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Der Trend zur Globalisierung

Internationaler Handel und Investitionen

Die zunehmende Internationalisierung läßt sich an der schnellen


Ausdehnung des internationalen Handels seit den 50er Jahren ebenso
ablesen wie an der Expansion der Auslandsproduktion seit den 70er
Jahren. Seither ist auch eine rasche Internationalisierung der
Kapitalmärkte zu beobachten, auf die schließlich in den 80er Jahren die
Ausbildung wirklich globaler Produktmärkte folgte. Die Dynamik dieses
Internationalisierungsprozesses läßt sich an den Wachstumsraten des
internationalen Handels in den letzten Jahren ablesen, die in der Regel
über den Zuwachsraten der weltwirtschaftlichen Gesamtproduktion lagen.
Beträchtlich schneller noch als der Handel expandieren seit geraumer Zeit
die grenzüberschreitenden Investitionen. Auch der Finanzsektor
vergrößerte sich explosionsartig. So ist das Auslandsguthaben der Banken
weltweit von 1.836 Mrd. US-$ im Jahre 1980 auf 7.021 Mrd. US-$ im Jahr
1993 angestiegen.1

Die Globalisierung früher und heute

Historisch gesehen sind ökonomische Globalisierung und


Internationalisierung entgegen einer weitverbreiteten Annahme keine völlig
neuen Phänomene. Gemessen an der Bedeutung des internationalen
Handels und der ausländischen Direktinvestitionen für die weltweite
Produktion erreichte die Internationalisierung des Handels erst um 1970
und die der Direktinvestitionen sogar erst Anfang der 90er Jahre wieder
das Niveau der Zeit unmittelbar vor dem Ersten Weltkrieg. Noch
erstaunlicher ist, daß die Nettokapitalflüsse in den Jahren vor dem ersten
Weltkrieg einen um einiges höheren Anteil an den Weltsparguthaben
ausmachten als während des Booms der letzten Jahre.2
Neu hingegen ist die Art der Globalisierung. Sie unterscheidet sich vor
allem im Bereich der Produktion von Gütern und Dienstleistungen qualitativ
von früheren Phasen der kapitalistischen Internationalisierung. Die neue
Globalisierung geht mehr in die "Tiefe", das heißt sie konzentriert sich
vielmehr auf die in zunehmendem Maße global ausgreifende
konzerninterne Arbeitsteilung.3

1Stiftung Entwicklung und Frieden: Globale Trends 1996. - Frankfurt: Fischer Taschenbuch
Verlag, 1995. S159f
2a.a.O. S160
3a.a.O. S160
Voraussetzungen und Akteure

Möglich wurde diese Entwicklung vor allem durch die Öffnung vieler
Entwicklungsländer für ausländische Investoren. Demokratische
Regierungen förderten Investitionen und Joint-Ventures durch
Steuerbegünstigungen, Steuerbefreiungen und eine verhältnismäßig
geringe Bürokratie. Ein weiteres Rückgrat ist die Verfügbarkeit vieler
billiger und williger Arbeitskräfte in den südostasiatischen Staaten.
Einen weiteren Punkt bildet die relative Freiheit des Welthandels und die
Abnahme großer internationaler Konflikte. Vor allem der Fall des Ostblocks
und die Einführung der Marktwirtschaft in den ehemaligen RGW Staaten
wirkten stimulierend auf die Globalisierung.4
Die Akteure der Globalisierung sind die transnationalen Konzerne (TNC's),
die sich nach dem zweiten Weltkrieg heraus bildeten. Die von ihnen
favorisierten Investitions-, Produktions- und Produktstrategien bestimmen
mehr und mehr die Muster und Formen der internationalen Investitionen
und des internationalen Handels.5
Die transnationalen Konzerne kontrollieren inzwischen rund ein Drittel der
globalen Industrieproduktion direkt, wobei ihr indirekter Einfluß
wahrscheinlich doppelt so hoch ist. Ein anschauliches Beispiel ist, daß
etwa ein Drittel der Welthandelsströme auf den sogenannten Intra-Konzern
Handel (der Handel zwischen Mutter- und Tochtergesellschaften innerhalb
einzelner Konzerne) entfallen.6
Die Verstreuung der Produktions-, Fertigungs-, Planungs- und
Verkaufsstätten über die ganze Welt erfordert aber einen großen
administratorischen Aufwand. Erst der Einsatz von Computervernetzungen
und die heutzutage relativ kostengünstigen und problemlosen
Verkehrsbedingungen machten dies möglich. So macht der Lohnvorteil,
den die Firmen bei einer Produktion in einem Billiglohnland haben, locker
die Transportkosten von einem Kontinent in den anderen wett.7
Unter den transnationalen Konzernen befinden sich aber heutzutage nicht
mehr nur Industriekonzerne wie etwa der Textilindustrie oder der
Elektrotechnik, sondern auch moderne Dienstleistungsunternehmen, z.B.
Softwareentwickler und vor allem Banken, die erst die globale Infrastruktur
für den internationalen Finanzsektor sowie eine globale Finanzbasis
bereitstellen.8

4Baratta, Dr. Mario (Hg.): Der Fischer Weltalmanach 1997. - Frankfurt am Main: Fischer
Taschenbuch Verlag, 1996. S945
5Stiftung Entwicklung und Frieden: Globale Trends 1996. - Frankfurt am Main: Fischer
Taschenbuch Verlag, 1995. S163
6a.a.O. S164
7Baratta, Dr. Mario (Hg.): Der Fischer Weltalmanach 1997. - Frankfurt am Main: Fischer
Taschenbuch Verlag, 1996. S945
8Stiftung Entwicklung und Frieden: Globale Trends 1996. - Frankfurt am Main: Fischer
Taschenbuch Verlag, 1995. S165
Vorteile und mögliche Gefahren

Die Folgen dieser Entwicklung, die in den letzten Jahren besonders


deutlich wurde und sich noch immer beschleunigt, sind vielfältig. Das
auffälligste Merkmal ist sicherlich die Standortkonkurrenz. Es wird
befürchtet, daß bei gleichbleibender Entwicklung die Abwanderung von
Produktionsstätten von den Hochlohnländern Europas und Amerikas in die
Billiglohnländer Asiens auf Kosten der Arbeitsplätze bemerkbar macht.9
Durch die Globalisierung und Technisierung wird befürchtet, daß im
kommenden Jahrhundert 1/5 der Weltbevölkerung ausreichen wird, um die
Weltwirtschaft in Schwung zu halten, alle Waren zu produzieren und alle
hochwertigen Dienstleistungen zu erbringen. Diese Vision der 20:80
Gesellschaft, so befürchten hochrangige Wirtschaftsfachleute, könnte
schon bald Realität werden, wenn die westlichen Industriestaaten nicht
bald etwas dagegen unternehmen.10
Als Gegenpunkt zur Globalisierung kann aber heute auch ein
zunehmendes Maß an Protektionismus festgestellt werden. Und zwar nicht
mehr im konventionellen Rahmen der Nationalstaaten sondern in
Wirtschaftsräumen wie der EU oder der NAFTA. Diese
Zusammenschlüsse fördern zwar den Handel innerhalb der Gemeinschaft,
wirken aber diskriminierend auf Drittländer, denen der freie Marktzugang
versperrt wird. Die Hauptleidtragenden sind die Entwicklungsländer, die auf
die Rohstoffexporte in die Industrieländer angewiesen sind.
Doch in gewissem Sinne ist auch dieser Protektionismus der
Industrieländer eine Reaktion auf die Globalisierung, indem versucht wird,
durch Zölle auf Waren aus billiger produzierenden Ländern die eigenen
Standortnachteile wettzumachen und so die eigene Industrie sowie die
Arbeitsplätze zu schützen.11
Die Währungs- und die Politische Union in der EU wären ein Ansatz um
die europäische Industrie weiterhin in diesem Maße am Leben erhalten zu
können. Die Staaten müßten noch stärker zusammenarbeiten und die
Bürger integrieren, sowie sich auf längerfristige Zukunftsperspektiven, wie
ökologische Politik, soziale Ausgeglichenheit, aber auch Investitionen der
Staaten in die eigene Wirtschaft, auch im Zeichen eines Sparpaketes,
besinnen.12
Zusammenfassend läßt sich sagen, daß die Globalisierung keineswegs nur
ein Schlagwort und eine Erfindung von Finanzhaien oder
nationalökonomischen Fundamentalisten ist, sondern das Resultat eines
weltweiten Strukturwandels, der einerseits durch die rasante Verbreitung
mächtiger Technologien, andererseits durch den wirtschaftlichen

9Baratta, Dr. Mario (Hg.): Der Fischer Weltalmanach 1997. - Frankfurt am Main: Fischer
Taschenbuch Verlag, 1996. S945
10Martin, Hans-Peter. Schumann, Harald: Die Globalisierungsfalle. - Rinbeck bei Hamburg:
Rowohlt Verlag, 1996. S12ff
11Baratta, Dr. Mario (Hg.): Der Fischer Weltalmanach 1997. - Frankfurt am Main: Fischer
Taschenbuch Verlag, 1996. S1081
12Martin, Hans-Peter. Schumann, Harald: Die Globalisierungsfalle. - Rinbeck bei Hamburg:
Rowohlt Verlag, 1996. S331ff
Aufholprozeß in den Schwellenländern, den Zusammenbruch des
"kommunistischen" Systems und die Fortschritte der großräumig
ökonomischen Integration enorm beschleunigt wurde. Es wäre nicht nur
sinnlos, den Kopf in den Sand zu stecken und so zu tun, als gäbe es
immer noch geschützte Nischen. Man würde dadurch auch die Chancen
verpassen, die sich einem Land mit hochqualifizierten Arbeitskräften und
kreativen Unternehmen bieten. Hier sind die Politiker gefragt, Maßnahmen
zu ergreifen und unter der Devise des österreichischen Bundeskanzlers
Franz Vranitzky zu handeln: "Die Globalisierung ist eine Erscheinung der
Vernetzung, in der Chancen weltweit neu verteilt werden. Es kann nur
darum gehen, sich in die bestmögliche Position zu bringen."13

13Vision 2000. In: Internet: http://www.diepresse.at