Sie sind auf Seite 1von 14

Dämmung von Rohrleitungen nach

der EnergieEinsparVerordnung EnEV

2013/20141)
sowie nach der DIN 1988-200 (2012)
und der VDI/DVGW 6023 (2013)

Interne Seminarunterlage

der Missel-Akademie 2014

1)
Unter Verwendung einer Unterlage der Fachgruppe Dämmungen im Fachverband Schaumkunststoffe und Polyurethane e.V.
(FSK), Frankfurt.
1. Dämmung von Rohrleitungen nach der EnergieEinsparVerordnung
EnEV 2013/2014
Das Ziel der EnergieEinsparVerordnung EnEV, den Energieverbrauch in allen Lebens- und
Arbeitsbereichen nachhaltig zu reduzieren, ist inzwischen nicht nur bei allen Verantwortlichen in
Politik und Wirtschaft, sondern vor allem auch bei den Verbrauchern angekommen, bei denen
sich zunehmend ein neues Energiebewusstsein entwickelt. Ganz wesentlich haben zu diesem neuen,
energiebewussten Denken und Handeln Umweltkatastrophen wie die Havarie an der Öl-Bohrinsel
„Deepwater Horizon“ im Golf von Mexiko Anfang September 2010 und die Kernreaktorunfälle im
japanischen Fukushima nach dem gewaltigen See- und Erdbeben im März 2011 beigetragen. Als
Folge der Katastrophen waren zunächst die bis heute anhaltenden exorbitanten Energie- und
Ölpreissteigerungen zu spüren. Der sich anschließende, relativ schnell beschlossene Ausstieg
Deutschlands aus der Energiegewinnung durch Kernspaltungen und der Umstieg auf alternative
Energieerzeugungen werden mittel- und langfristig weitere einschneidende Änderungen bei
Energienutzung, -verbrauch und -einsparungen auf allen Ebenen des öffentlichen und privaten
Lebens nach sich ziehen.

Bei der Errichtung und Modernisierung bzw. Sanierung von „Gebäuden, die unter Einsatz von Energie
beheizt oder gekühlt werden“ und für „Anlagen und Einrichtungen der Heizungs-, Kühl-, Raumluft-
und Beleuchtungstechnik sowie für die Warmwasserversorgung von Gebäuden“ (siehe § 1, Absatz 2
der EnEV 2013/2014) greifen die Vorgaben der EnEV zur Reduzierung des Energieverbrauches
bereits seit Einführung der ersten Fassung der EnergieEinsparVerordnung im Februar 2002. Mit den
Weiteren Fassungen der EnEV von 2004, 2007 und 2009, in denen die Anforderungen an
energieeffizientes Bauen schrittweise verschärft wurden, ist bereits ein breiter gesellschaftspolitischer
Konsens erreicht worden, wie das unter anderem ein Blick in die Förderprogramme der KfW-Bank
zeigt. Diese Entwicklung wird mit dem neuen Entwurf der EnEV vom Oktober 2012 fortgesetzt.

Im § 1 Absatz 1 der EnEV 2013/2014 heißt es, dass der „Zweck dieser Verordnung die Einsparung
von Energie in Gebäuden ist. In diesem Rahmen und unter Beachtung des gesetzlichen Grundsatzes
der wirtschaftlichen Vertretbarkeit soll die Verordnung dazu beitragen, dass die energiepolitischen
Ziele der Bundesregierung, insbesondere ein nahezu klimaneutraler Gebäudebestand bis zum
Jahr 2050, erreicht werden. Neben den Festlegungen in der Verordnung soll dieses Ziel auch mit
anderen Instrumenten, insbesondere mit einer Modernisierungsoffensive für Gebäude, Anreizen
durch die Förderpolitik und einem Sanierungsfahrplan, verfolgt werden.“ (Bemerkung der Autoren:
Leider werden die enormen energetischen Potenziale von Gebäuden im Bestand auch in der
EnEV 2013/2014 nicht ausreichend berücksichtigt. Möglicherweise will man
modernisierungswillige Immobilienbesitzer nicht durch zu hohe energetische Forderungen
überstrapazieren. Schöpft man jedoch die Altbaupotenziale in den nächsten Jahren nicht aus,
produziert man schon heute die Modernisierungsfälle und energetischen Sorgengebäude der
nächsten 10 bis 20 Jahre.)

Die Baustellenrealitäten bei Neubauten und Sanierungsobjekten zeigen tatsächlich, dass es große
und erfolgreiche Bemühungen bei der Wärmedämmung der Gebäudehülle gibt. Aber es gibt dabei
noch viel zu oft und viel zu hohe Wärme- und Kälteverluste durch ungedämmte oder ungenügend
gedämmte Rohrleitungen und nicht gedämmte Armaturen, obwohl es am Markt zahlreiche bewährte,
hochwertige und vor allem auch nachhaltige Dämmstoffe und Dämmprodukte gibt. Beispiele dazu
liefern die Wärme- und Kältedämmungen der Kolektor Missel Insulations GmbH, siehe

- Missel Katalog 2014 (Seminar-Ordner)


- Merkblatt „Werkvertraglich sichere Dämmungen von Rohrleitungen im Wohnungs-,
Gewerbe- und Industriebau“ (Seminar-Ordner)
- Missel Dämmpass
- www.missel.de.

3
In der Gesamtenergiebilanz eines Gebäudes erscheinen dem Einzelnen dämmtechnische Mängel
an Rohrleitungen und Armaturen möglicherweise als unbedeutend. Aber die Wärmeverluste von
ungedämmten Rohrleitungen und ungedämmten Armaturen lassen sich mit einfachen ingenieur-
technischen Mitteln leicht nachrechnen. So kann man beispielsweise die Gesamtwärmeverluste
einer 10 m langen Rohrleitung DN 40 um etwa 17 % verringern, wenn man 2 zur Anlage
gehörende Armaturen dämmt. Gibt es - wie in Kellerbereichen oder an Verteilern - 10
Armaturen, die in die Bilanz einbezogen werden müssen, beträgt der Wärmegewinn bereits
etwa 50 %!!!

Beim Energiesparen kommt es tatsächlich auf jedes Detail an, denn trotz der bisher erzielten
Fortschritte, zeigen aktuelle Prognosen, dass ohne durchgreifende und koordinierte Maßnahmen
auf dem Gebiet der Energieeffizienz die EU ihr gestecktes Ziel – 20% Energieeinsparung bis 2020 –
nicht erreichen wird. Im Klartext heißt das, dass in der EU und damit auch in Deutschland mit
weiteren gesetzlichen Regelungen zur konsequenten Nutzung von Energieeinsparpotenzialen bis hin
zu Energiesparpflichten gerechnet werden muss. Bauherren, Architekten, Planer, Verarbeiter und
natürlich auch alle Gebäudenutzer - Eigentümer sowie Mieter - sind deshalb gut beraten, auch die
Dämmungen von Wärmeverteilungs- und Warmwasserleitungen, von Kälteverteilungs- und
Kaltwasserleitungen sowie von Armaturen weiterhin fest im Blick zu haben und vor allem auf die
Umsetzung der Vorgaben der EnEV 2013/2014 zu achten. Die gesetzliche Pflicht, Rohrleitungen
und Armaturen von TGA-Anlagen zu dämmen, besteht bekanntlich mit Einführung der EnEV
2002 (und davor galt in ähnlicher Weise die Heizanlagenverordnung HeizAnlV). Die Praxis sieht leider
in vielen Bereichen immer noch anders aus. Mit der EnEV 2013/2014 wurden und werden die
Anforderungen an die Nutzung und Effizienz von Primärenergie gegenüber den EnEV-Fassungen von
2002 bis 2009 nochmals verschärft und vor allem auch ergänzt. Andere Länder wie z.B. die Schweiz
oder Spanien schreiben den Einsatz von dickeren als in der EnEV angegebenen Dämmdicken im
Bereich von Rohrleitungen bereits heute vor.

Eine wichtige Ergänzung erfolgte mit der Einführung der EnEV 2009 im Hinblick auf Dämmungen von
Rohrleitungen. Analog zu den Wärmeverteilleitungen wurden auch die Kälteverteilungs- und
Kaltwasserleitungen von Raumlufttechnik- und Klimakältesystemen in die Dämmpflicht
einbezogen. Die vorgegeben Mindestdämmdicke ist in Tabelle 1, Zeile 8 zu finden. Nach bisheriger
Auffassung des Gesetzgebers genügen diese Anforderungen auch nach Einführung der EnEV
2013/2014 dem Stand der Technik. Nach Überzeugung von Kolektor Missel Insulations und der
Fachgruppe Dämmungen im Fachverband Schaumkunststoffe und Polyurethane e. V. ist diese
Dämmvorschrift zwar ein wichtiger Schritt in Richtung Energieeinsparung beim Betrieb von
Raumlufttechnik- und Klimakältesystemen, für eine effiziente Reduzierung der Wärmeaufnahme von
Kälteverteilleitungs- und Kaltwasserleitungen und deren Armaturen werden aber größere
Dämmdicken empfohlen. Zum EnEV-Entwurf 2012 gab es deshalb einen entsprechenden
Einspruch mit dem Ziel, dass in der EnEV 2013/2014 für diesen Anwendungsbereich Dämmdicken
von mindestens 15 mm vorgeschrieben werden. Leider ist dieser Einspruch nicht umgesetzt
worden.
Tabelle 1:
Wärmedämmung von Wärmeverteilungs- und Warmwasserleitungen, Kälteverteilungs- und Kaltwasser-
leitungen sowie Armaturen (nach EnEV 2013/2014, Anlage 5 zu den §§ 10, 14 und 15)

Zeile Art der Leitungen / Armaturen Mindestdicke der Dämmschicht,


bezogen auf eine Wärmeleitfähigkeit
λ von 0,035 W/(m K)
1)
bei der Bezugstemperatur von 40 °C

1 Innendurchmesser bis 22 mm 20 mm (= 100 %)


2 Innendurchmesser über 22 mm bis 35 mm 30 mm (= 100 %)
gleich Innendurchmesser
3 Innendurchmesser über 35 mm bis 100 mm
(= 100 %)
4 Innendurchmesser über 100 mm 100 mm (= 100 %)
Leitungen und Armaturen nach den Zeilen 1 bis 4 in Wand-
½ der Anforderungen
und Deckendurchbrüchen, im Kreuzungsbereich von
5 der Zeilen 1 bis 4
Leitungen, an Leitungsverbindungsstellen, bei zentralen
(= 50 %)
Leitungsnetzverteilern
Leitungen von Zentralheizungen nach den Zeilen 1 bis 4, die ½ der Anforderungen
6 nach dem 31. Januar 2002 in Bauteilen zwischen beheizten Der Zeilen 1 bis 4
Räumen verschiedener Nutzer verlegt werden. (= 50 %)
7 Leitungen nach Zeile 6 im Fußbodenaufbau 6 mm
6 mm
Kälteverteilungs- und Kaltwasserleitungen sowie Armaturen
8 (Einspruch „Erhöhung auf 15 mm“
von Raumlufttechnik- und Klimakältesystemen
wurde nicht umgesetzt)

Soweit in Fällen des § 14 Absatz 5 Wärmeverteilungs- und Warmwasserleitungen an Außenluft grenzen,


sind diese mit dem Zweifachen der Mindestdicke nach Tabelle 1, Zeilen 1 bis 4 zu dämmen.
2 In Fällen des § 14 Absatz 5 ist Tabelle 1 nicht anzuwenden, soweit sich Wärmeverteilungsleitungen nach
den Zeilen 1 bis 4 in beheizten Räumen oder in Bauteilen zwischen beheizten Räumen eines Nutzers
befinden und ihre Wärmeabgabe durch frei liegende Absperreinrichtungen beeinflusst werden kann. In
Fällen des § 14 Absatz 5 ist Tabelle 1 nicht anzuwenden auf Warmwasserleitungen bis zu einem
Wasserinhalt von 3 Litern, die weder in den Zirkulationskreislauf einbezogen noch mit elektrischer
Begleitheizung ausgestattet sind (Stichleitungen) und sich in beheizten Räumen befinden.
3 Bei Materialien mit anderen Wärmeleitfähigkeiten als 0,035 W/(m K) sind die Mindestdicken der
Dämmschichten entsprechend umzurechnen. Für die Umrechnung und die Wärmeleitfähigkeit des
Dämmmaterials sind die in anerkannten Regeln der Technik enthaltenen Berechnungsverfahren und
Rechenwerte zu verwenden.
4 Bei W ärmeverteilungs- und Warmwasserleitungen sowie Kälteverteilungs- und Kaltwasserleitungen
dürfen die Mindestdämmdicken nach Tabelle 1 insoweit vermindert werden, als eine gleichwertige
Begrenzung der Wärmeabgabe oder der Wärmeaufnahme auch bei anderen
Rohrdämmstoffanordnungen und unter Berücksichtigung der Dämmwirkung der Leitungswände
sichergestellt ist.

1)
Die Bezugstemperatur wurde in der DIN 1988-200 eingeführt.

5
Da sich die Regelungen der EnEV-Fassungen 2002 bis 2009 für die Wärmeabgabe von
Wärmeverteil- und Warmwasserleitungen nach den Zeilen 1 bis 7 bewährt haben, wurden sie ohne
Änderungen in die EnEV 2013/2014 übernommen. Zu beachten ist der Hinweis in Spalte 2 der
Tabelle 1: die geforderten Dicken sind Mindestdämmdicken! Zu beachten ist weiterhin, dass mit
Einführung der EnEV 2009 Rohrleitungen, die an Außenluft grenzend verlegt sind, mit 200 % der
Mindestdämmdicken nach Tabelle 1 Zeilen 1 bis 4 gedämmt werden müssen, siehe Text unter
Tabelle 1 sowie Tabellen 2 und 3. Die Verdoppelung der Mindestdämmdicke entbindet jedoch nicht
von der Prüfung und Verwendung weiterer Sicherheitssysteme zur Vermeidung von Frostschäden an
den Rohrleitungen und anderen Anlagenteilen.

Die unterschiedlichen Anwendungsbereiche der EnEV

In der EnEV 2013/2014, Anlage 5 zu den §§ 10, 14 und 15 wird vorgeschrieben, welche Dämmdicken
bei welchem Rohrinnendurchmesser einzuhalten sind, siehe Tabelle 1. Danach ergeben sich die
folgenden Anwendungsbereiche:

1. Bereich mit der Anforderung „Mindestdämmdicken ohne Einschränkung“ für Leitungen


und Armaturen (so genannte 100 %-Dämmung nach den Zeilen 1 bis 4 der Tabelle 1)
2. Bereich mit der Anforderung „halbe Mindestdämmdicke“ für Wand- und Deckendurch-
führungen, Leitungskreuzungen usw. (so genannte 50 %-Dämmung nach den Zeilen 5
und 6 der Tabelle 1)
3. Bereich Dämmung im Fußbodenaufbau (Zeile 7 der Tabelle 1: 6 mm Dämmung)
4. Bereich Rohrleitungsdämmung ohne Anforderung (z.B. für Rohrleitungen von
Zentralheizungen in beheizten Räumen oder in Bauteilen zwischen beheizten Räumen
eines Nutzers) bzw. für TWW-Leitungen bis zu einem Wasserinhalt von bis zu 3 l, wenn sie
nicht in den Zirkulationskreislauf einbezogen oder mit einer elektrischen Begleitheizung
ausgestattet sind, siehe Tabelle 1 Absatz 2
5. Rohrdämmung für direkt an Außenluft angrenzend verlegte Rohrleitungen (so genannte
200%-Dämmung), siehe Satz direkt unter der Tabelle 1
6. Dämmung von Kälteverteilungs- und Kaltwasserleitungen sowie Armaturen von
Raumlufttechnik- und Klimakältesystemen (Zeile 8 der Tabelle 1: 6 mm bzw. wenn
Einspruch angenommen wird: 15 mm)

Wie oben beschrieben, werden leider noch immer - und trotz vorgeschriebener Dämmpflicht -
zahlreiche Anlagen nicht oder nicht ausreichend gedämmt. Das führt jedoch nicht nur zu hohen
Energieverlusten, sondern auch immer wieder zu Beschwerden und gerichtlichen Auseinander-
setzungen. Im Folgenden werden deshalb anhand von Beispielen nochmals Details zu den
gesetzlichen Mindestanforderungen der EnEV für Dämmungen von Rohrleitungen angegeben,
siehe Tabellen 2 bis 4 (getrennt nach Heizungs- und Warmwasserleitungen sowie Kälteverteilungs-
und Kaltwasserleitungen).

Am Ende dieser Seminarunterlage werden außerdem häufig auftretende Fragen zur Dämmung von
Rohrleitungen in verschiedenen Einbausituationen beantwortet, um Installateure, TGA-Fachplaner
sowie interessierte Kreise bei der Anwendung und Umsetzung sowohl der EnEV als auch der DIN
1988-200 zu unterstützen.

6
Tabelle 2: Dämmdicken für Heizungsleitungen

Mehrfamilienhaus / Einfamilienhaus /
1) 1)
Heizung Nichtwohngebäude Nichtwohngebäude
verschiedene Nutzer mit einem Nutzer
Leitungen in unbeheizten Räumen und Kellerräumen 100 % 100 %
Leitungen in Außenwänden, in Außenbauteilen, zwischen 100 % 100 %
einem unbeheizten und beheizten Raum, in Schächten und
Kanälen
Verteilleitungen zur Versorgung der Nutzer 100 % ./.
4)
keine Anforderung
Im Fußbodenaufbau verlegte Leitungen auch HK- 100 % 100 %
2)
Anschlussleitungen gegen Erdreich / unbeheizte Räume
Leitungen und Armaturen in W and- und Deckendurch- 50 % 50 %
brüchen, im Kreuzungsbereich von Leitungen, an Lei-
tungsverbindungsstellen, an zentralen Leitungsverteilern
Leitungen in Bauteilen zwischen beheizten Räumen von 50 % ./.
4)
Nutzern keine Anforderung
Im Fußbodenaufbau verlegte Leitungen zwischen beheizten siehe EnEV,Tabelle 1, ./.
4)
Räumen verschiedener Nutzer Anlage 5, Zeile 7 bzw. keine Anforderung
3)
Tabelle nach Fußnote
Heizungsleitungen in beheizten Räumen oder in Bauteilen ./. ./.
4) 4)
zwischen beheizten Räumen eines Nutzers und absperrbar keine Anforderung keine Anforderung
Wärmeverteilleitungen, die direkt an Außenluft angrenzend 200 % 200 %
5)
verlegt sind
1)
Nichtwohngebäude im Sinne § 1 Absatz 2 bzw. § 2 der EnEV 2013/2014
2)
Asymmetrische Rohrdämmungen wie die Missel Kompakt-Dämmhülse KDH sind zur Begrenzung der
Wärmeabgabe zulässig. Die Nenndicke ist zur Kaltseite anzuordnen. Einzelheiten sind aus der
Allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung (ABZ) zu entnehmen.
3)

Für Rohrleitungen sämtlicher Dimensionen, die im Fußbodenaufbau (unabhängig von ihrer dortigen
Lage) zwischen beheizten Räumen verschiedener Nutzer verlegt sind, gelten die folgenden
Dämmdicken:
Mindestdicke der Dämmschicht bezogen auf eine Wärmeleitfähigkeit λ bei 40°C
0,035 W /(m K) für 0,040 W /(m K) für 0,035 W /(m K) für
konzentrische Dämmung konzentrische Dämmung asymmetrische Dämmung Missel
Kompakt-Dämmhülse KDH
≥ 6 mm ≥ 9 mm 10 mm
4)
Obwohl hier keine Anforderungen vom Gesetzgeber gestellt sind, muss aus folgenden Gründen gedämmt
werden: Korrosionsschutz, Vermeidung von Knack- und Fließgeräuschen, Körperschalldämmung,
Verringerung der Wärmebelastung von Bauteilen bzw. Verringerung von Wärmeverlusten.
5)
Liegen Rohrleitungen in frostgefährdeten Bereichen, so kann bei längeren Stillstandszeiten auch eine
Dämmung keinen dauerhaften Schutz vor Einfrieren bieten. Sie müssen entleert oder anderweitig (z.B.
durch Begleitheizung) geschützt werden. Einzelheiten regeln die VDI-Richtlinien 2069 und 2055.

Bemerkung:
Rohrleitungen von Solaranlagen unterliegen nicht der Energieeinsparverordnung (EnEV); Erzeugung und
Verbrauch von Solarenergie sind CO2-neutral. Rohrleitungen von Solaranlagen sind jedoch ebenfalls so zu
dämmen, dass die erzeugte Energie der Anlage ohne wesentliche Verluste genutzt werden kann.
Tabelle 3: Dämmdicken für Trinkwasserleitungen warm (TWW)

Mehrfamilienhaus / Einfamilienhaus /
1) 1)
Trinkwasserleitungen warm (TWW) Nichtwohngebäude Nichtwohngebäude
verschiedene Nutzer mit einem Nutzer

Warmwasserleitungen 100 % 100 %


2)
(Verlegung auch im Fußboden )

Warmwasserstichleitungen 100 % 100 %


2)
(Verlegung auch im Fußboden )

Warmwasserleitungen ohne Zirkulation und ohne ./. ./.


3) 3)
elektrischer Begleitheizung, die sich in beheizten keine Anforderung keine Anforderung
Räumen befinden, bis zu einem Wasserinhalt von 4
Litern
Leitungen und Armaturen in W and- und Decken- 50 % 50 %
durchbrüchen, im Kreuzungsbereich von Leitungen, an
Leitungsverbindungsstellen, an zentralen
2)
Leitungsverteilern (Verlegung auch im Fußboden ).

Warmwasserleitungen, die direkt an Außenluft 200 % 200 %


4)
angrenzend verlegt sind

Nichtwohngebäude im Sinne § 1 Absatz 2 bzw. § 2 der EnEV


1)

2)
Asymmetrische Rohrdämmungen wie die Missel Kompakt-Dämmhülse KDH sind nach EnEV zur
Begrenzung der W ärmeabgabe zulässig. Die Nenndicke ist zur Kaltseite anzuordnen. Einzelheiten sind
aus der Allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung (ABZ) zu entnehmen. Empfohlen wird, die Qualität der
nach DIN 18560 geforderten Trittschalldämmschicht, die (in der Regel) oberhalb der Rohrleitungen
anzuordnen ist, so zu wählen, dass diese Schicht gleichzeitig auch eine definierte Wärmedämmung ist.
3)
Obwohl hier keine Anforderungen vom Gesetzgeber gestellt sind, muss aus folgenden Gründen
gedämmt werden: Korrosionsschutz, Vermeidung von Knack- und Fließgeräuschen,
Körperschalldämmung, Verringerung der W ärmebelastung. Außerdem sollten diese
Warmwasserleitungen auch gedämmt werden, um eine unnötige Abkühlung durch Bauteile zu
verhindern und den Nutzungskomfort bei der Entnahme von Trinkwasser warm aufrecht zu erhalten.
4)
Liegen Rohrleitungen in frostgefährdeten Bereichen, so kann bei längeren Stillstandszeiten auch eine
Dämmung keinen dauerhaften Schutz vor Einfrieren bieten. Sie müssen entleert oder anderweitig (z.B. durch
Begleitheizung) geschützt werden. Einzelheiten regeln die VDI-Richtlinien 2069 und 2055.

Rohrleitungen von Solaranlagen unterliegen nicht der Energieeinsparverordnung (EnEV): Erzeugung und
Verbrauch von Solarenergie sind CO2-neutral. Rohrleitungen von Solaranlagen sind jedoch ebenfalls so zu
dämmen, dass die erzeugte Energie der Anlage ohne wesentliche Verluste genutzt werden kann.

8
Tabelle 4: Dämmdicken für Kälteverteilungs- und Kaltwasserleitungen von Raumlufttechnik- und
1)
Klimakältesystemen

Mindestdicke der Dämmschicht nach EnEV 2013/2014 bezogen auf eine Wärmeleitfähigkeit
0,030 W /(m K) 0,035 W /(m K) 0,040 W /(m K)
≥ 4 mm ≥ 6 mm ≥ 9 mm
Empfohlene Mindestdicke der Dämmschicht bezogen auf eine W ärmeleitfähigkeit
0,030 W /(m K) 0,035 W /(m K) 0,040 W /(m K)
≥ 10 mm ≥ 15 mm ≥ 20 mm

1)
Die Dämmung von Trinkwasserleitungen (kalt) wird nicht durch die EnEV 2013/2014 abgedeckt. Wenn kein
Legionellenrisiko durch Erwärmung des Kaltwassers besteht, genügen die Dämmanforderungen nach
der neuen DIN 1988-200. Um das Legionellenrisiko zu minimieren, werden die Dämmdicken nach EnEV
Anlage 5, Tabelle 1 ( = Tabelle 1 dieser Unterlage) empfohlen.

Bemerkung: In Abhängigkeit aller Einflussgrößen (Feuchtigkeit und Temperatur der Umgebung, Medium-
temperatur etc.) muss grundsätzlich geprüft werden, ob die angegebenen Mindestdämmdicken ausreichen,
um Tauwasserausfall sicher zu verhindern. Aus Gründen der Energieeffizienz liegt eine optimale Dämmdicke
der Kühlwasser- und Kältemittelleitungen häufig bei ≥ 20 mm (λ = 0,035 W/m K).

9
2. Dämmung von Kaltwasserleitungen nach der DIN 1988-200 (05/2012)
und der VDI/DVGW 6023 (04/2013)

Bei der Dämmung von Trinkwasserleitungen kalt ist zu beachten, dass:

1. die Erwärmung des Trinkwassers kalt (TWK) auf über 25 °C verhindert wird. Darüber hinaus
müssen Maßnahmen ergriffen werden, um ein Legionellen Wachstum auszuschließen, wenn die
Temperatur des TWK zum Beispiel in Stillstands Zeiten auf über 25 °C ansteigt, siehe
europäische Trinkwasserverordnung EN 806-2 und VDI-Richtlinie 6023 Hygiene in Trinkwasser-
Installationen;
2. Tauwasser auf der Dämmoberfläche verhindert wird, siehe auch hier die
Anforderungen nach DIN EN 806-2.

Der erste Punkt betrifft die Hygiene und Qualität des Trinkwassers. Die hierzu in der Regel
erforderlichen Mindestdämmdicken entsprechen den EnEV-Forderungen nach Tabelle 1, Zeilen 1 bis
5 (siehe auch Tabelle 6, Zeile 3 der DIN 1988-200).

Beim zweiten Punkt geht es darum, dass insbesondere in Bereichen mit hoher Luftfeuchtigkeit kein
Tauwasser auf der Dämmung ausfällt, weil sonst die Gefahr besteht, dass der Dämmstoff
durchfeuchtet wird und ein Transport der Feuchtigkeit in den Dämmstoff und an die Rohrleitung
erfolgt (Korrosionsgefahr). Für Missel Dämmstoffe aus geschlossenzelligem Polyethylen besteht
jedoch das Problem des Durchfeuchtens nicht. Problematisch und besonders gefährdet sind
Mineralfasern mit Diffusionswiderstandsfaktor μ = 1 ! Zum Vergleich: Missel Wärmedämmungen
haben einen Diffusionswiderstandsfaktor μ ≥ 5000. Zur Vermeidung von Tauwasserausfall muss
deshalb in Abhängigkeit aller Einflussgrößen (Feuchtigkeit und Temperatur der Umgebung,
Mediumtemperatur, Wärmeleitfähigkeit des Dämmmaterials usw.) immer geprüft werden, ob die
gewählte Dämmdicke ausreicht. Grundsätzlich darf die Oberflächentemperatur auf der
Dämmung die Taupunkttemperatur der Umgebungsluft nicht unterschreiten! Beispiel:
Lufttemperatur (Umgebungstemperatur) tUmgeb. = 22 °C, Luftfeuchte φUmgeb. = 80 %, Temperatur des
Trinkwassers kalt tTWK = 12 °C, Kunststoffleitung DN 20, Wärmeübergangskoeffizient außen
αa = 7,8 W/(m² K). Aus dem h-x-Diagramm für feuchte Luft erhält man die Taupunkttemperatur
ttau= 18,4 °C. Die berechnete, erforderliche Dämmdicke muss mindestens 6,4 mm sein!

An diesem einfachen Beispiel erkennt man bereits, dass die fast 25 Jahre lang nahezu
durchgängig verwendete Dämmdicke für Kaltwasserleitungen von 4 mm nach DIN 1988-2 nicht
immer ausreichend war. Die Dämmdicken, die bisher nach der DIN 1988-2 verwendet wurden –
zumindest im öffentlich-rechtlichen Bereich und wenn kein Legionellenrisiko durch Erwärmung des
Kaltwassers bestand –, sind in Tabelle 5 zu finden. Im oben bereits genannten Missel-Merkblatt
„Werkvertraglich sichere Dämmungen von Rohrleitungen im Wohnungs-, Gewerbe- und Industriebau“
wurden allerdings schon immer etwas größere Dämmdicken empfohlen, um auch die zivilrechtlichen
und werkvertraglichen Anforderungen zu erfüllen.

Bereits seit Mai 2012 wird die DIN 1988-2 durch die neue DIN 1988-200 „Technische Regeln für
Trinkwasser-Installationen - Teil 200: Installation Typ A (geschlossenes System) - Planung, Bauteile,
Apparate, Werkstoffe; Technische Regel des DVGW“ ersetzt. In der DIN 1988-200 werden größere
Dämmdicken auch für Kaltwasserleitungen gefordert, siehe Tabelle 6.

10
Tabelle 5: Bisherige Richtwerte für Mindestdämmdicken zur Dämmung von Trinkwasserleitungen (kalt)
nach DIN 1988-2 (nur gültig bis April 2012)

Einbausituation Dämmdicke bei einer


Wärmeleitfähigkeit λ
1)
von 0,040 W/(m K) in mm

Rohrleitung frei verlegt, in nicht beheiztem Raum (z.B. Keller) 4


Rohrleitung frei verlegt, in beheiztem Raum 9
Rohrleitung im Kanal, ohne warmgehende Rohrleitungen 4
Rohrleitung im Kanal, neben warmgehenden Rohrleitungen 13
Rohrleitung im Mauerschlitz, Steigleitung 4
Rohrleitung in W andaussparung, neben warmgehenden Rohrleitungen 13
Rohrleitung auf Betondecke 4
1)
Für andere Wärmeleitfähigkeiten sind die Dämmdicken, bezogen auf einen Durchmesser von d = 20
mm, entsprechend umzurechnen

Tabelle 6: Richtwerte für Schichtdicken zur Dämmung von Trinkwasserleitungen (kalt)


nach DIN 1988-200

Nr. Einbausituation Dämmschichtdicke bei einer


Wärmeleitfähigkeit
λ10 °C = 0,040 W/(m K) bei der
1)
Bezugstemperatur von 10 °C

1 Rohrleitungen frei verlegt in nicht beheiztem Raum, 9 mm


Umgebungstemperatur ≤ 20 °C (nur Tauwasserschutz)
2 Rohrleitungen verlegt in Rohrschächten, Bodenkanälen 13 mm
und abgehängten Decken, Umgebungstemperatur ≤ 25 °C
3 Rohrleitungen verlegt z.B. in Technikzentralen oder Medienkanälen Dämmung wie
und Schächten mit Wärmelasten und Warmwasserleitungen nach EnEV,
Umgebungstemperaturen ≥ 25 °C Zeilen 1 bis 5
4 Stockwerksleitungen und Einzelzuleitungen in Vorwandinstallationen 4 mm (Rohr-in-Rohr zulässig,
aber nicht zu empfehlen)
5 Stockwerksleitungen und Einzelzuleitungen im Fußbodenaufbau 4 mm (Rohr-in-Rohr zulässig,
2)
(auch neben nichtzirkulierenden W armwasserleitungen) aber nicht zu empfehlen)
6 Stockwerksleitungen und Einzelzuleitungen im Fußbodenaufbau 13 mm
2)
neben warmgehenden zirkulierenden Rohrleitungen
1)
Für andere Wärmeleitfähigkeiten sind die Dämmdicken entsprechend umzurechnen
2)
In Verbindung mit Fußbodenheizungen sind die Rohrleitungen für Trinkwasser kalt so zu verlegen, dass die
Anforderungen nach Abschn. 3.6 der DIN 1988-200 eingehalten werden, das heißt, bei bestimmungsgemäßen
Betrieb darf maximal 30 s nach dem vollen Öffnen einer Entnahmestelle die Temperatur des Trinkwassers kalt
25 °C nicht übersteigen.

11
3. Fragen und Antworten zur Dämmung von Rohrleitungen nach der
EnergieEinsparVerordnung 2013/2014

Frage 1: Wie müssen Wärmeverteilungs- und Warmwasserleitungen in Installationsschächten


und Systemböden gedämmt werden und sind mit Wärmeverteilungsleitungen
Heizungsleitungen gemeint?

Antwort: In Installationsschächten sind grundsätzlich alle Wärmeverteilungs- und Warm-


wasserleitungen mit einer 100 %-Dämmung zu versehen, um sowohl die Wärmeverluste der
Rohrleitungen zu minimieren als auch ein Aufheizen des Schachtes und eine Erwärmung von
ebenfalls im Schacht geführten kalten Trinkwasserleitungen zu vermeiden. Grundsätzlich heißt, dass
kein Unterschied zu machen ist, ob der Schacht in einem beheizten oder unbeheizten Gebäudeteil
liegt. Auch in Systemböden (Hohlraumböden oder Doppelböden, siehe Muster-Systemböden-
Richtlinie vom September 2005) sind gemäß Zeile 1 bis 4 der Tabelle 1 in Anlage 5 der EnEV
2013/2014 alle Rohrleitungen (Verteil- und Anschlussleitungen) mit einer 100 %-Dämmungen zu
versehen. Hintergrund dieser Vorgabe ist zu verhindern, dass ein Systemboden eine
Fußbodenheizung wird. Als Wärmeverteilungsleitungen bezeichnet der Gesetzgeber all die
Rohrleitungen, die zu einer Heizungsanlage eines Gebäudes gehören und die im üblichen
Sprachgebrauch als Heizungsleitungen bezeichnet werden. Wichtig ist in diesem Zusammenhang
nur, dass diese Wärmeverteilungs- oder Heizungsleitungen, zu denen natürlich auch die Rücklauf-
leitungen der Anlage gehören, nach EnEV gedämmt werden, damit deren Beitrag zur Raum-
und/oder Gebäudeheizung so gering wie möglich ist.

Frage 2: Wie werden Heizungsleitungen in beheizten Räumen oder in Bauteilen zwischen


beheizten Räumen eines Nutzers gedämmt?

Antwort: An Leitungen von Zentralheizungen, die sich in beheizten Räumen oder in Bauteilen
(darunter sind Wände, Decken und Vorwandkonstruktionen eines Gebäudes zu verstehen) zwischen
beheizten Räumen eines Nutzers befinden und deren Wärmeabgabe durch frei liegende
Absperreinrichtungen beeinflusst werden kann, werden keine Dämmanforderungen gestellt. Das gilt
sowohl für den erstmaligen Einbau als auch für den Ersatz alter Anlagen durch neue, siehe EnEV
2013/2014 §14 Absatz 5. Empfohlen wird jedoch – soweit möglich – auch hier eine mindestens 6 mm
dicke Dämmung mit einer Wärmeleitfähigkeit des Dämmstoffes von λ = 0,035 W/(m K) zu verwenden.
Sind keine frei liegenden Absperrvorrichtungen vorhanden, wird nach Zeile 6 der Tabelle 1 im
Anhang 5 der EnEV eine mindestens 50 %-Dämmung, deren Dicke abhängig vom Durchmesser
ist, vorgeschrieben.

Frage 3: Wie werden Heizungs- und Warmwasserleitungen gegen unbeheizte Räume


gedämmt?

Antwort: Heizungsleitungen sind gegen unbeheizte Räume nach EnEV 2013/2014 Anhang 5,
Tabelle 1, Zeilen 1 bis 4 mit einer 100 %-Wärmedämmung zu dämmen. Dabei können sowohl runde,
konzentrische Dämmungen wie Misselon-Robust als auch die asymmetrische Missel Kompakt-
Dämmhülsen KDH verwendet werden. Die Gleichwertigkeit der asymmetrischen Dämmhülsen
gegenüber runden, konzentrischen Dämmungen wurde im Zuge eines bauaufsichtlichen
Zulassungsverfahrens nachgewiesen. Für die Dämmung von Warmwasserleitungen wird empfohlen,
die nach DIN 18560 über den Rohren liegende Trittschalldämmung als zusätzliche Wärmedämmung
zu verwenden.

12
Frage 4: Wie sind Kälteverteilungsleitungen (z. B. Soleleitungen) und Kaltwasserleitungen
sowie Armaturen von Raumlufttechnik- und Klimakältesystemen zu dämmen?

Antwort: Zunächst ist zu beachten, dass unter den in der EnEV 2013/2014 angesprochenen
Kaltwasserleitungen ausschließlich solche zu verstehen sind, die in Anlagen der Lüftungs- und
Klimatechnik verwendet werden. Die in der EnEV 2013/2014 § 15 Absatz 4 geforderte Begrenzung
der Wärmeaufnahme ist nach Anlage 5, Tabelle 1, Zeile 8 der EnEV mit der Mindestdämmdicke von
6 mm umzusetzen. Die Dämmdicke bezieht sich dabei auf eine Wärmeleitfähigkeit von λ = 0,035
W/(m K). Liegt der λ-Wert des Dämmstoffes bei 0,040 W/(m K), dann erhöht sich die Dämmdicke auf
9 mm. Abhängig von den Randbedingungen wie Temperatur und relative Feuchte der Umgebung,
Temperatur der Sole bzw. des Wassers in den Rohren, Durchmesser der Rohre und
Wärmeübergangskoeffizient an der Rohrdämmung außen reicht diese Mindestdämmdicke jedoch
oft nicht aus, um die Rohrleitungen sicher und langfristig gegen Feuchtigkeit zu schützen. Die
erforderliche Dämmschichtdicke sollte deshalb sowohl zur Vermeidung von Tauwasserausfall als
auch zur Reduzierung von Energieverlusten, die vor allem bei der Erzeugung tiefer Temperaturen
minimiert werden müssen, rechnerisch überprüft werden. Grundlage zur Berechnung optimaler
Dämmdicken bietet die VDI-Richtlinie 2055 Blatt 1 „Wärme- und Kälteschutz von betriebstechnischen
Anlagen in der Industrie und in der Technischen Gebäudeausrüstung“ vom September 2008.

Frage 5: Wer kontrolliert die Einhaltung der EnEV hinsichtlich der vorgeschriebenen
Dämmdicken für Sanitär- und Heizungsleitungen?

Antwort: Nach § 26 der EnEV 2013/2014 ist für die Einhaltung aller EnEV-Vorschriften der Bauherr
verantwortlich. Verantwortlich sind aber auch im Rahmen ihres Wirkungskreises zum Beispiel bei der
Errichtung einer Warmwasseranlage in einem Gebäude vom Bauherrn beauftragte Personen.
Darüber hinaus beauftragt der Gesetzgeber mit der EnEV die bevollmächtigten
Bezirksschornsteinfeger, unter anderem auch die Dämmungen von freiliegenden Sanitär- und
Heizungsleitungen zu überprüfen und Verstöße aufzuspüren, siehe § 26b EnEV 2013/2014. In
der Regel erfolgt die Überprüfung im Rahmen der ersten Feuerstättenschau. Bei Nichterfüllung der
Dämmpflichten wird der Schornsteinfeger Nacherfüllungsfristen setzen. Von allen bei der Errichtung
von Wärmeverteilungseinrichtungen und Warmwasseranlagen Beteiligten sollte beachtet werden,
dass ein Verstoß gegen die Dämmpflicht eine Ordnungswidrigkeit nach § 27 der EnEV ist
(Bußgelder!). Im Übrigen werden die nach Landesrecht zuständigen Behörden nach § 26d der EnEV
2013/2014 auch Stichprobenkontrollen von Energieausweisen vornehmen.

Frage 6: Müssen Armaturen, Bögen, Abzweige, T-Stücke usw. ebenfalls nach EnEV 2013/2014
gedämmt werden?

Antwort: Ja! Die Tabelle 1 im Anhang 5 der EnEV 2013/2014 gilt nicht nur für die Wärmedämmung
der Rohrleitungen von Wärmeverteilungs- und Warmwasseranlagen sowie von Raumlufttechnik- und
Klimakältesystemen, sondern auch für alle Armaturen der genannten Anlagen und Systeme.
Abgesehen davon, dass ungedämmte Armaturen ein werkvertraglicher Mangel sind, treten
gerade an ungedämmten Armaturen in der Regel besonders hohe Energieverluste auf.

13
Frage 7: Auf welche Temperatur bezieht sich die Wärmeleitfähigkeit λ von Dämmstoffen und
wie ermittelt man Dämmdicken, wenn der λ-Wert eines Dämmstoffes (z.B. durch Veränderung
des Ausgangsmaterials) verändert wurde?

Antwort: Da die Wärmeleitfähigkeit λ auch von Dämmstoffen temperaturabhängig ist, verwendet man
in der DIN 1988-200 die Bezugstemperatur von 40 °C. Diese Bezugstemperatur ist ein guter
Mittelwert für die Betriebsbereiche von Heizungs- und Warmwasserbereitungsanlagen. Sehr viele
Rohrdämmstoffe haben bei 40 °C einen λ-Wert von 0,040 W/(m K). Gute Dämmstoffe wie die von
Kolektor Missel Insulations haben einen λ-Wert von 0,035 W/(m K), so dass die erforderlichen
Dämmdicken besonders gering sind. Die Umrechnung von Dämmdicken mit anderen λ-Werten
erfolgt mit Gleichungen aus der oben bereits erwähnten

VDI 2055-Richtlinie. Tabellen für die Verwendung der richtigen, EnEV-konformen


Mindestdämmdicken (100%-Anforderungen und 50%-Anforderungen bei unterschiedlichen
λ – Werten) liefert die DIN 4108 „Wärmeschutz und Energie-Einsparung in Gebäuden. Teil 4:
Wärme- und feuchteschutztechnische Bemessungswerte“.

Frage 8: Ist es notwendig, in einem Einfamilienhaus auf der Rohdecke die Warmwasser- und
Zirkulationsleitungen nach EnEV zu dämmen? Ist die Dämmung auch dann notwendig, wenn
über bzw. zwischen diesen Rohrleitungen eine Fußbodenheizung gelegt wird?

Antwort: Generell Ja. Die Berücksichtigung von sonstigen Bauteilschichten oder Systemgrenzen
bleiben nach Maßgabe der EnEV (siehe Kommentare des Deutschen Instituts für Bautechnik DIBt zur
EnEV) außer Betracht.

Frage 9: In welchen praktischen Einbausituationen müssen warmgehende Leitungen mit


200 %-Dämmdicke gedämmt werden?

Antwort: Typische Einbausituationen findet man z. B. in offenen Garagen und Tiefgaragen,


Kellerräumen mit nicht verschlossenen oder nicht verschließbaren Öffnungen zur Außenluft und
natürlich klassisch frei verlegte Rohrleitungen z. B. von einer zentralen Heizungs- und
Warmwasseranlage zu einem Gebäude. Um mögliche Anlagenschäden durch Frosteinwirkung zu
vermeiden, sollte aber grundsätzlich geprüft werden, ob ein Sicherheitssystem an Rohrleitungen
und Armaturen benötigt wird.

Frage 10: Gibt es für geringere Systemtemperaturen (Vorlauf zum Beispiel nur 45°C statt
70 °C) Einschränkungen oder Ausnahmen für die erforderliche Mindestdämmdicke nach
EnEV?

Antwort: Nein. Um Wärmeverluste noch stärker und auch nachhaltig zu reduzieren, sind künftig
vom Gesetzgeber ohnehin noch größere Mindestdämmdicken zu erwarten. Grundsätzlich darf aber
ein rechnerischer Nachweis zu Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen beispielsweise mit der oben
genannten VDI 2055 geführt werden, in dessen Folge andere Dämmdicken als in der EnEV
vorgeschrieben, herauskommen könnten.
Frage 11: Besteht eine Nachrüstverpflichtung für ungedämmte Rohrleitungen und Armaturen
in unbeheizten Räumen?

Antwort: Ja, wenn die Rohrleitungen zugänglich sind, müssen gemäß § 10 Abs. 2 EnEV 2013/2014
Wärmeverteilungs- und Warmwasserleitungen sowie Armaturen nach Anlage 5, Tabelle 1 gedämmt
werden.

14
Frage 12: Müssen Trinkwasserleitungen (kalt) nach EnEV 2013/2014 gedämmt werden?

Antwort: Die EnEV 2013/2014 beziehen sich auf Heizungs- und Warmwasserleitungen sowie
Kälteverteilungs- und Kaltwasserleitungen von Raumlufttechnik- und Klimakältesystemen, daher
fallen Trinkwasserleitungen (kalt) nicht unter die Verordnung. Wenn kein Legionellenrisiko durch
Erwärmung des Kaltwassers besteht, müssen die Dämmanforderungen nach DIN 1988-200 beachtet
werden. Um das Legionellenrisiko zu minimieren, werden die Dämmdicken gemäß Anlage 5, Tabelle
1 der EnEV 2013/2014 empfohlen.

Frage 13: Müssen Rohrleitungen von thermischen Solaranlagen nach EnEV gedämmt werden?

Antwort: Ziel der EnEV ist, den Energieverbrauch im Gebäudebereich und damit auch die CO2-
Emissionen zu senken. Erzeugung und Verbrauch von Solarenergie sind CO2-neutral. Es werden
daher keine rechtlichen Anforderungen an die Begrenzung der Wärmeabgabe durch eine Dämmung
dieser Rohrleitungen gestellt. Es ist jedoch energetisch sehr sinnvoll, die erzeugte Energie
möglichst ohne Verluste zu transportieren. Um Wärmeverluste so gering wie möglich zu halten, wird
auch bei Rohrleitungen von Solaranlagen der Einsatz der Dämmschichtdicke gemäß Anlage 5,
Tabelle 1 der EnEV 2013/2014 empfohlen. Die Dämmung stellt darüber hinaus auch einen Schutz vor
zu hohen Temperaturen bei Berührung und vor mechanischer Beschädigung dar.

Frage 14: Welche Dämmdicken müssen bei Kunststoffrohrleitungen eingehalten


werden?

Antwort: Kunststoffrohre gibt es in den verschiedensten Ausführungen; sie unterscheiden sich


hinsichtlich Materialzusammensetzung, Rohrwanddicken, Wärmeleitfähigkeiten usw. Bei der
Berechnung der Dämmdicken dürfen gemäß Anlage 5 Tabelle 1 Absatz 4 der EnEV
2013/2014 die Wanddicken der Kunststoffrohrleitungen mit berücksichtigt werden. Dies führt aber
bei allen Kunststoffrohren zu nur geringfügig geringeren Dämmstoffdicken. Da die Hersteller von
Rohrdämmungen in der Regel nur Standard-Dämmdicken liefern, wird empfohlen, auch
Kunststoffrohre mit diesen Standard-Dämmdicken zu dämmen.

Frage 15: Welche Bezugstemperaturen sind im Zusammenhang mit der Angabe der
Wärmeleitfähigkeit λ von Dämmstoffen maßgeblich?

Antwort: Der zentrale bauphysikalische Kennwert zur Beurteilung von Dämmstoffen ist die
Wärmeleitfähigkeit λ. Je niedriger der λ-Wert, desto besser ist die Dämmwirkung eines Materials
und desto weniger Energie geht „verloren“. Da die Wärmeleitfähigkeit auch von Dämmmaterialien
temperaturabhängig ist, verwendet man für die Wärmedämmung von Rohrleitungen in der Regel die
Bezugstemperatur (Mitteltemperatur) von +40 °C. Dieser Bezugswert stellt mit guter Näherung einen
Mittelwert der Temperatur von Heizungs- und Warmwasseranlagen dar. Im Bereich von Kaltwasser-
und Kälteanlagen sowie für Trinkwasserleitungen kalt wird dagegen die Bezugstemperatur von
+10 °C verwendet, siehe dazu die DIN 1988-200.
Frage 16: Dürfen Trinkwasserleitungen kalt unter Fußbodenheizungen verlegt werden?

Antwort: Ja, aber es ist darauf zu achten, dass auch bei längeren Stillstandszeiten der
Trinkwasserentnahme bei gleichzeitig durchlaufender Fußbodenheizung (zum Beispiel in
Urlaubszeiten im Winter) die Trinkwassertemperatur nicht über 25 °C ansteigt. Trotz der
Dämmungen, die unterhalb der Fußbodenheizung liegen, ist infolge der instationären Wärmeleitung
eine kritische, das Legionellenwachstum fördernde Temperaturerhöhung des kalten Trinkwassers
nicht auszuschließen. Empfohlen wird deshalb, die Trinkwasserleitungen kalt in den Randbereich der
Räume anzuordnen und möglichst dort, wo der Abstand zur Fußbodenheizung groß ist. Sinnvoll wäre
auch, Kaltwasserleitungen als Ringleitung mit mehreren Zapfstellen zu verlegen.

15