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Job – Sinn – Krise

In der Tätigkeit
und im Dialog
zu meinem Job!

Ein ergänzendes Verständnis von


Berufsberatung und -orientierung

An-Sicht-Weise
-1- Gernot Deutschmann
Die Ausgangslage
Individualisierung und Orientierung in der modernen Gesellschaft

Wir leben in einer Zeit, in der alles möglich scheint. Je mehr der Mensch heute
theoretisch kann, um so mehr theoretisch für jeden Einzelnen möglich erscheint, umso
wichtiger ist es für jeden herauszufinden, was er will und was er kann. In einer
individualisierten Welt, in der wir uns von nahezu allen gesellschaftlichen Zwängen
(außer arbeiten gehen zu müssen) befreit haben, ist der Mensch nahezu gezwungen auf
Basis einer realistischen Selbsteinschätzung quasi sich selbst zu erschaffen. Grundlage
für dieses Selbst-Erschaffen ist die Orientierung und die Tätigkeit. Unsere Generation ist
die erste, die sich in diesem umfassenden Sinne mit dieser Frage auseinandersetzen
muss.

Orientierung und ist in diesem Sinne Bedingung und Voraussetzung für


Handlungsfähigkeit. Auf Basis dieser Bedeutungen verstehe ich Orientierung als die
handlungs- und bedeutungsbezogene, menschliche Sicht der Welt. Welt ist also nicht „an
sich“, sondern die Welt ist „für mich“ (und andere) als Individuum interessant. Ohne
Beobachter und dessen Standpunkt haben die Dinge keine Gestalt und keine Wirklichkeit
in dem Sinn, wie wir Wirklichkeit verstehen. Was wir für Wirklichkeit halten, entsteht nur
im Beobachter.

Damit rückt das interpretierende, orientierungssuchende, sich damit selbst-erschaffende


Individuum als „Gestalter von Bedeutungen“ in das Zentrum der Überlegungen – der
tätige Mensch.

In Anlehnung an Paolo Freire können wir die Frage stellen, wie Arbeiten und Lernen so
gekoppelt sein können, dass das Individuum weder arbeitet, um zu lernen, noch lernt,
um zu arbeiten. Job-Sinn-Krise will das Bewusstsein schaffen, dass wir lernen, indem wir
arbeiten und wir arbeiten, indem wir lernen. Es geht darum, uns als Individuen, als
Gesellschaft und als Wirtschaft in Erinnerung zu rufen, dass Arbeit (die wert-schaffende
Tätigkeit) und damit einhergehende die Beherrschung und die Verwandlung der Realität
den Menschen zum Menschen macht. Menschen haben im Akt des Verwandelns der
objektiven Realität, in ihrer Arbeit, in ihrem Tun denken gelernt. Der Mensch ist per se
ein schaffendes und tätiges Wesen.

Vor allem in der proklamierten „Wissensgesellschaft“ ist die explizite Unterwerfung dieses
schaffenden und tätigen Elementes des Menschen unter das Diktat der finanziellen
Verwertbarkeit nicht nur moralisch bedenklich, sondern ist sowohl für die
Berufsorientierung als auch für die darauf folgende Bewerbung als alleiniges Element zu
tiefst destruktiv.

An-Sicht-Weise
-2- Gernot Deutschmann
Die Zielsetzung
Was möchte ich ermöglichen

Job – Sinn – Krise will in einem Coaching Prozess mit Einzelpersonen und mit Gruppen
die individuellen Voraussetzungen dafür schaffen,

• dass der Teilnehmer in der Lage ist, sich für einen Beruf zu entscheiden, sprich
sich im wahrsten Sinne des Wortes zu orientieren und

• in einem „nicht nach Arbeit fragenden“ Selbstverständnis potentiellen Arbeitgebern


begegnet, um eine sinnvolle und für ihn inspirierende Erwerbsarbeit zu finden

Aus meiner Sicht werden diese Ziele erreicht, wenn die Teilnehmer in ihre Tätigkeit um
ihrer selbst willen „geführt“ werden.

Der hier vorgestellte Zugang soll ergänzend zu den bereits etablierten Berufs-
orientierungsmaßnahmen angeboten werden.

An-Sicht-Weise
-3- Gernot Deutschmann
Der traditionelle Ansatz
Der Glaube an Werkzeuge, Methoden und an die Planbarkeit der Zukunft

Der traditionelle Ansatz geht folgenden vereinfacht dargestellten Weg:

1.) In der Berufsorientierung wird mit dem Trainer, mit dem Coach unter der
Anwendung verschiedener Methoden im abstrakten Raum versucht festzustellen,
welche Talente und Fähigkeiten in dem Menschen schlummern.
2.) Diese Talente und Fähigkeiten werden dann in Berufsbilder übersetzt.
3.) In weiterer Folge werden dann die Jobaussichten in dem jeweiligen Beruf eruiert
4.) Es wird festgestellt, ob für den gewählten Beruf Aus- und/oder Weiterbildungen
notwendig sind.
5.) Wenn ja, wird versucht, dass diese Aus- und/oder Weiterbildungen vom AMS
finanziert werden.
6.) Der Arbeitssuchende wird darin unterstützt, professionelle Bewerbungsunterlagen
(Lebenslauf und Bewerbungsschreiben) zu erstellen.
7.) Der Arbeitssuchende erhält Kommunikationstrainings, die es ihm ermöglichen
sollten, professionelle und Erfolg versprechende Bewerbungsgespräche zu führen.
8.) Gemeinsam mit dem Arbeitssuchenden wird eine Bewerbungsstrategie (Internet-
Recherche, Inserate, Branchenverzeichnisse, etc.) entwickelt.
9.) Begleitend zu den oben aufgeführten Punkten wird auf die individuellen Probleme
(ev. Vorstrafen, Wohnungsnot, familiäre Probleme, etc.) eingegangen.

Ziel dieses traditionellen Ansatzes ist es, dem Arbeitssuchenden in einem abstrakten
Raum in seiner Berufsentscheidung und in der Erstellung seiner Bewerbungsunterlagen
zu unterstützen und ihm begleitend die „Soft Skills“ zu vermitteln, damit er sich „nach
Arbeit fragend“ voller Tatendrang, kraftvoll und dynamisch in den Arbeitsmarkt werfen
kann, um möglichst schnell eine Erwerbstätigkeit zu finden.

An-Sicht-Weise
-4- Gernot Deutschmann
Die Grundannahmen des traditionellen Ansatzes
Der Glaube an Werkzeuge, Methoden und an die Planbarkeit der Zukunft

Der traditionelle Ansatz geht von folgenden Annahmen aus:

• Der Arbeitssuchende kann mit der Hilfe seines Trainers/Coaches im abstrakten,


gedachten Raum (in einem Institut, in einer Schule) sein neues Berufsbild finden.

• Sofern er keine beruflichen Erfahrungen vorweisen kann, die das neue Berufsbild
unterstützen, sind entsprechende Ausbildungen und Zertifikate als Voraussetzung,
um sich überhaupt bewerben zu können, unumgänglich

• Wenn man alles „richtig macht“ kriegt man auch den richtigen Job. Und das was
richtig ist, kann man im Vorhinein und im abstrakten Raum feststellen

• Die „Frage nach Erwerbsarbeit“ und die Frage, in wie weit der Arbeitssuchende
den Erwartungen des Unternehmens, bzw. des Arbeitsmarktes generell entspricht
ist die zentrale und ausschließliche Form der Begegnung zwischen
Mitarbeitersuchendem und Jobsuchendem.

Ich denke nun, dass klassische Herangehensweise und die zugrunde liegenden
Annahmen nicht ausreichend sind, um einen jungen Menschen auf die Dynamik, die
Unebenheiten und die Widersprüchlichkeiten des modernen Arbeitslebens vorzubereiten.

Außerdem denke ich, dass es erfolgsversprechendere Wege gibt, einen Job zu finden,
außer mit den beruflichen Heldentaten von früher (sofern vorhanden),Zertifikaten und
Zeugnissen geschmückt nach Arbeit fragend mit potentiellen Arbeitgebern zu
kommunizieren. Hier gilt es ergänzende Orte und Formen der Begegnung und des Sich-
Kennen-Lernens zu finden.

An-Sicht-Weise
-5- Gernot Deutschmann
Das neue und ergänzende Verständnis
Die Reihenfolge umdrehen und sich damit
neue Handlungsmöglichkeiten eröffnen

Unter Arbeit verstehen wir heute Gelderwerb und Tätigkeit. Und das genau in dieser
Reihenfolge! Ich bin dann tätig, wenn ich Geld dafür bekomme, wenn es sich rentiert.
Tätigkeit ist eine Investition auf eine hoffentlich bessere Zukunft. Und damit ich hübsch
und interessant genug bin, um für meine Tätigkeit Geld bekommen zu können, schmücke
ich mich Zeugnissen und Zertifikaten. Aus meiner Sicht ist das ein recht eigenwilliges,
reduziertes und zynisches Verständnis von „Wissensgesellschaft“.

Das Dramatische in unserer modernen Gesellschaft ist, dass das Tätig-Sein, das
Erschaffen wenn, dann nur in Form einer Lohn- und Erwerbstätigkeit oder in eine
Hoffnung auf eine Lohn- und Erwerbstätigkeit wahrgenommen wird, bzw. gedacht und
gelebt werden kann. Der Rest wird (ungerecht vereinfacht) nur noch als Erholung bzw.
als Konsum wahrgenommen und gelebt.

Ich drehe nun die oben erwähnte Formel „Arbeit = Geld + Tätigkeit“ einfach um und
vertrete die These, dass das Tätig-Sein um des Tätig-Sein-Willens (=intrenistische
Motivation) eine absolute Voraussetzung für das Finden eines Jobs ist. Ich muss auch
tätig sein, um mich überhaupt orientieren zu können. Wenn ich nie das tue, von dem ich
glaube, dass es mir entspricht, wie soll ich dann wissen oder erkennen, dass es mir
entspricht. Wie soll ich mich sonst erkennen, ich kann mich sonst nur denken. Und nur
im individuellen Tätig-Sein kann ich die notwendige Kraft für die vielen Zurückweisungen,
Motivationslöcher, die mit der Ausbildung und der darauf folgenden Jobsuche verbunden
sind, finden.

Unter der Voraussetzung, dass mein Tätig-Sein gewisse soziale Elemente beinhaltet – ein
Fest für andere organisieren, eine Ausstellung machen, einen Flohmarkt organisieren,
was auch immer – werden meine Handlungen mich zu Kontakten zu anderen Menschen
auf einer ganz anderen Ebene führen – man befindet sich auf einer Reise mit
unerwarteten Begegnungen und damit verbunden mit ungeahnten Möglichkeiten.

An-Sicht-Weise
-6- Gernot Deutschmann
Der Mensch als tätiges Wesen
Die Quelle und der Ausdruck persönlicher Orientierung

Ich handle, also bin ich. Ich bin tätig, also bin ich. Aus meiner Sicht manifestiert sich das
Leben im Erschaffen, weniger im Erkennen.

Handeln, Tätig-Sein ermöglicht Wirksamkeit. Wenn das, was ich tue in der Welt eine
Reaktion auslöst, wenn es wirkt, dann erkenne ich mich als anwesend, gespürt,
handelnd, lebendig. Wenn es keine Wirkung hervorruft, dann fühle ich mich abwesend.
Dieses angeborene Bedürfnis nach Wirkung (das Baby, das sich freut, dass es die Rassel
rasseln lassen kann) ist eine wesentliche Fahrkarte für:

• Interesse an der Umwelt


• Aktive Teilnahme am Leben
• Lernfähigkeit
• Problemlösungsfähigkeit

Nichts beeindruckt das Nervensystem mehr, als die neurologische Aktivierung durch
unser Handeln. Man kann nicht glücklich oder zufrieden sein, wenn man nicht etwas
erschafft. Nur die Kreativität, die Schaffenslust verhilft den Menschen zu seinem
individuellen Mensch-Sein, zu seiner Würde. Letztendlich geht es im Leben darum, einen
Blick in den eigenen Geist, in seine Individualität (= das Unteilbare, das Einzig-Artige) zu
werfen und das, was man erkennt, zum Leben zu erwecken.

Ich bin nicht mehr nur in meinem Wollen, meinen Gedanken, in meinem persönlichen
Spiegelsaal gefangen. Und ich mache mein Tätig-Sein nicht mehr ausschließlich von einer
klassischen Erwerbsarbeit abhängig. Diese Emanzipation von dem ausschließlichen Ziel
der Erwerbsarbeit erhöht aus meiner Sicht paradoxerweise die Chance erheblich, eine
Erwerbsarbeit zu „bekommen“.

An-Sicht-Weise
-7- Gernot Deutschmann
Der Coaching Prozess
Eine gemeinsame Reise

Der gesamte Coaching Prozess zielt darauf ab, den Teilnehmer in seine individuelle
Tätigkeit um seiner selbst zu führen, um sich auf diese Weise als Gestalter seines Lebens
wahrzunehmen, mit und über seine Tätigkeit mit Anderen in Dialog zu kommen und in
weiterer Folge zu einer Erwerbsarbeit zu kommen.

Der Coaching-Prozess beinhaltet folgende Elemente, die je nach Gruppe, bzw.


Fragestellung eine unterschiedliche Reihenfolge und inhaltliche und zeitliche Gewichtung
erfährt:

• Gegenüberstellung von den Vor- und Nachteilen von Arbeitslosigkeit und


Erwerbsarbeit
Dynamik und Implikation von klassischem Verständnis von Berufsorientierung
und Jobsuche

• Darstellung der Dynamik am Arbeitsmarkt


aktuelle Arbeitsmarktdaten

• Wie suchen die Unternehmen neue Mitarbeiter


der „versteckte Arbeitsmarkt“

• Eine wichtige Frage - „Wie würde ich meine Zeit verbringen, wenn ich
kein Geld verdienen müsste?“
Diskussion über die jeweiligen Antworten und deren Konsequenzen und
Gestaltungsmöglichkeiten

• Die Reihenfolge umdrehen (Arbeit = Geld + Tätigkeit)


bereits oben indirekt angedeutet

• Die Magie der individuellen Tätigkeit und des Dialogs


bereits oben indirekt angedeutet

An-Sicht-Weise
-8- Gernot Deutschmann
Der Nutzen
Orientierung und Entscheidung durch Bewusst-Sein

Die Teilnehmer entwickelt für sich durch die gemeinsame Betrachtung der Fragestellung
aus unterschiedlichen Perspektiven ein individuelles Verständnis und Bewusst-Sein für die
Frage „Was will ich tun?“, „Wie will ich meine Lebenszeit verbringen?“„Wie will ich mein
Geld verdienen?“.

Im Zuge meiner umfangreichen Arbeit mit diesem Zugang kann ich folgende Nutzen für
die Teilnehmer feststellen:

• sie sind zufriedener – eine wesentliche Voraussetzung für aktive und produktive
Jobsuche

• sie sind auf einer Reise mit ungeahnten Job-Möglichkeiten

• alle emotionellen (!) Nachteile in der Arbeitslosigkeit sind nicht mehr tragend
(keine Herausforderungen, keine sozialen Kontakte, etc.)

• eine Berufsentscheidung kann auf Basis des tätigen Lebens gefällt werden, nicht
auf Basis eines gedachten, in die Zukunft projizierten Lebens

• sie begegnen potentiellen Arbeitgebern in ihrer Tätigkeit und/oder über eine Frage

• sie kommunizieren mit dem potentiellen Arbeitgeber nicht mehr darüber, was sie
früher getan haben und was sie später tun wollen, sie kommunizieren über ihre
tätige Gegenwart

• klassische Ausbildungen und klassische Bewerbungsstrategien werden ergänzt


und auf eine gesunde individuelle Basis gestellt

An-Sicht-Weise
-9- Gernot Deutschmann
Auf Ihre Kontaktaufnahme freut sich:

Gernot Deutschmann
Clementinengasse 24/1
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gernot_deutschmann@yahoo.de
++43/681/10 20 15 27

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-10- Gernot Deutschmann