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Kommentare zur Rezension:

Junker, R. und Scherer, S. (2001): Evolution. Ein kritisches Lehrbuch


Weyel Lehrmittelverlag. Gießen. 328 S., 425 Abb., Preis: € 20,50
von Martin Neukamm (aus http://thor.tech.chemie.tu-muenchen.de/~neukamm/rezension_junker.html)
Die Kommentare sind in dieser Schrift gesetzt. Der Text von M. Neukamm ist vollständig übernommen
worden und in dieser Schrift gesetzt.

Die Erkenntnis, daß Tier- und Pflanzenarten einander äh- Was ist daran „Propaganda“? Dann ist wohl auch
neln und Übergänge zwischen den Organisationstypen exi- jedes einführende evolutionstheoretische Lehrbuch
stieren, ist wahrscheinlich so alt wie die Menschheit selbst propagandistisch. Unter Beachtung des gesamten
und fand schon in die Gedankenwelt der alten Griechen ein- Textes in Kapitel I.1 zeigt sich, daß es darum geht,
gang. Basierend auf den großen Vordenkern der Antike und daß naturwissenschaftliche Aussagen sich auf Be-
dem Datenmaterial, das im Laufe der Zeit durch die ver- obachtbares oder wenigstens indirekt Meßbares be-
schiedenen Forschungsrichtungen aufgedeckt wurde, keim- ziehen.
ten schon im 18. Jahrhundert Evolutionsvorstellungen auf,
weil man erkannte, daß eine große Anzahl von Beobachtun- Da transspezifische Evolution und Höherentwicklung nicht
gen im Lichte der Theorie von der gemeinsamen Abstam- beobachtbar ist, müßte die Abstammungshypothese aus den
mung und Entwicklung der Arten überzeugend erklärbar ist. Naturwissenschaften herausfallen, eine Implikation, auf der
Mit dieser Einsicht wollen sich viele bibelfeste Menschen die Autoren strikt beharren. Der methodologische Grund-
nicht anfreunden, so daß der Evolutionstheorie bis heute ein irrtum, der sich wie ein roter Faden durch das Buch zieht,
Widerstand entgegenbrandet, der in zunehmendem Maße in besteht nun darin, daß unter strikter Beachtung der eigens
ideologischen, in der Regel auf beiden Seiten sehr emotio- errichteten Wissenschaftsphilosophie kaum eine Theorie
nal geführten Wortgefechten gipfelt. Aus diesem Grunde übrig bliebe, der noch das Prädikat „naturwissenschaftlich“
hat es nicht an Versuchen gefehlt, die Diskussion zu ver- zukäme.
sachlichen und dem Standardmodell der Bioevolution eine
wissenschaftliche Schöpfungsalternative entgegenzusetzen. Neukamm übergeht hier, daß die Aussagen, auf die
Das Buch, das bereits in der fünften Auflage gedruckt wird, er sich bezieht, in den Unterkapiteln „Rekonstrukti-
verfolgt genau dieses Ziel, wobei die Autoren betonen, daß on der Geschichte der Natur“ (1.2) und „Evolutions-
es ihnen nicht um die Widerlegung der Evolutionstheorie, lehre und Schöpfungslehre“ (1.3) steht. Es geht nicht
sondern um die sachliche Kritik am „Paradigma Makroevo- darum, daß Unbeobachtbares außerhalb der Natur-
lution“ (Höherentwicklung) sowie der Ursprungsfrage geht. wissenschaft steht, sondern daß die historische Fra-
Diese Strategie wird in allen Kapiteln des Buches stringent gestellung (Entstehung und Geschichte der Lebe-
verfolgt und mit einem enormen biologischen Hintergrund- wesen) methodisch anders bearbeitet wird als die
wissen unterlegt. So finden sich nach einer allgemeinen hi- Gegenwartsforschung, die der eigentliche Gegen-
storischen und theoretischen Einführung Ausführungen über stand naturwissenschaftlichen Arbeitens ist. Die-
die Grundbegriffe der Evolutions- und Grundtypenbiolo- sen Unterschied Gegenwartsanalyse – Geschichts-
gie. In den Kapiteln 3 und 4 wird über die Reichweite der rekonstruktion heben auch viele Evolutionstheoreti-
Evolutionsfaktoren, „Makroevolution“, die kausale und die ker hervor und diese Unterscheidung ist kein Spezi-
chemische Evolution gesprochen, wobei unter Rekurs auf fikum unseres evolutionskritischen Lehrbuchs.
scheinbare Unstimmigkeiten und ungeklärte Fragen Zwei-
fel an der Richtigkeit der transspezifischen Evolutionsvor- Denn wenn sich Naturwissenschaft nur und ausschließlich
stellung gestreut werden. Schließlich wird in den letzten 3 auf das unmittelbar Feststellbare beschränkten würde, dürf-
Kapiteln die historische Evolutionsforschung unter die Lupe te sie sich auch nicht mit der Kosmologie, der Geologie oder
genommen. Das Hauptanliegen der Autoren ist es dabei zu mit Objekten, wie Atomen, Elementarteilchen und Schwar-
zeigen, daß Befunde nicht nur zugunsten von Evolution, zen Löchern beschäftigen.
sondern auch unter der Voraussetzung von Schöpfung inter-
pretiert werden können. Sehen Geologen nichts im Gelände? Sehen Astrono-
Die Auseinandersetzung mit der Evolutionstheorie erfolgt men nichts im Fernrohr? Geologen können eine
vergleichsweise fair, womit sich das Buch angenehm von Unzahl von Daten sammeln, doch den Ablauf der
vielen zeitgenössischen Artikeln unterscheidet, die in emo- Erdgeschichte können sie nur anhand dieser Daten
tivem Gestus die Widerlegung des Evolutionsgedankens zu rekonstruieren versuchen. Den Ablauf selber kön-
proklamieren. Das heißt jedoch nicht, daß auf den Einsatz nen sie aber nicht methodisch in derselben Weise
von Propagandamitteln ganz verzichtet wird. So wird der untersuchen wie sie die Schichtenabfolgen in geolo-
Leser gleich im ersten Kapitel mit einer fragwürdigen Ein- gischen Aufschlüssen beobachten und beschreiben
führung in die Wissenschaftstheorie konfrontiert, in der können. Um diesen Unterschied in der Methode geht
Naturwissenschaft mit der Erforschung des Beobachtbaren es im Zusammenhang des wissenschaftstheoreti-
(also mit der erkenntnistheoretischen Richtung des „Empi- schen 1. Kapitel des evolutionskritischen Lehrbuchs.
rismus“) gleichgesetzt wird.

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Dabei ist es wenig hilfreich darauf zu verweisen, daß natur- Beide Bereiche sind insofern logisch unabhängig, als bei-
wissenschaftliche Theorien im Experiment geprüft werden spielsweise, selbst wenn sich alle Kausaltheorien und man-
könnten. Experimente sind nicht weniger zu interpretieren che Details in einigen konstruierten Stammbäumen als falsch
als Naturbeobachtungen in historischen Kontexten, weil na- herausstellen würden, nicht folgte, daß damit die Deszen-
türlich auch sie unbeobachtbare Erkenntnisgegenstände zum denzhypothese falsch wäre. Daher können die Autoren aus
Thema haben. Wissenschaft ist also gerade die Wissenschaft der Feststellung, daß dieser Mechanismus oder jener Ent-
vom Unbeobachtbaren, das durch Theorienbildung erschlos- wicklungsschritt noch nicht gelöst oder aber unzureichend
sen wird. zur Erklärung dieser oder jener Anpassung sei, die Abstam-
mungshypothese nicht infragestellen, für die ja unabhängig
Auch wenn Daten immer interpretiert werden müs- von der Kausalfrage eine Unzahl an Belegen spricht.
sen: Die historische Fragestellung ist eine andere als
die experimentelle. Darüber hinaus haben Experi- Die Abstammungshypothese wird ja nicht nur auf-
mente selbstverständlich entweder direkt beobacht- grund der Problematik der Kausaltheorien der Evolu-
bare oder wenigstens indirekt meßbare Erscheinun- tion in Frage gestellt, sondern eben insbesondere
gen oder Abläufe, die heute vorkommen, zum Ge- dadurch, daß in den Kapiteln V und VI die Stichhal-
genstand. tigkeit der Belege untersucht und kritisiert wird.

Daher kann der von den Autoren unternommene Versuch, Kurzum: Ursachenfragen bilden nicht die Grundlage der
gleichsam aus der „Mausperspektive“ zu argumentieren und Abstammungshypothese, die es immer wieder neu zu be-
zu behaupten, im Evolutionsexperiment sei meist der Nach- gründen gälte. Offene Detailfragen über den Ablauf und die
weis von „Verlustmutationen“ führbar, wenig überzeugen. Triebkräfte der Evolution sind mit anderen Worten Antrieb
der wissenschaftlichen Forschung und hier keineswegs ge-
Die kausale Evolutionsforschung verfolgt das Ziel, eignet, um die transspezifische Evolutionsvorstellung infra-
die Mechanismen der Entstehung neuer „Bauteile“ gezustellen.
und Baupläne aufzuklären. Und wenn die bekannten Ungeachtet der methodologischen Fragwürdigkeit des Bu-
Mechanismen nur Variation, Optimierung, Verluste ches werden jedoch die evolutionstheoretischen Konzepte
etc. zeigen, dann darf man mit Fug und Recht be- und Forschungsergebnisse im wesentlichen sachlich kom-
haupten, daß die Frage der Mechanismen der Ma- petent beschrieben. Eine Ausnahme bilden die Kapitel,
kroevolution (Neu- oder Umkonstruktionen) derzeit welche die fossilen Übergangsformen zum Thema haben.
nicht empirisch beantwortet ist. Behauptungen wie etwa diejenige, die mosaikartige Vertei-
lung von Merkmalen bei Lebewesen entspräche nicht den
Eine nicht minder beliebte, gleichwohl aber ebenso unglück- Erwartungen einer kontinuierlich verlaufenden Evolution*
liche Argumentationsstrategie ist die Überbetonung offener zeigen, daß die Autoren weder die phylogenetische Syste-
Fragen nach den Ursachen und Entwicklungsabläufen in der matik noch das Konzept der Artspaltung hinreichend ver-
Evolution, um der eigenen Überzeugung Raum zu verschaf- standen haben.
fen.
*So wird das im evolutionskritischen Lehrbuch gar
Es ist vollkommen legitim, offene Fragen herauszu- nicht behauptet. Vielmehr wird darauf hingewiesen,
stellen. Diese offenen Fragen werden im evolutions- daß man terminologisch zwischen „Zwischenform“
kritischen Lehrbuch jedoch nicht automatisch als oder „Mosaikform“ als beschreibenden und „Binde-
Stützen für eine Alternative gewertet. Neukamm glied“ oder „Übergangsform“ als interpretierenden
soll wenigstens eine Stelle zeigen, wo dies angeb- Begriffen unterscheiden muß, und daß Mosaikfor-
lich geschieht. So aber macht er unzutreffende Be- men nicht automatisch als evolutionäre Übergangs-
hauptungen über den Inhalt des Buches. formen zu interpretieren sind (s. S. 216). Viele Mo-
saikformen wie z. B. das Schnabeltier werden auch
Es wird hier vergessen, daß die Evolutionstheorie aus zwei von Evolutionstheoretikern nicht als evolutionäre
Bereichen besteht, zum einen aus der Deszendenzhypothe- Übergangsformen interpretiert.
se, welche die Verwandtschaft der Lebewesen, also deren Damit erübrigt sich der Vorwurf, die Autoren hätten
Abstammung von einer oder einigen wenigen Stammarten „weder die phylogenetische Systematik noch das
lehrt, sowie aus verschiedenen Kausaltheorien, welche die Konzept der Artspaltung hinreichend verstanden“.
Wirkfaktoren und Mechanismen evolutiver Veränderung zum Daß wir beides richtig verstanden haben, ist an an-
Thema haben. deren Stellen des Buches ersichtlich (III.5; Kasten
Seite 160).
Das wird überhaupt nicht vergessen. Wie kann Neu-
kamm sowas behaupten, wo das Buch genau diese Die erhobene Forderung, die fossil überlieferten Übergangs-
beiden Bereiche durch die Anordnung der Kapitel formen müßten in allen Charakteren eine Mittelstellung
auseinanderhält? (Kapitel III, IV: Kausale Evolutions- zwischen den zu überbrückenden Organismengruppen ein-
forschung; Kapitel V, VI: Historische Evolutionsfor- nehmen, haben schon MAYR und REMANE als unberech-
schung). Wieder eine Falschbehauptung über den tigt zurückgewiesen, weil Artspaltung und die unterschied-
Inhalt des Buches. lichen Evolutionsgeschwindigkeiten der Merkmale ja gera-

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de den Mosaikmodus der Evolution zur Folge haben. Es geht darum, daß nach gegenwärtigem Kenntnis-
stand von einem selektionspositiven Zustand zu ei-
Auch hier: Wo haben wir das genau so behauptet? nem anderen eine Minimalanzahl von Änderungs-
Es geht doch darum, daß eine Fossilform nicht dann schritten (Mutationen) erforderlich ist. Das ist unab-
eine evolutive Übergangsform sein kann, wenn eini- hängig davon, wie die jeweiligen Strukturen ausse-
ge ihrer Merkmale nicht in die Übergangsstellung hen. Dazu müssen auch keine ganz bestimmten Er-
passen. Genauso argumentieren viele Evolutionstheo- gebnisse „anvisiert“ worden sein. Diese Minimalan-
retiker. Beispiele können geliefert werden. Hier wie zahl kann unter Berücksichtigung des Selektions-
auch sonst vermißt man Belege des Autors, auf aspekts und neutraler Mutationen für Wahrschein-
welchen Seiten das stehen soll, was er kritisiert. lichkeitsrechnungen zurgrundegelegt werden.

Evolution verläuft also nicht, wie postuliert wird, über ein Es wird übersehen, daß es beliebig viele Möglichkeiten gibt,
lückenloses Formenkontinuum, sondern weitgehend mosa- um ein System, unter Berücksichtigung von Doppelfunktio-
ikartig. nen und systemtheoretischen Gesichtspunkten, selektions-
positiv weiterzuentwickeln.
Richtig; wir haben das auf Seite 86 (vgl. Abb. 6.9)
auch selber so beschrieben. Die Frage ist doch dann Nein, es gibt nicht beliebig viele Möglichkeiten. Das
aber, ob die tatsächlich existenten Mosaikformen ist eine Behauptung ohne jede Begründung.
sich einigermaßen widerspruchsfrei in Stammbäu-
me einpassen lassen. Und das ist gewöhnlich ncith Die geringe Wahrscheinlichkeit für das Eintreten eines Ein-
der Fall und das muß in einem kritischen Lehrbuch zelereignisses wird also durch eine immense Zahl an poten-
herausgestellt werden. tiellen Realisierungsmöglichkeiten aufgewogen, wodurch der
Wahrscheinlichkeitseinwand ins Leere läuft.
Schließlich erweist sich der im Buch gebrauchte Begriff von
der Übergangsform als ein Relikt aus der traditionellen Sy- Neukamm geht in keiner Weise direkt auf die Dar-
stematik, in der es noch so etwas wie große getrennte Klas- stellung des Buches (Seiten 128-134) ein. Wenn er
sen von Lebewesen (wie Ordnungen, Klassen, Stämme und sich die Mühe machen würde, zu zeigen, wo die
dergleichen) gab, die es zu überbrücken galt. Argumentation falsch ist, könnte man darüber kon-
kret diskutieren. Die „immense Zahl an potentiellen
Nein, das ist kein Relikt, denn auch nach heutigem Realisierungsmöglichkeiten“ wird im übrigen in un-
Evolutionsverständnis geht man schließlich davon serer Rechnung berücksichtigt. Sie gleicht die gerin-
aus, daß letztlich verschiedene Typen von Lebewe- gen Wahrscheinlichkeiten jedoch bei weitem nicht
sen genealogisch überbrückt wurden. Ob man diese aus.
typen mit „Klassen“, „Ordnungen“ etc. bezeichnet
oder mit neuen Taxonnamen der Kladistik belegt, Selbst wenn der geneigte Leser von den fragwürdigen fach-
hat für diese Problematik keinerlei Bedeutung. lichen und wissenschaftstheoretischen Gesichtspunkten ab-
zusehen gewillt wäre, käme er jedoch kaum umhin festzu-
In der phylogenetischen Systematik gibt es jedoch solche stellen, daß sich der wohl größe Irrtum im Buche in der
hierarchischen Kategorien gar nicht mehr, sondern nur noch originären Zielsetzung der Autoren niederschlägt.
feinverästelte Verzweigungsschemata.
Zur Erinnerung hier die Zielsetzungen des Buches,
Das tut in der Frage nach Übergangsformen eben- wie sie im Vorwort als Hauptanliegen formuliert sind:
falls nichts zur Sache. „Weitgehend unbekannte Deutungsprobleme und of-
fene Fragen der Evolutionslehre werden systema-
Damit erweist sich auch die Grundidee einer Übergangs- tisch und umfassend thematisiert. Sie haben ... ein
form (wie sie etwa die Großgruppe der „Reptilien“ hin zu so großes Gewicht, daß Makroevolution als Leitvor-
der Säugetier-Klasse überbrücken sollten) als nicht mehr stellung ... in Frage gestellt werden muß...“ (S. 6).
haltbar.
Geradezu ein Paradebeispiel in der antievolutionistischen Die Evolutionskritik kann im Rahmen der Schöpfungsidee
Diskussion verkörpert schließlich das Infragestellen der nur dann überhaupt einen Sinn machen, wenn die vermeint-
Entstehung von bestimmten Proteinen oder komplexen Or- liche Fragwürdigkeit des Evolutionskonzepts in Argumente
ganen aus Wahrscheinlichkeitsgründen. Die Autoren bemü- für die Schöpfungsvorstellung umgemünzt werden.
hen dazu als Beispiel den „Bakterienmotor“ von Escheri-
chia coli, verleihen den Strukturen eine mathematische Prä- Das ist zum einen nicht das Hauptanliegen des Bu-
zision und weisen nach, daß die Wahrscheinlichkeit für die ches. Zum anderen werden an manchen Stellen
Entstehung der fraglichen Merkmale extrem klein sei. Die- konkret gezeigt, wie manche (!) Argumente im Rah-
ses Argument erweist sich schon allein deshalb als fehler- men der Schöpfungslehre eine Deutung finden, ins-
haft, weil sich praktisch jedes beliebige Ereignis im Nach- besondere in Kapitel VII. Neukamm geht auf die dort
hinein außerordentlich unwahrscheinlich machen läßt. vorgestellten Ansätze nicht ein.

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Selbst wenn es aber den Autoren gelungen wäre, die Evolu- Das ist falsch.
tionsvorstellung komplett zu widerlegen, hielten sie kein
einziges Argument in Händen, das die Idee von dem „intel- Eine Theorie die jedoch alles erklärt, erklärt nichts. Man
ligenten Programmierer“ evident erscheinen ließe. Anstelle bekommt demzufolge durch keine spezifische Beobachtung
der Schöpfungsalternative könnten nämlich auch andere einen wirklichen Hinweis auf die Existenz eines Schöpfers.
Modelle treten, so daß man aus der Falschheit einer Theorie Dieses methodologische Dilemma ist der Hauptgrund für
nicht automatisch auf die Richtigkeit einer konkurrierenden die heuristische Unfruchtbarkeit und Unwissenschaftlich-
schließen darf. keit der Schöpfungsvorstellung. Im Gegensatz zur Evoluti-
onsbiologie kann es den Schöpfungstheoretikern prinzipiell
Richtig, wir sagen ja auch nirgends, „daß man aus nicht gelingen, ihre Postulate durch Beobachtungen zu be-
der Falschheit einer Theorie nicht automatisch auf reichern, weshalb sie auf die Destruktion der transspezifi-
die Richtigkeit einer konkurrierenden schließen darf“. schen Evolutionsidee ausweichen müssen.
Was sollen also diese Bemerkungen? Die Möglich-
keit, naturwissenschaftliche Daten im Rahmen ei- Nochmal: Es ist seltsam, daß der Autor solche Be-
nes schöpfungstheoretischen Ursprungskonzepts zu hauptungen aufstellt, jedoch auf kein einziges Detail
deuten, wird nicht mit der Kritik am Evolutionsmo- in Kapitel VII.17 eingeht, in welchem es um „Deu-
dell begründet. tung des Lebens unter der Voraussetzung von Schöp-
fung“ geht.
Das zentrale Problem aller supernaturalistischen Theorien
gründet in ihrer prinzipiellen Nichtwiderlegbarkeit durch Vor dem Hintergrund all des Gesagten nimmt es nicht wun-
beobachtbare Sachverhalte. der, daß Junkers und Scherers Buch weder die Evolutions-
theorie überzeugend infragestellen konnte noch zur Klärung
Wir haben im Kapitel VII.17 gezeigt, wie im Rahmen der Frage, ob denn ein Schöpfer existiert, einen profunden
der Schöpfungslehre prüfbare Konzepte entwickelt Beitrag hat leisten können.
werden. Neukamm täte besser daran, darauf einzu-
gehen, anstatt unbegründete Behauptungen aufzu- Martin Neukamm, 03.04.2002
stellen.

Die Schöpfungstheorie kann selbst höchst gegensätzliche


Beobachtungen (wie die Ähnlichkeit und die vollkommene Kommentare in fetter Schrift von Reinhard Junker,
Unähnlichkeit von Arten) gleichermaßen gut erklären. 22. 10. 2002