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NTIBERLINER

A
K a m p f b l a t t f ü r a n t i f a s c h i s t i s c h e n L i f e s t y l e / / N r. 1 7 / / A p r i l / M a i 2 0 0 8

2 FREIHEIT I. Alltagsschi-
kanen in Berliner Knästen.
4 FREIHEIT II. Wem gehört
die Welt? Was bedeutet
6 FREIHEIT III. Interessen
der militärischen Inva-
Zur Situation des Antifa- die Privatisierung von sion der »freien Welt« im
schisten Christian S. öffentlichen Gütern Nahen Osten
■ In eigener Sache
Der Anti-
berliner ist
Weniger Rechte als ein
eine Zei-
tung für
deutscher Schäferhund
linke Politik
und Kultur, die alle Anfang Januar 2008 wun- nate inhaftiert und zudem schwer
zwei bis drei Monate derten sich Inhaftierte über erkrankt war, blieb ihm faktisch
erscheint und kosten- die Kälte in den Knästen Ber- keine Wahl, als auf die ihm zuste-
los in Berlin verteilt lins. Eine Energieeinsparung henden Rechte zu verzichten.
wird. Oft werden wir verordnet eine Maximaltem-
verständnislos nach peratur von 16 Grad. Bereits Alltagsschikanen
unserem Namen ge- im April 2004 hatte die JVA- Christian ist wegen seiner politi-
fragt und was wir Tegel einen Energiesparver- schen Einstellung und der Öffent-
denn gegen die Berli- trag mit Siemens abgeschlos- Auf der Kundgebung lichkeitsarbeit zu seinen Prozessen
für den inhaftier ten
ner hätten. Dabei le- sen, der zu Einsparungen und zu seiner Haft permanenten
Antifaschisten
ben wir sogar sehr von 600.00 Euro pro Jahr Schikanen und Intrigen durch Ju-
gern in Berlin. Ihren führen sollte derem Suizide und Selbstmord- stizangestellte ausgesetzt. Die
Namen hat die Zeitung versuche. Nicht ohne Grund hat Schikanen durch die Schließer

A
vom ehemaligen Berli- uf zirka fünf Quadrat- die Justizsenatorin Gisela von der sind zum Beispiel derart, dass er ei-
ner CDU-Bürgermeister metern leben neue Aue eine Veröffentlichung der nige der für ihn abonnierten Zei-
Eberhard Diepgen, der Häftlinge im Gefängnis knastinternen Todesfälle untersagt. tungen zum Teil seit Wochen nicht
die Kreuzberger als Tegel. Ein Bett, eine Toiletten- ausgehändigt bekommt und das
»Antiberliner« brand- schüssel, ein kleines Waschbecken Nazis hofiert seine Briefe nicht oder nur unvoll-
markte, nachdem sie ein Tisch – und mittendrin ein Zudem hat die JVA-Tegel den Ruf ständig ankommen. Begründet
am 1. Mai 1987 nach- Gefangener. Das ist so ziemlich al- als Neonazi-Streichelzoo. Mehr als wird das von den Sozialarbeitern
drücklich darauf be- les, was man in den Zellen von ein dutzend Neonazis können in wahlweise mit dem zu hohen
standen hatten, den »Haus 1« der Justizvollzugsanstalt der Berliner Haftanstalt frei agie- Kontrollaufwand oder damit, dass
Tag der Arbeit ohne Berlin-Tegel unterbekommt. Seit ren, sich treffen, Interviews geben Zeitschriften nicht dem Gedan-
Polizei zu feiern. Ein Jahren prangern die Häftlinge die und unbeanstandet ihre Zeitun- kenaustausch dienen würden, da-
Ehrentitel also für an- Minizellen als menschenunwürdig gen bekommen. Der Neonazi und her keine Post im eigentlichen
ständige Berliner ... an. Das Kammergericht hat über verurteilte Brandstifter Sebastian Sinne seien und deshalb auch
eine der rund zwei Dutzend an- Dahl aus Berlin lobte gar in einem nicht weitergegeben werden
hängigen Klagen entschieden und Interview mit einem Neonazi- müssten. Anderen Insassen wurde
■ Impressum: kritisiert die Bedingungen hart: Knastheftchen die Kamerad- auch erklärt zuviel Papier in der
· V.i.S.d.P.: E. Diepgen, »Die Unterbringung entspricht schaftstreffen in der JVA-Kirche. Zelle sei ein Brandrisiko und ge-
Fasanenweg 30,
auf keinen Fall dem Standard, den fährde somit die Sicherheit und
10123 Berlin
· Redaktionskontakt:
der Gesetzgeber (...) für geboten Der Fall Christian S. Ordnung in der JVA-Tegel.
antiberliner@web.de erachtet hat.« Der Prozess gegen Christian S. wurde die Beschädi- Ende August spitzte sich die Si-
www.antiberliner.de die Senatsverwaltung für Justiz gung von einem Auto vorgewor- tuation zu. Christian fand seine
· Unterstützt von: Antifa- wurde trotzdem verloren. Aus fol- fen, welche er im Rahmen von Zelle nach seiner Hofrunde ir-
schistische Linke Berlin gendem Grund: In Berlin ist fast Verhinderungsaktionen eines gendwie verändert vor und guck-
· Namentlich gekenn- jedes Bauwerk und jede Fläche Neonaziaufmarsches am 1. Mai te sie sich daher genauer an. Un-
zeichnete Artikel spie- zentimetergenau geregelt. Es gibt 2004 durch Friedrichshain began- ter dem Spiegel fand er ein Päck-
geln nicht unbedingt vorgeschriebene Mindestgrößen gen haben soll. Die Verurteilung chen Heroin, welches er umge-
die Position des Redak- für Krankenzimmer, Wohnheim- erfolgte durch einen erzwungen hend im Klo entsorgte. Tags dar-
tionskollektivs wider räume und selbst für Hundgehe- Deal: Er würde aus der Untersu- auf um sechs Uhr morgens stürm-
ge – nur eben für Gefängniszellen chungshaft entlassen werden (er te ein Kommando von acht
nicht. saß wegen einem weiteren Verfah- Schließern seine Zelle. Sie fessel-
2007 haben Vollzugsbedienste- ren, für das er bereits freigespro- ten ihn, zogen ihn nackt aus und
te in Berlins Haftanstalten über chen wurde), wenn er seine Revi- durchsuchten hektisch die ganze
10.000 meldepflichtige Vorfälle re- sion widerrufen würde. Da er zu Zelle, fanden aber nicht was sie ge-
gistriert. Dazu gehören unter an- diesem Zeitpunkt bereits elf Mo- sucht hatten. Die Zelle war

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Briefen, Anrufen und Pressemit- ■ Finanzmarktkrise

teilungen machten Christians


Freunde immer wieder auf die
Methoden im Knast und deren
Protagonisten aufmerksam. Der
Protest hatte Erfolg: Nach der Die Krise auf den inter-
zweiten Kundgebung vor der JVA- nationalen Finanz-
Tegel wurde ihm schließlich seine märkten geht unver-
Te g e l : S c h n ä p p c h e n m a c h e n d u r c h K n a c k i s Verlegung in die JVA-Plötzensee mindert weiter. Jetzt
angekündigt. Die Rache der forderten bereits füh-
scheinbar präpariert worden. führt. Das Ergebnis der Untersu- Schließer traf Christian prompt. rende Manager wie der
Wenige Tage später wurde sei- chung wurde ihm nicht mitgeteilt. Seine Zelle und seine Körperöff- Chef der Deutschen
ner Frau Leila dann ohne weitere Wenn Christian wegen dieser Un- nungen wurden wieder mal er- Bank Josef Ackermann,
Begründung ein ihr zuvor geneh- gerechtigkeiten aufbegehren wür- folglos nach Drogen durchsucht. entgegen des neolibe-
migter Besuch verweigert. Mit der de, würde dies zum Anlass neuer Eine kürzlich aufgetauchte inter- ralen Selbstverständ-
Argumentation, sie habe sich den Sanktionen genutzt werden. Eine ne Notiz der Anstaltsleitung be- nisses, ein stärkeres
Anordnungen der Anstaltsbedien- klassische no-win Situation. zeichnet Christian als »spezieller Eingreifen des Staates
steten widersetzt, wurde von der Gefangener«.Was diese Notiz be- in Aktien- und Kapital-
JVA-Leitung ein dreimonatiges Antrag? Abgewiesen! deutet und ob sie für die erschwer- märkte. Nach der An-
Besuchsverbot verhängt.Wie auch Gisela von der Aue hat am 2. No- ten Haftbedingungen von Christi- sicht von Wirtschaftsex-
bereits während seiner Untersu- vember 2007 ein Gnadengesuch an verantwortlich ist, soll nun vom perten wird die Krise
chungshaft fand ein Boykott von für Christian – trotz der nunmehr Kammergericht Berlin geklärt frühestens im Jahr
Christians Gesundheitsversorgung für ihn ergangenen Freisprüche – werden. Mariken Kohlhaas 2009 abklingen. Die
von Seiten der Anstaltsleitung statt. abgeschmettert. Auch jeder An- Leitzinsen der amerika-
Eine für August 2007 festgelegte trag auf eine Verlegung aus der ◆ www.freechristian.gulli.to nischen Notenbank
Blutkontrolle, die für die nachfol- JVA-Tegel wurde zunächst abge- ◆ Post: Christian Sümmer- wurden indessen weiter
gende Medikation seiner Hepati- lehnt. Mit Petitionen, Beschwer- mann, Bnr: 441/08/5, JVA gesenkt.
tes-C Erkrankung notwendig war, den,Widersprüchen, kleinen An- Plötzensee, Lehrter Str. 61,
wurde erst im September durchge- fragen im Abgeordnetenhaus, 10557 Berlin ■ Arbeiter in der Krise
Vertreter der Interna-
tionalen Arbeitsorgani-
sation (ILO) haben vor
Tante Käthe plaudert aus dem Nähkästchen
den Folgen der interna-

2. Folge: »Korozke schlägt zu« tionalen Finanzkrise


gewarnt. Diese wirke
sich nach einer ILO-Stu-
die besonders fatal auf

V on der Staatsschutz-Einheit »PMS« hatte


sich Korozke eh nicht viel versprochen. Aber
mit weissblond gefärbten Haaren und
Schweissfuß-Turnschuhen im VW-Bus ohne Stand-
heizung mit Tonfa-Manni auf Obse in Treptow? Echt
die Chance, seine Schlappe mit der Zecken-Klebekolonne
auszubügeln. Manni pisste gerade an ne Eberesche,
Korozke spurtete los. Da, die Dosen klackerten meilen-
weit. Heute keine halben Sachen, gleich drauf. Korozke
riss den kleineren Sprüher um, der zuckte.Widerstand –
Arbeitnehmer aus.
»Arme Arbeiter riskieren
noch weiter in die Mar-
ginalisierung abzudrif-
Scheisse! Die vom BKA saßen vor ihren Monitoren im voll auf die Fresse. Und nochmal, Korozke hatte beim ten«, sagte Roy Trot-
Warmen. Die hatten ja auch Abitur. »Lern fleissig, sonst Beamtensport zwar den letzten gemacht, aber hier kam man, Vorsitzender in
hasse ma’ keine Klinke innen anne Tür«. Korozke hörte er groß raus. Verwaltungsrat der ILO.
seinen Opa, als wärs gestern gewesen. Opa hatte in »Tor!« – Manni kam brüllend angerannt, »Tor!« Ebenso seien mit sich
Moabit Schlüssel gedreht. Bis er vor die S-Bahn gestol- Spielte Hertha heute? Korozke war irritiert. Manni
selbst überlassenden
pert – na ja, so richtig klar wurd’s ja nie, ob ihn nicht doch brüllte immer noch: »Hör auf! Ich sag doch:Thor.« Der
einer mit nem Haufen Tattoos geschubst hatte. Der einzi- Junge mit der blutigen Nase wimmerte. Korozkes Blick Finanzmärkten die UN-
ge Zeuge war zu besoffen gewesen. Opa hatte sicher nicht wanderte die Wand hoch. Was hatten die gesprüht? Millenniumsziele nicht
nur Freunde im Knast gehabt. Freunde hatte Korozke »Nationaler Wid...« Irgendwas stimmte nicht. Tonfa- umzusetzen. Ziel dieser
auch nicht so viele. Aber die Frau im Späti, die hatte Manni quatschte jetzt auch noch mit dem anderen ist die Reduzierung der
schonmal hallo gesagt, als er sich seine drei Bier, eine BZ Sprüher. Sie tuschelten und grinsten blöde rüber.
weltweiten Armut bis
und zwei Bifi holte. Korozke dämmerte, dass dieser Einsatz auch kein
»Krrrrch, piep schwarzgekleidete Perso... sprühen S- Karrieresprung sein würde. Vielleicht sollte er sich doch 2015 um die Hälfte des
Bahnhof krrrrch Park!« Korozke war hellwach, endlich mal bei der Sitte bewerben? Niveaus von 1990.

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SCHWERPUNKT

Privatisierung ein
neoliberales Projekt
Privatisierung nützt den Profitinteressen des Kapitals, aber nicht den betroffenen Menschen. Dieses nüchterne Fa-
zit lässt sich ziehen, wenn man die bisherige Privatisierungsgeschichte der Bundesrepublik betrachtet. Doch Pri-
vatisierung und ihre Profiteure geraten seit einiger Zeit immer stärker in die Defensive. Denn der Widerstand wächst!
Erste Erfolge im Kampf gegen Privatisierung und Stadtumstrukturierung gibt es auch in Berlin: Das autonome Wohn-
projekt und Kulturzentrum Köpi bleibt erhalten, dass Bethanien wird vorerst nicht an einen privaten Investor ver-
kauft und die Initiative »Mediaspree versenken!« kommt langsam richtig in Fahrt

Die Grenzen verlaufen nicht durch Friedrichshain und Kreuzberg, sondern zwischen
oben und unten

W
arum das Kapital überhaupt auf Priva- Was ist Privatisierung?
tisierungen drängt, erklärt ein Blick in Grundsätzlich bedeutet Privatisierung immer das Zur-Ware-werden
die Vergangenheit. Denn der Siegeszug bzw. die Kommodifizierung (commodity: engl.:Ware) von öffentli-
der neoliberalen Privatisierungs-Ideo- chen Gütern. Ein vormals öffentliches Gut wird also einer privat-
logie begann bereits in den 1970er Jah- kapitalistischen Verwertung zugeführt. Dabei lassen sich zwei Mo-
ren. Das kapitalistische Wirtschaftssystem war damals in eine Kri- delle von Privatisierung unterscheiden. Entweder erfolgt eine for-
se geraten.Verschiedene Ursachen führten zu sinkenden Profiten. melle Privatisierung, d.h. das betroffene Unternehmen bleibt zwar
In der Folge kam es zu einem allgemeinen Rückgang der Kapital- Eigentum des Staates, aber dass Produkt oder die Dienstleistung wer-
rentabilität in fast allen kapitalistischen Zentren. Eine der Strate- den nach privatwirtschaftlichen Kriterien erbracht. Oder es handelt
gien die das Kapital wählte, um diese Krise zu bewältigen war es sich um eine materielle Privatisierung, d.h. das Unternehmen wird
sich nach neuen lukrativen Anlagemöglichkeiten umzuschauen. Der ganz oder in Teilen an Private verkauft. Prominentes Beispiel für eine
Blick viel schnell auf die Vielzahl öffentlicher Güter, die bisher noch formelle Privatisierung in der Bundesrepublik ist die Deutsche
nicht unter dem Gesichtspunkt der Profitmaximierung produziert Bahn AG, die zwar wie ein privatwirtschaftliches Unternehmen ge-
wurden. Gezielt wurde fortan daraufhin gearbeitet, auch diese Pro- führt wird aber (noch) zu hundert Prozent dem Staat gehört. Dar-
duktionsbereiche unter das Kapitalverhältnis subsumieren und in über hinaus gab es vor allem seit Anfang der neunziger Jahre in der
den Verwertungsprozess einbeziehen zu können.Von neoliberalen Bundesrepublik unzählige materielle Privatisierungen. So wurden
»Experten« wurde vehement darauf gedrängt, staatliche Unterneh- nicht nur große Teile des Staatseigentums der ehemaligen DDR an
men zu privatisieren, Staatseigentum zu veräußern und öffentliche private Investoren verkauft, sondern auch unzählige ehemals staat-
Dienstleistungen an Private abzugeben. Gebetsmühlenartig werden liche Einrichtungen und Vermögen der BRD, wie die Deutsche Bun-
dabei bis heute immer dieselben Argumente vorgetragen: Der Staat despost, Lufthansa, Flughäfen, sowie unzählige Kommunalbetriebe
solle sich möglichst aus dem Wirtschaftsleben heraushalten, denn im Bereich der Daseinsvorsorge wie Wasserbetriebe und Wohnungs-
private Unternehmen könnten ohnehin viel effizienter wirtschaf- baugesellschaften. Dabei zeigt sich, dass es grundsätzlich egal ist, wel-
ten. Alle, so das Versprechen der neoliberalen Ideologen, würden che Form der Privatisierung gewählt wird. Denn in beiden mögli-
deshalb vom Zur-Ware-werden der öffentlichen Güter profitieren chen Fällen ändert sich der Produktionszweck.Vor der Privatisie-
und niemand würde dabei verlieren. rung war das Produkt oder die Dienstleistung noch ein öffentliches

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Gut. Was bedeutet, der Staat hat es in erster Linie produziert um tet und möchte den Erfolg der Einzelkapitale seines Landes sicher-
eine flächendeckende Versorgung damit sicher zu stellen, Gewinn stellen. Denn auf das erfolgreiche Bestehen der »Wirtschaft« seines
zu erzielen war nur nachrangig. Nach der Privatisierung ändert sich Landes gegenüber der internationalen Konkurrenz, ist er als Steu-
dies schlagartig. Nicht mehr die Versorgungssicherheit ist jetzt erstaat angewiesen. Der Staat macht es sich deshalb zur Aufgabe,
Zweck der Produktion, sondern einzig und allein die Maximierung die allgemeinen Produktionsbedingungen für das Kapital sicher zu
von Profit. stellen. Dazu gehören in erster Linie die Institutionen der Staats-
gewalt wie Justiz, Polizei und Armee. Darüber hinaus hat der Staat
Auswirkungen von Privatisierung auch immer andere Güter und Dienstleistungen bereitgestellt, in der
Dass sich das Versprechen der neoliberalen Ideologen die Privati- Regel dann, wenn es für ein Einzelkapital nicht rentabel war die-
sierung würde allen Menschen nützen, nicht bewahrheitet hat, wis- se zu produzieren. So war es z.B. historisch lange Zeit Staatsaufga-
sen wir inzwischen alle aus eigener Erfahrung. Der Grund dafür ist be öffentliche Güter wie Infrastruktur, Bildung und Gesundheit zur
in der Logik des kapitalistischen Wirtschaftens zu suchen. Um ein Verfügung zu stellen. Durch das Drängen des Kapitals, auch die bis-
vormals öffentliches Unternehmen so profitabel wie möglich zu ma- her ausgesparten Bereiche den privaten Profitinteresse unterzuord-
chen, wird nach einer Privatisierung immer eine möglichst hohe nen, wurde der Staat zum Akteur der Privatisierung. Der Staat selbst
Produktivkraftsteigerung angestrebt. Dies wird meistens erreicht, in- treibt aktiv die Privatisierung der öffentlichen Güter voran, wenn
dem die Löhne der Beschäftigten gedrückt er sich davon einen Vorteil für »die Wirt-
werden. Deshalb erfolgt nach der Übernah- schaft« seines Landes erhofft. Zu einem In-
me eines Betriebs durch Private in der Re- teressenskonflikt kommt es nur dann, wenn
gel ein massiver Arbeitsplatzabbau. In der ein Einzelkapital nach einer Privatisierung
Folge ermöglicht die starke Konkurrenz um die Versorgung der anderen Kapitale mit dem
die wenigen verbliebenen Jobs, die Löhne entsprechenden Gut oder der entsprechen-
Schritt für Schritt abzusenken.Aber auch die den Dienstleitung nicht mehr in ausreichen-
Konsumenten der Güter und Dienstleistun- dem Maß gewährleisten kann, weil es z.B.
gen stehen nach einer Privatisierung nicht lukrativ genug ist. In einem solchen Fall
schlechter da als zuvor. Zwar stimmt es, dass muss notgedrungen wieder der Staat eingrei-
die Unternehmen nach einer Privatisierung fen und gegen die Interessen eines einzelnen
»effizienter« geführt werden als zuvor, was Kapitals sicherstellen, dass die allgemeinen
damit aber tatsächlich gemeint ist, wird ger- Verwertungsbedingungen des nationalen Ka-
ne verschwiegen. »Effizient« ist in diesem Die Bewohner aus dem pitals insgesamt gesichert sind. So geschehen
ehemals besetzen Haus
Zusammenhang immer das, was dem Unter- bei der missglückten Privatisierung der Bahn
»Köpi« können aufatmen,
nehmen den größtmöglichen Profit garan- sie haben ihren Kampf in England, die inzwischen wieder verstaat-
tiert. Ziel der Unternehmen ist es deshalb vorerst gewonnen licht wurde.
nie, ein qualitativ hochwertiges Gut zum Eine linke Antiprivatisierungsbewegung
niedrigst-möglichen Preis anzubieten, sondern immer ein möglichst muss sich bewusst sein, dass das Verhindern weiterer Privatisierun-
billig produziertes Gut zum höchst-möglichen Preis zu verkaufen. gen nur ein erster Schritt in die richtige Richtung sein kann. Blo-
So erklärt sich, warum nach Privatisierungen häufig die Preise ße Forderungen nach (Rück-)Verstaatlichungen gehen schon al-
erhöht werden, sich die Qualität von Dienstleistungen verschlech- lein deshalb nicht weit genug, weil der Staat selbst Akteur der Pri-
tern und Geschäftzweige die nicht profitabel genug sind ganz auf- vatisierung ist. Die Forderung nach einer Gesellschaft jenseits von
gegeben werden. Staat und Kapital in der die Bedürfnisse der Menschen zum allei-
nigen Maßstab des Wirtschaftens gemacht werden, gilt es deshalb
Staat und Kapital – Zwei Seiten derselben Medaille aufrecht zu erhalten.
Das Staat und Kapital zwei Seiten derselben Medaille sind wird auch
beim Thema Privatisierung deutlich. Grundsätzlich fungiert der ◆ Weitere Informationen: www.unverkaeuflich.org, www.ab-
Staat als »ideeller Gesamtkapitalist« (Marx). Das bedeutet, er fühlt riss-berlin.de, www.wemgehoertdiewelt.de, www.ms-versen-
sich dem allgemeinen Interesse des Kapitals seines Landes verpflich- ken.org, www.wba.blogsport.de, www.bethanien.info

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Fünf Jahre Freiheit am Hindukusch?
Irakkrieg Über 8.000 Tote, darunter viele Zivilisten, sowie den höchsten Stand an Gewalthandlun-
gen seit der US-Invasion verzeichneten die Vereinten Nationen im Jahr 2007 in Afghani-
Die bisherige Bilanz des stan. Die Zahl der Selbstmordattentate hat sich seit 2005 annähernd verachtfacht, die Si-
Krieges ist erschrek- cherheitslage im Land dramatisch verschlechtert. 70 Prozent der Afghanen leben mit chro-
kend. Die Infrastruktur nischem Nahrungsmittelmangel, 25 Prozent ohne ausreichende Wasserversorgung, Schlaf-
des Landes wurde nach mohnproduktion dominiert die Landwirtschaft
ihrer Erholung in den

T
90er Jahren wieder zer- rotz einer breiten Ab- fühl der ansässigen Bevölkerung
bombt. Die zivilen Opfer lehnung des Bundes- geführt. Die Ablehnung der ver-
haben eine sechsstellige wehreinsatzes innerhalb mehrt als Besatzer betrachteten
Dimension erreicht. der deutschen Bevölkerung soll Truppen hat sich noch verstärkt,
Der jüngst vorgestell- die deutsche »Freiheit« mit perma- seitdem die schon zuvor weit
te amnesty internatio- nent wachsender Truppenstärke schlechter angesehene OEF-Mis-
nal (ai) Bericht zu fünf »am Hindukusch verteidigt wer- sion in immer dichtere Nähe zur
Jahren Irakkrieg trägt den«. Zwei große militärische Mis- ISAF rückt und die Kommando-
den bitteren Titel »Ge- sionen werden in Afghanistan un- strukturen teilweise in Personal-
metzel und Hoffnungs- terschieden: Die US-geführte unionen aufgehen.
losigkeit.« Denn laut »Operation Enduring Freedom«
der Menschenrechtsor- (OEF) mit dem Ziel der »Terroris- Interessenlage
ganisation hat der Krieg musbekämpfung«. Deutsche Sol- Das Interesse an Afghanistan er-
mehr als vier Millionen daten sind an diesem, auf die gan- klärt sich aus der strategischen
Iraker zu Flüchtlingen ze Region ausgelegten Einsatz nur Lage des Landes. So existieren
gemacht, die zumeist außerhalb Afghanistans beteiligt. Überlegungen zum Bau von
unter elenden Bedin- Die zweite Mission ist die »Inter- Pipelines vom kaspischen Bek-
gungen leben. Während national Security Assistance Force« ken bis an das arabische Meer
Millionen Dollar für Si- (ISAF). Daran ist die Bundeswehr unter Umgehung des Irans. Die
cherheitsvorkehrungen mit 3.500 Soldaten beteiligt. Aufrechterhaltung des Förderbe-
ausgegeben worden sei- triebs wäre ohne befriedetes
en, hätten heute zwei Völkerrechtliche Legitimation Hinterland undenkbar. Auch bei
von drei Irakern keinen Die völkerrechtliche Legitimation einem möglichen Angriff auf den
Zugang zu sauberem der OEF wurde mit dem Recht ISAF in Afghanistan, Iran wäre Afghanistan als direk-
mit dabei: 3.500
Wasser. Im Bericht wird auf Selbstverteidigung und dem tes Nachbarland strategisch un-
Bundeswehrsoldaten
weiter von Massakern Ausrufen des Bündnisfalls (Art.5 verzichtbar.
durch bewaffnete Grup- Natovertrag) nach den Anschlägen »Provincial Reconstruction Die momentanen Machthaber
pierungen, Folter durch des 11. 9. 2001 begründet, aller- Teams« (PRT) sollen auf lokaler in Afghanistan, außer den auslän-
die Sicherheitskräfte dings nur so lange, »bis der Sicher- Ebene im Rahmen des zivil-mi- dischen Militärs noch die Regie-
und fortgesetzter Inhaf- heitsrat die zur Wahrung des Welt- litärischen Engagements Hilfe rung unter Hamid Karzai, auf-
tierung durch die ame- friedens und der internationalen zum Wiederaufbau leisten. Die grund seiner beschränkten Macht
rikanischen und iraki- Sicherheit erforderlichen Maßnah- Bilder Brunnen bauender deut- auch »Bürgermeister von Kabul«
schen Truppen gespro- men getroffen hat«. Genau dies ist scher Soldaten hat wahrscheinlich genannt, sind klar als Protagonis-
chen. amnesty interna- jedoch die Grundlage für den jeder schon einmal irgendwo ge- ten des Neoliberalismus zu iden-
tional bezeichnet die ISAF-Einsatz gewesen, somit gibt sehen. Dass ein wirklicher Aufbau tifizieren.
Situation der Justiz als es seit über sechs Jahren keine völ- nie geplant war, zeigt sich aller- Die Umstrukturierungsmaß-
katastrophal. Prozesse kerrechtliche Grundlage für die dings schon am Missverhältnis der nahmen kommen derzeit einem
seien »regelmäßig un- OEF-Mission. Ausgaben für militärische Einsät- Ausverkauf des Landes gleich,
fair.« »Beweise« seien ze und Wiederaufbau (bspw. 5:1 in zentrale Teil-Ökonomien werden
oft unter Folter zustan- Zivil-militärischer Einsatz Kundus). In Panzern durchs Land langfristig nicht in afghanischer
de gekommen, hunder- Neben dem Auftrag der Sicher- walzende militärische Einheiten Hand sein. Eine militärische Lö-
te Menschen seien so heitsunterstützung wird die Bun- haben zudem vermutlich noch sung kann es nicht geben, eine zi-
zum Tode verurteilt deswehr auch gern als Wiederauf- nirgends für Völkerverständigung vile scheint seitens der Besatzer
worden. bautruppe gesehen. So genannte oder gesteigertes Sicherheitsge- nicht gewünscht.

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SS-Runen am Hackeschen Markt ■ Kein Bock auf Nazis
Die Kampagne »Kein
Die Eröffnung des Bekleidungsgeschäfts »Tönsberg« Anfang Februar im Berliner Stadtteil Bock Auf Nazis« hat die
Mitte wurde von vielen als regelrechter Skandal empfunden. Zurecht, denn das Geschäft zweite Ausgabe ihrer
vertreibt ausschließlich Bekleidung der rechten Modemarke Thor Steinar. Trotzdem über- kostenlosen Schülerzei-
rascht die plötzliche Empörung tung gedruckt. Jetzt
warten wieder 250.000
deutschen Faschismus, werden Exemplare darauf ver-
auch aktuelle rechtsextreme Be- teilt zu werden. Die
wegungen promotet. Beispiel da- Zeitung kann in 200er-
für der Schriftzug »Ultima Thule«, oder 400er-Paketen
der auf das gleichnamige schwedi- bestellt werden. Auf
sche Rechtsrock-Projekt verweist. www.keinbockaufna-
Das Thor Steinar trotz oder ge- zis.de steht wie das Be-
rade wegen seiner rechten Sym- stellen funktioniert.
bolik von jungen Menschen als An der Kampagne
stylische Klamotte getragen wird beteiligen sich immer
sollte beunruhigen. Schließlich mehr Künstler. Unter
trägt dies dazu bei, die gesell- anderem Fettes Brot,
Beliebtes Ziel der Proteste gegen Thor schaftliche Akzeptanz für völki- Wir Sind Helden, Die
S t e i n a r , d e r Tö n s b e r g i n B e r l i n - M i t t e sche, faschistische und rechtsex- Ärzte, Die Toten Hosen,
treme Ideen zu erhöhen. Beatsteaks. Auch eine

B
ei der Eröffnung des treiben, zeigen dass es eine enor- neue Version der KBAN-
»Tönsbergs« handelt es me Nachfrage danach geben muss. Aktiv gegen Nazistyle DVD ist in Arbeit – hal-
sich nicht um eine Neu- Dass es inzwischen Fußballverei- tet die Augen danach
eröffnung, sondern vielmehr um Rechte Symbolik ne gibt, die das Tragen dieser Mar- offen.
einen Umzug. Denn bis Ende Die Symbolik, die auf den Thor ke in ihren Stadien verbieten und
2007 war das Geschäft in einem Steinar-Klamotten zu finden ist,ist dass es im Zusammenhang mit ■ Nazis wollen nach HH

etwa 500 Meter entfernt liegen- alles andere als harmlos, sondern dem alten Labelverbot kurzzeitig Am 1.Mai wollen NPD
dem Einkaufszentrum am Alexan- sie ist mit eindeutigen völkischen, zu einer medialen Aufklärung und Freie Nationalisten
derplatz zu finden und zwar ohne faschistischen und rechtsextremen über die rechte Modemarke kam, einen bundesweiten
nennenswerte Proteste hervorzu- Bildern aufgeladen. Dies führte war fast immer antifaschistischen Aufmarsch in Hamburg
rufen. Allein der Aufklärungsarbeit dazu, dass das alte Logo von Thor Initiativen geschuldet. Offenbar durchführen. Der 1. Mai
durch Antifaschisten ist es zu ver- Steinar 2004 zeitweise verboten waren diese Anstrengungen je- steht als internationa-
danken, dass ihm dort nach mehr wurde, weil es der Doppel-Sig doch nicht ausreichend, um den ler Kampftag in der Tra-
als zwei Jahren gekündigt wurde. Rune der SS zum Verwechseln Vertrieb von Thor Steinar auszu- dition der linken Arbei-
Des weiteren befindet sich ähnlich sah und sich aus der Tyr- bremsen. Gerade deshalb stellen terbewegung. Dennoch
Thor Steinar seit Jahren auf einem Rune und der Gibor-Rune zu- die Proteste gegen den Laden in versuchen Nazis an die-
Siegeszug als weithin akzeptiertes sammensetzte. Die Gibor-Rune Berlin-Mitte einen Hoffnungs- sem Tag, die soziale
Label, was ebenso wenig Protest wurde u.a. von Nazi-Wehrwol- schimmer dar. So haben die Be- Frage von rechts zu be-
hervorruft. Es gibt kaum eine feinheiten benutzt. Im deutschen schwerden der Anwohner und Ge- setzen. In den letzten
Schulklasse, kaum ein Volksfest Faschismus wurde die Tyr-Rune werbetreibenden, die öffentliche Jahren versuchten im-
ohne junge Menschen für die die als Abzeichen der Reichsführer- Kritik von Politikern, die antifa- mer wieder Neonazis
Thor Steinar-Bekleidung nicht schulen verwendet. Ein weiteres schistischen Mobilisierungen und durch die Hansestadt zu
der Dresscode wäre, über den die Beispiel ist das Motiv »Wüsten- die mindestens neun Farbattacke marschieren. Dies soll
Zugehörigkeit bzw. Nicht-Zuge- fuchs«. Es spielt in eindeutiger dem Protest über diese gesellschaft- auch diesmal durch ein
hörigkeit zu ihrer Gruppe demon- weise auf den Wehrmachtsgeneral liche Breite eine neue Wirkungs- großes Bündnis verhin-
striert wird. Und gerade die ver- und NS-Helden Erwin Rommel mächtigkeit gegeben.Diese hat be- dert werden. Auch für
mutlich nicht-rechten, sondern an, der für unzählige Verbrechen reits nach kürzester Zeit zur Kün- Nazigegner aus Berlin
ausschließlich auf den Gewinn in Nordafrika verantwortlich und digung des Mietvertrags geführt. wird es einen Zugtreff-
spekulierenden Läden, die die unter dem Namen Wüstenfuchs Für die Dauer des nun folgenden punkt geben.
rechte Bekleidung (trotz antifa- bekannt ist. Neben dem eindeuti- Rechtsstreits wird im Tönsberg al- ◆ www.antifainfo.de
schistischer Interventionen) ver- gen Bezug des Labels auf den lerdings weiterhin verkauft. oder www.antifa.de

0 7 /// A n t i b e r l i n e r 1 7 / 2 0 0 8
Erster Mai »Wir sind mit vielen Gerade der erste Mai mit sei-
ner kämpferischen Tradition ist
Dingen unzufrieden« der Tag unsere Kritik an dieser
Entwicklung zu formulieren und
Angesichts des rasanten So- die Perspektive einer Gesellschaft
■ Podiumsveranstaltung zialabbaus der letzten Jahre, jenseits des Kapitalismus auf die
»Was wird aus Kreuz- der Überwachung nach in- Straße zu tragen.
berg-Friedrichshain?« nen und den Kriegseinsät- Was ist konkret geplant? Wo kön-
Privatisierung und zen nach außen, scheint der nen sich die Unzufriedenen und
Stadtumstrukturierung Kampf aktueller und wichti- Unterdrückten einreihen?
entlang der Spree. ger denn je. Der Antiberliner Wir werden mit vielen linken
Eine Bilanz und Aus- lud zwei Aktivisten des Ber- Gruppen eine kraftvolle und
blicke was dagegen ge- liner 1.-Mai-Bündnisses zum lautstarke Demonstration durch
tan werden kann. Gespräch über den revolu- Kreuzberg organisieren. Kreuz-
Dazu gibt es auch Filme tionären ersten Mai und des- berg ist in einem besonderen
und eine Ausstellung. sen heutige Bedeutung ein Maße von sozialen Angriffen
◆ 29.4., 19 Uhr, RAW- betroffen. Hier wohnen beson-

D
Tempel, Revaler Str. 99 er erste Mai steht vor ders viele Menschen die von
(Friedrichshain) der Tür. Am traditio- Hartz IV leben müssen, hier ist
Hauswand, Kreuzberg
nellen Kampftag der die Arbeitslosenquote beson-
■ Openair-Festival Arbeiterbewegung wird auch heute Wie passt diese Vielzahl von The- ders hoch. Gleichzeitig finden
Rocken gegen die noch für mehr Gerechtigkeit und die men zusammen? hier besonders heftige soziale
Scheissnazis. Auf der Perspektive einer freien Gesellschaft Auch wenn es sich erstmal sehr Verdrängungsprozesse statt, es
Bühne stehen Bands gekämpft. Warum geht ihr am er- beliebig anhört, sehen wir hier werden neue Luxuswohnungen
wie Schlagzeiln, sten Mai auf die Straße? schon einen klaren Zusammen- gebaut, die Mieten steigen im-
Guts Pie Earshot, Red Nun, wir sind mit einer ganzen hang.Wir leben in einer Gesell- mer weiter und viele alternati-
Star Soundystem, Ban- Reihe von Dingen unzufrieden. schaft, in der es nicht um die ve Projekte sind bedroht. Auf
da Bassotti u.a. Ob es nun die sich immer wei- Bedürfnisbefriedigung ihrer der anderen Seite lassen sich
◆ 1.5., ab 14 Uhr am ter verschärfende Kluft zwi- Mitglieder geht, sondern dar- aber in Kreuzberg auch Bei-
Kottbusser Tor schen arm und reich ist, oder die um, für einzelne einen mög- spiele erfolgreichen Wider-
unsoziale Stadtumstrukturie- lichst hohen Gewinn zu erzie- stands finden. So beispielsweise
■ Die Demo rung - wie vor allem aktuell in len. Eine solche Gesellschaft die Köpi, die es durch vielfälti-
Im Zentrum stehen die- Kreuzberg und Nordneukölln wird notwendigerweise immer ge Aktionen geschafft hat lang-
ses Jahr die Stadtum- zu beobachten – die preiswerten mehr Verlierer als Gewinner er- fristige Mietverträge zu be-
strukturierung, insbe- Wohnraum vernichtet und so zeugen. Was wir in den letzten kommen. Oder die Initiative
sondere der Kampf zur sozialen Verdrängung der zehn Jahren erlebt haben, ist ein »Media-Spree versenken«, die
gegen das Großprojekt dort lebenden Bevölkerung bei- gigantischer Angriff auf soziale innerhalb einiger Monate
Media Spree in Kreuz- trägt. Wir stellen uns gegen die Errungenschaften und Siche- 16.000 Unterschriften gegen
berg-Friedrichshain immer dreistere Überwachung rungssysteme. Hartz IV und die vollständige Bebauung des
und die Privatisierung der Bevölkerung und gegen die Agenda 2010 sind die prakti- Spreeufers gesammelt hat. An
von öffentlichem Eigen- Kriegspolitik der westlichen In- schen Ausformungen dieses An- diese Erfolge wollen wir an-
tum. In diesem Sinne: dustriestaaten. griffes. knüpfen.
Zusammen kämpfen für
die soziale Revolution!
E r n a e m p f i e lt h e ute : » Ste u e r n s p a re n , Ti p s u n d Tr i c k s «
Am 1.5. ab 17 Uhr geht
es los mit einer Auf-
taktkundgebung mit
Bühnenprogramm. Und
um 18 Uhr beginnt die
revolutionäre 1. Mai-
Demonstration am
Kottbusser Tor in Kreuz-
berg.

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