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Universität Siegen Vorlesungsskript Folie 2-0

AG Baukonstruktion, Baukonstruktion
Ingenieurholzbau und Bauphysik Maß- und Modulordnung
Prof. Dr.-Ing. Peter Schmidt (Rev. 3.0 v. 01.10.2003)

Maß- und Modulordnung, Maßtoleranzen


Inhaltsverzeichnis Folie

2.1 Maßordnung im Hochbau (DIN 4172) (2-1)


2.1.1 Allgemeines
2.1.2 Definitionen
2.1.3 Vermassung von Bauwerken
2.1.4 Beispiel

2.2 Modulordnung im Bauwesen (DIN 18000) (2-5)


2.2.1 Zweck und Vorteile der Modulordnung
2.2.2 Elemente der Modulordnung
2.2.3 Koordinationssysteme

2.3 Maßtoleranzen (2-8)


2.3.1 Allgemeines
2.3.2 Ursachen
2.3.3 Definitionen
2.3.4 Bezugsarten
2.3.5 Toleranzen bei vorgefertigten Teilen aus Beton, Stahlbeton
und Spannbeton
2.3.6 Toleranzen bei vorgefertigten Teilen aus Stahl
2.3.7 Toleranzen bei Bauteilen aus Holz und Holzwerkstoffen

1. Auflage, Juli 2001


 P. Schmidt
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Maßordnung im Hochbau (DIN 4172)

1.1 Allgemeines

• Die DIN 4172 ist eine der frühesten Normen im Hochbau.

• Grundlage für die Abmessungen einzelner Bauteile, Bauelemente und


Gebäude.

• Ziel : → Maßvereinheitlichung
→ Rationalisierung der Bauausführung

1.2 Definitionen

• Baunormzahlen

Baunormzahlen sind Zahlen


für Baurichtmaße und die
daraus abgeleiteten Einzel -, Rohbau –
und Ausbaumaße

• Baurichtmaße

Baurichtmaße sind die theoretischen Grundlagen für die Baumaße in der


Praxis. Sie sind Maße von Bauteilen einschließlich ihrer Fugen.

Im Mauerwerksbau :
- Grundlage der Vereinheitlichung der Baumaße
sind die Abmessungen der Mauersteine
- „Oktametrische“ Maßordnung : Modul = 12,5 cm
- Baurichtmaße sind ein Vielfaches von 12,5 cm
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• Nennmaße

Nennmaße sind Maße, die die Bauwerke haben sollen.


Sie werden in der Regel in die Bauzeichnungen eingetragen. Bei Bauarten
ohne Fugen sind die Nennmaße gleich den Baurichtmaßen.

• Fugen

Stoßfuge : 1,0 cm
Lagerfuge : 1,2 cm

2.1.3 Vermassung von Bauwerken

Nach DIN 4172 muss bei den Einzelmaßen jeweils das Maß der Stoßfugen zwischen
den Steinen berücksichtigt werden !

Schematische Darstellung

Nennmaße : Außenmaß A : n ⋅ 12,5 – 1 n = ganze Zahl


(in Sonderfällen
Öffnungsmaß Ö : n ⋅ 12,5 + 1 kann hiervon auch
abgewichen
Vorsprungmaß V : n ⋅ 12,5 werden)
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1.4 Beispiel

Gegeben ist der unten dargestellte Ausschnitt aus einem Grundriss eines Wohnhauses.
Sämtliche Wände bestehen aus Mauerwerk.
Ergänzen bzw. korrigieren Sie fehlende bzw. angegebene Maße unter Berücksichtigung
der Maßordnung im Hochbau.
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Lösung :
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2 Modulordnung im Bauwesen (DIN 18000)

2.1 Zweck und Vorteile der Modulordnung

• Hilfsmittel für Planung und Fertigung im Bauwesen


• Sortimentbeschränkung an Bauteilen → höhere Produktivität
• Bauteile kombinierbar bzw. austauschbar
• Vereinfachung in der Entwurfsarbeit

2.2 Elemente der Modulordnung

→ Basis ist das Dezimalsystem

Grundmodul M
Kleinste Einheit der Modulordnung : M = 100 mm

Multimoduln
Ausgewählte Vielfache des Grundmoduls → m⋅M

mit : m = 3 , 6 , 12
Vorzugszahlen
Unter Einhaltung gewisser Grundforderungen werden aus der Vielfalt möglicher
Maße Bevorzugte herausgegriffen .

Grundforderungen : - Berücksichtigung menschlicher Maße


- Abdeckung nutzungstechnischer Erfahrungswerte
- internationale Verwendbarkeit
- überschneidungs- und restmengenfreie Maßsysteme

Koordinationsmaße sollen somit aus folgenden Vielfachen der Grund- bzw.


Multimoduln gebildet werden :

a) n⋅M mit : n = 1 – 30
b) n⋅m⋅M mit : n = 1 – 20 ; m = 3 oder 6
c) n ⋅ 12M mit : n ≥ 1

Ergänzungsmaße
Nominierte Maße, die kleiner als der Grundmodul sind, sich aber kombiniert zu
modularen Maßen ergänzen.
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Nennmaße (Sollmaße)
Nennmaße sind aus Koordinationsmaßen abzuleiten und in Bauzeichnungen
einzutragen. Bei der Festlegung von Nennmaßen sind evtl. Fugen und die zulässigen
Maßtoleranzen zu berücksichtigen .

2.3 Koordinationssysteme

• Längen-, Breiten- und Höhenmaße von Bauwerken und Bauteilen werden als
Abstände zwischen Koordinationsebenen aufgefasst.
• Abstände entsprechen den modularen Koordinationsmaßen.
• Entstehung eines modularen Raumrasters → Koordinationsraum
• In allen 3 Dimensionen und in jeder Richtung dürfen unterschiedliche
Koordinationsmaße gewählt werden.
Beispiel : Im Skelettbau können beispielsweise die Stützenabstände oder die
lichten Raumhöhen variieren !

Abbildung aus : Cziesielski , Lehrbuch der Hochbaukonstruktionen , 3. Aufl. 1997, B.G. Teubner Stuttgart
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3.4 Bezugsarten

Bauwerk, Bauteile oder Räume werden maßlich in verschiedener Weise auf


die Koordinationsebenen bezogen :

Grenzbezug → Bauteile (einschl.Fugenanteil)


füllen das Koordinationsmaß
zwischen zwei Koordinations-
ebenen aus
→ Zwei Koordinationsebenen
bilden die Begrenzung von
Bauteilen

Mittellage → Die Bauteilachse liegt in der


Mitte zwischen zwei
Koordinationsebenen
(Erfassung von Bauteilen mit
nicht modularen
Abmessungen)

Achsbezug → Die Bauteile liegen mittig in


einer Koordinationsebene

Randlage → Eine Koordinationsebene


bildet die Begrenzung von
Bauteilen

Abb. aus : Frick/Knöll/Neumann/Weinbrenner:


Baukonstruktionslehre Teil I
31. Aufl 1997
B.G. Teubner Stuttgart
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3 Maßtoleranzen
3.1 Allgemeines

Abweichungen von den Sollmaßen von Bauwerken bzw. Bauteilen können in einem
gewissen Umfang akzeptiert werden.
Diese dürfen jedoch keine Einschränkung für die Funktion oder Gestaltung von
Bauteilen oder Bauwerken bedeuten.

Grundsätze und Maßtoleranzen sind in folgenden Normen festgelegt :

• DIN 18201 Toleranzen im Bauwesen ; Begriffe, Grundsätze, Anwendung, Prüfung


• DIN 18202 - ; Bauwerke
• DIN 18203 - ; Teile 1-3 (siehe 2.3.4 ff)

3.2 Ursachen

• Maßgebungsfehler nämlich Maßfehler und Markierungsfehler


• Arbeitsfehler
• Material- bzw. verschleißbedingte Fehler

3.3 Definitionen

Istmaß → ein durch Messung festgestelltes Maß


Istabmaß (Abmaß) → Differenz zwischen Ist- und Nennmaß
Höchstmaß → größtes zulässiges Maß
Mindestmaß → kleinstes zulässiges Maß
Grenzabmaß → Differenz zwischen Höchstmaß und Nennmaß oder
Mindestmaß und Nennmaß
Maßtoleranz → Differenz zwischen Höchstmaß und Mindestmaß
Ebenheitstoleranz → zulässiger Bereich für die Abweichung einer Fläche
von der Ebene
Winkeltoleranz → zulässiger Bereich für die Abweichung eines Winkels
Vom Nennwinkel (s. Stichmaß)
Stichmaß → Hilfsmaß zur Ermittlung der Istabweichungen von der
Ebenheit und der Winkligkeit
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3.4 Toleranzen bei vorgefertigten Teilen aus Beton, Stahlbeton und


Spannbeton (nach DIN 18203-1)

3.5 Toleranzen bei vorgefertigten Teilen aus Stahl (nach DIN 18203-2)

3.6 Toleranzen bei Bauteilen aus Holz und Holzwerkstoffen


(nach DIN 18203-3)