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Staatsanzeiger für das Land Hessen – 25. Juni 2012 Nr. 26

und Betrieben des Landes Hessen (TV-Forst Hessen) vom 13. No- oder ihren Beruf Belohnungen oder Geschenke annehmen, gefähr-
vember 2009, zuletzt geändert durch den Änderungstarifvertrag Nr. den das Vertrauen der Allgemeinheit und ihrer Behörde in ihre
2 vom 6. Mai 2011, wird wie folgt geändert: Zuverlässigkeit und setzen das Ansehen des gesamten öffentlichen
§ 25 Satz 1 wird wie folgt neu gefasst: Dienstes herab. Dies gilt es im Interesse einer funktionsgerecht,
„1Die Beschäftigten haben Anspruch auf eine zusätzliche Alters- zweckmäßig und sachlich orientierten Verwaltung zu vermeiden.
und Hinterbliebenenversorgung unter Eigenbeteiligung nach Maß- Auch wenn die weit überwiegende Mehrheit der Beschäftigten im
gabe des Tarifvertrages über die betriebliche Altersversorgung der öffentlichen Dienst ihre Verpflichtung ernst nehmen, ihre Aufgaben
Beschäftigten des öffentlichen Dienstes (ATV) vom 1. März 2002 in uneigennützig und unparteilich zu erfüllen, geben Einzelfälle von
der Fassung des Änderungstarifvertrages Nr. 5 vom 30. Mai 2011.“ Korruption in der öffentlichen Verwaltung Anlass, fortgesetzt auf
die geltenden Regelungen über die Annahme von Belohnungen und
§2 Geschenken hinzuweisen und den Umgang damit verbindlich fest-
Inkrafttreten zulegen. Zur Umsetzung dessen und als Arbeitserleichterung sind
die in der Anlage 1 abgedruckten Musterbriefe zu verstehen.
Dieser Tarifvertrag tritt am 1. Januar 2012 in Kraft.
Die Beschäftigten sind auf die Verpflichtungen hinzuweisen, die
Wiesbaden, 18. Januar 2012 gez. Unterschriften sich aus § 42 des Beamtenstatusgesetzes (BeamtStG) in Verbindung
mit § 84 des Hessischen Beamtengesetzes (HBG) oder den entspre-
chenden tarifvertraglichen Vorschriften ergeben. Die Dienstvorge-
setzten sollen in regelmäßigen Abständen – mindestens jährlich – in
Anlage 2 Gesprächen, zum Beispiel Dienstbesprechungen, die Regelungen
zur HMdIS-Bekanntmachung und Fragen der Korruption mit den Beschäftigten erörtern, um
vom 4. Juni 2012
diese fortlaufend für das Thema zu sensibilisieren. Hierzu kann
I 4 – P 2500A – 202
eine Dokumentation vorgesehen werden. Bei Tätigkeiten in beson-
Änderungstarifvertrag Nr. 2 ders korruptionsgefährdeten Arbeitsgebieten soll eine vertiefte
zum Tarifvertrag für Auszubildende zum Forstwirt in Verwaltun- arbeitsplatzbezogene und bedarfsorientierte Belehrung der Be-
gen, Einrichtungen und Betrieben des Landes Hessen schäftigten erfolgen.
(TVA-Forst Hessen) Bei Neueinstellungen sind diese Regelungen allen Beschäftigten
vom 18. Januar 2012 des Landes gegen Empfangsbestätigung auszuhändigen; die Emp-
Zwischen fangsbestätigung ist zu den Personalakten zu nehmen.
dem Land Hessen, 1. Grundsatz
vertreten durch das Hessische Ministerium des Innern und für Beschäftigte des Landes dürfen, auch nach Beendigung des
Sport, Beschäftigungsverhältnisses, keine Belohnungen oder Ge-
– einerseits – schenke in Bezug auf ihr Amt oder ihre dienstliche Tätigkeit für
sich oder Dritte annehmen. Annahme ist die tatsächliche Ent-
und gegennahme einer Leistung (Belohnung oder Geschenk) mit
der IG BAU, Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt, Bun- Wissen des Beschäftigten und liegt schon in jedem privaten oder
desvorstand dienstlichen Be- oder Ausnutzen. Es genügt auch ein mittelba-
– andererseits – rer Zufluss (zum Beispiel an Angehörige), wenn der Beschäftigte
wird Folgendes vereinbart: davon weiß und dies hinnimmt. Eine ausdrückliche Annahmeer-
klärung ist nicht erforderlich. Es reicht auch schlüssiges Ver-
§1 halten.
Änderung des TVA-Forst Hessen 2. Zustimmung
Der Tarifvertrag für Auszubildende zum Forstwirt in Verwaltungen, Ausnahmen vom Annahmeverbot bedürfen der Zustimmung der
Einrichtungen und Betrieben des Landes Hessen (TVA-Forst Hes- zuständigen Stelle (§ 42 Abs. 1 Satz 2 BeamtStG in Verbindung
sen) vom 13. November 2009, geändert durch den Änderungstarif- mit § 84 Abs. 1 HBG, § 3 Abs. 3 Satz 2 TV-H). Welche Stelle dies
vertrag Nr. 1 vom 6. Mai 2011, wird wie folgt geändert: ist, erfahren die Beschäftigten bei ihrer Dienststelle.
§ 17 erhält folgende Fassung: Werden Beschäftigten Belohnungen oder Geschenke von Perso-
㤠17 Betriebliche Altersversorgung nen angeboten, mit denen sie dienstlich zu tun haben, wird es
sich häufig um Belohnungen oder Geschenke in Bezug auf ihr
Die Auszubildenden haben Anspruch auf eine zusätzliche Alters- Amt oder ihre dienstliche Tätigkeit handeln. In diesem Fall
und Hinterbliebenenversorgung unter Eigenbeteiligung nach Maß- haben sie die Zustimmung der zuständigen Stelle vor der An-
gabe des Tarifvertrages über die betriebliche Altersversorgung der nahme einzuholen, wenn nicht die Annahme nach Nr. 4 allge-
Beschäftigten des öffentlichen Dienstes (ATV) vom 1. März 2002 in mein genehmigt ist. Kann die Zustimmung im Einzelfall nicht
der nach § 25 Satz 1 TV-Forst Hessen geltenden Fassung.“ vor der Annahme eingeholt werden, muss die Annahme unter-
§2 bleiben.
Die zunächst ohne Kenntnis erlangte Leistung (zum Beispiel
Inkrafttreten
Brief mit Bargeld, Scheck oder Wertsachen im Briefkasten,
Dieser Tarifvertrag tritt mit Wirkung vom 1. Januar 2012 in Kraft. Geldbetrag auf dem Konto) muss unverzüglich nach Kenntnis-
nahme zurückgegeben werden. Die zuständige Stelle ist von
Wiesbaden, 18. Januar 2012 gez. Unterschriften
dem Vorfall zu informieren. Es muss, wenn die Rückgabe nicht
möglich ist, unverzüglich der Antrag auf Zustimmung bei der
zuständigen Stelle gestellt werden. Diese entscheidet über das
weitere Vorgehen.
Sind Beschäftigte ausnahmsweise der Ansicht, dass es sich um
eine private Leistung handelt, wird ihnen empfohlen, sich
gleichwohl an ihre Dienststelle zu wenden, damit geklärt wird,
ob eine Zustimmung erforderlich ist. Nur auf diese Weise lassen
sich Zweifel von vornherein vermeiden. Nehmen Beschäftigte
516 von Personen, mit denen sie dienstlich zu tun haben, Belohnun-
gen oder Geschenke an, ohne eine Zustimmung eingeholt oder
ihre Dienststelle eingeschaltet zu haben, geht das Risiko einer
Verwaltungsvorschriften zur Korruptionsbekämpfung in der Fehleinschätzung der Sach- und Rechtslage allein zu ihren La-
Landesverwaltung; sten und kann für sie schwerwiegende Folgen haben (vergleiche
unten Nr. 7).
hier: Verwaltungsvorschriften für Beschäftigte des Landes
Geschenke aus dem Kollegen- oder Mitarbeiterkreis von übli-
über die Annahme von Belohnungen und Geschenken chem und angemessenem Wert (zum Beispiel aus Anlass eines
Bezug: Erlass vom 17. Oktober 2006 (StAnz. S. 2490), geändert Geburtstages, eines Dienstjubiläums oder Ähnliches) sind Ge-
schenke im privaten Rahmen, für deren Annahme keine Zustim-
durch Erlass vom 14. Dezember 2011 (StAnz. S. 1586)
mung erforderlich ist.
Eine uneigennützige und auf keinen persönlichen Vorteil bedachte 3. Grundsätzliches Annahmeverbot
Führung der Dienstgeschäfte ist eine der wesentlichen Grundlagen 3.1 Die Annahme folgender Leistungen in Bezug auf das Amt ist
des öffentlichen Dienstes. Beschäftigte, die in Bezug auf ihr Amt grundsätzlich untersagt:
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1. Bargeld, die mit der Veranstaltung oder Reise zusammenhängenden Kos­


2. Überlassung von Gegenständen (zum Beispiel Kraftfahrzeu­ ten für die Beschäftigten übernehmen, darf nur erteilt werden,
gen, Geräten oder Maschinen zum Gebrauch) ohne oder zu wenn die fachlichen Gesichtspunkte weit überwiegen, an der
einem geringeren als dem üblichen Entgelt, Teilnahme ein dringendes dienstliches Bedürfnis und kein Zu­
sammenhang zu einem laufenden oder absehbaren Vergabevor­
3. Gewährung von Leistungen (zum Beispiel durch Überlas­
gang besteht.
sung von Fahrkarten, Eintrittskarten, Gutscheinen, Flugtic­
kets, Mitnahme auf Urlaubsreisen, Unterkunft) ohne oder 6. Strafrechtliche Folgen
zu einem geringeren als dem üblichen Entgelt, 6.1 Die Annahme von Belohnungen und Geschenken ohne Zustim­
4. Gewährung besonderer Vergünstigungen bei Privatgeschäf­ mung der zuständigen Stelle ist nach § 331 StGB (Vorteilsan­
ten (zum Beispiel zinslose oder zinsgünstige Darlehen, ver­ nahme) oder § 332 StGB (Bestechlichkeit), gegebenenfalls in
billigter Einkauf). Verbindung mit § 336 StGB (Unterlassen der Diensthandlung)
3.2 Die Annahme von Leistungen in Bezug auf das Amt, die der strafbar. Wissen Vorgesetzte oder andere Personen, denen die
oder dem Beschäftigten nur mittelbar (zum Beispiel bei Leis­ Aufsicht oder Kontrolle über die Dienstgeschäfte anderer Per­
tungen an Angehörige, Vereine usw., Beschäftigung von Ange­ sonen übertragen ist, von der Annahme von Belohnungen oder
hörigen oder Ferientätigkeiten von Kindern zu offensichtlich Geschenken durch diese Personen, können sie sich auch nach
unangemessenen Bedingungen) zukommen oder zukommen § 357 StGB strafbar machen, zum Beispiel weil sie eine rechts­
sollen, ist ebenfalls untersagt. widrige Tat geschehen lassen.
3.3 Im Einzelfall kann die Zustimmung zur Annahme von Leistun­ 6.2 Zu den strafrechtlichen Vorschriften wird besonders darauf
gen nach den Nr. 3.1 und 3.2 ausnahmsweise erteilt werden, aufmerksam gemacht, dass für Bestechlichkeit im Regelfall eine
wenn nach besonderer Prüfung die Voraussetzungen der Nr. 5 Freiheitsstrafe von mindestens sechs Monaten vorgesehen ist.
vorliegen (Ausnahme vom Verbot). Haben Beschäftigte bei ihren Handlungen einen Ermessens­
spielraum, kann der Tatbestand der Bestechlichkeit nach der
3.4 Das Angebot von Leistungen nach den Nr. 3.1 und 3.2 ist der strafrechtlichen Rechtsprechung zu § 332 Abs. 3 StGB bereits
für die Zustimmung zur Annahme von Belohnungen und Ge­ mit der Annahme einer Belohnung oder eines Geschenks ver­
schenken zuständigen Stelle unverzüglich mitzuteilen. wirklicht sein, auch wenn die oder der Beschäftigte in der Sache
4. Allgemeine Zustimmung zur Annahme genauso handelt, wie sie oder er ohne Annahme einer Belohnung
4.1 Zur Verwaltungsvereinfachung gilt die Annahme der nachste­ oder eines Geschenks gehandelt hätte. Dabei ist der strafrecht­
hend aufgeführten Leistungen als allgemein genehmigt, soweit liche Ermessensbegriff in § 332 Abs. 3 StGB weiter als der ver­
den Beschäftigten nicht ausdrücklich etwas anderes mitgeteilt waltungsrechtliche Begriff des Ermessens.
wurde: 6.3 Die vorstehend genannten Strafvorschriften sind in der An­
– Übliche und nach allgemeiner Auffassung nicht zu bean­ lage 2 aufgeführt.
standende geringwertige Aufmerksamkeiten (zum Beispiel 7. Dienst- und arbeitsrechtliche Folgen
Werbeartikel in einfacher Ausführung wie Kalender, Ku­ 7.1 Bei Beamtinnen und Beamten ist eine schuldhafte Verletzung
gelscheiber oder Schreibblocks), sofern der Wert insgesamt des Verbots, Belohnungen oder Geschenke in Bezug auf ihr Amt
10 Euro (Verkehrswert) nicht übersteigt, anzunehmen, ein Dienstvergehen (§§ 42 Abs. 1 Satz 1, 47 Abs. 1
– geringfügige Dienstleistungen, die die Durchführung eines BeamtStG). Dies gilt nicht, soweit vor der Annahme die Zustim­
Dienstgeschäftes erleichtern oder beschleunigen, zum Bei­ mung erteilt wurde. Auch die schuldhafte Verletzung der Pflicht,
spiel die Abholung mit einem Wagen vom Bahnhof, die zuständige Stelle über die angebotene, nicht angenommene
– Bewirtungen aus Anlass oder bei Gelegenheit dienstlicher Leistung zu unterrichten (Nr. 3.4), ist ein Dienstvergehen.
Handlungen (zum Beispiel Besprechungen, Besichtigungen), 7.2 Bei Ruhestandsbeamtinnen und Ruhestandsbeamten oder bei
wenn sie üblich und angemessen sind oder wenn sie ihren früheren Beamtinnen und Beamten mit Versorgungsbezügen gilt
Grund in den Regeln des Verkehrs und der Höflichkeit ha­ es als Dienstvergehen, wenn sie gegen das Verbot der Annahme
ben, denen sich auch Angehörige des öffentlichen Diensts von Belohnungen und Geschenken in Bezug auf ihr früheres
unter Berücksichtigung ihrer besonderen Verpflichtung zur Amt verstoßen (§§ 42 Abs. 1 Satz 1, 47 Abs. 2 Satz 1 BeamtStG).
objektiven Amtsführung nicht entziehen können, ohne gegen
7.3 Bei Beamtinnen und Beamten ist beim Verdacht eines entspre­
gesellschaftliche Formen zu verstoßen (zum Beispiel Erfri­
chenden Dienstvergehens zu prüfen, ob die Einleitung eines
schungsgetränke, Imbiss, Mittagessen). Dies gilt nicht, wenn
Disziplinarverfahrens – gegebenenfalls mit dem Ziel der Ent­
die Bewirtung nach Art und Umfang einen nicht unerhebli­
chen Wert darstellt, wobei sich der Maßstab im Einzelfall fernung der Beamtin oder des Beamten aus dem Dienst – erfor­
auch an der amtlichen Funktion der Beschäftigten ausrich­ derlich ist und welche vorläufigen Maßnahmen (zum Beispiel
tet, Verbot der Führung der Dienstgeschäfte, § 39 Satz 1 BeamtStG
in Verbindung mit § 74 Abs. 1 HBG, oder vorläufige Dienstent­
– eine übliche Bewirtung bei allgemeinen Veranstaltungen, an hebung, gegebenenfalls mit Einbehaltung eines Teils der Dienst­
denen Beschäftigte im Rahmen ihres Amtes oder in dienst­ bezüge, § 43 HDG), notwendig sind.
lichem Auftrag teilnehmen (zum Beispiel Empfänge, Ein­
weihungen). 7.4 Wird eine Beamtin oder ein Beamter im ordentlichen Strafver­
fahren durch ein deutsches Gericht wegen einer vorsätzlichen
4.2 Bei Annahme einer Bewirtung besteht die Verpflichtung, un­ Tat zu Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr verurteilt,
entgeltlich gewährte Verpflegung in der Reisekostenabrechnung endet ihr oder sein Beamtenverhältnis mit der Rechtskraft des
nach § 10 des Hessischen Reisekostengesetzes anzugeben. Urteils (§ 24 Abs. 1 BeamtStG). Ist die Beamtin oder der Beamte
5. Zustimmung im Einzelfall nach der Tat in den Ruhestand getreten, so verliert sie oder er
5.1 Im Übrigen wird die Entscheidung über die Annahme von Be­ mit der Rechtskraft der Entscheidung ihre oder seine Rechte als
lohnungen und Geschenken nach pflichtgemäßem Ermessen im Ruhestandsbeamter (§ 59 HBeamtVG).
Rahmen der Umstände des Einzelfalls getroffen. Deshalb haben 7.5 Bei Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern ist bei schuldhafter
die betroffenen Beschäftigten die für die Entscheidung maßgeb­ Verletzung der Pflicht, Belohnungen, Geschenke, Provisionen
lichen Umstände vollständig mitzuteilen. oder sonstige Vergünstigungen, die ihnen mit Bezug auf ihre
Der Annahme von Belohnungen und Geschenken kann nur zu­ Tätigkeit von Dritten angeboten werden, nur mit Zustimmung
gestimmt werden, wenn ausgeschlossen werden kann, dass anzunehmen (§ 3 Abs. 3 Satz 1 und 2 TV-H), zu prüfen, ob ein
– durch die Leistung dienstliches Handeln beeinflusst werden wichtiger Grund zur außerordentlichen Kündigung des Arbeits­
soll und verhältnisses vorliegt. Im Falle einer rechtskräftigen strafrecht­
lichen Verurteilung wegen einer vorsätzlichen Tat, zum Beispiel
– die Annahme der Leistung die objektive Amtsführung be­ Vorteilsannahme oder Bestechlichkeit, kann das Erlöschen des
einträchtigen könnte und Anspruchs auf Betriebsrente bei der Versorgungsanstalt des
– die Annahme der Leistung bei Dritten den Eindruck hervor­ Bundes und der Länder eintreten (§ 42 Abs. 3 VBL-Satzung).
rufen könnte, dass die Leistung dienstliches Handeln beein­ In weniger schwerwiegenden Fällen, etwa bei schuldhafter Ver­
flussen oder die objektive Amtsführung beeinträchtigen letzung der Pflicht, eine angebotene Vergünstigung unverzüg­
könnte und lich anzuzeigen (§ 3 Abs. 3 Satz 3 TV-H), kommen auch andere
– die Leistung als Anerkennung für ein bestimmtes Verwal­ arbeitsrechtliche Maßnahmen, wie zum Beispiel eine Abmah­
tungshandeln verstanden werden könnte. nung, in Betracht.
Die Zustimmung soll schriftlich erteilt werden. 8. Zweifelsfälle
5.2 Die Zustimmung zur Teilnahme an Informations- oder Beschäftigte sollten sich in allen Zweifelsfällen an ihre Dienst­
Präsentationsveranstaltungen/-reisen sowie Fortbildungsver­ stelle wenden. Dies ist auch in den Fällen ratsam, in denen schon
anstaltungen von Firmen oder anderen Institutionen, welche durch die Annahme von geringfügigen Dienstleistungen, Höf­
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lichkeitsanerbieten oder Bewirtungen der Eindruck der Befan­ Mit der Übersendung Ihres Geschenkes haben Sie sich bei mir für
genheit oder der Bevorzugung Einzelner entstehen könnte. diese gute Zusammenarbeit bedankt. So habe ich Ihr Geschenk
9. Geltungsbereich verstanden. Mich bringt diese Praxis durchaus in Schwierigkeiten,
9.1 Die vorstehenden Regelungen gelten einheitlich für alle Be­ denn der öffentliche Dienst ist zu Neutralität verpflichtet. Deshalb
schäftigten des Landes Hessen. dürfen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter grundsätzlich keine Be­
lohnungen oder Geschenke annehmen. Vor diesem Hintergrund
9.2 Den Gemeinden, den Gemeindeverbänden und den sonstigen bitte ich um Verständnis, dass es mir nicht möglich ist, Ihr Geschenk
der Aufsicht des Landes unterstehenden Körperschaften, An­ anzunehmen, so gut es gemeint ist.
stalten und Stiftungen des öffentlichen Rechts wird empfohlen,
entsprechend zu verfahren. (Alternativ bei zunächst erfolgter Übergabe:)
9.3 Die Erlasse vom 17. Oktober 2006 (StAnz. S. 2490) und vom 14. Mit Ihrem Geschenk haben Sie sich bei mir für diese gute Zusam­
Dezember 2011 (StAnz. S. 1586) werden aufgehoben. menarbeit bedankt. So habe ich Ihr Geschenk verstanden. Mich
bringt diese Praxis durchaus in Schwierigkeiten, denn der öffent­
Wiesbaden, 18. Juni 2012 liche Dienst ist zu Neutralität verpflichtet. Deshalb dürfen Mitar­
Hessisches Ministerium beiterinnen und Mitarbeiter grundsätzlich keine Belohnungen oder
des Innern und für Sport Geschenke annehmen. Nach Rücksprache mit meinem Vorgesetzten
Z 11 – 06 b 02 – 02 – 11/001 sehe ich mich deshalb veranlasst, das mir am … überreichte Ge­
– Gült.-Verz. 3200 – schenk zurückzugeben.
StAnz. 26/2012 S. 676 Außerdem versteht sich die Hessische Landesverwaltung als mo­
derner, kundenorientierter Dienstleistungsbetrieb: Er ist bemüht,
allen Anliegen im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten zu ent­
sprechen. Wenn dies gelungen ist, freut mich das.
Anlage 1
Variante 1:
Musterbrief 1
Am besten wäre es, wenn Sie in Zukunft auf die Übersendung/
(Einladung zu Präsentationen) Übergabe von Geschenken verzichten würden. Ich hoffe auf Ihr
Verständnis und bitte Sie deshalb, Ihr Geschenk in den nächsten
Anschrift vier Wochen abzuholen oder abholen zu lassen. Andernfalls werde
Einladung zu … ich, Ihr Einverständnis unterstellt, das Geschenk an … (soziale
Einrichtung) weitergeben.
Sehr geehrte Damen und Herren,
Variante 2:
für Ihre Einladung zu … bedanke ich mich.
Ich gehe davon aus, dass Sie damit einverstanden sind, dass das
Da der Charakter Ihrer Veranstaltung wesentlich durch das Bei­ Geschenk an … (soziale Einrichtung) weitergegeben wird. Es wäre
programm geprägt ist, bitte ich um Verständnis, dass es mir nicht am besten, wenn Sie in Zukunft auf die Übersendung/Übergabe
möglich ist, Ihre Einladung anzunehmen. von Geschenken verzichten würden.
Der öffentliche Dienst ist zu Neutralität verpflichtet. Deshalb bin Mit freundlichen Grüßen
ich grundsätzlich gehalten, von vornherein jeden Anschein der
Beeinflussung zu vermeiden, der durch die Teilnahme an einer über …
eine reine Informationsveranstaltung hinausgehenden Präsentation
entstehen könnte.
An Informationen über … bin ich aber weiterhin interessiert und Anlage 2
bitte Sie, mich in Ihrem Verteiler zu belassen. In Nr. 6 der Verwaltungsvorschriften genannte sowie weitere ein­
Mit freundlichen Grüßen schlägige Strafvorschriften des Strafgesetzbuchs (StGB):
… § 331
Vorteilsannahme
Musterbrief 2 (1) Ein Amtsträger oder ein für den öffentlichen Dienst besonders
(Einladung zu Festlichkeiten) Verpflichteter, der für die Dienstausübung einen Vorteil für sich
oder einen Dritten fordert, sich versprechen läßt oder annimmt,
Anschrift wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe
bestraft.
Einladung zu …
(2) Ein Richter oder Schiedsrichter, der einen Vorteil für sich oder
Sehr geehrte Damen und Herren, einen Dritten als Gegenleistung dafür fordert, sich versprechen läßt
für Ihre Einladung zu … bedanke ich mich. oder annimmt, daß er eine richterliche Handlung vorgenommen hat
Die Hessische Landesverwaltung versteht sich auch als moderner, oder künftig vornehme, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren
kundenorientierter Dienstleistungsbetrieb. Wir als seine Beschäf­ oder mit Geldstrafe bestraft. Der Versuch ist strafbar.
tigten sind bemüht, den Anliegen der Bürgerinnen und Bürger im (3) Die Tat ist nicht nach Absatz 1 strafbar, wenn der Täter einen
Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten (schnell und umfassend) zu nicht von ihm geforderten Vorteil sich versprechen läßt oder an­
entsprechen. Wenn dies gelungen ist, freut mich das, und ich danke nimmt und die zuständige Behörde im Rahmen ihrer Befugnisse
für den mit der Einladung verbundenen Ausdruck der Zufrieden­ entweder die Annahme vorher genehmigt hat oder der Täter un­
heit. verzüglich bei ihr Anzeige erstattet und sie die Annahme genehmigt.
Ich bitte jedoch um Verständnis, dass ich zur Wahrung der Neutra­
lität des öffentlichen Dienstes grundsätzlich gehalten bin, jeden § 332
Anschein der Beeinflussung von vornherein zu vermeiden, der Bestechlichkeit
durch eine Teilnahme entstehen könnte. Da der Charakter Ihrer (1) Ein Amtsträger oder ein für den öffentlichen Dienst besonders
Veranstaltung wesentlich durch das festliche Programm geprägt Verpflichteter, der einen Vorteil für sich oder einen Dritten als
ist, kann ich Ihre Einladung nicht annehmen. Gegenleistung dafür fordert, sich versprechen läßt oder annimmt,
Ich wünsche Ihnen am … eine gelungene Veranstaltung. daß er eine Diensthandlung vorgenommen hat oder künftig vor­
Mit freundlichen Grüßen nehme und dadurch seine Dienstpflichten verletzt hat oder verlet­
… zen würde, wird mit Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf
Jahren bestraft. In minder schweren Fällen ist die Strafe Freiheits­
strafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe. Der Versuch ist strafbar.
Musterbrief 3 (2) Ein Richter oder Schiedsrichter, der einen Vorteil für sich oder
(Übersendung/Übergabe von Geschenken) einen Dritten als Gegenleistung dafür fordert, sich versprechen läßt
oder annimmt, daß er eine richterliche Handlung vorgenommen hat
Anschrift oder künftig vornehme und dadurch seine richterlichen Pflichten
verletzt hat oder verletzen würde, wird mit Freiheitsstrafe von
Übersendung eines … einem Jahr bis zu zehn Jahren bestraft. In minder schweren Fällen
Sehr geehrte Damen und Herren, ist die Strafe Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren.
(Verbindlicher Einleitungssatz je nach Gelegenheit, zum Beispiel:) (3) Falls der Täter den Vorteil als Gegenleistung für eine künftige
Wieder geht ein Jahr zu Ende, in dem wir gut zusammengearbeitet Handlung fordert, sich versprechen läßt oder annimmt, so sind die
haben./Gerade haben wir erfolgreich ein gemeinsames Projekt be­ Absätze 1 und 2 schon dann anzuwenden, wenn er sich dem ande­
endet. ren gegenüber bereit gezeigt hat,
Nr. 26 Staatsanzeiger für das Land Hessen – 25. Juni 2012 Seite 679

1. bei der Handlung seine Pflichten zu verletzen oder, § 337


2. soweit die Handlung in seinem Ermessen steht, sich bei Aus- Schiedsrichtervergütung
übung des Ermessens durch den Vorteil beeinflussen zu lassen. Die Vergütung eines Schiedsrichters ist nur dann ein Vorteil im
Sinne der §§ 331 bis 335, wenn der Schiedsrichter sie von einer
§ 335 Partei hinter dem Rücken der anderen fordert, sich versprechen
Besonders schwere Fälle der Bestechlichkeit und Bestechung läßt oder annimmt oder wenn sie ihm eine Partei hinter dem Rücken
(1) In besonders schweren Fällen wird der anderen anbietet, verspricht oder gewährt.
1. eine Tat nach
a) § 332 Abs. 1 Satz 1, auch in Verbindung mit Abs. 3, und § 338
b) § 334 Abs. 1 Satz 1 und Abs. 2, jeweils auch in Verbindung Vermögensstrafe und Erweiterter Verfall
mit Abs. 3, (1) In den Fällen des § 332, auch in Verbindung mit den §§ 336 und
mit Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren und 337, ist § 73d anzuwenden, wenn der Täter gewerbsmäßig oder als
Mitglied einer Bande handelt, die sich zur fortgesetzten Begehung
2. eine Tat nach § 332 Abs. 2, auch in Verbindung mit Abs. 3, mit solcher Taten verbunden hat.
Freiheitsstrafe nicht unter zwei Jahren
(2) In den Fällen des § 334, auch in Verbindung mit den §§ 336 und
bestraft. 337, sind die §§ 43a, 73d anzuwenden, wenn der Täter als Mitglied
(2) Ein besonders schwerer Fall im Sinne des Absatzes 1 liegt in der einer Bande handelt, die sich zur fortgesetzten Begehung solcher
Regel vor, wenn Taten verbunden hat. § 73d ist auch dann anzuwenden, wenn der
1. die Tat sich auf einen Vorteil großen Ausmaßes bezieht, Täter gewerbsmäßig handelt.
2. der Täter fortgesetzt Vorteile annimmt, die er als Gegenleistung
dafür gefordert hat, daß er eine Diensthandlung künftig vor- § 357
nehme, oder Verleitung eines Untergebenen zu einer Straftat
3. der Täter gewerbsmäßig oder als Mitglied einer Bande handelt, (1) Ein Vorgesetzter, welcher seine Untergebenen zu einer rechts-
die sich zur fortgesetzten Begehung solcher Taten verbunden widrigen Tat im Amt verleitet oder zu verleiten unternimmt oder
hat. eine solche rechtswidrige Tat seiner Untergebenen geschehen läßt,
hat die für diese rechtswidrige Tat angedrohte Strafe verwirkt.
§ 336
(2) Dieselbe Bestimmung findet auf einen Amtsträger Anwendung,
Unterlassen der Diensthandlung welchem eine Aufsicht oder Kontrolle über die Dienstgeschäfte
Der Vornahme einer Diensthandlung oder einer richterlichen Hand- eines anderen Amtsträgers übertragen ist, sofern die von diesem
lung im Sinne der §§ 331 bis 335 steht das Unterlassen der Handlung letzteren Amtsträger begangene rechtswidrige Tat die zur Aufsicht
gleich. oder Kontrolle gehörenden Geschäfte betrifft.

HESSISCHES MINISTERIUM DER FINANZEN

517

Berechnung der Verzugszinsen bei privatrechtlichen For- zugszinsen nach VV Nr. 4.1 zu § 34 LHO vom 5. Juli 2001, zuletzt
derungen des Landes (VV Nr. 4.1 zu § 34 LHO vom 5. Juli geändert durch Erlass vom 6. November 2007, zu berücksichtigen.
2001, zuletzt geändert durch Erlass vom 6. November 2007) Dieses Rundschreiben wird in das Mitarbeiterportal des Landes
Hessen unter Finanzen > Zinssätze eingestellt.
B e z u g : Mein Rundschreiben vom 6. März 2012 (StAnz. S. 338)
Wiesbaden, 12. Juni 2012
Der Zinssatz für Kredite des Landes zur Deckung von Ausgaben
beträgt zurzeit durchschnittlich 3,2595 Prozent Hessisches Ministerium
Dieser Zinssatz gilt gemäß meinem Erlass vom 21. Juli 2000 (StAnz. der Finanzen
S. 2902) nur für Altfälle, die vor dem 1. Mai 2000 rechtswirksam H 1012 – VV zu § 34 – III 38
geworden sind und ist ab 1. Juni 2012 bei der Erhebung von Ver- StAnz. 26/2012 S. 679

DER LANDESWAHLLEITER FÜR HESSEN

518

Nachfolge des Landtagsabgeordneten Manfred Görig – SPD Herr


Tobias Eckert
Verwaltungsfachwirt
Der Abgeordnete des 18. Hessischen Landtags Manfred Görig hat Auf dem Graben 11
auf sein Abgeordnetenmandat verzichtet. 35794 Mengerskirchen
getreten.
Nachdem die nächste noch nicht zur Abgeordneten berufene Be- Die Feststellung über die Nachfolge habe ich am heutigen Tage
werberin der Landesliste der Sozialdemokratischen Partei Deutsch- getroffen.
lands – SPD, Frau Elke Künholz, auf ihre Anwartschaft verzichtet
hat, ist nach § 40 Abs. 1 des Landtagswahlgesetzes (LWG) an die Wiesbaden, 10. Juni 2012 Der Landeswahlleiter für Hessen
Stelle von Manfred Görig der nächste noch nicht berufene Bewer- II 13 03 e 06.21.06 – 03 – 12/003
ber der Landesliste StAnz. 26/2012 S. 679