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1.

Das Oktoberfest – trinken statt streiten


Pünktlich hat der Münchner Bürgermeister das Oktoberfest eröffnet. Tausende Besucher aus aller Welt
kommen auf die Wiesn. Politik ist wie immer Teil des Oktoberfestes. Aber es geht nicht mehr so streng
zu wie früher.

Es ist wieder soweit: In München wurde das Oktoberfest eröffnet. Auf der ganzen Welt wird es
inzwischen kopiert: 1978 gab es schon an 170 Orten Oktoberfeste, im Jahr 2008 bereits 2000. Doch
das Original findet man nur in München. Wer dorthin kommt, sollte allerdings etwas Geld mitbringen.
Denn eine Maß kostet um die 10,70 Euro.

Die Sicherheitsvorkehrungen sind dieses Jahr hoch, denn die Gefahr terroristischer Anschläge ist im
letzten Jahr gestiegen. Fast elf Millionen Euro wurden in die Sicherheit investiert. Der zweite
Bürgermeister Josef Schmid beschloss, dass diese Summe von den Wirten gezahlt werden sollte und
nicht von den Gästen. Politisch klug: Denn mit so einer Forderung gewinnt man Wähler. Doch der
regierende Bürgermeister und die Vertreter anderer Parteien waren dagegen. Eine Obergrenze für die
Maß blieb aus.

Das Beispiel zeigt: Politik ist auf dem Oktoberfest präsent, und zwar eigentlich schon vom ersten
Moment des Festes an. Denn dann sticht der Bürgermeister pünktlich um 12 Uhr das erste Fass an und
eröffnet so das Fest. Dieser besondere Augenblick bringt alle Anwesenden zusammen – trotz
ihrer Differenzen: Da trinkt ein SPD-Politiker zusammen mit dem CSU-Ministerpräsidenten eine Maß.

Früher beeinflussten Regime wie die bayerische Monarchie, das Kaiserreich oder die NS-Diktatur das
Oktoberfest. Heute geht es auf der Wiesn politisch eher locker zu. Es geht vor allem darum, sich vom
Stress des Alltags zu erholen. Eben das ist die wichtigste Botschaft des Oktoberfestes: Streitet nicht!
Trinkt!

2. Urlaub am Meer gestern und heute


Millionen Deutsche verbringen jährlich ihren Urlaub am Meer. Deutschlands Küsten sind besonders
beliebt. Noch vor 200 Jahren war das Sonnenbaden kaum bekannt und die wenigsten Menschen
konnten schwimmen.

Egal, wo man im Sommer Urlaub macht, Deutsche trifft man immer: mit Sonnenschirm, Handtuch
und Sonnencreme an Mallorcas Stränden, an Frankreichs Atlantikküste oder an der
italienischen Adria. Am liebsten machen die Deutschen aber Urlaub im eigenen Land. Jährlich fahren
Millionen Touristen an die Nord- und die Ostsee. Das war allerdings nicht immer so.

Noch im 18. Jahrhundert galt das Meer für viele Menschen als Reich des Satans, wo
gefährliche Ungeheuer wohnten. Diese Vorstellung änderte sich erst, als die Briten die Heilkraft des
Salzwassers entdeckten. Schon 1780 war Brighton ein lebhafter Kurort. Die Deutschen nahmen das
als Vorbild und machten es den Briten nach. Das erste deutsche Seebad entstand 1793 an der Ostsee in
Heiligendamm, wenig später folgte ein zweites auf der Nordseeinsel Norderney. Während im Jahr
1800 nur 250 Gäste auf der Insel Urlaub machten, sind es heute etwa 750.000 jährlich.

Die Anreise blieb jedoch lange Zeit schwierig. Von Hamburg bis zur Nordseeküste brauchte man mit
der Kutsche bis zu 30 Stunden. Die Pferde mussten auf dem Weg sechsmal gewechselt werden. Nur die
Reichen konnte sich also so eine Reise leisten. Das änderte sich erst, als die ersten Eisenbahnen an die
Küsten fuhren. Schwimmen konnte damals übrigens noch fast niemand. "Die meisten blieben nicht
einmal zwei Minuten im Wasser, manche nur Sekunden", erzählt Manfred Bätje vom Bade-Museum
auf Norderney.

Männer und Frauen badeten damals selbstverständlich noch getrennt, und die Frauen
trugen sackartigeKleider, um keine nackte Haut zu zeigen. Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts kam
das Sonnenbaden in Mode. Braune Haut war nicht mehr nur Zeichen von harter Arbeit im Freien, wie
sie für Bauern typisch war. Heute ist neben dem Bräunen auch die Gesundheit ein zentrales Thema:
die gute Meeresluft, das heilende Meerwasser und das Meersalz sind Gründe, warum die Deutschen so
gern an Deutschlands Küsten Urlaub machen.
3. Finnland wird 100 Jahre alt
Am 6. Dezember 1917 wurde Finnland von Russland unabhängig. Heute ist der Staat für viele Länder
ein Vorbild – zum Beispiel wegen seiner Technik und seines sehr guten Bildungssystems.

Die beste Lebensqualität in der EU. Die reinste Luft. Die zweitglücklichste Nation der Erde. Nein, es
geht nicht um Deutschland, sondern um ein Land weiter im Norden: Finnland. Das Land mit seinen
etwa 5,5 Millionen Einwohnern gilt als eines der lebenswertesten Länder der Welt. 2017 feiert es
seinen 100. Geburtstag.

Am 6. Dezember 1917 wurde Finnland von Russland unabhängig. Nach einem kurzen Bürgerkrieg
gelang es der jungen Nation, wichtige Reformen einzuleiten. 1920 wurden viele Krankenhäuser gebaut,
um die Gesundheitsversorgung von Kindern und Müttern zu verbessern. Bildung wurde zu einem
allgemeinen Recht erklärt. Im Zweiten Weltkrieg konnte Finnland
den Angriff der Sowjetunionabwehren und so seine Unabhängigkeit schützen.

Heute ist Finnland in vielen Bereichen zu einem Vorbild für andere Länder geworden. Technisch ist
das Land ein Vorreiter. Das staatlich geförderte Bildungssystem wird von anderen Staaten bewundert.
Die gute musikalische Ausbildung der finnischen Schüler brachte einige der besten
klassischen Komponisten der Welt hervor. Auch finnische Heavy-Metal-Bands sind international sehr
erfolgreich.

Der offizielle Feiertag zur Unabhängigkeit ist in Finnland eigentlich am 6. Dezember. Trotzdem finden
2017 das ganze Jahr über Feste statt. Die Hauptstadt Helsinki feierte ihren eigenen Geburtstag bereits
am 11. und 12. Juni. Auch im Ausland feiert man Finnlands hundertjährige Unabhängigkeit: In den
USA soll zum Beispiel eine mobile Sauna daran erinnern – die wurde nämlich in Finnland erfunden.

4. Schlechte Luft in Großstädten


Zu viele Autos, Kälte im Winter und fehlender Wind führen zu Smog. In Deutschland hat besonders
Stuttgart Probleme mit der Luftverschmutzung. An Tagen wie Neujahr ist sie besonders groß.

Buntes Feuerwerk wird in der Nacht von Silvester auf Neujahr in die Luft geschossen, der Himmel ist
voller Farben, überall in Deutschland gleichzeitig. Doch bald ist von derFarbenpracht nicht mehr viel
zu sehen. Was übrig bleibt, ist schlechte Luft. „Eine ungewöhnlich hoheBelastung für eine kurze Zeit“,
sagt Marion Wichmann-Fiebig vom Umweltbundesamt. 15 Prozent der jährlichen Belastung
durch Feinstaubentstehen in einer einzigen Nacht.

Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn überlegt deshalb, privates Feuerwerk zu verbieten. Denn
nirgendwo in Deutschland ist die Luft so schlecht wie in Stuttgart. Die Stadt liegt in einem Tal, in dem
kaum Wind weht. Das ist vor allem im Winter problematisch. Denn dann kann die Sonne die Luft nicht
erwärmen, und die kalte, schmutzige Luft bleibt am Boden. An insgesamt 35 Tagen im Jahr dürfen die
Feinstaub-Grenzwerte überschritten werden. Aber Stuttgart hatte 2016 sogar an 59 Tagen zu hohe
Werte. Schuld sind vor allem Autoabgase und Industriegase.

An Tagen mit hoher Feinstaubbelastung wissen die Stuttgarter schon, was sie machen müssen: Sie
sollten statt mit dem Auto mit dem Fahrrad oder öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit fahren. In
anderen betroffenen Städten wie Peking, Madrid und Paris wurde beschlossen, dass jedes zweite Auto
stehenbleiben muss. In Polens Hauptstadt Warschau können die Einwohner sogar kostenlos mit der
Bahn und dem Bus fahren.

Smog in Großstädten kann im schlimmsten Fall zu Lungenkrebs führen. Nach Informationen der
Weltgesundheitsorganisation WHO sterben weltweit mehr als sechs Millionen Menschen pro Jahr
durch schlechte Luft. Marion Wichmann-Fiebig glaubt, dass die Bevölkerung über die Gefahr für die
Gesundheit noch nicht genug weiß. Das Problem: Feinstaub riecht nicht,
ist unsichtbar und geschmacklos. Bis 2030 will die EU die Zahl
der Todesfälle durch Luftverschmutzung halbieren.

5. Angst vor Atomkatastrophen


In Belgien und Frankreich kam es in letzter Zeit oft zu Problemen und Schäden an Atomkraftwerken.
Bei einem Atomunfall wäre auch Deutschland betroffen. Die Menschen haben Angst und fordern die
Abschaltung der Kraftwerke.

Josie Bockholt demonstriert in Aachen gegen Atomkraft. Die 250.000 Einwohner der Stadt leben nur
sechzig Kilometer vom belgischen Atomkraftwerk Tihange entfernt. In letzter Zeit machte es wegen der
vielen Probleme und Störfälle Schlagzeilen. „Auch wir könnten in die gleiche Situation kommen wie die
Menschen in Fukushima. Das ist realistisch und bedrohlich“, befürchtet Bockholt.

Tatsächlich: Von einer Atomkatastrophein Tihange wären auch Deutschland und die
Niederlande betroffen. „Mit einer Wahrscheinlichkeit von zehn Prozent wird Aachen
dann unbewohnbar“, sagt der ehemalige Leiter der Abteilung Reaktorsicherheit
des Bundesumweltministeriums Wolfgang Renneberg. Auch Susanne Neubronner von Greenpeace
sieht in Tihange eine „tickende Zeitbombe“: „Die Regierungen machen die Augen zu […] und schauen
nur auf die kurzfristige Energieversorgung“, sagt sie.

Belgien produziert fünfzig Prozent des Stroms durch Atomkraft und die Abschaltung der
Atomkraftwerke wäre für die Energieversorgung ein Problem. Die Verantwortung dafür, ob ein
Kraftwerk noch sicher ist und weiter aktiv sein darf, hat die belgische Regierung allein.
Bundesumweltministerin Barbara Hendricks hat aber mit ihr vereinbart, dass
eine Kommissionregelmäßig über die Sicherheit der Kraftwerke informieren soll.

Insgesamt sind in der EU und in der Schweiz noch 132 Reaktoren aktiv. Die Hälfte steht allein in
Frankreich. Auch dort kam es zuletzt zu einer Explosion und die meisten Kraftwerke sind schon sehr
alt. Einige sind deshalb momentan außerBetrieb. Frankreich will seinen Atomstrom bis 2025 von 75
Prozent auf 50 Prozent reduzieren. Wie dieses Ziel erreicht werden soll, ist allerdings noch unklar.

6. Insektensterben in Deutschland
In Deutschland gibt es heute sehr viel weniger Insekten als noch vor circa 30 Jahren. Der starke
Rückgang macht Umweltforschern große Sorgen. Der Grund liegt vermutlich in der heutigen Art der
Landwirtschaft.

Umweltforscher hatten es schon vermutet, aber jetzt ist das Ergebnis klar: Eine aktuelle Studie zeigt,
dass die Insektenzahl in Deutschland in den letzten 27 Jahren um 76 Prozent zurückgegangen ist. Der
starke Rückgang vor allem im Sommer „ist noch größer als bisher angenommen“, sagt Caspar
Hallmann, Forscher an der Radboud University in den Niederlanden.

Die Wissenschaftler an der niederländischen Universität, zu denen auch deutsche Forscher gehören,
bekommen die Informationen von einem Verein in Krefeld. Dort dokumentiert man regelmäßig
die Anzahl von Insekten auf bestimmten Flächen wie Naturschutzgebietenin Deutschland. Forscher
sammeln die kleinen Tiere in Netzen und können so sehen, wie gesund die Insekten sind und wie viele
Tiere auf einer Fläche leben.

Für Josef Settele vom Institut für Umweltforschung in Halle zeigt die Studie, dass das Insektensterben
ein „wirklich großflächigesProblem“ in Deutschland ist. Die moderne Landwirtschaft könnte
hierbei einegroße Rollespielen: Damit die Pflanzen schnell wachsen, werden viele Felder
stark gedüngt; giftigePestizide sollen die Pflanzen vor Insekten und Krankheiten schützen. Aber nur
bei einer biologischen Landwirtschaft ohne chemische Mittel können Insekten überleben.

Wenn es den Insekten schlecht geht, hat das auch große Folgenfür andere Lebewesen. Je
weniger Bienen es zum Beispiel gibt, desto weniger Pflanzen werden bestäubt. Auch Vögel würden
weniger Nahrung finden. Bernhard Krüsken vom deutschen Bauernverbandsagt, dass die Ursachen des
Insektenrückgangs weiter erforscht werden müssen.

7. Immer mehr Kinder sind chronisch krank


Immer mehr Kinder und Jugendliche in Deutschland leiden an chronischen Krankheiten. Oft ist der
moderne Alltag der Industrienationen daran schuld: zu viel Hygiene, zu viele Kaiserschnitte und
falsche Ernährung.

Rheuma, Diabetes oder Asthma sind Krankheiten, die man normalerweise mit älteren Leuten
verbindet. Aber in Deutschland und auch in anderen Industrienationen nehmen
diese chronischen Krankheiten auch bei Kindern und Jugendlichen stark zu. Nach einer Studie werden
in Deutschland mehr als elf Prozent der Mädchen und etwa 16 Prozent der Jungen unter 17 Jahren
deswegen von einem Arzt behandelt.

Die Gründe sind verschieden. Mehrere Studien haben gezeigt, dass Kinder, die auf
einem Bauernhofgroß werden, wesentlich seltener an Asthma leiden als Kinder in der Stadt.
Denn Landkinder sind täglich mit Bakterien in Kontakt, mit denen ihr Körper klar kommen muss.
Viele Ärzte sind davon überzeugt, dass es falsch ist, alle Bakterien im Haushalt zu entfernen.

„Das Immunsystem eines Kleinkindes ist darauf angewiesen, sich mit Bakterien und Viren aus der
Umwelt auseinanderzusetzen“, weiß Kinderarzt Michael Radke. Er sieht einen Teil des Problems in zu
starker Hygiene. Es schadet Kindern nicht, wenn sie mal im Dreck spielen. „So kann natürlich auch
Dreck in den Magen kommen. Wo ist da das Problem?“, meint er.

Problematisch ist auch, dass heute immer mehr Frauen ein Baby per Kaiserschnitt bekommen. Denn
bei der natürlichen Geburt kommen die Babys schon mit Bakterien in Berührung, die das
Immunsystem stärker machen. Auch die Muttermilch ist wichtig, denn sie wirkt wie eine
erste Impfung. Kein Medikament gibt es allerdings gegen Stress in der Schule, zu wenig Bewegung und
falsche Ernährung, die zu chronischen Krankheiten bei größeren Kindern führen können. Deutschen
Kinderärzten macht das große Sorgen.

8. Eine grüne Mütze für das Dach


Auf deutschen Dächern wird es immer grüner. Das hat viele Vorteile. Es entsteht Platz, den man
nutzen kann. Es spart Kosten für Energie. Es schützt vor den Folgen des Klimawandels. Und es sieht
gut aus.

In Skandinavien ist es schon länger üblich, Dächer zu begrünen. Jetzt ist der Trend auch in
Deutschland angekommen. Der Dachdecker und Ingenieur Jürgen Quindeau war Mitte der 1980er
Jahre einer der ersten, der in Deutschland Gräser, Moose und Sträucher auf Dächer setzte. Damals war
die Dachbegrünung noch exotisch. Heute sind begrünte Dächer Teil moderner Architektur, und Jürgen
Quindeau hat viel zu tun. „Jedes zehnte Dach in Deutschland mit
einer wasserundurchlässigenAbdichtung wird begrünt“, freut sich Quindeau. „Tendenz steigend.“

Grüne Dächer haben viele Vorteile: Die Bepflanzung regelt die Temperatur in den Räumen unter den
Dächern. So können Kosten für Energie gespart werden. Bepflanzte Dächer helfen gegen die große
Hitze in den Städten und damit gegen die Folgen des Klimawandels.

Außerdem filtern die Pflanzen Schmutz und produzieren Sauerstoff. Die grünen Mützen auf den
Dächern locken auch Tiere an, zum Beispiel Insekten und Vögel. Die finden dann in den Städten eine
neue Heimat, und die Natur bekommt Fläche zurück, die für Wohnungen und Büros verwendet wurde.
Für den Menschen entsteht Platz zur Nutzung und Erholung.

Und die bepflanzten Dächer haben noch einen weiteren Vorteil: Sie haben eine Lebensdauer von 40
Jahren. Das ist weit mehr als die 15 bis 25 Jahre, auf die es normale Dächer bringen. Inzwischen haben
auch Kommunen erkannt, wie nützlich eine Bepflanzung der Dächer ist. Die Stadt Hamburg zum
Beispiel plant, mindestens 70 Prozent aller Dächer von Neubauten und geeigneten Altbauten zu
begrünen.

9. Air Berlin: Das Ende einer Fluglinie


Im August 2017 meldete die traditionsreiche deutsche Fluglinie Air Berlin Insolvenz an. Zwei Monate
später landete die letzte Maschine in Berlin. Für viele Mitarbeiter ist nicht klar, wie es weitergehen soll.
Fast 40 Jahre nach dem Start der ersten Air-Berlin-Maschine in Berlin ist dort Ende Oktober 2017
auch das letzte Flugzeug der Fluggesellschaft gelandet. „Air Berlin bedankt sich an diesem traurigen
Tag bei allen Mitarbeitern, Partnern und Passagieren, die uns über viele Jahre ihr Herz und
ihre Treuegeschenkt haben“, so die Airline. Sie hatte schon zwei Monate zuvor Insolvenz angemeldet,
denn seit Langem hatte Air Berlin nur noch rote Zahlen geschrieben.

Ehemalige Passagiere, die die Landung des letzten Air-Berlin-Flugzeugs beobachtet hatten,
waren wehmütig: „Es ist traurig, dass diese traditionsreiche Marke vom deutschen und internationalen
Flugmarkt verschwindet.“ Für die etwa 8500 Mitarbeiter von Air Berlin ist es besonders hart. Ein Teil
der Beschäftigten soll zwar bei anderen Fluggesellschaften wie Eurowings unterkommen, aber für viele
andere ist noch nicht klar, wie es in Zukunft weitergehen soll.

Auch für den Luftverkehr hat die Insolvenz von Air Berlin Konsequenzen: Die 450 täglichen
Verbindungen von Air Berlin gibt es jetzt nicht mehr. Seit dem ersten Start 1979 hatte die Airline mehr
als eine halbe Milliarde Fluggäste befördert: zum Beispiel von Köln nach Mallorca, von Frankfurt nach
New York oder von Berlin nach München.

Air Berlin wird jetzt zu großen Teilen von der größten deutschen Fluggesellschaft, der
Lufthansa, übernommen. Auch die britische Airline Easyjet kauft für 40 Millionen Euro
einige Unternehmensteile und übernimmt 25 Flugzeuge der insolventen Fluglinie. Außerdem will
Easyjet Piloten und Flugbegleitern von Air Berlin Arbeitsplätze anbieten. Die
Gewerkschaft kritisiert allerdings, dass sie bei der Billigfluggesellschaft den gleichen Job für weniger
Gehalt machen sollen.

10. Der Vater der modernen Universität


Der Weltentdecker Alexander von Humboldt ist sehr berühmt. Weniger bekannt ist sein Bruder
Wilhelm. Doch auch er hat Wichtiges geleistet: Er reformierte das Bildungssystem und sorgte für die
moderne Universität.

Jemanden wie Wilhelm von Humboldt hätte man auch heute gerne als Bildungsminister: Er
war Kosmopolit, Philosoph, Politiker und Autor. Er sprach die wichtigsten Sprachen der Welt und
lebte in den wichtigsten europäischen Städten des 18. Jahrhunderts: Paris, Rom, London, Wien und
Berlin. Auch wenn er immer im Schatten seines Bruders Alexander stand, war er nicht weniger wichtig.

Alexander und Wilhelm von Humboldt erhielten eine sehr gute Ausbildung. Die Mutter suchte nur die
besten Lehrer für ihre beiden Söhne aus. Sie hatten Kontakt zu den Geistesgrößen der Zeit, etwa zu
Schiller und Goethe. Mit 23 Jahren trat Wilhelm von Humboldt 1790 in den preußischen Staatsdienst
ein. Aber er hörte dort schnell wieder auf, weil ihm die Arbeit zu langweilig war. Seine Frau Caroline
war hochgebildet. Sie führten eine ungewöhnliche Ehe, denn Wilhelm sorgte für die Kinder. Außerdem
reisten sie viel, vor allem nach Frankreich und Spanien.

1802 ging Humboldt doch wieder zurück in den Staatsdienst. Doch nach den
verlorenen Napoleonischen Kriegen war Preußen bankrott. Die Bevölkerung litt an Hunger und Armut.
In dieser Situation wurde Humboldt 1808 in Berlin zum Leiter der preußischen Kultus- und
Unterrichtsverwaltung ernannt. Die Schulbildung in Preußen war nicht gut. Sie sollte aus den Schülern
vor allem treue Bürger machen.

Humboldt reformierte das schlechte preußische Bildungssystem wesentlich. 1810 führte er ein
Schulsystem ein, das aus drei Teilen bestand: der Elementarschule, dem Gymnasium und der
Hochschule. Wilhelm von Humboldt übte sein Amt nur 16 Monate aus, aber er veränderte damit die
Ausbildung im Land: Er ist der Vater der modernen Forschungsuniversität. Mit ihr bekam Preußen
das fortschrittlichste Bildungssystem Europas.