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Analogie

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171,3). Für den Seelsorge r i m besondere n gilt, daß er (unbeschade t de s unte r Abschn . 2 über di e Situatio n Gesagten ) da s Beichtgeheimni s stren g wahre : der Pfarrer gegenüber jedermann , auch gegenüber seiner Frau ; im umgekehrten Fall die beamtete Pfarrerin gegenüber ihrem Mann. Verantwortungslos, aber leider nicht

s ganz selten, ist es, in der Predigt oder im Unterricht, gebeichtete Sachverhalte anzu- führen, so daß ic nachdem Rückschlüsse möglich sind und der Beichtende preis- gegeben ist. Vertrauen wird schwer erworben, leicht verspielt. Manche Dienst-

(wie die württembergische in $ 6 ) prägen die Verschwiegenheit ein,

anweisungen

auch wenn der Pfarrer „nicht mehr im Amt steht. Dies gilt auch hinsichtlich der

10

Veröffentlichung durch den Druck." Wenn ein Großteil des seclsorgcrlichen Dienstes im Zuhören besteht, dann ein nicht kleinerer Teil darin, geschenktes Vertrauen durch Verschwiegenheit zu würdigen. In Fällen schwerer Belastung, durch Vergehen oder Verbrechen, die dem Seelsorger in der Beichte mitgeteilt worden sind, wird er dem Schuldiggewordenen raten und dazu helfen, sich selber an zuständiger Stelle

15

zu offenbaren bzw. das Scinigc zur Versöhnung nach Kräften zu tun.

3.1. Von den Möglichkeite n der -~Telefonseelwrge wird zunehmen d deshalb Gebrauc h gemachr , weil für manch e Anrufende , in ausweglose r Augcnblicksbedräng - nis, sofort eine .Stimme' gegenwärtig ist und weil die optische Anonymität der zsvar mciischlicltcii, aber nicht räumlich-persönlichen Anwesenheit die Aussprache erlcich-

20

tert. Dem Ratsuchenden wird in den meisten Fällen empfohlen, im Anschluß an die fernmündliche Aussprache und Betreuung persönlichen Kontakt mit einem (seinem) Seelsorger zu suchen; Erfahrungsberichte über die Nachhältigkeit der Wirkung sind schwerlich exakt zu gewinnen; wesenrlich ist, daß - auch für solche, die keinen Anschluß an eine Gemeinde haben oder der Kirche ganzlich entfremdet sind, - in

2S ernsten Fällen, ohne Weg und Zeitverlust, Situationsvcrsrändnis und menschliche Zuwendung spürbar weiden und daß er der Verschwiegenheit sicher sein darf.

Literatur

Alfons

Das

Recht der Gnade, Winen 1961, Kap. VI11.9. - FJu.ir J Eichmann/Klaus Mörsdorf, Lb. de*

Hamburg

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Auer,

Art.

Beichtgeheimnis:

LThK»

2

(1958)

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Hans

Dombois.

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Deutschland. System des kat L Kirchenrechts mi:

bes. Rücksicht auf Deutschland, Graz, IV

1959,

$ 3.

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Günther

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Die

Grundlagen

des ev. Kirchenrechts, Tübingen 1928. -

Erich

Ruppcl, Art. Amtsgeheimnis: RGG 1 1 (1957) 343. - Ders., An. Beicnrgeheimrüs:

3J

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München '1958, S 7. - Herben wchrnahn, Kirchenrecht u. Kirchcngcwah, Tübingen 1956.

 

Manfred Mezger

 

Amtshandlungen —Kasualien

 

40

Amtstracht —-Gewänder, Liturgische

Amulett —Dämonen, —Magie

Anagoge —Hermeneuti k

 

Analogie

 

I .

Zu m

Begrif f

2 .

Zu r

Geschicht e

des Begriff s

3 .

Di e

neuere theologisch e Diskus-

45

sion

4.

Grundlinien

einet

svstcmatisch-iheologischen

Bestimmung

(Qucllen'Literatur

S.648)

1.

Zum

Begriff

 

/.! .

Analogie

(griech.

AvaXor'o-,

lar.

pmpartia

 

seit

Varr o

und

Cicero ;

bei

Quintilian,

Sencca

und in

der scholastischen

Traditio n

auch

als

Fremdwor t

analogia

5

0

gebraucht)

bezeichnet

im

allgemeinsten

Sinn

eine

Ähnlichkeit,

die

durch

Vergleich

6 2 6

Analogie

zwischen zwei oder mehreren Größen erkannt wird. Die Ähnlichkeit kann sich auf unterschiedliche Merkmale der verglichenen Größen beziehen. Es kann sich um wesentliche oder äußerliche Merkmale der verglichenen Größen handeln. Man bezeichnet das, wori n sich die Vcrglcichsglicdcr ähnlich sind, als Analogon. Unter Analogaten versteht ma n die jeweiligen verglichenen Größen . Di e Ausdrücke Analo-

gie (Ähnlichkeit, Entsprechung, Gleichartigkeit ; Gleichheit von Verhältnissen, Ähn - lichkeit von Verhältnissen) und analog (ähnlich, entsprechend, gleichartig, ähnlich sich verhaltend) sind erst spät in die (gebildete) Alltagssprache eingedrungen.

1.2. Im wissenschaftlichen Sprachgebrauch ha t da s Wor t Analogie in de n ver-

schiedensten Disziplinen Verwendung gefunden. Es bezeichnet hier nicht nur all- gemein Ähnlichkeit im Sinne der Übereinstimmung, sondern eine begrenzte Ähnlich- keit oder Vcihältnisgleichheit, die jeweils näher zu kennzeichnen ist. In der Mathe- matik findet da s lateinische Wor t propoHio Verwendung , das Verhältnisbestim- mungeu angibt. In der Linguistik und dort vor allem in der Grammatik spricht man von Analogie bei der übereinstimmenden Bildungsweisc der Flcxionsformcn einander entsprechender Wortstämme. Darüber hinaus wird auch der Vorgang der analogen Umbildung und Neubildung von Regeln als „Analogiebildung" gekenn- zeichnet. In der Biologie findet der Ausdtuck Analogie Verwendung zur Bezeichnung von Ähnlichkeiten verschiedener Organismen, die nicht auf Verwandtschaft beruhen, sondern unabhängig entstanden sind (z. B. die „Flügel" der Insekten und Vögel). In der Physik wird unter Abhebung auf die Verhältnis- oder Strukturgleichheit bei der Darstellung von Sachverhalten in Modellen von Analogien gesprochen. Auch in den Human- und Gesellschaftswissenschaften findet der Ausdruck vielfältige Verwendung, so etwa in der Geschichtswissenschaft (Analogie als Prinzip), in der Jurisprudenz (Gesetzes- und Rechtsanalogic), in der Soziologie (Organisniusvcr- gicich), in der Kunst und Kunstgeschichte (Stilvcrglcich). 1.3. Die verschiedenartige Verwendung des Ausdrucks „Analogie" in seiner Geschichte und in den verschiedensten Disziplinen erfordert, um Mißverständnisse zu vermeiden, genauere terminologische Bestimmungen. Wi r könne n hier folgende Unterscheidungen treffen:

13.1. Vnivok (eindeutig) isr ein Ausdruck dann gehrauchr, wenn er zur Bezeich-

nung von Gegenständen („Gegenstand" - Leerprädikator für Dinge, Handlungen, Verhalten, Sachverhalte, Zustände ) in gleicher Bedeutung Verwender wird. Aequwok (mehrdeutig) ist ein Ausdruck dann gebraucht, wenn er zur Bezeichnung unter- schiedlicher Gegenstände in unterschiedlicher Bedeutung verwendet wird. So kann der Ausdruck „Strauß" als Prädikator für eine Vogelart, als Prädikator für ein Blumengebinde oder als Eigenname für einen Menschen verwendet sein. Wir können bei den aequivoken Ausdrücken und ihrer Verwendung zwei Tcilkiasscn unter- scheiden: Die eine Klasse umfaßt die zufällig nequivok verwendeten Ausdrücke (aequivocatio a casu). Di e andere Klasse umfaßt die mit Absicht eingeführten ode r verwendeten aequivoken Ausdrücke (aequivocatio a consilio), z. B. beabsichtigte Wortspiele mit dem Ausdruck „Strauß".

1.3.2. Die allgemeinste Form der Feststellung von Ähnlichkeiten findet in sprach- licher Hinsicht ihren Ausdruck im Akt der Prädikation. Im Akt der Prädikatiun wird einem Gegenstand, ihn darin von anderen Gegenständen unterscheidend, ein Prädi- kator zu- oder abgesprochen, z. B. Haus, Fluß, gehen. In einem Absrrakrionsprozeß

wird von der je individuellen Eigenart und Ausprägung eines Gegenstandes ab- gesehen und das Gleichartige zur Sprache gebracht. In der scholasrischcn Tradition hat man in Zusammenhang mit diesem Vorgang den Ausdruck Analogie verwendet. Thoma s von Aquin spricht von einer analugia secundum esse, non secundum intet-

tionem (dem

verschiedenen Gegenständen (menschliche Körper, Himmelskörper) unter Abschung von ihrer individuellen Ausprägung und realen Unterschiedlichkeit zugesprochen

Sein, nicht dem Begriff nach) , wenn etwa der Prädikator „Körper"'

Analogie

627

wird. Kardinal Caicta n spricht von einer analogia inaequalitatis, die zwischen zwei Gegenstanden bestellt, denen ein Drittes in mehr oder weniger vollkommener Weise zukommt. So kommt dem Adler der l'rädikator „Sehschärfe" in vollkommenerer Weise zu als dem Hund. Genau besehen hegt hier ein univuker Sprachgebrauch vor. Unter Abschung von der individuellen Ausprägung werden Prädikatorcn zuge- sprochen in gleicher Bedeutung. Von Analogie sollte hier um der Klarheit willen nicht gesprochen werden. Als ein Spezialfall dieser Art sind die erwähnten „Analogien" in der Biologie anzusehen. Hier wird nicht nur von der individuellen Ausprägung abgesehen, son- dern aufgrund einiger wesentlicher Merkmale und unter Abschung von anderen wesentlichen Merkmalen eine Prädikation ausgesprochen (z. B. „Hügel" bei Insekten und Vögeln aufgrund der Funktionsglcichhcit und unter Absehung von dem unter- schiedlichen Aufbau dieser Organe}. Die .Analogien" in der Biologie stellen den Ubergang zu Analogien im strengen Sinn dar (s. u. Abschn. 1.3.4.), sind aber sprach- kritisch gesehen eher der Prädikarion im allgemeinen zuzurechnen.

133. In der scholastischen Traditio n bezeichnete ma n das Verhältnis zwischen

zwei ähulichcu Dingen als analogia proportionis. Als Beispiel dafü r könnt e ma n das ßruderverhälutis zwischen zwei Brüdern anführen. Aber auch bei dieser „Ana- logie" handelt es sich im strengen Sinn um einen univoken Sprachgebrauch. Der Prädikator „Bruderveriiältnis" wird absehend von der individuellen Ausprägung, hier das jeweilige Verhältnis des einen zum anderen Bruder, gebraucht. 13.4. In unserer Sprach e ist zu beobachten , da ß Ausdrücke bi der Regel eine festgelegte Bedeutung, einen herrschenden Gebrauch haben. So wird das Wor t „Löwe " in der Regel so verwendet, daß es in seiner Extension eine endliche Zahl von Gegenständen (bestimmte Tiere) bezeichnet und seine Intc-nsion (Bedeutung) festgelegt ist (z. B. Löwe ist ein Tier, Löwen sind stark, mutig). Diesen herrschenden Sprachgebrauc h mach t ma n sich in der metaphorischen Redeweise zunutze. Hie r wird, etwa in der metaphorischen Aussage „Achill ist ein Löwe " mit der Dialektik von Vertrautheit und Verfremdung gearbeitet. Es wird sowohl ein Sachverhalt als auch ein Sprachgebraudi verfremdet, indem für die Bezeichnung eines Sachverhaltes (Achill ist mutig) d n ungewöhnliches Wort (Löwe) und dieses in ungewöhnlicher Bedeutung verwendet wird. Die Entschlüsselung der metaphorischen Aussage besteht darin, daß das Gemeinsame im Unterschiedenen, das Ähnliche im Unähnlichen auf- gedeckt wird. In unserem Beispiel geht es etwa darum, daß aus der Intension des Ausdrucks Lowe nicht die Teilintcnsionen „ist ein Tier" , „frißt Fleisch" sondern die Tcdintcivsioncn „ist mutig", „ist stark", „König der Tiere - König der Krieger" als gemeinsam für den Löwen und Achill geltende Teilituensionen erkannt werden. Metaphorisch werden Ausdrücke gebraucht in metaphorischen Wendungen (z. B. „süße Liebe", „ein im Wasser stehendes Schiff") und in metaphorischen Aussagen (z. B. „jemand geht im Hafen der Ehe vor Anker" , „Achill ist ein Löwe") . Arisrotelcs hat die Metaphcrnbildung als Übertragung eines fremden Namens entweder von der Gattung auf die Art oder von der Art auf die Gattung oder von Art zu A n oder aufgrund einer Analogiebildung charakterisiert. Solche Unterscheidung bei der Mcta- pliernbildung erscheint uns aus zwei Gründen wenig sinnvoll. Elstens wird hier eine Bestimmung von »Gattung" und „Art" vorausgesetzt, über die man sidi erst einigen muß, was nicht immer leicht ist. Zweirens ist jede metaphorische Verwendung von Ausdrücken durch Umformung auf Analogiebildungen zurückzuführen. Es empfiehlt sich darum, die Metaphcrnbildung als ein Spiel zwischen herrschendem und unge- wohntem Sprachgebrauch zu charakterisieren und bei der Mctnphernbildung zwi- schen impliziten und expliziten Analogien zu unterscheiden. Implizite Analogien stellen die metaphorischen Wendungen und die metaphorischen Aussagen von der Art „Achill ist ein Löwe " dar. Sic lassen sich in eine (umständliche und nicht mehr zur Entdeckung reizende) Enrsprcchung von Verhältnissen umformen: Es verhält

£28

Analogie

sich der Achill zum Mut, wie sich der Mu t zum Löwen verhält. Z u beachten ist bei der impliziten Analogie in metaphorischen Aussagen, da ß sie nach de r Art de r

geometrischen Proportion gebildet sind (a : b - b : c) , bei de r die Mitte den Zu - sammenhang und auch jedes Glied festlegt. Als explizite Analogien bezeichnen wir 5 die metaphorischen Aussagen, in denen die Verhältnisentsprcchung angegeben wird. Wir können hier zwischen behaupteten Vcrhältniscntsprechungen mit einer gemein- samen Mitte oder ohne eine gemeinsame Mitte (z. B . wie der Abend zum Tag , s o

verhält

sich

das

hohe

Airer

zu m

Leben)

unterscheiden.

In

diesem

letzteren

ball

besteht

das „Gemeiasame* bzw . „Ähnliche" nur in der Entsprechung der Ver-

1

0

hältnisse.

1JJ . Auf dem Hintergrund dieser Überlegungen zur metaphorischen Redeweise

ist de r in

de r scholastischen Tradition verwendete Ausdruck analogia prnportionali-

sich vo n de r analogia zwischen zwei Gcgcn-

u ständen, sondern ein Verhältnis zwischen zwei Verhältnissen als analog (vcrhältnis- gleich oder verhältnisähnlich) zum Ausdruck bringt. In der Mathematik findet sich

eine solche Verhältnisentsprcchung im Sinne der Verhältnisgleichheit in den arithme- tischen und geometrischen Proportionen. Bei der arithmetischen Proportion geht es

um die Gleichheit von Differenzen (10-6 = 6-2 ) oder, anders ausgedrückt um

Reihung (2,6,10). Bei der geometrischen Proportion geht es um die Gleichheit von Verhältnissen, die aufgrund von Teilung (a : b c : d) oder von gleichen Tcilungs- prinzipirn (a : b - b : c) entstehen. Im allgemeinen Sprachgebrauch finden wir zwei Arten de r Entsprechung vo n Verhältnissen vor : die Ve-rhaltnisglcichhcil un d die Vcrbaltnisähnlicbkett. S o kann da s Verhältnis zwischen zwei Brüdern einer Familie

eine

tatis zu klären. Die analogia proportionalitatis unrcrschcidct

proportionis dadurch, da ß sie nicht wie diese ein Verhältnis

15

mit dem Verhältnis zwischen zwei Brüdern einer anderen Familie verglichen werden. Wird dabei nicht auf die individuelle Ausprägung der jeweiligen Verhältnisse ab - gehoben, sondern nur hervorgehoben, dal} beide Brudcrp3arc im gleichen Verhältnis, nämlich im Bruderverhältnis, stehen, dann liegt Verhältnisglcichheit vor. Es handelt sich u m eine univoke Prädikarion. Der Prädikator „Brudcrverhälmis" wird jeweils

30

zugesprochen. Eine Verhältnisähnlichkcit wird nu r dann zu m

Ausdruck gebracht,

wenn ausgesagt werden soll, die Brüder der einen Familie gelten ähnlich miteinander

um (lieben sich, hassen sich) wie die Brüder der anderen Familie. Noch deutlicher wird das Vorliegen einer Verhältnisähnlichkcit, wenn die Verhältnisentsprcchung zwischen sonst nicht zueinander in Beziehung gebrachten Verhältnissen hergestellt *' wird (Abend des Lebens - Abend des Tages; Mu r des Achill - Mu t des Löwen).

vo n einer analogia proportionalitatis extrin-

Die scholastische Tradition spricht hier

secac. Di e Ähnlichkeit komm t hier den verglichenen Gliedern nichr innerlich- eigentlich, sondern äußerlich-uneigentlich aufgrund eines bestimmten Handelns, Verhaltens oder Zusrands (Wirkungsweise) zu. Davon abgehoben als weitere Teil-

40 klasse de r Verhältnisähnlichkeit wird in de r scholastischen Tradition die analogia proportionalitatis intrinsecae. Di e Ähnlichkeit de r Verhältnisbeziehungen ergibt sich aufgrund einer innerlich-eigentlichen Beziehung zwischen den jeweils verglichenen Gliedern. Als Beispiele für eine solche Analogie werden angenommen: Gott verhak sich zu seinem Sein, wie sich de r Mensch zu seinem Sein verhält; da s Gutsctn kommt dem Menschen wie dem Tier zu. Dabei wird davon ausgegangen, da ß Gott den Menschen und de m Tier in unterschiedlichem Maße Anteil an seinem Sein gegeben hat und gibt. Dieses unterschiedliche Ma ß der Anteilgabc verändert jeweils die Iiitension de r Ausdrücke Sein oder Gutsein, je nachdem welchem Gegenstand sie zugesprochen werden. S o kann Gottes Sein als sich gründendes Sein, menschliches

so Sein nur als gegründetes Sein verstanden werden. Aus sprachkritischcr Sichr ist die Unterscheidung in eine analogia proporlionalitatis extrinsecae un d intrisecae frag- würdig. Formal unterscheiden sich die Klassen von Analogie nicht. O b eine Ähnlich- keit aufgrund von zum Wesen gehörenden Eigenschaften oder aufgrund der Wir-

Analogie

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kungsweise festgestellt wird, ist sprachkritisch irrelevant. Zudem müßte diese Unter- scheidung zwischen Wirkungsweise und zum Wesen gehörenden Eigenschaften erst eingeführt werden. Bestimmte theologische und ontologlschc Theorien, die begrün- den wollen, warum eine metaphorische Aussage angebracht ist, werden hier in den Begriff eingebracht.

die analogía attributio'

1.3.6.

In

Beziehung

zur

metaphorischen

Redeweis e

steht

nis. Si c bezeichnet den Sachverhalt, da ß ein Ausdruck mehreren Gegenständen

zusprocheu wird, aber

im herrschenden Sinn, dem anderen in erweiterter Bedeutung zukommt. Klassisches, schon von Aristoteles gebrauchtes Beispiel: Wir sprechen von einem gesunden Orga- nismus und von „gesundem Urin". Hier wird keine Vcrhältniscntsprcchung her- gestellt, sondern ein Sprachgebrauch aufgrund einer Kausalbczichung erweitert. Die Ernährung wird beispielsweise gesund genannt, wenn sie zur Gesundheit des Men- schen beiträgt. Der erweiterte Sprachgebrauch folgt nach der Regel: der Ausdruck gesund darf auch solchen Gegenständen zugesprochen werden, die zur Gesundheit beitragen oder auf die Gesundheit eines Organismus zurückschließen lassen. Die Verwendung des Ausdrucks Analogie in diesem Zusammenhan g ist unglücklich, ha t sich aber eingebürgert. In der scholastischen Traditio n werden innerhalb de r analogía attributionis öfters zwei Klassen unterschieden: analogía attributionis extrinsecae und analogía

attributionis intrinsecae. Eine analogía attributionis extrinsecae liegt vor, wenn der erweiterte Sprachgebrauch in einer „äuficrlich-uncigcntlkhcn" Kausalbeziehung be-

gründet ist. Ein e analogía attributionis intrinsecae liegt vor, wenn

die Kausalbczichun g

„innerlich-eigentlich" gedacht wird. So wird davon gesprochen, daß das Sein Gottes aufgrund der Teilhabe den Geschöpfen innerlich-eigentlich zukommt. Diese Ein- teilung ist freilich umstritten. Zu m einen ist die analogía attributionis intrinsecae nicht von de r analogía proportionalitatts (intrinsecae) zu unrcrschcidcn. Zu m anderen gilt für die Analogie der inneren Attribution in gleicher Weise wie für die Analogie der inneren Proportionalität, daß mit diesen Begriffen keine Nähcrbcsrimmung der Analogie erfolgt, vielmehr Bcgründungstheoricu für die Annahme einer Analogie angedeutet sind.

so, da ß

die Bedeutung

des

Ausdrucks

nur einem

Gegenstand

1.3.7. Unter Analogieschluß versteht man zum einen den Scldu ß von drei bekann -

ten Gliedern auf ein viertes Glied aufgrund der Verhältnisähnlichkeit. Beispiel: Die

Erde ist bewohnt, im Weltraum gibt es Planeten ähnlichen Alters und ähnlicher Nähe zu einer Sonne, also dürften auch diese Planeten bewohnt sein. Hier handelt es sich um Wahrscheinlichkcitsurtcilc, bei denen man davon ausgehen kann, daß die Wahrscheinlichkeit um so größer ist, um so größer die Ubereinstimmung in bestimm-

ten Merkmalen ist. Zum anderen kann unter Analogieschluß der Schluß von drei Gliedern auf ein viertes aufgrund von Verhälmisgleichheit verstanden werden. Dies geschieht in der Mathematik in den Gleichungen: a - b - b - x; a : b - c : x.

bisher nicht explizit

die Unrerscheidung zwischen einer analogía nominum und einer analogía entis berücksichtigt. Analogie wurde von uns eingeführt als eine besondere Weise der Prädikation, die mit der Dialektik von Vertrautheit und Verfremdung arbeitet und so Entsprechungen aufzeigt. O b der Herstellung solcher Entsprechungen in unserer

Sprache reale Entsprechungen in der Wirklichkeit (an sich) zuzuordnen sind, darüber

ausgesagr. Aussagen, oh der analogía nominum eine Analogie des real

wurd e nichts

Seienden entspricht, hängen jeweils von den Theorien ab, die man über das Ver- hältnis von Sprache und Wirklichkeit aufstellt.

Elemente

1J.8.

In

unseren

terminologischen

Bestimmunge n

wurde

Offengelassen

wurde

auch

die

Frage, o b

das

Analogon

in sich

univoke

hat

oder

das

Analogon

ein

Mittleres,

Drittes

darstellt.

Argumente

gibt

es

für

beide

Auffassungen.

So

kann

man

sagen,

wenn

Achill

und

dem

Löwen

Mu t

zugesprochen

wird,

gelten

bestimmte

Teilintensionen

des

Wortes

Mu t

für

Achill

und

den

Löwen

5

630

Analogic

in

eines

einer

zur

Vcrhältniscntsprcchung

angenommen

gleicher,

Sprache

univoker

Menschen

Vcrhältniscntsprcchung

wird.

Weise.

Mu t

Andererseits

Tieres

zwischen

Gewicht

dem

so

man

verschieden

kann

ein

Mu t

sind, daß in der Herstellung

Mittleres

wo

eine

Fragestellung

Menschen

darauf

verweisen,

Drittes,

Sein

dort,

des

daß

und

eines

zwischen

beiden

gewinnt

Sein

eigenständiges

dem

gebracht

wird.

diese

Gottes

und

In engem Zusammenhang damit steht die Frage, ob die Bildung analoger Aus- drücke als eine nachträgliche, abgeleitete Form sprachlicher Unterscheidung oder als ein eigener Modus der Prädikation anzusehen ist. Zweifellos gründet auch die 10 Prädikation, die zum univok gebrauchten Ausdruck führt, auf einem Abstraktions- prozeß der das Gleiche im Ähnlichen unterscheidet. O b man aber die Bildung analoger Ausdrücke als eine eigenständige oder abgeleitete Form der Prädikation ansieht oder nicht, hängt davon ab, wie man zur Frage der univoken Elemente des Analogon Stellung nimmt.

«

2 .

Zur

Geschichte

des

Begriffs

2.1.

De r Ausdruck Analogi e ist ursprünglich ein Begriff der -»Mathematik . E r

wurde in der pythagoreischen Schule entwickelt. Das früheste Zeugnis bei Archytas von Tarcnt setzt bereits die Einführung dieses Begriffes und Reflexionen über diesen Begriff voraus. Alter aber als das Wort und seine explizite Einführung sind die

1 0 Feststellung von Ähnlichkeiten im Vorgang der Prädikation und die Verwendung des Analogieschlusses im allgemeinen, nichtmathematischen Sinn. Die Wahrnehmung analoger Verhältnisse har seit frühester Zeit zur Erfassung von Beziehungen und Verhältnissen geführt. Im magischen Denken (-»Magie) wird ähnlichen Erscheinun- gen eine gewisse Identität und ursächliche Verbundenheit zugesprochen, die der

u

Mensch seinen Zwecken dienstbar machen kann. So wird eine enge Verbindung zwischen Bildern und den Personen oder Gönern, die die Bilder darstellen, ange- nommen. Oder man nimmt eine Verbindung zwischen Feuer und Sonne, plätschern- dem Geräusch und Regen an. Man will sich diese Verbindung zunutze machen, in- dem man durch Anzünden von Feuer die Sonne zu Tätigkeit anregen, durch Nach-

M

nahmen des Geplätschcrs des Regens Regen herbeirufen, durch Anbetung oder Zer- störung von Bildern die dargestellten Personen ehren oder verderben will (Analogie- zauber).

analoge r Verhältnisse : Bei der da s Verhältni s dreier Glieder

u einer Reihe von Zahlen. Ihr Verhältnis ist dadurch gekennzeichnet, daß die erste und größte Zahl um ebensoviel größer ist als die zweite Zahl, wie die zweite Zahl großer ist als die drirte Zahl (z.B . 10-6-2) . Bei dieser Analogie geht es um die Gleichhei t von Diffetenzcn (10- 6 = 6-2) . Bei de r zweiten Art, geometrische Ana - logie genannt, geht es um die Gleichheit von Verhältnissen, die durch Teilung cm- •«0 stehen (a : b - c : d) . Bei de r dritten An , der harmonischen Analogie geht es darum , daß die erste Zahl die zweite Zahl um den gleichen Teil ihrer Größe übertrifft, um den auch die vierte Zahl von der dritten Zahl übertroffen wird. Beispiel 6:4-4:3 ; 6 übertrifft 4 um ein Drittel seiner Größe, drei wird von vier um ein Drittel seiner Größe übertreffen. Wichtig ist an den Überlegungen der pythagurei-

*s sehen Schule noch die Unterscheidung zwischen einer „kontinuierlichen " Proportion und einer „getrennten" Proportion. Die kontinuierliche Proportion hat drei Glieder,

deren minieres im Verhälrnis zum ersten und dritten Glied steht (a : b : c; auch umwandelbar in eine vierglicdrigc Proportion von der Art: a : b - b : c). Die getrennte

22.1.

Archyta s vo n

Tarcn t

spricht von

drei

Arten

ersten Art, der arithmetischen Analogie , ßcht es um

kein gemeinsames Mittelglied (a : b - c : d) .

*> Das Mittel besteht hier in der Gleichheit der Verhältnisse; also hat diese Proportion genaugenommen zwei Mittel.

Proportion ist immer

viergliedrig

und hat

Analogie

631

2.2.2. Empedokles nur « die Erfassung von Analogie, um Gesetzmäßigkeiten zu erkennen und zu formulieren. Das analogen Sachverhalten Gemeinsame wird fest- gestellt, verallgemeinernd als Gesetz formuliert und das Gesetz auf Sachverhalte angewendet. Auch bei Heraklit findet die Analogie Verwendung . Di e Strukturen i von Kosmos, Polis und Psyche werden bei ihm zueinander in Entsprechung gesetzt.

Sokrates geht so vor, da ß e r das Gemeinsam e ähnlicher Beispiele zur Bestimmun g eines Allgemeinbcgriffs hervorhebt. So faßt er die Schnelligkcir der Beine im Laufen, der Finger beim Leierspiel, des Lernens im Denken im „Allgemeinbegriff" Schnellig- keit zusammen. Auf dem Wege des Analogieschlusses versucht Sokrates die Existenz " eines ordnenden Weltgcistes zu beweisen. Er argumentiert: Wie alle Ordnung in menschlichen Dingen auf einen ordnenden Geist zurückgeht, so geht auch die kos- mische Ordnung auf einen ordnenden Geist zurück.

223. Es zeigt steh, da ß schon zu Beginn der Verwendun g des Ausdrucks Ana-

logie unrer diesem Begriff eine Mehrzahl von Momenten angesprochen wird, deren 1 1 Vereinigung in einem Begriff nicht zwingend notwendig ist. Bei Sokrates wird unter dem Ausdruck Analogie der Absrraktionspro/cß angesprochen, der der univoken Prädikation zugrundclicgt. In der mathematischen Analogie finden wir den Gedan- ken der Mitte. Das mittlere Glied stellt die Beziehung zu den beiden anderen Gliedern her. Daneben findet sich bei den getrennren Proportionen der Gedanke der 2» Gleichheit zweier Verhältnisse. Schließlich impliziert die Anwendung von Analogien hier das Prinzip der Rcihcnbildung. Ma n geht von der kleinsten Zahl aus und schreitet in gleichen Abständen oder Verhältnissen fort. Der Analogieschluß stellt ein Wahrschcinlichkcitsurtcil dar. Alle diese Momente spielen in der weiteren Ent- faltung und Reflexion zum Analogiebegriff eine Rolle. Teils werden einzelne Mo - zs mente aufgenommen und weitergebildet, teils werden verschiedenartige Kombina- tionen dieser Elemente im Analogiebegriff zusammengedacht und weiterentwickelt.

23.1. -»Piato n ha t den Begriff Analogie bewuß t in die Philosophie übertragen

und Analogie als philosophischen Begriff gebraucht. Bei Piaton wird die Analogie in verschiedener Weise verwendet. Erstens dient in den Dialogen die Feststellung

30 einer Analogie der Beweisführung. Aus den Einzelfällen kann nach Platon-Sokratcs ein Allgemeinbegriff erschlossen werden. Hier ist die Erkenntnis des Gemeinsamen im Ähnlichen, wie schon gesagt, die Voraussetzung der Prädikation. Zweitens ver- wendet Piaton die dreigliedrige Proportion, um in seinen Ausführungen zur Kosmo- logie im Timaios die Ordnung der Welt aufzuzeigen. Die verschiedenen Elemente

is werden durch eine Einheit stiftende Mitt e verbunden. Die Mitt e weist den Extreme n ihren Platz zu und verbii>det sie. Das Verbindende, das Band ist die Analogie. Analogie ist hier als kosmisches Strukturprinzip verstanden. Sie führt die Elemente zusammen. Sic macht das Verbundene und sich selbst am meisten eins. Von Gott sind die Dinge so geordnet, daß sie analog und ebenmäßig sind. Sind im Kosmos

40

mehr als nur drei Glieder in einem Verhältnis zu sehen, so wird die dreigliedrige Proportion wiederholt. Drittens fiudec sich bei Piaton die vierglicdrigc „getrennte" Proportion. Sic spielt in Piatons Werk eine wichtige Rolle. Sic erweist sich als der Schlüssel zur Erkennmis des schwer Erkennbaren, des schwer Verstchbaren, des rein Geistigen. Piaton vergleicht so die Stände im Staatswesen mir den Teilen der

45

Seele. Seine großen viergliedrigen Analogien finden sich in der Hinfiihrung und im Nachgang zum Höhlengleiehnis. Im Nachgang zum Höhlengleichnis setzt Piaton in Beziehung: Das Sein verhält sich zum Werden, wie das Verstehen zum Meinen; das Wissen verhält sich zum Glauben, wie das Denken zur Vorstellung von Bildern. Solche Zuordnung aufgrund der Vcrhältnisgleichhcit ermöglicht den erkennenden

50

Übergang vom einen zum anderen, ohne die Trennung der beiden Bereiche auf- zuheben. In der Hinfuhning zum Höhlengleichnis vergleicht Piaton die göttliche Idee des Guten mit den Strahlen der Sonne. Hier wird allerdings die viergüedrigc Pro- portion (göttliche Idee : Gutes - Strahlen : Sonne) noch Überhöhr durch eine hinzu-

632

Analogie

kommende Entsprechung von Gutem und Sonne. Das Gute hat die Sonne als sich selbst analog gezeugt. Hier zeigt sich eine Analogie im Sinne von (einfacher) Ent- sprechung. Auf diese Entsprechung hebt Piaton immer wieder ab, wenn er davon ausgeht, daß die reale Welt Abbild idealer Urbilder (der Ideen) ist.

* 2.32. -»Aristotele s hält sich an die von den Pythagoreern entwickelt e mathe- matische Bestimmung der Analogie. Er führt die Analogie im Sinne der Proportiona- lität in Ethik und Metaphysik ein als ein methodisches Hilfsmittel, um Sachverhalte zu erkennen und zu bestimmen. Die kosmologischc Anwendung der Analogie, wie sie von Piaton eingebracht wurde, tritt bei Aristoteles zutütk. Aber er hebt wie

'0 Piaton den Gedanken der Mitte hervor, den er allerdings genauer bestimmt. Aristo- teles geht davon aus, daß Verhältnisse sachgemäß durch eine viergliedrigc Proportion verglichen werden können. Die dreigliedrige Proportion ist durch Wiederholung des minieren Gliedes in eine viergliedrigc Proportion umzuformen. In der Ethik verwendet Aristoteles die arithmetisch genannte Analogie, um beim Austausch von

Verteilung zu kommen. Hier muß Gleichheit gewährleistet

sein. Geht es um die Bestimmung angemessenen menschlichen Verhaltens oder um das Verhältnis von Personen in ihren sozialen Bezügen, so ist die geometrische Analogie anzuwenden. Hier ist die Mitte nicht durch die Gleichheit der Differenzen, sondern durch das angemessene Verhältnis subjektiv zu bestimmen. Die „Miete" zo muß hier nicht die mathematische, durch Addicrung und Teilung aller Größen ermittelte Mitte sein. Demgemäß unterscheidet Aristoteles bei der Tugend der Gerechtigkeit die commutative Gerechtigkeit, die auf dem Wege der arithmetischen Analogie jedem das Gleiche zukommen läßt, von der distributiven Gerechtigkeit,

die auf dem Wege der geometrischen Analogie jedem das Seine zukommen läßt. 2J Bei der sprachlichen Erschließung der Wirklichkeit weist Aristoteles darauf hin, daß die Analogie hei der Mctaphetubildung eine Rolle spielt. Die Übertragung eines fremden Namens aufgrund einer Analogiebildung isc für ihn die wichtigste Form der

hen davon, da ß eine Sprache, in der herrschender

Sprachgebrauch und Metaphern gemischt sind, für Aristoteles die reizvollste Sprache 30 ist, erlaubt die Meraphernbildung aufgrund der Analogie neue, unbekannte, fremde Sachverhalte in solcher rorachlichen Erfassung zu erschließen. In Naturforschung und Metaphysik hat die Feststellung von Analogien eine doppelte Funktion: Durch sie wird es ermöglicht. Verschiedenes in Verschiedenem einander so zuzuordnen, daß das sich Entsprechende, allen auf analoge Weise 3t Gemeinsame entdeckt wird und zur Sprache gebracht wird. In der Naturforschung verfährt Aristoteles so, daß er die Lebewesen aufgrund analoger Funkrioncn in Klassen einteilt und funktionale oder strukturelle Ähnlichkeiten feststellt. In der Physik zeigt Aristoteles, daß etwa Stoff und Form in Verschiedenem in verschiedener Weise sind und doch in gewisser Weise dieselben sind. In der Metaphysik stellt «0 Aristoteles die Frage, was die Einheit des Seienden als Seiendes gründet. Die Einheit des Seienden, so beantwortet er die Frage, gründet darin, daß die vielfältige Rede vom Seienden Bezug nimmt auf eine „Natur", die -»Substanz. Die Substanz „ist", alle anderen karegorialen Bestimmungen sind nur „etwas an der Substanz". Die Substanz also erscheint in Verschiedenem je verschieden. Sie stellt aber keine „Uber-

« Gattung" dar, die das Gemeinsame überkategorial darstellt. Nur aufgrund der Anwendung der Analogie können wir eine Verbindung quer durch die Garrungen herstellen, Ähnliches im Verschiedenen erkennen. Durch die Anwendung der Ana- logie wird aber nicht ein überkategorial Gemeinsames als Übcr-Gattung (eiwa „das Sein") konstituiert. So kann man nicht sagen, daß Aristoteles auf dem Weg der

SO Analogi e da s „Sein " al s eine n analoge n Begrif f eingeführ t hat . Doc h

is t e s vo n de r

Rede, daß das Sein in mannigfachen Weisen, aber immer in bezug auf das letzte Prinzip der Subsranz erscheint, nicht mehr weit zur Einführung eines analogen Seinsbegriffs. Ein e solche Weiterführun g un d Interpretation des aristotelischen Ansät -

1 5 Sachen zu einer gerechten

Mctaphcrnbildung. Gan z nbges«

Analogic

633

zcs wird dort unterstützt, w o Aristoteles,

die

Reflexion

auf

die

sprachliche

Er-

schließung der Wirklichkeit verlassend, in objcktsprachlichcn ontologischen Aus- sagen davon spricht, daß das Sein von „Einem her" und auf „Eines hin" aus- gesagt wird. 2.4.J. In der -»Stoa wird die Feststellung von Analogien dazu verwendet, um auf dem Wege des Analogieschlusses von der Erkenntnis des Bekannten zur Erkcnnrnis des Unbekannten zu gelangen. Bekanntes und Unbekanntes sind nach

stoischer Auffassung durch einen gemeinsamen Logos verbunden. Auch die Epikureer verwenden den Analogieschluß als Weg, um vom Bekannten zum Unbekannten vorzudringen. Bei Quinrilian findet sich ebenfalls die Verwendung des Analogie-

in der Grammati k analopa die Entsprechung

der WortbUdung charakterisiert, hebt er hervor, daß man aufgrund der Feststellung von Ähnlichkeiten Ungewisses und Zweifelhaftes durch bereits Gewisses näher bestimmen kann. —Bocthius, durch seine Ubersetzung aristotelischer Schriften für die mittelalterliche Philosophie wichtig, führt die Unterscheidung von proportio (Verhältnis zweier Glieder) und Proportionalität (Verhältnis von Verhältnissen) ein. 2.4.2. Im Neue n Testamen t ist nur an einer Stelle von Analogie, und zwar von der Analogie des Glaubens (Rom 12,6) die Rede. Im Rahmen der unterschiedlichen Gaben, die den vielen Gliedern des einen Leibes zukommen, ist die Prophetie nach der Analogie des Glaubens genannt. Gefordert xsird hier, daß der Prophet die Geheimnisse der göttlichen Gcschicht.sführung nach dem Ma ß der ihm verliehenen Giaubcnscinsicht verständlich macht (—Prophcten/Prophetie). Es geht hier nicht, wie vielfach ausgelegt, um die Ubereinstimmung mit bestimmten Lehren und Dog- men der Kirche. Allenfalls könnte man mittelbar euie Übereinstimmung mit dem Inhalt des Kerygmas annehmen, das im lebendigen Glauben erfaßt wird. In der -»Wcishcitsliteratur (Weish 13,5) ist davon die Rede, daß aus der Größe und Schönheir der Geschöpfe analog ihr Urheber erkannr werden kann. Hier wird die platonische Urbild-Abbild-Vorstcllung zugrundegclcgr. Diese Urbild-Abbild-Vorsrcl- lung, durch die -»Gnosis in bestimmter Weise ausgelegt, beeinflußt auch Formulie- rungen des Neuen Testamentes und die theologischen Reflexionen der griechischen Kirchenväter. 2.4J. Fü r die Weiterentwicklun g des Analogiebegriffs im Übergang von de r Antike zur mittelalterlichen Theologie und Philosophie sind die ncuplatonischen Interpretationen bedeutsam geworden. Das netiplaronischc Verständnis verbindet platonische und aristotelische Motive und Auffassungen. Bei —Plotin, der über den Begriff Analogie nicht explizit reflektiert, wird der Begriff Analogie zum einen benutzt, um auf Strukturähnlichkeiten zwischen den .Seinsstufen hinzuweisen. —Gott, zu dessen Benennung keine Kategorie geeignet ist, das schlechthin „Eine", entläßt aus sich das Seiende. Das Gute, das Vollkommenste strömt sich aus in die Hypo- stasen Geist, Welt, Seele, Natur. In dieser Siufcnordnung wird allen dasselbe, der Analogie nach, entsprechend ihrem Ort zugeteilt. Darum können Strukturähnlich- keiten oder Strukturunähnlichkcitcn im Seienden angenommen werden. Zum anderen spielt Analogie eine Rolle beim Aufstieg zum Guten. Durch Analogie erhalren wir Belehrung für den Aufstieg zum Guten. Bewegt durch den göttlichen Funken, der die Erinnerung an das Eine ist, treibt uns die Belehrung über das Gute durch Analo- gie und Negation dazu, daß wir Abschied nehmen vom Vielen und uns einbilden in das Eine. Wir sehen hier bei Plotin zwei Linien: Seine Ausführungen über die Seinsstufen zeigen, daß Analogie im Sinne genmetrischer Proportionalität als meta- pbysisclics Struknirprinzip verstanden wird. Jedes Seiende hat nach einem bestimm- ten Maß e Anteil am Guten. Andererseits beronr Plotin, daß nicht aus dem Sach- verhalt, daß von Gort das Gute kommt, Gott das Gutsein zukommt, geschlossen werden darf, daß Gort der Gute ist. Die Analogie hat nach Plotin ihre Grenze darin, daß zwar das Viele dem Einen ähnlich ist, aber das schlechthin Eine nicht

schlusses. Unter Verwei s darauf , da ß

634

Analogie

1

dem Vielen. Es ist von ihm unendlich qualitativ verschieden. Stärker ausgezogen ist die erste Linie bei —Proclus dem Philosophen. Er sieht die Analogie als meta- physisches Band an, das die Extreme zur Ordnung bindet, im Prozeß des llcrvor- gangs der Seinssrufen wirkt, allem Sein den inneren Zusammenhang gibt. Pscudo-

1 -»Dionysius Areopagita vermittelt diese Auffassung dem christlichen Denken: Ana- logie ist ein metaphysisches Ordnungsprinzip. Nach der Analogie wird das Sein ausgeteilt. Auch der Wiederaufstieg vollzieht sich gemäß der Analogie. Wieder- aufstieg und Gotteserkenntnis werden dann verwirklicht, wenn Got t den mensch- lichen Geist dazu erleuchtet.

wird dieser Begriff dazu

0

2J.1.

In

der

mittelalterlichen

Lehr e

von

de r

Analogi e

verwendet, um das Verhältnis zwischen Gott und seinem Geschöpf zu bestimmen. Im IV. Latcrankonzil von 1215 (—-Lateransynoden) wird die Analogie zwischen -»Schöpfer und Geschöpf als eine Ähnlichkeit ausgelegt, die immer von größerer Unähnlichkeit umgriffen isr. Mit dieser Formel versuchte man, sowohl die Be-

13 bauptung einer mysrischen Identität (-«-Mystik) zwischen Schöpfer und Geschöpf als auch die Behauptung völliger Unrerschiedenheit zwischen Gott und Mensch abzuwehren. -»Pantheismus einerseits und Agnostizismus andererseits sollen ver- mieden werden. Analogie wird, vermutlich Averroes folgend, als ein Minieres zwischen Univozität und Acquivozität verstanden.

2

0 2.5.2 . -»Alexande r Halesius entfaltet Analogie als convtnientia secundum ana~ logiam. Bei ihm ist die analogia nominum in eine t realen Analogie des Seienden gegründet. Die Einheit des Seienden und seine Vielheit sind im analogen Scinsbc- griff begründer. Im Seienden kommen jeweils Substanz und Akzidenz zusammen.

(eits in alio) ist de r Substanz (ens per se) nachgeordnet . Di e Analogie

zs ist das Band, daß das analog Gemeinsame und Verschiedene in seinem Sein ver- bindet. In gleicher Weise gilt für das Verhältnis von Gort und Geschöpf: Gott ist gut aufgrund seiner Natur, das Geschöpf ist gut aufgrund der Teilhabe. Gemessen an unseren terminologischen Bestimmunge n vertritt Alexande r von Haie s eine ana- logia allrtbulionis intrinsecae. —Bonaventura folgt dieser Bestimmun g des Analogie-

w begriffs. Er unterscheidet jedoch proportio als Verhältnis zwischen zwei Gliedern einer Gattun g von proponionalitas als einer die Gattun g Überschreitenden Ver - hältnisbestimmung. Wichtig für den weiteren Verlauf der Diskussion ist, daß Bona- ventura betont, die Gotteserkcnnmis auf dem Grunde der Analogie kann nur ver- wirklicht werden, wenn Gott deu menschlichen Geist erleuchtet. Pate steht hier die 35 von Pseudo-Dionysius beeinflußte Lichtmetaphysik des Kosmos, die Bonaventura entwickelt hat.

Da s Akzidenz

2JJ .

Bei

—•Thoma s

von

Aquino

wird

der

Analogiebegriff

in

verschiedenen

Ausätzen systematisch reflektiert. Er gibt der Analogielehre ihre klassische Gestalt. Die Analogie steht für ihn in der Mitte zwischen llnivokation und 40 Äquivokation und findet in der Prädikatiou ihre Anwendung. Die analogische

Prädikation erfolgt dann, wenn verschiedenen Gegenständen ein „Gemein- sames** zugesprochen wird, in dem sie einander ähnlich sind. Im Unrcr- schied zur univoken Prädikation, bei der auch in einem Abstraktionsproz.eß das Gemeinsame im Ähnlichen festgestellt wird, ereignet sich bei der analogen Prädika-

4J tion das Zusprechen eines „Gemeinsamen" bei Gegenständen, die eine unterschied-

liche Wesensbesrimmthei t (ratio) haben . Thoma s greift hier aristotelische Über- legungen auf. Das „Gemeinsame" beniht bei der analogen Prädikation darauf, daß die verschiedenen Gegenstände entweder dasselbe Ziel oder eine gemeinsame Wir- kungsweise oder ein gemeinsam Zugrundeliegendes zusammenbindet. Bei der wich- so tigsten analogen Prädikation, der Rede vom Sein, nimmt Thoma s an, daß hier eine „gemeinsame" Substanz zugrunde!iegr, die die einzelnen Seienden verbindet. In Weiterentwicklung von bei Aristoteles vorliegenden Ansätzen und unter dem Ein- fluß der platonisch-augustinischen Tradition {-»Augustin'Augustinismus) faßt Tho -

Analogìe

635

mas das Sein als ein dynamisches Prinzip auf, das sich in das Seiende hinein selbst

auslegt. Gott , die reine Wirklichkei t (actus purus), das An-Sich-Sein (cns a sc), da s vollkommenst e Sein (ens perfectissimum), ist die Erstursachc, der unerschöpfliche alles-schcnkcnde Grund allen geschöpflichen Seins. Das Seiende partizipiert, hat 5 teil am Sein aufgrund der Selbstmittcilung des Seins. In der analogen Pradikation wird gerade diese Bewegung erfaßt. Der Anwendung der Analogie als Modus der Prädikation (analogia nominum) korrespondiert eine analogia entis. Nac h Auffas - sung des llioma s sind die Begriffe Ähnlichkeiten (similitudbtcs) der Dinge. Di e

analoge Prädikation möglich

sprachliche Erschließung erfaßt die Wirklichkeit. Da ß

f

ist, ruht so letzlich in der ontischeu Gegebenheit, daß alles Seiende am Sein tcühat.

Der analoge Scinsbegriff gründet die Einheit des Seienden, das in seinem Sein über- einkommt, sieh aber zugleich in seinem Sein wesentlich unterscheidet. Daß wir von Gort analog reden können, ist darin gegründet, daß unserem noctischen Rückschluß auf Gort die ontische Gegebenheit seiner Selbstmittcilung vorausgeht. In mehreren

Ii

Ansätzen, die untereinander nicht ganz

zu harmonisieren sind, versuchr Thoma s

diese Verhältnisbestimmung genauer zu entfalten. Im Sentenzcnkomnicntar unter- scheidet Thoma s drei Arten von Analogie : 1) secundum intentionem taut um, et nun secundum esse; als Beispiel dafü r wird der Gebrauc h des Ausdrucks „gesund " in

Urin" angegeben. Wi r

den Wendungen „gesunder Organismus" und „gesunder

20 habe n diesen Fall erweiterten Sprachgebrauc h genannt . 2) secundum esse et non

secundum intentionem; eine solche Analogie liegt nach Thoma s vor, wenn ver- schiedenen Gegenständen das Wor t Körper zugesprochen wird. Wir haben diesen

Fall , der später auch analogia inaequalilatis genann t wird, der univoken Prädika -

rion zugeordnet. 3) secundum intentionem et

Analogi e

zs liegt vor, wenn das Nachgeordnete an dem Sein des Vorgeordneten in miudercr Vollkommenheit teilhat. Thoma s will sie anwenden, um das Wahrscin und Gutsein sowohl für Gort als auch für die Geschöpfe auszusagen. In einem weiteren Versuch unterscheidet Thoma s zwischen de r analogia proportionis (später auc h analogia

attributionis) und de r analogia proportionalilatis. Dies e von Boethiu s übernommen e so und für die weitere Entwicklun g wichtige Unterscheidung Verwender Thomas , u m die Differenz zwischen Gott und Geschöpf besser aussagen zu können. Substanz und Akzidenz stehen z. B . in einem bestimmbare n Verhältnis (proportio), daru m

secundum

esse;

eine

solche

kan n hier

eine analogia proportionis entfaltet werden. Got t und Geschöpf , Unend -

liches und Endliches stehen in keinem bestimmbaren Verhältnis, der Abstand läßt sich 35 nicht genau angeben. Darum muß und kann dieses Verhältnis zwischen Gort und Mensch nur so ausgesagt werden, daß zwei Verhältnisse in eine nicht näher bestimm- bare Beziehung gesetzt werden: Gott verhält sich zum Göttlichen wie das Geschöpf zum Ceschöpflichen. Diese Konzeption des Thoma s birgt in sich jedoch zwei Schwie- rigkeiten: Zu m einen ist nicht klar, o b zwischen den beiden Verhältnissen eine Ver -

•»o

hälrnisglcichheir oder eine Verhälrnisähnlichkcit besteht. Zum anderen muß der Aussage von Gott aufgrund der Proportionalitätsanalogie vorausgehend eine Parti- zipation des Geschöpfes an Gott angenommen werden (innere Attribution), sonst könnte man nichts darüber aussagen, ob die beiden Verhältnisse überhaupt in einem Verhältnis zueinander stehen. Thoma s har dann spater nur noch zwei Arten von

•*s

Analogie unterschieden: Bei der ersten Art werden zwei oder mehrere Glieder ge- meinsam angesprochen, weil sie auf ein drittes bezogen sind, das ihnen vor- oder übergeordnet ist. Bei der zweiten Art werden zwei oder mehrere Glieder gemeinsam angesprochen, wobei ein Glied dem anderen schlechthin vorgeordnet ist. Diese zweite Art ist für das Verhältnis von Substanz und Akzidenz und für das Verhältnis

so

von Gott und Mensch anzunehmen (Attrihurionsnnalogie).

Analogiefragc eigentümlich. E r

hebt hervor, daß das Sein, das Gott eigen ist, nur ihm zukommt. Von einem Sein des Geschöpfes kann nur so gesprochen werden, wie man im Beispiel des Gesunden

ISA.

Meiste r

-»-Eckehart

argumentiert

in

der

s

636

Analogie

den Prädikato r „gesund " auch der Speise

seeae; erweiterter Sprachgebrauch) . Diese Auffassung wird dann abe r bei F.ckehart mit folgenden Behauptungen verbunden: Das Geschöpf hat kein eigenes Sein, ist in sich nichts. Gott teilt dem Geschöpf, damit es nicht nichts ist, sein eigenes Sein mit

(analogia attributionis intrinsecae). Den schon bei Plotin auftretenden Gegensat z verschärfend stellt F.ckehart also dialektisch, wenn nicht sich widersprechend, die beiden Behauptungen gegenüber: Das Sein ist nur Gott eigen - dasselbe Sein ist als Gotte s Sein in de n Geschöpfe n als ens ab altero et in altera.

zuspricht (« analogia attributionis extritt-

2-5-5. -*Dun s Scotus kritisiert die Auffassung des Aquinnren. Er geht davon aus,

daß Erkenntnis eines „Gemeinsamen" zwischen zwei Gegenständen oder Verhält- nissen nur dann möglich ist, wenn dieses „Gemeinsame" in einem nnivoken Begriff angesprochen werden kann. Flabcn Begriffe, die Ahnliches zusammenfassen, nicht in ihrer Wurzel ein univokes Element, dann sind sie aequivok gebraucht. Nur uni- voke Begriffe sind wissenschaftlich brauchbar. Die metaphysischen Begriffe, z. B.

sind als univoke Begriffe aufzufassen. Sie bezeichnen kein

„genus", sondern sind transzendentale Begriffe. Entsprechend ist auch Gortcserkcnnt - nis ohne eindeutige Begriffe (zumindest mit einem univoken Kern) nicht möglich. Die natürliche Vernunft kann von sich aus das Wesen Gottes nicht erkennen. Sie kann Gott zwar höchstes Sein nennen. Das aber ist ein „konfuser Begriff". Wa s

M

die

Nominalisten (-»-Nominalismus) sind diesen Überlegungen des Duns Scotus insofern gcfolgr, als auch sie der Auffassung sind, daß die Analogie kein Mittleres (Drirtes) zwischen Univozität und Aquivozitär ist, sondern univoke Elemente in sich Z5 schließt. O b die Analogie ein eigenständiges Drittes ist oder univoke Elemente in sich schließt, ist bis heute eine Streitfrage zwischen Thumistcn und Scorisren.

Gott wirklich isr und will, wird im Glauben erkannt und sagbar, in dem Gott, drr

10

15

„seiend"

und

5cin"

sich selbst serzende Will e (potentia absoluta), sich kundtut. —Ockha m und

2.6.1. In der Thomasinterpretation bilden sich zu Beginn der Neuzeit zwei Rich- tungen heraus, die auf der einen Seite durch die Dominikaner Thomas de Vio Cajctanus und Francis Silvester de Fcrrara, auf der anderen Seite durch Francisco

30

Suätez bestimmt werden. Kardinal -»Cajctan, dessen Thomasauslegung für den Schulthomismus, insbesondere des Dominikanerordens, verbindlich wurde, unter- scheidet im Anschlu ß an Thoma s drei Arten von Analogie : 1) die analogia secun- diim esse et non se.cundum inlentionem. Cajcta n nennt diese Analogi e analogia inaequalitatis. 2) die analogia attributionis (Beispiel: gesund). Cajcta n hebt hervor,

35

da ß dem prirnum analogatum die Prädikation formaliter und intrinsecae zukommt . D e m secundum analogaturn komm t die Prädikaiio n nur äußcrlich-uncigcntlich auf- grund einer Kausalbcziehung zu. 3) die analogia propnrtionalitatis. Diese Analogie- form will Cajctan als die primäre erweisen. Sic kann nach seiner Auffassung allein die innere Gemeinsamkeit der verglichenen Größen zum Ausdruck bringen. Die

<to

Proportionalitätsanalogie wird dabei so ausgelegt, daß bei ihr nicht Vcrhältnisgleich- heit, sondern Verhältnisähnlichkeir vorliegt. Die „Gemeinsamkeit" besteht dabei darin, daß Teile der sich aus der Verhältnisbestimmung ergebenden Intensionen für beide Vcrhälrnisse in gleicher Weise gelten. Es handelt sich um eine Vereinigungs- klasse bestimmter Inrensioncn aus beiden Verhältnissen. So spricht Cajctan davon,

45

daß sich eine „Washeit" (Gegenstand) zu ihrem Sein ähnlich verhält, wie sich eine andere Washeit zu ihrem Sein verhält. „Seiend", als die gemeinsame Intension, die beiden Washeitc n zukommt , ist ein Relationsbegrif f (se habens ad esse). Die von Cajctan entwickelte Proporrionalitätslehre ist auf das Verhältnis von Gott und Mensch nur anwendbar, wenn vorausgehend eine Partizipation des geschöpflichen

su

Seins am göttlichen Sein angenommen wird. Dies wird von Silvester von Fcrrara hervorgehoben, der auf die notwendige Ergänzung von innerer Attributionsanalogie und Proportionalitätsanalogie hinweist.

Analogic

637

2.6.2. Suärcz , sich ebenfalls auf Thoma s - und mit mehr Rech t - berufend, ver-

tritt die Attributionsanalogic als angemessene Aussageform. Aufgrund der Attribu- tion allein kann von Gott und Geschöpf etwas analog ausgesagt werden. Die Pro- portionalitätsanalogie ist auf die Attributionsanalogie zurückzuführen. Solange s nämlich hei der Proportionalirätsanalogic nur ein äußerer Vergleich zwischen zwei Verhältnissen aufgestellt wird, kann nichts über die Beziehung der verglichenen Größe n in ihrem Sein ausgesagt werden. Eine atulogia proportionalitotis extrinsecae gibt über das Sein der verglichenen Größe n mehr meh r Auskunft als die analogia

attributionis extrinsecae. nämlic h gar keine. Daru m mu ß nach Suärcz für die Bezie- 10 hung zwischen Gott und Mensch eine innere Attrihutinn angenommen werden. „Seiend" kann von Gott und Geschöpf ausgesagt werden, da Gott dem Geschöpf an seinem Sein innerlich Anteil gibt. Vom univoken Begriff unterscheidet sich dabei der analoge Begriff auch dadurch, daß er signalisiert, daß die analoge Prädikation aufgrund einer inneren Partizipation möglich wurde. Die Auffassung des Stiärez LS wurde für die Thomasinterpretation des Jesuitcnordens (—Jesuiten) bestimmend.

2.6.3. —Luthe r hat den Analogiebegriff als unbrauchba r verworfen. In seinen

Ausführungen zur metaphorischen Sprache der Bibel hebt er hervor, daß die Worte in metaphorischer Verwendung einen neuen Sinn erhalten. Wird von Christus ge- sagt, er ist ein Fels, so wird das alte Wort in neuer Bedeutung gebraucht. Dies ge- 20 schiebt nicht so, daß die alte, übliche Intcnsion des Wortes durch eine neue völlig abgelöst wird. Vielmehr wachsen in der metaphorischen Sprache alte und neue Bedeutung zu einer unteilbaren Einheit zusammen, wobei die alte Bedeutung des als Metapher verwendeten Wortes bis zu einem gewissen Grade aufgehoben wird. Damit trifft Luther genau das Wesen der Metapher (implizirc Analogie). Bei der •U metaphorischen Rede von Gott wird freilich das Problem wichtig, welche Teile der alten Intension eines metaphorisch verwendeten Wortes weiter gelten sollen und wie die neue Bedeutung verstellbar wird; insbesondere bei den Einsetzungsworten (Christus ist Brot und Wein) erhebt sich diese Frage . Luther hat dieses Problem für einzelne Metaphern, aber nicht grundsätzlich methodisch zu lösen versucht.

* In der altprotestantischen -Orthodoxi e des 17. Jh. wird der Analogiebegriff wieder aufgenommen. Man verwirft die Proportionalitätsanalogic zugunsten der Attributionsanalogic, die im göttlichen Akt beschlossen gedacht werden soll. Die Annahm e einer analogia attributionis intrinsecae wird bei den Argumentatione n für eine natürliche Gotteserkenntnis und der Lehre von den göttlichen Eigenschaften u herangezogen. 2.7.i. In der neuzeitlichen Philosophie, Natur- und Geschichtsforschung spielt vor allem der Analogieschluß eine Rolle. Das Unbekannte soll auf dem Wege des Analogieschlusses vom Bekannten her erschlossen werden. Den Erkcnmniswcrt des Analogieschlusses (Wahrschcinlichkcitsurtcil) beurteilt man freilich im Laufe der *> Entwicklung immer vorsichriger. Dem Analogieschluß kommt nur heuristischer Wert zu. Man versucht auch auf dem Wege der Feststellung von Analogien Bezie- hungen zwischen den oberen und unteren Seelenkräften auszusagen. Im Bereich des Instinktiven und Vitalen sind Vorgänge und Srrukruren gegeben, die Ähnlichkeit mit der Vernunft haben (—Lcibniz) . Vernunftähnliches (analogun Talionis), so stellt *s die Tierpsychologi e des 18 . Jh . fest, findet sich auch im Bereich des instinktiv situa- tionsgerechten tierischen Verhaltens. A. C. Baumgarten bezeichnet das Prinzip der sinnlichen Erkenntni s als Analogon rationis und unterscheidet es vom Verstand als Prinzip der Vernunfterkenntnis. Im Anschluß an diese Unterscheidung bildet er seine -'Ästhetik aus. so 2.7.2. —Kant bestreitet die Voraussetzungen, die der scholastischen Analogic- lehre zugrundeliegen. Einerseits ist die Behauptung, daß unsere sprachliche Er- schließung der Wirklichkeit die Wirklichkeit „an sich" erfaßt, philosophisch nicht begründbar. Andererseits bestreitet Kant in der Kritik der —Gottesbeweise, da ß

538

Analogie

philosophisch cinc Existenz Gottes als Grund und Einheit der -»Welt angenommen werden müsse. Eine Anributionsanalogic, die von einer Partizipation des Seienden am gottlichen Sein ausgeht, kann nicht vorausgesetzt werden. Allenfalls kann die Analogie a b Schlußverfahren zugelassen werden. Allerdings schränkt Kant hier ein, 5 daß man auf dem Wege des Analogieschlusses nicht wie in der Mathematik von dici bekannten Gliedern aus die Existenz und Eigenart des vierten Gliedes er- schließen kann. Der Analogieschluß gibt in der Philosophie nur eine Regel an, wo und wie ein unbekanntes viertes Glied in der Erfahrung zu suchen und gegebenen- falb gefunden werden kann. Unter diesem Vorbehalt steht auch die Rede von den 1 J »Analogien der Erfahrung" bei Kant. -•Erfahrung ist nur möglich, wenn die ver- schiedenen Wahrnehmungen der Erscheinungen miteinander verknüpft werden. Zur Einheit der Erfahrung kommt es nur, wenn die Verknüpfung der Wahrnehmungen in der Erfahrung nach sie regelnden Grundsätzen geschieht. Diese Grundsätze sind die Analogien der Erfahrung. Sie sagen nichts über die Wirklichkeit an sich aus, i» sondern haben regulative Funktion. Als solche Analogie nennt Kant: die Beharrlich- keit der Substanz, das Gesetz der -»Kausalirät, das Gesetz der Wechselwirkung.

2.7.3. Vo n Gewich t erweisr sich der Begriff de r Analogie im Zusammenhan g

der Methodendiskussion in der Geschichtswissenschaft im 19. und 20 . Jh. (-»Ge- schichte). Für die Theologie wird diese Diskussion wichtig im Vollzug der histo- ao risch-kritischen Forschung. E. —-Trocltsch nennt in seiner Zusammenfassung der Prinzipien historischer Forschung: Analogie, Kritik, Korrelation. Die Anwendung der Analogie als Prinzip, die von der prinzipiellen Gleichartigkeit allen Geschehens ausgeht, soll dazu dienen, das schwer Versrändlichc vom Verständlichen her, das Ferne und Fremde vom Nähcrliegenden her zu erfassen und zu beurteilen. Darin 2i wird die Anwendung dieses Prinzips zum Schlüssel der Kritik.

auf

das Analogleprinzip im historischen Forschungsprozeß nicht zu verzichten. Es erlaubt, in

Trocltsch

vermengt

in

diesen

Ausführungen

zwei

Gedankengänge.

Zum

einen

ist

Hinrcrgrund

der Einsicht des Gemeinsamen das .Besondere* zu erfassen um! zu beschreiben. Die An-

Vergangenheir

und

Gegenwart

das

Gemeinsame

zu

erkennen

und

auf

dem

30

Wendung der Analogie führt zur Erweiterung unseres Horizontes. Wird aber zum anderen das Anaiogicprinzip zum .Schlüssel" der Kritik gemacht oder gar von der Allmacht der Analogie gesprochen, wird aus einem begrenzten Prinzip der Forschung ein metaphysisches Prinzip. Um die damit aufgegebenen Probleme kreist die Methodendiskussion der Ge- schichtsforschung. E. Meyer hat darauf hingewiesen, daß eine solche Auffassung des Ana-

ü

logieprinzips

dazu

führt,

daß

auf

Kosten

der

Erfassung

und

Hervorhebung

des

Gemein-

wird.

Orientie-

Analogicprinzips

führt

40 die Verwendung des Analogjcprinzips als metaphysische» Prinzip dazu, alles Ungewohnte, unsere Erfahrung Obersteigende bzw. ihr Widersprechende von vornherein als irreal ab- zurun. Hiergegen wenden sieh neuere Auffassungen der Geschichtsforschung, die unter Verweis auf wisscnschaitsthcoretische Überlegungen zur Geltung von empirischen Ge- setzen, zur Wirkiinfageschichte und zur Offenheit für die Zukunft die ausschließliche

samen

Die

rung

im

und Typischen

Anwendung

des

an

der

Gegen watt

begrenzten

Sinne

nicht

die Erfassung des Besonderen und Individuellen vernachlässigt

Analogieprinzips

(H. F. Weber).

notwendig

in

diesem

Sinne

führt

zu

einer

einseitigen

Dies

ist

(Dilthey;

bei

einer

Anwendung

des

F. Kaufmann!

E. Cassirer). Schließlich

4S

Gültigkeit

von

Analogieschlüssen

angreifen.

Ein

berichtetes

Geschehen

darf

nicht

dann

schon

in

seiner

Faktizitit

bestritten

werden,

wenn

es

unserer

Erfahrung

und

F.rwarrung

widerspricht.

Es

ist

erst

als

irreal

anzusehen,

wenn

sieb

positive

Analogien

zu

irrealen

l/berürferiingen

aufweisen

lassen

(Pannenberg).

Es

bleibt

freilich

ein

Problem

der

Ge-

schichtsforschung,

zu

bestimmen,

wo

die

Grenze

zwischen

begrenzter

Verwendung

des

Ä Analogiepnn7Íps in der Forschung und seiner Verwendung als metaphysisches Prinzip liegt.

3.

Die

neuere

theologische

Diskussion

 

3J.

In

Auseinandersetzung

mit

Ma x

Schelr r

greift

E. Przywara

den

von

Cajeta n

gebrauchten

Analogía

Begriff

analogía

entis

bezeichnet

für

entis

auf

und

führt

ihn

in

die

neuere

Przywara

das

„Form-Prinzip" ,

das

Diskussion

die

ein.

Beziehungen

ss

de s Seienden zueinander und

die

Beziehung

des

Geschöpfe s

zu

Got t

bestimmt .

Di e

Analogie

ist

die

Mitte

und

das

Maß .

Sie

hält

das

Seiende

in

seiner

Identität

und

Analogie

6 3 9

Untcrschiedenheit zusammen. Aristoteles hat nach der Interpretation von Przywara das Sein als analog bestimmt, als das Mittlere, das den Ur Gegensatz von Sein als Identität und Sein als Widerspruch einschlicht. Weder ist alles In Bewegung (Hcra- klit), denn dann gibt es kein Sein und das Sein wird zum Nichts, noch ist alles in Ruhe (Parmenides), deun dann gibt es keinen Wandel der Dinge zwischen Sein und Nichtsein. Das analoge Sein „ist im nicht", ist dynamische Urbewcgung, die im Wandel alles Seienden wirkt. Es ist das Mittlere, die Schwingung, die die Extreme einander zuordnet und in einer Einheit in Spannung zusammenhält. Die Analogie als „Proportion gegenseitigen Andersseins" bestimmt das All in seinem „Kreisum- schwung", gibt ihm seinen Rhythmus. Hat Aristoteles diesen All-Rhyihinus als ein letztes angesehen, bricht die Bestimmung des IV. Latcrankonzils diese ewige, in sich ruhende Kreisbewegung in der Aussage, daß jede Ähnlichkeit von einer größeren Unähnlichkeit umgriffen ist, auf. Die Bestimmung des Laterankonzils, nach Przy- wara de r locus classicus der Analogidehrc , ersetzt den aristotelischen Kreisum- schwung durch eine letzte Proportion, die das All in den Rhythmus des Unend- lichen, des je immer anderen Gott hineinstellt. Zur „waagrechten Analogie", der „Proportion zwischen Anders und Anders" tritt, sie querend, die senkrechte Ana- logie der Ähnlichkeit zwischen Gott und Geschöpf, die von immer größerer Un- ähnlichkeit umgriffen ist. Analogie ist nun zu verstehen als dynamische Mitte zwischen Identität und Widerspruch, zwischen Ähnlichkeit und größerer Unähnlich- keit, von oben hinein gestiftet und über sich hinausweisend, ein „dynamisches Hin und Zurück zwischen Uber-hinaus und Von-obcn-hincin" . Diese Analogie ist letzter objektiver Rhythmus im Sein und zugleich letzter subjektiver Rhythmus im Denken. Sic ist das Formprinzip, das all unser Denken, Philosophie und Theologie bestimmt. Damit ist freilich kein Prinzip natürlicher Theologie gegeben. Die Einsicht in die Ähnlichkeit des Seienden und die Ähnlichkeif zwischen Gott und Geschöpf führt

ja immer zur Einsicht in die noch größere Unähnlichkeit. Jede wehere Einsicht führt s o zur letzten unbegreiflidicn Tiefe . De r We g der Analogie kann als reduetio in mystcrium beschrieben werden . Di e Philosophie , die sich mit dem Seienden befaßt, sofern es ist, kann - sie muß es nicht und tut es im Banne der Sünde oft nicht - aufgrund der Einsicht in die Analogizität des Seins offen werden für das

Geheimni s der Tiefe , von dem sie imme r schon getragen ist. Theologi e ist

det im Sich-Offenbaren des Schöpfers. Ihr eignet die umgekehrte Bcwcgungsriditung:

von oben nach unten. Philosophie und Theologie dgnet, daß sie die Analogie zwischen Gott und Geschöpf zur Sprache bringen. Ihre unterschiedlichen Bcwegungs- richtungcii treten in eine analoge Spannungscinhcit, in der die Theologie von der Offenbarung lierkommcnd über die Philosophie hinausweist: Theologie in-über Philosophie, Glaube in-über Verstehen. Unter analogia fidei versteht Przywara den schwebenden Zusammenhan g aller Offenbarungsaussagen. Altes und Neues Testament stehen im Verhältnis der Ähn- lichkeit so zueinander, daß das Neue Testament im Alten Testament verborgen ist, und das Alte Testament sich im Neuen Testament öffnet. Andererseits steht das Neue Testament zum Alten Testament in einem Verhältnis noch größerer Unähnlich- keit, über das es in seiner Perspektive eines „neuen Himmels und einer neuen Erde" hinausgeht. Alle Offenbarungsaussagen dürfen nicht für sich einzeln genommen werden, sondern müssen im Zusammenhan g der analogia fidei gesehen werden, die als letzte innere Rhythmik die einzelnen und sich zum Ted widersprechenden Aus- sagen zu einer Einheit zusammenbindet. Gott erscheint in diesem schwebenden Zusammenhang vaterhaft, sohnhaft und geisthaft, als ökonomische -»Triniüit. Das Mysterium der Trinität, das in der I Icils-Ökonomic wirkt, weist über sich hinaus auf die je größere Unähnlichkeit des Mysteriums der Trinität in sich. So kann für da s Verhälrnis von analogia entis und analogia fidei gesagt werden : Als Formprinzi p bestimm t die analogia entis die analogia fidei. In der Offenbarun g offenbar t sich

gegrün-

640

Analogie

Gott als der, der sich in jeder noch so großen Ähnlichkeit zum Geschöpf bis hin zur Menschwerdung Gottes als der je Unähnliche erweist. Das setzt und verhindert zugleich jede Identifikation zwischen Got t und Mensc h (analogia cutis in analogia fidei). Insofern jede Offenbarun g Gotte s Got t und sein Geheimni s sichtbar mach t und zugleich die je größere Unahnlichkeit des Geheimnisses Gottes deutlich werden

läßt, gilt, da ß die analogia cutis jede analugia fidei aufbricht, über sie hinausführt {analogia entis übe r analogia fidei). In der analogia entis sieht Przywara da s karho- lischc Prinzip. Mit diesem Prinzip wird die Mitte gewahrt zsvischen Gort und Mensch, den Spannungen des Seienden. Als Formprinzip wirkt es in und bestimmt

die analogia fidei, die ihrerseits den schwebenden Zusammenhan g der

aussagen und der auf sie gegründeten Glaubensaussagen der Kirche und der theolo- gischen Richtungen schafft. Der Schwcbccharakter dieses Analogieverständnisses macht es schwer, genauere sprachkritische Unterscheidungen zu treffen. Jede Aussage wird bei Przywara dia- lektisch wieder aufgehoben (Nähe zu -»-Hegel). So scheinr die Konsrrukrion dieses Analogieverständnisses mehr Ausdruck einer Glaubens- und Lebenshaltung zu sein, als inhaltliche Bestimmungen zu vermitteln. 3.2. Karl —Bard i hat gegen den Begriff analogia entis und seine Verwendun g in theologischen Aussagen scharf protestiert. Analogia entis wird bei Bart h nicht defi-

niert. Aus seinem Proresr geht jedoch hervor, daß er die Spitze der Lehre von der analogia entis darin sieht, da ß hier eine Erkennbarkei t Gotte s außerhal b der Offen - barun g angenomme n wird . Di e Red e von der analogia entis impliziert für Barth die ontologische Aussage, Gorr und Geschöpf sind sich in ihrem Sein ähnlich, und die noetische Aussage, Gott kann aufgrund der Ähnlichkeit in natürlicher Gottescikennt- nis erkann t werden. O b Bart h dami t der Bestimmun g von analogia entis bei Przywara gerechr wird, ist umstritten. Zumindes t trifft seine Kritik der analogia

Antichrists**) eine in der katholischen

Theologi e explizit und implizit vertretene Auffassung von analogia entis. Barth

Gotte s

mit sich bringt, einmal außerhalb der Offenbarung, einmal innerhalb der Offen- barung . Da s verstößt nach Bart h gegen die Trinitätslehr c [opera ad extra sunt indifisa). Weiterhi n abstrahiert die Behauptun g einer analogia entis von dem kon - kreten Gcschichtshandcln Gottes und subsumiert Gort und Welt unrer eine allge- meine abstrakte Scinsidcc. Der Primat Gottes ist damit nicht mehr eindeutig gewahrt. Das Gott-Wclt-Vcrhaltnis kann umgedreht werden. Es kann ebenso vom Menschen zu Gott wie von Gott zum Menschen gedacht werden.

Gege n die Lehre von de r analogia entts setzt Barth eine Analogiekonzeption , die e r selbst als analogia fidei bezeichnet. Unter Analogie versteht Bart h ein Mittleres zwischen Gleichheit und Ungleichheit, ohne genauer zu differenzieren, ob die Gleich- heit nun in einer Menge gemeinsamer Intensioncn besteht oder nicht. Vielmehr spricht er immer wieder in dialektischen Formulierungen von einer teilweisen Entsprechung und Übereinstimmung, die aber nicht quantitativ festKeiegt werden dürfe. Di e analogia fidei beschreibt nach Bart h das Verhältnis zwischen Got t und Mensch. Sie ist nicht mit der Schöpfung gesetzte, sondern allein im Glauben wirk- liche Analogie des Seienden zu Gott. Gott hat diese Analogie gesetzt und geschaffen in seinem Offenbarungshandcl n in Jesu s Christus ; darum : analogia fidei seu reve-

talionis. Got t und Mensc h dürfen

nie und nirgends anders als in dem Name n Jes u

Christi zusammengedacht werden. Die Analogie besteht nun darin, daß der Mensch durch das Handeln Gottes in seinem Handeln, nämlich im Glauben an Gottes Wort, angepaßt, „gottförmig" wird, und sich damit konkretes Tun Gottes und des Men- schen entsprechen. Analogia fidei schließt eine Entsprechung der Bereitschaft bei Gott und Mensch ein: Gott ist bereit, sich als Herr, Schöpfer und Erlöser zu erken- nen zu geben. Der Mensch ist bereit, für Gottes Gnade offen zu werden. Diese

lehnt eine solche analogia entis ab , da sie eine Aufteilung der Erkenntni s

entis („große Truglchrc" , „Erfindun g des

Offenbarungs -

Analogie

641

Analogie zwischen Gott und Mensch ist nach Barth eine durch das Offenbarungs- handeln Gotte s gesetzte analogia attributtonis, und zwa r eine analogia attributionis extrinsecae. Bart h will mit dieser Bestimmun g klarstellen, da ß das Analogo n in keiner Weise Besitz oder Eigenschaft des Menschen ist. Es wird bewirkt durch das

s

Handeln Gottes und hat seinen Bestand allein in der Beziehung zu Gott. Auf- grund dieser Attributionsanalogie ist es in der Theologie möglich, analoge (und nicht nur aequivoke) Aussagen von Gort zu machen. In Bartlis Erörterungen der Gottebenbildlichkeit des Menschen taucht ein neuer Begriff auf: analogia relationis. Ausgangspunk t fü r die Bestimmun g des Begriffs

10

analogia relationis ist für Bart h da s innertrinitarische Sein Gottes . Got t ist in Beziehung. Gott entspricht sich. Diese innertrinitarische Relation ist das Urbild und der Grund aller anderen Relationen. Dem entsprechend ist die Erwählung Jesu Christi eine Relation. Gott erwählt in derselben Liebe, in der er in sich selbst ist, den Menschen Jesus. Darum ist die Relation zwischen Gott und Jesus analog den

15

Relationen im Sein Gottes. Von daher läßt sich auch das Verhältnis von Gott zur Kreatur als analoge Relation bestimmen: Zwischen dem In-Bczichung-Scin Gottes und der Beziehung zwischen Gott und Kreatur besteht eine Analogie. Durch die Beziehung Gott-Jesus vermittelt läßt sich eine analoge Relation zwischen Gottes ln-sich-scin und seiner Beziehung zum Menschen aussagen. Von dieser zweiten

70

Relation her (Gott-Kreatur) läßt sich eine dritte Relation aussagen: So wie Gott in Beziehung ist, ist auch der von ihm geschaffene Mensch in Beziehung (Relation:

Z5

Ich-Du, Mann-Frau). Auch diese Analogie darf nicht als eine scinsmäßig feststehende Analogie ausgesagt werden. Si c ist durch die erste und zweite analogia relationis ontisch und poetisch vermittelt. Barth vertritt hier eine im Offcnbarungshundeln Gotte s in Jesu s Christus begründete analogia proportionalitatts extnnsecae (obwoh l er da aufgrund von Mißverständnissen der Proportionalitätsanalogie bestreitet).

Im Unterschied zur scholastischen Tradition ist die Proportionalirätsanalogie bei Barrh nicht in einer analogia entis (Partizipation) gegründer, sondern in der analogia fidei. I m Begriff der analogia fidei, in den These n zur Entsprechung der Bereitschaft, lo ist bei Bart h die später genauer entfaltete analogia relationis schon angelegt. E r geht jedoc h in der expliziren Ausführung der analogia relationis insofern einen Schritt weiter, als er genauer zeigt, daß in den Strukturen der Schöpfung die Voraus- setzung für die Verwirklichung eme r analogia reiationis angelegt ist. Die Schöp - fung ist für Barth der äußere Grund des Bundes, der Bund aber der innere Grund

35 der Schöpfung. Die „Voraussetzung'' ist also chtistologisch zu interpretieren. Der

äußere Grund, die Voraussetzung, ist ermöglicht in Gottes liebendem Ja zum Men- schen, in seinem Bundcswillcn. Um dieses J a willen schafft Gott den äußeren Grund und ermöglicht ihm, „Voraussetzung'* für die Selbsterschließung Gottes in Jesus Christus zu sein. Insofern es sich abe r hier nur u m eine Möglichkei t handelt, die «in erst zu verwirklichen ist und faktisch im Banne der Sünde, der unmöglichen Möglichkeit , nicht verwirklicht ist, kan n nicht von einer analogia entis gesprochen werden. De r Begriff der analogia entis verma g nich t den christologisch zu inter- pretierenden Schöpfungsbcgiiff, die Offenheit der Relation als Möglichkeit und den damit korrespondierenden Geschenkcharakrer von Gottes Zuwendung zum Ausdruck

«s

zu bringen. I m Ausdruck analogia fidei wird Gotte s Gnadenhandel n unverkürzt zur Sprache gebracht und der Aufruf, sich in und von dieser Gnade einschließen zu lassen, formuliert.

Als

analogia

operationis

schließlich

bezeichnet

Bart h

die

Ähnlichkeit

zwischen

dem Wirken Gottes und dem Wirken des Geschöpfes. Die Ungleichheit zwischen

so

Gort und Mensch hat ihren Grund im unterschiedlichen Charakter des Wirkens. Gottes Wirken hat den Charakter reinen Setzens. Der Mensch ist Gesetztes, Ge- schaffenes. Eine Ähnlichkeit zwischen Wirken Gottes und des Menschen bestehr nur darin, daß Gortes Witken am Menschen ebenso wie das Wirken des Menschen ein

642

Analogie

Wirken am schon Gesetzten, Veränderung eines schon Wirkenden ist. Auch hier gilt wieder, daß solche analoge Relation nicht allgemein und unabhängig van Gottes Offeubarungshandeln, sondern durch die Offenbarung noeusch und ontisch erkenn- bar und aussagbar wird.

3.3. In Auseinandersetzung mi t Karl Bart h ist au f katholischer Seite - neben

dem Festhalten an einem von Thomas geprägten Standpunkt - vor allem von Gött- lich Söhngen und Urs von Balthasar eine neue Interpretation des Analogiebegriffs vorgelegt worden. Im Rückgriff auf Einsichten der franziskanischen Tradition (Bo- naventura) wird Barth darin zugestimmt, daß die Erkenntnis Gottes nur aufgrund der Offenbamng möglich ist. Got t kann vom Menschen nur aufgrund seiner Selbst- mirrcilung, seines Offcnbarungstmndclu s (Tätigkeilsordnung ) erkann t werden. Aw«»- login entis kann und dar f nicht als ein Erkcnntnispritizip angesehen werden, das Rückschlüsse vom endlichen Sein auf Gottes Sein erlaubt. Durch die Gnade allein

wird der Mensc h zur Teilhab e an Got t erhoben . Es gibt hier nur eine analogia fidei, die im Unterschied zu Barth als eine analogia proportionalHatis intrinsecae aufgrund

jedoc h

festhalten und glaubt eine s o verstandene analogia

entis auc h in Kar l Barth s Auslegung der analogia fidei impliziert. I m Offcn - barungsgcschchcn, so Söhngen, wird gerade sichtbar, daß zwischen Gott und Mensch unterschieden werden muß. Soll nicht im Ereignis der Offenbarung der Unterschied zwischen Gott und Mensch nivelliert werden, muß das unaufhebbarc Gegcnübcrscin zwischen Gott und Mensch im Begriff des kreatüriiehen Seins festgehalten werden. Die Gnade ist nicht etwas, das Gott dem Menschen schuldet, damit er überhaupt sein kann. Um des Gcschcnkcharaktcrs der Gnade willen, muß der Vermischung von Gnade und Natur gewehrt werden und dem Geschöpf ein eigener Wesensstand zugesprochen werden (analogia entis in analogia fidei). Die Geschöpf e sind als Geschaffene nichr gördichen Wesens und zugleich als Geschaffene Gott nicht völlig

unähnlich. Da s kreatürliche Sein ist analo g dem göttlichen Sein [analogia entis als Wesensordnung und tnitfolgcnd auch als Tätigkeitsordnung). Auch Barth, so wird interpretiert, geht davon aus, daß die Schöpfung die „Voraussetzung" für die Selbstcrschließung Gottes und das Entsprechenkönnen des Menschen ist. Die Glau- bensanalogie hat ihren äußere n Grun d in einer analogia relationis, die als analogia

entis verstanden werden muß . Dabe i versucht ma n die Natur , die der

gesetzt ist, so formal wie möglich zu fassen: Die Voraussetzung, so von Balthasar,

besteht allein im Geschöpfsein. Dieses und sonst nichts setzt die Gnade in ihtem Gescheukcharakter voraus. O b sich diese Argumentation auf eine Übereinstimmung mit Barths Auffassung berufen kann, ist fraglich. Zweifellos hat Barth in der

Entfaltung der analogia relationis als Voraussetzung der Offenbarun g die strukturelle Möglichkeit der Entsprechung zwischen Gott und Mensch angenommen, aber er redet eben nur von einer Möglichkeit und nicht von einem analogen Sein.

3.4. Got t mu ß nach Paul -»-Tillich Sein-Selbst, Letzter Grun d und Abgrund de r

Wirklichkeit, Macht über Sein und Nichtsein genannt werden. Von diesem Sein- Selbst ist einerseits auszusagen, daß es alles endliche Sein transzendiert. Es gibt kein Verhältnis zwischen endlichem und unendlichem Sein, nur einen unendlichen „Sprung". Andererseits ist das Sein-Selbst als die Macht anzusehen, an der alles endliche Sein partizipiert. Weil die Macht über Sein und Nichtsein im Akt der Schöpfung dem endlichen Sein Anteil an seiner Scinsinacht gegeben hat, kann das endlich Seiende dem Nichtsein, das es zu verschlingen droht, wiederstehen. In Gott gibt es das Element des Abgründigen und Unerschöpflichen. In Gott gibt es als weiteres Element das Element der Struktur, des Sinnes, des Klaren und Faßbaren. Dieses Element kann göttlicher Logos genannt werden. Im Logos spricht Gott sein Wor t in sich selbst und über sich selbst hinaus. Der göttliche Logos schafft die Welt. Er schafft die objektive Vernunft, die Struktur der Wirküchkeit, und die

innerer Attribution

innerhal b dieser Voraussetzungen

zu bestimme n

ist. A m

Begriff der analogia

entis

will

ma n

Gnad e voraus-

Analogie

6 4 3

subjektive Vernunft, die Struktur des menschlichen Geistes. Der göttliche Logos, der unendlich ist, geht in das endliche Sein ein und treibt die endliche Welt und

den Menschen immer wieder über sich hinaus. Die Partizipation an der göttlichen Seinsmächtigkeit erlaubt es de m Menschen , analo g von Got t zu reden. Di e analogia entit ist für Paul Tillic h Grundbedingun g sinnvollen Redens von Gott , Aufgrund

der Schöpfun g durc h de n Logo s isr auc h ein e analog e

und Wirklichkeit anzunehmen. Es verbindet Gott und Wirklichkeit, Mensch und Welt ein gemeinsamer Logos. So können die polaren Elemente des Seins und die Kategorien analog zur Beschreibung des Wesens Gottes und seiner Beziehung zur Wirklichkeit angewendet werden. Dieser analoge Gebrauch von Ausdrücken aus der Erfassung der Wirklichkeit für Gott hat freilich eine doppelte Grenze: Von Gott kann nicht analog als Selbst oder als Welt geredet werden, denn beide Begriffe implizieren die Trennung vom jeweils anderen Begriff. Gott aber umfaßt alles, ist die unendliche, ungetrennte Scinsmacht. Auf Gort ist auch nicht die Unter- scheidung von Essenz und Existenz anzuwenden. Unter den Bedingungen der Existenz kann nie von der Essenz eines Dinges alles verwirklicht werden, was potentiell möglich ist. In Gott aber sind Potcntialität und akruelle Verwirklichung deckungs- gleich.

Struktu r zwische n Mensc h

Tillic h vertritt als o eine analogia proporlionalitatis aufgrund innerer Attribution. Um die Unterscheidung zwischen göttlichem und kreaturlichem Sein besonders zu betonen, spricht er dialektisch davon, daß das Sein-Selbst alles endliche Sein unendlich Übersteigt und ein univoker Begriff ist. Andererseits redet er analog von der Mach t übe r Sein und Nichtsein, die e r via eminentiae, via negatiottit und via causalitatis mit Begriffen auf unserer Wirklichkei t beschreibr. Wär e „Sein-Selbst " nur ein univoker und nicht zugleich dialektisch ein analoger Begriff, könnten wir keine Bedeutung mit diesem Begriff verbinden, weil wir ihn nicht mit unserer üblichen sprachlichen Erschließung der Wirklichkeit in Beziehung bringen könnten. Analogia entis ist für Tillic h die Grundbedingun g sinnvollen Reden s von Gott , abe r analogia entis ist nac h Tillic h kein Prinzip einer natürlichen Theologie . De r Mensch kann in vernünftiger Reflexion seiner Situation, seiner Endlichkeit und Enrfrcmdung nur die Frage nach dem Sein-Selbst und einer die Entfremdung über- windenden Macht des Neuen Seins stellen. In philosophischer Reflexion reden wir metaphorisch oder analog von Gott und Sein-5elbst. Als symbolisch ist die analoge Rede von Gott dort zu bezeichnen, wo nicht nur fragend und behauptend ein Ciorrcs- oder Seinsbegriff konstruiert wird, sondern von der Erfahrung Gottes itn Offenbarungsgeschehen her von Gott als betreffender Wirklichkeit geredet wird.

In diesem Zusammenhang ist der von Tillich verwendete Begriff analogia imaginis näher zu entfalten. Im Offcnbarungsgcschehcn vermittelt sielt Gott durch endliche Medien (Dinge, Menschen, Worte). Die Medien, die Anteil an der Scinsmächtigkeit Gottes erhalten, werden zu Hiuwcissymbolcn auf Gott. Sic sind in besonderer Weise sprechend. So ist der Mensch Jesus zum Medium der Ictzrgültigcn göttlichen Offcnbaning geworden. Durch ihn vcrmirtclt sich die Macht des Neuen Seins. In der Aufnahme dieses Oftenbarungsgcschchcns durch die Jünger und ersten Zeugen ist bei diesen aus ihter unbedingten Betroffenheit heraus ein ;.Biid " von Jesus dein Christus entstanden. Die Macht des Neuen Seins, die sich durch Jesus vermittelt hat, hat in diesem Prozeß gewirkt und dieses „Realbild" entstehen lassen. Man kann nun nach Tillich sagen, daß zwischen diesem Bild von Jesus Christus und dem persönlichen Leben Jesu, aus dem und an dem dieses Bild entstanden ist, eine analogia imaginis vorliegt.

Wir sehen, daß Tillichs Position in der Analogiefrage sehr stark an die Position

von

führung des Begriffs analogia imaginis im obigen Sinn geben dabei seiner Konzeptio n

Söhngen

und

von

Balthasar

angenähert ist. Symbol Verständnis und die Ein-

das besondere

Gepräge.

 
 

3.5.

W . Pannenberg

geht davon aus, daß

wir nur

analog

von

Gott

reden

können.

D a

Gott

in

unserer

Wirklichkeit

nur

vermittelt,

nur

indirekt

begegnet,

können

wir

644

Analogie

nur in Übertragung anderweitig gebildeter Wörter von Gott reden. Dieses un- umgängliche analoge Reden von Gott ist streng zu unterscheiden von der Behaup- tung einer Analogie zwischen göttlichem und gcschöpflichcm Sein. Weil wir nicht anders können , mu ß eine analogia noininum angenommen werden; eine analogia S entis aber isr fraglich. Analogie, so entfaltet Pannenberg, sich der Auffassung des Duns Scotus anschließend, setzt immer schon ein univokes Element voraus. Analoge Prädikation hat einen univoken Kern. Der Versuch, Analogie als ein eigenständiges Drittes auszuweisen, ist als gescheitert anzusehen. Der AnalogiegeJankc dient zur Bestimmung des Unbekannten aus dem Bekannten. Die heuristische Kraft der w Analogie beruht darauf, daß im Unbekannten derselbe Logos wie im Bekannten waltet und darum analoge Züge aufgedeckt werden können. So beruht auch der Rückschlu ß aus de r Schöpfun g auf Got t in der Annahm e einer analogia entis auf der Voraussetzung eines gemeinsamen Logos. Solche Annahme hat nach Pannenberg den Charakter eines geistigen Zugriffs, der Gott unangemessen ist.

15

Thomas von Aquin, FL Przywara wollen im Analonicbegriff die Unendlichkeit und Größe Gottes zur Sprache bringen, aber der Gedanke der analogia entis widersetzt sich von seinem Wesen her dieser Intention. Auch Karl Barths ontologiscfac Aussagen im Rah- men seiner Entfaltung der analogia relationis widersprechen seiner Intention. Entweder gilt, wie Barth immer wieder hervorhebt, da« man von einer Ähnlichkeit zwischen Gott und

20

Mensch nicht im allgemein üblichen Sinn von Ähnlichkeit reden kann. W.ij soll dann aber das Wort Analogie in diesem Zusammenhang noch bedeuten i Im Begriff der analogia attribmionis extrinsecae, auf dem Barth beharre, ist der Begriff der Analogie gesprengt. Oder aber es wird, auch nach Barth, von einer tatsächlichen Ähnlichkeit ausgegangen, die im Offenbarungsgeschehen verwirklicht wird (Gottförmigkcir), dann schwingt steh der

25

Mensch gleichsam zu einem nctirralen

Zuschauer

auf,

der

eine

Synthese

zwischen

zwei

Größen

herstellt. Damit wird

man

dem

Geheimnis-

und Begegnungscharakter

der

Gemein

schaft mit Gott nicht gerecht.

 

Als Alternative entwickelt Pannenberg folgende Auffassung: Unser unvermeidlich analoges Rede n von Got t darf nicht zur Annahm e einer analogia entis verleiten.

30

Vielmehr eignet dem analogen Gebrauc h der Wort e eine, wie es F

Schlink

bezeich-

net hat, doxologische Struktur. Hier wird Analogie benutzt, aber nicht intendiert.

Im anbetenden Reden bringt der Lobpreisende sein Ich zum Opfer und damir auch die Eindeutigkeit seines Redens. Die Wörter werden gleichsam entlassen, um von

Gott her in ihrer Bedeutung neu gelernt zu weiden. Sie öffnen sich unbegrenzt der is götdiche n Wirklichkeit . Die gesetzte Analogie wird im Ak t der Anbetun g trans- zendiert, die Wörter werden acquivok. Dies bedeutet nicht Beliebigkeit. Wie der Anlaß für die Anbetung die bestimmte Erfahrung göttlichen Handelns ist, so ist

Ma n kann hier von

einer aequwocatio a consilio reden. Di e geschichtlichen Erfahrungen Gotte s und «) insbesondere die Offenbarung Gottes in Jesus Christus bestimmen unsere Weise des Redens und unsere Wahl der Wörter. In der Aufcrweckung Jesu hat Gott diese Metaphorik unseres Redens von Gott, die auch Jesus teilt, selbst angenommen.

3.6. I. T . Ramse y ha t vo m sprachanalytischen Gesichtspunk t he r die Diskussio n

um das Analogieverständnis bereichert. Er untersucht die logische Struktur des

43 Wortes Gort und der Beschreibungen Gottes. Das Wort Gott ist ein „apex word " (Schlüsselwort, Inregratorwort). Es ist in seiner Eigenart mit den Wörtern „ich" oder „Welt" zu vergleichen. Das Wort „ich" umfaßt einen Menschen in seiner Gesamtheit. Wer ich bin, das kann man nicht definieren. Ma n kann nur beschreiben, wie ich in verschicdcncu Situationen bin. Aber auch solche Beschreibung gibt nur

so bedingte Auskunft . Da s Wese n eines Menschen , sein Ic h erschließt sich uns viel- mehr in besonderen Situationen, in denen uns aufgeht, wie er ist. Die Umgangs- sprache charakterisiert solche F.rschlicßungssituarinncn in den Wendungen „ein Licht geht mir auf", „das Eis bricht". Das Wort Gott in das umfassendste Inregratorwort. Es umfaßt alles und ist nicht mehr hinterfragbar. Es enthüllt sich uns in F.rschlic-

auch die Wahl unserer Worte von dieser Erfahrung geprägt.

Analogie

645

ßungssituationen und weist auf eine Wirklichkei t hin, in der Welt und Mensc h gegründet sind. Der Gebrauch des Wortes Gott fordert uns heraus, nach dieser Wirklichkeit zu fragen. Die Beschreibungen Gottes können dabei hilfreich sein. So haben die traditionellen Beschreibungen Gottes, z. B. erste Ursache, unendlich gut, s eine doppelte Funktion: Sic sind Modelle und enthalten bestimmte Qualifikationen. Es gibt zwei Modellarten: die mafssrabgerrctic Abbildung und das „analoguc mo - del", oder wie Ramsey lieber sagt, das „disclosure model". Letzteres Modell, das in der theologischen Beschreibung Gottes verwendet wird, isr kein maßstabgerreucs Modell, sondern zeigt uns etwas von der Struktur des Originals. Es hebt besondere

u

Charakteristika hervor und gewährt besondere Einsicht. Es ist nicht das einzige Modell des Originals, sondern eines unter vielen, die jeweils einen Zug des Originals hervorheben. Die Qualifikation aber, die in diesen Modellen zur Sprache gebracht wird, z. B. das „erste" in erster Ursache, weist uns darauf hin, daß die Wörter in ganz bestimmter Weise Verwender werden. Die Qualifikation „erste" nötigt uns

u

etwa, in der Reihe der Ursachen immer weiter zurückzugehen, bis wir vor einer eigentümlichen Erkenntnissiruation stehen: vor einem Geheimnis. Nur in Erschlie- ßungssiru.irioncn, die uns radikal betreffen, können die Qualifikationen gefüllt und verstanden werden - auch wenn letztlich der Gchcimnischaraktcr bleibt.

wird deutlich, da ß Ramse y von ganz anderer Seite aus ähnlich wie Pannen-

»:

berg argumentiert. Im Unterschied zu Pannenbcrgs Auffassung haben die Aus-

führungen

Ramseys

allgemein

rtligionsphilosophischen

Charakter.

3.7.

E. Jüngel stellt in seinen Untersuchungen zur theologischen Relevanz der

Metapher heraus, daß die religiöse Sprache durchweg metaphorisch ist. Dies gilt auch für die Sprache des christlichen Glaubens. Die Differenz zu anderen Religionen

zs

liegt im unterschiedlichen Gebrauch der Metaphern.

 

Die Eigenart metaphorischer Rede, so stellt Jüngel, Aristoteles interpretierend und weiterführend, fest, besteht darin, daß in metaphorischen Aussagen ein als Prädikat fungie- rendes Wort so gebraucht wird, daß es seine übliche Bczogcnheit auf einen von ihm be- zeichneten Sachverhalt, die vorausgesetzt wird, verliert. Durch die unerwartete und un-

JO

gewöhnliche Zuordnung zu einem giarmnatischcn Subjekt entsteht eine hcrmcncutische Spannung, von der das grammarische Subjekt profitiert: Ks wird in seinem Sein präzisiert. Die metaphorische Rede präzisiert, indem sie mit der Dialckrilc von Vertrautheit und Verfremdung arbeitet. Sie fordert den Hörer/Leser heraus, im Akt des Verstehens durch diese Verfremdung sich neu Wirklichkeit zu erschließen, da« vertraute, sprachlich crschlos-

J J senc Wirklichkcirsvenaänrinis zu erweitern. Metaphern sind Ereignisse unmittelbaren Lernens. Sic lehren, spielend zu lernen. Die metaphorische Redeweise erinnert uns an die durchgängig metaphorische Struktur der menschlichen Sprache, in der das Seiende entdeckt wird und sich entdecken läßt. Die metaphorische Redeweise macht auch auf die Freiheit des Sprechenden aufmerksam, der in seiner Wortwahl im Gegenüber und Wcchscl-

40

Die Schwierigkeit der Sprache des chrisdichen Glaubens, insbesonders des Re- dens von Gott liegt nun darin, daß in ilitcn Sätzen ein grammatisches Subjekt auf- taucht (nämlich Gott), das nicht außerhalb der metaphorischen Rede eingeführt werden kann in nicht-metaphorischen Definitionen. Gott wäre nicht der geglaubte

* ' Gott, wenn nicht die fundamentale Differenz zwischen Gott und Welt in diesem Wor t immer mitgedacht würde. Unsere Sprache aber ist weltliche Sprache und kennt nur weltliche Wörter. So wird nun die metaphorische Rede von Gott nicht mehr zu einem Spiel zwischen bekanntem und tinbekanmem, vertrautem und un- gewohntem Sprachgebrauch, sondern es muß auf einen fremden Sachverhalt (Gott)

spiel von Welt und Mensch Seiendes entdecken kann.

JO

ein ungewöhnlich gebrauchrcs Wort angewendet werden. Gott müßte erst erkannr sein, damit er Subjekt einer metaphorischen Prädikarion werden kann. Solches Bekanntmachen des Subjekts könnte aber um der Differenz zwischen Got t und Mensch willen wieder nur in metaphorischer Rede geschehen. Es entsteht ein Zirkel, Dieser Zirkel wird nach Jüngel nur dadurch durchbrochen, daß Gott sich selbst

SS

vertraut macht , da ß er als de r Kommend e auc h der zur Sprach e Kommend e ist.

646

Analogie

Gott läßt sich entdecken als der zur Welt kommende und in Jesus Christus zur

S

Welt gekommene Gott. Leben, Sterben und Auferstehung Jesu als das Ereignis der Rechtfertigung des Sünders ist das Ereignis, in dem Gott ein für allemal zur Welt gekommen ist. Hier hat die theologische Metapher ihren Grund und ihre Grenze. Jede theologische Metapher muß sich mit dem Kreuz Christi vertragen. So wird das Wort Gott zum anredenden Wort. Es redet den Menschen auf sein Nichtsein als

einer von Gott

überwundenen Möglichkeit an. Da ß Gott so zur Sprache kommt,

schärft unseren Wirklichkeitssinn und bedeutet Erneuerung der Welt in der Kraft des heiligen Geistes.

10

4.

Grundlinien

einer

systematisch-theologischen

Bestimmung

4.1.

Bei einer Analogi e im strengen Sinn handelt es sich um die Feststellung ode r

Behauptung einer Verhältnisglcichhcit oder Vcrhältnisähnlichkeit. Es werden also Relationen zueinander in Beziehung geserzt. Durc h diesr Inbcziehunusseaun g ent-

steht eine neue Relation. Bei der Verhältnisähnlichkeit, der inteicssamcicn und

11

wichtigeren Analogie, kann es sich einmal darum handeln, daß die Relation von zwei Größen zu einer dritten Größe als ähnlich bezeichnet wird (Achill, Löwe -

Mut) , zum anderen kann es sich darum handeln, daß die Relationen zwischen zwei Größen als einander ähnlich bezeichnet werden (Fritz. Hans - Katze, Maus).

4.2. In jedem Fall ist zu beobachten , da ß durch die Inbcziehungsetzung in der

20 Behauptung einer Analogie (Vcrhälrnisälwlichkcit) die ursprünglichen Inrcnsioncn der zur Verhältnisbestimmung verwendeten Ausdrücke verändert werden. Dies kann so näher bestimmt werden, daß Tcilintensioncn weiter gelten, andere Teilinten- sior.cn verändert, wieder andere weggelassen (aequivok) werden. Im Streit zwischen Thomisten und Scotisten muß für die Scotistcn Partei ergriffen werden: in der

u

analogen Prädikarion Ist ein univoker Kern mitgesetzt. De r univoke Ker n ist nach unserer Auffassung so zu bestimmen: 1) Gemeinsam gilt für analoge Relationen, d a ß sie die gleichen strukturellen Eigenschaften habe n (Bochenski) . Unter struktu- rellen Eigenschaften sind die Eigenschaften zu verstehen, die mit logischen Mitteln definiert werden können: Reflexivität, Symmetrie, Transitivität. Ohne weiter in die

39

Logik einzudringen, wird jedem versrändlich sein, da ß der Ausdruck „Vater von"* eine andere Struktur hat als der Ausdruck „Bruder von". So läßt sich die Relation Joachim ist der Vater von Andreas nicht umkehren, während die Relation Jörg ist der Bruder von Thoma s umkehrbar ist. Wird analog von Gort als Vater geredet, so gilt auch im analogen Sprachgebrauch diese Struktur des Wortes Vater weiter.

M

2) Gemeinsa m gilr für analoge Relationen , da ß sie die

gleichen formalen Eigen-

schaften haben. In unserer sprachlichen Erschließung der Wirklichkeit werden im Akt der Prädikation die Gegenstände von einander unterschieden und gegenseitig in Beziehung gesetzt. So bezeichnet „tapfer" ein bestimmtes Handeln und Ver- halten, das nicht gleichzeitig „feige" genannt werden kann. Wird dem Achill und

«

dem Löwen Tapferkeit zugesprochen, so ergibt sich für beide, auf welch unter- schiedliche Weise sie auch tapfer sein mögen, daß sie in ganz bestimmter Weise in unseren Sprachzusammenhang eingeführt und damit von anderen Gegenständen unterschieden werden. Analog verwendete Relationen haben als gemeinsame Intcn- siun, daß sie beide Analogate in bestimmter gleicher Weise in unseren Sprachzu-

4t

sammenharig einführen. Das nennen wir formale Eigenschafren. An dieser Stelle findet auch der Obergang zur Veränderung der Intensioncn im analogen Sprachgebrauch statt - so wie Form und Inhalt sich unterscheiden, aber nicht rrennen lassen. Die ursprünglklie, übliche Bedeutung einer Relation wird vor- ausgesetzt, verändert und zum Teil aufgehoben. Wird Gott metaphorisch Vater gc-

30

nannt, dann gelten von der Relation „Vaterscin" univok die formalen und stmlcru- rcllcn Eigenschaften weiter, aber zugleich wird deutlich, daß Gott auf andere Weise Vate r ist, als Mensche n Vate r sind. Relativ leicht ist es dabei , via negatiam's die

A«almi»

647

acquivok werdenden Teüintensionen anzugeben (Gott ist kein Mensch, kein end- licher, leiblicher Vater etc.) Schwieriger ist es, die verändert weirer geltenden lnten- sionen der Vatcrrclation zu bestimmen (z. B. Gott sorgt und liebt wie ein Vater). Es stellt sich nämlich heraus, daß die Nähcrbcstimmungcu der verändert weiter gcltcn- 5 den Lntensionen wieder metaphorischen Charakter haben (Gott liebt und sorgt nicht wie ein Mensch). Es wird weiterhin sichtbar, daß die konkrete Nahcrbestim- muug dieser lntensionen stark von den Erfahrung geprägt ist. die mit diesem metaphorischen Sprachgebrauch verbunden sind. Gerade dieser eigentümliche Cha- rakter dieser veränderten Intcnsion ist der Grund für die - zu undifferenzierte -

zwischen

4.3. Die Frage , o b der analogia nominum eine reale Analogie der Wirklichkeit

entspricht, ist philosophisch ebenso unentscheidbar wie die Frage, ob unsere sprach- liche Erschließung der Wirklichkeit die Wirklichkeit „an sich" erfassen kann. Dar- über sind nur mehr oder weniger sinnvolle und bewährte Theorien möglich. Uns is erscheint ein „modifizierter Noininalisinus" als bewährt. Bei dieser Auffassung wird davon ausgegangen, daß uns einerseits die Wirklichkeit Gliederungen anbietet, denen wir in unseren sprachlichen Unterscheidungen folgen, und wir andererseits bewußt setzend Wirklichkeit gliedern. Uber die Angabc dieses Wechselspiels hinaus-

gehende Bestimmungen sind nicht sinnvoll, da uns keine Kontrollinstanz zur Ver-

in

Annahme,

Analogie

sei

ein

Drittes

Univokarion

und

Aequivokation.

211 fugun g steht , aufgrun d dere n wi r un s de r Übereinstimmun g unsere r sprachliche n Erschließung der Wirklichkeit mit der Wirklichkeit an sich (Grcnzbegiiff) ver- sichern könnten. Die Geschichte der sprachlichen Erschließung der Wirklichkeit zeigt, daß im Bereich der Dinge eher sich bewährende sprachliche Unterscheidungen treffen lassen als im Bereich von menschlichen Handlungen, Verhaltensweisen,

is Eigenschaften und Werten. Als bewährt kann dabei eine sprachliche Aufgliederung der Wirklichkeit dann gelten, wenn sie sich für uns, unser Leben und unsere Ab-

sichten, im weiteten Umgang mit der Wirklichkeit als geeignet erweist. Das „uns" schließt subjektive Willkür aus und erfordert den Dialog über unsere sprachlichen Unterscheidungen (dialogischer Wahrheirsbcgriff). In diesem eingeschränkten Sinn, so daß wir hoffen, unsere Sprache verfehlt die Wirklichkeit nicht völlig, die Wahrheit des Seienden für uns kann partiell entdeckt werden, kann auc h eine der analogia nominum entsprechende analogia enlis (nicht im theologischen Sinn!) angenomme n werden.

4.4. Die Annahm e einer analogia enlis zwischen Got t und Geschöp f dem Sein-

15 Selbst und dein Seienden als Basis einer natürlichen Cotteserkenntnis ist philoso- phisch nicht begriindbar. Dagegen ist erstens einzuwenden, da ß die obe n in einge-

eine Behauptun g ist, de r die

letzte Stringenz der Begründung fehlt. Wir sind nicht letztlich sicher, ob all unser Rede n Wirklichkei t erfaßt . Zweitens kann ma n zwar davon ausgehen, da ß der «i Mensch in vernünftiger Reflexion seiner Situation die Frage nach Goit stellen kann (Tillich), aber es ist keineswegs denk- oder lebensnotwendig, eine solche Frage zu stellen. Man kann darauf verzichten, die in unserem Umgang mit der Wirklichkeit sich bewährenden Kategorien von Kausalität, Substanz, Raum und Zeit in der Frage nach einem letzten unendlichen Grund über unsere Wirklichkeit hinaus anzuwenden.

4t

Drittens kann man philosophisch, wie Tillich es gezeigt hat, nicht von der in der

Frage entfalteten Idee des Sein-Selbst zur Behauptung seiner Wirklichkeit übergehen.

Sclbst -

mitteilung im Offenbarungsgeschehen möglich. Gott erlaubt uns, im Offenbarungs- e,cscliehen seine Wirklichkeit zu erfahren und von ihm verständlich zu reden. Der jo von Jüngcl aufgezeigte Zirkel, in dem sich notwendig metaphorisches Reden von

Got t vorfindet, wird von Got t durchbrochen: Got t mach t sich bekannt und ver- traut. Im Offenbatungsgeschehen wird deutlich, wie von Gort metaphorisch zu reden ist, welche Metaphern angemessen sind. Chrisdichcs Reden von Gott ist von

schränktem Sinn behauptete analogia entis immer nur

4J.

Sinnvolles

analoges

Rede n

von

Got t

ist

allein

aufgrun d

von

Gotte s

648

Analogie

den Grundmetaphern Kreuz und Auferstehung her bestimmt. Es gehurt zum Be-

kenntnis zu Got t selbst, da ß dabei angenomme n

eine reale Analogie entspricht. Der Glaube lebt in der Gewißheit und Hoffnung, daß er die Wirklichkeit Gottes nicht völlig verfehlt. Es ist also im Sinne Karl

wird , da ß der atialogia nominum

S

Barth s eine analogia rclationis anzunehmen , die durch das Offcnbarungsgcschchc n gewirkt und aufgrund des Offenbarungsgeschehens erkannt werden kann. Eine

analogia relationis ist dor t anzunehmen , w o der Mensc h sich

in die durch Gotte s

Gnadcnhandcln gewirkre Entsprechung zu Gott hineinnehmen läßt. Es handelt sich

hier um eine Verhältnisähnlichkeit (analogia proportionalilatis). Di e Nähcrbcstim -

10

mutigen

extrinsecae und intrinsecae tragen, wie in den terminologischen Bestim -

mungen (s. o. Abschn. 1.3.5.) gezeigt, nichts aus, sondern signalisieren Bcgründiings-

theorien für die Analogie. Hier ist Barths Intention, um des Primares Gottes willen

auf einer analogia attributionis extrinsecae (- erweiterter Sprachgebrauch ) zu

be -

harren, verständlich, aher sie sprengt den Begriff der Analogie (Pannenberg). Die

u

Entsprechung zwischen Gott und Mensch kann und darf als eine auf innerer Attri- bution beruhende Analogie verstanden werden, die vermittelt durch Jesus Christus im Wirken des heiligen Geistes wirklich wird. Dabei ist eben zu beachten, daß die Ausdrücke „innere Attribution", „Partizipation" wie alle Bcschrcibungsvcrsuche der analog geltenden Relationen einer Analogie wieder selbst analog sind. Es gilr, was

»

Przywara in der Feststellung, daß jede Ähnlichkeit von größerer Hnähnlichkeit um- griffen ist, und Tillich in der Behauptung eines univoken Seinsbegriffs intendieren:

Gott ist der ganz Andere, der von uns nur im Namen angesprochen werden kann. Ein e analogia entis für einen der Offenbarun g vorgängigen Wesensstand des Geschöpfes anzunehmen, wird weder dem trinirahschen Sein Gottes (Barth; Panncn-

zs

berg) noch unserer von der Sünde geprägten Wirklichkeit gerecht. Vielmehr kann als „Voraussetzung" nur eine in der Schöpfung angelegte Möglichkeit zur Entspre- chung des Menschen angenommen werden. Jede weitergehende Aussage subsumiert Gort und Geschöpf unter ein allgemeines Prinzip und verfehlt darin Gott und Ge- schöpf. Dieser so gedachten „Voraussetzung" korrespondiert die Annahme eines

30

univoken Kerns der Analogie hinsichtlich der strukturellen Eigenschaften.

4.6.

Die mct.ipliorisi.lie Red e von Got t ist davo n bestimmt, daß , wie in allem

metaphorischen Reden, ein univoker Kern in den strukturellen und formalen Eigen- schaften der Relationen besteht, Teilintensionen aequivok werden, andere Tcil- intensionen durch die Analogie verändert werden. Luther hat diese spannungsvolle

31

Einhei t a m deutlichste n gesehen . Vo n de r Erfahrun g Gotte s he r erhalte n di e analo g verwendeten Wörter eine neue Bedeutung, die ihrerseits wieder nur metaphorisch

beschreibbar ist. Reden von Gott heißt, uns und unsere Sprache Gott anheimzugeben und uns und unser Reden von Got t her neu bestimmen lassen. Gor muß sich uns bekannt machen, danüt wir von ihm reden können. Pannenberg hat diese Eigenart 40 des Redens von Gott treffend hervorgehoben, ohne genauer zwischen den ver- schiedenen Tcilelemcmen der analogen Rede von Got t zu differenzieren. Durch die theologische Metapher wird Raum für Gotr geschaffen, und in der Erfahrung Gottes werden die metaphorisch verwendeten Wörter zu betreffenden, befreienden ins Ver- stehen bringenden Worten. Verantwortliches Reden von Gott in der Theologie

45

heißt, diese in der Erfahrung Gottes gegründeten neuen Bedeutungen zu entfalten. Da dies wieder nur metaphorisch möglich ist, ist Theologie auf Erfahrung Gottes immer wieder zurückverwiesen, auf die Erfahrung, die sie im Dialog kritisch aus- legt.

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Den

Inhalt

des Wortes

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als Begriff

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