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Erfolgreich

angeln
am
Weissensee

Nur mit dem Herzen


fischt man gut.
Ein bisschen Kopf
schadet aber auch nicht.
KOMPETENT - SERIÖS - LEIDENSCHAFTLICH
Vielen Dank an Sepp Hofinger, Rudi Mikstetter
Werner Öllinger, Christian Weber
Gudrun und Tamara Schwarzenlander
Ihr seid richtig gut!!!

www.angelprofi.at

www.renkenfinder.at www.websta.at

Inhalt: Martin Müller, Gestaltung: Martin Müller, Eva Ertl


Fotos: Barbara Müller-Ertl, Ernest Turnschek (Unterwasser), Carmen Strasser,
Martin Müller
© 2018 Martin Müller

1
Liebe Leser! Fischökologe objektiv weniger super. Das hat auch ei-
Die Angelsaison 2017 war nen Grund: Von den ursprünglich acht autochthonen
für mich sehr außerge- (also heimischen) Fischarten die den Weissensee besie-
wöhnlich. Die Umstruk- delten, sind vier ausgestorben (Seeforelle, Seesaibling,
turierung meines Fische- Gründling, Elritze). Zehn Fremdarten sind dazuge-
reibetriebes bot mir die kommen (und bereiten uns Anglern große Freude). Bei
Möglichkeit sehr viel Zeit allen derzeit genutzten Wirtschaftsfischen handelt es
mit meinen Angeln am sich, mit Ausnahme der Schleie, um allochthone (nicht
Weissensee zu verbringen. heimische) Arten. Und einige davon sind definitiv
Alleine, mit meinen Kin- nicht standortgerecht. Die durch die EU-Wasserrah-
dern oder als Guide mit ganz tollen Persönlichkeiten. menrichtlinie für alle größeren Seen vorgeschriebenen
Aus tiefster Überzeugung kann ich behaupten, dass der fischökologischen Untersuchungen und Bewertungen
Weissensee ein großartiges Angelgewässer ist. Nicht wurden am Weissensee durch das Bundesamt für Was-
nur wegen der Fische die 2017 gefangen wurden, son- serwirtschaft (Scharfling am Mondsee) im Jahr 2016
dern weil einem Angler unglaublich viel geboten wird. durchgeführt. Die Untersuchungen ergaben, bedingt
Zum Beispiel viele verschiedene Fischarten, die ganz durch das Bewertungsschema und objektiv betrachtet
außergewöhnlich große Exemplare hervorbringen kön- wohl auch zu Recht, einen unbefriedigenden ökologi-
nen und Speisefische die ein sensationelles Qualitätsni- schen Zustand. In Bezug auf die Fischartenzusammen-
veau erreichen. Elegant abgerundet wird das Angebot setzung. Alles andere (Fischbiomasse, Wasserqualität,
durch beeindruckende Naturschauspiele, glasklares Morphologie, Pflanzenbewuchs) ist Top. Nun wird es
Wasser und verschiedenste Gewässerstrukturen und - ein bisschen knifflig, weil die Wasserrahmenrichtlinie
tiefen. Wir haben uns aber auch wieder wissenschaft- vorschreibt, dass alle Seen längerfristig zumindest auf
lich ausgetobt. Ich denke es gibt kein anderes Gewässer, einen guten Zustand gebracht werden müssen. Im
dass in den letzten beiden Jahrzehnten so intensiv und Kärntner Landesfischereigesetz steht im Grunde seit
kontinuierlich untersucht wurde. Dadurch ergibt sich vielen Jahren das gleiche. Nur weiß das, glaub ich zu-
aber auch ein Paradoxon, das Hanspeter Rings in sei- mindest, keiner. Auf alle Fälle besteht aber Handlungs-
nem Aphorismus ganz passend so formuliert: „Der See bedarf. Es ist schon klar, dass es bei Gott nicht einfach
verliert einiges an Klarheit, wenn man in ihn ein- sein wird den Weissensee so mir nichts dir nichts in ei-
taucht.“ Wir sind tief eingetaucht und haben viel ge- nen guten ökologischen Zustand zu bringen. Vielleicht
lernt. Ein Patentrezept für eine seetypenspezifische ist es gar nicht möglich. Ganz sicher ist es nicht mög-
und ertragsoptimierte Bewirtschaftung gibt es aber lich, wenn wir aufgeben bevor wir angefangen haben.
nicht. Vor allem weil Ökologie und Ökonomie nicht Die erste Handlung war naheliegender Weise die Aus-
immer kompatibel sind. Fischökologen und Angler arbeitung von zielführenden Bewirtschaftungsmaß-
sind erfahrungsgemäß ganz unterschiedlicher Meinung nahmen unter Beteiligung namhafter Fischökologen
darüber, wie ein intaktes Gewässer ausschauen soll. und Vertretern der Landes- und Bundesregierung. Die
Warum das so ist, weiß ich nicht. Vielleicht täusche ich Ergebnisse und Maßnahmenvorschläge sind wenig ori-
mich auch. Das würde mich freuen. Ich denke die meis- ginell und werden in dieser Form schon seit über zwan-
ten Angler sind grundsätzlich begeistert, wenn sie viele zig Jahren formuliert. Wir haben offensichtlich wenig
und große Fische fangen. Was das für Fische sind, ist Spielraum die autochthonen Fischarten im Weissensee
den meisten wohl nicht so wichtig. Fischökologen sind wieder zu etablieren. Und zwar als gesunde Populatio-
begeistert, wenn die Fischbestände dem Referenzzu- nen mit funktionierender Reproduktion und entspre-
stand entsprechen. Also dem natürlichen Gleichge- chenden Längen- und Altersklassenverteilungen. Re-
wichtszustand der sich im Laufe einiger Jahrtausende gelmäßig große und zum Teil fangfähige Fische in den
ausgebildet hat und ein Gewässer charakterisierte, be- See zu schütten reicht definitiv nicht aus. Auch wenn
vor begonnen wurde zielgerichtet zu bewirtschaften. es oberflächlich betrachtet vielleicht ganz gut aus-
Als Angler empfinde ich die Fischartenzusammenset- schaut. Das ist aber auch nichts Neues. Da haben wir
zung des Weissensees subjektiv als voll super, als viel miterlebt. Viele Jahre wurden große Mengen an

2
Seeforellen aller Längenklassen besetzt. Seit dem Jahr genügend Laichfische und günstige Rahmenbedingun-
2012 von der eigenen Fischzuchtanlage aus. Diese gen für die Renkenlarven im Frühling. Vor allem genü-
funktioniert ganz großartig. Die Rahmenbedingungen gend passendes Futter. Das ist alles. Derzeit mache ich
sind nahezu perfekt. Die letzten 5 Jahre mussten wir mir, ganz sicher nicht ganz unberechtigt, Sorgen, dass
aber zuschauen wie die 2 bis 3 Tonnen Besatzseeforel- die Population zu groß wird. Mit all den Konsequenzen
len, die jedes Jahr in den Weissensee entlassen wurden, die sich daraus ergeben würden. Wie geringes Wachs-
sich innerhalb kürzester Zeit im ganzen Weissensee tum, geringe Korpulenzen und im schlechtesten Fall,
verteilten, dann ein paar Wochen präsent waren und wie vor einigen Jahren gehabt, geringer bis kein Repro-
sich schließlich in Luft auflösten. In Wirklichkeit lös- duktionserfolg. (Weil durch die Überpopulation das
ten sie sich nicht in Luft auf, sondern wurden vor allem Gesamtsystem gestört wird und die Renkenlarven im
in Hechtbiomasse umgewandelt. Das hätte ich mir in Frühling mangels geeignetem Futter innerhalb kürzes-
diesem Ausmaß nicht erwartet. Letztendlich sind wir ter Zeit schneller sterben als die Fliegen.) Man kann
bei der Seeforelle, nach einem kurzen Aufflackern sich aber durchaus Schlimmeres vorstellen, als viele Fi-
durch den Besatz großer Fische vor etwa zwanzig Jah- sche. Wenn wir vernünftig bewirtschaften (und das
ren, wieder am Nullpunkt angelangt. Beim Seesaibling können wir mittlerweile), dann brauchen wir uns in
verläuft das Szenario haargenau gleich. Wenn wir nun den nächsten 5 bis 6 Jahren überhaupt keine Sorgen um
einen guten fischökologischen Zustand erreichen wol- den Renkenbestand machen. Und wir brauchen gar
len, dann kommen wir nicht darum herum den Hecht- nichts anderes zu tun als zu beobachten und bei Bedarf
bestand auf Teufel komm raus zu befischen. Mit allen ein bisschen zu steuern. Bei den Fanggrößen und den
Möglichkeiten die uns zur Verfügung stehen. Das Fangmengen. Der Weissensee bietet derzeit aber auch
wurde auch schon an anderen Seen durchgeführt. Mit noch einen großartigen Schleienbestand, einen super
beachtlichem Erfolg. Und es könnte auch am Weissen- Flussbarschbestand, einen richtig guten Bestand an
see funktionieren. Für alle Skeptiker und begeisterte großen Karpfen und viele große Rotaugen und Rotfe-
Hechtangler: Was kann durch eine Reduktion des dern. Und wir haben einen Zanderbestand, der sich in
Hechtbestandes alles passieren? 1) Alle anderen Fisch- den letzten Jahren viel besser entwickelt hat als zu er-
arten werden davon profitieren. Alle! 2) Den warten war. Dass weniger Hechte grundsätzlich mehr
Hechtanglern werden attraktivere Möglichkeiten ge- Zander bedeuten, erfinde ich auch nicht spontan an
boten, den Hecht zu befischen. 3) Das individuelle dieser Stelle, sondern das ist so oft nachgewiesen wor-
Wachstum und die Konditionsfaktoren der Weissen- den, dass wir das als gegeben hinnehmen können. Ob
seehechte liegen derzeit auf niedrigem Niveau. Weni- der Zander die Seeforelle bzw. den Seesaibling, den
ger Hechte würden ziemlich sicher besseres Wachstum Gründling und die Elritze negativ beeinflusst, werden
und dicke Hechte bedeuten. 4) Gelingt die Reduktion wir in einigen Jahren beurteilen können. Den Zander
nicht, dann ändert sich nichts. Objektiv gesehen kön- im Weissensee zu regulieren ist aber ein ungleich leich-
nen wir nur gewinnen. Aber es geht ja nicht nur um den teres Unterfangen als beim Hecht. Davon sind wir aber
Hecht und die Seeforelle. Derzeit wird der Weissensee noch Lichtjahre entfernt.
von richtig vielen Renken besiedelt. Die meisten der
derzeit fangfähigen Fische entstammen dem Jahrgang Ich wünsche allen Lesern einen erholsamen Aufenthalt
2014. Die Jahre 2015 und 2016 können auch nicht an einem Ort der besonderen Art und dem Fischer die
wirklich als Flop bezeichnet werden. Getoppt wird aber nötige Ruhe und Geduld, um möglicherweise den Fang
alles vom Jahrgang 2017, der sich außergewöhnlich in- seines Lebens anzulanden.
dividuenreich präsentiert. Und so wachsen derzeit sehr
Herzlich Euer
viele Jungrenken heran. Wirklich sehr viele. Das Lus-
Martin Müller
tige an der Geschichte ist, dass genau in den Jahren
2014 und 2017 keine Renken besetzt wurden. Was sagt
uns das? Einen guten Renkenbestand erhalte ich nie-
mals durch Besatz, sondern nur durch eine vernünftige,
fachlich fundierte Bewirtschaftung. Es braucht

3
1 DER WEISSENSEE ................................................................................................................................... 5
2 HISTORISCHES FISCHVORKOMMEN .......................................................................................... 11
3 FISCHBESTAND 2018 .......................................................................................................................... 12
4 BEWIRTSCHAFTUNG ........................................................................................................................ 13
5 KIEMENNETZE ..................................................................................................................................... 15
6 DER WEG ZUM FANGERFOLG ........................................................................................................ 16
7 ANGELN MIT RESPEKT ...................................................................................................................... 16
8 SEEFORELLE (Salmo trutta f. lacustris)................................................................................................ 17
8.1 FANGLISTEN UND BEWIRTSCHAFTUNG ..................................................................................................................... 21
8.2 FANG..................................................................................................................................................................................... 22
9 REINANKE (Coregonus lavaretus) ......................................................................................................... 23
9.1 FANGLISTEN UND BEWIRTSCHAFTUNG ..................................................................................................................... 27
9.2 FANG..................................................................................................................................................................................... 33
9.3 KULINARISCHES HIGHLIGHT........................................................................................................................................ 36
10 HECHT (Esox lucius) .............................................................................................................................. 37
10.1 FANGLISTEN UND BEWIRTSCHAFTUNG ................................................................................................................ 38
10.2 FANG................................................................................................................................................................................ 40
10.3 KULINARISCHES HIGHLIGHT................................................................................................................................... 42
11 KARPFEN (Cyprinus carpio) .................................................................................................................. 42
11.1 FANGLISTEN UND BEWIRTSCHAFTUNG ................................................................................................................ 43
11.2 FANG................................................................................................................................................................................ 44
11.3 KULINARISCHES HIGHLIGHT................................................................................................................................... 46
12 SCHLEIE (Tinca tinca) ........................................................................................................................... 46
12.1 FANGLISTEN UND BEWIRTSCHAFTUNG ................................................................................................................ 47
12.2 FANG................................................................................................................................................................................ 48
13 FLUSSBARSCH (Perca fluviatilis) ........................................................................................................ 48
13.1 FANGLISTEN UND BEWIRTSCHAFTUNG ................................................................................................................ 49
13.2 FANG................................................................................................................................................................................ 49
13.3 KULINARISCHES HIGHLIGHT................................................................................................................................... 50
14 ZANDER (Sander lucioperca) ................................................................................................................. 50
14.1 BEWIRTSCHAFTUNG UND FANG ............................................................................................................................. 51
15 AMUR (Ctenopharyngodon idella) ......................................................................................................... 52
15.1 FANG................................................................................................................................................................................ 52
16 SEESAIBLING (Salvelinus umbla)......................................................................................................... 53
17 AITEL (Squalius cephalus) ...................................................................................................................... 54
18 ROTAUGE (Rutilus rutilus)................................................................................................................... 54
19 ROTFEDER (Scardinius erythrophthalmus) .......................................................................................... 55
20 KAULBARSCH (Gymnocephalus cernua) ............................................................................................. 55
21 LAUBE (Alburnus alburnus) ................................................................................................................... 56
22 BITTERLING (Rhodeus sericeus amarus) .............................................................................................. 56
23 RESTLICHE FISCHARTEN ................................................................................................................ 56
24 KAMBERKREBS (Orconectes limosus) ................................................................................................... 57
25 NACHTANGELN .................................................................................................................................. 57
26 FISCHPARASITEN ................................................................................................................................ 58

4
1 DER WEISSENSEE
Paradebeispiel eines Seeforellensees. Eine Belastung
mit häuslichen Abwässern konnte durch den Bau einer
Ringkanalisation (Baubeginn im Jahr 1968) verhindert
werden. Dadurch verlor der Weissensee auch nie den
Charakter eines nährstoffarmen Salmonidengewässers.
Reines Wasser und Kalkgestein im Einzugsgebiet sind
für einen See durchaus von Vorteil. Es fällt dadurch un-
bestritten viel leichter als Schönheit bewundert zu wer-
den. Die weißen Flachwasserbereiche und das türkis-
blaue Farbenspiel, das an die Karibik erinnert (wenn
wer dort war), verdankt der Weissensee den unzähligen
Kalkkristallen. Diese werden eingeschwemmt und ab-
gelagert, oder durch Kohlensäure zu Hydrogencarbo-
Durch ein tektonisch vorbereitetes, west-ost verlaufen- nat1 gelöst oder in Muschelschalen, Schneckenhäuser
des Becken der Gailtaler Alpen zwängte, schob und oder in andere Organismen eingebaut. Immer wieder
schürfte sich über mehrere zehntausend Jahre ein Sei- wird gelöstes Hydrogencarbonat aber wieder in Kalk-
tenarm des Draugletschers und formte das heute vor kristalle und Kohlendioxid zerlegt. Dazu sind Algen in
uns liegende Becken des Weissensees. Vor etwa 15.000 der Lage. Wenn viele Algen viel Kohlendioxid brau-
bis 10.000 Jahren endete die Würmeiszeit, die Glet- chen (um zu wachsen), blöderweise aber keines mehr
scher schmolzen und die durchaus gelungene Wanne da ist, dann bedienen sie sich einfach am Hydrogencar-
füllte sich mit Wasser. Nach und nach bildeten die Ge- bonatbuffet. Übrig bleiben weiße Kalkkristalle die den
steinsmassen des Silbergrabenbaches am Ostende des See innerhalb weniger Tage milchig trüb werden lassen.
Weissensees eine Talsperre und ließen den Seespiegel Das Phänomen ist als biogene Entkalkung bekannt und
ansteigen. Vieles deutet darauf hin, dass die namensge- kann im Weissensee im Frühling und Sommer immer
benden weißen Seekreidebänke, die den See umrah- wieder beobachtet werden. Das Hydrogencarbonat hat
men, früher einmal grüne Wiesen waren. aber noch eine weitere bedeutende Eigenschaft. Es
Die Ufer des Gatschacher Beckens und des mittleren kann Säuren und Basen gleichermaßen neutralisieren.
Seeabschnittes prägen lockerer Bestände von Moderate Mengen an saurem Regen sind dem Weis-
Schwimmblattpflanzen, Schilf, Binsen und Seggen. An sensee also herzlich egal. Der nur ca. 15 km Luftlinie
diese schließen meist sanft ansteigende, durch botani- entfernte Millstättersee liegt im Silikateinzugsgebiet
sche Besonderheiten bereicherte, Sumpfwiesen an. So und ist daher nicht gegen Säuren und Basen gepuffert.
flach wie das Umland präsentiert sich hier auch das See- Das wurde diesem, Ende der 1960er Jahre, durch basi-
becken. Das Ostbecken dagegen prägen steile Hänge sche Industrieabwässer fast zum Verhängnis. Haar-
und zum Teil senkrechte, schroffe Felswände. Und so scharf am Exitus vorbei. In Bezug auf den pH-Wert
steil und karg wie das Umland, zeigt sich hier auch die hätte der Weissensee solche Einträge quasi geschnupft.
Halde unter Wasser.
Armleuchteralgen
Reines Wasser und Kalk Durch das glasklare Wasser kann Licht bis in große
Der geringe Nährstoffgehalt (oligotropher Seetyp), die Tiefen vordringen. Untergetauchte (submerse) Was-
Größe, die Tiefe sowie die Temperatur- und Sauer- serpflanzen, wie verschiedene Armleuchteralgen, Tau-
stoffverhältnisse machen den Weissensee zu einem sendblattarten und Laichkräuter, können daher

1 Kohlendioxid reagiert mit Wasser zu Kohlensäure (Viel Kohlendioxid in Wasser ergibt im Alltag Sodawasser.). Diese reagiert mit
Calciumcarbonat (also kohlensaurem Kalk) zu gelöstem, unsichtbarem Hydrogencarbonat.

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prächtig gedeihen. Armleuchteralgen findet man sogar 2. mittlerer Abschnitt:
noch in Tiefen von bis zu 20 m. Limitierend für eine Neusacher Mühlbach bis etwa 1 km östlich vom
noch tiefere Besiedelung ist nicht, wie sonst üblich, das Ronacherfels
Licht, sondern der zunehmende Wasserdruck. Bis Tiefe: max. 55 m
Mitte der 1930er Jahre blieb die Suche nach Characeen
(Armleuchteralgen) im Weissensee erfolglos, 70 Jahre
später waren sie dagegen die mit Abstand häufigste
Pflanzengruppe (84 % der Gesamtpflanzenmenge) mit
insgesamt sechs verschiedenen Arten. Seit den extrem
warmen Sommern 2014 und 2015, mit Wassertempe-
raturen von über 25 °C, sterben die Armleuchteralgen
in den seichteren Seebereichen großflächig ab. Es geht
dadurch unglaublich viel Lebensraum verloren. Ein 3. östlicher Abschnitt:
Problem könnte werden, dass die bis jetzt in ihnen ge- etwa 1 km östlich vom Ronacherfels bis zum Ostende
speicherten Nährstoffe wieder zur Verfügung stehen. Tiefe: max. 99 m
Eine Massenentwicklung verschiedener mikroskopisch
kleiner Algen kann, vor allem westlich der Brücke,
durchaus erwartet werden. Inklusive einiger sehr uner-
wünschter Begleiterscheinungen. Eine starke Trübung
war im Gatschacher Becken, wie erwartet, im Frühling
2017 zu beobachten. Im Sommer dann interessanter-
weise nicht mehr. Seen sind erstaunlich eigenwillig.
Das Einzugsgebiet des Weissensees ist mit knapp 50
Das Seebecken kann in drei unterschiedlich km2 von sehr bescheidenen Ausmaßen und daher kann
tiefe Abschnitte unterteilt werden: man sich auch keine größeren Zuflüsse erwarten. Per-
manent wasserführend sind nur der Mühlbach in Neu-
1. Westmulde: sach und der Praditzbach. Von diesen Gerinnen fließen
a) Gatschacher Becken dem Weissensee im Mittel geschätzte 150 Liter Wasser
Tiefe: max. 6 m pro Sekunde zu. Der mittlere Abfluss über den Weis-
senbach (Seeabfluss am Ostufer) beträgt dagegen 780
l/s. Es fließt oberflächlich also viel mehr ab als zu. Das
hat mit dem eher porösen Kalkeinzugsgebiet zu tun, in
dem ein Großteil des Niederschlages versickert und erst
über Umwege in den See findet. Gut zu sehen an den
unzähligen Quellen. Oder an den Bächen die ein paar
hundert Meter bevor sie in den See münden versickern
und diesem, unserem Blick verborgen, unterirdisch
b) Brücke bis Neusacher Mühlbach entgegenfließen.
Tiefe: max. 20 m
Wasser ist ein bisschen eigenartig!
Diwasserstoffoxid (also H2O bzw. reines Wasser) ist
eine erstaunliche chemische Verbindung die Eigen-
schaften an den Tag legt, welche in dieser Form eigent-
lich nicht zu erwarten sind. Grundsätzlich ist uns ver-
traut, dass sich Stoffe zusammenziehen, wenn sie ab-
kühlen. Dadurch werden die Moleküle enger

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Abb. 1: Frühjahrs- bzw. Herbst-
zirkulation. Wenn die Wasser-
temperatur von der Oberfläche
bis zum Grund annähernd
gleich ist, kann der Wind den
Wasserkörper in Zirkulation
versetzen.

Abb. 2: Im Frühsommer bildet


sich eine stabile thermische
Schichtung (Sommerstagna-
tion). Die warme Oberflä-
chenschicht ist durch die
Sprungschicht von der kalten
Tiefenzone getrennt.

zusammengepackt und die Dichte (die Masse pro Vo- leiter (und daher ein guter Wärmespeicher) und es ist
lumen) nimmt zu, salopp gesagt wird der Stoff schwe- ständig in Bewegung. Auch in Seen. Entweder von sich
rer. Wasser verhält sich grundsätzlich auch so. Nur aus, weil es Temperaturunterschiede (und daher Dich-
nicht ganz konsequent. Denn es hat bei 3,98 °C seine teunterschiede) dazu bewegen2 oder weil es der Wind
größte Dichte. Wärmeres und kälteres Wasser ist leich- durch seine Scherkraft an der Wasseroberfläche mit-
ter. Der Grund für diese Dichteanomalie sind Elektro- transportiert.
negativitäten, Dipoleigenschaften, Bindungswinkel
und Wasserstoffbrückenbindungen. Bei 0 °C geht Sommerstagnation und Sprungschicht
Wasser schließlich vom flüssigen in den festen Zustand Mit diesem Wissen können wir uns nun der Frühlings-
über, dehnt sich aus und wird um ca. 10 % leichter. bzw. Herbstzirkulation, der stabilen thermischen Som-
Wäre Wasser nicht so eigenwillig, dann würde das Eis merstagnation und der Sprungschicht widmen. Wir
auf den Grund unserer Gewässer absinken und die Erde beginnen am besten im Frühling. Nehmen wir an es ist
wäre sehr wahrscheinlich großflächig und sehr dick mit Anfang April, der See ist gerade eisfrei geworden und
Schnee und Eis bedeckt und ich müsste mir sicher nicht das Wasser hat von der Oberfläche bis zum Grund eine
die Formulierung des nächsten Satzes überlegen. Da Temperatur zwischen 4 und 6 °C. Wenn nun ein star-
wir aber schon einmal hier sind, können wir uns mit ker gleichmäßiger Wind über den See pfeift dann trans-
den weiteren Eigenschaften des Wassers und den sich portiert er das Oberflächenwasser durch seine Scher-
daraus ergebenden Konsequenzen beschäftigen. Es ist kraft in Windrichtung mit. Und zwar bis zum Ufer, wo
ein sehr gutes Lösungsmittel, ein schlechter Wärme- es nach unten abbiegt. In Abhängigkeit von Wind-

2 Wenn Wasser an der Oberfläche abkühlt (Bei einem See passiert das z. B. im Herbst) dann wird es schwerer und sinkt nach unten.
Diese Wasserbewegung wird als Konvektion bezeichnet.

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richtung, -dauer und -stärke wird der gesamte, oder nur Oberfläche unter 4 °C ab, wird es wieder leichter und
Teile des Wasserkörpers in Zirkulation versetzt. Wir bleibt an der Oberfläche. Schließlich bildet sich eine
sprechen von der Frühjahrszirkulation (Abb. 1). Diese Eisschicht, die den Wasserkörper vor weiterer Abküh-
hat große Auswirkungen auf den Stoffhaushalt eines lung abschirmt. Wir messen daher schon knapp unter-
Sees, da sauerstoffreiches Wasser von der Oberfläche in halb der Eisschicht eine Temperatur von 4 °C.
die Tiefe bzw. sauerstoffarmes Wasser von der Tiefe an In Bezug auf die Zirkulationsvorgänge zeigt sich der
die Oberfläche transportiert wird (wo es sich mit Sau- Weissensee etwas eigenwillig. Die geringe Oberfläche
erstoff anreichern kann). Es werden aber auch die im im Verhältnis zur großen Tiefe und die windgeschützte
Jahresverlauf abgesunkenen Nährstoffe wieder in die Lage bewirken nicht jeden Frühling eine Zirkulation
Produktionsschicht transportiert, wo sich die Algen des gesamten Wasserkörpers. Meist werden nur die
sehr darüber freuen, wachsen und die Nahrungsgrund- obersten 30, 40 oder 50 m durchmischt. Das heißt, dass
lage für das Zooplankton liefern. Wenn die Tage länger das Tiefenwasser oft über mehrere Jahre keinen Kon-
werden und die Sonnenstrahlung ausgiebiger und in- takt zum Oberflächenwasser hat.
tensiver auf den See auftrifft, wird das Wasser erwärmt.
Allerdings nur eine dünne Oberflächenschicht (Was- Sauerstoffmangel in der Tiefe!
ser ist ein schlechter Wärmeleiter). Und weil es wärmer Höhere Pflanzen und Algen sind in der Lage aus anor-
und dadurch leichter ist, bleibt es auch oben. Wenn ganischen Bestandteilen organische Körpersubstanz
nun der Wind über die Wasseroberfläche streicht aufzubauen. Dazu brauchen sie Sonnenlicht, Wasser,
kommt die dünne, warme Schicht in Bewegung. Sie Kohlendioxid, Stickstoff- und Phosphorverbindungen
wird bis zum Ufer mittransportiert, dort nach unten und noch einige Spurenelemente. Die Lichtenergie
gedrückt und strömt schließlich in entgegengesetzter wird mit Hilfe von Chlorophyll (grüner Pflanzenfarb-
Richtung zurück. Diese Zirkulationsströmungen kann stoff) in chemische Energie umgewandelt (Photosyn-
man beim Angeln immer wieder beobachten. Wie tief these) und dient zum Aufbau energiereicher Verbin-
das warme Oberflächenwasser nach unten gedrückt dungen, die in den Organismus eingebaut werden (As-
werden kann, ist abhängig von der Windstärke, -dauer similation). Die Photosynthese legte vor unvorstellbar
und von der Wassertemperatur. Dabei ist entschei- langer Zeit aber auch den Grundstein für die Entwick-
dend, dass bei einer Erwärmung von 24 °C auf 25 °C lung höherer Lebewesen, die physiologisch und bioche-
der Dichteunterschied etwa 30 mal so hoch ist als bei misch einen ganz neuen Weg einschlagen konnten. Sie
der Erwärmung von 4 °C auf 5 °C. Sehr warmes Wasser begannen, den bei der Photosynthese als „Abfallpro-
weigert sich also sehr vehement und erfolgreich dage- dukt“ produzierten Sauerstoff als Oxidationsmittel zu
gen, in die Tiefe verschoben zu werden. Das Endergeb- nutzen, um chemische Energie zu erzeugen. Wie wir an
nis sind schließlich eine warme Oberflächenschicht uns sehen können, funktioniert das bis heute ganz gut.
und eine kalte Tiefenzone, die den gesamten Sommer Bei der Sauerstoffatmung entsteht Kohlendioxid, wel-
über völlig isoliert voneinander verbringen müssen. ches abgegeben und von den Pflanzen bzw. Algen wie-
Den Übergangsbereich zwischen diesen beiden Zonen der in Biomasse umgewandelt wird. Wir alle sind also
bildet die sogenannte Sprungschicht, in der die Tempe- Teil eines ausgeklügelten (bzw. durch viele Zufälle ent-
ratur mit der Tiefe sehr sprunghaft abnimmt (ca.1,5 °C standenen) Kreislaufes.
pro Meter). Am Weissensee beginnt dieser Übergangs- Wo, wann, wieviel Sauerstoff in einem stehenden Ge-
bereich in der Regel in einer Tiefe zwischen 8 und 9 m wässer produziert wird, ist abhängig vom Lichtangebot,
(Abb. 2). Ab Oktober kühlt das Oberflächenwasser von der Nährstoffverfügbarkeit und von der Wasser-
wieder ab. Dadurch sinkt es, da schwerer, nach unten temperatur. Der wichtigste sauerstoffliefernde Prozess
und löst die stabile thermische Schichtung auf. Etwa ab in einem See ist die Photosynthese. Im Frühling stehen
Ende November ist die Wassertemperatur von der den Algen meist genügend Nährstoffe zur Verfügung,
Oberfläche bis zum Grund wieder annähernd gleich da diese während der Frühjahrszirkulation in die Pro-
und bei entsprechenden Windverhältnissen, kann es duktionsschicht geliefert werden. Nach den dunklen,
wieder zu einer Zirkulation des Wasserkörpers kom- nährstoffarmen, kalten Wintertagen bietet sich den Al-
men (Herbstzirkulation). Kühlt das Wasser an der gen nun ein lichtdurchfluteter, reich gedeckter Tisch.

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Abb. 3: In der Sprung-
schicht misst man im
Weissensee über 100 %
Sauerstoffsättigung. An
der Oberfläche beträgt
diese 100 %, da die warme
Oberflächenschicht zirku-
liert und den Sauerstoff an
die Atmosphäre abgibt.
Mit der Tiefe nimmt der
Sauerstoffgehalt bis auf 0
ab.

Und sie wissen damit umzugehen. Und wachsen. Es diffundiert. Erst wenn es mit der Atmosphäre in Kon-
eignen sich allerdings nicht alle Gegenden im See dazu takt kommt, wird das „Zuviel“ an Sauerstoff an diese
super produktiv zu sein. Ab einer bestimmten Tiefe abgegeben. An der Wasseroberfläche sind daher immer
(Kompensationsebene) reicht die Lichtmenge bzw. die 100 % Sauerstoffsättigung zu messen, wenn nicht, dann
Lichtqualität, durch großzügigen Verbrauch weiter diffundiert solange Sauerstoff aus der Luft ins Wasser
oben, nicht mehr aus, um Photosynthese zu betreiben. bis die Sättigung erreicht ist. Da nun das Wasser aus der
Es wird daher in der dunklen Tiefe des Sees kein Sauer- Sprungschicht nicht mit der Atmosphäre in Kontakt
stoff produziert. Verbraucht aber schon und zwar von kommt, weil ja nur die warme Oberflächenschicht zir-
allen Tieren, Bakterien und Pilzen (im Dunkel auch kuliert, bleiben hier die hohen Sauerstoffkonzentratio-
von Algen und höheren Pflanzen). Der tiefe, dunkle nen längerfristig erhalten. Eine Anreicherung von Sau-
Wasserkörper ist nun aber den ganzen Sommer über erstoff in einem Gewässer kann grundsätzlich auch
von der sauerstoffgesättigten Produktionsschicht abge- durch Zuflüsse und Quellen erfolgen. Für den Weis-
grenzt und bekommt von dort auch nichts geliefert. sensee spielen diese aber keine Rolle.
Daher nimmt die Sauerstoffkonzentration hier konti-
nuierlich ab (Abb. 3). Und zwar so lange bis der See im Langmuir-Zirkulation
Frühling oder Herbst wieder zirkuliert und das Lie- Neben der Zirkulation der warmen Oberflächen-
ferembargo aufgehoben wird. Wie oben erwähnt wird schicht, die häufig beim Angeln beobachtet werden
der Weissensee nur alle paar Jahre voll durchmischt. kann, zeigen Seen aber noch weitere, etwas komplexere
Daher war in den letzten Jahren der Lebensraum für Strömungsphänomene. Eine sehr auffällige und häufig
die Fische auf die obersten 30 bis 40 m beschränkt. zu sehende Erscheinung liefert die sogenannte Lang-
Wenn im Winter der See von einer dicken Eis- und muir-Zirkulation. Durch sie bilden sich lange Streifen
Schneeschicht bedeckt ist, können die Algen und Was- aus schwimmendem Treibgut (Blätter, Blütenstaub,
serpflanzen, mangels Licht, nicht bzw. kaum Photosyn- Plankton…) an der Wasseroberfläche. Motor für diese
these betreiben. Da das Ökosystem Weissensee aber ein Zirkulation ist wieder der Wind. Aus mir auch nicht
sehr nährstoffarmes ist und im Winter auf Sparflamme ganz verständlichen Gründen, die aber von Physikern
agiert, braucht sich niemand Sorgen zu machen. Fast ganz gerne berechnet werden, bilden sich im Wasser-
das ganze Jahr über haben wir in der lichtdurchfluteten körper im rechten Winkel zur Windrichtung walzen-
(euphotischen) Zone eine Sauerstoffsättigung bzw. - förmige Strömungen aus. Parallel verlaufend zirkulie-
übersättigung. Die höchsten Konzentrationen misst ren diese jeweils in entgegengesetzter Richtung. Wenn
man im Bereich der Sprungschicht (bis 130 % Sätti- also z.B. ein Westwind bläst, dann sind die Langmuir-
gung). Das Wasser enthält hier also mehr Sauerstoff als Walzen in Windrichtung (also West-Ost) ausgerich-
es eigentlich in der Lage ist zu binden. Das hat damit zu tet, zirkulieren aber in Nord-Süd-Richtung bzw. Süd-
tun, dass hier die Algen gut gelaunt produzieren, der Nord-Richtung. Daher treibt an der Oberfläche, an
Sauerstoff aber nur langsam durch das Wasser manchen Stellen, der ganze Dreck zusammen und an

9
um die Fischbiomasse zu erhöhen, ist definitiv keine
gute Idee. So wie die Gräser auf der Wiese die Nah-
rungsgrundlage für Pflanzenfresser bedeuten, sind die
Algen und höheren Wasserpflanzen die Grundlage für
sehr viele verschiedene Arten von Pflanzenfressern in
einem Gewässer. Im Freiwasserbereich eines Sees sind
Algen als Primärproduzenten von herausragender Be-
deutung. Sie starten ihre produktive Phase im Frühling
und vermehren sich so lange bis die Nährstoffe mehr
Abb. 4: Langmuir-Zirkulation. Durch diese kommt es an der oder weniger aufgebraucht (also in die Algen einge-
Wasseroberfläche und auch im tieferen Wasserkörper zu einer baut) sind. Darauf haben die Pflanzenfresser (viele
Konzentration von Partikeln (Treibgutstreifen)
Zooplanktonorganismen) schon gewartet, fressen so
viele Algen wie sie nur können und vermehren sich ent-
sprechend dem reichhaltigen Futterangebot. Die Algen
werden daher wieder weniger. Auf das haben nun wie-
der die Räuber unter den Zooplanktern gewartet und
vermehren sich rasant. Wie sie richtig vermuten, neh-
men daher die Pflanzenfresser wieder ab. In unseren
heimischen Gewässern haben wir jedes Jahr eine ziem-
Foto 1: Treibgutstreifen hervorgerufen durch die Langmuir-
Zirkulation lich ähnliche zeitliche Abfolge von Nährstoffen im
Wasser und den Häufigkeiten von Primärproduzenten
manchen auseinander (Abb. 4, Foto 1). Nun ist das (Algen), pflanzenfressenden Sekundärproduzenten
aber nicht nur an der Oberfläche so, sondern auch an und räuberischen Sekundärproduzenten. Die Protago-
der Unterseite der Strömungswalzen. Daher kommt es nisten können aber von Jahr zu Jahr sehr unterschied-
auch in tieferen Seebereichen zu einer Anreicherung lich sein. So war im Frühling 2009 im Millstättersee die
von Partikeln an bestimmten Stellen. Das trifft natür- Blaualge Planktothrix rubescens in extrem hohen Dich-
lich auch auf das Zooplankton zu, einer der wichtigsten ten vertreten, im Frühling 2010 waren diese nur in ge-
Nahrungskomponente vieler Fische (z. B. Reinanken). ringen Mengen nachweisbar, stattdessen trat eine Kie-
Das heißt: Das Futter ist nie gleichmäßig im See verteilt selalge (Tabellaria sp.) massenhaft auf und im Frühling
und die Fische sind auch nie gleichmäßig im See ver- 2011 waren beide nur in geringen Dichten vorhanden
teilt. und es bildete eine Goldalge (Dinobryon sp.) einen
Massenbestand. Gewässer sind also allein in Bezug auf
Der See lebt – Es lebe der See! das Plankton schon höchst komplexe Ökosysteme, die
Pflanzen können mit Hilfe von Sonnenlicht aus anor- sich durch minimal unterschiedliche Rahmenbedin-
ganischen Verbindungen ihre Biomasse aufbauen. Da- gungen von Jahr zu Jahr völlig anders entwickeln kön-
bei ist entscheidend, welche Nährstoffe und in wel- nen. Nun gibt es neben den Algen und den Zooplank-
chem Verhältnis diese zur Verfügung stehen. Kohlen- tern (Krebstiere, Rädertiere, Geißeltiere) noch eine
stoff und Stickstoff sind in Gewässern fast immer in Unzahl von anderen Organismen (Viren, Bakterien,
ausreichenden Mengen vorhanden. Die Spurenele- viele verschiedene Insektenlarven, Muscheln, Schne-
mente auch. Limitierend für das Pflanzenwachstum cken, Krebse, Strudelwürmer, Fische,…), die alle das
sind meist die Phosphate. Wenn diese aufgebraucht System beeinflussen. Wenn Sie also bei einem See die
sind, dann nützen auch große Mengen der anderen Nährstoffsituation ändern, dann ändert sich das ge-
Nährstoffe nichts. Das Pflanzenwachstum stagniert. samte System und wenn Sie Fische besetzen (z. B.
Im Garten und auf der Wiese führt eine Phosphatdün- planktonfressende Reinanken), dann ändert sich auch
gung meist zu einer Ertragssteigerung, in Gewässern das gesamte Ökosystem. Und das sollte man wissen be-
meist zu sehr großen Problemen. Einen See zu düngen, vor man beginnt zu experimentieren.

10
2 HISTORISCHES FISCHVORKOMMEN
Am 03. November 1485 besuchte Paolo Santonino, Forellen typisch ist) der Goldforelle. Hartmann’s Aus-
Sekretär von Pietro Carlo (Erzbischof von Caorle), führungen regen zu Spekulationen an bzw. sind auf alle
Gatschach am „lacus albus“ (Weissensee) und war of- Fälle durchaus verwirrend. Im Jahr 1953 beschrieb
fensichtlich höchst angetan von den köstlichen und au- Ingo Findenegg den Zander (Sander lucioperca), die
ßergewöhnlich großwüchsigen Seeforellen, die er kre- Schleie und die Seeforelle als wichtigste Nutzfische.
denzt bekam. Er schrieb in sein Tagebuch: „...der See Daneben kamen Rotaugen (Rutilus rutilus), Rotfedern,
selbst erfreut sich keiner anderen Fischgattung als der Aitel, Gründlinge, Elritzen und Bachforellen vor. Er
Seeforellen, aber diese sind ebenso gut wie schön,…“. wies damals, so wie schon einige Jahre vor ihm Hart-
Von den nächsten 3 Jahrhunderten liegen keine schrift- mann, auf einen starken Rückgang der Seeforelle hin,
lichen Aufzeichnungen über die Fische des Weissen- wobei in den 1960er und Anfang der 1970er Jahren
sees vor, abgesehen von einigen Seeforellenlieferungen durchaus noch ein sehr guter Bestand zu verzeichnen
an das Bistum Salzburg bzw. Stift Millstatt. Erst gegen war. Fische mit Gewichten über 10 kg waren keine Sel-
Ende des 18. Jahrhunderts verfasste Franz Xaver Frei- tenheit und im Jahr 1974 wurde mit der Angel sogar
herr von Wulfen ein Manuskript zur Fischfauna in ein Exemplar von 20 kg gefangen. Das war es dann aber
Kärnten. In diesem beschrieb er für den Weissensee die mit der Seeforelle im Weissensee. Innerhalb kürzester
Seeforelle (Salmo trutta forma lacustris) und den See- Zeit war sie verschollen und sollte in ihrer ursprüngli-
saibling (Salvelinus umbla). chen Form auch nicht mehr auftauchen.

Verwirrung Total bei den Forellen! Autochthon, oder doch nicht?


Nicht ganz hundert Jahre später, im Jahr 1883, veröf- Nach derzeitigem Stand des Wissens ist für den Weis-
fentlichte Vincenz Hartmann eine Abhandlung mit sensee auch das Rotauge (Rutilus rutilus) als autoch-
dem Titel „Das Thal des Weissensees“. In dieser er- thone Art anzusehen. Dabei muss man aber ein biss-
wähnte er 7 Fischarten und den Edelkrebs (Astacus chen was annehmen und spekulieren. Denn was weiß
astacus). Von den Forellenartigen beschrieb er die See- man schon, wenn man (fast) nichts zum Nachlesen
forelle, die Bachforelle3 (Salmo trutta forma fario) und hat? Man kann sich natürlich auch fragen, wie die
die Lachsforelle4. Von den Karpfenartigen erwähnte er Schleie und der Seesaibling auf natürlichem Wege (also
die Rotfeder (Scardinius erytrophthalmus), den Aitel ohne menschliche Hilfe) in den Weissensee gekommen
(Squalius cephalus), die Schleie (Tinca tinca), den sein sollen. In den nahegelegenen Millstättersee haben
Gründling (Gobio gobio) und die Elritze (Phoxinus pho- es beide Arten nicht von alleine geschafft. Wie auch im-
xinus). Als häufigste Fischarten nannte er die Rotfeder, mer. Wir gehen heute von acht autochthonen (also für
den Gründling, den Aitel und die Seeforelle. Diese den Weissensee heimischen) Fischarten aus. Alle ande-
wurde laut Hartmann als Goldforelle bezeichnet, war ren wurden bewusst eingesetzt bzw. ungewollt einge-
eher kleinwüchsig und soll in dieser Erscheinungsform schleppt. Es passiert bei Besatzmaßnahmen sehr häufig,
angeblich nur im Weissensee vorgekommen sein. Als dass Fremdarten mitgeliefert werden. Von den Karp-
zweite „Salmonidenart“ beschrieb er die Lachsforelle, fenteichwirtschaften wurde zum Beispiel der Kaul-
welche ein Gewicht von über 15 kg erreichte und von barsch (Gymnocephalus cernua) schön gleichmäßig auf
der Goldforelle eine abweichende Bezahnung am so gut wie alle Gewässer in Österreich verteilt. Interes-
Pflugscharbein aufwies. Eine einreihige Bezahnung santerweise wiesen sowohl Hartmann als auch Fin-
(wie sie für die atlantischen Lachse typisch ist) ordnete denegg auf das Fehlen von Großmuscheln hin. Diese
er der Lachsforelle zu, eine zweireihige (wie sie für die gelangten also erst nach 1950 in den Weissensee.

3
Seeforelle, Bachforelle und Meerforelle gelten heute als verschiedene Ökoformen der gleichen Art
4
Nicht zu verwechseln mit der rotfleischigen, da karotingefütterten Regenbogenforelle aus den Fischzuchtanlagen

11
3 FISCHBESTAND 2018
Es gibt heute kaum noch ein Gewässer das nicht in ir- nie möglich, einen einzigen Grund für eine Entwick-
gendeiner Form anthropogen beeinflusst ist. Besonders lung (ob positiv oder negativ oder beides) anzugeben,
der Besatz verschiedenster Fischarten war lange Zeit sondern die Ursachen sind durchwegs multifaktoriell.
sehr beliebt. Dadurch sollten die Gewässer für die Fi-
scherei attraktiver werden, mehr Ertrag liefern, mehr Gibt’s nicht, gibt’s nicht!
Abwechslung bieten und die Chance auf sehr große Durch die vielschichtigen Besatzmaßnahmen (in der
Trophäenfische erhöhen. Den Ansatz kann man ja Vergangenheit) wartet der Weissensee aber auch im-
auch durchaus nachvollziehen und auch positiv bewer- mer wieder mit Überraschungen auf. Wie aus dem
ten. Am Weissensee ist es durch die Besatzmaßnahmen Nichts tauchen plötzlich Fische auf, die es hier gar
zweifellos gelungen ein sehr attraktives Angebot zu ge- nicht geben dürfte. So zieht ein Rapfen (Aspius aspius -
stalten. Auch für die verwöhntesten Angler. Das hat grundsätzlich in Kärnten nicht heimisch) seit ein paar
aber seinen Preis. Jede Veränderung (jeder Besatz) hat Jahren direkt vor dem Ronacherfels seine Runden.
langfristige Auswirkungen auf ein Ökosystem. Diese Dann gab es immer wieder Berichte von Tauchern die
zeigen sich meist nicht von heute auf morgen, sondern einen Wels (Silurus glanis) in den Tiefen des Weissen-
oft erst nach mehreren Jahrzehnten. Die Auswirkun- sees gesehen haben wollten. Im Juni 2011 wurde dieser
gen sind nicht immer schlecht, aber eben auch nicht (oder vielleicht auch ein ähnlicher) Waller dann tat-
immer gut. Das Problem ist, dass es ungleich schwieri- sächlich mit der Angel gefangen. Da der Fisch seinen
ger bzw. unmöglich ist, gut gemeinte Besatzmaßnah- Fänger während der gesetzlich festgelegten Schonzeit
men wieder rückgängig zu machen. Im Weissensee hat überraschte, wurde er korrekterweise wieder zurückge-
sich die Fischartenzahl von ursprünglich acht auf der- setzt. Und so gibt es mit hoher Wahrscheinlichkeit
zeit achtzehn erhöht. Von den autochthonen Arten auch heute noch zumindest einen Wels (und gar kei-
sind vier ausgestorben. Die heute wichtigsten Wirt- nen kleinen) im Weissensee. Den anderen Fischen, ob
schaftsfische sind, abgesehen von der Schleie, alle nicht autochthon oder nicht, wird’s egal sein. Den Fischöko-
heimisch für den Weissensee und zum Teil auch nicht logen auch. Für gute Geschichten – ob wahr oder nicht
standortgerecht (zum Beispiel der Hecht und der – ist so ein Fisch aber ein Segen.
Flussbarsch). Von einem natürlichen, intakten Ökosys-
tem kann man also nicht mehr reden. Dazu waren die Häufige Fischarten
Veränderungen zu gravierend. Als Angler und Fischge- mit fischereiwirtschaftlicher Bedeutung
nießer kann man diese Entwicklung durchaus als gro-
ßen Segen betrachten. Es wird uns heute ungleich mehr Reinanke (Coregonus lavaretus)
geboten als vor etwa hundert Jahren. Hecht (Esox lucius)
Karpfen (Cyprinus carpio, Besatzbestand)
Wirtschaftsfischarten Flussbarsch (Perca fluviatilis)
Die wichtigsten Wirtschaftsfischarten sind heute Schleie (Tinca tinca)
Reinanken, Karpfen, Hechte, Flussbarsche und Aitel (Squalius cephalus)
Schleien. Häufig bzw. relativ häufig kommen Aitel, Rotauge (Rutilus rutilus)
Rotaugen, Rotfedern, Lauben, Kaulbarsche und Zan- Rotfeder (Scardinius erythrophthalmus)
der vor. Und wie das halt so üblich ist in einem Öko- Zander (Sander lucioperca, z.T. Besatz)
system, schwanken die Abundanzen (die Anzahl der Laube (Alburnus alburnus)
Individuen) bei diesen Arten zum Teil ganz beträcht-
lich. Das liegt nun nicht am Netzfischer, den Angelfi- Seltene Fischarten
schern, den Haubentauchern, oder an zu wenigen Be- mit fischereiwirtschaftlicher Bedeutung
satzfischen, sondern an den klima- bzw. witterungsbe- Seeforelle (Salmo trutta forma lacustris, selten, Besatz)
dingten Rahmenbedingungen oder an der inner- und / Seesaibling (Salvelinus umbla, selten, Besatz)
oder zwischenartlichen Konkurrenz. Es ist so gut wie Amur (Ctenopharyngodon idella, selten, Besatz)

12
Fischarten Ausgestorbene oder verschollene Fischarten
ohne fischereiwirtschaftliche Bedeutung Seeforelle (Salmo trutta forma lacustris, Urform)
Kaulbarsch (Gymnocephalus cernua, häufig) Seesaibling (Salvelinus umbla, Urform)
Brachse (Abramis brama, noch selten) Gründling (Gobio gobio)
Karausche (Carassius carassius) Elritze (Phoxinus phoxinus)
Giebel (Carassius auratus gibelio, vereinzelt) Bitterling (Rhodeus sericeus amarus)
Wels (Silurus glanis, vereinzelt)
Rapfen (Aspius aspius, noch vereinzelt)

4 BEWIRTSCHAFTUNG
Das einzige Fischereirecht ist seit 1894 im Besitz der Fischgrößen sehr selektiv gefangen werden und andere
„Agrargemeinschaft der 5 Dorfschaften vom Weissen- in den Statistiken überhaupt nicht auftauchen.
see“, welche derzeit aus knapp 60 Mitgliedern besteht.
Genau genommen nicht das ganze Fischereirecht, denn Fischökologische Untersuchungen
interessanterweise gibt es einige private Fangrechte, die Seit dem Jahr 1996 werden nun mehr oder weniger re-
an sogenannten „Brunnen“ (das sind unterseeische gelmäßig fischökologische Untersuchungen durchge-
Quellaustritte) ausgeübt werden können. Diese Seebe- führt. Den Beginn machte ein Gemeinschaftsprojekt
reiche wurden früher von den Seeforellen als Laich- des Instituts für Fischforschung (Volker Steiner) und
plätze genutzt und es war lange Zeit Tradition hier des Kärntner Instituts für Seenforschung in den Jahren
während der Laichzeit vom Fischereirecht Gebrauch 1996 bis 1999, dann folgten von 1999 bis 2004 um-
zu machen. Gefangen wurden die Fische mit Kiemen- fangreiche Untersuchungen der Reinankenpopulation
netzen, Reusen oder mit dem „Gärn“ (Stechgabel). Ob im Rahmen der Diplomarbeiten von Martin Müller
es vernünftig ist, den reproduzierenden Fischen nach- und Miachel Buchart (beide Universität Wien). Seit
zustellen, ohne den Laich zur Nachzucht zu verwen- dem Jahr 2004 werden große Mengen an Fischdaten
den, bleibt dahingestellt. Da kommt es auf die Intensi- vom Fischereibetrieb Martin Müller gesammelt und
tät an. Heute sind Befischungen während der Laichzei- ausgewertet und in den Jahren 2008 und 2016 brach-
ten nur mit Ausnahmegenehmigungen der Landesre- ten uns fischökologische Untersuchungen und Fisch-
gierung möglich. Diese werden zur Ausübung des bestandserhebungen des Bundesamtes für Wasserwirt-
Laichfischfanges bzw. für wissenschaftliche Untersu- schaft (Hubert Gassner) sehr wertvolle Erkenntnisse.
chungen ausgestellt. An den Brunnen wird seit einigen Schön langsam brachten wir also Licht in die geheim-
Jahren daher nicht mehr gefischt. nisvollen Tiefen. Die umfangreichsten Datensätze lie-
Bis zu den 1990er Jahren wussten wir über die Fische gen uns von Fischen vor, die mit Kiemennetzen im
des Weissensees so gut wie nichts. Besonders der ausge- Freiwasserbereich des Weissensees gefangen wurden.
dehnte Freiwasserbereich war mehr oder weniger eine Jeder einzelne von ihnen (vor allem handelte es sich um
Black Box. Ab 1990 wurden Fanglisten eingeführt um Reinanken) wurde vermessen, gewogen und auf Beson-
zumindest einen groben Überblick über die Ertragsver- derheiten untersucht. In 14 Jahren kommt da einiges
hältnisse zu erhalten. Ein erster großer Schritt in Rich- zusammen. Über relative Fischbiomassen, Konditions-
tung gezielte Bewirtschaftung. Die Fanglisten liefern faktoren und das Wachstumspotential der Renkenpo-
zweifelsohne sehr wertvolle Daten, die ganz entschei- pulation konnten wir mit diesen Daten sehr viel in Er-
dend für die Bewirtschaftung sind, geben uns aber fahrung bringen. Da aber bei den Kiemennetz- und
keine Auskunft über den Populationsaufbau der einzel- auch bei den Angelfängen nur fangfähige Fische unter-
nen Fischarten (Alters- und Längenklassenverteilung, sucht werden, hinken die Beurteilungen der einzelnen
Wachstum, Kondition,…). Sie sagen auch nicht viel Jahrgangsstärken und der Populationsdynamik immer
über die tatsächlichen Fischbiomassen im Weissensee zwei bis drei Jahre hinterher. Dann ist es für einen steu-
aus, weil von uns Anglern einzelne Fischarten und ernden Eingriff aber schon zu spät. Nur wenn wir einen

13
Gesamtüberblick über eine Fischpopulation haben, tiefster Überzeugung behaupten: „Der Weissensee ist
wenn wir also in der Lage sind, die Häufigkeiten, das als Angelgewässer derzeit sensationell. Nicht ganz ein-
Wachstum und die Nahrungsverfügbarkeiten aller Al- fach zu befischen und auf alle Fälle eine Herausforde-
ters- und Längenklassen zu beurteilen, können wir rung. Aber genau das macht Angeln ja aus“. Als Fi-
rechtzeitig eingreifen. Das klingt jetzt auch alles einfach schökologe muss ich das Ökosystem Weissensee etwas
und logisch. Nur vor 20 Jahren konnte uns niemand in kritischer betrachten. Die Untersuchungen, die durch
irgendeiner Form hilfreich zur Seite stehen. Weil es das Bundesamt für Wasserwirtschaft im Jahr 2016 im
sehr aufwändig ist über einen langen Zeitraum Fisch- Rahmen der EU-Wasserrahmenrichtlinie durchge-
populationen zu untersuchen. Und solche Untersu- führt wurden, ergaben einen unbefriedigenden fisch-
chungen gab es damals für die alpinen Seen schlichtweg ökologischen Zustand. Das Ergebnis muss man nun ein
nicht. Erst in den letzten Jahren hat sich da einiges ge- bisschen differenzierter sehen. Fischbiomasse, Wasser-
tan. Im Nachhinein kann man dann auch wieder schlau qualität, Pflanzenbewuchs und Hydromorphologie
sein, denn hätten wir ab dem Jahr 2000 das Wissen von sind sehr gut bis gut. Also alles bestens. Bei der Fischar-
heute gehabt und dementsprechend reagiert, dann hät- tenzusammensetzung haben wir am Weissensee ein
ten wir, konsequentes Vorgehen vorausgesetzt, den Zu- bisschen Pech, weil von den acht Arten, die den See ur-
sammenbruch der Renkenpopulation ab dem Jahr sprünglich besiedelten, vier ausgestorben sind. Zumin-
2006 ziemlich sicher verhindern können. Und wir hät- dest zehn neue Arten (für den Weissensee nicht au-
ten uns sehr viel Polemik und viele Vorurteile und Ver- tochthone) sind aber dazugekommen. Bei allen heute
urteilungen erspart. Seit dem Jahr 2008 werden deshalb wichtigen Wirtschaftsfischen handelt es sich um For-
jedes Jahr Befischungen mit Multimaschenkiemennet- men, von denen der Weissensee einige Jahrzehnte zu-
zen im Herbst durchgeführt. Daher wissen wir heute vor noch nicht einmal ahnte, dass es diese gibt. Und ei-
vor allem über die Reinankenpopulation so gut wie al- nige von ihnen sind alles andere als standortgerecht.
les, was wir wissen müssen, um zielgerichtet und nach- Wenn man die Situation objektiv betrachtet (und dazu
haltig zu bewirtschaften. Ich glaube es ist nicht vermes- muss man kein ausgebildeter Ökologe sein), dann ist
sen, wenn ich behaupte, dass kein Gewässer in den letz- die schlechte Bewertung auch nachvollziehbar. Natür-
ten zwanzig Jahren so gründlich fischökologisch unter- lich beruht diese auf einem Bewertungsschema und auf
sucht wurde wie der Weissensee. Natürlich gibt es auch einige Annahmen. Und natürlich kann man darüber
Skeptiker (unter den Anglern und unter den Mitglie- stundenlang diskutieren oder streiten oder sich auch
dern der Agrargemeinschaft) die der Meinung sind, verprügeln. Hilft aber alles nichts, weil die Situation
dass die Kiemennetzbefischungen und die Untersu- heute nun einmal so ist. Eine große Überraschung ist
chungen Unfug sind und dem See nur Schaden zufü- die Bewertung auch nicht wirklich, weil ich ja sowieso
gen. Ich denke, ich werde sie im Kapitel über die schon seit sehr vielen Jahren auf diese Problematik hin-
Reinanken davon überzeugen können, dass wir ohne weise. Jetzt ist es halt offiziell.
die Untersuchungen und auch ohne die Kiemennetz-
befischungen nicht in der Lage sind einen ertragreichen Mehrere Möglichkeiten
Bestand an großwüchsigen Reinanken längerfristig zu Nun geht es aber darum, wie man damit umgeht. Ist
erhalten. Nur eine gut organisierte Angelfischerei und man bereit dazu die nötigen Rahmenbedingungen zu
eine konsequente, genau auf die Population abge- schaffen um einen guten fischökologischen Zustand zu
stimmte Befischung mit Kiemennetzen machen das erreichen und beginnt mit dem ersten notwendigen
möglich. Schritt: Der Reduktion des Raubfischbestandes (vor al-
lem des Hechtbestandes) auf ein vertretbares Maß. O-
Angler und Fischökologen der sagt man: „Wir haben aus unserer Sicht schon mehr
Natürlich ist uns bewusst, dass der Angeltourismus am getan, als man sich erwarten konnte. Wir brauchen zu-
Weissensee ein sehr wichtiger Wirtschaftsfaktor ist. friedene Angler und daher einen super Hecht- und
Und natürlich ist es das oberste Ziel, den Fischern best- Flussbarschbestand. Mit der Seeforelle wird das ja so-
mögliche Voraussetzungen zu schaffen, damit sie ihr wieso nichts. Wir müssen wirtschaftlich denken. Die
Hobby erfolgreich ausüben können. Ich selbst kann aus Seeforelle, der Seesaibling, der Gründling und die

14
Elritze sind halt nicht mehr da. Wen interessierts? Au- Ich bin vielmehr der festen Überzeugung, dass sehr vie-
ßer die paar Ökologen.“ In diesem Fall handelt man len Anglern, vielleicht sogar den meisten, eine ökolo-
zwar vielleicht nicht ganz im Sinne des Kärntner Lan- gisch ausgerichtete Gewässerbewirtschaftung sehr am
desfischereigesetzes bzw. der EU-Wasserrahmenricht- Herzen liegt. Aber egal in welche Richtung die Bewirt-
linie, mit ernsthaften Konsequenzen muss man aber schaftung in den nächsten Jahren gehen wird: Der
auch nicht wirklich rechnen. Ich kann mir aber beim Weissensee wird immer ein großartiges Gewässer blei-
besten Willen nicht vorstellen, dass Fischökologie für ben, das uns Anglern sehr viel bieten kann. Wenn wir
den Weissensee nur ein wertloser, von weltfremden bereit dazu sind, es anzunehmen.
Wissenschaftlern ausgereizter, Fachbegriff sein sollte.

5 KIEMENNETZE
Seit dem Jahr 2004 werden östlich vom Ronacherfels
von Juni bis Oktober etwa in Seemitte (Tiefe ca. 75 m)
am Abend Kiemennetze in Tiefen zwischen 8 und 20
m (Oberleine des Netzes) ausgelegt (Abb. 5). Am frü-
hen Morgen erfolgt die Entnahme der gefangenen Fi-
sche und deren Weiterverarbeitung. Im Durchschnitt
werden die Netze zweimal pro Woche zwischen drei fix
verankerten Bojen gespannt und warten passiv in einer
Abb. 6: Zwischen zwei fix verankerten Bojen wird das Netz ge-
mit kleinen Bojen (Bauchen) festgelegten Tiefe auf vor- spannt. Die Unterleine des Kiemennetzes ist beschwert und
beischwimmende Fische (Abb. 6). Welche Fischarten sinkt ab. Mit kleinen Bojen wird das Netz in der gewünschten
gefangen werden, ist direkt abhängig von deren Tiefe gehalten.
Schwimmaktivität. In der Regel bestehen die Fänge zu sich in den meisten Fällen auch wieder befreien. Bei je-
über 95 % aus Reinanken, seltener verfangen sich See- der Befischung wird registriert welche Netzmaschen-
forellen, Flussbarsche, Hechte, Karpfen, Zander oder weiten verwendet und welche Netzflächen gesetzt wur-
Seesaiblinge. Seeforellen und Seesaiblinge werden, so- den. Dadurch kann die Entwicklung der Reinankenpo-
fern sie unverletzt sind, ausnahmslos wieder zurückge- pulation relativ leicht anhand der Fangergebnisse von
setzt. Jahr zu Jahr verglichen werden. Außerdem wird von je-
Durch die Wahl der Netzmaschenweite (derzeit 40 dem gefangenen Fisch die Länge gemessen und das
mm, also 4 x 4 cm) lässt sich die Größe der gefangenen Vollgewicht bestimmt. Mit diesen Daten wird der
Fische relativ genau vorherbestimmen. Wenn der Um- Konditionsfaktor berechnet, wodurch längerfristig
fang eines Fisches am Ansatz der Rückenflosse kleiner auch die Nahrungssituation beurteilt werden kann.
ist als die Netzmaschenweite (bei einem 40 mm Netz Das Ausfangkontingent wird jährlich festgelegt und
also < 160 mm), dann kann er durch die Masche hin- richtet sich nach dem Reinankenbestand und nicht
durch schwimmen (Abb. 7). Jungfische werden daher nach der Nachfrage.
mit diesen Netzen nicht gefangen. Große Maränen, die
mit dem Kopf nicht durch die Masche passen, können
Bereich der
Kiemennetzbefischungen

Abb. 7: Größenklasse von Reinanken die mit einem Kiemen-


netz gefangen werden. Links ist das Kiemennetz dargestellt
wie es während einer Befischung im Wasser liegen sollte. Nur
Fische, welche die Netzmasche mit den Kiemendeckeln pas-
Abb. 5: Bereich in dem seit Juli 2004 Kiemennetzbefischungen sieren und deren Körperumfang größer als ein Maschenum-
durchgeführt werden. fang ist, können gefangen werden.

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6 DER WEG ZUM FANGERFOLG
Manche Seebereiche scheinen Fische magisch anzuzie- Köder auszutesten. An manchen Tagen hat man aber
hen, wogegen andere von diesen konsequent gemieden auch Pech, da ist das Wasser trüb, oder es ist windig o-
werden. In vielen Fällen hängt die Verteilung ganz of- der es lassen sich einfach keine Fische blicken. Egal wo-
fensichtlich mit Strukturen, Nahrungsverfügbarkeiten hin man fährt. Dann wird es schwieriger, aber nicht
oder Wassertemperaturen zusammen. In anderen Fäl- aussichtslos. Man sollte auf alle Fälle experimentier-
len kann man sich dagegen beim besten Willen nicht freudig sein. So macht es durchaus Sinn die Renken in
erklären, warum bestimmte Stellen von Jahr zu Jahr re- verschiedenen Tiefen und Strukturen (Schlamm bzw.
gelrechte hot spots werden. Wie auch immer, Fische Armleuchteralgen) zu suchen. Wenn es die Situation
sind niemals gleichmäßig über die Gewässerfläche ver- erfordert, sollte man auch nicht zögern die Reinanken
teilt und daher macht es wenig Sinn, die Angel ir- im ganz flachen Wasser oder an der Wasseroberfläche
gendwo auszuwerfen. Das ist reine Glückssache mit zu befischen. Wer zu stur ist, bremst sich selbst. Wer
sehr geringen Erfolgsaussichten. Ich denke es wird je- beobachtet und kombiniert, tut sich leichter.
dem einleuchten, dass man dort angeln sollte wo sich Fahren Sie mit dem Boot und suchen Sie die Fische, be-
Fische aufhalten. Außer man will seine Ruhe haben. achten sie Kleinfischschwärme und jagende Hauben-
Dann ist das was anderes. Wenn man sich die Zeit taucher. Achten Sie auf springende Karpfen, Amur o-
nimmt, dann ist es meist nicht allzu schwer vielverspre- der Reinanken. Suchen Sie die Fraßspuren der grün-
chende Plätze zu finden. Natürlich hilft dabei die Er- delnden Fischarten. Schauen Sie einmal nach, was Ihre
fahrung. Flussbarsche, Schleien, Karpfen, Amur und frisch gefangenen Fische so gefressen haben. Und fra-
Hechte kann man gezielt suchen und hin und wieder gen Sie bei Ihren Gastgebern, bei erfahrenen Anglern
auch erfolgreich auf Sicht fangen. Vor allem Flussbar- oder bei mir nach guten Tipps und den besten Plätzen
sche zeigen sehr wenig Scheu vor dem Boot und erlau- und Ködern.
ben es, besonders im Frühling, die aktuell fängigen

7 ANGELN MIT RESPEKT


Angeln ist unterhaltsam, entspannend, spannend, gut Der Fisch den wir fangen oder fangen wollen ist, so wie
für das Selbstvertrauen (wenn man was fängt), eine jeder andere kleine oder große Organismus in dem Ge-
Herausforderung, ewiges Probieren und vieles mehr. wässer, ein wichtiger Bestandteil des Ökosystems. Und
Leicht vergisst man dabei, dass Fische ursprünglich dieses ist ein sehr komplexes Zusammenspiel sehr vieler
wohl eher nicht dazu gemacht wurden, um uns zu be- verschiedener biotischer und abiotischer Faktoren, die
spaßen. Und man kann davon ausgehen, dass es für ei- erst durch ihr Zusammenwirken ein großes Ganzes
nen Fisch nicht wirklich lustig ist an unserer Angel zu möglich machen. Wenn wir dieses Zusammenspiel er-
hängen (oder in einem Netz). Sie leiden dabei nach- kennen und beobachten, dann wird die Zeit, die wir
weislich, sie stehen unter Stress. Das kann man auch mit der Angel am Wasser verbringen, nicht nur interes-
messen. Ob oder wie Fische Schmerzen empfinden santer, sondern mit Sicherheit auch erfolgreicher.
können, ist nicht restlos geklärt. Vergleichbar mit un-
serem Schmerzempfinden ist er aber sicher nicht. Dazu
fehlen ihnen die Rezeptoren. Wahrscheinlich tut den „Wer nie eine Seeforelle mit eigenen Augen in freier
Fischen nichts weh, wenn wir sie durch das Wasser zie- Natur beobachtet hat, der denkt sich auch weiter nichts
hen. Das sollte uns aber nicht daran hindern einem dabei, wenn diese ausgestorben ist.“
Fisch als Lebewesen mit Respekt entgegenzutreten und
dementsprechend mit ihm umzugehen.

16
8 SEEFORELLE (Salmo trutta f. lacustris)
Gründe ausschließen. Eine Eutrophierung (ein Eintrag
von Nährstoffen aus häuslichen oder landwirtschaftli-
chen Abwässern) hat nie stattgefunden. Die Wasser-
qualität blieb im Weissensee in den letzten Jahrzehnten
also unverändert. Fehlende oder ungeeignete Laich-
plätze können es auch nicht gewesen sein. Eine Überfi-
schung während der Laichzeit an den Brunnen ist reine
Spekulation, eher aber wohl unwahrscheinlich. Eine
Verschlechterung der Fitness durch den Besatz von ge-
Sie ist selten. Sie ist ein Kraftpaket. Sie wird groß, netisch ungeeigneten Seeforellen, die von den 1970er
manchmal sehr groß und sie lebt meist verborgen in bis zu den 1990er Jahren zugekauft wurden, ist durch-
den Tiefen des Freiwasserbereiches. Doch wenn sie aus anzunehmen. Zu diesem Thema gibt es auch einige
beim Rauben oder beim Laichen an die Wasseroberflä- seriöse Untersuchungen an anderen Gewässern. Als
che oder zu den flachen Laichplätzen kommt, dann bie- Hauptgründe für ihr Aussterben im Weissensee müs-
tet sie ein Schauspiel, das nicht nur Kinder oder Angler sen wir wohl den Anstieg des Prädationsdruckes durch
beeindruckt. Sie reagiert aber auch sehr sensibel auf Hecht, Flussbarsch und möglicherweise auch Zander
Veränderungen in Bezug auf Prädation, Eutrophierung (eher unwahrscheinlich) annehmen, sowie die zuneh-
oder Konkurrenz. Und so sind die Bestände in den letz- mende Konkurrenz um die Nahrung durch die Reinan-
ten Jahrzehnten in den meisten Seen stark zurückge- ken- und Flussbarschpopulationen. Wenn nun von al-
gangen oder in letzter Konsequenz auch ausgestorben. lem ein bisschen wirksam wird, dann ergibt sich viel. In
Im Weissensee war die Seeforelle mehrere tausend unserem Fall viele Probleme für die Seeforelle. Offen-
Jahre der einzige Raubfisch und daher wohl sehr lange sichtlich zu viele.
Zeit die dominierende Fischart schlechthin. Mehrere Den Verlust der Seeforelle wollte die Agrargemein-
Jahrhunderte war sie dann ein begehrter Speisefisch der schaft der fünf Dorfschaften vom Weissensee nicht
Kirchenoberen in Salzburg, Millstatt und Hermagor einfach so hinnehmen und holte sich daher Mitte der
und einige Jahre der begehrte Traum vieler Angelfi- 1990er Jahre Hilfe von namhaften Experten. Das Pro-
scher. Schon Ende des 19. und Mitte des 20. Jahrhun- jekt Seeforelle startete 1996 und lieferte sehr auf-
derts machten sich Hartmann bzw. Findenegg Sorgen schlussreiche Ergebnisse und Bewirtschaftungsstrate-
um den Seeforellenbestand des Weissensees, der ihrer gien. Schon damals waren sich alle einig (Universität
Meinung nach stark rückläufig war. Es scheint dann für Bodenkultur, Kärntner Institut für Fischforschung,
vorerst doch nicht so dramatisch geworden zu sein, Institut für Fischforschung): Das Seeforellenprojekt
denn Angler die in den 1960er und Anfang der 1970er kann nur gelingen, wenn die Raubfischpopulation, vor
Jahre das Glück hatten am Weissensee zu fischen, allem der Hecht, auf ein vertretbares Maß reduziert
schwärmen heute noch von den raubenden Forellen, wird. In diesem Sinne wurde auch das Hecht- und
von den auseinanderspritzenden Lauben, die das Was- Barschhegefischen ins Leben gerufen.
ser zum Kochen brachten und von den harten Kämp- In den Jahren 1998 und 1999 wurden im Zuge des Pro-
fen mit den torpedoförmigen, Salto schlagenden Kraft- jekts ca. 7.500 Stk. Seeforellen mit Stückgewichten von
paketen. Wehmütig trauern viele diesen Zeiten nach, 400 – 1500 g besetzt, die speziell für den Weissensee
denn Ende der 1970er oder vielleicht auch erst in den unter sehr guten Bedingungen aufgezogen wurden. Die
1980er Jahren, war sie dann weg. Nicht nur mal kurz, Qualität dieser Fische war wirklich außergewöhnlich.
sondern für immer. Die Weissenseer Seeforelle, die ihre Ein sehr kleiner Teil (wir sprechen von 0,5 bis 1 %) die-
Erscheinungsform und ihr Verhalten über Jahrhun- ser Besatzfische konnte sich im Weissensee gegen alle
derte genau an diesen See angepasst hatte, war ausge- Widrigkeiten durchsetzen und das Mindestmaß bzw.
storben. Und warum? Wir können zumindest einige die Laichreife erreichen. Es war damals eine Sensation,

17
denn wir hatten im Weissensee bzw. an den Laichplät- haltbar. Es bleibt nichts übrig. Das kam unerwartet und
zen ca. zwanzig Jahre lang keine Seeforelle mit einer ist ungemein deprimierend. Nun stehen wir wieder vor
Länge von über 60 cm mehr gesehen. Und plötzlich fin- der Wahl: Alles bleiben lassen, kapitulieren und akzep-
gen Angler Fische von über 70 cm Länge und im De- tieren oder den nächsten Schritt gehen, der schon seit
zember 2001 standen etwa 20 Forellen mit einer Länge über zwanzig Jahren im Raum steht und nie wirklich
von 60 bis 90 cm im Mündungsbereich des Mühlba- umgesetzt wurde: Die Reduktion des Hechtbestandes
ches und wollten hier ablaichen. Das waren richtig auf ein erträgliches Maß.
coole Zeiten. Wir machten uns berechtigte Hoffnun-
gen etwas bewegen zu können, doch die Realität holte Vom Ei zum Fisch
uns recht bald ein. Problem 1: Nicht jedes Jahr konnten Seeforellen sind, so wie alle anderen Salmoniden auch,
die notwendigen Mengen an Seeforellen besetzt wer- auf gut mit Sauerstoff versorgte, kiesige Laichplätze an-
den. Da nicht verfügbar. Problem 2: In manchen Jah- gewiesen. Am Weissensee bietet solche Stellen der
ren entsprachen die gelieferten Besatzfische nicht den Weissenbach (der Seeabfluss am Ostende), der von den
hohen Qualitätsansprüchen. Problem 3: Die Verluste See- und Bachforellen auch lange Zeit mit Vorliebe ge-
durch den Hecht waren auch bei den großen Besatzfi- nutzt wurde. Seit einigen Jahrzehnten wird den Forel-
schen gewaltig. Problem 4: Ein hoher Prozentanteil der len der Weg zur möglichen Kinderstube aber durch ein
laichenden Forellen (besonders Milchner) überlebte Gitter versperrt. Weitere Laichplätze bieten der Mühl-
die stressige Laichzeit nicht. bach und auch unterseeische Quellen, die Brunnen (zu-
Einige Jahre war die Seeforelle im Weissensee sehr prä- mindest taten sie dies noch vor einigen Jahrzehnten).
sent, besonders natürlich nach dem Besatz relativ gro- Im Vergleich zu anderen Seen sind die Möglichkeiten
ßer Individuen. Für die Angelfischerei sah das ganz gut also sehr begrenzt.
aus. In Wirklichkeit handelte es sich aber um einen rei- Wenn es ein paar Besatzseeforellen im See bis zur Ge-
nen Besatzfischbestand. Von einer gesunden Popula- schlechtsreife geschafft haben, kann man sie schon ab
tion mit entsprechender Längen- und Altersklassenver- Mitte Oktober in den flachen Uferbereichen, in der
teilung konnte keine Rede sein. Wir kamen im Grunde Nähe der Laichplätze, beobachten. Die eigentliche
nicht vom Fleck und die Fangzahlen und die Anzahl Laichzeit beginnt dann Mitte November und endet
der Laichfische gingen von Jahr zu Jahr nach unten. Es Anfang Jänner. Als erstes schauen die Milchner (männ-
gab nun zwei Entscheidungsmöglichkeiten: Entweder liche Fische) an den Laichplätzen vorbei und warten
bleiben lassen, kapitulieren und akzeptieren oder die hier auf die Rogner (weibliche Fische) die erst eintref-
notwendigen Mengen geeigneter Seeforellen selbst pro- fen, wenn ihre Eier, etwa 5.000 bis 8.000 Stück pro
duzieren und im großen Stil besetzen. Die Rahmenbe- Fisch, reif sind. Während der Wartezeit auf die Damen
dingungen dazu waren und sind optimal und daher fiel können sich die Milchner untereinander überhaupt
die Wahl auf eine neue Fischzuchtanlage in Neusach. nicht leiden und liefern sich ständig Kämpfe um die
Dort werden von der Agrargemeinschaft seit dem Jahr besten Plätze. Die eigenen Gene weitergeben heißt die
2013 jährlich zwischen 2.000 und 3.000 kg Seeforellen oberste Devise und führt dazu, dass sie ziemlich fahrläs-
mit Längen zwischen 15 und 35 cm produziert und di- sig mit ihrer Gesundheit umgehen. Stress pur, die
rekt von den Aufzuchtbecken in den See entlassen. Krankheitserreger warten und Krankheitsfälle mit töd-
Dort verteilen sie sich innerhalb kürzester Zeit über die lichem Ausgang sind vorprogrammiert. Wenn irgend-
gesamte Seefläche und in alle Tiefenbereiche. Sie haben wann ein ersehntes Weibchen daherkommt, nimmt
offensichtlich auch keine Probleme genügend Futter zu der größte, stärkste oder mutigste Milchner den Platz
finden. Wir betreiben also eine außergewöhnliche An- neben ihr ein und bereitet gemeinsam mit ihr eine
lage, die ganz hervorragend funktioniert. Zumindest Laichgrube vor. Diese wird ausgehoben, indem die Fi-
solange die Forellen in der Zucht sind. Denn sobald sie sche seitlich über das Sediment schlagen und so mit der
den See erreichen, werden sie innerhalb kürzester Zeit Schwanzflosse den Kies nach hinten befördern. In diese
in Hechtbiomasse umgewandelt. Die Annahme, dass Mulde werden vom Rogner, nach längerem Laichspiel,
viel mehr Besatzfische (wenn auch kleinere) auch mehr die Eier portionsweise abgegeben und von den zeit-
überlebende Fische bedingen, erwies sich als nicht gleich vom Milchner abgegebenen Spermien

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befruchtet. Danach wandern die Forellen ein Stück
nach oben und decken den Laich mit Kies zu. Dadurch
wandert die Laichgrube kontinuierlich bachaufwärts.
Im Sediment entwickeln sich die befruchteten Eier in-
nerhalb der nächsten 3 Monate (je nach Wassertempe-
ratur) zu schwimm- und fressfähigen Fischchen (Foto
2). Dann suchen sie sich einen Weg durch den Kies und
beginnen schließlich auf sich allein gestellt das höchst
gefährliche „Abenteuer Leben“. Foto 2: Seeforelleneier im Augenpunktstadium in der Fisch-
zucht in Neusach. In der Mitte eine frisch geschlüpfte Forelle
mit großem Dottersack, von dem sie sich in den ersten Le-
Vom Fischchen zum Riesen benswochen ernährt.

In den ersten Lebensjahren sind Seeforellen bei der Längen von über 30 cm gefunden. Die Maulgröße lässt
Nahrungswahl recht flexibel. Auf der Suche nach grundsätzlich aber schon auf solche Ergebnisse schlie-
Zooplankton, Insektenlarven, Anflug (geflügelte In- ßen. Was belegbar ist, ist das enorme Wachstumspo-
sekten) oder Kleinfischen wandern sie ständig zwi- tential einzelner Forellen. Mittelgroße Fische mit Län-
schen der bevorzugten kalten Tiefenzone und der häu- gen um die 70 cm können in einem Jahr nachweislich
fig nahrungsreicheren, warmen Oberflächenschicht über 10 cm an Länge und über 3 kg an Gewicht zulegen.
bzw. dem Uferbereich hin und her. Vertikale Wande-
rungen von 20 m und mehr, innerhalb kürzester Zeit,
Warum Fischzucht?
sind keine Seltenheit. Sobald sie groß genug sind, wer- Bei einer gesunden Forellenpopulation braucht man
den Seeforellen zu effektiven Raubfischen und nutzen sich nicht so wichtig nehmen und sich einbilden unbe-
je nach Angebot Flussbarsche, Lauben, Rotaugen oder dingt bei der Vermehrung helfen zu müssen. Forellen
auch Reinanken als Beute. Da sich manche Kleinfisch- haben über tausende Jahre bewiesen, dass sie auch ohne
arten bzw. Jungfische (besonders Flussbarsche) in rela- uns bestens zurechtkommen. Bei der Reproduktion im
tiv hohen Dichten im Freiwasserbereich nahe der Bach oder im See passiert es aber natürlich, dass einige
Oberfläche aufhalten, können die Forellen, sofern vor- Eier nicht befruchtet, von kleineren Fischen oder In-
handen, hier auch häufig beim Rauben beobachtet wer- sektenlarven weggefressen oder von Schimmelpilzen
den. Sie verhalten sich dabei sehr auffällig. Wenn also befallen werden. Letztendlich schafft es nur ein sehr ge-
kleine bis mittelgroße Seeforellen da sind, dann sieht ringer Prozentsatz der abgegebenen Eier tatsächlich bis
man sie auch. Große Seeforellen besiedeln dagegen, zu- zum fressfähigen Fischchen. Bei der künstlichen Be-
mindest in den Sommermonaten, mehr oder weniger fruchtung durch einen Fischzüchter überleben meist
nur die tieferen Wasserschichten und werden daher über 90 % der Eier bis zur Besatzfischgröße. Bei ange-
nur selten gesehen. schlagenen Populationen, bei denen jedes Ei und jeder
Die Annahme, dass Seeforellen im Weissensee unbe- Besatzfisch zählt, macht es also durchaus Sinn etwas
dingt die Laube als Futterfisch brauchen, ist nicht halt- mitzuhelfen. Im Falle einer gesunden Fischpopulation
bar. Schon deshalb nicht, weil die Laube erst wenige ist dagegen jede Form von Besatz abzulehnen. Der lang-
Jahrzehnte im Weissensee beheimatet ist und die See- fristige Schaden ist meist größer als der kurzfristige
forelle daher viele hunderte Jahre sehr gut ohne sie exis- Nutzen. (Bei Angelteichen ist das natürlich was ande-
tieren konnte. Vielmehr ist es den Forellen mehr oder res. Um die geht es hier aber nicht.) Bei der Zucht von
weniger egal was im Futtertrog angeboten wird. Es ist Besatzfischen und beim Besatz selbst sollte man auch
wie bei allen Fischen eine Kosten-Nutzen-Rechnung. einige Grundregeln beachten. Nach heutigem Stand
Verfügbarkeit, erforderlicher Fangaufwand und Ener- der Wissenschaft ist es der Idealfall, die Forellen schon
giegehalt der Beute sind entscheidend. Es ist auch nicht vor dem Schlüpfen aus dem Ei in geeignete Zubringer
belegbar, dass auch große Seeforellen bevorzugt kleine auszubringen. Und zwar in sogenannte artificial nests,
Beutefische (z.B. Lauben) nutzen. In den Mägen größe- also künstlich geschaffene Laichgruben. Die Erfolge
rer Forellen wurden immer wieder auch Fische mit dieser Methode sind in manchen Gewässersystemen

19
sehr überzeugend. Am Weissensee haben wir aber lei- Ablaichen nicht überlebt. Das gleiche gilt auch für Fi-
der keine geeigneten Fließgewässer. Wir sind daher da- sche, die ohne unsere Hilfe im See reproduzieren. Das
rauf angewiesen, möglichst große Forellen zu besetzen, erklärt auch, warum seit dem Jahr 2001 nie Seeforellen
zumindest sollten sie groß genug sein um den vielen mit Längen von über 90 cm gefangen wurden. Am
hungrigen Flussbarschen (und Hechten) zu entgehen. Wachstumspotential liegt es sicher nicht. Folglich be-
Fische werden in der Zucht grundsätzlich ziemlich ver- darf es einer relativ großen Grundpopulation, damit ei-
hätschelt und mehr oder weniger domestiziert. Je grö- nige wenige außergewöhnlich große Seeforellen, mit
ßer die Fische also aufgezogen werden, desto schwerer Längen von über einen Meter, übrigbleiben. Um dieses
finden sie sich in ihrem zukünftigen Lebensraum zu- Ziel zu erreichen, gingen wir von der Annahme aus,
recht. Der Grundsatz lautet daher: Möglichst viele Be- dass wir bei den gegebenen Rahmenbedingungen
satzfische so klein wie möglich und so groß wie nötig. (Raubfischbestand) sehr große Mengen an Seeforellen
besetzen müssen. So große Fischmengen sind in der ge-
Laichfischfang und Fischzucht forderten Qualität allerdings kaum erhältlich, und
Von Ende November bis Anfang Jänner wird seit dem wenn doch, dann sind diese nicht mehr finanzierbar.
Jahr 2001 das fischereiliche Hauptaugenmerk auf den Die neue Fischzuchtanlage der Agrargemeinschaft der
Laichfischfang der Seeforelle gelegt. Die in den Mühl- fünf Dorfschaften in Neusach bietet nun die Möglich-
bach einwandernden Fische werden gefangen, vermes- keit, mehr oder weniger beliebig viele Besatzfische zu
sen (Länge und Gewicht), fotografiert, abgestreift und produzieren. Die Anlage ist das ganze Jahr über zu hun-
wieder in den Weissensee zurückgesetzt. Durch das dert Prozent ausgelastet (also immer voll mit Fischen)
Foto kann jede Seeforelle eindeutig identifiziert wer- und die Besatzfische können direkt von den Aufzucht-
den und es ist leicht feststellbar, ob ein Fisch schon in becken über den Mühlbach in den Weissensee entlas-
den Jahren zuvor abgelaicht hat bzw. wie viel sie oder er sen werden. Stress (für die Fische) durch Keschern,
gewachsen ist (Foto 3). Transport oder unterschiedliche Wassertemperaturen
Obwohl mit den Mutterfischen so vorsichtig wie mög-
lich umgegangen wird, muss man davon ausgehen, dass
ein nicht geringer Anteil von ihnen die Phase nach dem

Foto 3: Bei beiden Fotos handelt es sich um den gleichen


Rogner. Das obere Bild wurde am 26.12.2001 aufgenommen.
Das untere Bild am 07.12.2002. In beiden Jahren kam diese
Forelle in den Mühlbach zum Ablaichen. Dort wurde sie ge- Foto 4: oben: Drei Seeforellen (Längen ca. 45 cm) mit Hecht-
fangen und nach dem Abstreifen der Eier wieder freigelassen. verletzungen. Zwei hatten zusätzlich noch einen Angelhaken
Im Dezember 2001 hatte dieser Fisch eine Länge von 70 cm im Magen. Gefangen mit einem Kiemennetz im Freiwasserbe-
und ein Gewicht von 5,92 kg (Gewicht mit Laich. Zurückge- reich.
setzt wurde die Forelle mit einem Gewicht von ca. 5 kg). An- Foto 5: unten: Hecht (ca. 50 cm) mit besetzter Seeforelle (ca.
fang Dezember 2002 hatte der gleiche Fisch eine Länge von 25 cm) im Maul. Der Hecht wurde in Seemitte im Freiwasser
81,5 cm bei einem Gewicht von 8,18 kg. mit einem Kiemennetz gefangen.

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fallen dadurch weg. Erreicht eine von uns besetzte See- und wir kennen zurzeit keine Seeforellenpopulation,
forelle im Weissensee die Geschlechtsreife (das ist, wie die genetisch in reiner Form als donaustämmig bezeich-
schon erwähnt, alles andere als leicht), dann ist sie an net werden kann. Wir sind aber auf der Suche. Da in
das Wasser ihrer Geburt und Kinderstube geprägt und den letzten Jahren sehr viele Fische (vor allem auch
wandert mit Sicherheit zum Mühlbach zurück, um Bachforellen) genetisch untersucht wurden, ist natür-
dort abzulaichen (homing). Fakt ist aber leider, dass lich einiges klarer, einiges aber auch komplizierter ge-
viel weniger als 1 % der in der Zucht aufgewachsenen worden. Ist man vor kurzem noch davon ausgegangen,
und in den Weissensee entlassenen Seeforellen die Ge- dass unsere autochthonen Bachforellen genetisch nur
schlechtsreife erleben. Der Großteil von ihnen fällt den dem Donaueinzugsgebiet zuzuordnen sind, weiß man
Hechten zum Opfer, die auch vor relativ großen Fi- heute, dass es in Österreich auch autochthone atlanti-
schen (über 60 cm) keinen Respekt zeigen (Foto 4, sche Bachforellen gibt. Da wir nicht wissen, wie vor,
Foto 5). während bzw. nach der Würmeiszeit die Gewässersys-
Im Dezember 2015 bis 2017 hätten die ersten Forellen, teme miteinander verbunden waren, kann man das
die in den Jahren 2013 bis 2016 besetzt wurden (ca. auch durchaus akzeptieren. Und da Bachforellen und
172.000 Stück bzw. 8.500 kg!!! mit Längen von 10 cm Seeforellen der gleichen Art angehören, kann es in Ös-
– 35 cm), den Mühlbach zum Laichen aufsuchen sol- terreich, so wie im Bodensee, theoretisch auch autoch-
len. Gerade einmal fünf Forellen, mit Längen um die 60 thone atlantische Seeforellenstämme geben. Um mit
cm, haben das im Dezember 2015 getan. Im Dezember dem Geschwafel abzuschließen: Die Weissenseer See-
2016 waren es nur drei. 2017 war es keine einzige. Die forelle ist ausgestorben (genau genommen alle Kärnt-
Ergebnisse der Angelfischerei, Beobachtungen, die Kie- ner Seeforellen) und uns steht (noch) kein hundertpro-
mennetzfänge und die sehr vielen in den Hechtmägen zentig passender Stamm zur Verfügung. Vielleicht gibt
vorgefundenen Besatzseeforellen ließen im Grunde es auch keinen. Wir müssen daher mit dem arbeiten,
nichts anderes erwarten. Wir sind nun wieder am Null- was uns zur Verfügung steht. Und das sind großwüch-
punkt angelangt und müssen uns einmal mehr ernst- sige, spät geschlechtsreif werdende Fische, die in ihrem
hafte Gedanken machen, ob wir uns für oder gegen die Erscheinungsbild sehr an die Urform der Weissenseer
Seeforelle entscheiden. Zumindest muss das die Agrar- Seeforelle erinnern. Nahezu perfekte Fische.
gemeinschaft tun, denn mein Standpunkt ist klar „pro
Seeforelle“. Ich denke, es liegt in unserer Verantwor- 8.1 Fanglisten und Bewirtschaftung
tung. Bis zum Jahr 1999 betrug das Mindestmaß für die See-
forelle 50 cm. Obwohl es aus heutiger Sicht viel zu nied-
Die Genetik der Seeforellen! rig angesetzt war, konnten bis zum Jahr 1998 nur be-
Wie schaut es mit der Genetik unserer Seeforellen aus? scheidene Jahresausfänge erzielt werden. Das gute Er-
Wir haben uns damit auseinandergesetzt und geneti- gebnis im Jahr 1991 war die Folge von Besatzmaßnah-
sche Untersuchungen an unseren Wild- und Zuchtfi- men mit fangfähigen Seeforellen, die sich im See jedoch
schen von der Universität Graz durchführen lassen. nur sehr kurzfristig behaupten konnten. Daher sucht
Auch von Seeforellen vom Millstättersee und aus ande- man Meldungen von Fischen mit Längen über 60 cm
ren Zuchten. Grundsätzlich sind alle Fische in Öster- von 1991 bis 1998 auch vergeblich. Ab dem Jahr 1999
reich genetisch dem Donaueinzugsgebiet zuzuordnen zeigte sich die Population erfreulicherweise von einer
(Weil fast alle unsere Gewässer in die Donau entwäs- etwas anderen Seite. Die in den Jahren 1998 und 1999
sern). Eine Ausnahme bildet der Bodensee, der über besetzten mehrjährigen Seeforellen (ca. 7.500 Stück!!!
den Rhein mit dem Atlantik verbunden ist und daher mit Längen von 30 cm bis 50 cm) waren auch noch
atlantikstämmige Fische beheimatet. Streng genom- Jahre später, nun als erwachsene Fische mit Längen von
men ist in allen anderen österreichischen Gewässern bis zu knapp 90 cm, in den Fangstatistiken und an den
nur der Besatz von Fischen danubischer Herkunft er- Laichplätzen präsent. Und das sind genau die Fische,
laubt. Alle unsere untersuchten Forellen sind aber die ein Seeforellengewässer braucht. Fische mit gewal-
mehr oder weniger der atlantischen Linie zuzuordnen tigem Wachstumspotential und einem Alter beim

21
Tab. 1: Seeforellenbesatz und -ausfang im Jahresvergleich Reproduktion ansetzen konnten, waren sie an ihren
(1990 – 2017). Mindestmaß: bis 1999 = 50 cm; 2000 – 2002 =
60 cm; ab 2003 = 70 cm; 1+ = einjährig; 2+ = zweijährig
großflächigen Verpilzungen verendet. Und das macht
dann eigentlich überhaupt keinen Sinn. Da ist es aus
Besatz Angelfänge
vorgestreckt 1+ 2+ u. 3+ >= >= >=
meiner Sicht besser, wenn sich ein Angler über so einen
Jahr 4-10 cm 10-25 cm 30-50 cm gesamt 50 cm 60 cm 70 cm Fisch freut. Wobei jeder herzlich eingeladen ist, die ge-
[Stk] [Stk] [Stk] [kg] [Stk] [Stk] [Stk]
1990 10.000 360 640
fangene Seeforelle wieder freizulassen – es könnte ja
1991 2.800 3.000 91 auch ein Rogner sein. Und um den wäre es dann doch
1992 240 480 34 sehr schade.
1993 50.000 400 30
1994 18 Es soll an dieser Stelle auch erwähnt sein, dass, falls See-
1995 100.000 11 forellen im Weissensee herumschwimmen, diese natür-
1996 80.000 900 13
1997 70.000 21 lich auch mit den Kiemennetzen gefangen werden. Das
1998 100.000 5.900 600 1.870 10 lässt sich nicht vermeiden. Größere Fische können aber
1999 60.000 1.650 1.900 126
2000 70.000 55 fast ausnahmslos wieder unverletzt zurückgesetzt wer-
2001 30.000 900 320 800 39 6 den. Und das mache ich selbstverständlich auch. Ich
2002 40 6
2003 1.440 1.800 26 bin ja nicht blöd und fange mir im Sommer die poten-
2004 1.920 2.400 22 tiellen Laichfische weg. Wie viele von den Forellen nun
2005
2006
tatsächlich mit den Netzen gefangen werden, hängt na-
2007 1.800 150 6 türlich direkt proportional mit der Anzahl der herum-
2008 80.000 1.400 1.500 6
2009 61.100 12
schwimmenden Individuen zusammen. Also in erster
2010 74.500 2.000 1.800 14 Linie von der Menge der besetzten mehrjährigen Fi-
2011 4
2012 3
sche. Von diesen fielen jeweils zwischen 4 und 8 % mei-
2013 101.000 2.423 8 nen Netzen zum Opfer. Das ist natürlich bedauerlich.
2014 7.800 2.700 1.270 3
2015 22.500 6.700 2.415 3
Die immer wieder gehörte Behauptung, dass der Netz-
2016 25.000 6.100 2.421 1 fischer sowieso alle Forellen aus dem See fängt, er-
2017 28.300 35.500 950 2.844 scheint in diesem Zusammenhang aber ein bisschen
unseriös, eigentlich sogar richtig kindisch.
Erreichen der Geschlechtsreife von zumindest 4 bis 5
Jahren. Erstlaicher mit Längen von über 70 cm sind in 8.2 Fang
solchen Populationen keine Seltenheit.
Schaut man sich die Fangstatistiken und die Aufzeich- Bei den jungen, meist untermaßigen Seeforellen, die
nungen der Laichfischfänge bei den Seeforellen an, immer wieder auch mit der Hegene gefangen werden,
dann zeigen diese einen direkten Zusammenhang zur handelt es sich ausschließlich um Besatzfische. Es sollte
Anzahl der besetzten (mehrjährigen) Fische. Natürlich eine Selbstverständlichkeit sein (nicht nur bei den Fo-
ein paar Jahre zeitversetzt (Tab. 1). Warum das Min- rellen), dass solche Fische schonend behandelt werden.
destmaß ab dem Jahr 2017 von 70 cm auf 60 cm redu- Das heißt, dass der respektvoll gedrillte und geke-
ziert wurde, soll hier auch kurz erklärt werden. Denn scherte Fisch immer im Wasser bleibt. Auch beim Ent-
grundsätzlich ist sowas natürlich fischereiwirtschaftli- fernen des Hakens. Denn vor allem Seeforellen sind
cher Blödsinn. Für die Nachzucht haben wir genügend sehr empfindlich und reagieren schnell beleidigt, wenn
sehr gut geeignete Mutterfische in der Fischzucht in durch trockene Oberflächen (Hände, Bootsboden)
Neusach. Wir werden mit diesen Fischen in den nächs- ihre schützende Schleimschicht verletzt wird. Sekundä-
ten Jahren die Fischzucht sicher immer voll bekom- rinfektionen mit Todesfolge sind dann sehr wahr-
men. Ich freue mich natürlich über jeden Laichfisch, scheinlich.
der aus dem See in den Mühlbach einwandert. Wir sind Wenn Sie gezielt auf eine große Seeforelle fischen wol-
aber nicht zwingend auf diese Fische angewiesen. Aus- len, dann empfiehlt es sich derzeit, die Erwartungshal-
schlaggebender waren für mich aber zwei Milchner (65 tung auf ein Minimum zu reduzieren. Es gibt noch ein
- 70 cm), die Ende November 2016 den Mühlbach auf- paar richtig große Forellen, aber diese sind sehr selten.
suchten. Noch bevor die beiden Fische zur Und Sie brauchen sehr viel Glück. Voraussetzung für

22
einen solchen Glücksfall sind dann noch sehr gute Kö- gute und informative Homepage von den Angelprofis
der, die in der richtigen Tiefe angeboten werden. Im (www.angelprofi.at).
Frühling kann man die Forellen, auf Grund der gerin-
gen Wassertemperatur, noch in Oberflächennähe er- Größte Angelfänge
warten. Sobald sich die thermische Schichtung ausge- Jahr Länge Gewicht
bildet hat, sollten Sie es ab einer Tiefe von ca. 8 m pro- 2014 76 cm 6,16 kg
bieren. Als Topköder beim Schleppen haben sich Perl- 2013 71 cm 4,86 kg
muttblinker etabliert. Gute Gummifische, Köderfisch- 2011 85 cm 7,50 kg
systeme und der tote Köderfisch an der Schwimmer- 2002 87 cm 11,65 k
montage, ganz langsam geschleppt, brachten auch im-
mer wieder Erfolge. Um den Köder in der erforderli-
chen Tiefe anbieten zu können, sind Downrigger, aber
auch einfache, jedoch sehr praktische Schleppkupplun-
gen zu empfehlen. Da ich selbst nicht gezielt auf die
Seeforelle fische, verweise ich an dieser Stelle an die sehr

9 REINANKE (Coregonus lavaretus)


eine geeignete Methode zum Fang der Renken mit der
Angel war lange Zeit nicht bekannt. Erst als in der
Schweiz, in den 1970er Jahren, experimentierfreudige
Angler begannen mit Imitationen von Zuckmücken-
larven bzw. -puppen ihr Glück zu versuchen, kam Be-
wegung in die Sache. Das Angeln mit künstlichen Flie-
gen und Nymphen in Flüssen war schon im Mittelalter
sehr beliebt und so war es zwar kein neuer, aber doch
In Milchkannen durften die Minifischchen angeblich ein genialer Gedanke, die Zuckmücken mit ein biss-
die Reise zum Weissensee antreten. Im Jahr 1934. Vom chen Bindeseide nachzubauen. Voraussetzung für eine
Millstättersee. Als sie schließlich in den See geschüttet erfolgreiche Renkenfischerei waren also gewisse Kennt-
wurden hatte wohl niemand der dabei Anwesenden nisse über die Ernährungsgewohnheiten dieser Fische.
eine Vorstellung davon, wie sich dieser Tag auf alles, Ein Paternostersystem musste auch nicht neu erfunden
was mit der Fischerei am Weissensee zu tun hat, aus- werden und so setzte sich nach einiger Zeit die soge-
wirken würde. Für das Ökosystem stellten sich wahr- nannte Hegene durch. Dabei werden an eine Haupt-
scheinlich recht bald Veränderungen ein. Für die An- schnur mehrere Haken (Nymphen) als Springer einge-
gelfischerei dagegen erst sehr viel später. Etwa 50 Jahre bunden. Am Schnurende befindet sich ein Blei, das bei
nach dem Besatz, Anfang der 1980er Jahre, wollte es gespannter Schnur die Hegene senkrecht im Wasser
sich eine ziemlich große Renke, Reinanke, Maräne, wie stehen lässt. Die von der Hauptschnur abstehenden
immer man sie nennen will, nicht nehmen lassen, einen Nymphen gaukeln den Renken nun vor, ein ganz be-
Angler am Weissensee zu überraschen. So einen Fisch sonders toller Happen zu sein. Solche tollen Edeldeli-
hatte hier zuvor noch niemand mit der Angel gefangen katessen (ohne Nährwert) waren bei den Weissen-
und für die allermeisten war dieser daher etwas völlig seerenken in den 1980er Jahren offensichtlich sehr
Neues, etwas Fremdes, Unbekanntes. Warum das so beliebt und deshalb wurden diese immer häufiger ser-
war, ist schnell erklärt: Mit Netzen wurde am Weissen- viert. Die Erzählungen von den ersten Versuchen der
see, abgesehen von den Befischungen an den Brunnen Renkenfischerei sind atemberaubend, aus heutiger
während der Seeforellenlaichzeit, nicht gefischt und Sicht fast unglaublich. Und es sprach sich herum.

23
Dadurch entwickelte sich die Reinanke, nach etwa 50 Fressen. Und es sind vor allem die nahen Verwandten
Jahren völliger Bedeutungslosigkeit, innerhalb von nur (also die Renken selbst), die Unmengen von Renken-
10 Jahren zur wichtigsten Wirtschaftsfischart des kaviar in eigene Körpermasse umwandeln (Foto 6). Das
Weissensees. Und ist es bis heute geblieben. Dass die spielt aber keine große Rolle. Die Menge machts. Als
Reinankenpopulation so lange unentdeckt blieb, Forelle sollte man aber lieber weit weg von den Renken
grenzt fast an ein Wunder, oder zumindest verwundert ablaichen. Denn sonst ist sicher alle Mühe umsonst.
es. Denn man kann fast mit an Sicherheit grenzender Am Gewässergrund liegend entwickeln sich die vom
Wahrscheinlichkeit annehmen, dass bei den Netzbefi- Glück gesegneten Renkeneier bei einer Temperatur
schungen an den Seeforellenlaichplätzen auch immer von ca. 4 °C zu kleinen Larven. Eine hohe Sterblich-
wieder Reinanken in den Maschen hingen. Vermutlich keitsrate ist auch hier einkalkuliert, denn die sehr klei-
konnte man mit ihnen aber nichts anfangen, da unbe- nen Eier können gerade einmal die Grundversorgung
kannt. Oder man wollte es nicht weitererzählen, oder für den Embryo bzw. die Larve gewährleisten. Der
es war einfach egal. Ist ja egal. Schlüpftermin liegt in unseren Breiten und bei Dezem-
berlaichern zwischen Anfang und Ende März. Schon
Vom Ei zum Fischchen während sich die Larven aus der Eihülle befreien, be-
Um ihrem Nachwuchs einen guten Start ins Leben zu ginnen sie zu schwimmen. Und das machen sie dann
ermöglichen, sind die Weisseenseecoregonen grund- ihr ganzes Leben lang. Ohne Pause. Den ersten
sätzlich sehr flexibel. Manche Fische laichen in Tiefen Schwimmmarathon legen die Renkenlarven vom Ge-
von 15 bis 25 m über schlammigem Grund, andere im wässergrund, der oft 20 m oder tiefer liegt, zur Wasser-
Uferbereich über schlammigem Grund und wieder an- oberfläche zurück. In Bezug auf die Körpergröße eine
dere im Uferbereich über kiesigem Untergrund. In durchaus beachtliche Leistung. Hier verbringen sie
manchen Gewässern wandern Coregonen auch in Zu- dann ein paar Wochen und schauen sich, nachdem ihr
flüsse, um sich dort zu vermehren (z. B. Hallstättersee), Dottersack aufgezehrt ist, nach geeigneter Nahrung
andere laichen über den tiefsten Stellen eines Sees. Die um. Ich habe ihnen in der Fischzucht über viele Jahre,
beiden letztgenannten Strategien sind im Weissensee viele Stunden zugesehen und weiß daher: Renkenlar-
nicht wirklich erfolgversprechend, da wir keine geeig- ven brauchen viel Nahrung, und zwar ständig. Es sind
neten Zuflüsse haben bzw. an den tiefen Stellen zu we- Fressmaschinen. Noch dazu sind sie ziemlich wähle-
nig Sauerstoff für die Eientwicklung vorhanden ist. risch und wollen nur das Beste. Und zwar Nauplien
Großwüchsige Maränen beginnen im Weissensee mit und Copepodite, also mundgerechte Entwicklungssta-
der Reproduktion Ende November. Kleinwüchsige dien von Hüpferlingen (kleine Krebstiere). Mit
Reinanken laichen lieber ein bis zwei Wochen später.
Die Laichzeiten und -plätze überlappen allerdings und
so sollte es zu einer Hybridisierung der beiden Formen
kommen. In welchem Ausmaß dies geschieht bzw.
schon geschehen ist oder ob es beiden Formen möglich
ist eigene Linien beizubehalten, bleibt abzuwarten. Ge-
netische Untersuchungen sind heute Standard und re-
lativ kostengünstig. Wir nutzen natürlich dieses Ange-
bot.
Coregonen produzieren sehr viele, allerdings auch sehr
kleine Eier. Etwa 50.000 bis 60.000 Stück bringt man
in einem Liter unter. Die Rogen werden von den Fi-
schen im Wasserkörper bzw. am Gewässergrund abge-
geben und liegen dann ziemlich ungeschützt am Bo-
den. Falls sie es überhaupt bis dorthin schaffen, denn Foto 6: Magen einer Reinanke während der Laichzeit im De-
mit der Coregonenlaichzeit beginnt auch das große zember, gefüllt mit Laich der Artgenossen.

24
Rotatorien (Rädertiere), Flagellaten (Geißeltiere),
Cladoceren (Wasserflöhe) und vielen anderen Orga-
nismen haben sie überhaupt keine Freude und verhun-
gern lieber, bevor sie diese fressen. Wenn also während
der Larvenphase der Renken im März und April nicht
genügend Nauplien und Copepodite vorhanden sind,
dann sterben sie weg wie die Fliegen. Innerhalb kürzes-
ter Zeit.
Vom Fischchen zur großen Maräne
Renken, egal ob groß oder klein, lieben Zooplankton Abb. 9: Einige typische Beispiele für Bodenorganismen, die
(Abb. 8). Die Krebstiere sind wahre Energiebomben, von Coregonen konsumiert werden.
aber halt eher winzig. Für kleine Fische ist das kein
Problem, denn sie bekommen ihren Magen damit rela-
tiv schnell voll und müssen nur in sehr seltenen Fällen
auf andere Nahrungsquellen umsteigen. Wenn das Fut-
terangebot passt, erreichen manche Renken im ersten
Lebensjahr eine Länge von über 20 cm. Umso größer
sie werden, desto höher muss die Zooplanktondichte
sein, damit sich der Aufwand zum Fang auch lohnt.
Fällt die Dichte unter eine gewisse Schwelle, stellen sich
die größeren Coregonen auf Bodennahrung oder auf
Beutefische um. Welche Organismen sie bevorzugen,
Foto 7: Mageninhalt (102 !!! Flussbarsche) einer Reinanke
hängt wieder von deren Energiegehalt und vom Fang- (Länge: 55,7 cm; Gewicht: 1474 g). Gefangen am 19.06.2007
aufwand ab. Sie sind dabei aber sehr flexibel (Abb. 9). im Freiwasser mit einem Kiemennetz.
Die wohl wichtigsten und nahrhaftesten Bodennähr-
kaltes Wasser und sind daher, auf Grund der stabilen
tiere für die Renken im Weissensee sind Zuckmücken-
thermischen Schichtung, lange Zeit von potentiellen
larven bzw. -puppen und Wasserasseln. Kugelmuscheln
Beuteorganismen räumlich getrennt. Wenn von Juni
werden auch relativ häufig konsumiert, eher aber wohl
bis September die im Mai geschlüpften Flussbarsche in
nur, wenn sonst nichts Passendes zu finden ist. Grund-
mundgerechter Größe massenhaft umherschwimmen,
sätzlich fressen Reinanken aber auch noch viele andere
werden einige größere Maränen zu sehr effektiven
Insektenlarven, wie zum Beispiel Köcherfliegen-, Ein-
Raubfischen, die ihrer Beute auch in den Freiwasserbe-
tagsfliegen-, Steinfliegen- oder Libellenlarven. Eigent-
reich folgen, der sonst den großen Renken nicht viel zu
lich fressen sie fast alles tierischer Herkunft. Zumindest
bieten hat (Foto 7).
würden sie das gerne tun, denn Renken bevorzugen
Warum Fischzucht?
Renkenbesatz ist an sehr vielen Gewässern obligat. In
der Absicht den Ertrag zu steigern werden zum Teil
große Mengen an Larven, vorgestreckte Renken (3-4
cm) oder einsömmerige Maränen (15-20 cm) besetzt.
Vergleicht man die Besatzfischmengen mit den jährli-
chen Erträgen, so zeigt sich nur in seltenen Fällen ein
signifikanter Zusammenhang. Viele Besatzfische in ei-
nen See zu schütten bringt also in sehr vielen Fällen gar
nichts. In einem moderat befischten Gewässer mit ge-
Abb. 8: Einige Beispiele für typische Zooplanktonkrebse der
sunder Renkenpopulation ist grundsätzlich kein Besatz
Freiwasserzone des Weissensees erforderlich, um einen sehr guten Bestand zu erhalten.

25
Dies wird seit einigen Jahrzehnten z. B. am Hallstätter-
see bewiesen. Grundsätzlich haben Renken ein sehr ho-
hes Vermehrungspotential und bei günstigen Rahmen-
bedingungen können sie dieses auch voll ausschöpfen.
Erforderlich dafür sind genügend potentielle Laichfi-
sche, gute Nahrungsbedingungen für die Renkenlar-
ven, ein erträglicher Raub- bzw. Konkurrenzdruck und
eine günstige Witterung während der sensiblen Lar-
venphase. Sind die Rahmenbedingungen ungünstig, Foto 8: Reinankeneier im Augenpunktstadium einige Tage vor
dann setzen sich weder die im See geborenen, noch die dem Schlüpfen im Bruthaus in Neusach.
besetzten Fische durch. Wenn die natürliche Vermeh- Fangzeitpunkt laichreif sind (Manche sind vorreif,
rung in einem Gewässer nicht funktioniert, z. B. durch manche haben schon abgelaicht.) benötigen wir insge-
Sauerstoffmangel in der Tiefenzone, dann ist man na- samt etwa 150 Fische (Milchner und Rogner) um ge-
türlich auf Besatz angewiesen. Wenn ein Bestand sehr nügend Laich zu erhalten. Da Renken sehr empfindlich
individuenarm ist oder völlig fehlt, dann kann dieser auf Verletzungen reagieren, macht es keinen Sinn sie
natürlich auch sinnvoll sein. zurückzusetzen. Im Winter 2017 wurde grundsätzlich
Im Weissensee ist die Renkenbiomasse zurzeit sehr darauf verzichtet den Laichfischfang durchzuführen,
hoch, die Jahreserträge noch unterhalb eines möglichen da die Renkendichte im Weissensee sehr hoch ist und
und vertretbaren Niveaus und die Rahmenbedingun- Besatzmaßnahmen daher mit Sicherheit nichts brin-
gen sehr gut. Ein Besatz ist daher derzeit sicher nicht gen. Da aber einige Renken für eine genetische Unter-
erforderlich. Trotzdem wird in der Fischzucht in Neu- suchung benötigt und Anfang Dezember gefangen
sach jedes Jahr eine geringe Menge an potentiell groß- wurden, schwimmen auch dieses Jahr wieder ein paar
wüchsigen Maränen bis zu einer Länge von 15 – 20 cm tausend Renken im Bruthaus herum.
aufgezogen (10.000 bis 30.000 Stück). Und zwar von
Anfang an mit Trockenfutter. Das ist möglich, weil das Die Genetik der Renken
Fischfutter in den letzten Jahren deutlich besser gewor- Wie viele Renkenarten haben wir bei uns in Europa?
den ist. Der sehr aufwendige Fang von Naturfutter Eine einfache Frage, die bei den besten Fischökologen,
(Zooplankton) aus dem See mit Planktonnetzen bleibt -biologen und -genetikern eine gewisse Ratlosigkeit
uns daher erspart. Die Renken auf die erforderliche verursacht. Es gibt viele Populationen, die man gene-
Größe zu bringen, ist eine durchaus heikle und recht tisch eindeutig unterscheiden kann. Wo man aber die
aufwendige Angelegenheit. Dadurch kann man aber Grenze zwischen Art bzw. Unterart zieht, ist derzeit
die Anzahl der benötigten Mutterfische auf ein Mini- noch völlig offen. Man hilft sich zurzeit damit, dass
mum reduzieren. In den letzten Jahren war es das Ziel man die kleine Maräne (Coregonus albula) als eigene
die Aufzucht der Renkenlarven zu optimieren. Das ha- Art abgrenzt und alle anderen Formen (Maränen,
ben wir mittlerweile geschafft. Falls wir am Weissensee Reinanken, Felchen, Gangfisch,…) in einen Topf wirft
also in Zukunft Besatzrenken benötigen, was wir nicht und als Formenkreis Coregonus lavaretus bezeichnet. In
hoffen wollen, dann sind wir in der Lage die erforderli- Zukunft wird sich bei der Renkentaxonomie aber ganz
chen Mengen selbst zu produzieren. Vom Ei bis zum sicher noch einiges bewegen. Wir dürfen gespannt sein.
Besatzfisch (Foto 8). Auch die Reinankenpopulation des Weissensees wurde
untersucht. Es sollte geklärt werden, ob die großwüch-
Laichfischfang sigen, spät geschlechtsreif werdenden Coregonen gene-
Der Laichfischfang auf großwüchsige Maränen, denn tisch von den kleinwüchsigen, früh geschlechtsreif wer-
vor allem solche möchten wir langfristig im Weissensee denden Fischen unterschieden werden können. Das
erhalten, fand bisher in der letzten Novemberwoche Ergebnis ist etwas überraschend. Bei den Renken des
bzw. in den ersten beiden Dezemberwochen statt. Die Weissensees handelt es sich um eine genetisch einheit-
Kiemennetze wurden in Seemitte in Tiefen von 15 bis liche Population. Zu klären ist noch ob diese von Be-
20 m gesetzt. Da nicht alle der gefangenen Fische zum satzfischen (Maränen) beeinflusst ist oder nicht.

26
9.1 Fanglisten und Bewirtschaftung genau dieser Fall ist am Weissensee eingetroffen. Mi-
chael Buchart und ich fingen in den Jahren 2003 und
Beim 13. Internationalen Angeln um die „Goldene Fo- 2004 bzw. in den Jahren 1999 bis 2001 bei unseren Un-
relle vom Weissensee“ vom 1. bis 2. Juni 1984 war es tersuchungen mit den engmaschigen Kiemennetzen so
soweit. Die ersten Reinanken wurden zur Abwaage ge- gut wie keine Jungrenken. Das lag nun nicht, wie
bracht. 3 Stück mit Längen von 50 cm, 58 cm und 61
cm waren es. Bei der Jahreswertung „Wer fängt den Tab. 2: Reinankenausfang im Jahresvergleich (1991 – 1999).
schwersten Fisch“ ging 1984 nur eine Renke mit einem Mindestmaß = 40 cm. Von 1991 bis 1999 wurde nur die Anzahl
der gefangenen Fische aufgelistet. Die Fischlängen blieben
Gewicht von 1,90 kg in die Geschichte ein. Von da an bei der Auswertung unberücksichtigt. Auswertung durchge-
stiegen die Fangzahlen von Jahr zu Jahr an. Bei der ers- führt von der A5D, insbesondere von Herrn Walter Domenig.
ten Fanglistenauswertung im Jahr 1991 wurden knapp Jahr Fang [Ind.]
1.200 Renken gezählt. Im Jahr 1995 waren es dann ca. 1991 1.167
4.000 Stück (Tab. 2). Alle diese Fische hatten, bedingt 1992 851
durch das Mindestmaß, eine Länge von 40 cm oder 1993 1.553
mehr. Und ich kann mich nicht daran erinnern damals 1994 3.146
überhaupt kleinere Fische gefangen zu haben. Das än- 1995 3.943
derte sich bis zum Jahr 1999 komplett. Denn plötzlich 1996 4.012
fing man mit der Angel untermaßige Renken ohne 1997 3.088
Ende, oft im Minutentakt. Im Durchschnitt war im 1998 3.099
Jahr 1999 nur jede 15-te Renke zumindest 40 cm lang. 1999 2.996
Heute weiß ich, dass so eine Situation Feuer am Dach Tab. 3: Reinankenangelfänge im Jahresvergleich (2000 –
2017). Mindestmaß: bis zum Jahr 2000 = 40 cm; ab 2001 = 35
bedeutet, die Sofortmaßnahmen erfordert. Damals
cm. Sonderregelung: Entnahme von max. 1 Reinanke mit ei-
wussten wir über den Weissensee und speziell über die ner Länge von 40-50 cm pro Tag; ab 2008 = 38 cm; ab 2011 =
Reinankenpopulation aber nichts. Ich glaube, über die 36 cm. Das Fischgewicht wurde mit Hilfe der Formel aus der
Populationsdynamik der Renken wusste zu dieser Zeit Längen-Gewichtsregression berechnet. Fanglistenauswer-
tung in den Jahr 2011 und 2017 durch die A5D.
so gut wie niemand etwas Genaues. Daher war es auch
nicht möglich zu sagen: „Freunde, ihr produziert euch Jahr Gesamtfang ≤ 40 cm ≥ 40 ≤ 50 cm ≥ 50 cm
gerade eine kleinwüchsige Massenpopulation. Fischt [Ind.] [kg] [Ind.] [kg] [Ind.] [kg] [Ind.] [kg]
was das Zeug hält, denn sonst bekommt ihr Probleme!“ 2000 3166 2149 2947 1845 219 304
Die ersten wissenschaftlichen Datenerhebungen führte 2001 8188 4069 6017 2555 1983 1262 188 251
2002 7521 3943 5002 2166 2286 1483 233 294
ich ab August 1999, im Zuge meiner Diplomarbeit
2003 7154 3860 4424 1916 2499 1640 231 303
durch. Es wurde dann bald klar, dass zu viele Renken 2004 6205 3656 3357 1471 2454 1673 394 512
den See besiedelten. Das äußerte sich in den niedrigen 2005 6152 3707 3268 1430 2392 1664 492 613
mittleren Konditionsfaktoren5 auf Grund der schlech- 2006 3276 2139 1586 692 1279 922 411 525
ten Nahrungsverfügbarkeit, in der hohen Zahl leerer 2007 1218 966 392 169 523 385 303 412
2008 744 641 99 46 446 316 199 279
Fischmägen und am geringen Zuwachs. Schlechtes
2009 396 302 107 49 205 138 84 115
Wachstum und magere Fische sind zwar nicht er- 2010 960 668 305 144 546 352 109 172
wünscht, aber noch kein großes Problem. Dramatisch 2011 590
wird es, wenn ganze Jahrgänge auf Grund des Nah- 2012 1562 1008 721 317 681 452 160 240
rungsmangels das Larven- bzw. Jugendstadium nicht 2013 1996 1360 639 282 1181 809 176 270
überleben. Wie wir heute wissen kommt das gar nicht 2014 2471 1629 1062 468 1134 779 275 382
2015 3266 2191 814 381 2293 1581 159 229
so selten vor. Fallen mehrere Jahrgänge hintereinander 2016 2527 1768 954 426 1286 953 287 390
aus, dann hat man ein richtig großes Problem. Und 2017 4409

5
Der Konditionsfaktor gibt das Verhältnis von Fischlänge zu Fischgewicht an und ist ein Maß für den Ernährungszustand eines Fisches.
Je mehr Futter den Fischen zur Verfügung steht, desto korpulenter sind diese und dementsprechend höher liegen die mittleren Werte
für den Kf.

27
ursprünglich vermutet, an der schlechten Fängigkeit Renken im Jahr 2000 auf knapp 8.2006 im Jahr 2001
dieser Netze, sondern definitiv an den fehlenden Jahr- (Tab. 3). 75 % der gefangenen Fische hatten eine Länge
gängen. Heute weiß ich: Wenn junge Renken da sind, von weniger als 40 cm und entstammten vermutlich
dann fängt man sie auch. zum überwiegenden Teil dem extrem starken Renken-
Um das Jahr 2000 war der Renkenbestand für den jahrgang 1997. Ab dem Jahr 2001 führte die intensive
Weissensee definitiv zu hoch. Eine Reduktion der Po- Befischung mit der Angel generell zu einer (erwünsch-
pulation ein absolutes Muss. Aus heutiger Sicht er- ten) Abnahme des Massenbestandes. Wenn weniger
folgte die Dezimierung ab dem Jahr 2001 zu spät. Das Fische im See sind und ihr geringes Wachstumspoten-
Mindestmaß wurde von 40 cm auf 35 cm herabgesetzt, tial nicht genetisch bedingt ist, sondern eine Folge des
der Tagesausfang betrug weiterhin höchstens 3 Fische, Nahrungsangebotes, dann kann man davon ausgehen,
wobei nur eine Reinanke mit einer Länge von 40 – 50 dass die einzelnen Fische besser wachsen und daher die
cm pro Tag entnommen werden durfte. Erwartungs- mittleren Längen der gefangenen Fische zunehmen. In
gemäß erhöhten sich die Angelfänge von fast 3.200 den folgenden Jahren nahm daher in den
2000
1800 2000 2001 2002 2003 2004
Reinanken [Ind]

1600 2005 2006 2007 2008 2009


gefangene

1400 2010 2011 2012 2013 2014


1200 2015 2016
1000
800
600
400
200
0
35 36 37 38 39
800
700
Reinanken [Ind]

600
gefangene

500
400
300
200
100
0
40 41 42 43 44
400
350
Reinanken [Ind]

300
gefangene

250
200
150
100
50
0
45 46 47 48 49
180
160
Reinanken [Ind]

140
gefangene

120
100
80
60
40
20
0
50 51 52 53 54
Totallänge [cm]
Abb. 10: Längenhäufigkeitsverteilung von Reinanken der Längenklasse von 35 - 54 cm, die in den Jahren 2000 bis 2016 mit der
Angel gefangen wurden. (Die Skalierung auf der y-Achse – gefangene Reinanken [Ind.] – ist nicht einheitlich gewählt.)

6
Das ist die offizielle Zahl aus den Fanglisten. „Wahrscheinlich“ wurden weit mehr aus dem See entnommen.

28
Reinanken [Ind] 30 2000 2001 2002 2003 2004 2005
25 2006 2007 2008 2009 2010 2011
gefangene

20 2012 2013 2014 2015 2016


15
10
5
0
55 56 57 58 59
14
Reinanken [Ind]

12
gefangene

10
8
6
4
2
0
60 61 62 63 64
5
Reinaneken [Ind]

4
gefangene

3
2
1
0
65 66 67 68 69
5
Reinanken [Ind]

4
gefangene

3
2
1
0
70 71 72 73 74 75 76
Totallänge [cm]

Abb. 11: Längenhäufigkeitsverteilung von Reinanken der Längenklasse von 55 - 76 cm, die in den Jahren 2000 bis 2016 mit der
Angel gefangen wurden. (Die Skalierung auf der y-Achse – gefangene Reinanken [Ind.] – ist nicht einheitlich gewählt.)

Fangstatistiken der Anteil großer Maränen zu. Da aber Dies führte dazu, dass die Renkenjahrgänge 2007, 2009
so gut wie keine Jungfische nachwuchsen, nahmen und 2012 vergleichsweise individuenreich waren und
Renken mit Längen von 35 cm bis 40 cm von Jahr zu sich in den nächsten Jahren auch in den Fangstatistiken
Jahr ab. Ab dem Jahr 2006 gingen aber auch die großen bemerkbar machten. Die Besatzmaßnahmen mit vor-
Renken in den Statistiken wieder zurück (Abb. 10, gestreckten Renken (Herkunft Weissensee) bzw. ein-
Abb. 11). Wenn keine Jungfische nachwachsen, dann sömmerigen, potentiell großwüchsigen Maränen aus
muss das ja zwangsläufig so kommen. Natürliche Al- Waldviertler Teichen (Madüsee-Maräne bzw. Ostsee-
tersgrenzen, Prädatoren und der Befischungsdruck las- schnäpel) könnten in diesen Jahren auch einen Beitrag
sen Renken nur selten älter als zehn Jahre werden. Ir- geleistet haben. Der sensationell gute Renkenjahrgang
gendwann sind sie halt weg. Den Tiefpunkt bei der 2014, der die Fänge im Jahr 2017 dominierte, beruht
Renkenbiomasse erreichten wir im Jahr 2009. Seitdem auf reinem Naturaufkommen, so wie auch der extrem
nimmt die Population langsam aber kontinuierlich gute Jahrgang 2017 der in den nächsten Jahren heran-
wieder zu. Das ist auch nicht weiter verwunderlich, da wachsen wird. Kurioserweise wurden genau in diesen
sich die Rahmenbedingungen deutlich verbesserten. beiden Jahren überhaupt keine Maränen besetzt (Tab.

29
Tab. 4: Besatzmaßnahmen mit vorgestreckten Maränen (Herkunft Weissensee) mit Längen von 3-4 cm bzw. einsömmerige Maränen
(Herkunft Waldviertel) mit Längen von 12-20 cm in den Jahren 2004 bis 2017. In den Jahren 2014 und 2017 wurden keine Maränen
besetzt.
Jahr 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017
Maränen 3-4cm [Stk] x 1000 250 250 150 300 270 300 150 250
Maränen 12-20cm [Stk] x 1000 18 21 25 10 15 30 4 19 20

200

Jahrgang 12
Jahrgang 17

Jahrgang 14

Jahrgang 09
160 2017 Multimaschennetze
Anzahl n

120 n = 276
80
40
0
0 1 2 3 4 5 6 7 8
Altersklassen
Abb. 12: Altersklassenverteilung von Reinanken die im Spätherbst 2017 mit Multimaschennetzen gefangen wurden. Die Jahrgänge
2014 und 2017 präsentieren sich sehr individuenreich. Genau in diesen Jahren wurde kein Besatz mit Maränen durchgeführt. 0 =
Renken, die das erste Lebensjahr noch nicht abgeschlossen haben (Längen von ca. 12 – 20 cm). 1 = Renken die das zweite Le-
bensjahr noch nicht abgeschlossen haben. usw.

4, Abb. 12). Die Entwicklung der Reinankenpopula- war aber schon alles für den kompletten Zusammen-
tion im Weissensee in den letzten 20 Jahren zeigt deut- bruch des Bestandes hergerichtet. Wir schöpften die
lich, dass es sehr lange dauern kann bis sich ein aus dem Erträge aus einem überalterten Bestand, der über meh-
Gleichgewicht geratenes System wieder erholt hat. Da rere Jahre nicht in der Lage war für Nachkommen zu
hilft es auch nichts, wenn große Mengen an Besatzfi- sorgen. Natürlich gingen dann die Fänge von Jahr zu
schen in den See geschüttet werden. Die Rahmenbe- Jahr zurück, und natürlich ließen emotional aufgela-
dingungen sind entscheidend. Und diese waren in den dene kritische Stimmen nicht lange auf sich warten.
letzten Jahren ganz offensichtlich außergewöhnlich gut Der Schuldige war auch alsbald gefunden. Der inkom-
und ermöglichten es den Coregonen sehr gut zu wach- petente, leicht kriminell angehauchte Netzfischer hat
sen und dick und fett zu werden, was sich auch in den den See leergeräumt. In nur drei Jahren. Heute denke
hohen mittleren Konditionsfaktoren widerspiegelte. ich mir: Es gehört schon eine gesunde Portion Ah-
nungslosigkeit und Informationsverweigerung dazu,
Fischereibetrieb um so einen Blödsinn zu behaupten. Sowas geht ja in
Im Jahr 2004 wurde der Fischereibetrieb Martin Mül- drei oder vier Jahren überhaupt nicht. Nicht einmal,
ler – weissenseefisch - ins Leben gerufen. Die Idee da- wenn man es will.
hinter war eine ganzheitliche Bewirtschaftung des Warum ich das hier noch einmal aufwärme, hat einen
Weissensees mit dem Schwerpunkt die Seeforelle wie- tieferen Grund: Die Renkenpopulation des Weissen-
der zu etablieren, Gastronomie und Gäste mit Fisch sees wird in den nächsten Jahren mit sehr hoher Wahr-
(vor allem Reinanken) aus dem Weissensee zu versor- scheinlichkeit wieder zu einem Massenbestand heran-
gen, Besatzfische für den See selbst zu produzieren und wachsen. Und wenn wir nicht rechtzeitig eingreifen,
kontinuierlich fischökologische Untersuchungen also jetzt, dann dürfte uns das gleiche Szenario bevor-
durchzuführen. Seit nunmehr vierzehn Jahren warten stehen wie ab dem Jahr 2004. Auf einen Massenbestand
in den Sommermonaten Kiemennetze im Bereich folgt der Zusammenbruch, weil eben das Ökosystem
Tschölankofel in Seemitte auf daher schwimmende Fi- nicht mehr mitspielt und aus dem Gleichgewicht gerät.
sche und liefern kontinuierlich Daten, denn jeder aus Man braucht sich nur die Fangstatistiken verschiede-
dem See entnommene Fisch wird vermessen, gewogen ner Seen anzuschauen. Egal ob in Österreich, Deutsch-
und auf Besonderheiten untersucht. In den Anfangs- land oder in der Schweiz. Es ist überall das Gleiche.
jahren des Fischereibetriebes konnte der Weissensee Wenn wir jetzt nicht steuernd eingreifen, können wir
noch mit einer Massenpopulation an (hauptsächlich) mit dem Beginn eines möglichen Zusammenbruchs der
kleingewachsenen Renken protzen. Im Hintergrund Renkenpopulation in sechs oder sieben Jahren

30
rechnen. Vielleicht passiert aber auch nichts. Wenn wir entnommen wurden. Das bessere Wachstum der Marä-
aber in zwei oder drei Jahren bemerken: Oje, das geht nen machte es in den folgenden Jahren aber notwendig
sich nicht mehr aus, das gibt Probleme, dann können größere Maschenweiten (46 mm) zu verwenden. In den
wir nur noch zuschauen und eben nicht mehr steuernd letzten beiden Jahren tendierten die Weissenseer Ren-
eingreifen. Bis dahin werden alle zufrieden ihre Renken ken wieder hin zu einer kleinwüchsigen, früh laichreif
fangen. Und wenn die Zufriedenheit nachlassen sollte, werdenden Population (ähnlich der im Jahr 2004). Da-
dann kann ich mir schon gut vorstellen, wer als Sün- her sind heute wieder Netze mit Maschenweiten von
denbock auserwählt wird. 40 mm die richtige Wahl.

Gedanken zur Populationsökologie Großwüchsig und Kleinwüchsig


Die Längenhäufigkeitsverteilungen der Renken, die Die Abb. 13 zeigt den Zusammenhang zwischen Fisch-
mit den Kiemennetzen seit dem Jahr 2004 gefangen länge, Alter und Geschlechtsreife der im Zuge der fisch-
wurden, zeigen in etwa das gleiche Bild wie die Längen- ökologischen Untersuchungen im Spätherbst mit Mul-
häufigkeitsverteilungen der Angelfänge, wobei die timaschennetzen gefangenen und untersuchten
Netzfänge natürlich stark von den verwendeten Ma- Reinanken in den Jahren 2014 bis 2017. Bis zum Jahr
schenweiten beeinflusst werden. Die kleinste einge- 2014 handelte es sich bei sehr vielen gefangenen Fi-
setzte Maschenweite bestimmt die Minimalgröße der schen um sehr schnellwüchsige und spät geschlechtsreif
gefangenen Renken und daher muss man unbedingt werdende Individuen, die zum Teil mit Längen von 40
wissen mit welcher Länge und mit welchem Alter die – 45 cm noch immer nicht an der Reproduktion im
Renken das erste Mal ablaichen, damit man die Fische Dezember teilgenommen hätten. Beste Voraussetzun-
nicht aus dem See entnimmt bevor sie zumindest ein- gen also für Ausnahmefische, die auch über 70 cm groß
mal natürlich reproduziert haben. Das Gleiche gilt na- werden können. Ab dem Jahr 2015 präsentierte sich
türlich auch für das Mindestmaß bei der Angelfische- die Renkenpopulation aber ein bisschen anders. Neben
rei. Gleichzeitig sollte man aber vermeiden die Vor- den großwüchsigen Renken wurden bei den Untersu-
wüchser, also die Fische die besonders schnell wachsen, chungsbefischungen auch vermehrt Individuen gefan-
selektiv aus dem See zu entnehmen. Außer man will gen, die schon als sehr junge (zwei- bzw. dreisömmerig)
sich längerfristig eine kleinwüchsige Renkenpopula- und sehr kleingewachsene Fische (25 – 30 cm) die
tion erwirtschaften. Ein zu hohes, unflexibel angesetz- Adultphase erreichten. Solche Fische wachsen dann
tes Mindestmaß bzw. zu hohe unflexibel eingesetzte grundsätzlich nur noch sehr langsam und erreichen
Maschenweiten, gepaart mit hohem Befischungsdruck, mitunter ein zu hoch angesetztes Mindestmaß gar
bewirken längerfristig aber genau das. Damit kommen nicht. Und wenn solche Fische nicht gezielt entnom-
wir noch einmal zurück in die 1990er Jahre. Über 10 men werden, dann haben sie gute Chancen einen Mas-
Jahre selektiver Ausfang großwüchsiger Maränen (we- senbestand zu bilden. Das geht dann wieder auf Kosten
gen des hohen Mindestmaßes von 40 cm), gepaart mit der potentiell großwüchsigen Maränen. Vergleicht
einer kompletten Schonung langsamwüchsiger Fische man die Längenhäufigkeiten der Kiemennetzfänge und
(die eine Länge von 40 cm gar nicht erreichen), ergab Angelfänge aus dem Jahr 2016, dann wird deutlich,
einen Massenbestand an kleinen Fischen die, bis zur dass durch die Angelfischerei der Befischungsdruck vor
Herabsetzung des Mindestmaßes auf 35 cm, nicht ent- allem auf den großwüchsigen Fischen liegt (Abb. 14).
nommen werden durften. Als Gewässerbewirtschafter Das wird wohl auch der Fall sein, wenn das Mindest-
sollte man also ständig einen Überblick über die Fisch- maß auf 33 cm reduziert werden sollte. Wenn man also
populationen haben und dementsprechend die Rege- in Zukunft die Angler bittet mehr Renken aus dem See
lungen flexibel gestalten. So war es um das Jahr 2004 zu entnehmen, weil das, wie oben beschrieben, derzeit
durchaus sinnvoll, mit den gesetzlich vorgeschriebenen unbedingt notwendig ist, dann erhöht man den selek-
Mindestmaschenweiten von 40 mm zu fischen. Mit tiven Befischungsdruck vor allem bei den großwüchsi-
diesen Netzen war es gewährleistet, dass kaum juvenile gen Maränen. Eine Regulierung der Renkenpopulation
(nicht geschlechtsreife) Renken aus dem See in Richtung großwüchsigen Bestand ist also durch die

31
Böses will und nur das Ziel verfolgt, ihnen alle Renken
wegzufangen. Damit diese unzufrieden sind und nicht
mehr bei uns Urlaub machen wollen und die Netze
langfristig leer bleiben, damit er nicht mehr so viel ar-
beiten muss. Klingt sehr vernünftig.

Rund und g`sund


Die Entwicklung der mittleren Konditionsfaktoren,
die den Ernährungszustand einer Population sehr gut
widerspiegeln und somit auch auf die Fischdichte hin-
weisen, wird in der Abb. 15 dargestellt. Durch die Ab-
nahme der Renkendichte ab dem Jahr 2002 verbesserte
sich die Nahrungsverfügbarkeit für die einzelnen Fi-
sche offensichtlich kontinuierlich. Vielen Individuen
war es dadurch möglich, ihren Body-Maß-Index deut-
lich nach oben zu schrauben. Das heißt: Bei allen Län-
genklassen haben die mittleren Konditionsfaktoren ab
dem Jahr 2003 stetig zugenommen. Eine gravierende
Ausnahme war das Jahr 2006, in dem das Futterange-
bot dem Großteil der Renkenpopulation magere Zei-
ten bescherte. Die Folgen waren, im Vergleich zu 2005
und 2007, extrem niedrige Konditionsfaktoren bei al-
len Längenklassen und, erwartungsgemäß, ein sehr
schwacher Renkenjahrgang 2006. Ob die extreme Blü-
tenstaubbelastung im Frühling dieses Jahres die Ursa-
che für diese Entwicklung war, kann nur spekuliert
werden. Der Gipfel der fetten Jahre wurde, ausgenom-
men bei den sehr großen Renken, im Jahr 2015 er-
reicht. Seitdem haben die mittleren Konditionsfakto-
ren wieder abgenommen, was durch den sehr individu-
enreichen Jahrgang 2014 auch zu erwarten war. Der
heranwachsende Jahrgang 2017 sollte die Fische in den
nächsten Jahren noch deutlich magerer werden lassen.
Wenn man nicht gegensteuert. Grundsätzlich sind
kleinere Fische schlanker als Größere und haben daher
Abb. 13: Zusammenhang zwischen Fischlänge, Alter und Ge- meist auch einen niedrigeren Konditionsfaktor. Die
schlechtsreife von weiblichen Reinanken in den Jahren 2014
bis 2017. Vertikale Linie = Mindestmaß ab dem Jahr 2012. Je-
Größenklasse von 30 – 34,9 cm scheint in den Jahren
der Kreis entspricht einem Fisch und gibt an welchen Reife- 2016 und 2017 aber korpulenter gewesen zu sein als die
grad (geschlechtsreif oder nicht geschlechtsreif) dieser mit Fische mit Längen von 35 – 45 cm. Ich kann ihnen ver-
welchem Alter und welcher Länge hatte.
sichern, dass dies innerhalb der Renkenpopulation
Angelfischerei in der heutigen Form gar nicht möglich. nicht der Fall ist. Wir haben es hier mit einem metho-
Mit den Netzen kann man dagegen ganz gezielt und dischen Fehler zu tun. Denn mit der kleinsten verwen-
kontrolliert eingreifen. Vor allem bei den Renken, die deten Maschenweite fängt man von den kleinen Fi-
bevorzugt den Freiwasserbereich besiedeln und mit der schen die dicksten, die eben gerade noch in der Netz-
Angel, da zooplanktivor, kaum zu fangen sind. Natür- masche hängen bleiben. Gleich große, aber schlankere,
lich kann man das jetzt wieder so auslegen, dass der mo- schwimmen durch das Netz durch und finden nicht
torisierte Kormoran (Martin Müller) den Anglern den Weg in die Datenbank.

32
700
gefangene Reinanken [Ind.]

600
500 Angelfänge 2016 (2.527 Stk.)
Netzfänge 2016 (3.928 Stk.)
400
300
200
100
0
27
28
29
30
31
32
33
34
35
36
37
38
39
40
41
42
43
44
45
46
47
48
49
50
51
52
53
54
55
56
57
58
59
60
61
62
63
64
65
66
67
Totallänge [cm]
Abb. 14: Vergleich der Längenhäufigkeitsverteilung von Reinanken die mit der Angel (schwarze Säulen) bzw. mit den Kiemennetzen
(rote Säulen) im Jahr 2016 gefangen wurden. Es ist deutlich zu sehen, dass der Befischungsdruck bei der Angelfischerei vor allem
auf den größeren Reinanken lastet.

0,96
30 - 34,9 cm
0,94
35 - 39,9 cm
mittlerer Konditionsfaktor

0,92
40 - 44,9 cm
0,90
45 - 49,9 cm
0,88
0,86 >= 50 cm
0,84
0,82
0,80
0,78
0,76
0,74
0,72
1998
1999
2000
2001
2002
2003
2004
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
2012
2013
2014
2015
2016
2017
2018
Jahr
Abb. 15: Vergleich der mittleren Konditionsfaktoren in den Jahren 1999 bis 2017. Da große Fische generell korpulenter sind werden
die verschiedenen Größenklassen getrennt dargestellt. Die eher geringe Renkendichte führte bis zum Jahr 2015 zu einem kontinu-
ierlichen Anstieg der Werte. Der sehr starke Jahrgang 2014 ließ die Renken in den letzten Jahren wieder etwas schlanker werden.

9.2 Fang anderen Faktoren wie Tageszeit, Strömungen, Sonnen-


stand,…). Im Frühling, wenn der See noch nicht zum
Die beim Renkenfischen verwendeten Köder, die soge- Baden einlädt, besuchen die Renken, die grundsätzlich
nannten Nymphen, imitieren Larven- bzw. Puppensta- kaltes Wasser bevorzugen, auf der Suche nach nahrhaf-
dien von Zuckmücken (Chironomiden) und es gibt ten Leckerbissen gerne auch flache Seebereiche. Daher
mittlerweile eine Unmenge verschiedener Muster, die ist es durchaus einen Versuch wert, im Mai die Hegene
sich in Größe, Hakenform, Farbe, Bindematerial und in einer Tiefe von 5 bis 8 m am Grund anzubieten. Vor
Bindeweise unterscheiden. An welchen Stellen und in allem, wenn man große Maränen fangen möchte. Im-
welchen Tiefen man diese Edelköder am Weissensee mer wieder verirren sich ein paar von ihnen aber auch
einsetzt, ist abhängig von der Wassertemperatur und in ganz flache Uferbereiche. Dann sollten Sie ganz
vom Futterangebot (und vielleicht auch noch von spontan flexibel sein, denn es ist schon ein sehr

33
spezielles Erlebnis, wenn man einer Renke zuschauen Die Devise lautet: flexibel sein, probieren und nicht
kann, wie sie zur Hegene schwimmt und der Schwim- aufgeben. Phasenweise geht aber wirklich nichts. Tra-
mer dann umfällt. Immer wieder zeigen sie sich aber ditionsgemäß fällt so eine Phase jedes Jahr zwischen
auch ganz nahe der Oberfläche und auch hier können Ende Mai und Mitte Juni. Da hat man es als Renkenfi-
sie gezielt mit den Nymphen gefangen werden. Nun scher in der Regel nicht gerade leicht. Eine halbwegs
hat man noch die Möglichkeit, verschiedene Boden- vernünftige Erklärung dafür wäre, dass ein Großteil der
strukturen zu befischen. Aus verkrauteten Bereichen Renken um diese Zeit Zooplankton konsumiert. Weil
(Armleuchteralgen) holen sich die Maränen (häufig die von diesem entweder sehr viel da ist, oder weil von den
Großen) mit Vorliebe Wasserasseln. Über schlammi- Zuckmücken kaum noch was zu finden ist. Wenn aber
gen Untergrund fängt man mitunter ein bisschen die Fische so gut wie keine Zuckmücken fressen, dann
mehr. Empfehlenswerte Sicherheitsvariante: Eine He- fängt man mit einer Zuckmückenimitation natürlich
gene ins Kraut, eine in den Schlamm. Damit es dann auch nichts. Oder zumindest nicht viel.
doch ein bisschen abwechslungsreicher wird, ziehen die Bei hoher Populationsdichte beeinflussen Reinanken
Renken regelmäßig auch durchs Mittelwasser. Obwohl längerfristig auch die Zusammensetzung und die Häu-
sie hier eher auf der Suche nach Zooplankton sein dürf- figkeiten ihrer Nahrungsorganismen. Wenn sehr viele
ten, oder vielleicht auch nicht so recht wissen was sie Fische auf der Suche nach möglichst großen mundge-
sonst tun sollen, kann man sie auch hier fangen. Dann rechten Zuckmücken ganzjährig den Gewässergrund
gibt es noch Phasen, da schießen die Renken aus der durchwühlen, kann das durchaus zu einer Abnahme
Tiefe kerzengerade zur Oberfläche, springen aus dem der großen Chironomidenformen führen. Vor etwas
Wasser und schießen senkrecht wieder nach unten. Da- mehr als zehn Jahren konnten wir so eine Entwicklung
bei handelt es sich aber meist um kleinere Fische. Wenn im Weissensee mitverfolgen. Durch den hohen
das nun alles ein bisschen verwirrend sein sollte, weil Fraßdruck der sehr individuenreichen Renkenpopula-
Sie mit den Renken im Alltag nicht viel zu tun haben tion über mehrere Jahre, entwickelte sich die Boden-
und es Ihnen reicht, ein paar schöne Stunden am Was- fauna zu einer kleinwüchsigen Artengesellschaft. Diese
ser zu verbringen, mit der Aussicht auf den einen oder waren dann auch die Hauptnahrung der Renken und
anderen gastfreundlichen Fisch, dann gehen Sie wie weil sich Fische beim Fressen auf ganz bestimmte Or-
folgt vor: Verankern Sie Ihr Boot im Bereich zwischen ganismen konzentrieren und andere weitestgehend ig-
der Wasserschischule in Techendorf und dem Neusa- norieren, fing man in dieser Phase nur noch mit sehr
cher Mühlbach an einer Stelle, die zwischen 8 und 20 kleinen Hakengrößen (18 bis 22) relativ gut. Heute
m tief ist (also irgendwo in der Mitte) und servieren Sie kommen auch wieder große Zuckmückenformen häu-
Ihre Hegene an einem Schwimmer, für den Sie keinen fig vor und daher sind Haken der Größe 14 bzw. 16
Stopper brauchen („Renkencatcher“ oder „Renkenfin- Standard. Mit den Größen 12 bzw. 18 kann auch expe-
der“, beide sehr gut). Dabei ist es egal, ob Sie den rimentiert werden, wird aber in den meisten Fällen
Schwimmer 3 m oder 30 m weit auswerfen. Alles was nicht notwendig sein. Als Schnur für die Hegene hat
Sie benötigen (Hegenen, Schwimmer, Blei, Renkenke- sich das für die Fische angeblich unsichtbare Flourcar-
scher,…) erhalten Sie beim Alpensport in Techendorf. bon durchgesetzt. Schnurstärken von 0,14 bis 0,18 sind
Östlich vom Neusacher Mühlbach wird der See dann gebräuchlich. Je größer und schwerer der Haken, desto
bald sehr tief und daher macht es dort nur noch Sinn dicker sollte die Schnur für den Springer sein. Denn es
entlang der Scharkante in Tiefen, je nach Jahreszeit, ist ganz entscheidend, dass die Nymphe in einem schö-
von 5 bis 25 m zu fischen. nen Bogen nach oben von der Hauptschnur absteht.
Erstaunlich ist, dass Renken auf die angebotenen Nym- Etwas mehr Bewegung bekommt man in die Nymphe,
phen nicht immer gleich reagieren. An einem Tag fängt wenn man diese mit einem Schlaufenknoten an die
das eine Muster, am anderen Tag wird dieses ignoriert Springerschnur anbindet. Hin und wieder kann es auch
und es fängt ein anderes Muster. Und so kommt es im- sinnvoll sein, sehr dünne Schnüre zu verwenden (0,12
mer wieder vor, dass ein Angler einen Fisch nach dem mm). Diese überdehnen aber leicht und daher müssen
anderen aus dem See zieht und die um ihn gruppierten die Hegenen relativ häufig neu gebunden werden. Je
Fischer, mangels Bissen, nur inaktiv zuschauen können. nachdem, wie viele Fische man damit fängt.

34
Zum Angeln mit dem Schwimmer empfiehlt sich eine Angelleine
3,00 – 3,90 m lange Rute mit weicher Spitze und einer
semiparabolischen oder parabolischen Aktion, um die Wasseroberfläche
Fluchten der Fische abfangen zu können. Zu steife Ru-
ten führen durch den sehr fragilen anatomischen Bau
des Renkenmaules häufig zu Fischverlusten beim Drill.
Ein Wurfgewicht der Angel von ca. 10 – 40 g ist ideal,
um die 20 – 35 g schweren Bleie gut werfen zu können. 5-25 m
Die Stärke für die Hauptschnur sollte maximal bei 0,20
2-3 m
mm Durchmesser liegen, um die Funktionalität der
Schwimmer (welche keinen Stopperknoten benötigen) Nymphe
nicht zu beeinträchtigen. Wenn man die Renken im
Mittelwasser oder an der Oberfläche befischen will,
kommt der klassische Renkenschwimmer zum Einsatz, Blei
der einen Schnurstopper an der Hauptschnur erfor- Wasseroberfläche
dert, mit dem man die hoffentlich richtige Tiefe ein-
stellen kann. Achten Sie beim Einkurbeln der Schnur Angelleine
darauf, dass der Stopperknoten am unteren Rand der
Spule zu liegen kommt. Aus eigener Erfahrung weiß
ich, dass beim Auswerfen die ablaufende Schnur gerne
am Knoten hängen bleibt und die Hegene samt Blei
dann weiter fliegt als einem lieb ist. Das führt dann 5-25 m
meist zu verzerrten Gesichtsausdrücken und, je nach
3-5 m
Temperament, zu lautstarken Entladungen der inne-
ren Gefühlswelt. Das Fischen mit dem Schwimmer bie- Nymphe
tet den Vorteil, dass sich eine Renke, die der angebote-
nen Nymphe nicht widerstehen kann, durch das hohe
Bleigewicht selbst hakt. Da das Blei nach unten zieht, Blei
reagiert die Renke mit Gegenzug und schwimmt nach
oben. Der Schwimmer fällt nach mehrmaligem Hüp- Wasser- Angel Boot
fen schließlich um und signalisiert den Biss. Der Fisch oberfläche
muss dann „nur noch“ eingekurbelt werden. Das Ren-
kenfischen mit dem Schwimmer ist also eine Methode
die es erlaubt, sich während dem Angeln auch mit an-
Karabiner
deren Dingen zu beschäftigen, denn die Fische erledi-
gen das meiste von selbst. Ein gut austarierter bzw. rich-
tig eingestellter Schwimmer dürfte durch sein Pendeln 10-25
an der Wasseroberfläche, besonders bei Wind, die 20-50 m
Nymphen in der Tiefe in Bewegung versetzen und da- cm
her ihren Reiz für die Fische noch erhöhen (Abb. 16). 2-3 m
Eine weitere Methode ist der Tiefen- bzw. über- Nymphe
schwerte Schwimmer. Dabei wird ein kleinerer
Schwimmer vom Blei mit in die Tiefe gezogen und hat Anker
die Aufgabe, die Hegene senkrecht zu halten. Einen Blei
Biss erkennt man an der Rutenspitze bzw. am auftau-
Abb. 16: Verschiedene Methoden zum Renkenfischen. Oben:
chenden Schwimmer, wenn die Renke nach oben Schwimmer ohne oder mit Stopper. Mitte: Tiefenschwimmer.
schwimmt. Unten: Zupfen bzw. Heben.

35
Eine aktive Methode, um vom Boot aus Renken zu fan- erfüllt auch alle Erwartungen. Und wenn das alles
gen, bietet die Zupfrute (Heberute). Hier ist ständige nichts hilft, dann schauen Sie bitte bei mir vorbei (Das
Konzentration gefragt, da ein Biss mit einem leichten können Sie aber immer gerne machen.).
Anschlag beantwortet werden muss. Die Krönung der Größte Angelfänge
Renkenfischerei ist wohl das Fischen mit einer qualita-
tiv hochwertigen Heberute (Länge ca. 200 bis 240 cm) Jahr Länge Gewicht
mit einer Laufrolle. Ob für die Laufrolle als Haupt- 2014 74 cm 4,16 kg
schnur eine sehr dünne geflochtene oder eine monofile 2013 70 cm 4,05 kg
Schnur (0,16 – 0,18 mm) verwendet wird, ist Ge- 72 cm 4,20 kg
schmackssache. Die Bleibeschwerungen an der Hegene 2012 71 cm 3,90 kg
werden zwischen 3 und 8 g gewählt. Mit dieser sehr 1999 76 cm 4,30 kg
leichten Angel und sehr feinen Montage kann man mü-
helos lange Zeit angeln, und wenn ein Fisch anbeißt,
wird einem ein unvergleichliches Erlebnis geschenkt.
Wer es nicht ganz so exklusiv haben möchte, kann auch
mit einer feinen Winkelpickerrute (Länge: 200 - 250
cm) mit einer kleinen Stationärrolle sein Glück versu-
chen. Beim „Zupfen“ wird vom Boot aus die Hegene
(meist) bis zum Grund hinabgelassen und dann lang-
sam 30 bis 50 cm angehoben und wieder abgesenkt.
Dadurch wird der Reiz der Nymphen erhöht. Je lang-
samer die Köder nach oben bewegt werden, desto bes-
ser. Die oft sehr zaghaften Bisse sieht man an der Ru-
tenspitze bzw. spürt man im Handteil der Rute. Schon
wenn man einen Biss erahnt, sollte man einen leichten
Anschlag aus dem Handgelenk setzen. Bei Windstille
kann man auf einen Anker für das Boot verzichten, an-
sonsten setzt man einen Anker und angelt auf der ge-
genüberliegenden Seite von diesem.
Viel entscheidender als die Angelgeräte und Methode
9.3 Kulinarisches Highlight
die man wählt, sind jedoch die Qualität der verwende- Die Renke aus dem Weissensee ist nicht nur ein ausge-
ten Nymphen, die verwendeten Schnüre für die He- zeichneter Speisefisch, sondern auch ein hundertpro-
gene sowie der Angelplatz. Die Reinankenpopulation zentig nachhaltiges Lebensmittel. Eine selbst gefangene
im Weissensee ist derzeit so gut, dass es für jeden Ren- Renke im Kreise der Familie in Verbindung mit einem
kenangler, ob erfahren oder nicht, möglich sein sollte Grünen Veltliner zu zelebrieren, ist Lebensqualität auf
zufriedenstellende Fänge zu erzielen. Sehr gute und höchstem Niveau. In Verbindung mit Eierschwam-
umfangreiche Informationen und perfekt auf Ihre Be- merln aus dem umliegenden Wald wird es schon ein
dürfnisse abgestimmte Angelgeräte finden Sie auf bisschen kitschig. Um die Qualität der Fische voll aus-
www.renkenfischen.at; www.renkenfinder.at und kosten zu können, sollten Sie bedenken, dass Renken
www.angelprofi.at. Alle Anbieter kennen den Weissen- (Kaltwasserfische) extrem empfindlich auf Wärmeein-
see sehr gut und werden Ihnen sicher gerne weiterhel- fluss reagieren. Ob sie sofort nach dem Fang ausgenom-
fen. Das Sortiment beim Alpensport in Techendorf men werden oder nicht, spielt keine Rolle, wichtig ist,
dass sie sofort nach dem tierschutzgerechten Töten ge-
kühlt werden. An warmen Tagen geht ohne Kühlbox
gar nichts. Heiß- und Kaltgeräuchert ist die Renke eine
Delikatesse und gebeizt (graved) besticht sie durch ih-
ren dezenten Eigengeschmack.

36
10 HECHT (Esox lucius)
Er wurde im Jahr 1949 erstmals besetzt, das letzte Mal
im Jahr 1986. Er fühlt sich ganz offensichtlich wohl bei
uns und nutzt die vielen Strukturen (Wasserpflanzen
und Totholz) als Standplätze und zum Ablaichen. Als
perfekter Lauerjäger kann er unglaublich beschleuni-
gen, da die weit nach hinten versetzten Rücken- und
Afterflosse mit der Schwanzflosse eine funktionale Ein-
Hechte werden groß (die Weibchen sehr groß), sie sind heit, also eine sehr große Antriebsflosse, bilden. Sein
gefräßig, sie sind launisch und in einem See sind sie sehr großes Maul, das überall mit unzähligen nadel-
überall und nirgends. Im Weissensee, dem Paradebei- scharfen Zähnen besetzt ist, machen alles zur Beute was
spiel eines Seeforellensees, schwimmen definitiv zu nicht wesentlich größer ist, als er selbst. Vor allem fo-
viele Hechte (vor allem für die Seeforellen) und den- rellenartige Fische scheint er zu lieben.
noch rudert man sich oft die Hände schwielig und In vielen Gewässern ist der Hecht ein wichtiges Ele-
fängt gar nichts. Aber nur weil wir stundenlang keine ment der Artengemeinschaft, in Salmonidengewässern
Anzeichen eines Hechtbisses erkennen können, heißt kann er sich dagegen sehr schnell unbeliebt machen.
das noch lange nicht, dass sich kein Fisch für unseren Der Lunzer See, ein 68 ha großer See im südlichen Nie-
Köder interessiert hat. Videoaufnahmen mit Unter- derösterreich, wird seit vielen Jahrzehnten fischökolo-
wasserkameras, die kurz vor dem Schleppköder an die gisch untersucht und war lange Zeit berühmt für seinen
Hauptschnur befestigt werden, zeigen immer wieder, Seesaiblingsbestand. Wie die Hechte in den Lunzer See
dass sich in der Nähe der Köder mehr abspielt als wir kamen weiß man nicht, auf alle Fälle waren sie im Jahr
ahnen. Manche Hechte schauen sich den Köder nur 2010 plötzlich da und nur fünf Jahre später war der
kurz an, manche schwimmen lange hinter diesem her, Seesaibling ausgestorben. Die nachweislich ansteigen-
manche probieren kurz und manche probieren richtig, den Wassertemperaturen dürften dem Hecht generell
bleiben aber nicht hängen. All das bemerken wir gar in die Karten spielen, denn nicht nur im Lunzer See hat
nicht und staunen erst nachträglich beim Durchforsten der Hechtbestand zugenommen. Der Hecht, ein Nutz-
des Videomaterials. Mit an Sicherheit grenzender nießer des Klimawandels? Sehr wahrscheinlich.
Wahrscheinlichkeit reißt es einem beim Schleppen
aber irgendwann die Angel ohne Vorwarnung förmlich Vom Ei zum Fischchen
ins Wasser. Und das sind die Momente, von denen Weibliche Hechte produzieren pro Kilogramm Kör-
Hechtangler träumen. Nach oft stundenlangem Ru- pergewicht ca. 45.000 Eier und haben somit ein enor-
dern schießt das Adrenalin ein und falls der Anschlag mes Vermehrungspotential. Die Laichzeit fällt am
sitzt, merkt man sehr bald mit wem man es zu tun hat. Weissensee in den April, beginnt also kurz nachdem
Angel, Rolle, Schnur, Karabiner und Haken sollten der See eisfrei geworden ist. Beim Laichen wird das
dann keine Schwachstellen aufweisen und perfekt auf- meist größere Weibchen von mehreren kleineren
einander abgestimmt sein, denn es gibt nichts depri- Männchen umschwärmt, und wenn der Rogner die
mierenderes als einen Riesenfisch zu verlieren, weil Eier an Wasserpflanzen anheftet, werden diese von den
man vorher ein bisschen schlampig war. Aber auch Milchnern befruchtet. Dabei kann es zu ziemlichen
wenn man alles richtig macht, ist der Ausgang des Du- Tumulten kommen. Je nach Wassertemperatur
ells immer offen. Ein Hechtsprung, ein Kopfschütteln schlüpfen die Hechtlarven nach zwei bis drei Wochen
und schon kann man zusehen, wie der Meterhecht wie- und sehen vorerst ihren Eltern überhaupt nicht ähn-
der in die Tiefe abtaucht. Nach kurzem Durchatmen lich. An der Unterseite des runden Kopfes sitzt eine
kann man dann höchstmotiviert wieder stundenlang Klebedrüse, mit der sich die Fischchen an Strukturen
weiterrudern. anheften. Hier verweilen sie so lange, bis der Dotter-
Der Hecht lebt noch nicht sehr lange im Weissensee. sack aufgezehrt und das typische Hechtmaul

37
ausgebildet ist. Damit beginnt das Raubfischleben. Als bringen. Eine der letzten Chancen die uns noch zur
Erstnahrung freuen sich die Minihechte über Verfügung steht, wäre eine intensive Befischung der
Zooplankton, schon bald verspüren sie jedoch ein star- Hechtpopulation mit Flügelreusen. Das Beispiel
kes Verlangen nach Fisch. Was für Fisch ist egal, es kön- Grundlsee zeigt, dass man dadurch durchaus in der
nen durchaus auch die gleich großen Geschwister sein. Lage ist den Bestand zu reduzieren. Reusen bieten den
Vorteil, dass die Fische lebend gefangen werden kön-
Vom Fischchen zum Riesen nen, das heißt, man kann ganz genau bestimmen was
Wenn Hechte genügend Futter serviert bekommen aus dem See entnommen wird und was nicht. Effektiv
und die Wassertemperatur ihnen behagt, dann haben sind die Befischungen jedoch nur während der Laich-
sie ein unglaubliches Wachstumspotential. Kleine zeit im April, da Hechte nur um diese Zeit aktiv im fla-
Hechte konsumieren gerne Zooplankton, Insekten- chen Wasser unterwegs sind.
und Fischlarven. Halbstarke bevorzugen mundge- Objektiv betrachtet kann man durch eine Dezimierung
rechte Fische, aber auch Insektenlarven, Amphibien der Hechtpopulation im Weissensee nur gewinnen.
und Flusskrebse. Größere Hechte fressen bevorzugt Fi- Und es gewinnen alle. Angler genauso wie gefährdete
sche, manche Individuen sind aber durchaus auch eine oder ausgestorbene Fischarten und im Endeffekt auch
Gefahr für Wasservögel und Säugetiere. Bei den Futter- die Hechtpopulation selbst. Diese kann derzeit sicher
fischen sind Hechte nicht sehr wählerisch. Was leicht nicht ihr volles Wachstumspotential ausschöpfen, da
zu bekommen ist, wird dankend angenommen. So zum sich viele Hechte das begrenzte Futterangebot streitig
Beispiel die von uns besetzten Seeforellen. Sie mögen machen und daher meist sehr schlank bleiben. Weniger
aber nachweislich auch sehr gerne Rotaugen, Rotfe- Raubfische würden in Zukunft ziemlich sicher größere
dern, Flussbarsche, Schleien, Reinanken, Hechte,…vor und dickere Hechte und bessere Chancen für alle ande-
allem, wenn diese sich gerade vermehren wollen und ren Fischarten bedeuten. Das kann man sich auch
dann verständlicherweise abgelenkt sind. Interessan- leicht durchüberlegen, denn ein Hecht muss ca. 10 kg
terweise werden die weiblichen Hechte viel größer. Bei Fisch fressen um 1 kg an Masse zuzulegen. Das bedeu-
Fischen über einen Meter Länge handelt es sich immer tet, dass die 1.000 bis 1.600 kg Hechte, die jedes Jahr
um weibliche Tiere. Zumindest war das bis jetzt immer aus dem Weissensee gefischt werden, etwa 10.000 kg
so. bis 16.000 kg Fisch fressen mussten, um diesen Ertrag
zu ermöglichen. Im Vergleich dazu liegt der durch die
Bestandskontrolle Angel- und Netzfischerei erzielte Fischertrag bei ca.
Der Hecht macht es uns nicht leicht. Er ist ein großar- 8.000 kg pro Jahr (Angelfischerei ca. 6.500 kg, Netzfi-
tiger Angelfisch, der uns Fischern alles abverlangt und scherei ca. 1.500 kg).
uns regelmäßig Höhen und Tiefen beschert. Er ist ein Gelingt die Reduktion der Hechtpopulation nicht,
großartiger Speisefisch, der uns kulinarische Höhe- dann ändert sich gar nichts. Das hieße aber auch, dass
punkte bieten kann und er ist eine hochspezialisierte, es ziemlich sicher nie mehr eine halbwegs gesunde See-
faszinierende Fischart, die uns immer wieder zum Stau- forellenpopulation im Weissensee geben wird. Und das
nen bringt. Was gegen ihn spricht ist, dass er für den wäre doch sehr schade.
Weissensee ganz sicher nicht als standortgerecht ange-
sehen werden kann und uns mehr oder weniger im Al-
10.1 Fanglisten und Bewirtschaftung
leingang die sehr aufwendigen Wiederbesiedelungsver- Anfang der 1990er Jahre war das Angeln auf Reinan-
suche mit Seeforellen und Seesaiblingen zunichte- ken am Weissensee gerade auf dem Weg, sich gegen-
macht. So wie im Lunzer See war er ganz sicher auch im über allen anderen Befischungsmethoden durchzuset-
Weissensee maßgeblich am Aussterben einiger autoch- zen. Man kann daher davon ausgehen, dass die höheren
thoner Arten beteiligt und die vergangenen Jahre ha- Fangzahlen bei den Hechten in diesen Jahren mit der
ben uns beinhart vor Augen geführt, dass die derzeitige höheren Befischungsintensität und der Verwendung
Raubfischdichte vehement dagegen arbeitet, den Weis- des lebenden Köderfisches zusammenhängen und eher
sensee auf einen guten ökologischen Zustand zu nicht mit der vorhandenen Hechtdichte. Ein

38
Abb. 17: Hechterträge durch die Angelfischerei seit dem Jahr 1991. Ab dem Jahr 1999 wurde das Mindestmaß für den Hecht (50
cm) aufgehoben. Um die Jahreserträge besser vergleichen zu können bezieht sich das Diagramm nur auf Hechte mit einer Länge
von mind. 50 cm.
deutliches Indiz dafür sind auch die relativ hohen Er- kostenintensiv und daher wenig erfolgreich. Mit Kie-
träge in den Jahren 2008 und 2009, in denen die Ren- mennetzen fängt man während der Hechtlaichzeit
kenfänge sehr bescheiden ausfielen und viele Angler, zwar relativ viele Hechte, aber so gut wie alle anderen
wohl eher frustgeleitet, die Renken- gegen die Fischarten auch. Und nicht alle so gefangenen Fische
Hechtangel tauschten (Abb. 17). In den letzten 27 Jah- können unverletzt zurückgesetzt werden. Befischun-
ren wurden jeweils zwischen ca. 550 und 1.100 Stück gen mit Großreusen wurden auch durchgeführt, eher
Hechte in die Fanglisten eingetragen, was Jahreserträ- aber halbherzig, da nur wenige Reusen zur Verfügung
gen von ca. 950 bis 1.600 kg entspricht (Tab. 6, Tab. 6). standen. Spürbare Effekte blieben daher aus. Ab dem
Damit liegen die Erträge nur unter denen von Reinan- Jahr 1999 wurden die Fangbeschränkungen für den
ken und Karpfen und sind für das Paradebeispiel eines
Seeforellensees ganz offensichtlich viel zu hoch. Es
Tab. 5: Hechtausfang im Jahresvergleich (2000 – 2017). Min-
schwimmen definitiv zu viele Hechte im Weissensee destmaß: ab 1999 = keines; Das Fischgewicht wurde mit Hilfe
herum. Von Seiten der Wissenschaft wurde das auch der Formel aus einer Längen-Gewichtsregression berechnet.
schon Anfang der 1990er Jahre erkannt, aber erst ab Fanglistenauswertung in den Jahren 2011 und 2017 durch die
A5D. * = Hechte ≥ 70 cm
1997 begann man mit ersten zaghaften Versuchen, die
Gesamtfang ≤ 70 cm ≥ 70 ≤ 100 cm ≥ 100 cm
Hechtpopulation auf ein vertretbares Maß zu reduzie-
Jahr [Ind.] [kg] [Ind.] [kg] [Ind.] [kg] [Ind.] [kg]
ren. Elektrobefischungen waren sehr zeit- und
2000 815 1197 695 743 114 408 6 46
Tab. 6: Hechtausfang im Jahresvergleich (1991 – 1999). Min- 2001 710 1271 553 675 149* 596
destmaß bis 1998 = 50 cm. Von 1991 bis 1999 wurde nur die 2002 807 1252 667 740 140* 512
Anzahl der gefangenen Fische aufgelistet. Die Fischlängen 2003 978 1512 818 895 160* 617
blieben bei der Auswertung unberücksichtigt. Auswertung 2004 834 1241 738 825 80 267 16 149
durchgeführt von der A5D, insbesondere von Herrn Walter Do- 2005 752 1057 649 685 94 298 9 75
menig. 2006 732 1202 616 662 95 339 21 201
Fang 2007 693 1268 549 634 119 412 25 223
Jahr [Ind.] 2008 959 1572 791 906 147 477 21 189
1991 943 2009 1104 1535 983 1094 115 385 6 56
1992 897 2010 797 1287 665 776 116 356 16 155
1993 774 2011 760
1994 900 2012 627 972 511 571 112 364 4 37
2013 654 1083 543 631 99 336 12 116
1995 668
2014 700 1090 584 719 116 371 12 104
1996 696
2015 711 1356 472 543 225 691 14 122
1997 766
2016 688 1048 542 544 137 427 9 77
1998 577
2017 538
1999 697

39
Abb. 18: Längenhäufigkeitsverteilung von Hechten in den Jahren 2000 bis 2016. Eine Längenklasse entspricht 10 cm. Daten aus
der Fanglistenauswertung.

Hecht aufgehoben und seit dem Jahr 2001 ist die Ver- machen. Häufig kann man Rotaugen und Flussbarsche
wendung lebender Wirbeltiere verboten. Beide Verän- beobachten, wie sie völlig regungslos im Wasser stehen.
derungen haben die Hechte des Weissensees offen- Meist ist ihr Kopf dabei nach unten gerichtet. Diese na-
sichtlich völlig kalt gelassen, und so schwankten die türliche Haltung der Fische sollte beim Anködern be-
jährlichen Fangerträge nur geringfügig, ohne irgendei- rücksichtigt werden. Eine relativ einfache und sehr ef-
nen längerfristigen Trend erkennen zu lassen. Grund- fektive Montage zeigt die Abb. 19. Man braucht dazu
sätzlich kann man sagen, dass sich der Hechtbestand in einen Köderfisch, ein ca. 1m langes Stück Hard Mono
den letzten knapp 30 Jahren nicht verändert hat. We- mit 10 - 13 kg Tragkraft, je nach Köderfischgröße einen
der nach oben noch nach unten. Es gibt aber immer oder zwei Drillinge, die der Größe des Köders entspre-
wieder sehr außergewöhnliche Jahre, in denen die chen, eine Ködernadel, einen Auftriebskörper, einen
Hechterträge ohne ersichtlichen Grund völlig ausrei- Draht (z. B. aus einer Büroklammer), zwei Sprengringe,
ßen. So wurden zum Beispiel im Jahr 2015 weit mehr ein Katharinenblei und ein Stück Stahlvorfach (oder
Hechte mit Längen von 70 cm bis 90 cm gefangen als ähnliches). Die Montage des Hard Mono bzw. des
jemals zuvor (Abb. 18). Stahlvorfaches erfolgt am besten mit Klemmhülsen.
Das Stahlvorfach am Bauch des Köderfisches sollte mit
10.2 Fang entsprechend stabilen Karabinern am Sprengring be-
Es gibt grundsätzlich drei verschiedene Möglichkeiten festigt werden, damit bei einem eventuellen Drill auch
die man mit gutem Gewissen und guten Erfolgsaussich- Rotationen abgefedert werden können. Das vorberei-
ten einsetzen kann. Welche man anwendet ist Ge- tete Vorfach wird mit einer Ködernadel, wie in der Ab-
schmackssache. Alle bieten Vor- und Nachteile. Die ge- bildung, von unten nach oben durch den Köderfisch
mütlichste Möglichkeit ist das Angeln mit dem toten gezogen. Mit dem Katharinenblei wird die gesamte
Köderfisch. Ob auf Grund ausgelegt oder mit Schwim- Montage gespannt und fixiert. Der hintere Bereich des
mer kommt auf die Situation an. Ich selbst bevorzuge Fisches wird mit einem Auftriebskörper (z.B. Styropor)
grundsätzlich den Schwimmer und lasse das Boot lang- gefüllt. Jetzt müssen Sie nur noch kontrollieren, wie der
sam treiben. Man kann nun den toten Köderfisch ir- Köder im Wasser steht und sich bei Bewegung verhält.
gendwie an den Haken hängen und auf viel Glück hof- Mich hat diese Montage auf alle Fälle überzeugt. Sobald
fen, oder sich ein paar grundsätzliche Gedanken Sie einen Biss bemerken, können Sie sofort einen

40
Abb. 19: Schwimmermontage für den toten Köderfisch.

kräftigen Anschlag setzen. Fehlbisse werden grundsätz- Mit einer kurzen und leichten Angel wird die Montage
lich nur von sehr kleinen Hechten produziert, die sich ausgeworfen, auf den Grund abgesenkt und dann ruck-
ein bisschen überschätzen. Empfehlung Angelgerät: artig aus dem Handgelenk kurz „angezupft“ und wie-
Rute: Länge 270 - 300 cm; 70 – 140 g Wurfgewicht; der abgesenkt. Zielfische sind vor allem Flussbarsche, es
Stationärrolle: 4000; Schnur: geflochten, qualitativ kommt aber recht häufig vor, dass auch ein Hecht nicht
hochwertig, Tragkraft ca. 18 kg; Vorfach: Hard Mono widerstehen kann. Mit dem sehr feinen Gerät ist es
ca. 13 kg Tragkraft. dann eine große Herausforderung, Fische mit Längen
Wer es gerne ein bisschen aktiver angeht, dem sei die von über 60 cm auch bis in den Kescher zu bekommen.
Spinnfischerei empfohlen. Die Köderwahl bietet dabei Empfehlung Angelgerät: Rute: Drop shot vertikal:
unbegrenzte Möglichkeiten. Ob Wobbler, Jerkbaits, Länge 210 cm; 3 – 12 g Wurfgewicht; Stationärrolle:
Gummifische, schwere Spinner, Köderfischsysteme o- 1500; Schnur: geflochten, qualitativ hochwertig, Trag-
der Blinker ist Geschmackssache. Wichtig ist, dass das kraft ca. 7 kg; Vorfach: Hard Mono ca. 4,5 kg Tragkraft
Angelgerät und die Köder aufeinander abgestimmt oder Fluorcarbon ca. 0,25 mm. Normalerweise hängen
sind. Idealerweise fischt man in seichteren Seeberei- bei dieser Methode die Hechte vorne seitlich und es
chen, die zwischen 3 und ca. 10 m tief sind und Struk- kommt nur selten vor, dass die Schnur durchgebissen
turen, wie Wasserpflanzen bzw. Totholz, anbieten. Im wird. Köder: unendlich viele; Mein Liebling: bleak real
ganz flachen Wasser kann man auch Hechte fangen, tail 8,0 cm von savage gear.
meist aber nur kleine. Wichtig ist, dass man den ange- Die wohl effektivste, aber auch anstrengendste Me-
botenen Ködern Leben einhaucht. Bevor man zu an- thode um Hechte, vor allem auch ganz große, zu fangen
geln beginnt, sollte man diese im flachen Wasser führen ist das Schleppangeln. Fragen Sie mich nicht, warum
und beobachten, wie sie auf unterschiedliche Bewegun- das Schleppen mit dem Elektromotor am Weissensee
gen aus dem Handgelenk reagieren. Hechte wollen ge- nicht erlaubt ist. Mir konnte es bis jetzt noch niemand
reizt werden. Empfehlung Angelgerät: Rute: Länge 270 verständlich erklären. Aber egal. Durch das Rudern be-
cm, 50 – 100 g Wurfgewicht; Stationärrolle: 3000; kommt der Köder mit jedem Ruderschlag einen Impuls
Schnur: geflochten, qualitativ hochwertig, Tragkraft und verändert somit ständig sein Laufverhalten, was
ca. 10 kg; Vorfach: Hard Mono ca. 7 kg Tragkraft. ganz sicher kein Nachteil ist. Ob Sie Wobbler, Gummi-
Eine spannende und effektive Methode zum Raub- fische, Blinker, Perlmuttblinker, Köderfischsys-
fischfang ist die Drop-shot-Montage. Dabei wird wie teme,…einsetzen, ist wieder Geschmackssache. Es gibt
bei einem Paternostersystem der Köder als Springer an sehr viele fängige Modelle. Da wir nie wissen können in
das Vorfach geknotet. Am Schnurende befindet sich welcher Tiefe ein Hecht auf uns wartet, ist es günstig
das Blei. Mit dieser Montage werden Strukturen ganz mit zwei (wenn man zu zweit unterwegs ist auch mit
gezielt in Grundnähe abgefischt. Auch hier kommt es vier) Angeln unterschiedliche Tiefen zu befischen. Bei
darauf an, dass dem Köder Leben eingehaucht wird. den flach geführten Ködern ist es von großem Vorteil

41
einen sideplaner (Scherbrett) zu verwenden. Durch Scharkante im östlichen Seebereich an. Schleppen kön-
dieses Hilfsmittel fällt die Scheuchwirkung des Bootes nen Sie überall. Im flachen Gatschacher Becken ist ein
weg und es kann zum Beispiel die Scharkante punktge- sideplaner sehr hilfreich. Wenn hier allerdings Hoch-
nau befischt werden. Am Weissensee machen Sie betrieb herrscht, werden Sie sich damit wohl eher keine
grundsätzlich schon einmal alles richtig, wenn Sie einen Freunde machen.
Köder am sideplaner in einer Tiefe von 1 – 2 m anbie-
ten und einen ohne Scherbrett in einer Tiefe von 5 – 6 10.3 Kulinarisches Highlight
m. Viel tiefer sollte dieser aber nicht geführt werden, da Der Hecht hat ein sehr kompaktes, ausgezeichnetes
Hechte ihre Beute meist von unten kommend attackie- Fleisch, das uns jedoch durch die vielen Y-Gräten den
ren. Grundsätzlich ist eine Rudergeschwindigkeit von Genuss etwas mindern kann. Perfektionisten schnei-
ca. 3 km/h gut gewählt. Es ist aber ganz entscheidend, den die Gräten durch eine spezielle Schnittführung aus
dass diese auf die verwendeten Köder abgestimmt wird. dem Filet heraus. Durch Schröpfen bekommt man
Sie sollten sich daher ein paar Minuten Zeit nehmen diese aber auch gut in den Griff. Die Größe der Hechte
und genau beobachten, wie Ihr Edelköder auf unter- hat so gut wie keinen Einfluss auf die Qualität des Flei-
schiedliche Rudergeschwindigkeiten reagiert, indem sches. Egal ob Riese oder Zwerg – jeder Hecht kann uns
Sie diesen ein paar Meter hinter dem Boot nachziehen. zu einem kulinarischen Highlight verhelfen. Wie oben
Empfehlung Angelgerät: Rute: Länge 300 cm; 70 – 140 beschrieben, haben wir besonders von den mittelgro-
g Wurfgewicht; Stationärrolle oder Multirolle; Schnur: ßen Hechten mehr als genug im See. Nutzen Sie diese,
geflochten, qualitativ hochwertig, multicolor, Trag- im eigenen Interesse, so oft wie möglich.
kraft ca. 18 kg; ca. 15 m monofile Schnur ca. 0,40 mm
(ca. 15 kg Tragkraft) zwischen Vorfach und geflochte-
ner Schnur (wegen Sichtigkeit und Dehnung, hier wird Größte Angelfänge:
auch der sideplaner eingespannt); Schleppkupplung Jahr Länge Gewicht
(wenn der Köder tiefer geführt werden soll); Vorfach: 2017 125 cm 12,08 kg
Hard Mono ca. 13 kg Tragkraft. Köder: Castaic Real 2015 128 cm 15,50 kg
Bait 23 cm (Renke), Westin Percy the perch 20 cm, 2006 132 cm 19,10 kg
Wikam Schleppsystem mit schlankem Köderfisch 2005 133 cm 18,50 kg
(Rotauge) und noch hunderte andere. Mit den drei
oben genannten Ködern haben Sie aber alles, was Sie
für den Weissensee brauchen, um auch einmal einen
richtig großen Hecht zu fangen. Für das Spinnfischen
und die Drop-shot-Montage bieten sich das gesamte
Gatschacher Becken und die Bereiche entlang der

11 KARPFEN (Cyprinus carpio)


schaft würden wir ihn im See vermissen, weil er eine
Warmwasserart ist und sich im Weissensee nicht na-
türlich vermehren kann. Sein Dasein hängt also von Be-
satzmaßnahmen ab, die seit dem Jahr 1948 mehr oder
weniger jährlich durchgeführt werden. Trotz der eher
ungünstigen Ausgangslage fand sich der Karpfen in vie-
len Jahren ganz an der Spitze der Fangerträge. Es wurde
Der Karpfen ist für den Weissensee ein bisschen ein also viel besetzt und auch wenn die Rahmenbedingun-
Kuriosum, denn er ist nicht wirklich für diesen Lebens- gen nicht ideal sind, ermöglicht der Weissensee einen
raum geschaffen. Ohne der Hilfe der Agrargemein- ganz ordentlichen Zuwachs. In den letzten Jahren

42
wurden fast ausschließlich Schuppenkarpfen, die es schwierig die Population zu steuern. Die Karpfen
Stammform des Karpfens, besetzt. Spiegel-, Zeil- und werden vermutlich aber auch größer, weil sie ganz tolle
Lederkarpfen haben ihre nutzerfreundlichen Eigen- Delikatessen serviert bekommen. Boilis, Futterpellets,
schaften (wenige Schuppen) geschickten Mönchen zu Tigernüsse, Mais, Teig – alles vom Feinsten und in den
verdanken die im Mittelalter selektive Fischzucht im letzten Jahren sicher in ansteigenden Mengen. Dann
großen Stil betrieben haben, um die langen fleischlosen kommt natürlich noch dazu, dass seit einigen Jahren
Fastenzeiten gut gelaunt und mit möglichst geringem das Angeln in der Nacht erlaubt ist. Gerade in den
Arbeitsaufwand überbrücken zu können. Sommermonaten beschränken sich die Fänge fast aus-
Einzelne Karpfen wachsen im Weissensee zu sehr gro- schließlich auf die Nachtstunden.
ßen Exemplaren heran und erreichen ein Gewicht von Im Frühling, wenn die Wassertemperaturen ansteigen,
über 20 kg. Das war nicht immer so, denn noch vor drängen sich viele Fischarten ins warme Flachwasser
etwa 20 Jahren war der Fang eines 15 kg schweren und machen deutlich, wie individuenreich der Karp-
Karpfens eine Sensation. Heute staunt man nicht wirk- fenbestand derzeit ist. Im Sommer ziehen sich die Fi-
lich über so einen Fisch. Dafür gibt es wieder mehrere sche generell in tiefere, weniger beunruhigte Bereiche
Gründe. Unsere Seen werden nachweislich wärmer, zurück und es gibt daher oft Tage, an denen sich so gut
und das mag der Karpfen. Er kann dadurch länger und wie kein Fisch im Uferbereich blicken lässt.
mehr fressen und wird daher größer und schwerer. Die Abgesehen von den von außen eingebrachten Lecker-
zunehmenden Wassertemperaturen lassen sie im Weis- bissen, mögen die Karpfen so gut wie alles was sie fin-
sensee seit ca. 10 Jahren auch ablaichen. Davor wurde den können, vor allem aber Bodenorganismen wie
dieses Schauspiel, und das ist es tatsächlich, nie beo- Schnecken, Insektenlarven und Muscheln.
bachtet. Meist sammeln sich Karpfen aller Größen in
der ersten Juniwoche, ab einer Wassertemperatur von 11.1 Fanglisten und Bewirtschaftung
ca. 17 °C, in den Flachwasserbereichen und laichen mit In den Jahren 1991 bis 2017 wurden jährlich zwischen
lautem Geplatsche im Schilf. Jungkarpfen konnten bis- ca. 500 und 2.800 Karpfen aus dem See entnommen,
lang noch nicht beobachtet werden, dazu war es bisher was einem Ertrag von ca. 2.100 kg bis 5.500 kg ent-
doch noch zu kalt. Es ist aber nur eine Frage der Zeit. spricht (Tab. 7, Tab. 8). Da sich der Karpfen, wie oben
Und das beunruhigt mich ein wenig, denn dann wird erwähnt, im Weissensee derzeit noch nicht vermehren
Tab. 7: Besatz und Ausfang von Karpfen seit dem Jahr 1990.
kann, sind die Erträge eine direkte Folge der Besatz-
Mindestmaß bis zum Jahr 2000 = 30 cm. Von 1991 bis 1999 fischmengen. In der Saison 2016 lag die Entnahme
wurde nur die Anzahl der gefangenen Fische aufgelistet. Die deutlich unter denen der Vorjahre, was besonders auf
Fischlängen blieben bei der Auswertung unberücksichtigt.
die kleinen Fische zurückzuführen war. Eine plausible
Auswertung durchgeführt von der A5D, insbesondere von
Herrn Walter Domenig. Erklärung habe ich dafür nicht. Im Herbst 2017 wur-
den von der Agrargemeinschaft keine Karpfen besetzt,
Besatz in [kg] Ausfang daher ist ein ähnliches Ergebnis für 2018 durchaus zu
Jahr K2 K3 gesamt Jahr [Ind.] erwarten. Als Fischökologe kann ich diese Entschei-
1990 3.500 2.000 5.500 1991 1765 dung befürworten, da der Karpfen grundsätzlich keine
1991 3.500 1.500 5.000 1992 1874 geeignete Fischart für den Weissensee ist. Ein weiterer
Faktor, warum wir uns mit dem Karpfenbesatz ein we-
1992 4.000 1.500 5.500 1993 2445
nig zurückhalten sollten, sind die derzeit ausgedehnten
1993 4.000 1.000 5.000 1994 2750 Schlammbereiche auf Grund der großflächig abgestor-
1994 4.036 1.000 5.036 1995 1231 benen Armleuchteralgen. Aus vielen Gewässern ist be-
1995 1.500 1.700 3.200 1996 1285 kannt, dass vor allem Karpfen den Schlamm ständig
1996 1.500 3.460 4.960 1997 1037 aufwühlen und dadurch eine Trübung verursachen
1997 1.500 2.000 3.500 1998 1944 bzw. ständig Nährstoffe für die Algen liefern. Beson-
1998 1.500 2.620 4.120 1999 1836 ders im Gatschacher Becken wäre das nicht sonderlich
1999 1.500 2.700 4.200 2000 2126 förderlich für die Wasserqualität. Besetzt wurden

43
Besatz Ausfang
kg gesamt ≤50 cm ≥50 cm ≤70 cm ≥70 cm
Jahr K2 K3 Jahr [Ind.] [kg] [Ind.] [kg] [Ind.] [kg] [Ind.] [kg]
1999 1.500 2.700 2000 2126 5445 1420 2499 706** 2946
Tab. 8: Besatzmenge und 2000 1.500 2.500 2001 1790 4642 1166 2080 624** 2561
Ausfang (gefangene Indivi- 2001 1.500 3.400 2002* 1499 4990 675 1553 824** 3437
duen und Biomasseaus-
2002 1.500 1.500 2003* 1625 5486 687 1544 938** 3942
fang) von Karpfen im Jah-
2003 1.500 1.500 2004* 1332 4606 552 1237 685 2488 95 881
resvergleich. K2 = zwei-
2004 1.500 1.500 2005* 1723 5672 618 1413 1049 3755 56 504
sömmrig (400 – 1000 g; 30 –
40 cm); K3 = dreisömmrig 2005 1.500 1.500 2006* 1416 5078 539 1215 782 3038 95 825
(1250 – 3000 g; 40 – 50 cm). 2006 2.000 2007* 882 3942 157 352 601 2504 124 1086
* = Mindestmaß ab 2002 = 2007 2.000 2008* 763 3345 163 370 484 1906 116 1070
45 cm. ** = Karpfen >= 50 2008 2.040 2009* 798 3533 183 407 480 1879 135 1247
cm. Das Fischgewicht 2009 3.000 2010* 910 3501 234 536 595 2217 81 748
wurde mit Hilfe der Formel 2010 3.000 2011* 1003
aus einer Längen-Ge- 2011 3.000 2012* 795 3300 191 431 504 1931 100 938
wichtsregression berech- 2012 3.000 2013* 681 3006 137 304 446 1765 98 937
net. Fanglistenauswertung 2013 3.000 2014* 837 3333 238 540 498 1936 101 857
in den Jahren 2011 und 2014 2.500 2015* 782 2926 151 282 543 1887 88 756
2017 durch die A5D. 2015 2.000 2016* 485 2085 38 69 376 1388 71 628
2016 1.000 2017* 452

Abb. 20: Karpfenfänge pro Monat seit dem Jahr 2000. Bis zum Jahr 2001 betrug das Mindestmaß 30 cm, ab 2002 45 cm. Die Fänge
sind derzeit über fast die gesamte Angelsaison gleichmäßig verteilt und entsprechen nicht mehr einer reinen put & take – Bewirt-
schaftung.
Karpfen in den Weissensee in den letzten Jahren jeweils entsprechenden Zuwachs zu erreichen. In den Angel-
in den Monaten Oktober bzw. November als zwei- saisonen 2006 bis 2016 waren die Fänge von Mai bis
bzw. dreisömmerige Fische mit Längen von 30 bis 50 September schon relativ ausgeglichen (Abb. 20). Ein
cm. Im Mai des Folgejahres waren daher meist noch guter Schritt also weg von einer grundsätzlich sehr be-
recht große Gruppen von Besatzkarpfen zu beobach- denklichen „put and take – Bewirtschaftung“. Die Ent-
ten, die besonders leicht zu fangen waren und sich na- wicklung der Karpfenfischerei geht generell in die sehr
türlich stark auf die Fangstatistiken auswirkten. In der kontrovers diskutierte Richtung catch & release, so
Angelsaison 2001 betrug das Mindestmaß noch 30 cm, dass man davon ausgehen kann, dass weit mehr Karp-
daher war der Ausfang im Mai am höchsten und nahm fen gefangen werden, als aus den Fanglisten schlussend-
in den folgenden Monaten kontinuierlich ab. Seit dem lich ersichtlich ist.
Jahr 2002 beträgt das Mindestmaß 45 cm. Dadurch hat
ein Teil der Besatzfische im Mai noch nicht die erfor- 11.2 Fang
derliche Fanglänge erreicht und erhält so die erforder- Die Karpfen des Weissensees sind wahre Energiebün-
liche Zeit, sich an das Gewässer anzupassen und einen del und können an der Angel unglaubliche Kräfte

44
mobilisieren. Vor allem die langgestreckten Formen, in den Morgenstunden springen Karpfen immer wie-
die sehr an den Wildkarpfen erinnern. Im Frühling zie- der mit lautem Platschen aus dem Wasser. Sie durch-
hen Fische aller Größen häufig durchs flache Wasser brechen dabei die Wasseroberfläche und lassen sich
und können hier auch gefangen werden. Ideale Befi- dann seitlich auf diese zurückfallen. Wenn auch große
schungstiefen liegen dann zwischen 2 und 5 m. Sobald Fische aus dem Wasser springen, dann hat man sehr
sich im Ostteil des Sees die Sommerstagnation ausge- gute Chancen gute Fänge zu erzielen. Die Erfahrung
bildet hat, sollte man hier sein Glück in Tiefen von 3 hat gezeigt, dass dieses Verhalten im direkten Zusam-
bis ca. 8 m versuchen. Noch tiefer zu angeln macht we- menhang mit der Intensität der Nahrungsaufnahme
nig Sinn, denn Karpfen bevorzugen warmes Wasser steht. Von der Morgendämmerung bis zum späten
und meiden daher die kalte Zone ab der Sprungschicht. Vormittag herrscht am Weissensee meist Windstille.
Auf Grund der geringen Tiefe (max. 6 m) kann im Gat- Es ist daher auch möglich Karpfen, welche meist kleine
schacher Becken von Mai bis Oktober der gesamte Be- Gruppen bilden, direkt zu suchen. Das saubere Wasser
reich befischt werden. Im ganz flachen Wasser hat man bietet dafür die besten Voraussetzungen. Besonders im
jedoch nur sehr geringe Chancen größere Karpfen zu Gatschacher Becken verraten sich die gründelnden Fi-
fangen. Der eigentliche Angelplatz sollte frei von Was- sche auch durch die aufsteigenden Gasblasen. Wenn
serpflanzen sein und von der Sedimentbeschaffenheit solche Blasen direkt an der Futterstelle aufsteigen, lässt
nicht zu weich, damit die Futtermittel nicht versinken. das die Hoffnung schlagartig ansteigen.
Solche Stellen findet man westlich der Brücke überall Das Boiliesortiment ist mittlerweile unüberschaubar
und in jeder Tiefe. Östlich der Brücke ist die Schar- geworden. Außerdem sind diese nicht gerade kosten-
kante im Winter 2016 großflächig pflanzenfrei gewor- günstig. Besonders wenn viele Rotaugen vor Ort sind,
den. So tragisch das für den See und einige Fischarten dann sind sie aber die Köder erster Wahl. Etwas kos-
ist, so positiv wirkt sich das auf das Karpfenangeln aus. tengünstiger, aber dennoch hervorragend geeignet,
Wer, aus welchen Gründen auch immer, den Köder an sind spezielle Karpfenpellets die von der Fischfutter-
verkrauteten Stellen auslegen möchte, sollte eine pop- mittelindustrie angeboten werden. Mit Tigernüssen,
up-Montage, also schwimmende bzw. mit Auftriebs- gekochtem Futtermais, Frolic, verschiedenen Teigsor-
körpern versehene Köder, knapp über dem Grund an- ten, Tauwürmern oder gekochten Kartoffeln stehen
geboten, wählen. Diese Montage bietet generell einige die Chancen aber auch immer gut.
Vorteile, da sich die so angebotenen Köder von den an- Alle Köder werden direkt am Grund oder einige Zenti-
deren am Boden liegenden Futtermitteln abheben. meter darüber angeboten. In den letzten Jahren hat sich
Anfüttern ist generell zu empfehlen. Die relativ hohe das Fischen mit dem Grundblei durchgesetzt. Wer den
Dichte von großen Rotaugen, vor allem im Westbe- Schwimmer vorzieht, hat aber auch keinerlei Nachteile
cken und im mittleren Seeabschnitt, legen es nahe zu erwarten. Wenn vom Boot aus gefischt wird, sollte
große Futterpartikel zu wählen, also Boilis oder spezi- dieses mit zwei Ankern gut stabilisiert werden.
elle Karpfenpellets. Wer mit Mais oder Tigernüssen fi- Empfehlung Angelgerät und Montage: Rute: Länge
schen möchte, sollte ständig für geringe Mengen an 390 cm – 420 cm, 3 lbs Wurfgewicht; Stationärrolle:
Nachschub an der Futterstelle sorgen. Über einen län- 5.000 – 6.000; Schnur: geflochten, qualitativ hochwer-
geren Zeitraum kann man sich die Karpfen so ziemlich tig (vor allem, wenn viel Totholz in näherer Umgebung
überall hin füttern. Wem das zu lange dauert, der sollte herumliegt), Tragkraft ca. 18 kg (0 ca. 0,20 mm,), mo-
sich auf die Suche nach den Fischen machen. Besonders nofil geht natürlich auch; Vorfach: etwas geringere

Abb. 21: Einfache Montage beim Karpfenangeln.

45
Tragkraft als die Hauptschnur, geflochten; Haken: Einfluss auf die Fleischqualität. Probleme machen wie-
Größe 1 oder 2, mit Haarsystem. der ein bisschen die Y-Gräten. Diese werden grundsätz-
Das Karpfenangeln hat sich in den letzten Jahren un- lich aber geschröpft und können dann als kleine Stücke
glaublich weiterentwickelt und es gibt sehr ausgeklü- mitgegessen werden. Eine großartige Zubereitungsart,
gelte Montagen, die hin und wieder aber etwas überzo- die besonders bei den Kindern beliebt ist, sind panierte
gen wirken. Man kann auch mit einfachsten Montagen (also gebackene) Filetstreifen. Statt der Semmelbrösel
sehr gut fangen. Wichtig ist, dass die Qualität der ver- sind zerkleinerte Corn flakes unschlagbar. Veredelt bie-
wendeten Produkte top ist, und dass man dort fischt ten Karpfen als heißgeräucherte Filets eine großartige
wo die Karpfen sind. Eine recht einfache Montage, die Abwechslung und auch süß-sauer, in Essig eingelegt,
ich beim Angeln mit dem Boot gerne verwende, ist in können sie brillieren. Bei dieser Zubereitungsart lösen
Abb. 21 dargestellt. sich die Gräten durch eine Säure-Basenreaktion inner-
halb weniger Tage völlig auf.
11.3 Kulinarisches Highlight
Der bei den Karpfen aus nährstoffreichen Gewässern Größte Angelfänge:
häufig auftretende schlammige Geschmack („lettln“) Jahr Länge Gewicht
kommt bei den Fischen des Weissensees so gut wie 2017 95 cm 22,50 kg
nicht vor. In der Regel haben sie Sushi-qualität. Meist 2016 92 cm 19,10 kg
ist das Fleisch sehr dunkel, nicht ganz so kompakt wie 2013 97 cm 21,40 kg
das der Raubfische, aber hervorragend für verschiede- 102 cm 21,00 kg
nen Zubereitungsarten geeignet. So wie beim Hecht 2007 85 cm 24,48 kg
haben die Größe und das Alter der Karpfen keinen

12 SCHLEIE (Tinca tinca)


einige Schleien aber auch schon vor mehreren hundert
Jahren bewusst besetzt worden. Wie auch immer. Die
Schleie zählt heute zu den autochthonen Fischarten des
Weissensees, vermehrt sich, im Gegensatz zum Karp-
fen, sehr erfolgreich und bildet seit vielen Jahren einen
großartigen Bestand. Manche Ausnahmefische errei-
chen Längen von knapp 60 cm und bringen bis zu 3 kg
auf die Waage. An warmen Sommertagen bzw. -aben-
den stecken Schleien fast die ganze Zeit mit dem Kopf
im Schlamm und wühlen nach Schnecken, Muscheln,
Wie es die Schleie bis in den Weissensee geschafft hat, Krebstieren und Insektenlarven. Dabei hinterlassen sie
wird wohl ein Rätsel bleiben. Es stehen aber mehrere dunkle Fraßspuren im sonst hellen Sediment.
Ansätze zur Wahl. Eine Möglichkeit wäre, dass sie über Vor ein paar Jahrzehnten warteten die geschlechtsrei-
die Fließgewässersysteme in den See einwanderte. Das fen Schleien auf die im Frühling regelmäßig auftreten-
würde aber so gar nicht ihrem Temperament entspre- den Hochwässer und laichten in den flachen, sich rasch
chen, denn sie liebt warmes Wasser, strahlt in fast jeder erwärmenden Sumpfwiesen. Durch Wasserstandsregu-
Situation Ruhe und Gelassenheit aus und scheint grö- lierungen eines Kraftwerksbetreibers am Seeabfluss,
ßere Anstrengungen, wenn immer möglich, zu meiden. werden im Frühling die nahe am See gelegenen Keller
Wahrscheinlicher erscheint, dass sich ein paar Schlei- nicht mehr geflutet. Was natürlich zu begrüßen ist. Es
eneier an einen Wasservogel geheftet haben und als gingen dadurch aber auch ein paar Laichplätze verlo-
blinde Passagiere zu uns geflogen sind. Vielleicht sind ren. Heute suchen die Schleien von Juni bis Juli

46
gruppenweise flache Seebereiche zur Reproduktion 12.1 Fanglisten und Bewirtschaftung
auf, wo sie die klebrigen Eier an Wasserpflanzen heften.
Die Schleie ist zweifelsfrei, auch historisch gesehen, ein In den Jahren 1991 bis 2017 wurden pro Jahr zwischen
wichtiges Element der Weissenseer Biozönose und es 180 und 700 Schleien aus dem Weissensee entnommen
ist daher immer ein sehr erbauendes Erlebnis, sie beim (Tab. 9 und Tab. 10). Die relativ niedrigen Erträge sind
Laichen beobachten zu können. In dem Wissen, dass wohl eine Folge der geringen Befischungsintensität und
diese so eleganten und gemütlichen Fische alles richtig sicher kein Maßstab für die Populationsgröße. Besatz-
machen und sich auch in Zukunft gegen alle Widrig- maßnahmen sind in Zukunft bei gleichbleibendem Be-
keiten durchsetzen werden. fischungsdruck sicher nicht notwendig. Auch deshalb,
weil die hohen Besatzfischmengen in den Jahren 1990

Tab. 9: Besatz und Ausfang von Schleien. Von 1991 bis 1999
wurde nur die Anzahl der gefangenen Fische aufgelistet. Die
Fischlängen blieben bei der Auswertung unberücksichtigt.
Auswertung durchgeführt von der A5D, insbesondere von
Herrn Walter Domenig.
Besatz in kg Gesamtfang
Jahr S2 S3 Jahr [Ind.]
1990 3.200 1991 422
1991 2.900 1992 693
1992 2.200 1993 706
1993 2.500 1994 480
1994 500 1995 427
1995 700 1996 379
1996 800 1997 394
1997 2.500 1998 561
1998 1.000 1999 684

Tab. 10: Besatzmenge und Ausfang von Schleien von 2000 bis
2017 (gefangene Individuen und Biomasseausfang). S2 = zwei-
sömmrig. Das Fischgewicht wurde mit Hilfe der Formel aus ei-
ner Längen-Gewichtsregression berechnet. Fanglistenaus-
wertung in den Jahren 2011und 2017 durch die A5D.
Besatz in kg Gesamtfang ≤ 40 ≥ 40 cm
Jahr S2 Jahr [Ind.] [kg] [Ind.] [kg] [Ind.] [kg]
1999 1.000 2000 545 582 297 237 248 346
2000 1.000 2001 521 523 292 217 229 306
2001 2002 413 412 252 186 161 226
2002 2003 377 382 237 187 140 195
2003 2004 212 212 130 97 82 115
2004 2005 216 202 144 107 72 96
2005 2006 347 333 229 172 118 161
2006 2007 355 369 206 161 149 208 Abb. 22: Schwimmermontage zum Schleien- und Rotaugenfi-
2007 2008 239 245 155 126 84 119 schen. Soll der Köder lange langsam absinken, dann wird das
2008 2009 248 268 121 101 127 167 Vorfach, das in einen Karabiner eingehängt wird, sehr lange
2009 2010 311 312 185 145 126 167 gewählt (1 – 2 m). Durch das Eigengewicht des Köders sieht
2010 2011 302 man an der Eintauchtiefe des Schwimmers, ob dieser noch in
2011 2012 405 410 244 195 161 215 der Schwebe oder schon am Grund angekommen ist. Soll der
2012 2013 268 278 152 124 116 154 Köder am Grund liegen, wird das Vorfach kürzer gewählt (30
2013 2014 258 279 134 103 124 176 – 40 cm). Die Beschwerung erfolgt mit Schrotblei und wird ge-
2014 2015 208 215 128 102 80 111 nau an den Auftrieb des Schwimmers angepasst. Der Schnur-
2015 2016 177 191 87 71 90 120 stopper oberhalb der Bebleiung verhindert Schnurverwick-
2016
lungen beim Auswerfen. Dabei ist wichtig, dass der Abstand
2017 360
zwischen Blei und Stopper etwas größer als die Schwimmer-
länge ist.

47
bis 2000, im Verhältnis zum Besatzaufwand, nur ge- auf der Platte zu liegen kommen sollte. Im Frühling
ringe Ertragserhöhungen bewirkten. und Sommer ist es grundsätzlich kein Problem
Schleien zu fangen (Im Juni ist Schonzeit). In seltenen
12.2 Fang Fällen erreicht man mit den Futtermitteln aber über-
Schleien kann man sehr häufig im Gatschacher Becken haupt nichts, da diese von allen Fischen mehr oder we-
und im Westteil des Weissensees bis etwa zum Neusa- niger ignoriert werden. Hin und wieder ist es auch so,
cher Mühlbach beobachten. Im tiefen Ostbecken fin- dass man die Schleien direkt an der Futterstelle sieht,
det man sie seltener. Sie zeigen wenig Scheu vor dem diese aber alle angebotenen Köder links liegen lassen.
Boot und können daher leicht gefunden und auch er- Das ist dann immer wieder sehr erstaunlich.
folgreich „auf Sicht“ befischt werden. Es ist aber auch Mit einer Matchrute mit einem Wurfgewicht von 10 –
relativ leicht, sie an eine Futterstelle zu locken. Dazu 40 g, einer 2.500-er Stationärrolle mit einer 0,20 –
eignen sich Maiskörner und verschiedene Teigsorten. 0,25-er monofilen Schnur, einem etwas dünnerem
Das beste Lockmittel sind aber die bei der Produktion Vorfach aus Fluorcarbon, einem Haken der Größe 1 –
von Kürbiskernöl anfallenden Reste, die zu Platten ge- 4 (je nach verwendetem Köder), und einem Schwim-
presst werden. Die Kürbiskernplatten bzw. Ölkuchen. mer mit einer Tragkraft von 4 – 8 g, sollte das Angeln
Schleien, Karpfen, Rotaugen und Rotfedern scheinen auf Schleien ein Vergnügen sein.
süchtig danach zu sein und fallen oft in großen Mengen
Kulinarik
über diese her. Als Köder sind große Tauwürmer nicht
zu überbieten, es eignen sich aber auch Maiskörner, ver- Die Schleie bietet ein ausgezeichnetes weißes Fleisch,
schiedene Teigsorten und Frolic. Grundsätzlich wird das allerdings auch mit sehr vielen Y - Gräten aufwar-
der Köder direkt am Grund angeboten, es kann aber tet. Schröpfen ist auch hier die Lösung. Bei der Verar-
hin und wieder durchaus sinnvoll sein, diesen langsam beitung ist die dicke Schleimschicht ein bisschen unan-
zwischen die gesichteten Fische absinken zu lassen. genehm und das Filetieren grenzt an Schwerarbeit -
Eine sehr gute Montage ist in Abb. 22 dargestellt. aber es zahlt sich aus. Heißgeräuchert ist die Schleie
Schleien mögen gerne warmes Wasser und daher soll- eine Delikatesse.
ten die Futterstellen nicht in zu großer Wassertiefe an- Größte Angelfänge:
gelegt werden. Günstig ist es, wenn man den Angelplatz Jahr Länge Gewicht
im Überblick hat und im klaren Wasser mitverfolgen 2017 54 cm 3,00 kg
kann, was sich an der Stelle so alles tut. Besonders wenn 2016 59 cm 2,80 kg
die Kürbiskernplatte zum Einsatz kommt ist das wich- 2014 57 cm 2,60 kg
tig, weil der Köder (Wurm) direkt neben, besser noch 2008 55 cm 2,50 kg

13 FLUSSBARSCH (Perca fluviatilis)


werden könnte. Als Larven und Jungfische sind sie
meist in großen Schwärmen, über den ganzen See ver-
teilt, unterwegs. Als größere Fische bilden sie kleinere
oder größere Gruppen oder sind als große Barsche auch
einmal alleine unterwegs. Im Jahr 1949 wurden die ers-
ten Flussbarsche in den Weissensee besetzt und bieten
seitdem den Anglern kulinarische und angeltechnische
Höhepunkte. Wobei es hin und wieder unglaublich
Flussbarsche sind Entwicklungsgeschichtlich sehr mo- schwer ist sie zu fangen, da es Phasen gibt in denen man
derne, hoch entwickelte Fische, die an allem sehr inte- ihnen vors Maul servieren kann was man will, ohne
ressiert sind und sich alles anschauen, was spannend nennenswerte Fänge zu erzielen. An anderen Tagen

48
können sie dagegen sogar einem köderlosen Haken Tab. 11: Flussbarschausfang im Jahresvergleich (2001 –
nicht widerstehen. Man weiß nie, wie man dran ist. Die 2017). Mindestmaß: keines; Das Fischgewicht wurde mit Hilfe
der Formel aus einer Längen-Gewichtsregression berechnet.
Populationsdichten schwanken, wie an vielen anderen Fanglistenauswertung in den Jahren 2011 bis 2017 durch die
Gewässern auch, ganz beträchtlich. Diese hängen in A5D.
erster Linie mit den Witterungsverhältnissen und dem Jahr Gesamtfang ≤ 30 cm ≥ 30 cm
Zooplanktonangebot im Mai zusammen. Derzeit [Ind.] [kg] [Ind.] [kg] [Ind.] [kg]
macht Angeln auf Flussbarsche am Weissensee richtig
2001 413 139 254 49 159 90
Spaß, weil man sehr große und oft auch recht viele Fi- 2002 506 164 326 63 180 101
sche fangen kann. 2003 452 178 196 42 256 136
Bei der Nahrungswahl sind Flussbarsche nicht sehr 2004 449 178 221 47 228 131
wählerisch und nehmen dankend so gut wie alles an, 2005 376 125 194 40 182 85
was sich bewegt. Ob sie Bodenorganismen wie Libel- 2006 306 114 149 32 157 82
lenlarven, Zuckmückenlarven bzw. -puppen, Köcher- 2007 289 108 145 30 144 79
fliegenlarven, Wasserasseln oder Kamberkrebse bevor- 2008 1070 286 787 125 283 161
zugen hängt vom momentanen Angebot ab. Ob sie da- 2009 1077 385 562 120 515 265
gegen lieber Fisch konsumieren ebenso. Vor allem sind 2010 699 295 311 69 388 226
es die kleineren Artgenossen, also die Kinder und En- 2011 606
kelkinder der räuberischen Barsche, die oft massen- 2012 592 205 380 78 212 127
weise auftreten und dementsprechend genutzt werden. 2013 1183 377 839 173 344 204
Zur Laichzeit, Ende April bzw. Anfang Mai, suchen die 2014 678 236 414 84 264 152
2015 465 162 284 53 181 110
geschlechtsreifen Fische Strukturen (Totholz, Arm-
2016 524 225 237 47 287 178
leuchteralgen) in Tiefen zwischen 2 und ca. 5 m auf, um
2017 324
ihren Laich an diese „aufzuhängen“. Und zwar als zu-
sammenhängende Gallertbänder, die von Unwissen- ist. Die Jahrgänge 2014, 2015 und 2016 sind allerdings
den häufig als Umweltverschmutzung (Plastik) ange- wieder sehr individuenreich und sollten uns in den
sprochen werden. Das Vermehrungspotential des nächsten Jahren zufriedenstellende Fänge ermöglichen.
Flussbarsches ist bei günstigen Rahmenbedingungen Flussbarsche sind sehr effektive Raubfische, die häufig
außerordentlich hoch. gemeinsam jagen und dabei organisiert vorgehen. Diese
Erfahrung musste auch bei Besatzmaßnahmen mit vor-
13.1 Fanglisten und Bewirtschaftung gestreckten Seeforellen und Seesaiblingen (4 – 8 cm)
Im Jahr 2001 wurde der Flussbarsch erstmals bei der gemacht werden. Die ca. 800.000 vorgestreckten Forel-
Fanglistenauswertung berücksichtigt. Der jährliche len, die zwischen 1990 und 2011 besetzt wurden, wa-
Ausfang nahm von 2002 bis 2007 kontinuierlich ab. In ren nie mehr gesehen worden. Auch bei den ca. 200.000
den Angelsaisonen 2008 und 2009 haben sich die Er- besetzten Saiblingen war das nicht anders. Der Groß-
träge dagegen sehr stark erhöht. Besonders 2009 wur- teil dieser „wertvollen“ Besatzfische diente wohl als
den sehr viele große Fische gefangen (Tab. 11). Der Barschfutter.
Grund lag einerseits in der hohen Flussbarschdichte,
andererseits in der Entscheidung vieler Fischer die Ren-
13.2 Fang
kenangel mit der Barschangel zu tauschen. Auf eine Flussbarsche bieten eine sehr abwechslungsreiche und
Abnahme der Fänge in den Angelsaisonen 2010 bis spannende Art der Angelfischerei. Sie kommen fast
2012 folgte im Jahr 2013 der höchste bisher registrierte überall im Weissensee vor und lassen sich zu jeder Ta-
Jahresertrag. Die deutlichen Ertragsrückgänge in den geszeit fangen. Im Frühling kann man sie sehr gut „auf
Saisonen 2014 bis 2016 kamen eher überraschend, der Sicht“ an der Scharkante befischen, im Sommer halten
weitere Rückgang war dagegen zu erwarten, da der sie sich dagegen häufig in Tiefen von 5 - 10 m auf, oder
Jahrgang 2013, wohl auf Grund eines Kaltwetterein- besiedeln auch den Freiwasserbereich. In größeren
bruches im Mai, mehr oder weniger total ausgefallen Mengen tun sie das erst seit dem Sommer 2008.

49
Abb. 23: Texas-rig: Als Köder können unendlich viele Gummiimitationen von Insekten und Fischchen verwendet werden, oder
auch der Tauwurm. Der Haken muss dem Köder entsprechend gewählt werden.

Offensichtlich folgen sie den Lauben-, Rotaugen- und die Flussbarsche den vorgesetzten Köder mehrere Mi-
Kleinbarschschwärmen, die früher vermutlich nicht in nuten lang. Da heißt es ein bisschen Geduld zu haben.
solchen Dichten im Freiwasserbereich aufgetreten Das Angeln mit einer feinen drop-shot-Rute mit dün-
sind. Einige Barsche sind aber auch ganzjährig in den ner Schnur ist aber wohl die aufregendste Möglichkeit,
seichten Uferbereichen anzutreffen. Als Köder kom- Barsche zu fangen. Die Zusammenstellung des Gerätes
men kleine Köderfischsysteme, Würmer, die Hegene ist weiter oben beim Hecht beschrieben. Durch die
und alle möglichen Kunstköder (Wobbler, Zocker, leichte Angel ist es möglich, den Köder sehr gefühlvoll
Gummifische, Twister, Imitationen von Insektenlar- zu präsentieren. Ob mit einer drop-shot-Montage oder
ven,...) in Frage. Flussbarsche bilden meist Gruppen einem Texas-rig (Abb. 23) gefischt wird, ist situations-
und daher lassen sich häufig mehrere Exemplare an ei- abhängig.
ner Stelle fangen. Gute Plätze sind z. B. die Holzpfähle
die östlich der Brücke entlang der Scharkante sowohl 13.3 Kulinarisches Highlight
am Nord- als auch am Südufer im Sediment stecken. Flussbarsche zählen zweifellos zu den besten Speisefi-
Bevor man zu angeln beginnt, ist es ratsam den See zu schen überhaupt. Sie haben ein kompaktes weißes
erkunden. Flussbarsche zeigen wenig Scheu vor dem Fleisch mit wenigen Gräten. Das Filetieren ist hin und
Boot und bei guten Sichttiefen findet man sicher ir- wieder etwas mühsam, aber es zahlt sich auch bei klei-
gendwo einige Exemplare. Kleinfischschwärme sind nen Fischen in jedem Fall aus. Filets, in Butter kurz an-
grundsätzlich gute Anhaltspunkte. Jagende Hauben- gebraten, sind kaum zu überbieten.
taucher auch. Den Köder irgendwo auf gut Glück aus-
zulegen ist nahezu aussichtslos. Größte Angelfänge:
Wenn man mit dem Wurm fischt (das ist grundsätzlich
am effektivsten), kann man die gleiche Ausrüstung und Jahr Länge Gewicht
Montage wie beim Schleienfischen (Abb. 22) verwen- 2014 50 cm 2,60 kg
den. Durch das lange Vorfach sinkt der Wurm langsam 2013 49 cm 1,33 kg
und ganz natürlich bis zum Grund. Oft begutachten 2004 51 cm 2,04 kg

14 ZANDER (Sander lucioperca)


bis in den Weissensee. Hier angekommen, arbeitete er
sich, als einziger Raubfisch neben der Seeforelle, in den
nächsten beiden Jahrzehnten zur wichtigsten Nutz-
fischart empor (Findenegg, 1954). Der im Jahr 1949
besetzte Hecht sorgte in den folgenden Jahren aber
lehrbuchmäßig dafür, dass sich die Population wieder
in Richtung Minimalbestand bewegte. Denn im Weis-
Im Jahr 1934 schaffte es der Zander, der ursprünglich sensee hat es der Zander, bedingt durch seine Lebens-
in Kärnten nicht heimisch war, mit menschlicher Hilfe weise und Jagdstrategie, grundsätzlich sehr schwer. Er

50
mag trübes Wasser in dem er sich langsam sehr nahe an
seine Beute heranschleichen kann. Im Gegensatz dazu
mag der Hecht gerne klares Wasser. Hecht und Zander
gemeinsam in einem Gewässer, und beide, ohne
menschliches Zutun, in hohen Dichten, ist wohl äu-
ßerst selten oder sogar unmöglich. Der Zander ist also,
objektiv betrachtet, im Weissensee eher fehl am Platz.
Trotzdem wird er seit einigen Jahren wieder regelmä-
ßig besetzt. Ein Paradoxon, das in erster Linie der An-
gelfischerei geschuldet ist. Denn der Zander ist grund-
sätzlich nachtaktiv und daher für diejenigen, die gerne Foto 9: Männlicher Zander auf seinem Nest.
im Dunkeln angeln, eine Bereicherung. Ob er ein Prob-
lem für Seeforelle, Seesaibling und sehr langfristig für 14.1 Bewirtschaftung und Fang
Elritze und Gründling darstellen kann, wissen wir
nicht. Sollte das aber der Fall sein, dann ist die Zander- Seit dem Herbst 2006 erfolgen jährlich Besatzmaßnah-
population ganz leicht zu steuern. Denn die männli- men mit ein-, zwei- oder auch dreisömmerigen Zan-
chen Fische legen während der Laichzeit im April und dern im Gatschacher Becken. Die Rahmenbedingun-
Mai, in flachen Seebereichen, eine Art Nest an, in wel- gen (Futterangebot) sind derzeit ganz gut, so dass zu-
che die weiblichen Fische die Eier anheften. Die Milch- mindest einige der besetzten Fische längerfristig über-
ner bleiben dann bis zum Schlüpfen der Larven auf leben können. Zumindest mehr als wir uns vor ein paar
dem Nest, bewachen es und verteidigen das Gelege sehr Jahren erhofft hätten. Auch die Fangzahlen gingen
gewissenhaft. Besonders im Gatschacher Becken kann nach oben. In den letzten zwanzig Angelsaisonen wur-
man im April und Anfang Mai relativ viele solcher Zan- den nie auch nur annähernd so viele Zander gefangen
dernester besichtigen (Foto 9). Grundsätzlich gehe ich wie in der Saison 2009 (Tab. 12). Ab dem Jahr 2010
davon aus, dass uns der Zander in Zukunft im Weissen- wurde das Mindestmaß auf 50 cm erhöht und die
see keine ökologischen Probleme bereiten wird. Mit ei- Schonzeit auf 15. Juni verlängert (seit 2016 endet die
nem sehr guten Bestand kann man aber, auf Grund der Schonzeit wieder mit 31. Mai.). Dadurch hat sich der
Hechtdichte, langfristig auch nicht rechnen. Egal wie Ausfang in den Jahren 2010 bis 2016 deutlich verrin-
viele Zander jedes Jahr besetzt werden. Eine Reduktion gert. Auf Grund der Ergebnisse der fischökologischen
des Hechtbestandes könnte auch hier durchaus hilf- Untersuchungen kommt die deutliche Zunahme des
reich sein. In den ersten Lebenswochen ernähren sich Zanderertrages in der Saison 2017 nicht wirklich über-
die Zanderlarven und Jungzander von Zooplankton o- raschend. Zander sind grundsätzlich nachtaktiv und
der anderen Kleinlebewesen. Schon bald stellen sie sich werden hauptsächlich mit dem toten Köderfisch gefan-
aber mehr oder weniger komplett auf fischige Nahrung gen. Die Montage kann grundsätzlich gleich gewählt
um, wobei die Beutefische grundsätzlich nicht so groß werden wie beim Hechtfischen mit dem toten Köder-
gewählt werden wie von den Hechten. Ob Lauben, fisch. Das Ganze sollte allerdings ein bisschen feiner zu-
Rotaugen, Rotfedern, Flussbarsche, Reinanken, Seefo- sammengesetzt werden. Ob mit dem Schwimmer oder
rellen, Seesaiblinge, Schleien oder Hechte! – scheint mit einer Grundmontage geangelt wird, ist wieder Ge-
ihnen eher egal zu sein. Laut Erfahrungen von Teich- schmackssache. Häufig werden Zander aber auch bei
wirten mögen sie lediglich die Karpfen nicht sonderlich Tag „auf Sicht“ gefangen. Den auf dem Grund stehen-
gerne. den Räubern wird dabei ein toter Köderfisch direkt vor
das Maul serviert. Wenn alles zusammenpasst, dann

Tab. 12: Zanderfänge im Jahresvergleich (1991 – 2017). Mindestmaß bis 2009 = 45 cm, ab 2010 = 50 cm. Auswertung bis 1999 und
in den Jahren 2011 und 2017 durchgeführt von der A5D, insbesondere von Herrn Walter Domenig.
1991
1992
1993
1994
1995
1996
1997
1998
1999
2000
2001
2002
2003
2004
2005

2006
2007
2008
2009

2010
2011
2012
2013
2014
2015
2016
2017

Jahr

[Ind] 28 16 24 36 21 16 11 8 16 7 1 ? 2 0 3 0 2 27 107 40 33 15 42 22 33 37 72

51
kann es auch passieren, dass sich ein Zander bei Tages- Größte Angelfänge:
licht und blauem Himmel an die Schlepp- oder drop- Jahr Länge Gewicht
shot-Montage hängt und den Angler damit doch eini- 2017 74 cm 3,58 kg
germaßen überrascht. Das Fleisch ist vergleichbar mit 2012 94 cm 7,60 kg
dem des Flussbarsches und daher ausgezeichnet. Und 2009 88 cm 7,50 kg
da der Zander weder eine historische noch eine ökolo- 1993 98 cm 8,30 kg
gische Bedeutung für den Weissensee hat, also nur im
See herumschwimmt, um uns Angler bzw. Fischgenie-
ßer zu erfreuen, sollten Sie dieses Angebot auch mit
bestem Gewissen nutzen.

15 AMUR (Ctenopharyngodon idella)


zunehmenden Tausendblattbeständen, die im Späth-
erbst im Gatschacher Becken tonnenweise an der Was-
seroberfläche trieben und unter großem Aufwand ab-
gefischt werden mussten, um das Eis beim Wachsen
nicht zu stören (Das ist ernst gemeint.). Da nun aber
die Armleuchteralgen vor zwei Jahren großflächig zu-
In den 1960er Jahren wucherten submerse Wasser- rückgegangen sind, brauchen wir jedes Fitzelchen hö-
pflanzen, im speziellen das Tausendblatt, im Gatscha- herer Pflanzen, um die angefallenen Nährstoffe zu bin-
cher Becken angeblich weit üppiger, als das heute der den und massive Algenblüten zu vermeiden. Außerdem
Fall ist. Bei den Badegästen stieß das damals auf enden sind Strukturen essentiell für alle Jungfische und auch
wollende Begeisterung und so machte man sich auf die oder gerade deshalb müssen wir derzeit über jedes
Suche nach einer Lösung. Diese präsentierte sich in kleine oder große Pflänzchen im See dankbar sein und
Form eines rein vegetarischen Fisches, dem Weißen es möglichst schützen.
Amur, der ab dem Jahr 1968 im großen Stil in den
Weissensee besetzt wurde und in den folgenden Jahren
15.1 Fang
mit unersättlichem Appetit die Tausendblattbestände Amur bilden meist kleinere Gruppen, die seit vielen
kurz hielt. Dem ursprünglich aus Asien stammenden Jahren immer wieder an den gleichen Stellen gesichtet
Fisch ist es nun gänzlich unmöglich (auch in ferner Zu- werden können. Zwischen diesen Bereichen wechseln
kunft) sich im Weissensee zu vermehren und daher sie von Zeit zu Zeit hin und her. Eine kleine Gruppe,
wird der Bestand, der seit den 1980er Jahren nicht der auch ein fast schneeweißer Amur angehörte, wan-
mehr nachbesetzt wird, in ein paar Jahren für den derte im Spätsommer 2015 innerhalb weniger Tage
Weissensee Geschichte sein. Da der Amur als exotische etwa vier Kilometer. Sie schwammen von der Mün-
Fischart eingestuft wird, ist ein Besatz laut Kärntner dung des Mühlbachs in Neusach die Scharkante ent-
Landesfischereigesetz streng verboten und wird auch in lang bis zum Tschölankofel und wechselten dann noch
Ausnahmefällen nicht bewilligt. Für die Angelfischerei von der Nordseite des Sees auf die Südseite.
ist das durchaus schade, weil gerade der Amur alles bie- Mit Anfüttern kann man einen Amur nicht dazu bewe-
ten kann, was sich ein Angler von einer Fischart wün- gen, an einer Stelle zu bleiben. Will man also gezielt ei-
schen kann. In Hinblick auf die Ökologie des Weissen- nen mit der Angel fangen, dann sollte man sich zuerst
sees ist dieses Besatzverbot aber nachvollziehbar, auch auf die Suche nach ihnen machen. Hat man welche ge-
wenn man davon ausgehen kann, dass eine überschau- funden, kann man nur hoffen, dass sie nicht gerade in
bare Menge an Pflanzenfressern im See keinen spürba- Aufbruchsstimmung sind. Das ist mir schon sehr oft
ren Schaden anrichten würde. In den letzten Jahren gab passiert. Kaum hatte ich eine Gruppe gefunden und zu
es wieder vermehrt „Probleme“ mit den stark angeln begonnen, haben sie sich verabschiedet und mir

52
hin und wieder durch laute Platscher an der Wasser- Zeitaufwand und sehr viel Glück nötig, um diesen
oberfläche angezeigt, in welche Richtung ihre Reise Fisch zum Anbeißen zu bewegen. Sollte es Ihnen aber
ging. Wenn ein Amur die Wasseroberfläche durch- gelingen, dann werden Sie die folgenden Minuten oder
bricht, dann zeigt er zuerst den Kopf, dann die Rücken- Stunden nie mehr vergessen. Das Angelgerät und die
flosse und verabschiedet sich schließlich mit einem ge- Montagen sind gleich wie beim Karpfenangeln und da-
waltigen Schlag der Schwanzflosse wieder in tiefere her schon weiter oben beschrieben worden. Als Köder
Wasserschichten. Mit etwas Erfahrung kann man sind Tigernüsse und gekochter Futtermais, beides an
Karpfen und Amur schon daran unterscheiden, wie sie der Haarmontage montiert, die erste Wahl.
die Wasseroberfläche durchbrechen. Sollten Sie dieses Als Speisefisch ist der Amur vergleichbar mit dem
Verhalten häufig innerhalb eines kleinen Areals be- Karpfen und es sind auch sehr große Fische von aller-
obachten, dann haben Sie den optimalen Angelplatz bester Qualität.
gefunden. Im Westteil verrät sich der Amur auch durch
Luftblasen, die an die Wasseroberfläche aufsteigen, Größte Angelfänge:
wenn frische Triebe von den Wasserpflanzen abgebis- Jahr Länge Gewicht
sen werden. 2014 ca. 125 cm 27,00 kg
Der geringe Bestand und die schlechten Erfahrungen 2010 127 cm 25,30 kg
mit Anglern, die wahrscheinlich schon jeder große 2009 105 cm 22,40 kg
Amur gemacht hat, machen meist einen großen 2005 120 cm 20,45 kg

16 SEESAIBLING (Salvelinus umbla)


schwieriger als bei der Seeforelle. Es ist eigentlich aus-
sichtslos. Aber wer weiß das schon mit Gewissheit?
Wulfen erwähnte den Seesaibling Ende des 18. Jahr-
hunderts für den Weissensee. Hartmann (1883) und
Findenegg (1954) konnten ihn dagegen nicht nachwei-
sen. Derzeit wird er als autochthone Art angeführt –
Genaues wissen wir aber nicht.
Der Seesaibling reagiert sehr sensibel auf sich ändernde In den Jahren 1991 bis 1994 konnten relativ viele See-
Konkurrenzerscheinungen, zum Beispiel durch plötz- saiblinge gefangen werden. Das lag jedoch nicht am gu-
lich auftretende und sich vermehrende Reinanken, und ten, natürlichen Bestand, sondern am jährlichen Besatz
sucht seinen Ausweg, wenn er kann, in der Tiefe der mit fangfähigen Fischen bis zum Jahr 1993. Nachdem
Seen. Tut er das nicht, wird er gnadenlos auskonkur- dieser nicht mehr durchgeführt wurde, zeigte sich in-
renziert. Die Ausgangslage am Weissensee ist also nerhalb kürzester Zeit, dass die Besatzfische nicht in
denkbar schlecht. Wir haben derzeit einen extrem gu- der Lage waren einen langfristigen Bestand aufzu-
ten Renkenbestand, einen zu hohen Hechtbestand (ich bauen. Denn schon in der Angelsaison 1995 war der
sage nur Lunzer See) und leider keine Nische in der Ausfang wieder verschwindend gering (Tab. 13).
Tiefe, da hier der Sauerstoff nicht ausreicht. Wenn wir In den Jahren 2007 und 2008 konnte eine erfreuliche
im Weissensee also einen guten Seesaiblingsbestand Zunahme des Seesaiblings beobachtet werden. Diese
etablieren wollen, dann gestaltet sich das sicher noch wurde sicher durch die Abnahme der

Tab. 13: Seesaiblingsausfang im Jahresvergleich (1991 – 2017). Mindestmaß = 30 cm. Auswertung bis 1999 und in den Jahren 2011
und 2017 durchgeführt von der A5D, insbesondere von Herrn Walter Domenig.
1991

1992

1993

1994

1995

1996
1997

1998

1999

2000

2001

2002
2003

2004

2005

2006

2007
2008

2009

2010
2011
2012
2013
2014
2015
2016
2017

Jahr

[Ind] 93 169 207 136 5 5 14 20 21 4 3 ? 9 10 7 8 46 60 24 9 12 2 10 8 5 1 1

53
Reinankenpopulation begünstigt. In den Angelsaiso- Die im Zug der Kiemennetzbefischungen gefangenen
nen 2009 bis 2017 nahmen die Erträge allerdings wie- und untersuchten Saiblinge hatten durchwegs junge
der stark ab. Flussbarsche konsumiert.
Die ca. 35.000 Stück Seesaiblinge, die mit Längen zwi- Das Fleisch der Seesaiblinge ist von überragender Qua-
schen 10 und 35 cm in den Jahren 2011 bis 2014 be- lität und hin und wieder tief rot gefärbt.
setzt wurden, dienten vermutlich, so wie die meisten
Seeforellen, den Raubfischen als willkommene Ab- Größte Angelfänge:
wechslung. Fast alle in den letzten Jahren registrierten Jahr Länge Gewicht
Seesaiblinge wurden mit der Hegene, eher zufällig beim 2010 42 cm 0,60 kg
Renkenfischen gefangen. Über ihre bevorzugten Auf- 2000 48 cm 1,03 kg
enthaltsbereiche und über das Fressverhalten können 1996 50 cm 1,64 kg
derzeit keine konkreten Aussagen gemacht werden.

17 AITEL (Squalius cephalus)


möglichen Bodenorganismen, Muscheln, Wasserpflan-
zen und sehr häufig auch Anflug.
Gelaicht wird im Juni an flachen kiesigen Stellen, wo-
bei oft große Schwärme gebildet werden.
Aitel werden häufig als Beifang beim Karpfenfischen
erbeutet. Gezielt lassen sie sich mit der Fliegenrute, mit
Schwimmbrot und mit Köderfischsystemen fangen.
Wenn man Maiskörner, Würmer oder Maden langsam
Aitel zählen zum Urbestand des Weissensees und sind zwischen einer Gruppe von Aiteln absinken lässt, führt
an der Scharkante und in den Flachwasserbereichen, im das auch sehr oft zum Erfolg.
mittleren und östlichen Abschnitt des Weissensees, die Das Fleisch ist relativ grätenreich, vom Geschmack
auffälligste Fischart. Häufig bilden sie auch größere aber ausgezeichnet.
Gruppen, die sich mit Vorliebe in der Nähe von versun-
Größte Angelfänge:
kenen Bäumen aufhalten. Phasenweise besiedeln sie
aber auch die Oberfläche des Freiwasserbereiches. Aus Jahr Länge Gewicht
mir schleierhaften Gründen wird das Gatschacher Be- 2017 58 cm 2,22 kg
cken vom Großteil der Population gemieden. Bei der 2012 65 cm 3,60 kg
Nahrungsaufnahme ist der Aitel nicht wählerisch. Auf 2008 66 cm 3,12 kg
dem Speiseplan stehen Fische, Kamberkrebse, alle 2006 68 cm 3,40 kg

18 ROTAUGE (Rutilus rutilus)


Erstmals wurde das Rotauge in den 1930er Jahren im
Weissensee nachgewiesen. Heute gehen wir davon aus,
dass es aber schon früher den See besiedelte und wahr-
scheinlich zum Urbestand zählt. Rotaugen verteilen
sich über die gesamte Seefläche, wobei im Sommer, wie
beim Karpfen und bei der Schleie, nur die warme Ober-
flächenschicht bis in Tiefen von ca. 8 m als Habitat
dient. Schilfgürtel und Teichrosenfelder werden vor

54
allem von jungen Fischen besiedelt, wogegen größere während dem langsamen Absinken genommen. Die
Exemplare meist tiefere Wasserschichten mit Pflanzen- Schwimmermontage zum Schleienfischen funktioniert
bewuchs bevorzugen. Im Sommer bilden Rotaugen bei auch hier ganz hervorragend. Es eignen sich Maden,
Tag z. T. große Schwärme, die sich jedoch im Laufe der Maiskörner, Teig und Würmer. Der Fang mit der
Abenddämmerung vollkommen auflösen. Die einzel- künstlichen Fliege ist in den Abendstunden möglich.
nen Fische verteilen sich dann über die gesamte Gewäs- Topfuttermittel zum Anlocken großer Mengen von
seroberfläche und fressen dort Anflugnahrung. Am Rotaugen sind Kürbiskernplatten. Auf Grund der zahl-
Morgen schließen sie sich dann wieder zu einem reichen Gräten in der Rückenmuskulatur werden Rot-
Schwarm zusammen. Derzeit stellt das Rotauge eine augen nicht sehr geschätzt. Geschmacklich ist das
der wichtigsten Nahrungsquellen für alle Raubfische Fleisch ganz großartig und kann vielseitig genutzt wer-
dar und eignet sich sehr gut für alle möglichen Köder- den.
fischsysteme. Als Nahrungskomponenten werden Bo-
Größte Angelfänge:
denorganismen, Anflug, Zooplankton und Wasser-
pflanzen genutzt. Gelaicht wird im April bzw. Mai an Jahr Länge Gewicht
flachen Stellen mit Pflanzenbewuchs. Ihr Fang bereitet 2015 41 cm 1,50 kg
eigentlich nur bei Kaltwettereinbrüchen Schwierigkei- 2012 40 cm 1,30 kg
ten, da sich Rotaugen dann meist in tiefere Wasser- 2006 47 cm 0,97 kg
schichten zurückziehen. Die Köder werden am liebsten

19 ROTFEDER (Scardinius erythrophthalmus)


Rotfedern sind ausgesprochene Oberflächenfische und
daher ist der optimale Köder das Schwimmbrot. Wenn
man einen Schwarm ausgemacht hat, braucht man nur
noch ein Stück einer Semmel (oder Weißbrot) an der
Oberfläche anzubieten. Man verankert sich dabei ei-
nige Meter vom Schilf entfernt und wirft das
Schwimmbrot direkt an den Schilfrand. Da sich auch
Rotfedern zählen zum Urbestand des Weissensees und große Rotfedern in diesem Bereich aufhalten, kann
halten sich bevorzugt in kleineren Gruppen in den man oft eine sehr spannende Fischerei erleben. Beim
Schilfgürteln auf. Als Nahrungskomponenten werden Fleisch gilt das Gleiche wie beim Rotauge.
hauptsächlich Wasserpflanzen, Anflugnahrung, Bo-
denorganismen und Zooplankton genutzt. Sie sind Größte Angelfänge:
meist etwas hochrückiger als Rotaugen, eignen sich Jahr Länge Gewicht
aber trotzdem recht gut für Köderfischsysteme. 2015 41,5 cm 1,50 kg
Gelaicht wird, so wie beim Rotauge, im April bzw. Mai 2006 41,0 cm 1,20 kg
in flachen Bereichen mit Pflanzenbewuchs. 2002 46,0 cm 1,25 kg

20 KAULBARSCH (Gymnocephalus cernua)


Ursprünglich bewohnte der Kaulbarsch die Brackwas-
serbereiche im Donaudelta am Schwarzen Meer, wan-
derte jedoch, aus welchen Gründen auch immer, die
Donau entlang bis nach Österreich und wurde hier, vor
allem durch Besatzmaßnahmen, in so gut wie alle ste-
henden Gewässer eingeschleppt. Der Kaulbarsch

55
kommt heute im Weissensee recht häufig vor und be- Bodenorganismen. Derzeit spielt er als Nahrungskon-
siedelt Tiefen von ca. 5 bis 25 m. Er erreicht selten Län- kurrent wahrscheinlich noch eine untergeordnete
gen von über 15 cm und ist daher für die Angelfischerei Rolle
von geringer Bedeutung. Als Nahrung dienen vor allem

21 LAUBE (Alburnus alburnus)


Der erste Besatz erfolgte nach 1950. Zwischen 1970 wieder große Schwärme von Jungfischen in fast allen
und 1990 waren riesige Laubenschwärme keine Selten- Seebereichen beobachtet werden. Heute ist der Be-
heit und in den Sommermonaten laichten in flachen, stand wieder durchaus erfreulich.
kiesigen Uferbereichen oft tausende Fische ab. Der Be- Lauben werden kaum größer als 20 cm und stellen da-
stand ging jedoch innerhalb recht kurzer Zeit extrem her einen idealen Futterfisch für alle Raubfische dar.
zurück. Seit einigen Jahren kann wieder eine kontinu- Für den Angelfischer sind sie nur als Köderfisch von
ierliche Zunahme beobachtet werden. Die Jahre 2006 Bedeutung. Fangen kann man sie mit Maden, Wür-
und 2007 waren, im Gegensatz zu anderen Fischarten, mern, Maiskörnern, Teig,...
für die Laube sehr erfolgreich und so konnten auch

22 BITTERLING (Rhodeus sericeus amarus)


Bitterlinge sind Kleinfische, die im Weissensee selten Umgebung schlüpfen die Jungen aus und bleiben dort
größer als 4 cm werden. Für die Fischerei haben sie bis zum Erreichen der Schwimmfähigkeit. Der Besatz
keine Bedeutung. Da sie jedoch, besonders in der in den Weissensee erfolgte daher möglicherweise um
Laichzeit, sehr intensiv gefärbt sind und ihr Laichver- 1970 mit Teichmuscheln aus dem Millstättersee.
halten einzigartig unter den europäischen Süßwasserfi- In den 1980er Jahren waren Bitterlinge, besonders im
schen ist, sollen sie hier kurz erwähnt werden. Gatschacher Becken, sehr häufig anzutreffen. In den
Bitterlinge benötigen für ihre Vermehrung unbedingt letzten Jahren ist ihr Bestand aber stark zurückgegan-
Großmuscheln (Teichmuschel, Malermuschel,...). Das gen und man kann diese wunderschönen Fische nur
Weibchen legt mit ihrer Legeröhre die Eier in den Kie- noch selten beobachten. Möglicherweise sind sie im
menraum der Muschel ab. In dieser geschützten Weissensee auch schon ausgestorben.

23 RESTLICHE FISCHARTEN
Auf Grund seines guten Wachstums ist der Silberkarp- mehr zu beobachten sein. Brachsen kann man seit über
fen vielleicht noch für den beobachtenden Angelfischer 30 Jahren immer wieder im Gatschacher Becken und
interessant. So wie der Amur stammt er ursprünglich selten im mittleren Seebereich beobachten. Interessan-
aus Asien und ist als reiner Algenfiltrierer für den sehr terweise schafften sie es aber bis heute nicht eine grö-
nährstoffarmen Weissensee die wohl ungeeignetste ßere Population aufzubauen. Die größten Brachsen er-
Fischart überhaupt. Noch dazu ist er mit der Angel reichen im Weissensee Längen von über 70 cm und ein
grundsätzlich nicht zu fangen. Im Weissensee erreich- Gewicht von über 5 kg. Im Sommer 2002 konnte erst-
ten einige Tolstolobs Stückgewichte von über 15 kg mals eine natürliche Vermehrung des Giebels im Weis-
und konnte in den letzten Jahren im Gatschacher Be- sensee festgestellt werden. Von dieser Fischart kommen
cken und an der Scharkante im mittleren und östlichen in den meisten europäischen Gewässern nur weibliche
Seeabschnitt gesichtet werden. Da er sich im Weissen- Individuen vor. Zur Laichzeit mischen sich diese unter
see nicht vermehren kann, wird er demnächst nicht verwandte, ablaichende Arten, wobei die Giebeleier

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nicht befruchtet, sondern von den Spermien nur zur die Angelfischerei, noch für die Ökologie des Weissen-
Zellteilung stimuliert werden. Aus den Eiern gehen in sees von Bedeutung und werden daher hier nicht weiter
der Folge wieder nur weibliche Fische hervor. Ein ein- beschrieben.
ziger Giebelrogner ist daher theoretisch in der Lage, Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass, durch
eine gesamte Population aufzubauen. Heute werden in die nachweislich ansteigenden Wassertemperaturen,
Österreich auch immer wieder männliche Giebel nach- einige Fischarten an Bedeutung gewinnen werden. Wir
gewiesen. Wo diese plötzlich herkommen ist noch ein können ziemlich sicher davon ausgehen, dass es größere
Rätsel. Die restlichen Fischarten sind derzeit weder für Veränderungen geben wird.

24 KAMBERKREBS (Orconectes limosus)


weniger Wochen vollständig ausgerottet. Die Ursache
für diese Tragödie begann schon um 1860 in der Lom-
bardei, wo es um diese Zeit zum ersten Mal zu Massen-
sterben bei den heimischen Krebsen kam. Der Erreger
dieser Epidemie, ein Schlauchpilz, wurde durch nord-
amerikanische Flusskrebse eingeschleppt und breitete
sich in den nächsten Jahrzehnten über ganz Europa aus.
Fast alle autochthonen Krebsbestände fielen dieser Epi-
demie zum Opfer.
In den letzten Jahren hat sich im Weissensee wieder ein
guter Krebsbestand entwickelt. Bei diesen Tieren han-
delt es sich jedoch um den in Nordamerika heimischen
Krebse beseitigen tote Tiere im Wasser innerhalb kür- Kamberkrebs (Orconectes limosus) der, als Überträger
zester Zeit restlos und werden daher zu Recht als „Ge- der Krebspest, die Ursache für die Ausrottung des Edel-
wässerpolizei“ bezeichnet. Die nicht wählerischen Al- krebsbestandes im Weissensee ist. Wie diese Krebse um
lesfresser konsumieren aber auch Laub, Wasserpflan- 1980 in den See gelangten ist nicht bekannt. Es ist aber
zen, Schnecken und Muscheln. HARTMANN berichtete sehr wahrscheinlich, dass sie als Angelköder den weiten
1883 über einen kleinen Bestand an Edelkrebsen (Asta- Weg von Deutschland zu uns fanden und, als sie ihren
cus astacus). Dieser erreichte bis zum Jahr 1980 eine un- Dienst erfüllt hatten, vom tierliebenden Angler in den
glaublich hohe Dichte und es gab daher damals so gut Weissensee entlassen wurden. Eine kleine Geste mit
wie keinen geeigneten Unterschlupf in dem kein Krebs verheerenden Auswirkungen.
wohnte. Man konnte einige Tiere sogar bei Tag be- Erstaunlicherweise werden hin und wieder auch Edel-
obachten, obwohl sie grundsätzlich nachtaktiv sind. krebse von anerkannten Krebsexperten im Weissensee
Um 1980 wurde der gesamte Bestand innerhalb gesichtet. Erklärungen dafür gibt es derzeit nicht.

25 NACHTANGELN
Über ein Pro bzw. Kontra des Nachtangelns wurde in Fischarten in der Nacht viel besser zu fangen sind als
den letzten Jahren, sowohl im Kreise der Agrargemein- bei Tag. Dies gilt z. B. für den Zander und besonders in
schaft als auch im Kreise der Angelfischer, sehr häufig den Sommermonaten für den Karpfen, den Amur und
und z. T. recht emotional diskutiert. Seit der Angelsai- die Schleie. Diese Fischarten suchen in der Nacht auch
son 2008 ist der gesamte Weissensee für das Nachtan- Uferbereiche auf, die sie während des Badebetriebes bei
geln freigegeben. Außer Zweifel steht, dass einige Tag meiden. Sofern es der Angler zulässt, kann die

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Stille der Nacht und die meist spiegelglatte Wasser- daher nur befestigte Uferbereiche (Badestege, Liege-
oberfläche durchaus zur Entspannung und Erholung wiesen, feste Uferverbauten) ausgewählt werden. Der
beitragen. Das Treiben der nachtaktiven Tiere und das Angelplatz muss ständig gut sichtbar beleuchtet sein
Aufplatschen der springenden Fische auf die Wasser- und die ausgelegten Angelruten dürfen nicht unbeauf-
oberfläche werden bei Dunkelheit viel intensiver wahr- sichtigt bleiben. Bei Verwendung von Schwimmern
genommen und bauen eine gewisse, in jedem Fall posi- (Posen) müssen diese ebenfalls gut sichtbar beleuchtet
tive Spannung auf. Die regelmäßig veranstalteten sein (z. B. Knicklichter). Dies ist besonders wichtig, da
Nachtfahrten der Weissensee-Schifffahrt schließen sich schon mehrmals Angelschnüre im Elektromotor
aus, dass in der Nacht vom Boot aus geangelt wird. Das des Kontrollbootes verfingen und sehr kostspielige Re-
Campieren an nicht dafür vorgesehenen Plätzen ist am paraturen verursachten. Alle Angler die das durchaus
Weissensee verboten und auch das Angeln an unbefes- attraktive Angebot nutzen wollen werden gebeten, die
tigten Uferstrukturen (Naturufer) lässt sich mit den Vorschriften genau einzuhalten. Denn nur so kann das
Umweltschutzbemühungen der Gemeinde Weissensee Nachtangeln auch in Zukunft als Teil der Weissensee-
nicht in Einklang bringen. Als Angelplätze dürfen fischerei angeboten werden.

26 FISCHPARASITEN
Der Befall mit Parasiten ist für Fische durchaus üblich. verschiedene Arten auf: Triaenophorus crassus und Tri-
In diesem Punkt bilden auch die Fische des Weissen- aenophorus nodulosus. Beide leben als geschlechtsreife
sees keine Ausnahme. Zu einer Beeinträchtigung der Würmer im Darm von Fischen (meist im Hecht). Die
Gesundheit tragen die Schmarotzer aber nur selten bei. Eier werden mit dem Kot des Fisches ins Wasser abge-
Bandwürmer (Cestoda) findet man sehr häufig im geben und von Zooplanktern (erster Zwischenwirt)
Darm von Reinanken, Hechten und Karpfen. Kratzer aufgenommen. Der befallene Zooplankter wird wiede-
(Acanthocephala) kommen sehr häufig bei Flussbar- rum von einem Fisch (zweiter Zwischenwirt, z. B. eine
schen vor. Saugwürmer (Trematoda) findet man in Reinanke oder ein Seesaibling) gefressen. Im zweiten
sehr großer Zahl im Darm von Schleien. Fadenwürmer Zwischenwirt verhalten sich die beiden Bandwurmar-
(Nematoda) kommen in Hechten und Barschen vor. ten nun völlig unterschiedlich. T. crassus befällt als
In der Leibeshöhle von kleineren Rotaugen, Lauben,... Wurmlarve die Muskulatur der Wirtsfische und verur-
parasitiert der Riemenwurm (Ligula intestinalis). sacht dort Blutungen. In Fischfilets sind diese Blutun-
In den Kiemen von Schleien, Hechten und Flussbar- gen und z. T. auch die Wurmlarven gut zu erkennen
schen findet man recht häufig schmarotzende Kiemen- und sind natürlich ekelerregend. T. crassus wird daher
krebse (Ergasilus sp.) und auf der Haut von Hechten von Gewässerbewirtschaftern gefürchtet, da befallene
und Flussbarschen findet man in den Sommermonaten Fische nicht zu vermarkten sind.
regelmäßig die Karpfenlaus (Argulus sp.). In den Augen T. crassus kommt im Weissensee nicht vor!!!
von Flussbarschen, Rotaugen,... parasitiert das Larven- Sehr wohl konnte in den letzten Jahren T. nodulosus
stadium eines Trematoden. nachgewiesen werden. Auch dieser Parasit lebt als ge-
Keiner der Parasiten, die bis jetzt für den Weissen- schlechtsreifes Tier im Darm seines Endwirtes
see nachgewiesen werden konnten, stellt eine Ge- (Hecht). Auch die Zwischenwirte sind die gleichen.
fahr für den Menschen dar. Sie haben auch keinen Nur bildet die Larve von T. nodulosus im zweiten Zwi-
Einfluss auf die Qualität des Fischfleisches und nur schenwirt eine Zyste in der Leber. Die Fischmuskulatur
von sehr wenigen Arten wird die Fischgesundheit wird nicht befallen. Beim Ausnehmen ist ein mit T.
beeinträchtigt. nodulosus befallener Fisch also frei von Parasiten.
Vom Hechtbandwurm treten in Österreich zwei

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