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Reine und angewandte Metallkunde in Einzeldarstellungen

Herausgegeben von W. Köster


Band 19

Aluminium und
Aluminiumlegierungen
Von

Dr. D. Altenpohl
Vizedirt'ktor bei der Schweizerischen Aluminium AG, Zürich

unter Mitarbeit des Forschungsinstitutes der


Schweizerischen Aluminium AG, Neuhausen am Rheinfall
Direktor Dr. E. Bloch,
Ing. H. Arbenz, Dr. H. Bichsel, Ing. E. v. Burg,
lng. H. Hug, Dr. F. Rohner

sowie der Schweizerischen Aluminium AG, Zürich und Chippis


Dr. G. Hofmann, Dr. H. Zeiger, Dr. H. Zoller

und von
Prof. Dr. P. Beck, Prof. Dr. T. Federighi, Prof. Dr. V. Gerold,
Dr. E. Macherauch, Prof. Dr. G. Schoeck, Dr. H. Stüwe

Mit 662 Abbildungen

Springer-Verlag Berlin Heidelberg GmbH


1965
Alle Rechte, insbe,;ondere das der übersetzung in fremde t\prachcll, vorbehalten
Ohne ausdrückliche Genehmigung des Verlages ist es auch nicht gestattet
dieses Buch oder Teile daraus auf photomechanischem Wege
(Photokopie, Mikrokopie) oder auf andere Art zu vervielfältigen
© by Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1965
Ursprünglich erschienen bei Springer-Verlag, Berlin Göttigen Heidelberg 1965.
Softcover reprint of the hardcover I st edition 1965
ISBN 978-3-662-30246-0 ISBN 978-3-662-30245-3 (eBook)
DOI 10.1007/978-3-662-30245-3

Lihrary of Congress Ca ta log Card Number: 64·~3061

Die "~iedergabe VOll GebrauchsnalHen, HalldehmUluen, 'Varenbezdchnullgell tl:5W.


in diesem Buche berechtigt auch ohne besondere Kennzeichnung nicht zu der An-
nahme, daß solche NaUlen im Sinne der \Varenzeichen- und ::\iarkl'IlSchutz-Gf'8dz-
gebung als frd zu betrachten wären und daher von jedermann benutzt werden üürftpll
Titel Xr. 6277
Vorwort
Der vorliegende Band faßt ausgewählte Kapitel aus der Metallkunde
des Aluminiums und seiner Legierungen zusammen. Hierbei wurde beson-
derer Wert darauf gelegt, Ergebnisse der klassischen Metallkunde, der
Metallphysik sowie der industriellen Forschung miteinander zu verbin-
den. Ein solcher Brückenschlag ist erwünscht, um die Wechselwirkung
zwischen den genannten Arbeitsgebieten im Bereich des Aluminiums
und seiner Legierungen zu verbessern.
Um diese Brücke einem möglichst weiten Leserkreis gut gangbar zu
machen, wurde darauf geachtet, daß die Darstellung übersichtlich und in
einer Form erfolgte, die auch für den mit dem speziellen Fachgebiet nicht
vertrauten Leser verständlich ist.
Die zur Verfügung stehende Seitenzahl hat uns genötigt, eine gewisse
Auswahl des behandelten Stoffes zu treffen. Aus diesem Grunde wurde
bewußt auf die Abhandlung solcher Themen verzichtet, welche vorwie-
gend mit der Verfahrenstechnik zu tun haben. So wurde auch die Erörte-
rung der Umformungs- und Verbindungsverfahren fortgelassen, obwohl
diese manche interessanten metallkundlichen Aspekte bieten.
Bei der Auswahl und Zusammenstellung der einzelnen Beiträge wurden
absichtlich gewisse Schwerpunkte geschaffen. Diese kommen auch in der
Aufteilung des Buches in drei Hauptkapitel zum Ausdruck.
Im ersten Teil des Buches werden die bei der Erstarrung ablaufenden
Vorgänge eingehend behandelt, weil diese für Guß- und Knetlegie-
rungen gleichermaßen wichtig sind und weil die von der Erstarrung her-
rührenden Gefügemerkmale bei relativ vielen Eigenschaften des Alumi-
niums Auswirkungen zeigen.
Der zweite Teil bringt eine Metallkunde des Aluminiums als das eigent-
liche Brückenelement zwischen Forschung und industrieller Praxis.
Im dritten Teil des Buches werden die Eigenschaften der in der Praxis
am meisten verwendeten Aluminiumwerkstoffe aus der Sicht des )le-
tallkundlers beschrieben. Hierbei wird das Verhalten des unlegierten
Aluminiums eingehend geschildert, weil am Reinstaluminium eine größere
Anzahl grundlegender Untersuchungen durchgeführt wurden und dem
Reinaluminium im Rahmen der industriellen Forschung besondere Be-
deutung zukommt.
Bei einem Buch, das von einer Reihe verschiedener Autoren geschrie-
ben wird, sind einige spezielle Gegebenheiten vorhanden. So sind z. B.
IV Vorwort

der Überarbeitung der einzelnen Kapitel zur Erzielung einer möglichst


einheitlichen Art der Darstellung Grenzen gesetzt. Eine gewisse Über-
lappung, welche die Kapitel teilweise aufweisen, wurde absichtlich be-
lassen, um hierdurch den geschlossenen Aufbau der einzelnen Kapitel zu
wahren und die Zusammenhänge zwischen den behandelten Sachgebieten
deutlicher herauszustellen.
Bei der Zitierung von Literaturangaben wurde Wert darauf gelegt,
besonders neuere und zusammenfassendere Arbeiten zu benennen,
unter Verzicht auf Vollständigkeit des Literaturverzeichnisses.
Bei der Auswahl und Zusammenstellung des Textes haben die Ver-
fasser vielfältige Hilfe erfahren. Besonders hervorzuheben ist das starke
Interesse, das Herr Prof. Dr. phil. Dr.-Ing. E. h. W. KÖSTER dem vor-
liegenden Band gewidmet hat. Wir verdanken ihm eine Vielzahl wert-
voller Hinweise, die das Gesicht dieses Buches entscheidend beeinflußt
haben.
Der Generaldirektion der Schweizerischen Aluminium AG in Zürich
sowie der Direktion ihres Forschungsinstitutes in Neuhausen danken wir
für die Bereitstellung zahlreicher Unterlagen für den vorliegenden Band.
Darüber hinaus möchten wir folgenden Herren für die kritische Durch-
sicht einzelner Kapitel und für fruchtbare Diskussionen danken:
Prof. Dr.-Ing. P. BRENNER, Bonn
Dr. W. EICHENAUER, Darmstadt
Dr. F.-E. FALLER, Bonn
Prof. Dr.-Ing. E. GEBHARDT, Stuttgart
Dr.-Ing. G. GÜRTLER, Düsseldorf
Dr. F. HAESSNER, Stuttgart
Prof. Dr. TH. HEUMANN, Münster
Dr. G. lBE, Aachen
Dr.-Ing. R. IRMANN, Neuhausen
Dr. H. KRONMÜLLER, Stuttgart
Dr.-Ing. D. LENZ, Singen
Prof. Dr. K. LÜCKE, Aachen
Dipl.-Phys. H. NIELSEN, Düsseldorf
Dr. W. ROTH, Bonn
Prof. Dr. A. SEEGER, Stuttgart
Dr.-Ing. H. VOSSKÜHLER, Ulm, sowie
Frau Prof. Dr. D. WILSDORF-KuHLMANN, Philadelphia
Schließlich ist es uns eine angenehme Pflicht, den Herren Dr. G. HOF-
MANN, Dipl.-Ing. P. WOLF und Dr. H. ZEIGER für ihre Mitwirkung bei
der Ausarbeitung des Manuskripts zu danken.

Zürich, im Juni 1964


Dietrich G. Altenpohl
Inhaltsverzeichnis

A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze, Vorgänge bei der Erstarrung,


Gießen von Knet- und Gußlegicrungen 1
1. Grundlagen (D. ALTENPOHL) . . . . . . . . . . . . . 1
1.1 Vorgänge beim Aufschmelzen - Struktur der Schmelze 1
1.11 Viskositätsbestimmung . . . . . . . 3
1.12 Viskosität von verschiedenen Systemen . . . . . 4
1.121 Aluminium ohne Zusätze. . . . . . . . . 4
1.122 Einfluß von Zusätzen an Eisen, Titan, Kupfer, Magne-
sium und Zink ............. 4
1.123 Eingehendere Untersuchung einzelner Systeme 5
1.124 Aktivierungsenergie des viskosen Fließens 9
1.125 Ergebnisse von Penetrationsversuchen . 9
1.13 Oberflächenspannung von Schmelzen . 10
1.2 Faktoren, welche die Erstarrung beeinflussen 11
1.21 Kornverfeinerung durch Eigenkeime 13
1.22 Einfluß von Bewegung oder Vibration der Schmelze auf Keim-
bildung und Erstarrung . . . . . . . . . . . 17
1.221 Zuflnß der Schmelze zur Erstarrungsfront . . . . . 17
1.222 Vibration ....... ......... 19
1.2:{ Einfluß extremer Bedingungen auf Keimbildung und
Erstarrung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21
1.231 Einflul3 extrem hoher Erstarrungsgeschwindigkeit . 21
1.232 Erstarren unter Über- oder Unterdruck . . . . . 23
1.24 Kornvcrfeillerung durch }'remdkeime . . . . . . . . . 24
1.241 Kornverfeinerung durch verschiedene Legierungs-
zusäb:e . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 24
1.242 Untersuchungen über die Ursache der Kornverfeinerung
durch Titan-Zusätze . . . . . . . . . 26
1.3 Erstarrung von legiertem und unlegiertem Aluminium. . 32
1.31 Verhältnisse nahe der Erstarrungsfront . . . . . . 34
1.311 Temperaturgefälle nahe der Erstarrungsfront . 34
1.312 Konzentrationsgefälle nahe der Erstarrungsfront 35
UH:3 Zusammenwirken verschiedener Faktoren nahe der Er-
starrungsfront 37
1.32 \Värmetransport beim Erstarren . . . . . . . . . . . . 38
1.33 Dendriten und Subkörner . . . . . . . . . . . . . . , 38
1.331 Definition verschiedenere Grenzflächen im Gußgefüge 38
1.332 Mechanismus beim Wachsen eines Dendriten 43
1.333 Kornseigerung und dendritisches Wachstum 45
1.334 Unstetigkeiten beim Kristallwachstum. . . 46
VI Inhaltsverzeichnis

1.335 Quantitative Messung der Kornseigerung bei Strangguß


und Kokillenguß . . . . . 47
1.336 Erstarrung der Restschmelze . . . . . . . . . . . 49
1.34 Effekte nach dem Erstarren . . . . . . . . . . . . . . 52
1.341 Diffusionsvorgänge unmittelbar nach dem Erstarren 52
1.342 Gefügeänderungen bei einer Barrenhochglühung (Homo-
genisierungsglühung) . . . . . . . . . . . 53
1.343 Ausdehnungseffekte . . . . . . . . . . . . . . . . 55
1.344 Korngrenzenverschiebung nach der Erstarrung . . . . 56
2. Nichtmetallische Verunreinigungen (Gase, Oxyde) im flüs-
sigen und festen Aluminium (D. ALTENPoHL) . . . . . . . . . 57
2.1 übersicht . . . . . . . . . . . . . . . . . : . . . . . . . 57
2.2 Gleichgewicht Aluminium-Wasserstoff. Wasserstoffgehalt des flüs-
sigen und festen Aluminiums . 58
2.3 Verfahren zur Gasbestimmung . . . . . . 63
2.31 Vorbemerkung. . . . . . . . . . . 63
2.32 Quantitative Laboratoriumsmethoden 63
2.321 Vakuum-Extraktion . . . . . 63
2.322 Wasserstoffbestimmung nach dem Telegas-Prinzip. 64
2.323 Verfahren von Y. Dardei. . . . . . . . 65
2.324 Diverse Verfahren. . . . . . . . . . . 67
2.33 Halbquantitative oder qualitative Prüfverfahren 67
2.331 Straube-Pfeiffer-Verfahren . . . . . . . 67
2.332 Qualitative Gasbestimmungsverfahren am Gußgefüge 68
2.333 Qualitative Gasbestimmung durch die Ermittlung der
Blasenbildung an geglühten Blechen . . . . . . . . 69
2.4 Wasserstoffdiffusion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 69
2.41 Vorgänge beim Durchgang von Wasserstoff durch Aluminium 69
2.42 Diffusionskoeffizient . . . . . . . . . . . . . . . 71
2.5 Geometrische Anordnung des Wasserstoffes im Aluminium . 73
2.51 Entstehung von Blasen und Poren bei der Erstarrung . 73
2.511 Keimbildung . . . . . . . . . . . . . . . . 73
2.512 Wachstum der Wasserstoffblasen . . . . . . . 74
2.52 Anordnung des ausgeschiedenen Wasserstoffs im erstarrten
Gefüge. Beobachtungen über das Auftreten feiner Poren. . . 75
2.6 Veränderung des Wasserstoffgehaltes des festen Aluminiums wäh-
rend des Glühens . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 87
2.7 Eindiffusion von Wasserstoff in das Aluminium bei Korrosionsvor-
gängen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 91
2.8 EinHuß von Verunreinigungen auf den Wasserstoffgehalt. Mecha-
nismus der Blasenbildung 92
2.81 Einfluß des Natriumgehaltes 92
2.82 EinHuß des Oxydgehaltes . . 93
2.83 Bestimmung des Oxydgehaltes 94
2.84 EinHuß diverser Verunreinigungen auf die Blasenbildung beim
Weichglühen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 95
2.9 Beeinflussung der Eigenschaften des Aluminiums durch den Gehalt an
Wasserstoff und Oxyden. . . . . . . . . . . . . . . . 97
2.10 Gasaufnahme und Entgasung von Aluminiumschmelzen unter
technischen Bedingungen . . . . . . . . . . . . . . . 97
Inhaltsverzeichnis VII

2.101 übersicht. . . . . . . . . . . 97
2.102 Gleichgewicht zwischen Entgasen und Begasen beim Abstehen
einer Schmelze. Einflußgrößen . . . . . . . . . . . 98
2.1021 Wasserdampfgehalt in der Ofenatmosphäre . . 98
2.1022 Oxydschichten auf der Oberfläche der Schmelze 100
2.1023 Temperatur der Schmelze. . . . . . . . . . 101
2.1024 Standhöhe der ~chmelze während der Abstehbehand-
lung oder während des Durchperlens von reinigenden
Gasen . . . . . . . . . . . . . . . 102
2.103 Resultate bei technischen Entgasungsverfahren 103
2.1031 Entgasen durch ~pülgase . . . . . . . 103
2.1032 Entgasen durch Abstehen. . . . . . . 105
2.1033 Heinigen von Schmelzen durch Salzbehandlung 106
2.104 Zusammenfassender Vergleich technischer Entgasungs-
verfahren. Hinweis auf neue, kontinuierliche Verfahren 110
3. Metallkundliehe Probleme beim Gießen von Knetlegierun-
gen (D. ALTE::-IPOHL) . . . . . . . . . . . . . . 114
3.1 Einfluß der Erstarrungsgeschwindigkeit . . . . 114
3.2 Faktoren, die beim Stranggießen zu beachten s i n d . . 117
3.21 übersicht über die wichtigsten Variablen beim Stranggießen 117
3.22 Hinweis auf die Wichtigkeit des Verständnisses für die in Frage
kommenden Grundlagen . . . . . . . . . . . . . 117
3.3 Geometrie der Erstarrungsfront, Wärmeableitung, innere Span-
nungen und Rißbildung beim Stranggießen . 119
3.31 Lage der Erstarrungsfront . . . 119
3.32 Lage der Isothermen im Barren 122
3.33 Innere Spannungen. . . . . . 123
:t:{4 Rißbildung beim Stranggießen . 125
3.341 Vergleich von Flach- und Rundbarren . 126
3.342 Kaltrisse . . . . . . . . . . . . . 126
3.34:3 Warmrisse . . . . . . . . . . . . . 126
3.4 Einfluß von Gießgeschwindigkeit und Barrenformat auf Rißbildung,
Sumpftiefe und Korngröße . . . . . . . . . . . 127
3.5 Makroskopische Seigerungsvorgänge im Gußgefüge 128
3.51 Übersicht . . . . . . . . . . . . . . . . 128
3.52 Makroskopische Bereiche mit starken Unterschieden in der
Ausscheidungsform der Legierungselemente 128
3.521 Untersuchungen an Reinaluminium . 128
3.522 Untersuchungen an Knetlegierungen 130
3.6 Umgekehrte Blockseigerung . . . . . . . . . 135
3.61 Vorbemerkung . . . . . . . . . . . . . 135
3.62 Beobachtungen an Gußbarren aus Aluminium-Legierungen 135
3.621 Unstetigkeiten der umgekehrten Blockseigerung in
Stranggußbarren . . . . . . . . . . . . . . . . . 135
3.622 Zusammenhang zwischen Unstetigkeiten in der Korn-
größe und Seigerungen . . . . . . . . . . . . . . . 139
3.623 Theorie der umgekehrten Blockseigerung von Alu-
miniumlegierungen . . . . . . . . . . . 140
3.7 Ausschwitzungen und Seigerungen nahe der Gußhaut . 143
3.8 Zusammenhang zwischen Gasgehalt, Porosität und Seigerungen . 150
VIII Inhaltsverzeichnis

3.9 Einige Beispiele aus der Praxis des Stranggießens 154


3.91 Einfluß des Schmelz- und Gießverfahrens auf die Blasenbildung
beim Weichglühen . 154
3.92 Korngröße . . . , . . . . . . 158
3.921 Fiederkristalle . . . . . . 158
3.922 Beeinflussung der Korngröße 161
3.93 Gießen von Reinaluminium mit tiefem Sumpf 163
3.931 Stranggießen mit verringerter direkter Kühlung. 163
3.932 Gießen von möglichst spannungsfreien Legierungs-
barren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 164
3.94 Auftreten von Krusten oder großen Primärkristallen beim
Gießen von Legierungen ............ 166
3.95 Festigkeitswerte von Gußgefüge . . . . . . . . . . . . . 168
3.96 Einfluß der Gießbedingungen auf die Festigkeitswerte nach
dem Abwalzen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 169
4. Metallkundliche Probleme beim Gießen von Guß legierungen
(H. ARBENz). . . . . • . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 170
4.1 Grundsätzliche Unterschiede zwischen Guß- und Knetlegierungen 170
4.2 Gießverfahren und ihr Einfluß auf das Gußgefüge 172
4.21 Sandguß 173
4.22 Kokillenguß . . . . . . . . 173
4.23 Druckguß . . . . . . . . . 174
4.3 Verhalten des Metalls in der Form 175
4.31 Beeinflussung des Fließens und der Formfüllung 175
4.32 Erstarrungsvorgänge . . . . . . . . . . . . 180
4.33 Gasausscheidung . . . . . . . . . . . . . . 182
4.4 Veredelung der Aluminium-Silizium-Legierungen als Sonderfall der
Kornfeinung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 184
4.41 Beschreibung der Veredelungsoperation . . . . . . . . 184
4.42 Auswirkungen und Begleiterscheinungen der Veredelung 186
4.421 Unterkühlung . . . . . . . . . . . . . . . . 186
4.422 Gefügeänderungen . . . . . . . . . . . . . . 186
4.423 Änderung der Fließeigenschaften und der Lunkerneigung 190
4.424 Beeinflussung der mechanischen Eigenschaften . . 190
4.43 Deutung des Veredelungsvorganges . . . . . . . . . . . . 191
4.431 Theorie des ternären, natriumhaltigen Eutektikums . . 191
4.432 Theorie der Inaktivierung der Schlackentrübe oder
der Fremdkeime . . . . . . . 192
4.433 Theorie der Diffusionshemmung . 193
Literatur zu Kapitel A 1 bis 4 193
B. Allgemeine Metallkunde und Metallphysik des Aluminiums und seiner
Legierungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 202
1. Metallphysikalische Grundlagen . . . . . . . . . . . . . . 202
1.1 Gitterbaufehler im Aluminium und ihr Verhalten bei der Verformung
(G. SCHOECK.) . . . • . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 202
1.11 Einführende Bemerkung über Gitterfehler in Metallen und
speziell im Aluminium 202
1.111 Leerstellen. . . . . 203
1.112 Zwischengitteratome 204
Inhaltsverzeichnis IX
1.113 Fremdatome . 204
1.114 Versetzungen 205
1.115 Stapelfehler 206
1.116 Korngrenzen . 208
1.117 Ausscheidungen 208
1.12 Atomare Fehlordnun~ 209
1.121 Bildungs- und Wanderungsenergie für Leerstellen 209
1.122 Einfluß von Fremdatomen . . 212
1.13 VerRetzungcn. . . . . . . . . . . . . 213
1.131 8pannungen, Energie, Kräfte. . . 213
1.132 VerBetzungsstruktur im Aluminium 214
1.1:3:3 Weite der Aufspaltung . . 215
1.134 Durchsdmeidungssprünge 215
1.135 Bildung von Leerstellen und Zwischengitteratomen
durch 8prünge . . . . . . . . . . . . 217
1.13() Klettern von aufgespaltenen Versetzungen 218
1.137 Quergleitung . . . . . . . 219
1.138 Seßhafte Versetzungen. . . 220
1.1:39 Ursprung von Versetzungen 220
1.14 Plastische Verformung . . . . . 221
1.141 Versetzungsmultiplikation . 221
1.142 Die kritische Fließspannung 223
1.143 Verfestigung . . . . . . 225
1.1;; Kriechen . . . . . . . . . . 228
1.151 Hochtemperaturkriechen 230
1.152 Kriechen bei mittlerer Temperatur 231
1.153 Kriechen bei tiefen Temperaturen 232
1.1() vVechselwirkung z\rischen Versetzungen und anderen Gitter-
störungen . . . . . . . . . . . 232
1.161 Elrtstische Wechselwirkung 233
1.162 Chemische Wechselwirkung. 233
1.163 Streckgrenzeneffekte 234
1.1G4 J\Titdiffusion von Fremdatomen 235
LW;) ,~usscheidungen. . . . . . . 235
1.2 Elektronenmikroskopische Untersuchung des Verhaltens von Ver-
setzungen und Leerstellen im Aluminium (H. BICHsEL). . . . . . 238
1.21 Präparationsmethoden zur elektronenmikroskopischen Unter-
suchung. . . . . . . . . . . . . . . . . . 238
1.211 Abdruckverfahren . . . . . . . . . . . . . . . . . 238
1.212 Herstellung durchstrahlbarer Metallfolien . . . . . . 239
1.22 Nachweis von Versetzungen und Agglomeraten von Leerstellen 240
1.221 Übersicht . . . . . . . . 240
1.222 Besondere Versetzungstypen 244
1.2:3 Subkorngefüge . . . . 248
Literatur zu Kapitel 13 1.1 u. 1.2 253
2. Plastische Verformung (D. ALTENPoHL, H. BICHsEL, E. MACHE-
RAUCH) . . . . . . . . . . . . . . . . . . 257
2.1 Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . 257
2.2 Kristallographie und Geometrie der Verformung. 257
2.3 Verformung von Reinstaluminium . 262
2.31 Einkristalle . . . . . . . . . . . . . . 262
x Inhaltsverzeichnis

2.311 Verfestigungskurven . . . . 262


2.312 Oberflächenbeobachtungen . 265
2.32 Bi-, Tri- und Mehrkristalle 269
2.33 Vielkristalle . . . . . . . . . . 273
2.4 Verformung von Aluminiumlegierungen 279
2.41 Kupferhaltige Legierungen. . . 279
2.42 Magnesiumhaltige Legierungen. . 284
2.43 Sonstige Legierungen . . . . . . 288
2.44 Technische Verformung von Knetlegierungen 289
2.45 Hochgeschwindigkeitsverformung . . . . . 293
2.5 Oberflächenbeobachtungen bei Kriech- und Wechselverformung . 294
2.51 Kriechverformung . 294
2.52 Wechselverformung 298

Literatur zu Kapitel B 2. . . 303

3. Erholung und Rekristallisation (D. ALTENPOHL) 307


3.1 Erholung _ . . . _ . . . . . . . . _ . . . . 307
3.11 Übersicht . . . . . . . . . . . . . . . 307
3.12 Thermische Effekte während der Erholung 308
3.13 Erholung des elektrischen Widerstandes, der Linienbreite
bei der Röntgenfeinstruktur-Untersuchung sowie der Härte-
werte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 309
3.14 Grundlegende Beobachtungen bei der Entfestigung . . . . . 312
3.15 Erholung während oder nach der plastischen Deformation.
Zusammenhänge zwischen Erholung und Subkornwachstum 315
3.16 Einfluß gelöster Legierungselemente auf die Entfestigung . . 318
3.17 Übergänge zwischen Entfestigung und Rekristallisation . . . 319
3.18 Herstellung des halbharten Zustandes durch Entfestigung
oder durch Rekristallisation mit anschließender Kaltver-
formung . . . . . . . . . . . . . . . . . . 322
3.19 Entfestigungsverhalten bei Material geringer Dicke 329
3.20 Korrosionsverhalten. 331
3.2 Rekristallisation 332
3.21 Übersicht . . . . . 332
3.22 Untersuchungsmethoden zur Verfolgung der Rekristallisation. 333
3.221 Metallographische Beobachtungen 333
3.222 Prüfung der Festigkeitswerte . . . . . 334
3.223 Röntgenographische Untersuchungen . 334
3.224 Untersuchung physikalischer Kennwerte 334
3.23 Rekristallisation des Gußgefüges . . . . . . 335
3.24 Einfluß von Kaltverformungsgrad und Weichglühbedingungen
auf die primäre Rekristallisation . . . . . . . . . . . . . 335
3.241 Übersicht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 335
3.242 Rekristallisation im Bereich des kritischen Reckgrades . 337
3.243 Ablauf der primären Rekristallisation oberhalb des
kritischen Reckgrades . . . . . . . . . . . . . . . 338
3.25 Einfluß von Legierungszusätzen auf die primäre Rekristalli-
sation . . . . . . . . . . 344
3.251 AufgabensteIlung . . . 344
3.252 Experimentelle Befunde 345
Inhaltsverzeichnis XI
3.26 Faktoren, welche die Rekristallisation des Aluminiums be-
einflussen . . . . . . . . . . . . . ........ 35:l
3.261 Einwirkung des Gießverfahrens und der thermischen
Vorgeschichte auf die primäre Rekristallisation 353
3.262 Ablauf der sekundären Rekristallisation . . . . . 360
:l.263 Situation bezüglich einer einheitlichen Theorie des
Mechanismus der Rekristallisation des Aluminiums 363
3.264 Mechanismus der Korngrenzenvcrsehiebung bei der Re-
kristallisation. 366

Literatur zu Kapitel B 3 371


4. Feinstruktur und Texturen 374
4.1 Feinstruktur·Untersuchungen mit Röntgenstrahlen (F. ROHNER) 374
4.11 Messung der Gitterkonstante . . . . . . . . . 374
4.12 Ermittlung der Korngröße sowie von Versetzungen 377
4.2 Texturuntersuehungen (H. P. STÜWE) . . . . 380
4.21 Texturen, ihre 2\Iessung und Darstellung 380
4.211 Definitionen . . . . . . 380
4.212 Darstellung von Texturen 381
4.213 Messung von Texturen. 384
4.22 Guß texturen . . . . . . . 387
4.23 IVarmyerformungstexturen 388
4.24 Kaltverformungstexturen . 389
4.241 S- und R·Lage . . . 390
4.242 Oberflächentextur von Blechen 391
4.243 Legierungstyp der Walztextur 393
4.244 Fasertextur in Drähten . . . 395
4.245 Scher· und Torsionstexturen . 396
4.246 Theorie der Verformungstexturen :l96
4.25 Rekristallisationstexturen . . . . . . 399
4.251 Würfel- und R-Lage . . . . . :l99
4.252 Einfluß von Legicmngszusätzen . 399
4.253 Einfluß der Vorgeschichte des Materials 400
4.2M Rekristallisationstextur in Drähten . 401
4.255 Theorie der R('kristallisationstexturen . 401
4.3 Vergleich der Textur weich geglühter Bleche aus Reinaluminium
und Kupfer (P. A. BECK). . . . . . . . . 410
4.4 Zipfelbildung bei Reinaluminium (H. HUG) 412
4.41 Aufgabenstellung und Übersicht . . 412
4.42 Einfluß der Walztemperatur, des Kaltverformungsgrades
und der Weichglühbedingungen. . . 414
4.43 Einfluß der Barrenglühbedingungen 416
4.44 Einfluß des Eisen: Silizium-Verhältnisses 418
4.45 Einfluß des Heinheitsgrades . . . . . . 420
4.46 Einfluß des Zusatzes von Beryllium, Chrom oder Vanadium 422
Literatur zu Kapitel B 4.1 bis 4.4 424
5. Theorie der Aushärtung . . . 427
5.1 Phänomenologie der Aushärtung (G. HOFMANN) 427
5.11 Einleitung. . . . . . . . . . . . . . . 427
XII Inhaltsverzeichnis

5.111 Voraussetzungen und Maßnahmen für die Aushärtung.


Definition von Kalt- und Warmaushärtung . . . . . 427
5.112 Untersuchungsmethoden . . . . . . . . . . . . . . 428
5.12 Übersicht über die bei der Aushärtung ablaufenden Vorgänge 430
5.121 Warmaushärtung . . . . . . . . . . . . . . . 430
5.122 Kaltaushärtung . . . . . . . . . . . . . . . 433
5.123 Rückbildung. Übergang von der Kaltaushärtung zur
Warmaushärtung . . . . . . . . . . . . . . 434
5.124 Kinetik der Aushärtung . . . . . . . . . . . 439
5.13 Faktoren, die die Kinetik der Aushärtung beeinflussen. 447
5.131 Legierungszusammensetzung . . . 447
5.132 Gitterfehlstellen. . . . . . . . . . . . . . . 448
5.133 Einfluß des Abschreckverfahrens oder einer kurz-
zeitigen Zwischenerwärmung auf die Aushärtung 450
5.134 Kaltverformung . . . . . . . . . . . . . . . 451
5.135 Einfluß von Vibrationen auf die Aushärtung . . 453
5.136 Zur energetischen Auswertung kinetischer Messungen 453
5.2 Strukturelle Vorgänge während Aushärtungs- und Ausscheidungs-
vorgängen (V. GEROLD, D. ALTENPOEL, H. BICEsEL mit einem
Beitrag von T. FEDERIGEr). . . 456
5.21 Einleitung. . . . . . . . . . . 456
5.22 System Aluminium-Kupfer . . . 462
5.221 Übersättigter Mischkristall . 463
5.222 Entmischungszonen (G. P. - Zonen I). 464
5.223 Die E>-Phase (G. P. - Zone II) 467
5.224 Die E>-Phase . . . . . . . . . . . . 469
5.225 Die E>-Phase . . . . . . . . . . . . 470
5.23 Systeme Aluminium-Silber und Aluminium-Zink 471
5.231 Übersättigter Mischkristall. 471
5.232 Entmischungszonen . . . . . . . . . . 473
5.233 Ausscheidungsphasen . . . . . . . . . 477
5.24 Systeme Aluminium-Zink-Magnesium und Aluminium-Kupfer-
Magnesium . . . . . . . 480
5.241 Entmischungszonen . . . . . . 480
5.242 Ausscheidungsphasen . . . . . 483
5.25 System Aluminium-Magnesium-Silizium 486
5.26 Einfluß von Gitterfehlern auf die Zonenbildung . 489
5.27 Beeinflussung der Ausscheidung durch Gitterfehlstellen 498
5.28 Wechselwirkungen von Versetzungen mit Ausscheidungen 504
Literatur zu KapitelB 5. . . . . . . . . . . . . . . . . . . 505
C. Physikalische und technologische Eigenschaften des Aluminiums und
seiner Legierungen . . . . . . . . 511
1. Physikalische Eigenschaften 511
1.1 Übersicht (D. ALTENPOHL) . . 511
Literatur zu Kapitel C 1.1 . . . . 513
1.2 Elektrische Leitfähigkeit (H. ZOLLER) 514
1.21 Einleitung. . . . . . . . . . 514
1.22 HALL· Konstante, Elektronendichte und -beweglichkeit 515
1.23 Temperatur- und Zustandsabhängigkeit des spezifischen
elektrischen Widerstandes . . . . . . . . . . . . . . . . 517
J nhaltsverzeichnis XIII

1.231 .MATTHIEssENsche Regel und Temperaturkoeffizient 517


1.232 Temperaturabhängigkeit des Widerstandes im festen
Aluminium. . . . . . . . . . . . . . . . . . . 518
1.233 Widerstand bei Temperaturen nahe dem Schmelzpunkt 521
1.24 Beeinflussung des spezifischen elektrischen 'Widerstandes
durch Gitterbaufehler und plastische Verformung . . . . . 522
1.25 'Wirkung von Fremdelcmenten auf den elektrischen Widerstand
und die HALL-Konstante von Aluminium . . . . . . . 524
1.2ii1 Elcktrischer Widerstand mehrphasiger Legierungen . . 525
1.2ii2 Wirkung gelöster Fremdelemcnte . . . . . . . . . . 525
1.2;";;{ Wirkung größerer Zusätze. Vcrlauf von Widerstand
und HALL-Konstante bei Aushärtungsvorgängen 527
1.26 Weitere Beeinflussungsmöglichkeiten des spezifischen elek-
trischen lViderstandes . . . . . 531
1.2ß1 Elastische (Zug- )Hpannungen . 531
1.262 Magnetische Felder . . . . . 532
1.27 Wärml'lcitfähigkeit und elektrische Leitfähigkeit 532
1.28 Einige Hinweise auf die Technologie der Verarbeitung von
Aluminium ,,;u Leitmaterial 533
1.3 Diffusion (F. Rom;~;R) 534-
1.31 Einleitung. . . . . 534
1.32 Chf'mische Diffusion. 534
1.33 Selbst diffusion . . . 539
1.H4 Diffusionsmechanismen und ~usammenhänge zwischen cl1('-
miseher Diffusion und Selbstdiffusion . 540
1.35 Oberflächen- und Korngrenzendiffusion 542
Literatur zu Kapitel C 1.2 und 1.:~ . . . . . . 544
2. Mechunisehl' Eigenschaften (D. ALTENPOHL u. E. von BURG) 547
2.1 Statische Festigkeit bei Raumtemperatur, ermittelt aus dem
Zugversuch. . . . . . . . . . . 548
2.11 Spannungs-Dehnungs-Kurve. . . . . . . . . . 548
2.12 Härtewerte . . . . . . . . . . . . . . . . . 552
2.13 Festigkeitswerte einiger Aluminiumknetlegierungen 552
2.131 Genormte Werte . . . . . . . . . . . . 552
2.132 Veränderung der Festigkeitswerte beim Kaltwalzen 552
2.13:{ Preß effekt . . . . . . . . . . . . . 554
2.14 Auswertung der Ergebnisse dcs Zugversuches. 556
2.141 Übersicht . . . . . . . 556
2.142 Gleichung der Fließkurve 556
2.14:{ Oleichmaßdehnung . . . 558
2.144 Einschnürung beim Zugversuch 558
2.2 Einfluß der Verformungsgeschwindigkeit und der Temperatur auf
die im Kurzversuch ermittelten mechanischen Eigenschaften 559
2.21 Festigkeit bei tiefen Temperaturen . . . . . . . . . . . . 559
2.22 Festigkeit bei erhöhten Temperaturen. . . . . . . . . . . 560
2.23 ÜbersiC'ht über die Festigkeitswerte im Temperaturbereich von
-~200 bis +400°C. Einfiuß der Verformungsgeschwindigkeit 564
2.3 Standfestigkeit der Aluminium-Knetlegierungen. . 571
2.31 Einführung . . . . . . . . . . . . . . . 571
2.32 Zeitstandfestigkeit und Zeitstandkriechgrenze 572
XIV Inhaltsverzeichnis

2.33 Dauerstandkriechgrenze . 574


2.34 DVM-Kriechgrenze . . . 574
2.35 Kriechkurven . . . . . 575
2.36 Auswertung der Kriechkurven 576
2.4 Verformungsverhalten des Aluminiums' in Abhängigkeit von der
Temperatur - Theoretische Ansätze. . . . . . . . . . . . 580
2.41 Übersicht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . " 580
2.42 Hinweis auf einige Faktoren, welche bei der Untersuchung
des Kriechens die Meßwerte beeinflussen 581
2.421 Verfestigung durch Kaltverformung . 581
2.422 AUBScheidungsvorgänge . . . . . . 582
2.423 Kristallerholung und Rekristallisation 584
2.43 Einwirkung tiefer Temperaturen auf den Verformungsmechanis-
mus . . . . . . . . . . . . . 584
2.5 Dauerfestigkeit oder Wechselfestigkeit . 585
2.51 AufgabensteIlung . . . . 585
2.52 Untersuchungsverfahren 585
2.53 Typische Ergebnisse von Ermüdungsprüfungen an Probestäben 588
2.531 Einfluß der Kaltverformung und der Temperatur auf
die Wechselfestigkeit . . . . . . . . . . . . . . . 588
2.532 Zusammenhang zwischen Wechselfestigkeit und Dehn-
grenze oder Dehngrenzenverhältnis . . . . . . . . . 589
2.533 Einfluß verschiedener Arten von Kerben auf die Wech-
selfestigkeit. . . . . . . . . . . . . . . . . 593
2.534 Oberflächeneinfluß auf die Ermüdungsfestigkeit 596.
2.535 Einfluß der Legierungszusammensetzung 597
2.536 Einfluß der Variablen während der Halbzeugherstellung 598
2.54 Ausbildung des Ermüdungsbruches 599,
Literatur zu Kapitel C 2. . 601
3. Unlegiertes Aluminium 603
3.1 Reinstaluminium (D. ALTENPoHL) 603
3.11 Herstellungsverfahren 603
3.12 Verfahren zur Ermittlung der Verunreinigungen von Reinst-
aluminium. . . . . . . . . . . . . . . . . 605
3.13 Einfluß der natürlichen Verunreinigungen des Reinstaluminiums
auf Entfestigung und Rekristallisation. ........ 607
3.14 Einfluß kleiner Legierungszusätze auf die Rekristallisation
des Reinstaluminiums . . . . . . . . . . . . . . . . . 610
3.15 Mechanismus der Beeinflussung der Rekristallisation des
Reinstaluminiums durch kleinste Zusätze oder Verunreini-
gungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 616
3.151 "Kritische Dispersion" und Seigerungs-Substruktur . . 618
3.152 Ausscheidungsvorgänge bei kleinen Eisengehalten . . . 622
3.153 Wechselwirkung der Fremdatome mit Korngrenzen
(Großwinkelkorngrenzen) ......... 624
3.154 Wechselwirkung der Fremdatome mit Versetzungen
und Versetzungsansammlungen . . . . . . . . . . . 625
3.155 Beeinflussung der Rekristallisation des reinsten Alu-
miniums durch kleine Kupfergehalte. Theoretische
Ansätze . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 625
Inhaltsverzeichnis xv
3.156 Einfluß faserartig angeordneter Fremd"tome oder Aus-
scheidungen auf die Rekristallisation 631
3.16 Eigenschaften und Anwendung von Reinstaluminium 632
3.17 Korrosionsverhalten des Reinstaluminiums 634
3.2 Reillaluminium (D. ALTENPoHL) . . . . . . . 638
3.21 Herstellungsverfahren, natürliehe Verunreinigungen 638
3.22 Aluminium-Eisen-Legierungen . . . . . . . . . 640
3.221 Konstitutionsfragen . . . . . . . . . . . . 640
3.222 1<'estigkcitswerte und Ausscheidungsvorgällge . 641
3.223 Eisengehalte yon Reinaluminium und Aluminium-
legierungen . . . . . . . 643
3.23 Aluminium-Silizium-Legierungen 643
3.231 Konstitutionsfragen . . . 643
3.232 Auss~heidungs- und Aushärtungsvorgänge 644
3.24 Konstitution und Gefüge von Al-Fe-Si-Legierungen 646
3.25 Eigenschaften des Reinaluminiums . 647
3.2G Anwendung und KOITosionsverhalten 648
Literatur zu Kapitel C 3. . . . . . . . . 650

4. ~ i eh taushärt bare Knetlegierun gen 653


4.1 Aluminium-lHagnesium-Legierungen (D. ALTENPOHL) 653
4.11 Übersicht . . . . . . . . . . . . . . . . . 653
4.12 Konstitutionsfragen . . . . . . . . . . . . . 654
4.121 Zustandsdiagramm Aluminium-Magnesium, Gitterkon-
stante
C • • • • • • • • • • • • • • • • • •• 654
4.122 Legierungszusammensetzung . . . . . . . . . . 656
4.13 Verhalten der Aluminium-Magnesium-Knctlegierungen bei
der Verarbeitung . . . . . . . 659
4.131 Sehmelzen und Erstarren. 659
4.132 Warmverformung . 660
4.133 Kaltverformung . 663
4.134 Entfestigung . . . 663
4.135 Weichglühung . . 664
4.14 Physikalische und mechanische Eigenschaften von Aluminium-
Magnesium-Legierungen. . . . . . . . . . . 667
4.1:') Gefügeumlagerungen bei der Warmbehandlung . 671
4.151 Allshärtungsvorgänge . 671
4.152 .\usscheidungsvorgänge 674
4.16 Korrosionsverhalten. . . . . 675
4.161 Übersicht . . . . . . 675
·1,.162 Verhalten bei langandauernder atmosphärischer Kor-
rosion . . . . . . . . . . . . . . . . . . 676
4.163 Verhalten bei Spannungskorrosion . . . . . 677
4.17 .\nwendullg <I"r Alulllinium-Magnesium-Lcgiertmgcn 681
Literatur zu Kapitel C 4.1 . . . . . . . . . . . . 682
4 .) Aluminium-Mangan-Legierungen (D. ALTENPoHL) 685
4.21 Übersicht . . . . . . . . . . . . . . . 685
4.22 Konstitutionsfragen . . . . . . . . . . . 685
4.221 Zustandsdiagramm Aluminium-Mangan 685
4.222 Legierungszusammensetzung . . . . . 687
XVI Inhaltsverzeichnis

4.23 Physikalische und mechanische Eigenschaften von Aluminium-


Mangan-Legierungen . . . . . . . . . . . . . 689
4.24 Einfluß einer Barrenhochglühung. . . . . . . . . . . . . 690
4.25 Verhalten der Legierung bei der Rekristallisation. . . . . . 695
4.26 Einfluß weiterer Legierungszusätze auf die Eigenschaften der
Aluminium-Mangan-Legierungen 699
4.261 Magnesium 699
4.262 Kupfer . . . . . . . . 701
4.263 Zink . . . . . . . . . 701
4.27 Anwendung der Aluminium-Mangan-Legierungen, Korrosions-
beständigkeit . . . . . . . 701
Literatur zu Kapitel C 4.2. . . . . . . . . . . . . . . . . 703
5. Aushärtbare Knetlegierungen. . . . . . . . . . . . . 705
5.1 Aluminium-Kupfer-Magnesium-Legierungen (D. ALTENPOHL) 705
5.11 Geschichtlicher Hinweis. . . 705
5.12 Legierungszusammensetzung . 706
5.121 Übersicht . . . . . . 706
5.122 Aushärtende Phasen. . 710
5.123 Einfluß der einzelnen Legierungskomponenten 712
5.13 Kurze Übersicht über Ausgangsmaterial und Verarbeitungs-
gang bei der Herstellung von AICuMg-Halbzeug 715
5.131 Barrenwärmen vor der vVarmverformung. 716
5.132 Lösungsglühen . . . . . . . . . . . 718
5.133 Abschrecken . . . . . . . . . . . . 721
5.134 Kaltverformen nach dem Abschrecken 723
5.135 Kaltaushärten . 728
5.136 Warmaushärten . . . . . 729
5.137 Weichglühen . . . . . . . 731
5.14 Festigkeitswerte, Verformbarkeit . 732
5.141 Festigkeitswerte von Blechen - Einfluß der Plattierung 732
5.142 Festigkeitswerte von Profilen, PreßefIekt . . . . . . 733
5.143 Bruchdehnungswerte in Profilen und Schmiedeteilen . . 737
5.144 Dauerwechselfestigkeit und Dauerbelastungstemperatur 738
5.145 Das Verhalten bei technischen Formgebungs-Verfahren 739
5.15 Metallographische Untersuchung der Aushärtung . . . . . . 739
5.16 Korrosionsverhalten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 740
5.161 Einfluß derthermischen Vorgeschichte auf die Korrosions-
beständigkeit nach Kaltaushärten . • . . . . 741
5.162 Korrosionsbeständigkeit nach Warmaushärten . 742
5.163 EindifIundieren von Kupfer in die Plattierschicht 744
5.164 Potentialmessungen 747
5.17 Literaturübersicht . . . . . . . . . . . . . . 751
Literatur zu Kapitel C 5.1 . . . . . . . . . . . . . . . 751
5.2 Aluminium-Magnesium-Silizium-Legierungen (H. Huo) 754
5.21 Einfluß der Legierungszusammensetzung . . . . 754
5.22 Thermische Behandlung durch Lösungsglühen und Warm-
aushärten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 762
5.23 Korrosionsverhalten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 767
5.24 Physikalische Eigenschaften von AIMgSi-Legierungen mit je
ca. 1% Mg und Si 769
Literatur zu Kapitel C 5.2. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 769
Inhaltsverzeichnis XVII

5.3 Aluminium-Zink-Magnesium-Legierungen (H. HUG) 770


5.31 Übersicht . . . . . . . . . . . . . . . . 770
5.32 Zustandsdiagramm . . . . . . . . . . . . 771
5.33 Legierungszusammensetzung und Festigkeitswerte 771
5.34 Physikalische Eigenschaften von AIZnMg-Knetlegierungen
(Richtwerte) . . . 774
5.35 Verformbarkeit. . 774
5.36 Wärmebehandlung 775
5.361 Aushärtung 775
5.362 Weichglühung 776
5.37 Aushärtungskinetik . 778
5.371 Rückbildung . 778
5.372 Einfluß kleiner Zusätze 780
15.38 Korrosionsverhalten . 781
15.39 Suhweißbarkeit 783
Literatur zu Kapitel C 5.3 . . 784
5.4 Aluminium-Zink-Magnesium-Kupfer-Legierungen (H. Huu) 7815
15.41 Übersicht . . . . . . . 785
5.42 Konstitutionsfragen . . . . . . . . . . 786
5.421 Zustandsdiagramm . . . . . . . 786
5.422 Zusammensetzung der Legierungen 787
5.43 Halbzeug . . . . . . . . . . . . . . 790
5.44 Wärmebehandlung und .Festigkeitseigenschaften 790
15.45 Weichglühen und Verformbarkeit 796
5.46 Verbindungsarbeiten 797
15.47 Korrosionsverhalten . 797
Literatur zu Kapitel C 5.4. . 798

6. Gllßlegierungen (H. ARBENZ) 799


6.1 Übersicht gcmäß DIN 1725, BI. 2 800
6.2 Hüttenlegierungen und Umschrnelzlegierungen 800
6.3 Kolbenlegierungen . . . . . . . . . . . 803
6.31 Fabrikationsmethoden für Kolben . . . 804
6.32 Übersicht über die Kolbenlegierungen . . 805
6.33 Die Aufgaben der Legierungselemente der Kolbenlegierungeu. 805
6.331 Kupfer 806
6.332 Silizium . . 806
6.333 ~lagnesiulll 806
6.334 Eisen . 807
6.3315 Mangan . . 807
6.336 Nickel. . . 807
G.337 Titan und Bor 807
G.338 Phosphor 807
G.34 Warmbehandlung vou Kolbenlegierungen 808
6.35 Einige wichtige betriebsteehnische Eigenschaften der Kolben-
legierungen . . . . . . . . 809
G.351 Dichte. . . . . . . . 809
G.352 Temperaturausdehnung 809
6.353 \\' armfestigkeit . . . . 809
XVIII Inhaltsverzeichnis

6.4 Warmbehandlung von Gußstücken 811


6.41 Voll- und Teilaushärtung 811
6.42 Stabilisierungsglühen . 812
6.5 Mechanische Eigenschaften 813
6.51 Probestabformen . . . 813
6.52 Statische Festigkeit, Bruchdehnung und Härte . 814
6.53 Wechselfestigkeit (Ermüdungsfestigkeit) 815
6.54 Warmfestigkeit . . . . 816
6.6 Physikalische Eigenschaften 817
Literatur zu Kapitel C 6. . . . 817

7. S. A. P. - das warmfeste Sinter-Aluminium-Produkt


(E. A. BLOCH) . . . . . . . . . . 818
7.1 Übersicht . . . . . . . . . . . . 818
7.2 Herstellung VOll S. A. P.-Pulver. . . 820
7.3 Herstellung von S. A. P.-Preßlingen . 821
7.4 Herstellung und Verarbeitung von S. A. P.-Halbzeug 824
7.5 Gefüge von S. A. P. . . . . . . . . . . . . . 826
7.51 Elektronenmikroskopische Untersuchungen 826
7.52 Modellversuche . . . . . . . . . . . . 827
7.53 Rekristallisationsversuche . . . . . . . . 827
7.6 Zusammenhang zwischen mechanischen Eigenschaften und Gefüge
des S. A. P. . . . . . . . . . . . . . . . . . . 827
7.61 Theoretische Untersuchungen . . . . . . . . 827
7.62 Einfluß der Teilchengröße und des Oxydgehaltes 828
7.63 Einfluß von Legierungszusäb;en . . . . . . . 829
7.64 Dispersionshärtung durch intermetallische Verbindungen 830
7.7 Eigenschaften des S. A. P.-Halbzeugs 831
7.71 Thermische Stabilität. . . 831
7.72 Mechanische Eigenschaften 832
7.73 Physikalische Eigenschaften 835
7.74 Korrosionsbeständigkeit . 836
7.8 Anwendungen 837
Literatur zu Kapitel C 7. 838

8. Korrosion (D. ALTENl'OHL u. H. ZEIGER) 840


8.1 Einleitung . . . . . . . . . . . . . 840
8.2 Prinzipielles Korrosionsverhalten des Aluminiums. 840
8.3 Korrosionsprüfung . . . . . . . . . . . . . . 842
8.4 Wachstum und Eigenschaften von Oxydschichten . 843
8.41 Natürliche Oxydhaut auf Reinstaluminium 84:3
8.411 Beobachtungen über das Wachstum der Luftoxydhaut . 843
8.412 Wachstumsmechanismus der Luftoxydhaut . . . . . 845
8.413 Wachstum der Oxydhaut im Kontakt mit 'Wasser oder
anderen Flüssigkeiten . . . . . . . . . 848
8.42 Natürliche Oxydhaut auf Aluminiumlegierungen 851
8.43 Oxydschicht und Potentialverhalten . . . . . 854
8.44 Durch anodische Oxydation erzeugte Schichten. 857
I llhalt~verzeichnis XIX

8.441 ]<'ormierHdlichten . . . . . 857


8.442 Poröse anodische Dchichtell 859
8.5 Durch chemische Reaktion entstandene I::lchutzschiehten 86:~
8.51 Chromat-Phosphat-Schiehten 863
8.52 Farblose Oxydh.\"droxydsehichten. . . . . . . 863
8.6 Glänzen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 866
8.7 Physikalische Phänomene au Aluminium-Oberflächen 868
8.8 Einige Beispiele für das Korrosionsverhalten des Aluminiums . 869
8.81 Korrosionsverhalten bei Bewitterung 869
8.82 Korrosion in engen Spalten . . . 871
8.8:{ Galvanische Korrosion . . . . . 872
8.84 Lochfraßkorrosion (Pittingbildung) 874
8.815 Einfluß der Zusammensetzung des \Verkstoffes auf Potential-
und Korrosionsverhalten . 871i
8.86 Hpannullgslwrrosion 880
8.8fi1 Phänomenologie. . 880
8.862 Mechanismus der I::lpannungskolTosiou 882
Literatur zu Kapitel C 8 . 884
Sachverzeichnis . . . . . . . 891
A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze,
Vorgänge bei der Erstarrung, Gießen von Knet-Gußlegierungen

1. Grundlagen
Von D. Altenpohl, Zürich

1.1 Vorgänge beim Aufschmelzen - Struktur der Schmelze

Obwohl es zahlreiche Theorien gibt, sind unsere Kenntnisse über


den Zustand flüssiger Metalle und den Phasenübergang fest-flüssig noch
sehr beschränkt. Eine gute Literaturübersicht vermitteln z. B. J. H.
HILDEBRA:ND [1] sowie B. R. T. FROST [2].
Beim Aufschmelzen ändern sich die Werte der Koordinationszahl,
der Dichte und der spezifischen Wärme nur relativ wenig (Tab. 1). Hier-
aus kann geschlossen werden, daß das Aufschmelzen des Aluminiums
keine tiefgreifende Anc1erung der Anordnung und der thermischen
Bewegung der Atome nach sich zieht.
Die Kräfte, welche für das Zustandekommen der interatomaren Bin-
dung der Legierungen im festen Zustand verantwortlich sind, machen
ihren Einfluß teilweise auch noch im schmelzflüssigen Zustand geltend.
Dies ist allerdings eine sehr allgemeine Feststellung, deren Präzisierung
noch nicht befriedigend gelungen ist.
F. SAUERWALD [3] bestimmte die Viskosität von Schmelzen zahl-
reicher Aluminiumlegierungen durch Messung der Durchflußgeschwindig-
keit durch eine Düse. Er untersuchte außerdem an den Schmelzen die
Veränderungen yon Mischungswärme, Oberflächenspannung, elektrischer
Leitfähigkeit und magnetischer Suszeptibilität in Abhängigkeit von der
Zusammensetzung. AU8 der Vielzahl dieser Werte resultierte eine Auf-
gliederung in folgende zwei Gruppen (zwischen denen es allerdings glei-
tende Übergänge gibt) :
1. Schmelzen in denen intermetallische Verbindungen erkennbar
sind (V-Systeme).
2. Schmelzen ohne Verbindungscharakter (L-Systeme).
Obwohl Beweise fehlen, hat sich diese Einteilung bis heute als frucht.
bar erwiesen.
Bei den Aluminiumlegierungen kommen beide Fälle vor.

1 Altenpohl, Altuninium
2 A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze [Lit. S. 193

F. SAUERWALD [3] benennt als Systeme, welche keinen Verbindungs-


charakter in der Schmelze zeigen, Aluminium-Silizium, Aluminium-Zinn
und Aluminium-Zink.

Tabelle 1. Änderung einiger physikalischer Eigenschaften von Reinstalwninium beim


Au/schmelzen (nach [4 bis 7])

fest flüssig
"" 659°e "" 661 oe

Dichte gjcm3 2,55* 2,37


Volumenzunahme beim Übergang
fest - flüssig % ,.,,7
Koordinationszahl 12 10,6
Schmelzwärme caljg 95
spezifische Wärme caljg . grd 0,29 0,26
elektrische Leitfähigkeit mjQ.mm2 9,5** 4,15
* Berechnet aus der Dichte bei 20°C und dem Ausdelmungskoeffizienten.
** Gilt für Al 99,5.

Als Systeme mit Verbindungs charakter sind u. a. Aluminium-


Antimon, Aluminium-Eisen, Aluminium-Titan und Aluminium-Magne-
SIum zu nennen.
Mehrere Autoren vertreten die Ansicht, daß ein Aufschmelzen dann
eintritt, wenn die Anzahl der Leerstellen einen bestimmten Grenzwert
erreicht hat (siehe z. B. J. G. SUTRA [8]). Diese Auffassung beginnt sich
neuerdings stärker durchzusetzen [1] und verdrängt die älteren Theorien.
In einer älteren Theorie wurde z. B. erklärt, daß durch die Auflockerung
des Gitters nahe der Schmelztemperatur mehr Atome auf Zwischen-
gitterpiätze gehen [91.
Nach einer anderen älteren Theorie wird der schmelzflüssige Zustand
durch Leerstellen ("Löcher") erzeugt, welche größer sind als ein fehlendes
Aluminiumatom [10].
Die klassischen Untersuchungen der Atomanordnung in Schmelzen
erfolgten meist mit Röntgenstrahlen. Weitere Aufschlüsse lieferten
thermodynamische Untersuchungen und Viskositätsmessungen binärer
Metallschmelzen in Abhängigkeit von der Konzentration. Neuerdings
wurden Untersuchungen mit Neutronen- [11, 12] und Elektronenstrahlen
[13,14] durchgeführt, die präzisere Aussagen, als auf Grund der röntgeno-
graphischen Ergebnisse [15, 16] zulassen.
Nach S. STEEB [17] muß auf Grund neuerer Messungen die Theorie
aufgegeben werden, wonach die Atome in der Schmelze in einem "ver-
wackelten Gitter" angeordnet sind. Vielmehr treten einige Maxima in der
Atomverteilung des geschmolzenen Aluminiums auf. Das erste Maximum
Lit. S. 193] 1.1 Vorgänge beim Aufschmelzen 3

liegt für Aluminium von 700 oe bei einer Koordinationszahl von 10,6,
der zugehörige \Yert der Gitterkonstante beträgt 2,96 A. Zur Erklärung
eignet sich z. B. ein Kettenmodell mit Ketten von 4 bis 5 Atomen, die
regellos clurcheinandergewürfelt sind [18].

1.11 Viskositätsbestimmung

Die Viskositätsbestimmung von Aluminiumschmelzen bereitet wegen


des störenden Einflusses der Oxydschicht große Schwierigkeiten.
Für die Bestimmung der Viskosität kamen verschiedene Verfahren
zur Anwendung, was große Unter-

+-1-1-
schiede in den Ergebnissen der ein-
elznen Autoren hervorruft (Abb.1).
Messung der Durchflußge-
6,0Ht--~--~1--~-'----~ ~
8chwindigkeit ("Kapillarviskosität").
Diese Methode wurde hauptsächlich 5,0 HH~~ -+----
von F. SAUERWALD [3] angewandt. {;
Nachteilig ist das leichte Verstop-

:
'~4,0 HI---"-..4--
-<
fen der Kapillare, wodurch die ~
Ergebnisse stark beeinträchtigt

::I~
werden!.
1'11e88ung der Oberflächenreib~lng
eine8 8chwingenden Tor8ionskörpers 1,0 --~I=="T~--j-~~=d
("Schwingungsviskosimeter") [7,20].
Bci diesem Verfahren, dat; gegen- o~ ~I~~~~~~~n~
~ ~ ~ WOCD
über Meßfehlern am anfälligsten Temperafur
sein dürfte, wird ein Zylinder oder Abb. 1. Abhängigkeit derViskosität des Aluminiums
eine Kugel in Drehung versetzt (nachvon der 'temperatur nach verschiedenen Autoren
E. GEBHARDT, M. BEOKER ll. S. DORNER [7]).
und die Veränderung der Vü;kosi- 1 E. GEBHARD~" M. BEOKER ll. S. DORN1m; 2 E. V.
tät mittels des unterschiedlichen POLACK ll. S. V. SERGUEmV; " T. P. YAO ll. V.
KO~DlO; 4 D.SAITO ll.T.MATSl;KAWA; 5\V.R.D.
Reibungswiderstandes zwischen JONES ll. W. L. BARTLETT.
der Drehkörperoberfläche und der
Schmelze gemessen. Auf der Schmelzoberfläche bildet sich eine Oxyd-
haut, die das Ergebnis beeinflußt.
Me8sung mit rotierendem Flü88igkeitszylinder. Diese Methode
wurde hauptsächlich von E. GEllHARDT und Mitarbeitern [7] ange-
wendet. Das Verfahren des "Torsionsviskosimeters ohne Eintauch-
körper" schaltet die in Abb. 1 (Kurve 2 bis 5) erkennbaren Meßfehler aus.

1 Ein für betriebliehe Messungen geeignetes Gerät, das nach diesem Prinzip
arbeitet, wurde von H. KESSLER U. K. DETERING [19] entwickelt.

1*
4 A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze [Lit. S. 193

Die auf der Oberfläche der Schmelze befindliche, in Phase mit dem Ver-
suchstiegel schwingende Oxydhaut stellt einen "oberen Tiegelboden"
dar, der bei der Eichung berücksichtigt werden kann.
Da diese Methode als die bisher genaueste gilt, werden wir im folgen-
den in der Hauptsache einige mit ihr erhaltene Ergebnisse wiedergeben.

1.12 Viskosität von verschiedenen Systemen

1.121 Aluminium ohne Zusätze. Bei Reinstaluminium (Al 99,996)


erfolgt der Abfall der Viskosität zwischen dem Schmelzpunkt und
900°C langsam und stetig von 1,17 cP auf 0,90 cP (Abb. 1). Die Abhängig-
keit der Dichte von der Temperatur verhält sich analog (Tab. 2).
Tabelle 2. Dichte von flüssigem Reinstaluminium (nach E. GEBHARDT u. Mitarb. [7J)
Temperatur Dichte in g/cm'
oe 1. Messung 2. Messung

658 2,368* 2,368*


700 2,357 2,357
750 2,345 2,345
800 2,332 2,332
850 2,318 2,319
900 2,304 2,304
* extrapoliert

Wenig oberhalb des Schmelzpunktes gemessene Viskositäten sind


während des Aufheizprozesses durchweg höher als während des Abküh-
lungsvorganges (wahrscheinlich infolge unvollständig gelöster Reste von
Kristallen) [21]1.
Der Temperaturbereich, in welchem dieser Effekt beobachtet wird,
hängt stark vom Reinheitsgrad ab.
1.122 Einfluß von Zusätzen an Eisen, Titan, Kupfer, Magnesium und
Zink. Durch den Zusatz von Titan, Eisen, Kupfer und Magnesium steigt
die Viskosität des flüssigen Aluminiums zu höheren Werten an (Abb. 2).
Die besonders starke Viskositätszunahme der Aluminiumschmelze bei
Zusatz von Titan oder Eisen ist auf Grund von Bindungskräften von
Atomgruppen der Zusammensetzung AlaTi und AlaFe oder Al 5Fe 2 zu
erklären [22].
Das spezifische Volumen des Aluminiums nimmt durch Zusätze von
Eisen und Kupfer linear ab (Abb. 3). Die Mischungsregel gilt im Falle der
1 Ähnliche Beobachtungen werden bei der Erstarrung gemacht (feinkörnige
Erstarrung von Schmelzen, die nur geringfügig über den Schmelzpunkt erhitzt
wurden, s. S. 14).
Lit. S. 193] 1.1 Vorgänge beim Aufschmelzen 5

Aluminium-Kupfer-Schmelzen innerhalb eines relativ weiten Konzen.


trationsbereiches mit befriedigender Genauigkeit. Zusätze von Titan und
Eisen erniedrigen das spezifische Volumen des Aluminiums weit stärker
als es der Mischungsregel entspricht.

1,2or-----r-----~-----,-----,-----,-----,
.10-2
Poise 11
1,18

Mg
__ .1n _______ _
2 3 4
Legierungszusätze
Abb.2. Einfluß von Zusätzen auf die Viskosität des Aluminiums bei 700°0 (nach E. GEBHARDT,
M. BEOKER U. S. DORNER [7]).

444r-----,------.------r-----~----~
cm3/g

0,42 r\~"="';;:---t----

0,36

O'~A~l----~~----t~0----~~~----2~0~G~ew-~~%~25
Legierungszusälze
Einfluß von Kupfer-, Eisen- und Titanzusätzen auf das spezifische Volumen des Aluminiums
Abb. 3.
bei 800'C (nach E. GEBHARDT, lI-L BEOKER u. S. DORNER [7]).
- - - K. BORl<E~fAXX u. F. SAcERWALD; - - E. GEBHARDT, M. BECKER U. S. DORXER.

Es liegt nahe, diese Volumenkontraktion auf das Vorhandensein


besonderer Bindungszustände (Nah ordnungs bereiche) in der Schmelze
zurückzuführen [7].
1.123 Eingehendere Untersuchung einzelner Systeme. E. GEBHARDT
und Mitarbeiter [23 bis 27] haben sich intensiv mit solchen Unter.
suchungen befaßt. Es kommen insbesondere zwei Auftragungsarten der
Ergebnisse in Betracht: Isothermen oder Viskositäts-Konzentrations-
Kurven für konstante Temperaturintervalle oberhalb der jeweiligen
Liquidustemperatur .
6 A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze [Lit. S. 193

a) Aluminium-Magnesium. Die Änderung der Viskosität mit dem


Magnesiumgehalt erlolgt bis etwa 35% Magnesiumzusatz stetig (Abb. 4).
Die Viskositäts-Konzentrations-Isothermen steigen jedoch bei ca.
36 Gew.-% Mg scharl nach höheren Werten an, durchlaufen bei 37 Gew.-
% Mg einen Höchstwert und sinken mit weiterer Zugabe von Magnesium
wieder zu tieferen Werten ab. Die Abweichung der Isothermen vom
Normalverlaufl (gestrichelte Linie in Abb. 4) entspricht dem Konzen-
trationsbereich der primären Kristallisation von Al 3Mg 2 , s. S. 655 [23].

1,6,-----~------,-----_"
·10-z
Poise

1,4~-----+ ----+---~--+-l

2,5
·10-
Poisez \ I
2,0
l?> \

1; 1,5 r-------- 1\
'%'"
,~
I
'\ ~l3M92
~1,0
'l::
i'l
"-,
--\C "-
:S!. 0,5 r---- - - -I---- "-
.........
~OO 600 700 800 BOO°C1000
Temperafur
Abb. 4. Isothermen der Viskosität von Abb.5. Abweichung der Viskositäts-Isothermen vom
Aluminium-Magnesium-Legiernngen in Ab- Normalverlauf in Abhängigkeit von der Temperatur.
hängigkeit vom Magnesiumgehalt (nach Aluminium-Magnesium-Legiernng der Zusammen-
E. GEBHARDT u. K. DETERING [23]). setzung Al3 Mg, (nach E. GEBHARDT u. K. DETERING
[23]).

Wie auch bei anderen Systemen festgestellt, werden die Abweichungen


der Viskositätsisothermen vom jeweiligen Normalverlauf mit zunehmen-
der Temperatur immer geringer, weil der Einfluß der Bindungskräfte mit
steigender Temperatur zurückgeht.
Für die Zusammensetzung Al 3Mg 2 sind diese Abweichungen in Abb. 5
gegen die entsprechenden Temperaturen aufgetragen. Durch Extra-
polation der dargestellten Kurve wird ersichtlich, daß die Bindungskräfte
wahrscheinlich noch bis zu Temperaturen von ca. 1000 oe wirksam sind.
Nach grober Abschätzung dürlte diese Temperatur etwa mit dem
Siedepunkt der untersuchten Schmelzen übereinstimmen. Vermutlich

1 "Normalverlauf" ist gegeben, wenn keine Verbindungsbildung in der Schmelze


auftritt.
Lit. S. 193] 1.1 Vorgänge beim Aufschmelzen 7

sind die entsprechenden Bindungszustände im gesamten Bereich der


flüssigen Phase vorhanden und verschwinden erst beim Übergang in die
Gasphase vollständig [23].
b) Alurniniurn-Zink. Die Viskositäts-Temperatur-Kurven der ge-
messenen Schmelzen haben gemäß Abb.6 emen Verlauf, welcher in
Übereinstimmung mit Meßergeb-
1,2.-----~------_,-------,
nissen von F. SAUERWALD auf das .10-2
Fehlen von Verbindungen in der Poise
Schmelze hinweist [3].

0b.----,----,-----,----,----,
.10-2
Poise
2,3

e
750 0
0,8
1,4 800 e
0

I,°A~l----2~O----~40----_~LO----~~~
10 ZO Gew.-% 30
Zinkgeha/t SIliziumgehalt
Abb. 6. Isothermen der Viskosität von Aluminium- Abb. 7. Isothermen der Viskosität von Alu-
Zink-Legierungen in Abhängigkeit vom Zinkgehalt minium-Silizium-Legierungen in Abhängig-
(nach E. GEBHARDT, 111. BECKER 11. S. DORNER [7]). keit vom Siliziumgehalt (nach E. GEBHARDT
U. K. DETERING [23]).

c) Alurniniurn-Silizitlrn (ohne Zusätze). Bei Aluminium-Silizium-


Schmelzen werden nach Ergebnissen von E. GEBHARDT und K. DETE-
RING [23] die Viskositätsisothermen im Bereich der eutektischen Zu-
sammensetzung nur geringfügig beeinflußt (Abb. 7).
G. AKI1IIOV [20] hat mit einer anderen Meßmethode (rotierende, in
die Schmelze getauchte Stahlkugel) ein Minimum der Viskosität am
eutektischen Punkt gefunden.
d) 111odifizierte eutektische Alurniniurn-Siliziurn-Legierungen ("Silu-
rnin"). G. AKIMOV berichtet über den Einfluß einer Veredlung mit
Natrium [28]. Verwendet wurden Zusätze von 0,05,0,1 und 0,2% metal-
lischen Natriums oder eines Salzgemisches (2/ 3 NaF, 1/ 3 NaCl) von höch-
stens 3 Gew.-% der Schmelze bei einer Temperatur von 750 bis 800°C
(Abb.8).
Nach dem Einrühren des Natriums erfolgte jeweils eine starke Viskosi-
tätszunahme (Stillstand des Rotationskörpers in der Schmelze). 5 bis
6 Minuten später war die Viskosität noch fünfzehnmal größer als die-
8 A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze [Lit. S. 193

jenige der eutektischen Aluminium-Silizium-Legierung im Anfangs-


stadium.
Die Abnahme der Viskosität von Silumin ist zeitlich gleichlaufend
mit dem in Gießereien zu beobachtenden Nachlassen des Modifizierungs-
effektes.
An Abb. 9 wird die Änderung der Viskosität einer eutektischen
Aluminium-Silizium-Legierung in Abhängigkeit von der Zeit nach
Zugabe von Natrium oder Magnesium, Kalzium oder Titan und Zinn be-
schrieben. Obwohl ein kleiner Magnesiumzusatz stark auf die Viskosität
wirkt, hat er dennoch keinen veredelnden Einfluß auf das Gefüge.

0,$
·10-Z 1\
Poise 1 \
\
0,8

,1\
0,7
1\ \~
1 '\
1 \
I
0,6
I

""\
1
I
~o,5
l~0,4 II ~~
I

0,3
1
I I ~
I
1
I
I
~~
o,z 0,3 ---
~.
0,1 0,1

o 10 zo 30 mm40 o 20 40 60 min 80
Zeit Zeit
Abb. 8. Einfluß von Natriumzusätzen auf die Abb. 9. Viskositätsänderung einer eutektischen
Viskosität von Aluminium-Silizium-Legierungen Aluminium-Silizium-Legierung in Abhängigkeit
bei 700 bis 800°0 (nach G. AKIMOV [28]). von der Zeit nach Zugabe verschiedeuer Zusätze.
0,2% Na; D. 0,1% Na; X 0,05% Na. Temperatur: 760 bis 800°0 (nach G. AKI~lOV
[28]).

Viskositätsmessungen an überhitzten Reinstaluminiumschmelzen, die


von W. R. D. JONES und W. L. BARTLETT [29] vorgenommen worden
waren, zeigten eine Zustandsänderung in den Versuchsschmelzen bei
ca. 770°0. Unterhalb dieser Temperatur wurde eine deutlich ansteigende
Viskosität beobachtet, dagegen war sie oberhalb 770°0 annähernd
konstant.
Tatsächlich haben Erfahrungen aus der Praxis gezeigt, daß eine
Erwärmung von Reinaluminiumschmelzen oberhalb 750°0 (vorzugsweise
760 bis 790°0) notwendig ist, um eine gute Qualität zu erzielen. Beim an-
schließenden Barrenguß wird dadurch ein besseres Gefüge erhalten, als
Lit. S. 193] 1.1 Vorgänge beim Aufschmelzen 9

wenn die Schmelze z. B. nur auf 720 bis 730°C erwärmt worden wäre.
Auch der Zusammenhang zwischen Viskosität und Gasgehalt sollte ein-
gehender untersucht werden, allein im Hinblick auf die Schwierigkeit, die
Phänomene der technischen Entgasung zu erklären.

1.124 Aktivierungsenergie des viskosen Fließens. In Tab. 3 sind die


Aktivierungsenergien der Systeme Aluminium-Magnesium, Aluminium-
Zink und Aluminium-Silizium nach Messungen von E. GEBHARDT und
K. DETERING einander gegenübergestellt [23]. Die Daten entsprechen
den in den Abb. 4, 6 und 7 wiedergegebenen Viskositätswerten.

Tabelle 3. Aktivierungsenergie des viskosen Fließens von Al1tminium-Magnesium-,


Aluminium-Zink- und Aluminium-Silizium-Schmelzen (nach E. GEBHARDT U.
K. DETERING [23])

Mg Zn Si
in Gew.-%
I
A. E.'·
I in Gew.-%
I
A. E."
I
in Gew.-% A. E."

20,0 3870 80,0 1890 0,0 2765


30,0 3995 90,0 1950 4,0 2800
33,0 4000 92,5 2000 7,0 2800
34,5 4010 95,0 2000 9,0 2820
36,0 4010 97,5 2020 10,5 2810
37,0 4090 100,0 2100 11,4 2820
37,5 4380* 11,7 2820
38,5 3990 12,0 2820
40,0 3560 14,0 2820
43,0 3530 18,0 2820
23,0 2790

* Maximum; besonderes Merkmal für die Existenz der intermet. Verbindung


Al3Mg2 in der Schmelze
** in calJg-Atom

1.125 Ergebnisse von Penetrationsversuehen. Anhaltspunkte über den


kombinierten Einfluß von Viskosität und Oberflächenspannung ergeben
sich aus Penetrationsversuchen, bei denen Schmelze in feine Poren oder
Risse eindringt und dann erstarrt. Die Auswertung solcher Versuche
wird jedoch durch die Entmischungserscheinungen sehr erschwert.
Beispielsweise wurde die Zusammensetzung von Schmelzen untersucht,
die man in ~panllungtll'ü,tle von gebogenen Reinalumilliumstäben
(4 X 6 mm) eindringen ließ. Dabei wurde bei Verwendung von Alu-
minium-Kupfer-Schmelzcn mit 2,9 bzw. 7,8% Cu in der durch Ab-
schrecken in den Rissen erstarrten Schmelze ein Kupfergehalt von 33 %
festgestellt, was annähernd der eutektischen Zusammensetzung des
Systems Al-Cu entspricht [30].
10 A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze [Lit. S. 193

1.13 Oberflächenspannung von Schmelzen

Die Oberflächenspannung von flüssigem Aluminium und seinen Legie-


rungen wird durch einen sich rasch bildenden Oxydfilm verändert. Um
dessen Einfluß bei der Bestimmung der Oberflächenspannung möglichst
auszuschalten, benutzt man die sogenannte Blasendruckmethode [31
bis 33]. Dabei gelangt z. B. gut vorgereinigtes Argon aus einem Druck-
gefäß unter den Spiegel der untersuchten Metallschmelze, wobei sich
840 ,---,---,--~--,
dyn/em

~O,---r---,---,---,
dyn/em
.........
Li

600 H--4-+-~

$O~-+-----+-~ #o~-+--~--+-~

4400
0/1- 0,8 1,2At-% 1,(,
Zusatz Zusatz
Abb. 10. Einfluß von diversen Legierungszu- Abb. 11. Einfluß von diversen Legierungszu-
sätzen auf die Oberflächenspannung einer Alu- sätzen auf die Oberflächenspannung einer Alu-
minium·Kupfer·Legierung mit 5% Cu bei 700°C minium·Magnesium-Legierung mit 10,6% Mg bei
(nach L. KUBITSCHEK [31]). 700°C (nach L. KUBITSCHEK [31]).

eine Gasblase bildet, welche die Schmelze in einer Kapillare hochdrückt.


Reißt die Blase in der Schmelze ab, so fällt die Metallsäule in der Kapillare
rasch zurück. Der höchste Stand der Metallsäule wird festgehalten und
dient als Bestimmungsgröße für die Ermittlung der Oberflächenspannung.
Mit Hilfe dieser Methode fand L. KUBITSCHEK [31] für Reinalu-
minium Al 99,7% bei 700°C einen Wert von 850 ± 25 dyn/cm.
Derselbe Autor untersuchte außerdem den Einfluß geringer Zusätze
auf die Oberflächenspannung einer Aluminium-Kupfer-Legierung mit
5% Cu und einer Aluminium-Magnesium-Legierung mit 10,6% Mg. Einige
Ergebnisse sind in Abb. 10 und 11 dargestellt.
Bei der Aluminium-Magnesium-Legierung (Abb. 11) ist die Verringe-
rung der Oberflächenspannung durch die einzelnen Zusätze schwächer als
Lit. S. 193] 1.2 Faktoren, welche die Erstarrung beeinflussen 11

bei der Aluminium-Kupfer-Legierung, wahrscheinlich weil Magnesium


wegen seines großen Atomdurchmessers ein besonders oberflächen-
aktives Zusatzmetall ist.
Für die beiden untersuchten Legierungen und auch für Reinaluminium
ist charakteristisch, daß bei weniger als 0,2 Atom-% Zusatzmetall die
Oberflächenspannung prozentual am stärksten verringert wird.
Nach L. KUBITscHEK [31] ist, die hohe Oberflächenaktivität der leicht-
schmelzenden Elemente eine der Ursachen für ihre kornverfeinernde
Wirkung in Aluminium-Kupfer- und Aluminium-Magnesium-Legierun-
gen: Sie werden an der Oberfläche der wachsenden Dendriten adsorbiert
und hemmen dadurch deren Wachstum. Der kornverfeinernde Einfluß
der schwerschmelzenden Elemente (Titan, Zirkon, Chrom, Molybdän,
Wolfram, Bor) dürfte dagegen nicht mit einer Verringerung der Ober-
flächenspannung der Legierung zusammenhängen [31]. Einige der von
L. KUBITscHEK beschriebenen Ergebnisse wurden teilweise schon vorher
von E. PELZEL [32, 33] und A. M. KORoLKov [34] erhalten.
Immer wieder ist versucht worden, einen Zusammenhang zwischen
Oberflächenspannung, Viskosität und Fließvermögen zu bestimmen. Alle
derartigen Versuche konnten jedoch die tatsächlich auftretenden Ver-
hältnisse nicht exakt beschreiben. Die teilweise gefundenen empirischen
Beziehungen haben keine allgemeine Geltung.
Herrn Professor Dr.-Ing. E. GEBHARDT sei für wertvolle Anregungen
bestens gedankt.

1.2 Faktoren, welche die Erstarrung beeinflussen

Es dürfte heute feststehen, daß es zwei Arten von Keimen gibt,


welche bei der Erstarrung eines Metalles wirksam werden [72, 78, 8n
A. Keime, welche in der Schmelze bereits oberhalb der Liquidus-
temperatur anwesend waren.
E. Keime, welche nach Vorliegen einer Unterkühlung spontan ent-
stehen: Die Anzahl dieser Keime nimmt mit zunehmender Unterkühlung
stark zu.
Weist die Schmelze eine genügende Anzahl Keime der Type A auf,
so wird eine Unterkühlung und somit das Auftreten von Keimen der
Type B ganz oder teilweise unterdrückt.
Aus dem beschriebenen Sachverhalt leiten sich zwei verschiedene
Verfahren (I und II) her, um bei der Erstarrung ein feines Korn zu er-
halten.
1. Vorliegen möglichst vieler wirksamer Keime in der Schmelze
oberhalb der Liquidus-Temperatur.
12 A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze [Lit. S. 193

Wie im folgenden gezeigt wird, können diese Keime entweder als


"Eigenkeime" (nicht aufgelöste Gitterreste) vorliegen, bewirkt z. B.
durch geringe Überhitzung der Schmelze nach dem Aufschmelzen,
oder aber die Schmelze ist durch geeignete Zusätze an "Fremdkeimen"
angereichert, z. B. durch Titanzusätze.
I1. Möglichst starke Unterkühlung der zur Erstarrung gelangenden
Schmelze. Hierdurch Bildung zahlreicher spontan entstandener Keime.
Diese Art der Kornverfeinerung gelingt nur, wenn der Keimbildungs-
mechanismus gemäß I möglichst unterdrückt wurde.
Während man im Falle I weitgehend unabhängig von der Er-
starrungsgeschwindigkeit ein feines Korn erhalten kann, spricht die
Kornverfeinerung gemäß II recht empfindlich auf die Erstarrungs-
bedingungen an.
Unabhängig von der Art der Keimbildung kann die Erstarrung nur
dann fortschreiten, wenn vor der Erstarrungsfront ein unterkühlter
Bereich der Schmelze vorliegt [35 bis 40]. D. TURNBULL und R. E. CECH
[41] haben nachgewiesen, daß Aluminium, welches frei von Fremd-
keimen ist, um 148 grd unterkühlt werden kann, bis eine spontane Keim-
bildung einsetzt, die im Falle dieses Experimentes im Kontakt mit einer
Al 20 a-Wandung erfolgte. Dieses Ergebnis stimmt mit den Befunden an
anderen Metallen überein, welche ergeben haben, daß eine Unterküh-
lung von etwa 20% der absoluten Schmelztemperatur notwendig ist,
um die "thermische" Keimbildung zu erzwingen [42, 43].1 Dagegen ge-
nügt bei der Anwesenheit von Fremdkeimen oder von nicht aufgeschmol-
zenen Kristallresten eine Unterkühlung von einigen Grad, um eine leb-
hafte Kristallisation in Gang zu bringen.
Rückschlüsse auf die Keimbildung leiten sich oft aus Beobachtungen
über die Korngröße des Gußgefüges her.
C. MASCRE, A. TOUGUET und M. DROUZY [44] beschreiben eine
Untersuchungsmethode, welche es ermöglicht, die Keimbildung unab-
hängig vom Wachstum der Kristalle zu verfolgen. Die Methode gestattet
eine verfeinerte Deutung der thermischen Analyse.
Es ist oftmals versucht worden, die wirksamen Keime in "Fremd-
keime" (z. B. TiC-Partikel) und "Eigenkeime" (abgerissene Dendriten-
spitzen oder nicht aufgeschmolzene Gitterreste) zu unterteilen. Wie wir
im folgenden sehen werden, ist diese Unterteilung zu einfach. Die geo-
metrische und konstitutionelle Unterkühlung hat gleichermaßen Einfluß
auf Keimbildung und Keimwachstum.
Die folgenden 5 Variablen beeinflussen hauptsächlich die Größe der
Gußkörner:

1 Wird flüssiges Aluminium extrem rasch abgekühlt, so läßt es sich auch


mehr als 20% der absoluten Schmelztemperatur unterkühlen.
Lit. S. 193] 1.2 Faktoren, welche die Erstarrung beeinflussen 13

Legierungszusammensetzung und Zusatz von Kornverfeinerern


(Titan, Bor usw.).
Temperaturführung der Schmelze. Diese umfaßt: Vorhergehende
Überhitzung und Abstehzeit, Gießtemperatur, Abkühlungsgesehwin-
digkeit, Temperaturgradient nahe der Erstarrungsfront, Richtung
der Wärmeableitung.
Art der Zufuhr der Schmelze zur Erstarrungsfront.
Einwirkung von Vibration.
Einwirkung von Überdruck.
Bei der Bewertung der H'rsehiedenen experimentellen Studien über
Kornverfeinerung ergibt sich die Schwierigkeit, daß viele der Arbeiten an
spezifischen Fällen durchgeführt worden sind.
Das Schrifttum über die Koruverfeinerung des Aluminiums ist sehr
umfangreich. (Übersicht über das neuere Schrüttum s. [45 bis 49].)
Wir werden uns auf die Wiedergabe einiger grundlegender Arbeiten
beschränken und die verschiedenen Faktoren getrennt abhandeln.
Bei der Unterteilung ~war eine gewisse Willkür nicht zu vermeiden.
Leider ist zudem die Nomenklatur nicht eindeutig. Wir werden im
Absatz "Fremdkeime" solche Fälle beschreiben, bei denen über die
natürlichen Verunreinigungen hinaus kornverfeinernde Legierungs-
zusätze gemacht werden. Somit behandeln wir die Keimbildung im
zusatzfreien Reinaluminium im Kapitel "Eigenkeime", obwohl die natür-
lichen Verunreinigungen des Metalls teilweise "Fremdkeime" bilden.

1.21 Kornverfeinerung durch Eigenkeime


(Beobachtungen an Rein- und Reinstaluminium)

Eine nur kurz über die Liquidustemperatur erwärmte Reinaluminium-


schmelze erstarrt äußerst feinkörnig [50]. Als Ursache hierfür sind Nah-
ordnungsbereiche [51] oder Subkeime [43] in der Schmelze angenommen
worden.
Die Kornverfeinerung durch "Kristallrümpfe" ist von E. SCHElL am
Aluminium genauer untersucht worden [46,50]. Eine mit Eigenkeimen
angereicherte Schmelze kann in einem Gießprozeß z. B. auf folgende
Weise erhalten werden:
Wiederaufschmelzen eines soeben erstarrten Gefüges oder
Zugabe von festem Aluminium zur Schmelze.
Eine typische Anordnung zur Erzeugung von Eigenkeimen ist in
Abb. 12 beschrieben [46]. Von einem gekühlten Schwingkörper fallen
Dendriten ab und wirken kcimbildend.
14 A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze [Lit. S. 193

In einer anderen Versuchsserie hat E. SCHElL der Schmelze kurz vor


dem Erstarren kleine Blechstücke zugesetzt, um Eigenkeime zu erzeugen,
wodurch eine markante Kornverfeinerung erzielt wurde, wenn die Dicke
der Blechstücke im richtigen Verhältnis zu dem pro Zeiteinheit ver-
gossenen Schmelzvolumen gebracht wurde [50].
Diese Befunde über Eigenkeime sind an Reinaluminium erhalten
worden, während sich Reinstaluminium anders verhält: Reinstaluminium
ohne Zusatz von Fremdkeimen erstarrt
z. B. stets relativ grobkörnig, unabhängig
von der vorangegangenen Überhitzung
[45]. Wenn man z.B. Reinstaluminium auf-
Heizung schmilzt und die Temperatur der Schmelze
nur 1 bis 2 grd über die Liquidustempera-
tur steigert, so erstarrt anschließend das
Reinstaluminium grobkörnig, d. h., es sind
keine unaufgeschmolzenen Keime zurück-
geblieben.
Grundsätzlich andere Ergebnisse wer-
den bei Reinaluminium erhalten (Rein-
- - - - - - - - heitsgrad bis zu 99,8% Al), wo ein fein-
Abb. 12. Gekühlter Schwingkörper zur körniges Gefüge auftritt, wenn die Über-
Erzeugung von Keimen in der Schmelze
(nach E. SCHElL [46]).
hitzung der Schmelze nicht mehr als 20
bis 25 grd oberhalb Liquidustemperatur
betragen hat [45, 49, 52].
Dieselbe Erscheinung tritt auf, wenn Reinaluminium, das zuvor auf
930 e überhitzt worden war, mindestens etwa 30 Minuten kurz oberhalb
0

der Liquidustemperatur verweilt hat. Kürzere Verweilzeiten ergeben


dagegen kein feines Korn [49].
Die Feinkörnigkeit von Reinaluminium, das mit einer Gießtemperatur
von ca. 680 oe vergossen wurde, ist auf natürliche Verunreinigungen des
Hüttenaluminiums zurückzuführen.
In einem von V. KONDlC und D. SHUTT [49] untersuchten Fall war
der kleine natürliche Titangehalt des Reinaluminiums die Ursache der
Kornverfeinerung : Diese Verfasser setzten zu Reinstaluminium Eisen,
Silizium und Kupfer in den Mengen zu, wie sie beim Hüttenaluminium
(Reinaluminium, ca. 99,5% Al) normalerweise vorliegen. Dieses künst-
lich hergestellte Reinaluminium kristallisiert bei ca. 680 oe grobkörnig,
falls nicht ca. 0,02% Ti zugesetzt werden [49].
Bezüglich der Beobachtungen beim Überhitzen von Reinaluminium
über ca. 685 oe und anschließendem Erstarren gibt es viele Widersprüche
in der Literatur [45 bis 47 u. 53 bis 56].
R. MITSOHE [47, 56] hat gefunden, daß bei Reinaluminium außer dem
feinen Korn nach Erhitzen der Schmelze auf 660 bis 680 oe ebenfalls
Lit. S. 193] 1.2 Faktoren, welche die Erstarrung beeinflussen 15

feines Korn erhalten wird, wenn die Schmelze auf ca. 1000°0 erhitzt und
mit dieser hohen Temperatur vergossen wird. Ein dritter Temperatur-
bereich bei ca. 1400°0 ergibt ein mittleres Korn. Zwischen diesen drei
Feinkornbereichen - und auch bei höheren Überhitzungstemperaturen
- tritt Grobkorn auf. Analoge Ergebnisse werden auch von E. O","ITSCH
[54] berichtet, welche nach Überhitzung von Reinaluminium auf 1200 bis
1400°0 ein feinkörniges Gußgefüge erhielt, was die Verfasserin mit der
starken Unterkühlbarkeit dieser "keimfreien Schmelze" in Zusammen-
hang bringt. Die Ergebnisse von R. MITSCHE U. E. ONITSCH sind schw'ierig
zu interpretieren, denn die Entstehung einer keimreichen Schmelze ist
bei hohen Temperaturen auch dadurch möglich, daß ein feiner Oxyd-
schleier entsteht, der die Rchmelze durchsetzt.

2
,1
%~~----~m~O~----~2~OO~----~3~OsO~---S~400
ZeH
Al)b. 1~. Thernlit4C'he ~.\Iialy~e durch langsi:une Al,külllung einer Ilnbewegten Reinstaluminiumsehluelze
(na ..!l Y. KONDIC U. D. SHliTT [49]).
1 Temperaturwrlauf 3 lllIll ullterhalb uer Schmelzenoberfläche; 2 Tem]leraturverlauf im ]liittel-
punkt der Rl'hmelze.

F. LIHL und J. SAGOSCHEN [45J konnten bei ihren Experimenten


keinen Einfluß einer Überhitzung auf die Korngröße und auch keine
"Vererbbarkeit" des Gefüges nach Zwischenerstarrung finden, wie dies
in den Arbeiten von R. MITseHE [47, 56] angegeben wurde.
L. HORN und G. MASING sind der Frage des Zusammenhanges
zwischen vorheriger Überhitzung und der bei der Erstarrung der Schmelze
zu beobachtenden Unterkühlung nachgegangen [57J (Versuche an Reinst-
aluminium 99,99%). Mit einer empfindlichen Meßanordnung wurde der
Wiederanstieg der Temperatur beim Einsetzen der Erstarrung gemessen,
wie dieser z. B. in der Abb. 13 zum Ausdruck kommt. Die Probleme bei
solchen Messungen sind vielfältig: Der Wandeinfluß ist schwer auszu-
schalten. Da es sich um polykristalline Proben handelte, dürften die
ersten Keime ihr 'Wachstum begonnen haben, bevor das Temperatur-
minimum erreicht wurde. Einige typische Ergebnisse sind in der folgen-
den Zusammenstellung fet'tgehalten:
16 A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze [Lit. S. 193

Vorherige Überhitzung Unterkühlung


80grd 2 grd
120 grd 3grd
180 grd 4grd
Bei weiterer Steigerung der Überhitzung nimmt die Unterkühlung
nicht mehr zu (höchster zu beobachtender Wert: 4,5 grd Unterkühlung).
Die Autoren weisen auf die beiden Erklärungsmöglichkeiten für solche
Beobachtungen hin:
Nach G. TAMMANN ist anzunehmen, daß mit zunehmender Tempera-
tur nicht aufgeschmolzene Gitterreste aufgelöst werden.
L. HORN und G. MAsING (57]
.... -_.:-
t
3 vertreten die Ansicht, daß aller
grd
V Wahrscheinlichkeit nach das

.
. /
Inlösunggehen von natürlichen
Verunreinigungen des Reinst-

/' ~m
aluminiums die Ursache für den
§ 4 __ - - •
~ 3 " beobachteten Grenzwert der
.~
~2
~ Unterkühlung ist.
:§1
V.KONDICundD.SHUTT [49]
I 0 510 30 JV grdjs haben eine recht ähnliche Unter-
i Abküh/ungsgeschwindigkeif
o 1 2 3 grd/s 4 suchung durchgeführt und fan-
Abküh/ungsgeschwindigkeit den bei niedrigen bis mittleren
Abb. 14. Einfluß geringer bis mittlerer Abkühlungs- Abkühlungsgeschwindigkeiten
geschwindigkeiten auf die Unterkühlung von Reinst·
aluminiumschmelzen vor Einsetzen der Erstarrung
gleichfalls eine Unterkühlbar-
(nach V. KONDIC U. D. SHUTT [49)). keit des Reinstaluminiums um
maximal 4 bis 5 grd (Abb. 14).
Nach ihren Beobachtungen hatte eine vorherige Überhitzung auf 5 bis
230 grd über dem Schmelzpunkt keinen Einfluß auf die Unterkühlung.
Reinaluminium ist nicht unterkühlbar, wenn die Überhitzung weniger
als 25 grd beträgt, was die weiter oben beschriebene Annahme der nicht
aufgelösten natürlichen Verunreinigungen unterstützt.
Bei Überhitzungen von über 25 grd verhält sich Reinaluminium
bezüglich der Unterkühlbarkeit wie Reinstaluminium1 .
J. A. REYNOLDS und C. R. TOTTLE haben die Kokillenwand mit
verschiedenen Metallpulvern bedeckt, um deren Einfluß auf eine
Kornverfeinerung des erstarrenden Aluminiums zu untersuchen [58].
Aluminiumpulver ergab im Gußgefüge eine Steigerung der Korn-
zahl pro Flächeneinheit um den Faktor 4 bis .15, verglichen mit der
Erstarrung ohne Aluminiumpulver unter sonst gleichen Bedingungen.

1 Die Ergebnisse von L. HORN und G. MASING [57] sowie von V. KONDIC und
D. SHUTT [49] wurden bei Abkühlungsgeschwindigkeiten erhalten, wie sie bei
technischen Gießverfahren vorkommen.
Lit. S. 193] 1.2 Faktoren, welche die Erstarrung beeinflussen 17

Andere Metallpulver mit mehr als 10% Differenz im Atomabstand zu


demjenigen von Aluminium ergaben keine Kornverfeinerung, so z. B.
Pulver aus Nickel, Tantal und Blei. Diese Versuche leiten bereits zur
Kornverfeinerung durch "Fremdkeime" über, auf die wir später noch
eingehen werden.

1.22 Einfluß von Bewegung oder Vibration der Schmelze auf Keimbildung
und Erstarrung
Es liegen zahlreiche Beobachtungen vor, wonach die Bewegung der
Schmelze nahe der Erstarrungsfront oder die Einwirkung von Vibration
Einfluß auf das Gußgefüge ausüben.
1.221 Zuftuß der Schmelze zur Erstarrungsfront. Wenn man einen
bereits erstarrten Kristall in eincr schwach unterkühlten Flüssigkeit be-
wegt, so tritt ein ganzer Schwarm neuer Keime auf; dagegen würde unter
gleichen Bedingungen der in der unterkühlten Flüssigkeit ruhende Kristall
weder wachsen noch neue Keime bilden.
Eine interessante Deutung der erhöhten Keimbildung durch das
Vorbeifließen von Schmelze an der Erstarrungsfront geht auf Unter-
suchungen von H. KOS'I'RON und M. SCHIPPERS [59] zurück. Eine an der
Erstarrungsfront durch Konvektion oder induktives Rühren entlang-
strömende Schmelze löst die bereits erstarrten Kristalle teilweise wieder
auf [60]. Zum Beispiel haben Versuche von O. SCHAABER [61] gezeigt,
daß sich die wachsenden Kristalle beim induktiven Rühren der Schmelze
entgegen neigen (s. Abb. 15). Dies kann durch die Ansammlung einer
Fremdatomwolke im StrömungRschatten der einzelnen Dendriten erklärt
werden (Abb. 16), welche dort gemäß Zustandsdiagramm den Schmelz-
punkt erniedrigt und dic Erstarrung verlangsamt oder ein lokales Wieder-
aufschmelzen bewirkt [59].
Da ein solcheR lokales Aufschmelzen aber bei Temperaturen knapp
oberhalb der Liquidustemperatur erfolgt, ist das Auftreten von nicht auf-
gelösten Krü;tallresten nahe der Erstarrungsfront hier sehr wahrschein-
lich, was somit die Kornverfeinerung durch Bewegung der Schmelze
erklären könnte.
F. SAUERWALD [63] weist darauf hin, daß ein Rühren in erstarrenden
Metallschmelzen bei verschiedenen Aluminiumlegierungen eine Korn-
verfeinerung nach sieh zieht.
K. E. MANN und E. RIEPERT [64] haben die Kornverfeinerung von
Stranggußbolzen durch mechanisches oder induktives Rühren eingehen-
der untersucht:
Mechanisches Rühren ergab bei Legierungen zwar ein feines Korn,
aber gesteigerte Rißanfälligkeit (infolge hereingerissener Oxyd-Häute?).

2 Altenpohl, Aluminium
18 A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze [Lit. S. 193

Induktives Rühren brachte gleichfalls feines Korn aber keine Risse, jedoch
verstärkten Kaltschweißl der Oberfläche und beeinflußte im übrigen
auch die umgekehrte Blockseigerung.

Abb. 15. Geätzter Querschnitt durch einen Reinaluminium-Rundbarren. bei"" 1: 3 dessen Erstarrung
die Schmelze durch ein elektromagnetisches Drehfeld entgegen dem Uhrzeigersinn bewegt wurde
(nach W. ROTH u. M. SCHIPPERS [60]).
(Gefüge eines ohne Drehbewegung erstarrten Barrens s. Abb. 2.6.)

--:;::::::·0-- - -/J :=:::


~--

1I . I ·O~ --
Srol/lungs-
rc~tvng

-
Abb. 16. In strömender Schmelze wachsende Kristallnadeln. Im Strömungsschatten (II) Anreiche-
rung von Fremdatomen verglichen mit der Konzentration bei I (nach H. KOSTRON u. M. SCHIPPERS
[59]).

V. KONDIO [65] hat die Kornverfeinerung von Reinaluminium unter-


sucht, welches innerhalb etwa einer Minute zur Erstarrung gebracht
wurde. Seine Ergebnisse sind in der Tab. 4 wiedergegeben.
Beim Versuch A erfolgte die Erstarrung, wie normalerweise üblich,
in einer eisernen Kokille. Im Falle B wurde eine Kokille in die Schmelze

1 Die Entstehung von Kaltschweiß ist ein rein mechanischer Vorgang. Kalt-
schweiß tritt bei zu kaltem und/oder zu langsamem Gießen auf Grund der Ober-
flächenspannung des flüssigen Metalls auf, s. Abb. 111, S. 148.
Lit. S. 193] 1.2 Faktoren, welche die Erstarrung beeinflussen 19

Tabelle 4. Erstarrung t'on Reinaluminium im Kontakt mit einer Kokille


(nach V. KONDIe [65])

Yersuch I Temperatur der Schmelze über


dem Erstarrungspunkt
I Körner/ern' Versuchsbedingungen

A 10 grd 800bis1000 Gießen in stationäre Kokille


40 grd 10 bis 20
B 10 grd 10 bis 20 Erstarrung um eine in die
Schmelze eingehängte Gieß-
, form (stationär)
C 10 grd 10 bis 20 wie B, aber Gießform vib-
riert oder stetig rotiert
D 10 grd 1800 bis 1000 wie B, Gießform stetig ro-
tiert mit zeitweiligem Ab-
stoppen der Rotation

eingehängt, was ein wesentlich gröberes Gußkorn ergab (Gießtemperatur


10 grd über dem Erstarrungspunkt). Stetiges Drehen der Gießform
brachte keine Kornverfeinerung (Versuch C), wohl aber, wenn die
Drehbewegung der Gießform ab und zu gestoppt und anschließend
wieder fortgesetzt wurde (D).
Nach F. A. CROSSLEY, R. D. FISHER und A. G. METCALFE [62] bleibt
die Kornverfeinerung aus, wenn die Schmelze rotiert, bevor die Erstar-
rung einsetzt. Das Gefüge ist in diesem Falle gleich wie bei ruhendem
Guß.
Während der Erstarrung erzielten sie bei Umpolung des magnetischen
Drehfeldes die beste Kornverfeinerung. Diese Befunde deuten darauf
hin, daß es für die Beeinflussung des Gußgefüges sehr auf die Details der
Relativbewegung zwischen Schmelze und Erstarrungsfront ankommt.
Bei der Besprechung der im Stranggußgefüge auftretenden Kristalli-
sationsformen werden wir weiter unten noch andere Beispiele für den
starken Einfluß der Bewegungsrichtung der Schmelze auf das Guß-
gefüge anführen (siehe z. B. Abb. 80, S. 120).

1.222 Vibration. Die Angaben über den Einfluß der Vibration auf
das Gußgefüge sind widerspruchsvoll. Mehrere Autoren weisen auf die
Kornverfeinerung durch Ultraschalleinwirkung hin. (Eingehende Litera-
turübersicht siehe [66, 67].) E. SCHMID [68] führt die durch Ultraschall
bewirkte Kornverfeinerung auf ein Abbrechen der aus der Erstarrungs-
front herausragenden und daher einseitig "eingespannten" Kristall-
nadein oder Dendritenarme zurück. Ultraschall hat in Schmelzen eine
dispergierende Wirkung, z. B. auf die Verteilung von Blei in Aluminium
[68], und bewirkt eine feinere Verteilung von Mn Al 6 in Stranggußbarren
aus manganhaltigen Legierungen [69].

2*
20 A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze [Lit. S. 193

Während E. SOHMID [68] bei Vibrationen im Bereich der Schall-


frequenzen keine Kornverfeinerung findet, konnte diese bei den Ver-
suchen von W. ROSTOKER und Mitarbeitern nachgewiesen werden [70,
71]. Diese Autoren fanden durch Ankoppeln einer Vibration (60 Hz mit
einer Amplitude von 0,5 mm) an eine eiserne Kokille markante Einflüsse
auf das Gußgefüge von Aluminiumwerkstoffen : Bei Reinaluminium
sowie bei Legierungen mit 2 und 4% Cu wurde die Stengelkristallbildung
unterdrückt [70]. Eine näher untersuchte Legierung enthält 4,4% Cu
und 1,3% Si. Bei dieser Legierung konnte auf Grund der Vibration eine
deutliche Kornverfeinerung sowie eine Verringerung der Lunkerbildung
und der Ausschwitzungen beobachtet werden; Seigerung und Mikroporen
wurden dagegen nicht beeinflußt [71].
Die genannten Effekte sind hauptsächlich von der Schwingungs-
amplitude abhängig, wobei eine Steigerung derselben über 0,5 mm hin-
aus keine weitere Verbesserung mehr ergibt, aber auch nicht schadet.
Varüeren der Frequenz zwischen 60 und 1500 Hz hatte keinen syste-
matischen Einfluß.
Stichversuche im Ultraschallgebiet zeigten keine Vorteile der hohen
Frequenzen. W. ROSTOKER und Mitarbeiter [70. 71] geben folgende
Erklärung ihrer Beobachtungen:
Durch eine nahe der Erstarrungsfront auftretende Rührwirkung wird
die dort vorliegende Konzentrationsverschiebung und Unterkühlung
("constitutional supercooling") beseitigt, so daß die Gesamtunterkühlung
der Schmelze mehr in den Vordergrund tritt; dadurch wird die Ausbil-
dung von Stengelkristallen unterdrückt und eine generelle Kornverfeine-
rung bewirkt. Allerdings sind auch andere Erklärungen möglich, z. B.
verstärkte Keimbildung nahe der Erstarrungsfront [70] oder Erleichte-
rung der Keimbildung während der Druckwelle innerhalb unterkühlter
Schmelzbereiche [71].
Tatsächlich erleichtert ein erhöhter Druck die Keimbildung [70].
Nur die Vibration während - nicht aber vor - der Erstarrung hat
einen Einfluß. Das heißt, in der Schmelze selbst treten durch das Vibrie-
ren keine Veränderungen auf.
Die Widersprüche zwischen den verschiedenen Arbeiten erklären
sich teilweise aus der Art der Ankopplung der Vibration: Bei gleicher
Energie liefert z. B. ein einseitig eingespannter Vibrationstisch einen
wesentlich besseren Kornverfeinerungseffekt als ein freischwingender
[71].
Oft wird die Übertragung der Schwingungen in der Schmelze vorge-
nommen [73, 74]. Nach neuen Untersuchungen von W. A. TILLER [75]
tritt aber eine viel wirkungsvollere Kornverfeinerung auf, wenn z. B.
Ultraschall vom Boden des erstarrenden Gußblockes her in diesen einge-
führt wird, wobei die Ultraschallfrequenz zweckmäßig so gewählt wird,
Lit. S. 193] 1.2 Faktoren, welche die Erstarrung beeinflussen 21

daß in der Nähe der Erstarrungsfront nach Möglichkeit ein Schwingungs-


bauch liegt.
Somit kann die Ankopplung der Schwingungen auf dreierlei Weisen
erfolgen:
durch die Schmelze,
durch die Kokillenwand oder
durch das erstarrende Gußstück,
wobei die Wirkung auf das Gußgefüge im allgemeinen in der genannten
Reihenfolge zunimmt [75, 76].
Allerdings wird u. U. eine recht wirkungsvolle Kornverfeinerung auch
dann gefunden, wenn der Vibrator in die Schmelze eintaucht: z. B. hat
P. D. SOUTIIGATE [73] auf diese Weise bei Reinaluminium eine deutliche
Kornverfeinerung und bei Legierungen mit 4% Fe eine merkliche Ver-
kleinerung der eisenhaItigen Heterogenitäten erreicht. In einer Legierung
mit 12% Si konnte auf diese Art die Porosität reduziert und die Zug-
festigkeit um ca. 10% erhöht werden [73].1

1.23 Einfluß extremer Bedingungen auf Keimbildung und Erstarrung

1.231 Einfluß extrem hoher Erstarrungsgeschwindigkeit. Wenn man


flüssiges Aluminium in Form feiner Tropfen zur Erstarrung bringt, so
sind diese um mehr als 100 grd unterkühlbar. Die Unterkühlbarkeit einer
Schmelze nimmt mit der Erstarrungsgeschwindigkeit zu. Abb. 17 zeigt

800
oe
700 ~
I~ rA.1J600e
J2 600
12<b
"-
~soo ~
'50D C
~
~
U

400

0,1 0,2 0,3 sM


ZeH
Auu. 17. TcmvcraLurverlaul uei iiußcr"t fU"cher Abschreckung einer Rein"LlIlumiuiumschmelze.
Unterkühluug 160 grd. Abkühlunggeschwindigkeit 14000 grd/s (nach G. FALKENHAGEN u. W. HOF-
MANN [77]).

1 Die zwischen verschiedenen Autoren, welche mit eingetauchtem Vibrator


arbeiteten, auftretenden Widersprüche können auch dadurch verursacht sein,
daß teilweise um den Vibrator eine Erstarrung einsetzte, welche eine Keimbildung
hervorrief, wie sie z. TI. in Abb. 12 beschrieben wurde.
22 A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze [Lit. S. 193

ein oszillographisches Ergebnis bei einer Abkühlungsgeschwindigkeit von


14000 grdjs [77].
Extrem rasch erstarrtes Aluminium soll amorph vorliegen und bei
Raumtemperatur erst in einigen Wochen auskristallisieren [79].
Interessant ist das Ausbleiben eines heterogenen Gefüges bei rascher
Erstarrung von Legierungen. Bereits H. BOHNER [80] fand bei Alu-
minium-Titan-Legierungen, daß bei raschem Erstarren eine Primär-
kristallisation des Titanaluminids unterbunden werden kann.
Wiederholt ist die Frage gestellt worden, ob das Unterdrücken von
Ausscheidungen durch hohe Erstarrungsgeschwindigkeit eine über-
sättigte Lösung oder Kornseigerung in kleinsten Bereichen (evtl. ge-
koppelt mit feinsten Ausscheidungen) ergibt [68].
Diese Frage wurde von W. HOFMANN u. Mitarbeitern [77, 81, 82]
durch Messungen der Gitterkonstanten in dem Sinne beantwortet, daß
durch hohe Erstarrungsgeschwindigkeit bei Aluminium-Mangan und
Aluminium-Chrom eine starke Erweiterung des Mischkristallbereiches
auftritt (Ergebnisse: s. Tab. 5).

Tabelle 5. Einfluß schroffster Abkühlung auf die Mischkristallkonzentration


(nach G. FALKENHAGEN U. W. HOFMANN [77])

System I Al-Ti I AI-V I AI-Cr Al-Mn Al-Fe Pb-Na Pb-Fe Pb-Ca Cu-Cr

Max_ Gleich-
gew.
0,15 0,37 0,7 1,4 0,052 1,2 0,1 0,1 0,7
Löslichk. in
Gew.-%
Max. Über-
sätt. in 0,32 1,17 5,5 9,2 0,17 3,3 0,28 0,18 1,45
Gew.-%

Auch bei technischen Gieß verfahren sind die Auswirkungen einer


hohen Erstarrungsgeschwindigkeit auf das Gefüge deutlich festzustellen.
Bei Stranggußbarren haben die rasch abgeschreckten äußeren Gefüge-
zonen höhere Festigkeiten als die langsam erstarrten Mittelzonen des
Barrens. Legierungszusätze von Eisen und Mangan liegen im Strangguß-
gefüge (besonders in den rasch abgekühlten Außenzonen) stark über-
sättigt vor.
Ein interessantes Verfahren, um extrem rasch erstarrte Aluminium-
proben zu erhalten, ist das Auspressen von flüssigem Aluminium aus
dünnen Düsen (0,05 bis 0,3 mm 0), wobei die austretende Schmelze in
etwa 1 bis 5 ms zur Erstarrung gebracht werden kann.
An solchen Fasern kann man ein ungewöhnliches Verhalten bei der
plastischen Deformation beobachten:
Lit. S. 193] 1.2 Faktoren, welche die Erstarrung beeinflussen 23

Der Elastizitätsmodul des Aluminiums kann bis zum doppelten Wert


ansteigen, und die Dehngrenze liegt wesentlich höher als im normalen
Gußgefüge. Die beim Zugversuch plastisch verformten Fasern gleiten
ähnlich wie beim ,,\Vurstscheiben-Modell" ab, wie es von Zinkeinkri-
stallen bekannt ist. Jedoch nähert sich ihr Verhalten wieder normalen
Werten, wenn sie nach Erwärmen auf 600°0 langsam abgekühlt wer-
den [83].
Die Erklärung des ungewöhnlichen Verformungsverhaltens der rasch
erstarrten Fasern ist schwierig und hätte mindestens folgende Faktoren
zu berücksichtigen:

mechanische Spannungen im rasch erstarrten Gefüge,


starker Überschuß an eingefrorenen Leerstellen,
Übersättigung von gelösten Legierungselementen,
geringere Belegung der Korngrenzen mit Fremdatomen als bei "nor-
malern" Gefüge,
starke Kornverfeinerung durch rasche Abschreckung der Schmelze.

Der letztgenannte Effekt wurde z. B. beobachtet, wenn das Gießen


von Aluminiumbarren in der Weise durchgeführt wird, daß das flüssige
Metall direkt ins Wasser eingegossen wird, in welchem sich die zunächst
gleichfalb mit Wasser gefüllte Kokille befindet. Dieses Verfahren des
"subaquatic-casting" soll ein besseres Gußgefüge ergeben, als die nor-
malen Barren-Gießverfahren, wobei allerdings die Einzelheiten noch sehr
unklar sind [84].
Jedenfalls richtet sich neuerdings das Interesse auch für technische
Gießverfahren auf äußerst schnell erstarrte Aluminium-Partikel: Durch
rasche Erstarrung der Schmelze in Form feiner Tropfen oder Fasern
können auch "unmögliche Legierungen" in einen verformbaren Zu-
stand überführt werden. Hierauf wird späterhin noch eingegangen
(S.116).

1.232 Erstarren unter Über- oder Unterdruck. E. SCHMID gibt eine


entsprechende Literaturübersicht [68].
Die Erstarrung unter extrem hohen Drucken wurde insbesondere von
G. WELT ER untersucht, wobei Drucke bis zu 20000 kp/cm 2 Anwendung
fanden [85].
Wie die Tab. 6 und 7 zeigen, werden die Festigkeitseigem;chaften ver-
schiedener Gußlegierungen durch Anwendung von Überdruck beim
Gießen erheblich verbessert, und die Dichte des Gußgefüges wird bis zu
2,3 % erhöht. Außerdem wird die Größe des Gußkornes und der Hetero-
genitäten stark verkleinert. Dies hat zu dem Schluß geführt, daß durch
Überdruck die Keimbildung erleichtert wird.
24 A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze [Lit. S. 193

Tabelle 6. Festigkeit unter hohem Druck erstarrter Aluminium·Gußlegierungen


(gerundete Mittelwerte) (nach G. WELT ER [85])

Festigkeit Dehnung Härte


kp/mm' % kp/mm'
a b a
I b a b

Amerikanisehe
Legierung 25 17 10 3 75 59
(G-AICu)
Deutsche I
Legierung 27 19 20 8 76 48
(G.AlZnCu)
Silumin 28 21 9 10 79 55
(G-AISi) I
a = Erstarrung unter hohem hydrostatischem Druck (12000 bis 20000 kp/cm2 );
b = Kokillenguß.

Tabelle 7. Dichte von Aluminium·Gußlegierungen, die ohne und mit Anwendung


hohen Preßdruckes (12000 bis 20000 kp/cm 2 ) erstarrten (nach G. WELTER [85])
Dichte in g/cm'
Werkstoff ohne Preßdruck
mit Preß druck (Kokillenguß)

Amerik. Leg. 2,8736 2,8063


Cetal* 2,9083 2,8730
Silumin 2,6734 2,6670
* Zusammensetzung von "Cetal" : I Mg
~% I 0,5 bis 0,8%
Zn
10% I Si
6,5%
\

Beim System Aluminium·Silizium wird das Zustandsdiagramm durch


überdruck erheblich verändert [85]. Bei 12000 kpJcm 2 sind z. B. bei
15% Siliziumgehalt noch keine primären Siliziumkristalle im Gefüge
nachzuweisen. Die unter überdruck beobachtete Verschiebung der Gleich-
gewichtskurven im Zustandsdiagramm Aluminium-Silizium dürfte damit
zusammenhängen, daß Silizium im Gegensatz zu Aluminium unter
Volumenzunahme erstarrt.
Auch bei Drucken von 20 bis 70 kpJcm 2 werden die Festigkeitswerte
dcs Gußgefüges bereits merklich verbessert: Dies ist wichtig für die
Druckgußverfahren.

1.24 Kornverteinerung durch Fremdkeime

1.241 Kornverfeinerung durch verschiedene Legierungszusätze. F. LIHL


und J. SAGOSCHEN haben den Einfluß verschiedener Zusatzelemente be-
züglich der Kornverfeinerung des Reinstaluminiums studiert [45]. Wie
Lit. S. 193] 1.2 Faktoren, welche die Erstarrung beeinflussen 25

Abb. 18 zeigt, wirkt Titan am stärksten kornverfeinernd, gefolgt von


Eisen und Silizium, während Zusätze von Kupfer und Magnesium, Blei
und Zink erst bei höheren Zusätzen wirken, wobei die Wirksamkeit dieser
Elemente bezüglich Kornverfeinerung in der genannten Reihenfolge ab-
nimmt. Die Ergebnisse von F. LIHL und J. SAGOSCIIEN laufen in auffallen-
der Weise parall01 mit Ergebnissen von M. D. EBoRALL [86] u. E. GEB-
HARDT u. Mitarbeitern [7, 22 bis
27] bezüglich der Viskosität von
~I\.luminiumlegierungen. Setzt man
zu Aluminium Zink, Magnesium, 800f------+-+--+----+-+---j,L-----I
Kupfer, Eisen oder Titan zu, so
nimmt nach Abb. 2 die Viskosität
~mo~-r++~-~--~~-+-~
der Schmelze in der genannten
8!'-
Reihenfolge zu (bei z. B. 700 Oe),
was mit der beobachteten Korn- ~WOf___~~-~4-~-f___--+-~
verfeinerung parallel läuft. Dies
führt zu dem Schluß, daß die 2001---l++--+--V----t----bP ....b=--+------1
genannten Elemente außer
dem fast unwirksamen Zink ober- Zn
halb der Liquidustemperatur o D,4 o,b O,8Gew.-% 1,0
Legierungszusalz
des Reinstaluminiums bereits
Abb. 18. Beeinflussung der Kornzahl des Gußge-
Agglomerate in der Schmelze füges von Reinstaluminium (Al 99,99) durch ver·
bilden, welche die Viskosität schiedene Zusätze. (Gießtemperatur 670'C) (nach
F. LIHL U. J. SAGOSOHEN [45]).
erhöhen und als Keime wirken
[45J.
Von F. LIIIL, E. NACHTIGALL und G. PIESSLINGER wurde der Ein-
fluß der natürlichen Verunreinigungen des Aluminiums kombiniert mit
Titanzusätzen untersucht [89J.
Wie Abb.19a zeigt, ist die kornverfeinernde Wirkung von Titan.
zusätzen bei hohen Gießtemperaturen hervorstechend und der von
Eisenzusätzen stark überlegen. Dieser Befund ist abhängig von weiteren
Legierungszusätzen, gleichzeitig auch von der Gießtemperatur. Bei
niedriger Gießtemperatur verstärkt z. B. ein Eisen- oder Siliziumzusatz
die kornverfeinernde 'Wirkung des Titans (Abb. 19b).
Auch normale Legierungszusätze, wie Magnesium, wirken auf die
Größe der Gußkörner. T. S. PLASKETT und W. C. WINEGARD [88] haben
die Wachstumsbedingungen für die Bildung eines feinkörnigen ("globuli-
tischen") Gefüges in Aluminium-:Magnesium-Legiernngen beschrieben
(s. Abb. 20). Demnach ist eine Trennlinie zwischen Stengelkristallen
und globulitisehem Gefüge zu ziehen. Die Lage dieser Linie wird von dem
Verhältnis Temperaturgradient : Erstarrungsgeschwindigkeit und dem
Gehalt an Magnesium bestimmt. Die Ursachen hierfür werden weiter
unten erörtert ("Konstitutionelle Unterkühlung").
26 A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze [Lit. S. 193

1.242 Untersuchungen über die Ursache der Kornverfeinerung durch


Titan-Zusätze. Bei der Auswertung experimentieller Ergebnisse über
die Kornverfeinerung durch Titanzusätze sind eine Anzahl von Fak-

1000
i:!z (ffZY
cm-2
( "11
'~f,O'1%Fe
If o,s %Fe
11= ,a09%S!
@OHft+-1+----~----+----4----4

/
800

11 Ifa s %S,

1 i!
_~0~"~~l----~----+----4----4

-Ti al/ein
,~ I! I
~~0~"-4-+----~----+---~----~

200
j' li !
;;/
11
i
I
~O~ll~V!~-rli----+----+----4---~

a
/ -MGew.-%as
~..Je
Si b
!J
.j
I
o 0,1 0,2 0,3 o 0,1 0,2 0,3
Legierungszusatz lftanuehalt
Abb. 19a u. b. Wirkung von Titan-, Eisen- und Siliziumzusätzen auf die Kornzahl des Gußgefijges von
ReinstaJuminium (nach F. LIHL, E. NACHTIGALL U. G. PIESSLINGER [89]).
a) Einfluß eines Eisen-, Silizium- oder Titanzusatzes allein. Gießtemperatur l000'C; b) Einfluß eines
Titanzusatzes bei gleichzeitiger Anwesenheit von Eisen oder Silizium. Gießtemperatur 700 'C
- - - mit Eisen; ------ mit Silizium.

toren zu berücksichtigen. E. SCHEIL [46] und H. BERNSTEIN [48] be-


schreiben die in der Literatur vorliegenden Kontroversen:
Eine Gruppe von Forschern (a)
führt die kornverfeinernde Wirkung
30
Stenge/- kleiner Titanzusätze auf die peri-
kristalle -+----j--+-+----{
tektische Reaktion im System Alu-
~201----+--+--+-----,;'-I---+----1 minium-Titan zurück [45, 90, 91].
~ Eine andere Gruppe (b) erklärt
10 I--t-----J,..~_+__ die Kornverfeinerung als Wirkung
fein verteilter Titanborid-oder Titan-
karbid-Partikel [55, 93].
o 2 4- G 8
Magnesiumgeha/f Im folgenden sollen zunächst die
Abb. 20. Einfluß der Erstarrungsbedingungen beiden einander widersprechenden
auf das Gußgefüge von Aluminium-Magnesium- Theorien kurz beschrieben werden.
Legierungen (nach T. S. PLASKETT U. W. C.
WINEGARD [88]). a) Kornverfeinerung durch peri-
G Temperaturgradient in der Schmelze vor
der Erstarrungsfront; R Erstarrungsgeschwin- tektische Reaktion. F. A. ÜROSSLEY
digkeit. und L. F. MONDOLFO [90] haben den
Einfluß von Titan, Chrom, Zirkon, Eisen, Molybdän und Wolfram auf
die Kornverfeinerung des Aluminiums untersucht. In den Abb. 21 und 22
sind einige typische Ergebnisse wiedergegeben.
Lit. S. 193J 1.2 Faktoren, welche die Erstarrung beeinflussen 27

Die Verfasser weisen darauf hin, daß eine Kornverfeinerung dann auf-
tritt, wenn der Zusatz für das Einsetzen einer peritektischen Reaktion
genügend hoch ist (Abb. 21 f1 und b, Abb. 23).
400
cm- 2
I
J
I

300 I -"' \ - -
I
---
I \ I
------- - -

I
\
I

--- ---
\ I
I .,- I \-
-t--~---
-
/
-----

I
'\
, I \

\\T-
, I \

~ JI
100 1,55-
b

o I
664
Schmelze.--J- Schmelze:+ CrAl 7 Sch.I Sch/nelze + ZrAl3 ,1" _
~;& 6WC

=-+ - -CC05°C
~660 I~:
~

lHtrAl7 a, I a+ ZrAl3
~ 658
o 0.25 0,50 .0,'75 'tOOGew.-J,g250 o.,sO tJ7S 1,OOGew.-%1.ZS
a Chromgehalt b Zirkon gehalt

2
I I
1 I
I
b 0 Abb. 21a-c. Korngröße von Gußproben
\
~ ,
0
(2 bis 4 cm Durchmesser) aus binären Alu-
minium-Chrom-, Aluminium-Zirkon- und
~i
66Z
!
! ,
,
Aluminium-Eisen-Legiernngen, die durch
langsame Erstarrung einer zuvor um
, i Schmelze 100 grd überhitzten Schmelze hergestellt
660 wurden, in Abhängigkeit vonl Legierungs~
-r---L +FeALj
~ 658
=C-- gehalt. Zum Vergleich ist der entspre-

~hm~Jze~t chende Ausschnitt der jeweiligen Zu-


~6:5"6
9- ~ standsdiagramme eingezeichnet. Abkühl-
~654 ! geschwindigkeit 6 bis 7 grdjmin. Ausgangs-

652
"
--- f---- a+ FeAl 3
reinheit Al 99,90 (nach F. A. CROSSI,EY u.
L. F. MONDOLFO [90]).
I
650
648 0 i
1,0 1.5 z,06ew.-% 2rS
C Eisengehalt

Bei Eisenzusatz, der keine peritektische Reaktion bewirkt, ist die


Kornverfeinerung wesentlich schwächer (Abb. 21 c).!
Die Verfasser haben sodann auf v erschiedene Weise Kohlenstoff in die
Schmelze eingebracht.
Wie Abb. 22, Kurve c, zeigt, wird dadurch ein Rückgang der Korn-
verfeinerung erzielt, was somit im direkten Widerspruch zu den bereits ge-
1 Die in Abb. 21 a beschriebene Kornverfeinerung durch Chromzusätze ist
umstritten [48, 86].
28 A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze [Lit. S. 193

nannten Arbeiten der anderen Autorengruppe steht. Die Autoren erklären


Kurve bund c der Abb. 22 wie folgt: Bei Anwesenheit von Kohlenstoff
wird ein Teil des Titans als TiC gebunden, was die Bildung des korn-
verfeinernden TiAl 3 verringert; beim Durchspülen mit Argon werden die
kornverfeinernden TiAl 3-Keime aus der Schmelze herausgespült [90].
Verschiedene Autoren haben gefunden, daß die Kornverfeinerung
durch das Titan von der gleichzeitigen Anwesenheit von Kohlenstoff
unabhängig ist [45, 89, 91].

~00r----,----,-----r----,----,-----r----,
cm- 2
1000 -- -1-
800

4-00

Abb. 22. Einfluß von Titanzusätzen auf die Korngröße des Gußgefüges nach verschiedener Vor~
behandlung (nach F. A. CROSSLEY u. L. )<'. lIfONDOLFO [90]). Ausgangsmaterial: Al 99,90.
a Die Scbmelze war nicht im Kontakt mit Kohlenstoff; b Nach Titanzusatz wurde die Schmelze mit
Argon durchspült, sonst wie a; c Die Schmelze wurde mit Kohlenstoff in Kontakt gebracht.

Auch Kupferzusätze bewirken eine stetige Abnahme des Korndurch-


messers, und zwar ungefähr gleichlaufend mit der Verbreiterung des
Erstarrungsintervalls (Abb. 24).
E. SCHEIL [46] weist darallf hin, daß eine deutliche Kornverfeinerung
dann erzielt werden kann, wenn der in Frage kommende Zusatz ent-
weder oberhalb der eutektischen oder der peritektischen Zusammenset-
zung liegt. Letzteres wird in der Regel bei wesentlich geringeren Zusätzen
erreicht, was der Grund ist, daß Zusätze, welche eine peritektische Um-
setzung bewirken, zur Kornverfeinerung bevorzugt werden. Bereits
geringe ternäre Zusätze können die eutektische oder peritektische Zu-
sammensetzung zu kleineren Zusätzen hin verschieben.
b) Kornverfeinerung unabhängig von einer peritektischen Reaktion.
(X) Wirkung kleiner Titangehalte. Bei Knetlegierungen werden zur
Kornverfeinerung meist Titanzusätze unter 0,05% verwendet. Bereits
0,005 bis 0,025% Ti wirkt bei Rcinaluminium (Strangguß) stark korn-
verfeinernd, obwohl dieser Gehalt weit unter der peritektischen Zusam-
Lit. S. 193] 1.2 Faktoren, welche die Erstarrung beeinflussen 29

1
740
oe
720 /
Ji;:0
700
/ I
s
Q:
~ 580 / S+ Ti Al 3

/
~Or---,---,----,~~---,
oe I

-
'" Schmelze
. I
/j/j0 Konzen fmftons- InfervallZl/Be-
bo{) rnflder[r-
rx ! ~~=+~~~==~~~~s~w.rrunQ

540 I i
~ IiZO 1---++----+--+-+--+-----1
7,6 76
fn'11 milf/erer 11 mm
-2 13
Komdurchmesser ~ 1i00 }---*--+--+-+--+----I
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1'\ 4
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I
~
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"\ I

r +---
!z
O,Z /' ~
-- --
I

0
~
I
o I
0 07 OZ oJ Gew.-%O 4 2 4 fi 8(Jew..JJ/o 10
Kupfergehalf

Abb. 23. Ausschnitt auf dem Zustandsdiagramm Abb. 24. Ausschnitt auf dem Znstandsdiagramm
Aluminium-Titan mit darunter gezeichneter Aluminium-Kupfer mit darunter gezeichneter
Kurve der typischen Gußkorngröße. Das starke Kurve der typischen Gußkorngröße. Man be-
Anwachsen der Kornzahl fällt deutlich mit dem achte die wachsende Länge der Konzentra-
Beginn der peritektischen Reaktion bei 0,15% tionsintervalle zu Beginn der Erstarrung bzw.
Ti zusammen (nach H. BERNSTEIN [4RJ). die abnehmende Korngröße bei zunehmendem
Kupfergehalt der J,egierung (nach H. BERNSTEIN
[ 48]).

mensetzung liegt. Die Kornverleinerung unterhalb von 0,15% Ti ist von


zahlreichen Forschern festgestellt worden [45, 53, 55, 89, 94]; sie ist bei
so kleinen Titangehalten stark abhängig von verschiedenen anderen
Faktoren:
Erstarrungsgeschwindigkeit,
Legierungstyp,
Verteilungszustand des Titans,
30 A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze [Lit. S. 193

Anwesenheit kleiner Borgehalte und/oder fein verteilten Kohlen-


stoffs (letzteres anscheinend besonders bei Gußlegierungen).
Die Erstarrungsgeschwindigkeit spielt eine wichtige Rolle:
Bei langsamer Erstarrung nimmt die Kornverfeinerung durch das
Titan bis etwa 0,4% Ti stetig zu (z. B. bei Sandguß oder bei den Unter-
suchungen von F. A. CROSSLEY und L. F. MONDOLFO [90]).

ohne Init 1: 5
0 ,03% Ti
Abb. 25. Geätzte Querschnitte aus Reinaluminium·Stranggußbarren (Al 99,6) ohne und mit Titan-
zusatz (nach ALUSUISSE).

Wird die Erstarrung aber mit höherer Geschwindigkeit durchgeführt,


wie z. B. beim Strangguß, so ist das Maximum der Kornverfeinerung mit
0,03 bis 0,05% Ti bereits erreicht. Je nach dem Gehalt der Legierung an
Eisen und anderen hochschmelzenden Legierungselementen tritt außer-
dem oberhalb etwa 0,04% Ti beim Stranggießen bereits die Bildung un-
erwünschter, großer titanhaitiger Primärkristalle und daher Krusten-
bildung an der Oberfläche auf. Dies ist ein weiterer Grund, warum man
beim Stranggießen auf höhere Titanzusätze verzichtet.
Wie Abb. 25 deutlich zeigt, ist bei Reinaluminium-Stranggußbarren
die Kornverfeinerung durch einen kleinen Titanzusatz von z. B. 0,03%
bereits sehr erheblich. Auch Reinstaluminium mit Zusatz von 0,02% Ti
erstarrt feinkörnig.
Bereits H. BOHNER [80] hat auf zwei unterschiedliche Ausbildungs-
formen der Ausscheidung kleiner Titangehalte hingewiesen. Diese
beiden Ausscheidungsformen hängen mit der Erstarrungsgeschwindigkeit
zusammen. Bei langsamer Erstarrung entstehen die Titanaluminide als
Lit. S. 193] 1.2 Faktoren, welche die Erstarrung beeinflussen 31

Grobausscheidung ("Knollen"), bei rascherer dagegen als feine Waben,


wobei letztere ein feineres Korngefüge ergeben [45].
Generell ist festzustellen, daß die kornverfeinernde Wirkung des
Titans stark von seinem Verteilungsgrad abhängt, welcher sich wiederum
bei mehrfachem Umschmelzen desselben Metalls oder bei längerer Ab-
stehbehandlung im günstigen wie im ungünstigen Sinne ändern kann.
Bringt man also Titan über eine Vorlegierung ein, so nimmt die korn-
verfeinernde Wirkung mit zunehmender Abstehzeit bei z. B. 780°0 zu-
nächst zu (auf Grund der Auflösung des Titans). Bei zu langen Absteh-
zeiten kann aber die Ausfällung des Titans in "Wolken" oder sogar in
Heterogenitäten, welche sich am Boden des Schmelzofens ansammeln,
erfolgen. Vor dieser Gefahr der Zusammenballung von Impfzusätzen
warnt z. B. E. SCHElL [46]. Sodann zeigt sich, daß diejenigen Elemente,
welche im Gußgefüge eine starke Kornverfeinerung bewirken, sich durch
besonders geringe Auflösungsgeschwindigkeit im flüssigen Aluminium
auszeichnen. So gehen beispielsweise Titan und Vanadin im flüssigen
Aluminium wesentlich langsamer in Lösung als z. B. Eisen oder Nickel
[99].
ß) Einfluß von Borzusätzen. Beim wiederholten Umschmelzen,
von Aluminiumschrott bleibt die kornverfeinernde Wirkung des Titans
besonders dann erhalten, wenn gleichzeitig Bor anwesend ist.
Bei Anwesenheit von 0,001 bis 0,01 % B wirken bereits kleine Titan-
gehalte von 0,005 bis 0,01 % deutlich kornverfeinernd.
Zusätze von z. B. 0,01 % B oder Ti allein wirken längst nicht so
kornverfeinernd wie der gemeinsame Zusatz beider Elemente. Der Ein-
fluß eines reinen Borzusatzes auf das Gußgefüge wird in der Praxis fast
nie beobachtet, da das Hüttenaluminium meist einen natürlichen Titan-
gehalt von ca. 0,005 bis 0,02% hat.
G. MAJOR und K. VASSEL [95] stellen fest, daß Borzusätze, welche
bereits über die Elektrolysezelle in das Aluminium eingebracht wurden,
durch ihre feine Verteilung sehr stark kornverfeinernd wirken.
Eine besonders wirkungsvolle Methode, Titan und Titanborid in feiner
Suspension in Schmelzen einzubringen, besteht im Zusatz von Salzen,
welche z. B. Titan und borhaltige Fluoride enthalten. Hierdurch wird
eine Kornverfeinerung erhalten, die oftmals derjenigen durch Zusatz von
Titanvorlegierungen überlegen ist.
Nach den Untersuchungen von A. OIBULA [92] wirkt Zusatz von Bor
allein zu Aluminium erst oberhalb 0,01 % B kornverfeinernd, und zwar
durch die Bildung der Verbindung AlB 2 • K. H. WlEDEMANN [96] fand
bei Borgehalten zwischen 0,02 und 0,03% keine Kornverfeinerung,
dagegen bei darunter- oder darüberliegenden Gehalten. Eine Erklärung
steht noch aus.
32 A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze [Lit. S. 193

Der Nachteil höherer Borzusätze (von z. B. über 0,03%) liegt in


folgendem:
Verstärkung der Gasaufnahme beim Formgießen,
Krustenbildung beim Stranggießen (bereits bei 0,02% B erkennbar).
Letzterer Effekt ist bei Reinaluminium wesentlich deutlicher als bei
Reinstaluminium, wahrscheinlich auf Grund des Eisengehaltes. Wird
Bor gleichzeitig mit Titan zugesetzt, so kann die Krustenbildung teil-
weise unterdrückt werden [97].
y) Einfluß von Titankarbid. Nach A. CIBULA [92] müssen
wirkungsvolle Fremdkeime folgende Bedingungen erfüllen:
Die Abweichung zum Abstand der Aluminiumatome sollte 8 bis
12% nicht überschreiten. W. THURY gibt 15% als maximal erlaubte
Differenz an [55].
Der Bindungstyp in den Keimen muß der metallischen Bindung des
Aluminiumgitters ähnlich sein.
Der kornverfeinernde Zusatz soll möglichst wenig löslich sein [98].
Die Keime müssen temperaturbeständig sein und dürfen sich bei
Temperaturen von z. B. 800°C nicht zersetzen.
Diese Forderungen werden durch folgende Verbindungen besonders
gut erfüllt: AlB 2 , TiB 2 und TiC [86, 92J.
Die Mitwirkung des Kohlenstoffs bei der Kornverfeinerung ist in der
Praxis vielfach beobachtet worden [93, 100].
Eine wirksame Kornverfeinerung kann erzielt werden, wenn die
Titankarbid-Keime sich durch Reaktion in der Schmelze bilden; dabei
spielt eine wichtige Rolle, wie der Kohlenstoff in die Schmelze ein-
gebracht wird. Die Karbidbildung wird nach A. CIBULA [92] durch
Anwesenheit einer fluoridhaltigen Salz schmelze gefördert.
Die Anwesenheit von wirksamem 'l'itankarbid kann bei den Unter-
suchungen verschiedener Autoren teilweise durch Zufälle bedingt
gewesen sein [46], so daß einige Autoren tatsächlich die Kornverfeine-
rung auf Grund einer Reaktion zwischen Titan und Kohlenstoff beobach-
tet haben [53, 55, 92, 94], während unter anderen Bedingungen die Ent-
stehung von wirksamen Titankarbidkeimen ausblieb (siehe z. B. [90]).

1.3 Erstarrung von legiertem und unlegiertem Aluminium

Bei der Erstarrung sind zwei Hauptfälle zu unterscheiden [101]:


Reinstaluminium und Reinaluminium erstarren bei den meisten
Gießverfahren mit einer sauber definierten Erstarrungsfront.
Bei dieser Erstarrungsform findet man vielfach drei verschiedene
Gefügezonen über den Querschnitt des Gußstückes oder Gußbarrens :
Lit. S. 193] 1.3 Erstarrung von Aluminium 33

Von außen nach innen kommt zuerst eine meist sehr schmale, fein-
körnige Zone, danach eine transkristalline Zone ("Stengelkristalle") und
in der Mitte des Guß barrens oftmals eine Zone von statistisch orientierten
globulitischen Körnern.
Abb. 26 gibt ein typisches, aus drei Zonen bestehendes Gefüge wieder.
(Die globulitische Mittelzone zergliedert sich wiederum in zwei Bereiche
unterschiedlicher Korngröße.)

1:3
AbI>. 26. Geätzter Querschnitt durch einen Rundbarren von 170 mm Durchmesser aus AICu!VIg.
Das Gefüge weist drei verschiedene konzentrisch e Zonen auf (nach W . ROSENKRANZ [240]).

L egierungen kristallisieren in einer räumlich ausgedehnten Zone,


deren Breite dem Erstarrungsintervall direkt und der Wärmeabfuhr
umgekehrt proportional ist. Bei relativ rascher Wärmeabfuhr (z. B.
beim Stranggießen) ist die Erstarrungszone von Legierungen in Barren-
mitte meist etwa 10 bis 50 mm breit. Bei den wesentlich niedrigeren
Abkühlungsgeschwindigkeiten des Kokillengusses oder Sandgusses nimmt
die Erstarrungszone unter Umständen das gesamte Volumen der Schmelze
ein ("breiige Erstarrung").
Legierungen kristallisieren oftmals globulitisch, wobei die beim un-
legierten Aluminium auftretende Stengelkristallzone im allgemeinen fehlt.
Die beiden erwähnten ~'älle des unlegierten und des legierten Alu-
miniums lassen sich nicht, scharf voneinander trennen, was insbesondere
für das Auftreten von Dendriten gilt: Aluminium-Knetlegierungen
erstarren nämlich vorzugsweise dendritisch. Aber auch das Gußgefüge
von R einaluminium weist Dendriten auf, was auf den Eisen-Silizium-
Gehalt des Metalles zurückzuführen ist.

3 A Itenpohl. Aluminium
34 A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze [Lit. S. 193

Das in Abb. 26 wiedergegebene Phänomen der drei voneinander ab-


gegrenzten Gefügezonen im Querschnitt eines Gußstückes oder -barrens
ist seit längerem Gegenstand eingehender Theorien. Man hat diese Er-
scheinung - ebenso wie das dendritische Kornwachstum - durch zwei
verschiedene Arten der Unterkühlung der Schmelze nahe der Erstarrungs-
front erklärt. Darauf werden wir im folgenden eingehen.

1.31 Verhältnisse nahe der Erstarrungs/ront

Die zum Fortschreiten der Erstarrung notwendige Unterkühlung


kann in der Schmelze nahe der Erstarrungsfront entweder durch ein
entsprechendes Temperaturgefälle ("thermal supercooling") oder durch
eine Konzentrationsverschiebung ("constitutional supercooling") be-
wirkt werden. D. WALTON und B. CHALMERS [35], R. M. SERGEANT [103J
sowie H. KOSTRON und M. SCHIPPERS [59, 104J haben übereinstimmend
darauf hingewiesen, daß bei der Erstarrung des Aluminiums beide Arten
der Unterkühlung zu berücksichtigen sind, und zwar als Ursachen der
Keimbildung und des Kristallwachstums:
Eine rein thermische Unterkühlung ohne Konzentrationsverschie-
bung innerhalb der Schmelze ist die Voraussetzung für das Einsetzen
einer ersten Keimbildung. Sobald diese Keime wachsen, kommt die
Unterkühlung durch Konzentrationsverschiebung hinzu und kann das
dendritische Wachstum oder eine freie Keimbildung vor der Erstarrungs-
front bewirken. Die beiden erwähnten Arten der Unterkühlung sind mit-
einander eng verknüpft, werden aber im folgenden der Übersichtlichkeit
halber zunächst getrennt erörtert.
1.311 Temperaturgefälle nahe der Erstarrungsfront. a) Normale1'
Temperaturgradient. Das Auftreten von verschiedenen Korngrößen im
Gußgefüge von Aluminium ist in neuerer Zeit im Sinne der Unterkühlung
nahe der Erstarrungsfront gedeutet worden, wie dies in Abb. 27 nach
einer Untersuchung von H. J. RODEWALD beschrieben wird [105]. Wie
diese Abbildung erkennen läßt, wird die Keimbildung (in einer Schmelze
ohne Fremdkeime) vor allen Dingen durch folgende vier Variablen fest-
gelegt:
Temperaturgradient im erstarrten Gefüge (tan1X), von dem H. J.
RODEWALD [105J annimmt, daß er sich ein Stück weit in die Schmelze
hinein fortsetzt (unterkühlte Zone).
Unterkühlung U, welche die Schmelze unmittelbar an der Erstar-
rungsfront aufweist (unterkühlte Zone)
Breite A der unterkühlten Zone.
Überhitzung Ue in der an der unterkühlten Zone angrenzenden
Schicht flüssigen Metalls.
Lit. S. 193] 1.3 Erstarrung von Aluminium 35

Wie in Abb. 27 gezeigt wird, kann man durch diese vier Parameter
die Entstehung verschiedener Erstarrungstypen erklären.
Die Legende zu Abb. 27 a beschreibt die Bedingungen für das trans-
kristalline Wachstum, yerursacht durch geringe Breite der unterkühlten
Zone und daher geringe Keimbildung.
In Abb. 27 b wird die Verbreiterung TS
der unterkühlten ZOllE' beschrieben,
welche zur Keimbildung vor der Er- fes! flüssig 2;
starrungsfront und damit zu globuli-
tiRehem Gefüge führt.
b) Verhältnisse bei Temperaturinver-
sion in der Schmelze. In der Abb. 27
wird von einem stetigen Anstieg der
Temperatur vor der En:tarrungsfront

t l L -_ _- ' - _ - ' -_ _ _--::-:-.,---,._.,-_


Orfskoordinafe x
Abh. 27 a u. u. TemperaturgeTälle nahe der Kri-
,l,allisationsfront bei zwei verschiedenen Erstarrungs-
bedingungen (nach H ..T. RODEWALD [105]).
a) Infolge beträchtlicher Überhitzung Ue kann sich fes! flüssig
trotz des steilen Temperatnrgefälles tau", keine nen-
nenswerte Unterkühlung U ausbilden. weshalb keine
Keimbildung erfolgt. Hierdurch setz! ein trans-
kristallines Wachstum der hcreits vorhandenen
Kristalle ein; h) Geringe Überhitzung l! e um! kleiner
Temperaturgradient tan IX, d. h. mäßige 'Värmeab-
iuhr, bewirken in einer verhältniBJlläßig breiten Zone
A eine merkliche Unterkühlung U. die vor der Erstar-
rUllgsfront k eine ausgedehnte Keinlbildung zuläßt..
Es erfolgt glohulitisehes Waehstulll.
""'1' Üherhit7.ung; r~ rllt.erkühlung; ABreite ün
uuterkühlten Zone; k Krh:;f,:-lllümtioJlRfront; '1'8
TrlHperntur der Sehmelze: tnn ,,\ Temperaturgradient. h L - ._ _ _ _~_~_--=-,-,-----, _ __
Orfskoordinofe X

ausgegangen. Diese Annahme ist wahrseheinlieh zu einfach [103]. Speziell


B. CHALMERS und Mitarbeiter legen ihren neueren Arbeiten eine Tem-
peraturinversion zugrunde [35].
Abb. 28 beschreibt die Temperaturverteilung zum Zeitpunkt begin-
nender Erstarrung in unmittelbarer Nähe der Kokillenwand nach An-
gaben von D . WALTON und B. CHALMERS [35]. Nach Einsetzen der Kri-
stallisation kann die freiwerdende Erstarrungswärme ein schwaches Tem-
peraturmaximum nahe der Erstarrungsfront bewirken (Abb.28). Dies
könnte das Voreilen einzelner Kristalle, welche in den Bereich stärkerer
enterkühlung hineinragen, begünstigen (Wachstum vonStengelkristallen).
1.312 Konzentrationsgefälle nahe der Erstarrungsfront. Wir beschrän-
ken uns auf die Beschreibung der Verhältnisse bei untereutektischen
Legierungen (Reinaluminium oder typische Knetlegierungen, Abb. 29a) ..

3*
36 A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze [Lit. S. 193

Bei den technischen Erstarrungsvorgängen ist die Kristallisations-


geschwindigkeit wesentlich größer als die Diffusionsgeschwindigkeit der
Fremdatome in der Schmelze.
Hieraus resultiert eine starke Anreicherung der Fremdatome vor der
Erstarrungsfront. Dies wird in Abb. 29b näher veranschaulicht.
In Abb. 29c sind die der tatsächlichen Konzentration an Legierungs-
elementen entsprechenden Liquidustemperaturen eingetragen. Wird der
Temperaturgradient in der Schmelze in erster Näherung als linear ange-
nommen, dann hat die lokal herrschende Unterkühlung in einem gewissen

ao~--~-----,­
oe
aSO

I~-II

Tem(J~o!ur der KeifT/bildung'

6mo~--~----~----~-----4L--m-m~S~

Absfand von kOki//enwond


Abb.28. Temperaturverteilung nahe der Kokillenwand kurz vor (1) und kurz nach (2) Einsetzen der
Erstarrung von Reinstaluminium (Al 99,99) (nach Berechnuugen von D. WALTON U. B. CHALMERS [35]).

Abstand vor der Erstarrungsfront ein Maximum, was bei Legierungen


naturgemäß viel deutlicher ausgeprägt sein wird als z.B. beim unlegierten
Aluminium. Dies könnte erklären, warum speziell die Legierungen den-
dritisch kristallisieren [103, 106,"107].
In mehreren Arbeiten von B. CHALMERS und Mitarbeitern ist darauf
hingewiesen worden, daß diese Form des "constitutional supercooling"
als ein wichtiger Faktor für das dendritische Wachstum zu gelten hat
[35, 37, 108, 109]. Da die Unterkühlung mit zunehmender Entfernung
von der Erstarrungsfront zunächst zunimmt, wird das Voreilen einzelner
Kristallarme begünstjgt, was zur Entstehung von Dendriten führt.
Die Entstehung der in Abb. 26 erkennbaren globulitischen Zone im
Innern von Aluminiumgußstücken wird heute vielfach im Sinne der kon-
stitutionellen Unterkühlung gedeutet:
Eine freie Keimbildung in einigem Abstand von der Erstarrungsfront
wird dann ermöglicht, wenn der in Abb. 29c beschriebene unterkühlte
Bereich kräftig genug ausgebildet ist [102, 103, 107, 110].
Lit. S. 193J 1.3 Erstarrung von Aluminium 37

1.313 Zusammenwirken verschiedener Faktoren nahe der Erstarrungs-


front. a) Unterkühlung. Über die beiden erwähnten Unterkühlungs.
phänomene kann man folgendes zusammenfassend sagen:
Thermische Unterkühlung
tritt stets nahe der Kokillen·
wand bei Erstarrungsbeginn
auf und dürfte das ·Waehstum
von Stengelkristallen beim un·
legierten Aluminium hervor. II Schmelze
rufen. Konstitutionelle Unter· I

kühlung begünstigt das Wachs· I


Ifes! :
tum von Dendriten und den
I I
Übergang von Stengelkristal.
I i I
len zum globulitischen Gefüge. I I
Die konstitutionelle Unter· al~~-4~C,~O__________________~~~
kühlung ist bezüglich Beein· Konzenlralian on gelösfen Zusofzelemenfen
flussung von Keimbildung und es
Kristallwachstum offensicht·
lieh wirkungsvoller als die durschnilfliche
------
rein thermische Unterkühlung. Zusammenselzung
Hierauf hat wohl a1" en,ter
L. N ORTHCOTT hingcwiet<en
rest flüssig
[111, s. a. 861. b L -_ _ _ _ _ _ _ _~_ _~~_ _~~~
Absfand von Kokillenwond

fes! flüssig
Ahh. 20a--('. üer L"nterküh-
}~r1äuterllllg

lung durch Konzentratiolls\'er~('hichullg


,Liquldus· kmperalur
(nach R. M. SERGEAN'r [10.,]).
a) AUf;schnitt ;HIN einenl Z.n~ta1Hb(}ia­
gralllIll, typiseh für eine untf'rentekthwhe
(Knet·)Legierung; lJ) Komelltratiollsvcr·
lauf bei der Erstarruug; e) Durch da::;
Konzentrationsgefälle nahe' der Er:-..tnf-
Tllngkt'rOllt hewirktp lTntrrkühlmH!. c
Absland von Koki//enwa:d

b) Weitere Faktoreil. Um die Entstehung des Gußgefüges, z. B. von


Reinaluminium, zu erklären, müssen außer den beiden Arten der Unter.
kühlung noch eine Reihe anderer Faktoren berücksichtigt werden, ins·
besondere folgende:
vVärmetransport beim Erstarren,
bevorzugtes 'Vachstum bestimmter Orientierungen,
Unterteilung der Gußkörner in Dendriten ("Zonen") und Subkörner,
Sehrumpfungsyorgänge des erstarrenden Gefüges,
Erstarrung der a ngereieherten Restschmelze.
38 A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze [Lit. S. 193

Diese Faktoren sind miteinander und mit der Unterkühlung nahe der
Erstarrungsfront in Wechselwirkung. Die Verhältnisse werden dadurch
noch verwickelter, daß die Erstarrungsfront - selbst bei Reinalu-
minium - durch Ansammlung von Restschmelze zwischen den schon
großenteils erstarrten Primärkristallen oft stark zerklüftet ist.
Wir werden versuchen, die einzelnen Faktoren möglichst getrennt zu
erörtern.

1.32 Wärmetransport beim Erstarren

Die beim Erstarren abzuleitende Wärme resultiert hauptsächlich aus


der latenten Schmelzwärme. Diese beträgt 92,4 caljg für Reinaluminium
mit 99,5% Al bzw. 94,6 caljg für Reinstaluminium [4J. Bezüglich der
Ableitung der latenten Schmelzwärme beim Erstarren gibt es folgende
drei grundsätzliche Fälle:
A. Wärmeableitung durch das bereits erstarrte Gefüge. Dies ist der
meist beobachtete Fall, welcher beim unlegierten Aluminium zu drei ver-
schiedenen Gefügezonen über den Querschnitt eines Gußbarrens führt.
B. Wärmeableitung durch die Schmelze. Voraussetzung dafür ist eine
freie Keimbildung unabhängig von der Erstarrungsfront, so daß die
Erstarrungswärme anfänglich ein Stück weit durch die Schmelze ab-
geleitet werden muß. Dieser Erstarrungstyp tritt bei Legierungen mit
breitem Erstarrungsintervall auf und bereitet theoretisch einiges Kopf-
zerbrechen, da die gesamte Schmelze unterkühlt sein muß, um diesen
Erstarrungstyp zu ermöglichen. Eine allgemeine Unterkühlung kann
aber nur sehr gering sein.
C. Wärmetransport durch Auflösen und Neubilden kleiner Bereiche
in der Schmelze, welche eine höhere Ordnung und einen kleineren
Energieinhalt aufweisen als der Hauptteil der Schmelze [61].
Letztgenannter Mechanismus ist noch sehr umstritten und verlangt
eine eingehende Nachprüfung.

1.33 Dendriten und Sub körner

1.331 Definition verschiedener Grenzflächen im Gußgefüge


Folgende Grenzflächen sind zu unterscheiden:
a) Korngrenzen. An den Korngrenzen ändert sich die Orientierung
sprunghaft, ebenso auch die Konzentration an Legierungselementen.
Auf Grund der Kornseigerung sind an den Korngrenzen im Gußgefüge
immer Heterogenitäten eingelagert, selbst beim reinsten Aluminium.
Diese Feststellung gilt für das Gußgefüge, welches rasch abgekühlt und
Lit. ~. 193] 1.3 Erstarrung von Aluminium 39

nicht weiter wärme behandelt wurde (durch eine Homogenisierungs-


glühung kann die Belegung der Korngrenzen mit Heterogenitätcn ab-
gebaut werden). Die Breite der Gußkorngrenzen ist sehr variabel, da
die Belegung mit Ausscheidungen lokal stark schwankt. Die typische
Gußkorngrenze ist zirka 1 [Lm bis 20 [Lm breit (lokal breiter, soweit
gröbere Gußheterogenitäten an einer
Korngrenze liegen).

Abu. 30. Mikrohärte-Eindrücke innerhalh eilles


Koms einer stranggegossenen Aluminium-Zink-
Legierung mit 15% Zn. Die zuerst erstarrten
Zentren der Dendritenarme sind weicher und
ergehen deshalh tiefere Eindrücke als die Gefüge-
zonen nahe den Zellengrenzen
(Ilarh H. KOSTRO'\' [112]).
250: 1

AbI>. 31. Zellenunterteilung bei lang~aln erstarrten


Primärkömem und rasch erstarrter ühriger Schmelze.
Die Abuildung stellt einen Querschliff durch ein
AICu)[g-Gußgefüge dar. Das Metall wurde in schmelz-
flüssigem Zustand im Gießlöffel langsam abgekühlt
und begann zu kristallisieren. Anschließend wurde die
auf einer Temperatur zwischen der Liqllidus- und
Solidus-Temperatur befindliche Schmelze direkt in
VifTasser gegossen. So entstanden sehr unterschiedliche
Gefügehestandteile. Die im Gießlöfl'ellangsam erstarr-
tell primären Körner sind fast frei von Zellelluntcr-
teilung. Sie hildeten die Keime für die rasche Rest-
erstarrung, bei der Dendriten von ihrer Oberftäehc
all~ wuchsen, wobei ein feinzelliges Ucfüge entstnlld
(nach H. K()wr}{o~ [112]).
180:1

b) ZellengrenZetL Ein Gußkorn läßt sich im Querschliff im allgemeinen


in eine große Anzahl von Zellen zergliedern. Bei den Zellengrenzen
handelt es sich um Arme desselben Dendriten, welche sich in Verlauf des
weiteren 'Vachstums berührten. Eine Zellengrenze ist durch H. KosTRoN
[112] als Grenzfläche maximaler Konzentration innerhalb eines Korns
definiert worden und kann durch Mikrohärtemessungen (Abb.30) oder
durch Kornätzung (Abb.31) sichtbar gemacht werden. Ein Orientie-
rungsunterschied ist an Zellengrenzen nicht vorhanden oder sehr ge-
ring, da alle Arme eines Dendriten aus demselben Kristallkeim ge-
wachsen sind.
Zellengrenzen und Korngrenzen sind beide mit Heterogenitäten be-
legt, jedoch stoßen die Zellengrenzen beim Wachstum eher zusammen
als die Korngrenzen, weshalb letztere stärker mit Heterogenitäten an-
gereichert siml.
40 A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze [Lit. S. 193

An den einzelnen Zellengrenzen sind Heterogenitäten in sehr unter-


schiedlichem Ausmaß eingelagert. Dies erklärt sich aus dem Wachstum
der Dendritenarme : Dort, wo sich diese zuerst berühren, ist keine oder
fast keine Restschmelze vorhanden .
.1000 AI 99,99
'- fLm ~----!
~,,;:---...,.---v---
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~ 3200 " ...... ~...-_---~
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'-
~ 2,Of-+----?'-Ir--./'_

b
0,7 1 (jew.-% 70
Legierungszusafz
Abb. 32 a u. b. Einfluß der Höhe des Legierungszusatzes auf Korn- und Zellengröße \'on binären
Aluminiumlegierungen (im Laborofen erstarrte 100 g-R.eguli) (nach H. KOSTRON [112]).
a) Korn- und Zellengröße ; b) Zellenunterteilung der Körner. F K durchschnittliche :Fläehe eines Korns;
Fz durchschnittliche Flächp einer Zelle; x Fe; ... lIIg; • Cu; 6, Mn; 0 Si; + Ti; V Zn.

Die Zellengrenzen sind oftmals im Schliffbild den Korngrenzen recht


ähnlich; der Hauptunterschied besteht in dem fehlenden Orientierungs-
sprung bei den ersteren.
H. KOSTRON hat ein Verfahren beschrieben, um den Abstand der
Zellengrenzen statistisch zu bestimmen [112].
Lit. S. 193] 1.3 Erstarrung von Aluminium 41

Korn- und Zellengröße sind voneinander in gewissem Ausmaß un-


abhängig, wie aus Abb. 32a hervorgeht. Kleinste Zusätze zum Aluminium
verkleinern die Zellengröße merklich, während die Korngröße noch nicht
oder schwächer anspricht. Bei höheren Zusätzen durchläuft das Ver-
hältnis zwischen Korn- und Zellengröße häufig ein Maximum (Abb. 32b),
dessen Ursache und Auswirkungen noch ungeklärt sind. Korngröße und

120:1
Abb. :Ja a - d. Abnahme der Zellengrül.le im Gul.lgefiige einer AICuMg-Legierung mit zunehmender
Erstarrungsgeschwindigkeit. Zusa.mmensetzung: 2,62 % Cu, 1,48 % lfg, 0,790/0 l\in, O,6<ro Si, 0,25 % Fe.
"ltzung nach KELLER (3 min) (nach H. KOSTRON [112]).
a) SUlldguß .200 llUll Dnrdlluesser (ungeützt); L) Stab 20 x 30 nun, Guß in warme Kokille; c) Stübchen
:'5 11lm Durr.lllllesspf. Guß in wanll!:' Kokille; <1) Blättchen 0,5 nun dick (beinl Guß in warme Kokille
Plltstandencr dünner Grat).

Zellengröße verändern ~ieh oftmals parallel, und zwar sowohl durch


Legierungszusätze als auch durch Veränderung der Erstarrungs-
geschwindigkeit.
Bekanntlich nimmt beim Kokillenguß die Größe der Gußkörner im
allgemeinen zu, wenn die Erstarrungsgeschwindigkeit verringert wird.
Wie Abb. 33 zeigt, wächst aueh die Zellengröße an, wenn die Er-
stmrungsgeschwindigkeit verringert wird. Dies ist auch in Gefügezonen
von Stranggußbarren zu beobaehten, wenn durch den Sehrumpfspalt
die Wärmeableitung kurzzeitig unterbroehen wird [113]. Überhaupt
sehwankt die Zellen größe in technisehen Gußstüeken innerhalb makro-
skopischer Volumenelemente sehr stark. Man findet sogenannte ",,yolken"
von ea. 1 bis 10 mm , in denen die Zellengröße von der des umgebenden
Gefüges stark ab,reicht. Abb. 34 gibt hierfür ein BeiRpiel.
42 A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze [Lit. S. 193

H. KOSTRON [112] hat darauf hingewiesen, daß die Zellengröße


des Gußgefüges ebensoviel Beachtung verdient, wie die Korngröße. Die
Verteilung der Legierungselemente an Zellen- und Korngrenzen hat.
z. B. Einfluß auf die Festigkeitswerte oder auf das Ausmaß der zur
Homogenisierung notwendigen Wärmebehandlung. Die Konzentrat.ions-
unterschiede an den einzelnen Zellengrenzen verschwinden bei Homo-
genisierungsglühungen bei genügend hoher Temperatur. Die "Wolken"
bleiben jedoch unter Umständen auch nach Lösungsglühen und starkem
Abwalzen noch erkennbar, besonders nach anodischer Oxydation.

c) Zwillingsgrenzen. Dies sind gerad-


linig verlaufende Grenzflächen in Zwil-
lingslage, an denen keine Konzentra-
tionsunterschiede festgestellt werden
können. Zwillingsgrenzen kommen im
Gußgefüge in großer Zahl in den
"Fiederkristallen" vor.1 Die Entste-
hung von Fiederkristallen hängt ins-
besondere von den Bedingungen beim
Stranggießen ab und wird weiter
unten erörtert werden. (Typische Be-
17:1 funde über Fiederkristalle s. S. 120
Abb.34. Nester mit stark unterschied- u. 158.)
licher Zellengröße C. Wolken") in der
Barrenmitte eines AIMgSi-Strangguß-
d) Subkorngrenzen (auch "Klein-
barren. Anodisierter Querschliff (nach
ALUSUISSE). winkelkorngrenzen" genannt). Dies sind
Grenzflächen, an denen nur kleine
Orientierungsunterschiede in der Größenordnung von 10 oder darunter
auftreten. Bekanntlich ent.stehen Subkorngrenzen oft.mals durch die
Ansammlung von Versetzungen in einer "Versetzungswand" [114, 115].
Beim Züchten von Einkristallen aus der Schmelze stören die Subkorn-
grenzen ("striations"), deren Anzahl pro Volumenelement mit der Er-
starrungsgeschwindigkeit zunimmt und welche die Streckgrenze erhöhen
[116, 117].
Die Befunde über Subkörner im Gußgefüge von Aluminium sind
sehr uneinheitlich. Offenbar kann die Ausbildung der Subkörner, ebenso
wie diejenige der Zellen, je nach den Gießbedingungen stark variieren,
und zwar auch lokal innerhalb eines scheinbar einheitlich erstarrten
Gußstückes [114].
Es überrascht daher nicht, daß es bezüglich der Subkörner im Guß-
gefüge von Aluminium zahlreiche Kontroversen gibt [102, 114, 118, 119].

1 Dagegen werden durch Verformung entstandene Zwillinge bei Aluminium


nicht oder höchst selten beobachtet.
Lit. S. 193] 1.3 Erstarrung von Aluminium 43

Zunächst könnte man annehmen, die Zellen und Subkörner im Guß-


gefüge seien ein und dasselbe oder miteinander verwandt. In der Tat
haben Zellen und Subkörner gewisse Gemeinsamkeiten, und beide sind
von der eigentlichen Korngröße in gewissem Ausmaß unabhängig. Es
zeigen sich jedoch oftmals Unterschiede im Durchmesser.
Die Subkörner haben meist Durchmesser von 1 bis 10 [Lm, ausnahms-
weise bis 100 [Lm, während die Zellen (d. h. die Dendritenarme) meist
einen Durchmesser von einigen hundert [Lm bis max. etwa ein mm haben
und außerdem mit mikroskopisch sichtbaren Heterogenitäten umgeben
sind, was bei den Subkörnern nicht der Fall ist. Trotzdem ist die Tren-
nung zwischen Zellengrenzen und Subkorngrenzen ("Kleinwinkelkorn-
grenzen") keineswegs klar, da Zellengrenzen, die nicht mit Heterogeni-
täten belegt sind, ohne weiteres als Subkorngrenzen bezeichnet werden
können. Auch in neueren Untersuchungen ist es noch nicht gelungen, die
verschiedenen Arten der Substrukturen im Gußgefüge des Aluminiums
voneinander abzugrenzen. H. BILONI und L. H. DE DESTAILLATS [120]
unterscheiden zwei verschiedene Seigerungsstrukturen und mehrere
Typen von Subkörnern und U. BENEDICT und H. J. SEEMANN [121]
stellen im Gußgefüge drei verschiedene Arten von Subkörnern fest.
e) Wachstumsmarken (Jahresringe). Hier handelt es sich um Flächen
unstetiger Änderung im Gehalt gelöster Legierungselemente. Solche
Wachstumsmarken treten auch im Inneren der einzelnen Dendriten-
arme auf (s. Abb. 36 bis 38).
Wir werden auf die Entstehung der "Jahresringe" noch im Zu-
sammenhang mit der Kornseigerung eingehen.

1.332 Mechanismus beim Wachsen eines Dendriten. Nach den Ergeb-


nissen von W. C. WINEGARD und B. CHALMERS [108] wachsen Dendriten
schneller als die allgemeine Kristallisationsfront und eilen dieser daher
voraus. Dabei schieben sich die einzelnen Dendritenarme ineinander,
worauf sie schließlich mit kleinen Orientierungsdifferenzen miteinander
verwachsen. Die Restschmelze erstarrt zwischen den Dendritenarmen
in kleinen Taschen.
Das dendritische Wachstum bewirkt somit ein " Einklemmen " von
angereicherter Restschmelze und verhindert größere Konzentrations-
verschiebungen, wie sie beim "Zonenschmelzen" auftreten. 1 Die Abstände
der Dendritenarme werden mit zunehmendem Anteil von gelösten Legie-
rungselementen oftmals größer, jedoch muß bei solchen Befunden
zwischen Quer- und Längsverzweigung unterschieden werden [104].

1 Das Zonenschmelzen hat zur Voraussetzung, daß eine plane Erstarrungsfront


vorliegt, so daß die angereicherte Restschmelze vor der Erstarrungsfront her-
ge~choben werden kann.
44 A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze [Lit. S. 193

Die Wachstumsrichtung der Dendriten läßt sich nach G. TAMMANN


auf eine natürliche Kristallauslese zurückführen. Von allen ursprünglich
vorhandenen Kristallen bzw. Kristallflächen wachsen vorzugsweise die-
jenigen weiter, bei denen die Richtung der größten Wachstumsgeschwin-
digkeit mit der Richtung der Wärmeabfuhr den kleinsten Winkel bildet.

Unlerkühlung
450:1
Abb. 35. Anisotropes Wachstum von Einkri· Abb. 36. Wachstumsringe eines Dendritenarmes
stallen bei der Erstarrung des Aluminiums in Reinaluminium-Strangguß. Die Wachstumsringe
(schematisch) (nach R. J\L SERGEANT [10.3]). veranschaulichen von innen nach außen folgende
Phasen der Erstarrung: Anfänglich gerundeter Quer-
schnitt, Kristallographische Abplattung, Furchen-
bildung, WiederausrundlIng (nach H. KOSTIWN 11_
M. SCHIPPERS r104]).

A. PAPAPETROU [122] hat das Wachstum von Dendriten auf die


Wachstumsanisotropie und die dadurch begünstigte Wärmeableitung an
Kanten und Ecken zurückgeführt. Diese Voraussetzungen gelten am
ehesten für Kristalle, welche frei in der Schmelze ohne Kontakt mit einer
Erstarrungsfront wachsen, so daß der Wärmeabfluß durch die Schmelze
selbst erfolgt. Tatsächlich sind die in der Schmelze frei gewachsenen
Kristalle immer dendritisch [37].
Im übrigen haben Dendriten im allgemeinen niedrig indizierte Ober-
flächen, bewirkt durch die Oberflächenspannung [103].
Man möchte an Hand von Abb. 35 annehmen, daß die Anisotropie
beim Kristallwachstum eine wichtige Rolle spielt. Dies ist jedoch beim
Aluminium in der Praxis nicht der Fall, da der Einfluß von Unterkühlung
und Konzentrationsverschiebungen auf das Kristallwachstum meist
stärker ist als die Anisotropie der wachsenden Kristalle [103, 102].1

1 Eine Ausnahme bildet das 'Vachstum einer transkristallinen Zone, wobei die
Stengelkristalle entgegengesetzt der resultierenden Richtung der Wärmeableitung
wachsen, und zwar parallel zu einer [100]-Richtung [60, 102, 123, 124].
Wir haben bereits weiter oben darauf hingewiesen, daß dieses selektive \Vachs-
turn der transkristallinen Zone zusammenbricht, sobald die konstitutionelle Unter-
kühlung vor der Erstarrungsfront stark genug ausgebildet ist.
Lit. S. 193] t.3 Erstarrung von Aluminium 45

1.333 Kornseigerung und dendritisches Wachstum. H. KosTRoN und


M. SCHIPPERS [104] haben das dendritische Kornwachstum in Rein-
aluminium barren an Hand der "Jahresringe" genauer untersucht.

Abb .37. Seigerungsringe in Reinaillmi-


ninm (Kristallit in Würfellage). Ein grob-
zelliger Kristallit dieser Art erstarrt im all-
-gemeinen frei in der Sehmelze schwebend
(geringe t:nterkühlnng). während das ihn
umhüllende feinzellige Gefüge durch Kri-
st nllisation v on der Erst a rrungsfront her
gebildet wurde. Rings um den Krist ttUit
-sieht man zahlreiche Zellen (Dendriten-
arme), die angeschnitten wurden
(na eh H . KOSTRON u. M. SCHIPPERS [10-1 1).

120:1

Wie Abb. 36 bis 38 zeigen, wächst ein Kristall oder Dendritenarm


zunächst mit annähernd kreisförmigem Querschnitt. Beim weiteren
Wachstum kommen Abplattungen parallel zu kristallographischen
Ebenen zustande. Als nächste Phase des Kristallwachstums entstehen

160:1
Abb. 38. Schnitt durch einzelne Arme (Zellen) eines dendritisch gewachsenen Kornes (Strangguß
Al 99,5, mit induktiver Bewegung der Schmelze im Sumpf) (nach H . KOSTROX u. M. SCHIPPERS [59]).
1, 2 H ier erscheinen die WachstuIllsringe eines Dendritenar",es einseitig abgeschnitten, weil nachträg·
lieh eine Auflösung an einer Rest schmelzeader sta ttfand. Die gestrichelte Linie gibt den Verlauf der
Wachstumsringe vor d er Störung wieder; 3 Bei einer usprünglichen Einbuchtung der "Zelle" ist
eine R estschmelzeader eingedrungen. Der Dendritenarm wurde auch hier durch konzentrierte R est-
schmelze teilweise a ufgelöst ; 4 Auf dieser Seite des Einbruches konnte die Zelle etwas weiter wach"en.
Di e \\fa,chstumsringe schließen sich eng an eine Unlhüllende an ; 5 Spur einer Zwillingsebene. Nach
geeigneter Xtznng war der Oriellti erullg~wechsel an dieser Ebene gut zu sehen.
46 A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze [Lit. S. 193

offenbar in den verschiedenen Bereichen der Oberfläche des wachsenden


Kristalles Unterschiede in der Belegungsdichte mit Fremdatomen.
Bei der Erstarrung des Aluminiums ist die unmittelbar vor der Er-
starrungsfront liegende, stark mit Fremdatomen angereicherte Zone
etwa 1 fLm tief.
Die vor allem von H. KOSTRON [112] beobachteten periodischen
Konzentrationsschwankungen in einem Kristall erklären sich am ehesten
durch periodisches Abdiffundieren dieser Fremdatomlage.
Wie in Abb. 39 [104] beschrieben, ist an der Kante oder Ecke eines
wachsenden Kristalles die "Fremdatomwolke" besonders dünn. Dies
bedeutet für Knetlegierungen und für Reinaluminium, daß dort die
Unterkühlung größer und daher die Wachstumsgeschwindigkeit höher
ist, als auf den Flächenmitten des wachsenden Kristalls. Hierdurch wird
meist in der Flächenmitte ~
eine Einfurchung bewirkt, welche
schließlich die Zerklüftung der Den-
dritenarme hervorruft. Unter Um-
ständen geht die Einfurchung im
weiteren Wachstum wieder verloren
(Abb.36).
Abb. 39.l<'remdatomwolke vor der Kristallisa- R. W. RUDDLE [101] erklärt in
tionsfront eines in der Schmelze wachsenden
Kristalls (nach H. K OSTRON u. :'\1. SCHIPPERS recht ähnlicher Weise das Dendriten-
1104]). wachstum damit, daß zwischen den
Armen der Dendriten eine stark
angereicherte Restschmelze eine lokal begrenzte Zone geringer konstitu-
tioneller Unterkühlung hervorruft; deshalb wachsen die Dendritenarme
am schnellsten in den Bereich schwächerer Anreicherung an Legierungs-
elementen ~ und somit stärkerer Unterkühlung ~ hinein, wobei sich
die mit angereicherter Restschmelze gefüllten Taschen zwischen den
Armen weiter vertiefen.!
Diese Erklärung stimmt damit überein, daß bei zunehmendem
Legierungszusatz das dendritische Wachstum immer mehr vorherrscht:
Reinstaluminium hat eine ebene Erstarrungsfront, während bei
Zusatz von z. B. 2% Si das dendritische Wachstum überwiegt, offenbar
auf Grund der lokal stark unterschiedlichen konstitutionellen Unter-
kühlung [103].
1.334 Unstctigkeiten beim Kristallwachstum. In einer Arbeit von
H. KOSTRON und"M. SCHIFFERS [59] wird wohl zum ersten Male ein-
gehender über lokale Konzentrations- und Temperaturschwankungen
bei der Erstarrung des Aluminiums berichtet, und es werden Gefüge-

1 Diese Erklärung des dendritischen 'IVachstums durfte eher zutreffen, als die
weiter oben wiedergegebene von A. PAPAPETROU.
Lit. S. 193] 1.3 Erstarrung von Aluminium 47

bilder aus Aluminiumstranggußbarren (Abb.37 u. 38) in geistreicher


Weise interpretiert.
Durch eine Konvektionsströmung nahe der Erstarrungsfront oder
durch Ansaugen von Restschmelze durch ein teilweise erstarrtes Gefüge
tritt nach den Ergebnissen von H. KOSTRON und M. SCHIPPERS [591 eine
Störung des örtlichen Gleichgewichtes ein.
Diese Störung kann z. B. bewirken, daß die Erstarrung eines Kristalls
zeitweilig zum Stillstand kommt., danach wieder ein Stück fortschreitet

Ahh. -10. Auswirkungen der KOfnseigerullg auf der


Jlikrohärte in AIMgi"li-Stranggllßgefiige
(n:,eh ALt:SUISSE).

:lleßwerte (lleh, t 1I1l~ 1;' p ):

Nr. HY ill k}l / llllll~

150: 1

und so weiter (Abb. 37) .•Jede Position eines Stillstandes der Erstarrung
ist als "Jahresring" erkennbar, der bei Reinaluminium als eine Zone
mit angereichertem Eisen- und Silizium-Gehalt identifiziert wurde.
Aus dem Gefüge kann abgelesen werden, daß außerdem ein zeit-
weiliges Wiederaufschmelzen bereits erstarrter Gefügeteile durch T empe-
raturwellen wie auch durch Konzentrationswellen vorkommt.
Wie bereits in Abschn. A 1.22 bericbtet, werden solche Abbauerschei-
nungen verstärkt beobachtet. wenn die Schmelze im erstarrenden Sumpf
künstlich bewegt wirr}.

1.:l:l5 Quantitative JIessung der Kornseigerung bei Strangguß und


Kokillenguß. Im Gefüge der Legierung AIMgSi 1 schwankt die Mikrohärte
auf Grund von Kornseigerungen zwischen 34 und 88 kp jmm 2 (Abb. 40).
Die Kornseigerung an Gußbarren aus kupferhaitigen Legierungen
ist wiederholt untersucht worden [125, 126]. Innerhalb des Gefüges
von Stranggußbarren aus AICu 4 treten Schwankungen des Kupfer-
gehaltes um den Faktor 5 auf (Tab . 8).
Im Korninneren liegt. der Kupfergehalt zwischen 0,85 und 2,87%,
nahe den Korngrenzen dagegen zwischen 2,88 und 4,65 Gew.-%.
In Abb. 41 ist eine Eichkurve wiedergegeben.
~icht nur nahe den Korngrenzen, sondern auch an Zellengrenzen
treten Kupferanreicherungen auf. Innerhalb der Primärkristalle sind
die Schwankungen des Kupfergehaltes im nicht wärmebehandelten Guß-
gdiige bei Strangguß erheblich größer als bei Kokillenguß (Tab. 8) .
48 A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze [Lit. S. 193

Zur Untersuchung der Kornseigerung werden neuerdings einige ver-


feinerte Verfahren herangezogen, von denen folgende drei auffallen:
Mikro8onde. Das vonR. CASTAING
[127] entwickelte Verfahren der
Spektralanalyse mit einem scharf ge-
!JO
bündelten Elektronenstrahl ist weiter
verfeinert worden. Neuerdings w~r­
100r------~--
den Geräte hergestellt, welche ein
.90 f - - - - - - t - Oberflächenelement von z. B. 1/ 2 fLm 2
mit gebündeltem Elektronenstrahl
~80
,~ sowohl analytisch untersuchen, als
~ 70 auch sichtbar machen. 1
""
'$( 60 Die vom auftreffenden Elek-
tronenstrahl ausgelösten Röntgen-
50 strahlen geben über die analytische
40 r------+--r--- Zusammensetzung kleiner Ober-
flächenelemente Auskunft. Das Ge-
JOf+---t------
25 rät arbeitet weitgehend automatisch
I I I I I I und gestattet es, mit dem Elektro-
o 2 J 4 5 6 (Jew.-%8
nenstrahl die Oberfläche der Probe
Kupfergeha/f
abzutasten, wobei die Meßergebnisse
Abb. 41. Zusammenhang:zwischen Mikrohärte
und Kupfergehalt bei binären Aluminium- auf Bildröhren laufend dargestellt
Kupfer-Legierungen nach Lösungsglühen bei oder einer Registriertrommel zuge-
500"C und Abschrecken in 'Yasser (nach P.
BRENNER U. H. KOSTROX [125]). führt werden. Auf diese Weise ist es

Tabelle 8. Auswirkungen der Seigerung auf Mikrohärte und Kupferverteilung im


Oußgefüge einer Aluminium-Kupfer-Legierung mit 4% Cu
(nach P. BRENNER U. H. KOSTRON [125])
Strangguß Kokillenguß
Block- Block-
Außenzone I Kernzone Außcnzone I Kernzone

Mikrohärte in
kpjmm 2
Zellen-Außenzone 65 92 81 72
Zellen -Innenzone 37 65 55 44
Kupfergehalt in %
Zellen-Außenzone 2,88 4,65 3,94 2,27
Zellen -Innenzone 0,85 2,87 2,24 1,42
Seigerung * 2,03 1,78 1,70 0,85
* Differenz im Kupfergehalt zwischen Zellenaußen- und Zelleninnenzone in %.
1 Mikrosondenanalysator von der Cambridge Instrument Co., Cambridgej
England.
Lit. S. 193] 1.3 Erstarrung von Aluminium 49

möglich, mit etwa 3000facher Vergrößerung die Verteilung von Legie-


rungselementen innerhalb des Gefüges im einzelnen zu untersuchen. Das
Verfahren eignet sich normalerweise nur für Elemente, welche schwerer
sind als Kohlenstoff. Daher kann im allgemeinen Wasserstoff, Stickstoff
und Bor nicht ermittelt werden, wohl aber alle anderen in Frage kom-
menden Legierungselemente. Ein Beispiel zeigt Abb. 42a.

a b
420: 1 30:1
Abb. 42a H. b. 13estilllm1l1lg <leI' Yerteilllng yonl,egierungHelelllenten mit Elektronen· bzw. Röntgen-
strahlen
a) Wiedergabe der Eisenverteilung, aufgenommen mit der Mikrosonde. Stranggnßbarren der Legie-
rung AlZnMg1. FeKa-Linie (nach ALUSUISSE); b) Röntgendurchstrahlaufnahme durch einen
Dünnschliff (0,1 mm dick) aus einem Strauggußbarren der Legierung AlZnMgCu (US-Legierung
7075). Die Vergrößerung wurde iu einem Röntgenmikroskop erzielt (keine photographische Nach-
vergrößerung). Man erkennt Dendriten mit nlmuiniumreichem Kern (dunkel) und Anreicherung der
schwereren Elemente, speziell des Zinks, an Zellen- und Korngrenzen (hell). Vereinzelt Gußporosität
(schwarz) (nach H. C. STUMPF [134]).

Räntgen-Transmissionsal1,fnahmen von dünnen Schliffen. Die so erhal-


tenen Aufnahmen können 50- bis 100fach nachvergrößert werden. Ein
typisches Ergebnis ist in Ahb. 42b wiedergegeben [133, 134].
Autoradiographie. Diese Methode kann auf zweierlei Weise prakti-
ziert werden:
Bestrahlung einer erstarrten Probe im Reaktor, oder Zusatz von
radioaktiven Isotopen zur Schmelze. Das letztere Verfahren ist mehr-
fach bei Aluminium angewendet worden. Als radioaktive Legierungs-
elemente eignen sich z. B . Kupfer, Eisen, Natrium , Gold und Tritium
[128 bis 132].
Durch Nachvergrößern des Kontaktabzuges kann eine etwa 100fache
Vergrößerung erreicht werden.

1.336 Erstarrung der Restschmelze. Die Phänomene der Kornseige-


rung sind mit denjenigen der Blockseigerung eng verknüpft.
Ein Bindeglied zwischen den beiden Phänomenen stellt die Erstar-
rung der Restschmelze dar.

4 Altenpohl, Aluminium
50 A. Eigpnschaften der Aluminiumschmelze [Lit. S. 193

Je stärker die Kornseigerung in Erscheinung tritt, um so mehr Rest-


schmelze tritt auf, welche (bei untereutektischen Legierungen) st.ark
mit Legierungselement.en angereichert. ist..
Eine besonders st.arke Kornseigerung kann bei den Aluminium-
Magnesium-Legierungen beobacht.et. werden. Bereits bei 2 bis 3% Mg
t.rit.t. in den rasch erstarrt.en Zonen von
Stranggußbarren auf Grund der Korn-
seigerung das 34,5% Mg enthaltende
Eutektikum an den Korngrenzen auf
[135]. Bei langsamer erstarrtem Kokil-
lenguß- oder Sandgußgefüge wird da-
gegen das Eutektikum erst bei Magne-
siumgehalten oberhalb von 5 bis 8%
beobachtet. Auf die Wichtigkeit dieser
Erscheinungen wurde bereits an anderer
Stelle hingewiesen [136]. Eine Legie-
rung mit z. B. 5% Mg sollte nach dem
210:1 Zustandsdiagramm bis auf 570 °0 er-

Abb. 43. Gefüge eines A1CuMg· Kokillen- wärmt werden können, ohne daß Auf-
gußbarrens (400 nun 0). Das EutektikuUl schmelzungen auftreten. Weist das Ge-
enthält insbesondere <x-lVlischl<ristallc, A1 2Cu
und M!!2Si (nach ALt'SLISSE). füge aber Einlagerungen von Eutekti-
kum auf, so schmelzen diese bereits bei
449 ce. Allerdings läßt sich durch Glühen kurz unterhalb 449 oe und lang-
sames Steigern der Temperatur eine Abdiffusion des im Eutektikum aus-
geschiedenen Magnesiums in das Korninnere erreichen. Auf diese Weise

300: 1
Abb. H. Scbraffurgeätztes Gefüge von AIZnMgCu-Strangguß, geätzt mit 1 %iger NaOH bei 50T.
Die Abbildung zeigt entartetes Eutektikum 1 mit dazwischen erstarrter Restschmelze 2, umgeben
von primär erstarrtem <x-Mischkristall 3. Durch die Schrafl'urätzung wird deutlich, daß die sekundär
erstarrte Restschmelze teils die Orientierung Za angrenzender iX-l\1ischkristalle, teils aber auch selb-
ständige Orientierung 2b hat. Bei 2b könnte es sich möglicherweise um primäre (X-Mischkristalle
haudein, die senkrecht zur Schliffehene in das EutektikulII hineingewachsen sim] (nach H, KOSTRO!\
U. M. SCHIFPERS [138]).
Lit. R. 19a] l.;~ Erstarrung von Aluminium 51

kann man schließlich gemäß dem Zustandsdiagramm ohne Aufschmelzen


kurz unterhalb der theoretischen Solidustemperatur glühen.
Bei Knetlegierungen erstarrt die Restschmelze in Form eines ,.Poly-
eutektikums" aus ::;ämtlichen Legierungskomponenten (Abb. 43).
Bei der Erstarrung der untereutektischen Legierungen SOWIe von
Reinaluminium liegen folgende drei Volumcnelemente vor:

Die bereits erstarrten Primär kristalle,


die Ausgangsschl1lelze,
die Restschmelze, ,velche die wachsenden Kristalle umhüllt ("inter-
dendritische Schmclze") und welche über einen wesentlich breiteren
Temperaturbereich erstarrt als die Ausgangsschmehe.

Bei Reinaluminium oder

-
/000
Knetlegierungen erstarren die dynfom ~
Resteutektika anomal, da zu- 900 ::--..

"" \
~ :::;;-- Al-Zn
yor erstarrte 'X-Mischkristalle
---- I<>-.

"" '"
§ 800
ringsum reichlich vorhanden
f'ind [1381.
Nach Untersuchungen VOll {l
~
~ 100
~-Mg
-----
~
Mg-Al "0
E. SCHElL [1391 ist dies dic ty- ~Cl; 600 .......... ~n
>-
piHche Voraussetzung für die c§5
500
Erstarrung der Re::;tschmelzc i'o
aIR .. entartetes Eutektikum". 400
o /0 20 30 40 50 60 (Jew.-%80
Die Restschmelze erstarrt Le!lierungszusofz
oftmals so, daß die Orientie- AbI>. J5. Oberfläehl'llKp,mlllltu( üer Re"tsehlllelzell
rung naheliegender ).-Mi,,('h- yon Allllllinilllll- und }Iagllesiumlcgiernngen in
Ahhiingigkr,it "on deT ZUR:11111nenRetzung (n:H'h E.
kristalle sich inncrhalb det; PELZET, pn]).

entarteten Eutektikum" fort-


::letzt (Abb. 44). Dahpr gibt es oft keine deutliche Abgrenzung zwischen
dem Bcreich der Primärerstarrung und des entartetcn Eutektikums [138].
A. B. MICHAEL und M. B. BEVER [140] haben die Erstarrung der
Restschmclze bei ~~I\ll1lilliul1l-Kupfer-Legierungen (2 bis 5% Cu) ge-
nauer untcrsucht, und zwar für vcrschiedene Erstarrungsgeschwindig-
keiten von 0.01 bis 50 grelje;.
Die Ausscheidung des Eutektikums wurde analytisch, metallo-
graphisch und mittds Antoradiographie verfolgt. und zwar mit folgenden
Erge bnissen :
Bei allen Versueh,;bedingungen wurde im Gefüge entartetes Eutek-
tikum festgestellt, deSRen Menge mit der Erstarrungsgeschwindigkeit zu-
nimmt.
Außer an Korngrenzen befindpt sich das entartete Eutektikum
zwischen den Denclritenarmcll.

4"
52 A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze [Lit. S. 193

Auf S.9 wurde bereits darauf hingewiesen, daß die Restschmelze


einer untereutektischen Legierung beim Eindringen in enge Spalten
(d. h. auch in die Zwischenräume zwischen erstarrenden Körnern oder
Dendritenarmen) stark an Legierungselementen angereichert wird.
Spezifisches Volumen und Oberflächenspannung sind nach Ergeb-
nissen von E. PELZEL [141] wichtige Kenngrößen für das Verhalten der
Restschmelze. Die Oberflächenspannung hängt stark vom Zusatzelement
ab (s. Abb. 45 und Tab. 9). Erhöht man also einen Legierungszusatz,
so nimmt dadurch der Volumenanteil an Restschmelze zu; gleichzeitig
treten außerdem Veränderungen in der Oberflächenspannung auf.
Aus Tab. 9 können Hinweise entnommen werden, warum Legierung I
im Strangguß leichter gießbar ist als Legierung Ir.

Tabelle 9. Unterschiede der Oberflächenspannung zweier Aluminium-Kupler-Mn-


gnesium-Schmelzen sowie der Zusammensetzung und des Schmelzpunktes der zuge-
hörigen Restschmelzen (nach E. PELZEL [141])

1 Restsehmelze
Leg-Zusammeu- Oberfl.-Spannung
setzung in 0/0 in dyn/em 1 Sehmelzp. I Zusammensetzg.
in oe in 0/0

Zusammen-
setzung I 4 Cu; 0,8 Mg 800 535 29 Cu; 7,1 Mg
Zusammen-
setzuug II 3 Cu; 1,5 Mg 600 471 10Cu; 27Mg

1.34 Effekte nach dem Erstarren

1.341 Diffusionsvorgänge unmittelbar nach dem Erstarren. Diese


sind von größter Wichtigkeit für die Beseitigung der Kornseigerung und
für die Ausscheidung übersättigt gelöster Elemente. Vergleicht man
ähnliche Gieß verfahren mit unterschiedlicher Erstarrungsgeschwindig-
keit - z. B. Strangguß, Kokillenguß oder Sandguß - so ergibt sich
folgendes:
Je höher die Erstarrungsgeschwindigkeit, um so steiler ist im allge-
meinen auch der Temperaturgradient im festen Metall im Anschluß an
die Erstarrungsfront, um so kürzer ist auch das Zeitintervall, welches ein
soeben erstarrtes Volumenelement in dem Temperaturbereich bis zu
etwa 100 grd unter der Solidustemperatur verbringt, der für eine Diffu-
sion besonders günstig ist. Dieses Zeitintervall ist z. B. bei der Barren-
herstellung durch Kokillenguß um ein bis zwei Größenordnungen länger
als beim Strangguß. Wenn man somit verschiedene Erstarrungsgeschwin-
digkeiten vergleicht, so sind die beobachteten Unterschiede im Guß-
gefüge oftmals auf die unterschiedlichen Zeiten zurückzuführen, welche
Lit. S. 193] 1.3 Erstarrung von Aluminium 53

das soeben erstarrte Gefüge in dem für die Diffusion günstigen Tempera-
turbereich zugebracht hat.
Bleibt durch rasches Abkühlen nach dem Erstarren die Annäherung
an den Gleichgewichtszustand aus , so kann dies durch eine spätere
Barrenhochglühung nachgeholt werden.
1.342 Gefügeänderungen bei einer Barrenhochglühung (Homogeni-
sicrungsglühung) .

,
J
.J .... ..... -
~
r

..
, y

,.
a b

,
.; .'

o '. J
1 ........... d'

" .
\

- "- '-6.
.• •"
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.,
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c 'd ,/
"
400:1
Ahu . 46a-d. Gefüge von R einaluminium-Strangguß (Al 99,1) im Gußzust and und nach verschiedener
Glühbehandlung (nach ALUSUISSE).
a) GIIßgefiige ; b) 24 h bei 500 ' C geglüht; c) 24 h bei 550'0 geglüht; d) 24 h bei 600 ' 0 geglüht.

Eine " Homogenisierungsglühung" nahe unter der Solidustemperatur


bewirkt folgendes:
Die Unterschiede der Mikrohärte innerhalb eines Kornes gleichen sich
aus.
Der mittlere Abstand der Restschmelzeadern nimmt zu.
Die feinen Heterogenitäten verschwinden; statt dessen sind nach dem
Homogenisieren größere Heterogenitäten mit abgerundeten ("einge-
formten " ) Ecken zu beobachten (Abb. 46).
Die elektrische Leitfähigkeit des Gußgefüges nimmt bei der Legie-
rung AIMn oder Reinaluminium zu [211]. Dies deutet darauf hin,
daß übersättigt gelöste Legierungselemente (Mangan oder Eisen,
teils auch Silizium) sich ausscheiden.
54 A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze [Lit. S. 193

In diesem Sinne ist der Ausdruck "Homogenisierungsglühung" an-


fechtbar, da ja teilweise eine Heterogenisierung stattfindet.
Der erwähnte Anstieg der Leitfähigkeit ist jedoch im einzelnen
schwierig zu interpretieren, denn das Gußgefüge besteht aus Volumen-
elementen von unterschiedlicher Leitfähigkeit. Außerdem findet beim
Glühen ein Abbau von Abschreckspannungen statt. Auf jeden Fall ist
der Ausdruck "Homogenisierung" im Zusammenhang mit dem erfolgten
Ausgleich von Kornseigerungen berechtigt.
Bei der Verfolgung der Gefügeumlagerung während der Hochglühung
von Kokillen- und Strangguß ist der unterschiedliche Ausgangszustand
zu beachten. Der Kokillengußbarren weist vor der Glühung eine geringere
Kornseigerung auf, verhält sich aber bei der Hochglühung bezüglich des
Konzentrationsausgleichs erheblich träger.
P. BRENNER und H. KOSTRON [125] weisen darauf hin, daß sich für
einen Barren von 300 mm Durchmesser die unmittelbar nach der Erstar-
rung erfolgende Diffusion (im Temperaturbereich zwischen 600 bis 300 Oe)
in den Außenzonen des Stranggußbarrens auf 15 Sekunden und im Zen-
trum auf 200 Sekunden beschränkt.
Daher erklärt sich, daß das Stranggußgefüge nach dem Erstarren
die ursprüngliche Kornseigerung vor allem in den Außenzonen noch
unverändert behalten hat, während die Diffusionsbedingungen beim
Kokillengußbarren unmittelbar nach dem Erstarren günstiger sind.
Aus Abb. 47 und 48 ist der Einfluß einer Barrenhochglühung auf das
Gefüge einer Aluminium-Kupfer-Legierung mit 4% Cu und einer AlCuMg-
Legierung zu entnehmen.
Die Untersuchungen zeigen, daß die Kornseigerungen im Strangguß
durch Wärmebehandlung leichter beseitigt werden können als bei
Kokillenguß. Aus Abb. 47 geht hervor, daß die Homogenisierung von
AICu4-Stranggußbarren nach ein- bis dreistündiger Glühung bei 500°C
abgeschlossen ist, während bei Kokillenguß eine bis zu 20stündige
Glühung notwendig ist, um den Ausgleich des Kupfergehaltes innerhalb
der Dendritenarme ("Zellen") zu erreichen.
Abb. 48 gibt analoge Ergebnisse an einer AlCuMg-Legierung wieder.
Die Unterschiede zwischen Strangguß und Kokillenguß erklären
sich nach den Ergebnissen von P. BRENNER und H. KOSTRON [125]
zwanglos aus dem unterschiedlichen Erstarrungsmechanismus. Wie in
Abb. 33a bis d gezeigt wird, nimmt die Zellengröße mit zunehmender
Erstarrungsgeschwindigkeit stark ab, was eine gesteigerte Diffusions-
geschwindigkeit bei der Homogenisierungsglühung ergibt und die
Unterschiede zwischen Kokillenguß und Strangguß verständlich macht.
Die in Tab. 8 für die beiden Gießverfahren mitgeteilten Befunde
stehen mit dem unterschiedlichen Erstarrungsmechanismus in klarem
Zusammenhang.
Lit. S. 193] 1.3 Erstarrung von Aluminium 55

Die Homogenisierung des Guß gefüges hat zahlreiche Folgen für Ver-
arbeitbarkeit und Eigenschaften des aus dem Guß barren hergestellten
Halbzeuges.
Hiprauf werden wir bei späteren Kapiteln noch zurückkommen.

100

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I 2
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O/ühzelf(beiSOO°C)
A bb. 47 il - Li. Einfluß einer LÖrmngsglühung bei ,~OO°C auf die Mikrohärte des Gußgefüges. Alunliniuln~
legierung mit 4% Cu (nach P. BREXXER U. H. KOS1'RON [125]).
,,) ,.;tr:tn~gnß (AnßcmOllP); 1» Str:lll~!<nl.\ ()Iittelwnc); (.) K()ldncn~nl.\ (AIII.lenzonc); (1) KnkiIlenguß
(Mittelzone).
---- ~\..llßeUZ()lle der Zellen; - - - Illuenzunc dpr Zellen.

1.343 Ausdehnungseffekte. Obwohl das Aluminium beim Erstarren


etwa 6 bis 7% Volumenschrumpfung aufweist, sind trotzdem merk-
würdige Ausdehnungseffekte beobachtet worden [742].
56 A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze [Lit. S. 193

Die markanteste Ausdehnung wird in den Anfangsstadien der Erstar-


rung gefunden, wobei sich die verschiedenen Aluminiumlegierungen
unterschiedlich verhalten. Der Gasdruck scheint dabei eine gewisse Rolle
zu spielen, da eine wasserstoffreiche Schmelze bei der Erstarrung eine
größere Ausdehnung zeigt als eine entgaste Schmelze.
Der starke Einfluß des Gasgehaltes kann wohl nur so erklärt werden,
daß bei der Erstarrung das übersättigte, gelöste Gas die Tendenz hat,
sich auszuscheiden und hierbei das teilweise erstarrte Gefüge ausein-
anderdrückt.

,/.
740'r---- - -- ------.
kp/mmz o ,/
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/
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/
/
/
/

/
/
60 . / /'

~o~--~z~--~m~~a?~m~i~n~~
Illühzl?if{bei SWOC)
17:1

Abb. 48. Einfluß einer Lösungsglühung bei 500"0 Abb. 49. Korngrenzenverschiebung im Gußge-
auf die Mikrohärte des Gußgefüges von AlCuMg- füge von Al 99,98. Zwei der drei sichtbaren
Strangguß (nach P. BRENNER U. H. KOSTRON Korngrenzen (1 und 2) sind nach dem Erstarren
[125]). nach rechts unten gewandert, während die Ans-
- - Außenzone der Zellen scheidungen ihre Lage beibehalten haben (nach
- - - Innenzone der Zellen. U. BENEDICT n. H. J. SEEUANN [121]).
U Ursprüngliche Lage des Treffpnnktes der drei
Korngrenzen ; N N ene Lage des Treffpunktes der
drei Korngrenzen.

1.344 Korngrenzenverschiebung nach der Erstarrung. Wiederholt ist


beobachtet worden, daß sich Korngrenzen im Gußgefüge nach der
Erstarrung verschieben, wie dies z. B. in der Arbeit von U. BENEDICT
und H. J. SEEMANN [121] beschrieben ist.
In Abb. 49 wird ein Beispiel wiedergegeben, welches zeigt, wie eine
Korngrenze zunächst durch einen Saum von Ausscheidungen festge-
halten wurde, sich dann aber unter dem Einfluß von Gußspannungen los-
gerissen und in einem Rekristallisationsvorgang eine neue Lage gefunden
hat.
Eine Rekristallisation des Gußgefüges bald nach der Erstarrungtritt
vorzugsweise bei hochreinem Aluminium auf, wird aber auch bei Legie-
Lit. S. 193] 2. Nichtmetallische Verunreinigungen 57

rungen auf der Basis von hochreinem Aluminium beobachtet, z. B. bei


AlZnMg- oder AlMg-Legierungen.
Je stärker die Ausscheidungssäume im Gußgefüge sind, um so weniger
tritt diese Art von Rekristallisation auf.

2. Nichtmetallische Verunreinigungen (Gase, Oxyde)


im flüssigen und festen Aluminium
Von D. Altenpohl, Zürich

2.1 Übersicht
Die nichtmetallischen Verunreinigungen sind für die Eigenschaften
des Gefüges von Guß- und Knetlegierungen gleichermaßen wichtig. Dies
gilt vor allem für den Gehalt des Aluminiums an Wasserstoff und Oxyden.
Die hierüber vorliegenden Angaben der Literatur enthalten relativ viele
Unklarheiten. Manche der Feststellungen basieren auf vereinzelten Unter-
suchungen oder speziell gearteten Voraussetzungen. Es ist heute noch
nicht möglich, in allen Fällen eindeutig zu entscheiden, welche auf repro-
duzierbaren Messungen beruhen und somit gesichert sind.
Wir haben im folgenden vorzugsweise Ergebnisse richtungweisender
neuerer Untersuchungen wiedergegeben, auch wenn diese teilweise noch
der Reproduktion bedürfen, um auf Ansatzpunkte für weitere Arbeiten
hinzuweisen. Aus dem gleichen Grunde haben wir auch auf bestehende
Widersprüche aufmerksam gemacht.
Literaturübersicht siehe insbesondere [144 bis 149].
Von allen Gasen, die unter normalen Bedingungen mit Aluminium
in Berührung kommen, ist nur der Wasserstoff in nennenswerter Menge
löslich [146]. Stickstoff reagiert mit dem flüssigen Aluminium unter
Bildung von AlN, Sauerstoff bildet Al 20 a. Diese Verbindungen sind im
flüssigen oder festen Aluminium so gut wie unlöslich.!
80 bis 90% des in Aluminium enthaltenen Gases ist im Regelfall
Wasserstoff. Dber die Restgehalte gibt es keine zuverlässigen Angaben
(hauptsächlich scheinen Methan und Stickstoff in Frage zu kommen).
Im folgenden beschränken wir uns daher auf die Erörterung des
Wasserstoffgehaltes des Aluminiums und seiner Folgen.
In der Praxis kommt der Wasserstoffgehalt des Aluminiums haupt-
sächlich aus der Reaktion zwischen Wasserdampf und Schmelze. Um
jedoch das Verhalten des Wasserstoffs und die Verfahren zu seiner Be-
stimmung im Aluminium zu verstehen, werden wir zunächst auf das
System Aluminium-Wasserstoff eingehen.
1 Die Angaben über die Löslichkeit von A1 2 0;j in Aluminium schwanken
zwischen 0,003 und 0,04% [l4fil. Der untere "Vert dürfte eher zutreffen.
58 A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze [Lit. S. 193

2.2 Gleichgewicht Aluminium-Wasserstoff.


Wasserstoffgehalt des flüssigen und festen Aluminiums

Der Zustand des gelösten Wasserstoffs im Aluminium ist vielfach


erörtert worden (Literaturangaben siehe z. B. [144,146,147,147 a, 147b]).
Wir wollen uns auf einige Hinweise beschränken:
Die Löslichkeit des Wasserstoffs im Aluminium nimmt mit steigender
Temperatur und mit steigendem Druck des im Kontakt mit dem Alu-
minium stehenden molekularen Wasserstoffs zu 1.
Der Wasserstoff geht im Aluminium atomar in Lösung. Nach dem
Massenwirkungsgesetz gilt für das Dissoziationsgleichgewicht zwischen
molekularem und a tomarem Wasserstoff folgende Beziehung:
PH 2
=Kp
PH2
P = Partialdruck
Kp = Konstante
Für das Lösungsgleichgewicht gilt folgende Beziehung:

l = K , · PlI
l = gelöste Menge
K, = Konstante
Durch Einsetzen des Wertes für PH aus dem Dissoziationsgleichgewicht
folgt das SIEVERTsche Gesetz:

Experimentell findet man gleichfalls Proportionalität zwischen PlI2 V


und der Konzentration des gelösten Wasserstoffs. 2 Daraus kann gefolgert
werden, daß der Wasserstoff atomar in Lösung geht.
Es ist wahrscheinlich, daß ähnlich wie beim System Palladium-
Wasserstoff das Wasserstoffatom bei der Einlagerung in das Aluminium-
gitter in je ein Proton und ein Elektron aufgeteilt wird [146].
Nach einer Arbeit von D. P. LovTsov wandert im festen Aluminium
gelöster Wasserstoff in einem starken elektrischen Gleichstrom zur
Kathode [164].
1 Da die Löslichkeit des Wasserstoffes mit zunehmender Temperatur ansteigt,
handelt es sich bei der Auflösung des Wasserstoffes im Aluminium um eine endo-
therme Reaktion.
2 Das SIEVERTsche Gesetz kann bei Wasserstoffgehalten unterhalb von ungefähr
1 At.-% im flüssigen und festen Zustand als gültig angesehen werden. Bei sehr ge-
ringen Drucken köunen Abweichungen vom SIEVERTschen Gesetz auftreten.
Lit. S. 193] 2. Nichtmetallische Verunreinigungen 59

In Abb. 50 ist der im Aluminium gelöste Wasserstoff in Abhängigkeit


von der Temperatur aufgetragen. Die ausgezogene Kurve gibt die Gleich-
gewichtswerte an, und zwar für den Fall, daß molekularer ·Wasserstoff
unter einem Druck von einer Atmosphäre im Kontakt mit dem Alu-
minium steht.
Die bei Reinaluminium und magnesiumfreien Knetlegierungen in
der Praxis beobachteten Wasserstoffgehalte sind gleichfalls in die Abbil-
dung eingetragen 1, wobei allerdings der im Gleichgewicht mit dem Metall
78
.'
cm 3/700g
I
, ~
7,0
(flüssig) O,fJ --S ~0'61
/10,5
f-----0'3 ___
-------- -ö.7i ~/ I
--
1 - - - 9§.-,-o'OSO (fest)
I
/
VL
1
660'G I
I
/
I
!

I
0,007
/
/ J88 480 588 688 100
I
800 oe 900
Temperlltur
Abb. 50. Wasserstoffgehalt in Reinalnminimll und magnesiumfreien Legierungen in Abhängigkeit
von der Temperatur.
- - in l~einstaluminium gelöste Wasserstoffmenge im Gleichgewicht mit gasförmigem Wasser-
stoff von 760 Torr (nach W. EICHENAUER, K. HATTENBACH u. A. PEBLER [150]); - - - in Knet·
legierungen vorkommende maximale und minimale Gehalte; .... typischer )Iittelwert bei Knet·
legierungen.
Der in der l'raxis beobachtete Wasserstoffgehalt ist in starkem AusmaD VOIll Wasserdampfgehalt der
Ofenatmosphäre (und anderen Faktoren) abhängig, insbesondere bei Temperaturen oberhalb ca.
750'C. Daher wurde auf die Eintragung von beobachteten Wasserstoffgehalten der Schmelze ober·
halb 750 oe verzichtet.

befindliche vVasserstoffpartialdruck in diesem Falle meist wesentlich


geringer ist als eine Atmosphäre. Immerhin zeigt die Abb. 50, daß der
durchschnittlich im Aluminium auftretende Wasserstoffgehalt in der
Schmelze tiefer und im festen Metall wesentlich höher liegt, als es der
maximalen Löslichkeit bei einem vVasserstoffdruck von einer Atmosphäre
entspricht.
Die starke Übersättigung an vVasserstoff im festen Zustand kann zwei
Ursachen haben: erstens Einfrieren des in der Schmelze gelösten Wasser-
stoffes bei der Erstarrung und zweitens Aufnahme von \Vasserstoff im

1 Als Meßmethode wird die auf S. 63/64 beschriebene Vakuumextrakt,ionsmethode


nach C. E. gANSLEY zugrunde gelegt, da diese bisher offenbar die genaueste ist.
60 A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze [Lit.8.193

status nascendi, bei Reaktion des festen Aluminiums mit Wasserdampf.


Das Einfrieren wird begünstigt durch Anwendung von Druck bei der Er-
starrung sowie durch rasche Erstarrung.
Die in Abb. 50 wiedergegebenen Gleichgewichtswerte gehorchen bei
konstanter Temperatur dem SIEVERTschen Gesetz.
Trägt man den Logarithmus des im Gleichgewicht gelösten Gasgehal-
tes gegen den reziproken Wert der absoluten Temperatur auf, so ergibt
sich eine Gerade (Abb. 51).

Abb. 51. Druck- und Temperaturabhängigkeit der Löslichkeit von Wasserstoff in Aluminium
(99,9985% Al) über und unter dem Schmelzpunkt. Die Druckangaben beziehen sich auf den Gleich-
gewichtsdruck des im Kontakt mit dem Aluminium stehenden molekularen Wasserstoffs bei der an-
gegebenen >Temperatur. Bei der Ausscheidung von molekularem Wasserstoff wird dieser Druck als
"Entwicklungsdruck" bezeichnet (nach C. E. RANSLEY U. N. NEUFELD [177]).

Unter Einbezug des SIEVERTschen Gesetzes gilt eine Beziehung von


der Form
K
1
log l = - log P - -
2
0
T
+
l = gelöste Menge Wasserstoff
p = Entwicklungsdruck
T = absolute Temperatur

Für festes Aluminium gibt H. KOSTRON [146] nach Messungen von


e. E. RANSLEY und H. NEUFELD [177] für den Temperaturbereich von
450 bis 600 oe
K = 2080 und 0=-0,652
Lit. S. 193] 2. Niehtmetallisehe Verunreinigungen 61

an, wenn 1 in cm3 j100 g Aluminium 1, p in Torr und Tin °K eingesetzt


werden. Mit diesen Werten wurde der rechte Teil der Abb. 51 berechnet.
W. EICHENAUER, K. HATTENBACH und A. PEBLER [150] finden nach
Messungen im Temperaturbereich von 360 bis 600 °0

K = 3042 und 0=+0,521.

Für flüssiges Aluminium gilt im Temperaturbereich von 670' bis 850 °0


nach O. E. RANSLEY und H. NEUFELD [177]:

K = 2760 und 0=+1356.

Aus diesen Werten folgt der linke Teil der Abb. 51.
Dagegen geben W. EICHENAUER und Mitarb. [150] für den Bereich
von 670 bis 1020°0

K = 3086 und 0=+1,529


an.
Aus Abb. 51 kann man für jeden Wasserstoffgehalt den dazugehörigen
Gleichgewichtspartialdruck des molekularen Wasserstoffs angeben. Diese
Abbildung gibt somit den "Entwicklungsdruck" an, den der Wasserstoff
braucht, um z. B. aus einer Schmelze in Blasenform zu entweichen, oder
den übersättigter Wasserstoff erreicht, der in einen Hohlraum im festen
Aluminium eindiffundiert ist.
Wie wir späterhin sehen werden, ist dieser Entwicklungsdruck für
folgende drei Fälle besonders wichtig:
bei der Vakuumentgasung zur analytischen Bestimmung des Wasser-
stoffs im Aluminium (oder zur technischen Entgasung),
bei der Reinigung von Aluminiumschmelzen mittels Durchspülen mit
Gasen oder durch Abstehen,
bei der Blasenbildung beim Glühen von Aluminiumhalbzeug.
Die Lösungswärme beträgt nach Messungen von O. E. RANSLEY und
H. NEUFELD [177] im Temperaturbereich von 670 bis 850°0 12630 cal/
1/ 2 Mol H 2 , im festen Zustand (450 bis 660°0) 9510 calf1l2 Mol H 2 .

W. EJOHENAUER und Th'litarb. [150] bestimmten die Lösungswärme zu


14100 (670 bis 1020°0) bzw. 13900 calj1/2 Mol H 2 (360 bis 600°0).
In Abb. 50 wurde davon ausgegangen, daß bei der Erstarrung kein
Wasserstoff verlorengeht (erkennbar an dem Verlauf der gestrichelten
Kurven). Dies trifft im allgemeinen beim Stranggießen zu, wie aus Abb. 52
hervorgeht [151].

1 Wasserstoffgehalte in Aluminium werden meist in em3/100 g Aluminium an-


gegeben, wobei sieh die Angabe auf Wasserstoff von 20°0 und 760 Torr bezieht.
62 A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze [Lit. S. 193

Jedoch kommt es bei langsamer Erstarrung und besonders bei Legie-


rungen mit breitem Erstarrungsintervall vor, daß der übersättigte
Wasserstoff sich teilweise in der Schmelze anreichert und in Blasenform
abgeschieden wird.
Um bei der Erstarrung den bei Liquidustemperatur im Gleichgewicht
befindlichen Wasserstoff in Lösung zu halten, wären ca. 74 kp/cm 2 Druck
(von mol(}kularem Wasserstoff) nötig. '
Der Einfluß von Legierungszusätzen
a7 auf die Wasserstofflöslichkeit ist wieder-
cm'/100g /"
/x"e holt untersucht worden (siehe z. B. [146,
/ °x
/ 156, 175]).
/x
Legierungszusätze beeinflussen die
/4 '"
/ + Wasserstoffaufnahme sowohl im In-
.{;(1 neren des Metalls als auch durch die Aus-
l.r '" bildung der Oxydhaut auf der Ober-
~ fläche.
/
/ Bei magnesiumhaitigen Legierungen
/" liegt der Wasserstoffgehalt im allge-
0,1 0,3 0.5 cm}'700g a7 meinen wesentlich höher als in Abb.50
WasserstoffgehalfderJ'chmelze angegeben (bis zu 1 cm3 /100 g). Diese
Abb. 52. Verbleibender Wasserstoff in hohen Werte sind zum Teil nur vorge-
halbkontinuierlich gegossenen Versuchs-
blöcken (150 x 37,5 mm) (nach C. E. täuscht, da sämtliche Meßmethoden
RANSLEY u. D. E. J. TALBOT [151]). den Oberflächengasgehalt miterfassen,
Gießgeschw.: 12,5cm/min
• Al99,2 + Al99,8 der bei AlMg-Legierungen relativ hoch
x Al99,99 t;. AICuMg und schlecht repro~uzierbar ist. Dies
.... AlSi12
Gleßgeschw. : 25,Ocm/min ° Al99,2 ist teilweise auf eine Oberflächen-
37,5cm/min v Al99,2 schicht von Magnesiumhydroxyd zu-
rückzuführen, welche bewirkt, daß
magnesiumhaltige Legierungen bei der Vakuumextraktion sowohl als
Schmelze als auch im festen Zustand höhere H 2 -Gehalte ergeben, welche
mit dem vp-Gesetz nicht im Einklang sind. Bei AIMg3 findet man z. B.
im festen Zustand 0,3 bis 0,7 cm3 H 2/100 g.
Der Umstand, daß schon relativ kleine Magnesiumgehalte einen er-
höhten Gasgehalt bewirken, kann damit in Zusammenhang gebracht
werden, daß Magnesiumatome sich bevorzugt an freien Oberflächen an-
reichern, anscheinend auf Grund ihres großen Atomdurchmessers. Daher
enthält die Oxydschicht auf flüssigem Aluminium einen wesentlich höhe-
ren Magnesiumgehalt als der Durchschnittszusammensetzung der Legie-
rung entspricht. Dieser Umstand begünstigt die Bildung von Hydroxyd-
schichten auf Oberflächen, die mit Luftfeuchtigkeit im Kontakt sind.
Eine andere Erklärung des hohen Wasserstoffgehaltes von AlMg-
Legierungen geht davon aus, daß das als Legierungszusatz verwendete
Magnesium normalerweise einen Wasserstoffgehalt von 20 cm3/100 g
Lit. S. 193] 2. Nichtmetallische Verunreinigungen 63

hat, und diesen auch nach Zulegieren zu Aluminium teilweise festhält


[289].
Andere Legierungselemente als das Magnesium haben einen wesent-
lich schwächeren Einfluß auf den Wasserstoffgehalt des Aluminiums. Zu-
sätze von Kupfer, Silizium, Mangan und Zinn verringern die Löslichkeit
des Wasserstoffs im geschmolzenen Aluminium, Zusätze von Chrom,
Eisen, Titan, Cerium und Thorium erhöhen die Löslichkeit des Wasser-
stoffes, während über den Einfluß des Nickels noch Widersprüche be-
stehen. Literaturangaben siehe bei [190, 278].
Auf den Einfluß hydridbildender Zusatzelemente (z. B. Natrium
oder Zirkon) werden wir später noch eingehen (s. S. 93 und 109).

2.3 Verfahren zur Gasbestimmung

2.31 Vorbemerkung
Bis zu 70% des Ausschusses beim Formgießen kann auf zu hohen oder
zu tiefen Wasserstoffgehalt des Metalls zurückgeführt werden [169].
Beim Gießen größerer Barrenformate aus hochfesten Legierungen
wird nunmehr auch bei Knetlegierungen die genaue Bestimmung des
Wasserstoffgehaltes immer wichtiger. 1
Eine genaue Wasserstoffbestimmung ist aber nicht einfach zu reali-
sieren.
Wasserstoff kann im Aluminium gelöst, in Poren oder Kanälen "aus-
geschieden", als Hydrid z. B. an Alkali- oder Erdalkalimetalle gebunden
und schließlich an der Oberfläche adsorbiert sein. Hinzu kommt evtl. ein
störender Wasserfilm auf der Oberfläche, der sich bei vielen Gasbestim-
mungsverfahren zu Wasserstoff und Oxyd umsetzen kann. Laut einer
von F. ROHNER verfaßten übersicht [190] ergeben sich durch einige der
zuvor genannten Faktoren bei allen Gasbestimmungsmethoden relativ
große Schwierigkeiten. Wir werden im folgenden kurz die drei Haupt-
gruppen der Gasbestimmungsverfahren erwähnen, nämlich die quanti-
tativen Laboratoriumsmethoden, die halb quantitativen und die quali-
tativen Verfahren.

2.32 Quantitative Laboratoriumsmethoden


2.321 Vakuum-Extraktion. Dieses Verfahren ist vor allem von
C. E. RANSLEY und Mitarbeitern verfeinert worden [151, 177, 191]. Die
Probe wird entweder im festen Zustand bei 500 bis 600°C oder nach
Allfschmelzen im Vakuum entgast. In der Praxis zieht man heute die
1 Dies ist teilweise auf die systematische überwachung der Porosität des Halb-
zeugs durch Ultraschallprüfung zurückzuführen.
64 A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze [Lit. S. 193

Entgasung im festen Zustand vor, da hierbei die Fehlerquellen kleiner


sind [191], und zwar durch Fortfall eines Tiegels, der im allgemeinen
eine große aktive Oberfläche hat und daher gewisse Gasmengen abgibt.
Man muß im Auge behalten, daß die im Aluminium zu bestimmenden
Wasserstoffmengen verglichen mit denjenigen im Stahl sehr klein sind.
Daher ist die Eliminierung aller Fehlerquellen oberstes Gebot für
eine genaue Bestimmung. Die Oberflächenvorbehandlung der zu ent-
gasenden festen Probe erfordert große Sorgfalt, um dünne Wasserfilme
auf der Oberfläche zu vermeiden. Schon die Probenahme aus flüssigem
Metall (Erstarren eines Prüflings in einer Kokille) ist problematisch, da
man nicht weiß, ob die Probe tatsächlich denselben Wasserstoffgehalt
aufweist, wie die Schmelze. Somit ist z. B. das in Abb. 52 mitgeteilte
Ergebnis durchaus von der Probenahme abhängig.
Wenn alle Fehlerquellen auf ein Minimum gebracht werden, so
treten an einer bei z. B. 500°C im Vakuum zuvor entgasten und dann
im Vakuum aufgeschmolzenen Probe nur noch sehr kleine zusätzliche
Gasmengen auf [192]. Diese stammen zum Teil aus dem Oxydfilm, der
auch noch bei Schmelztemperatur etwas Wasser enthält, das beim Auf-
schmelzen reagiert.

2.322 Wasserstofl'bestimmung nach dem Telegas-Prinzip. Das Ver-


fahren wurde von C. E. RANSLEY und Mitarbeitern entwickelt [195, 196].
Das Verfahren basierte anfänglich auf der leichten Diffusion des
Wasserstoffs durch Palladium. Bereits früher hat man versucht, dieses
Prinzip zur Wasserstoffbestimmung heranzuziehen, wobei die zu unter-
suchende Aluminiumprobe in einem Zinnbad geschmolzen wurde [197].
Das Meßprinzip ergibt sich aus dem weiter oben beschriebenen Gleich-
gewicht zwischen Wasserstoff und Aluminium: Nach dem SIEvERTsehen
Gesetz steigt der zu messende Wasserstoffdruck mit dem Quadrat des
Gehaltes der Schmelze an gelöstem Wasserstoff, was eine für empfindliche
Messungen günstige Abhängigkeit ist [198]. Jedoch besteht die Aufgabe,
innerhalb der zu prüfenden Schmelze eine freie Oberfläche einzuführen,
an welcher die Rekombination des atomaren Wasserstoffs zu Wasser-
stoffmolekülen schnell und ungestört verläuft.
Hierzu wurde anfänglich eine Palladiummembrane verwendet.
In einem neueren Modell des Telegas-Gerätes perlt eine kleine Menge
Stickstoff wiederholt durch die Schmelze, bis sich in dem in Frage kom-
menden Stickstoffvolumen ein mit dem Wasserstoffgehalt der Schmelze
im Gleichgewicht stehender Wasserstoff-Partialdruck eingestellt hat.
Mittels einer kleinen Glocke wird das Gas nach jedem Durchgang durch
die Schmelze wieder aufgefangen und einem thermoelektrischen Gas-
analysator (Katharometer) zugeführt, der den Wasserstoff-Partialdruck
mißt. Sobald dessen Anzeige konstant ist, wird das Durchperlen abge-
Lit. s. 193] 2. Nichtmetallische Verunreinigungen 65

brochen. Auf Grund des abgelesenen Partialdruckes wird unter Berück.


sichtigung der Schmelzetemperatur und der zugehörigen Wasserstoff·
löslichkeit der Wasserstoffgehalt der Schmelze berechnet oder aus einer
Tabelle abgelesen.
Das Verfahren benötigt zu seiner Durchführung qualifiziertes Per.
sonal. Es findet zur Verfolgung der Entgasungsbehandlung von Schmelzen
zunehmende Beachtung [198a].

2.323 Verfahren von Y. DardeI. Das als "first bubble test" in der
Literatur beschriebene Verfahren wurde bereits Anfang der vierziger
Jahre von Y. DARDEL ausgearbeitet [155J und späterhin in einer Reihe
von Veröffentlichungen von Y. DARDEL beschrieben, siehe z. B. [199,
200].
Das Prinzip wurde neuerdings wieder aufgegriffen und zu einer
quantitativen Kontrollmethode ausgebaut! [201]. Die zu untersuchende
Schmelze wird unter ein zunehmendes Vakuum gesetzt. Durch ein
Schauglas beobachtet man, wann die erste Gruppe von Blasen aus der
Schmelze austritt. Gleichzeitig werden Druck und Temperatur abgelesen,
woraus man aus den bekannten Gleichgewichtskurven den Wasserstoff·
gehalt unmittelbar ablesen kann (siehe z. B. Abb. 51).
Das Verfahren eignet sich vor allem für höhere Gasgehalte. Die Ge·
nauigkeit beträgt etwa ±0,03 cm 3 Wasserstoff/100 g, was somit eine
Meßungenauigkeit von ±30% bei dem in Knetlegierungen oft vor·
liegenden Gasgehalt von ca. 0,1 cm 3/100 g bedeutet. 2
Bei der Anwendung der Vakuumprobe nach Y. DARDEL interessiert
insbesondere die Gesetzmäßigkeit für die Bildung von Wasserstoffblasen
im flüssigen Aluminium. Diese erfolgt nach H. KOSTRON [193] dann,
wenn
2N
P.>Pa+Ps+ -;:-
ist.

P. = Entwicklungsdruck des Wasserstoffs (welcher Abb.51 ent.


nommen werden kann)
Pa = atmosphärischer Druck über dem Meniskus der Schmelze
Ps = hydrostatischer Druck über der in Frage kommenden Schi<~ht
innerhalb der Schmelze
N = Oberflächenspannung
1 Das für diese Methode verwendbare käufliche Gerät ist unter dem Namen
"Hycon-Tester" bekannt.
2 Dagegen ist das Telegasverfahren bzw. die Vakuumextraktion nach C. E.
R.~NSf,EY [195] bei sorgfältiger Arbeitsweise wesentlich genauer und liefert Werte
von ± 10 bis 20% Genauigkeit.

5 Altenpohl, Aluminium
66 A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze lLit. S. 193

2N Druckanteil in einer wachsenden Blase auf Grund der Ober-


r flächenspannung
r = Radius der Blase

Die Erniedrigung des atmosphärischen Druckes Pa wird z. B. bei der


STRAUBE-PFEIFFER-Probe angewendet, um eine Blasenbildung zu er-
reichen (Einzelheiten dazu s. u.).
Der hydrostatische Druck Ps entspricht bei der üblichen Probenform
für die STRAUBE-PFEIFFER-Probe und das Verfahren von DARDEL einem
hydrostatischen Druck von einigen Millimeter Quecksilbersäule, so daß
es bei diesen beiden Verfahren keinen Zweck hätte, den atmosphärischen
Druck unter etwa 1 mm Quecksilbersäule abzusenken.
Der durch die Oberflächenspannung bedingte Druckanteil ist sehr
groß, solange der Radius der Blase nahezu Null ist. Daher kann die Blasen-
bildung sowohl beim STRAUBE-PFEIFFER-Verfahren als auch beim Ver-
fahren von DARDEL innerhalb der Schmelze weitgehend unterbunden
werden, solange die Keimbildung von Blasen nicht durch kleine Schwebe-
teilchen, z. B. kleine Oxydeinschlüsse, erleichtert wird. An der Ober-
fläche solcher Blasenkeime ist der durch die Oberflächenspannung be-
dingte Druckanteil stark vermindert.!
Daher ist zu erwarten, daß in Schmelzen, welche keine Schwebe-
teilchen enthalten, die Blasenbildung auch bei Anwendung eines starken
Vakuums (Pa nahezu= 0) ausbleibt, was in der Tat beobachtet'worden
ist [193].
Beispielsweise haben Y. DARDEL sowie C. RANSLEY u. N. MOUNT-
FORD [193] festgestellt, daß mit zunehmendem Reinheitsgrad des Rein-
aluminiums die Meßgenauigkeit des von DARDEL vorgeschlagenen Ver-
fahrens stark zurückgeht, und daß das Verfahren bei Reinstaluminium
unbrauchbar ist, da die Blasenbildung trotz erheblichen Gasgehaltes ganz
ausbleiben kann oder sehr unregelmäßig einsetzt. Man erkennt hieraus,
daß offenbar auch nicht aufgelöste Legierungsbestandteile als Blasen-
keime fungieren können. Diese sind nun aber in fast allen technischen
Schmelzen im Regelfall vorhanden. Dann wird der Einfluß des Gliedes

2N
r

vernachlässigbar, so daß das von Y. DARDEL vorgeschlagene Verfahren


der Gasbestimmung für technische Schmelzen durchaus anwendbar wird
(eine Ausnahme ist Aluminium mit einem Reinheitsgrad über ca. 99,7%).

1 Bei der STRAUBE-PFEIFFER-Probe entstehen während der Erstarrung in der


Probe auf jeden Fall Blasenkeime auf Grund der Volumenschrumpfung_
Lit. S. 193] 2. Nichtmetallische Verunreinigungen 67

2.324 Diverse Verfahren. Der Nachteil der analytischen naß-


chemischen Verfahren besteht in der Notwendigkeit, die Probe zu zer-
kleinern, wodurch Wasserstoff oder Wasser an der entstehenden relativ
großen Oberfläche absorbiert werden kann [193]. Man kann die zu unter-
suchende Schmelze nach einem von F. SAUERWALD beschriebenen Ver-
fahren mit Chlor durchspülen [194]. Aber auch dieses Verfahren hat sich
für eine genaue Bestimmung nicht bewährt.
Schließlich ist neuerdings die Verwendung von Tritium als Leit-
element für die Bestimmung des 'Wasserstoffs im Aluminium vorgeschla-
gen worden [166].

2.33 Halbquantitative oder qualitative Prüfverfahren

2.331 Straube-Pfeiffer-Verfahren. Bei diesem Verfahren wird ein


kleines Volumen Schmelze (meist einige 100 g) unter einem schwachen
Vakuum zur Erstarrung gebracht. Die aus der Schmelze entweichenden
Blasen sowie die im erstarrten Regulus vorhandenen Hohlräume werden
als Merkmale des Gasgehaltes beobachtet. In dieser Form ist das Ver-
fahren eher qualitativ als quantitativ einzustufen, allein wegen der zahl-
reichen möglichen Fehlerquellen. Denn das gelöste Gas kann das Alu-
minium ebenso als entweichende Blase wie als eingeschlossene Blase
und schließlich durch Diffusion von der Oberfläche in die Gasphase ver-
lassen. Je nach dem zeitlichen Verlauf der Abkühlung und des Unter-
drucks kann sich die Menge des vorhandenen Gases verschieden auf diese
drei Anteile sowie auf den in Lösung bleibenden Anteil verteilen [193].
Für eine Gasbestimmung nach dem STRAUBE-PFEIFFER-Verfahren
muß daher der zeitliche Verlauf der Evakuierung und der Abkühlung
reproduzierbar und aufeinander abgestimmt sein [200b]. Eine der emp-
fohlenen Verfahrensvarianten sieht vor, daß die Blasenbildung einsetzt,
nachdem eine Oberflächenschicht von genügender Dicke erstarrt ist,
welche die Blasen mit Sicherheit festhält. Jedoch darf die Erstarrung
noch nicht zu weit fortgeschritten sein, bevor der angewendete Druck
sein Minimum erreicht hat.
Die Eignung der STRAUBE-PFEIFFER-Probe hängt stark vom Legie-
lUngstyp ab. Bei Legierungen mit breitem Erstarrungsintervall erzeugen
kleine Gasgehalte bereits relativ große Hohlräume im Regulus, da
während der Erstarrung kaum Gasblasen entweichen, wie dies z. B.
beim Rein aluminium der Fall ist.
Das Verfahren ist in USA jedoch in beachtenswerter Form verfeinert
worden und in zahlreichen Gießereien heute im erfolgreichen Einsatz.
Die Hauptverbesserung liegt in der Anwendung eines in kürzestcr Zeit
hergestellten konstanten Vakuums, welches vorliegt, noch bevor die
Erstarrung eingesetzt hat. Für gasreiches Metall wählt man meist einen

5*
68 A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze [Lit. S. 193

Unterdruck von etwa 50 bis 100 Torr [202, 204]. Die erstarrten Proben
werden einer Dichtemessung unterworfen, um eine vergleichbare Meß-
größe zu haben, was dem visuellen Vergleich der aufgesägten porösen
Querschnitte unbedingt vorzuziehen ist [202]. In dieser Form kann die
STRAUBE-PFEIFFER-Probe als halb quantitatives Verfahren eingestuft
werden.
Während in Formgießereien der erwünschte relativ hohe Gasgehalt der
Schmelzen oft bei einem Unterdruck von 1/8 at untersucht wird, wählt
man bei Knetlegierungen zweckmäßig einen Druck von 50 Torr [202].
Bei besonders gasarmem Metall, welches z.B. nach kräftigem Chlorie-
ren erhalten wird, wird ein Druck von 5 oder 10 Torr gewählt, was die
Empfindlichkeit der Methode verbessert. Jedoch kommt dieser niedrige
Druck für gasreiches Metall nicht in Betracht, da vor der Erstarrung
zuviel Gas verloren ginge (s. dazu auch Abb. 72, S. 104).
Untersucht man den Gasgehalt einer Schmelze einige Minuten nach
einer Raffinationsbehandlung mit Gasen oder spaltbaren Salzen, so zeigt
die STRAuBE-PFEIFFER-Probe einen hohen Gasgehalt an, wobei es sich
aber zum großen Teil um Reste von Stickstoff oder AlCls handeln kann,
die sich noch in der Schmelze befinden. 10 bis 20 Minuten nach der
Raffination verschwindet dieser Gasanteil, und die STRAUBE-PFEIFFER-
Probe erfaßt dann nur noch den Wasserstoffgehalt.
Neuerdings haben K. J. BRONDYKE U. P. D. HESS [338] die Einsatz-
fähigkeit der verfeinerten STRAUBE-PFEIFFER-Probe untersucht und
weisen darauf hin, daß auch das vor und während der Erstarrung unter
Vakuum entweichende Gas als Meßgröße mit heranzuziehen ist (visuelle
Beobachtung).
In Europa wird die STRAUBE-PFEIFFER-Probe vorerst mehr als
qualitatives Prüfverfahren eingestuft. Eine Untersuchung von H. GINS-
BERG und W. KEESE [198 a] hat ergeben, daß der Gasgehalt einer Schmelze
mit zunehmender Abstehzeit konstant blieb, während die STRAUBE-
PFEIFFER-Probe mit zunehmender Abstehzeit immer weniger Blasen an-
zeigte. Die Erklärung hierfür wurde weiter oben bereits gegeben (Ver-
ringerung der als Blasenkeime wirkenden Oxydpartikel durch das Ab-
stehen). Immerhin ergibt aber die verfeinerte STRAUBE-PFEIFFER-Probe
ein wirkungsvolles Kontrollinstrument, im Betrieb, zumal die Erstarrungs-
geschwindigkeit ähnlich ist wie bei den technischen Gießverfahren. Daher
kann man anhand einer porösen bzw. porenfreien STRAUBE-PFEIFFER-
Probe mit ziemlicher Sicherheit vorhersagen, ob man im Barren oder
Gußstück Gasporosität haben wird oder nicht.

2.332 Qualitative Gasbestimmungsverfahren am Gußgefüge. Es gibt


eine Reihe von qualitativen Verfahren der Gasbestimmung, übersicht
siehe bei H. KosTRoN [193].
Llt. S. 193] 2. Xichtmetallisehe Verunreinigungen 69

Zunächst i::;t hier die Beobachtung der Oberfläche der Schmelze vor
und während der Erstarrung sowie die Beurteilung des Querschnitts von
Gußstücken zu erwähnen [200a].
Außer der "Ausgießprobe" ist sodann die Gruppe derjenigen Ver-
fahren zu nennen. bei denen das Aluminium in einer speziell geformten
Kokille oder Sandform zur Erstarrung gebracht wird. Anschließend wird
entweder die Dichte des gesamten Regulus [205] oder aber der Dichte-
quotient ermittelt [206j. Beim letzteren Verfahren wird der Quotient
zwischen der Dichtc' im relativ poröspn Oberteil und im weniger porösen
Lnterteil gebildet.
2.3;~3 Qualitativt' Hasbestimmung durch die Ermittlung der Blasen-
bildung an geglühten Bll'chen. Die Ermittlung des Gasgehaltes kann
durch Untersuchung df'r Blasenbildung nicht nur in der Schmelze,
sondern auch am feRten Mf'tall erfolgen. Auch hier wieder gilt die weiter
oben wiedergegebenf' Formel für den notwendigen Entwicklungsdruck
des Wasserstoffs, jedoch kommt hier noch ein für die Verformung des
festen Gefüges notwf'mliger Druckanteil hinzu. Um den Gasgehalt
bestimmen zu können, sollte der Entwicklungsdruck des Wasserstoffs
nach Möglichkeit dif' einzigf' Variable sein. :Man glüht daher bei möglichst
hohen Temperaturen, vorzugsweise zwischen Liquidus- und Solidus-
temperatur, um den Yerformungswiderstand des festen Aluminiums
möglichst zu verringrrn.1 Eine weitere Voraussetzung ist, daß während
drr Blasenglühprobr Was8erstoff vom Aluminium weder abgegeben
noch aufgenommf'n wird. Besonders gut geeignet ist die Glühung in
stark oxydierenden Salzbädern, da die hierbei entstehende OxydRchicht
den Durchtritt von "\Yasserstoff verhindert.
Die Beurteilung deo; Gasgehalts nach der Blasenglühprobe kann ent-
weder visuell odel' durch Dichtemessung erfolgen. Eine Zusammen-
fassung von Ergebnis8en, welche mit diesem Prüfverfahren erreicht
wurden, gibt H. KmnRo"" [193].

2.4 Wasserstoffdiffusion

2.41 Vorgänge beill/ Durchgang von Wasserstoff durch Aluminitun

Untersuchungen der Diffm;ion des "\Vasserstoff8 im Aluminium sind


,-ielfach vorgenommen worden (Literatur siehe z. B. [146,151,156,177]).
Die meisten dieser Ergebnisse befriedigen aber nicht, da es sich bei
dem Durchgang von vYasi-lerstoff durch eine Aluminiumwand um einen

1 Daher eignet Rieb oie Bl&~ellglühprobe am ehesten für Legierungen, weniger


aber für Roinalnminium wOQ'pn oe, RC'bmalen ErstarrungsintNvalls [193].
70 A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze [Lit. S. 193

aus fünf unabhängigen Schritten bestehenden Vorgang handelt, welchen


H. KOSTRON wie folgt beschrieben hat [146]:
1. Dissoziation des Wasserstoffmoleküls und aktivierte Adsorption
des Atoms an der Aluminiumoberfläche.
2. Ablösung von der Adsorptionsfläche und Übergang in echte Lösung
(als Proton und freies Elektron).
3. Wanderung des Protons durch das Aluminiumgitter (eigentlicher
Diffusionsvorgang).
4. Übergang aus dem Lösungszustand in die Adsorptionsschicht.
5. Desorption und Rekombination der Atome zu Molekülen.
Alle Stufen außer der dritten werden durch die Dicke und Struktur
der Oxydschichten auf der Oberfläche beeinflußt. 1
Bekanntlich ist bei solchen mehrstufigen Reaktionen der langsamste
Vorgang geschwindigkeitsbestimmend, und offenbar können je nach Wahl
des Systems verschiedene der fünf Stufen in diesem Sinne wirken [178].
In vielen Fällen ist anscheinend Stufe 1 die langsamste und kontrolliert
somit die Gasaufnahme [146]. Das gilt sowohl beim flüssigen als auch beim
festen Aluminium, und hieraus ergibt sich die Bedeutung der vorliegen-
den Oberflächenfilme für die Begasung oder Entgasung des flüssigen oder
festen Aluminiums.
Mit wachsenden Abmessungen der untersuchten Proben tritt die
Diffusion als zeitbestimmender Vorgang mehr in den Vordergrund. Dies
gilt grundsätzlich sowohl für den festen als auch für den flüssigen Zu-
stand. Beim festen Aluminium halten sich die zur Verfolgung von Teil-
vorgang 3 erforderlichen Probekörper-Dicken noch in erträglichen
Grenzen (einige cm), während für flüssiges Aluminium Probedicken von
20 bis 30 Metern (!) nötig wären, um den geschwindigkeitsbestimmenden
Einfluß der Diffusion erkennbar werden zu lassen.
Die Teilreaktionen, welche bei der Begasung oder Entgasung an der
Oberfläche ablaufen, sind keineswegs geklärt [179].
In Abb. 71, S.101, erkennt man z. B., daß die Gasabnahme stark be-
schleunigt wird, wenn die Oxydhaut der Schmelze durch "Abschäumen"
ständig entfernt wird.
Auch beim festen Aluminium ist der Einfluß der Oxydhaut auf Gas-
aufnahme und Entgasen deutlich festzustellen:

1 Bei diesen fünf Schritten handelt es sich um eine willkürliche Auswahl; man
könnte olme weiteres noch weitere Schritte hinzunehmen. Ein Vorgang, der bei der
Diffusion des Wasserstoffes durch festes Aluminium ausschlaggebende Bedeutung
haben kann, ist z. B. die Ausscheidung des Wasserstoffs in inneren Hohlräumen.
Dies ergibt eine Pufferwirkung, welche die Diffusion des Wasserstoffs verlangsamt
(s. S. 77).
Lit. S. 193] 2. ~ichtmetallische Verunreinigungen 71

Erhitzt man Aluminiumproben mit dem typischen Gasgehalt von


0,1 bis 0,2 cm3 /100 g auf ca. 500°0 und entfernt die Oxydhaut laufend
durch Schaben oder Bürsten, so diffundiert der übersättigte Wasserstoff
wesentlich rascher aus der Probe heraus, als wenn die natürliche Oxyd-
haut die Oberfläche bedeckt.
In diesem Zusammenhang interessieren Ergebnisse von W. EICHE-
NAUER und A. PEßLER [148]. Diese Autoren verwenden z. B. zylinder-
förmige und kugelförmige Proben für Entgasungsversuche, um bei
gleichem Probengewicht eine stark unterschiedliche Größe der Ober-
flächen zu haben. Die Autoren kamen zu dem Schluß, daß die Oxydhaut
bei der Entgasung keine merkliche Rolle spielt. Offenbar war bei den
gewählten Versuchsbedingungen Schritt 3 der langsamste und somit
geschwindigkeits bestimmend.
Im allgemeinen ist festzustellen, daß bei Begasung oder Entgasung
von Aluminiumschmelzen und ebenso von dünnwandigem festen Alu-
minium (z. B. Blechen) die Oxydhaut geschwindigkeitsbestimmend ist.
Eine kritische Bewertung der Diffusionsuntersuchungen am System
AI-H 20 und AI-H 2 gibt O. N. OOCHRAN [180]. Auch verweisen wir auf
Kap. 0 1.3, S. 534.
Wir werden auf die Vorgänge beim Aufgasen und Entgasen des festen
Aluminiums noch zurückkommen, nachdem die (hierfür ausschlaggebend
wichtige) Verteilung des Wasserstoffs im Aluminium erläutert wurde.

2.42 DifJusionskoefJizient
Der Frequenzfaktor und die Aktivierungsenergie der Diffusion des
Wasserstoffs sind von C. E. RANsLEYund Mitarbeitern [151] für drei ver-
schiedene Metalle ermitt.elt worden (Tab. 10 u. 11).
Tabelle 10. Frequenzfaktor und Aktivierungsenergie für die Diffusion
von Wasserstoff in Schmelzen von Aluminium, Kupfer und Nickel
(nach C. E. RANSLEY u. D. E. J. TALBO'l' [151])

Frequenzfaktor Aktivierungsenergie
}[etall
D. in cm'/s Q in cal/go . atom

Aluminium 1,2. 10-· 33500


Kupfer 6,8. 10-2 11300
Nickel 7,6· 10-3 9880

Die Diffusion D des Wasserstoffs in den verschiedenen Metallen er-


Q
rechnet sich bekanntlich nach der Diffusionsgleichung : D = D o • e- RT.
Für die drei genannten Metalle ergeben sich auf Grund der Unter-
suchungen von O. E. RANSLEY und Mitarbeitern Werte für den Diffusions-
koeffizienten, die in Abb. 53 aufgezeichnet sind.
72 A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze [Lit. S. 193

Tabelle 11. Difjusionskoeffizient von Wasserstofj ku'rz unterhalb der Solidus-


temperatur von Aluminium, K 1/,pfer und Nickel
(na('h C. E. RANSLEY U. D. E. J. TALBoT [151])

lVletali Tenlperatur in oe D inem'/s

Aluminium ca. 660 2,0. 10- 3


Kupfer ca. 1083 1,0. 10-3
Nickel ca. 1452 0,4. 10-3

Temperatur Man erkennt, daß das Wasserst.off-


7500 oe 700 500 JOO 200 700 atom (bzw. Proton?) bei tiefen Tem-

'0~\
-J
peraturen (bis etwa 200°C) im Alumi-
nium praktisch nicht diffundiert 1,
-4
während es bei diesen Temperaturen in
~1,
-'J · Kupfer und Nickel schon ziemlich leicht
*c::, -5 beweglich ist.
=
o ,~\ Bei höheren Temperaturen ist es ge-
-6 rade umgekehrt und kurz unterhalb
~Al ~;
- 7
~, der Solidustemperatur ist laut Tab. 11
der Wasserstoff im Aluminium beweg-

-8 5
\ ,,
'\
Ni' licher als in den anderen Metallen.
Bei 600°C diffundiert der Wasser-
10 7S 20
7O";T stoff im festen Aluminium bereits so
Ahh. 53. Diffusionskoeffizient D für die Dif- schnell, daß 98% des Wasserstoffs aus
fusion von "1'" asserstoff in Alunliniulll, Kup- einem Zylinder von 10 mm Durch-
fer lind Nickel (nach C. E. RANHLEY 11.
D. E. J. TALBOT [151]). messer in 10 Minuten herausdiffun-
" D 0_ Diffllsionskoeffizient diert, wenn man den Partialdruck des
• D -- lJ"p-RT- gemessen in em'/s; 'Vasserstoffs an der Oberfläche der Probe
D o ~ 'Freqllenzfaktor
auf praktisch Null bringt (durch An-
wendung von Vakuum).
Bei Temperaturen unter ca. 400°C haben W. EICHENAUER und
A. PEBLER [148] eine wesentlich höhere Beweglichkeit des Wasserstoffs
gefunden als C. E. RANSLEY und Mitarbeiter. Auf die Gründe für die
großen Unterschiede in den Meßwerten der beiden Autorengruppen wer-
den wir weiter unten eingehen (s. S. 77).

1 Nach den Ergebnissen von C. E. RANSLEY und D. E. TALBOT [151] errechnet


sich für den 'Vasserstoff bei O°C eine mittlere Wanderungsgeschwindigkeit von nur
ca. 10- 17 crnls, waR praktisch vernachlässigbar ist.
10- 17 cm/s ist ein reiner Rechenwert. Die kleinste Entfernung, die ein Wasser-
stoffatom zurücklegt, ist ein Sprung von einem ZwiRchengitterplatz zum nächsten
(größenordnungsmäßig 10-8 cm). Durch die kleine Sprungfrequenz wird dann erst
die oben erwähnte sehr geringe 'Vanrlerungsgeschwindigkeit bewirkt.
Lit. S. 193] 2. Nichtmetallische Verunreinigungen 73

2.0 Geometrische Anordnung des Wasserstoffes im Aluminium

2.51 Entstehung von Blasen und Poren bei der Erstarrung

In der Schmelze dürfte der Wasserstoff gleichmäßig verteilt vor-


liegen, mit Ausnahme einer gewissen Anreicherung nahe der Oberfläche
der Schmelze sowie an eingeschlossenen Oxydpartikeln.
Wird eine gashaltige Schmelze abgekühlt, so wird der übersättigt vor-
liegende Wasserstoff im allgemeinen in Blasenform ausgeschieden, falls
die zur Verfügung stehende Zeit dazu ausreicht. Bei der Erstarrung
erfolgt gem. Abb.50 ein drastischer Rückgang der Löslichkeit des
Wasserstoffes.
Die Ausscheidung von übersättigtem Wasserstoff kann während der
Erstarrung am ehesten durch Blasenbildung in der Schmelze erfolgen.
Da die Erstarrungsfront oft stark zerklüftet ist, sind solche Blasen viel-
fach im Gußgefüge als Poren wieder zu erkennen.
F. N. RHINEs [165] sowie E. J. WHITTENBERGER u. F. N. RHINEs
[247] haben die Abscheidung des überschüssigen Wasserstoffes aus
Schmelzen bzw. während der Erstarrung eingehend untersucht. Nach
ihren Ergebnissen ist die Blasenbildung in der Schmelze von zwei
Faktoren bestimmt: nämlich von der Keimbildung und dem Wachstum
der Blasen.
2.511 Keimbildung. Die Keimbildung wird gemäß der THOMPSON-
sehen Formel mit abnehmendem Blasendurchmesser durch die Ober-
flächenspannung erschwert [38], wie auf S. 66 bereits erwähnt.
Daß die Keimbildung von Blasen bei der Erstarrung zustandekommt,
ist auf folgende beiden Faktoren zurückzuführen:
I. Volumenschrumpfung während der Erstarrung
H. Starke Übersättigung an Wasserstoff
1. Volumenschrumpjung während der Erstarrung. In Abb.54 wird
schematisch der Fall beschrieben, daß ein zusammenhängendes Schmelz-
volumen ringsum durch Erstarrungsfronten umgeben ist. In diesem Fall
entsteht nur ein einziger Hohlraum, und zwar dort, wo der geringste
hydrostatische Druck herrscht, und außerdem an der Grenzfläche flüssig!
fest, wo die Oberflächenspannung niedriger ist.
Sobald aber dieser Hohlraum entstanden ist, wird im allgemeinen in
demselben Volumenelement der Schmelze kein zweiter Hohlraum ent-
stehen, sondern der vorhandene Hohlraum wird weiterwachsen.
11. Starke Obersättigung an Wa8serstoU. Je höher der Gasgehalt, um
so größer wird die Wahrscheinlichkeit, daß an zahlreichen Stellen der
Erstarrungsfront molekularer Wasserstoff ausgeschieden wird. Ob dies
74 A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze [Lit. S. 193

jedoch eintritt, hängt weitgehend von den Erstarrungsbedingungen und


vom Legierungstyp ab.

2.512 Wachstum der Wasserstoffblasen. Die siebenprozentige Vo-


lumenabnahme beim Erstarren tritt als großer Lunker auf, wenn der Gas-
gehalt niedrig ist, bzw. als feine Porosität über den gesamten Quer-
schnitt, falls der Gasgehalt hoch genug liegt.
Ausmaß und Verteilung der Porosität hängen außer vom Gasgehalt
von einer Reihe anderer Faktoren ab, von denen
Schrumpflunker die wichtigsten im folgenden genannt sind:
{mit Wasserstoffgefii/lt!
Breite des Erstarrungsintervalles. Je breiter das
Erstarrungsintervall, um so mehr wird dem über-
sättigten Wasserstoff Gelegenheit gegeben, sich im
erstarrenden Gefüge auszuscheiden.
Dies ist der Grund, weshalb man bei hoch-
Schmelze ersfarrfes A[
festen Legierungen mit breitem Erstarrungsinter-
Abb. 54. Entstehung eines
Hohlraumes durch Volu- vall den Gasgehalt möglichst tief hält, um beim
menschrumpfung beim Er- Durchlaufen des Temperaturbereichs zwischen
starren (nach F. N. RRINES
[165]). Liquidus- und Solidustemperatur das Entstehen
von Gasporen möglichst zu unterbinden, welche
bei diesen rißempfindlichen Legierungen als Kerbstellen besonders störend
wären [224].
Erstarrungsgeschwindigkeit. Diese spielt eine besondere Rolle. Eine
gleichmäßig verteilte Porosität erhält man nur bei mittlerer Erstarrungs-
geschwindigkeit. Bei zu niedriger Erstarrungsgeschwindigkeit entweicht
der Wasserstoff teilweise in Blasenform in die Schmelze, bei hoher
Erstarrungsgeschwindigkeit bleibt der übersättigte Wasserstoff weit-
gehend auf Zwischengitterplätzen oder in feinen Agglomeraten.
Bei Reinaluminium kann man ungefähr die Regel angeben, daß ein
Entgasen eintritt, wenn die Erstarrung langsamer als mit einigen Zenti-
metern pro Minute erfolgt. Daher gibt relativ gasreiches Metall von z. B.
0,5 cm 3 jl00 g beim Vergießen von Masseln Wasserstoff ab.
Druck. Mit zunehmendem Druck nimmt der Durchmesser der Poren
stark ab.
Folgende Faktoren beeinflussen die Form der Poren:
Gas, welches in der Schmelze ausgeschieden wird, tritt in annähernd
kugelförmigen Poren auf.
Bei der Erstarrung entsteht die Gasporosität an Korngrenzen und
teilweise auch zwischen den Dendritenarmen [247].
Gas, welches gegen Ende der Erstarrung im Resteutektikum frei wird,
erzeugt zwei verschiedene Arten von Poren (I und II) :
Lit. S. 193] 2. Nichtmetallische Venmreinigungen 75

1. Tetraederförmige Poren entstehen im Bereich des Zusammentreffens


von vier Körnern. 1 Dies ist beim Vergießen von Gußlegierungen in
Kokillen oder als Druckguß die wünschenswerte Art der Porosität, da
eine solche Pore keinen für Gas durchlässigen Zugang zu einer Nachbar-
pore hat.
H. Nachdem die erwähnten tetraederförmigen Poren mit Gas gefüllt
sind, ist im Hinblick auf Oberflächenspannung der energetisch nächst-
günstige Platz die Berührungszone zwischen drei Körnern, wobei die
Porosität in der Form von Kanälen mit prismatischem Querschnitt zu-
st.ande kommt.. 2 Diese Porosität ist weniger erwünscht und tritt bei
hohen Gasgehalten auf.
Somit kann man je nach dem Gasgehalt vier verschiedene Arten von
Lunkern unterscheiden:
Kein oder sehr niedriger Gasgehalt : ein großer Schrumpflunker
Mittlerer Gasgehalt : fein verteilte Tetraeder-Poren
Hoher Gasgehalt : prismatische Kanäle
Sehr hoher Gasgehalt : Vorherrschen von kugelförmigen Poren, da die
Gasausscheidung weitgehend in der Schmelze erfolgt. Außerdem: ver-
einzelte größere Lunker.
Außerdem haben die Erstarrungsbedingungen einen starken Einfluß
auf die Entstehung von Hohlräumen im Gußgefüge (s. dazu S. 151 u.
S.182).

2.52 Anordnung des ausgeschiedenen Wa8serstoUs im erstarrten Gefüge.


Beobachtungen über das Auftreten feiner Poren.
In den meist.en Fällen ist ein Teil des Wasserstoffgehalt.es in mole-
kularer Form in Poren oder in faserartigen Ansammlungen ausgeschieden.
Die genannten Wasserstoffausscheidungen entstehen nicht nur beim
Erstarren sondern auch im festen Zustand (bei Gasaufnahme oder bei
einer Umlagerung des vorhandenen Wasserstoffgehaltes innerhalb des
Gefüges, z. B. im Verlaufe einer Glühung).
Das Verhältnis zwischen atomar und molekular vorhandenem Wasser-
stoff ist nur in wenigen Ausnahmefällen bekannt (z. B. dann, wenn eine
Probe offenbar keinen molekularen Wasserstoff enthält, wofür aber der
Beweis fast immer fehlt.) Auch die Ansicht, daß der gelöste Wasserstoff
als Proton in Zwischengitterplätzen auftritt, ist. bis heute noch nicht ein-
deutig experimentell belegt.
1 Dies kann man sich einfach veranschaulichen, wenn man die Spitzen von je
zwei Fingern gegeneinanderdrückt, wobei die gestreckten Hände etwa senkrecht
zueinander stehen.
~ Um dies zu veranschaulichen, legt man einen Finger einer Hand auf die
Berührungslinie zweier Finger der anderen Hand.
76 A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze [Lit. S. 193

Somit zeigt es sich, daß die Anordnung des Wasserstoffs im Alu-


minium noch relativ unklar ist. Dies erkennt man insbesondere dann,
wenn man die Wechselwirkung zwischen gelöstem und dem in Poren aus-
geschiedenen Wasserstoff ins Auge faßt.
Die gasgefüllten Poren, von denen bisher die Rede war, kommen in
erster Linie bei langsamer Erstarrung und/oder bei stark gashaltigem
Metall vor. Poren dieser Art können mit etwa 10- bis 100facher Ver-
größerung - oft schon mit bloßem Auge - an Querschliffen leicht.

r
... _.' ... .. o

,
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'a
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®
I
230:1 230: 1
Abb. 55 a u. b. Auftreten kugelförmiger Hohlräume im Stranggußgefüge von Al 99,2. ];Iektrolytisch
polierter Schliff (nach D. E. J. TALBOT U. D. A. GRA~GER [153]).
a) Gußgefüge ohne thermische Behandlung. Durchmesser der Hohlräume etwa 2 iJ.m; b) 12 Stunden
bei 580 oe geglüht. Durchmesser der Hohlräume etwa 5 iJ.1ll.

erkannt werden. Neuere Untersuchungen haben nun aber gezeigt, daß


auch bei tiefen Gasgehalten (0,1 bis 0,15 cm 3 /100 g) und sogar im
gekneteten Gefüge in allen praktischen Fällen eine sehr große Anzahl
feinster Poren vorliegt, welche für die Diffusion des Wasserstoffs aus-
schlaggebende Bedeutung haben. Vor kurzem haben D. E. J. TALBOT
und D. A. GRANGER das Auftreten kleiner kugelförmiger Hohlräume im
Stranggußgefüge genauer untersucht [152, 153]. Wie in Abb. 55a erkenn-
bar, haben Poren dieser Art einen Durchmesser von einigen [Lm. Nach
hinreichend langer Glühung des Materials im Vakuum bei z. B. 600 oe ver-
schwinden die Poren vollständig, wobei die notwendige Glühzeit mit ver-
ringerter Probendicke stark abnimmt. Nach einer Glühung von Strang-
gußbarren bei z. B. 580 oe in Luft vergrößern die Hohlräume ihren
Durchmesser. Dies ist nach D. E. J. TALBOT und D. A. GRANGER darauf
zurückzuführen, daß übersättigt gelöster Wasserstoff aus dem Matrix-
gefüge in die Hohlräume eindiffundiert, wo er in molekularer Form zur
Ausscheidung kommt.!

1 Die in Abb. 55a sichtbaren feinen Poren können durch einen Kompressions-
test nicht erkannt werden, wohl aber die in Abb. 55b wiedergegebenen dilatierten
Poren [335]. (Beim Kompressionstest findet je eine Dichtemessung vor und nach
einer kräftigen Stauchverformung bei z. B. 500°C statt [151]).
Lit. S. 193] 2. Nichtmetallische Verunreinigungen 77

Auch ohne eine solche Hochglühung kommt der übersättigte Wasser-


stoff offenbar zu einem merklichen Anteil in diesen Poren in molekularer
Form zur Ausscheidung [153].
Bei einem Gefüge dieser Art wird die Diffusion des Wasserstoffs ins-
gesamt verlangsamt, da nur ein Teil des Wasserstoffs über Zwischen-
gitterplätze frei diffundiert.
Die von C. E. RANSLEY und Mitarbeitern [151, 156] ermittelten
Diffusionskonstanten wurden an Gefügen festgestellt, welche die in
Abb. 55 erkennbaren Poren enthielten.
W. EICHENAUER und A. PEBLER [148] haben vor Versuchsbeginn ihre
Proben im Vakuum entgast, worauf anschließend die Diffusion des
Wasserstoffes in relativ schwach begasten Proben ermittelt wurde. Hier-
bei dürfte der Wasserstoff ausschließlich über Zwischengitterplätze diffun-
dieren. Dies erklärt, warum W. EICHENAuER und A. PEBLER andere
Diffusionskonstanten gefunden haben als C. E. RANSLEY und Mitarbeiter.
Jedoch sind die Ergebnisse der letzgenannten Autorengruppe praxisnah,
da im Gefüge technischer Gußstücke und im daraus hergestellten Halb-
zeug die erwähnten Poren vorliegen. l
Poren ähnlicher Art sind früher auch bereits von anderen Autoren
festgestellt worden [157 bis 160]. C. RENON und J. CALVET haben das Auf-
treten von Poren bei Reinstaluminium sowie bei diversen Legierungen,
insbesondere bei AICu- sowie AlCuMg-Legierungen, eingehend unter-
sucht [157]. Sie fanden, daß es einer sorgfältigen metallographischen
Technik bedarf, um die Poren sichtbar zu machen (Überschleifen mit
Diamantpulver, anschließend vorsichtiges elektrolytisches Polieren).
C. REN ON und J. CALVET berichten, drei Arten von Poren im Gefüge fest-
gestellt zu haben, welche sich durch ihren Entstehungsmechanismus und
ihr Verhalten, z. B. bei einer Glühbehandlung, deutlich voneinander
unterschieden.
Die erste Sorte von Hohlräumen wird auf Gasporen aus dem Guß-
gefüge zurückgeführt und tritt z. B. typisch bei Reinstaluminium
Al 99,99 auf.
Die zweite Sorte wird auf Kondensation von Leerstellen zurück-
geführt und wurde z. B. bei Aluminium-Kupfer-Legierungen bis ca. 5%
Kupfergehalt beobaehtet.
1 Es kann vorerst noch nicht gesagt werden, ob diese Erklärung die Diskrepanz
der Meßwl1l'te der beidoll genannten Autorengruppen vollständig klärt. In Abb. 68
erkennt man z. B., daß allem Anschein naeh Wasserstoff bei ca. 400 oe relativ leicht
durch Aluminium hindurchdiffundiert, wobei es sich um ein industriell hergestelltes
Blech und somit um ein mit Poren behaftetes Gefüge handelt. Unter den Versuchs-
bedingungen, welche der Abb. 68 zugrunde liegen, ist es allerdings möglich, daß das
"\ngebot an Wasserstoff an der Blechoberfläche so groß ist, daß innerhalb des
Diffusionsweges die Poren ein Maximum an molekularem \Vasserstoff aufgenommen
haben ((1. h. der Druck des \Yassprstolfpsin den Poren erreicht den Gleichgewichtswert ).
78 A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze [Lit. S. 193

Die dritte Sorte tritt bei stark heterogenen Legierungen unmittelbar


benachbart von groben Einlagerungen auf, speziell bei der Verformung.
Einige von C. RENON und J. CALVETan Reinstaluminium erhaltene
Ergebnisse sind in Tab. 12 wiedergegeben (Gasporen).

Tabelle 12. Gasporen in Reinstaluminiumproben (nach O. RENON U. J. OALVET [157])


Poren

I
mittlerer PorenvoI.
Zustand des Metalls Anzahl pro Durch- ----·10·
10 mm' messer Gesamtvol.
I inl/-m

Gußgefüge (langsam erstarrter Kokillen-


guß)
Unterteil des Gußteils (zuerst erstarrt) 524 3,7 5,6
Gußkopf (zuletzt und somit besonders
langsam erstarrt) 371 5,0 7,3
Vor dem Abwalzen 302 5,2 6,4
Nach dem Kaltwalzen von 1,75 auf
0,21mm 288 3,95 3,4
Material, das auf 1,85 mm warmgewalzt
wurde, wobei die Anwärmbedingungen
vor dem Warmwalzen wie folgt variier-
ten:
9 Tage 460°0 = Tl 229 2,7 1,3
7 Tage 525°0 = Tz 284 2,3 1,2
10 Tage 545°0 = Ta 246 2,9 1,6
Ein Blech, das gemäß thermischer Vor-
geschichte Ta warmgewalzt wurde, wurde
wie folgt weitergeglüht
63 Tage 460 °0 241 2,9 1,6
3 Tage 545°0 250 3,1 1,9
28 Tage 635 °0 267 3,0 1,9
Industriell hergestelltes Blech, Dicke
0,5mm 548 1,75 1,3

Je langsamer die Erstarrung erfolgt, desto größer ist der Durch-


messer dieser Poren und desto kleiner ihre Anzahl. Beim Abwalzen ver-
schwinden die Poren nicht, sondern werden lediglich zusammengedrückt.
Im langsam erstarrten Gußgefüge beträgt die Porosität größenordnungs-
mäßig 0,5%0' durch das Abwalzen geht sie auf ca.O,1 bis 0,3%0 zurück
in Übereinstimmung mit der Porosität in industriell hergestellten Reinst-
aluminiumblechen.
Wesentlich andere Ergebnisse wurden bei Aluminium-Kupfer-
Legierungen erhalten. Wie aus Tab. 13 und Abb. 56 zu entnehmen ist,
durchläuft beim Glühen von Blechen bei 525 bzw. 545°C die Porosität
mit der Glühzeit ein Maximum, um anschließend nach und nach ganz zu
Lit. s. 1931 2. Nichtmetallische Verunreinigungen 79
E 1600r----,-------,----:::-::;;;;r------,-----r----,
E
~
<::
1Z00--
~
~ ~O~~~--_+~~~_+~~~_+---_+---_1
~ ,,-
~ *00-
::!
""

U1~?4 0.01 0.1 1


Glühteif
tJ 100 h 11J1JO
I
Abb. 56. Einfluß einer Glühbehandlung bei 525 oder 545°C auf die Porosität von Blechen aus eiuer
Legierung mit 4,75% Cu, zugesetzt zu Reinstaluminium. Blechdicke 1,85 mm (nach C. RENON U.
J. CALVET [157)).

Tabelle 13. Verhalten von Poren ent8tanden durch Kondensation von Leer8tellen während
einer GlülWehandlung bei 525 bzw. 545°0. Legierung: 4,75% Ou zuge8et;!.t zu Reinst-
aluminium (nach O. RENON U. J.OALVET [157])
Poren
Temperatur und mittlerer Porenvol.
Zustand des Metalls Dauer der Glüh- Anzahl pro Durch- --:G=--e-sa-m""'t'--v--:ol:-. . 10'
behandlung 10 mm' messer
inlLm

Blechdicke 1,85 mm 545°0


0 0
25 s 600 1,7 1,4
10min 1370 2,53 6,9
1 Std. 1170 3,32 10,1
4 Std. 238 5,27 5,2
6 Std. 99 4,95 1,9
10 Std. 6 5,25 0,13
24 Std. 0 0
525°0
50s 271 1,96 0,8
10min 658 2,46 3,1
30min
1 Std. 1080 3,64 11,3
2 Std. 965 3,63 10,1
6 Std. 565 4,33 8,3
4Tg. 98 7,35 4,2
7Tg. 0 0
Blechdicke 0,48 mm 35s 4 1,6 0,008
2min 6
10min 8
30min 16 2,1 0,057
1 Std. 31 2,1 0,11
11/2 Std. 21 1,6 0,042
2 Std. 0 0
80 A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze [Lit. S. 193

verschwinden. Das Zeitintervall bis zum Verschwinden der Porosität bei


z. B. 525°C geht mit verringerter Blechdicke sehr stark zurück (Tab. 13).
Schließlich haben C. RENON und J. CALVET das Verhalten solcher
Hohlräume untersucht, welche während des Abwalzens von stark hetero-
genen Legierungen in der Nähe sprö-
0 der Einlagerungen entstehen. In
f
I

Abb.57 erkennt man, daß mit zuneh-


I
I mendem Abwalzgrad die Anzahl sol-
0 cher Hohlräume ein scharf ausge-
prägtes Maximum durchläuft. Aus
) \Abb. 58 ist zu entnehmen, daß Hohl-

\
0 räume dieser Art durch anschließende
,/ Erwärmung zum Verschwinden ge-
" bracht werden können.
""
\
Zur Erklärung der in Abb. 55 bis 58
'" " wiedergegebenen Phänomene hat man
",'"
/'" die Hohlräume als Quellen bzw. Senken
25 50 75 % TOO für Leerstellen zu betrachten. Außer-
Kollverformungsgrad dem ist der Einfluß der Probenober-
*
! !

1M5mm 1Z
8
Dicke
o fläche und der auf ihr befindlichen
Abb.57. Entstehen und Verschwinden von
Oxydhaut zu beachten. Je dünner die
Hohlräumen während des Abwalzens einer untersuchten Proben sind, um so
Legierung mit 6% Cu, zugesetzt zu Reinst-
aluminium (nach C. RENON u. J. CALVET
leichter können durch Glühung die
[157]). Hohlräume zum Verschwinden ge-
bracht werden.

16Z -Anzahl der Poren vor Beginn der ü/ühbehand/ung


1501-~----,---...,---.....,.---...,---,
5H"C

Abb. 58. Einfluß einer Glühbehandlung auf die Porosität in der Nachbarschaft spröder Einlagenmgen
in einer Legierung mit 6% Cu, zugesetzt zu Reinstaluminium. Blechdicke 1,41 mm (nach C. RENON
u. J. CALVET [157]).
Lit. :-:l. 19:~J 2. Nichtmetallische Verunreinigungen 81

Das stark unterdchiedliche Verhalten der kupferhaitigen Legierungen


gegenüber Reinstaluminium bezüglich des Verhaltens der Poren bei einer
Glühbehandlung könnte z. B. mit. einer unterschiedlichen Struktur der
Oxydschicht oder mit einer Wechselwirkung zwischen Kupferatomen
nnd Leerst.ellen in Zusammenhang gebracht werden.

2000:1
Abb. ;,)H. "ThermopHs" auf lier Oberflä.che yoll langsarn abgekühlten l~inkrb-;tallen aus Rein~t·
alttminium (n<1"h P. Je. DOHEHTY tt. P,. S. DAVIS [159]).

Kupferzudätzc ZU Aluminium lockern die Struktur der Oxydhaut


auf [163].
P. E. DOHERTY und R. S. DAVIS haben darauf hingewiesen, daß Poren,
wie sie z. B. in Abb. 55 erkennbar sind, durch die Kondensation von Leer-
8tellen während bzw. unmittelbar nach der Erstarrung zustande kom-
men [159]. Die genannten Autoren haben eine Technik entwickelt, durch
Beobachtung einer Aluminium-Oberfläche während einer Glühbehand-
lung oder nach der Erstarrung die Kondensation von Leerstellen in Hohl-
räumen nahe unter der Oxydhaut festzustellen ("Thermopits",
s. Abb. 59). Jeder dieser "Thermopits" ist von (l11)-Flächen begrenzt.
'l'hermopits dieser Art treten z. B. auf, wenn ein grobkörniges Gefüge von
z. B. 500 °C auf ca. 450 °C abgekühlt wird, wobei die übersättigten Leer-
stellen sich in den Thermopits kondensieren.
Wie in Abb. 60 erkennbar, treten in der Nähe einer Gußpore keine
Thermopits auf, woraus gcschlossen werden kann, daß die übersättigten
I.eerstellen durch einen vorhandenen Hohlraum (oder durch andere freie
Oberflächen) abgesaugt werden [158,161].
Umgekehrt kann man folgern, daß in einem Gefüge, das keine großen
Poren aufweist, die übersättigten Leerst.ellen sich in zahlreichen kleinen
Poren kondensieren werden.
Interessant ist in diesem Zusammenhang eine Feststellung von
D. E. J. TALHOT und D. A. GRANGER , wonach bei Reinstaluminium

() Altl'llpohl, Alllllliniulll
82 A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze [Lit. S. 19:3

Poren fast ausschließlich an Korngrenzen auftreten, wenn das Guß-


gefüge einige Zeit bei z. B. 550 °C geglüht wurde (Abb. 61). Die genannten
Autoren erklären diesen Befund damit, daß im Reinstaluminium die
Korngrenzen im Innern des Gefüges bevorzugte Quellen für Leerstellen
sind, während bei Reinaluminium die im Gefüge vorhandenen Hetero-
genitären Phasengrenzfiächen ergeben, welche als Quellen für Leerstellen
fungieren [153]. Dementsprechend treten im Reinaluminium die Hohl-
räume unabhängig von Korngrenzen auf (Abb. 55).



•••
•• • • ...


••
= 175: 1 90: 1
Abb. 60. Fehlen von •.Thermopits" rings um eine Pore Abb. 61. Auftreten von Mikroporosität an
im Gußgefiige von Reinstaluminium (nach P. E. den Korngrenzen von Gußgefüge nach
DOHEI<TY u. R . S. DAVIS [159]). einer Gltihung von 16 Stunden bei 550 oe
mit anschließender Wasserabschreckung.
Relnstaluminium Al 99.99 (nach D. E. J .
TALBOT u. D. A. GRANGER [153]).

Heute richtet sich das Interesse vermehrt darauf, inwieweit Poren


dieser Art eine praktische Bedeutung haben, und zwar nicht nur für die
Blasenbildung beim Weichglühen, sondern voraussichtlich auch für das
Verhalten von Aluminiumhalbzeug bei mechanischer Beanspruchung und
bei Korrosionsangriff [153]. Man wird daher den Ergebnissen weiterer
Untersuchungen mit Interesse entgegensehen.
Von verschiedenen Autoren sind sodann faserartige Anordnungen von
Wasserstoff festgestellt worden , welche oftmals unabhängig von Korn-
grenzen auftreten [114, 163a, 167]. Hierfür werden im folgenden einige
Beispiele wiedergegeben.
C. E. ELLs und J. W. EVANS haben Proben aus Reinstaluminium und
Aluminium-Magnesium-Legierungen im Zyklotron mit Protonen be-
strahlt [163 a]. Die hierdurch bewirkte Steigerung des Wasserstoffgehaltes
führt zu Gasporen , deren Verteilung durch m etallogra phisehe Methoden
untersucht wurde. Es zeigte sich, daß der Wasserstoff in Agglomeraten
kleiner Hohlräume ausgeschieden wird, und zwar teilweise an Korn-
grenzen. Die Ergebnisse sind prinzipiell ähnlich wie die von C. RENON und
Lit. S. 193] 2. Nichtmetallische Verunreinigungen 8B

.J. CALVET, bzw. von D. E. J. TALBOT und D. A. GRANGER. Auffallend ist


der Umstand, daß die mit Wasserstoff gefüllten Hohlräume oftmals in
geradlinig angeordneten Serien auftreten, wie in den Abb.62 bis 64
erkennbar. Wahrscheinlich handelt es sich hier um ähnliche Wasserstoff-
ausscheidungen, wie sie bereits früher bei elektromikroskopischen Unter-
,.;uchungen festgestellt worden sind [114).

. " "

..- * .:" .. , :.., . •. ~' f


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t 'I. ~.

a h
100:1 350: 1
Abb. 62a u. b. Schichtförmige Ansammlung von W,,"serstoff in kleinen Hohlräumen. Reinstalumini-
um, bei 625 oe im Vakuum entgast, anschließend durch Protonenbestrahlung auf einen Wasserstoff-
gehalt von 16 ppm angereichert. Schliff elektrolytisch poliert und zur besseren Sichtbarmachung der
Hohlräume geätzt. Weichgeglühte Proben. (Eine Korngrenze durchläuft das Bild in etwa vertikal)
(nach e. E. ELLS u. W. EYANS [763a]).
h) Vergrößerter Aussehnitt aus Abb. 63a.

70: 1 60:1
Ahb. 63. Wie Abb. 62a und b. jedoch Abb. 64. Wie Abb. 63, jedoch nach der Kaltverformung
Wasserstoffgehalt 22 ppllI und Probe vor 1 Stunde bei 250"e geglüht. Die WasserstolfaHsschei-
der Anreicherung mit 'Vasserstoff 50~{) !lungen wirken als Hindernis für wandernde Korn-
kalt abgcwalzt. Aufnabme in polarisier· grenzen bei der Rekristallisation (nach e. E. ELLS H.
tem Licht nach anodischer Oxydation. W. EVANS [16.1al).
Die poröse Zone verläuft geradlinig durch
mehrere verformte Körner (nach C. I~.
ELIS n. W. EV.\.NS [lf;,)(J]).

fi*
84 A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze [Lit. S. 193

Die Ergebnisse dieser Untersuchungen [163a, 114] werfen eine Reihe


von interessanten Fragen auf, welche noch der weiteren Klärung be-
dürfen. Hierzu gehört dic Frage, ob der Wasserstoff sich ähnlich wie
andere übersättigte Legierungselemente teilweise auf bevorzugten Gitter-

800: 1

240:1

Abb. 65. Reinstaluminium Al 99.99 bei ca. 550 oe weichgegliiht und auf Tuunelbildullg geätzt.
.Ätzung in wässeriger ,NaCI-Lösung nlit Gleichstrom bei anodischer Schaltung der Alunünhnuprobe.
Im unteren Teil der Abbildung erkennt man, daß die Richtung der Tunnels sich jeweils an einer
Korngrenze ändert.
1,2 = Angeschnittene Xtztunnel, die senkrecht (1) bzw. parallel (2) zur Bildebene verlaufen (nach
ALUSUISSE).

ebenen ausscheidet. Die in Abb. 65 gezeigten Ätztunnel treten mit zu-


nehmendem Wasserstoffgehalt verstärkt auf. Dies könnte so interpretiert
werden, daß der ·VVasserstoff sich beiden untersuchten Proben fadenförmig
in perlschnurartig angeordneten Bläschen auf (100)-Flächen ausgeschie-
den hat.
Hier dürfte allerdings die Vorgeschichte des untersuchten Materials
eine ausschlaggebende Rolle spielen. In Abb. 62 bis 65 wird das Verhalten
von vielkristallinem Reinstaluminium beschrieben, das nach starker Kalt-
verformung bei hohen Temperaturen (ca. 550 bis 625°C) geglüht wurde.
Eine Glühung oberhalb ca. 500 oe begünstigt die Agglomeration des
Wasserstoffs in relativ großen Poren (Abb. 55b) bzw. in Kanälen, denn
Lit. S. 193] 2. Kichtnwtallische Verunreinigungen 85

die in Abb.65 erkennbaren Atzkanäle treten nach Glühung oberhalb


ea. 500°C verstärkt auf [182, 183].
In Abb. 66 sind Erge bnisse von L. M. FORSTER und Mitarbeiter wieder-
gegeben, welche die Verteilung des Wasserstoffs an Einkristallen aus
zonengeschmolzenem Reinstaluminium mit Hilfe der Autoradiographie
untersuchten 1 [167].

Abb. 66. Alltoradiographie von Eillkriotallen


aus zonengeschmolzenenl Reinstalmninium. Die
Proben waren mit tritiumha1tigem Was,erstoff
begast worden (nach L. M. FORSTER. A. S.
r
GlJ,LESPIE jr .. T. H .•TACK l!IHI W. W. HILL /1;7]).

Abb. 66a. Verteilung des Wasserstoffs auf


2 Flächen eines Einkristalls parallel bzw. unter
90" zur Wachstumsrichtung (durch Pfeil gekenn-
zeichnet). Die schwarzen Linien und Punkte
kennzeichnen Ansammlullgf'll VOll Tritil111l. a
'" 8:1

b
8,5: 1
66h. TritiulIlverteilung in :2 PruLen gleicher Vorgeschichte (entnollllllCll aus delllt;elLen Ein-
~-\..hb.
kristall). Beide Proben wnr<!"n llIit Hilfe einer Zerreißmasehine bis kmz unterhalb der Zugfestigkeit
belastet.
Die Probe A \vurde nach dew Begasen verformt.
Die Probe B wurde zuerst WrfOl'lllt und danach bei 600 C begast.

1 Somit weisen die IIntf'rmeht.pn Proben ein langsam erstarrtes Gußgefüge auf.
86 A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze [Lit. S. 193

Die Proben wurden im festen Zustand mit tritiumhaltigem Wasserstoff


begast. Man erkennt in Abb. 66a, daß hierbei linienförmige Wasserstoff-
ansammlungen auftreten, deren Richtung keinen Zusammenhang mit der
Wachstumsrichtung des Kristalls oder mit kristallogra phischen Ebenen
erkennen läßt.

c D 8:1
Abb. 66c. In der Probe C wurde die Tritiumverteilung auf Grund der Autoradiographie untersucht.
Teilbild D zeigt dieselbe Probe nach chemischem Glänzen in einer Mischung von H,PO, und HNO,
(R 5·Glänzverfahren).

Werden die Proben im Va-


kuum entgast, so sind bei einer
erneuten Radiographie keine Li-
o. o nien mehr sichtbar. Nach er·
neuter Begasung treten die Linien
o 0-
(9 0 q •• .. bei der Radiographie in etwa am
o
alten Lageort auf.
Vorerst kann man als Arbeits-
hypothese annehmen, daß in
o . ' . _. diesen Proben sich der Wasser-
stoff bevorzugt an Versetzungs-
linien anordnet. In Abb. 66b er-
500:1
kennt man, daß der Wasserstoff
Abb. 66d. Stark vergrößterter Ausschnitt aus
Teilbild D von Abb. 66c. nach einer plastischen Verfor-
mung in Gleitbändern angerei-
chert vorliegt (Probe A).
Abb. 66c zeigt, daß die linienförmigen Anreicherungen des Wasser-
stoffs auch durch chemisches Glänzen sichtbar zu machen sind (Probe D),
wobei sich die Linien bei stärkerer Vergrößerung als Aufreihung kleinerer
Hohlräume erweisen (Abb. 66d).
Lit. ~. 193] 2. Nichtmetallische Verunreinigungen 87

Die Ergebnisse von L. M. FORsTER und Mitarbeiter sind richtungs-


weisend, jedoch ist eine verbindliche Deutung heute wohl noch nicht
möglich.
Der Mechanismus der Entstehung kleiner Hohlräume durch Waflser-

"r.
stoffausscheidung ist im einzelnen noch ungeklärt. C. E. ELLS und
EVANS weisen darauf hin, daß außer der Kondensation von Leer-
stellen auch andere mefallphysikalische Mechanismen in Betracht zu
ziehen sind [163aJ.

2.6 r eränderunl?: des Wasserstoffgehaltes des festen Aluminiums


während des Glühens

Je nach der Glühtemperatur, dem Wasserdampfgehalt der Glüh-


atmosphäre und der Art der vorhandenen Oxydschicht nimmt das
Aluminium (mit normalem Wasserstoffgehalt von ca. 0,1 bis 0,2 cm 3 (
100 g) während einer Glühung Wasserstoff auf oder gibt ihn ab.
Generell dominiert beim Glühen in (wasserdampfhaItiger) Luft unter
500°C die Wasserstoffaufnahme, da unter normalen Glühbedingungen
(Luftglühung) die vorhandene Oxydhaut den Austritt von Wasserstoff
aus dem Metall erschwert, die Eindiffusion dagegen ermöglicht [1491.
Ein durchlässigcr Oxydfilm und/oder höhere Glühtemperaturen
(> 500°C) begünstigen die Abdiffusion von Wasserstoff aus dem Metall.
Verändert sich der vVasserstoffgehalt des Aluminiums im Verlauf einer
Glühung, so hat man in jedem Fall zwei gegenläufige Mechanismen in
Betracht zu ziehen [335]:

I. Wasserstoffaufnahme aus der Glühatmosphäre durch Reaktion


zwischen Wasserdampf nnd Aluminium. Hierbei diffundiert der im status
naseendi freiwerdende vYasserstoff teilweise in das Aluminium hinein.
H. Abdiffusion von \Vasscrstoff durch die Oxydhaut in die um-
gebende Atmosphäre.

Die Vorgänge 1 und 1I können als weitgehend unabhängig vonein-


ander betrachtet werden. An dünnen Proben (Dicke größenordnungs-
mäßig 1 mm) findet man während einer Glühung bei z. B. 550 oe in wasser-
dampfhaItiger Luft oftmals anfänglich eine Zunahme des Was8erstoff-
gehaltes und bei Fortsetzung der Glühung eine deutliche Abnahme des
Wasserstoffgehaltes [153]. Die Veränderung der Porosität zeigt bei einer
,;olchen Glühung eine ähnliche Gesetzmäßigkeit, wie sie Abb. 56 beschreibt.
Befunde dieser Art dürften am ehesten darauf zurückzuführen sein,
daß während der genannten Glühung die Oxydhaut wächst oder ihre
88 A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze [Lit. S. 193

Struktur verändert, was das Verhältnis zwischen Mechanismus I und II


beeinfiußt.l
Eine zuverlässige Verknüpfung zwischen den erwähnten experimen-
tellen Beobachtungen und der Theorie liegt bis heute zwar noch nicht
vor. Immerhin dürfte ein Befund wie der in Abb. 56 wiedergegebene oder
das oft gefundene Maximum der Blasenanfälligkeit bei weichgeglühten
Reinaluminiumblechen im Dickenbereich von ca. 0,5 bis 2 mm mit den
erwähnten Mechanismen in Zusammenhang stehen.

0,81 I I_~ 1f,8 BarrenlI.b.-'---+--+-----j 0.8 f----+--++---1-+------4


cm 3/100 9 Barren!! cm/,110g I
-+----, ":~: : Qfi f---'..-hfL--j-'-'---P--#'----I
I
06 - T- 0.6 f----+--+--!
~' I : I
-I
~{J.1I~- 0 - ~O,~
i5 az
<:5 . - '
--- --_ . . . - jI 0S 0,2f--+--f-++
o I .~ O~~__~-L__~~
0.8 I i§ 0.8r---,-----,~--r------r---,
'/0 ! ~ %
':"'- 0.6 '" "-
o ! ~ 1; 0,& r-u-t-f-1-'l:1-I,-+1-It----4
----.......:;:I~
~2 o.~' ,/
./ -- --1--
I I
i3 O'*f---*-h--+-----'~----4
~'

cl: 0.2 _ geglühfer 8arr~n O,Z


--Barren Im Oußzusfand :
o SO mm 100 lZ5
Absfand van Barrenaberfliiche
Abb.67. Einfluß einer Glühung von Abschnitten aus AICuMg-Barren auf Wasserstoffgehalt und
Porosität.
Porosität durch KOItlpressionstest ermittelt (siehe Fußnote auf S. 76) (nach M. F. JORDAX. G. D.
DENYER u. A. X. 'rURXER [160]).
Barren I - Glühung: 23,5 Std., 490-500°C (Gasofen) / BarrenabItlessung: 1120 x 2S0 x 50 ItllU;
BarrenII undIII - mühung 15Std., 465'C (Elektroofen) / Barrenabmessung: 317 x 127:< 100111m.

In einer Arbeit von M. F. JORDAN, G. D. DENYER und A. N. TURNER


[160] wurden AICuMg-Stranggußbarren auf eine Veränderung von Gas-
gehalt und Porosität bei der Barrenanwärmung untersucht. Trotzdem
alle untersuchten Barren übersättigten Wasserstoff enthielten, trat eine
kräftige Wasserstoffaufnahme sowohl beim Anwärmen in Elektroöfen
als auch in Gasöfen auf (Abb.67). Diese Wasserstoffaufnahme dürfte
teilweise auch mit dem Magnesiumgehalt der Legierung zusammen-
hängen.
Aber auch bei Reinaluminium, welches bereits stark an Wasserstoff
übersättigt ist (ca. 0,2 cm 3 /100 g), tritt beim Glühen an Luft bei z. B.
1 In welcher Weise sich die Oxydschieht hierbei verändert, ist im einzelnen nicht
klar. Einerseits könnte ein Wachstum der Oxydhaut den Vorgang I verlangsamen
(Abdrängen der \Vassermoleküle von den reagierenden Aluminiumatomen). Anderer-
seits erfolgt bei einer Temperatur von 520 bis 5:,)0°C eine Umlagerung des amorphen
Oxyds in y-AJ 2 0 3 [162]. Falls diese Umlagerung die Oxydschicht auflockert, so
könnte dies den Vorgang II beschleunigen, was die genannten Beobachtungen
teilweise erklären könnte.
Lit. R. 193] .) .:\ irhtnlPtallisdw Yerunreinigungen 89

.t50 bis 480 c C eine deutliche Zunahme des Wasserstoffgehalts auf.


H. KOSTRON [146] hat. nachgewiesen, daß dies nicht im Widerspruch zum
SIEvERTsehen Gesetz steht., da der Partialdruck des Wasserstoffs an
der mit dem Wasserdampf der Glühat.mosphäre reagierenden Oberfläche
"whr hoch ist. Außerdem j"t anzunehmen, daß ein erheblicher Teil des bei
einer Vakuumextraktion erfaßten 'Vasserst.offgehalt.s des festen Alu-
miniums in den z. B. in Abb. 55 wiedergegebenen Hohlräumen ausge-
"ehieden vorliegt. In diesen Hohlräumen dürfte ein geringerer Partial-
druck des atomaren "Tasserstoffs herrschen als an der mit. Wasserdampf
reagierenden Oberfläche, an welcher "\Yasserst.offim stat.us nascendi laufend
entstcht. 1
Sehr auffallend ist in Abb.67 die ungleichmäßige Wasserstoffauf-
nahme über den Querschnitt. Hierbei muß daran erinnert werden, daß es
sieh um im rechten 'Winkel zur Gießrichtung entnommene Platten von
ca. 50 bzw. 100 mm Dicke handelte, so daß die Eindiffusion des Wasser-
stoffes hauptsächlich über die Schnittflächen und weniger über die Guß-
haut erfolgte. Die Porosität veränderte sieh bei der Barrenanwärmung
relativ wenig, zeigte aber im allgemeinen eine gewisse, lokal stark unter-
schiedliche Zunahme.
Die Gründe für die in Abb. 67 erkennbaren starken Unstetigkeiten,
z. B. des Wasserstoffgehaltes, sind unbekannt. Als Ursache kommen
Zufälligkeiten im Oberflächenzustand der Proben während der Glühung
oder aber die an StTanggußbarrt'n oft festgestellte unterschiedliche Ver-
teilung der en,tarrten ReHtRchmelze im Gefüge in Betracht. (vgI. z. B.
Abb. 92, S. 131).
Die Art des Oberfläehenfilms hat. einen dominierenden Einfluß auf die
Veränderung df't-; GasgdlaItl's beim Glühen. Wird die Oberfläche z. B.
mit einem Fettstift bestriehen, so begünstigt dies beim Weichglühen die
Eimliffu,;jon ,"on vYasi'erst.off (Abb. 68).

1 Eine ÜberschlagsrC'chnung zeigt, daß z. B. bei 480 ce Glühtemperatur und einer


innf'ren Porosität des gekneteten Gefüges von 0,02% in den inneren Hohlräumen
ca. 1 bis 1,5 cm 3 Wasserstoff/100 g zur Ausscheidung kommen kann, wenn man den
in Abb. 51 wiedergegebenen Entwicklun/!sdruck und den durchschnittlichen Wasser-
stofi"gehalt des gekneteten Gefüges zugrunde legt. Schwer verständlich bleibt aller-
dings, warum der VlTasserstofl" bei aufgelockerter Oxydhaut und Glühtemperaturen
über ca. 500 D e durch die freie Oberfläche abdifTundiert, statt sich in den inneren
Hohlräumen auszuscheiden. Die Erklärung künnte darin liegen, daß mit zunehmen-
der Temperatur die Hohlräume verstärkt als Quellen für Leerstellen fungieren, so
daB die Hohlräume bei Gliihtemperaturen ,"on 7,. B. über 500 0 e an Zahl abnehmen
oder ganz yerschwinden. Dies wird bei Glühung an trockener Luft oder im Vakuum
tatsächlich beobachtet und bedeutet, daß es ein Gleichgewicht zwischen vVasserstoJI
und Leerstellen gibt, welcllP sich gemeinsam in einzeln liegenden oder zeilenfürmig
angeordneten Hohlräumen .. ausscheiden··. Es muß weiteren l'ntersnchungen vor-
behalten sein, hier Klarheit zu s(·haft"en.
HO A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze [Lit. S. 193

Es gibt mehrere Verfahren, durch geeignete Wahl der Glühatmosphäre


die Abdiffusion von Wasserstoff aus dem Aluminium im Verlaufe einer
Glühbehandlung zu fördern.
Ein Verfahren der ALOOA besteht z. B. darin, der Glühatmosphäre
Bortrifluorid zuzusetzen und oberhalb 400 °0zu glühen, wobei der größere
Teil des Wasserstoffes abdiffundieren kann [226].

=1:2
Abb. 68. Rückseite von mit Fettstift beschrifteten Proben nach einer Glühung von 1-6"Stnnden bei
400'0 in Luft. Material: AIRMg 0,5, 0,5 mm dick. Eingetragene Zahlen = Glühzeit In Stunden
(nach ALUSUISSE [334]).

Ein anderes Verfahren besteht darin, das Aluminium oberhalb ca. 480
bis 520 °0 in einem Schutzgas zu glühen, welches einen möglichst tiefen
Taupunkt (z. B. unter 7°0) und einen Sauerstoffgehalt unter 0,2% hat.
Dabei entweicht bis zu HO% des Wasserstoffes [227]. Diese beiden Ver-
fahren werden hauptsächlich zur Verringerung der Porosität von Legie-
rungen angewendet.
Hat man ein Gußgefüge vorliegen, welches kleine Lunker oder Oxyd-
einschlüsse hat (Diffusionszentren für "Wasserstoff), so kann man durch
eine Entgasungsglühung bei 600°0 den nach Abwalzen und Weich-
glühen auftretenden Blasenausschuß deutlich senken [228].
Die bisherigen Erörterungen betrafen den Durchgang von Wasser-
stoff durch Aluminiumoberflächen, welche eine natürliche Oxydhaut auf-
weisen (je nach der angewendeten Glühtemperatur ca. 0,01 bis 0,05 [Lm
dick, s. S. 844 u. f.). Wird die Oxydhaut z. B. durch anodische Oxydation
auf ca. 10 [Lm verstärkt, so werden die weiter oben genannten Reak-
tionen I und II gleichermaßen unterdrückt, d. h. der Wasserstoffgehalt
des Aluminiums ist unabhängig von der Glühatmosphäre. 1

1 Ebenso wirkt ein Eintauchen in oxydierende 8alzschmelzen (s. S. 69).


Lit. S. 193] 2. Nichtmetallische Verunreinigungen 91

2.7 Eindiffusion von Wasserstoff in das Aluminium


bei Korrosionsvorgängen

Bekanntlich diffundiert beim Beizen von Stahl in wäßrigen Lösungen


der entstehende atomare Wasserstoff bereits unter 100°0 in das Metall
ein. Beim Aluminium ist dies nicht der FaIP.
In neuerer Zeit sind allerdings Ergebnisse erhalten worden, welche
darauf hinweisen, daß Wasserstoff bereits bei Raumtemperatur in
Aluminium eindiffundiert, wenn dieses in Gegenwart von Luftfeuchtig-
keit einer Dauerschwingbeanspruchung unterzogen wird. Jedenfalls hat
eine Arbeit von T. BROOM und A. NICHOLSON gezeigt, daß bei Gegenwart
von Luftfeuchtigkeit die Wechselfestigkeit stark zurückgeht, was die
Autoren mit der Eindiffusion von atomarem Wasserstoff in Zusammen-
hang bringen [184]. Der konkrete Beweis hierfür steht aber noch aus.
Im Zusammenhang mit der Korrosionsbeständigkeit von Aluminium
im überhitzten Wasser von Reaktoren wurde die Diffusion des Wasser-
stoffes bei z. B. 300°0 untersucht. W. E. TRAUERT hat nachgewiesen, daß
atomarer Wasserstoff, der an der Metalloberfläche bei der Reaktion
zwischen Aluminium und Wasser entsteht, bei 300 °0 merklich durch
das Aluminium hindurchdiffundiert [185]. W. E. TRAUERT findet
somit bei 300°0 eine erheblich stärkere Diffusion des Wasserstoffes als
diese in der Arbeit von O. E. RANSLEY und D. E. TALBOT beschrieben
und in Abb. 53 wiedergegeben wird [151].
Der Unterschied der beiden verglichenen Untersuchungen besteht
allerdings darin, daß in der Arbeit von W. E. TRAUERT [185] atomarer
Wasserstoff im status nascendi an der Oberfläche reichlich entsteht,
während die Diffusionsdaten von O. E. RANSLEY und D. E. TALBOT [151]
auf molekularen Wasserstoff und seinen kleinen thermisch dissozüerten
Anteil Bezug nehmen.
Bei der Reaktion zwischen Aluminium und überhitztem Wasser von
110 bis 300°0 treten im Inneren des Aluminiums Hohlräume auf, welche
mit molekularem Wasserstoff gefüllt sind. Setzt man dem Aluminium
z. B. 1 % Ni zu, so unterbleibt die Eindiffusion des Wasserstoffs. Es gibt
mindestens drei verschiedene Theorien, um dieses Phänomen zu erklären
[337].
Bei Vorliegen von Kathoden mit niedriger Wasserstoff-Überspannung
(nickelhaltige Heterogenitäten) rekombiniert sich der bei der Korrosion
entstehende atomare Wasserstoff zu H 2 und die Eindiffusion in das

1 Anders ist die Situation, wenn korrodiertes Aluminium geschmolzen oder ge-
schweißt wird: dann reagiert die wasserhaltige Oxydschicht sofort mit der Schmelze
und durch den freiwerdenden Wasserstoff entstehen poröse Schweißnähte [156]
oder gasreiches Metall.
92 A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze [Lit. S. 193

Aluminium bleibt aus. Diese Theorie stammt von J. F. DRALEY und


W. E. RUTHER [187].
K. M. CARLSEN [188] lehnt dagegen die Theorie der Eindiffusion von
Wasserstoff ab und bringt statt dessen eine elektrochemische Theorie vor,
wonach der Korrosionsangriff ausschließlich an Lokalkathoden erfolgt,
was den Einfluß der Nickel-Zusätze auf die Korrosionsbeständigkeit im
überhitzten Wasser erklären solL
W. E. TRAGERT sieht dagegen den Einfluß des Nickels in der Bildung
eines Mischoxydes, welches den Korrosionsablauf verlangsamt [189].

2.8 Einfluß von Verunreinigungen auf den Wasserstoffgehalt.


Mechanismus dpf ßlasenbildung

2.81 Einfluß des Satriumgehaltes

Die Befunde über den Einfluß des Natriums auf das Gleichgewicht
Aluminium-Wasserstoff sind recht widerspruchsvoll [144, 146, 168].
Betrachtet man den Einfluß des Natriums auf den Wasserstoffgehalt
des Aluminiums, so ist grundsätzlich zu unterscheiden, ob nach der
Zugabe von Natrium zur Schmelze noch eine weitere Gasaufnahme statt-
findet oder nicht.
Nach Untersuchungen von C. E. RANSLEY und D. E. J. TALBOT [154]
bildet sich z. B. in natriumhaltigen AlMg-Legierungen eine Verbindung
zwischen Natrium, Aluminium und Silizium. Nur das niehtgebundene
Natrium kann mit Wasserstoff reagieren, wobei eine Verbindung NaH
zustande kommt.
Die Verbindung NaH bildet in reiner Form kleine weiße Kristalle
[154].
Wenn eine stark natriumhaltige Schmelze im Kontakt mit Wasser-
stoff oder Wasserdampf steht, so begünstigt der Natriumgehalt die
Wasserstoffaufnahme der Schmelze. Der Natriumgehalt bewirkt (ähnlich
wie ein Gehalt an anderen Alkali- oder Erdalkali-Metallen) eine locker
strukturierte Oxydhaut auf der Oberfläche der Schmelze, was somit die
Aufnahme von Gas aus der Atmosphäre begünstigt. Außerdem zerreißt
diese Oxydhaut leichter und kann dann in der Schmelze eingebettet
werden [146].
Hat man eine Schmelze völlig entgast, so kann man an der Wasser-
stoffaufnahme durch Reaktion mit dem Wasserdampfgehalt der Luft
unmittelbar ablesen, ob Natrium ohne Bindung an Silizium vorhanden
ist [163]. Analoges dürfte für die Yeränderung des Gasgehaltes beim
Abstehen gelten (Abb. 69).
Lit. S. 193] ~. Xiehtmetallische YE'l'\lllreinigungen 93

Ein Zusatz von ~atrium wird teilweise zum Entgasen von Reinstalu-
minium eingesetzt [149, 169J.
Die Entgasung von Reinstaluminium mit Natrium erfordert z. B.
den Zusatz von 0,05% Na. Nach der Behandlung bleiben etwa 0,01 bis
0,03% Na im ::\Ietall, welehe nötig sind, um den normalerweise vor-
kommenden Wasserstoffgehalt als Natriumhydrid zu binden. Somit
wirkt die "Entgasung" des Aluminiums durch Natriumzusatz nur in-
direkt, d. h., der Wasserstoff wird in
ZB
Wirklichkeit an Natrium gebunden g7cm 3
2,7
und hierdurch (wenigstens teilweise)
2,6 1\
unschädlich gemacht [169].
Die erwähnte Behandlung einer *
2,5 \
_\b V
a_ -
-.:::: 2/f L
Schmelze mit Natrium dürfte ab c::; 13 2,3 \.. /
Sonderfall gelten, der damit zusam-
2,2
v. c
............
menhängt, daß Reinstaluminium sehr 2) / r-.
~
schwer durch Abstelwn oder (,hlo-
rieren zu entgasen i"t. Die Gründe 6 72 78 h24
Absfehdauer
hierfür sind unbekannt (bereits bei
Abb. 6!l. Verhalten von nirhtentga,ten
Zusatz von 0,1% ~Ig geht die Ent- und entgasten Schmelzen während des Ah-
,tehens (teilweise nach C. L. RROOKS [204]).
gasung sehr viel leichter vonstatten
Schmelze,,: X ormules Yerhalten; Srlnllelzc
als bei Al 99,99). 1m allgemeinen i8t b: Vor dem Abstehen entgast: Schmelze
man bestrebt, den Natriumgehalt "0 hat jedoch einen relativ hohen N,üriuJll'
I-'ehalt; Schmelze c: Stark mit Oxyden
klein wie möglich zu halten, vor allem angereiclwrt.
bei AIMg-Legierungen und hoC'hfesten * DichtebestinUllltllgwH'h Yakl1unmlCthode
(verfeinertes R'I'RA {' Hl<~-I)FBIF.FEH-Yer­
Legierungen. !;ohren).

:2.82 Einfluß des O;rydgehaltes

Generell ist der Einschluß von Oxydpartikeln in einer Schmelze


gleichbedeutend mit Aufnahme von Wasserstoff, wobei der Mechanismus
im einzelnen noch nicht klar ist. Oxydeinschlüsse können im Gußgefüge
in verschiedenen Formen auftreten, wobei vor allem die jungen "häu-
tigen" Oxyde geeignet sind, Gas fest zuhalten [148, 149].
Wenn im Aluminium eingebettete Oxydhäute untersucht werden, so
finden sich in ihnen oftmals andere Begleitelemente, z. B. Kohlenstoff
[213], sowie ein geringer WasserstofJ"- und/oder Wassergehalt [149].
Die Erhöhung des Wasserstoffgehaltes dürfte dadurch hervor-
gerufen sein, daß die Oxydpartikel, welche von der Oberfläche ins
Innere der Schmelze gelangen, wa,.;,.;erhaltig sind. (Bekanntlich halten
Oxydhydrate einen Teil ihres 'V"assergehaltes auch noch bei Tempera-
turen von 700 bis 800 oe fest ge hunden.)1
1 BeispielRweise findet man bei den Oxyden auf Cberführungsrinnen trotz der

hohen Temperatur einen merklichen IYassprgehalt.


94 A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze [Lit. S. 193

Es gibt viele empirische Beweise dafür, daß Sauerstoff und Wasser-


stoff in gewissem Ausmaß miteinander gekoppelt im Aluminium auf-
treten.
Filtriert man z. B. Aluminiumschmelze durch ein Bett von kleinen
Tonerdekügelchen, so geht nicht nur der Oxydgehalt, sondern oftmals
gleichzeitig auch der Wasserstoffgehalt herunter [207]. Analoges gilt für
die Filtration durch flüssiges Salz [208].
Die Bindung des Wasserstoffs an Oxyde oder Alkalimetalle könnte
der Grund sein, daß in der Literatur der im Aluminium vorhandene
Wasserstoff manchmal in reversiblen und irreversiblen unterteilt wird
[146]1.
Das Abfiltrieren nichtmetallischer Verunreinigungen ist von A. BUK-
KELEY [209] genauer beschrieben worden. Durch die Entfernung des
Oxydes konnte bei Aluminium-Kupfer-Magnesium-Legierungen teil-
weise eine Verbesserung der Festigkeitswerte oder in einem anderen Fall
eine Verbesserung der Warmverformbarkeit festgestellt werden [209J.
Im allgemeinen wird man allerdings beim Filtrieren nur Oxydpartikel,
welche größer als ca. 10 bis 50 flm sind, erfassen.
Die Frage, ob feine Oxydsuspensionen im frischen Elektrolysemetall
vorkommen, ist von H. SCHMITT u. H. WITTNER [171] sowie A. DOMONY
[301] erörtert worden. Es ist jedoch schwierig, hierüber eindeutiges experi-
mentelles Material zu erhalten.

2.83 Bestimmung des Oxydgehaltes

Die Oxydbestimmung im festen Aluminium ist darum eine schwierige


Angelegenheit, da das Oxyd meist in Nestern auftritt. Oftmals wird in
Knetlegierungen ein Oxydgehalt zwischen 0,001 und 0,01 % gefunden,
wobei die genannten Werte u. U. in ein und derselben Probe vorkommen
können.
Zur Bestimmung des Oxydgehaltes gibt es zahlreiche Methoden: vor
allem eignet sich als Analysenmethode die Auflösung des Aluminiums in
Brommethanol (oder Jodmethanol) bzw. in trockenem HOl-Dampf. Bei
der letztgenannten Methode bleiben nur die wasserfreien Oxyde ungelöst
zurück, während bei der von O. WERNER angegebenen Brommethanol-
Methode auch die wasserhaltigen Oxyde erfaßt werden. Eine Übersicht

1 Inwieweit die Bindung des Wasserstoffs an Oxyde die durch Vakuumextrak-


tion oder anderen Verfahren ermittelte Gleichgewichtslöslichkeit des Wasserstoffs
im Aluminium beeinflußt, muß noch eingehender untersucht werden. V. P. IVANov
und A. G. SPASKIJ glauben nachgewiesen zu haben, daß die Wasserstofflöslichkeit
von oxydfreiem Aluminium wesentlich geringer ist, als diese z. B. in Abb. 50 und 51
angegeben wurde [336].
Lit. S. 193] 2. Xichtmetallische Verunreinigungen 95

über analytische Verfahren zur Oxydbestimmung im Aluminium geben


H. NOVOTNY und H. PONAHLO [231e].
S. BERTOLDI und F. CASALVOLONE [173] haben das Verfahren zur
Oxydbestimmung yon 0. WERNER [174] verbessert und vor allem auf
Gußlegierungen mit hohem Siliziumgehalt angewandt. Die Autoren
t>rhielten gut reproduzierbare Werte und kamen zu dem Schluß, daß
das Verfahren sich eignet, die bei der Aufarbeitung von Schrott an-
gewandten Raffinationsverfahren auf ihre Wirksamkeit zu kontrollieren.
Der typische Oxydgehalt beträgt im Hüttenmetall 0,01 bis 0,02% und
in einer Legierung mit 13% Si ca. 0,05% Al 2 0 a [173].
Ein neuerdings angewandtes Verfahren zur Ermittlung des Oxyd-
gehaltes in Schmelzen ist die Anwendung von Ultraschall: bei stark oxyd-
haitigen Schmelzen fällt das Bodenecho weitgehend fort [210]. Diese
Methode hat starke Beaehtung gefunden, denn bisher war es nicht mög-
lich, die .. Sauberkeit'· einer Schmelze vor dem Vergießen zu beurteilen
[211].
Bei der Herstellung und Untersuchung von Schmelzen, die künstlich
mit Oxyden angereichert wurden, gibt es manche Schwierigkeiten.
Vor allem ist es recht mühsam, reproduzierbare Mengen von Oxyd in
eine Schmelze einzubringen. Hierzu eignet sich z. B. Einschmelzen von
Blechen mit einer dünnen zuvor anodisch aufgebrachten Oxydschicht.
Diese kann sogar in einem Elektrolysebad mit einem kleinen radioaktiven
Zusatz hergestellt sein, so daß man in dem erstarrten Gefüge durch Auto-
radiographie die Verteilung der Oxyde ermitteln kann. Sodann kann
man auch durch längeres Durchleiten von Stickstoff in flüssiges Alumi-
nium steigende Oxydgehalte einbringen und Schmelzen erhalten, welche
für Ultraschall nicht mehr durchgängig sind 1 [212].

2.84 Einfl1lß dil'erser Verunreinigungen auf die Blasenbildung


beim Weichglühen

Beim Glühen von kaltgewalzten Blechen (Dicke 0,5 bis 5 mm) treten
gelegentlich Blasen auf, verursacht durch die Eindiffusion von über-
sättigtem Wasserstoff in geeignete Diffusionszentren. Diese Blasenbildung
tritt vor allem bei unsauberem Metall auf (hoher Oxyd- und/oder Wasser-
stoffgehalt ).
Es gibt verschiedene Ursachen für die Blasenbildung in gekneteten
Aluminiumwerkstoffen.

1 Das _-Uuminiumoxyd entsteht hierbei wohl hauptsächlich durch Zerreißen


der Oxydhaut beim Austritt der Stickstofl"blasen aus der Schmelzoberfläche in die
Luft.
96 A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze [Lit. S. 193

Der wichtigste Mechanismus der Blasenbildung besteht in der An-


sammlung von Wasserstoff an freien inneren Oberflächen. Solche können
beispielsweise durch Schrumpflunker, durch Hohlräume in der Nähe
harter Einlagerungen, durch Oxydnester, durch Anschmelzungen bei der
Lösungsglühung aushärtbarer Legierungen oder durch Plattierfehler ent-
stehen.
H. KosTRoN hat den Ablauf der Blasenbildung rechnerisch genauer
untersucht. Wir verweisen auf die Originalarbeit [146].
Die Wasserstoffaufnahme aus der Glühatmosphäre - z. B. beim
Weichglühen oder Lösungsglühen von Blechen - begünstigt die Blasen-
bildung. Der Einfluß des ursprünglichen Wasserstoffgehalts der Schmelzc,
aus der der Barren gegossen wurde, wird so unter Umständen verwischt.
Die Grenzflächenbildner - Poren, Einschlüsse, Lunker - werden als
"Blasenkeime" bezeichnet. Bei Vorhandensein sehr aktiver Blasenkeime
führt ein viel kleinerer Wasserstoffgehalt zur Blasenbildung, als wenn
weniger aktive Keime vorhanden wären. Es ist deshalb schwierig, Grenz-
wasserstoffgehalte anzugeben, unter denen keine Blasenbildung zu be-
fürchtcn wäre.
Ebenso schwierig ist die Definition eines "aktiven" Blasenkeims. Die
in Abb. 55 wiedergegebenen Hohlräume von einigen [J.m Durchmesser
dürften als Blasenkeime kaum in Betracht kommen, da sie ja praktisch
in allen Blechen vorhanden sind. Vielmehr dürften die durch ungeeignetE'
Gießtechnik entstandenen Grenzflächen (Oxydeinschlüsse oder größere
Gußporen) in vielen Fällen die aktiven Blasenkeime ergeben (siehe dazu
S. 157). Daß der in einen Hohlraum von mehr als 1 mm Durchmesser
eindiffundierende Wasserstoff während einer Glühung einen "Blasen-
deckei" von maximal einigen mm Dicke hochheben kann, wird anhand
von ALb. 51 ohne weiteres verständlich. Der Innendruck in der Blase
kann bei den üblichen Glühtemperaturen und Wasserstoffgehalten 10 bis
100 kp(cm 2 betragen.
Der Einfluß der nichtmetallischen Verunreinigungen auf die Blasen-
bildung ist noch weitgehend ungeklärt. Insbesondere ist der Einfluß von
Karbiden, Phosphiden und Nitriden noch Gegenstand der Diskussion
bzw. weiterer Untersuchungen [171].
Auch ist außer dem Natrium das Kalzium [171] oder das Kalium in
Wechselwirkung mit dem Wasserstoff von Interesse, wobei nach einer
neueren Untersuchung das Kalium bezüglich Blasenbildung eine wesent-
lichere Rolle zu spielen scheint als das Natrium [172]. Dies kann aber
wohl kaum als allgemeingültig gelten, bevor nicht weitere Untersuchungs-
ergebnisse vorliegen.
Lit. S. 193] 2. Nichtmetallische Verunreinigungen 97

2.9 Beeinßussung der Eigenschaften des Aluminiums


durch den Gehalt an Wasserstoff und Oxyden

Durchschnittlich kommt nur ein Wasserstoffatom auf 106 Aluminium-


atome : daher überrascht es nicht, daß man bisher keine Eigenschafts-
änderungen des Aluminiums, welche durch den Wasserstoffgehalt her-
vorgerufen werden, direkt messen konnte.
Jedenfalls gibt es kaum zuverlässige Ergebnisse [146]. Die meisten
Befunde betreffen indirekte Folgeerscheinungen des Wasserstoffgehalts ,
wie Blasenbildung oder gesteigerte Warmbruchempfindlichkeit [230, 231].
Letztere stört z. B. beim Schweißen, Warmwalzen oder Schmieden: hier
treten oftmals kleine Risse nahe der Oberfläche auf, welche mit dem Gas-
gehalt unmittelbar in Zusammenhang stehen.
Der Einfluß des Wasserstoffgehaltes auf die Qualität von Schweiß-
nähten ist besonders eingehend untersucht worden. Literaturangaben
siehe z. B. bei [231a].
Schließlich sind einzelne nichtgesicherte Befunde zu erwähnen, wo-
nach durch Begasen des Aluminiums der Elastizitätsmodul erhöht bzw.
die Leitfähigkeit verringert werden soll [146, 170].
Die Reinigung des Aluminiums von Gas und Oxyden kann einen
markanten Einfluß auf die Festigkeitswerte ausüben [301], besonders bei
Gußlegierungen. Dies ist verständlich, denn das gereinigte Aluminium
zeigt ein erheblich bes~eres Fließvermögen als das oxyd- und gashaltige
Metall (siehe z. B. [278]). Aber auch im gekneteten Gefüge, ins-
besondere bei hoch festen Legierungen, können in Abhängigkeit vom
Oxydgehalt Unterschiede in den Festigkeitswerten festgestellt werden.
Ein zunehmender Oxydgehalt verringert insbesondere den Wert der
Bruchdehnung, teilweise auch der Zugfestigkeit, während die Dehngrenze
auf den Oxydgehalt nicht anspricht (was auch ohne weiteres verständlich
ist)!. Weitere Angaben hierzu s. S. 738.

2.10 Gasaufnahme und Entgasung von Aluminiumschmelzen


unter technischen Bedingungen

2.101 Obersicht

Unter~ucht man bei Aluminiumschmelzen annähernd gleichen Gas-


gehaltes die Gasabgabe durch Abstehen bei z. B. 700°0, so findet man,
daß selbst bei gleichem Wasserdampfgehalt in der Ofenatmosphäre bei
verschiedenen Schmelzen die Verringerung des Gasgehaltes durch die

1 Diese Bemerkungen beziehen sich auf kleinste Oxydgehalte, welche als zu-
fällige Verunreinigungen vorkommen, also nicht auf SAP und ähnliche Materialien.

7 Altenpohl, Aluminium
98 A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze [Lit. S. 193

Abstehbehandlung sehr unterschiedlich erfolgt. Geht man von einem


relativ niedrigen Gasgehalt aus, so nehmen gewisse Schmelzen sogar Gas
auf (Abb.69, Schmelze b). Solche Beobachtungen können auf zweierlei
Weise erklärt werden:
Die miteinander verglichenen Schmelzen haben unterschiedliche Ge-
halte an solchen Elementen, welche Wasserstoff binden.
Die miteinander verglichenen Schmelzen haben auf ihrer Oberfläche
Oxydschichten von stark unterschiedlicher Permeabilität für Wasserstoff-
atome oder von unterschiedlichem Reaktionsvermögen mit ·Wasser-
dampf.!
Generell ist daran zu erinnern, daß bei einer Abstehbehandlung der
Gehalt der Schmelze an vVasserstoff, Oxyden, Natrium und Salzresten
(Elektrolyt vom Reduktionsverfahren oder Salzpartikel von einer Salz-
wäsche) verringert werden soll.
Die Erfahrung zeigt, daß dies bei relativ hohen Gehalten an diesen
Verunreinigungen oder bei hohen Anforderungen an die Sauberkeit des
Metalles nicht mit einer einzigen Operation, also z. B. Abstehen bei
750°C, bewirkt werden kann. Oftmals werden zwei verschiedene Reini-
gungsoperationen nacheinander anzuwenden sein, von denen die eine
hauptsächlich die Oxyde oder das Natrium und die andere hauptsächlich
das Gas entfernt.
Es gibt auch Behandlungsverfahren, welche alle genannten Ver-
unreinigungen weitgehend entfernen, wie z. B. das Chlorieren. Aber auch
nach dem Chlorieren ist eine zweite Operation empfehlenswert, um die
hineingerissenen Oxyde aus der Schmelze zu entfernen (Abstehen oder
Filtrieren) .
Im folgenden werden wir die Faktoren, welche die Aufgasung und
Entgasung beeinflussen, einzeln abhandeln.

2.102 Gleichgewicht zwischen Entgasen und Begasen beim Abstehen


einer Schmelze. Einflußgräßen

2.1021 Wasserdampfgehalt in der Ofenatmosphäre. Das frisch aus der


Elektrolyse kommende Metall hat oft einen überraschend niedrigen H 2 -
Gehalt (z. B. 0,08 cm3 /100 g), nimmt aber im Kontakt mit dem Wasser-
dampf der Luft und der Tiegel- oder Ofenausmauerung rasch Gas auf
(bei einer Schöpftemperatur von ca. 900°C bis zu 0,5 cm3 /100 g).

1 Das in Abb. 69 wiedergegebene Verhalten von Schmelzen bei einer Absteh-


behandlung kann in wesentlich kürzeren Abstehzeiten bei Anwendung eines
schwachen Vakuums erkannt werden (z. B. bei 200 mm Hg in etwa 10 Minuten),
woraus sich ein praxisnahes Prüfverfahren zur Erkennung verunreinigter und daher
schwer entgasbarer Schmelzen herleiten läßt.
Lit. S. 193] 2. Nichtmetallische Verunreinigungen 99

Unter technischen Bedingungen kann man die Wasserstoffaufnahme


fast ausnahmslos auf die Reaktion zwischen Aluminium und Wasser-
dampf zurückführen [231b]. Diese Umsetzung erfolgt bei der Reaktion
mit dem flüssigen Aluminium sehr lebhaft.
In Abb. 70 erkennt man, daß bereits in etwa 5 Minuten der Wasser-
stoffgehalt einer mit Wasserdampf reagierenden Schmelze auf 1 cm 3J100 g
ansteigen kann, wobei der aufgenommene Wasserstoff relativ schnell

Wasserdampf A
.-.......:::........
3}100g

7 V'" - I-

l// ..... -
I 1./'.
V
./

/-0- ~
l--O""""
2 6 8 70 72 74 min 76
Zell
Abb. 70. Diffusion des Wasserstoffes in geschmolzenem Aluminium (AI 99,8) bei 740'C. Die Schmelze
im Rohrschenkel A wurde mit einem darüber geleiteten Wasserdampfstrom begast (Kurve A).
Das Ansteigen des Wasserstoffgehaltes im Rohrschenkel B wurde durch Probennahme verfolgt
(Kurve B). I"änge des Diffusionsweges etwa 800 mlll (nach C. E. RA:\:SLEY u. D. E. J. THßOT [151]).

in die Schmelze hineindiffundiert (Kurve Bin Abb. 70). Will man daher
eine Schmelze absichtlich mit Wasserstoff anreichern, was beim Form-
guß erwünscht ist, so wird oftmals die Reaktion mit Wasserdampf als
Verfahren gewählt, z. B. durch Einrühren von feuchten Salzen.
H. KOSTRON hat die Gleichgewichtsverhältnisse bei der Aufnahme
von Wasserstoff aus Wasserdampf eingehend untersucht [146]. Wir
müssen uns auf einige kurze Zitate aus seiner Arbeit beschränken.
Die Umsetzung zwischen Wasserdampf und Aluminium erfolgt nach
folgender Formel: 2AI + 3H 2 0 -i> Al 2 0 a + 3H2 • Diese Reaktion läuft
um so rascher ab, je durchlässiger die Oxydhaut auf der Oberfläche des
Metalls ist.
Läßt man trockenen Wasserstoff bei 700°0 durch Aluminium hin-
durchperlen, so steigt der Gehalt des gelösten Wasserstoffs wesentlich
langsamer an als beim Durchleiten von feuchtem Wasserstoff oder Dampf
(s. Tab. 14) [175].
Tabelle 14. Abhängigkeit des Gasgehaltes von Aluminium vom Feuchtiglceitsgehalt
der Ofenatmosphäre (nach W. R. OprE u. N. J. GRANT [175]).

Temperatur gelöster H, in
Legierung Gasphase
'e em'/100 g

Al 99,99 700 H 2 trocken 0,9


H 2 feucht 3,89

7*
100 A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze [Lit. S. 193

Nach den Berechnungen von H. KosTRoN [146] ergibt sich zwischen


dem Partialdruck des Wasserstoffes in der Schmelze und dem Partial-
druck des Wasserdampfes in der Atmosphäre folgende Beziehung:
PH 2 :PH.O = 7,3.1014 •
Hieraus sowie aus Abb. 51 erkennt man, daß bereits bei einem relativ
kleinen Wasserdampf-Partialdruck an der Oberfläche der Schmelze die
Bedingungen für die Lösung von Wasserstoff im Aluminium sehr günstig
sind.
In typischen Ofenatmosphären kann der Wasserdampfgehalt sehr
stark schwanken. Er ist in Elektroöfen stets wesentlich tiefer als in
Flammöfen.
In Flammöfen sind die in den Verbrennungsgasen enthaltenen
Kohlenwasserstoffe für die Wasserstoffaufnahme unbedeutend, vielmehr
kommt es ausschließlich auf den Wasserdampfgehalt an.
Der Partialdruck des Wasserdampfes beträgt in Flammöfen oftmals
200 Torr und in Elektroöfen (bei normalem Wasserdampfgehalt der
Atmosphäre) ca. 30 Torr.
In Flammöfen sinkt während der Feuerung der Gasgehalt kaum unter
0,2 cm 3 /100 g, während beim Fehlen von Verbrennungsgasen der Gas-
gehalt durch Abstehen bis auf ca. 0,08 cm3 /100 g sinken kann (bei
"sauberem" Metall).

2.1022 Oxydschichten auf der Oberfläche der Schmelze. Die Einstel-


lung des Gleichgewichtes zwischen Entgasen und Begasen ist durch die
Oxydschicht auf der Oberfläche in starkem Maße gesteuert. Abb.71
zeigt dies für das Entgasen. Hier ist die Art der Legierung besonders
wichtig, da gewisse Legierungselemente sich in der Oxydschicht ansam-
meln [214].
Die Oxydschicht auf Aluminiumschmelzen ist wiederholt untersucht
worden. Ihre Zusammensetzung und ihr Verhalten ist relativ komplex.
Literaturübersicht siehe insbesondere bei [231 C, 231 d, 231e, 171]. Die
Krätzeschicht, welche auf einer Aluminiumschmelze anzutreffen ist, ent-
hält in der Hauptsache Aluminiumoxyd mit flüssigem Aluminium und
Salzresten durchmischt. Es treten gleichzeitig verschiedene AI 20 3 -Modi-
fikationen auf: Amorphes AI:Pa, yAl 20 a mit spinellartiger Gitterstruktur
(neuerdings vielfach als 1')AI 20 a bezeichnet) sowie diverse instabile und
teilweise wasserhaltige Oxyde [231 d, 301]. Inwieweit bei genügend ho her
Temperatur in einer Ofenatmosphäre sich aus den genannten Oxyden
Korund bildet, ist im einzelnen noch umstritten. Auf jeden Fall durch-
laufen die genannten Oxyde eine Alterung, in deren Verlauf sie vom
flüssigen Aluminium weniger gut benetzbar werden. Nach W. TRIELE
(231d] kann sich das metastabile yAl 20 a bereits bei 700°C in Korund
umwandeln.
Lit. S. 193] 2. Nichtmetallische Verunreinigungen 101

Durch Legierungszusätze, welche unedler sind als das Aluminium,


wie z. B. Magnesium oder Kalzium, wird die Oxydbildung stark ge-
fördert, da sich undichte Deckschichten aus Mischoxyden mit relativ
hohem Sauerstoffanteil bilden. Es gibt aber auch Ausnahmen, wie z. B.
der Einfluß des Berylliums (unedler als Aluminium): Bereits kleine
Berylliumzusätze verlangsamen die Oxydbildung deutlich, insbesondere
bei AIMg-Legicrungen (s. S. 658). Ein
4m~------~----~------~
Natriumgehalt der Schmelze begün- gjcmJ

-
stigt hingegen die Oxydbildung, teil- a __
weise durch den hohen Dampfdruck des
Natriums verursacht.
Die Menge der Krätze, welche durch ~
Abschäumen entfernt werden muß, ist ~
außer von der Legierungszusammen-
setzung insbesondere von der Herkunft
des eingeschmolzenen Metalls abhängig.
Je höher z. B. der Schrottanteil und je 2,550
kleiner die Partikelgröße des einge- 15 30 min 45
Absfehdauer
schmolzenen Schrotts sind, um so größer I I I
850 oe 800 150 700
sind die Mengen von Oxyd, welche auf 5ießfemperofur
der Oberfläche der Schmelze anfallen. Abb. 71. Gasabgabe aus einer Aluminium-
Auch der Feuchtigkeitsgehalt des schmelze in Abhängigkeit von Abstehzeit
und Gießtemperatur. Eine Schmelze
Schrotts bzw. der Ofenatmosphäre er- wurde von 850 ce innerhalb 45 Minuten
höht den Anfall an Oxyd erheblich. auf 700 e abgekühlt. Während dieses
0

Zeitintervalls erfolgte die Proben ahme


(nach G. OHIRA U. V. KONDIe [205]).
2.1023 Temperatur der Schmelze. Kurve a: Oxydhaut auf (Ier Schmelze
Der Einfluß der Temperatur der durch "Abschäumen" ständig entfernt;
Kurve b: Oxydhaut hlt anf der Schmelze
Schmelze auf die Entgasung ist in sei- verblieben.
nem Elementarmechanismus vorerst * Die Gashestinnnung erfolgte durch
Dichtemessung der unter reproduzier-
noch ungeklärt. baren Bedingungen erstarrten Proben
Durch empirische Untersuchung hat
sich gezeigt, daß es günstig ist, die zu entgasende Schmelze zunächst
auf ca. 840 0 e zu erwärmen und dann auf die eigentliche Abstehtem-
peratur (meist ca. 730 bis 780°C) abzukühlen [302].
Der Zweck der Erhitzung der Sehmelze auf z. B. 840 0 e ist ein mehr-
faeher:
Absinken des Natriumgehaltes durch Abdampfen bzw. Oxydation.
Besehleunigung der Absonderung der Oxyde durch die erniedrigte
Viskosität der Sehmelze.
Stärkere Umwälzung der Schmelze dureh Konvektion.
Unter 730 oe ist ein Abstehen weniger wirkungsvoll, vermutlieh haupt-
säehlieh wegen zu hoher Viskosität der Schmelze. Oberhalb 800 oe ist
102 A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze [Lit. S. 193

die Gasaufnahme bereits zu sta,rk. Daher wird die Abstehbehandlung


einer Schmelze im Regelfall zwischen den beiden genannten Temperaturen
durchgeführt.
Ein anderes bewährtes Verfahren besteht darin, die zu entgasende
Schmelze zunächst kurz auf Liquidustemperatur oder auf eine Tem-
peratur zwischen Liquidus- und Solidustemperatur abzukühlen, wobei
eine teilweise Erstarrung einsetzt. Eine anschließende Absteh behandlung
bei ca. 750 bis 770°0 ergibt ein Hochsteigen von Oxyden, welche ab-
geschäumt werden können. Die vorherige Abkühlung (und eventuell
teilweise Erstarrung) der Schmelze scheint außer der Entgasung
ein Zusammen ballen der nichtmetallischen Verunreinigungen zu be-
wirken.
2.1024 Standhöhe der Schmelze während der Abstehbehandlung oder
während des Durchperlens von reinigenden Gasen. Die Erfahrung zeigt,
daß die Höhe der Schmelze bei der Abstehbehandlung nicht zu groß ge-
wählt werden soll (möglichst unter 500 mm). Dieser Befund kann auf
dreierlei Weise erklärt werden:
I. In Schmelzöfen findet man während der Beheizung oftmals einen
vertikalen Temperaturgradienten von ca. 1 grd/l0 mm Badhöhe.
Da man aber auch in den unteren Lagen der Schmelze mindestens
750°0 erreichen sollte (speziell zur Auflösung von Legierungselemen-
ten), kommt man bei Badhöhen über ca. 500 mm zu einer Ober-
flächentemperatur über 800°0, bei welcher die Gasaufnahme (bei
längerer Abstehzeit ) bereits zu stark wird.
11. Eine zu große Standhöhe der Schmelze erschwert das Herandiffun-
dieren des Wasserstoffs an die freie Oberfläche.
IH. Die unteren Teile der Schmelze stehen unter einem erheblichen
hydrostatischen Druck, was die Abscheidung von Wasserstoff in
Gasblasen erschwert oder unmöglich macht.
Ein Wasserstoffgehalt von 0,3 bis 0,4 cm3 /100 g entspricht in der
Schmelze einem Ent'wicklungsdruck von etwa 0,1 kp/cm2 •
Eine Standhöhe der Schmelze von 370 mm ergibt aber bereits
einen Druck von 0,1 kp/cm 2 , so daß somit eine Entgasung der
Schmelze durch Entweichen von Wasserstoff in Blasen nicht auf-
tritt, sobald das in Frage kommende Volumenelement Schmelze
tiefer als 370 mm unter dem Schmelzemeniskus liegt. 1
Der durch Abstehen oft erreichte Wasserstoffgehalt von
0,1 cm3 /100 g entspricht einem Entwicklungsdruck von 0,01 kp/cm 2
[177]; dieser Gasgehalt kann somit nur in einer Oberflächenzone der
Schmelze bis zu 37 mm unter der Badoberfläche erzielt werden.

1 Dies gilt für eine Schmelze ohne Konvektionsströmung.


Lit. S. 193] 2. Nichtmetallische Verunreinigungen 103

Die Theorie der Entgasung von Schmelzen beim Durchspülen mit ver-
schiedenen Gasen oder durch Vakuumbehandlung ist eingehend von
Y. DARDEL behandelt worden [168].

2.103 Resultate bei technischen Entgasungsverfahren

Folgende Entgasungsverfahren kommen in Betracht:


a) Durchspülen mit Gasen (z. B. d) Erstarren,
Stickstoff oder Chlorgas), e) Vakuumbehandlung,
b) Abstehen, f) Ultraschallbehandlung.
c) Salzbehandlung,
In der Technik beschränkte man sich bisher auf dieVerfahren a) bis e).
Im folgenden werden wir einige typische Entgasungsstudien be-
schreiben, welche mit dem verfeinerten STRAUBE-PFEIFFER-Test erfolg-
ten. Die meisten dieser Ergebnisse stammen von C. L. BRooKS [204].
In Abb.72 erkennt man die Entgasung einer Legierungsschmelze
durch Abstehen. In die Abbildung ist außerdem der Streubereich der
Messung eingetragen. Man sieht deutlich, daß das Meßverfahren bei
einem Druck von 2 bis 5 Torr für Schmelzen mit hohen Gasgehalten
einen zu großen Streubereich aufweist, der sich nach mehr als 8 Stunden
Abstehzeit merklich einengt.

2.1031 Entgasen durch Spülgase. In Abb. 73, Kurven a-c, wird die
Entgasungswirkung von Stickstoff sowie von Stickstoff-Chlor-Gemischen
und rcinem Chlor miteinander verglichen. Bereits ein Chlorgehalt von
10% in Mischung mit Stickstoff bewirkt fast die gleiche Entgasung wie
reines Chlor allerdings bei erheblich längerer Behandlungsdauer.
Die Verwendung einer Mischung von z. B. 90% N 2 und 10% Cl z hätte
betriebstechnisch manche Vorteile (die Gasmischung ist weniger korrosiv
als reines CI 2 ), jedoch bewirkt die Mischung, ebenso wie reiner Stick-
stoff, ein starkes Verspritzen des flüssigen Aluminiums beim Austritt der
Blasen aus der Badoberfläche, falls die Durchströmgeschwindigkeit etwas
zu hoch ist. Somit muß man für die Anwendung der Gasmischung genaue
Dosiergeräte benutzen. Unter vergleichbaren Bedingungen tritt dagegen
bei der Anwendung von Chlorgas ein ruhiges Wallen der Oberfläche auf,
wobei keine Oxydeinschlüsse entstehen.
Die Frage, warum ein Chlorieren des Aluminiums viel stärker ent-
gasend wirkt als eine Behandlung mit gasförmigem Stickstoff, ist wieder-
holt untersucht worden, ohne allerdings eindeutig beantwortet zu werden
[168,215,216,223a].
Eine Erklärung geht z. B. davon aus, daß das Chlorgas in der Schmelze
eine große Anzahl kleiner Blasen von verdampfendem Aluminiumchlorid
104 A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze [Lit. S. 193

erzeugt. Trotz der in Tab. 15, S. 111, genannten Nachteile wird Ohlorgas
nach wie vor in größerem Ausmaß zur Reinigung von Schmelzen ein-
gesetzt. Die Verwendung von zersetzbaren Ohloriden ergibt nicht ganz
die Wirkung von gasförmigem Ohlor.
Im allgemeinen genügt für eine weitgehende Entgasung eine Ohlor-
menge in der Größenordnung von etwa 0,6 Gewichtsprozent, bezogen auf
die zu entgasende Schmelze. Verschiedene andere Faktoren sind gleich-
zeitig von Einfluß, insbesondere die Zuführmethode für das Ohlor, die
Temperatur der Schmelze, die Badhöhe und der Wasserdampfgehalt der
Atmosphäre [217).

2,8
g/cm
, i 4
2,8~~~~--~~-~-~
g/cm'
2, 7 2,7
50mm~ V V I"
I

2f
I
Ä' 2,6
2, 5
/ 1/ I .D- --

/' iI ~ 2,5 -
/
~2,4 -<:
../V I ~ 2,~
~2, 3 /C V I
I 2,3
2,2 / Unlerdruck Z.. 5mmHg 2,2

2, lP!
2,11 •

91
2,10 40 60 80 100 120 140
Behandlungsdauer
min 180

~o 2 J • 5 6 7 8 9 • nh~
Absiehdauer Abb. 73. Vergleich der Wirkung dreier
Entgasungsmittel beim Behandeln einer
Abb. 72. Entgasen einer Schmelze aus AIZnMgCu (US-
Schmelze aus AIZnMgCu (nach C. L.
Legierung 7075) durch Abstehen. Die beiden Kurven BROOKS [204]).
verbinden die Mittelwerte, während der Streubereich
durch die senkrechten Geraden angegeben wird. Me- Ofentyp : Offener Herdofen; Chargenge-
talltemperatur 730°C, Atmosphäre: Luft (nach C. L. wicht : 180 kg; Metalltemperatur : 705°C;
BROOKS [204]). Gasdurchsatz : 1401/h .
• Dichtebestimmung nach der Vakuummethode (ver-
feinertes RTRA UßE-PFEIFFER- Verfahren). Kurve a: Behandelt mit 100% Chlorgas;
Kurve b: Behandelt mit 90% Stickstoff
nnd 10% Chlorgas; Kurve c: Behandelt
mit 100% Stickstoff.
• Dichtebestimmung nach der Vakuum-
methode (verfeinertes STRAUßE-
PFEIFFER- Verfahren).

Man kann sich den Einfluß der einzelnen Faktoren auf Grund des
bisher Gesagten relativ leicht herleiten. So ist beispielsweise klar, daß
beim Entgasen mit Ohlorgas ein möglichst lang andauernder Kontakt
dcs Ohlors mit der Schmelze erwünscht ist, was für eine gewisse l\1indest-
Badtiefe beim Ohlorieren spricht [218]. Auf jeden Fall ist es erwünscht,
die Ohlorblasen möglichst fein verteilt einwirken zu lassen, was auch für
Entgasen mittels Durchleiten von Inertgas gilt [219].
Eine Ohlorierung ist besonders wirkungsvoll bei AIMg-Legierungen
unter der Voraussetzung, daß die Temperatur der Schmelze hoch genug
ist, damit das entstehende Magnesiumchlorid an der Reinigung der
Schmelze von Oxyden aktiv teilnimmt. Allerdings tritt während der
Lit.8.193] 2. Nichtmetallische Verunreinigungen 105

Chlorierung ein merklicher Verlust an Magnesium auf, der aber berechnet


und daher ersetzt werden kann.
2.1032 Entgasen durch Abstehen. In Abb. 74a und b erkennt man
den Einfluß des Wasserdampfgehaltes in der Ofenatmosphäre auf die
Gasaufnahme. Beim Aufreißen der Oxydhaut durch Abschäumen tritt
die Reaktion mit Wasserdampf
2,8
bei einem um mehr als den Fak- gfcn!3
2,7
tor 10 kleineren H 20-Gehalt der 2,6
r- Wusserdumpfgenu!t \ /
in Ofenutmosphöre
Atmosphäre ein, als bei unver- \ I
sehrter Oxydhaut, wie man
durch Vergleich von Abb.74a
I---O/lg/I-- -2.7g/l- :--Vgjl-
\
tng/I
und b erkennt. Dies erläutert 2,2 \
auch, warum Verunreinigungen 2,7 \
"-...
oder Legierungselemente, welche
24 48 54 h 72
die Permeabilität der Oxydhaut a Absfehdauer
beeinflussen, einen so starken 48
Einfluß auf den Gasgehalt der g/cirr' O~gfl
47 .........
Schmelze haben. 2,5 \ r--.....

-
..........
Aus Abb. 75 geht hervor, 2,5 r--..... O,Zg/f- -
daß beim Abstehen die Ent- ~2,4 \ -r-
\
gasung durch kleine Chlorge- :§ 2,3
halte in der über der Schmelze
c::,
2.2 1"-
WusserdompfgehaJt
'-!.n Otenotmosphöre
~

befindlichen Atmosphäre sehr 2.7


begünstigt wird. Offenbar lok-
1- 0,5911
2 J 5 5 7 h8
kert das Chlor die Oxydhaut auf Absfehdauer
und begünstigt die Abdiffusion Abb.74a u. b. Gasaufnahme eiuer Schmelze aus
des Wasserstoffs. dem Wasserdampf der Luft (nach C. L. BROOKS
[204]).
Interessant ist der Einfluß Chargengewicht: 30 kg; Metalltemperatur: 730°0.
der Abstehwirkung auf den Ge- a) Der Metallspiegel blieb, ausgenommen bei der
halt der Schmelze an Oxyden Probennahrne, unberührt. Al 99; b) Wirkung einer
Bewegung des Metallspiegels. Der Metallspiegel
und anderen Einschlüssen. Im wurde mehrmals pro Minute mit einer mechani-
schen Vorrichtung durchstoßen. AIZnMgOu.
allgemeinen reichem sich Ver-
• Dichtebestimmung nach der Vakuummethode
unreinigungen sowohl am Boden (verfeinertes STRAUBE-PFEIFFER-Verfahren).
des Gießofens als auch nahe
der Oberfläche der Schmelze an. In welchem Ausmaß diese beiden stärker
verunreinigten Schichten in der Schmelze auftreten, hängt von den je-
weiligen Bedingungen ab. Jedenfalls kann man gelegentlich einen höheren
Blasenausschuß beobachten, wenn Barren, aus den obersten oder untersten
Schichten eines Gießofens hergestellt, mit solchen aus der Mittel-
schicht des Schmelzofens verglichen werden, in welcher das Metall ein
Minimum an nichtmetallischen Verunreinigungen aufweist. Am Boden
des Gießofens sammeln sich am ehesten nicht aufgelöste Legierungs-
zusätze an, deren Dichte höher ist als die der Schmelze.
106 A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze [Lit. S. 193

Die Absonderung von eingeschlossenen Oxyden durch Abstehen ist


theoretisch noch wenig geklärt. An sich sollten die Oxyde eine Dichte
von ca. 3,4 g/cm3 haben und nach unten sinken. In Wirklichkeit sind die
Oxyde stark mit Aluminium und Gasblasen durchsetzt und steigen daher
meist nach oben.
Dazu reicht bei großen Partikeln (ca. 1 mm und größer) je nach Größe
und Dichte eine Abstehzeit von 30 Minuten bis 5 Stunden, während
feinere Oxydpartikel sich so
2.8
gjcm 3 aLZO%CI langsam bewegen, daß sie in
2,7
2,6 / aoz%CIz V--~ ~ technisch realisierbaren Zeiten
* 2,5 V / V kaum durch Abstehen beseitigt
~
i:i 2,4 i L L werden können.
c::. 2,3 / / / r"olmcCl z
2,2 / '/" 2.1033 Reinigen von
2,1
/// Schmelzen durch Salzbehand-
P lung. Für die Reinigung von
Z 3 hS
Abstehdauer Schmelzen werden immer wie-
Abb. 75. Wirkung geringer Chlorgehalte in der Ofen- der neue Salzgemische emp-
atmosphäre auf die Entgasung von Schmelzen aus fohlen oder ausprobiert. Fol-
AIZnMgCu (nach C. L. BROOKS [204]).
Chargengewicht: 27 kg; Metalltemperatur: 730"C;
gende grundsätzliche Gesichts-
Wasserdampfgehalt der Ofenatmosphäre : 0,5 g/1. punkte können herausgestellt
Der Metallspiegel blieb, ausgenommen bei der Proben-
nahme, unberührt_ werden [231 c] :
• Dichtebestimmung nach der Vakuummethode (ver- Theoretisch kann man die
feinertes STRAUßE-PFEIFFER-Verfahren). Salze unterteilen in "passive"
Abdecksalze, welche lediglich
die Oberfläche der Schmelze gegen Gasaufnahme abdecken, und "aktive"
Salze, welche Aluminiumoxyd aufnehmen oder Hydride bilden [220].
Als weitere Gruppe müssen dann die flüchtigen Salze erwähnt werden,
welche eine Entgasung durch Blasenbildung herbeiführen.
Mit der Reinigung durch Salzbehandlung wird oftmals das Einbringen
kleiner Anteile von Legierungskomponenten (zur Kornverfeinerung und
Veredelung) verbunden.
Bei der Zusammensetzung von Salzen zur Metallbehandlung kommt
es insbesondere darauf an, Schmelzpunkt und Viskosität des Salz-
gemisches entsprechend der vorgesehenen Anwendungstemperatur richtig
einzustellen. Viele der Salzmischungen enthalten einen größeren Prozent-
satz Kochsalz, dem aber in jedem Fall andere Salze (KOI, NaF, Na 3AlF 6
usw.) zugemischt werden, um den Schmelzpunkt des NaOI zu verringern
und um der Salzmischung eine gute Reinigungswirkung in Kombination
mit anderen Eigenschaften zu verleihen: Zum Beispiel wird durch den
Zusatz von Fluoriden bewirkt, daß auf der Oberfläche der Schmelze eine
trockene Krätze anfällt, welche somit nur wenig Aluminium enthält
[231c]. .
Lit. S. 193] 2. Nichtmetallische Verunreinigungen 107

Fast alle Salzmischungen, welche verwendet werden, haben ein ge-


ringeres spezifisches Gewicht als die Aluminiumschmelze. Es gibt ver-
schiedene Verfahren, um einen innigen Kontakt zwischen flüssigem Salz
und der zu reinigenden Schmelze zu erreichen. Oftmals wird das flüssige
Salz auf der Oberfläche der Schmelze belassen und die Schmelze selbst
durch Rührbewegungen umgewälzt, so daß nach und nach alle Volumen-
elemente der Schmelze mit dem Reinigungssalz in Kontakt kommen,
welches insbesondere Oxyde aufnimmt.
Ein anderes Verfahren, Salze und Oxyde miteinander in Kontakt zu
bringen, ist in Abb. 77, S. 113, beschrieben. l
Man kann folgende 7 Hauptgruppen von Salzen unterscheiden [208,
221,291] :
1. Abdecksalze
Hauptaufgabe : Schutz der Oberfläche der Schmelze gegen Oxy-
dation und Reaktion mit Wasserdampf.
Bestandteile: Meistens eutektische Mischungen von Chloriden
(z. B. Natrium-, Kalium-, Kalzium-, Magnesium- und Barium-Chlorid)
Bei AlMg-Legierungen ab 1 % Mg und bei G-AlMg-Legierungen ab 3%Mg
verwendet man natriumfreie Gemische [332].
Durch Zusätze von Fluoriden wird eine Reinigungswirkung erzielt
(s. unter 3.).
Abdecksalze dienen an sich dem Zweck, die Gasaufnahme durch
Fernhalten von Wasserdampf zu verringern. Jedoch können Abdecksalze
bei einer stark wasserstoffhaltigen Schmelze die Entgasung verlangsamen.
2. Abschäumsalze oder Abkrätzsalze
Hauptaufgabe : Aufnahme von Aluminiumoxyd mit möglichst ge-
ringem Gehalt an metallischem Aluminium. Verwendung beim Ab-
ziehen von Krätze von Öfen bzw. beim Reinigen der Krätze.
Bestandteile: Mischungen von Fluoriden mit Chloriden (z. B.
Natriumchlorid und Kaliumchlorid), Karbonaten und Sulfaten. Die Mi-
schungen führen oft zu einer exothermen Reaktion. Diese kann z. B.
dadurch hervorgerufen werden, daß ein Teil der in der Krätze befind-
lichen Aluminium-Partikel, die kleiner als ca. 0,1 mm sind, mit Sauer-
stoffträgern oder der Atmosphäre reagiert. Hierdurch erhöht sich die
Temperatur in der Salzschicht, in welcher nunmehr die größeren Alu-
minium-Partikel in Gegenwart von Fluoriden sich zu relativ großen
Tropfen vereinigen und sich von der trockenen pulverförmigen Krätze
trennen [332].
1 Grundsätzlich gilt für alle Salze zur Behandlung von Schmelzen folgendes:
Sie müssen in trockenen Räumen gelagert werden, da die meisten Salze mehr oder
weniger hygroskopisch sind. Feuchte Salze können eine kräftige WasserstofI-
aufnahme bewirken.
108 A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze [Lit.8.193

3. Reinigungssalze.
Hauptaufgabe : Die Salzmischung muß geeignet sein, Oxyde zu um-
hüllen und aus der Schmelze herauszutransportieren.
Bestandteile: Chloride des Natriums, Kaliums, Magnesiums, mit
Zusätzen von Fluoriden.
Diese Salzmischungen eignen sich auch, um Oxyde im kontinuier-
lichen Durchlaufverfahren aus dem Metall herauszuwaschen (Abb. 77).

4. Entgasungssalze
Hauptaufgabe: Verringerung des Wasserstoffgehaltes.
Bestandteile: Aluminiumchlorid, Manganchlorid oder Hexachlor-
äthan, teilweise in Kombination mit Salzen der Gruppen 2 und 3 und
kornverfeinernden Zusätzen (Fluoride von Titan und Bor). Andere Salze,
die Stickstoff und/oder CO 2 entwickeln, sind weniger wirksam.
Die Wirkung der typischen Entgasungssalze beruht darauf, daß beim
Tauchen in die Schmelze durch Zersetzung und/oder Reaktion mit dem
flüssigen Aluminium eine große Anzahl feiner Bläschen entstehen (in der
Hauptsache aus Aluminiumchlorid-Dampf), welche nach oben durch die
Schmelze perlen und dabei Wasserstoff aufnehmen.

5. Hydridbildende Salze
Hauptaufgabe: Bindung des Wasserstoffes als Hydrid. Hierdurch
wird der Wasserstoff daran gehindert, frei zu diffundieren und Porosität
zu erzeugen.
Bestandteile: Am besten eignen sich Mischungen, die zirkonhaltige
Salze enthalten, wie z. B. K 2ZrF s. Dieses Salz ist nicht hygroskopisch
und daher gut verwendbar.
Auch ein Zusatz von Natrium zu Aluminium wirkt hydrid bildend,
jedoch können die schädlichen Einflüsse des Natriums überwiegen
(siehe dazu auch S. 93).

6. Salze zur Veredlung von Aluminium-Silizium-Gußlegierungen


Hauptaufgabe: Einbringung von Natrium in Aluminium-Silizium-
Legierungen.
Bestandteile: Natriumfluorid, Natriumchlorid in stark variabler Kom-
bination mit anderen Salzen.
(Wegen der Wirkung der Veredlung durch Natriumzusätze ver-
weisen wir auf S. 184.)

7. Kornverjeinernde Salze
Hauptaufgabe : Anreicherung der Schmelze mit titanhaItigen Keimen
in möglichst feiner Suspension, die auch beim Umschmelzen erhalten
bleibt.
Lit. S. 193] 2. Nichtmetallische Verunreinigungen 109

Bestandteile: Titan- und borhaltige Fluoride in Kombination mit


Hexachloräthan. Letzteres bewirkt durch Blasenbildung eine innige
Durchmischung des Salzes mit der Schmelze und ergibt außerdem feine
Kohlepartikel, welche Titankarbidkeime bilden können.
In der Praxis ist die Trennung zwischen diesen sieben Gruppen von
Salzen häufig nicht möglich. Oft werden Salze oder Gemische verwendet,
welche eine Kombination einiger der genannten Eigenschaften aufweisen.
Hierfür geben wir im folgenden zwei typische Beispiele:
I. In Frankreich verwendet man Zusätze von Kaliumfluorzirkonat
oder Kaliumfiuortitanat zur Entgasung und Kornverfeinerung. Die Be-
handlung mit einem spaltbaren :B'luorsalz dieser Art reduziert den Blasen-
ausschuß. Die innige Durehmisehung des Salzes mit der Schmelze wird
insbesondere in Induktionsöfen erreicht [222].
Die entgasende 'Wirkung von Zirkonzusätzen ist im einzelnen noch
recht unklar. Sie sch!'int am ehesten bei unlegiertem Aluminium fest-
stellbar zu sein, dessen Wasserstoffgehalt (z. B. 0,3 cm 3 /iOO g) durch einen
kleineren Zirkonzusatz (0,2 bis 0,3%) etwa auf die Hälfte zurückgeht.
Da in AIMg- und AISi-Legierungen die Löslichkeit des Zirkons sehr
viel kleiner als im unlegierten Aluminium ist, sollte in Legierungen mit
Zusatz an Magnesium oder Silizium die Bildung von Zirkonhydrid und
damit die entgasende Wirkung von Zirkonzusätzen gering sein [333].
Im allgemeinen erfolgt der Zirkonzusatz über zirkonhaltige Salze.
Jedoch sind die möglichen Umsetzungen dieser Salze oder von metalli-
schem Zirkon bei Zusatz z. B. zu AIMg-Legierungen (oder zu Magnesium)
nicht leicht zu überschauen. Beispielsweise geht der Wasserstoffgehalt von
MagncRiummetall durch kleine Zirkonzusätze stark zurück! [289].
M. F. ÜDlNA und l\1. V. SHAROV haben die Wirkung von K 2ZrFs-
Zusätzen auf Aluminium-Magnesium-Legierungen verfolgt [203]. Das
leicht handzuhabende, nichthygroskopische Salz setzt sich mit der
Legierung unter Bildung von Magnesiumfluorid um.
Das freiwerdende Zirkon bildet teils Hydride, teils wird es als metal-
lisches Legierungselement aufgenommen. 0,1 g Zirkon sollte bei 600 oe
theoretisch bis zu 18,4 cm 3 H 2 binden können [149].
Die Kornverfein!'rtmg durch das metallisch gebundene Zirkon ist sehr
markant. 2
1 Durch übersättigt gelöstes Zirkonhydrid erhält man beim Magnesium deut-
liehe Aushärtungseffekte, nicht aber beim Aluminium, da die Löslichkeit des Zir-
kons im Aluminium zu kkin ist r333J.
2 Interessanterweise weist auch das Titan eine hohe Löslichkeit für Wasserstoff
auf. Nahe dem Erstarrungspunkt des Aluminiums vermag das Titan sogar mehr
Wasserstoff zu lösen als das Zirkon [149]. Wird Aluminiumschmelze über stückiges
Titan geleitet, so soll der Gasgehalt der Schmelze zurückgehen, besonders deutlich
bei AISi-Gußlegierungen f288 aJ.
110 A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze [Lit. S. 193

Bei der Anlagerung von Wasserstoff an spezielle Legierungselemente


entsteht eine fortlaufende Reihe von Reaktionsprodukten, wobei z. B.
die Alkalimetalle definierte Hydride bilden, während der Wasserstoff an
andere Legierungselemente lockerer gebunden wird, beispielsweise in der
Form von Einlagerungs- oder Adsorptionsverbindungen [146]. Während
z. B. Zirkon und Wasserstoff ein salz artiges Hydrid bilden, handelt es
sich beim Titanhydrid um eine Einlagerungsverbindung [223].

Ir. In USA wird vielfach gut getrocknetes AlOl 3 in die Schmelze ein-
gebracht. Es bewirkt eine Entgasung bei gleichzeitiger Entfernung der
Oxyde. AlOl 3 erzeugt eine "trockene" Krätze, d. h. ein mit nur wenig
flüssigem Aluminium durchsetztes Oxyd, was die Metallverluste durch
Abschäumen gering hält.
Es ist ungeklärt, inwieweit das Aluminiumoxyd in flüssigen Salzen
in echter Lösung vorkommt. Hauptsächlich scheint bei der Aufnahme
von Oxyden in Reinigungs- oder Abschäumsalzen eine mechanische
Umhüllung der Oxyde vorzuliegen, wobei die Oberflächenspannung der in
Frage kommenden Phasengrenzen eine wichtige Rolle spielt und durch
die Salzzusammensetzung beeinflußt werden kann [217].
Die reinigende Wirkung der Salzmischungen beruht vermutlich dar-
auf, daß das flüssige Salz an der Grenzfläche Metall-Oxyd eindringt, da
die Summe der Grenzflächenspannungen von Oxyd-Reinigungssalz +
Aluminium-Reinigungssalz geringer ist als die Grenzflächenspannung von
Aluminium-Oxyd.

2.104 Zusammenfassender Vergleich technischer Entgasungsverfahren.


Hinweis auf neue, kontinuierliche Verfahren

Eine Bewertung neuerer Verfahren zur Reinigung von Aluminium-


schmelzen geben insbesondere R. J. KISSLING und J. F. WALLACE [231 cl.
Ein zusammenfassender überblick wird in Tab. 15 gegeben.
Es sind viele Verfahren zum Entgasen vorgeschlagen worden, dar-
unter auch Behandeln mit Ultraschall oder kontinuierliches Durchleiten
der Schmelze durch eine Unterdruckkammer.
In der Praxis werden aber außer dem Abstehen meistens chlorhaltige
Entgasungsmittel oder Stickstoff verwendet, wobei letzterer wesentlich
weniger wirksam ist, wie aus Tab. 15 hervorgeht [225].
In neuerer Zeit sind kontinuierliche Ohlorierverfahren stark in den
Vordergrund getreten, von denen zwei in schematischen Querschnitten
in den Abb. 76a u. b beschrieben sind. Die in der Abb. 76a beschriebene
Anordnung hat neuerdings in USA eine gewisse Bedeutung erlangt. Die
Anordnung gemäß Abb. 76b ist betrieblich problematisch (Verstopfung
Lit. S. 193] 2. Nichtmetallische Verunreinigungen 111

Tabelle 15. Wirkung von 01 2 ,0 201 6 , AIOl a und N 2 als Entgasungsrnittel für
Leichtmetall-Schmelzen (nach J. E. DORE [225])

Hexachlor-
Chlorgas Al-Chlorid Stickstoff
Faktor äthan
Cl, AICl, N,
C2 CIs

Entfernung von Wasser- gut bis gut bis


stoff sehr gut sehr gut sehr gut gut
Beseitigung schwebender
Oxydpartikel sehr gut gut gut gering
Schaffung einer Schutzgas-
Atmosphäre über der
Schmelze gut gut gut mittel
Art und Metallgehalt der
gebildeten Krätzen
Art: trocken trocken trocken naß
Metallgehalt : sehr gering gering gering hoch
Verwendbar für:
Pfannen-Entgasung ja ja ja ja
kontinuierl. ja nein nein ja
Dosierbarkeit der Behand-
lung sehr gut gut gut sehr gut
Relative Kosten der gering bis
Entgasungsmittel gering mittel mittel gering
Hauptnachteil giftig korrosiv, korrosiv, hoher
und korrosiv am ehesten sehr hygro- Metall-
(Ventilation für skopisch gehalt
erforderlich) Pfannen- der
Mg-Gehalt Entgasung Krätze
jder Legierung geeignet
wird verring.

der Anlage bei Außerbetriebsetzung). Typische Verbrauchszahlen der


beiden kontinuierlichen Chlorierverfahren sind in Tab. 16 gegenüber-
gestellt [225].
Eine kontinuierliche Chlorieranlage, wie in Abb. 76a und b beschrie-
ben, sollte zweckmäßig in Kombination mit einer Filtration der Schmelze
verwendet werden: das Metall hat zwischen Chlorieren und Vergießen
meist nur 1 bis 5 Minuten Abstehzeit zu durchlaufen. Hineingerissene
oder vom Boden aufgewirbelte Oxydpartikel sind dann noch vielfach in
der Schmelze enthalten.
Da es sich hierbei um relativ grobe Oxydpartikel handelt, können
. diese durch eine im Anschluß an die Chlorierung durchgeführte Filtration
im allgemeinen entfernt werden. Fein verteilte Oxyde werden aber weder
112 A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze [Lit. S. 193

durch Filtrieren noch durch Abstehen beseitigt. Daher wird durch das
kontinuierliche Chlorieren z. B. gemäß Abb. 76a eine Abstehbehandlung
als Reinigungsverfahren überflüssig.
Der große Vorteil einer kontinuierlichen Chlorierung unmittelbar vor
dem Vergießen offenbart sich beim Gießen großer Barren aus hochfesten

Schieber

-+
Fließrichtung der Schmelze
wiihrend der Einwirkung des
Chlorgases.

a
Abschiiumrampe Melallspiegel Abstichlach
Eintriftsöffnung fürungereinigte Schmelze
aus dem Schmelzherd
CI,-6as

=--==-_-=~
Eingabe der Schmelze
1F=;::::;;;;;;3I\ !Mallspiegel
---
~\~~ Al CI,-ZugabelDampf}
--4-
Oberlauf fürgereinigfes
\ +--,. renfgllstesJ
Metall

Abb. 76a n. b. Anlagen zur kontinnierlichen Reinignng von Schmelze (schematisch).


a) "Flux Bay" (nach KAISER ALUMINUM & CHEMICA.L CORPORATION [137]; b) "Dripolator"
(nach AWOA [181]).

Tabelle 16. Wirkungsgrad kontinuierlicher Schmelze-Reinigungsanlagen


(nach J. J. WEGNER [220J)

KAISER-Flux Bay ALCOA-Dripolator


Legierungstype MetaII- Chlorgas- I g Chlorgas
Durchsatz Durchsatz pro kg
MetaII-
Durchsatz
I Durchsatz
Chlorgas- I g Chlorgas
pro kg
tjStd. kgjStd. MetaII tjStd. kgjStd. I MetaII
I
AICuMg 3,5 bis 8 20 bis 40 5 bis 6 I
AIZnMgCu 4 bis 12 12 bis 40 3 bis 4 12 4,5 0,4
AIMgSi 4 bis 8 35 bis 40 5 bis 9 1,8 2,3 1,3
AIMg 10 9 0,9
Lit. S. 193] 2. Nichtmetallische Verunreinigungen 113

Knetlegierungen, bei denen der Gasgehalt oftmals bei 0,05 bis 0,08 cm 3 /
100 g liegen soll. Man kann so tiefe Gasgehalte auch im GieBofen erreichen,
wenn man 30 bis 60 Minuten lang kraftig chloriert; beim anschlieBenden
LeergieBen des Ofens aher kann die Schmelze je nach dem AusmaB der
Luftfeuchtigkeit ihren Gasgehalt wieder deutlich erhohen, so daB die zu-
letzt gegossenen Barren wegen zu
hohen Gasgehaltes AusschuB her-
vorrufen (z. B. Risse beiderWarm-
verformung der hochfesten Legie-
rungen). Diese unerwiinschte Er-
scheinung wird beim kontinuier-
lichen Chlorieren unmittelbar vor
dem VergieBen ausgeschaltet.
Eimi interessante Kombination
von Entgasen undAuswaschen von
Oxyden ergibt das in Abb. 77 dar-
gestellte Verfahren der kontinuier- Abb. 77. Anlage znm kontinuierlichen Reinigen
lichen Salzwasche: Der Oxydgehalt von Sclnnelze (Salzwăsrhe) (nach FosEco [186]).
einer stark verunreinigten Schmelze
geht dabei nach Angaben von R. G. DucKET von 0,013 auf 0,003%
Al 2 0 3 und der Gasgehalt von z. B. 0,25 auf 0,15 cm 3 /100 g zuriick
[208]. Die Wirksamkeit der Salzwasche wird durch Abb. 78 veran-
schaulicht.

0,6:1
Abb. 78. Wirkung einer Schmelzebehandlung in einer kontinnierlichen Salzwiische. Links STRAFHE-
PFEIFFER-Probe von behandelter Schmelze, rechts von unhehandelter Schmelze
(nach R. G. DUCKET [209]).

Es ist heute wohl noch nicht moglich, eine abschlieBende Bewertung


aller Vor- und Nachteile einer kontinuierlichen Salzwasche abzugeben.
Vor allem bestehen bei AlMg-Legierungen noch gewisse Probleme,
natriumfreie Salzmischungen einzusetzen. Anhand der bis jetzt vorlie-
genden Untersuchungsergebnisse diirfte aher die kontinuierliche Salz-
wasche in der zukiinftigen GieBereipraxis eine zunehmende Bedeutung
erlangen.

8 Altenpohl, Aluminium
114 A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze rLit. S. 193

3. ll'letallkundlichc Probleme beim Gießen von Knetlegierungen

Von D. Altenpohl, Zürich

3.1 Einfluß der Erstarrungsgeschwindigkeit

Zum Gießen des unlegierten Metalls (Reinst- oder Reinaluminium-


oder von Knetlegierungen werdcn hauptsächlich drei Verfahren ver-
wendet, die sich in der Erstarrungsgeschwindigkeit jeweils um etwa eine
Größenordnung unterscheiden und in der folgenden Tab. 17 gegenüber)
gestellt sind.
Die in Tab. 17 genannten Abkühlzeiten beim Stranggießen gelten
für die meist verwendeten Abmessungen und Abkühlbedingungen. Beim
Stranggießen von Blöcken aus hochfesten Legierungen und mit großen
Abmessungen nehmen die Probleme, wie Seigerungen, Rißanfälligkeit
und Oberflächenfehler zu. Es muß äußerst vorsichtig abgekühlt werden;
nach T. L. FRITZLEN [232] wurden bei 800 mm Rundblöcken 79 Minuten
nach dem Guß in Blockmitte 450 oe und an der Außenseite 250 oe ge-
messen.

Tabelle 17. Gegenüberstellung deI' drei für Reinaluminium und Knetlegierungen


iiblichen Gießverfahren

Zeitintervall, in dem das soeben


Häufige lTorm des vergossenen Gieß· Erstarru.ngs. erstarrte Gefüge auf Temperatll'
querschnittes und typische verfahren gesehw111' ren über 400 ce verbleibt
Abnlessungen
(111111)
(Nr.)
digkeit
(em/min) nahe an der Bar-I i fil Innern des
renoberfläche Barrens

Rcchteckig
(Walzbarren) max. 1500 breit
Rund 100 bis 8000
I
100 bis 400 dick ( Kokillen· I
guß
(1)
1 bis 3 ca. 10 min* Ica. 100 min*
(Preßbolzen)
Quadratisch ca. 80 bis 150 {I Strang. I .
(Draht. Kantenlänge \ guß 5 bis 15 Ica. 0,5 min** [ca. 3 min**
barren) (2) I '
Rechteckig 6 bis 20 dick Band- 50 bis ca. 10 s bis ca. 1 bis 3min
(gegossene max. 1500 breit gießen 600 1 min
Platten oder (3)
Bänder)

* Für einen Barren oder Bolzen von ca. 200 mm Dicke.


** Beim Stranggießen mit direkter Wasserkühlung unter der Kokille.
Lit. S. 193] 3. Probleme beim Gießen von Knetlegierungen 115

Folgende Hinweise bind zu dieser Ta belle zu machen:


Erstarrungsgeschwindigkeit. Diese ist über dem vergossenen Quer-
schnitt nicht gleichmäßig. Das in der Mitte des vergossenen Quer-
schnittes liegende Minimum der Erstarrungsgeschwindigkeit ist bei den
kontinuierlichen Verfahren (2 und 3) identisch mit der Vorschub-
geschwindigkeit des erstarrten Stranges oder Bandes!.
Difju8ionsvorgänge unmittelbar nach dem Erstarren. Hierfür kommt
das Temperaturintervall oberhalb 400°C in Betracht. Wegen der relativ
trägen Diffusion im Gußgefüge ist vor allem das Temperaturintervall bis
zu maximal 50 grd unter der Solidustemperatur wichtig, jedoch sind
hierfür wcgen mangelnder genauer Messungen Zeitangaben kaum mög-
lich.
Kornseigerung und Über8ättigung an Legierungselementen. Beide
Phänomene werden sowohl durch eine rasche Erstarrung, als auch durch
eine rasche Abkühlung nach dem Erstarren begünstigt.
Vor allem neigen Eisen, Mangan, Titan, Chrom und Vanadium dazu,
bei rascher Erstarrung und Abkühlung in übersättigter Lösung zu
bleiben. Bei Stranggußbarren sind oftmals langdauernde Barrenglühun-
gen knapp unter der Soliduslinie nötig, um die Kornseigerung und Dber-
sättigung abzubauen, was in technisch anwendbaren Zeiten (von max.
20 bis 30 Std.) nicht immer befriedigend gelingt.
Größe von Heterogenitäten. Weiter oben haben wir darauf hingewiesen,
daß bei langsamer Erstarrung (Kokillenguß) die Gußheterogenitäten
relativ grob anfallen, was vor allem bei heterogenen Legierungen sehr
nachteilig sein kann (N. Abb. 3:~ auf S. 41).
Gießverfahren. Der Kokillenguß ü;t heute wegen starker umgekehrter
Block8eigerung, hoher Porosität und relativ schwankender Qualität
weitgehend verlassen worden; der Strangguß herrscht nunmehr beim
Gießen von Barren oder Bolzen vor. Beim Gießen von Reinaluminium
und schwach legiertem Material (bis 1,15% Mn und/oder 2% Mg) sind
seit kurzem teilweise Bandgießverfahren im Einsatz. Die Auswirkungen
der hohen Erstarrungsgeschwindigkeit beim Bandgießen auf das Gefüge
sind noch Gegenstand weiterer Untcl'i-mchungen. Bisher konnte folgendes
festgestellt werden:

1 Je flaeher der Sumpf, um so geringer die Abweichung in der Erstarrungs-


geschwindigkeit über dem Querschnitt. Nur beim "Tütenguß" wird eine nahezu
ebene Erstarrungsfront realisiert. Tütenguß ist ein Mittelding zwischen Kokillen-
und Strangguß. Die Schmelze wird in eine dünmmndige Metallkokille ("Tüte")
gefüllt. Danach wird mittels Kühlwasser eine von unten nach oben fortschreitende
Erstarrung bewirkt. Das \'erfahren findet jedoch z. Z. in der Praxis wenig Ver-
,,-endung, obwohl der Tütenguß bezüglich Vermeidung von Gußspannungen und
umgekehrter Blockseig'PflllliI theoretis"h maneht' Yorteile hat [.'!:n. ,:!34].

8*
116 A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze [Lit. S. 193

Bei der sehr raschen Erstarrung tritt eine Übersättigung an Legie-


rungselementen, wie Eisen oder Mangan ein, welche über die beim
normalen Strangguß auftretende Übersättigung stark hinausgehtl.
Ein Vergleich der Gefügeeigenschaften von gegossenen Bändern mit
gegossenen Barren läßt erkennen, daß erstere - abgesehen von einer
durch schlechte Nachspeisung bedingten porösen Mittelzone, welche beim
Abwalzen verschweißt - ein dichteres Gußgefüge aufweisen. Dies äußert
sich z. B. darin, daß gegossene Bänder ohne Rißbildung unmittelbar
kalt abgewalzt werden können.
So sehr dieser Trend zu höherer Gießgeschwindigkeit wirtschaftlich
oder zur Vermeidung der umgekehrten Blockseigerung begründet ist,
gibt es dennoch Legierungen oder Endprodukte, bei denen die allzu
schnelle Erstarrung und Abkühlung Probleme hervorruft. Daher wird
z. B. beim Stranggießen von hochfesten Legierungen zur Vermeidung
zu starker Gußspannungen und beim Stranggießen von Reinaluminium
für Endprodukte mit geringer Neigung zu "Zipfelbildung" beim Tief-
ziehen eine künstlich verlangsamte Erstarrungsgeschwindigkeit gewählt.
(Einzelheiten dazu siehe unten.)
Bei der Erstarrung sehr kleiner Querschnitte kann die Erstarrungs-
geschwindigkeit noch um mindestens eine Größenordnung über die beim
Bandgießen angewendete gesteigert werden. Bringt man z. B. Schmelze
in Form kleiner Kugeln zur Erstarrung (0,5 bis 2 mm 0), so gelingt es,
Legierungen, welche beim Block- oder Bandgießen nicht mehr zu beherr-
schen sind, zu vergießen, wie Legierungen, mit über 8% Magnesium-
gehalt. Werden die Kügelchen anschließend zu einer Platte oder einem
Block zusammengesintert, so erhält man ein gut verformbares Gefüge,
sogar aus einer für den Blockguß "unmöglichen" Legierung.
Daher hätte das genannte Verfahren, kleine Kügelchen zu gießen und
diese dann zusammenzusintern, in Tab. 17 an sich als viertes erwähnt
werden können.
In USA wurden in einer ersten Anlage bereits größere Mengen von
Aluminiumlegierungs-Bändern nach dem genannten Verfahren her-
gestellt (Anwärmen des "Schrotes" z. B. unter Schutzgas auf 450 bis
550 °0, danach kontinuierliches Zusammensintern beim Durchgang
durch zwei hintereinander angeordnete Walzwerke). Auf diese Weise
wird ein Band von etwa 0,5 bis 1 mm Dicke und porenfreiem Gefüge
erhalten [339]. Das genannte Verfahren vermeidet alle Probleme bezüglich

1 Dies kann man an der Rekristallisationstemperatur leicht ablesen, welche auf


die Übersättigung von Eisen und Mangan empfindlich anspricht. Gegossene Bänder
von 6 bis 20 mm Dicke rekristallisieren nach normalem Warm- und Kaltwalzen bei
Reinaluminium 50 bis 100 grd bzw. bei der Legierung AIMn 100 bis 150 grd
höher als kalt gewalzte Bleche aus normalen Stranggußbarren (Blechdicke ca. 1 mm,
Kaltwalzgrad 40 bis 70%). Siehe dazu Abb. 284 auf S. 334.
Lit. S. 19B] B. ProblemE' bpim Gießen von Knetlegierungen 117

Blockseigerung und RIßbildung im Gußgefüge und ist somit für hoch-


feste und "unmögliche" Legierungen von besonderem Interesse.
Wir werden im folgenden hauptsächlich metallkundliche Erfahrun-
gen beim Stranggießen erörtern.

a.2 }'aktort'n, dit' beim Stranggießen zu beachten sind


\Yir werden zunächst die Grundbedingungen beschreiben, welche
unabhängig von der Legierungszusammensetzung gelten, also z. B. beim
Gießen von Reinaluminium.
'Weiter unten werden wir einige Hinweise auf die speziellen Verhält-
l1i:-;"e bei Legierungen geheIl.

3.21 Übersicht über die wichtigsten Variablen beim Stranggießen


Auf den ersten Blick scheint das kontinuierliche Gießen von Alu-
lIlinium ein relativ einfaches Verfahren zu sein.
Weiter oben haben wir aber bereits erfahren, daß im Gußgefüge eine
ganze Reihe von Phänomenen auftritt, deren Vielfalt überrascht. Ganz
ähnliches gilt nun aueh für die verschiedenen Variablen beim Strang-
gießen. Mehrere Autoren haben auf die Vielzahl der Faktoren hingewie-
:-;en [128, 235 bis 239]. In Tab. 18 wird ein überblick über die insgesamt
zu berücblichtigenden Faktoren gegeben und festgestellt, daß zahlreiche
davon miteinandcr in Wech::;elwirkung stehen [110].
Die Tabelle zeigt auch, daß bei der Aufzählung der Faktoren, welche
da::; Gußgefügc beeinflussen, bereits bei der Qualität des verwendeten
_.\ usgang8metalle8 begonnen werden muß, worauf die Technik im Schmelz-
und Gießofen, die t"berführung der Schmelze in die Erstarrungszone und
,;chließlich die zahlrpiehen Variablen des eigentlichen Gipßverfahrens zu
berücksichtigen sind.
SC'hließliC'h i::;t die Frage einer befriedigenden Barrenqualität noch
in starkem Maße von den Vcrfahren der weiteren Verarbeitung und den
Qualitätsanforderungen an das Endprodukt abhängig, was die Komplex-
heit des gesamten Problemkrcises weitcr erhöht. \Vir müssen uns im
folgenden auf die BcsC'hreibung einiger Beispiele aus der sehr umfang-
reichen Praxis be8ehränken und verweisen dabei auf die einschlägige
l . iteratur: t"bersiC'ht siehe z. B. [235].

.3.2:2 Hil/weis auf die Wichtigkeit des Verständnisses für die in Frage
kommenden Grundlagen
Die Bemühungen, neue Varianten oder Kombinationen der 18 Fak-
toren zu finden, welche in Tab. 18 aufgeführt werden, gehen stetig
weiter, und zwar sowohl von der konstruktiven Seite (neuartige Ver-
118 A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze [Lit. S. 193

Tabelle 18. Faktoren, welche die Barrenqualität beim Stranggießen beeinflussen

Einflnßgrößen (A. B)
Resultierendes Gefüge (C) Art des Einflusses

A Metallische Legierungselemente 1. Legierungszusätze


2. Natürliche Verunreinigungen
B Nichtmetallische Verunreini- 3. Qualität des Einsatzmetalles
gungen der Schmelze sowie 4. Schmelztechnik
Verteilung der Legierungsele- ri. Reinigung der Schmelze (Abstehen
mente und Verunreinigungen lassen, Durchwaschen mit Gasen odllr
in der erstarrenden Schmelze Salzen)
6. Temperaturen und Zeiten in Schmelz-
und Absteh-Ofen
7. Strömungsbedingungen und Wärme-
ableitung aus der Schmelze während
der Überführung in die Erstarrungs-
zone
C Gefüge des Barreninnern und im 8. Anwesenheit wirksamer Kornver-
Bereich der Gußhaut. feinerer
Korngröße, 9. Geometrie der Zufuhr der Schmelze
Blockseigerun/!:, in den Sumpf
Kornseigerung, 10. Temperatur der in die Kokille ein-
lokale "Wolken" unterschied- fließenden Schmelze
licher Anordnung von Legie- 11. Gießgeschwindigkeit
rungselementen, 12. Abmessungen der Kokille
Oxydnester, 13. Art der indirekten Kühlung
Gasporen, 14. Art der direkten Kühlung
Schrumpflunker, 15. Oberfläche der Kokilleninnenwand
Ausschwitzungen, (gerieft oder ungerieft, geschmiert, ge-
KaltschweißsteIlen schlichtet)
16. Höhe des Metallspiegels in der Kokille,
Schwankungen des Schmelze-
meniskus
17. Form des Luftspaltes zwischen Ko-
kille und erstarrendem Barren
18. Frästiefe am Barren
sowie Faktoren: 1 bis 7

fahren) als auch von der Produktionsseite (verbes8erte Verfahrens-


technik mit konventionellen Anlagen).
Gegenwärtig kann man deutlich eine Entwicklungsphase zur Ver-
feinerung des kontinuierlichen Gießens erkennen:
Verbesserte Systeme von Öfen, wirkungsvollere Reinigungsverfahren
der Schmelze oder günstigere Transfersysteme werden eingeführt.
Hierbei ist man z. B. bemüht, Oxydeinschlüsse und Gasgehalt gering
zu halten und die Schmelze der Erstarrungszone zur Erzielung eines
optimalen Gefüges möglichst gleichmäßig und ohne Turbulenz zuzu-
führen.
Lit. S. 193] 3. Probleme beim Gießen von Knetlegierungen 119

Das eigentliche Gießverfahren hat viele Wandlungsmöglichkeiten ;


so kann z. B. die Sumpftiefe oder die Erstarrungsgeschwindigkeit um
den Faktor 2 bis 5 variiert werden.
Diese wenigen Beispiele werden zitiert, um zu zeigen, wie tief-
greifend die Wandlungsmöglichkeiten des Stranggießens von Aluminium
sind.
Viele Entwicklungsarbeiten am Stranggießen bauen auf empirischen
Erfahrungen auf. Ein grundlegendes Verständnis der in Frage kommen-
den Elementarvorgänge ist jedoch wünschenswert, um Verbesserungen
oder grundlegende, neue Lösungen auszuarbeiten. In dieser Hinsicht
verdienen verfeinerte Untersuchungen, z. B. des "Wärmehaushaltes"
beim Stranggießen. besondere Beachtung.

3.3 Geometrie der Erstarrungsfront, Wärmeableitung, innere Spannungen


und Rißbildung beim Stranggießen

Im vorliegenden Absatz beschränken wir uns darauf, einige typische


Untersuchungen über die Grundlagen des Stranggießens zu behandeln.

3.31 Lage der Erstarrungs/ront

Der Zufluß der Schmelze zur Erstarrungsfront hat starken Einfluß


auf Sumpfform und Gußgefüge, siehe z. B. [60, 240 bis 244] und Abb. 79a,
bund 80a, b.
Es hat daher nicht an Versuchen gefehlt, die vielen möglichen
Varianten in der Schmelzezufuhr rechnerisch zu erfassen [235], oder
durch Modellversuche, z. B. mit 'Wasser, zu klären [245].
Dennoch ergeben sich die meisten Maßnahmen bezüglich der Schmelze-
zufuhr auch heute noch aus empirischen Feststellungen, von denen einige
hier und weiter unten beschrieben werden.
Ein globulitisches Gefüge bei Strangguß hat zur Voraussetzung, daß
Keime in einigem Abstand vor der Erstarrungsfront entstehen. Ein
wichtiger Mechanismus, der hierfür in Frage kommt, ist eine Durch-
mischung von kälteren Volumenelementen der Schmelze mit wärmeren,
wie dies bei dem in ALL. 79L gezeichneten Einlaufsystem durch vertikale
Düsen gegeben sein dürfte.
Wenn dagegen, wie Leim horizontalen Eintritt der Schmelze, die
Geschwindigkeit des zufließenden Metalls nahe der Erstarrungsfront
niedrig ist, bleibt die Keimbildung vor der Erstarrungsfront unter Um-
ständen aus, falls nicht z. B. durch Titan-Zusatz für das Auftreten freier
Keime gesorgt wird, wodurch man globulitisches Gefüge auch bei lang-
120 A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze [Lit. S. 193

samer Zuflußgeschwindigkeit der Schmelze nahe der Erstarrungsfront


erhält.
Die Lage der Liquidus- und Solidusfläche kann mit verschiedenen
:Methoden sichtbar gemacht werden. Das rasche Ausgießen des Sumpfes
oder das Abtasten der Sumpfform
Melalleinlauf mit einer mechanischen Sonde (Eisen-
stab) gibt gute Aufschlüsse über die
Kokille == Lage der Liquidusfläche, ebenso das
rasche Zugeben eines Legierungszu-
satzes zur Schmelze, z. B. einer
Kupfer-Vorlegierung bei kupfer-
a freiem Material (s. Abb. 81) [128,
Melalleinlauf 235, 246].
Auch die Zugabe von geringen
radioaktiven Zusätzen eignet sich
Kokille zur Ermittlung der Sumpfform und
macht die gesamte Breite des Er-
': starrungsintervalles kenntlich [128,
Wasser~ 248].
1\1

b ~r Besonders geeignet ist die Zugabe


Abb. 79a u. b. Walzbarrenguß mit waage- von 0,0001 % radioaktivem Gold:
rechtem und senkrechtem MetaJleinlauf(nach
W. ROTH U. M. SCHIPPERS [60]).
Es können - ohne besondere Sicher-
a) Walzbarrenguß mit waagerechtem Metall- heitsrnaßnahmen - noch 5 bis 6 Tage
einlauf mittels Verteilbecher; b) Walzbarren- nach dem Gießen deutliche Auto-
guß mit MetalIeinlauf durch zwei senkrechte
Düsen. radiographien erhalten werden [249].

Abb. 80a u. b. Gußgefüge von Strangguß-Walzbarren aus Reinaluminium bei waagerechtem und senk-
rechtem Metalleinlauf (nach ALUSUISSE).
a) Waagerechter MetaJleinlauf nach Abb.79a. Gefüge besteht vorwiegend aus Fiederkristallen;
b) Senkrechter Metalleinlauf nach Abb. 79b. Globulitisches feinkörniges Gefüge.
Lit. ~. 193] 3. Probleme beim Gießen von Knetlegierungen 121

\v. ROTH hat versucht, die Sllmpftiefe von Rundbarren rechnerisch


zn erfassen [236].
Die Lage der echten Solidusfiäche ist allerdings nicht leicht zu ermit-
teln. speziell bei Legierungen mit breitem Erstarrllngsintervall [249].
Sogar bei Reinaluminium kommen starke Zerklüftungen der Rest-

= 1:1 Abb.82. Form des Sumpfes als Funktion


Abb. 81. :;;ichtbanllileheJl Jef SUHlllffoflll heim GIlß der Gießgeschwindigkeit beim Strang-
von ReinaluminiuIll durch ZugelJen von Kupfervor- gießen von Wnlzbarren (nach D.lIf. LBWlS
legierung . Längsschnitt durch eillen ReinalulHi- u. J. SAVAGE [235]).
uiulll-Rul\Llbarren. ge~en Gießende wunle (Iem ----- Gießgesrhwindigkeit 10 cm/min;
11etall eille Knpfervorlegierung zugesetzt. daller 15 cm/min;
\lf'lItliehf' Abzeichnnng der Sumpfform l1n gr,üzfell 20 cm/min;
Gefüge (na("h AL{·~rT~~E). 25 cm/rnin.

schmelzeadern nahe bei lokalen Ansaugzentren vor. Besonders in den


Oberflächenzonen der Barren ist daher die Ermittlung der Solidus-
fläche problematisch [128, 243, 250].
In Abb. 82 wird der Einfluß einer variierten Gießgeschwindigkeit
auf die Sumpfform beschrieben.
122 A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze [Lit. S. 193

3.32 Lage der Isothermen im Barren


W. ROTH hat wohl als erster entsprechende Berechnungen und
Messungen vorgenommen [246].
Die Berechnung des Wärmehaushaltes beim Stranggießen wurde
von H. KLEIN [251] und J. CZIKEL [252] weiter verfeinert.

7.5cm!min 22.5cmjmin

30

35

cm
40
Allh. tla. Verlauf der Isothermen in Rundbarren bei zwei verRchiedenen Gießgeschwindigkeiten
(nach D. M. LEWIS [128]).

Eingehende Messungen und Berechnungen wurden sodann von


D. M. LEWIS und J. SAVAGE [235] und D. M. LEWIS [128] angestellt.
Diese Autoren geben auch ein umfassendes Literaturverzeichnis.
Im allgemeinen ist die m.athematische Behandlung des Strang-
gießens noch unbefriedigend. Die Gestalt der Sumpfform und die Lage
der Isothermen nahe der Solidusfläche hängen z. B. in starkem Maße
vom Einlaufsystem ab.
Lit. S. 193] 3. Probleme beim Gießen von Knetlegierungen 123

Besser steht es mit der Berechnung der Isothermen, die weiter von
der Erstarrungsfront entfernt liegen, aber gefügemäßig weniger wichtig
sind.
Beachtlich sind die Messungen von D. M. LEwIs und Mitarbeitern
mit Hilfe eingefrorener Thermoelemente und die Ergebnisse ihrer elek-
trodynamischen Analogie betrach -
tungen [128, 235], Abb.8:3 gibt
typische Meßergebnissc von D. M.
LEWI"; wieder. UnbE'friedigend ist
bei allen Messungcn diE' Ungewiß-
hpit über die Lage der IsothE'rmen
nahe der Kokillenwand und im
Bereich des Einsetzen" der direk-
ten Kühlung [1281- Eine der Ur-
---r--h--/{üh!- ~
sachE'n liegt darin. daß im BE'-
o Wirkung der ~
l"E'ich des Schrumpf8paltes der ? Sprühdüse am unfe.J!
\\'ärmeübergang untcrbrochcn ren Kokillenrand §
c::
wird (Abb. 84). und zwar in eiJ1E'r ",c. 0.0

~
Weit'c, dic von Zufälligkciten '"~ 15 ~
stark abhängt [143.243,2501. c,
c::
Gam allgemein haben D. M. --2 'Co
oQ

LEWIS und J. SAVAGE bei ihren '"


U ntcrsuchungen l23;jJ festge- 20
stellt, daß nur ungefähr 15 Pro-
zent der Erstarrungswärme eine,.;
cm
Barrens über die Stranggußko-
kille abgeleitet werden, während 1M
das Kühlwasser unterhalb der
Kokille anschließend dic rest- AblJ. 84. 'relllperaturgra(Uent und V{ärme-
übergang in der äußersten 6 IHm dicken
lichen 85 Prozent aufnimmt. Randzone eines Rundbarrens von 225 mln
"ViI' werden in Abschn. :3.7 DurchmeHHer als Funktion des Abstands von
<ler Oberfläche der Schmelze (nach D. M.
noeh darauf eingehen. I,RWIH [128]).

3.33 IlIllerp Spannungen

Solange die Isothermen im Barren nicht ganz flach verlaufen (Tüten-


guß). müsscn nach dcm Erstarren innere Spannungen vorliegen. Diese
wurden zuerst mit der SAcHs"when Ausbohrmethode untersucht [253].
Die Größe der Spannungen wurde sodann von G. SEEGER [2541 ge-
!lauer geprüft, und 7:war durch Messung der Längen- und Dicken-
änderung yon Klöt7:('hen. die aus dE'n mit inncren Spannungen be-
124 A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze [Lit. S. 193

hafteten Barren herausgetrennt wurden 1. In Abb. 85 ist ein typisches


Ergebnis aufgezeichnet.
Im Innern eines Rundbarrens herrschen nach den Ergebnissen von
G. SEEGER allseitige Zugspannungen, außen dagegen Druckspannungen.
Bei Aluminium-Kupfer-Magnesium-Legierungen treten Spannungen bis
zu 12 kp/mm 2 auf, was der Dehngrenze des Gußgefüges entspricht.

13
(p/mm z fangenfia/
8
4
0
-4

.,c::
""c::c:::::. 4
.,c::
~ 0
-4
8

0
-4 Blockmiffe J
Abb.85. Gußspannungen in einem Strangguß·Rund· Abb.86. Zonen der Druck· uud Zugspan·
barren aus AlCuMg (nach G. SEEGER [254]). Bungeu in einem Walzbarren (nach W. A.
-;- Zugspannungen - Druckspannnngen LIWANOW [255]).

W. A. LIWANOW [255] findet bei Walzbarren nahe den Schmalseiten


Zugspannungen (Abb. 86). Diese werden auf die an den Schmalseiten von
drei Seiten erfolgende Abkühlung zurückgeführt.
Bei der Beeinflussung der inneren Spannungen zur Vermeidung von
Riß bildung spielen Gießgeschwindigkeit und Barrenquerschnitt eine
bevorzugte Rolle [235, 236, 256].
In Abb. 87 u. 88 werden einige diesbezügliche Erfahrungswerte ver-
mittelt.
Bei Schmiedeteilen oder Stranggußbolzen großer Durchmesser aus
hochfesten Legierungen (z. B. bei der Legierung AlZnMgCu) sind die
inneren Spannungen ein solches Problem, daß man neuerdings in USA
in einer ziemlich umständlichen Prozedur die Abkühlungsspannungen
durch Erhitzungsspannungen umgekehrten Vorzeichens beseitigt [257].

1 Die von G. SEEGER untersuchten Walzbarren waren bereits sechs Jahre ge-
lagert, was die Ergebnisse beeinflußt haben kann.
Lit. ~. 193] 3. Probleme beim Gießen von Knetlegierungen 125

Hierzu kühlt man den Barren z. B. in flüssigem Stickstoff ab und erwärmt


ihn dann möglichst rasch mit überhitztem Dampf, worauf der Barren
anschließend bei Raumtemperatur 48 bis 84% seiner ursprünglichen

z:;
1~lr
, Q2
78 \

ib
1\
b2 \

Qll\ \
,I \
c\ \\, 1\
I
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c2\ .~ ~
~. ~ ~ r-
! ~
I'----400"-mmf::--bOO
c 100 200 300
Blockdurchmesser
.Abo. l::\i. _-\.bhängigkeit der lttaximalell GieIJge· Abb. 88. Zusammenhang zwischen Rlack-
~('hwindigkeit vom Blockdurc1nllcsser und Legie- dicke. Gieß geschwindigkeit nnd Neignng zur
rungstyp. Rißbildung bei gegebenem Seitenverhältnis
(11 , . ". naeh U. PORItO H. 1'. LmIBARDl [256]) (nach W. A. LIWANOW [255]).
(11,. b,. c, nach W. HOTH [23Ii]). iJ maximal zulässige nIackdicke bei gegebe-
Kurve a 1 : ReinalUIllinium und nlchtrißanfä1ligp nem Seiten verhältnis ; C zulässige Gieß ge-
Legierungen Kurve ('1: Stark rißanfällige I~egip­ ,chwindigkeit. die bei der Blarkdicke bein-
rnngen; Kurve (12: ReinallullilliuIll und eutekthwhe wandfreien Guß gewähr]f'i~t.pt.
T.pgierungptl; Kurve b2 : Nichtri ßanfäl1igr IJrgierun-
U"Pll: hnrVf' ('2: Hiß;\llfillligp T.f'gierllll~f'll.

Spannungen verloren hat l258, 259]. Dieses Verfahren ermöglicht emen


Abbau der Spannungen ohne merkliche Warmaushärtung.
Die Spannungen im Gußblock sind bei der Rißbildung maßgebli()h
beteiligt, worauf im folgenden eingegangen wird.

3.34 Rißbildung beim Stranggießen

Die Rißbildung it;t nach don Arbeiten von W. ROTII [236] und
W. A. LIWANOW [255] insbesondere mit folgenden Faktoren ver-
knüpft:
1. Spannungsverteilung im heißen bzw. kalten Block. (Zu beeinflus-
sen durch die Gießbedingungen. insbesondere durch die Art der \Värme-
abfuhr.)
126 A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze [Lit. S. 193

2. Temperatur, bei der die Risse auftreten (Warm- bzw. Kaltrisse).


3. Blockabmessungen
4. Legierungstyp
5. Kleinere Legierungsvarianten (besonders wichtig bei Warmrissig-
keit).
Außer diesen mehr grundlegenden Faktoren kommen zahlreiche
Maßnahmen der Gießereipraxis hinzu, wie Vorbehandlung der Schmelze,
Gehalt an nichtmetallischen Verunreinigungen, Zufuhr der Schmelze
zur Erstarrungsfront [236].
Wir können hier nicht auf Einzelheiten eingehen, sondern wollen
einige typische Beispiele zitieren:

3.341 Vergleich von Flach- und Rundbarren. Die Spannungsverhält-


nisse bei diesen beiden Barrentypen sind sehr unterschiedlich [255].
Nach den Untersuchungen von W. ROTH [236] gelten daher beim
Gießen von hochfesten Legierungen zur Vermeidung von Rissen je nach
dem Barrenformat unterschiedliche Regeln:

3.342 Kaltrisse. Zur Vermeidung des Reißens muß bei Rundbarren


zur Erzeugung eines flachen Sumpfes und damit geringer radialer
Spannungen möglichst langsam gegossen werden.
Im Gegensatz dazu wird bei Flachbarren ein tiefer Sumpf zur Unter-
drückung der Risse angewandt, indem entweder die Gießgeschwindig-
keit erhöht oder die Wärmeabfuhr an den Breitseiten des Barrens
verringert wird [236, 255, 260].
Auch die Drosselung der Wärmeabfuhr an den Schmalseiten des
Barrens kann sich günstig auswirken [261].
Bei hochfesten Legierungen treten meistens Kaltrisse auf, d. h.
die nach dem Abkühlen entstehenden Spannungen führen zu größeren
Rissen - gelegentlich erst geraume Zeit nach Abschluß des Gießens.
Die von W. ROTH [236] gegebene Unterteilung der Maßnahmen zur
Unterdrückung der Risse bei Rund- und ~~lachbarren ist vielleicht nicht
für alle Fälle gültig. Zum Beispiel werden Rundbarren großer Querschnitte
aus hochfesten Legierungen so gegossen, daß die Kühlung unterhalb der
Kokille durch Wegblasen des Kühlwassers [262, 263] oder ähnliche Maß-
nahmen eine Zeitlang unterbrochen wird. Hierdurch wird bewirkt,
daß die Abkühlung des erstarrten Stranges verzögert wird und daher
über seinen Querschnitt relativ gleichmäßig erfolgt, was die Spannungen
vermindert.

3.343 Warmrisse. Diese treten meist in der Gestalt feiner Risse auf,
die oft nur schwer zu erkennen sind. Von diesen Rissen werden ins-
besondere die Legierungen des Typs AIMgSi sowie AIMn und AIMgMn
Lit. S. 193] 3. Probleme beim Gießen von Knetlegierungen 127

befallen, teilweise auch Reinaluminium. Die Risse treten unmittelbar


nach dem Erstarren auf und können vielfach durch geringe Änderung der
Legierungszusammensetzung beeinflußt werden, vor allem durch Ver-
änderung des Verhältnisses Eisen:Silizium. Beträgt dieses (bei Rein-
aluminium oder AIMn) 1: 1, oder hat man sogar einen Silizium-Überschuß,
so sind die Warmrisse begünstigt, während sie bei einem deutlichen
Eisenüberschuß ausbleiben [255).
Die Warmrissigkeit tritt bei Legierungen mit schmalem Erstarrungs-
intervall dann auf, wenn ein verhältnismäßig tief schmelzendes Eutekti-
kum zwischen den nahezu erstarrten Körnern auftritt. Bei Reinalu-
minium mit 99,0 bis 99,7% Al ist bei Fe>Si die Erstarrung der Korn-
grenzen spätestens bei 611 bis 615°C beendet, während bei Si>Fe
die Erstarrung unter Umständen erst bei 575 bis 577°C abschließt
[143, 264, 265, 267]. Hierbei spielt die Kornseigerung eine wichtige
Rolle, vor allem in den Außenzonen des Barrens [143].
Kornverfeinernde Zusätze wirken sich günstig auf die Rißanfälligkeit
aus [261J.
Hauptsächlich in England sind Untersuchungen durchgeführt
worden, bei welchen die Warmbrüchigkeit verschiedener Legierungen im
Zusammenhang mit Problemen beim Schweißen oder Formgießen ge-
prüft wurde [264, 265]. Manche dieser Ergebnisse sind auf die Warm-
rissigkeit beim Strangguß unmittelbar zu übertragen [236, 266]. Die
Warmrissigkeit wird in neuerer Zeit mit der geometrischen Form der
~.\nordnung der Restschmelze im teilweise erstarrten Gefüge in Verbin-
dung gebracht, welchE' von der Legierungszusammensetzung in starkem
Maße abhängt [267al

3.4 Einfluß von Gießgeschwindigkeit und ßarrenformat auf Rißbildung,


Sumpftiefe und Korngröße
Neben der Gießgeschwindigkeit hat das Barrenformat besonders
starken Einfluß auf die Rißbildung. Wie Abb. 87 zeigt, stimmen die
Erfahrungswerte nicht unbedingt überein [235, 236, 256, 268, 269J.
Dies erklärt sich zwanglos aus den verschiedenen Legierungen, Kokillen,
Einlaufsystemen usw .. die bei den einzelnen Autoren Verwendung
fanden.
Bei manchen Legierungen (z. B. bei der Legierung AIZnMgCu [236])
tritt Kalt- und Warmrissigkeit auf; gemäß Abb. 88 muß man dann bei
rechteckigen Blöcken die Blockdicke verringern und ist außerdem bei der
Gießgeschwindigkeit auf ein gewisses rißfreies Intervall angewiesen [255].
Die Sumpftiefe l wächst bei Rundbolzen etwa linear mit der Gieß-
geschwindigkeit v und quadratisch mit der Blockdicke d [236]:
I =- v . d2 • k
128 A. Eigenschaften der AluminiumEchmelze lLit. S. 193

Die Konstante k hängt hauptsächlich von der Kühlung unterhalb der


Kokille ab.
Daher sind bei vorgegebenem Barrenformat in erster Linie die
Kühlung unterhalb der Kokille sowie die Gießgeschwindigkeit praktisch
beeinflußbare Variablen zur Unterdrückung der Rißbildung. Beide Vari-
ab ein beeinflussen die Qualität des Gußgefüges in mehrfacher Hinsicht,
daher muß man bei der Unterdrückung von Rissen oft bezüglich Seige-
rungen oder Oberflächengüte des Gießgutes einen Kompromiß schließen
[270].

3.5 lVlakroskopische Seigerungsvorgängl' im Gußgefüge

3.51 Übersicht

Betrachtet man die Konzentrationsverschiebungen innerhalb eines


Barrens (oder Gußstückes) aus Reinaluminium oder einer untereutekti-
schen Aluminiumlegierung, so sind folgende vier Phänomene zu unter-
scheiden:
1. Kornseigerung.
2. Makroskopische Bereiche mit starken Unterschieden in der Aus-
scheidungsform der Legierungselemente.
3. Blockseigerung : Diese tritt beim Aluminium fast immer in der
Form der umgekehrten Blockseigerung auf, mit lokalen Unstetigkeiten.
4. Ausschwitzungen.
Die Phänomene 1 und 2 sind mit normalen analytischen Methoden
oft nicht nachweisbar, wohl aber die Phänomene 3 und 4.
Alle vier Vorgänge sind miteinander in Wechselwirkung, außerdem
auch mit der Entstehung von Schrumpflunkern und Gasporen im Guß-
gefüge.
Die Kornseigerung wurde bereits weiter oben behandelt, so daß wir
nunmehr die Phänomene 2 bis 4 und danach auch die Bildung von Hohl-
räumen im Gußgefüge erörtern werden.

3.52 Makroskopische Bereiche mit starken Unterschieden in der


Ausscheidungsform der Legierungselemente

3.521 Untersuchungen an Reinaluminiuill. D. ALTENPoHL hat dis-


kontinuierliche Erstarrungsvorgänge im Gefüge von Stranggußbarren
aus Reinaluminium genauer untersucht [143, 250]. Werden Barren-
querschnitte in einer Mischung von HCI und FeCl 3 geätzt, so zeigen sich
diskontinuierliche Übergänge zwischen Gefügezonen von stark unter-
schiedlicher Ätzbarkeit, deren Form von der Schnittrichtung abhängt,
Lit. 8. 19BJ B. Problemp beim Gießen von Knetlegierungen 129

siehe z. B. Abb. 89 oder Abb. 92 auf S. 131. Bei Längsschnitten unter den
beim Stranggießen verwendeten vertikalen Einlaufdüsen tritt oftmals
daR .. Tannenbaumgefüge" auf (Abb. 90).

1:~

Abb. BUa u. h. ).Iukroskuphiche Bereiehe unterschiedlicher Atzbarkeit iUl Gefüge von Strangguß-
barrf'll ans .-\1 99,6. Ahzeiehnullg der drei Düsen des l\ietalleinlaufs. G-ießgeschwindigkeit: 9.5 crnjmin.
Cleiitzt in HCl -+- FeC!" (nach AL 1:SrISSE [2.50]).

Die Spitze der "Tannenbaumä~te" verläuft offenbar zu Saugtrichtern ,


welche nahe der Barrenoberfläche liegen, oft unter starken Ausschwit-
zungen.
In Abb. 91 wird die dreidimensionale Form der Gefügezoneu stark
unterschiedlicher .Äb;barkeit beschrieben, während Abb. 92 ein prak-
t,isches Beispiel gibt. In Abb. 93 wird die Entstehung eines "Tannen-
baumastes" erklärt: Zum Zeitpunkt a entsteht in einem kleinen V olumen-
element nahe der Oberfläche eine starke Ansaugwirkung, da dort durch
die direkte Kühlung das nur teilweise erstarrte Gefüge erfaßt wird. Beim
weiteren Absenken des Stranges tritt die Saug wirkung im Bereich des
teilweise erstarrten Gefüges lokal weiterhin auf, was schließlich die
.. Tannenbaum" -Struktur heryorruH.

9 A!tpnpohL Alllllliniullt
130 A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze [Lit. S. 193

Im "Tannenbaum"-Gefüge ist mehr Restschmelze zwischen den


Dendritenarmen eingelagert als im normalen Gefüge (Abb. 94), was mit
der gegebenen Erklärung übereinstimmt. Trotzdem sind die analyti-
schen Unterschiede zwischen "Tannenbaum"- und Normal-Gefüge kaum
nachweis bar.
In Abb. 95 u. 96 werden Untersuchungen im Heizmikroskop über
die Aufschmelztemperatur der Restschmelze wiedergegeben, wobei sich

1:5
Abb. 90a u. b. "l'annenbaullIge!üge" unter der Düse. Längsscbnitt durch Stranggnßbarren
aus A199,6. Gieß geschwindigkeit 8 cllIjmin. Geätzt in HCl + }'eCl, (nach ALlJSUISSE [250]).

zeigt, daß das "Polyeutektikum" innerhalb des Tannenbaumastes


(Abb. \)5) bzw. innerhalb des Seigerungsbandes (Abb. 96) wesentlich
tiefer aufschmilzt als im normalen Gefüge [143]. Die beschriebene Unter-
suchung wurde an Stranggußbarren durchgeführt, welche mit vertikalen
Düsen gegossen wurden [143, 250]. Daher war ein relativ tiefer Sumpf
und ein ungleichmäßiges Temperaturgefälle zwischen Sumpf und Barren-
oberfläche vorhanden.
3.522 Untersuchungen an Knetlegierungen. Die lokale Zuführung
des Metalles zum Sumpf begünstigt nicht nur bei Reinaluminium die
Ausbildung von "Tannenbäumen", sondern auch beim Stranggießen
Lit. S. 193] 3. Probleme beim Gießen von Kuetlegierungen 131

von Legierungsbarren. Zum Beispiel traten in Rundbarren aus der


Legierung AlMgSi von 200 mm 0, welche nur mit einer vertikalen
Düse gegossen wurden, "Tannenbäume" auf. Unter diesen relativ un-
günstigen Gießbedingungen kommt es zu starken Ansaugerscheinungen
im fast erstarrten Gefüge, welche bei
Legierungen unter lTmständen sogar
analytisch nachweisbar sind (siehe
unten) ..Jedoch treten bei T~egierungen

sie Ige Seigerungsfron Düsen


.fannenboum"oiJ(
wngsflache

'Schni//flddJe Mmm
, linler der 6ußhoui
ongeschndlene
• Tonnenbaumosle·
1: 10
sirichpunkher er Teil wurde weggeschntflen Abb. 92. Beispiele für die dreidimensio-
nale Forln der G-efügezonen unterschied-
Abb. 91. Schnittflächen !lurch einen Stranggußbarren licher Ä tzbarkeit. .ÜJSehllitt aus einem
aus Reinalulniniulll. Dreidimensionale Form der Ge- Strallggußbarren "''' Al 99.6. Ange-
!üge7,Onen unterschiedlicher Ätzbarkeit (nach A1,l"- ;-\('hllittene .,Tanllenhaumäste". Geätzt in
SFTSf\E [200]). Rn + F'rC1, (nm'h ALrSIHSSE).

auch lokale "Wolken" von ca. 2 bis 20 mm Durchmesser auf, in


denen die Legierungselemente unterschiedlich zum "Normalgefüge"
angeordnet sind, ohne daß diese Zonen sich analytIsch von der
Umgebung merklich unterscheiden. In Abb. :34, S. 42 ist eine solche
"Wolke" wiedergegeben, welche beim anodischcn Oxydieren eines (zuvor
geglänzten) Querschnittes durch das Gußgefüge leicht erkannt werden
kann.
Abgesehen von Ansaugvorgängen während der Endphase der Er-
starrung können solche ..Wolken" auch mit der Vorgeschichte der

9*
132 A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze [Lit. S. 193

So/idusfemperalur
der Korngrenzen-
subsfanz (keine
Isofherme , ca
verspannfe Zone 617 '" czg oe ,je nach
lokaler Zusammen-
sefzung der Resf-
schmelze)

Schmelze in dünnen Kanälen desJannenbaumas!esnoch flÜSSig


W .,Tannenbaum" endgültig erstarr!
Abb. 93. Schematische Darstellung der Entstehung eines Ansaugtrich\.ers ("Tannenbaum"ste,;") im
teilweise erstarrten Gefüge eines Stranggußbarrens aus Reinaluminium (nach ALUSUISSE r2.501) .
{/ , b, c: drei zeitlich aufeinanderfolgende Positionen desselben Ansaugzentrnms .

.. ,-'. ,.
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, .' - ... -
~

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11 ~~
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- " .'

_. 4.'-

60: 1
Abb. 94a u. b. Vergleich zwischen nonnaleJu Gußgefüge und deut Gefüge eines "Trulllellbalunaste~'·.
Querschliffe aus Stranggußbarren aus Al 99,6. Elektrolytisch reliefpoliert (nach AL U8 UISSE [2.50]).
a) "Tannenhaumast" ; b) normales Gefüge.
Lit. S. 193] 3. Probleme beim Gießen von Knetlegierungen 133

Schmelze zusammenhängen, speziell bei mangan- oder magnesium-


haitigen Legierungen, bei denen eine gleichmäßige Verteilung der Legie-
rungselemente in der Schmelze schwer zu erreichen ist.

= 1:1

,I

, , ..J

)
. .•
b
120: 1
ALL. 95a - c. AnfKchlllelztempemtur der He,t-
schmelze im •. Tannenbaumgefü!(e'· eineK
Reinaluminium-Stranggullbarrens (AI 99.6:
. 520x 160 nun; Gießgeschwindigkeit 9.ocm!nlin)

-
~
(nach ALUSl:ISSE [143]).
J"r I a) Schnittfläche 40 mm tief parallel zur Hllf.:-

, •
) •
haut. Geätzt in HCI + ~'eCJ3' Pleil ~ Giel.\-
richtung; b) Gefüge des Harrenabsehnittes nJll
j Teilbild a bei Erwärmung alll 513 "C. Keine
Gefügeänderullg gegenüber deIn kalten Zu-
stall(l: c) Geliige des gleichen AbHehnitte, bei
Erwärmung auf 638 oe. Anschmelznng einer
inlermc,liiiren l'hase (Pfeil).

l~O: 1

Bei Aluminium-Magnesium-Legierungen dürfte nies am ehesten mit


einem " Oxydhautsack" zusammenhängen, der einzelne Magnesium-
tröpfchen auch in der Schmelze umhüllt!.
Die Legierungspartner, welche wesentlich höher als Aluminium
sr;hmelzen, bereiten bei der Herstellung gleichmäßiger Legierungs-
8chmelzen besondere Probleme. Wird Z. B. die Legierung AIMn (ca.
1,2% Mn. zugesetzt 7,U Reinaluminium) aus Schrott erschmolzen, so

1 Die verschiedenen Legierungszusätze zeigen generell eine stark unterschied-


liche Auflösungsgeschwindigkeit im flüssigen Aluminium. Beispielsweise zeigt sich,
daß die Auflösung von Kupfer wesentlich rascher erfolgt als von Magnesium.
Bei AIMg-Legierungen kann eine homogene Legierung durch Diffusion allein kaum
erreicht werden, sondern es ist pinp meehanisehe Rührwirkung notwendig [269a].
Hiehe dazu auch S. 31, 1l87.
134 A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze [Lit. S. 193

liegt das Mangan in feinster Verteilung vor. Wird aber eine frische Legie-
rung unter Verwendung von Rein-Mangan oder Mangan-Vorlegierung
erschmolzen, so wird häufig festgestellt, daß das Mangan in "Wolken"
von der Größenordnung 1 mm angereichert ist. Daher kann bei
einer Spektralanalyse des Guß gefüges der Mangangehalt lokal relativ
stark schwanken, wenn die Legierung zum ersten Male erschmolzen
wurde. (Diese Schwankungen sind u. U. auch noch nach dem Abwalzen
auf ca. 1 mm spektralanalytisch erkennbar.)

= 1:1

) \

- ) '-

.~
\

)
r
120: 1

,

Abb. 96,,- c. Aufschmelztemperatur der Rest-
schmelze in der Seigerungszone eines strang·
gußbarrens aus Reinstaluminium (Al 99,995)
(nach ALUSUISSE [143]).
a) Ausschnitt aus einer Seigerungszone, die
quer durch die Primärkörner verläuft. b) Schliff
durch. die Seigerungszone von Teilbild a nach
Erwärmung auf 635 oe. Keine Gefügeänderung
gegenüber dem kalten Zustand. c) Die gleiche
c GefügesteIle wie Teilbild b nach Erwärmen anf
651°e. Starkes Anspressen von Restschmelze.
120:1

Natürlich haben Schmelztemperatur, Abstehzeiten usw. Einfluß auf


diese Art der Wolkenbildung, worauf wir im einzelnen nicht eingehen
können.
Die Folgen solcher "Wolken" müssen im einzelnen noch weiter unter-
sucht werden.
Eine Eigenschaft, die besonders empfindlich anspricht, ist die Streifig-
keit nach anodischer Oxydation, auch wenn zuvor das Gußgefüge durch
Abwalzen z. B. von 200 auf 1 mm stark gestreckt wurde.
Lit. S. 193] 3. Probleme beim Gießen VOll Knetlegierungen 135

Es ist anzunehmen, daß auch Festigkeitswerte und Rekristallisations-


texturen lokal auf die Seigerungen im Gußgefüge ansprechen. Dies gilt
insbesondere für die analytisch im Gußgefüge von Legierungsbarren
leicht nachweisbaren Seigerungen, auf die wir im folgenden eingehen
werden.

:l.6 rmgekehrtt' Blockseigerung

3.61 V ()rbemerkung

Die umgekehrte Blockseigerung ist seit Anfang der 20er Jahre


Gegenstand zahlreicher Untersuchungen gewesen, welche sich speziell
mit Aluminiumlegierungen befaßt haben. Die Untersuchungsergebnisse
haben bis in die jüngste Zcit hinein zu widerspruchsvollen Theorien ge-
führt. Die Theorien bis 1937 sind in übersichtlicher Form beiN. B. VAUG-
HAN [2711 und W. CLAUS l272J bE'schrieben und gegenübergestellt. Eine
neuere Literaturübersieht gibt G. JEHMLICH [270].
Wir werden uns darauf beschränken, einige typische, am Aluminium
erhaltene Untersuchungsbefunde der umgekehrten Blockseigerung zu
beschreiben und die heute am meisten anerkannte Theorie der Volumen-
schrumpfung sowie die hiervon stark abweichende Hypothese von
G. JEHl\ILICH [270] kurz wiederzugeben.

3.62 Beobachtungen au GIlßbarren aus Al1tminiurn-Legierungen


3.621 rnstctigkeiten der umgekehrten Blockseigerung' in strangguß-
barren. Die Blockseigerung verläuft in Barren odE'r Gußteilen meistens
unstetig [240, 241, 242, 250, 270. 27.5, 276].
Speziell beim Stranggießen können starke lokale Schwankungen im
Seigerungsverlauf auftreten, welche z. B. durch Strömungen in der
Schmelze, ungleichmäßige Abkühlung von Nachbarpartien oder lokale
Abschnürung der "Nachspeisung" durch Einfrieren von Zuflußkanälen
eier Restschmelze entstehen können.
In Abb. 97 und 98 werden einige typische Ergebnisse wiedergegeben,
die durch Analyse einzelner Barrenzonen erhalten wurden. Die dort
wiedergegebenen Schwankungen im Kupfergehalt von Walzbarren aus
AICuMg sind auf eine beim Stranggießen erfolgte ungleichmäßige Zufuhr
der Schmelze in den Sumpf zurückzuführen. Außerdem hat auch di~
Gießgeschwindigkcit starken Einfluß auf die Seigerungen, welche mit
zunehmender Gießge,.;ehwindigkeit generell stärker werden 1 (Abb. 99)
[242].
1 Dies gilt sowohl für die Kornseigerung als auch für die Blockseigerung. Eine
starke Kornseigerung sorgt für ein vermehrtes Volumen an Restschmelze, welche
wiederum eine Rtärker ausgebildete Rlockseigerung begünstigt.
136 A. Eigenschaften der Alurniniurnschrnelz3 [Lit. S. 193

Mit zunehmender Gießgeschwindigkeit nimmt die Sumpftiefe wie


auch die Breite der Erstarrungszone zu.
Die umgekehrte BIockseigerung nimmt beim kontinuierlichen Gießen
mit der Sumpftiefe zu. Sie ist in etwa proportional zur Projektion der
Breite der Erstarrungszone auf den Blockquerschnitt.

~~ ohne GußsfrahlJlerfeiler
%
'1.0

3.C

.3.2
::!:::
~ 2,8
"2>
~
mif Gußsfrahlyerfeiler
~'I.
*
*. 0
3.C

3.2
2,8

E
E 0 0 o 0 0 0 0 o 0 o 0
<::>
~

Abb. 97. Einfluß der Schmelzeznfuhr auf die Seigerung von Walzbarren 100 x 400 mm aus AlCuMg
(nach H. Kästner [241]).

Schmelz zufluß

Abh.98. Störstelle im Seigerungsbild eiues Wasserguß-Walzbarrens aus AICu3Mg durch unzweck-


mäßige SchmelzezuflIhr (nach H. KÄSTNER [241)).
Lit. S. 193] 3. Probleme beim Gießen von Knetlegierungen 137

In Abb. 99 und 100 kommt zum Ausdruck, daß sowohl bei Strangguß
als auch bei Kokillenguß 6 bis 9 Minima in den Seigerungskurven auf-
treten, wenn der Kupfergehalt von Barren aus AICuMg über den Barren-
querschnitt untersucht wird. Der Vergleich der Abb. 99 und 100 läßt
außerdem erkennen, daß die Blockseigerung beim Kokillenguß wesent-
lich stärker auftritt als beim Strangguß, wenn die normalerweise an-
gewendete Gießgeschwindigkeit von 6 bis 10 cmJmin beim Strangguß
zugrunde gelegt wird.

\
'( \
I
a 3,7 i~----'-----:--:-----~---+--J...J
~- ---+-- - 8arrend/dre.IS?4mm,-~~+----H
3,8~;--T--~--+1---~----~~
, ' ' 1 I
3,6:- Durchschnilfsanafvse 3,5~ %Cu - ----j-----+
I:
--------;-----~,------~---T-'

! ,'I 'I \
I ,

c 3,0 : ,
~, - --I -- BarrendlckMS3Smm ---
36' , " ,
, ,- Durchschniffsanafvse 3,54 %CU-I---7""=~--'-----+i
" I i 1 /

U
11
1 '

,I

- ---------j--
I

Barrendicke -152 mm

Abb. 99 a- d. Seigerung bei Strangguß verschiedener Gießgeschwindigkeit


(nach H. VOSSKÜHLER[242]).
a) Gieß geschwindigkeit 6 cmjmin;
b) Gießgeschwindigkeit 8 cm/min;
c) Gießgeschwindigkeit 10 cmjmin;
d) Gießgeschwindigkeit 12 cmjmin.
138 A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze [Lit.8.193

Die von H. VOSSKÜHLER gegebene Deutung des Auftretens mehrerer


Minima in der Seigerungskurve ist in Abb. 101 abis c wiedergegeben
[242]. Die gestrichelte, horizontale Jjnie gibt jeweils an, wo der betrach.
tete Schnitt liegt. Im linken Teil von Abb. 101 b wird ein Schnitt durch
die Erstarrungszone bis in die Mitte des
3,8~--------------.
Sumpfes beschrieben. Man erkennt die
% anfängliche Abscheidung kupferarmer
3,7~--------~----------~
Primärkristalle, die eine angereicherte
Restschmelze im teigigen Bereich hin~
terläßt. Nach völligem Abschluß der
Erstarrung (rechter Teil von Abb. 101 b)
haben sich die Verhältnisse umgekehrt,
da nunmehr die kupferreiche Schmelze
durch Volumenschrumpfung in die
Außenzone abgesaugt wurde. Im Bereich
der Erstarrungsfront entstehen gleich.
zeitig aluminiumreiche Primärkristalle.
Wie in Abb. 101 c erläutert wird,
3,3~--------------------~ kann das in Barrenmitte auftretende
1 . - - - ßarrendicke-Mmm ------:
Konzentrationsminimum dadurch er-
Abb. 100. Seigerung bei Kokillenguß klärt werden, daß dort vorzugsweise
(Schwenkkokille). Barrenmitte
(nach H. VOSSK1tHLER [242]). Primärkristalle liegen. Zwischen diesen

a c
Abb. 101. Ableitung des diskontinuierlichen Verlaufs der Seigerung bei AlCuMg (ohne Auftreten von
Ausschwitzungen) (nach H. VOSSK1tHLER [242]).
Lit. S. 193] 3. Probleme beim Gießen von Knetlegierungen 139

wurde die kupferreiche Restschmelze fortgesaugt, wobei die von oben


aus dem Sumpf nachströmende Schmelze durchschnittlicher Zusammen-
setzung den Kupfergehalt nicht wieder auf den Mittelwert bringen kann.
Die in Abb. 99 und 100 erkennbaren Minima nahe der Barrenober-
fläche sind auf das Auftreten von Ausschwitzungen zurückzuführen.
Einzelheiten dazu siehe weiter unten.

3.622 Zusammenhang zwischen Unstetigkeiten in der Korngröße


und Seigerungen. W. ROSENKRANZ [240] hat die Unstetigkeiten im
Gefüge von AIOuMg-Barren mit dem Abkühlungsverlauf in Zusammen-
hang gebracht. Wie Abb.102 zeigt, können gewisse Zusammenhänge
zwischen den Konzentrationsminima des Kupfers und dem Auftreten
einer neuen Gefügezone festgestellt werden.
Nach W. ROSENKRANZ [240] hören die Stengelkristalle dann auf zu
wachsen, wenn der Temperaturgradient durch Schrumpfspalt und dicker
werdende Kruste zu flach geworden ist, worauf eine Keimbildung in der
Schmelze und globulitische Kristallisation erfolgt. Innerhalb dieses
globilitischen Gefüges hat W. ROSENKRANZ [240] wiederum Zusammen-
hänge zwischen Seigerung und Gefügeausbildung gefunden: Zonen mit
feinem Korn haben einen tieferen Kupfergehalt als grobkörnige Bereiche.
Der in Abb.102 beschriebene Seigerungsverlauf wurde an einem
Kokillen-Gußbarren gefunden, welcher unter normalen Bedingungen
erstarrte (hauptsächlich radiale Wärmeableitung). Wird dagegen eine
langsame Erstarrung bei Unterdrückung der radialen Wärmeableitung
durchgeführt, so ergibt sich das in Abb. 103 wiedergegebene Seigerungs-
bild.
Bei dem in Frage kommenden Barren war der größte Teil der Wärme
über die (ursprüngliche) Schmelzoberfläche direkt an die Atmosphäre
abgeführt worden, d. h. die Erstarrung begann an der freien Oberfläche.
Aus dem Vergleich von Abb. 102 und 103 ergibt sich der Hinweis, daß
die Legierungsmetalle in Richtung des Wärmestromes wandern, wobei
die "Wasserscheide" des Wärmeflusses normalerweise in Barrenmitte
und im Fall der Abb.103 außerdem nochmals nahe dem Blockrand
auftritt (ein geringer Teil der Wärme wurde durch die Kokillenwand
abgeleitet).
Auf Grund von Röntgen-Durchstrahlungsaufnahmen findet G. JEHM-
LICH [270], daß die StcngelkriRtall7.0ne einen gleichmäßigen (und zwar
erhöhten) Kupfergehalt aufweist, der an der Grenzfläche zur globuliti-
sehen Zone stark absinkt.
S. MUROMACHI [273] findet bei einer Aluminiumlegierung mit 4% Ou
ein Minimum im Kupfergehalt beim Übergang zwischen der feinkörnigen,
durch rasche Abkühlung entstandenen Außenzone zur Stengelkristall-
zone. (Dieses Minimum könnte durch Ausschwitzungen verursacht sein).
140 A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze [Lit. S. 193

*,0 Abb. 102. Seigerungsverlauf in einem nor-


% mal an Luft abgekühlten Kokillenguß-
Rundbarren, 170 mm Durchmesser, aus
AICuMg (nach W. ROSENKRANZ [240]).

3,9

3,8 H
% 5,02%

-."
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~
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CQ

! ! glob~/ifisch \ ~OO
L
20 *0 mm CO
Lsehr feinglobulifisch Absfand von der Blockoberfläche
- grob sfengelig
sehr fein globulifisch Abb. 103. Seigerungsverlauf in einem
fein sfengelig Rundbarren aus AICuMg, 100 mm Durch-
messer. Von 800 oe sehr langsam abgekühlt,
20 *0 CO mm 80 radiale Wärmeableitung stark gehemmt
Absfand von der ßlockoberflöche (nach W. ROSENKRANZ [240]).

3.623 Theorie der umgekehrten Bloekseigerung von Aluminium·


legierungen. In den meisten neueren Untersuchungen wird die Ansicht
vertreten, daß bei der umgekehrten Blockseigerung von Aluminium-
legierungen auf Grund der etwa siebenprozentigen Erstarrungsschrump-
fung der zuerst erstarrten Primärkristalle eine stark angereicherte
Restschmelze in die Außenzonen des Barrens oder Gußteiles gesaugt
wird. Diese "Volumenschwindungs-Theorie" basiert somit auf einem
rein mechanischen Vorgang [136, 241, 242, 271, 274, 275, 276, 277,
279]. Einige Autoren haben die Theorie der Volumenschwindung weiter
ausgebaut.
Lit. S. 193] 3. Probleme beim Gießen von Knetlegierungen 141

P. BRENNER und W. ROTH [276] haben verschiedene der in Betracht


kommenden Faktoren eingehender untersucht. Durch die erwähnte
Volumenschrumpfung bei der Erstarrung wird ständig Schmelze in die
zuerst erstarrte Zone nachgesaugt. Wenn die Schmelze dabei das teil-
weise erstarrte Gefüge passiert, wachsen die dort liegenden Primär-
kristalle weiter, wodurch die Schmelze auf ihrem Weg nach außen immer
mehr angereichert wird.
In den äußeren Zonen des Barrens sind im Regelfall die Verhältnisse
so, daß die Anreicherung der Restschmelze am seigernden Legierungs-
element viel höher ist als die Verarmung der dort liegenden Primär-
kristalle, was somit bei einer (integrierenden) Analyse die umgekehrte
Blockseigerung ergibt.
Es hat nicht an Versuchen gefehlt, den beschriebenen Mechanismus
der umgekehrten Blockseigerung durch Berechnungen zu erhärten
[136, 274, 279, 280]. Die Übereinstimmung zwischen den Berechnungen
und gemessenen vVerten ist im großen und ganzen befriedigend.
Wie in Abb. 104 beschrieben wird, kann die umgekehrte Blockseige-
rung sowohl durch hohe als auch durch niedrige Erstarrungsgeschwindig-
keit unterdrückt werden [276].

Kmia//selgerung
,
" ....-
....---- _----
/'
,/
/
// umgekehrfe
/ B/ockselgerung
//

a Abküh/geschwlndlgkeif

--,
b
.
";Innen
C
_~=<innen
außen
\
\
auöen ""
"-
"

h ZeH
Abb. 104 a u. b. Zusammenhang zwischen Abkühlungsgeschwindigkeit und Seigerung.
a) Einfluß der Abkühlgeschwindigkeit auf Kristallseigerung und Blockseigerung (schematisch); (nach
W. CLAUS [272] sowie P. BRENXER U. W. ROTH [276]; b) Schematische Darstellung des Abkühl-
verlaufs bei verschieden schneller Abkühlung von Schmelzen (nach W. ROSENKRANZ [240]).
Kurve a: sehr schnelle Erstarrung; Kurve b: mittlere Erstarrungsgeschwindigkeit (technischer Barren-
guß) ; Kurve c: sehr langsame Erstarrnng.
?Im im Falle b wird starke Blockseigerung beobachtet
142 A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze [Lit. S; 193

W. ROSENKRANZ [240] weist darauf hin, daß nur bei mittleren Erstar-
rungsgeschwindigkeiten die Voraussetzungen für die umgekehrte Block-
seigerung gegeben sind, wie aus dem Vergleich der Erstarrungskurven in
den Außen- und Innenzonen hervorgeht (s. Abb. 104b).
Außerdem sind noch die geometrischen Verhältnisse zu berücksichti-
gen: Hier ist vor allem die Form der Erstarrungsfront wichtig; Tüten-
guß (flacher Sumpf) unterdrückt z. B. die umgekehrte Blockseigerung.
Ein anderes Beispiel ist das Zonenschmelzen : Bei diesem erfolgt die
Erstarrung extrem langsam, und trotzdem hat man eine äußerst starke
Blockseigerung. Dies ist darauf zu-
Sfronggußborren rückzuführen, daß beim Zonen-
20mml0 0
~ schmelzen die Anreicherung der Rest-
(f fe-arm , 0.&8 "foFe schmelze an Legierungsbestandteilen

I
fe zunehmend absichtlich hoch gehalten wird: Die
[J ' ß "chI Gründe hierfür sind von W. G. PFANN
I b h' b d
o %~ /!.e-\ / A . Je rt ung . •
lIll emze nen esc ne en wor en
.6Z e '!!Fm' ' fe mox, (9G%Fe [281].
Als treibende Kraft kann an-
0.7'" 'k Fe
Fe zunehmend stelle des Ansaugens durch Volumen-
~ - Anreicherungen in der
' GuBhouf, '" 1,2 %Fe schrumpfung auch die Kapillarwir-

.
~
05S %fe (Fe~, / A
,orf!J.
4,
S h,]
femax.1.52%fe
h1 - 0; bis aGmm
hi!-aSbis 1,1mm
kung angenommen werden [136].
H. VOSSKÜHLER [242] hat erklärt,
daß die Oberflächenspannung des
flüssigen Aluminiums (proportional
(jußh ou,' A- Ausschwtlzung der Steighöhe der Schmelze in den

Abb. 105. Gehalt an ausgeseigertem Eisen in Kapillaren des teilweise erstarrten


Ausschwitzungszonen. Längsschnitt durch die Gefüges) mit abnehmender Tempera-
Oberfläche eines Stranggußblocks aus Al99
mit 0,80% Fe und 0,18% Si (schematisch) tur zunimmt. Demnach wird die Ka-
(nach ALUSUISSE [243]). pillarwirkung in den Außenzonen des
S Seigerungsband, das durch Atzung in HCI B b d b .
+ FeCI, kenntlich gemacht werden kann. arrens eson ers egünstlgt, was
im Sinne der umgekehrten Block-
seigerung wirkt. Die Viskosität der Schmelze dürfte gleichfalls als Variable
zu berücksichtigen sein; W. CLAUS [272] hat darauf aufmerksam ge-
macht, daß die umgekehrte Blockseigerung durch eine in der Schmelze
vorhandene Oxydsuspension stark beeinflußt werden kann.
Ein Ansaugen von Schmelze kann im Regelfall nur durch ein Gefüge
erfolgen, welches zu mehr als 70% erstarrt ist und in dem eine gewisse
Kohärenz der Primärkristalle besteht.
Die Hypothese von G. JEHMLICH [270] stützt sich auf Röntgendurch-
strahlaufnahmen, die vor und während der Erstarrung ausgeführt
wurden. Auf Grund seiner Experimente glaubt G. JEHMLICH nachge-
wiesen zu haben, daß die in der Nähe der Kokillenwand unterkühlte
Schmelze bereits vor Beginn der Erstarrung an Legierungselementen ange-
Lit. S. 193] 3. Probleme beim Gießen von Knetlegierungen 143

reichert ist. So findet G. JEHMLICH Z. B. an einer Aluminium-Kupfer-


Legierung mit 10% Cu, daß zunächst kupferreiche Mischkristalle
erstarren und dann eine an Kupfer verarmte Restschmelze zurückbleibt.

3.7 Ausschwitzungen und Seigerungen nahe der Gußhaut


Die höchsten Gehalte an ausgeseigerten Elementen werden vielfach
in Ausschwitzungen gefunden [243, 283]. Abb. 105 läßt erkennen, daß
z. B. der Eisengehalt in Ausschwitzungen über das Doppelte des durch-
schnittlichen Gehaltes betragen kann.

Kokille g!alf

(jew-% Fe

0.15 Si
f-A-----+----=*~-----'=F~~d--___i

~-=7 --1
I" ':::"...,=1 - 'Fe- -
p-""'---
3a:'r' nmlife(
Si
--
~~y-

"cl
I'~ '~7 ~
-1

70 75 20 0 5 70 15 mm 20
Absland von der Oberfläche
Abb. 106 a-f. Seigerung an Strangguß-Walzbarren aus A199,6 (nach ALUSUISSE [243]).
a), b) Düsenguß (eine Düse 10 mm Durchmesser) Gießgeschwindigkeit 8,5 em/min; c), d) Guß durch
Loehbecher, Gießgeschwindigkeit 12,0 em/min; e) Guß dureh Loehbecher, Gieß geschwindigkeit
10,0 cm/min; f) Guß durch offene Rinne, Gieß geschwindigkeit 6,5 cm/min.

Nahe der Oberfläche von Gußbarren wird oftmals eine enge Gefüge-
zone beobachtet, welche an Eutektikum verarmt ist [242, 243].
Allerdings hängt es von den Gießbedingungen ab, wie die Seigerungs-
kurve verläuft, und Abb. 106 zeigt, daß das System der Metallzufuhr, die
Rauheit der Kokillenwand und die Gießgeschwindigkeit beim Strang-
gießen einen starken Einfluß auf die Seigerungen nahe der Barrenober-
fläche haben.
144 A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze [Lit. S. 193

Zwei besonders wichtige Faktoren, welche die Höhe des Schrumpf-


spaltes und damit die Seigerungen nahe der Gußhaut beeinflussen, sind
Sumpftiefe und Höhe des Meniskus.
Der Mechanismus, der die Ausschwitzungen beim kontinuierlichen
Gießen erzeugt, wird in den Abb. 107 und 108 schematisch beschrieben.
Sobald beim kontinuierlichen Gießen ein Schrumpfspalt vorliegt, tritt
dort ein Wärmestau ein. Nunmehr kann durch die weiterhin freiwerdende
latente Erstarrungswärme ein Aufheizen der bereits erstarrten Rand-

*(nach Zusfandsdiagramm)
Abb. 107. Einfluß der Meniskushöhe auf die Erstarrung von Reinaluminium nahe der Kokillenwand.
Links: Entstehung von starken Ausschwitzungen; Rechts: Gußhaut weitgehend frei von Ausschwit-
zungen_ Längsschnitt durch Stranggußkokille.
A Ausschwitzung; SR Solidustemperatur der Restschmelze an Korngrenzen und zwischen Dendriten-
armen (keine Isotherme, da abhängig vom Ausmaß der Kornseigerung); Absenkgeschwindigkeit
"" 8cmjmin.

kruste erfolgen, wobei das zwischen Dendritenarmen oder an Korn-


grenzen liegende Eutektikum wieder aufschmilzt und auf Grund der
Volumenzunahme in der Form von Schwitzperlen ausgepreßt wird.
Selbst das Auftreten kräftiger Ausschwitzungen kann auf die beschrie-
bene Weise erklärt werden, zumal bis zu 1/6 der Barrendicke unter der
Oberfläche als "Einzugsgebiet" für die Ausschwitzungen dient, wie z. B.
an der Verarmung dieser Zone an Kupfer festgestellt wurde [242].
Das Ausquetschen von wiederaufgeschmolzenem Eutektikum tritt
auch bei Kokillenguß auf, wo gleichermaßen ein Schrumpfspalt zu beob-
achten ist. Alle Faktoren, welche den Schrumpfspalt beeinflussen, be-
wirken :folgerichtig eine Veränderung der Ausschwitzungen [243, 284].
Um beim Stranggießen die Ausschwitzungen möglichst ganz zu
unterdrücken, muß man den Schrumpfspalt auf ein Minimum reduzieren,
Lit. S. 19:~l :~. Probleme beim Gießen von Knetlegierungen 145

was nach Abb. 107 (rechter Teil) durch Gießen mit möglichst niedrigem
Meniskus gelingt. Jedoch ist es nicht ganz einfach, einen Meniskus so tief
und konstant zu halten. Hierzu sind z. B. absolut plane Kokillen zu
verwenden.

Wärmesfrom ewe Temp

8arren-
Oberfläche
Schmelze
~m
.~ferder
Oberfläche
Wärmesfau
im Luffspalf
~
'"<:: i Einfluß der
'§ rdirekfen
~ I Kühlung
~ , i
c03
Liquldusfemp Liqu idusfemp.
a Solidusfemp (nach Zusfands- Solidusfemp. (nach
diagramm) Zusfandsdiagramm)

Warmesfrom

Schmelze
.imm
/unferder
Oberfläche
Warmesfau
_ L
,
'1 1m Luffspalf
-: -t ---
0.>
----+-1:)
I Einfluß der
<:: 'rdireMen
r~ lKühlun g
t ]
-- -I ~/ Liquidusfemp.
Solidusfemp (nach Zusfands-
Llquidusfemp diagramm)
b Solidusfemp (nach Zusfandsdiagramm)
Abt. 108 a u. h. JiJrläuterullg der
Entl'iteh1Ln~ periodischer Ausschwitzungen beiIn StranggieI3en YOll
Reinalumininm ("~199.5). Längsschnitt durch eine Hälfte der Kokille mit zngehörigem Wärmest rom
lInd wit zugehörigen Temperaturen an der Barrenoberfläche bzv{. 5 nun darunter
(lI:tch ALFSTTISSE [243]).
a) Kurz nach (leI' Rnt:'lltphnng einpf Anssrh\vitzung;
b) Kurz vor der Eutstehung einer AllSsrhwitzung.
A AllS~-l('hwitzlLng; S' Seigernngsband lnit angereieherter Restsclullelze.

Ein oft angewendetes Mittel zur Verringerung von Ausschwitzungen


sind Riefen auf der Kokillenwand parallel zur Gießrichtung [285]. Diese
Riefen verringern den 'Värmeübergang in die Kokille, was einer Absen-
kung des Sehrumpf8paltes gleichkommt. Außerdem nehmen die Riefen

10 c\ltenpohl, Aluminiulll
146 A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze [Lit. S. 193

Schmiermittel besser auf als eine polierte Kokillenwand. Die Verwen-


dung geriefter, gut geschmierter Kokillen gemeinsam mit einem Schwim-
mersystem zur Einhaltung eines konstanten und tiefen Meniskus (z. B.
50 bis 55 mm von Kokillenunterkante bei Walzbarren) erlaubt die Her-
stellung fast ausschwitzungsfreier Barren aus Reinaluminium. Jedoch
sind die gerieften Kokillen für Legierungen oftmals ungeeignet (Risse
nahe der Oberfläche).
Abb. 106 läßt verstehen, daß bei gerieften Kokillen recht kräftige
Seigerungsvorgänge nahe unter der Gußhaut ablaufen, welche bei Legie-
rungen durch den höheren Anteil an
Restschmelze verstärkt auftreten und
zu schwachen Gußkorngrenzen führen.
Daher wird man bei Legierungen
meist die Tendenz haben, in der Ko-
kille bereits genug Wärme abzuleiten,
um eine genügend dicke erstarrte
Kruste zu haben, wenn die direkte
Kühlung einsetzt. Allerdings muß man
dafür bei Legierungen stärkere Aus-
. : schwitzungen in Kauf nehmen.
Der Übergang zu diesen mit Rest-
schmelze stark angereicherten Aus-
16.5: 1 schwitzungen ist oft recht schroff
Abb. 109. Schliff durch Ausschwitzungen (Abb.109).
am Rand von Kokillengußbolzen aus
AICuMg (nach ALl:Sl;ISSE). Ein anderes Hilfsmittel zur Redu-
zierung des Schrumpfspaltes und so-
mit zur Unterdrückung der Ausschwitzungen ist die Verwendung
konischer Kokillen oder eines isolierenden Kragens im oberen Teil der
Kokille. Letztere Maßnahme bewirkt außerdem einen flacheren Sumpf,
was gleichfalls die Ausschwitzungen verringert.
Der in den Abb. 107 und 108 beschriebene Mechanismus der Ent-
stehung von Ausschwitzungen dürfte heute weitgehend akzeptiert sein
[235, 243, 284].
Teilweise wird der hydrostatische Druck des Sumpfes als Ursache
der Entstehung der Ausschwitzungen benannt [276]. Jedoch wiesen
andere Autoren nach, daß Ausschwitzungen auch ohne hydrostatischen
Druck entstehen [242, 270]. Sie können auch allein durch lokal starke
Unterschiede der Erstarrungsgeschwindigkeit nahe der Oberfläche
erzeugt werden. Dies kann z. B. dadurch bewirkt werden, daß in eine
Kokillenwand isolierende Flächenelemente eingefügt werden, wobei dann
nahe der Grenzlinie zwischen starker und schwacher Wärmeableitung
bevorzugt Ausschwitzungen auftreten, welche man somit auf lokale
Schrumpfspannungen zurückführen könnte [283].
Lit. S. 193] 3. Probleme beim Gießen von Knetlegierungen 147

H. RÖHRIG [286] hat Überlegungen über die Ursache der Ausschwit-


zungen angestellt. Er nimmt an, daß die globulitische Innenzone
innerhalb relativ kurzer Zeit erstarrt und dabei auf Grund der frei-
werdenden Schmelzwärme die zuvor erstarrte äußere Kruste so weit auf-
heizt, daß das Eutektikum aufschmilzt und ausgepreßt wird.

1 :2.5
Abh. 110 a - c. Periodische KaltschwcifJstcllen (li/,,,,) und Ausschwitzullgen (.11 ifte und rechts) auf
Stran!l:gufJharren aus Al g[l. 420 x 130 mIll. Pfeil: Gießrichtllng (nach ATXSl:ISSE).
a) Gieß temperatur 080 oe. UieHgesehwilldigkeit. 5 cm/Illill, Surnpftiefe 5 (,111; b) Gießtemperatur
700'cC. Gießgeschwindigkeit 1:3.5 cllljmill, SU1llpftiefe 12 eIn: e) Gieß temperatur 700°C, Gießgeschwin-
digkeit 1:1.;) ('lll/lIIin SlIIllpftiefe H,;> ('111 (l\:feni~kn:-; 2,5 eIU tiefer ab bei b).

Die Ursache der periodischen Ausschwitzungen und der (teils auch


periodischen) KaltschweißsteIlen bei Stranggußbarren, ist für Theorie
und Praxis besonders interessant. Diese beiden Erscheinungen treten
nicht nur hAi Aluminium r24:n
i'\ondern auch hei anderen Metallen auf
[287] und sind für die Gießcreipraxis von großer Wichtigkeit. In
Abb. 110 wird die Aufsicht auf drei Reinaluminiumharren, die unter
verschiedenen Gießbedingungen entstanden, wiedergegeben.
Alle drei Barren sind gemäß heutigen Erkenntnissen "falsch" ge-
gossen. Der links dargestellte Barren hat viele "KaltschweißsteIlen" .
Diese haben mit Aussehwitzungen nichts zu tun, sondern sind ein durch

10*
148 A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze [Lit. S. 193

die Oberflächenspannung erzeugter, rein mechanischer Effekt, der bei zu


kaltem und/oder bei zu langsamem Gießen auftritt [287].
In Abb. 111 wird die Entstehung einer Kaltschweißrippe erläutert.
Diese unerwünschte Erscheinung hat somit zur Voraussetzung, daß eine
erstarrte Kruste sich bis zur Grenzfläche Aluminium-Luft erstreckt,
worauf neu zufließende Schmelze, durch die Oberflächenspannung be-
dingt, eine Kerbe an der Oberfläche bildet. l
Der mittlere und der rechte Barren in Abb. 110 haben starke peri-
odische Ausschwitzungen, hervorgerufen durch absichtlich zu hohe Gieß-

neu zufließen- Kalfschweiß-


des flüssiges 8fe/fe
Mefaff

j( j(

a b c
Abh. 111 ,,-c. Bildung einer KaltschweißstelJe beim yertikalen Stranggießen
(nach B. H. W ATERS [287]).
E erstarrte Kruste; K Kokillenwand
Durch zu kaltes oder zu langsmnes Gießen erstreckt sich die erHtarrte Kruste zu hoch, so daß neu zu-
fließendes ~Ieta\l an der vorliegenden Phasengrenze gemäß den Gesetzen der Oberflächenspannung
eine Kaltschweißstelle bildet.

geschwindigkeit (= tiefer Sumpf) in Kombination mit zu hohem Menis-


kus. Man erkennt, daß der Abstand der periodischen Ausschwitzungen
stark abnimmt, sobald die Meniskushöhe (und damit der Schrumpfspalt)
abgesenkt wird. Würde der Meniskus weiter gesenkt werden (auf ca.
60 mm), so würden die periodischen Ausschwitzungen ganz verschwinden,
und man hätte den Fall, der im rechten Teil der Abb. 107 skizziert ist.
Der im linken Teil der Abb. 107 skizzierte Fall stellt nur cin kurzes
Zeitintervall im Verlaufe eines kontinuierlichen Vorganges dar, und zwar
den Zeitpunkt der Entstehung einer Ausschwitzung.
Die oft beobachteten periodischen Ausschwitzungen entstehen durch
zyklische Schwankungen in der Breite des Schrumpfspaltes, wie in
Abb. 108 erläutert wird. Offenbar nimmt bei hierfür geeigneten Gieß-
bedingungen die Breite des Schrumpfspaltes so lange zu, bis eine Aus-
schwitzungsrippe austritt. Gleichzeitig tritt eine bessere Wärmeableitung
1 Der bereits erwähnte isolierende Kragen im oberen Teil der Kokille unter-
drückt die Kaltschweißbildung, bzw. allgemein die Entstehung vorerstarrter Krusten
nahe dem Meniskus.
Lit.. i:l. 193J 3. Pl'Oblpmp beim Gießen von Knetlegierungen 149

in der Kokille auf, und für einige Zeit bleiben Ausschwitzungen aus , bis
der Schrumpfspalt wieder breit genug ist usw.
Es ist durchaus möglich, daß beim Auftreten der Ausschwitzung das
darüberliegende Flächenelement der Gußhaut sich kurzzeitig an die
Kokillenwand anlegt. da zu diesem Zeitpunkt die Oberfläche des Barrens

'" 1:4
Ahh. j 12 a u. h. AllsschwitzlIngsf;wpcll und ScigcfnngslJänder ilu Län gsschnitt eines Strangguß·
barrcllH au:,; Al ~)9,6. Eilll;lIIfs~·H tem: Offene Hinne. (HeßgeHchwilluigkeit: 9 em /m in.
GeiHzt ill HCl L FeCI,. Pfe il: Oießrichtlllli! (nach ALUSUISSE).
;1) Yonl r r:->('.itr ; h) :Rü('ks(' it t"

in dieser Zone sehr wenig Festigkeit haben dürfte 1 Daß das Auftreten
ciner Ausschwitzungsraupe von einem sehr schroffen lokalen Schrumpf-
vorgang begleitet ist, geht aus Abb. 112 hervor. 2
Diese Abbildung läßt außerdem erkennen, daß zwischen peri-
odischen Ausschwitzungen ein t:leigef'Ungsbaml unter J er Oberflächt' des

1 Sobald die flü ssigp Hestst'h melze volumenmäßig ptwa 5% a usmacht, sinkt
die Festigkeit des Aluminiums auf pra ktiseh Null [287].
2 Der Vergleich von Abb . 112a mi t 112b zeigt, daß ein Ansaugzentrum relativ
klein ist, da auf der R üebeite der gleichen Platte (.-\bb. 112b ) der auf der Vorder-
,,~it e siehtbitre Ansaugkq!e] (.. Tannen lmumaKt") nicht mehr g(' sdmitten wird .
150 A. Eigen~chaften der Aluminiumschmelze [Lit. S. 193

Barrens verläuft, welches eine maximale Tiefe von etwa 20 mm erreicht


(s. Abb. 105).
In diesem Seigerungsband ist Restschmelze in erhöhtem Ausmaße
eingefroren.
Der Verlauf des unter Ausschwitzungen auftretenden Seigerungsban-
des deutet darauf hin, daß periodische Längenschwankungen des
Schrumpfspaltes vorkommen.
In Abb.l08 wird erläutert, wie das Seigerungsband nahe dem
Bereich rascher Schrumpfung aus der teilweise erstarrten Zone an-
gesogen wird. Diese Seigerungen können auch parallel zur Gußhaut
verlaufen (z. B. bei gerieften Kokillen).

3.8 Zusammenhang zwischen Gasgehalt, Porosität und Seigerungen

Über den Zusammenhang zwischen Gasgehalt und Porosität in


Stranggußbarren geben insbesondere Arbeiten von C. E. RANSLEY und
D. E. J. TALBOT [160] wie auch von M. F. JORDAN, G. D. DENYER und
A. N. TURNER [289] Auskunft. Beim Kokillenguß kann ein zu hoher Gas-
gehalt noch zu makroskopischen Gaslunkern führen. Bei der raschen
Erstarrung des Stranggusses kommt es dagegen ausschließlich zu einer
feinen Porosität zwischen Dendritenarmen, vorzugsweise nahe der Guß-
haut, aber auch in den Mittelpartien des Barrens.! Diese Porosität ist aus
drei Gründen unerwünscht:

Gasporosität erzeugt niedrigere Querdehnungswerte bei hochfesten


Legierungen, vor allem festzustellen in kräftigen Querschnitten
(Schmiedeteile, Strangpreßprodukte ).
Gasporosität kann bei der Mehrzahl der Legierungen Einrisse beim
Warmwalzen verursachen.
Gasporosität kann Blasenbildung bei der Weichglühung des Halbzeuges
hervorrufen.

Die beiden erstgenannten Ausschußursachen gehen offenbar darauf


zurück, daß Gasporen im Gefüge Kerbstellen bilden, welche bei der Ver-
formung als Ausgangspunkte von Rissen wirken.

1 Wieviel von der durch Kompressionstests im Gußgefüge festgestellten Porosi-


tät auf Mikroporen von etwa 1 bis 3 fLm Durchmesser bzw. auf Makroporen von
mehr als etwa 10 fLm Durchmesser entfällt, ist bisher noch nicht bekannt und dürfte
in starkem Maße von Legierungszusammensetzung und Erstarrungsbedingungen
abhängen.
Lit. S. 193] :3. Probleme beim Gießen von Knetlegierungen 151

Diese unerwünschte Kerbwirkung tritt vor allem bei hochfesten


Legierungen hervor, und es ist plausibel, daß die Porosität des Guß-
gefüges bei diesen Legierungen möglichst niedrig gehalten werden muß.1
In Abb. 113 sind Ergebnisse verschiedener Autoren eingetragen, welche
die Porosität des Gußgefüges als Funktion des Wassen,toffgehaltes unter-
sucht haben. Man erkennt folgendes:
Unterhalb eines gewissen Wasscrstüffgehaltes ist das Gefüge porenfrei.
Oberhalb dieses Grenzwertes steigt die Porosität des Gußgefüges an-
nähernd linear mit dem Wasser-
stoffgehalt an. %
Der Grenzwert des H 2 -Gehal- 0.7
tcs, unterhalb dessen keine Poro-
sität auftritt, hängt von der Er- D.b
starrungsgeschwindigkeit ab. Er
beträgt gern. Abb. 113für AICuMg- 0.5
Barren von ca. 1:JO bis 280 mm 1

Dicke 0,12 bis 0,14cm 3 /100g und -!2 .~ O,~ - - ----L


I

für AICu-Sandguß etwa 0,09 ci: '-- '

cm 3 /100 g. 0.3
Abb. 114 zeigt gleichfalls die
starke Abhängigkeit der Gußporo- 0.2--- -1-
sität vom Gasgehalt, sobald dieser
einen gewissen Schwellwert über- 0,1r----+r-r-~~·---+------+---~
schreitet: auf die in Abb. 114 er-
kennbaren Seigerungseffekte wird
0.
weiter unten noch eingegangen.
M.F.JORDAN,G.D.DENYER Abh. 118. Porosität in stranggllßba..rrell am:.
und A. K. TURNER [160J weisen AICuMg und Sandgnl.\stüeken aUR Aleu in Ab-
hängigkeit VOll dem 'V nsserRtoffgehalt der
darauf hin, daß bei ungünstigen ~chmelze und VOll deu llarrcllahmcssungen
(nach M. ~' .•TORDAX. 0. D. D~~N,ER H.
Nachspeü.;ebedingungen bei sehr A. X. l'ruXER [160]).
tiefem Gasgehalt Schrumpfporen * ]~rgelmh;sc von n. T. ME'l'tJAL.Fg [2.9U);
vorkommen können. Teilweise ** BrgcblliHi"e VOll C. E. J{AX,'":II,EY n. D. E. J.
TALBOT [1,,11.
sind sogar Ergebnisse erhalten
worden, wonach ein gewisser Gasgehalt auch beim Stranggießen er-
wünscht ist, um die erwähnten Schrumpfporen zu unterdrücken.
Oft findet man im Gußgefüge Porosität und starke lokale Anreiche-
rung von Re:->tsehnwl7.!' nah!' hpipinander, Rif'hf' Abh. 115.

1 Das breite ErstarrungHintervall der hochfesten Legierungen begünstigt die


Ausscheidung von Wasserstoff in makroskopischen Poren, welche in Strangguß-
barren der Legierung AIZnMgCu bereits bei H 2 -Gehalten von 0,08 bis 0,1 cm 3 /100g
>1uftreten. bei Reinaluminium (Al 99,2) dagegen erst oberhalb ca. 0,18 cm3 /100 g
[15.1].
152 A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze [Lit. S. 193

--t-
~ 5,0
'" {Jew-'y, f(upfergehall I
.1
~-t
~ 1f,5 C-- in der Sch~ - r- 1;---"""""
~

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§- 4,0 I.:?<V
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9 ..,.' i • ~
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~-l--:-- I~
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fiasgehalfiE:-+ I __
der Schmelze i I
I I .~

I
1\ ~ ~~- I
i
!
,

V i 1/ ..n'I I
a. I I~ i c --1. j
50 100 1500 so 100 1500 so 100 mm 150
Absfand von Barrenoberfläche
Abb.114 a-c. Verteilung des Kupfer· und Wasserstolfgehalts sowie der Porosität in Barren aUR
AICuMg aus Schmelzen mit verschiedenem Gasgehalt (nach M. F. JORDAN, G. D, DEXYER U. A, N.
TURNER [160]).
a) durchschnittlicher Gasgehalt 0,28 cm'/100 g; b) durchschnittlicher Gasgehalt 0,19 cm'/100 g;
c) durchschnittlicher Gasgehalt 0,13 cm'/100 g.

Dies ist nach dem bisher Gesagten einfach einzusehen, denn so bald die
nachgesaugte Restschmelze durch Einfrieren nicht genügend nach-
gespeist wird, müssen im Ansaugbereich Hohlräume entstehen.
Darüber hinaus ist immer wieder
der Gasgehalt als Hauptursache [272]
oder als teilweise Ursache der Seigerun-
gen in Aluminium bezeichnet worden,
Literaturübersicht siehe Z. B. [270]
oder [271].
,
.
Es hat sich aber gezeigt, daß auch
beim Erstarren von völlig gasfreien
Schmelzen umgekehrte Blockseigerung
auftritt, so daß die Gastheorie die um-
gekehrte Blockseigerung nicht völlig
erklären kann [136, 270, 288]. In der
90: 1
Arbeit von D. E. ADAMS [136] wurde
Abb. 115. Seigerungen von Mg,Al, in Lun-
kernähe, eingebettet in Normalgefüge von
dem Auftreten von Porosität in Zusam-
Druckguß aus AlMg (nach ALUSUISSE). menhang mit der Seigerung und dem
Gasgehalt besondere Beachtung ge-
schenkt. Es wurden Schmelzen mit 3 bzw. 7% Cu einer einsinnigen
Erstarrung unterworfen. Einige Ergebnisse sind in der Abb. 116 wieder-
gegeben.
Man erkennt dort, daß sogar bei der gasfreien Legierung eine poröse
Zone nahe der gekühlten Kokillenwand auftritt, wobei es sich um kleine
Schrumpfporen handeln dürfte.
Lit. S. 193] 3. Probleme beim Gießen von Knetlegierungen 153

Die in Abb. 116 eingesetzte korrigierte Analyse wird rechnerisch


erhalten, indem die auftretenden Schrumpfräume mit eutektischer Rest-
schmelze mit 33% Cu gefüllt werden, wobei berechnete und gemessene
Kupferverteilung im großen und ganzen parallel laufen.
Nach Abb. 116 nimmt vor allem im Innern des Barrens die Anzahl von
Poren mit dem Gasgehalt stark zu.
Wie ebenfalls dort zu erkennen ist, besteht zwischen den auftreten-
den Poren und den Seigerungen ein Zusammenhang.

I i/
3

~
Isolofion

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~, ...
~b ".
" "\ \
,a
s I \
o 10 20 30 M 50 80 70 BOmm 90
Abstand vom gekühlten /(akillenboden
Ahh. 116. Zusammenhang zwischen Kupferseigerungen nnd Barrenporosität bei einer Aluminium-
Kupfer-Legierung mit 7% Cu (nach D. E. ADAMS [136]).
Kurve" rasch abgekühlt, gashaltig; Kurve b langsam abgekühlt, entgast; Kurve c rasch abgekÜhlt.
entgast; - - - - Kupfergehalt (korrigierte Analyse ~ Kupfergehalt, wenn sämtliche Lunker und
Poren mit Schmelze aufgefüllt worden wären); - - - Porosität; Während der Erstarrung erfolgte
(lef Wärmeabftuß nur nach unten.

Abb. 114 zeigt folgendes: Falls der Gasgehalt hoch genug ist, zeigt
die Porosität eine starke Abhängigkeit von der Entfernung zu der Guß-
haut. Diese Abhängigkeit ähnelt der Veränderung des Kupfergehaltes
durch umgekehrte Blockseigerung.
Die Kupferseigerung wird schwächer, wenn der Wasserstoffgehalt ver-
ringert wird.
Dcr Gasgehalt ist über den Querschnitt des Blockes ziemlich gleich-
mäßig verteilt. Der Gasgehalt der Schmelze ist identisch mit dem-
jpnigen, der nach der Erstarrung gefunden wird.
Verfeinerte Gefügeuntersuchungen haben gezeigt, daß unabhängig
von der z. B. in Abb. 114 sichtbaren Verteilung der Porosität die Poren
meistens in Nestern auftreten. Der in Abb. 115 wiedergegebene Befund
legt dip Vermutung nahe. daß Pormlität bevorzugt in solchen Bereichen
154 A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze [Lit. S. 193

des Gefüges auftritt, durch welche in der Endphase die an Wasserstoff


angereicherte Restschmelze angesaugt wurde ("Tannenbaumäste"
s. Abb. 90 bis 92 auf S. 130-131).
Bereits bei der Erörterung der Ausschwitzungen haben wir auf da!>
Vorhandensein von Schrumpfporen etwa 3 bis 15 mm unter der Guß-
haut hingewiesen. Diese poröse Zone entsteht bei der schroffen Abküh-
lung der relativ dünnen erstarrten Kruste durch das Einsetzen der direk-
H BlockmiHe'-... tenKühlung.AusAbb.117
geht hervor, daß die Lage
ilt~I~1 der porösen Zone mit der
~ a~r------,------~~==~,------. Seigerung des Wasserstof-
1~cm;:f95;k?1: i~ I fes und der metallischen
Legierungselemente etwa

~lr\t4?t1
parallel geht. Das Vorkom-
men und die Lage der po-
rösen Zone hängen stark
D,1~----~~----~----~~--~
von den Gießbedingungen
o 2,5 5,0 7,5 cm 10
ab. Die in Abb. 117 er-
Absfand von einer Blockseifenfläche
Abb. 117. Yerteilung des Kupfer- und Wasserstoffgehalts kennbare Seigerung des
sowie der Porosität über den Querschnitt eines 200 mm Wasserstoffes überrascht
dicken stranggegossenen Barrens aus A1Cul\lg
(nach C. E. RANSLEY u. D. E. J. TALEOT [151]). zunächst. Jedoch muß
man berücksichtigen, daß
bei den meisten technischen Gieß verfahren durch den Übergang "flüssig
--+ fest" der Wasserstoff um mindestens den Faktor 10 übersättigt vor-
liegt. Wasserstoff dürfte speziell in der Restschmelze angereichert sein,
und es erscheint verständlich, wenn somit der Wasserstoff ähnlich
seigert wie z. B. das in der Restschmelze angereicherte Kupfer.

:1.9 Einige Beispiele aus der Praxis des Stranggießens

3.91 Einfluß des Schmelz- und Gießverfahrens


auf die Blasenbildung beim Weichglühen
Es ist wiederholt die Frage erörtert worden, inwieweit man in Strang-
gußbarren kleine Gußporen in Schrumpflunker und Gasporen unterteilen
kann [143].
C. E. RANSLEY und R. E. J. TALBOT vertreten die Ansicht, daß alle
Poren bei technischen Gießverfahren durch Abscheidung von Wasser-
stoff entstehen [151].
Jedoch sind auch solche Poren zu berücksichtigen, welche eindeutig
von Gießbedingungen und Legierungstyp abhängen und nicht vom
Wasserstoffgehalt. Somit dürften zwei verschiedene Ursachen für die
Entstehung kleiner Poren in den Stranggußbarren in Betracht kommen:
Lit. S. 193] 3. Probleme bcim Gießen yon Knetlegierungen 155

Mangelnde Nachspeisung von Schmelze in Bereiche rascher Abkühlung


oder zu hoher Gasgehalt 1.
Mangelnde Nachspeisung erzeugt insbesondere Poren nahe der Guß-
haut. Diese bewirken beim Warmwalzen unter Umständen kleine Ein-
risse bzw. beim späteren Weichglühen von kaltgewalzten Blechen (ca.
1 mm dick) Blasenbildung. Hierbei handelt es sich um sog. "Oberflächen-
blasen", welche verglichen mit der Blechdicke einen relativ dünnen
Blasendeekel haben.
Folgende mit der Gießtechnik zusammenhängenden Faktoren sind
ausschlaggebend für die Blasenbildung, wie dies teilweise weiter oben
bereits dargelegt wurde.
1. Legierungstyp : Das Blasenproblem tritt besonders deutlich bei
Aluminium hoher Reinheit auf. Oberhalb 99,5% Al ist bei Reinalumi-
nium nur wenig Restschmelze vorhanden, was das Nachspeisen er-
schwert und Schrumpflunker allgemein begünstigt. Dieser Einfluß
wird mit zunehmender Metallreinheit immer deutlicher; daher ist Metall
mit über 99,7% Al besonders blasenanfällig.
2. Gießbedingungen : Generell kann man feststellen, daß eine zu tiefe
Gießtemperatur, sowie ein tiefer Sumpf, hervorgerufen z. B. durch ver-
tikale Einlaufdüsen, das Auftreten winziger Schrumpflunker begünsti-
gen. Diese Schrumpflunker führen späterhin zur Blasenbildung. Es ist
verständlich, daß z. B. eine tiefe Gießtemperatur diese Erscheinung ver-
stärken kann, da hierdurch das Zufrieren der Nachspeisekanäle be-
günstigt wird.
:~. Frästiefe : In Abb. 118 erkennt man, daß die Blasenbildung an
weichen Blechen deutlich auf die Tiefe der an den Stranggußbarren ab-
gefrästen Oberflächenschicht anspricht. außerdem auch auf die Gieß-
bedingungen. Es ist auffallend, daß bei einer bestimmten Frästiefe (im
vorliegenden Falle von 4 mm) die Blasenbildung ein Minimum hat. Dies
dürfte damit zusammenhängen, daß gemäß Abb. 114 das Strangguß-
gefüge im Inneren der Barren wieder in zunehmendem Maße Mikroporen
aufweist. Solche wim;igen Lunker können z. B. nach der Methode von
C. E. RANSLEY und D. E. .J. TALBOT [191J durch Dichtemessung vor
und nach Stauchung bei ca. 500 oe oder an Hand der Dehnungswerte
kleiner, aus dem Gußgefüge herausgedrehter Zerreißstäbe erkannt
werden.
Bei einer Anzahl von Gießverfahren kann man feststellen, daß das
Gußgefüge bis zu einer bestimmten Tiefe unter der Gußhaut (oftmals
ca. 10 mm) weitgehend dicht ist. worauf eine stark poröse Zone kommt,

1 Auch die Schrumpfporen füllen sich mit Wasserstoff, der eindiffundiert.


Daher ist die Trennung der beiden Porentypen in der Praxis oft unmöglich.
156 A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze [Lit. S. 193

während das Gefüge zur Barrenmitte hin an Korngrenzen teilweise


winzige Schrumpflunker aufweist.
Die bisherigen Feststellungen betreffen einige der typischen Fak-
toren, welche die Blasenbildung beeinflussen. Es handelt sich jedoch bei
der Blasenbildung um ein komplexes Problem.

D.5.----r----~--~----~---,

Abb. 118. Auftreten von Oberflächenblasen auf weich-


geglühten Reinaluminiumblechen (Al 99.5, 1 mm dick)
in Abhängigkeit von der Frästiefe am stranggegossenen
Harren (610 x 185 mrn). Einlaufsy,tern: Drei vertikale
Düsen.

I Gießserie

i B C D

~ .. gerieft I gerieft ~~~~ glatt.


Kokille waag- unI 3° um 3° waag-
Lage I recht
II ver-
kantet
ver-
kantet
I recht

o z If 6 mm 10 )[etalltemperatur im Gießbecher : 680 bis 690 oe


Fräs/fefe Gießgeschwindigkeit 7,8 crn/rnin.

Höhere Kennziffer in dem Diagramm bedeutet höheren Blasenanfall. Unterschiede in der Blasigkeit
sind nicht auf unterschiedliche Metallzusammensetzung zurückzuführen, da eine einheitliche Schmelze
verwendet wurde (nach ALUSUISSE [143]).

Beispielsweise kann ein "sauberes" Ausgangsmetall unter Umständen


mit tiefem Sumpf gegossen werden, ohne daß Blasen auftreten. Sobald
aber das Ausgangsmaterial mit nichtmetallischen Verunreinigungen
angereichert ist, wird ein optimales Stranggießverfahren (flacher Sumpf
und richtige Wahl der Gießtemperatur) nötig, um die Blasenbildung zu
vermeiden. Eine zu tiefe Gießtemperatur erzeugt Schrumpflunker, eine
zu hohe Gießtemperatur begünstigt wiederum bei manchen Legierungen
(wie AIMn oder AIMgSi) das Auftreten kleiner Warmrisse im Gußgefüge,
die beim Abwalzen unvollständig verschweißen und somit auch wieder
Blasenbildung nach sich ziehen.
Wie unübersichtlich allein die Mitwirkung des Wasserstoffes ist, geht
aus folgendem Beispiel hervor:
In Abb. 119 ist das Auftreten von Poren nahe der Gußhaut von
Stranggußbarren in Abhängigkeit vom Wasserstoffgehalt aufgetragen.
Man erkennt, daß bei Unterschreitung eines gewissen Wasserstoff-
gehaltes verstärkte Porenbildung auftritt. Daher kann man die bei einem
\Vasserstoffgehalt unter ca. 0,1 cm 3 /100 g auftretenden Poren als
Schrumpflunker bezeichnen. Daß diese Schrumpflunker bei geringem
Wasserstoffgehalt auftreten, deutet darauf hin, daß der vVasserstoff-
gehalt der Restschmelze dazu beiträgt, diese in soeben entstehende
Lit. S. 193] 3. Probleme beim Gießen von Knetlegierungen 157

Schrumpflunker hineinzudrücken. Aus demselben Grund unterdrückt


ein mittlerer WasserstoffgehaIt bei AIMg3Si die Warmrissigkeit [230].
Bei der Erklärung der Blockseigerung ist von verschiedenen For-
schern auf Beobachtungen hingewiesen worden, wonach der Wasser-
stoffgehalt in der Endphase der Erstarrung die Restschmelze verstärkt
in die Außenzonen des Barrens drückt [230]. Ob der sich ausscheidende
Wasserstoff Restschmelze verschieben kann, hängt weitgehend von den
Erstarrungsbedingungen ab. Am ehesten besteht die Möglichkeit beim
Formguß, bei dem sich der Wasserstoff in allseitig geschlossenen Hohl-
räumen ansammeln kann [193]. Es ist vom Formgießen her bekannt,
daß bei zu tiefem Wasserstoffgehalt re-
lativ große Schrumpflunker entstehen
./
2,0
können. %
Sodann soll nochmals an die Mit- -~

wirkung von Oxydeinschlüssen bei der /


:j .
1.5
Blasenbildung erinnert werden. Oxyd-
einschlüsse können vor allem bei un-
geeigneter Metallzufuhr zur Erstar- V
rungsfront entstehen, außerdem durch
Abbröckeln vorerstarrter Krusten,
- - - I---- I--- f--
welche sich nahe der Kokillenwand an
der Oberfläche der Schmelze angesam- t;.:a
0.5
melt haben, evtl. auch an einem un-
" /
.!
geeigneten konstruierten Zuführsystem,
speziell bei zu tiefer Gießtemperatur b', • II
[303]. o 0.1 0,2 0.3 cm 3 100g 0.5
Im Zusammenhang mit der Blasen- Wassersfoffgehalf
bildung beim Weichglühen ist dem Ver- Abt>. 119. Porosität in Gußbarren in Ab·
halten der Gußporen beim Abwalzen des hängigkeit vom Wasserstoffgehalt.
Kurve a Sandgußbarren aus Reinalumi·
Gußgefüges Beachtung zu schenken. nium, Ergebnisse nach C. E. RANSLEY u.
Man hat drei Fälle zu unterscheiden: H. NEUFELD [177]; • Wert einer Einzel·
messung, 0 Mittelwert aus zwei oder mehr
Messungen; Kurve b Schematisch: Ergeb·
I. Warmwalzen nach mehrstündiger nisse an Stranggußbarren nach A. X.

Anwärmdauer auf ca. 450 bis 550 oe.


TLRNER [691.

Während des Anwärmens diffundiert


soviel Wasserstoff in die Gußporen, daß dieser ein "Kissen" bildet,
welches das Verschweißen der Poren beim Warmwalzen verhindert
[304].

Ir. Sofortiges Warmwalzen des noch warmen Gußblockes oder


eines gegossenen Bandes:
Hierbei verschweißen die Gußporen im allgemeinen und späterhin
bleibt eine Blasenbildung aus.
158 A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze [Lit. S. 193

III. Kaltwalzen eines rasch erstarrten Gußgefüges :


Hierbei bleibt gleichfalls die Diffusion des Wasserstoffes in die Guß-
poren aus, und es tritt Verschweißen ein. Jedoch kommt das Kalt-
walzen des Guß gefüges wohl nur bei gegossenen Bändern von weniger
als 20 mm Dicke in Betracht.
Beim Weichglühen von Blechen von z. B. 1 mm Dicke tritt die Bla-
senbildung vor allem dann auf, wenn intakte Hohlräume einer gewissen
Mindestgröße als Diffusionszentren zur Verfügung stehen. Zusammen-
fassend kann man sagen, daß der Stranggußtechnik bei der Beeinflussung
der Blasenanfälligkeit eine ebenso große Bedeutung zukommt, wie der
"Sauberkeit" der vergossenen Schmelze. Im übrigen verweisen wir auf
die S.69 und S.95, auf denen der Mechanismus der Blasenbildung
bereits abgehandelt wurde.

3.92 Korngräße

Diese ist beim Stranggießen insbesondere von folgenden Variablen


abhängig;
1. Legierungszusammensetzung und Anwesenheit kornverfeinernder
Zusätze:
2. Anwendung von Vibrationen bei der Erstarrung;
3. Gießtemperatur ;
4. Einlaufsystem ;
5. Gießgeschwindigkeit ;
6. Barrenformat.
Die Faktoren 1 bis 3 sind im Kap. 1.2 eingehend beschrieben worden.
Erfahrungen aus der Gießereipraxis zeigen, daß alle sechs Faktoren
miteinander in Wechselwirkung stehen.
Man erkennt das am Beispiel der Fiederkristalle :

3.921 Fiederkristalle. Insbesondere in Stranggußbarren aus Rein-


aluminium werden beim Atzen von Querschnitten oftmals "Fieder-
kristalle" beobachtet, wobei der Durchmesser einer fiederkristallinen
Zone meist 20 bis 200 mm beträgt (Abb. 80a auf S. 120).
Das Auftreten der Fiederkristalle wird durch folgende drei Faktoren
beeinflußt:
Beim Stranggießen entstehen Fiederkristalle vor allem bei horizon-
talem Metalleinlauf in den Sumpf gem. Abb. 79a (S. 120). Diese Art
der Metallzufuhr bewirkt ein relativ schwaches Temperaturgefälle und
eine verhältnismäßig niedrige Strömungsgeschwindigkeit nahe der
Lit. s. 193] 3. Probleme beim Gießen von Knetlegierungen 159

Erstarrungsfront, verglichen mit dem vertikalen Einlauf (Abb. 79b),


bei dem keine Fiederkristalle entstehen.
Hohe Gießtemperatur begünstigt das Auftreten von Fiederkristallen.
Dagegen erscheinen diese nicht, wenn die Gießtemperatur weniger als
etwa 20 grd über der Liquidustemperatur liegt.
Kornverfeinernde Zusät~e, wie Titan, unterdrücken die Bildung von
Fiederkristallen.
Iu mehreren Untersuchungen ist nachgewiesen worden, daß die
Fiederkristalle aus einer großen Anzahl paralleler Zwillingslamellen
bestehen [60, 287, 292 bis 298).

b a
=1:2.5 =70:1
Abb. 120 a u. lJ. Ficderkri,talle iu Tüteugllßharren aus Al U9.5. (Wärmeableitung beim TütenglIß
nur nach unten) (nach W. ItOTH u. M. SCHIPPERS [60]).
a) ]'iederkristall zwischen St.eJlgelkri~taI1en: Längsschnitt durch einen Tütengußbarren; b) Schliff
durch einen }'iederkristall. Die geraden Linien sind Schnitte durch Zwillingsebenen.

Die Lage der Zwillingsebenen im Gußgefüge ist unabhängig von der


Richtung der Wärmeableitung [60).
Wie aus Abb. 120a ersichtlich, wachsen die Stengelkristalle entgegen-
gesetzt zur Wärmeableitung, während ein Fiederkristall schräg dazu
und außerdem schneller als die Stengelkristalle wächst.
Ungeklärt ist noch, warum die Fiederkristalle eine ganz spezifische
Wachstumsrichtung haben, nämlich die [112]-Richtung auf (111)-
Ebenen. Es erscheint möglich, daß bei der erwähnten \Vachstums-
richtung die Spitze des wachsenden Kristalls einen "konstanten Keim"
ergibt, der durch Anlagerungen von Atomen besonders leicht weiter-
wächst und somit weniger Unterkühlung braucht als andere Wachstums-
richtungen.
In Abb. 121 wird ein an geätzter Schliff senkrecht zur Längsachse der
Stengelkristalle aus Abb. 120a gezeigt. Man erkennt an den Atzfiguren,
160 A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze [Lit. S. 193

daß eine [100]-Achse parallel zum Wärmefluß liegt. Ein Schliff durch
einen Fiederkristall sieht dagegen ganz anders aus. In Abb. 120b erkennt
man, daß die Zwillings ebenen im Schnitt als gerade Linien auftreten.

240: 1 60: 1
Abb. 121. Schliff durch StengeJlrristaJle senk· Abb. 122. Schliff durch FiederkristaJl im Gefüge
recht zur Faserachse. Tütengußbarren aus eines Stranggußbarrens aus AICuMg. Schraflilr·
Al 99,5 (nach W. ROTH u. M. SCHIPPERS [60]). ätzung nach KOSTRON
(nach ALCOA. New Kensingtoll).

Innerhalb eines Fiederkristalls ist die Orientierung jeder zweiten


Lamelle die gleiche, wie in Abb. 122 nach einer "Schraffurätzung" zu
erkennen ist. Je zwei Zwillingslamellen haben die (111 )-Ebene gemeinsam
(s. Abb. 123).

(111)

(110) (110)
Abb. 123. Schematische Darstellung der Orientierung von Fiederkristallen. Rechteckige Schliffprobe
mit in Zwillingslage befindlichen Kristalliten und den zu erwartenden Atzfiguren. Zwillingsebene (111)
(nach W. ROTH U. M. SCHIPPERS [60]).

Die Länge der Zwillingsebenen ist recht unterschiedlich. In Abb. 122


und Abb. 120b sind sie offenbar länger als ca. 1 mm.
L. F. MONDOLFO [296] hat vermutet, daß die Zwillinge auf Grund
von Deformationen (Gußspannungen) entstehen, was aber späterhin
widerlegt wurde [292].
Lit. f:l. 193J 3. Probleme beim Gießen von Knetlegierungen 161

Abb. 120 b zeigt anschaulich, daß die Zwillingsebenen im Anfang der


Erstarrung vorhanden waren, da die Erstarrung der Restschmelze un-
abhängig erfolgt. Heute dürfte feststehen, daß es sich bei den Fieder-
kristallen um Wachstums-Zwillinge handelt, deren Entstehung auf die
Bildung von Stapelfehlern an (111)-Flächen zurückgeführt werden
könnte [2.92]. Bisher befriedigt allerdings die theoretische Deutung der
Entstehung der Zwillingslamellen noch nicht; speziell harrt die starke
Abhängigkeit von dt'n Gießbedingungen einer Erklärung.
Die ZwillingsebenE'1l selbst sind meist frei von Ausscheidungen
[292, 297J, und es ist auch kein Künzentrationsgradient in der Nähe der
Zwillingsflächen festzustellen [287]. Nach längerer Glühung bei 575°C
treten jedoch im Falle von Reinaluminium Ausseheidungen an den
Zwillingsebenen auf [2.92J.
Die meisten Untenmuhungen wurden an Reinaluminium durchgeführt,
doch treten Fiederkristalle ("columnar twins") auch bei I.egierungen in
Erscheinung (Abb. 122) [60, 2.99].
Im ganzen gesehen sind Fiederkristalle im Gußgefüge wegen ihrer
ungünstigen Auswirkung auf verschiedene Eigenschaften [300] der Halb-
zeuge durchaus unerwünscht, z. B. bezüglich Zipfelbildung und Verhal-
ten bei anodiseher Oxydation.

3.922 Beeinflussung der Korllgröße. Wenn auch die weiter üben ge-
nannten sechs Variablen die Korngröße beeinflussen, so beschränkt man
sich in der Praxis oft darauf, nur eine der Einflußgrößen zu variieren.
Hierfür folgen einige Beispiele:

Gießgeschwindigkeit. Die Kürngröße im Gußgefüge fällt bei langsamer


Absenkgeschwindigkeit besonders fein an. Dieser an sich überraschende
Befund erklärt sich laut Abb. 124 daraus, daß beim langsamen Gieße~
ein schmalerer En;tarrungsbereich (= größere Erstarrungsgeschwindig-
keit) vorliegt ab bt'im raschen Gi~ßen [266J.
Aus Abb. 124 t'rkennt man, daß Schwankungen der Tiefe der Er-
i:ltarrungszone über den Querschnitt des Barrens an der Größe der Guß-
körner wieder erkannt wt'rden können.
Bei den stationären Gieß verfahren, wie Kokillenguß und Sandguß,
nimmt die Korngröße mit der Erstarrungsgeschwindigkeit ab.

Gießtemperatur. Aus Abb. 125a bis c erkennt man, daß das Gußkorn
wesentlich feiner wird, sobald die dem Sumpf zugeführte Schmelze eine
Temperatur hat, welche weniger als ca. 15 grd über der Liquidustempe-
ratur liegt, bei Reinaluminium somit unter ca. 675°C.

11 Altenp olll. Aluminium


162 A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze [Lit. S. 193

Barrenformat. Es gibt hier keine einheitliche Regel. Vielfach beob-


achtet man eine Kornverfeinerung mit abnehmender Barrendicke, was
mit der Abb.124 in Einklang steht (kleinerer Barrendurchmesser bedeutet
schmalere Erstarrungsfront ).

Erslarrungszone

Ersfarrungszonenbreile über dem Blockquerschnill aufgefragen


~i
o I I 1::err=1 i I j I
Ausfall der Bruchprobe

~l%~~if!(l
rasches Gießen langsames Gießen
r2Z2] grobkornig ~mJ feinkornig
Abb. 124. Einwirkung von raschem und langsamem Gießen auf die Breite der Erstarrungszone und auf
das Guß gefüge beim Stranggießen einer AlCuNi·I,egierung (nach W. ROTH [236]).

1:6
Abb. 125 a- c. Einfluß der Gießtemperatur auf die Korngröße von Stranggußbarren aus Rein-
aluminium Al 99.5 (nach ALUSUISSE).
a) Gießtemperatur 665 bis 670'0; b) Gießtemperatur 675 bis 680'0; c) Gießtemperatur 685 bis 690'C.

Man kann jedoch bei gegossenen Bändern von z. B. 6 bis 20 mm


Dicke beobachten, daß der größte Teil des Querschnittes aus relativ
großen Stengelkristallen besteht, die nur bei sehr kaltem Gießen und
kräftigem Zusatz an kornverfeinernden Elementen verschwinden.
Lit. S. 193] 3. Probleme beim Gießen von Knetlegierungen 163

3.93 Gießen von Reinaluminium mit tiefem Sumpf


3.931 Stranggießen mit verringerter direkter Kühlung. In Frankreich
werden zwei Verfahren praktiziert, um Reinaluminium mit einer Sumpf-
tiefe von ca. :30 bis 60 cm zu gießen (die normale Sumpftiefe beim
Stranggießen beträgt 5 bis 20 cm). In Abb. 126 und 127 werden diese
zwei Verfahren, .. lsomet'; und "Isotrop", schematisch beschrieben.

--koki/le

schwache kühlung
mif Wasser-
Sprühnebel

direkfe
Wasserkühlung

ers/orr/er
Wa/zbarren- -

Abb. 126. Gießen von Walzbarren mit verzögerter Wärmeableitnng nach dem "Isomet"-Verfahren
(Gießen mit tiefem Rumpf). Schnitt durch Barrenschmalseite (nach G. TRAPIED [229]).
Wn"erdiise: n Preßluftdilse.

Der Zweck der Verfahren besteht darin, einen kokillengußähnlichen


8tranggußbarren herzustellen, um eine geringe und gleichmäßige Zipfel-
bildung nach dem Weichglühen von Blechen zu erzielen.
Die Ursache, warum Gießverfahren gemäß Abb. 126 und 127 die
Zipfelbildung günstig beeinflussen, liegt in der relativ langen Verweilzeit
des erstarrenden und erstarrten Met,alls bei Temperaturen nahe der Soli-
dustemperatur. 1
1 Hierdurch wird bei Reinaluminium die Übersättigung an Eisen verringert,
welche die Rekristallisationstextur beeinfiußt [305, 306]. Die lokal stark unterschied-
lichen Erstarrungsvorgänge über den Querschnitt eines Barrens, wie sie z. B. in
Abb.92 zum Ausdruck kommen, lassen verstehen, daß in Blechen aus Strangguß-
barren die lokale Übersättigung des Eisens und damit die Zipfelbildung stark
schwankt, da eine nachträgliche Homogenisierung des Eisengehaltes von Strang-
gußbarren in technisch realisierbaren Zeiten selbst bei 600°0 nicht gelingt.

11 *
164 A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze [Lit. S. 193

Das im vorhergehenden Abschn. 3.91 Gesagte ließ deutlich werden,


daß beim Gießen mit absichtlich tiefgehaltenem Sumpf die Gefahr der
Blasenbildung beim Weichglühen von Blechen relativ groß ist. Dies trifft
aber nur zu, falls die Schmelze zuviel nichtmetallische Verunreini-
gungen enthält, und/oder ein ungünstiges Zuführsystem der Schmelze in
den Sumpf gewählt wurde. Daher ist ein sauberes Metall Grundbedin-
gung für das Gießen mit tiefem Sumpf bei geringem Blasenausschuß.

A::J!!!!III!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII!I!i;;{7

r
A
H-HttttHttttltltHtttttW

Abb. 127. Gießen von Walzbarren mit verzögerter Wärmeableitung nach dem "Isotrop"-Verfahren
(Gießen mit absichtlich tiefem Sumpf). Ansicht der Kokille mit Schürze (zur Verzögerung der Abküh-
lung). Das aus der Kokille austretende Kühlwasser wird durch die "Schürze" vom oberen Teil des
Gußstranges ferngehalten. Die Form der Schürze verhindert eine vorzeitige Abkühlung der von drei
Richtungen gekühlten Seitenzonen des Gußstranges und bewirkt somit einen tassenförmigen Sumpf.
Die Schürze ist zur Wasserfübrung außen grob gerieft (nach G. ~ALMON [282]).

3.932 Gießen von möglichst spannungsfreien Legierungsbarren. Hier


ist z. B. ein Verfahren interessant; welches die Kaiser Aluminium &
Chemical Corp. für das Stranggießen von max. 800 mm - Rundblöcken
und max. 600 mm - Quadratblöcken aus den relativ rißanfälligen Legie-
rungen AlCuMg und AlZnMgCu entwickelt hat [262]. Aus Abb. 128
geht hervo!, daß der Bereich der direkten Kühlung durch den Einsatz
von rund um den Block angeordneten Preßluftdüsen unterbrochen
wird, welche das herablaufende Kühlwasser über Ablenkplatten fort-
drücken. Infolge der Unterbrechung der direkten Kühlung wird gemäß
Abb. 129 der Temperaturgradient über den Blockquerschnitt stark ver-
mindert; wodurch Wärmespannungen und damit Warmrisse weitgehend
unterbunden werden.
Wichtig ist, daß bei der Erstarrung des Barrenzentrums der Tempe-
raturgradient möglichst klein ist. Nach Ergebnissen von H. ZOLLER
sollte das Wasser sogar etwas oberhalb der tiefsteIiStelle des Sumpfes
weggeblasen werden, also höher als in Abb. 128 angegeben [261].
I,it. S. 193] 3. Probleme beim Gießen von Knetlegierungen 165

_-~Mefalleinlauf
durch ßießrinne

Kokille
Kühlwasser
I kaslen
I
} BereICh der dtrek-
~--
Sumpf~- 1 I len Kühlung
...... _1 I~':> Preß/uffdüsen in
Ablenkplafle, ~-::::
fur Kühl- "\QY"' ~~ } ringförmiger
Anordnung
wasser
--- Barren
Abb. 128. Stranggießanlage mit be-
grenzter Blockkühlung unterhalb
,Ier Kokille zum Gießen rißanfälliger --- frockene Barren-
Legierungen (nach A. T. TAyr,oH. oberflöche
E. H. THO)[PSON u . •T. J. WF.(lNEI(
[262]).
!::r====:::::===;J ~-- Fußplalie

-----hydraulische Hebe-
vorrichfung

r 1 . I i II
md, '"
.1I
ohne
I
Unferbrechung der direkfen Kühlung
50 l/

~ 11
1/
r~
~)
0~
1
/
bf/""sItlT ~~

W
f--Io"'<t,
v

kiff ~I - l--
V ~
I/ 7
v
V
V
f3/ ~
"""
o\y 1

/1
ce>
Abb. 129. Isothermen während des
0 Stranggießens von Quadratblöcken mit

bo/ \ 450 mm Seitenlänge aus AlCuMg, mit und

V /
V
~\JI\
ohne Unterbret·.hullg der direkten Kühlung
("ach A. T. TAYLOR, E. H. THOMPSON 11.
J. J. WRUNER [262]).
550
.1 Ort der Kühlwasserablenk1lng.

mm
650
o 100 ZOO 0 100 mm ZOO
Absland ron B!ockmille
166 A. EigellJlchaften der Aluminiumschmelze [Lit. S. 193

3.94 Auftreten von Krusten oder großen Primärkristallen


beim Gießen von Legierungen

Beim Gießen von Legierungen, welche Mangan, Chrom, Vanadium,


Titan und/oder einen erhöhten Eisengehalt enthalten, besteht die Gefahr,
daß sich diese Legierungselemente in Krusten auf der Oberfläche des
Sumpfes oder aber in groben Ausscheidungen innerhalb des Gußgefüges
ansammeln.
Die Beeinflussung dieser unerwünschten Erscheinung kann auf mehr-
fache Weise geschehen, am ehesten aber durch .Änderung der Legierungs-
zusammensetzung und Einhaltung einer möglichst hohen Gießtemperatur.
Jedoch stoßen beide Maßnahmen unter Umständen auf Schwierig-
keiten.
Eine Erhöhung der Gießtemperatur verursacht bei den meisten in
Frage kommenden Legierungen eine gesteigerte Rißanfälligkeit und
begünstigt außerdem ein gröberes Gußkorn.
Auch mit der Auswahl der Legierungszusammensetzung ist man oft
wegen eines ungünstigen Einflusses auf die Riß bildung oder auf die Eigen-
schaften des Materials bei der Weiterverarbeitung eingeengt. Aus der
großen Anzahl der hierfür vorliegenden Beispiele möchten wir den Gehalt
an Eisen und Mangan bei der Legierungstype AlMn anführen.
An sich ist es bei der Legierung AlMn erwünscht, den Eisengehalt
relativ hoch zu halten, beispielsweise bei 0,6%, da mit zunehmendem
Eisengehalt eine markante Kornverfeinerung im weichgeglühten Zu-
stand der Bänder oder Bleche festgestellt wird. Jedoch tritt bei einem
Mangangehalt von 1,2% und einem Eisengehalt von 0,6% beim Strang-
gießen bereits eine lästige Krustenbildung durch vorerstarrte Eisen-
Mangan-Aluminide auf, und daher hält man den Eisengehalt der Legie-
rung oftmals bei 0,45 bis 0,55%, obwohl bei 0,45% bereits die Korn-
größe nach Weichglühen (besonders beim Glühen schwerer Bandbunde )
deutlich zunimmt.
Natürlich kann man den Mangangehalt auf 1 % oder darunter ab-
senken, um die Krustenbildung zu bekämpfen, aber dann geht die Legie-
rungsverfestigung deutlich zurück, und die genormten Festigkeitswerte
werden eventuell unterschritten.
Sodann muß bei der genannten Legierung der Siliziumgehalt mög-
lichst tief gehalten werden, um die Warmrissigkeit zu bekämpfen. Diese
tritt auf, sobald der Siliziumgehalt mehr als etwa 3/5 des Eisengehaltes
beträgt. Warmes Gießen begünstigt die Warmrissigkeit gleichfalls, ist
aber zur Unterdrückung der Krustenbildung erwünscht. Mit zunehmen-
dem Siliziumgehalt wird im übrigen die kornverfeinernde Wirkung des
Eisens abgeschwächt (durchAusscheidung des übersättigten Eisens [305]).
Lit. S. 193] 3. Probleme beim Gießen von Knetlegierungen 167

Hieraus erkennt man, daß allein durch das Phänomen der Krusten-
bildung die einzuhaltende Analyse und Gießtemperatur einer Knet-
legierung in ziemlich engen Grenzen festgelegt wird.
Das Gesagte gilt auch für den Zusatz von Kornverfeinerern:
Sobald z. B. bei Reinaluminium mehr als 0,05% Ti oder bei Reinst-
aluminium mehr als ca. 0,15% Bor zugesetzt werden, tritt Krusten-
bildung auf. Daher bleibt man mit kornverfeinernden Zusätzen meist
kurz unter dem Gehalt, bei dem die Krustenbildung oder das Entstehen
grober Primärkristalle 7.U befürchten ist.

'4
'._ . . . . ~ .,- c

.... "'!" • •

~()O: 1 40: 1
A hb. 130. Al,}[n-l'rilllärkristalle im Uußge!üge Abb. 131. Geknetetes Gefüge der Legierung
von Rcinstaluminiunl nlit 4% )1n AIZnMgCu. Al,Cr-Primärkristalle, die während
(na("h ALUn'ISSE). der Erstarrung entstanden sind
(nach ALFSUISSE).

Die vorerstarrten Krusten auf der Oberfläche sind im übrigen


oftmals mit Oxyden angereichert und frieren häufig nahe der Oberfläche
des Stranggußmaterials ein, wo sie durch tieferes Fräsen entfernt werden
können [284].
Bei aushärtbaren Legierungen wird oftmals Mangan und/oder Chrom
zugesetzt, um ein Kornwachstum bei der Lösungsglühung zu unter-
drückel1. Außerdem enthalten die Legierungen ohnehin einen natürlichen
Eisengehalt und oftmals Zusätze an Titan für die Kornverfeinerung.
Die Elemente Mangan, Chrom, Eisen und Titan (ebenso auch Molybdän
und Vanadium, welche aber selten 7.ugesetzt werden) bilden grobe Aus-
,;cheidungen beim StTanggießen, welche qualitätsmäßig unerwünscht sind.
Abb. 130 sowie 1iH zeigen grobe Einschlüsse von Al 6Mn und AI 7Cr.
Wesentlich schwieriger zu kontrollieren sind aber die großen Kristalle,
welche sich aus mehreren der oben genannten Legierungselemente zu-
8ammem;etzen [307]. Daher beschränkt man beispiel8weise bei einer
typischen AIZnMgCu-Legierung diejenigen Elemente. welche grobe
Gußausscheidungen bilden, auf folgende Gehalte:
Fe rnax. 0,35%. Mn rnax. 0.35%, Ti max. 0,05%, CI' max. 0,1:3%.
168 A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze [Lit. S. 193

Die Entstehung grober Gußheterogenitäten wird durch zu starken


Wärmeentzug im Zuführsystem der Schmelze oder durch eine etwas zu
niedrige Gießtemperatur stark begünstigt. Die Nachteile großer spröder
Kristalle, wie sie in Abb. 130 und 131 zu erkennen sind, liegen auf der
Hand: bei der Verformung des Gefüges
40 40 treten Risse und Walzen beschädi-
% kpjmmz I 6B
-----L -
gungen auf.
I
~

..0

da., I
I
.
I
-- 3.95 Festigkeitswerte von Gußgefüge
i dB
!
..... i
do.2 ./10___ In der Abb. 132 werden Festig-
L ~---
keitswerte von AIMgSi-Strangguß-
-.
/ ~ .JL
°10 barren wiedergegeben.
Man erkennt im Teil c der Ab-
a 0 0
M 40 bildung, daß die Dehnungswerte bei
% kpjmrrf ..f!.o OB niedrigen Mangangehalten in den
Randzonen des Barrens wesentlich
~

00.2
~
höher sind als in Barrenmitte.
Dies ist darauf zurückzuführen,
daß die rasch erstarrte Randzone
010 weniger Gußporosität hat als die lang-
::-
-C>-

dB
sam erstarrte Mittelzone des Barrens.
dO•2
Mit zunehmendem Mangangehalt
verschwinden allerdings die Unter-
h 0 0 schiede und schließlich hat man so-
gar in Barrenmitte etwas höhere
Dehnungswerte als in den Außen-
c zonen. Dies dürfte auf manganhaltige
Ausscheidungen zurückzuführen sein,
Abb. 132 a-c. Festigkeitseigenschaften von welche in einem Seigerungsband in
AIMgSil mit verschiedenen Mangangehalten ~ähe der Oberfläche verstärkt auf-
(nach ALUSUISSE).
a) Stranggußbarren 610 x 185 mm,
treten (ähnlich wie die in Abb. 112
• - - - • Gußzustand, Warm-
0 -- 0 erkennbaren FeSi-haltigen Seigerungs-
ausgehärtet 165'C 14 Stunden; b) Bleche
2,3 mm dick, . - - . Weich (3 Stunden bänder). Der Vergleich zwischen
bei 380'C geglüht), 0 - - 0 Warmausge- Abb. 132a und b zeigt, daß man im
härtet 165'C 14 Stunden; c) Unterschiede
der Dehnung zwischen Mitte und Rand des Gußgefüge nach einer Warmauslage-
Gnßbarrens, Ausschnitt aus a (Gußzustnnd). rung beachtliche Werte von Zugfestig-

keit und Dehngrenze erreicht, welche


etwa gleich hoch oder sogar etwas höher sind, als die an stark abge-
walzten Blechen erhaltenen Werte.
Man erkennt aus den genannten Beispielen, wie komplex die Ge-
sichtspunkte sein können, welche zu berücksichtigen sind, um Gieß-
Lit. S. 193] 3. Probleme beim Gießen von Knetlegierungen 169

bedingungen und Legierungszusammensetzung zur Erzielung günstiger


Festigkeitswerte und Verarbeitbarkeit in geeigneter Weise miteinander
zu kombinieren.
In Abb.554 (S. 717) wird das Verhalten der Festigkeitswerte eines
Stranggußbarrens bei der Verformung beschrieben. Besonders bemerkens-
wert ist im Verlaufe der Warmverformung das anfängliche Absinken von
Zugfestigkeit und Dehngrenze, ohne daß die Bruchdehnung ansteigt.
Hieraus ergibt sich der Schluß, daß beim
~I

-
Warmverformen zu Beginn der Querschnitts-
mm'
reduktion ein Zustand auftritt, in welchem
das Gefüge besonders zu Trennbrüchen ~
neigt [308]. /
Dies wird auch in der Praxis beobachtet,
~
denn das Aufreißen von Poren beim Warm- V
z
walzen oder Schmieden tritt meist zu An- Jmm
/
/
fang der Warmverformung ein. Zur genauen
Verfolgung eignet sich vor allem die Unter-
suchung von Mikro-Zerreißstäben sowie von
Kerbschlagproben, welche bei verschiedenen
Temperaturen untersucht werden [308]. i'-..
"'" '"'-
~
19 i I---
3.96 Einfluß der Gießbedingungen auf die "-

'"
.~ 1,3

'"
~mm
Festigkeitswerte nach dem Abwalzen ~
~Z1
P. BRENNER und W. ROTH [309] haben ~
'-

.1% 09
~ --...,
darauf hingewiesen, daß nach Abwalzen oder ~ • I.f. B 8 cmjm!n 1E
Strangpressen die Festigkeitswerte von Absenkgescnwindigkeil
Stranggußmaterial bei Legierungen wesent- Abb. 133. Festigkeitseigenschaften
von kaltausgehärteten Blechen aus
lich günstiger liegen als bei Kokillenguß- AlCuMg, 1 mm dick, in Abhängig·
material. Beim Stranggießen haben die keit von der Absenkgeschwindigkeit
beim Stranggießen (nach H. BOTH·
Gießbedingungen Einfluß auf die Festigkeits- MANN U. H. VOssKttHLER [244].

werte des Endproduktes [236, 244, 266].


In Abb. 133 erkennt man an Hand von Ergebnissen von H. BOTH-
MANN und H. VOSSKÜHLER [244] den starken Einfluß der Gießgeschwin-
digkeit auf die späteren Festigkeitswerte von AICuMg-Blechen.
Man kann den Einfluß der Gießgeschwindigkeit gelegentlich
unmittelbar an der Verformbarkeit beim Warmverformen wieder-
erkennen:
Beim langsamen Gießen tritt oftmals eine Kornverfeinerung auf,
welche den Kraftaufwand bei der Warmverformung erhöhen kann.
Schnelles Gießen (= tiefer Sumpf) begünstigt Schrumpflunker und
daher Rißbildung beim Warmwalzen.
170 A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze [Lit. S. 193

Es ließen sich noch viele Beispiele aufzählen, wie durch die Gieß-
bedingungen die mechanischen oder Oberflächen-Eigenschaften des ab-
gewalzten oder stranggepreßten Materials beeinflußt werden.
Auf einige Beispiele werden wir in späteren Kapiteln zurückkommen.

4. Metallkundliehe Probleme beim Gießen von Gußlegierungen


Von H. Arbenz, Neuhausen am Rheinfall (Schweiz)

Manche der weiter oben für die Knetlegierungen beschriebenen Gesetz-


mäßigkeiten oder Erfahrungen lassen sich sinngemäß auch auf die Guß-
legierungen übertragen. Dies gilt insbesondere für den Mechanismus der
Erstarrung, das Verhalten der nichtmetallischen Verunreinigungen, den
Einfluß der Abkühlungsgeschwindigkeit und das Auftreten von Seige-
rungen. Dennoch gibt es bei Gußlegierungen eine ganze Reihe spezieller
Probleme. Hierfür werden im folgenden einige typische Beispiele ge-
nannt.
4.1 Grundsätzliche Unterschiede zwischen Guß- und
Knetlegierungen

Guß- und Knetlegierungen unterscheiden sich im Zustand, in welchem


sie als Fertigprodukt zur Anwendung kommen, grundsätzlich von-
einander. Der Unterschied besteht in einer Verformung im festen Zu-
stand beim Knetmaterial und im Fehlen dieses nachhaltig auf das Ge-
füge wirkenden Arbeitsprozesses bei Gußlegierungen. Dies bedeutet
einerseits eine Vereinfachung der metallkundlichen Aspekte, anderer-
seits werden durch die oft recht verwickelte Gestalt der Gußstücke
spezielle Probleme aufgeworfen.
Der Gefügebau von Aluminiumgußstücken hat gegenüber jenem
von Knetmaterial folgende Besonderheiten:
a) Fehlen einer Verformungstextur, Vorliegen einer zumeist nur
undeutlichen Gußtextur. In Gußstücken gibt es im allgemeinen keine
Rekristallisation. Die Korngröße der Primärkörner bleibt bei einer
vYärmebehandlung meist unverändert, d. h. es tritt weder eine Ver-
gröberung noch cine Texturänderung ein.
b) Mehr oder weniger zahlreiche Gefügelücken in Form von l\'Iikro-
lunkern, l\'Iikrorissen und Gasporen. Diese Gefügefehler werden wegen des
Fehlens einer Verformung des Gußgefüges nicht verschweißt.
Eine Folge davon sind oftmals niedrigere Festigkeitswerte (speziell
Dehnungswerte) von Aluminiumgußstücken gegenüber solchen von
Walz- oder Preßmaterial gleicher Zusammensetzung, auch dann, wenn
letzteres weichgeglüht wurde (siehe z. B. Tab. 19).
Lit. S. 193] 4. Probleme beim Gießen von Gußlegierungen 171

Tabelle 19. Vergleich der Festigkeitswerte von AIMg3 nZs Gußgefüge


und nach dem Kneten

0 .• NB
° 02
kpj Illlll ,
(JB
kpjlllIll' 0
/0 kpjrr1n1"l

Kokillengußstück G-AlMg3
Guß zustand, 100 mm~-Zerreiß· H,2 17,0 7;2 ;54
probe aus 15 mm WanddickP ent·
nommen
Flachprofil gepreßt
AIMg3 "weich" 15 X :~O mm 10.ß 22.8 24.1 ;")2
100 mm 2-Zerreißprobe

Das Ausmaß dieses Zurückfallens hängt naturgemäß von Menge


und Gräße der Gefügelücken ab und ist damit stark von den gieß-
technischen Details beeinftußt. Abb. 134a zeigt rißartige Korngrenzen-
lücken bei G-AlCu4Ti (Sandguß). Sie bewirkten an der betreffenden
Gußstückpartie eine rund 15%ige Einbuße der Zugfestigkeit gegenüber
dem entsprechenden. an einer fehlerfreien Stelle gemessenen Wert.
Durch Erstarrung unter Druck sowie durch gute Nachspeisung mit
Schmelze während der Erstarrung kann die Entstehung von Gefüge-
lücken bekämpft werdf'n (~. a. Tab. 6. S. 24, u. Abschn. A 4.32).

,-

'--
.- ................
,

... '

13: 1
Abb. 134:1. Korngrenzenlücken in G-All'1l4Ti·Salldguß (na("h ALrSUISS}~).

c) Grobe intermetallische Phasen, Durch Walzen oder Pressen werden


Einlagerungen von Legierungsbestandteilen und Begleitelementen zer-
kleinert. Sie erhalten einen feineren Dispersionsgrad als im Gußzustand.
Zudem sind die Einlagerungen bei dem durch Strangguß hergestellten
Gußzustand feiner als beispielsweise bei Sandguß, welcher teilweise sehr
geringen Abkühlungsgeschwindigkeiten unterliegt. Abb. 134 b zeigt Aus-
172 A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze [Lit. S. 193

scheidungen von Kupferaluminid in G-AICu4Ti (Sandguß) im Guß-


zustand und warm gewalzt (Verformungsgrad 90%).
Die feinere Dispersion der intermetallischen Phasen bewirkt bei
Knetmaterial im Verlaufe einer Lösungsglühung rascheres Inlösunggehen
dieser Gefügebestandteile als bei Gußgefüge. Knetlegierungen erfordern

.... . . . .

".

70: 1
Abb.134b. Ausscheiduugen von Kupferaluminid in G-AICu4Ti (nach ALUSUISSE).
links: Gnßzustand (Sandguß) rechts: warmgewalzt, Verformungsgrad 90%.

daher eine kürzer dauernde Lösungsglühung als Gußlegierungen ähn-


licher Zusammensetzung.
Für AICu4Mg (Blech) beträgt sie beispielsweise zur vollständigen
Lösung des Al 2Cu 1 bis 2 Stunden bei 505°C, während für G-AICu4TiMg
(Sandguß) 8 bis 12 Stunden bei 520°C anzusetzen ist.

4.2 Gießverfahren und ihr Einfluß auf das Gußgefüge


Die wichtigsten Gieß verfahren für Gußlegierungen sind Sandguß,
Kokillenguß und Druckguß [331].
Aluminiumgußlegierungen eignen sich bei richtiger Auswahl für alle
drei Verfahren ausgezeichnet. Diese Universalität ist bei keiner anderen
Legierungsgruppe von industrieller Bedeutung zu finden, also weder bei
Eisen-, Kupfer-, Zink- noch Magnesiumlegierungen. Dies ist die Folge
einer günstigen Kombination von Eigenschaften der Aluminiumguß-
legierungen, nämlich:
Tief liegende Schmelzintervalle, zwischen 520 und 640°C, so daß die
wenig darüber liegenden Gießtemperaturen (650 bis 780°C) von
eisernen Formen gut ausgehalten werden.
Schutz des fließenden Metalls vor Oxydation durch den dünnen Oxyd-
film, der sich auch auf einer stark bewegten Schmelze bildet.
Lit. S. 193] 4. Probleme beim Gießen von Gußlegierungen 173

Eine hohe Erstarrungswärme (~90 kcal/kg) gestattet die scharfe


Wiedergabe kompliziert gestalteter Gußteile ohne übermäßige über-
hitzung der Schmelze.
Ein gutes Verformungsvermögen vermindert die Tendenz des Auf-
schrumpfens auf vorspringende Formteile und der Bildung von
Spannungsrissen .
4.21 Sandguß
Das Metall fließt durch sein Eigengewicht in eine aus Quarzsand her-
gestellte Form, die nach der Erstarrung zerstört wird. Die als Bindemittel
für den Quarzsand dienenden Stoffe Wasser, Tonmineralien oder orga-
nischen Zusätze (Kernbinder) werden während des Gießprozesses physi-
kalischen und chemischen Vorgängen (Verdampfung, Kalzination, pyro-
lytischer Zerfall) unterworfen. Diese Vorgänge werden hauptsächlich
durch die Wärmeabgabe der erstarrenden Legierung unterhalten. Trotz
dieser Wärmeabgabe verläuft die Erstarrung verhältnismäßig langsam,
denn die dem Metall unmittelbar benachbarte Sandschicht weist nach
der Verdrängung des Wassergehaltes eine schlechte Wärmeleitfähigkeit
auf und erreicht rasch eine Temperatur nahe dem Soliduspunkt der
Legierung. Dadurch verlangsamt sich die Erstarrung. Sandgußteile
weisen deshalb, wenn nicht absichtlich eine Kornverfeinerung durch
Fremdkeime 1 eingeleitet wird, ein grobes Gußgefüge auf. Dies gilt haupt-
sächlich für das Innere des Gußquerschnittes und für Oberflächenpartien,
die dem Formoberteil zugekehrt sind. Dort entsteht durch die Schwin-
dung des Metalls ein Luftspalt, der noch stärker wärmeisolierend wirkt
als die entwässerte Sandschicht. Sandgußstücke, die keine Kornverfeine-
rung durch Fremdkeime erfuhren, weisen Körner (iX-Mischkristalle oder
eutektische Zellen) von mehreren Millimetern Größe auf. Ein so grobes
Korn kommt bei den relativ hochlegierten Aluminiumgußlegierungen
nur durch sehr langsame Erstarrung zustande.
Unter ungünstigen Verhältnissen können sich Formstoffreaktionen
mit dem Metall ergeben, z. B. zwischen Wasserdampf und dem als Legie-
rungselement in sehr vielen Aluminiumgußlegierungen enthaltenden
Magnesium. Daher ist es wichtig, durch eine gute Durchlässigkeit der
Form die gasförmigen Reaktionsprodukte entweichen zu lassen.

4.22 Kokillenguß

Das Metall fließt durch sein Eigengewicht in eine vorgewärmte mehr-


teilige Eisenform, die meist durch einen dauerhaften dünnen keramischen
Überzug (Schlichte) geschützt ist. Die Form wird nach dem Guß nicht
I S. a. Abschn: A 1.24:
174 A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze [Lit. S. 193

zerstört und oft erst nach Tausenden von Abgüssen durch Abnutzung
und Deformation unbrauchbar. Formstoffreaktionen sind nicht zu be-
fürchten, dagegen muß der Undurchlässigkeit der Form wegen für ein
ungehindertes Entweichen der im Formhohlraum befindlichen Luft ge-
sorgt werden. Dies wird durch Fugen, Schlitze, Bohrungen und Steiger
bewerkstelligt.
Die gute Wärmeleitfähigkeit des Formwerkstoffes bewirkt eine rasche
Erstarrung, weshalb das Kokillengußgefüge feiner und dichter ist als das
Sandgußgefüge. Hierzu ist es allerdings Voraussetzung, daß eine ge-
nügende Wärmekapazität der Form (Kokille) die Temperatur derselben
nicht zu rasch und zu hoch ansteigen läßt. Aus diesem Grund ist es not-
wendig, daß die Kokillenwanddicke ein Mehrfaches derjenigen des Guß-
stückes beträgt. Gegenüber der Formoberseite oder infolge von Schrumpf-
spannungen auch an anderen Gußstückpartien kann wie beim Sandguß
ein wärmeisolieTender Luftspalt entstehen, der eine Kornvergröberung
bewirkt.
4.23 Druckguß
Das MetRll wird durch einen sehr hohen Druck (bis zu 1000 kp/cm 2)
in mehrteilige Formen aus Warmarbeitsstahl gepreßt ("gespritzt"). Die
Innenwände der Formen tragen nur einen äußerst dünnen, nicht per-
manenten ölhaltigen Schutzfilm (Schmiermittel). Eine Druckgußform
hält in der Regel viele 10000 Güsse aus.
Die Erstarrung in den verhältnismäßig kalten, oft wassergekühlten
Formen vollzieht sich sehr rasch und setzt schon in der Füllbüchse ein,
bevor das Metall den Formhohlraum erreicht hat. Druckgußstücke sind
daher sehr feinkörnig, und auf das Einbringen von Fremdkeimen in die
Schmelze kann verzichtet werden. Die sich in Millisekunden vollziehende
gewaltsame Formfüllung ("Schuß") gestattet trotz der Vorerstarrung
das präzise, scharfkantige Gießen sehr dünnwandiger, komplizierter Teile.
Die große FließgeschWindigkeit bewirkt sogar ein Wiederaufschmelzen
bereits erstarrter Metallanteile durch Reibungswärme.
Die im Formhohlraum befindliche Luft sowie Ölgase des Schmier-
mittels können nicht vollständig zum Entweichen gebracht werden und
mischen sich teilweise mit der Legierung. Druckgußstücke sind daher
mehr oder weniger stark von Bläschen durchsetzt, die aber oft nur mikro-
skopische Größe annehmen. Durch Evakuieren der Form gelingt es,
diesen Nachteil etwas zu mildern (Vakuumdruckguß). Der Bläschengehalt
der Druckgußteile bewirkt eine Abnahme der Dichte und der elektrischen
Leitfähigkeit von 5 bis 20%. Auch dürfen die Gußstücke in den meisten
Fällen einer Lösungsglühung nicht unterworfen werden, weil die ein-
geschlossene Luft bei der erforderlichen Temperatur (500 bis 540°0) so
große Drucke erreicht, daß Blasen und Deformationen auftreten. Die
Lit. f-j. 193] 4. Probleme beim Gießen von Gußlegierungen 175

nachträgliche Aushärtung aushärtbarer Gußlegierungen ist daher bei


Druckguß nicht möglich. Immerhin bewirkt die sehr rasche Erstarrung
eine beträchtliche Übersättigung der primär entstehenden Gefüge-
bestandteile, woraus ein starker Festigkeits- und Härteanstieg resultiert.
Gleichzeitig Silizium, Magnesium und Kupfer enthaltende Druckguß-
legierungen neigen aus dem gleichen Grund zur Selbstaushärtung, indem
bei der Erstarrung mit Übersättigung gelöstes MgzSi sich später bei
Raumtemperatur langsam als festigkeitssteigernde Phase ausscheidet.
Im folgenden werden die sich zwischen flüssigem und festem Zustand
abspielenden Vorgänge unter Berücksichtigung der verschiedenen Gieß-
verfahren näher beschrie ben.

4.3 Verhalten des Metalls in der Form

4.31 Beeinflussung des Fließens und der Formfüllung

Ein häufiger Fehler beim Formgießen besteht darin, daß das flüssige
Metall im engen Formhohlraum durch vorzeitige Erstarrung stecken-
bleibt, bevor es den ganzen Riwm des Abgusses einnimmt. In erster
Linie sind zur Vermeidung solcher Schadensfälle formtechnische Maß-
nahmen erforderlich:
Verkürzen der Flie13wege durch Erhöhen der Zahl der Anschnitte.
Herabsetzen der Gießzeit durch Vergrößern der Querschnitte des
Anschnittsystem:,; .
Erhöhen det; mctallostatischen Druckes und damit der kinetischen
Energie des fließenden Metalls.
Sodann kann metallseitig durch Erhöhen der Gießtemperatur eine
größere Beweglichkeit des fließenden Metalls erreicht werden.
Allen diesen Maßnahmen sind relativ enge Grenzen gesetzt, die bei
den Aluminiumlegierungen gewissenhaft beachtet werden müssen:
Eine ü bcrmäßigc Beschleunigung des Metallflusses in der ]'orm
fördert durch da:,; Vorherrschen turbulenter Strömung und durch das
Ansaugen von Luft und Formgasen die Entstehung von Oxydschaum,
welcher sich mit dem Yletall mischt und später den erstarrten Abguß
durchsetzt.
Eine Erhöhung der Gieß temperatur über eine gewisse, aus der Praxis
hervorgegangene Grenze hinaus läßt die Nachteile erhöhten Abbrandes
und verstärkter Wasserstoffaufnahme fühlbar werden.
Daraus geht die Wichtigkeit hervor, die Gußlegierungen so zu wählen,
oder metallurgisch so zu behandeln, daß das Metall in der Form mög-
lichst leicht fließt.
176 A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze [Lit. S. 193

Die Prüfung des Fließvermägens erfolgt im deutschen Sprachbereich


meist durch Gießen einer Spirale in einer Formmaske aus kunstharz-
gebundenem Quarzsand (Abb. 135). Dieser sowohl für Eisen, Buntmetall
und Aluminiumlegierungen geeignete Test wurde aufbauend auf älteren,
ähnlichen Methoden 1947 von PH. SCHNEIDER entwickelt r310].

Abb. 135. Spiralprabe nach Pli. SCHNEIDER [310] zur Bestimmung des Fließ- unu 1<'ormfüllungs-
vermögens . Offene Maskenfarm, ;l-bguß und Meßplatte.

900 200
oe cm
-
V ~'"
V
800 1,0

~
V
\ "'--'" /

. 600 ~
\
~
r--...........-
V
/' \ so

SOO
o
/ 10
3iliziumgehalf
1S 20 Gew.-% 2S
o

Abb. 136. ]'ließvennögen im System Aluminium-Silizium ausgedrückt durch die Auslauflänge


der Spiralprobe. (nach W. PATTEllSON und R. KÜMMERLE [311]).

Die Länge der Spirale ist kennzeichnend für das Fließvermägen.


Durch die Anwendung von Formmasken ergibt sich die für Sandformen
denkbar beste Präzision, verbunden mit einfacher Herstellung und der
Möglichkeit, die Formen bis zum Gebrauch längere Zeit aufzubewahren.
Abb. 136 zeigt das Fließvermögen im System Aluminium-Silizium
bei 750 °C. Im Kurvenverlauf wird als erstes sichtbar, daß eine exakte
Relation zur Schmelzpunkterniedrigung nicht besteht; es zeigt sich,
Lit. S. 193] 4. Probleme beim Gießen von Gußlegierungen 177

daß, abgesehen von Reinstaluminium, eine Legierung mit leicht über-


eutektischer Zusammensetzung am besten fließt [311]. Andererseits ist
es möglich, von allen denkbaren Aluminium-Silizium-Legierungen die
12- bis 13%ige eutektische mit der tiefsten Temperatur zu dünnen Ab-
güssen zu vergießen. Dies ist hauptsächlich bei Druck- und Kokillen-
guß von Wichtigkeit. Bei diesen Gießverfahren
180
cm
wird die Lebensdauer der Stahl- oder Grauguß-
170
formen von hohen Gießtemperaturen stark be-
einträchtigt. In Abb. 137 ist ein Vergleich
160 zwischen den wichtigsten Gußlegierungen auf-
gezeigt, worin die Überlegenheit der silizium-
150 haltigen Kombinationen zutage tritt.

140 .
'"
.g>
~ 130
f:
o1Z0 70
cm
li
"'.
,~50
~
~
':5
'( 30

90
10
0 5 10 75 ZO Gew.-% cf)
Siliziumgehalf
Abb.137. Vergleich des Flicll- Abb. 138. Fließvermögen im System Aluminium-Silizium, Gieß-
vcrmögem3 verschiedencrGuß- temperatur 50 grd über dem T.iquidnspunkt (nach W. PATTERSON
lPgiernngcn (nach R. IInf.\Kx und R. Kt~)Jl\rF,RLE r311]).
[331J).

Die in dieser Abb. vorgenommene Gegenüberstellung des Fließ-


vermögens verschiedener Legierungen bei gleicher Gießtemperatur
gibt keine genaue Antwort darauf, wie weit die physikalischen Eigen-
schaften fließender Schmelzen vor und während der Erstarrung den
Meßbetrag des Fließvermögens beeinflussen. In Abb. 138 wurden für
das System Aluminium-Silizium die Spirallängen aufgetragen, die jeweils
bei Gießtemperaturen gewonnen wurden, welche einen bestimmten Betrag
über der Liquidustemperatur liegen. Es zeigt sich das zunächst unerwar-
tete Ergebnis, daß der Kurvenverlauf eine ähnliche Form annimmt, wie
beim Venmch mit konstanter Temperatur. Das günstigste Verhalten liegt
jedoch bei stark übereutektischen Zusammensetzungen, während die
eutektische Zusammensetzung und weite Bereiche unterhalb dieser
stark zurückfallen. Dies besagt, daß tatsächlich gewisse Eigenschaften
der Schmelze unmittdbar vor der Erstarrung ebenso wie die Erstarrungs-

12 Altenpohl. Aluminium
178 A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze [Lit. s. 193

bedingungen das Fließen in der Form beeinflussen. Diese Einflüsse sind


je nach Gehalt an Legierungskomponenten verschieden stark. Das Er-
staunliche ist, daß dieses relative Fließvermögen bei Reinaluminium
besser ist als beispielsweise bei der eutektischen Aluminium-Silizium-
Legierung. Dies steht den Beobachtungen in der Gießereipraxis dia-
metral entgegen. G-AISi12 ist jene Legierung, welche mit Vorzug für
dünnwandige Abgüsse verwendet wird, während Reinaluminium hierbei
Schwierigkeiten bereiten würde. Hier mußte eine tiefergehende Unter·
suchung der Spiralmethode ansetzen. Sie führte zu einer besser kennzeich-

Abb. 139. Auslauf-Zunge des Spiralabgusses . Abb. HO. Querschnitt einer Spi-
rale zur Bestimmung des Form-
füllungsvermügens (nach W. PAT-
TERSON und R. KÜMMERLE [311]).

nenden Größe, dem Form!üllungsvermögen, welches das früher für die


Füllbarkeit einer Form als maßgebend betrachtete Fließ vermögen in
wertvoller Weise ergänzt.
Ein gutes Formjüllungsvermögen einer Legierung äußert sich in einer
möglichst exakten Wiedergabe des Formhohlraumes, wobei die scharfe
Nachbildung von Ka,n ten und Hohlkanten als eigentliches Kriterium
zu gelten hat.
Man kann an den zur Bestimmung des Fließvermögens benützten
Spiralabgüssen von trapezförmigem Querschnitt eine vollkantig aus-
laufende Partie und daran anschließend, ein sich zungenförmig fort-
setzender "Vorlauf" mit unvollständigen Konturen unterscheiden [313]
(Abb. 139). Als Formfüllungsvermögen wird, von der eingangs auf-
gestellten Definition ausgehend und auf Grund dieser Beobachtung,
der Prozentsatz definiert" den die vollkommen ausgelaufene Spiralen-
Lit. S. 193] 4. Probleme beim GieBen von GuBlegierungen 179

lănge von der Gesamtlănge einnimmt. Da bei erwies es sich als vorteilhaft,
dem Querschnitt der Spirale anstelle des Trapezes sternformige Gestalt
zu geben (Abb. 140) und die Proben in Graphitformen zu gieBen.
Das bei einer GieBtemperatur von 80 grd liber Liquidus am System
Aluminium-Silizium mit Hilfe der Sternspirale ermittelte Formfiillungs-
vermogen ist in Abb. 141 dargestellt. Zum Vergleich sind Werte der
kinematischen Viskosităt und der Oberflăchenspannung in reziproker

1~8
S 10 1S Gew. -% ZO
Si/iziumgeha!f
Abb. 141. Formfiillungsvermiigen und rcziproke Werte von Oberflăchenspannung und Viskosităt bei
Giel.ltemperaturen von 80 grd iiber dem Liquiduspunkt im System Aluminium-Silizium
(nach W. PATTERSON u. H. BRAND [313]).

Form aufgetragen. Deutlich geht aus dem allgemeinen Verlauf der


drei Kurven die Beeinflussung des Formfiillungsvermogens durch die
beiden physikalischen GroBen hervor. Bedeutungsvoll, aber ungeklărt
ist das Erscheinen eines gemeinsamen Maximums in der Gegend des
groBten Erstarrungsintervalls sowie eines Minimums zwischen 5 und
11% Si.
Wichtig ist auch der EinfluB des Wărmeinhalts, indem beim GieBen
der Spiralen bei Temperaturen, die gleichen Wărmeinhalt verkorpern,
die Kurve des Formfiillungsvermogens stark verflacht wird. Abb. 142
zeigt einen Vergleich des Verlaufes des Formfiillungsvermogens im
System Aluminium-Silizium bei einer GieBtemperatur von 80 grd iiber
der Liquidustemperatur und bei GieBtemperaturen mit gleichem Wărme­
inhalt [313].
In gewissen Bereichen des Systems Aluminium-Sizilium wird das Form-
fiillungsvermogen auch vom Kornfeinungszustand der Schmelze beein-
fluBt. Ăhnliches gilt fiir das FlieBvermogen. Die EinfliiEse einer Korn-
feinung durch Fremdkeime ăndern physikalische Eigenschaften in fliis-
sigem Zustand kaum und treten erst zu Beginn der Erstarrung in Erschei-

12*
180 A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze [Lit. S. 193

nung. Daraus kann geschlossen werden, daß Habitus, Größe und Anzahl
der während des Fließens entstehenden Primärkristalle Fließ- und Form-
füllungsvermögen zusätzlich zu den den schmelzflüssigen Zustand kenn-
zeichnenden physikalischen Größen beeinflussen.

100
% 6.

80
iil
:~

~
if, 60
g>
8:'
~
~
~ 40

(} s cO Gew.-% Zfi

Abb.142. Form!üllungsvermögen im System Aluminium-Silizium bei konstantem Wärmeinhalt von


190 cal/g, sowie bei 80 grd über der Liquidustemperatur (nach W. PATTERSON n. H. BRAND [313]).

4.32 Erstarrungsvorgänge

Die Erstarrungsvorgänge von Gußlegierungen unterscheiden sich


prinzipiell nicht von jenen von Knetlegierungen. Sie werden ebenfalls
von Eigen- und Fremdkeimen beeinflußt (Kap. 1.21 und 1.24). Schon
bei der verhältnismäßig langsamen Erstarrung beim Sandguß können
sich Unterkühlungserscheinungen einstellen, und das Gefügc enthält
übersättigte Mischkristalle sowie erstarrte Restschmelzen, die nicht den
Gleichgewichtsbedingungen entsprechen. So besagt beispielsweise das
Gleichgewichts-Zustandsdiagramm des Systems Aluminium-Kupfer, daß
ein Eutektikum iX-A1 2Cu erst oberhalb 5,7% Cu entsteht. Tatsächlich
ist jedoch dieses Eutektikum schon bei kleineren Konzentrationen, näm-
lich bei ca. 4,3% Cu anzutreffen, und dies selbst bei dickwandigem Sand-
guß (s. a. Abschn. A 1.336).
Wichtig sind sodann die Folgen des Volumenverlustes (Erstarrungs-
schrumpfung) bei der Erstarrung von Formgußstücken. Deren ver-
wickelte Gestalt und die kurze Zeit, die für die Füllung einer Form zur
Verfügung steht, bereiten dem Nachfließen des Metalls in die Erstarrungs.
hohlräume, der sog. Nachspeisung, große Schwierigkeiten. Kann sich an
irgendeiner Stelle des Gußstückes dieser Vorgang nicht abspielen, so
bleiben Gefügelücken zurück, die Lunker genannt werden. Durch gut-
überlegte gießtechnische Maßnahmen gelingt es meistens, solche Fehler
Lit. S. 193] 4. Problemf beim Gießen von Gußlegierungen 181

zu beheben. Dabei hat das Setzen von "Speisern" an geeigneter Stelle


beim Gußstück am meisten Bedeutung. Es handelt sich um Reservoirs,
die nach der Formfüllung noeh genügende Mengen flüssigen Metalls ent-
halten und erst nach dem eigentlichen Gußstück vollständig erstarren.
Speiser können in ihren Dimensionen berechnet werden [312, 312a, 312b].
Bei Druckguß sind solche Maßnahmen nicht notwendig, da der auf
dem flüssigen Metall lastende Druck die Nachspeisung erzwingt.
Die Erstarrungshohlräume ("Lunker") können verschiedene Gestalt
annehmen. Man unter::;ehcidet zwischen Grob- oder Makrolunker, Fein-
oder Mikrolunker und dem sog. Einfallen. Das "Einfallen" ist ein Ein-
sinken einer noch teigigen Gußhaut unter dem Drurk der Atmosphäre.
Es hat sieh gezeigt, daß diese Erscheinungsformen in erster Linie von
der I~egierung::;zusammensctzung abhängen. Gußstücke aus Reinalumi-
nium und eutektischen Legierungen (z. B. aus G-AISi 12), welche beide
einen scharfen Erstarrungspunkt besitzen, weisen bei mangelhafter Nach-
speisung nur Groblunker auf, die glattwandig sind. Das übrige Gußgefüge
ist dicht. Dies ist eine Folge davon, daß die Erstarrung mit glatter Grenz-
fläche (Erstarrungsfront) vorrüekt und als solche stehenbleibt, wenn die
Schmelze aufgebraucht ist. Legierungen mit großem Erstarrungsintervall,
wie G-AICu4Ti, G--AIMg5 und G-AISi7Cu3 dagegen erstarren bei un-
genügender Nachspeisung von Schmelze mit Mikrolunkern, d. h., das Guß-
gefüge wird schwammartig locker und durchlässig, ohne daß dies zunächst
am äußeren Anbliek der Gußstücke stark in Erscheinung tritt. Mikro-
lunker werden hauptsächlich im Schliffbild sichtbar (Abb. 134a). Bei
großem Erstarrungsintervall bildet ::;ich eine breite Zone, in welcher die
Schmelze ein bereits bestehendes Kristallgerüst (Dendritenäste ) oder
einen Kristallbrei am~ globulitisehen Körnern durchsetzt. Mangel an
Schmelze läßt dann Hohlräume in feiner Verteilung zurück.
Das Einfallen stellt sieh dann ein, wenn die Legierung eine genügend
feste, luftundurchlässige Gußhaut gebildet hat, die aber dem Atmo-
sphärendruek nachgibt. Dies tritt ebenfalls bei großem Erstarrungsinter-
vall bevorzugt auf, z. B. bei G-AISi5Mg.
Vielfach treten alle die genannten Lunkererscheinungen gleichzeitig
auf, z. B. bci G-AISi10Mg, dabei ist aber nicht nur die Legierungs-
zusammensetzung von Bedeutung, sondern auch die Gestalt des Guß-
stückes. Gut abgerundete, einfache Körper begünstigen die Mikro-
lunkcrbildung. In verwickeltAn, mit HohlkAhlAn ven;;ehAnen Abgüssen
treten bevorzugt Groblunker auf, und zwar dort, wo die Wärmeableitung
behindert ist. Die Volumina der einzelnen Lunkerarten bilden bei nicht
nachgespeisten Gußstücken eine Summe, die dem Volumenbetrag der
Erstarrungsschrumpfung etwa gleich ist. Es wurde gefunden, daß diese
bei Reinaluminium und vielen Aluminiumgußlegierungen gleich groß
ist, nämlich etwa 7%. Eine Ausnahme bilden die Aluminium-Silizium-
182 A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze [Lit. S. 193

Legierungen. Mit steigendem Siliziumgehalt geht der Volumenverlust


zurück und beträgt bei 10% Si nur noch etwa 4,5%. Dies ist eine Folge
davon, daß das reine Silizium unter Volumenzunahme erstarrt. Aus
Aluminium-Silizium-Legierungen sind daher lunkerfreie Gußstücke
leichter herstellbar als aus Aluminium-Kupfer-,
Aluminium-Zink- oder Aluminium-Magnesium-
Legierungen.
Die Messung der Lunkerneigung unter Auf-
teilung in die einzelnen Erscheinungsformen ist
nicht einfach. Für Aluminiumlegierungen hat
sich die Methode von A. TATUR eingeführt
(Abb. 143) [318, 318a, 318b, 319].

4.33 Gasausscheidung
9
% Bei Aluminium-Magnesium- und Aluminium-
8
Silizium-Gußlegierungen sind in der Regel höhere
7
Wasserstoffgehalte feststellbar als bei Rein-
aluminium.

Abb. 143. Einfluß des Natriums auf die Lunkerneigung von


G-AISi12 bestimmt mit der TATUR-Probe bei 12,7% Si
z (nach ALUSUISSE [319]).
a) 0,0003% Na; b) 0,0041 % Na.
(I: Groblunkeranteil; b: Einfallen; c: Mikrolunkeranteil:
S: konstant bleibende Gesamtschrumpfung.
o (L b cS
a

Die Wirkung des Wasserstoffes liegt in erster Linie in der Blasen-


bildung während der Erstarrung, welche von der Erstarrungsgeschwin-
digkeit abhängt.
Eine rasche Erstarrung, wie beispielsweise bei Druckguß, vermag
selbst die Ausscheidung sehr hoher Wasserstoffgehalte zu verhindern,
so daß bei diesem Gießverfahren der Gasgehalt des Metalls keiner be-
sonderen Beachtung unterliegt.
Eine niedrige Erstarrungsgeschwindigkeit führt schon bei geringen
Wasserstoffgehalten zu porösem Gußgefüge. Dieser Fall liegt vor, wenn
innerhalb des Erstarrungsintervalls die Abkühlung mit weniger als
ca. 1 grd/s erfolgt. Solche Verhältnisse liegen bei Sandguß sowie bei dick-
wandigem Kokillenguß mit hohen Formtemperaturen vor. Ein dichtes
Gußgefüge und damit beste Festigkeitswerte können in solchen Fällen
nur bei mittleren oder niedrigen Wasserstoffgehalten erzielt werden,
beispielsweise unter 0,4 cm 3 /100 g. Abb. 144 zeigt die Ausbildung von
Lit. :::;. 193 J 4. Probleme beim Gießen von Gußlegierungen 183

Wasserstoffporosität in G-AISi5Mg-Sandguß in Abhängigkeit vom Wasser-


stoffgehalt der Schmelze und von der Erstarrungsgeschwindigkeit,
welche durch verschiedene Probendurchmesser erzielt wurde.
Im Gußgefüge, das unter ungünstigen Bedingungen entstanden ist,
unterscheidet man in bezug auf die Entstehung zwei Arten von Gefüge-
lücken. nämlich:

0,65 0,5 cm'/100 9 0,4


H,-*
Abb. 144. Einflnß des W asserstoffgehaltes auf die Porosität von G-AISi5M:g (Sandguß),
(nach ALUSUISSE).

Gasporen, hervorgerufen durch die Ausscheidung von Gasen, be-


sonders von Wasserstoff, während der Erstarrung.
Lunker, hervorgerufen durch den Volumenverlust der Erstarrungs-
schrumpfung (s. a. Abschn. 4.32).
Eine scharfe Unterscheidung auf Grund des Aussehens dieser beiden
Arten von Hohlräumen bei der Schliffbetrachtung gelingt jedoch nur
in wenigen Fällen (s. dazu auch S. 154).
Grobe Lunker werden in Legierungen mit geringem Erstarrungs-
intervall durch überschüssigen Wasserstoff, der sich überall zwischen den
Kristallen ausscheidet, vermindert oder ganz unterbunden, indem eine
Kompensation der Erstarrungsschrumpfung durch die Bläschenbildung
eintritt. Kokillengußstücke aus gashaltigem Metall, das auf diese Weise
184 A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze [Lit. S. 193

erstarrt, können ohne oder mit geringer Nachspeisung von flüssigem


Metall, also ohne bzw. mit kleinen Steigern gegossen werden. Äußerlich
erscheinen solche Teile als gesund, indem grobe Lunker ausbleiben, im
Gefüge sind sie jedoch von feinsten Gasporen durchsetzt. Dies ist bei
Teilen, an welche keine QuaIitätsansprüche gestellt werden, nicht weiter
von Belang, bei vorgeschriebener Dichtheit und Festigkeit jedoch un-
zulässig (s. a. Abschn. A 1.343).

4.4 Veredelung der Aluminium-Silizium-Legierungen als Sonderfall der


Kornfeinung

Die Veredelung ist ein Vorgang, dessen Entdeckung durch A. P ACZ


im Jahre 1920 [314] die Entwicklung des Gießens von Aluminium-
gußstücken in entscheidender Weise vorwärtsbrachte. Die guten gieß-
technischen Eigenschaften der naheutektischen Aluminium-Silizium-
Legierungen waren zwar schon vor dieser Entdeckung bekannt. Doch
waren solche Abgüsse nur beschränkt brauchbar: Festigkeit und Dehnung
befriedigten nicht, und die spangebende Bearbeitung war durch großen
Werkzeugverschleiß beeinträchtigt.

4.41 Beschreibung der Veredelungsoperation

Diese Schmelzbehandlung besteht in einem Natriumzusatz zur


Schmelze, entweder mittels Natriummetall selbst oder durch chemische
Reaktion zwischen natriumfluoridhaltiger Schlacke und Legierung.
Letztgenannter Prozeß wird "Salz veredelung " genannt.
Der bei der Veredelung anzuwendenden Temperatur sind nach oben
und unten Grenzen gesetzt. Nach oben, um den nach der Operation ein-
setzenden Natriumabbrand klein zu halten, sowie eine WasserstofI-
aufnahme und Oxydation in angemessenen Grenzen zu halten; nach
unten, um vor dem Gießen keine Wiedererwärmung der Schmelze ein-
schalten zu müssen und um im Fall der Salzveredelung eine genügend
große Reaktionsgeschwindigkeit zu erzielen. In der Regel wird bei 720 bis
760°0 veredelt. Bei der Salzveredelung muß der schlackenseitige Reak-
tionsteilnehmer, das Natriumfluorid, durch Zusätze anderer Salze ver-
flüssigt werden. Sein Schmelzpunkt von 990°0 bedeutet nämlich, daß bei
den praktisch anwendbaren Schmelztemperaturen der chemische Umsatz
zwischen fest und flüssig stattfindet, und daher keine genügend große
Reaktionsgeschwindigkeit zustande kommt. Geeignete Zusätze zur
Schmelzpunkterniedrigung sind Natriumchlorid und Kaliumchlorid.
Abb.145 zeigt ein Zustandsdiagramm entsprechender Salzkombinati-
Lit. S. 193] 4. Probleme beim Gießen von Gußlegierungen 185

onen mit eingezeichneten Konzentrationsbereichen gebräuchlicher Ver-


edelungssalze. Am besten ist es, wenn die Veredelungsschlacke nicht
ganz flüssig ist, sondern sich bei der Anwendungstemperatur in ihrem
Erstarrungsintervall befindet [315]. Dies ermöglicht das leichte Ent-
fernen der Schlacke nach Ablauf der Reaktion.

I I I ! ! I

100 Gew. -% 80 10 6'0 50 40 SO 20 10 o


NofriumchloridjKoliumchloridj Nofriumchlorid
Abb. 145. Zustandsdiagramme von Salzgemischen zur Veredlung von Almninium-Silizium· Legierungen
(nach K. GRASSMANN [315]).
E: Eutektisrhe Punkte; ',. x,: Hauptanwendungsbereiche.

Der Reaktionsmechanismus der Salzveredelung vollzieht sich nach


der Gleichung:

3 Na+ + Al ;::( =====::! 3Na + Al+++


Schlacke Schmelze Schmelze Schlacke

Es handelt sich um ein Gleichgewicht, in welchem der Ablauf


zugunsten der rechtseitigen Produkte vor allem dadurch zustande
kommt, daß sich Al+++ als AIF a vollständig von der metallischen Schmelze
trennt und Schlackenbestandteil wird. Die Reaktionsgleichung läßt ver-
muten, daß anstelle von Natriumfluorid auch Natriumchlorid als Ver-
edelungssa.lz wirken könne. Dies ist jedoch deshalb ausgeschlossen, weil
das Reaktionsprodukt AICla in erheblichen Mengen in der Schmelze
bleibt, so daß vor Erreichen der für den Veredelungseffekt notwendigen
Natriumkonzentration der Schmelze die Reaktion zum Stillstand kommt.
In der Gießereipraxis wird oft zugleich mit natriumfluoridhaltigem
Salz und mit metallischem Natrium veredelt: "Kombinierte Verede-
lung".
Natrium steht jedoch in der Veredelungswirkung nicht allein da .
.Ähnliche, wenn auch schwächere Effekte zeigen Lithium, Kalium,
Beryllium, Kalzium, Barium, Strontium und Zer.
186 A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze [Lit. S. 193

4.42 Auswirkungen und Begleiterscheinungen der Veredelung

4.421 Unterkühlung. Die veredelte Schmelze erstarrt bezüglich des


Eutektikums mit einer Unterkühlung, die 10 und mehr grd betragen
kann. Die Aufheizkurve verläuft dagegen normal (Abb. 146) [132]. Die
Unterkühlung der Ausscheidung des Eutektikums ist aber auch bei
schwach veredelten oder unveredelten Schmelzen durch hohe Abküh-

610 \ obkl"h/en oufh~izen /


600 \ 0,018% Na {sfork verede/f} L
590 \ 1/
S80 \ v
/
\ Ir
570
v-
a ~

610 1\ Obklh/en
I.
oufheJzen I
800 \ 4006 %Na (wenig veredelf) V
SUO \
I
/
S80 \ 11
S?O
\ r------.. I
f----

\ 1
1
h
SEiO
o 6 1& 18 Z40 8 1Z 18 mm Pt
Zei!
Abb. 146 a ll. b. Vergleich der Thermoanalysen VOll veredelten und nnveredelten Schmelzen
mit 7,5% Si (nach R. C. PLUMB ll. J. E. LEWIS [132]).

lungsgeschwindigkeiten erzielbar, wobei zu lamellarem Eutektikum


neigendes Ausgangsmetall bedeutend weniger rasch abgeschreckt
werden muß als körnig anfallendes (Abb. 147 [316] und 148).

4.422 Gefügeänderungen. Leicht übereutektische Aluminium-Sili-


zium-Legierung (bis ca. 14% Si) erstarrt im veredelten Zustand ohne
Ausscheidung von Primärsilizium, dagegen erscheinen mehr oder weniger
Lit. S. 193) 4. Probleme beim Gießen von GußlegierullgPI1 187

500
oe abkiih/;n
I
aufheizen
I
,90
Irdrn~es EuleM"lrum, unveredell
,80
Abh; fgeschwindigkell1:8ogrdjmin [)
7

/
~

\ : i -;

1/
/

/
SIiO

's
~ SSO
a 1\
~600 i

"" abkühlef aufheizen


I

I
590
lamellares Eulekfikum, unveredell
'lbkiihlgeschwindiglreif 220grd/min
580
I IJ
90 ~ /
~/
~

l....-- --... 11

\
560

550
o
b
5 12
1/
18 0 6' 12
Zeil
Abb. 147 " u. b. Abkühl- und Aufheizkurven entektischer Aluminium-Silizium-Legierungen
(nach G. GÜRTLER [316]).
a) mit körnigem Eutektikum ; b) mit lamellarem Eutektikum.

100: 1
Abu . 148 lt u. b. Eutektikum in einer Aluminium-Silizium -Legierung mit 12.7 % Si (unveredelt),
(nach ALUSUISSE).
a) lamellar 0,00005% P , O,OOOO~% Na; b) körnig 0,0002 % 1',0,0004 % Na.
188 A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze [Lit. A. 193

umfangreiche Felder von a-Mischkristall. Es ergibt sich gleichsam eine


Verschiebung des eutektischen Punktes.
Das eutektische Silizium erscheint in einer vielfach feineren Aus-
bildung, wobei sich auch die Kristalltracht ändert. Aus lamellarem bzw.
körnigem eutektischem Silizium (Abb. 148 a u. b) entsteht eine graupelige
bis rundliche Form (Abb.149). Auch
bei tieferen Siliziumgehalten tritt diese
Verfeinerung und Umwandlung des
Silizium-Kristallhabitus auf (Abb.150
a u. b).
Die Veredelung erweist sich in
dieser Hinsicht als Parallele zu der
bekannten Kugelgraphitbildung im
Grauguß. Im Falle der Veredelung,
wie im Falle der Kugelgraphitbil-
dung, wird ein Gefügebestandteil von
blättrigem oder spießigem Habitus
(Lamellengraphit, unveredeltes eutek-
100: 1
Abb. 149. Veredeltes Eutektikum in einer tisches Silizium) in eine kugelige
Aluminium-Silizium-Legierung mit Form (Graphitsphärolithen, veredeltes
12.5% Si und 0,015% Na
(nach ALUSUISSE). eutektisches Silizium) umgewandelt.

.r

\,.1 h~, t.r1,f,...lj


200:1 200: 1
Abb.150 a u. b. Entektikum in einer Aluminium-Silizium-Legierung mit 5,1 % Si (Kokillenguß),
(nach ALUSUISSE).
a) körnig 0,0002% Na: b) veredelt 0,052% Na.

Der Veredelungszustand muß bei der Qualitätsbeurteilung der Guß-


stücke in seiner Intensität abgestuft werden. Diese Abstufungen sind
einerseits vom Natriumgehalt, andererseits von der Abkühlungsgeschwin-
digkeit abhängig und gehen stetig ineinander über. Abb. 151 a zeigt unter-
veredeltes, Abb. 151 b überveredeltes Eutektikum.
Lit. S. 193] 4. Probleme beim Gießen von Gußlegierungen j 81)

Bei Sandguß mit einer Abkühlungsgeschwindigkeit von durchschnitt.


lieh ca. 1 grdjs sind folgende Grenzen annehmbar:
unveredelt < 0,001% Na
unterveredelt 0,001 bis 0,005% Na
gut veredelt 0,005 bis 0,015% Na
überveredelt > 0,0115% Na

70: 1 150:1
Aht.. 151 a u. h. EutektikulII in einer A lulllinilllu-Silizilull -Legier nn~ mit 12.2 bi s 12,5% Si (Sanuguß)
(nach ALl'Sl'IRSE).
a) untervel'edelt 0.004''." Na: 1,) iiberveredelt 0.035% Na. (11 ~ natrinlllreiche Rest.~chmelze)

Bei Kokillenguß mit weit höherer Abkühlungsgeschwindigkeit ver-


schiebt sich diese Skala gegen geringere Natriumgehalte.
Der Natriumgehalt ist nach der Veredelungsbehandlung einem von
der Zeit abhängigen Abbrand unterworfen, so daß das für das Gießen
günstige Zeitintervall relativ

\
begrenzt ist. Abb. 152 zeigt die 0,030
Abbrandkurve des Natriums Cew.-%
0,0iJ5
[317]. In der Praxis des Sand-
" "
gusses ist eine beträchtliche I\. !
Überveredelung, beispielsweise ~ I" 1
mit 0.015 bis 0.02%) Na. hei I ""
I
I
."-~
~

Abb. 152. Abbranuknrve ue, Natr;'lIn' in


400~
"'M-.
r-t-+I'- Bereich {ur-.:t 'f....
' II "
i'iner 50 kg-Schmelze von G-AlSi 12 bei 'f--
735 oe und 300 fllIH TiegelrlllTchlllesser I Sandguß I
(na"h C. MAseRE 11. !VI. L~~ FEll\'HE 1·1I7!). i 1 1- 1 i " ""
o 10 cO 30 40 50 00 70 mln 90
Abslehzeif
Gießbeginn angezeigt, da beim Gießvorgang selbst ein relativ großer
~atriumverlust durch Oxydation eintritt.
Die Gefügeumwandlung der Veredelung hat auch eine Änderung des
Bruchaussehens zur Folge. Die Anwesenheit von Primärsilizium und
190 A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze [Lit. S. 193

hauptsächlich der groben, manchmal Längen über 100 [Lm aufweisenden


Siliziumkristalle des Eutektikums in unveredelten Aluminium-Silizium-
Legierungen bewirken ein dunkelgraues, grobkörniges Bruchaussehen, in
welchem die bloßgelegten Flanken der Siliziumpartikel erglänzen. Es
zeigt große Ähnlichkeit mit jenem eines graphitreichen Graugusses.
Das Bruchaussehen veredelten Materials ist dagegen feinkörnig-seidig,
hellgrau und erscheint dem bloßem Auge homogen. Es gleicht dem Bruch-
aussehen eines gehärteten Kohlenstoffstahls.

Abb, 153. Biegeversuch an Sandgllß·Stäben ans G-A1Si 12 mit 20 mm Durchmesser


(nach ALUSUISSE).
Oben: veredelt: Bruch bei 50' Biegewinkel; Unlen: IInveredelt: Bruch hei 8' Biegewinkel.

4.423 Änderung der Fließeigenschaften und der Lunkerneigung.


Durch die Veredelung tritt eine beträchtliche Einbuße des Fließvermö-
gens ein. Damit steht die Veredelung im Gegensatz zu andern Korn-
feinungsprozessen, welche in der Regel eine Verbesserung des Fließver-
mögens bewirken. Das Formfüllungsvermögen bleibt nahezu unbeein-
Hußt [313J-
Die Lunkerneigung naheutektischer Aluminium-Silizium-Legierungen
wird sehr stark beeinHußt. Die Groblunkerneigung wird durch Natrium-
zusatz weitgehend abgebaut, während die Tendenz zur Mikrolunkerbil-
dung entsprechend zunimmt. Abb. 143 zeigt diese Erscheinung in Zahlen
gefaßt, ermittelt an der Konusprobe von A. TAT UR [319]. Dies ist sehr
wahrscheinlich eine Folge der Aufweitung des Erstarrungsintervalls
bezüglich des a-Mischkristalls, indem bei Natriumzusatz der eutektische
Punkt nach der Siliziumseite ausweicht.
Die Überveredelung ist von einer ausgeprägten Neigung zur Bildung
bläschenartiger, 0,1 bis 2 mm großer Lunker begleitet, deren Zustande-
kommen noch niGht geklärt ist.
4.424 Beeinflussung der mechanischen Eigenschaften. Die Verbes-
serung der Festigkeitswerte und der Dehnung durch die Veredelung
ist augenfällig. Abb. 153 zeigt einen Biegeversuch an je einem unver-
edelten und veredelten Rundstab von 20 mm 0 . Der unveredelte Stab
Lit. :So 193] 4. Probleme beim Gießen von Gußlegierungen 191

ist beinahe unverformt gebrochen, der veredelte jedoch erst mit einem
Winkel von 50°. Abb. 154 enthält eine Gegenüberstellung von Zugfestig-
keit und Dehnung des unveredelten und des veredelten Metalls im
System Aluminium-Silizium. Die Auswirkungen des Veredelungseffektes
erscheinen hier deutlich als an die Größe des Anteils an Eutektikum im
Gußgefügc gebunden [320J.
Der Grund zu dieser '"erbesserung des mechanischen Verhaltens liegt
auf der Hand: Kantige und spießige Gefügeeinlagerungen mit einem
Verformungsverhalten, das von jenem der
Grundrnasse verschieden ist, führen bei
angelegter Zugspannung zu Störungen im
Kraftlinienfluß und damit zu örtlichen
SpannungsüberhöhungeIl. An solchen
Stellen treten Anribse auf, die einen vor-
zeitigen Bruch einleiten. Legierungen mit
kugeligen Heterogenitäten unterliegen
diesem Nachteil bedeutend weniger. Dies ---1---
zeigt sich wiederum als Analogiefall zum ~-
Gußeisen mit Kugelgraphit.
s ---r I ~
\

4.43 De'/dung des Veredelungsvorganges


o S 10 8ew.-% IS
Siliziumgehall
Abb. 154. Mechanische Eigenschaften
Die sehr interessante und technisch von gegossenen Proben aus Alumi·
bedeutungsvolle Gefügeumwandlung be- nium-Silizium·Legierungen in Ab-
hiingigkeit von Siliziumgehalt vor
wirkte zahlreiche ]'orsehungsarbeiten, ( 0 ) und nach (. ) Veredelung

welche das Auffinden der tieferen Ur- (noch 3f. T,. GHAXD [3201).

sachen der Veredelung zum Ziel hatten.


Die dabei gewonnenen Erkenntnisse sind sehr interessant, brachten aber
noch keine vollständige Enträt8elung. Verschiedene Veredelungstheorien
sind entstanden, die sich bei wachsendem Erkenntnisstand teilweise
ergänzen, teilweise sich widersprechen und teilweise als widerlegt aus
den Betrachtungen ausschieden. Noch heute sind nieht alle mit der Ver-
edelung zusammenhängende Fragen gelöst.
Die Veredelung ist jedoch einer jener in der praktischen Metallurgie
sehr zahlreichen Fälle, wo ein dureh reine Empirie entdecktes Verfahren
jahrelang in großem Jlaßstab ausgeübt wird, ohne daß seine metall-
knndlichen Grundlagt'1l vollständig bekannt sind.
[m folgenden sind die wichtigRten Veredelungstheorien beschrieben.
-1.431 'l'heorie des ternären, natriumhaltigen Eutektikums. Eine ter-
närE', natriumhaltigc Phase. welehe bei Überveredelung leicht übereutek-
fischer Schmelzen ab Primärausscheidung zwischen den Feldern des
Aluminium-Sizilium-Eutektikllm:'4 enieheint, j"t nachgewiesen worden:
192 A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze [Lit. S. 193 ]

NaAISi 4 [321] oder NaAISi1.2S-1.33 [322]. Es handelt sich um die dunkeln


gröbern, leicht zerklüfteten Kristalle in den auch "natriumreiche Rest-
schmelze" genannten Zwischenfeldern (Abb. 151 b). Die Annahme geht
nun dahin, daß diese Phase ein ternäres Eutektikum bilde, welches die be-
obachtete Erstarrungspunkterniedrigung bewirke, und daß dieses mit
dem veredelten (normalen) Eutektikum identisch sei [323, 324]. Die Zu-
sammensetzung soll bei 13,5% Si und 0,009% Na liegen. Eine echte
Unterkühlung, die den vollen Betrag der festgestellten Absenkung des
Erstarrungspunktes ausmachen würde, bestünde demnach nicht.
Durch Zusatz der Verbindung NaAlSi 4 konnte jedoch keine Ver-
edlungswirkung hervorgerufen werden, so daß eher der von der Bildung
dieser ternären Phase nicht beanspruchte freie Natriumgehalt wirksam
ist [321].

4.432 Theorie der Inaktivierung der Schlackentrübe oder der Fremd-


keime. Bei Eisen-Kohlenstoff-Legierungen erwiesen sich nichtmetallische
Rehwebestoffe, vornehmlich silikatischer Art, in der Schmelze als wirk-
sam auf das Kristallisationsverhalten [325]. Diese Beobachtung wurde
in der Folge auch auf die Aluminium-Silizium-Legierungen übertragen
[326], nachdem schon zu Beginn der Entwicklung des Veredelungspro-
zesses die Vermutung ausgesprochen wurde, daß oxydische Partikel die
Bildung des veredelten Gefüges verhindern würden und erst nach einer
Reaktion der Oxyde mit dem zugesetzten Natrium der gewünschte
Kristallisationsablauf eintreten würde [327]. Aus der Beobachtung, daß
durch rasche Abkühlung auch ohne Natriumbehandlung veredeltes Ge-
füge auftritt, wird geschlossen, daß die dabei auftretende Unterkühlung
Voraussetzung zum Zustandekommen der Veredelung sei. Diese Unter-
kühlung tritt aber bei langsamer Abkühlung (z. B. bei Sandguß) nur beJ
Abwesenheit wirksamer Keime ein, vor allem bei Abwesenheit der
Schlackentrübe, d. h. von Fremdkeimen. Es lag nun auf der Hand, den
Schluß zu ziehen, daß durch Natrium solche Keime beseitigt oder "ver-
giftet" werden [132, 326, 328, 329].
Die Frage nach der Art dieser Keime erhielt eine Antwort aus den
Untersuchungen über die Wirkung des Phosphors in Aluminium-Silizium-
Schmelzen. Aus phosphorarmen, gewöhnlich mit lamellarem Eutektikum
erstarrenden Schmelzen (Abb. 148a) läßt sich schon bei relativ geringer
Erhöhung der Erstarrungsgeschwindigkeit ein vollständig veredeltes
Gußgefüge erzielen, während dies beim körnigen Typ (Abb. 148b) nur bei
extrem starker Abschreckung gelingt. Es konnte auch gezeigt werden,
daß lamellare Aluminium-Silizium-Legierung zur Erreichung eines gleich-
wertigen Veredelungszustandes einer geringeren Menge von Natrium
bedarf als das phosphorreichere, körnige Metall [316]. Dies besagt, daß
das Natrium, oder ein Teil davon, zu "Vergiftung" des keimwirksamen
Literatur zu Kapitel A 1 bis 4 193

Aluminiumphosphids verbraucht wird. Diese Ansicht wird gestützt


durch die viel stärkere Unterkühlbarkeit der lamellaren Legierung
(Abb. 147, S. 187).
Als keimwirksamer, die Veredelung verhindernder Legierungsbeglei-
ter wurde auch der Wa~serstoff in Betracht gezogen. Dieser würde bei
Anwesenheit von Natrium als Hydrid abgebunden und dabei die Impf-
wirkung verlieren [330]. Starke Begasung veredelter Schmelzen mit
Wasserstoff oder auch solcher, die zur Bildung lamellaren Eutekti-
kums neigen, führt jedoch nicht zu einer Änderung der Gefügeausbil-
dung.
Die Theorie der Schlackentrübe und der Keimvergiftung sagt nichts
aus über die Ursache der Veränderung der Kristalltracht des eutektischen
Silizium8. Es gelang tlodann, die Phosphorkeime mit andern Methoden,
z. B. durc,h Antimonzusatz, zu entfernen, worauf aber keine Veredelung
auftrat. Daraus muß ge8chlos8en werden, daß dem Natrium über die
Keimvergiftung hinaus noch eine zusätzliche Aufgabe zufällt [176].
4.433 Theorie der Diffusionshemmung [132, 176]. Diese Theorie sucht
eine Erklärung für die Änderung des Kristallhabitus des eutektischen
Siliziums zu erbringen. Die Trennung der Schmelze in zwei Komponenten
kann nur durch Diffusion kurz vor der Erstarrung ablaufen. Die Distanz,
über wdche die Diffusion abläuft, hängt von der zur Verfügung stehenden
Zeit ab, die ihrerseits wiederum von der Kristallisationsgeschwindigkeit
bestimmt wird. Rasche Abkühlung erlaubt nur eine kurze Diffusions-
zeit im Bereich der Phasengrenze, woraus die feine Struktur resultiert.
Dem Natrium wird nun die Wirkung zugedacht, daß es die Geschwindig-
keit der Diffusion des Siliziums vermindere. Der Diffusionskoeffizient
dieses Legierungsbestandteils würde demnach herabgesetzt, oder, was
wahrscheinlich auf das gleiche hinausläuft: Natrium erhöht die Viskosi-
tät der Schmelze. Die Siliziumkristalle, welche sich in einer gegebenen
Zeit ausscheiden, werden dadurch kleiner und rundlicher. Die
ihnen benachbarte Schmelze verarmt rasch an Silizium, und zufolge der
gehemmten Diffusion ist ein genügender Konzentrationsausgleich nicht
gewährleistet.
Die Gleichartigkeit des Eutektikums im rasch erstarrten Gefüge
(Kokillenguß) und im veredelten langsam erstarrten Gefüge (Sandguß),
wird hierdurch verständlich.

Literatur zu Kapitel Al bis 4


[1] HILDEBRAND, J. H.: Growth and Perfeetion of Crystals, London Chapman
and Hall 1958.
[2] FROST, B. R. T.: Progress in Metal Physies 5 (1954) 96.
[3] SAUERWALD, F.: Z. Metallkunde 35 (1943) 105-111.

13 Altenpohl. Aluminium
194 A. Eigenschaften der Aluminiumschmelze

[4] Aluminium-Taschenbuch, 12. Aufl., Düsseldorf: Aluminium-Verlag 1963.


[5] KELLEY, K. K.: US Bur. Mines Bull. 476 (1949).
[6] MARTY, W.: Brown-Bovery Mitt. 45 (1958) 549-552.
[7] GEBHARDT, E., M. BECKER U. S. DORNER: Aluminium 31 (1955) 315-321.
[8] SUTRA, G.: Compt. Rend. 232 (1951) 1027.
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[10] FÜRTH, R.: Proc. Camb. Phi!. Soc. 37 (1941) (34) 252.
[11] CHAMBERLAIN, 0.: Phys. Rev. 77 (1950) 305.
[12] SHARRAH, P. C., u. G. P. SMITH: J. Chem. Phys. 21 (1953) 228.
[13] TAKAGI, M.: J. Phys. Soc. Japan 11 (1956) 396.
[14] STEEB, S.: Dissertation Techn. Hochschule Stuttgart, 1958.
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B. Allgemeine Metallkunde und Metallphysik des
Aluminiums und seiner Legierungen
1. Metallphysikalische Grundlagen

1.1 Gitterbaufehler im Aluminium und ihr Verhalten


bei der Verformung
Von G. Schoeck, San Carlos de Bariloche (Argentinien)

1.11 Einführende Bemerkung über Gitterfehler in Metallen und speziell im


Aluminium

Für das mechanische Verhalten der Metalle spielt die Existenz von
Störstellen im Kristallgitter eine ausschlaggebende Rolle. Über die Einzel.
heiten besteht eine umfangreiche Literatur (siehe z. B. [1,2,3]). In dem
vorliegenden Kapitel beschränken
wir uns darauf, kurz die wesentlichen
~
a Eigenschaften der Gitterfehler auf·
f zuzählen und spezielle Betrachtun·
e
gen für das Aluminium anzustellen.
f--<d
Folgende Gitterfehler sind zu unter.
• c
scheiden:
1. Punktförmige Gitterfehler,
auch atomare Fehlordnung genannt
(Leerstellen, Zwischengitteratome
f
und Fremdatome).
Abb. 155. Schematische übersicht über wich-
tige Gitterbaufehler (kubisch-primitives
2. Linienhafte Gitterfehler (Ver-
Gitter). setzungen) .
aLeerstelle; b Zwischengitteratom; c,d gelöste 3. Flächenhafte Gitterfehler
Fremdatome : c Substitutionsatom, d Einla-
gerungsatom ; e Versetzung; ft Korngrenze. (Korngrenzen, Stapelfehler).
4. Störzonen des Gitters mit drei-
dimensionaler Ausdehnung (wie z. B. Ausscheidungen). Diese gehören
zwar nicht mehr zu den eigentlichen "Gitterfehlern". Da sie aber aus
den vorhergenannten Gitterfehlern hervorgehen und zudem einen wesent-
lichen Einfluß auf die mechanischen Eigenschaften haben, werden wir
sie zusammen mit den Gitterfehlern erörtern.
Eine schematische Darstellung einiger Störstellen ist in Abb. 155
gegeben.
[Lit. S. 253] 1. Metallphysikalisehe Grundlagep 203

1.111 Leerstellen (auch Gitterlücken oder SCHoTTKy-Defekte genannt).


Die Entstehung einer Leerstelle kann man so beschreiben, daß ein Atom
aus einem Gitterplatz entfernt und an der freien Oberfläche des Kristalls
wieder eingebaut wird. Da beim Transport in die Oberfläche im Mittel die
Hälfte der vorherigen atomaren Bindung gebrochen wird, ist dazu rund
die Hälfte der Bindungsenergie notwendig. Ebenfalls etwa die halbe
Bindungsenergie ist notwendig, um ein Atom von der Oberfläche in die
Gasphase zu bringen. Die Bildungsenergie für eine Leerstelle ist daher in
der Größenordnung der Sublimationsenergie.
Für genauere Angaben sind jedoch detaillierte quantenmechanische
Rechnungen notwendig, die bis jetzt nur für einwertige Metalle vorliegen
und wegen des komplizierten Verhaltens der Leitungselektronen für
Aluminium nicht durchgeführt worden sind. Neben freien Oberflächen
sind im Kristallinnern Korngrenzen und Versetzungen als Quellen und
Senken von Leerstellen zu erwähnen.
Durch die Einführung von Gitterlücken in einen vorher perfekten
Kristall wird die innere Energie U erhöht, gleichzeitig aber auch die
Entropie S, d. h. die Anzahl der Möglichkeiten, den Kristall in dem be-
stimmten Zustand vorzufinden, da sich ja die Leerstellen auf mannig-
faltige ~Weise verteilen können. Bei einer Temperatur T stellt sich daher
eine Konzentration von Leerstellen ein, die im thermischen Gleichgewicht
durch das Minimum der freien Energie gegeben ist und die Größe
SB UB
T -Pi'
c= e e (1 )
hat. Dabei ist U B die Bildungsenergie für Leerstellen und SB die Bil-
dungsentropie (abzüglich der :;\<'Iischungsentropie), hauptsächlich bedingt
durch eine Änderung des Schwingungs spektrums der Atome in der
Umgebung der Leerstelle.
Eine Leerstelle kann sich durch das Kristallgitter bewegen, indem ein
benachbartes Atom seinen Platz mit ihr austauscht. Für diesen Sprung
benötigt das Atom eine gewisse Aktivierungsenergie U s , um die "Sattel-
punktlage" zu überwinden. U s wird auch als Aktivierungsenergie der
Wanderung von Leerstellen bezeichnet ("Wanderungsenergie"). Diese
Energie kann durch thermische Gitterschwingungen aufgebracht werden
und die Sprungfrequenz l' ist dann gegeben durch
Ss Us

v= Vo z e
k e-kT (2)

Hier ist ))0 die sogenannte DEBYE-:Frequenz, die als die Grund-
frequenz der Schwingung der Atome um ihre Gleichgewichtslage gedeutet
werden kann. Für Aluminium ist ))0 = 9· 1012 • S-1. z ist die Anzahl der
nächsten Nachbaratome die ihren Platz mit der Leerstelle austauschen
können. Für Aluminium ist z = 12. Der dritte und vierte Faktor gibt
204 B. Allgemeine Metallkunde und Metallphysik [Lit. S. 253

die Wahrscheinlichkeit dafür an, daß die Aktivierungsentropie S8 und die


Aktivierungsenergie U8 durch thermische Schwankungen aufgebracht
wird.
Die Bedeutung von Leerstellen liegt vor allem darin, daß sie zur
Selbstdiffusion und zur Diffusion von Zusätzen notwendig sind, also
wesentlich die Kinetik der Aushärtung und Ausscheidung beeinflussen.
Leerstellen ermöglichen ferner das Klettern von Versetzungen und sind
somit für das Kriechen bei erhöhten Temperaturen und für Erholungs-
vorgänge verantwortlich.
Eine zusammenfassende Darstellung des Auftretens von Leerstellen
im Aluminium siehe bei [65].
1.112 Zwisehengitteratome. Zwischengitteratome entstehen etwa
dadurch, daß innerhalb des Gitters ein Atom von einem normalen Gitter-
platz auf einen Zwischengitterplatz springt, d. h. einen Platz im Gitter,
der normalerweise nicht von einem Atom besetzt ist. Natürlich kann auch
ein Atom von einer freien Oberfläche auf einen solchen Platz springen. Im
ersten Fall wird ein Fehlstellenpaar (Leerstelle - Zwischengitteratom,
auchFRENKEL-Paar genannt) gebildet, im zweiten Fall nur ein Zwischen-
gitteratom (auch Anti-ScHoTTKy-Fehlstelle genannt). Da in der Umge-
bung eines Zwischengitteratoms in einem Metall dichtester Kugel-
packung, wie Aluminium, eine wesentlich stärkere Gitterverzerrung auf-
tritt als bei einer Leerstelle, ist die Bildungsenergie relativ groß und
dürfte für Aluminium einige Elektronenvolt betragen. Die Konzentra-
tion an Zwischengitteratomen, die sich im thermischen Gleichgewicht
befinden, ist daher selbst am Schmelzpunkt noch praktisch vernach-
lässigbar klein. Jedoch können durch Kaltverformung oder Bestrahlung
mit energiereichen Elementarteilchen nachweisbare Konzentrationen von
Zwischengitteratomen im Aluminium erzeugt werden.
Diese Zwischengitteratome können sich mit Hilfe von thermischer
Aktivierung durch das Gitter bewegen. Obwohl bis jetzt noch keine ver-
läßlichen Messungen der Aktivierungsenergie für den Sprung eines
Zwischengitteratoms im Aluminium vorliegen, kann man wohl in Ana-
logie zu Berechnungen und Messungen an Edelmetallen annehmen, daß
diese Energie kleiner als für die Bewegung einer Leerstelle ist. Zwischen-
gitteratome dürften also bei niedrigeren Temperaturen im Aluminium
als Leerstellen diffundieren.

1.113 Fremdatome. Im Aluminium liegen alle gelösten metallischen


Fremdatome als Substitutionsatome vor. Dagegen sind Kohlenstoff,
Stickstoff und Sauerstoff, deren Löslichkeit im Aluminium außerordent-
lich klein ist, möglicherweise als Zwischengitteratome vorhanden. Sicher~ist
dies wohl für Wasserstoff, der wegen seines kleinen Atomdurchmessers
keine wesentliche Gitterstörung hervorruft.
Lit. S. 253] 1. Metallphysikalische Grundlagen 205

Die Löslichkeit für metallische Fremdatome ist in Aluminium im allge.


meinen auffallend klein und erreicht nur bei wenigen Zusätzen wie
Kupfer, Silber, Magnesium und Zink, die Größenordnung von einigen
Prozent. Die Löslichkeit nimmt bei allen Legierungselementen mit sinken·
der Temperatur stark ab und ist unterhalb 100°C meist nicht gen au be·
kannt, weil sich das Gleichgewicht unterhalb dieser Temperatur nur noch
äußerst langsam einstellt.

1.114 Versetzungen. Eine Versetzung stellt eine linienhafte Störung


des Gitterbaus dar. Diese kann man am einfachsten als die Berandung
einer Fläche beschreiben, auf
deren beiden Seiten eine relative
Verschiebung um einenkonstan·
ten Vektor stattgefunden hat.
Dies ist schematisch in Abb. 156 ~\L
und 157 für einen kubisch primi. / b
tiven Kristall dargestellt. In .1/
einem Kristall ist der Verschie·
bungsvektor, der als BURGERS·
Vektor bezeichnet wird. im all· b Burgers- Jlektor
gemeinen eine Identitätsperiode Abb.156.
des Gitters, sonst bliebe nämlich Stufenyersetzung (im kubisch· primitiven Gitter).

in der Verschie bungsfläche eine


Störung des Kristallaufbaus zu·
rück.
Der BURGERs·Vektor kann ~
jeden beliebigen Winkel mit der I
I
I
Versetzungslinie bilden, doch
it
I

sind zwei Spezialfälle von be- b


sonderer Bedeutung. Falls der I
I

BURGERS· Vektor senkrecht auf


der Versetzungslinie Rteht, ~
Versetzungslinie
spricht man von einer Stufen·
b Burgers-/lektor
versetzung, die man sich auch
durch eine eingeschobene Netz·
Abb.157.
ebene realisiert denken kann Schraubenversetzung (im kubisch· primitiven Gitter).
(Abb. 156). Die Ebene, die
durch BURG ERS· Vektor und Versetzungslinie aufgespannt ist, heißt Gleit·
ebene, weil in ihr die Versetzung sehr leicht beweglich ist. Dies ist schema·
tisch in Abb. 158 dargestellt. Wie man sieht, kann durch kleine Verschie·
bungen der Atome in unmittelbarer Nähe des Versetzungszentrums die
Störzone, d. h. die Versetzungslinie, durch das Gitter wandern und damit
in der Gleitebene eine Abgleitung um einen Atomabstand hervorrufen.
206 B. Allgemeine Metallkunde und Metallphysik [Lit. S. 253

Durch die Bewegung einer genügend großen Anzahl von Versetzungen


kann damit eine makroskopische Formänderung erzeugt werden. Falls
viele Versetzungen sich in derselben Gleitebene bewegen, bilden sie an der
freien Oberfläche die mikroskopisch sichtbaren Gleitlinien.
Eine Bewegung senkrecht zur Gleitebene ("Klettern") erfordert
dagegen Diffusionsvorgänge und tritt daher im allgemeinen nur bei
höheren Temperaturen auf. Zum Klettern einer Versetzung ist es not-
wendig, daß die in Abb. 156 erkennbare
eingeschobene Netzebene von Leer-
stellen aufgezehrt wird, oder daß Gitter-
atome sich an die eingeschobene Netz-
ebene anlagern und damit an ihren
früheren Lageorten Leerstellen zurück-
lassen. So kann also eine Stufenver-
setzung sich als Senke bzw. Quelle von
Leerstellen betätigen und dadurch das
thermische Gleichgewicht derselben her-
stellen.
Ein anderer Extremfall liegt vor,
Anfangslage .l. falls der BURGERs-Vektor parallel zur
fndlage Jb
Versetzungslinie liegt. Man spricht
Abb. 158. Abgleitung durch Wanderung dann von einer Schraubenversetzung
einer Versetzung um eine Identitätsperi-
ode des Gitters (schematisch). (Abb.157), weil die Atomebenen schrau-
benförmig um die Versetzungslinie als
Achse angeordnet sind. Wegen der Zylindersymmetrie des Verschie-
bungsfeldes ist in diesem Falle keine Gleitebene ausgezeichnet und
daher kann eine Schraubenversetzung in einem isotropen Medium in
allen Richtungen gleiten. Durch bestimmte Kristallstrukturen wird diese
Mannigfaltigkeit allerdings beschränkt.
Schraubenversetzungen können ebenfalls als Senken für Leerstellen
wirken, wobei sich dann die Versetzungslinie schraubenförmig aufwindet.
In reinem Aluminium w~rde dies jedoch bis jetzt noch nicht beobachtet,
dagegen in Aluminiumlegierungen.
Die Existenz von Versetzungen ist heute absolut gesichert. Gerade
experimentelle Untersuchungen am Aluminium haben viel zur Auf-
klärung wichtiger Fragen beigetragen. Im Aluminium wurden zum
erstenmal Versetzungen und ihre Bewegung durch elektronenmikro-
skopische Beobachtungen direkt sichtbar gemacht [4]. Typische elektro-
nenmikroskopische Bilder siehe S. 242 bis 251.

1.115 Stapelfehler. Stapelfehler treten in kubisch-flächenzentrierten


und hexagonalen Metallen auf. Bekanntlich kann man heide Kristall-
strukturen dadurch beschreiben, daß man dichtest gepackte Atom-
Lit. S. 253] 1. Metallphysikalische Grundlagen 207

ebenen aufeinanderschichtet. 'Venn man die Position der Atome in einer


solchen Ebene mit A bezeichnet, so gibt es für die unmittelbar darüber
liegende Ebene zwei Gleichgewichtslagen, die mit Bund C bezeichnet
seien (Abb. 159). Wenn man nun die Ebenen in der Folge ABAB stapelt,
so ergibt sich das hexagonale Gitter; in der Folge ABCABC erhält man
dagegen die kubisch-flächenzentrierte Struktur.
Nun kann in dieser Stapelfolge
ein Fehler auftreten. Im kubisch-
flächenzentrierten Gitter kann man
dies z. B. durch das Herausnehmen
oder Einsetzen einer zusätzlichen
dichtest gepackten Ebene erreichen
und erhält dann ABCACABC oder
ABCBABC (Abb. 160). Dieser Sta-
pelfehlcr stellt eine flächenhafte
Störung des Kristallaufbaus dar
und hat daher eine bestimmte Ober-
flächenenergie, die kleiner als etwa Abb. 159. Schichtung der Aluminium-Atome im
kubisch -flächenzen tri erten Raumgi tter.
die Korngrenzenenergie ist, da nur
A, Bund C ist je eine mögliche Atomlage in
die Anordnung, aber nicht der Ab- dichtester Kugelpackung. A sei die zu unterst
stand zwischen Nachbaratomen liegende Schicht und die darauf liegende Schicht
sei in der Lage B angeordnet. Die darüber lie-
verändert wird. gende Schicht ist normalerweise dann in der
Position C. :Falls sie stattdessen in der Lage A
Endet die eingeschobene oder liegt, hat man zwischen den beiden obersten
herausgenommene Ebene und da- Atomlagen einen Stapelfehler vorliegen, somit
eine flächenförmige Gitterstörung.
mit auch der Stapelfehler im Innern
des Kristalles, so verläuft an der

~~i
Berandung eine sogenannte "un-
vollständige Versetzung" (auch
Halbversetzung genannt). Diese
Versetzung ist unvollständig, weil
eine Verschiebung um weniger als Abb. 160. Stapelfehler in einem kubisch-flächen-
zentrierten Metall, erzeugt durch das teilweise
eine Identitätsperiode stattgefun- Fehlen einer (111)-Atomebene.
den hat.
Für das Verhalten von Metallen dichtester Kugelpackung sind Stapel-
fehler deshalb so wichtig, weil in solchen Strukturen Versetzungen in zwei
Halbversetzungen aufspalten, zwischen denen sich ein Stapelfehlerband
aufspannt. Dies hat weitgehende Folgen für die Beweglichkeit der Ver-
setzungen. Es erschwert z. B. das gegenseitige Durchschneiden, die Quer-
gleitung und auch das Klettern von Versetzungen, weshalb im allgemeinen
kubisch-flächenzentrierte und hexagonale Metalle bessere Hochtempera-
tureigenschaften haben als Metalle ohne Stapelfehler mit derselben
Schmelztemperatur. Ferner tragen Stapelfehler wesentlich zum elek-
trischen Widerstand von Versetzungen bei.
208 B. Allgemeine Metallkunde und Metallphysik [Lit. S. 253

1.116 Korngrenzen. Der Orientierungssprung an Korngrenzen kann


formal durch Anordnungen von Versetzungen in der Grenzfläche be-
schrieben werden; doch ist dies nur sinnvoll für "Kleinwinkelkorngren-
zen", bei denen der Abstand zwischen den Versetzungen groß genug ist,
so daß sie noch individuell unterscheidbar sind. 1
Die Anordnung der Versetzungen kann kompliziert oder relativ ein-
fach sein: Bei den Kleinwinkelkorngrenzen kommen komplizierte Anord-
nungen von Versetzungen vor, wenn die bei-
den aneinander angrenzenden Kristallgitter
um eine willkürliche Achse zueinander ver-
dreht sind.
Der geometrisch einfachste Fall ("tilt
boundary") ist dadurch gegeben, daß zwei
benachbarte Körner um eine in der Korn-
grenze liegende Achse um den Winkel 0 ge-
dreht sind. Eine solche Korngrenze läßt sich
durch eine parallele Anordnung von Stufen-
versetzungen (mit BURGERs-Vektor b) auf-
bauen, wobei der Abstand zwischen den Ver-
setzungen D ~ biO ist (Abb. 161). Solche
Abb. 161. Kleinwinkelkorngrenze Korngrenzen treten im Aluminium während
oder Subkorngrenze ("tUt boun-
dary") im kubisch-primitiven Gitter. des Hochtemperaturkriechens bei der soge-
nannten "Zellbildung" auf und während der
Erholung bei der "Polygonisation". In beiden Fällen wird diese Art
von Kleinwinkelkorngrenzen mittels Klettern der Stufenversetzungen in
eine energetisch günstige Anordnung gebildet.
Weniger gut bekannt ist die Struktur von Großwinkelkorngrenzen
[6 bis 8]; das polykristalline Aluminium enthält in der Praxis meistens
diese Art der Korngrenzen. Sie bilden wirkungsvolle Hindernisse für Ver-
setzungen, die sich an ihnen aufstauen können. Während einer Kriech-
deformation kann auch ein viskoses Gleiten der Körner längs der Korn-
grenzen stattfinden, deren Beitrag zur Gesamtdeformation bis zu 20%
erreichen kann.
Weiterhin erfolgt Diffusion bevorzugt entlang von Korngrenzen, und'
schließlich muß das Wandern von Korngrenzen während der Rekristalli-
sation erwähnt werden. Korngrenzen haben auch Bedeutung als Quellen
und Senken von atomaren Fehlstellen.

1.117 Ausscheidungen. Wird bei der Abkühlung einer festen Alu-


miniumlegierung die Grenze der Löslichkeit für ein Zusatz metall über-
schritten, so scheidet sich eine neue Phase aus. Dieser Vorgang verläuft

1 Zwischen Kleinwinkelkorngrenzen und "Subkorngrenzen" gibt es keinen defi-


nierten Unterschied.
Lit. S. 253] 1. Metallphysikalische Grundlagen 209

beim Anlassen von Legierungen, die aus dem Gebiet des homogenen
Mischkristalls abgeschreckt worden sind, in der Regel über mehrere
metastabile Zwischenstufen (Kalt- und Warmaushärtung).
Die Bedeutung der Ausscheidungen und ihrer Vorstadien liegt vor
allem darin, daß sie Hindernisse für die Bewegung von Versetzungen
bilden.

1.12 Atomare Fehlordnung

1.121 Bildungs- und Wanderungs energie für Leerstellen. Wie schon


erwähnt, sind Leerstellen für die Diffusion notwendig; sie bestimmen
damit auch die Kinetik der Ausscheidung. Um ihre Konzentration und
Beweglichkeit für eine bestimmte Temperatur berechnen zu können,
braucht man die entsprechenden Aktivierungsenergien und Entropien.
Da jedoch die Verhältnisse bei Aluminium theoretisch sehr kompliziert
sind, ist man zur Zeit ausschließlich auf die experimentelle Bestimmung
dieser Größen angewiesen.
Zur Bestimmung der Bildungs- und Wanderungsenergie von Leer-
stellen muß man zunächst die Konzentration der Leerstellen systematisch
verändern können. Sodann benötigt man eine makroskopisch meßbare
Eigenschaft, die von der Konzentration der Leerstellen in bekannter
Weise abhängt. Die Anderung der Konzentration kann man am einfach-
sten durch Erhitzen und durch Abschrecken erreichen, indem man die
Gleichgewichtskonzentration, die bei einer hohen Temperatur vorliegt,
durch sehr schnelles Abkühlen bei einer niedrigen Temperatur "einfriert",
bei der die Beweglichkeit so klein ist, daß sich die neue Gleichgewichts-
konzentration in absehbarer Zeit nicht einstellen kann.
Als makroskopisch meßbare Größen, die von der Leerstellenkonzen-
tration abhängen, kommt vor allem die Anderung des elektrischen
Widerstandes und der Dichte in Betracht, wobei jene experimentell ein-
facher zu bestimmen ist. Beide Eigenschaften ändern sich bei genügend
kleiner Konzentration an Leerstellen (wenn noch keine Wechselwirkung
zwischen Leerstellen auftritt) proportional zur Leerstellenkonzentration.
Man kann daher mit Hilfe von GI. (1) durch Messung des elektrischen
Widerstandes nach Abschrecken von verschiedenen Temperaturen die
Bildungsenergie U B bestimmen. Dabei ergibt sich innerhalb der Fehler-
grenze (etwa ±0,05 eV) für U B = 0,76 eV [10 bis 14]. Wohl die ge-
naueste Bestimmung ist durch Messung der Längenänderung bei hohen
Temperaturen durchgeführt worden [14].
Dabei ergab sich für die Konzentration der Leerstellen
0,76 (eV)
-~
C= e2 ,4. e

14 Altenpohl, Alumininm
210 B. Allgemeine Metallkunde und Metallphysik [Lit. S. 253

Damit hat die Gleichgewichtskonzentration von Leerstellen im Alu-


minium die in Tab. 20 gegebenen Werte:

Tabelle 20. Leerstellen in Aluminium

Temperatur Gleichgewichts- Platzwechsel


00 konzentration 1/s

20 2.10-12 104
200 1.10-7 5.107
400 2,5.10-5 3.109
600 4,7·10-4 4. 1010
660 (fest) 9,4·10-4 6. 1010

Die Aktivierungsenergie für die Wanderung von Leerstellen läßt


sich durch Messung der Erholungskinetik des elektrischen Widerstandes
bestimmen. Man lagert eine abgeschreckte Probe bei verschiedenen
Temperaturen aus und beobachtet die zeitliche Abnahme des Wider-

1,2

,~~
0,8 ~ Al 99,995 %

'Abschreck-
lemperafur 600 0 C\\ 4T~ \ \\350
0

1
\1}SOOC\ \\:40h

D,2

o
-200 -150 -100 -50
'\~\
o
"- ..l..

50
Anlaßlemperafur
\\
100
-
~'-- 150 ~200.... C 250
0

Abb. 162. Relative Widerstandsänderung Aele. von Al 99,995 nach Abschrecken von verschiedenen
Temperaturen in Abhängigkeit von der Anlaßtemperatur (nach O. PANSERI u. T. FEDERIGHI [11]).

standes, wenn sich die übersättigten Leerstellen an Senken ausscheiden.


Der Ausscheidungsvorgang ist allerdings recht komplex und da.her die
Interpretation der Experimente nicht immer ganz eindeutig. Infolge-
dessen streuen die in der Literatur zitierten Werte zwischen 0,52 eV und
0,65 eV [11, 15].
Abb.162 zeigt die Änderung des Widerstands von Reinstaluminium .
nach Abschrecken von verschiedenen Temperaturen in Abhängigkeit von
Lit. S. 253] 1. Metallphysikalische Grundlagen 211

der Anlaßtemperatur [11], was einer theoretischen Voraussage entspricht


[16,17].
Nach Abschrecken von niederen Temperaturen, d. h. bei kleiner
übersättigung, scheiden sich die Leerstellen wohl einzeln aus. Wenn
dagegen von höherer Temperatur abgeschreckt wird, d. h., wenn eine
hohe übersättigung an Leerstellen vorliegt, so bilden sich zunächst
Agglomerate von Leerstellen [18]. Diese können eine plattenförmige
Gestalt annehmen, und es bildet sich, wenn der Radius der Platte einige

Abb. 163. Bildung eines Versetzungsringes (gezeichnet im Schnitt) durch plattenförmige Kondensation
von Leerstellen im kubisch-primitiven Gitter.

Atomdurchmesser überschreitet, ein Versetzungsring (Abb. 163), da die


Spannungsenergie der Versetzung kleiner als die Oberflächenenergie der
Platte ist. Bei genügender übersättigung kann dieser Versetzungsring
durch "Klettern" wachsen, indem sich weitere Leerstellen anlagern.
Falls jedoch die Übersättigung an Leerstellen klein geworden ist, so
kann sich ein solcher Ring auch wieder auflösen, allerdings mit einer
höheren Aktivierungsenergie. Ehe nämlich eine Leerstelle davondiffun-
dieren kann, muß sie zunächst aus dem Versetzungsring gebildet werden.
Damit ist die Aktivierungsenergie für die Auflösung solcher Ringe gleich
der Summe der Bildungs- und Wanderungsenergie für Leerstellen und
damit gleich der Selbstdiffusionsenergie, die zwischen 1,3 eV und 1,4 eV
liegen dürfte [19, 20]. Die Bildung und Auflösung solcher Versetzungs-
ringe ist elektronenmikroskopisch beobachtet worden [21].
Von der Sprungenergie U s hängt es ab, wie schnell abgeschreckt
werden muß, um die vorhandenen Leerstellen einzufrieren. Falls, wie
experimentell gefunden, U s von der Größenordnung 0,6 eV ist, ergeben
sich nach GI. (2) die in Tab. 20 angegebenen Werte für die Platzwechsel
der Leerstellen pro Sekunde. Falls nun Versetzungen ideale Senken für
Leerstellen sind, so ist bei einer Versetzungsdichte von e die Konzen-
tration der Senken Cs ~ eb2, wobei b der Atomabstand ist. Für eine
Versetzungsdichte in einem erholten Kristall von e ~ 106 cm- 2 ist
damit Cs ~ 10-9 • Daraus ergibt sich, daß beim Abschrecken von hohen
Temperaturen die Geschwindigkeit von der Größenordnung 104 grdjs
sein muß, um zu verhindern, daß während des Abkühlens die Mehrzahl
der Leerstellen in Senken verschwinden kann.

14*
212 B. Allgemeine Metallkunde und Metallphysik [Lit. S. 253

Auch die bei Kaltverformung erzeugten Leerstellen heilen sehr schnell


aus. Wie man aus Tabelle 20 ersieht, macht auch bei Raumtemperatur
eine Leerstelle in Aluminium noch rund 104 Platzwechsel pro Sekunde.
Da in kaltverformten Metallen eine typische Versetzungsdichte
(! f':::i 1012 cm- 2 ist, existiert eine Konzentration von Senken von der
Größenordnung 10-3 , so daß also in Zeiträumen von der Größenordnung
von Minuten die überschüssigen Leerstellen sich ausscheiden können.
Es ist z. B. auch beobachtet worden, daß der durch Abschrecken einge-
frorene Leerstellenüberschuß sich rascher ausscheidet, wenn die Probe
anschließend deformiert wird [22], da die neu erzeugten Versetzungen
als Senken für die Leerstellen wirken können.

1.122 Einfluß von Fremdatomen. Durch die Gegenwart von gelösten


Fremdatomen kann das Verhalten der Leerstellen im Aluminium wesent-
lich beeinflußt werden [24].
Diese Verhältnisse sind an Aluminium-Magnesium-Legierungen
besonders ausführlich untersucht worden [25].
Während ein Überschuß an Leerstellen nach Abschrecken in reinem
Aluminium bei Raumtemperatur sehr schnell ausheilen kann (Abb. 162),
genügt schon etwa 0,1 % gelöstes Magnesium, um die meisten durch
Abschrecken oder Kaltverformung erzeugten Leerstellen festzuhalten.
Dies erkennt man daran, daß die Erholung der Festigkeitswerte ver-
formter Aluminium-Magnesium-Legierungen bei Raumtemperatur oder
Temperaturen bis 150°C wesentlich schneller vor sich geht als in Rein-
aluminium [23]. Der Überschuß an Leerstellen führt zum Klettern von
Versetzungen bei den genannten Temperaturen.
Erhitzt man dagegen die Proben über 100°C, so zeigt eine dort ein-
setzende Erholung des elektrischen Widerstandes, daß die Leerstellen
sich von ihren Bindungsplätzen in der Nähe von Magnesiumatomen los-
reißen ("verdampfen") und sich ausscheiden. Die gelösten Magnesium-
atome können dann nicht mehr zur Erholung (Klettern) beitragen. Sie
erschweren vielmehr die Versetzungsbewegung [53], und daher hat eine
Aluminium-Magnesium-Legierung eine höhere Fließspannung als reines
Aluminium [26, 27].
Die Assoziation zwischen Leerstellen und Fremdatomen im Alu-
minium ist übrigens keineswegs auf Magnesium beschränkt, sondern
tritt auch bei anderen gelösten Fremdatomen, wie Kupfer, Silber und
Zink auf. Dies zeigt sich darin, daß die Ausscheidung der Fremdatome
etwa nach Abschrecken oder Kaltverformung im Temperaturgebiet
zwischen Raumtemperatur und ca. 100°0 um mehr als eine Größen-
ordnung schneller verläuft, als man aus Extrapolation der Diffusions-
koeffizienten von hoher Temperatur erwarten sollte [28, 29]. Einzel-
heiten darüber werden in Abschn. B 5 diskutiert.
Lit. S. 253] 1. Metallphysikalische Grundlagen 213

1.13 Versetzungen

Da über die Eigenschaften und das Verhalten von Versetzungen eine


ausgedehnte Literatur besteht [1, 2, 30, 31], werden im folgenden nur
kurz die Grundbegriffe zusammengestellt, die notwendig sind, um das
mechanische Verhalten eines Metalles wie Aluminium vom atomistischen
Standpunkt aus verstehen zu können.
1.131 Spannungen, Energie, Kräfte. Eine Versetzung, wie sie etwa in
Abb. 156 und 157 dargestellt ist, stellt eine Störung des Kristallgitters dar
und ruft damit innere Spannungen hervor.
Wenn man von Einzelheiten absieht, so sind zumindest für größen-
ordnungsmäßige Abschätzungen die Spannungskomponenten in der
Umgebung einer geradlinigen Versetzungslinie von der Form
1 G·b
(Jr::;:j---- (3)
2n r '
wobei G der Schubmodul, b der Betrag des BURGERs-Vektors und r der
Abstand von der Versetzungslinie ist.
Infolge ihres Spannungsfeldes kommt der Versetzung auch eine ge-
wisse Selbstenergie zu, die von der geometrischen Anordnung der Ver-
setzungslinie abhängt. Für die meisten Probleme kann man jedoch die
Versetzung so behandeln, als ob sie eine konstante Energie pro Längen-
einheit habe, deren Größe sich zu
1
EL =- G·b 2 (4)
2
ergibt. Eine Versetzung verhält sich damit analog zu einer elastischen
Saite, die unter dem Einfluß einer Linienspannung E L steht.
Wie man aus GI. (4) ersieht, ist die Energie der Versetzung propor-
tional dem Quadrat des BURGERs·Vektors b. Aus diesem Grunde ist der
BURGERS-Vektor in Kristallen nahezu immer die kürzeste Identitäts-
periode des Gitters. Wäre b nämlich größer, so könnte die Versetzung
durch Aufspalten in zwei Versetzungen mit kleinerem b ihre Energie
erniedrigen. In Aluminium ist daher der BURGERS-Vektor (und damit die
a
Abgleitrichtung) immer vom Typ 2" (110).
Für die Anwendung wichtig ist auch die Kenntnis der Kraft, die eine
angelegte Spannung auf eine Versetzung ausübt. Bewegt sich eine Ver-
setzung in der Gleitebene, so leistet nur die dort wirkende Schub spannung
Arbeit. Daher ist für das Einsetzen der plastischen Verformung die maxi-
male Schubspannung ausschlaggebend (ScHMIDsches Schub spannungs-
gesetz [32].
214 B. Allgemeine Metallkunde und Metallphysik [Lit. S. 253

Die Größe der Kraft kann aus Abb.158 hergeleitet werden. Wenn die
Schubspannung (J an dem Körper der Breite 1 und Tiefe d angreift, so
ist die wirkende Kraft (J. 1 . d. Damit wird die Arbeit, wenn die gesamte
obere Hälfte des Kristalls um einen BURGERs-Vektor abgeglitten ist,
W = (J. l· d . b. Bezeichnet man andererseits die Kraft pro Längen-
einheit der Versetzung mit k, so ist die Gesamtkraft auf die Versetzung
k . d und die während der Abgleitung geleistete Arbeit W = k . d . l,
da sich die Versetzung über die Strecke 1 bewegt. Durch Gleichsetzen der
beiden Arbeitsbeträge ergibt sich

k = (J. b (5)

1.132 Versetzungsstruktur im Aluminium. Um die Vorgänge während


der plastischen Verformung qualitativ verstehen zu können, muß man
die atomistische Struktur in
der Nähe eines Versetzungs-
zentrums etwas eingehender
untersuchen. Dabei zeigt es
sich, daß die Verhältnisse kom-
plizierter sind, als etwa in den
Abb. 156 und 157 schematisch
61eilebene (111) Slapeifehier
dargestellt wurde. In Alumi-
a h nium, wie in allen kubisch-
Abb. 164a u. b. Entstehung eines Stapelfehlers durch flächenzentrierten und hexa-
Aufspaltung einer Versetzung in einem kubisch-flächen-
zentrierten Metall.
gonalen Metallen, können die
a) Eine vollständige Stufen-Versetzung besteht aus Versetzungen sich aufspalten,
zwei eingeschobenen Halbebenen; b) Die Versetzung wie es in Abb.164 schematisch
hat sich in zwei Halbversetzungeu aufgespalten,
zwischen denen ein Stapelfehler aufgespannt ist. dargestellt ist. Um einer Ver-
schiebung um ein BURGERS-
Vektor aj2 (110) zu erreichen, muß man zwei Gitterebenen {110}
einschieben, die gegeneinander parallel verschoben sind. Eine Ver-
setzung besteht also aus zwei nebeneinanderliegenden Halbversetzungen,
zwischen denen eine elastische Abstoßung besteht. Wenn sich nun aber
die beiden Halbversetzungen trennen, so erzeugen sie zwischen sich ein
Band, in welchem gegeneinander verschobene {110}-Ebenen ober- und
unterhalb der Gleitebene aneinandergefügt werden. Damit bildet sich
zwischen den beiden Halbversetzungen ein Stapelfehler aus, der eine
gewisse Flächenenergie y hat.
Ein Gleichgewichtszustand stellt sich dann ein, wenn die Oberflächen-
spannung des Stapelfehlers gerade die abstoßenden elastischen Kräfte
zwischen den Halbversetzungen kompensiert. Die Möglichkeit zur Auf-
spaltung von Versetzungen in kubisch-flächenzentrierten Metallen liegt
darin, daß es in der {111}-Gleitebene noch unbesetzte Gleichgewichts-
Lit. S. 253] 1. lHetallphysikalische Grundlagen 215

lagen für die Atome gibt, wie in Abschnitt B 1.115 besprochen wird. Die
Struktur der aufgespaltenen Versetzung in Abb. 164b ist folgende: links
der linken Halbversetzullg ist Stapelfolge ABCAB ... , die linke Halb-
versetzung überführt Atome etwa aus der Lage A in der Gleitebene in die
Lage B und invertiert damit dort die Stapelfolge, und die rechte Halb-
versetzung überführt daun wieder Atome aus der Lage B in die Lage A,
nun um einen Burgersvektor a/2 (110) versetzt.
Die Aufspaltung in Halbversetzungen wird hier deshalb so ausführ-
lich behandelt, weil sie einen ganz ausschlaggebenden Einfluß auf die
plastische Verformung der verschiedenen kubisch-flächenzentrierten
Metalle hat. Die charakteristischen Unterschiede im Verformungsverhalten
oder bei der Erholung von Aluminium und anderen kubisch-flächenzen-
trierten Metallen wie z. B. Kupfer lassen sich weitgehend durch die ver-
schiedene Größe der Versetzungsaufspaltung in beiden Metallen erklären.
Einige der wichtigsten Folgerungen werden daher im folgenden näher
diskutiert:
1.133 Weite der Aufspaltung. Die Weite der Aufspaltung ist durch
die Größe der spezifischen Stapelfehlerenergie y bestimmt. Da man einen
Stapelfehler im kubisch-flächenzentrierten Gitter auch als einen aus einer
einzigen Atomschicht bestehenden Zwilling beschreiben kann, so ist die
Stapelfehlerenergie zumindest größenordnungsmäßig gleich der doppel-
ten Zwillingsgrenzen energie.
Für Aluminium ist y ~ 200 erg/cm 2 [1], und damit ergibt sich die
Weite der Aufspaltung zwischen 1 und 2 Burgersvektoren b.
Dagegen ist für Kupfer ein Wert von y = 40 erg/cm 2 angenommen
worden, und damit ergab sich eine Aufspaltungsweite für Schrauben-
versetzungen von etwa 4,5 b und für Stufenversetzungen von etwa 12b.
Nach neueren Messungen [33] scheint aber y größer zu sein und die Auf-
spaltungsweite damit zwischen 1,5b und 3,2b zu liegen. Auf jeden Fall
ist die Aufspaltungsweite in Kupfer und anderen Edelmetallen gräßer als
in Aluminium.
1.134 Durchschneidungssprünge. Wenn eine sich bewegende Ver-
setzung auf andere Versetzungen trifft, die die Gleitebene durchstoßen,
so muß sie diese durchschneiden. Falls die Versetzungen aufeinander
senkrecht stehen, so tritt im isotropen Fall im allgemeinen keine elastische
Wechselwirkung auf. Dagegtm tritt an der Stelle, wo sich die beiden Ver-
setzungszentren durchdringen, eine starke lokale Störung des Gitters auf.
Diese Störung ist besonders ausgeprägt, wenn sich zwei Stapelfehler
durchdringen, und die Atome müßten an dieser Stelle eine energetisch sehr
ungünstige Lage einnehmen. Um dieses zu vermeiden, bildet eine auf-
gespaltene Versetzung an dieser Stelle eine Einschnürung, wie dies
schematisch in Abb. 165 dargestellt ist.
216 B. .Allgemeine Metallkunde und Metallphysik [Lit. S. 253

Die Energie dieser Einschnürung Es ist um so größer, je größer die


Aufspaltungsweite ist. Für Aluminium liegt Es zwischen 0,13 und 0,28 eV,
für Kupfer dagegen nach neueren Messungen zwischen 0,24 und 0,80 eV
[33].
Falls der BURGERS-Vektor der durchschnittenen Versetzung eine Kom-
ponente senkrecht zur Gleitebene hat, so bleibt in der sich bewegenden
Versetzung dort ein Sprung (eng!. "jog") zurück, wo die Versetzung von
einer Atomebene auf eine benachbarte Ebene überspringt. Dabei bleibt

Abb. 165. Eine aufgespaltene Versetzung durchschneidet eine stationäre Schraubenversetzung und
bildet zunächst eine Einschnürung (E) und dann einen Sprung (8). Die stationäre Versetzung ist der
übersicht wegen nicht aufgespalten gezeichnet.

die Einschnürung zumindest teilweise erhalten. Dieser Sprung stellt eine


Verlängerung der ursprünglichen Versetzungslinie dar und führt damit zu
einer Energieerhöhung. Da jedoch in Abständen, die gegenüber der
Sprunghöhe groß sind, das elastische Spannungsfeld der Versetzung kaum
beeinflußt wird, ist die Sprungenergie Ei relativ klein. Für Aluminium
ergeben sich Werte zwischen Ei = 0,3 eV und 0,4 eV, während die ent-
sprechenden Werte für Kupfer bis zu 1 eV betragen.
Die eben geschilderten Sprünge (jogs) in Versetzungslinien können
auch durch thermische Aktivierung gebildet werden, indem sich Leer-
stellen an einer ursprünglich geraden Stufenversetzung anlagern. Die
Sprungkonzentration längs der Versetzungslinie ist dann im thermischen
Gleichgewicht c = exp. (- Ej/kT), was unterhalb von 150 oe, wo sich
das Gleichgewicht für Aluminium nur noch sehr langsam einstellen kann,
einem Wert von kleiner als 10-4 entspricht. Dagegen treten bei der pla-
stischen Verformung, wenn eine sich bewegende Versetzung einen "Ver-
setzungswald" durchschneiden muß, solche Sprünge in großer Anzahl
auf. Wie weiter unten diskutiert wird, ist dieses Durchschneiden eines
"Versetzungswaldes" und die damit verbundene Bildung von Sprüngen
die Ursache für die Temperaturabhängigkeit der Fließgrenze (s. Abschn.
B 1.14).
Lit. S. 253] 1. Metallphysikalische Grundlagen 217

1.135 Bildung von Leerstellen und Zwischengitteratomen durch


Sprünge. Wenn eine sich bewegende Schraubenversetzung einen Sprung
enthält, so kann sich dieser nicht ohne weiteres mitbewegen. Da ja der
BURGERS-Vektor entlang einer Versetzung konstant ist, stellt der Sprung
ein Stück einer Stufenversetzung dar. Die Gleitebene des Sprungs, die ja
durch Sprung und BURGERS-Vektor aufgespannt wird, liegt damit entlang
der Versetzungslinie (Abb. 166a). Wenn sich also die Versetzungslinie be-
wegt, so muß sich der Sprung senkrecht zu seiner Gleitebene bewegen,
d. h., wie in Abschn. 1.114 diskutiert, klettern, und dabei je nach der

b Burgers-Vekfor

a b c
IIlIIIIlllllI G/eilebene des Sprunges / Versefzungsbewegung
Abb. 166a~c.Bewegung von VerRetzungen, die einen Sprung enthalten. Die Gleitebene des Sprunges
ist schraffiert gezeichnet.
a) Schraubenversetzung : Der Sprung kaun nur durch .,Klettern" bewegt werden, wobei Leerstellen
oder Zwischengitteratome gebildet oder absorbiert werden; b, c) Versetzung mit teilweisem oder reinem
Stufencharakter: Der Sprung kann auf seiner Gleitebene gleiten.

Bewegungsrichtung Leerstellcn oder Zwischengitteratome erzeugen.


Dagegen kann sich in Stufenvcrsetzungen oder gemischten Versetzungen
ein Sprung konservativ, d. h. ohne Fehlstellenerzeugung, bewegen
(Abb. 166b u. cl. Dic zur Erzeugung dieser atomaren Fehlstellen not-
wendige Energie kann durch die angelegte äußere Spannung aufgebracht
werden. Aber selbst wenn die äußere Spannung zu klein ist, um die not-
wendige Arbeit zu leisten, kann thermische Aktivierung mithelfen, die
Versetzung zu bewegen. Daraus ergibt sich eine Temperaturabhängigkeit
der Fließspannung. Sprünge in Versetzungslinien wirken also wie eine
temperaturabhängige Reibungskraft, welche die Versetzungsbewegung
erschwert. Dies zeigt sich etwa experimentell darin, daß durch Ab-
schrecken von Aluminium die Fließgrenze erhöht werden kann [22, 34J
(Abb. 167).
Teilweise ist für diesen Effekt die Bildung von Versetzungsringen
durch Kondensation von Leerstellen verantwortlich. Daneben ergibt sich
aber auch eine Zunahme der Fließgrenze infolge der großen Anzahl von
Sprüngen ("jogs"), die eingefroren wird, oder die sich durch das Aus-
scheiden von Leerstellen an Versetzungen bildet.
Die Anzahl der Leerstellen und Zwischengitteratome, die bei der Ver-
formung gebildet werden, hängt natürlich von der Sprungdichte, von der
218 B. Allgemeine Metallkunde und Metallphysik [Lit. S. 253

Dichte und Art des Versetzungswaldes und von Einzelheiten des Ver-
formungsvorganges ab, die durchaus noch nicht geklärt sind. Wenn man
die verschiedenen vorgeschlagenen Modelle vergleicht [2], so kann man
als eine Abschätzung der Größenordnung für die Konzentration c der
atomaren Fehlstellen, die während einer plastischen Verformung mit dem
Verformungsgrad B erzeugt werden, die Formel

c = 10-3 B

zugrunde legen. Daher erzeugt man bei einer Querschnittsreduktion um


10% kurzzeitig eine Leerstellenkonzentration von 10-'.
Beim Aluminium heilen diese Fehlstellen bei Raumtemperatur schon
zum Teil während der Verformung wieder aus, und nach 5 bis 10 Minuten
sind die meisten Leerstellen im all-
gemeinen in Senken verschwun-
den.
Die bei der Verformung er-
zeugten atomaren Fehlstellen tra-
gen zur Widerstandserhöhung bei
der KaltverfQrmung bei. Daneben
können sie auch die Diffusionsge-
schwindigkeit erhöhen und so die
o 10 20 30 't0 "/0 50
Ausscheidungskinetik beeinflussen
Dehnung
Abb. 167. Spannungs·Dehnungs-D1agramme von [28, 29]. Da allerdings auch Verset-
Einkristallen aus Reinstaluminium bei verschie- zungen in gleichem Sinne wirken
dener Abkühlung von 680·0 Glühtemperatur
(nach M. WINTENBERGER [22)). [35, 36], ist eine detaillierte Aus-
sage nicht immer möglich.
1.136 Klettern von aufgespaltenen Versetzungen. Wie schon erwähnt,
kann eine Versetzung von Stufencharakter sich senkrecht zu ihrer Gleit-
ebene bewegen oder "klettern", indem sie je nach der Bewegungsrichtung
Leerstellen oder Zwischengitteratome erzeugt oder aufnimmt. Gegen-
über dem in Abb. 156 dargestellten Fall tritt nun bei aufgespaltenen Ver-
setzungen eine Komplikation ein. Wie man in Abb. 164 sieht, würden
nämlich die beidenHalbversetzungen, wenn sie einzeln klettern, zwei nicht
zusammenpassende (110)-Ebenen in Kontakt bringen und dadurch eine
flächenhafte Störung von hoher Energie hervorrufen. Obwohl dies nicht
ausgeschlossen ist, wäre es in Aluminium wohl energetisch günstiger,
wenn sich an dem Ort, wo Klettern stattfindet, zunächst eine Einschnü-
rung bildet, worauf sich dann dort Leerstellen anlagern. Falls genügend
Sprünge vorhanden sind, wird die Aufnahme oder Abgabe von Leerstellen
zur Herstellung des thermischen Gleichgewichts vor allem an diesen
Sprüngen erfolgen. Das Klettern der Versetzungen erfolgt dann in der
Weise, daß sich etwa der Sprung in Abb. 165 seitwärts parallel zur Ver-
Lit. S. 253] 1. Metallphysikalische Grundlagen 219

setzung bewegt und dabei je nach der Bewegungsrichtung Leerstellen


aufnimmt oder abgibt.
Das Klettern von Versetzungen ist technologisch von großer Wichtig-
keit. Wie im Abschnitt über Kriechen zu besprechen sein wird, ist es der
Prozeß, der die Kriechgeschwindigkeit bei erhöhter Temperatur be-
stimmt. Das Klettern von Versetzungen ist außerdem für die Erholung
des Aluminiums oberhalb Raumtemperatur verantwortlich.
Im Aluminium läuft das Klettern der nur wenig aufgespaltenen Ver-
setzungen relativ leicht ab, was an der raschen Polygonisation nach Kalt-
verformung und anschließender geringer Erwärmung erkennbar ist.
Bei Kupfer erfolgt dagegen wegen der weiten Aufspaltung ein Klettern
der Versetzung wesentlich träger.

a c
Abb. Hi8a-c. Quergleitung (schematisch).
a) Eine aufgespaltene Versetzung nähert sich einem Hindernis und hat sich infolge thermischer
Schwankungen teilweise vereinigt; b) ]'alls die Vereinigung eine kritische Länge I. erreicht, kann sich
eine nene Aufspaltung in einer anderen Gleitebene bilden: c) Die neue Aufspaltung breitet sich in der
neuen Gleitebene aus und ermöglicht damit die üherschreitung des Hindernisses.

1.137 Quergleitung. In einem isotropen Medium ist das Verzerrungs-


feld einer Schraubenversetzung zylindersymmetrisch. Damit kann die-
selbe in jeder beliebigen, durch die Versetzungslinie gehenden Ebene
gleiten, da ja BURGERS-Vektor und Versetzungslinie parallel sind und keine
Gleitebene definieren. Wenn dagegen, wie in Aluminium, die Schrauben-
versetzung in der {111}-Ebene aufgespalten ist, so ist sie damit ebenfalls
an eine {l1l}-Ebene als Gleitebene gebunden. Um nun die Gleitebene
wechseln zu können und etwa von der Ebene (111) in die Ebene (111)
"querzugleiten ", muß die Aufspaltung über eine gewisse kritische Länge 10
rückgängig gemacht werden, wie es in Abb. 168 dargestellt ist. Dabei
sei die Versetzung etwa in der (l11)-Ebene durch ein lokales Hindernis
aufgehalten. Nachdem sich nun die beiden Halbversetzungen mit Hilfe
von thermischer Aktivierung über die Länge 10 vereinigt haben, kann die
Versetzung in der Quergleitebene (111) aufspalten und sich dann durch
eine dort wirkende Schubspannung ausbreiten und auf diese Weise das
Hindernis überschreiten.
Die für die Quergleitung notwendige Aktivierungsenergie hängt
neben den herrschenden Spannungen hauptsächlich von de