aufgebracht ist (Abb. 2-10). Trifft eine Temperaturstrahlung diese

Schicht, so ändert sie ihre Temperatur und damit ihren Widerstand. Dieser wird als Maß für

die absorbierte Strahlungsleistung genommen. Die Trägerfolie muss dabei im Interesse einer

großen Empfindlichkeit eine geringe Wärmekapazität und Wärmeleitfähigkeit haben.

geringe Wärmekapazität und Wärmeleitfähigkeit haben. Abb. 2-10: Prinzip eines Bolometers zum Nachweis einer

Abb. 2-10: Prinzip eines Bolometers zum Nachweis einer thermischen Strahlung 1 Substrat, 2 Membran, 3 Widerstandsschicht, 4 Kontaktierung

Die zwei voran genannten Sensortypen finden Anwendung in Strahlungsmessgeräten zur

Temperaturmessung, den Strahlungspyrometern. Bei höheren Temperaturen, wenn ein Körper

auch sichtbare Strahlung aussendet, können auch Fotodioden verwendet werden.

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2.1.8

Strahlungspyrometer

Aufbau und Wirkungsweise. Pyrometer oder Strahlungsthermometer erfassen

berührungslos die Objekttemperatur (Abb. 2-11). Die thermische Strahlung des Messobjekts

wird über eine (für den infraroten Spektralbereich ausgelegte) Optik an den

Strahlungsempfänger geleitet. Bei niedrigen Temperaturen sind die Signale sehr schwach.

Weiterhin ist von Nachteil, dass die Messung sehr von dem Emissionsgrad des Messobjekts

abhängt, der sich mit der Temperatur ändern kann. An den meisten Strahlungspyrometern

kann man den Emissionsgrad dem zu untersuchenden Objekt anpassen. Die Messung kann

durch die Umgebungstemperatur oder durch die Eigenstrahlung des Pyrometers gestört

werden.

durch die Eigenstrahlung des Pyrometers gestört werden. Abb. 2-11: Messkopf eines Infrarotpyrometers 1 Messobjekt, 2

Abb. 2-11: Messkopf eines Infrarotpyrometers 1 Messobjekt, 2 Optik, 3 Schwingmodulator, 4 Strahlungssensor, 5 Vergleichsstrahler

Beispiele:

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Chemieschule Dr. Elhardt Messtechnik M. Scholz Abb. 2-12: Ohr-Fieberthermometer (links), Temperatur-Messpistolen (Mitte
Chemieschule Dr. Elhardt Messtechnik M. Scholz Abb. 2-12: Ohr-Fieberthermometer (links), Temperatur-Messpistolen (Mitte

Abb. 2-12: Ohr-Fieberthermometer (links), Temperatur-Messpistolen (Mitte und rechts)

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2.2

Druckmessgeräte

Der Druck ist als Kraft pro Fläche definiert.

Zur Messung eines Druckes verwendet man fast immer das Prinzip, den Druck auf eine definierte Fläche einwirken zu lassen und so zunächst in eine Kraft umzuformen. Dadurch wird die Druckmessung auf eine Kraftmessung zurückgeführt. Diese Gesamtkraft auf eine bestimmte Fläche gibt ein Maß für den Druck.

auf eine bestimmte Fläche gibt ein Maß für den Druck. Abb. 2-13: Druckmessung als Kraftmessung Unter

Abb. 2-13: Druckmessung als Kraftmessung

Unter einer Druckmessung versteht man das Messen eines Druckes gegenüber einem Referenzdruck. Als Referenzdruck wählt man im Allgemeinen

den Atmosphärendruck (Angabe des Druckes als Über- oder Unterdruck)

seltener den Druck Null (man erhält so den Absolutdruck)

einen anderen Druck dann liegt eine Differenzdruckmessung zwischen diesen beiden Drücken vor.

Die Einheit des Drucks ist Pascal (Pa) = Newton je m 2 = N/m 2 . Gebräuchlich sind auch Vielfache dieser Einheit, z. B.

Millibar: 1 mbar = 10 2 N/m 2 = 10 2 Pa

Bar: 1 bar = 10 5 N/m 2 = 10 5 Pa

2.2.1 Federelastische Druckmessgeräte

Durch den zu messenden Druck wird eine Feder, ein Federbalg, eine Plattenfeder oder ein Federrohr ausgelenkt, und diese Verformung liefert dann die Messgröße für den Druck. Meist wird die Auslenkung auf einen Zeiger übertragen und der Druck als Weg oder Winkel auf einer Skala abgebildet. Handelsübliche Messbereiche gehen von wenigen mbar bis zu einigen tausend bar. Diese Messgeräte, die oft in großen Stückzahlen eingesetzt werden, sind preiswert, robust und sehr einfach einzubauen.

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a)

Kolbenmanometer.

Kolbenmanometer messen die Kraft, die von dem zu messenden Druck auf einen Kolben wirkt, der in einem Zylinder gleitet. Die Gegenkraft wird von einem Gewicht, einer Feder oder einer elektromagnetischen Anordnung erzeugt.

Bei besonders genauen Kolbenmanometern verwendet man eine Ölvorlage, über die der zu messende Druck auf den Kolben übertragen wird. Um die Reibung weiter zu reduzieren, wird der Kolben von einem kleinen Elektromotor ständig langsam gedreht.

Vorteile: Hohe Genauigkeit (Verwendung als Kalibrier- und Eichinstrument), Überlastungssicherheit, Einsatzmöglichkeit bis zu hohen Drücken

Nachteile: Trägheit (Einsatz auf statische und sich langsam ändernde Drücke beschränkt); schlecht einsetzbar bei besonders rauhen Betriebsbedingungen und bei Erschütterungen; Reibung des Kolbens als Störgröße.

und bei Erschütterungen; Reibung des Kolbens als Störgröße. Abb. 2-14: Darstellungen von Kolbenmanometern 28

Abb. 2-14: Darstellungen von Kolbenmanometern

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b) Federbalgmanometer

Balgenfedern bzw. Wellrohrfedern werden

aus dünnen Metallrohren durch Einpressen in eine Form hergestellt. Das kalt verformte Metall hat keine besonders guten Federeigenschaften. Deshalb wird bei

ausgeführten

praktisch

Federbalgmanometern meist durch eine Spiralfeder die Gegenkraft erzeugt. Proportional zum Druck wird die Spiralfeder

verformt; der Federweg wird dann auf einer Skale zur Anzeige gebracht.

der Federweg wird dann auf einer Skale zur Anzeige gebracht. Abb. 2-15 :Federbalgmanometer Vorteile: praktisch keine

Abb. 2-15:Federbalgmanometer

Vorteile: praktisch keine Reibung, vollständige Abdichtung

Nachteile: überlastungsempfindlich durch zu hohen Innen- oder Außendruck (Knickgefahr), von Zeit zu Zeit Nachkalibrieren erforderlich.

c) Federrohrmanometer (Bourdon-Manometer)

Es bestimmt die Druckdifferenz zwischen dem Messdruck und dem Bezugsdruck, der normalerweise der Atmosphärendruck ist. Abb. 2-16 zeigt das Prinzip und den Querschnitt durch ein Federrohrmanometer.

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Chemieschule Dr. Elhardt Messtechnik M. Scholz Abb. 2-16: Skizze eines Federrohrmanometers Die übliche Bauform ist ein

Abb. 2-16: Skizze eines Federrohrmanometers

Die übliche Bauform ist ein flachgedrücktes (ovales) und zu einem Dreiviertel-Kreis

gekrümmtes Metallrohr (Abb. 2-18). Die Bewegung des verschlossenen Federendes ist ein

Maß für den zu bestimmenden Druck. Unter dem Innendruck strebt sein ovaler Querschnitt

der Kreisform zu und biegt das Rohr auf (Bourdon-Prinzip, Abb. 2-19). Diese Bewegung wird

über ein Gestänge auf einen Zeiger übertragen oder in ein elektrisches Signal umgeformt.

übertragen oder in ein elektrisches Signal umgeformt. A b b . 2 - 1 7 :

Abb. 2-17: Federrohrmanometer

1 7 : F e d e r r o h r m a n o

Abb.

Schraubenformfeder

2-18:

Kreisformfeder

(li.)

und

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Chemieschule Dr. Elhardt Messtechnik M. Scholz Abb. 2-19: Bourdon-Prinzip Vorteile : sehr preisgünstiges, robustes

Abb. 2-19: Bourdon-Prinzip

Vorteile: sehr preisgünstiges, robustes Druck-Messgerät (sehr weite Verbreitung); durch Verwendung von Spiralfedern bzw. Schraubenfedern auch bis zu sehr hohen Drücken verwendbar.

Nachteile: empfindlich gegen Überlastung; Kompromiss nötig zwischen möglichst großer Auslenkung des Rohrendes und der Hysteresefreiheit; für dynamische Druckmessungen weniger geeignet.

d) Flüssigkeitsmanometer

Flüssigkeitsmanometer, die mit einer Sperrflüssigkeit arbeiten, werden vor allem zur Messung kleiner Drücke und Druckdifferenzen eingesetzt. Als Sperrflüssigkeit verwendet man im Allgemeinen Wasser, das meist gefärbt wird. Für die Messung kleiner Drücke werden wegen der besseren Benetzungseigenschaften Äthylalkohol und Äther, aber auch Silikon und Frostschutzmischungen verwendet. Für höhere Drücke benutzt man Tetrabromäthan (ρ = 96 kg/dm 3 ), Tetrachlorkohlenstoff (ρ = 1, 6 kg/dm 3 ) und Quecksilber (ρ = 13,55 kg/dm 3 ).

U-Rohrmanometer. Aus der Höhendifferenz der beiden Flüssigkeitssäulen lässt sich der zu messende Druck errechnen. In das Messergebnis geht die Dichte der Sperrflüssigkeit ein.

Die Höhendifferenz Δh der beiden Flüssigkeitsspiegel rührt von der Differenz der Drücke in den Schenkeln des Manometers her. Im Gleichgewichtszustand entspricht die Druckdifferenz genau der Kraft durch die längere Flüssigkeitssäule in dem einen Schenkel. Die Wirkung einer Flüssigkeitssäule hängt von der Höhendifferenz . Δh der Flüssigkeitsspiegel und von der

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Dichte ρ der Flüssigkeit ab, also nicht vom Querschnitt und damit auch nicht von

Querschnittsunterschieden. Deshalb können Drücke auch in mm Wassersäule oder mm

Quecksilbersäule angegeben werden. Für die Druckdifferenz erhält man

p1 p 2 p g h

(2.5)

p 1  p 2  p  g  h   (2.5) Abb. 2-20:

Abb. 2-20: Abslolutdruckmesung mit U-Rohrmanometer

Neben den oben genannten mechanischen Druckmessgeräten gibt es Geräte, die den Druck

bzw. eine Druckdifferenz in ein elektrisches Signal umformen.

2.2.2 Druckmessumformer (Drucksensoren)

a) Druckmessumformer nach dem Dehnungsmessstreifen-Prinzip

Hier wird der Druck in eine Kraft umgewandelt, welche

einen Federkörper bzw. eine Membran dehnt. Diese

Gestaltänderung wird dann auf aufgeklebte

Dehnmessstreifen oder freigespannte Dehndrähte

übertragen und in ein elektrisches Signal umgeformt (Abb.

2-21). Im Allgemeinen werden Metallfolien-

Dehnmessstreifen verwendet, mit denen sehr hohe

Genauigkeiten erreicht werden können.

verwendet, mit denen sehr hohe Genauigkeiten erreicht werden können. Abb. 2-21: Druckmessung mittels Dehnmessstreifen 32

Abb. 2-21: Druckmessung mittels Dehnmessstreifen

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Dehnmessstreifen (DMS), bestehend aus Metalldrähten oder folien, können eine me-

chanische Verformung in einen Widerstandswert umwandeln. Der Widerstand eines elektrischen Leiters berechnet sich nach Gl. (2.6).

R

4 l

d

2

R

elektrischer Widerstand

p

spezifischer Widerstand

1 Länge des Leiters d Durchmesser des Leiters

(2.6)

Der Gesamtwiderstand kann also durch mechanische Änderungen der Länge und des

Durchmessers beeinflusst werden.

Draht DMS basieren auf dem geometrischen Effekt, d.h., durch eine mechanische

Beanspruchung des Leiters in Form von Streckung oder Stauchung wird die Geometrie verändert (Abb. 2-22).

oder Stauchung wird die Geometrie verändert (Abb. 2-22). Abb. 2-22: Draht-Dehnmessstreifen Veränderungen von Länge

Abb. 2-22: Draht-Dehnmessstreifen

Veränderungen von Länge (Δl) und Querschnitt des Leiters führen zu einer Veränderung des elektrischen Widerstandes. Der spezifische Widerstand ρ ändert sich bei einer elastischen

Verformung von Metallen nur wenig und kann daher in erster Näherung vernachlässigt werden.

Die Herstellung und Applizierung von Drahtdehnmessstreifen ist relativ auf-wendig. Sie sind

deshalb fast vollständig durch die Foliendehnmessstreifen verdrängt worden.

Folien-DMS. Der Messeffekt entspricht dem der Drahtdehnmessstreifen. Sie bestehen aus

sehr dünn gewalzten Metallfolien, meist aus Konstantan oder einer Ni-Cr-Legierung. Diese

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Folien werden auf einen Träger aufgebracht und anschließend werden die entsprechenden

Leiterstrukturen herausgeätzt. Auf diese Weise ist eine effektive Massenfertigung möglich,

wobei auch spezielle Anordnungen möglich sind für alle möglichen Arten von

Materialbeanspruchungen (Abb. 2-23).

möglichen Arten von Materialbeanspruchungen (Abb. 2-23). Abb. 2-23: Folien-Dehnmessstreifen Beispiel : Typische

Abb. 2-23: Folien-Dehnmessstreifen

Beispiel: Typische Widerstandswerte von Foliendehnmessstreifen liegen zwischen 120 Ω und

1 kΩ.

Vorteile der Druckaufnehmer nach dem DMS-Prinzip

hohe Genauigkeit

große Druckmessbereiche möglich

sehr robust

hohe Korrosionsbeständigkeit

gute Langzeitstabilität Nachteile

relativ hoher Preis wegen des Prüfaufwandes und enger Toleranzen

Temperaturbereich vom Kleber abhängig (z. B. bis 120 °C)

Druckbereiche unter 5 bar schlecht zu fertigen

Miniaturisierung begrenzt.

2.2.3Vakuumdruckmessung (Pirani-Vakuummeter)

Zur Messung eines Vakuums oder extrem geringer Drücke werden andere Verfahren als die

vorab beschriebenen eingesetzt. In diesem Kapitel wird die Funktionsweise des Pirani-

Manometers auf Basis von Wärmeleitungseffekten beschrieben.

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Prinzip: Die Wärmeleitfähigkeit eines ruhenden Gases nimmt im Feinvakuumbereich (p < 1 mbar) proportional mit dem Druck ab (vgl. auch Kapitel Fehler! Verweisquelle konnte nicht gefunden werden.)

Funktionsweise: Ein von einem konstanten elektrischen Strom durchflossener dünner Draht (auf 100 -150°C erhitzt) gibt Wärme an das Gas ab. Mit zunehmendem Gasdruck nehmen aufgrund der Erhöhung der Wärmeleitung und der stärkeren Auskühlung des Drahtes die Temperatur (und damit der Widerstand) des Drahtes ab. Diese Abnahme ist ein Maß für den Gasdruck.

Alternativ kann man den Draht auch auf konstanter Temperatur halten. Bei höheren Gasdrücken erfordert dies einen entsprechend größeren elektrischen Heizstrom.

Eigenschaften geregelter PIRANIs:

Anzeigebereich: 10 -4 bis 1013 mbar

Genauigkeit: 10% der Druckanzeige im Bereich 10 -3 bis 1 mbar

Zeitkonstanten von wenigen ms, damit schnell schwankende Drücke messbar

2.3

Durchflussmessgeräte

Ein wichtiger Teil im Bereich des elektrischen Messens nichtelektrischer Größen ist die Durchflussmessung. Nach Temperatur und Druck gehört der Durchfluss zu den wichtigsten Messgrößen in der industriellen Messtechnik. So ist die Durchflussmessung z. B. in der verfahrenstechnischen Industrie eine wesentliche Grundlage der Prozessautomatisierung. Mittlerweile können die Druckmessaufnehmer kompakt und robust realisiert werden. Es sind auch preisgünstige Durchflussmessaufnehmer aus Kunststoff erhältlich. Daneben erlauben Fortschritte in der Werkstofftechnologie neue resistente Materialien für die Messaufnehmer und die Auskleidungen gegen aggressive Fluide

Der Durchfluss eines Fluids in einer gefüllten Rohrleitung ist die durch den Querschnitt fließende Stoffmenge pro Zeit. Hierbei sind zu unterscheiden:

Volumendurchfluss

 V V
V
V

t

und Massendurchfluss

 m m   t
m
m
  t

Einheit m³/s:

Einheit kg/s

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Beachte: Der Volumendurchfluss wird oftmals auch als Volumenfluss oder Volumenstrom

und entsprechend der Massendurchfluss als Massenfluss oder Massenstrom bezeichnet.

In vielen Anwendungsfällen ist der Massendurchfluss die wichtigere gesuchte Größe, weil er

in einem geschlossenen System konstant ist, während der Volumendurchfluss von

kompressiblen Fluiden von der Dichte und somit von den Größen Druck und Temperatur

abhängig ist.

2.3.1 Durchflussmessung nach dem Wirkdruckverfahren

das meistverwendete Messverfahren im Bereich Durchflußmessung.

Funktionsprinzip: Man bringt ein Drosselelement in die Rohrleitung ein; dies führt zu einer

Druckdifferenz Δp zwischen den Punkten vor und nach der Drossel. Diese Druckdifferenz Δp

ist proportional zum Quadrat des Volumendurchflusses V , bzw. andersherum der Durchfluss

ist proportional zur Wurzel der Druckdifferenz

V  const   p
V  const   p

V const  p

(2.7)

Die Drosselelemente sind robuste und einfache mechanische Bauteile ohne bewegte

Elemente, die harten Betriebsbedingungen ausgesetzt werden können.

die harten Betriebsbedingungen ausgesetzt werden können. Abb. 2-24 Übersicht über die in der Bundesrepublik

Abb. 2-24 Übersicht über die in der Bundesrepublik Deutschland genormten Drosselgeräte:

a) Blende, b) Düse, c) Venturidüse, kurz, d) Venturidüse, lang

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Vorteile: International genormt, keine Kalibrierung erforderlich, einfach zu fertigen

Nachteile: große Ein- und Auslaufstrecken erforderlich, empfindlich gegen Verschmutzung

und Kantenunschärfe

2.3.2 Volumenzähler

Das Fluid fließt durch Messkammern hindurch bzw. an Messflügeln vorbei und versetzt diese

in Rotation. Die Umdrehungen der Messkammern oder Messflügel werden fortlaufend

gezählt und als durchtransportiertes Volumen angezeigt.

Eigenschaften: großer Messbereich, sehr empfindlich bei Verschmutzungen des Fluids wegen

der bewegten Teile

Beispiele: Ovalradzähler, Zähler mit Axialflügel (wie Turbine), Zähler mit Senkrechtflügeln

Abb. 2-25: Ovalradzähler Abb. 2-26: Zähler mit Axialflügeln (Turbinenrad)
Abb. 2-25: Ovalradzähler Abb. 2-26: Zähler mit Axialflügeln (Turbinenrad)

Abb. 2-25: Ovalradzähler

Abb. 2-26: Zähler mit Axialflügeln (Turbinenrad)

Abb. 2-26: Zähler mit Axialflügeln (Turbinenrad) Abb. 2-27: Zähler mit Senkrechtflügeln (Schaufelrad) 37

Abb. 2-27: Zähler mit Senkrechtflügeln (Schaufelrad)

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2.3.3 Schwebekörper-Durchflussmessung

Widerstandskörper (zylindrisch oder kugelförmig), senkrecht von unten nach oben umströmt.

Durchfluss kann dann anhand des Höhenstands des Schwebekörpers abgelesen werden. Sie

stellen zudem kein elektrisches Ausgangssignal zur Verfügung.

Durch die konische Form wird der Schwebekörper so weit nach oben getragen, bis seine

Gewichtskraft mit der Kraft des strömenden Fluids im Gleichgewicht ist. Bei einem größeren

Durchfluss ist dies erst weiter oben der Fall, bei niedrigem Durchfluss bereits weiter unten in

dem konischen Rohrstück.

Vorteile: Relativ unempfindlich gegen Verschmutzungen, keine Einlaufstrecke erforderlich,

Nachteil: Einbau muss immer senkrecht erfolgen; sie stellen kein elektrisches Ausgangssignal

zur Verfügung.

stellen kein elektrisches Ausgangssignal zur Verfügung. Abb. 2-28: Verschiedene Formen des

Abb. 2-28: Verschiedene Formen des Schwebekörper-Durchflussmessers (konische Form der Messgerätewand

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