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Spiritistische Philosophie

Was ist der Spiritismus oder die spiritistische Philosophie?

Sowie der Spiritismus heute in Deutschland dargestellt wird, ist festzustellen, dass er in
seiner Begriffsbestimmung eine Umschreibung bzw. eine Veränderungen erfuhr. Ein
Missbrauch, eine Verfälschung und ein Verbot dieser Lehre geschahen ab der
Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert und fanden ihren Höhepunkt während
der Zeit des Nationalsozialismus, wie es auch in der Kunst, der Literatur, anderen
Geisteswissenschaften und in philosophischen Weltanschauungen geschah. Man verbindet
den heutigen Spiritismus mit den unbedachten und unwissenden Praktiken während
seiner Entstehungsphase von vor knapp 150 Jahren.

Der Begriff "Spiritismus" wurde dann über die Zeit hinaus falsch gedeutet und verstanden
z.B. wird der Spiritismus mit sektenartigen Gruppierungen bzw. mit dem Okkultismus in
Verbindung gebracht. Davon grenzen wir uns bewusst ab und wollen die ursprüngliche
Auffassung des Spiritismus nach Allan Kardec wieder im deutschsprachigen Raum durch
Studien und Öffentlichkeitsarbeit fördern.

Durch die fünf Grundwerke von Allan Kardec ist der Spiritismus nach Allan Kardec genau
bestimmt und vollständig definiert. In Ländern wie Frankreich, Portugal und in Brasilien
ist der Begriff „Spiritismus als Rechts- bzw. geschützter Begriff legitimiert. Der
Spiritismus ist eine von Allan Kardec erfasste und strukturierte Philosophie „mit
wissenschaftlichem Charakter, die sowohl moralische als auch religiöse Auswirkungen
hat“. Der philosophische Teil beschäftigt sich mit dem Ursprung, der Natur und der
Zukunft des menschlichen Geistes; der wissenschaftliche Teil bestätigt die Philosophie
durch Forschungen und der religiöse Teil zeigt die moralischen Folgen. Die Lehre
behandelt Themen wie z. B. "Was ist der Sinn des Lebens?", "Gibt es ein Leben nach dem
Tod?", "Was ist Gott?"
Der Spiritismus nach Allan Kardec ist zugleich eine beobachtende Wissenschaft und eine
philosophische Lehre. Als praktische Wissenschaft beschäftigt er sich mit den
Beziehungen, die man mit der geistigen Welt haben kann; als Philosophie umfasst er
moralische Folgen, die sich aus diesen Beziehungen ergeben. Die Philosophie des
Spiritismus fragt deshalb nach der Existenz der Seele und nach einem Weiterleben nach
dem Tod. Diese ist eine der wesentlichsten Fragen, deren Lösung zu wichtigen
Folgerungen führt, z.B. zu einer christlich ethischen Lebensführung und einer helfend,
unterstützenden Haltung gegenüber sich und dem Nächsten.

Ist der Spiritismus auch Okkultismus?

Laut Bertelsmann Lexikon ist „Okkultismus“ (lateinisch: occultus = verborgen, geheim)


die Sammelbezeichnung für "übersinnliche" Lehren und Praktiken, die
geheimnisumwittert, nicht erklärbar und nur wenigen zugänglich sind, sowie für die
Beschäftigung damit.“ (...) „Der "klassische" Okkultismus behauptet über Geheimwissen
zu verfügen, das nur wenigen zugänglich ist.“ Der Spiritismus ist eine allgemein
verständliche, klare Philosophie und seine Studien geschehen in offenen Gruppen, die
jedem zugänglich sind. Daraus folgend ist der Spiritismus ist kein Okkultismus, keine
Magie und gehört nicht zur Esoterik, wie er öfters mit diesen verwechselt wird.

Es gaben schon immer Phänomene, an allen Orten und zu allen Zeiten, die Fragen
aufwerfen wie z. B.: Wer bin ich? Wozu bin ich geboren? Lebt man nach dem Tod weiter?
Woher bin ich gekommen? Wohin werde ich gehen? Was ist das Ziel unserer irdischen
Existenz, welchen Sinn hat Glück und Leid?
Der Spiritismus will sowohl die Phänomene als auch die denen zugrunde liegenden
Naturgesetze ergründen und empirisch hinterfragen. Daraus ergeben sich mögliche
Antworten auf die erwähnten Fragen. Somit will der Spiritismus aufdecken, aufklären und
kritisch hinterfragen.

Ist der Spiritismus christlich?

Laut der gegebenen Antwort auf die Frage 625 des „Buches der Geister“ „ist Jesus für
den Menschen das Vorbild der moralischen Vollkommenheit, auf welche die Menschheit
auf Erden Anspruch hat. Gott gab ihn uns als das vollkommenste Urbild und seine Lehre
ist der reinste Ausdruck der göttlichen Gesetze, weil Christus vom göttlichen Geiste
beseelt und das reinste Wesen war, das je auf Erden erschien.“

Er ist zu uns gekommen, um zu zeigen, dass Gott ein Vater voller Liebe ist, und dass das
Leben ewig ist. Demnach bildet die christliche Lehre einen Grundstein im Spiritismus,

Der Spiritismus hat keine Priester oder priesterliche Ränge / Orden und verwendet in
seinen Sitzungen und in seiner Praxis keine Altäre, Bilder, Kerzen, Prozessionen,
Sakramente, Paramente, Rauschmittel, Talismane, Amulette, Horoskope, Kartenlegen,
Pyramiden, Kristalle, Rituale oder Formen externen Kultes.

Studie des Spiritismus

Das beste Mittel um Erkenntnisse über den Spiritismus zu erlangen ist seine Theorien zu
studieren. Er kann gelernt, analysiert und in allen wesentlichen Aspekten des Lebens
geübt werden, wie beispielsweise wissenschaftlich, philosophisch und religiös. Es gibt
Berührungspunkte zwischen dem christlichen Spiritismus und den neuen Erkenntnissen
auf den Gebieten der Psychologie, der Parapsychologie, der Metaphysik, der Philosophie
und der Theologie und mit den neuen Wissenschaften wie der
Psychoneuroendokrinologie. Diese beschäftigt sich mit dem Zusammenhag zwischen
Psyche, Nervensystem und endokrinologischem System des Menschen (insbesondere bei
psychosomatischen Krankheiten).

Der Charakter des Spiritismus ist daher eher der einer philosophischen Wissenschaft und
nicht der einer Religion im eigentlichen Sinn. Denn unter den Spiritisten befinden sich
Menschen von unterschiedlichen Religionen und sie können ihrer religiösen Zugehörigkeit
weiter nachgehen. Katholiken, Protestanten, Juden, Moslems, Buddhisten, Brahmanisten
usw. können Spiritisten sein.

Gibt es Spiritismus in Deutschland?

Die Lehre des Spiritismus findet auch in Deutschland Anerkennung. Es haben sich
Studiengruppen die sich beispielsweise mit folgenden Fragen beschäftigen: „Wer bin
ich?“, „Wozu bin ich geboren?“, „Was ist der Sinn des Lebens?“, „Gibt es Leben nach dem
Tode?“, „Woher bin ich gekommen?“, „Wohin werde ich gehen?“, „Gibt es einen Gott?“

Es sind Studiengruppen, die sich nun wissenschaftlich, philosophisch und religiös mit
dieser von Allan Kardec erfassten Lehre auseinandersetzen. Dazu haben sie sich unter
anderen auch folgende Aufgaben als Ziel gesetzt: a) Versammlungen, öffentliche
Vorträge und Studiensitzungen abzuhalten, sowie Publikationen insbesondere in
deutscher Sprache herauszugeben; b) soziale Projekte unabhängig vom Kulturkreis,
Glauben, Hautfarbe, sozialer Angehörigkeit, Alter und Geschlecht oder Nationalität der
Betroffenen zu unterstützen; c) Öffentlichkeitsarbeit durch Internet-Seiten (Homepages)
mit aktuellen Information und zum Austausch zu erstellen; f) Bibliotheken zu
unterhalten, in denen Bücher spiritistischer Prägung und andere Werke zur Studie
ausgeliehen werden können; g) sich von Ritualen, Anschauungen und Ideen
abzugrenzen, welche die spiritistischen Grundsätzen widersprechen, wie z.B.
Okkultismus, Magie, Rechtsradikalismus, usw...; h) für seine Aktivitäten, insbesondere
für die Ausübung mediumistischer Fähigkeiten kein Geld zu verlangen;

Wir erhoffen uns, Ihnen ein genaueres Bild des Spiritismus nach Allan Kardec vermittelt
zu haben. Seine vollständige und korrekte Bedeutung ist in den Grundwerken von Allan
Kardec erfasst und herausgegeben.

Bibliografie:
- Kardec, A., Was ist der Spiritismus, 2005, spiritismus verlag, München.
- Kardec, A., Das Evangelium im Lichte des Spiritismus, 2004, spiritismus verlag,
München.