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1) Aus: Zikaden von Ingeborg Bachmann (1954)

es erklingt eine musik, die wir schon einmal gehrt haben, aber das ist lange her, ich wei

nicht, wann und wo es war - eine musik ohne melodie, von keiner flte, keiner

maultrommel gespielt.

sie kam im sommer aus der erde, wenn die sonne verzweifelt hoch stand, der mittag aus

seiner begrifflichkeit stieg und in die zeit eintrat, sie kam aus dem gebsch und den

bumen - denk dir erhitzte, rasende tne, zu kurz gestrichen auf den gespannten saiten

der luft, oder laute, aus ausgetrockneten kehlen gestoen, ja auch an einen nicht mehr

menschlichen, wilden, frenetischen gesang msste man denken.

Aber ich kann mich nicht erinnern, und du kannst es auch nicht - oder sag, wann das war,

wann und wo.

2) Katalog hren:

hren
anhren
abhren
aufhren
zuhren
hinhren
weghren
durchhren
umhren
vorhren
nachhren
berhren
verhren
erhren
hrig
gehren
gehrig
ungehrig
gehrt
hrbar
unhrbar
gehrlos
unaufhrlich
hrbehindert
schwerhrig
hrenswert
unerhrt

gehr
hrsaal
hrrohr
gehrgang
hrnerv
hrzentrum
hrstrung
hrfehler
hrproblem
hrsturz
hrverlust
hrhilfe
hrgert
hrprobe
hrbeispiel
hrposition
hrweite
hrschwelle
hrbereich
hrmuschel
hrspiel
hrfunk
hrbuch
hrtest
hrgewohnheit
hrerwunsch
verhr
anhrung
hrvermgen
gehrbildung
behrde
hrgrenze
hrensagen
hrerschaft
kreuzverhr
3) Ernst Bloch (1885-1977), zitiert aus dem Kapitel Zur Theorie der Musik' in Geist der
Utopie (Suhrkamp Verlag)

Wir hren aber nur uns selbst.

Nur mssen wir uns dabei selber bringen.

Nur was von uns an klingt, kann hier also nher bringen.

Was suche ich nur, wenn ich hre?

So mag hier also nichts von selber klingen.

Denn wenn wir nicht mitgehen, geht berhaupt kein Ton.

Wenn wir also nicht mitgehen, kann nichts lnger singen.

Nur wenige aber kommen schon dahin, sich rein zu hren.

Doch es steht bevor, sich selbst bald rein und tief entgegen zu hren.

Es gilt, das schweifende Hren endlich auf sich selber zu richten, die Seele zu fassen.

Das Hellsehen ist lngst erloschen. Sollte aber nicht ein Hellhren, ein neues Sehen von
Innen im Anzug sein...

Nun, wo die sichtbare Welt zu unkrftig geworden ist, den Geist zu halten.