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Dieter Kissel

Im
Innern
Galiläas

Neue Gedichte
.
Im Innern Galiläas
Neue Gedichte von Dieter Kissel

mit den Abbildungen des


Sonnengesangszyklus
von Joachim Domning
Cip-Kurztitelaufnahme der Deutschen Bibliothek

Kissel, Dieter:
Im Innern Galiläas: Neue Gedichte/Dieter Kissel, Niefern-
Öschelbronn: im Selbstverlag des Adolf-Ludewig-Hauses, 1998

ISBN 3-00-002650-9

© 1998 by Selbstverlag des Adolf-Ludewig-Hauses-


Seminarzentrum D-75223 Niefern-Öschelbronn
Inhalt:
Vorwort 7
Einführung in den Kupferstichzyklus 8

Der Sonnengesang 11

Vincents Ohr 31
Requiem für den regenwald 32
Pressemeldungen 33
Irland – ein offenbares Mysterium
Die Regenbogeninsel 34
Newgrange 35
Clonmacnoise 36
Taliesin 37
Die Farbe der Sonne 38
Tara im Abend 39
Connemara-Nacht 40
Samhain oder das Fremde 41
Bäume 42
Danu 43
Alban Arthan 44
Ecce homo 45
Galway 46
Du bist Petrus 47
Paulus 48
Johannes Lazarus 49
Johanni 50
Im Innern Galiläas 51
America latina
El Salvador 52
Nicaragua 53
Asuncion 54
Aus dem Tagebuch eines Krieges
Wüstensturm 55
Niemandserde 56
Sir Galahad sucht den Gral 57
13.Februar 1991 58
Kain 60
Bodenkrieg 61
George und die Wunderlampe 62
Vortrupp im Herbst 63
Cancer
64
Kapitalistische Konjugation 65
Lemurischer Heidemorgen 66
Tod im August 68
Der Tod des Sokrates 69
Goldstadt 70
Der letzte Wal 72
Der Eingeweihte 74
Wandlung 75
Novembereinkehr 76
nachtmahr 77
Wintermond 78
gedichte 79
Biographien 80
Über das Adolf-Ludewig-Haus 82
Die dreizehnte Fee 84
Im Innern Galiläas.
Zehn Jahre nach der Reise in das Land „Kanaan“* liegt eine neue
Reisebeschreibung vor. Wo aber ist Galiläa?
Es ist das heilige Land mit dem erfrischenden Wasser des Sees
Genezareths, wo der Auferstandene mit den Seinen zum Fischfang
fuhr?
Oder ist es die heilige Landschaft der Göttin, das Feenreich, so wie
sie in den Überlieferungen des keltisch-druidischen Wissens
weitergegeben wird, jene heilige, ätherische Landschaft, die das
Land unseres schmutzigen, zerstörten Planeten immer neu nährt und
kräftigt?
Oder ist es einfach der heilige Innenraum im Menschen selbst?
Sinnbild einer ätherischen Landschaft ist für mich die Insel Irland, dort
wo die Kargheit des Landes sich im Wolkenreich auflöst oder im Nebel
verschwindet und hinter dem nächsten Regenbogen aus dem
heiligen Wasser der See wieder auftaucht.
Aber auch dieses ist nur ein „deutungsloses“ Zeichen.
Im Rahmen der Meditationskurse des Adolf-Ludewig-Hauses wird
auch der keltische Einweihungsweg dargestellt. Ein Teil der
vorliegenden Gedichte sind für diesen Weg als Wegzeichen
aufgerichtet, aber sind auch frische Markierungen auf jenem
anderen engen Pfad ins Innere Galiläas.
Mit großer Freude unternehme ich die Wanderschaft erneut mit
Joachim Domning, der schon „Kanaan“ illustrierte und auf den
nächsten Seiten zu seinem Sonnengesangszyklus hinführen wird.

Zum Frühlingsfest 1998 geschrieben

Dieter Kissel

*Kanaan – Gedichte Erzählungen LazarusVerlag 1988 ISBN 3-924967-04-0


Der Sonnengesang des heiligen Franz.
Eine Hinführung zu den Abbildungen

Kaum ein literarisches Werk hat eindrucksvoller und


prägnanter die Schöpfung und das Menschsein in
Worten gefaßt, als der Sonnengesang des heiligen
Franz.
Wenn auch in der Übersetzung die Bildhaftigkeit der
romanischen Sprache sich nicht ganz wiedergeben
läßt, so spürt man doch die Wortgewalt, die sich in
der Sparsamkeit der Sprache ausdrückt.
Nur die Fußwaschung von Christian Morgenstern
kommt diesem Werk gleich.
In einer gewaltigen Komposition wird über zehn
Strophen der Schöpfer und sein Werk dargestellt. In
einer großen Demut drückt Franz das Lob des Herren
aus und kommt zum Schluß an die Grundwerte alles
Menschseins.
Den ursprünglich sieben Strophen wurden später
noch drei hinzugefügt, so daß wir heute das Schema
3+4+3 vor uns haben.
Die ersten drei Strophen sind dem Lob Gottes und
seiner Himmelsboten gewidmet.
Die vier folgenden bringen das Lob und das Wirken
der Elemente zum Ausdruck. Als letzes wurden dann
der Tod und die Liebe dazu gesetzt. Den Abschluß
bildet dann noch einmal ein Lob Gottes.
Zu diesen eindrucksvollen Worten hier der Versuch,
so sparsam wie möglich, mit bildnerischen Mitteln
die Worte zu begleiten. Dazu wurde der klare,
präzise Strich des Kupferstiches gewählt.

Joachim Domning

----------------------
die Texte des Sonnengesanges werden verwendet
mit freundlicher Genehmigung des:

Manesse-Verlages GmbH
Badergasse 9
CH 8000 Zürich

.
Du höchster, mächtigster, guter Herr,
Dir sind die Lieder des Lobes, Ruhm und Ehre und
jeglicher Dank geweiht.
Dir nur gebühren sie, Höchster
und keiner der Menschen ist würdig
Dich nur zu nennen.

.
Gelobet seist Du, Herr,
mit allen Wesen, die Du geschaffen,
der edlen Herrin vor allem, Schwester Sonne,
die uns den Tag heraufführt und Licht
mit ihren Strahlen, spendet
gar prächtig in mächtigem Glanze:
Dein Gleichnis ist sie, Erhabener.
.
Gelobet seist Du, Herr,
durch Bruder Mond und die Sterne.
Durch Dich sie funkeln am Himmelsbogen,
und leuchten köstlich und schön.
.
Gelobt seist Du, Herr,
durch Bruder Wind
und Luft und Wolke und Wetter,
die sanft oder streng nach Deinem Willen
die Wesen leiten, die durch Dich sind.
.
Gelobt seist Du, Herr,
durch Schwester Quelle:
Wie ist sie nütze in ihrer Demut
wie köstlich und keusch.
.
Gelobt seist Du , Herr,
durch Bruder Feuer,
durch den Du zur Nacht uns leuchtest.
Schön und freundlich ist er am wohligen Herde
mächtiger als lodernder Brand.
.
Gelobt seist Du, Herr,
durch unsere Schwester, die Mutter Erde,
die uns gütig und stark prägt
und mancherlei Frucht uns bietet
mit farbigen Blumen und Matten.
Gelobt seist Du, Herr, durch die
so vergeben um Deiner Liebe willen
und Pein und Trübsal geduldig tragen.
Selig, die's überwinden im Frieden.
Du, Höchster, wirst sie belohnen.
.
Gelobt seist Du, Herr,
durch unseren Bruder, den leiblichen Tod,
ihm kann kein Mensch entrinnen.
Wehe denen, die sterben in schweren Sünden.
Selig, die er in Deinem heiligsten Willen findet.
Denn sie versehrt nicht der zweite Tod.
.
Lobet und preiset den Herrn !
Danket und dient ihm
in großer Demut.
.
Vincents Ohr
Er trägt das Kopftuch der PLO
und auf dem Sacco den Davidsstern,
er schneidet sich die Haare
wie die Xinguanos vom Amazonas,
und auf den Konferenzen ist er
der Sprecher von Greenpeace.
Er liegt hungernd
im Schützengraben vor Sarajewo.
Er ist der herzkranke Penner
im Centralparc.
In der Parlamentssitzungen
vertritt er sich selbst:
Er ist immer in der Minderheit.
Im Pazifik bindet er sich
vor das Schiff japanischer Walfänger,
in Rom liest er laut
auf dem Petersplatz
aus der 114. Sure.
Er ist der Vergangene aus der Zukunft,
der Sohn und die Tochter.
Er ist die Stille am stürmischen Meer.

Er ist das Ohr Vincents, das tief


hineinhorcht
in die Erde.
Ob er den ersten Stein wirft?
Requiem für den regenwald
unaufhörlich blutet
die erde,
brennt
das laub.
Es fallen vom himmel zwei weiße raben.
Wotan ist tot.
Die götter sind am ende.
Judas Ischariot versäuft seine
letzten silberlinge
und
Maria aus Magdala verdingt sich
als hure in einer römischen taverne.
Viren dringen in alle computer,
die bilder stürzen.
Es ist die nacht vor karfreitag.
Fern vor der judäischen wüste
kräht der erste hahn.
Pressemeldungen
Zeitschrift für Geologie, Februarausgabe 1995:
Wie underpress meldet, hat eine amerikanische
Geologengruppe unter der Leitung von Nobelpreisträger
Professor Oilsteal in der Gegend um Krupac, etliche Meilen
südlich Sarajewos, ein riesiges Ölfeld entdeckt.

Stuttgarter Nachrichten vom 29. Februar 1995:


Fünfhundert Marines haben mit massiver Luftunterstützung der
europäischen Natoverbündeten den bosnisch-serbischen Krieg
innerhalb von drei Tagen erfolgreich beenden können.

Kirchlicher Beobachter, März 1995:


In einem gemeinsamen Bittgottesdienst weihten der Heilige
Vater, der amerikanische Präsident Bill Clinton und der Iman
von Bagdad den ersten Bohrturm in Krupac feierlich ein.

Nachruf auf Neven Panic, 8 Jahre, der im multinationalen


Waisenhaus in Sarajewo durch die Kugel eines Heckenschützen
verblutete. Newsweek, 14.April 1995:
...es war nichts als ein gelber Blitz bei seinem Knöchel. Er blieb
einen Augenblick reglos. Er schrie nicht. Er fiel sachte, wie ein
Blatt fällt. Ohne das leiseste Geräusch fiel er in den Sand.
(A.d.Saint-Exupery: Der kleine Prinz.XXVI.Kapitel)
Die Regenbogeninsel
Es ist wieder Herbst geworden, Oktober und wir wandern über
den Regenbogen in eine andere Welt.
Wenn dann am Morgen, früh, die Schleier der Göttin über die
braunen Felder ziehen und von der Küste ein Wind bläst und
das Meer weißgekrönt ist, fahren wir weiter, ins Innere der Insel
und nehmen doch mit uns die Sehnsucht nach der See, die
Meilen entfernt bleibt.
Dann treffen wir unvermittelt, scheinbar tief im Land auf einen
Arm des Meeres und einen hellen Strand. Wenige weiße Hütten
auf den Hügeln, ganz ferne ein Hafen und eine kleine
Stadt, ein Boot, das heimkehrt.
Heimat, was ist das?
Ist es das Torffeuer im Kamin in der Dämmerung oder das Reich
der Göttin, ist es der Rauch am Berge oder der steinige Weg?
Raben fliehen den Nebelfetzen entlang, drunten über der
Küste liegt das offenbar gewordene Reich der Wolkenfee, und
die Sonne sprengt plötzlich den Himmel auf.
Was ist das, Heimat?
Wir haben das Ende des Regenbogens gesehen und darunter
die Insel. Dort wollen wir tausend Tage bleiben oder nur eine
Nachtwache, wo wir dem Engel lauschen.
Newgrange
im stillen dunkel zerinnen die tage wie
jahrhunderte und du wirst ein alter mann
zeitalter liegen auf dir schwer wie das
schwarze kreuz des fernen erlösers.

Da strahlt in
tiefster Nacht
herein
das Licht
der Wintersonne,
und du findest
den Weg
nach innen.

Dein grüner Hügel wird das


goldgekrönte Jerusalem.

Mo ghile mear.
Clonmacnoise

Die Sonne von innen schauen

und drunten in der Ebene

den Fluß und über dir das

Mysterium des Sohnes.

Kreuz an Kreuz, Gräber

wie Gärten zurOsterzeit.Türme, in die Kraftorte

der Erde gesetzt. Heiliger Geist, der bis in die

Teestuben dringt, und drunten in der Ebene der

Shannon.Und hinunter zum Fluß grasen Lämmer und

Kälber friedlich jenseits der Klostermauern.

Stier, Widder und Fische

und die Glocke der nahen

Ortskirche,sie loben Christus,

den neuen Wassermann:

Verily I tell you, Galiläa ist mitten unter uns.


Taliesin
Wenn hinter den Hügeln
des Dorfes mitten im dunklen
Deutschland der Atlantik rauscht,
wenn hinter der hellen Lichtung im
Wald der Hügel Taras leuchtet,
wenn der rauhe Wind des Winters
die salzige Luft des Meeres bringt
und Kernunnos zur Sonnenwende
aus der Morgendämmerung tritt,
dann will ich Taliesin sein und mich
verwandeln in einen weißen Kranich
und über die Himmel ziehen
zu Dir meine grüne
Insel.
Die Farbe der Sonne
In der Sonne glänzte dein Haar,
so als ob der Gott mit der Sichel
das Weizenfeld schnitt,
und auch dieses
trägt die Farbe deines Haares.

Wenn die Sonne sich dann am Ende der Welt


verbirgt,
jenseits des Abgrunds,
wird dein Haar schwarz wie die fernen Wälder
an der Nachthimmelgrenze,
schwarz werden deine Augen und ihre Fragen,
schwarz werden deine Hände und
dein Mund.

Ich trinke von der Schwärze der Nacht.

Da tritt der Mond auf.


Ein kaltes Licht strömt in uns über.
Der Dunkelgott verzaubert unsere Herzen.
Wir versinken im Wiesengrund,
dringen ein in die Erde,
werden Gnom und Gnomin
und sehnen uns doch
nach der goldenen Sichel
überm Weizenfeld.
Tara im Abend
Der Wind schweigt.
Bäume atmen kristallklar.
Ganz am Ende des Weltblicks sanfte Wolken.
Du gehst den Rosengarten hinunter,
Stufe um Stufe wägst Du ab,
als gingest Du aufwärts.
An der verfallenen Mauer wartest Du,
einen Augenblick nur:
Sanfte Kühle streicht um Dein Haar.
Droben am Hügel, wo die dunkle Burg in die Erde floss,
tritt ein Nebel auf und senkt sich hinein
in das enge Tal,
hier ringt sich der Fluss durch schmale Wiesen
und harten Fels.
Aus dem fernen Dorf dröhnt ein Hammer
oder ein NIRGENDglockenschlagen.
Da tritt der Drache auf
und zerreißt die Andacht und die Hoffnung und die Rosen
am Hang,
Sand kriecht in unsere Augen und Münder
und zermahlt schließlich
unentrinnbar
unsere Herzen und Hände.
Connemara - Nacht
Am Abend, wenn im weißen Kamin das Torffeuer glimmt und
die Moorgeister traurige Geschichten murmeln, steht draußen
vor dem Haus am hohen Himmel ein einsamer Stern.
Wolken ziehen auf, trübe und grau verschleiern sie Himmel und
Stern; ganz leise fängt es zu regnen an, tropft schließlich
unaufhörlich auf das alte dunkle Reetdach.
Am Ende des Türpfades, am Zaun füllt sich wieder die alte
Pfütze. Die Spur der Hunde verweht, die Wiesenpfade werden
lehmig, glitschig; schreiend flüchten Krähen ins nahe Unterholz.
Der Wind jagt den Sturm ins Tal, die alten Balken zittern und
wimmern wie Bäume im Wald.
Rauch hängt tief im Kamin, erdrückt unsere Seele. Schnell fügst
du große trockene Torfscheite auf die Glut, bald rötet sich hell
die Stube, knarrend brennen die Moorgeister, Wärme legt sich -
zögernd - an die Wände, will den Regen von den Fenstern
vertreiben.
Doch die Nachtangst ist stärker, sie dringt durch alle Ritzen, füllt
die Zimmer aus und die Herzen.
Lautlos verlischt das Haus im Niemandsland.
Samhain * oder das Fremde.
Am Abend kam der Schatten. Wie das Schwert des
Racheengels drang er hinein in die Herzen der Menschen und
ihre Seele. Wo eben noch Tag war, liegt jetzt der Pesthauch
der Nacht.
Das Wasser vom Brunnen schmeckt schal, wo es eben noch
deinen Durst stillen konnte.
Das Fremde ist um uns, der gestorbene Gott, der
Untergangmensch.
Von einer hellen Lampe umflossen liegt unvermutet auf einen
Augenblick dein Lächeln in mir, die Nachtgrenze schwindet
einen Fingerbreit und doch genug, genug für ein Atemholen
und ist wie eine Morgenröte und ist wie Ruth.
Sie trocknet meinen Schweiß mit ihrem Haar und berührt meine
Hände mit ihrem Gesicht und schenkt mir ein und lächelt...
Da erlischt die Lampe, der Untergangmensch zerdrückt einen
verlorenen Schmetterling vom Tage in seiner Faust.
Das Blut des Erlösers rinnt aus seiner Hand und ertränkt uns alle.
Die Wüste, die Düne, das Eismeer, die Todesnacht,
das Fremde ist da.

* Samhain, Halloween, ist der Festtag zum ersten November,


der Winterbeginn, die Nacht der wilden Jagd, das keltische
Totenfest. In dieser Nacht ist der Zugang zur Anderswelt offener,
die Grenzüberwindungen leichter und gefährlicher.
Bäume
Die Nacht atmete schwer. Graue Gespenster erstickten
fast unsere Seele. Der Schlaf, er war viele Mal
unterbrochen, so, als ob wir fürchteten niemehr zu
erwachen.
Im Zimmer hing der Duft der Narzissen. Blatt um Blatt fiel
auf das gelbe Tuch des kleinen Tisches.
Wir sind es noch.
Wie Jahrhunderte alte Bäume ragen wir in die Nacht und
den Tag, in den Tag und die Nacht, tragen schwer an
der Last unserer Kronen.
Wir sind verwunschene Könige, edle und
müdgewordene Ritter der Tafelrunde,
und irgendwann,
bald,
heute,
jetzt wird Merlin unsere Häupter spalten, Tausende von
Blüten werden daraus in den Äther verströmen.
Aus dem Stammholz der Bäume bauen die Zimmerleute:
Häuser, Särge, Wagen und Brücken.
Sir Lancelot reitet über die Brücke zur Burg, und die
Dame vom See lächelt.
Danu*
Kühl liegt die Luft über den fernen Wäldern.
Du trägst den warmen Wollmantel und
die Pelzkappe der Tataren,
leise fällt Schnee von den Bäumen.

Wir wandern dahin auf Eiswegen,


suchen uns gegenseitig Halt,
unsicher und träumen:
von einer schnellen Schlittenfahrt
oder
von einem mutigen Ritt durch die
fernen Wälder
oder
vom Abend am Feuerkamin,
wo die Buchenscheite knarrend verbrennen
und das Torflicht glimmt.

Langsam verschwindet die Sonne


am Ende der Winterwelt,
Rauch legt sich um das enge Dorf,
Krähen suchen, streitend und
kreischend,
eine letzte Mahlzeit.

Wir sind Fremde hier,


ausgestossen und vogelfrei.
Über der kühlen Luft ferner Wälder
zieht
eine Schar Wildgänse ihre stille Bahn,
leis trommeln
ihre Flügel
zum Gericht.

______________________________
(* Danu, keltische Gottheit, ihr Feiertag ist IMBOLC,
die tatsächliche Mitte des Winters, seine Neige.
der Abend des ersten Februars, die Lichtmeß)
Alban Arthan*
Gefrorene Kälte an jedem Zweig,
Eisblumen,Wintermärchen.
Der Himmel fern und nah voll grauer Nebel.
Dumpfe Schritte
hinter Dir, vor Dir, neben Dir,
unscharf, ohne Grenze für die Sinne, unheimlich.
Unsicher gehst Du Deinen Pfad durch die Winterwelt.
Im Dorf,
es liegt wenige Schritte nur vor Dir
oder weit fort am Horizont hinter den Wäldern,
dort bellen Hunde.
Einsam schreitest Du weiter.
Fremde Stimmen, Wimmern, Seufzen, Lachen.
Sind es die Äste im Wind oder der Schnee,
wenn er von den Tannen fällt?
Du träumst es.
Da legt sich eine warme Hand auf Deine.
Doch Du erschrickst nicht.
Es ist endlich die verwunschene Wintergöttin,
die Schneefee,
die Du lange schon suchtest.
Am Feuer habt ihr dann ein warmes Lager erbaut,
roten Purpurwein getrunken,
gescherzt und wilde Küsse getauscht.
Schwarze Aschespuren am Morgen.
Die Wildhüter finden Deinen warmen Leib
eine Windspur weiter.
Dein Gesicht ist voller Lächeln.

____________________________
(* Keltischer Mittwinter, der kürzeste Tag des Jahres,
der Wendepunkt der Sonne)
Ecce homo
(Down St.Patrick Head)*

Hände,
aufwärts gen Himmel.
Und aufrecht stehen.
Die Sonne von oben
spüren.
Und in Dir
heiliger Geist,
weil du
dein eigener Tempel bist.
Gottes
wirkliche Wohnung
auf Erden.

Gedanken wie
Felse in der Brandung,
wie Kristalle
tief aus dem Berg,
klar,
Licht aus innen.
Denn du bist
dein eigener Tempel,
Gottes
Wohnung
auf Erden.

Taten wie Plastiken


aus dem Stein der Winterberge,
ragen
wie Marmorbrunnen
in die Wüste der Zeit.
Spenden das wahrhafte
Wasser des Lebens.

*( Down St.Patrick Head: Eine gewaltige Landabsprengung des


Atlantiks an der Küste von Mayo/Ireland)
Galway
Mit dir rote
Wintergöttin
will ich wieder wandern
durch die
Wasserwelten meiner grauen Stadt
und immer neu
den Geruch und Geschmack
des Torfrauches trinken
als wäre es
die Gabe der Könige.
Du bist Petrus
auf dem windseil
das zerrissene netz des fischers
darüber ätherblau:
galiläischer himmel.

am nachtfeuer
der frierende jünger
und die magd mit den
brennenden augen:
in der ferne hahnenschrei.

im osterlicht
der ver - zweifelnde schläfer
aus gethsemane:
vor dem grabe christus
oder nur
der erschreckte gärtner.

fünzig tage
im kargen judäa,
dann aber quellen
hervor
tausend
rosenzungen
und darunter eine,
nüchtern und klar:
SIMON DER FELS.
Paulus
Ein strauchelndes Pferd
auf dem steinigen Weg
nach Damaskus,
pharisäischer Philosophensturz
hinauf in die
Lichtwelt des Geistes.

Attischer Streit
auf den Märkten.
Stilles Weben an
den Zelten des
Christus.
Endlich überall
ein
Haus
haben.

Mutvolles Reisen
im Schatten
der Ölbäume.
In Rom den
Kopf der Schlange
zertreten.
Erkenntnis
nach Westen tragen.
Johannes Lazarus
Aus der Grabesnacht trat er hervor als jung geglühtes Männlein
der letzte Eingeweihte trauerte auf der Schädelstätte mit den
weinenden Schwestern in der Kammer Josephs wuchs seine
Erkenntnis hinaus in den zeitlosen Raum des Herrn
Botschafter.
Marmormund des Parakleten
Johanni
Sturm über den Wäldern,
Wiesen, atemlos in
gleissendes Blitzlicht getaucht.
Dann wieder
Mittagsbrand.
Wüste.
Ahnende Stille.
Ferner Vogelsang.

Deine Stimme zerschneidet


die Herzen der Sünder
und Frommen.
Gewaltig treibst Du
ihre entrückenden Sommerseelen
nach innen.

Dort kommt der Meister.


Er taucht ein
in das kalte klare
Erdenwasser,
und Du lösest die Riemen
seiner gedornten Sandalen.
Im Innern Galiläas
Am feuer sassen
die fischer
in der frühe des morgens.
Auf fangzeit
warteten sie.

Da trat zu ihnen,
der zimmermannssohn,
der nazaräer,
der heiland,
der gott.

Und im innern galiläas


sangen die fischer,
die netze hingen sie aus
zwischen den booten,
um das feuer tanzten sie:

Gelobt sei gott,


der fisch.
(America latina I)

El Salvador
Der Erlöser wohnt jetzt
im großen Amerika
und übersaeht mit
seinen Dollarmillionen
unser armes Land.
Und die Ebbe zernagt
die felder
und die Früchte
verdorren
und die Hoffnung
verdurstet am lichtblauen Meer.

O tränkt doch das Land,


tränkt es mit
unserem
eigenen
Blut.
(America latina II)

Nicaragua
der kleine doktor
heilte die blutenden
wunden unseres landes,

aber der große bruder


im norden düngte
unsere felder mit napalm
und bomben,

denn der frieden,


so sagt er,
müsse bewaffnet sein.
(America latina III)

Asuncion
Durch das Essäertor,
jenseits von Golgatha,
tief aus der zerklüfteten
Erde Judäas,
hinauf oder hinab,
ohne Richtung in Zeit und Raum.

Asuncion.
Entdeckt von spanischen Granden,
missioniert
von magischen Priestern,
ringsum das Blut von den Bergen,
ein hostienspendender Papst,
public relations,
Indios,
Generalissimo
auf samtenem Kissen kniend.

Und es kamen
Engel zu den
erstaunten Heiligen
und schickten
sie zurück in die
Stadt.
Und Christus wird
wiederkommen.
Auch nach Asuncion.
Aus dem Tagebuch eines Krieges.

Wüstensturm
Jesus Christus dient
jetzt als Verbindungsoffizier
im amerikanischen Generalstab.
Es ist Winter in der Wüste.
Schlamm ergiesst sich in alle Zelte.
Die air force meldet
stündlich
Vernichtungsziele,
die Reporter tragen Gasmasken am
Gürtel und Erkennungsmarken.
Thanksgiving day ist alle Tage.
Gewalt ist amtlich erlaubt.
Wir aber tragen die Tücher
der al-fahtah und marschieren.
Doch nur der Frieden ist heilig.
Aus dem Tagebuch eines Krieges.

Niemandserde
In der saudischen Wüste
weinen die Toten
mit zerschundenem Herzen
und halbem Gesicht.
1000 und eine Nacht-Basra
verendet in Bomben und
Blut.
Der Flaschengeist hat
viele Gesichter, zerbrochen
liegt das Glas auf dem
Grund des Meeres, dort
ersticken Kormoran
und Haubenente.
Wieder werden Waffen gesegnet.
Die Präsidenten
machen sich Entscheidungen
nicht leicht.

Doch die Beter schweigen


und im Schweigen durchdringt
blutrotes Unheil alle Herzen.
Es singen die Toten und
Ungeborenen:
Abendland heisst Untergang der Sonne.
Aus dem Tagebuch eines Krieges.

Sir Galahad sucht nach dem Gral


Once upon a time, es war einmal, so berichten die alten
englischen Märchen von den Taten des Sir Galahad. Und eines
Tages, er war gerade erwachsen geworden, schrieb sich Sir
Galahad ein als Pilot bei der royal air force. Entsprechend
seines Standes und seines Könnens ist er bald Officir geworden
und Staffelkapitän. Und wiederum eines anderen schönen
Tages beschloß die Regierung den Krieg auf die arabische
Halbinsel.
Und Sir Galahad flog als einer der Zwölfen der mutigen
Staffelrunde täglich Einsätze gegen das ungläubige Bagdad.
In seiner Kanzel war er den Sternen und Wolken oft nahe und
sah manchesmal vor sich die Heilige Schale und die
kraftspendende Taube, die in den Himmel stieg.
In einer frühen Morgenstunde, wo die Menschen gebären und
sterben trug Sir Galahad wieder eine furchtbringende Ladung
Bomben in die Vorstadt Bagdads, zielgenau auf einen Bunker
der Feindesarmee.
Er war der christlichste Ritter und brachte die Blutbotschaft in
das Land der Heiden.
Da erfaßte ihn die Flugabwehr.
Sir Galahad rettete sich mit dem Schleudersitz in die leere
Wüste.
Dort blieb er vierzig Tage lang, unentdeckt.
Ein Suchkommando fand ihn noch lebend und neben ihm eine
halbverkohlte Taube und eine zerbrochene goldene Schale.
Es war einmal...
Aus dem Tagebuch eines Krieges.

13. Februar 1991


Markttag in der altstadt,
der beinlose braune junge
feilscht mit dem zahnlosen
alten und zählt am abend die
münzen der zeit, patronenhülsen
aus amerika.

Meine gedanken bringen


tausendfachen tod,
aber mein herz liegt,
zerissen, zerfleischt, zerstückt
in einem bombenkrater in einer
vorstadt von bagdad.

Markttag in der altstadt,


der beinlose braune junge
feilscht mit dem zahnlosen
alten und zählt am abend die
münzen der zeit, patronenhülsen
aus amerika.

Meine hände steuern,


hundertprozentig, zielgenau
aber mein herz liegt,
zerissen, zerfleischt, zerstückt
in einem bombenkrater in einer
vorstadt von bagdad.

Markttag in der altstadt,


der beinlose braune junge
feilscht mit dem zahnlosen
alten und zählt am abend die
münzen der zeit, patronenhülsen
aus amerika.

Meine seele weint,


tränenlos, mundlos und taub
und mein herz liegt,
zerissen, zerfleischt, zerstückt
in einem bombenkrater in einer
vorstadt von bagdad.
Aus dem Tagebuch eines Krieges.

Kain
die hände fest
um den steuerknüppel,
den daumen
am auslöser
bringe ich
strahlenden tod
in die fernste oase.

Ich opfere Dir,


HERR des morgengrauens,
das blut Deiner
söhne.
Kröne
mich.
Segne
mich.
Denn mein geschlecht
wird
unsterblich sein.
Aus dem Tagebuch eines Krieges.

Bodenkrieg
Maulwürfe und engerlinge,
wühlmäuse und ratten
nagen
am grabtuch der zeit.

Sand, bäume und


halbverdorrtes gras.
Termiten und
heuschrecken
fressen
davon.

Es kriecht
in alle meere
blutiges öl.

Doch hoch droben


am sinai
singt der arme bruder FRANZ.

Komm,
braune lerche der wüste.
Sprich:
ich nehme meine zuflucht
zum HERRN der menschen...*

_____________________________
* Beginn der 114.Sure des Korans
Aus dem Tagebuch eines Krieges.

George und die Wunderlampe


Minarette, wundersam gerötet.
Beter in der Wüste Sand.
Tote, tausendfach getötet.
Schreie an der Gräber Rand.

Schwarze Frauen, lautlos, weinen,


wie Maria um den Sohn.
Nächte, die wie Tage scheinen,
lockend der Sirenen Ton.

Asche und ein Bombenmeer.


Ratten, Cholera und Pest.
Krückenkinder, Krüppelheer
und vom Arm ein stummer Rest.

Hände, die im Schlamm versanken.


Wasser, faulig, ölig, fett.
Schneller Sieg der Stahlgedanken.
Herzblut tropft vom Minarett.
Aus dem Tagebuch eines Krieges.

VORTRUPP IM HERBST
Dumpf rufen die Trommeln durch die Nacht. Regen rinnt an
unseren Mänteln, Nässe kriecht bis unter die Haut.
Wer unter uns gäbe nicht sein Erstgeburtsrecht für ein warmes
Feuer am Kamin. Aber wir müssen weiter.
Die Maschinen springen zögernd und unwillig an, Geruch von
Öl und Schweiß vermischen sich; wir verbergen die Spuren
unseres Lagers mit grün-gelb-rotem Laub, denn wir sind tief im
Feindesland, aber doch ohne Sorge vor der Luftaufklärung, der
lange Regen ist auch unser Freund.
Da hockte gestern ein ertrinkendes Dorf im Tal. Die Menschen
waren freundlich, wir verschenkten Zigaretten und Schokolade
bevor wir alte Männer ausfragten nach den Pfaden am Berg
und nach den letzten Meldungen im Radio.
Durchhalten hieß es.
Für wen, wie lange, wozu?
Die Felder sind abgeerntet, das Korn ist im Regen ersoffen oder
an den letzten Sonnentagen im Natriumpalmitat verbrannt.
Herbst soll es jetzt woanders sein.
Sankt Michael kämpft mit dem Drachen.
Cancer
Da steht er wieder da
der Krebs und grinst
und frisst mir deinen
Schmerz
tief in das Herz hinein.

Einst warst du
Bruder mir und Freund,
doch nun wirst
du der kalte Stein.

Da steht er wieder da,


der Tod und schneidet
und löscht dein Lächeln
aus
und trat ins Zimmer
still herein.
Kapitalistische Konjungation
Ich nehme.
Du nimmst.
Er aber gab.
Wir nehmen davon und
Ihr nehmt es.
Sie nehmen es uns wieder ab.
Nehmen ist einträglicher
als geben,
die kapitalistische
Marktwirtschaft
einträglicher als Brüderlichkeit.
Auf, lasst uns deshalb
einen Turm bauen.
Lemurischer Heidemorgen
An der Tafel der vier Ängste
sassen die lemurischen Sünden
sassen und tranken
und sassen:

Unter harten Fingern


zerbricht
der schuldlose Traum
und die späte Liebe
vermodert
im Geschmeiss.

Hoffnung haben
die anderen
am Eingang
abgegeben
als wäre sie
ein nutzloser
Mantel
im warmen Saal.

Im Dunst des
Heidemorgens
fällt ein
Erhängter
ins Moor.
War das Leben
nur Anfang?
Jedermann liebt
die Liebe im Dreieck;
der Sehnsuchtstropfen
gebärt Kinder,
aber der
apokalyptische
Tod zehrt schon
von der Luft
im Brautbett.

Von der Angst


der Vergangenheit
tranken
die Sünden
an langer Tafel:
Liebe im Dreieck
Leben im Moor
Hoffnung am Eingang
Tod im Traum.
Tod im August
Sterben in der Fülle,
in der Ernte des
Sommerweizens.
Lächeln,
geronnen in die Windungen
der Zeit und
in mir.
Mehr als Erinnerung:
Sonnenblumen.
Quelle zum lebendigen
Leben.
Der Tod des Sokrates
Da starb er hin,
der Stärkste von uns allen,
und starb so leicht
wie eine Rose,
wenn sie mittags welkt,
zerstrahlt von Sonne, Licht
und Feuerkraft.

Er ging voran,
der Mutigste im Abendwind,
und seine Seele ward
zerteil, im Regenstrom
empfingen wir:
Das Weizenkorn, den Mittagsbrand,
die Rosenspur, den Sternensand.
Goldstadt

Das Gold,
das Rheingold,
klebt,
hängt,
tropft,
in ihren schweißharten Gesichtern.
Tötet die Liebe
und die
Zuneigung,
frißt tief hinein
wie ätzende Säure,
verstummt
zum Leben in vergoldeten
Alleen und Landschaften,
pulsierend scheinbar
und doch tot.

Das Gold,
das Rheingold,
das Zahngold.
Selbst der Herbstwald
trägt rotes Gold
und golden ist
die Pforte und der Weg ins UNHEIL.

Erde, Du liebe und


Heilige, komm,
friß das Gold.
Zermahle, zerreiße es,
amalgiere es,
damit Herzen wieder
den Hauch des Erbarmens
spüren können
und weitergeben.
Siehe, dort,
Lazarus,
der arme und zerschundene,
liegt
in der Erde am Weg.
Zahnlos, goldlos, würdelos.
Heb ihn auf und trage ihn,
durch die Pforte,
eng zwar, doch hinein
ins Sonnenreich.
Der letzte Wal *
Zerrissen liegt meine Seele vor mir
und mein Herz.
Die Sonne und der Nordhimmel über mir
werden farblos
und ich weine:
Ich bin der letzte der großen Wale.

Vergangene Nacht hörte ich draußen


vor der Bucht
den Klageschrei
meines letzten Bruders,
ausgelöscht vom Hieb des Jägers,
und ich denke an die hellen Tage,
wo wir viele waren.

Zerrissen liegt meine Seele vor mir


und mein Herz.
Die Sonne und der Nordhimmel über mir
werden farblos
und ich weine:
Ich bin der letzte der großen Wale.

Heute morgen stieg die Sonne auf


über einem grimmigen Nordhimmel,
das Eis hatte die Farbe des Blutes,
und sogar der Wind
seufzte.
Da traf mich die Harpune des Jägers.

Zerrissen liegt meine Seele vor mir


und mein Herz.
Die Sonne und der Nordhimmel über mir
werden farblos
und ich weine:
Ich bin der letzte der großen Wale.
Die wilde Jagd ist zu Ende nun.
Jetzt sind wir alle tot.
Niemand muß mehr lamentieren.
Doch wer wird wohl der Nächste sein
auf der Schlachtbank der Schlächter:
die Elefanten in der Steppe,
die Seehunde auf den Inseln,
oder gar
die Kinder des Jägers?

* nach einem englischen Folksong von Andy Barnes


Der Eingeweihte
Der verworfene Stein,
der Stein des Anstosses
liegt draussen auf seinem Weg.

Wie Mime, der Schmied,


nimmt er Meisel und
Hammer. Die Funken
sprühen.
Machtvoll schlägt er.
Aber das Eisen
zerbricht
am verworfenen Stein.

In den grossen
Städten planen
die Meister
den Dom aus dem Kosmos
Stein um Stein
mit geweiteten Händen.

Siehe, der verworfene Stein.


Er war drei Tage tot
und doch
ist er jetzt
Grundstein geworden
zu seinem erweiterten
Herzen.
Wandlung
Engel sind
Erzengel von morgen.
Die Henker
werden ihre Opfer.
Der Mensch ist
des Menschen Wolf
nicht länger mehr.
In der Mikrowelle
dünstet das Lamm.

Der Duft warmer Kastanien


erfüllt alle Räume.
Blut wird Wein,
wir trinken davon.

Der Übermensch
spuckt seine Kinder aus
und JOHANNES
frisst das Buch.

Orpheus
verwandelt
die Wälder.
Längst vertrocknete
Wasser
quellen wieder.

Am Horizont
das neue Jerusalem.
Novembereinkehr
Ausnahmen bestätigen
die Regel.
Doch als der Tod
nach Galiläa
kam
weinten
alle Entschlafenen.

Sokrates ist
aber unsterblich
und
Lazarus hat
überlebt.

Der Meister
trägt wieder den roten Rock.
Sein Blut
hat die Erde
trunken gemacht
und tief
drinnen
im Äther
reifen die
Früchte der
Zeitenwende
entgegen.
nachtmahr

die seele unverhüllt


zeigen
können.
Ein grosses geschenk.
Aber wir stehen
immer schon
am abgrund
der zeit.
Und die wahrheit
ist aufgestiegen zum gipfel
oder (viel sicherer)
einfach
abgestürzt.

Unaufhörlich
frisst die Erde
Engel.
Wintermond
Schwarze Wege im Winter,
eine Krähe. die ein weißes
Fohlen gebiert,
und im Gürtel des
Orion
glimmen längst
erloschene Sterne.

Tote Würmer
quellen hervor aus dem
von schweren Stiefeln
zerborstenem Eis
wie ein Söldnerkommando,
das eine Wüstenstadt stürmt.

Allein.

Nachts kehren die Wildgänse


zurück und stillen im
warmen Laub ihre
ungeborenen
Kinder.

Gottes Tränen
verdampfen im
glühenden Eis
und das
Mysterium des Sohnes
strahlt aus den stählernen
Tempeln von Tschernobyl.

Am frühen Morgen aber ruft der


Vorbeter alle Glaubenden
nach Osten.
Heil.
gedichte
lang erlittenes
leid,
perlen,
von einer atemlosen
tauchfahrt
an der grenze
zum sein,
nachtsterne,
den wolken
abgetrotzt,
keile
ins fleisch
der satten,
drachenschwerter,
blut, das
unverwundbar
macht
Dieter Kissel, geboren 1944 in Saverne im Zeichen
der Zwillinge und Waage .
Jugend in der Pfalz. Er war zunächst Chemielaborant, studierte dann
Medizin in Heidelberg und Mannheim, Promotion mit einer
biochemischen-empirischen Arbeit, ärztliche Tätigkeit in Kliniken und
Institutionen, Abwendung von der Medizin, die als verhärtet und unfrei
erlebt wird, Studium von Pädagogik, Psychologie und Soziologie in
München, Promotion beim Begründer der deutschen
Bildungsforschung Professor A.O.Schorb. Nach dem Tod des verehrten
Lehrers, der innerhalb eines halben Jahres an einem Gehirntumor
verstirbt, jäher Impuls: ... Du mußt Dein Leben ändern....und Rückkehr
zur Medizin im Jahre 1984. Seitdem am Johanneshaus Öschelbronn -
Zentrum für Lebensgestaltung im Alter als Arzt tätig.
Autor zahlreicher wissenschaftlicher Arbeiten über Pädagogik, Arzt-
Patienten-Beziehung, medizinische Didaktik, Krebstherapie, Aspekte
der nonverbalen Kommunikation und Thanatologie.
Literarisches Schaffen mit dem Schwerpunkt Gedicht und
Kurzgeschichte, Mitherausgeber mehrerer Almanache,
Lyrykanthologie: Kreuz der Rosen, Lyrik und Erzählband: Kanaan,
Veröffentlichung von Gedichten und Kurzgeschichten in
verschiedenen Zeitschriften.
Außerhalb der medizinischen Tätigkeit beschäftigt er sich mit
Geomantie und Keltologie.

Eine kürzere Biographie ist aber diese:


Geboren mit einer irisch-keltischen Seele in Saverne, verdient er - wie
die meistens von uns - sein Geld in der Fremde, um einmal im Jahr in
die Heimat, in die Connaught, die karge Westküste Irlands
zurückzukehren und dem atlantischen Akzent, der Sprache der alten
Atlantis zu lauschen und ein neues Lied zu schreiben.

Oder noch kürzer wäre:


.... am Ufer werd' ich lange Tage stehen, das Land der Kelten mit der
Seele suchend....

Joachim Domning*, geboren 1934 in Berlin,


Malerlehre und Studium der angewandten Malerei in Kassel;
Abschluß als Diplom-Designer. Studium der Musik (historische
und moderne Zupfinstrumente) in Frankfurt und Trossingen.
Neben verschiedenen Broterwerben, als freier Künstler tätig,
später auch als Lehrer an Musikschulen. 1983
heilpädagogisches Seminar in Mannheim. Lebte bis 1984 im
Rhein-Main-Gebiet, einige Jahre in Schleswig und Wuppertal,
seit 1994 im Emsland
Wichtige Ausstellungen: Rüsselsheim, Darmstadt, Dieburg,
Stuttgart, Hamburg, Bayreuth, Hildesheim, Meppen, u.a.
Beteiligungen beim BBK Frankfurt, und Darmstadt, sowie als
Mitglied der „Kunstschaffenden Hildesheim“ und des
Kunstkreises Hümmling. Die Beschäftigung mit der Eiszeitmalerei
brachte viele Jahre in der Höhlenforschung, der Geologie und
dem Interesse am Werden der Menschheit mit sich. Neben der
Landschaft, werden auch literarische Themen, wie der
Sonnengesang des Franziskus von Assisi oder der Parzival
gestaltet.
Ein Schwerpunkt ist immer auch der soziale Aspekt, der sowohl
im Bildnerischen , wie auch im Musikalischen zur künstlerischen
Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, mit und
ohne Behinderungen führt. So 1997 das Projekt“ grenzenlose
Schönheit“ des Kunstkreises Meppen und des ICO Assen NL.

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*Internet:http://www.Emsland-Aktuell.com/werkstattgalerie
E-mail:0595298895-0002@t-online.de

Adolf-Ludewig-Haus.
Seminarzentrum Niefern-Öschelbronn
(Eröffnung am 26.10.1997)
Wenn ein Haus mitten in einem Dorf entstanden ist, dort, wo andere
Menschen in Fabrikbetrieben, Werkstätten oder Büros arbeiten und
nebenan wohnen, dann ist dieses Haus gewiss kein Elfenbeinturm, in
dem nur nachgedacht wird, sondern es ist ein Haus für die Menschen.
Ein Zentrum für Gesundheitsförderung will das Adolf-Ludewig- Haus
sein; aber Gesundheit ist noch mehr als nur die Abwesenheit von
Krankheiten. Unsere Idee ist es, schon im Vorfeld von Krankheiten
durch die harmonische und ausgleichende Bewegung, durch die
richtige Ernährung, und das gesunde Wohnen dem Entstehen von
Krankheiten zuvorzukommen, ja, sie zu vermeiden.
Körperbewusstsein, Umweltbewusstsein und das Selbstbewusstsein sind
nicht voneinander zu trennen. Wie man diese Kräfte in sich weckt,
erhält und auch miteinander verknüpft, das wird der Inhalt von
Kursen, Seminaren oder Vorträgen und von Gesprächskreisen sein.
Da aber Menschen einen erheblichen Teil ihrer Lebenszeit am
Arbeitsplatz verbringen und dort mit anderen Menschen umgehen,
wollen wir durch Vermittlung der geeigneten Art der
Menschenführung, Kommunikation und der didaktisch gelungenen
Ausbildungsform allen Menschen mit Ausbildungsaufgaben helfen,
ihre Probleme im Umgang mit Mitarbeitern zu lösen und ihre
Fähigkeiten am Arbeitsplatz zu fördern, was wiederum ihrem ganzen
Lebensalltag gerecht werden wird.
So bilden
Bewegung Ernährung Wohnen Kommunikation
die ersten vier Bereiche des Adolf-Ludwig-Hauses. Zu ihnen kommt der
fünfte Bereich Meditation hinzu: Kraft aus der Stille zu schöpfen, zu
den Quellen des Menschseins zurückzukommen und daraus Wasser zu
trinken, das den Durst für lange Zeit stillen kann, das ist Aufgabe
wahrer Meditation, die in allen Hochkulturen der Menschheit
gleichermaßen gebildet ist.
Das Seminarzentrum ist überregional, aber es stellt sich den
Bedürfnissen der Menschen des Umkreises, wie es ganz am Anfang
dargestellt wurde. Es ist keiner Weltanschauung verpflichtet und frei
für alle Menschen, die offen sind für neue und alte, wiederentdeckte
Wege zur Gesundheit und menschengemäßer Kommunikation.
In seinen fünf Bereichen versucht es also einen ganzheitlichen Ansatz
der Lebensführung zu gestalten; diese fünf Bereiche werden von
einem Paten verantwortlich betreut.
Auch wenn das Wort vielleicht entwertet wurde in unserer Zeit, der
Pate hat die Aufgabe, einem anvertrauten Menschen auf seinem
Lebensweg ratend zu helfen, damit jener immer freier gehen kann.

Über diese Themen und Sachgebiete finden Seminare, Kurse,


Gesprächskreise und Vorträge statt:
Qi Gong, Tai Chi Chuan, Wyda, Eurythmie,
Ernährung mit den fünf Elementen,
Körpersprache im Alltag, Methodik betrieblicher Ausbildung,
Mitarbeitermotivation,
Feng Shui, Geomantie, Geobiologie, Naturerleben, Ökologie,
Autogenes Training, Meditationspraxis,
Naturheilverfahren, Chinesische Medizin,
Astrologie,
Märchenabende und anderes mehr.

Kursprogramme und weitere Informationen:

Adolf-Ludewig-Haus
75223 Niefern-Öschelbronn  Gartenstraße 43
 07233 - 97 23 56 Fax 97 23 57
MO + MI + FR 09.00 - 12.00