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Studienanleitung

Standardausgabe
Juli August September 2019

Was ihr den


■ ■

Geringsten getan habt


DER SOZIALE DIENST DER GEMEINDE
Zum weiteren Studium

ELLEN G. WHITE

Im Dienst
für Christus

Als Jesus die Jünger in seine Nachfolge berief, war dies zugleich ein Ruf, ihm
zu dienen. Eine lebendige Glaubensbeziehung zu Christus schließt auch
heute den Dienst für ihn ein. Wer Kind Gottes geworden ist, wird nicht
anderes können (und wollen!), als seinen Mitmenschen im Auftrag, im
Sinne und mit der Kraft Jesu zu dienen. Was dieser Dienst umfasst, wie wir
ihn am besten tun können und welche verschiedenen Wege es heute gibt,
Menschen mit dem Evangelium zu erreichen – das alles behandelt dieses
Buch. Es ist eine Zusammenstellung von Hunderten von Aussagen, die Ellen
White im Verlauf ihres jahrzehntelangen Dienstes gemacht hat. Der Leser
wird motiviert und herausgefordert, sich ganz für Christus einzusetzen und
ihm zu dienen. (Originaltitel: Christian Service)

Advent-Verlag, Lüneburg, 336 Seiten,


Art.-Nr. 1871, € 14,00 / € 14,40 (A) / 19.90 CHF

Bestellmöglichkeiten
Am Büchertisch bestellen oder in diesen Onlineshops:
Deutschland: www.advent-verlag.de; Tel.: 0800 2383680;
E-Mail: bestellen@advent-verlag.de
Österreich: www.toplife-center.com, E-Mail: info@wegweiser-verlag.at
Schweiz: www.advent-verlag.ch, E-Mail: info@advent-verlag.ch
Impressum

Adult Sabbath School Bible Study Guide – Standard Edition


„The Least of These“: Ministering to Those in Need
Redaktionsbüro: 12501 Old Columbia Pike, Silver Spring, MD 20904 (USA)
Internet: www.absg.adventist.org
Autor (Principal Contributor): Jonathan Duffy
Herausgeber: Clifford R. Goldstein
Redakteurin: Soraya Homayouni
Publikationsleiterin: Lea Alexander Greve
Redaktionsassistentin: Sharon Thomas-Crews
Pacific Press ® Koordinator: Wendy Marcum
Art Director und Illustrator: Lars Justinen

Studienanleitung zur Bibel für Erwachsene


Standardausgabe (mit und ohne Lehrerteil)
Was ihr den Geringsten getan habt
Herausgeber: Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten, Intereuropäische
Division, EUD, Bern (Schweiz)
Koordination und Vertrieb: Advent-Verlag Lüneburg, Pulverweg 6,
21337 Lüneburg (Deutschland)
Internet: www.advent-verlag.de
Übersetzung: Angelika Uhlmann
Sprachliche Bearbeitung: Matthias Müller
Redaktion: Jessica Schultka, Daniel Wildemann
Korrektorat: Katja Issing
Satz: rimi-grafik, Celle
Druck: Thiele & Schwarz, Kassel

Diese Studienanleitung ist die ungekürzte, inhaltlich unveränderte Wiedergabe


der von der Generalkonferenz herausgegebenen amerikanischen Standard
Edition der Bibelstudienanleitung.

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Studienanleitung zur Bibel – Studienteil

Was ihr den Geringsten getan habt


Der soziale Dienst der Gemeinde
3. Vierteljahr 2019

Inhaltsverzeichnis
Impressum . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2, 4
Zusatzmaterial und Studienhilfen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5
Aktion „Total Member Involvement“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6
Einführung in das Thema dieses Vierteljahres . . . . . . . . . . . . . . 7
1. Gott schuf … . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 29. Juni bis 5. Juli 9
2. Entwurf einer besseren Welt . . . . . . . . . . . . . . . . . 6. bis 12. Juli 19
3. Sabbat: Ein Tag der Freiheit . . . . . . . . . . . . . . . . . 13. bis 19. Juli 31
4. Gnade und Gerechtigkeit in den Psalmen
und Sprüchen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20. bis 26. Juli 43
5. Der Ruf der Propheten . . . . . . . . . . . . . . . . 27. Juli bis 2. August 55
6. Den Schöpfer anbeten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3. bis 9. August 67
7. Jesus und die Bedürftigen . . . . . . . . . . . . . . . 10. bis 16. August 79
8. Den geringsten Brüdern . . . . . . . . . . . . . . . . . 17. bis 23. August 91
9. Dienen in der neutestamentlichen
Gemeinde . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 24. bis 30. August 103
10. Das Evangelium leben . . . . . . . . . 31. August. bis 6. September 115
11. Die Adventhoffnung leben . . . . . . . . . . . . . 7. bis 13. September 127
12. Barmherzigkeit lieben . . . . . . . . . . . . . . . 14. bis 20. September 139
13. Eine Gemeinschaft von Dienern . . . . . . . 21. bis 27. September 151
Vorschau auf das nächste Studienheft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 163
Abkürzungsverzeichnis der Bücher von E. G. White . . . . . . . . . . 164
Abkürzungsverzeichnis der biblischen Bücher . . . . . . . . . . . . . . . 165
Informationen Advent-Wohlfahrtswerk e. V. . . . . . . . . . . . . . . . . 166
„echtzeit“ (nicht im Lehrerheft) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 168
Lehrerteil (nur im Studienheft mit Lehrerteil) . . . . . . . . . . . . . . . 169

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Impressum (Fortsetzung)

Nicht in der Originalausgabe enthalten:


Sabbat­anfang-Zeitangaben am Ende jeder Lektion; Abkürzungsverzeichnis der
­deutschen Bücher und Kompilationen von Ellen G. White (S. 164); Abkürzungs-
verzeichnis der biblischen Bücher (S. 165); Advent-Wohlfahrtswerk-­Information
und -­Bericht (S. 166f.); Buchwerbung auf der ersten Umschlaginnenseite; „echtzeit“
(S. 168); Brief zur Gabensammlung am 13. Sabbat (zweite ­Umschlaginnenseite).

Die Bibelzitate sind – falls nichts anderes vermerkt ist – der Bibel nach der Über­
setzung Martin Luthers (revidierter Text 2017), durchgesehene Ausgabe in neuer
Rechtschreibung, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart, entnommen.
Ansonsten bedeuten:
EB = Elberfelder Bibel (© 2006 SCM R. Brockhaus im SCM-Verlag, Witten)
EÜ = Einheitsübersetzung (© 1999 Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart)
GNB = Gute Nachricht Bibel (© 2000 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart)
Hfa = Hoffnung für alle (© 2002 International Bible Society)
NGÜ = Neue Genfer Übersetzung (© 2011 Genfer Bibelgesellschaft, Genf)
NLB = Neues Leben Bibel (© 2005 SCM Hänssler im SCM-Verlag, Holzgerlingen)
SLT = Schlachter Bibel 2000 (© 2000 Genfer Bibelgesellschaft, Genf)
ZB = Zürcher Bibel (© 2007 Theologischer Verlag Zürich)

© 2019 Generalkonferenz der Siebenten-Tags-Adventisten®. Alle Rechte vorbehalten.


Kein Teil der Studienanleitung zur Bibel für Erwachsene darf bearbeitet, geändert, adaptiert,
übersetzt, reproduziert oder von einer Person oder Organisation ohne vorherige schriftliche
Genehmigung von der Generalkonferenz der Siebenten-Tags-Adventisten® veröffentlicht
werden. Die Divisions-Dienststellen der Generalkonferenz der Siebenten-Tags-Adventis-
ten® sind berechtigt, die Übersetzung der Studienanleitung zur Bibel für Erwachsene unter
bestimmten Richtlinien zu veranlassen. Das Copyright dieser Über­setzungen und deren
Veröffentlichung verbleibt bei der Generalkonferenz. „Siebenten-Tags-Adventisten“, „Adven-
tist“ und das Logo mit der Flamme sind eingetragene Marken von der Generalkonferenz der
Siebenten-Tags-Adventisten® und dürfen nicht ohne vorherige Genehmigung der General-
konferenz verwendet werden.
Die Studienanleitung zur Bibel für Erwachsene wird vom Redaktionsbüro der Adult Sabbath
School Bible Study Guide der Generalkonferenz der Siebenten-Tags-Adventisten erstellt. Die
Erstellung der Studienanleitungen findet unter der Aufsicht des Sabbath School Publications
Board, eines Unterausschusses des Verwaltungsausschusses der Generalkonferenz (ADCOM),
statt, der die Studienanleitungen zur Bibel herausgibt.
Die veröffentlichten Studienanleitungen spiegeln die Eingaben eines weltweiten Bewertungs-
ausschusses mit der Genehmigung des Sabbath School Publications Board wider und geben
nicht unbedingt oder ausschließlich die Meinung (intent) des Autors bzw. der Autoren wieder.

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Zusatzmaterial und Studienhilfen
In deutscher Sprache
● Allgemeine Informationen zu diesem Heft auf der Internetseite des ­Advent-
Verlags (mit Link zum Online-Shop): www.advent-verlag.de/studienhefte/
● Dieses Heft als PDF zum (kostenpflichtigen) Herunterladen: www.advent-verlag.de/
studienhefte/
● die BIBEL. das LEBEN. – TV-Bibelgespräch im HOPE Channel, moderiert von
Dr. Winfried Vogel (mehrmals während der Woche und in der Mediathek):
www.diebibel-dasleben.de
● echtzeit – Impulse für Jugendliche (16 bis 19 Jahre) und Gesprächsleiter zum
(kostenlosen) Herunterladen im Internet: www.sta-rpi.net/echtzeit
● SabbatschulWiki – Interaktives Internetportal der Abteilung Sabbatschule in
­Österreich für Gesprächsleiter: www.wiki.sabbatschule.at
● Vertiefende Zusatztexte von Ellen G. White und sonstiges Material der ­Abteilung
Sabbatschule in der Schweiz (DSV): http://sabbatschule.stanet.ch/sabbatschul-
lektion
● Fragen für das Bibelgespräch am Sabbat (Adventgemeinde Zürich-
Wolfswinkel): https://wolfswinkel.stanet.ch/media/lektionsunterlagen/
● Studienheft zur Bibel für Blinde und Sehbehinderte kostenlos auf CD bei der
„Hope Hörbücherei“ der STIMME DER HOFFNUNG, Telefon 06257-5065335 oder in
Brailleschrift beim „Verein Blindendienst“, Postfach 110, CH-4802 Strengelbach
In englischer Sprache
● Originalausgabe dieses Heftes (und Archiv):
http://absg.adventist.org/Standard.htm
● Website der Abteilungen Sabbatschule und Heimatmission der Generalkonferenz
mit Material und Anregungen: http://www.sabbathschoolpersonalministries.org/
Hope Sabbath School mit Derek Morris. Hope Channel Headquarters, Silver
Spring, Maryland, USA: http://hopess.hopetv.org/
● Verschiedenes Material und Links zu Ausgaben in anderen Sprachen:
www.ssnet.org/qrtrly/index.html
● Leitfaden und Fragenvorschläge für Gesprächsleiter:
www.sabbathschoollessons.com
● Weitere Missionsgeschichten aus der ganzen Welt zum Herunterladen:
www.AdventistMission.org

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Zeit für Total Member Involvement**
Was ist Total Member Involvement?
Total Member Involvement (TMI) ist ein groß angelegter evangelistischer Vorstoß der Welt-
kirche, der jedes Gemeindemitglied, jede Gemeinde, jede Institution und Abteilung, jede
Art von öffentlicher Evangelisation, sowie persönliche und gemeindliche Mission umfasst.
Es ist ein terminierter, bewusst gefasster Plan, um Menschen für Jesus zu gewinnen, der
die Bedürfnisse von Familien, Freunden und Nachbarn im Blick hat. Dann zeigt er die-
sen Menschen, wie Gott jedes Bedürfnis stillt, was dann zu Gemeindegründungen und
­Gemeindewachstum führt. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Bewahren, Predigen, Weiter­
geben und zu Jüngern machen.
TMI-Zeit in das Bibelgespräch am Sabbat integrieren
Nehmt euch die ersten 15 Minuten* jeder Gesprächseinheit, um zu planen, zu beten und
euch auszutauschen:
TMI nach innen gerichtet: Plant Besuche, Gebete und Fürsorge für Gemeindeglieder, die
nicht mehr kommen oder Probleme haben, und verteilt die Aufgaben nach Bereichen. Betet
und sprecht darüber, wie ihr den Bedürfnissen von Familien in der Gemeinde, nicht akti-
ven Mitgliedern, Jugendlichen, Frauen und Männern begegnen könnt und auf welch unter-
schiedliche Weise ihr die ganze Gemeindefamilie einbeziehen könnt.
TMI nach außen gerichtet: Betet und sprecht darüber, wie ihr eure Umgebung, eure
Stadt und die Welt erreichen könnt, indem ihr den Missionsbefehl durch säen, ernten
und ­bewahren erfüllt. Bezieht alle Gemeindedienste in die Planung kurz- und langfristiger
Projekte ein, um Menschen zu erreichen. Bei TMI geht es um im Vorfeld geplante und
gezielt ausgeführte Taten der Liebe und Freundlichkeit. Einige praktische Möglichkeiten,
sich zu engagieren: 1. Gewöhnt euch an, Bedürfnisse in eurer Umgebung wahrzunehmen.
2. Überlegt, wie diese Bedürfnisse gestillt werden können. 3. Betet um die Ausgießung des
Heiligen Geistes.
TMI nach oben gerichtet: Beschäftigt euch mit dem Studienheft. Ermutigt die Gemeinde­
mitglieder zu persönlichem Bibelstudium – gestaltet das Bibelgespräch am Sabbat so,
dass Menschen sich gerne beteiligen. Studiert gemeinsam, um verändert zu werden und
nicht, um reine Informationen weiterzugeben.

TMI Zeit Erklärung


Gemeinschaft 15 min.* Betet, plant, organisiert Aktionen. Kümmert euch um
Evangelisation Mitglieder, die nicht kommen. Plant Missionsaktivitäten.
weltweite Mission Sammelt die Missionsgaben.
Bibelgespräch 45 min.* Bezieht alle in das Bibelgespräch ein. Stellt Fragen.
Weist auf Schlüsseltexte hin.
Mittagessen Plant für die Gesprächsgruppe nach dem Gottesdienst
ein gemeinsames Mittagessen.
Geht anschließend hinaus und nehmt Kontakt auf!
* 
Zeitlichen Rahmen an die Gegebenheiten anpassen.
** Total Member Involvement: Beteiligung aller Gemeindeglieder
Einführung
Was ihr den Geringsten getan habt …
Siebenten-Tags-Adventisten sind aufgerufen, der ganzen Welt das „ewige
Evangelium“ (Offb 14,6) zu verkündigen. Wenn wir das tun, gehorchen wir
einfach den Worten Jesu, der uns aufforderte, Menschen zu Jüngern zu ma-
chen, sie zu taufen und sie zu lehren „alles [zu halten], was ich euch befoh-
len habe“ (Mt 28,20). Zu den Dingen, die er uns auftrug, gehört auch, dass
wir den Leidenden, den Unterdrückten, den Armen, den Hungernden, den
Gefangenen helfen.
Schließlich war es Jesus, der – nachdem er das Gleichnis vom barmherzi-
gen Samariter erzählt hatte (Lk 10,30–36) – seinen Zuhörern befahl: „So geh
hin und tu desgleichen!“ (Lk 10,37) Es war Jesus, der – indem er eine Zeit
beschrieb, in der er die Völker scheiden würde, „wie ein Hirt die Schafe von
den Böcken scheidet“ (Mt 25,32) – darüber sprach, wie wichtig es ist, den
Hungernden, Kranken, Nackten und Gefangenen beizustehen. „Wahrlich, ich
sage euch: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern,
das habt ihr mir getan.“ (Mt 25,40)
Anders ausgedrückt: Gleichzeitig mit dem Verkündigen der großen Glau-
benswahrheiten von der Erlösung, dem Heiligtum, dem Zustand der Toten
und der ewigen Gültigkeit des Gesetzes sollen wir uns um die Bedürfnisse
anderer Menschen kümmern. Und welchen besseren Weg, andere Menschen
zu erreichen, gibt es, als etwas für sie zu tun? Ellen White schrieb die be-
rühmten Worte: „Allein die Vorgehensweise Christi wird den wahren Erfolg
garantieren. Der Heiland aber begab sich unter die Menschen als einer, der
Gutes für sie wünschte. Er bewies sein Mitgefühl für sie, half ihren Nöten
ab und gewann ihr Vertrauen. Erst dann gebot er ihnen: ‚Folgt mir nach.‘“
(SgA 106)
In der Bibel wurden 2103 Verse gezählt, die Gottes besondere Fürsorge
für die Armen und Unterdrückten ausdrücken. Verglichen mit vielen ande-
ren Aspekten des Glaubens, der Lehre und dem christlichen Lebensstil all-
gemein ist die Anzahl der Hinweise darauf, Bedürftigen zur Seite zu stehen,
überwältigend. Wir müssen uns ernsthaft daran machen, Schmerz und Lei-
den in unserem Umfeld zu lindern. Dies hält uns nicht von der Verkündigung
des Evangeliums ab; im Gegenteil: Es kann wesentlich dazu beitragen.
Natürlich ist es etwas Gutes, anderen allein um des Helfens willen zu hel-
fen. Wir sollen „Recht tun“ (Mi 6,8 SLT), einfach weil es richtig und gut ist,
„das Rechte zu tun“. Und doch, ist es nicht noch besser, wenn man Gerechtig-
keit übt, wenn man anderen in ihren unmittelbaren und zeitlichen Bedürfnis-
sen hilft, auch auf den Grund für „die Hoffnung, die in einem ist“ (1 Ptr 3,15)
hinzuweisen, nämlich auf die Verheißung ewigen Lebens in Christus?
Jesus heilte Krankheiten, machte Blinde sehend, heilte Leprakranke,
weckte sogar Tote auf. Aber alle, denen er half, starben früher oder später so-
wieso, richtig? Was er ihnen auch Gutes tat und welche unmittelbaren Nöte
er auch stillte – auf lange Sicht tat er noch mehr. Ja, er stand den Leidenden

7
Der Sieg des Evangeliums

bei, aber dann lud er sie ein: Folge mir nach. Und genau deswegen sol-
len auch wir den Leidenden helfen und sie einladen: Folge ihm nach.
Zweifellos proben wir das Reich Gottes, wenn wir nach Gerechtig-
keit und Gutem in der Welt streben (siehe Lk 4,18–19) – was mindestens
genauso treu, gültig und vielleicht wirkungsvoll ist, wie es zu predigen.
Wenn wir uns um Arme und Unterdrückte kümmern, geben wir tatsäch-
lich Gott Ehre und bringen ihm Anbetung (siehe Jes 58,6–10). Aber
wenn wir den Verletzten, Leidenden und Zerbrochenen nicht dienen,
stellen wir Gott falsch dar (siehe Spr 14,31).
In diesem Vierteljahr werden wir also herausfinden, was das Wort
Gottes über unsere Pflicht sagt (und es sagt viel dazu), uns den Bedürf-
nissen um uns herum zu widmen.
„Umsonst habt ihr‘s empfangen, umsonst gebt es auch.“ (Mt 10,8) Das
sagt alles.

Jonathan Duffy ist seit 2012 Präsident von ADRA International. Bevor
­Duffy ab 2008 bei ADRA Australien arbeitete, war er Leiter von Adven-
tist Health in der Südpazifik-Division, wo er umfangreiche Erfahrungen
in Gesundheitsförderung und Gesundheitsentwicklung auf kommunaler
Ebene sammelte.

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Lektion 1
Woche vom 29. Juni bis 5. Juli*

Gott schuf …

Sabbatnachmittag

Lies für das Studium dieser Woche:


1. Mose 1–3; Apostelgeschichte 17,28; Psalm 148; 24,1; 1. Mose 4,1–9;
Matthäus 22,37–39; Offenbarung 14,7

Merktext:
„Wer dem Geringen Gewalt tut, lästert dessen Schöpfer; aber wer sich des
Armen erbarmt, der ehrt Gott.“ (Spr 14,31)

Warst du schon einmal schöpferisch tätig – hast vielleicht ein Kunstwerk


oder etwas Handwerkliches geschaffen, ein Essen gekocht oder eine andere
kreative Arbeit getan – und dann erlebt, dass derjenige, dem du es gabst, es
kaputt machte oder ablehnte? Wenn ja, kannst du dir ein wenig vorstellen,
wie es Gott ging, als er diese Welt geschaffen und den Menschen Leben ge-
schenkt hatte – nur um dann zu erleben, wie das, was er geschaffen hatte,
durch die Sünde kaputt gemacht wurde.
Die Bibel sagt, dass die Welt sorgsam und „sehr gut“ geschaffen worden
war. Was Gott für seine Schöpfung empfand, wird im Schöpfungsbericht im
ersten und zweiten Kapitel von 1. Mose deutlich. Dies ist das Umfeld, in dem
wir die Geschichte vom Sündenfall im dritten Kapitel lesen sollten, wie auch
vom Herzenskummer Gottes, als er die Menschen, die er geschaffen hatte,
zur Rede stellt.
Erstaunlicherweise wird unsere Welt immer noch von Gott geliebt, trotz
der Jahrtausende von Sünde, Gewalt, Ungerechtigkeit und offener Rebel-
lion. Und noch bemerkenswerter ist, dass Gott, während er seinen Plan zur
­Erlösung und Neuerschaffung der Welt umzusetzen begann, uns als Gläubi-
gen bei der Erfüllung seiner umfassenden Pläne Rollen zugewiesen hat. Ja,
wir sind Empfänger seiner Gnade; aber aus der Gnade heraus, die wir emp-
fangen haben, bekamen wir als Mitarbeiter unseres Herrn unsere Aufgabe.
Welch eine ernstzunehmende, heilige Verantwortung!

* Studiere diese Lektion zur Vorbereitung auf Sabbat, den 6. Juli.

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Sonntag, 30. Juni 1

Gott: Ein Blick auf die Schöpfung


Diese Welt und alles Leben darin, unser eigenes Leben und alles, was wir
mit ihm anfangen, das Leben von jedem um uns herum und wie wir mit
­anderen interagieren, das Leben selbst und wie man es am besten lebt – all
das ­beginnt mit Gott, denn „in ihm leben, handeln und sind wir“ (Apg 17,28
NLB).
Der biblische Bericht beginnt folgendermaßen: „Am Anfang schuf Gott
Himmel und Erde.“ (1 Mo 1,1) Und die Tatsache, dass er, Gott, sie ins Dasein
sprach, weist auf eine Kraft und einen Prozess hin, die wir uns nicht einmal
ansatzweise vorstellen können.
Und doch schuf Gott nicht aus der Distanz; er war unmittelbar involviert,
besonders bei der Erschaffung des ersten menschlichen Wesens (siehe
1 Mo 2,7).

Lies den Bericht über die Erschaffung der ersten Menschen in


1. Mose 1,26–31. Was sagt uns dieser Bericht Wichtiges über Gott?
Was sagt er uns Wichtiges über Menschen?

Es heißt oft, dass wir viel über Gott lernen können, wenn wir Zeit in der Natur
verbringen, seine Schöpfung betrachten und darin Einblicke in den Charak-
ter des Schöpfers selbst gewinnen. Aber wir können auch kleine Eindrücke
davon bekommen, wie Gott die Welt gedacht hat, indem wir unser Verständ-
nis von Gott näher beleuchten. Wenn Gott zum Beispiel ein Gott der Ordnung
ist, sollten wir erwarten, in seiner Schöpfung Ordnung zu finden. Oder wenn
wir glauben, dass Gott ein Gott der Kreativität ist, dann sollten wir nicht über-
rascht sein, unglaubliche Beispiele dieser Kreativität in der Welt zu finden,
die er geschaffen hat.
Genauso glauben wir, dass Gott ein Gott der Beziehungen ist, und so fin-
den wir Beziehungen als Hauptelement dabei, wie Gott die Welt zusammen-
fügte. Er schuf jedes Element der Welt in Beziehung zum Rest der Schöpfung.
Er schuf Tiere in Beziehungsharmonie. Er schuf Menschen mit Beziehungen
zu ihm selbst, untereinander und zum Rest der Schöpfung.
Auch wenn unser Verständnis von Gott in vielfacher Hinsicht begrenzt ist,
sollte uns das, was wir von seinem Charakter erkennen können, dazu brin-
gen, neu zu überlegen, wie die Welt sein sollte.

Wie hilfreich ist es für dein Verständnis der Welt, sie als einen Spiegel des
Charakters Gottes zu betrachten, selbst wenn die Verwüstungen durch die
Sünde offensichtlich sind?

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Montag, 1. Juli 1

Eine vollkommene Welt


Heimweh nach Eden zu haben ist nicht schwer. In den kurzen Beschreibun-
gen vom Garten Eden, den Gott als Heim für Adam und Eva schuf, ist etwas,
das in unserem Herzen einen Funken der Sehnsucht entzündet. Wir verste-
hen vielleicht nicht, wie eine derartige Welt funktionieren könnte, aber wir
spüren, dass wir es gern erleben würden.
Es scheint, als hätte auch Gott Befriedigung und Vollkommenheit ver-
spürt: „Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut“
(1 Mo 1,31). Gott machte etwas, das sowohl wunderschön als auch funktio-
nal war. Sein Design war in Form wie in Zweckmäßigkeit exquisit. Es sprühte
vor Leben und Farbe, enthielt aber auch alles, was notwendig war, um Leben
gedeihen zu lassen. Kein Wunder, dass Gott immer wieder innehielt, um sich
zu vergegenwärtigen, dass diese Welt, die er schuf, gut war.

Lies 1. Mose 1. Was bedeutet deiner Meinung nach die wiederholte


Aussage „Gott sah, dass es gut war“? Siehe 1. Mose 1,4.10.12.18.25.31.

Obwohl insgesamt nach dem Sündenfall geschrieben, enthält die Bibel viele
Passagen, die die Natur feiern, wie Hiob 38 bis 41 und Psalm 148. Und wir
dürfen nicht vergessen, dass diese Stellen nicht als Rückblick geschrieben
wurden auf die Welt, wie sie war, als sie geschaffen wurde und bevor die
Sünde aufkam; sie sind in der Gegenwartsform geschrieben und feiern das
Gute, das in unserer Welt immer noch sichtbar ist.
Auch Jesus zog die Natur als Beispiel für Gottes Güte und Fürsorge ­heran
(siehe z. B. Mt 6,26.28–30) und würdigte sowohl unser Vertrauen auf Gott als
auch die Wertschätzung für die einfachen Gaben, die uns erstaunlicherweise
umgeben. Wenn wir unsere Augen aufmachen und die Wunder der Schöp-
fung wahrnehmen, können wir sehen, dass wir wahrlich Empfänger wunder-
barer Gaben unseres Schöpfers sind. Unsere Reaktion sollte, selbst in schwe-
ren Zeiten, aus aufrichtiger Dankbarkeit und demütiger Unterordnung unter
den Geber der Gaben bestehen.
Wir als Siebenten-Tags-Adventisten – als diejenigen, die sowohl die Schöp-
fung feiern als auch Gottes künftiges Reich erwarten – sollten uns bewusst
machen, dass die Schönheit, Freude und Güte, die wir in der Welt sehen und
erleben, kleine Eindrücke davon sind, wie unsere Welt einst war und wieder
sein wird.

Was schätzt du in deinem Erleben der natürlichen Welt besonders an den


Wundern der Schöpfung? Wie könntest du in deinem Alltag den Herrn durch
die Wunder der Natur besser kennenlernen?

11
Dienstag, 2. Juli 1

Verwalter der Erde


Laut biblischem Bericht waren der Garten Eden und die neu geschaffene
Erde ein Ort des Überflusses, der dazu geschaffen war, dass das Leben ge-
deihen und vor allem den Menschen Freude bringen sollte.
Aber Gott gab dem ersten Mann und der ersten Frau – und uns allen, die
nach ihnen kommen würden – auch eine Aufgabe, die sie in seiner Schöp-
fung wahrnehmen sollten. Es wird schnell deutlich – und das nicht nur durch
Gottes Methode der Schöpfung – dass Adam und Eva einen besonderen Sta-
tus in dieser neuen Welt haben sollten.
Adam bekam zuerst den Auftrag, den Tieren und Vögeln Namen zu geben
(siehe 1 Mo 2,19). Dann bekam er einen anderen Auftrag zugewiesen, den
ihm Gott als Segen gab: „Gott segnete sie und gab ihnen den Auftrag: ‚Seid
fruchtbar und vermehrt euch, bevölkert die Erde und nehmt sie in Besitz.
Herrscht über die Fische im Meer, die Vögel in der Luft und über alle Tiere
auf der Erde.‘“ (1 Mo 1,28)

Lies und vergleiche 1. Mose 1,28 und 2,15. Wie würdest du mit ein,
zwei Sätzen die Aufgabenbeschreibung für die Menschen wiederge-
ben?

1. Mose 1,28 wurde in der christlichen Geschichte von manchen zu oft als
eine Lizenz zur Ausbeutung verwendet, bis hin zur Zerstörung der Natur. Ja,
die Welt war offensichtlich für das Leben, den Nutzen und die Freude der
Menschen geschaffen worden. Aber die Verantwortung des Menschen lau-
tet, sie zu „bebauen und bewahren“ – um es mit den Worten in 1. Mose 2,15
(NLB) auszudrücken.
Wenn wir über Verwalten sprechen, denken wir oft zuerst an Geld, aber
das erste Gebot der Verwaltung in der Bibel lautet, für die Erde zu sorgen,
die Gott geschaffen und uns anvertraut hat. Das Gebot an Adam und Eva
sah auch voraus, dass sie die Erde mit ihren Kindern und mit künftigen Ge-
nerationen teilen sollten. Im ursprünglichen Plan für die Welt sollte die Natur
weiterhin eine Quelle des Lebens, des Guten und Schönen für alle Menschen
sein; und Adam und Eva würden eine umfangreiche Aufgabe damit haben,
sich um die Natur zu kümmern.
Die Erde gehört immer noch Gott (siehe Ps 24,1) und wir sind immer noch
aufgerufen, Verwalter all dessen zu sein, was Gott uns gegeben hat. Vielleicht
können wir daraus auch schließen, dass unsere Verantwortung als Verwalter
in einer gefallenen Welt sogar noch größer ist.

Was bedeutet es für dich, heute – in einer gefallenen Welt – ein Verwalter der
Erde zu sein? Auf welche Weise sollte das Bewusstsein dieser Verantwortung
sich darauf auswirken, wie du dein Leben führst?

12
Dienstag, 2. Juli 1

13
Mittwoch, 3. Juli 1

Eine zerbrochene Welt


Gott gab Adam und Eva etwas, das er nichts [und niemandem] sonst auf der
Erde gab: moralische Freiheit. Sie waren moralische Wesen, wie es Pflanzen,
Tiere und Bäume nie sein konnten. Gott schätzte diese moralische Freiheit
so hoch ein, dass er die Möglichkeit zuließ, dass seine Menschen sich ent-
schließen konnten, ihm nicht zu gehorchen. Damit riskierte er alles, was er
im Hinblick auf das größere Ziel einer Beziehung mit seinen menschlichen
Geschöpfen, die auf Liebe und Willensfreiheit basiert, geschaffen hatte.
Aber es gab auch einen Zerstörer (diese moralische Freiheit existierte
auch für Engel), jemanden, der die gute und vollkommene Welt, die Gott ge-
schaffen hatte, stören wollte und danach strebte, Gottes besondere Schöp-
fung auf der Erde – die Menschen – zur Verwirklichung seines Ziels zu
nutzen. Indem der Teufel durch die Schlange sprach, stellte er die Vollstän-
digkeit und Zulänglichkeit dessen infrage, was Gott bereitgestellt hatte (siehe
1 Mo 3,1–5). Die primäre Versuchung bestand darin, mehr zu begehren, als
Gott gegeben hatte, die Güte Gottes anzuzweifeln und sich auf sich selbst zu
verlassen.
Mit dieser Entscheidung und diesem Tun wurden die Beziehungen zerbro-
chen, die Bestandteil der von Gott konzipierten Schöpfung waren. Adam und
Eva erfreuten sich nicht länger an ihrer Beziehung mit ihrem Schöpfer, für
die sie geschaffen waren (siehe 1 Mo 3,8–10). Diese beiden Menschenwesen
erkannten plötzlich, dass sie nackt waren und sich schämten, und ihre Be-
ziehung zueinander wurde fast irreparabel verändert. Ihr Verhältnis zum Rest
der Erde wurde genauso spannungsgeladen und zerbrochen.

Lies 1. Mose 3,16–19. Was sagen uns diese Verse über die veränder-
ten Beziehungen zwischen Mensch und Natur?

Wegen der Realität der Sünde wurde das Leben plötzlich viel schwerer für
Adam, Eva und den Rest der Schöpfung. Die Folgen der Sünde sind real, be-
sonders in ihren Auswirkungen auf die Menschheit und unsere Beziehungen.
In gewisser Weise sind wir Gott, unserem Schöpfer, fern. Auch unsere Fami-
lien sind auf vielfältige Weise betroffen, und unsere Beziehungen zu anderen
Menschen stellen oft eine Herausforderung dar. Wir kämpfen sogar in Bezug
auf die Umwelt und die Welt, in der wir leben. Alle Aspekte unseres Lebens
und unserer Welt zeigen die Zerbrochenheit, die von der Sünde verursacht
wurde.
Aber so hat Gott die Welt bei der Schöpfung nicht beabsichtigt. Die „Flü-
che“ in 1. Mose 3 enthalten auch eine Verheißung, dass Gott unsere Welt neu
erschaffen und die Beziehungen wieder heilen wird, die durch Sünde zer-
brochen sind. Während wir noch mit der Sünde und ihren Auswirkungen auf
unser Leben ringen, sind wir aufgerufen, das ursprüngliche Gute der Welt zu
wahren und danach zu streben, den Plan Gottes für diese Welt in unserem
Leben umzusetzen.

14
Mittwoch, 3. Juli 1

15
Donnerstag, 4. Juli 1

Das Familiengeflecht der Menschheit


Nach dem Aufkommen der Sünde dauerte es nicht lange, bis die Welt weiter
zerbrach. Angefacht durch Neid, Missverständnis und Zorn geschah der erste
Mord unter dem ersten Bruderpaar. Als Gott Kain zu seiner Sünde befragte,
antwortet dieser – vermutlich ironisch und rhetorisch: „Soll ich meines Bru-
ders Hüter sein?“ (1 Mo 4,9). Und die Antwort, die in Gottes ursprünglicher
Frage enthalten war, lautete: „Ja, absolut, du bist der Hüter deines Bruders.“

Lies Sprüche 22,2. Was beinhaltet diese scheinbar einfache Aussage?


Was sagt sie uns über unsere Beziehung zu unseren Mitmenschen?

Jeder, der uns begegnet, ist ein Geschöpf Gottes, zu dessen Bild geschaffen
und Teil des Netzwerks von Beziehungen, die uns alle in Gottes Schöpfung
verbinden, so gebrochen und zerbrochen sie auch sein mögen. „Wir sind
­allesamt im Netz der Gesellschaft miteinander verflochten. Das Übel, das
­irgendeinen Teil der großen menschlichen Familie befällt, bringt Gefahr für
alle.“ (SGA 279) Ob es uns gefällt oder nicht, wegen dieser Verbindung ha-
ben wir eine gottgegebene Verantwortung gegenüber Gott und füreinander
(siehe Mt 22,37–39).
Durch die ganze Bibel hindurch zieht sich der Anspruch, dass Gott unser
Schöpfer ist. Der Glaube, dass Gott unser Schöpfer ist, ist ein Grund für das
Gedenken des Sabbats (siehe 2 Mo 20,11) und die Anbetung Gottes in der
Endzeit (siehe Offb 14,7). Es ist auch der Hauptgrund, warum wir uns um
andere kümmern sollen, warum wir für weniger Begünstigte sorgen sollen.
Wir sind alle durch das Band unseres gemeinsamen Ursprungs in Gott ver-
bunden. „Wer dem Geringen Gewalt tut, lästert dessen Schöpfer; aber wer
sich des Armen erbarmt, der ehrt Gott.“ (Spr 14,31) Könnte diese Verbindung
noch offensichtlicher sein?
Gott als unser Schöpfer hat einen Anspruch an uns, der unser ganzes
­L eben betrifft, einschließlich unserer Anbetung, unserem Dienst und unserer
Fürsorge für andere. So schwierig, frustrierend und unbequem dies manch-
mal sein mag – wir sind in der Tat „unseres Bruders Hüter“.

Warum sind Gottes Ansprüche als Schöpfer deiner Meinung nach ein Thema,
das sich derart intensiv durch die Bibel zieht? Warum ist dieses Thema sehr
wichtig und wie sollte sich dies darauf auswirken, wie wir mit anderen um-
gehen?

16
Freitag, 5. Juli 1

Weiterführendes Studium:
Ellen White, „Die Schöpfung“, S. 23–30 in Wie alles begann, Krattigen 2016

„‚Gott ist Liebe.‘ (1 Joh 4,16 Elb.) Sein Wesen und sein Gesetz sind Liebe. So
war es immer, so wird es immer sein. ‚Der Hohe und Erhabene, der ewig
wohnt‘ (Jes 57,15), der so ‚wie früher über unsere Erde‘ schreitet (Habakuk
3,6 Hfa), ändert sich nicht. Bei ihm ist ‚keine Veränderung … noch Wechsel
des Lichts und der Finsternis‘ (Jak 1,17).
Jede Offenbarung der Schöpfermacht ist ein Ausdruck unendlicher Liebe.
Die Herrschaft Gottes schließt die Fülle des Segens für alle Geschöpfe ein.“
(WAB 12)
„Würden Menschen ihrer Pflicht als treue Verwalter der Güter Gottes
­gerecht werden, gäbe es keinen, der nach Brot schreit, keinen, der Armut
leidet, nackt ist oder Mangel leidet. Es ist die Untreue der Menschen, die die-
sen Leidenszustand hervorbringt, in den die Menschheit gestürzt ist … Gott
hat die Menschen zu seinen Verwaltern gemacht, und Ihm kann nicht die
Schuld gegeben werden für die Leiden, das Elend, die Nacktheit und die Not
der Menschheit. Gott hat für alle reichlich vorgesorgt.“ (Ellen White, Welfare
­Ministry, S. 16)
Fragen für ein Gespräch:
1. Seht euch die obigen Zitate von Ellen White genau an. Was sagt sie? Wer
ist nach ihrer Aussage letztendlich verantwortlich für die große Armut,
die wir sehen? Was sollte uns dies darüber sagen, wie wichtig es ist, treue
Verwalter zu sein?
2. Wie gut können wir nach tausenden Jahren von durch die Sünde ver-
ursachter Gebrochenheit die Qualität der Schöpfung noch immer sehen?
Was können wir als Menschen, die an den Schöpfergott glauben, tun, um
anderen zu helfen, das Gute in Gottes Schöpfung zu sehen?
3. Wie versteht ihr das Wort Verwalter? Gab es etwas in der Studienbetrach-
tung der vergangenen Woche, das euer Verständnis vom Verwalter-Sein
erweitert hat, insbesondere da wir von Gott dazu berufen sind?
4. Inwiefern könnte es die Art und Weise verändern, wie wir mit anderen in
Beziehung treten und sie behandeln, wenn über jedem, dem wir begeg-
nen, ein Hinweisschild angebracht wäre, dass dieser Mensch „zu Gottes
Bild geschaffen und von ihm geliebt“ ist?
Zusammenfassung:
Gott schuf eine gute und vollkommene Welt, und er beauftragte die Men-
schen, die zu seinem Bild geschaffen sind, sich um seine Schöpfung zu küm-
mern und für sie zu sorgen. Obwohl die Sünde die Beziehungen zerbrach,
die Gott ursprünglich für uns vorgesehen hatte, haben wir immer noch eine
Aufgabe als Verwalter des Guten der Schöpfung und Hüter unserer Mitmen-
schen. Das Erfüllen dieser Aufgabe ist eine Möglichkeit, wie wir Gott als
unseren Schöpfer ehren können.
Sabbatanfang: 21:38 Uhr Kassel / 20:58 Uhr Wien

17
Mit Gott erlebt
(Inside Story)

Ein Mädchen betet um einen Engel


Andrew McChesney, Adventist Mission
Am Sonntagmorgen hatten die 9-jährige Joanne und ihre Geschwister, die im
US-Bundesstaat Oregon leben, nichts mehr zu essen im Haus. Der Vater hatte
die Familie verlassen, als seine Frau anfing, regelmäßig in die Adventgemeinde
zu gehen. Er machte klar: „Wenn du dich für Gott entscheidest, soll er sich darum
kümmern, dass ihr zu essen und etwas anzuziehen habt.“ Die Familie war einige
Jahre zuvor aus Südkorea in die USA gezogen, sodass sie keine Verwandten vor
Ort hatten, die sie hätten unterstützen können.
Als es Zeit zum Mittagessen war, jammerte Joannes kleine Schwester: „Ich bin
so hungrig!“ Ihr älterer Bruder wollte tapfer sein und zeigte keine Regung. Da er-
innerte sich Joanne daran, dass sie in ihrem Kinder-Andachtsbuch eine Geschich-
te über Kinder gelesen hatte, die gebetet und Hilfe von Engeln erhalten hatten.
Sie rief: „Wir müssen beten! Ich habe gelesen, dass uns Engel etwas zu essen
bringen, wenn wir beten.“ Ihr Bruder verdrehte nur die Augen; ihre Schwester
jammerte weiter, sie habe Hunger.
Joanne wusste nicht, wie man betet. Deshalb sagte sie: „Hallo Gott. Wir haben
schrecklich Hunger. Ich habe gelesen, dass du uns Nahrung schenken kannst.
Schickst du uns bitte etwas zu essen?“
Die Kinder warteten, aber nichts geschah. Stunden vergingen. Als es Zeit für
das Abendessen war, dachte Joanne: „Was ist denn los? Verspätet sich Gott?“ Der
Hunger der Kinder wuchs, die Mutter betete und weinte im Schlafzimmer. Joan-
ne meinte: „Wir müssen den Tisch decken! Sonst denkt Gott, wir glauben ihm
nicht.“ Die Kinder holten alles Nötige herbei, dann betete Joanne: „Entschuldige,
Gott. Wir haben wohl nicht alles richtig gemacht. Kannst du uns jetzt etwas zu
essen schicken? Wir sind bereit.“
Aber nichts geschah. Die Kinder gingen hungrig und enttäuscht ins Bett. Am
nächsten Morgen sagte Joanne, als sie weder Frühstück noch Geld für ein Mit-
tagessen hatten, zu ihren Geschwistern: „Kommt, wir gehen los. Stört Mama
nicht, sie betet und weint noch immer.“
Die Kinder öffneten die Haustür, aber sie konnten nicht hinaus. Vor der Tür
stand ein großer Karton mit Lebensmitteln – koreanischen. Aufgeregt rief Joanne
nach ihrer Mutter. Die traute ihren Augen nicht. Joanne meinte: „Die Engel haben
sich nur ein bisschen verspätet!“
In diesem Moment wusste Joanne, dass Gott lebt und Gebete beantwortet.
Heute hat Joanne selbst vier Kinder. Ihr Mann, der Zahnarzt ist, und Joanne ­leben
als Missionare in der Mongolei.

Geliefert vom Büro der Generalkonferenz für Adventist Mission: www.AdventistMission.org

18
Lektion 2
Woche vom 6. bis 12. Juli*

Entwurf einer
besseren Welt

Sabbatnachmittag

Lies für das Studium dieser Woche:


2. Mose 3,7; Matthäus 22,37–40; 2. Mose 22,20–22; 5. Mose 14,22–29;
26,1–11; 3. Mose 25,9–23

Merktext:
„Du sollst dich nicht rächen noch Zorn bewahren gegen die Kinder deines
Volks. Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst; ich bin der HERR.“
(3 Mo 19,18)

Gott hatte in seiner Gnade immer Menschen, zu denen er eine ­besondere


Beziehung unterhielt. Wir sehen unter anderem in den Berichten über
­
­Henoch, Noah, Abraham, Isaak und Jakob, wie Gott sich danach sehnt, die
zerbrochene Beziehung zu den Menschen wiederherzustellen. Aber davon
profitierten nicht nur diese wenigen Individuen und ihre Familien. Wenn
sie Verbindung zu Gott hatten und von ihm gesegnet wurden, war dies Teil
eines größeren Plans, um diese Beziehung wiederherzustellen und den
­Segen ­anderen weiterzugeben. Gott sagte dies zu Abraham: „Ich will dich
zum ­großen Volk machen und will dich segnen und dir einen großen Namen
­machen, und du sollst ein Segen sein … und in dir sollen gesegnet werden
alle Geschlechter auf Erden“ (1 Mo 12,2–3). Da er gesegnet wurde, konnte er
für andere ein Segen sein.
Dieser Segen sollte durch das Volk Israel und letztendlich den Messias
kommen, der aus diesem Volk stammen würde. Durch die Schaffung des Vol-
kes Israel arbeitete Gott nun mit einer ganzen Nation. Deshalb machte er sich
daran, ihnen Gesetze, Bestimmungen, Feiertage und Praktiken zu geben, da-
mit sie so leben könnten, dass sie als von Gott Gesegnete auch anderen zum
Segen werden konnten.
Zweifellos existiert dieses Prinzip auch heute noch.

* Studiere diese Lektion zur Vorbereitung auf Sabbat, den 13. Juli.

19
Sonntag, 7. Juli 2

Der Gott, der hört


„Ich habe das Elend meines Volks in Ägypten gesehen, und ihr Geschrei über
ihre Bedränger habe ich gehört; ich habe ihre Leiden erkannt.“ (2 Mo 3,7)
400 Jahre sind eine lange Wartezeit, besonders unter sich zunehmend
verschärfender Sklaverei. Gott hatte versprochen, dass er zu seinem Volk zu-
rückkehren und sie aus Ägypten herausführen würde, stattdessen musste es
Generation um Generation den Reichtum und Ruhm seiner götzendieneri-
schen Unterdrücker mehren, und die ganze Zeit schien Gott zu schweigen.
Dann zeigte sich Gott auf einzigartige Weise. In einem brennenden Busch
in der Wüste erschien er jemandem, der als Führer kaum geeignet war, einem
flüchtigen Prinzen und einfachen Hirten namens Mose. Er gab dem zögerli-
chen Mose einen Auftrag, dessen erster Teil darin bestand, zu den ­Israeliten
in Ägypten mit der Botschaft zurückzukehren, dass Gott ihre Unterdrückung
gehört und gesehen hatte – und ja, es kümmerte ihn. In der Tat war er dabei,
etwas zu unternehmen, um ihre Situation drastisch zu verändern.

Lies 2. Mose 3,16–17. Warum war es Gott wichtig, seinen Plan für
­dieses Volk mit dieser besonderen Botschaft aufzuzeigen?
Was an dieser Aussage Gottes erregt deine Aufmerksamkeit?

Aber Gott hört hier nicht auf. Er hat nicht nur einen Plan für ein besseres
Land, er will auch nicht, dass sein Volk mittellos aus Ägypten flieht. 400 Jah-
re hatten sie zum Wohlstand des ägyptischen Reiches beigetragen. Gott sah
den anfänglichen Widerstand des Pharaos voraus, aber er versicherte Mose,
dass die Israeliten für ihre jahrelange harte Arbeit entschädigt werden wür-
den. „Und ich werde dafür sorgen, dass die Ägypter euch wohlgesinnt sind.
Ihr werdet nicht mit leeren Händen fortgehen.“ (2 Mo 3,21 NLB)
Nach den Jahren der Unterdrückung ergriff Gott die Gelegenheit, mit
diesen ehemaligen Sklaven eine neue Gesellschaftsform zu etablieren. Er
wollte, dass sie anders lebten und eine Gesellschaft formten, die nachhal-
tig zukunftsfähig und tragfähig war. Sein Plan war, dass diese neue Gesell-
schaftsform ein Vorbild für die umliegenden Nationen sein würde und dass
das Volk, wie Abraham, durch die Segnungen, die es von Gott empfing, die
ganze Welt segnen würde.

Wie wichtig ist es dir, dass Gott ein Gott ist, der das Leiden der Menschen in
der Welt sieht und ihre Hilferufe hört? Was sagt dir das über Gott? Überdenke
dazu 2. Mose 4,31.

20
Sonntag, 7. Juli 2

21
Montag, 8. Juli 2

Die Zehn Gebote


Lies Matthäus 22,37–40, dann 2. Mose 20,1–17. Inwiefern hilft dir
Jesu Zusammenfassung der Gebote beim Verstehen jedes der Zehn
Gebote?

Die Zehn Gebote lesen sich wie eine Verfassung. Nach einer kurzen Präam-
bel, die die Grundlagen aufzeigt, auf denen die folgenden Aussagen gemacht
werden – in diesem Fall die Tatsache, dass Gott sein Volk befreite –, nennt
das Dokument die Grundprinzipien, auf denen die Nation gegründet ist. In
diesem Fall waren es konkrete Gebote, wie die Menschen ihre Liebe zu Gott
und zueinander am besten ausleben konnten. Da wundert es wenig, dass vie-
le Nationen mit christlichem Erbe die Grundlagen ihrer Gesetze von diesen
Grundprinzipien abgeleitet haben.
Auch wenn viele dieser Aussagen kurz sind, sollten wir den Umfang ihrer
Auswirkungen und die Reichweite der Zehn Gebote als Gesetze des Lebens
nicht unterschätzen. Das sechste Gebot – „Du sollst nicht töten.“ (2 Mo 20,13)
– fasst zum Beispiel „alle Unrechtstaten, die dazu beitragen, das Leben zu
verkürzen“ sowie „sich aus selbstsüchtigen Beweggründen nicht um Arme
und Kranke zu kümmern“ (WAB 286), zusammen und schließt sie ein. Auf
ähnliche Weise verurteilt das Verbot, zu stehlen (siehe 2 Mo 20,15), „Sklaven-
handel und verbietet Eroberungskriege“. Es „verlangt, dass offene Schulden
beglichen und gerechte Arbeitslöhne gezahlt werden“ und verbietet, „aus der
Unwissenheit, der Schwäche oder dem Unglück eines anderen seine Vorteile
zu ziehen“ (WAB 286).
Wir können uns leicht einreden, dass wir keine schlechten Menschen
sind. Wenn wir zum Beispiel nicht direkt einen Mord begehen oder offen-
sichtlich stehlen, scheint es so, als wären wir okay. Aber als Jesus über die
Gebote sprach, machte er deutlich, dass die Gebote nicht einfach dadurch
erfüllt würden, indem man einige konkrete Taten vermeidet. Vielmehr kön-
nen unsere Gedanken, unsere Motivation und sogar unser Versäumnis, Din-
ge zu tun, von denen wir wissen, dass wir sie tun sollten, das Gesetz Gottes
übertreten (siehe Mt 5,21–30).
Stell dir also eine Gesellschaft vor, in der jedes der Zehn Gebote ernst ge-
nommen und vollständig ausgelebt wird. Dies wäre eine aktive, lebendige
Gesellschaft, in der jeder begeistert aus seiner Liebe zu Gott heraus handelt,
indem man sich gegenseitig liebt und umeinander kümmert.

Warum neigen wir dazu, die Zehn Gebote „eng“ zu lesen und oft die umfas-
sendere Anwendung dieser wichtigen Prinzipien in unserem Leben zu igno-
rieren? Warum ist die enge Lesart einfacher in die Praxis umzusetzen?

22
Montag, 8. Juli 2

23
Dienstag, 9. Juli 2

Sklaven, Witwen, Waise, Fremde


Lies 2. Mose 23,9. Wie lautet hier Gottes Botschaft an Israel?

Als kürzlich befreite Sklaven wussten die Israeliten, was es bedeutet, unter-
drückt, ausgebeutet und marginalisiert zu werden. Und während sie ihre
Freiheit feierten, achtete Gott darauf, dass sie nicht vergaßen, woher sie
­kamen, wie es sich anfühlte, ausgegrenzt zu sein und was er getan hatte, um
sie zu retten. Er setzte das Passafest als Erinnerung und eine Möglichkeit ein,
die Geschichte immer wieder zu erzählen: „Der HERR hat uns mit mächtiger
Hand aus Ägypten, aus der Knechtschaft, geführt.“ (2 Mo 13,14)

Lies 2. Mose 22,20–22. Welche Bedeutung hatte die Erinnerung an


ihre eigene Sklaverei in den Anweisungen darüber, wie die Israeli-
ten die weniger Begünstigten in ihrer neuen Gesellschaft behandeln
sollten?

Kaum war der Nachhall der Verkündigung der Zehn Gebote verklungen, wur-
de Mose aufgerufen, mehr Zeit mit Gott zu verbringen, der ihm detaillierte
Anweisungen gab, wie diese großartigen Gebote in der israelitischen Ge-
sellschaft umgesetzt werden sollten. Noch vor den Anweisungen zum Bau
der Stiftshütte gab Gott drei Kapitel Gesetze über Themen wie die angemes-
sene Behandlung von Sklaven – Gesetze, die in starkem Gegensatz zu der
­Behandlung standen, die viele Israeliten erlebt hatten. Es gab Gesetze, die
sich mit schweren Verbrechen beschäftigten, Gesetze über Grundbesitz, Ge-
setze für das alltägliche Leben und Grundsätze zum Einrichten von Gerich-
ten, die diese Gesetze anwenden und für Gerechtigkeit sorgen sollten (siehe
2 Mo 21–23).
Herausragend unter diesen Gesetzen für die neue Gesellschaft war die
Sorge um die Mitbürger wie auch die Sorge um Außenseiter und diejenigen,
die am verletzlichsten sind. Diese Menschen durften nicht ausgebeutet wer-
den; sie erhielten sogar Rechte, die ihnen Zugang zu Nahrungsmitteln ermög-
lichten, so dass ihre Würde gewahrt blieb, wie etwa das Auflesen von rest-
lichem Getreide von den abgeernteten Feldern. Eine derartige Behandlung
von „Außenseitern“ und Fremden war in der damaligen Welt nicht üblich.
Selbst heute scheinen manche die wichtigen, hier dargelegten moralischen
Prinzipien hinsichtlich des Umgangs mit anderen zu vergessen.

Welche Erlebnisse machen dich mitfühlender oder betroffen, wenn es um


Leid oder Ungerechtigkeit geht, die andere erleiden müssen?

24
Dienstag, 9. Juli 2

25
Mittwoch, 10. Juli 2

Der zweite Zehnte


Viele Christen wissen um die Anweisungen der Bibel zum Zehntengeben
und befolgen sie. Dies ist, meist bezugnehmend auf Maleachi 3,10, eine ein-
fache Formel, bei der der Gläubige zehn Prozent seines Einkommens – oder
seines „Mehrs“ – gibt, um die Arbeit der Kirche, das Verbreiten des Evange-
liums, zu unterstützen. Kirchen haben in der Regel strenge Richtlinien zur
Verwendung dieser ihnen anvertrauten Zehnten. Sie setzen sie in erster Linie
zur Unterstützung des unmittelbaren Pastorendienstes und der Evangelisa-
tion ein.

Lies 5. Mose 14,22–29. Worin besteht nach diesen Anweisungen der


Hauptzweck des Zehnten?

Die Versuchung besteht darin, zu denken, wir hätten mit diesen zehn Prozent
unser Geben erfüllt. Aber die Anweisungen, die den Israeliten gegeben wur-
den, legen nahe, dass die Zehn-Prozent-Zahl ein Anfangspunkt war. Untersu-
chungen lassen vermuten, dass ein damaliger Israelit, der entsprechend den
Richtlinien der Gesetze in 3. Mose lebte und spendete, regelmäßig zwischen
einem Viertel und einem Drittel seines jährlichen Einkommens für Gottes
Werk gab, um die Priester und das Heiligtum zu unterstützen und den Armen
zu helfen.
Manche Bibelgelehrte beschreiben dieses Geben – besonders die Unter-
stützung für Fremde, Waisen und Witwen – als einen zweiten Zehnten. Es ist
offensichtlich, dass die Menschen das Ergebnis ihrer Arbeit genießen und
ihre Ernte feiern sollten. Gott versprach, sie zu segnen – besonders in ihrem
neuen Land –, aber sie sollten diesen Segen nicht als selbstverständlich neh-
men oder diejenigen vergessen, die nicht so gesegnet waren.
In normalen Jahren sollte dieser Teil der Ernte zum Heiligtum gebracht
und von dort weiterverteilt werden. Aber jedes dritte Jahr lag ein besonderer
Fokus auf dem Teilen der Segnungen in ihrer eigenen Umgebung. Bei den
Erntefeierlichkeiten lag ein besonderer Schwerpunkt auf denjenigen, die
leicht übersehen oder vergessen werden konnten: Du „sollst … ihn dem Levi-
ten, dem Fremdling, der Waise und der Witwe geben, dass sie in deiner Stadt
essen und satt werden.“ (5 Mo 26,12)
Laut Gottes Anweisungen sollte zumindest ein gewisser Teil dessen, was
die Israeliten gaben, dafür verwendet werden, den Bedürftigsten finanzielle
und praktische Hilfe zu leisten. Wieder hatte dies seine Grundlage auf der
­Erinnerung und Wertschätzung dessen, wie Gott ihnen gegenüber gnädig
und gerecht gewesen war.

Lies 5. Mose 26,1–11. Was sagt Gott hier? Wie sollen wir dies auf unsere Ein-
stellung dazu übertragen, Bedürftigen etwas zu geben?

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Mittwoch, 10. Juli 2

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Donnerstag, 11. Juli 2

Das Erlassjahr
Als Gott den Israeliten als einem Volk begegnete, das keine eigene Heimat
hatte und auf seine Ankunft im verheißenen Land wartete, wusste er, wie
wichtig Land für die Gründung ihrer neuen Gesellschaft in Kanaan sein wür-
de. Gott achtete unter der Leitung von Josua auf eine ordnungsgemäße Ver-
teilung des Landes an Stämme und Familiengruppen.
Aber Gott wusste auch, dass der Reichtum, die Möglichkeiten und Res-
sourcen, die mit dem Landbesitz zusammenhingen, mit der Zeit dazu ten-
dierten, in den Händen einiger weniger konzentriert zu werden. Familiäre
Probleme, Krankheit, schlechte Entscheidungen und anderes Missgeschick
konnten manche Landbesitzer dazu veranlassen, ihren Boden für raschen
Gewinn oder einfach um des Überlebens willen zu verkaufen. Aber dies wür-
de bedeutete, dass die Familie ihren Besitz für die nachfolgenden Generatio-
nen los war.
Gottes Lösung bestand in dem Erlass, dass Land nie endgültig verkäuflich
war. Vielmehr sollte Land nur bis zum nächsten Erlassjahr verkauft werden.
Dann sollte das Land wieder der Familie zurückgegeben werden, der es zu-
gewiesen worden war, und jedes verkaufte Land konnte vom Verkäufer oder
einem anderen Mitglied der Familie des Verkäufers jederzeit wieder ausge-
löst werden. Wieder erinnert Gott das Volk an seine Beziehung zu ihm und
daran, wie sich diese auf ihre Beziehungen mit anderen auswirkt: „Ihr sollt
das Land nicht für immer verkaufen; denn das Land gehört mir, und ihr seid
Fremdlinge und Gäste bei mir.“ (3 Mo 25,23 SLT)

Lies 3. Mose 25,8–23. Wie anders wäre die Gesellschaft deiner Mei-
nung nach, wenn diese Prinzipien angewandt würden, besonders die
Worte „dann sollt ihr euch gegenseitig nicht übervorteilen“ (EB)?

„Die Bestimmungen, die Gott einführte, waren dazu da, die soziale Gleich-
heit zu fördern. Im Sabbat- und im Jobeljahr sollte weithin das zurechtge-
rückt werden, was in der Zwischenzeit im gesellschaftlichen und politischen
Leben des Volkes falsch gelaufen war.“ (WAB 517)
Bibelhistoriker sind sich nicht sicher, ob diese ökonomischen und so-
zialen Rhythmen zu irgendeinem Zeitabschnitt jemals umfänglich befolgt
wurden (siehe 2 Chron 36,21). Dennoch bieten diese Regularien einen fas-
zinierenden Blick darauf, wie die Welt funktionieren könnte, wenn Gottes
Gesetze vollumfänglich befolgt würden. Außerdem unterstreichen sie Gottes
besonderes Interesse an den Armen und Ausgegrenzten, sowie sein Interesse
­daran, dass sich Fairness in unserer Welt praktisch zeigt.

28
Freitag, 12. Juli 2

Weiterführendes Studium:
Lies Ellen White, „Das Volk Israel erhält das Gesetz“, S. 280–293 und „Gottes
Vorsorge für die Armen“, S. 512–518 in Wie alles begann, Krattigen 2016.

„Nächst der Anerkennung der Forderungen Gottes zeichnet die mosaischen


Gesetze nichts so sehr aus wie die Ermahnung zu einer freigebigen, mitfüh-
lenden und gastfreien Gesinnung gegenüber den Armen. Wohl hatte Gott sei-
nem Volk reichen Segen verheißen, aber es war nicht seine Absicht, dass
­ihnen Armut völlig unbekannt blieb. Er erklärte, dass es im Land immer
Arme geben würde. Immer wird es Menschen geben, an denen Verständnis,
Mitgefühl und Wohlwollen geübt werden kann (vgl. 5. Mose 15,11). Damals
wie heute konnten Personen Unglück erleiden, krank werden oder ihren Be-
sitz verlieren. Aber solange die Israeliten die göttlichen Anweisungen befolg-
ten, gab es unter ihnen weder Bettler noch Hungernde.“ (WAB 513)
„Diese Anordnungen sollten den Reichen nicht weniger zum Segen sein
als den Armen. Sie sollten die Habgier und die Neigung zur Überheblich-
keit überwinden helfen und eine edle Gesinnung der Wohltätigkeit fördern.
Durch die Förderung von Wohlwollen und Vertrauen zwischen allen Bevöl-
kerungsschichten würden sie die soziale Ordnung und den Bestand der Re-
gierung gewährleisten. Wir sind alle in das große Netz der Menschheit hin-
einverflochten. Was immer wir tun können, um anderen zu nützen und ihnen
Auftrieb zu geben, wird als Segen auf uns zurückwirken.“ (WAB 517)

Fragen für ein Gespräch:


1. Welches Merkmal, welches Gesetz oder welche Bestimmung des Ent-
wurfs, den Gott Mose und den Israeliten für die Art von Gesellschaft gab,
die sie errichten sollten, zieht eure Aufmerksamkeit auf sich (egal ob es
in dieser Studienbetrachtung konkret erwähnt wurde oder ihr durch euer
eigenes Lesen darauf aufmerksam wurdet)?
2. Warum ist Gott eurer Meinung nach bei den Gesetzen, die er seinem Volk
gab, anscheinend so fokussiert auf diejenigen, die am verletzlichsten
sind?
3. Wie sollen wir heute diese Gesetze verstehen und umsetzen? Wonach ent-
scheiden wir, welche davon für uns heute anwendbar und relevant sind?
Was ist das Wichtigste, das wir von diesen detaillierten Anweisungen
darüber lernen können, wie die Israeliten ihre Gesellschaft und ihr Leben
ordnen sollten?

Zusammenfassung:
Gott hörte die Schreie des leidenden Volkes Israel in Ägypten und griff ein,
um es zu retten. Er wollte mit ihm eine besondere Bundesbeziehung aufbau-
en und mit ihm daran arbeiten, eine neue Gesellschaft zu etablieren, die ein
Segen für alle sein würde, selbst für diejenigen, die oft vergessen und ausge-
grenzt werden und verletzlich sind.

Sabbatanfang: 21:33 Uhr Kassel / 20:54 Uhr Wien

29
Mit Gott erlebt
(Inside Story)

Der Mann mit dem Stock


Wilson Measapogu
Den Bewohnern von Gudem Madhavaram, einem abgelegenen Dorf in den Ber-
gen des indischen Bundesstaates Andhra Pradesh, bereitete ein Tiger große Pro-
bleme. Das Tier schlich sich nachts in das Dorf, in dem es keinen Strom gab,
und fraß die Nutztiere der Einwohner. Diese mussten verzweifelt miterleben, wie
ihre Ziegen, Kühe und Rinder, von denen sie lebten, immer weniger wurden. Die
Dorfbewohner baten ihre Götter um Schutz, aber nichts änderte sich.
Eines Tages kam ein großer weißer Mann mit einem Stock ins Dorf ­geritten.
Er stellte sich als Dr. Theodore R. Flaiz aus den USA vor. Er hatte in Nuzvid,
50 km vom Dorf entfernt, eine kleine Klinik eröffnet. In seiner Freizeit jagte er in
den Bergen Wild. Da er gerade Urlaub machte, blieb er eine Weile im Dorf. Seine
Jagdbeute schenkte er den Einwohnern.
Samstags setzte er sich unter einen Baum und sang Lieder. Als ihn die Dorf-
leute fragten, was er da singe, erklärte er, dass er den Schöpfergott anbete. Die
Einwohner sagten: „Wir wollen den Schöpfergott sehen!“ Da öffnete der weiße
Mann ein schwarzes Buch und las ihnen vom Schöpfergott vor.
Die Dorfbewohner baten den weißen Mann, ihnen mit dem Tiger zu helfen.
Sein Stock konnte nämlich Tiere für immer schlafen lassen. Sie banden am Abend
eine Ziege an einen Baum in der Mitte des Dorfes. Als sich der Tiger näherte,
weckten sie den weißen Mann, der seinen Stock benutzte. Dr. Flaiz schoss auf
den Tiger, verwundete ihn jedoch nur. Das Tier floh, kam aber kurze Zeit später
zurück. Wieder verwundete Dr. Flaiz den Tiger lediglich, bevor er ihn endlich nie-
derstrecken konnte.
Das Dorf war dem weißen Mann sehr dankbar und es entwickelte sich eine
Freundschaft zwischen den Bewohnern und dem Amerikaner. Aus dieser Freund-
schaft entstand eine kleine Adventgemeinde. Einer der ersten Bekehrten war
Sundar Rao, mein Vater. Er war damals der junge Mann gewesen, der die Ziege
festgebunden hatte. 1955 wurde er getauft.
Heute ist Gudem Madhavaram ein adventistisches Dorf. Aus ihm sind 40 Pas-
toren und Bibelarbeiter hervorgegangen sowie Lehrer und Mediziner. An den
Samstagen ruht das ganze Dorf, um den Schöpfergott anzubeten.
Wilson Measapogu ist Sekretär der Südasien-Division, zu deren Gebiet Indien
gehört. Dr. Theodore R. Flaiz war Missionsarzt, der von 1947 bis zu seiner Pension
1966 das medizinische Werk der adventistischen Weltkirche leitete. Er starb 1977
im Alter von 80 Jahren.

Geliefert vom Büro der Generalkonferenz für Adventist Mission: www.AdventistMission.org

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Lektion 3
Woche vom 13. bis 19. Juli*

Sabbat: Ein Tag der Freiheit

Sabbatnachmittag

Lies für das Studium dieser Woche:


2. Mose 16,16–18; 20,8–11; 5. Mose 5,12–15; Matthäus 12,9–13;
3. Mose 25,1–7

Merktext:
„Und er sprach zu ihnen: Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht
und nicht der Mensch um des Sabbats willen.“ (Mk 2,27)

Gott schuf den Sabbat als letzten Akt der Schöpfungswoche. Es heißt, dass
Gott am siebten Tag nicht nur ruhte, sondern die Ruhe als integralen Be-
standteil dessen, wie die Welt sein sollte, schuf. Der Sabbat war ein Ausdruck
dafür, dass wir geschaffen wurden, um mit Gott und miteinander in Bezie-
hung zu treten.
Deshalb überrascht es kaum, dass der Sabbat als eines der Gebote in Got-
tes Plan für sein Volk relativ früh bei der Gründung der neuen israelitischen
Nation auftaucht. Er sollte eine ausschlaggebende Rolle im Leben der Hebrä-
er spielen.
Wenn wir über den Sabbat sprechen, dreht sich das Gespräch oft sehr
schnell darum, wie wir ihn halten sollen: Was dürfen wir nicht tun? und der-
gleichen. Wie wichtig diese Fragen auch sein mögen, wir müssen die wesent-
liche Rolle verstehen, die der Sabbat in der Welt und im Leben des Volkes
Gottes als Symbol für Gottes Gnade und Fürsorge einnehmen sollte.
Wie Jesus sagte, wurde der Siebenten-Tags-Sabbat für die ganze Mensch-
heit geschaffen. Wenn wir wirklich „des Sabbats gedenken“, wird uns das
­jeden Tag der Woche verändern und – wie Jesus zeigte – kann er auch eine
Möglichkeit sein, für andere zum Segen zu werden.

* Studiere diese Lektion zur Vorbereitung auf Sabbat, den 20. Juli.

31
Sonntag, 14. Juli 3

Genug Manna
Nach generationenlanger Sklaverei und der sozialen Erniedrigung, die ein
derartiger Zustand Gottes unterdrücktem Volk zufügte, wollte Gott die kürz-
lich befreiten Israeliten aufbauen, indem er ihnen eine bessere Art zu leben
zeigte. Er gab ihnen Gesetze dafür, wie sie ihre neue Gesellschaft am besten
ausrichten konnten. Doch einer der ersten Teile dieses Prozesses geschah in
Form eines praktischen und lehrreichen Anschauungsunterrichts.
Dieser Lebensrhythmus, der die ganzen 40 Jahre der Wüstenwanderung
über anhielt und sichtbarer Beweis für Gottes Fürsorge und praktizierte
Selbstlosigkeit war, sollte Teil der Kultur der israelitischen Gesellschaft wer-
den. Er kam in Form von Manna, einem Nahrungsmittel, das jeden Morgen
auf dem Boden um das israelitische Lager herum auftauchte.

Lies 2. Mose 16,16–18. Was bedeutet es deiner Meinung nach, dass in


diesen Versen für jede Person eine konkrete Mengenangabe gemacht
wurde?

In 2. Korinther 8,10–15 verweist Paulus auf diesen Bericht als Beispiel, wie
Christen geben sollten: „In der jetzigen Zeit diene euer Überfluss dem Mangel
jener, damit auch der Überfluss jener für euren Mangel diene, damit Gleich-
heit entstehe“ (V. 14 EB).
Die Lektion für die Israeliten wie für uns lautet, dass Gott für sein Volk und
seine Schöpfung genug zur Verfügung gestellt hat. Wenn wir nur nehmen,
was wir benötigen, und bereit sind, unseren Überfluss mit anderen zu teilen,
wird für alle gesorgt sein. Nur die Menge für einen Tag zu nehmen verlangte
von den Menschen, darauf zu vertrauen, dass es am nächsten Tag wieder
etwas geben würde. Unterdrückte Menschen wie die israelitischen Sklaven
neigen dazu, sich auf ihr eigenes Überleben zu konzentrieren, aber Gott woll-
te ihnen ein Leben aus Vertrauen, Großzügigkeit und Teilen zeigen.
Doch diese Praxis hatte eine weitere, noch bemerkenswertere Dimension.
Jeden Freitag lag eine doppelte Portion Manna auf dem Boden, und an die-
sem Tag – und nur an diesem Tag – sollten die Menschen das zusätzliche
Manna in Vorbereitung auf den Sabbat sammeln. Die besondere Vorsorge für
den Sabbat war ein zusätzlicher Weg, anhand dessen sie lernen sollten, Gott
in all ihren Bedürfnissen zu vertrauen. Die Extraportion Manna, ein Akt der
Gnade von Gottes Seite, ermöglichte es ihnen, die Ruhe noch mehr zu genie-
ßen, die Gott ihnen am Siebenten-Tags-Sabbat versprochen hatte.

Was können wir freitags tun, das uns hilft, das, was uns Gott am Sabbat
­anbietet, noch besser zu genießen?

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Sonntag, 14. Juli 3

33
Montag, 15. Juli 3

Zwei Begründungen für den Sabbat


Lies 2. Mose 20,8–11 und 5. Mose 5,12–15. Inwiefern ergänzen sich
diese beiden Versionen des vierten Gebots?

Erinnern ist ein wichtiger Teil der Beziehung, die Gott mit seinem Volk wie-
derherstellen möchte, eine Beziehung, die auf der Tatsache beruht, dass Gott
unser Schöpfer und Erlöser ist. Beide Rollen sind in den beiden Versionen
des vierten Gebots zu finden und somit eng mit dem Sabbat und seiner Um-
setzung verbunden.
Da die Israeliten aus einem Land kamen, das von so vielen falschen
Göttern beherrscht wurde, mussten sie an die Rolle des wahren Gottes als
Schöpfer erinnert werden. Der Sabbat war ein entscheidender Weg dazu und
erhielt im Kontext des wöchentlichen Zyklus des freitags zusätzlich bereit-
gestellten Mannas noch mehr Bedeutung – ein aussagekräftiges Beispiel für
Gottes Schöpferkraft. In der Version des vierten Gebots in 2. Mose 20 wird
Gott als unser Schöpfer sehr deutlich hervorgehoben.
Im Gegensatz dazu stehen Rettung, Befreiung und Erlösung des Volkes im
Fokus des vierten Gebots in 5. Mose 5. Diese Geschichte sollten die ­Israeliten
immer wieder erzählen; sie konnten insbesondere jeden Sabbat die Verknüp-
fung damit wieder aufnehmen. Ihre erste Geschichte war die einer konkreten,
physischen Rettung aus der Sklaverei in Ägypten, aber als ihr Verständnis
von Gott und seiner Erlösung wuchs, wurde der Sabbat auch ein wöchent-
liches Symbol und eine wöchentliche Feier ihrer geistlichen Erlösung.
Bei diesen beiden Beweggründen für den Sabbat ging es darum, die Be-
ziehung zwischen Gott und seinem Volk wiederherzustellen: „Ich gab ihnen
auch meine Sabbate zum Zeichen zwischen mir und ihnen, damit sie erkann-
ten, dass ich der HERR bin, der sie heiligt.“ (Hes 20,12) Und wie wir bereits
sahen, ging es nie allein um diese Menschengruppe. Auf der Grundlage die-
ser Beziehung sollten sie eine neue Art von Gesellschaft errichten, eine, die
freundlich zu Außenseitern und ein Segen für die übrige Welt war.
„Darum hat dir der HERR, dein Gott, geboten, dass du den Sabbattag hal-
ten sollst.“ (5 Mo 5,15) Indem wir den Sabbat als Möglichkeit des Erinnerns
und Feierns sowohl unserer Schöpfung als auch unserer Erlösung halten,
können wir in unseren Beziehungen wachsen – nicht nur zu Gott, sondern
auch zu den Menschen um uns herum. Gott ist uns gnädig; deshalb müssen
wir anderen gegenüber gnädig sein.

Auf welche Weise sollte uns das Halten des Sabbats zu besseren, freund­
licheren, fürsorglicheren und mitfühlenderen Menschen machen?

34
Montag, 15. Juli 3

35
Dienstag, 16. Juli 3

Ein Tag der Gleichheit


Beim Überfliegen der Zehn Gebote in 2. Mose 20 und 5. Mose 5 wird deut-
lich, dass das vierte Gebot das bei weitem ausführlichste ist. Während eini-
ge der Gebote in manchen Versionen mit lediglich drei Wörtern erfasst sind
(im Hebräischen können einige mit nur zwei Wörtern ausgedrückt werden),
schafft das vierte Gebot Raum für das Warum, Wie und Wer zum Gedenken
des Sabbattages.

Lies 2. Mose 20,8–11. Was steht hier über die Sklaven und Fremden,
sogar die Tiere, und was bedeutet das?

An diesen Details zum Sabbat ist der Fokus auf den Mitmenschen bemer-
kenswert. Sigve K. Tonstad argumentiert, dass diese Art von Gebot einzig-
artig in allen Kulturen der Welt ist. Das Sabbatgebot, erklärt er, „priorisiert
von unten nach oben und nicht von oben hinabschauend, indem es zuerst
an die schwächsten und am leichtesten verwundbaren Mitglieder der Gesell-
schaft denkt. Diejenigen, die Ruhe am nötigsten haben – der Sklave, der orts-
ansässige Fremde, das Lasttier – werden besonders erwähnt. In der Ruhe des
siebten Tags finden die Unterprivilegierten, sogar stumme Tiere, einen Ver-
bündeten“ (The Lost Meaning of the Seventh Day, Berrien Springs, Michigan
2009, S. 126–127).
Das Gebot betont besonders die Mahnung, dass der Sabbat ein Tag ist, der
von jedem genossen werden soll. Im Licht des Sabbats sind wir alle gleich.
Wenn du unter der Woche Arbeitgeber bist, hast du nicht das Recht, deine
Angestellten am Sabbat arbeiten zu lassen. Das ist so, weil Gott auch ihnen
einen Tag der Ruhe geschenkt hat. Wenn du dein ganzes Leben lang An-
gestellter – oder sogar Sklave – bist, erinnert dich der Sabbat daran, dass du
genauso von Gott geschaffen und erlöst bist, und Gott lädt dich ein, dies auf
andere Art und Weise zu feiern als mit deinen üblichen Pflichten. Selbst die-
jenigen, die nicht zu den Sabbathaltern gehören – „alle Ausländer, die bei dir
wohnen“ (2 Mo 20,10 NLB) –, sollen vom Sabbat profitieren.
Diese Vorstellung wäre für die Israeliten, denen ihr eigenes Erleben der
Sklaverei und der Ausgrenzung noch präsent war, ein bemerkenswerter Pers-
pektivwechsel gewesen. Nun, da sie sich in einem neuen Land niederlassen
sollten, wollte Gott nicht, dass sie die Gewohnheiten ihrer früheren Unterdrü-
cker übernahmen. Er gab ihnen (in Wahrheit uns allen), zusammen mit de-
taillierten Gesetzen für ihre Gesellschaft, eine wöchentliche, aussagekräftige
Erinnerung daran, wie sehr wir alle vor Gott gleich sind.

Wie kannst du den Sabbat in deinem Umfeld mit anderen teilen, das heißt:
Wie kann dein Umfeld von deinem Halten des Sabbats profitieren?

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Dienstag, 16. Juli 3

37
Mittwoch, 17. Juli 3

Ein Tag der Heilung


Obwohl die ursprüngliche Vision des Sabbats und des Sabbathaltens etwas
weit gefasst war und alle Menschen mit einschloss, war der Sabbat zu der
Zeit, als Jesus auf die Erde kam, für viele religiöse Führer zu etwas ganz an-
derem geworden. Statt eines Tags der Freiheit und Gleichheit war der Sabbat
zu einem Tag menschlicher, traditioneller Regeln und Beschränkungen ge-
worden. Als Jesus auf der Erde war, bot er derartigen Einstellungen die Stirn,
besonders wenn sie anderen aufgezwungen wurden.
Interessanterweise tat er dies am deutlichsten durch einige Heilungen am
Sabbat. Es scheint, als hätte Jesus diese Wunder bewusst am Sabbat gewirkt
und nicht an einem anderen Tag, um deutlich zu machen, was der Sabbat
sein sollte. In diesen Berichten sprach Jesus oft darüber, dass es angemessen
sei, am Sabbat zu heilen, und oft nutzten die Pharisäer seine Aussagen als
Vorwand, um ihre Pläne zur Ermordung von Jesus voranzutreiben.

Lies die Berichte von den Sabbatheilungen Jesu in Matthäus 12,9–13;


Markus 1,21–26; 3,1–6 und Johannes 9,1–16. Was fällt dir an diesen
Geschichten besonders auf?

Jesus bestätigte, dass der Sabbat wichtig ist. Wir müssen Grenzen um die
Sabbatzeit ziehen, um diese zu etwas Besonderem zu machen und es die-
ser wöchentlichen Zeit zu gestatten, zu einer Möglichkeit des Wachstums in
unserer Beziehung zu Gott, unserer Familie, der Gemeinde und unserem Um-
feld zu werden. Aber das Halten des Sabbats sollte sich nicht nur egoistisch
um uns drehen. Wie Jesus sagte, „ist es erlaubt, am Sabbat Gutes zu tun“
(Mt 12,12).
Viele Gemeindeglieder tun viel Gutes, indem sie sich um andere küm-
mern. Aber viele von uns spüren auch, dass wir mehr tun sollten, um zu
helfen. Wir wissen, dass sich Gott um diejenigen sorgt, die verletzt, unter-
drückt oder vergessen sind, und dass auch wir uns um sie sorgen sollen.
Weil uns geboten wird, dass wir nicht unserer normalen Arbeit nachgehen
sollen und wir frei vom Druck der Woche sind, haben wir am Sabbat Zeit,
uns auf diese Fürsorge für andere als eine Möglichkeit echten und aktiven
Sabbathaltens zu konzentrieren: „Laut dem vierten Gebot ist der Sabbat der
Ruhe und religiösen Andacht geweiht. Jegliche weltliche Beschäftigung soll
unterbrochen werden, aber Werke der Barmherzigkeit und Fürsorge entspre-
chen der ­Absicht Gottes. … Bedrückte zu entlasten, Trauernde zu trösten ist
ein Liebeswerk, das Gottes heiligem Tag Ehre macht.“ (Ellen White, Welfare
­Ministry, S. 77)

Was tust du anderen am Sabbat Gutes?

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Mittwoch, 17. Juli 3

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Donnerstag, 18. Juli 3

Sabbatruhe für das Land


Wie wir gesehen haben, war der Sabbat ein integraler Bestandteil des
­L ebenszyklus des Volkes Israel. Aber beim Sabbatprinzip ging es nicht nur
um einen Wochentag. Es umfasste auch eine besondere Ruhe jedes siebte
Jahr, was im Erlassjahr nach sieben Durchläufen von sieben Jahren – das
heißt in jedem 50. Jahr – gipfelte.

Lies 3. Mose 25,1–7. Was ist an dieser Art Anweisung bemerkens-


wert? Welche Möglichkeiten fallen dir ein, wie du dieses Prinzip in
dein Leben und deine Arbeit integrieren könntest?

Das Sabbatjahr gewährte dem Ackerland ein Jahr lang Ruhe. Dies ist eine
bemerkenswerte Art, mit dem Boden umzugehen, und die Klugheit dieser
landwirtschaftlichen Praxis ist weithin anerkannt.
Das siebte Jahr war auch für Sklaven von Bedeutung (siehe 2 Mo 21,1–11).
Sollte ein Israelit sich so stark verschulden, dass er sich selbst in die Sklave-
rei verkaufen musste, wurde er im siebten Jahr freigelassen. Ähnlich sollten
­ausstehende Schulden am Ende des siebten Jahres erlassen werden (siehe
5 Mo 15,1–11).
Wie beim Manna, mit dem Gott die Israeliten in der Wüste versorgte, war
das Nichtanbauen von Getreide in einer Saison ein Akt des Vertrauens. Gott
würde [durch die Ernte] im Jahr zuvor und durch das, was von selbst im Sab-
batjahr wuchs, genug zur Verfügung stellen. Ähnlich war das Freilassen von
Sklaven und Erlassen von Schulden ein Gnadenakt, aber auch ein Akt des
Vertrauens in die Macht Gottes, unsere Bedürfnisse zu stillen. In gewissem
Sinn musste das Volk lernen, dass es nicht andere unterdrücken musste, um
für sich zu sorgen.
Die Prinzipien und Muster des Sabbats sollten mit der Struktur der israeli-
tischen Gesellschaft als Ganzes eng verknüpft sein. Ähnlich sollte modernes
Sabbathalten eine geistliche Disziplin sein, die all unsere anderen Tage ver-
ändert. Praktisch gesehen ist der Sabbat eine Form der Umsetzung von Jesu
Aufforderung, zuerst nach dem Reich Gottes zu streben: „Euer himmlischer
Vater kennt eure Bedürfnisse … er wird euch all das geben, was ihr braucht“
(Mt 6,32–33 NLB).

Wie sollte sich das Halten des Sabbats auf die anderen sechs Tage der ­Woche
auswirken? Wenn du von Sonntag bis Freitag gierig, egoistisch und lieblos
bist, was macht es dann schon für einen Unterschied, wenn du es am Sabbat
nicht bist? (Kannst du überhaupt am Sabbat nicht so sein, wie du den Rest
der Woche über bist?)

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Freitag, 19. Juli 3

Weiterführendes Studium:
Lies Ellen White, „Vom Roten Meer zum Berg Sinai“, S. 268–279 in Wie alles
begann, Krattigen 2016; „Der Sabbat“, S. 263–271 in Sieg der Liebe, Krattigen
2016; Sigve K. Tonstad, „The Social Conscience of the Seventh Day“, S. 125–143
in The Lost Meaning of the Seventh Day.

„Jesus machte ihnen deutlich, dass die Befreiung der Elenden mit dem Sab-
batgebot in Einklang stand. Dieser Dienst stimmte auch mit dem Dienst der
Engel Gottes überein, die sich ständig zwischen Himmel und Erde auf und
ab bewegen, um der leidenden Menschheit beizustehen … Auch der Mensch
soll seine Pflicht an diesem Tag erfüllen. Die Bedürfnisse des Lebens sollen
beachtet werden. Kranke sollen versorgt und den Armen und Bedürftigen
muss geholfen werden. Wer es unterlässt, Leidenden am Sabbat zu helfen,
macht sich schuldig. Gottes heiliger Ruhetag wurde für den Menschen ge-
schaffen, und Werke der Barmherzigkeit stehen in voller Übereinstimmung
mit der Zielsetzung dieses Tages. Gott möchte nicht, dass seine Geschöpfe
auch nur eine Stunde lang Schmerzen leiden, wenn diese am Sabbat oder an
irgendeinem anderen Tag gelindert werden können.“ (SDL 187–188)

Fragen für ein Gespräch:


1. Auf welche Weise habt ihr den Sabbat als Ausdruck eures Vertrauens auf
Gott erlebt? Hattet ihr ein Manna-artiges Erlebnis, bei dem Gott euch als
Reaktion auf euer Vertrauen in ihn versorgt hat? Wenn ja, erzählt es der
Gruppe und berichtet, was ihr daraus gelernt habt.
2. Wie wir im vierten Gebot in 2. Mose 20,8–11 und 5. Mose 5,12–15 gesehen
haben, betonte Gott verschiedene Aspekte des Sabbats. Welchen Aspekt
des Sabbats schätzt ihr am meisten?
3. Überlegt gemeinsam oder jeder für sich, wie ihr die Segnungen und Vor-
teile des Sabbats mit den Menschen in eurer Umgebung teilen könnt.
4. Auf welche Weise verändert der Sabbat euer Leben? Gibt es andere Teile
eures Lebens, auf die die Muster und Prinzipien des Sabbats stärkeren
Einfluss haben sollten?

Zusammenfassung:
Gott gab den Sabbat als Möglichkeit, die Schöpfung und die Erlösung in
­Erinnerung zu behalten, aber der Sabbat hat auch viele praktische Vortei-
le. Er lehrt uns, auf Gottes Fürsorge zu vertrauen; er lehrt uns, Gleichheit
zu praktizieren; und er kann zu einer geistlichen Disziplin werden, die alle
unsere Beziehungen verändern kann. Jesus zeigte sein Ideal des Sabbats,
­indem er Kranke heilte und den Sabbat als einen Tag der Hinwendung zu
Bedürftigen betonte.

Sabbatanfang: 21:26 Uhr Kassel / 20:48 Uhr Wien

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Mit Gott erlebt
(Inside Story)

Ein Schlangenbiss verändert ein Dorf


Wilson Measapogu
Sundar Rao, ein 27-jähriger Landwirt, wurde neugierig, als ein weißer Mann in
sein Dorf kam und an den Samstagen etwas über einen Schöpfergott vorlas.
Sundar war von den Bibelgeschichten, die der amerikanische Missionar Theodore
R. Flaiz las, fasziniert und entschloss sich, diesem Gott nachzufolgen.
Sundars Arbeitgeber wurde wütend, als der junge Mann am Sabbat nicht zur
Feldarbeit erschien. Zuhause verärgerte Sundar seine Verwandten, weil er nicht
länger an den religiösen Riten der Familie teilnahm und den Schlangengott Naga
nicht mehr anbetete.
Um Ruhe zu bekommen, baute Sundar sich sein eigenes Haus am gegenüber-
liegenden Ufer des Bachs, der die Grenze des Dorfs bildete. Er heiratete und be-
kam eine Tochter. Als Sundar 29 Jahre alt war, bat ihn sein Arbeitgeber, an einem
Samstag zu arbeiten: „Hilf beim Heumachen, wenn dein heiliger Tag vorbei ist!“
Zögernd stimmte Sundar zu. Er kam nach Sonnenuntergang, aber noch bevor
es ganz dunkel war, aufs Feld. Gemeinsam zählten die Arbeiter die Heuballen.
Als er einen kleinen Heuballen etwas abseits bemerkte, stieß er diesen mit dem
Fuß zu den anderen Ballen hin. In diesem Moment schoss eine junge Kobra aus
dem Heuballen, biss Sundar ins Bein und floh. Sundar wusste: Da es im Dorf
­keine ­medizinische Hilfe gab, würde er bald am Kobragift sterben. Die Dorfbe-
wohner waren sich sicher, dass der Schlangengott Sundar bestrafte, weil er ihn
nicht mehr angebetet hatte.
Sundar begann zu schwitzen. Familienmitglieder, die ihn bislang gemieden
hatten, versammelten sich um ihn und weinten. Das ganze Dorf wartete darauf,
dass er starb. Was aber nicht geschah. Eine Stunde verging. Zwei Stunden vergin-
gen. Es wurde jemand geholt, der sich mit Schlangenbissen auskannte. Der war
über das, was er sah, erstaunt. Er erklärte, dass die Kobra Sundar nicht mit den
giftigen Fangzähnen gebissen hatte.
Die Dorfbewohner staunten am nächsten Tag, als Sundar gesund vor ihnen
stand. Sie sagten: „Der Gott des weißen Mannes hat ihn vor dem Biss der Kobra
geschützt.“ Von da an hielten viele Dorfbewohner wie Sundar den Sabbat.
Fünf Jahre später, 1962, bekam Sundar einen Sohn – mich. Heute ist Gudem
Madhavaram ein adventistisches Dorf. Hier zeigt sich die Macht des Gottes, der
einen Schlangenbiss in Segen verwandelte.
Wilson Measapogu ist Sekretär der Südasien-Division, zu deren Gebiet Indien
gehört. Sein Vater starb im August 2017 im Alter von 77 Jahren.

Geliefert vom Büro der Generalkonferenz für Adventist Mission: www.AdventistMission.org

42
Lektion 4
Woche vom 20. bis 26. Juli*

Gnade und Gerechtigkeit


in den Psalmen
und Sprüchen
Sabbatnachmittag

Lies für das Studium dieser Woche:


Psalm 9,8–10.14–21; 82; 101; 146; Sprüche 10,4; 13,23.25; 30,7–9

Merktext:
„Schaffet Recht dem Armen und der Waise und helft dem Elenden und Be-
dürftigen zum Recht. Errettet den Geringen und Armen und erlöst ihn aus
der Gewalt der Frevler.“ (Ps 82,3–4)

Die Psalmen und das Buch der Sprüche beschreiben das Leben mit Gott in
den alltäglichen Dingen des Lebens, nicht nur zu Zeiten der Anbetung oder
anderer religiöser Aktivitäten. Während das Buch der Sprüche eine Vielfalt
praktischer Weisheit bietet – von Beziehungen und Familie bis zu Geschäfts-
leben und Regierung – sind die Psalmen eine Sammlung von Liedern, die
eine Vielzahl an Emotionen und geistlichem Erleben abdecken, von Klage-
liedern bis zu jubelndem Lobpreis und allem dazwischen. Man kann leicht
sehen, dass unser Glaube in jedem Aspekt und jeder Erfahrung unseres
Lebens einen Unterschied bewirken sollte, weil Gott sich um jeden Aspekt
unseres Lebens kümmert.
Derweil kann jegliches Nachdenken über das Leben in dieser gefallenen
Welt schwerlich die Ungerechtigkeit ignorieren, die den Zustand des Men-
schen durchdringt. Tatsächlich wird Ungerechtigkeit wiederholt als etwas
beschrieben, das unseren Herrn beschäftigt und das er beheben möchte. Er
ist die Hoffnung der Hoffnungslosen.
Auch wenn wir das, was diese Bücher zu dem Thema sagen, nur streifen
können, kann dich diese Studienbetrachtung vielleicht dazu inspirieren, pro-
aktiver im Erfüllen der Bedürfnisse der Armen, Unterdrückten und Vergesse-
nen zu werden, die überall um uns herum zu finden und denen zu helfen wir
verpflichtet sind.

* Studiere diese Lektion zur Vorbereitung auf Sabbat, den 27. Juli.

43
Sonntag, 21. Juli 4

Psalmen: Lieder der Hoffnung für Unterdrückte


Wie wir bereits festgestellt haben, sieht und hört Gott Menschen, die Proble-
me und Schwierigkeiten haben. Oft hören wir in den Psalmen diese Rufe von
Menschen, die Gott vertraut haben, aber keine Gerechtigkeit erleben. Die Zu-
sicherungen der Güte, Gerechtigkeit und Kraft Gottes können einem gerade-
zu erdrückt vorkommen von der Ungerechtigkeit und Unterdrückung, die die
Menschen in diesen Liedern erleben oder beobachten.
Und doch sind dies die Lieder derjenigen, die noch immer singen. Weder
ihr Leben noch ihr Glaube wurden ausgelöscht. Es gibt immer noch Hoff-
nung; und sie drängen darauf, dass Gott handelt, bevor es zu spät ist, bevor
das Böse triumphiert, bevor die Unterdrückten durch das Gewicht des Bö-
sen, das ihnen entgegen gebracht wird, vernichtet sind. Auf diese Weise ver-
suchen die Autoren der Psalmen die Kluft zwischen ihrem Glaubensbekennt-
nis und den Schwierigkeiten und Tragödien des Lebens zu überbrücken.

Lies Psalm 9,8–10.14–21. Kannst du dir die Umstände, in denen sich


David, der Schreiber des Psalms, befand, vorstellen? Spürst du die
Spannung zwischen seinem Glauben an Gottes Güte und seinem
­a ktuellen Erleben? Wie bist du mit Glaubenskämpfen in Zeiten
schwerer Prüfungen umgegangen?

Die wiederholte Antwort auf diese Spannung ist durch die Psalmen hindurch
die Hoffnung auf Gottes gutes und gerechtes Urteil und Gottes Versprechen,
ein solches zu fällen. Böses und Ungerechtigkeit scheinen gegenwärtig zu
triumphieren, aber Gott wird die Übeltäter und die Ungerechten richten. Sie
werden bestraft werden, während diejenigen, die verletzt und unterdrückt
wurden, geheilt und erneuert werden.
In Das Gespräch mit Gott beschreibt C. S. Lewis seine anfängliche Über-
raschung über die Begeisterung über Gottes Gericht und die Sehnsucht da-
nach, die in den Psalmen wiederholt ausgedrückt werden. Aus der Beobach-
tung heraus, dass viele heutige Bibelleser das Gericht für etwas halten, das
man fürchten müsse, beschäftigt er sich mit der ursprünglichen jüdischen
Perspektive und schreibt: „Hunderte und Tausende von Menschen, denen al-
les genommen wurde, was sie besaßen, obwohl das Recht ganz und gar auf
ihrer Seite war, werden endlich Gehör finden. Vollkommen klar, dass sie sich
vor dem Gericht nicht fürchten. Sie wissen, dass ihr Anspruch unwiderlegbar
ist – könnten sie ihn nur geltend machen. Wenn Gott kommt, um zu richten,
werden sie endlich Gehör finden.“ (C. S. Lewis, Das Gespräch mit Gott: Beten
mit den Psalmen, Gießen 2016.)
In den Psalmen finden wir Hoffnung für Unterdrückte – selbst heute, selbst
mitten in ihrem gegenwärtigen Leiden und ihren Enttäuschungen.

Welche Gründe haben wir, den Gedanken eines Gerichtes als etwas Positives
zu sehen und nicht als etwas, das man fürchten muss?

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Sonntag, 21. Juli 4

45
Montag, 22. Juli 4

„Tu etwas, Gott!“


Lies Psalm 82. Welche Botschaft an uns ist darin enthalten?

Trotz der gesellschaftlichen Anordnungen und Regeln, die Gott den Israeli-
ten gegeben hatte, misslang es dem Volk im Lauf seiner Geschichte immer
wieder, nach diesem Plan zu leben. Zu leicht glichen sie sich den Völkern
in ihrem Umfeld an und lebten in Mustern von Ungerechtigkeit und Unter-
drückung. Führer und Richter kümmerten sich nur um sich selbst und ihre
Gunst konnte mit Bestechung gekauft werden. Das gewöhnliche Volk und
besonders die Armen waren ohne schützende Gerichte der Ausbeutung aus-
geliefert.
Psalm 82 ist eine Reaktion auf eine derartige Lage. Er beschreibt Gottes
Rolle als oberster Richter und schildert eine Szene, in der er die Führer und
sogar die Richter des Volks richtet. Dieser Psalm betont, dass diejenigen, die
in der Gesellschaft derartige Aufgaben übernehmen, erwählt sind, um als
Richter unter ihm zu handeln. (siehe MUO 135) Sie haben ihre Stellung und
führen ihre Arbeit als Repräsentanten und Untergebene Gottes aus. Aus der
Sicht des Psalmisten ist die Gerechtigkeit Gottes ein Vorbild dafür, wie irdi-
sche Gerechtigkeit funktionieren soll, und sie stellt auch eine Messlatte dafür
dar, wie solche Gerechtigkeit oder Ungerechtigkeit – sowie diejenigen, die
Recht sprechen – beurteilt werden.
Der Psalm schließt mit der konkreten Bitte an Gott, zu handeln (Ps 82,8),
einzugreifen und die im Volk weit verbreitete Ungerechtigkeit zu beenden.
Wie viele Psalmen gibt dieser den Stimmlosen und Unterdrückten eine Stim-
me, denen, deren Stimme durch ungerechte Systeme, in denen sie leben und
arbeiten, zum Verstummen gebracht wurde.
Psalm 82 ruft Gott in seiner Stellung als höchster Richter und souveräner
Herrscher des Universums und aller Nationen an. Es gibt kein höheres Ge-
richt und keine höhere Macht, an die ein solcher Appell gerichtet werden
kann. Es folgt die Versicherung, dass es, wenn irdische Gerichte nicht hören
und die Schreie der Armen und Unterdrückten nicht unterstützen – was hier
sehr oft der Fall ist –, noch immer eine unbestreitbare Möglichkeit gibt, nach
Hilfe zu rufen.
Zu bestimmten Zeiten in unserem Leben sind wir vielleicht selbst Opfer
von Ungerechtigkeit, zu anderen Zeiten jedoch sind wir vielleicht diejeni-
gen, die Ungerechtigkeit begehen oder von ihr profitieren. In solchen Text-
stellen wie Psalm 82 können wir Einsicht und Weisheit finden, egal ob wir
Unterdrückte oder Unterdrücker sind. Gott kümmert sich auch um ungerech-
te Richter; er beschreibt sie als seine Kinder und möchte, dass sie sich ent-
scheiden, besser zu leben (siehe Ps 82,6). Somit gibt es sogar für diejenigen
auf der falschen Seite der Unterdrückung Hoffnung, wenn sie denn zulassen,
dass sie verändert werden.

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Montag, 22. Juli 4

47
Dienstag, 23. Juli 4

Das Versprechen eines Königs


Lies Psalm 101. Auch wenn der Text für Leiter geschrieben ist:
Welchen wichtigen Rat können wir daraus für uns entnehmen,
unabhängig von unserer Stellung im Leben?

Psalm 101 ist ein Text für Leiter. Man vermutet, dass diese Verse von David in
der frühen Phase seiner Regentschaft als König von Israel komponiert wur-
den. Sie können sogar von Gelübden übernommen worden sein, die er ab-
legte, als er König wurde. In seinem Erleben als Krieger für Saul und dann
als Flüchtiger vor ihm erfuhr er am eigenen Leib, wie ein König, der vom
rechten Weg abkommt, die Nation und seine Familie schädigen kann. David
beschloss, eine andere Art von Leiter sein zu wollen.
Die wenigsten von uns sind politische oder nationale Führer, aber wir
­haben alle Funktionen im Leben, bei denen wir andere beeinflussen und er-
mutigen können. Das kann an unserer Arbeitsstelle sein, bei sozialem Enga-
gement, in der Familie oder der Gemeinde. Wie Ellen White zu einer dieser
Leitungssituationen schreibt, „sollten die Gelübde Davids, wie sie in Psalm
101 verzeichnet sind, die Gelübde aller sein, die Verantwortung für die Ein-
flüsse in ihren Familien tragen.“ (Counsels to Parents, Teachers, and Students,
S. 119)
Wenn wir die Möglichkeit dazu haben, sollten wir bereit sein, ­ diese
Prinzipien denen nahezulegen und ihnen gegenüber zu vertreten, die
­L eitungsfunktionen über uns innehaben. Und jeder von uns hat in seiner Lei-
tungsfunktion und seinem Einflussbereich die Möglichkeit, sich an Davids
Leiterschaftsprinzipien zu halten, damit wir mit ihrer Hilfe anderen ein Segen
sein können.
Der Ausgangspunkt für David ist, Gott für seine Barmherzigkeit und Ge-
rechtigkeit (Ps 101,1) zu ehren. Das wurde die Grundlage für alles, was David
in seiner Regierung zu vertreten suchte. Er wollte dieselben Eigenschaften in
seinem Leben und seiner Arbeit erlernen und praktizieren. Um dies zu tun,
muss er den Versuchungen zu Fehlverhalten, Korruption und Unehrlichkeit
widerstehen, die allesamt besondere Fallen für Menschen in Macht- und Füh-
rungspositionen sind.
Im Wissen um die Bedeutung guter Berater für das rechte Tun verpflich-
tet David sich, vertrauenswürdige Ratgeber auszuwählen und ehrliche Amts-
träger zu ernennen. Gnade und Recht sollten Kennzeichen seiner Regierung
sein, selbst bei denen, die mit ihm und für ihn arbeiteten.

Wir sind vielleicht nicht in einer Position mit Beratern und Amtsträgern, aber
wie können wir unser Leben mit Einflussfaktoren ausstatten, die uns helfen,
mit Gerechtigkeit und Barmherzigkeit für die zu leben und zu leiten (wo wir
können), die es brauchen?

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Dienstag, 23. Juli 4

49
Mittwoch, 24. Juli 4

Mit Gott unterwegs


Je näher wir dem Ende des Buchs der Psalmen kommen, desto lauter und
lauter scheinen die Lobeshymnen zu werden. Die letzten fünf Psalmen be-
ginnen mit dem einfachen und direkten Befehl „Lobe den Herrn!“; aber der
erste von ihnen, Psalm 146, konzentriert sich besonders auf Gottes Fürsorge
für die Armen und Unterdrückten als Hauptgrund für das Lob.

Lies Psalm 146. Welche Botschaft ist hier für uns enthalten? Was sagt
Gott, besonders in Psalm 146,5–9?

So sicher, wie Gott der Schöpfer dieser Welt ist (siehe Ps 146,6), so sicher
beschreibt dieser Psalm Gottes anhaltendes Wirken in der Welt als Richter,
Versorger, Befreier, Heiler, Helfer und Verteidiger – wobei sich alles auf Men-
schen konzentriert, die diese Art von Hilfe konkret benötigen. Es ist eine in-
spirierende Vision dessen, was Gott tut und in unserem Leben, unserer Ge-
sellschaft und unserer Welt tun möchte.
Manchmal sehen wir unser Bemühen um Bedürftige als etwas, das wir tun
müssen, weil Gott es befohlen hat. Aber Psalm 146 sagt, dies ist etwas, das
Gott bereits tut – und wir sind eingeladen, uns ihm anzuschließen. Wenn wir
gegen Armut, Unterdrückung und Krankheit vorgehen, arbeiten wir wahrlich
mit Gott und in seinem Sinn. Welches größere Privileg kann es geben, als
Gottes Partner bei der Erfüllung von etwas so Inspirierendem wie Psalm 146
zu sein?
Aber auch wir haben davon einen Nutzen. Christen sprechen oft über
ihre Suche nach Gott und ihren Wunsch, eine engere Beziehung mit ihm zu
­haben. Verse wie Psalm 146,7–9 und viele andere in der ganzen Bibel weisen
uns jedoch darauf hin, dass ein Weg, Gott zu finden, darin besteht, uns ihm
in dem anzuschließen, was er tut. Wenn er also daran arbeitet, den Armen,
Kranken und Unterdrückten zu helfen, wie Psalm 146 angibt, sollten wir auch
mit ihm zusammenarbeiten. „Christus kam auf diese Erde, um unter den Ar-
men und Leidenden zu leben und zu wirken. Sie erhielten den größten Anteil
seiner Aufmerksamkeit. Auch heute besucht er in Gestalt seiner Kinder die
Armen und Bedürftigen, befreit von Kummer und lindert Leid.
Nimm Leid und Bedürftigkeit weg und wir hätten keine Möglichkeit, die
Gnade und Liebe Gottes zu verstehen, keine Möglichkeit, den mitleidenden,
mitfühlenden himmlischen Vater kennen zu lernen. Nie nimmt das Evange-
lium einen Aspekt größerer Liebenswürdigkeit an, als wenn es in die bedürf-
tigsten und ärmsten Regionen gebracht wird.“ (Ellen White, Testimonies for
the Church, Bd. 7, S. 226)

Wie hast du erlebt, dass wir Gott nahekommen, indem wir für andere da
sind?

50
Mittwoch, 24. Juli 4

51
Donnerstag, 25. Juli 4

Sprüche: Barmherzigkeit für Bedürftige


Als Sammlung von Weisheitssprüchen berührt das Buch der Sprüche eine
Bandbreite von Themen und Lebenserfahrungen. Darunter sind Reflexionen
über Armut, Reichtum, Zufriedenheit, Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit
– und manchmal aus verschiedenen Blickwinkeln. Das Leben ist nicht im-
mer einfach und geradlinig, und die Sprüche machen uns die verschiedenen
Umstände und Entscheidungen bewusst, die Einfluss auf das Leben haben –
selbst bei denen, die Gott treu sind.

Lies und vergleiche Sprüche 10,4; 13,23.25; 14,31; 15,15–16; 19,15.17


und 30,7–9. Was sagen diese Verse in Bezug auf Reichtum, Armut und
Hilfe für Bedürftige?

Die Sprüche betonen die Fürsorge und Aufmerksamkeit, die Gott den Armen
und Verletzlichen widmet. Manchmal sind Menschen aufgrund von Umstän-
den, falschen Entscheidungen oder Ausbeutung arm – aber ungeachtet der
Ursache für ihre Lage wird Gott doch als ihr Schöpfer (siehe Spr 22,2) und
Verteidiger (siehe Spr 22,22–23) beschrieben. Diese Menschen dürfen nicht
unterdrückt oder übervorteilt werden, egal welche Fehler sie gemacht haben.
Auch wenn die Sprüche ein besseres Leben anbieten – wenn man sich
für Weisheit und Gehorsam gegenüber Gott entscheidet –, äußert sich Got-
tes Segen nicht immer in Form von Reichtum. Treue gegenüber Gott wird
immer als wichtiger und letztendlich lohnender beschrieben als materieller
Gewinn: „Besser wenig mit Gerechtigkeit als viel Einkommen mit Unrecht.“
(Spr 16,8)
Ein weiteres Anliegen der Sprüche ist Ehrlichkeit und fairer Umgang in
der Geschäftswelt, der Regierung und der Ausübung des Rechts (siehe Spr
14,5.25; 16,11–13; 17,15; 20,23; 21,28; 28,14–16). Die Sprüche beschäftigen sich
nicht nur mit den Leben Einzelner, sondern bieten auch Einsicht, wie die Ge-
sellschaft als Ganzes zum Wohl aller funktionieren soll, besonders zum Wohl
derer, die Schutz benötigen. Wir werden erneut daran erinnert, dass diejeni-
gen, die regieren und leiten, dies am besten mit Gottes Hilfe tun (­siehe Spr
8,15–16) und als Vertreter von Gottes Gnade und Mitgefühl gegenüber Notlei-
denden handeln sollen.

Jedem fällt es leicht, mit Menschen in schlimmen Umständen Mitleid zu


­haben. Aber wie können wir dieses Gefühl des Bedauerns in Aktion verwan-
deln?

52
Freitag, 26. Juli 4

Weiterführendes Studium:
Lies Ellen White, „Davids letzte Lebensjahre“, S. 727–737 in Wie alles begann,
Krattigen 2016; C. S. Lewis, „Das Gericht in den Psalmen“, in Das Gespräch
mit Gott: Beten mit den Psalmen, Gießen 2016.
„Davids Psalmen enthalten das gesamte Spektrum menschlicher Erfahrung,
von den Tiefen des Schuldbewusstseins und der Selbstverurteilung bis zum
höchsten Glauben und dem ehrwürdigsten Umgang mit Gott. Seine Lebens-
geschichte zeigt, dass Sünde nur Schande und Elend bringt, aber Gottes Lie-
be und Barmherzigkeit ins Innerste des Herzens vorzudringen vermag, dass
der Glaube den schuldbewussten Menschen aufrichtet und ihn in die Familie
der Gotteskinder aufnimmt. Von allen Zusicherungen, die Gottes Wort ent-
hält, ist dies eines der stärksten Zeugnisse für die Treue, die Gerechtigkeit
und den Gnadenbund Gottes.“ (WAB 735)
Bezüglich der Weisheit im Buch der Sprüche: „Vom Einhalten solcher Grund-
regeln hängt es ab, ob sich eine Gesellschaft positiv entwickelt oder entartet.
Sie gelten für Christen und Nichtchristen gleichermaßen, gläubige Menschen
sollten sich ihnen in allem, was sie tun, natürlich besonders verbunden füh-
len. Schließlich haben diese Grundsätze etwas damit zu tun, ob unser Eigen-
tum und Leben sicher ist oder nicht. Sie sind auch die Voraussetzung dafür,
dass man anderen vertrauen und mit ihnen zusammenarbeiten kann. Letztlich
­gehen all diese Regeln auf Gottes Gebote zurück, wie Gott sie in seinem Wort
offenbart und zugleich in unser Herz geschrieben hat, selbst wenn davon heu-
te bei vielen Menschen nur noch wenig zu erkennen ist.“ (E 143)
Fragen für ein Gespräch:
1. Inwiefern würdet ihr euch als Leiter bezeichnen oder als jemand, der
einen gewissen Einfluss hat? Wie könnt ihr in diesem Bereich eures
­L ebens ein Vertreter der Gerechtigkeit sein?
2. Denkt über die Kultur und die sozialen Strukturen, in denen ihr lebt,
nach. Auf welche Weise könnt ihr in dem existierenden System etwas
­bewirken, um das Los von Bedürftigen zu verbessern?
3. Warum sind die Prinzipien Gerechtigkeit und Fairness so wichtig, um eine
starke Gesellschaft aufzubauen?
4. Auch wenn das Buch der Sprüche sich auf Weisheit für gute Lebensgestal-
tung konzentriert: Was sagt es uns darüber, wie Gott ist?
Zusammenfassung:
Die Psalmen und die Sprüche sind zwei Bücher, die besonders auf die Heraus­
forderungen abgestimmt sind, inmitten der allgemeinen Erfahrungen und
Prüfungen des Lebens treu zu leben. Beide bieten Einsichten in Gottes Vision
einer Gesellschaft und in seine besondere Fürsorge für Arme und Unterdrück-
te. Der Schrei der Psalmen und die Weisheit der Sprüche besagen, dass Gott
Notiz nimmt und einschreiten wird, um die zu schützen, die zu oft ignoriert
und ausgebeutet werden. Und wenn Gott so ist, dann sollten auch wir so sein.
Sabbatanfang: 21:17 Uhr Kassel / 20:40 Uhr Wien

53
Mit Gott erlebt
(Inside Story)

Missions-SUV
Andrew McChesney, Adventist Mission
Als Joe Marcellino sein Auto vor seinem Haus im US-Bundesstaat Maryland park-
te, sah er eine Ölspur, die sich die Straße entlang zog bis zu seinem Isuzu Trooper
SUV. „Oh oh“, meinte er zu seiner Frau, „das sieht nicht gut aus!“
Joe, der damals 33 Jahre alt war und als IT-Verantwortlicher bei der General-
konferenz in Silver Spring, Maryland arbeitete, bat einen Freund um Hilfe. Dieser
Freund, Eric Armer, stellte fest, dass Öl am Ölfilter auslief und schätzte die Repa-
ratur des Motors auf über 3000  Dollar. Joe und Susan, die kurz zuvor geheiratet
hatten, hatten genau 3000  Dollar auf der Bank. Aber Joe zögerte, das Geld für
den SUV auszugeben, da das Ehepaar seinen Zehnten, 1500  Dollar für die letzten
drei Monate, noch nicht gezahlt hatte. Susan wollte keine Kompromisse einge-
hen: „Wir müssen zuerst unsere Gaben bringen.“ Das Ehepaar betete darüber
und entschied sich für den Zehnten anstatt für die Autoreparatur.
Eric riet Joe, in der Werkstatt anzurufen, die kurz zuvor das Öl gewechselt
hatte. Die Werkstatt schickte einen Mechaniker, der den Schaden untersuchte.
Anschließend bot die Firma an, die Reparatur kostenlos zu übernehmen. Joe war
sich jedoch nicht sicher, ob er dieser Werkstatt noch vertrauen sollte. Deshalb
nahm er lieber die alternativ angebotenen 3000   Dollar Entschädigung an. Joe
bat seinen Freund Bill, der Kfz-Mechaniker war, das Auto zu reparieren. Als er die
Rechnung dafür erhielt, staunte er: Sie betrug nur 1500   Dollar. Somit hatte die
Entschädigungszahlung von der ursprünglichen Werkstatt für die Reparatur und
den Zehnten gereicht.
Bill empfahl Joe, den SUV schnellstmöglich zu verkaufen, da in Kürze weitere
Reparaturen anstehen könnten. Einige Tage später fragte Wayne Calbi, der für
die Einkäufe der Generalkonferenz zuständig war, ob Joe bereit wäre, seinen SUV
zu verkaufen. Er erklärte: „Ein Missionar in Afrika fragte gezielt nach einem Isuzu
Trooper.“ Joe erzählte Wayne sofort von den Problemen mit dem Wagen, aber
Wayne war bereit, das Risiko einzugehen. Er bezahlte Joe einen fairen Preis und
ließ das Auto nach Afrika verschiffen. Damals hatte der SUV ca. 64.000 km auf
dem Tacho. Nach eineinhalb Jahren berichtete Wayne, dass der Wagen inzwi-
schen 160.000 km gelaufen sei und immer noch fuhr. Noch einem weiteren Jahr
zeigte der Tacho 320.000 km an und schließlich sogar 480.000 km, ohne dass der
Wagen Probleme gemacht hätte. Joe, der heute 61 Jahre alt ist, sagt: „Gott hat
den SUV für den Missionar am Laufen gehalten! Das Auto wurde zu einem jahre-
langen Segen. Ich habe gelernt, dass Gott für uns sorgt, wenn wir ihm treu sind.“

Geliefert vom Büro der Generalkonferenz für Adventist Mission: www.AdventistMission.org

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Lektion 5
Woche vom 27. Juli bis 2. August*

Der Ruf der Propheten

Sabbatnachmittag

Lies für das Studium dieser Woche:


1. Samuel 8,10–18; Amos 5,10–15; Micha 6,8; 1. Mose 19,1–13;
Hesekiel 16,49; Jesaja 1,15–23

Merktext:
„Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir fordert:
nichts als Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem
Gott.“ (Mi 6,8)

Die Propheten des Alten Testaments gehören zu den interessantesten Cha-


rakteren der Bibel. Ihre markanten Stimmen, ihre mutigen Botschaften, ihr
Ausdruck von Trauer, Wut und Zorn und die gelegentliche bildliche Darstel-
lung ihrer Botschaften machten sie zu Menschen, die man nicht ignorieren
konnte, selbst wenn man sich in ihrer Gegenwart nicht immer wohl gefühlt
haben mag.
Sie wurden hauptsächlich nach Israel und Juda gesandt und erinnerten
das auserwählte Volk an seine Berufung in Gott. Die Menschen und ihre Füh-
rer ließen sich zu leicht von den Göttern und dem Lebensstil der sie umge-
benden Völker anstecken. Die undankbare Aufgabe der Propheten bestand
darin, sie zur Buße zu drängen; manchmal, indem sie sie an Gottes Liebe zu
ihnen erinnerten und an das, was er für sie in der Vergangenheit getan hatte,
und manchmal, indem sie sie vor den drohenden Konsequenzen warnten,
wenn sie sich weiterhin von Gott entfernten.
Wie wir auch sehen werden, war eine der größten Sünden und Übel, vor
denen sie die Führer und das Volk warnten, die Unterdrückung der ­Armen,
der Bedürftigen, der Hilflosen in ihren Reihen. Ja, Götzen anbeten war
schlecht; ja, die Praktiken falscher Religionen zu übernehmen war schlecht;
aber die Übervorteilung der Schwachen und Armen war genauso verurtei-
lungswürdig.

* Studiere diese Lektion zur Vorbereitung auf Sabbat, den 3. August.

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Sonntag, 28. Juli 5

Der wiederkehrende Ruf nach Gerechtigkeit


Trotz des klaren detaillierten Plans Gottes für die israelitische Nation erfüllte
das israelitische Volk selten seine Berufung. Nur wenige Generationen später,
nachdem sie sich in dem Land niedergelassen hatten, baten sie Samuel, den
Propheten und Richter, einen König zu ernennen „wie ihn alle Völker haben“
(1 Sam 8,5), der ihr Volk führen sollte.

Lies 1. Samuel 8,10–18. Wovor warnte Samuel das Volk als Reaktion
auf ihre Bitte um einen König?

Samuel erkannte dies als einen Schritt dahingehend, auch in anderen Be-
reichen wie die anderen Völker zu sein. Während Samuel sich bemühte, den
ersten König, Saul, zu beraten, dauerte es nicht lange, bis seine Prophezeiung
Wirklichkeit wurde. Selbst auf der Höhe des Königreiches Israel entgingen
David und Salomo den Versuchungen, der Korruption und den Auswüchsen
ihrer Macht nicht.
Während all der Regierungszeit der Könige von Israel und Juda bestand
eine Reaktion Gottes darin, Propheten zu senden, die seinen Willen verkün-
deten und die Führer Israels und das Volk an ihre gottgegebene Verantwor-
tung für die vergessenen Mitglieder ihrer Gesellschaft erinnerten.
In den Schriften der hebräischen Propheten sehen wir einen anhaltenden
und sich wiederholenden Aufruf, gerecht zu leben und in der Gesellschaft
Recht umzusetzen. Die Propheten, die die Untreue des Volks und seiner Füh-
rer aufzeigten, waren eine regelmäßige und eindringliche Stimme für die,
die keine Stimme hatten, besonders für diejenigen, die dadurch zu Schaden
­kamen, dass Israel nicht Gottes Willen befolgte.
Im Reflektieren über die Leidenschaft der Propheten des Alten Testaments
stellt Abraham Joshua Heschel unserer Selbstgefälligkeit ihre drängende For-
derung nach Gerechtigkeit entgegen: „Was die Propheten entsetzte, ist heu-
te weltweit tägliches Geschehen … Ihre atemlose Ungeduld mit Ungerech-
tigkeit mag uns heute hysterisch vorkommen. Wir sind laufend Zeuge von
Ungerechtigkeit, Demonstrationen von Scheinheiligkeit, Falschheit, Gewalt-
tätigkeit, Elend, aber sind darüber kaum entrüstet oder regen uns darüber
auf. Für die Propheten nimmt selbst eine kleinere Ungerechtigkeit kosmische
Ausmaße an.“ (The Prophets, New York 1962, S. 3–4.)
Diese Propheten geben uns Einblick in das Fühlen und Denken Gottes.
Indem sie für Gott sprechen, können sie uns helfen, die Ungerechtigkeit und
das Leid unserer Welt durch Gottes mit Tränen erfüllte Augen zu sehen. Aber
diese Leidenschaft ist auch eine Aufforderung zum Handeln, mit Gott zusam-
menzuarbeiten, um die Unterdrückung und das Leid der Menschen um uns
herum zu lindern und zu stillen.

Auf welche Weise möchten wir manchmal „wie die anderen Völker“ sein,
und zwar auf eine Art und Weise, die uns und anderen schaden könnte?

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Sonntag, 28. Juli 5

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Montag, 29. Juli 5

Amos
„Ich bin kein Prophet noch ein Prophetenjünger, sondern ich bin ein Rinder-
hirt, der Maulbeerfeigen ritzt. Aber der HERR nahm mich von der Herde und
sprach zu mir: Geh hin und weissage meinem Volk Israel!“ (Am 7,14–15)
Amos gab seine mangelnde Qualifikation für die Aufgabe eines Propheten
ziemlich offen zu, aber als er seine Botschaft dem Volk Israel weitergibt, zeigt
er eine offensichtliche Fähigkeit, seine Hörer in das hineinzuziehen, was er
ihnen sage wollte.
Er beginnt mit einer beliebten Bemerkung, indem er die umliegenden
­Völker aufzählt – Syrien, Phönizien, Edom, Ammon und Moab – und ihre Ver-
brechen, Freveltaten und Grausamkeiten detailliert beschreibt, für die Gott
sie strafen würde (siehe Am1,3–2,3). Man kann sich leicht vorstellen, wie die
Israeliten diesen Anklagen gegen ihre Feinde Beifall zollten, besonders da
viele der Verbrechen dieser Nationen gegen Israel gerichtet waren.
Dann wird Amos etwas direkter, indem er Gottes Gericht gegen das Volk
Juda verkündet, Israels südlichen Nachbarn des nun geteilten Reiches. Amos
spricht im Namen Gottes und verweist auf ihre Ablehnung Gottes, ihren Un-
gehorsam gegenüber seinen Geboten und die Strafen, die sie ereilen würden
(siehe Am 2,4–5). Wieder können wir uns vorstellen, wie die Bewohner des
Nordreiches applaudieren, als Amos das Fehlverhalten derjenigen benennt,
die um sie herum waren.
Aber dann wendet sich Amos seinen Zuhörern zu. Der Rest des Buchs
konzentriert sich auf Israels Übeltaten, Ungerechtigkeit und wiederholtes
Versagen aus Gottes Sicht.

Lies Amos 3,9–11; 4,1–2; 5,10–15 und 8,4–6.


Vor welchen Sünden warnte er?

Obwohl Amos in seiner Sprache nicht diplomatisch ist und seine Warnun-
gen Unheil verkünden, ist seine Botschaft durchzogen von Bitten, zu ihrem
Gott zurückzukehren. Dies würde eine Erneuerung ihres Sinns für Gerechtig-
keit und die Fürsorge für die Armen unter ihnen einschließen: „Setzt euch
… für die Gerechtigkeit ein! Das Recht soll das Land durchströmen wie ein
nie versiegender Fluss.“ (Am 5,24 Hfa) Die letzten Verse der Prophezeiung
von Amos weisen auf eine künftige Wiederherstellung des Volkes Gottes hin
(siehe Am 9,11–15): „Selbst im schlimmsten Abfall und in der größten Not
enthielt Gottes Botschaft für sie Vergebung und Hoffnung.“ (MUO 191)

Gibt es Zeiten, in denen wir harte Worte finden müssen, um Falsches zu kor-
rigieren? Woher wissen wir, wann eine derartige Sprache angebracht sein
könnte?

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Montag, 29. Juli 5

59
Dienstag, 30. Juli 5

Micha
„Man hat dir mitgeteilt, Mensch, was gut ist. Und was fordert der
HERR von dir, als Recht zu üben und Güte zu lieben und bescheiden
zu gehen mit deinem Gott?“ (Mi 6,8 EB) Auf welche Weise kannst du
diese Worte gleich jetzt umsetzen?

Micha 6,8 ist der vielleicht bekannteste Vers der Bibel. Doch wie bei vielen
Versen, die wir zu einem Leitspruch oder „Plakat“ machen, sind wir mit dem
Kontext des Verses vielleicht weniger vertraut als wir uns eigestehen.

Lies Micha 2,8–11 und 3,8–12. Was taten diese Leute, das Micha
­verurteilte?

Während der Regierungszeit von Ahas als König in Juda erreichte Gottes
Volk einen neuen Tiefpunkt in der Geschichte und geistlichen Ausrichtung
der Nation. Götzendienst und dessen vielfältige schlimme Praktiken nahmen
zu. Gleichzeitig wurden die Armen weiterhin ausgebeutet und ausgenutzt,
wie andere Propheten in dieser Zeit auch anmerkten.
Micha war nicht weniger Untergangsprophet als seine Zeitgenossen. Der
Großteil der ersten drei Kapitel drückt Gottes Zorn und Trauer über das
Schlimme aus, das sein Volk getan hatte, sowie den Untergang, auf den es
zusteuerte.
Aber Gott hatte sein Volk nicht aufgegeben. Selbst die scharfen Aussagen
und harten Botschaften der Propheten waren ein Zeichen für Gottes anhal-
tendes Interesse an seinem Volk. Gott warnte es, weil er es liebte und sich
um es sorgte. Er sehnte sich danach, ihm zu vergeben und es wiederherzu-
stellen. Er würde nicht auf immer zornig bleiben (siehe Mi 7,18–20).
Das ist der Kontext der bekannten „Formel“ – gerecht handeln, Güte lie-
ben, demütig leben. Das mag einfach klingen, aber einen derartigen Glau-
ben praktisch auszuleben ist sehr viel herausfordernder, besonders wenn es
anscheinend nicht mit der umgebenden Gesellschaft konform geht. Wenn
andere von Ungerechtigkeit profitieren, über Mitleid spotten und sich hoch-
mütig geben, erfordert gerecht zu handeln, Barmherzigkeit zu lieben, und
demütig zu leben Mut und Ausdauer. Und doch tun wir dies nicht allein;
wenn wir uns so verhalten, sind wir mit unserem Gott unterwegs.

Welche Verbindung besteht zwischen gerecht handeln, Barmherzigkeit lie-


ben und demütig vor Gott leben?

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Dienstag, 30. Juli 5

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Mittwoch, 31. Juli 5

Hesekiel
Würde man eine Gruppe Christen nach den „Sünden Sodoms“ fragen, wür-
den wahrscheinlich viele anfangen, dessen diverse sexuelle Sünden und an-
dere Formen von Verdorbenheit zu beschreiben. Schließlich zeigt 1. Mose
19,1–13 eine kranke und verdrehte Gesellschaft, die überreif für die Vernich-
tung ist.
Doch interessanterweise ist die Antwort komplexer. Sieh dir Hesekiels Be-
schreibung an: „Die Schuld deiner Schwester Sodom war, dass sie mit ihren
Töchtern in Hochmut, Überfluss und sorgloser Ruhe lebte, ohne den Armen
und Bedürftigen beizustehen.“ (Hes 16,49 NLB) Auch wenn Gott sicher die
anderen Formen der Verdorbenheit, die in der Stadt zu finden waren, nicht
übersehen hat, lag der Fokus von Hesekiel hier auf wirtschaftlicher Unge-
rechtigkeit und fehlender Fürsorge für Bedürftige.
Kann es sein, dass wirtschaftliche Sünden in den Augen Gottes genauso
schlimm sind wie sexuelle?
Die frühen Prophezeiungen von Hesekiel, der nach der Zeit von Amos,
Micha und Jesaja auftrat, enthielten eine ähnliche Warnung vor der kom-
menden Vernichtung. Doch nachdem Jerusalem an die Babylonier fällt und
dessen Einwohner gefangen genommen werden, richtet sich der Fokus von
Hesekiel noch stärker auf Gottes Verheißung der Wiederherstellung.

Lies Hesekiel 34,2–4.7–16. Vergleiche Gottes Einschätzung der kor-


rupten Führer Israels mit seinem eigenen Hirtendienst. Welcher
Gegensatz besteht zwischen dem, wie sie die schwächsten „Schafe“
behandeln, und Gottes Methode?

Obwohl sie so schlecht waren, dass sie sogar mit Sodom verglichen wurden,
streckte sich Gott dennoch nach ihnen aus in der Hoffnung, dass sie sich
von ihrer Boshaftigkeit abwandten. In Gottes erneuertem Plan für sein Volk
würde dieses wieder in seinem Land sein, Jerusalem würde wiederherge-
stellt und der Tempel wieder aufgebaut werden. Die Feste, die Gott eingesetzt
hatte, würden wieder gefeiert werden, und das Land würde wieder gerecht
unter dem Volk als sein Erbe aufgeteilt werden (siehe Hes 47,13–48,29). Es
scheint offensichtlich Gottes Absicht gewesen zu sein, seinen Plan mit sei-
nem Volk – wie er zuerst Mose und dem Volk Israel nach seiner Rettung aus
Ägypten gegeben worden war – mit der Rückkehr von Gottes Volk aus der
Gefangenschaft neu aufzulegen. Dies schloss die Fürsorge für die schwächs-
ten Mitglieder der Gesellschaft genauso ein wie für die, die man als Außen-
seiter ansehen könnte.

Wie wichtig ist es dir, dass unser Gott ein Gott ist, der mehr als nur eine zwei-
te Chance bietet – sogar seinem Volk, das in die Irre gelaufen ist, obwohl es
bessere Entscheidungen hätte treffen können?

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Mittwoch, 31. Juli 5

63
Donnerstag, 1. August 5

Jesaja
Lies Jesaja 1,15–23; 3,13–15 und 5,7–8. Wie würdest du die Reaktion
des Propheten auf das beschreiben, was er in der Gesellschaft um
sich herum beobachtet?

Jesajas einleitende Predigt – die ersten fünf Kapitel – sind eine Mischung aus
vernichtender Kritik an der Art von Gesellschaft, zu der Gottes Volk gewor-
den war, Warnung vor drohendem Gericht als Reaktion auf ihre Ablehnung
Gottes sowie ihr anhaltendes Fehlverhalten, und Angebote von Hoffnung,
wenn das Volk zu Gott zurückkehren und Leben und Gesellschaft reformie-
ren würde. Aber die vielleicht stärkste Emotion, die durch seine Worte ver-
mittelt wird, ist Trauer. Aufgrund seines Verständnisses davon, wie Gott ist
und was er sich für sein Volk wünscht, beklagt der Prophet, was verloren ge-
gangen ist, die zahllosen vergessenen Menschen, denen Leid zugefügt wird
und das Gericht, das über das Volk kommen wird.
Jesaja hielt an diesem Muster während seines ganzen prophetischen
Dienstes fest. Er fordert die Menschen auf, sich an das zu erinnern, was Gott
für sie getan hat. Er bietet diesen Menschen auch die Hoffnung auf das an,
was Gott für sie in der Zukunft tun will. Deshalb sollen sie den Herrn jetzt
suchen, denn diese erneuerte Beziehung zu ihm würde Reue über ihr gegen-
wärtiges Fehlverhaltens einschließen und eine Änderung dessen, wie sie an-
dere behandeln.
In den Kapiteln 58 und 59 kehrt Jesaja gezielt zu der Frage nach Gerechtig-
keit zurück. Er beschreibt erneut die Gesellschaft so: „Von Recht und Gerech-
tigkeit ist nichts mehr bei uns zu finden. Ehrlichkeit und Redlichkeit sind auf
dem Marktplatz nicht mehr gefragt.“ (Jes 59,14 GNB). Aber er bekräftigt auch,
dass Gott dies bewusst ist und dass Gott sein Volk retten würde: Es „wird ein
Erlöser kommen“ (Jes 59,20).
Im ganzen Buch Jesaja ist ein bedeutender Teil der Aufmerksamkeit des
Propheten auf die Verkündigung des kommenden Messias gerichtet, auf den,
der letztendlich Gottes Herrschaft auf der Erde wieder errichten und Gerech-
tigkeit, Gnade, Heilung und Wiederherstellung bringen würde.

Lies Jesaja 9,6–7; 11,1–5; 42,1–7 und 53,4–6. Wie passen diese Prophezeiun-
gen zu dem, was du vom Leben, Dienst und Sterben Jesu weißt? Worauf deu-
ten diese Prophezeiungen als Zweck seines Kommens in diese Welt hin? 

64
Freitag, 2. August 5

Weiterführendes Studium:
Lies Ellen White, „Assyrien vernichtet das Nordreich“, S. 189–197 und „Jesajas
Berufung zum Propheten“, S. 206–210 in Macht und Ohnmacht, Krattigen
2016.

„Die auffallende Unterdrückung, die schändliche Ungerechtigkeit, der unge-


wöhnliche Luxus und die Verschwendungssucht, die schamlose Schwelgerei
und Trunksucht, die grobe Sittenlosigkeit und die Ausschweifungen dieser Zeit
wurden von den Propheten angeprangert – doch leider umsonst.“ (MUO 191)
„Besonders entmutigend waren [für Jesaja] die sozialen Verhältnisse im
Volk. Aus purer Gewinnsucht eigneten sich manche Menschen Häuser und
Grundstücke an (vgl. Jesaja 5,8). Sie beugten das Recht und hatten kein Mit-
leid mit den Armen … Sogar die Beamten, deren Pflicht es war, die Hilflosen
zu schützen, hatten nur taube Ohren für die Schreie der Armen und Notlei-
denden, der Witwen und Waisen (vgl. Jesaja 10,1.2) … Angesichts solcher
Verhältnisse überrascht es nicht, dass Jesaja vor der Verantwortung zurück-
schreckte, als er im letzten Jahr der Regierung von Usija dazu berufen wur-
de, Gottes Warnungen und Tadel in Juda zu verkündigen. Er wusste genau,
dass er auf hartnäckigen Widerstand stoßen würde.“ (MUO 208)
„In diesen klaren Worten der Propheten … sollten wir alle Gottes Stimme
erkennen. Bei jeder sich bietenden Gelegenheit sollten wir Beladenen und
Unterdrückten Barmherzigkeit, mitfühlende Fürsorge und christliche Höf-
lichkeit erweisen.“ (MUO 221)

Fragen für ein Gespräch:


1. Wir verstehen die Aufgabe der Prophetie oft als Vorhersage der Zukunft.
Wie verändert die Wahrnehmung, dass die Propheten des Alten Testa-
ments sich auf die Welt, in der sie lebten, konzentrierten, euer Verständnis
von der Aufgabe eines Propheten?
2. Leben und Botschaft der Propheten zeigen, wie schwierig und gefährlich
es sein kann, sich für die Wahrheit einzusetzen. Was glaubt ihr, warum sie
das taten, was sie taten und so sprachen, wie sie es taten?
3. In den Schriften der Propheten scheint Gott abwechselnd zornig zu sein
und tiefe Sorge um sein Volk auszudrücken. Wie bringt ihr diese beiden
Aspekte von Gottes Charakter zusammen?

Zusammenfassung:
Die alttestamentlichen Propheten waren ihrem Volk gegenüber leidenschaft-
liche und oft aufgebrachte und empörte Verteidiger des Weges und Willens
Gottes. Da sie die Besorgnis, die Gott zum Ausdruck brachte, widerspiegel-
ten, beinhaltete diese Leidenschaft ein starkes Interesse an Gerechtigkeit
gegenüber Armen und Unterdrückten. Die Aufforderung der Propheten, zu
Gott zurückzukehren, schloss mit ein, der Ungerechtigkeit ein Ende zu be-
reiten – etwas, das Gott in seiner Vision einer besseren Zukunft für sein Volk
auch zu tun verheißen hatte.
Sabbatanfang: 21:07 Uhr Kassel / 20:31 Uhr Wien

65
Mit Gott erlebt
(Inside Story)

Rache und Vergebung


Andrew McChesney, Adventist Mission
Der 21-jährige Wilder schwang die Machete über seinem Kopf. Seine Augen blit-
zen zornig, als er damit auf den Hals seines Stiefvaters zielte. In diesem Moment
hob sein Stiefvater Alberto Rui Quaresma den Arm und die Klinge hinterließ eine
tiefe Wunde in seinem Unterarm.
Obwohl Wilder seinen Stiefvater im Streit angegriffen hatte, wurde er nicht
verhaftet, weil sein biologischer Vater seine Verbindungen spielen ließ.
Alberto wurde ins Krankenhaus in São Tomé, der Hauptstadt des Inselstaats
São Tomé und Príncipe vor der Küste Westafrikas, gebracht. Die Ärzte setzten
eine Metallplatte in seinen Arm ein. Wütend plante Alberto Rache. Er würde sich
eine Machete besorgen und Wilders Arm ebenfalls aufschlitzen.
Während seines Krankenhausaufenthalts fiel Alberto eine Frau namens Maria
Rita auf, die ihren Bruder jeden Tag besuchte, der nach einem Motorradunfall
mit ihm in einem Zimmer lag. Er bewunderte ihre Freundlichkeit und sagte eines
Tages zu ihr: „Ich habe mich in dich verliebt.“ Maria erwiderte: „Ich will keinen
Ehemann. Am besten sollte man alle Männer verbrennen!“
Ihre Reaktion überraschte Alberto, bis er erfuhr, dass sie aufgrund einer ver-
gangenen Beziehung so verletzt war. Das konnte er verstehen. Mit seinen 44 Jah-
ren hatte er mit drei Frauen zusammengelebt, und der Sohn seiner letzten hatte
versucht, ihn zu töten. Maria wollte nicht weiter über das Thema Ehe ­diskutieren
und sprach deshalb über Gott: „Gott ist Liebe und Gott kann Leben verändern
und uns zu einer neuen Schöpfung machen. Gott wird dir helfen zu vergessen,
was geschah. Und er wird dir helfen, dem Jungen zu vergeben.“
Nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus begegnete Alberto Maria Rita
gelegentlich auf der Straße. Eines Tages lud sie ihn ein, eine 40-tägige Veranstal-
tungsreihe in ihrer Adventgemeinde zu besuchen. Alberto war von dem, was er
dort erfuhr, fasziniert. Fünf Monate später ließ er sich taufen. Einige Zeit später
machte er Maria Rita einen Heiratsantrag. Sie willigte ein.
Heute ist Alberto 50 Jahre alt und arbeitet als Vorarbeiter in einer Zement­
fabrik. Er ist außerdem Schatzmeister und Gesprächsleiter in seiner Ortsgemein-
de. Er betet um eine Gelegenheit, Wilder zu erzählen, wie Gott sein Leben ver-
änderte. Manchmal begegnen sich die beiden auf der Straße und grüßen sich.
Alberto lacht, wenn er daran denkt, dass Wilder ihn das letzte Mal, als sie rich-
tig miteinander gesprochen haben, töten wollte. Er sagt: „Ich habe keine Angst,
denn Gott ist bei mir.“

Geliefert vom Büro der Generalkonferenz für Adventist Mission: www.AdventistMission.org

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Lektion 6
Woche vom 3. bis 9. August*

Den Schöpfer
anbeten

Sabbatnachmittag

Lies für das Studium dieser Woche:


Psalm 115,1–8; 5. Mose 10,17–22; Psalm 101,1; Jesaja 1,10–17; 58;
Markus 12,38–40

Merktext:
„Ist nicht das ein Fasten, an dem ich Gefallen habe: Lass los, die du mit Un-
recht gebunden hast, lass ledig, auf die du das Joch gelegt hast! Gib frei, die
du bedrückst, reiß jedes Joch weg! Heißt das nicht: Brich dem Hungrigen
dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du
einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und
Blut!“ (Jes 58,6–7)

Selbst ein rasches Überfliegen der Propheten im Alten Testament macht uns
auf ihre Besorgnis über die schlechte Behandlung Armer und Unterdrückter
aufmerksam. Die Propheten und Gott, für den sie sprechen, waren zornig
über die Handlungsweisen, die sie in all den umliegenden Völkern sahen
(siehe z. B. Amos 1 und 2). Aber sie verspürten auch besonderen Zorn und
Schmerz über die ungerechten Taten, die durch Gottes Volk selbst erfolgten
– durch diejenigen, die Empfänger so vieler göttlicher Segnungen waren.
Angesichts ihrer Vergangenheit wie auch ihrer von Gott gegebenen Gesetze
sollten es diese Menschen besser gewusst haben. Leider war das nicht im-
mer der Fall, und die Propheten hatten viel über diesen traurigen Zustand zu
sagen.
Interessant ist auch festzustellen, dass viele der bekanntesten Aussagen
der alttestamentlichen Propheten bezüglich Gerechtigkeit und Ungerechtig-
keit direkt im Zusammenhang mit Anweisungen über Anbetung erfolgen. Wie
wir sehen werden, ist echte Anbetung nicht nur etwas, das während eines
religiösen Rituals geschieht. Echte Anbetung dreht sich auch darum, ein Le-
ben zu führen, das Gottes Sorge für das Wohlergehen der anderen teilt und
danach strebt, diejenigen aufzurichten, die geschunden und vergessen sind.
* Studiere diese Lektion zur Vorbereitung auf Sabbat, den 10. August.

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Sonntag, 4. August 6

Götzendienst und Unterdrückung


Kurz nachdem Gott das Volk Israel aus Ägypten herausgeführt hatte, begeg-
nete er ihm am Berg Sinai, wo er ihm die Zehn Gebote in schriftlicher Form
gab – einschließlich der ersten beiden Gebote, keine anderen Götter anzu-
beten und sich keine Götzen zu machen (siehe 2 Mo 20,2–6). Im Gegenzug
reagierte das Volk mit dem Versprechen, alles, was ihm geboten worden war,
zu tun und als sein Volk zu leben (siehe 2 Mo 24,1–13).
Aber dann war Mose fast sechs Wochen lang auf dem Berg und die Men-
schen fragten sich, was wohl aus ihm geworden war. Unter dem Druck der
Menge fertigte Aaron ein goldenes Kalb an und ließ die Menschen vor ihm
Opfer bringen. „Danach setzte sich das Volk, um zu essen und zu trinken,
und sie standen auf, um ihre Lust zu treiben.“ (2 Mo 32,6) Sowohl Gott als
auch Mose waren entsetzt darüber, wie schnell sich die Menschen von Gott
abgewandt hatten, um einen Götzen anzubeten – und es scheint, als wäre es
nur Moses Fürsprache gewesen, die Israel vor seiner verdienten Strafe rettete
(siehe 2 Mo 32,30–34).
Götzendienst war jedoch eine Versuchung, der Gottes Volk viel zu oft
nachgab. Die Geschichte der Könige von Israel und Juda ist durchsetzt
mit Perioden des Götzendienstes einschließlich ungeheuerlicher Taten, zu
denen manche der Könige ihr Volk in der Verehrung dieser Götzen anleite-
ten. Derartige Treulosigkeit war wiederholtes Thema für die Propheten, die
Gott sandte, um sein Volk zu sich zurückzurufen. Oft waren unter diesen
Aufrufen zu Erneuerung und Reformation auch Aufforderungen, die Armen,
­Bedürftigen und Hilflosen in ihrer Mitte besser zu behandeln.

Lies Psalm 115,1–8. Welche wichtige Aussage machte der Autor hier?

Wir Menschen neigen dazu, uns der Sache oder Person anzugleichen, die
wir verehren und auf die wir uns konzentrieren. So war es nur natürlich, dass
sich das Interesse am Mitmenschen und an Gerechtigkeit verringerte, als
Gottes Volk sich von der Anbetung des Gottes der Gerechtigkeit ab- und der
Anbetung der falschen Götter der umliegenden Nationen zuwandte, die oft
als Kriegs- oder Fruchtbarkeitswesen dargestellt wurden. Wenn das Volk sich
andere Götter wählte, veränderte es seine Einstellung zu vielem, einschließ-
lich dem, wie es andere behandelte. Wären sie dem Herrn treu geblieben,
hätten sie seine Sorge um die Bedürftigen unter ihnen geteilt.

Beschäftige dich intensiver mit dem Gedanken, dass wir dem ähnlich wer-
den, was wir verehren. Welche Erscheinungsformen dieses Prinzips sehen
wir heutzutage?

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Sonntag, 4. August 6

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Montag, 5. August 6

Ein Grund anzubeten


In der ganzen Bibel wird Gottes Volk aufgerufen, Gott anzubeten, aber uns
werden auch wiederholt Gründe dafür genannt. Wir werden aufgefordert,
Gott anzubeten aufgrund dessen, wer er ist, was er getan hat und wegen sei-
ner vielen Eigenschaften. Darunter sind Güte, Gerechtigkeit und Barmherzig-
keit. Wenn wir daran erinnert werden, wie Gott ist, was er für uns getan hat
(besonders durch Christus am Kreuz) und was er zu tun verheißt, sollte kei-
ner von uns jemals erst einen Grund suchen müssen, Gott anzubeten und zu
loben.

Lies 5. Mose 10,17–22; Psalm 101,1; 146,5–10; Jesaja 5,16; 61,11.


Welche Motivation, Gott anzubeten und zu loben ist in diesen Versen
angeführt?

Derartige Gründe für die Anbetung waren Gottes Volk nicht neu. Einige
der begeistertsten Anbetungszeiten der kürzlich befreiten Israeliten fanden
als Reaktion auf das offensichtliche Eingreifen Gottes zu ihrem Wohl statt.
Nachdem sie zum Beispiel aus Ägypten herausgeführt worden waren und
das Rote Meer durchquert hatten, führten Mose und Miriam das Volk im Lob-
gesang für Gott angesichts dessen an, was sie kürzlich gesehen hatten und
wovor sie gerettet worden waren (siehe 2 Mo 15).
Gottes Gerechtigkeit und Erbarmen, die sich in solchen Ereignissen zeig-
ten, sollten nicht vergessen werden. Weil die Menschen diese Ereignisse
durch regelmäßiges Erzählen lebendig hielten, blieben die Taten und die
Gerechtigkeit Gottes noch Jahre später und für nachfolgende Generationen
eine Inspiration für ihre Anbetung. Ein Beispiel dieses Immer-wieder-Erzäh-
lens und der Anbetung ist in 5. Mose 10,17–22 festgehalten.
Gottes Gerechtigkeit ist erstens schlicht und ergreifend Teil dessen, wer er
ist, ein Hauptbestandteil seines grundlegenden Charakters: „Gott begeht kein
Unrecht, das ist unvorstellbar! Der Allmächtige beugt niemals das Recht!“
(Hiob 34,12 Hfa) Gott ist gerecht und ihm ist Gerechtigkeit wichtig – und das
ist ein Grund, ihn anzubeten und zu loben.
Zweitens zeigt sich Gottes Gerechtigkeit in seinen gerechten und recht-
schaffenen Taten für sein Volk und all jene, die arm und unterdrückt sind.
Seine Gerechtigkeit ist niemals nur eine Charakterbeschreibung. Vielmehr
zeigt die Bibel einen Gott, der „das Schreien der Elenden hörte“ (Hiob 34,28)
und aktiv und bestrebt ist, die Ungerechtigkeiten zu beseitigen, die in unse-
rer Welt so offen zu Tage treten. Dies wird sich schließlich in Gottes letztem
Gericht und seiner Neuschaffung der Welt umfassend zeigen.

Wenn das frühere Israel Gründe hatte, Gott zu loben, wie viel mehr Gründe
haben wir – nach dem Kreuz – ihn zu loben?

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Montag, 5. August 6

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Dienstag, 6. August 6

Religiöse Unterdrücker
Während der besseren Zeiten der Reiche Israel und Juda kehrten die Men-
schen zum Tempel und zur Anbetung Gottes zurück, obwohl selbst dann
ihre Anbetung oft mit Einflüssen von Götzendienst und Einflüssen der Reli-
gionen der umliegenden Völker vermischt war. Aber laut den Propheten wa-
ren selbst ihre besten religiösen Versuche nicht ausreichend, um sie von dem
Bösen abzuhalten, das das Land im alltäglichen Leben durchzog. Und ganz
gleich, wie sehr sie daran arbeiteten, durch ihre Anbetungsrituale religiös zu
sein, der Klang ihrer Choräle konnte die Schreie der Armen und Unterdrück-
ten nicht übertönen.
Amos beschrieb seine Zeitgenossen als welche, die „die Armen unter-
drückt und die Elenden im Lande zugrunde [ge]richtet“ haben (Am 8,4). Er
sah ihr Bestreben, ihre Rituale hinter sich zu bringen, damit sie den Markt
wieder öffnen und zu ihren unehrlichen Geschäften zurückkehren könnten,
„um die Geringen für Geld und den Armen wegen eines Paares Schuhe zu
kaufen“ (Am 8,6 EB).

Lies Jesaja 1,10–17; Amos 5,21–24 und Micha 6,6–8. Was sagte Gott
diesen religiösen Menschen über ihre Rituale?

Gott benutzte durch seine Propheten eine derbe Ausdrucksweise, um Reli-


gion und Anbetung zu verspotten, die keine Verbindung zum Leid und der
Unterdrückung der Mitmenschen hatten und im Widerspruch dazu standen.
In Amos 5,21–24 lesen wir, dass Gott sagte, er „hasse“ und „verachte“ und ver-
abscheue ganz allgemein ihren Gottesdienst. Ihre Versammlungen werden
als „Gestank“ beschrieben und ihre Opfer und ihre Musik noch geringer als
wertlos zurückgewiesen.
In Micha 6 sehen wir eine Reihe zunehmend übertriebener, sogar spötti-
scher Vorschläge, wie sie am passendsten Gott anbeten könnten. Der Pro-
phet schlägt sarkastisch Brandopfer vor, steigert das Opfer dann auf „Tausen-
de von Schafböcken und ganze Ströme von Olivenöl“ (Mi 6,7 Hfa), um dann
das entsetzliche – aber nicht unbekannte – Extrem des Opferns des erstgebo-
renen Kinds vorzuschlagen, um Gottes Gunst und Vergebung zu erringen.
Doch was Gott letzten Endes wirklich von den Menschen erwartete, war
„Recht zu üben und Güte zu lieben und bescheiden zu gehen mit deinem
Gott“ (Mi 6,8 EB).

Hast du dich schon einmal dabei ertappt, dass dir religiöse Formen und
­Rituale wichtiger waren als die Hilfe für Bedürftige in deiner unmittelbaren
Umgebung? Was hast du daraus gelernt?

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Dienstag, 6. August 6

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Mittwoch, 7. August 6

Eine Weg der Anbetung


In ihrer Erklärung der Beziehung zwischen Anbetung und Gerechtigkeit gibt
es einen weiteren Schritt, zu dem die Propheten aufriefen: Dass die aktive
Sorge um die Unterstützung der Armen und Unterdrückten und die Hilfe für
die Bedürftigen ein wichtiger Teil der Anbetung selbst ist. Jesaja 58 ist ein
Kapitel, das diese Verbindung aufzeigt.

Lies Jesaja 58. Was ist in der Beziehung zwischen Gott und seinem
Volk laut dem Anfang des Kapitels falsch gelaufen?

Wie wir bereits gesehen haben, richtet sich diese Kritik an Menschen, die
religiös aktiv sind. Sie scheinen Gott ernsthaft zu suchen, aber offensichtlich
funktioniert es nicht. Deshalb sagt Gott, dass sie versuchen sollten zu än-
dern, wie sie anbeten, um einen anderen Weg zu versuchen, Gott zu dienen.
Wenn er die Wahl hätte, wie sie ihn anbeten, sollte dies so geschehen: „Lass
los, die du mit Unrecht gebunden hast, lass ledig, auf die du das Joch gelegt
hast! Gib frei, die du bedrückst, reiß jedes Joch weg!“ (Jes 58,6) Sie sollten
auch Hungrige speisen, Obdachlosen Unterkunft geben und Bedürftigen hel-
fen.
Derartige Aktivitäten werden nicht als einzige Möglichkeit der Anbetung
dargestellt, aber Gott empfiehlt sie als einen Weg der Anbetung – eine Form
der Anbetung, die einigen der traditionelleren Anbetungspraktiken vorzuzie-
hen sein könnte. Anbetung an sich ist nicht nach innen gerichtet, sondern et-
was, das allen in der Umgebung der Anbeter Gottes Segen bringt. „Der wahre
Zweck von Religion liegt darin, Menschen von ihrer Sündenlast zu befreien,
Intoleranz und Unterdrückung zu eliminieren und Gerechtigkeit, Freiheit und
Friede zu fördern.“ (The SDA Bible Commentary, Bd. 4, S. 306.)
In Jesaja 58,8–12 verspricht Gott Segen als Reaktion auf diese Form der
Anbetung. Im Prinzip sagt Gott, dass, wenn die Menschen weniger auf sich
selbst fokussiert wären, sie feststellen würden, dass Gott mit ihnen und durch
sie wirkt, um Heilung und Wiederherstellung herbeizuführen.
Interessanterweise verbindet dieses Kapitel diese Art von Anbetung auch
mit einer Erneuerung des „wonnevollen“ Sabbathaltens. Wir haben uns be-
reits mit einigen der starken Verbindungen zwischen Sabbat und Dienen
beschäftigt, aber diese Verse beinhalten beide Aktivitäten in dieser Auffor-
derung an die Menschen, ihre Anbetung neu zu beleben und Gottes Segen
zu entdecken. Im Nachdenken über diese Verse schrieb Ellen White: „Auf
denen, die den Sabbat des Herrn halten, liegt die Verantwortung, ein Werk
der Barmherzigkeit und Fürsorge zu tun.“ (Welfare Ministry, S. 121)

74
Mittwoch, 7. August 6

75
Donnerstag, 8. August 6

Barmherzigkeit und Treue


Als Jesus von einigen religiösen Führern seiner Zeit angegriffen wurde, die
ihn dafür kritisierten, mit „Sündern“ zu essen, zitierte er den Prophet Hosea
und sagte ihnen, sie sollten zu ihren Büchern zurückkehren und herausfin-
den, was Gott wirklich gemeint hatte, als er sagte: „Barmherzigkeit will ich
und nicht Opfer.“ (Mt 9,13 als Zitat von Hos 6,6)
Wie wir sehen werden, führte Jesus ein Leben der Fürsorge und des
Dienstes. Sein Umgang mit anderen, seine Heilungswunder und viele seiner
Gleichnisse zeigten und drangen darauf, dass ein so geführtes Leben die bes-
te Möglichkeit ist, echte Hingabe an Gott auszudrücken. Die religiösen Füh-
rer waren seine größten Kritiker, aber auch Ziel seiner härtesten Kritik. Wie
die frommen Menschen zur Zeit Jesajas glaubten sie, dass sie ihre besondere
Beziehung zu Gott durch ihre religiösen Praktiken gesichert hätten, während
sie gleichzeitig die Armen ausbeuteten und die Bedürftigen ignorierten. Ihre
Anbetung stimmte nicht mit ihren Taten überein, und Jesus war nicht zurück-
haltend in seiner Verurteilung einer derartigen Scheinheiligkeit.

Lies Markus 12,38–40. Scheint Jesu Bemerkung, dass sie „die Häuser
der Witwen fressen“ (SLT) in dieser Aufzählung fehl am Platz oder
ist das der Punkt, auf den Jesus hinauswollte? Wie würdest du erklä-
ren, warum sie „ein umso härteres Urteil empfangen“ werden?

Die vermutlich erschreckendste Predigt von Jesus – besonders für religiöse


Menschen – findet sich in Matthäus 23. Jesus beschrieb ihre Religion nicht
nur als unterlassene Hilfeleistung für Menschen, die im Leben benachteiligt
sind, er betrachtete eine derartige Frömmigkeit sogar als Zusatzbelastung für
diese Menschen. Durch ihre Taten und manchmal fehlenden Taten und man-
gelnde Fürsorge versperren sie laut Jesus „anderen den Zugang zu Gottes
himmlischem Reich“ (Mt 23,13 Hfa).
Aber im Wiederhall der Propheten früherer Jahrhunderte sprach Jesus
auch direkt die Kluft zwischen ihren ernsthaften religiösen Praktiken und
den Ungerechtigkeiten an, die sie stillschweigend duldeten und von denen
sie profitierten. „Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die
ihr den Zehnten gebt von Minze, Dill und Kümmel und lasst das Wichtigs-
te im Gesetz beiseite, nämlich das Recht, die Barmherzigkeit und den Glau-
ben!“ (Mt 23,23) Jesus fügte rasch an, dass die religiösen Praktiken und das
Befolgen der Regeln nicht an sich schlecht sind, sondern dass sie die faire
Behandlung anderer Menschen nicht ersetzen sollten.

Wie können wir die Falle vermeiden, zu denken, dass es ausreicht, die Wahr-
heit zu haben und zu kennen?

76
Freitag, 9. August 6

Weiterführendes Studium:
Ellen White, „Isaiah 58 – A Divine Prescription“, S. 29–34 in Welfare Ministry;
„Weh euch Schriftgelehrten und Pharisäern ...“, S. 590–601 in Sieg der Liebe,
Krattigen 2016.

„Der Prophet hob den Wert der praktischen Frömmigkeit hervor und wieder-
holte damit nur einen uralten Rat … Gottes Diener warnten immer wieder
vor der Gefahr, in gewohnheitsmäßigen Formalismus zu verfallen und die
Barmherzigkeit zu vergessen.“ (MUO 221)
„Ich wurde angewiesen, unser Volk auf das 58. Kapitel des Buchs ­Jesaja
hinzuweisen. Lest dieses Kapitel sorgfältig und versteht, welche Art von
Dienst Leben in die Gemeinde bringt. Das Werk des Evangeliums soll durch
unsere Großzügigkeit wie durch unsere Arbeit getragen sein. Wenn ihr
­leidenden Menschen begegnet, die Hilfe brauchen, helft ihnen. Wenn ihr
­welche findet, die hungrig sind, gebt ihnen zu essen. Wenn ihr das tut, arbei-
tet ihr entsprechend dem Dienst Christi. Das heilige Werk des Meisters war
ein mildtätiges Werk. Unser Volk soll überall ermutigt werden, daran teilzu­
haben.“ (Ellen White, Welfare Ministry, S. 29)

Fragen für ein Gespräch:


1. Habt ihr das Ausüben von Gerechtigkeit und liebevoller Barmherzigkeit
jemals als Anbetung angesehen? Wie könnte dies eure Herangehensweise
an Fürsorge für andere verändern? Wie könnte es eure Sicht auf Anbe-
tung verändern?
2. Wie können wir uns davor schützen, die wichtigeren Dinge des Gesetzes
(vgl. Mt 23,23) in unserem Leben als Christen zu vernachlässigen – so-
wohl privat als auch als Gemeinde? Findet ihr Beispiele in eurem eigenen
Leben, wo ihr vielleicht „Mücken aus[ge]siebt, aber Kamele verschluckt“
(Mt 23,24) habt?
3. Warum wird Scheinheiligkeit als schwere Sünde angesehen? Ist es nicht
besser, wenigstens den Eindruck zu erwecken, als würden wir Gutes tun?
4. Inwiefern verändert Gottes Vision und Leidenschaft für die Armen und
Bedürftigen, wie sie durch die Propheten dargestellt wurden, eure Welt-
sicht? Inwiefern lest oder hört ihr vielleicht die Lokalnachrichten anders,
wenn ihr sie mit den Augen eines Propheten seht und mit seinen Ohren
hört?

Zusammenfassung:
Während sich die Propheten mit dem Bösen im Land beschäftigten, konzen-
trierten sie sich besonders auf das Schlimme, das von Menschen begangen
wurde, die behaupteten, zu Gott zu gehören und ihn anzubeten. Für die Pro-
pheten wie für Jesus ist Anbetung nicht vereinbar mit Ungerechtigkeit; eine
derartige Frömmigkeit ist Heuchelei. Echte Anbetung, die Gott möchte, be-
inhaltet Einsatz gegen Unterdrückung und Fürsorge für Arme und Bedürftige.

Sabbatanfang: 20:54 Uhr Kassel / 20:20 Uhr Wien

77
Mit Gott erlebt
(Inside Story)

Träume von Jesus


Andrew McChesney, Adventist Mission
Susumu Kanai aus Osaka, Japan, hatte seine erste Vision von Jesus um fünf Uhr
morgens im Bett. Seit zwölf Jahren dachte er jeden Morgen über sein Leben
nach. Aber diesmal erblickte er erstaunt ein helles Licht. In dem Licht sah er eine
von hinten beleuchtete Gestalt mit ausgebreiteten Armen. Neugierig ­suchte
­Susumu anschließend im Internet und fand ein Foto der Statue „Christus der
­Erlöser“ in Rio de Janeiro, Brasilien. Daraus schloss Susumu, dass er wohl Jesus
gesehen hatte.
Kurze Zeit später hatte Susumu nachts einen Traum, in dem er einem Mann
an einem Tisch gegenübersaß. Der Mann hatte seine Hände auf den Tisch gelegt
und war von einem leuchtenden Regenbogen umgeben. Als Susumu einige Tage
später beim Frisör war, erkannte er, dass der Mann aus dem Traum Jesus gewe-
sen war. Denn während er auf seinen Haarschnitt wartete, blätterte er in einem
Buch mit berühmten Gemälden, sah Leonardo da Vincis „Letztes Abendmahl“
und erkannte Jesus aus seinem Traum wieder.
Die Träume und Visionen hielten an. Susumu träumte, dass er und sieben an-
dere Männer im Ausland gefangen genommen wurden. Er beobachtete, wie die
sieben Männer einer nach dem anderen getötet wurden. Als er an der Reihe war,
packte ihn jemand von hinten und flüsterte: „Ich bin Kopte. Komm mit.“ In die-
sem Moment erwachte Susumu. Er schaute nach, was das Wort „Kopte“ bedeutet
und stellte erstaunt fest, dass es nur 55 km entfernt eine koptische Kirche gab.
Zum ersten Mal fragte er sich, ob er vielleicht in die Kirche gehen sollte.
Einige Tage später hatte Susumu eine weitere Vision. Er sah das Wort
„­Matthäusevangelium“ vor seinem inneren Auge vorbeiziehen. Er kannte das
Wort nicht, erfuhr aber online, dass es ein Buch der Bibel ist. Sofort lud er eine
Audioversion des Matthäusevangeliums herunter und hörte sie sich immer beim
Autofahren an. Außerdem fragte er seine Vermieterin, von der er wusste, dass
sie Christin ist, wohin sie zum Gottesdienst ging. Sie nahm ihn mit in die Osaka-
Center-Adventgemeinde.
Susumu ist einer von Dutzenden Gästen, die ohne gezielte Einladung zu den
Evangelisationsveranstaltungen erschienen, die 2018 an 161 Orten in Japan
­abgehalten wurden. Die Kirchenleiter haben in einem Land, in dem Christen nur
0,7 Prozent der Bevölkerung ausmachen, noch nichts Vergleichbares erlebt. Ted
N. C. Wilson, der Susumu kennenlernte, sagte dazu: „Der Heilige Geist tut Außer­
gewöhnliches in Japan. Wir müssen um den Spätregen beten, damit Länder wie
Japan und viele andere ganz mit der Adventbotschaft durchdrungen werden.“

Geliefert vom Büro der Generalkonferenz für Adventist Mission: www.AdventistMission.org

78
Lektion 7
Woche vom 10. bis 16. August*

Jesus und die


Bedürftigen

Sabbatnachmittag

Lies für das Studium dieser Woche:


Lukas 1,46–55; 4,16–21; 7,18–23; Matthäus 12,15–21; 21,12–16;
Markus 11,15–19; Jesaja 53,3–6

Merktext:
„Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat und gesandt, zu
verkündigen das Evangelium den Armen, zu predigen den Gefangenen, dass
sie frei sein sollen, und den Blinden, dass sie sehen sollen, und die Zerschla-
genen zu entlassen in die Freiheit und zu verkündigen das Gnadenjahr des
Herrn.“ (Lk 4,18–19)

Neben anderen Gründen für seine Menschwerdung kam Jesus, um uns zu


zeigen, wie Gott ist. Er tat dies durch seine Lehre, sein Opfer und sein Leben;
das heißt, wie er sich gewöhnlichen Menschen gegenüber verhielt. Viele sei-
ner Taten brachten sofortige, echte Veränderung im Leben der Menschen.
Dieser Aspekt des messianischen Dienstes wurde von den Propheten des
Alten Testaments, von Jesu Mutter Maria und sogar von Jesus selbst vorherge-
sagt, als er seinen Auftrag in seiner ersten aufgezeichneten Predigt beschrieb
(Lk 4). Außerdem verwendeten die Schreiber der Evangelien oft die Sprache
der alttestamentlichen Propheten, um zu erklären, was Jesus tat, als sie seine
Geschichte erzählten. Auf diese Weise wurde Jesu Leben eindeutig in der
Tradition dieser Propheten gesehen, einschließlich ihres Mitgefühls für Arme
und Unterdrückte.
Die religiösen Führer empfanden Jesus jedoch als Bedrohung. In einem
schrecklichen Beispiel für Ungerechtigkeit und Grausamkeit ließen sie Jesus
verhaften, ungerecht verurteilen und kreuzigen. Durch Jesus weiß Gott, wie
sich Ungerechtigkeit anfühlt – und in seinem Tod deckte er den Horror des
Bösen auf. In seiner Auferstehung triumphierte er jedoch in Leben, Güte und
Erlösung.

* Studiere diese Lektion zur Vorbereitung auf Sabbat, den 17. August.

79
Sonntag, 11. August 7

Marias Lied
Stell dir folgende Szene vor: Maria hatte vor wenigen Tagen eine Botschaft
vom Engel Gabriel erhalten. Er hatte ihr gesagt, dass sie die Mutter von
­Jesus, dem Sohn des Höchsten, sein würde. Sie hatte es bisher noch nieman-
dem gesagt, besuchte aber Elisabeth, ihre ältere Verwandte, die auch ein
­Wunderbaby erwartete. Elisabeth erkannte durch geistliche Einsicht Marias
Neuigkeit, noch bevor Maria eine Chance hatte, irgendetwas zu sagen, und
gemeinsam feierten sie die Verheißungen und Güte Gottes.

Lies Lukas 1,46–55. Achte auf die Mischung von Lob für das, was
nur für sie gedacht war – „denn er hat große Dinge an mir getan“
(Lk 1,49) – und dem Allgemeineren. Warum sollten unser Lob und
unsere Anbetung Gottes beides beinhalten: persönliche und allge-
meine Akzente?

Dies ist ein bemerkenswertes Lied, das gut zu den Psalmen und den Schrif-
ten der hebräischen Propheten passen würde. Maria fließt über vor Erstau-
nen und Dankbarkeit Gott gegenüber. Sie sieht offensichtlich Gottes Wirken
in ihrem eigenen Leben, aber sie ist sich auch der weitergefassten Auswir-
kungen von Gottes Plan für ihr Volk und die Menschheit bewusst.
Allerdings ist nach Marias Verständnis Gott nicht nur mächtig und anbe-
tungswürdig, er ist auch barmherzig und scheint besonders auf die Demüti-
gen, die Unterdrückten und die Armen zu achten. Der Engel war kaum ge-
gangen, nachdem er Maria die „gute Nachricht“ der bevorstehenden Geburt
angekündigt hatte, da sang sie schon Folgendes: „Er stößt die Gewaltigen
vom Thron und erhebt die Niedrigen. Die Hungrigen füllt er mit Gütern und
lässt die Reichen leer ausgehen.“ (Lk 1,52–53)
Gleich zu Beginn des Berichts über Jesu Leben auf der Erde wird er als
Herrscher vorgestellt (siehe Lk 1,43) – aber als Herrscher einer anderen Art
von Königreich. Wie viele Kommentatoren beschrieben haben, soll das Reich
Gottes, zu dessen Aufrichtung Jesus kam, ein „umgekehrtes Königreich“ sein
verglichen mit der üblichen sozialen Ordnung der Königreiche dieser Welt.
In den Beschreibungen, die wir von Jesu Reich haben, sind die Mächtigen
und Reichen dieser Welt die Geringsten, und die Armen und Unterdrückten
sind befreit, „gefüllt“ und erhöht.

Wenn die Gemeinde ein Ausdruck von Gottes Reich sein soll, wie gut schnei-
det sie dann dabei ab, das „umgekehrte Königreich“ abzubilden, das Maria
beschrieb? Wie kann so etwas ausgestaltet werden, ohne den Reichen und
Mächtigen gegenüber unfair zu sein, die auch Empfänger der Liebe Christi
sind? 

80
Sonntag, 11. August 7

81
Montag, 12. August 7

Das Programm von Jesus


Ob es nun der für diesen Tag vorgeschriebene Lesetext war oder ob Jesus
die entsprechenden Verse (Jes 61,1–2) bewusst in der Schriftrolle suchte, die
ihm zum Vorlesen gereicht worden war – es war kein Zufall, dass diese Verse
den Text seiner ersten öffentlichen Predigt abgaben. Genauso wenig ist es
Zufall, dass der Bericht von Jesu kurzer Predigt in Lukas 4,16–21 – „Heute ist
dieses Wort der Schrift erfüllt vor euren Ohren.“ (Lk 4,21) – den Anfang von
Lukas’ Bericht über den öffentlichen Dienst Jesu bildet.
Jesus scheint die Melodie von Marias Lied eines „umgekehrten König­
reiches“ aufzugreifen und es durch seinen Dienst Wirklichkeit werden zu
­lassen. Jesus – und Lukas beim Erzählen der Geschichte von Jesus – ver-
wendeten die Prophezeiung Jesajas, um zu erklären, was er tat und vorhat-
te zu tun; aber es war auch eine andere Form, um das auszudrücken, was
Maria 30 Jahre zuvor beschrieben hatte. Den Armen, den Leidenden und
den Unterdrückten galt das besondere Augenmerk und die gute Nachricht,
die Jesus brachte.
Jesus übernahm diese Verse aus Jesaja 61 als sein Leitbild. Sein Dienst
und sein Auftrag waren sowohl geistlicher als auch praktischer Natur, und er
würde zeigen, dass das Geistliche und das Praktische nicht so weit auseinan-
derliegen, wie wir manchmal meinen. Für Jesus und seine Jünger gehörte die
physische und praktische Fürsorge für Menschen zumindest dazu, wenn sie
sich geistlich um sie kümmerten.

Lies und vergleiche Lukas 4,16–21 und 7,18–23. Was denkst du,
­warum Jesus so antwortete? Wie würdest du auf ähnliche Fragen
zur Göttlichkeit und Messianität Jesu antworten?

Als Jesus seine Jünger aussandte, stimmte der Auftrag, den er ihnen gab,
ebenfalls mit seiner Mission überein. Auch wenn sie ankündigen sollten,
dass „das Himmelreich … nahe herbeigekommen“ ist (Mt 10,7), lautete Jesu
weitere Anweisung an seine Jünger: „Macht Kranke gesund, weckt Tote auf,
macht Aussätzige rein, treibt Dämonen aus. Umsonst habt ihr’s empfangen,
umsonst gebt es auch.“ (Mt 10,8) Ihr Dienst in seinem Namen sollte die Wer-
te und Prinzipien von Jesu Dienst und dem Reich, in das er die Menschen
einlud, widerspiegeln und umsetzen. Auch die Jünger sollten Jesus in seiner
Mission unterstützen, die Letzten, die Geringsten und die Verlorenen aufzu-
richten.

Wie halten wir dieses Werk im Gleichgewicht mit der wichtigen Erkenntnis,
auch die Dreiengelsbotschaft einer verlorenen Welt zu verkündigen? Warum
muss alles, was wir tun, in gewisser Weise mit dem Verkündigen der „gegen-
wärtigen Wahrheit“ im Zusammenhang stehen?

82
Montag, 12. August 7

83
Dienstag, 13. August 7

Jesus heilt
Die Evangelien sind gewürzt mit Berichten über Jesu Wunder, besonders Hei-
lungswunder. Wie Jesaja vorhergesagt hatte, heilte Jesus Blinde und befreite
diejenigen, die von Krankheiten gefangen gehalten wurden, manchmal nach
vielen Jahren des Leidens (siehe z. B. Mk 5,24–34; Joh 5,1–15). Aber er tat
mehr: Er ließ Lahme wieder gehen, er heilte Aussätzige – nicht nur durch
sein Wort, sondern indem er sie berührte, obwohl sie „unrein“ waren. Er stell-
te sich den Dämonen entgegen, die den Verstand und Körper von Menschen
besessen hatten, und er erweckte sogar Tote zum Leben.
Wir erwarten vielleicht, dass er diese Wunder tat, um die Massen anzu-
ziehen und seinen vielen Zweiflern und Kritikern seine Macht zu beweisen.
Aber dies war nicht immer der Fall. Vielmehr wies Jesus die Geheilten oft
an, niemandem davon zu berichten. Auch wenn es unwahrscheinlich war,
dass die gerade Geheilten diesen Anweisungen Folge leisteten und ihre wun-
dervolle Neuigkeit für sich behielten, versuchte Jesus zu zeigen, dass es bei
seinen Wundern um etwas viel Bedeutenderes ging als ein Spektakel. Das
letztendliche Ziel war natürlich, dass die Menschen die Erlösung in ihm emp-
fingen.
Außerdem waren die Heilungswunder Jesu ein Ausdruck seines Mit­
gefühls. Matthäus erzählte zum Beispiel im Vorfeld der Speisung der 5000:
„Als Jesus aus dem Boot stieg und die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid
mit ihnen und heilte ihre Kranken.“ (Mt 14,14 Hfa) Jesus spürte den Schmerz
der Leidenden und tat für die Menschen, mit denen er in Kontakt kam, was
er konnte, um ihnen zu helfen und sie aufzurichten.

Lies Jesajas Prophezeiung in Matthäus 12,15–21. Auf welche Weise


identifizierten Jesaja und Matthäus das, was Jesus tat, als etwas
­Größeres als die Heilung einiger weniger – oder sogar mehrerer
­hundert – kranker Menschen?

„Jedes Wunder, das Jesus vollbrachte, war ein Zeichen seiner Göttlichkeit.
Er erfüllte genau die Aufgabe, von der vorausgesagt worden war, dass der
Messias sie tun werde. Aber die Pharisäer empfanden dieses Werk der Barm-
herzigkeit als ausgesprochenes Ärgernis. Die jüdischen Führer schauten mit
herzloser Gleichgültigkeit auf das menschliche Leid. Vielfach hatten ihre
Selbstsucht und Unterdrückung das Leid verursacht, das Christus nun heilte.
Darum waren seine Wunder ein Vorwurf an sie.“ (SDL 392)
Jesu Heilungswunder waren Taten des Mitgefühls und der Gerechtigkeit.
Aber in jedem Fall waren sie nicht der eigentliche Zweck. Letztendlich tat
Christus all dies, um Menschen zum ewigen Leben zu führen (siehe Joh
17,3).

84
Dienstag, 13. August 7

85
Mittwoch, 14. August 7

Tempelreinigung
Wenn wir die Berichte über Jesus in den Evangelien lesen, zieht uns oft das
sanfte Bild von Jesus an: seine Fürsorge für Kranke und Kinder, seine Ge-
schichten von der Suche nach Verlorenen und sein Reden über das Reich
Gottes. Das könnte der Grund dafür sein, warum uns andere Berichte, in
denen wir ihn energisch und schonungslos handeln sehen – besonders
gegenüber den religiösen Führern seiner Zeit und einiger ihrer Praktiken –,
überraschen können.

Lies Matthäus 21,12–16; Markus 11,15–19; Lukas 19,45–48 und Johan-


nes 2,13–17. Was bedeutet die Tatsache, dass diese gleichen Berichte
in jedem der Evangelien wiedergegeben werden?

Es erstaunt kaum, dass dieses Ereignis in jedem der Evangelien enthalten


ist. Es ist eine Geschichte voll Dramatik, Action und Leidenschaft. Jesus war
offensichtlich besorgt darüber, wie mit dem Tempel umgegangen wurde und
dass echte Anbetung durch den Verkauf von Opfertieren ersetzt worden war.
Welche Entheiligung all dessen, wofür diese Opfer stehen sollten, nämlich
seinen stellvertretenden Tod für die Sünden der Welt!
Eine solche Direktmaßnahme passt genau in die Tradition der hebräischen
Propheten. Dies wird in jedem Evangeliumsbericht entweder von Jesus oder
den Verfassern der Evangelien nahegelegt, indem aus Jesaja, Jeremia oder
den Psalmen zitiert wird, um zu erklären, was da eigentlich geschah. Die
Menschen erkannten Jesus als einen Propheten (siehe Mt 21,11) und kamen
zu ihm, als er im Tempelhof heilte und lehrte, nachdem er die Händler und
Geldwechsler hinausgetrieben hatte. Es waren die Menschen, die in seiner
Berührung Heilung fanden und in deren Herzen Hoffnung keimte, während
sie seinem Lehren zuhörten.
Die religiösen Führer erkannten Jesus auch als Propheten – als jemanden,
der ihrer Macht und der Stabilität ihrer sozialen Ordnung gefährlich wurde
– und gingen weg, um in gleicher Weise den Tod Jesu zu planen, wie ihre
Vorfahren sich gegen die Propheten Jahrhunderte zuvor verschworen hatten
(siehe diesen Kontrast in Lk 19,47–48).

Wie können wir als Gemeindeglieder unseren Teil dazu beitragen, um


­sicherzustellen, dass unsere Ortsgemeinden nie zu einem Ort werden, der
das ­nötig hat, was der Tempel zur Zeit von Jesus nötig hatte? Wie können wir
diese geistlichen Gefahren vermeiden? Was könnten diese überhaupt sein?

86
Mittwoch, 14. August 7

87
Donnerstag, 15. August 7

Das Kreuz Christi


Es ist tröstlich, dass Gott ein Gott ist, der die Schreie der Armen und Unter-
drückten hört. Dass Gott ein Gott ist, der in Jesus das Schlimmste der Un-
menschlichkeit, Unterdrückung und Ungerechtigkeit unserer Welt erfahren
und erduldet hat, ist erstaunlich. Trotz all dem Mitgefühl und der Güte, die
­Jesus in seinem Leben und seinem Dienst gezeigt hatte, war sein Tod die
Folge von Hass, Eifersucht und Ungerechtigkeit.
Von Jesu angstvollen Gebeten im Garten Gethsemane bis zu seiner Ver-
haftung, seinen „Gerichtsverfahren“, seiner Folter, Verspottung, Kreuzigung
und seinem Tod ertrug er eine zermürbende Tortur aus Schmerz, Grausam-
keit, Bösem und unterdrückerischer Macht. All dies wurde verschlimmert
durch die Unschuld, Reinheit und Güte dessen, der dies erlitt: Er „entäußerte
sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, ward den Menschen gleich und der
Erscheinung nach als Mensch erkannt. Er erniedrigte sich selbst und ward
gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz.“ (Phil 2,7–8) Durch die Bril-
le der Erlösungsgeschichte sehen wir die Schönheit des Opfers Jesu für uns,
aber wir dürfen die Brutalität des Leidens und der Ungerechtigkeit, die er
­erlebte, nicht vergessen.

Lies Jesaja 53,3–6. Was sagt uns das darüber, was Jesus widerfuhr,
dem Unschuldigen, der für die Schuldigen litt? Inwiefern hilft uns
das zu verstehen, was er unsertwegen durchmachte?

In Jesus weiß Gott, wie es sich anfühlt, ein Opfer des Bösen und der Un-
gerechtigkeit zu sein. Die Hinrichtung eines unschuldigen Menschen ist
eine Freveltat; der Mord Gottes umso mehr. Gott hat sich so sehr mit uns
in unserem gebrochenen und gefallenen Zustand identifiziert, dass wir sein
Mit­gefühl, sein Mitleid und seine Treue nicht anzweifeln können: „Denn wir
haben nicht einen Hohenpriester, der nicht könnte mit leiden mit unserer
Schwachheit, sondern der versucht worden ist in allem wie wir, doch ohne
Sünde.“ (Hbr 4,15) Welche Offenbarung des Charakters unseres Gottes! Wie
können wir auch nur ansatzweise die gute Nachricht über Gott, für die das
Kreuz steht, erfassen?

Warum müssen wir bei allem, was wir für Gott tun, insbesondere wenn wir
Bedürftigen helfen, immer den Tod Jesu als unserem Stellvertreter – und
zwar nicht nur für uns, sondern auch für diejenigen, denen wir helfen – zum
Zentrum unserer Mission und unserer Absicht machen?

88
Freitag, 16. August 7

Weiterführendes Studium:
Lies Ellen White, „In the Footsteps of the Master“, S. 117–124 in Welfare Ministry;
„Tage des Dienens“, S. 19–32 in Auf den Spuren des großen Arztes, Lüneburg 1999;
„Der Tempel wird erneut gereinigt“, S. 568–580 und „Vor Pilatus“, S. 703–721 in Sieg
der Liebe, Krattigen 2016.
„Gott hat in seinem Wort oft genug darauf hingewiesen, dass er die Übertreter sei-
nes Gesetzes bestrafen wird. Wer sich damit tröstet, Gott sei zu barmherzig, um
gegenüber dem Sünder Gerechtigkeit walten zu lassen, sollte auf das Kreuz von
Golgatha schauen. Der Tod des sündlosen Gottessohnes zeigt, dass der Tod ‚der
Sünde Sold ist‘ (Römer 6,23) und jede Übertretung des göttlichen Gesetzes ihre
gerechte Strafe erhält. Christus, der Sündlose, wurde für den Menschen zur Sünde
gemacht. Er nahm die Schuld der Gesetzesübertretung auf sich, sodass sich das
Angesicht seines Vaters vor ihm verhüllte, bis sein Herz gebrochen und sein Leben
ausgehaucht war. Dieses große Opfer wurde gebracht, damit Sünder erlöst werden
können. Der Mensch hätte auf keine andere Weise von der Strafe für die Sünde
befreit werden können. ­Jeder, der sich weigert, die Versöhnung anzunehmen, die
durch einen so großen Aufwand möglich gemacht wurde, muss die Schuld und
Strafe für seine Übertretung selbst auf sich nehmen.“ (VSL 491–492)
Fragen für ein Gespräch:
1. Lest die obige Aussage von Ellen White. Sprecht über die Tatsache von Unge-
rechtigkeit: Christus, der Unschuldige, litt die Strafe für die Schuldigen! Warum
ist es sehr wichtig, uns diese entscheidende Wahrheit bewusst zu machen?
2. Jesus hat sich nie für politische Reformen eingesetzt, um die Art von „Reich“
wahr zu machen, von dem er sprach. Trotzdem ist die Weltgeschichte voller
sehr trauriger Geschichten von Menschen, die mit Gewalt und Unterdrückung
Unterdrückten und Geschundenen helfen wollten. Zu oft war jedoch alles, was
erreicht wurde, der Ersatz einer Unterdrückerklasse durch eine andere. Auch
wenn Christen mit anderen Kräften zusammenarbeiten können und sollten, um
Unterdrückten zu helfen:
Warum müssen sie sich immer davor hüten, Politik zum Erreichen dieser Ziele
zu nutzen?
3. Denkt darüber nach, was der Erlösungsplan alles umfasste. Jesus, der Gerech-
te, litt für die Ungerechten – das heißt, für jeden von uns. Warum sollte uns die-
ses große um unsertwillen geschehene Opfer zu neuen Menschen in Christus
machen?
Zusammenfassung:
In den Evangelien wird Jesu Dienst mit dem Hinweis auf das Wirken der alttesta-
mentlichen Propheten eingeführt und erklärt. Gute Nachricht für die Armen, Frei-
heit für die Unterdrückten und Heilung für die Zerbrochenen wurden als Kenn-
zeichen des Messias verkündigt – und als etwas, das Jesus seinen ganzen Dienst
hindurch tat. Doch mit seinem Tod trug er auch die Hauptlast der Ungerechtigkeit
und überwand letztendlich das Schlimmste der gefallenen Menschheit und Un-
menschlichkeit. Dank seines ungerechtfertigten Todes um unseretwillen können
unsere Sünden vergeben werden, und uns ist ewiges Leben verheißen.
Sabbatanfang: 20:41 Uhr Kassel / 20:09 Uhr Wien

89
Mit Gott erlebt
(Inside Story)

Wegen des Sabbats arbeitslos


Aurora Carlos Justino
Ich wuchs in Namupa auf, der drittgrößten Stadt Mosambiks, in der 80 Prozent
der Einwohner Muslime sind. Ich fühlte mich mit dem Glauben meiner Mutter,
die geschieden wurde, als ich klein war, nicht wohl. Irgendetwas sagte mir, dass
ich mich mit dem Christentum befassen sollte, um Frieden zu finden. Eines Tages
berichtete ich meiner Mutter von meinem Wunsch: „Mama, ich möchte Christin
werden.“ Sie antwortete „Nenne mich nicht mehr ‚Mama‘, wenn du Christin sein
willst. Dann bist du nämlich nicht mehr meine Tochter.“
Ihre Worte machten mir Angst. Fortan ging ich weder in ihren noch zu irgend-
einem anderen Gottesdienst. Ich wollte sehen, wie meine Mutter reagierte. Als
sie merkte, dass ich mich überhaupt nicht mehr um Gott kümmerte, sagte sie:
„Na gut, such dir eine christliche Kirche.“ Was war ich froh! Aber ich begann nicht
sofort mit meiner Suche, weil ich trank und auf Partys ging.
Eines Tages sprach mich ein junger Mann auf der Straße an: „Weißt du, dass
Gott dich liebt?“ „Ja“, antwortete ich. Darauf sagte er: „Du musst mit deinen Sün-
den aufhören.“ Diese Worte ließen mir keine Ruhe. Der Mann stellte sich als Arm-
ando vor und lud mich ein, in seine Kirche in der Nähe zu kommen. Nachdem wir
uns verabschiedet hatten, konnte ich mich nicht mehr an den Namen der Kirche
erinnern. Ein Monat später schaute ich mich in der Nachbarschaft um und erfuhr,
dass die einzige Kirche in der Nähe eine Adventgemeinde war. Der Pastor der
Gemeinde, Eleuterio Marage, kannte Armando nicht, aber er bot mir Bibelstun-
den an. Drei Monate später ließ ich mich taufen.
Mein Leben wurde sofort schwierig. Das Restaurant, in dem ich arbeitete,
teilte mich samstags zum Dienst ein. Ich überlegte: „Wenn ich nicht am Sabbat
arbeite, werde ich keine Arbeit mehr haben. Wenn ich keine Arbeit mehr habe,
wie soll ich dann meine Mutter und meine jüngere Schwester versorgen?“ Nach-
dem ich mich einen Monat lang mit dieser Frage herumgeschlagen hatte, las ich
Jesu Verheißung: „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Ge-
rechtigkeit, so wird euch das alles zufallen.“ (Mt 6,33) Ich kündigte meine Stelle.
Meine Mutter war zuerst entsetzt, aber Gott hatte vorgesorgt. Einer meiner älte-
ren Brüder, der sich vorher nicht gekümmert hatte, sorgte nun für meine Mutter
und meine Schwester.
Am meisten beeindruckt mich jedoch, wie sehr sich meine Denkweise verän-
dert hat. Ich verspüre einen Frieden wie nie zuvor. Ich bin heute 22 Jahre alt und
konnte noch keine Vollzeitstelle finden. Aber ich durfte im letzten Jahr durch
Gottes Gnade vier Menschen zur Taufe führen. Ich danke Gott!

Geliefert vom Büro der Generalkonferenz für Adventist Mission: www.AdventistMission.org

90
Lektion 8
Woche vom 17. bis 23. August*

Den geringsten
Brüdern

Sabbatnachmittag

Lies für das Studium dieser Woche:


Matthäus 5,2–16.38–48; Römer 12,20–21; Lukas 16,19–31; 12,13–21;
Matthäus 25,31–46

Merktext:
„Und der König wird antworten und zu ihnen sagen: Wahrlich, ich sage
euch: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das
habt ihr mir getan.“ (Mt 25,40)

Nachdem wir gesehen haben, dass Jesus sein Leben in der Fürsorge für an-
dere lebte – besonders für diejenigen, die litten und verloren waren – kön-
nen wir erwarten, dass Jesus auch viel über Fürsorge für andere Menschen
zu sagen hatte. Und so war es auch.
Das, was Jesus lehrte, ist praktisch und konzentriert auf das, was es be-
deutet, als Nachfolger Gottes zu leben. Als solche können wir sehen, dass
­Jesus uns zu gerechtem, freundlichem und barmherzigem Handeln drängt,
das dem gleicht, was er selbst tat, als er hier auf der Erde war. Wenn wir sei-
nem Beispiel folgen, werden wir anderen Menschen dienen, so wie er es tat.
Jesus sprach auch über das Himmelreich. In seiner Beschreibung ist das
Himmelreich eine Realität, an der wir schon jetzt teilhaben können. Es ist
ein Lebensstil, der mit anderen Prioritäten, Werten und Moralvorstellungen
agiert als die irdischen Reiche. Jesu Lehren erläutern den Bauplan für sein
Reich, und dazu gehört ein starker Fokus darauf, wie wir Gott dienen und
wie wir uns in diesem Dienen anderen gegenüber verhalten. Wir stellen auch
fest, dass anderen dienen – sich um ihre Bedürfnisse zu kümmern und sie zu
erbauen – eine Möglichkeit ist, wie wir direkt Gott dienen können.

* Studiere diese Lektion zur Vorbereitung auf Sabbat, den 24. August.

91
Sonntag, 18. August 8

Einführung zur Bergpredigt


Jesu längste Predigt – oder Sammlung von Lehren – ist die Bergpredigt. Sein
drei Kapitel umfassender Überblick über das Leben in Gottes Reich beginnt
mit einer Werteerklärung, die als die Seligpreisungen bekannt ist.

Lies Matthäus 5,12–16. Was sind die gemeinsamen Grundzüge die-


ser neun Werte oder Arten von Menschen, die Jesus als „gesegnet“
­beschreibt?

Neben der tiefen geistlichen Anwendung dieser Worte dürfen wir nicht ver-
säumen, sie auch praktisch zu lesen. Jesus sprach darüber, die Armut in uns
selbst und in unserer Welt zu erkennen. Er sprach auch über Gerechtigkeit,
Demut, Barmherzigkeit, Friedenstiften und Reinheit des Herzens. Wir soll-
ten beachten, wie sich diese Eigenschaften praktisch auf unser Leben und
unsere Welt auswirken, wenn sie ausgelebt werden. Ein solches praktisches
Lesen wird in den anschließenden Aussagen Jesu betont, in denen er seine
Jünger dazu aufforderte, Salz und Licht in der Welt zu sein (Mt 5,13–16).
Entsprechend genutzt bewirken Salz und Licht etwas in dem Umfeld, in
das sie hineingetan werden. Salz bringt Geschmack und konserviert die Le-
bensmittel, denen es zugesetzt wird; es steht symbolisch für das Gute, das wir
für die Menschen um uns herum sein sollen. In ähnlicher Weise drängt Licht
die Dunkelheit zurück, zeigt Hindernisse und Gefahren, macht ein Haus oder
eine Stadt sicherer und bietet, selbst in einer gewissen Entfernung, einen An-
haltspunkt für Navigation. Wie ein Licht in einer dunklen Nacht, sagte Jesus,
„lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen
und euren Vater im Himmel preisen“ (Mt 5,16).
Beide Symbole, Salz und Licht, weisen uns auf die Verantwortung von
Jesu Nachfolgern hin, das Leben der Menschen um sie herum zu beeinflus-
sen und zu verbessern. Wir sind Salz und Licht, wenn wir so leben, dass wir
angemessen trauern, ein reines Herz haben, Demut üben, Barmherzigkeit
zeigen, Frieden stiften und Unterdrückung ertragen. Deshalb beginnt Jesus
seine Predigt mit der Aufforderung, diese manchmal „unterschätzten Werte“
seines Reiches zu verkörpern.

Auf welche Weise wirkt deine Ortsgemeinde als Salz und Licht in deiner
Stadt? Inwiefern ist deine Stadt ein besserer Ort, weil deine Gemeinde dort
wirkt? Wie würde es sich andererseits auf deine Stadt auswirken, wenn sich
deine Gemeinde auflösen würde? 

92
Sonntag, 18. August 8

93
Montag, 19. August 8

Böses durch Gutes überwinden


Wenn wir über die Lehren Jesu nachdenken, machen wir uns sinnvollerwei-
se bewusst, zu welchen Menschen er sprach und in welchen Umständen sie
lebten. Jesus hatte begonnen, große Menschenmengen aus den Regionen an-
zuziehen, in denen er wirkte (siehe Mt 4,25; 5,1). Die meisten waren einfache
Leute, die unter der kaiserlichen Herrschaft des Römischen Reiches lebten,
aber einige waren jüdische Machthaber und religiöse Führer. Das Leben der
einfachen Leute war schwierig. Sie hatten kaum Wahlmöglichkeiten, wie sie
leben wollten, wurden durch viele Steuern belastet und von der religiösen
Tradition niedergedrückt.
Als Jesus diese Leute lehrte, wollte er ihnen offensichtlich eine Möglich-
keit bieten, ungeachtet der Umstände gut und mit Würde und Mut zu leben.
Ein Beispiel dafür findet sich in Matthäus 5,38–48. Diese Anweisungen – „hal-
te die andere Wange hin“, „wenn dir einer deinen Rock nehmen will, gib ihm
auch deinen Mantel“ und „geh die Extrameile“ – sind so bekannt, dass sie
fast schon Klischees sind. Aber diese Bekanntheit täuscht über die radikalen
Handlungen und Geisteshaltungen hinweg, die Jesus hier lehrte.
Die von Jesus beschriebenen Szenarien waren für viele seiner Zuhörer All-
tagserfahrungen. Sie wurden oft von ihren „Vorgesetzten“ oder Herren brutal
behandelt. Sie waren oft verschuldet und hatten ihren Besitz an Vermieter
und Verleiher verloren. Sie wurden oft von den römischen Besatzungssolda-
ten zu Arbeiten gezwungen. Jesus lehrte die Menschen, mit Würde zu reagie-
ren, die Unterdrücker besser zu behandeln, als sie es verdienten, und sich
dadurch dem Verlust ihrer Menschlichkeit zu widersetzen. Während diese
Unterdrücker versuchten, ihre Macht auszuüben, hatten die Menschen im-
mer die Freiheit sich zu entscheiden, wie sie reagieren würden. Und indem
sie gewaltlos und großzügig reagierten, entlarvten sie das Böse der Unterdrü-
ckung und die Ungerechtigkeit, die begangen wurde.

Vergleiche Matthäus 5,38–48 mit Römer 12,20–21. Wie sollen wir


­diese radikalen Prinzipien in unserem Leben umsetzen?

Jesus fasste das ganze „Gesetz und die Propheten“ – all die heiligen Schrif-
ten, die wir oft als Altes Testament bezeichnen – in einem einzigen Prinzip
zusammen, das als goldene Regel bekannt wurde: „Alles nun, was ihr wollt,
dass euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen auch!“ (Mt 7,12) Auf welche
Weise kannst du dich gleich jetzt darum bemühen, das zu tun, was Jesus uns
hier gebot – koste es, was es wolle?

94
Montag, 19. August 8

95
Dienstag, 20. August 8

Der barmherzige Samariter


Lies Lukas 10,25–27. Der Gesetzeslehrer, der Jesus fragte, bot eine
Standardzusammenfassung der Gebote des Alten Testaments für
einen Lebenswandel, der Gott angenehm ist. Wie sind diese beiden
Gebote miteinander verknüpft?

Wenn Jesus etwas gefragt wurde, schloss er seine Antworten oft mit einem
Fazit ab, das sich ziemlich von dem unterschied, was der Fragende erwarte-
te. Es scheint, als hätten viele fromme Menschen zur Zeit von Jesus als Reak-
tion auf die Anweisungen in 3. Mose 19,18, „liebe deinen Nächsten wie dich
selbst“ (NLB), viel Zeit und Energie darauf verwendet, Ausmaß und Grenzen
dieses „Nächsten“-Prinzips zu debattieren.
Jesus hatte bereits versucht, das Verständnis seiner Nachfolger von die-
sem Begriff zu erweitern, indem er sie aufforderte, nicht nur ihren Nächsten
zu lieben, sondern jedermann Gutes zu tun: „Ich aber sage euch: Liebt eure
Feinde und bittet für die, die euch verfolgen, auf dass ihr Kinder seid eures
Vaters im Himmel. Denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute
und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.“ (Mt 5,44–45)
Aber als ein Experte der Religionsgesetze Jesus auf die Probe stellen woll-
te, griff er auf die vieldiskutierte Frage zurück: „Wer ist denn mein Nächster?“
(Lk 10,29) Als Antwort darauf erzählte Jesus die Geschichte vom barmher-
zigen Samariter, aber die letztendliche Antwort auf die Frage des Gesetzes-
lehrers sollte nicht den Begriff „Nächster“ definieren. Vielmehr sagte Jesus
eigentlich: „Geh und sei jedem, der deine Hilfe benötigt, der Nächste.“ (siehe
Lk 10,36–37)

Lies Lukas 10,30–37. Was bedeutet der Kontrast, den Jesus zwischen
den drei Charakteren aufzeigt, die den Mann am Straßenrand sehen,
der ihre Hilfe braucht?

Üblicherweise war, wenn Jesu lehrte, seine härteste Kritik gegen die gerich-
tet, welche behaupteten, gläubig zu sein, aber wenig Mitgefühl für das Leid
anderer zeigten. „Im Gleichnis vom barmherzigen Samariter machte Jesus
deutlich, was wahre Religion bedeutet. Er zeigte, dass sie nicht aus religiösen
Ordnungen, Glaubensbekenntnissen oder Zeremonien besteht, sondern aus
Taten der Nächstenliebe im Einsatz zum Wohl anderer und in aufrichtiger
Herzensgüte.“ (SDL 482)
In seiner Lehre verwies Jesus auf einen Außenseiter, jemanden, der für
untreu gegen Gott gehalten wurde, um zu zeigen, was Gottes Aufforderung
an alle ist, die behaupten, seine Nachfolger zu sein. Wenn wir zu Jesus kom-
men wie seine ersten Zuhörer und fragen, was wir tun müssen, um das ewige
­L eben zu erhalten, weist er uns letztendlich an, hinzugehen und jedem, der
in Not ist, der Nächste zu sein.

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Dienstag, 20. August 8

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Mittwoch, 21. August 8

Der reiche Mann und Lazarus


Im Gleichnis vom reichen Mann und Lazarus (siehe Lk 16,19–31) stellt J­ esus
die Leben zweier Männer gegenüber: einer reich, einer bettelarm. Ohne
Sozialhilfe, öffentliche Krankenhäuser und Suppenküchen war es üblich,
­
dass die Bedürftigen, Behinderten und anderweitig Benachteiligten vor den
Häusern der Reichen bettelten. Es wurde erwartet, dass die Reichen großzü-
gigerweise ein wenig von ihrem Reichtum abgaben, um das Leid zu lindern.
Aber in dieser Geschichte dachte der reiche Mann überhaupt nicht daran,
„dem bedürftigen Bruder zu helfen“ (Ellen White, BRG 209) Im Leben än-
derten sich ihre jeweiligen Umstände nicht; aber im Tod, von Gott gerichtet,
kehrten sich ihre Positionen dramatisch um.

Vergleiche Lukas 16,19–31 mit Lukas 12,13–21. Welche Ähnlichkeiten


und welche Unterschiede gibt es bei diesen beiden Geschichten und
was lehren sie uns zusammengenommen?

In keiner dieser Geschichten gibt es einen Hinweis darauf, dass die Männer
reich wurden, indem sie etwas falsch gemacht hatten. Vielleicht hatten beide
hart gearbeitet, ihren Besitz sorgfältig verwaltet und wurden von Gott geseg-
net. Aber irgendetwas scheint in ihrer Einstellung zum Leben, zu Gott, zum
Geld und zu anderen Menschen schief gelaufen zu sein, und dafür haben sie
erheblich und auf ewig einen Preis bezahlt.
Die Geschichte vom reichen Mann und von Lazarus, die sich auf zu Jesu
Zeiten beliebte Vorstellungen vom Leben nach dem Tod stützt, lehrt, dass
sich die Entscheidungen, die wir in diesem Leben treffen, auf das nächste
auswirken. Unsere Reaktion auf Menschen, welche unsere Hilfe suchen oder
brauchen, ist ein Weg, wie unsere Entscheidungen und Prioritäten zutage tre-
ten. Wie Abraham dem leidenden reichen Mann klar macht, bietet die Bibel
mehr als ausreichend Anleitung, sich für das Bessere zu entscheiden: „Sie
haben Mose und die Propheten; auf diese sollen sie hören!“ (Lk 16,29 SLT)
Jesus lehrte, dass die Versuchungen des Reichtums – sei es, ihn zu besitzen,
zu bewahren oder danach zu streben – uns wegbringen können von seinem
Reich, weg von anderen Menschen und hinein in Selbstzentriertheit und
Selbstgenügsamkeit. Jesus rief uns auf, zuerst nach seinem Reich zu streben
und die Segnungen, die wir empfangen, mit den Menschen um uns herum zu
teilen, besonders mit Bedürftigen.

Wie kannst du, ungeachtet deiner finanziellen Situation, darauf achten, dass
das Geld oder die Liebe zum Geld deine Sicht davon, worauf sich Christen im
Leben konzentrieren sollen, nicht verzerrt?

98
Mittwoch, 21. August 8

99
Donnerstag, 22. August 8

Die Geringsten der Brüder


Eine andere Gelegenheit, bei der Jesus eine Frage gestellt wurde und er eine
Antwort gab, die sich stark von dem unterschied, was wohl erwartet worden
war, findet sich in der Predigt, die in Matthäus 24 und 25 verzeichnet ist. Die
Jünger kamen zu Jesus und fragten ihn nach der Zerstörung des Tempels in
Jerusalem und der Zeit, wenn Jesus wiederkommen würde (siehe Mt 24,1–3).
Das Fazit von Jesu längerer Antwort auf diese Frage verwies darauf, die
Hungrigen zu speisen, den Durstigen zu trinken zu geben, Fremde willkom-
men zu heißen, Nackte zu kleiden, sich um Kranke zu kümmern und Gefan-
gene zu besuchen. Jesus versicherte den Jüngern: „Wenn ihr das für einen
meiner geringsten Brüder und eine meiner geringsten Schwestern tut – oder
euch weigert zu helfen – dann habt ihr an mir gehandelt!“ (siehe Mt 25,40.45)
Dies hängt mit den Fragen zusammen, die zu Anfang dieser Lehre als Bild
für das letzte Gericht standen. Im ganzen 24. Kapitel des Matthäusevange-
liums gab Jesus mehrere direkte Antworten auf die Fragen der Jünger, indem
er ihnen Zeichen und Warnungen bezüglich der Zerstörung Israels und des
Endes der Zeit gab, aber er betonte die Notwendigkeit, angesichts der Ver-
heißung seiner Wiederkunft wachsam zu sein und richtig zu leben. Im ersten
Teil von Matthäus 25 forderte die Geschichte von den klugen und törichten
Jungfrauen dazu auf, sich auf eine unerwartete oder verzögerte Rückkehr
vorzubereiten; die Geschichte von den drei Dienern spricht von der Notwen-
digkeit, während des Wartens verantwortlich und produktiv zu leben; das
Gleichnis von den Schafen und Böcken wird dann konkreter in Bezug auf die
Aufgaben, mit denen sich Gottes Volk beschäftigen soll.

Lies Matthäus 25,31–46. Was sagt uns Jesus hier? Warum ist das
nicht Erlösung durch Werke? Aber was lehren seine Worte hier
­darüber, was es wirklich bedeutet, einen Glauben zu haben, der
rettet?

Jesu Aussage – dass wir, wenn wir anderen dienen, dies an ihm tun – soll-
te alle unsere Beziehungen und Einstellungen verändern. Stell dir vor, du
könntest Jesus zum Essen einladen oder ihn im Krankenhaus oder Gefängnis
besuchen. Jesus sagte, dass wir genau das tun, wenn wir den Menschen in
unserer Umgebung diesen Dienst tun. Was für eine unglaubliche Möglichkeit
er uns damit eröffnet!

Lies unter Gebet, was Jesus in diesen Versen sagte. Wie verstehen wir die
Vorstellung, dass er sich praktisch mit den Hungernden, den Nackten, den
Gefangenen gleichsetzte? Welche große Pflicht erlegt uns das in unserem
­L eben auf?

100
Freitag, 23. August 8

Weiterführendes Studium:
Lies Ellen White, „Der barmherzige Samariter“, S. 482–488 und „Wie Jesus
dienen“, S. 626–635 in Sieg der Liebe, Krattigen 2016; „Eine unüberbrückbare
Kluft“, S. 209–219 und „Wer ist denn mein Nächster?“, S. 309–319 in Bilder
vom Reiche Gottes, Lüneburg 2000.

„Christus hat die Mauer aus Egoismus und nationalen Vorurteilen abgebro-
chen und lehrte eine Liebe zu allen Menschen. Er erhebt sie aus dem engen
Gesichtskreis ihrer Ichbezogenheit und beseitigt nationale Engstirnigkeit und
künstliche Unterschiede in der Gesellschaft. Jesus unterscheidet nicht zwi-
schen Nachbarn und Fremden, Freunden und Feinden. Jeden Hilfsbedürfti-
gen sollen wir Christen als unseren Nächsten und die ganze Welt als unser
Arbeitsfeld betrachten.“ (BL 46)
„Der Maßstab der goldenen Regel ist die wahre Richtschnur für das
Christentum; ein geringerer ist eine Irreführung. Ein ‚christlicher‘ Glaube ist
­unecht, wenn er dazu führt, andere Menschen geringzuschätzen, die in den
Augen von Jesus doch so wertvoll sind, dass er sein Leben für sie gegeben
hat. Ein religiöses Bekenntnis ist unaufrichtig, wenn es uns gleichgültig macht
gegenüber den Nöten, Leiden oder Rechten unserer Mitmenschen. Wir sind
Verräter seiner Sache, wenn wir die Ansprüche der Armen, der Unterdrück-
ten oder der in Sünde Verstrickten verachten. Das Christentum hat deshalb
so wenig Einfluss in dieser Welt, weil viele Christen es nur dem Namen nach
sind und im Alltag nicht im Sinne Christi handeln.“ (BL 136–137)

Fragen für ein Gespräch:


1. Welcher von den Abschnitten des Studiums dieser Woche ist euer Lieb-
lingsabschnitt? Warum?
2. Seht euch an, was Ellen White darüber schrieb, dass ein religiöses Be-
kenntnis, das „uns gleichgültig macht gegenüber den Nöten, Leiden oder
Rechten unserer Mitmenschen“, „unaufrichtig“ ist. Warum müssen wir die
Gedankenfalle sorgfältig vermeiden, in die wir so leicht tappen, dass, weil
wir die „Wahrheit“ haben (was ja stimmt), nichts anderes zählt?
3. Inwiefern zeigen uns die Bibelstellen des Donnerstagsabschnitts, was die
„Wahrheit“ haben auch beinhaltet?

Zusammenfassung:
Jesu Lehren bedeuten für die Bürger und Vertreter des Reiches Gottes eine
andere Lebensart. Auf Basis der Schriften des Alten Testaments wiederholte
und erweiterte er den Fokus auf die Fürsorge für Arme und Unterdrückte und
betonte, dass seine Nachfolger als Menschen voll Mitgefühl und Barmherzig-
keit leben werden, während sie auf seine Wiederkunft warten.

Sabbatanfang: 20:27 Uhr Kassel / 19:56 Uhr Wien

101
Mit Gott erlebt
(Inside Story)

Arzt verlangt Abtreibung


Andrew McChesney, Adventist Mission
Dina, eine 60-jährige Großmutter in der Sowjetunion, betete jeden Morgen:
„Gott, schick mir jemanden, dem ich etwas von dir sagen kann.“ Eines Tages war-
tete Dina an der Bushaltestelle in Petropavlovsk-Kamtschatsky, der Hauptstadt
von Kamtschatka. Sie fragte die schwangere Frau neben sich: „Erwarten Sie ein
Kind?“ Die Frau begann zu weinen. Dina erfuhr, dass Lyuda Savostina ihren ers-
ten Sohn erwartete, der Arzt jedoch auf einer Abtreibung bestand. Lyuda sagte
unter Tränen: „Ich habe bereits ein kleines Mädchen und hab mir immer noch
einen Jungen gewünscht. Aber der Arzt sagt, wenn ich das Baby austrage, wird
es tot geboren und ich werde sterben.“
Dina tröstete die Frau und lud sie für den nächsten Sabbat zu sich in die Haus-
gemeinde ein. Lyuda, die noch nie eine Kirche besucht hatte, nahm die Einladung
an. Am Sabbat hörten Dina, Lyuda und zwölf andere Gemeindemitglieder Pastor
Yakov Kulakov über Gottes Treue predigen. Anschließend erzählte Lyuda dem
Pastor von ihrem Problem. Dieser ermutigte sie, auf Gott zu vertrauen, und be-
tete für sie.
Am Montag teilte Lyuda dem Arzt mit, dass sie das Baby behalten wolle. Er
meinte: „Sind Sie verrückt?“ Als er Lyuda nicht umstimmen konnte, bestellte er
ihren Ehemann Vladimir ein. Als die beiden nach Hause kamen, schimpfte Vladi-
mir: „Bist du so egoistisch, dass du in Kauf nimmst zu sterben und deine Tochter
ohne Mutter zurückzulassen?“ Lyuda erwiderte: „Ich behalte das Baby. Ich ver-
traue auf Gott.“ Vladimir antwortete: „Wer soll dieser Gott sein? Es gibt keinen
Gott!“
Am nächsten Sabbat ging Lyuda wieder in die Gemeinde. Und von da an ­jeden
Sabbat. Bald schon ließ sie sich taufen.
Es stellte sich heraus, dass sich der Arzt geirrt hatte. Das Baby wurde lebend
geboren und Lydia starb nicht. Der kleine Sergei war jedoch kränklich und litt
unter Krämpfen. Als der Junge etwa ein Jahr alt war, erlitt er einen schweren
Krampf. Seine Atmung setzte aus, seine Lippen wurden blau. Lyuda fiel weinend
auf die Knie: „Gott, du hast diesem Jungen sein Leben geschenkt, bitte nimm es
jetzt nicht weg!“ Ihr Mann kam ins Zimmer gelaufen. Lyuda sagte zu ihm: „Komm,
bete mit mir. Wir brauchen auch dein Vertrauen!“ Vladimir sank auf die Knie und
rief aus: „Gott, ich glaube an dich!“ In diesem Moment begann Sergei wieder zu
atmen.
Die ganze Familie schloss sich der Adventgemeinde an; die Kinder, die heute
um die 40 Jahre alt sind, sind treue Gemeindemitglieder. Warum wurde diese
Familie zu Adventisten? Weil eine ältere Dame jeden Morgen darum betete, Gott
möge ihr jemanden schicken, den sie zu ihm führen könne.
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102
Lektion 9
Woche vom 24. bis 30. August*

Dienen in der neutestamentlichen


Gemeinde

Sabbatnachmittag

Lies für das Studium dieser Woche:


Apostelgeschichte 2,42–47; 4,32–37; Matthäus 25,38.40;
Apostelgeschichte 9,36; 2. Korinther 8,7–15; Römer 12; Jakobus 2,1–9

Merktext:
„Ein reiner und unbefleckter Gottesdienst vor Gott, dem Vater, ist der: die
Waisen und Witwen in ihrer Trübsal besuchen und sich selbst von der Welt
unbefleckt halten.“ (Jak 1,27)

Die Verse, die als Missionsbefehl bezeichnet werden (Mt 28,18–20), sind mit
die bekanntesten der Bibel, zumindest bei Christen. Dieser Text wurde oft als
unser Leitbild beschrieben und inspirierte viele Arten von Mission und Evan-
gelisationsprojekten. Angeregt durch diese Verse sind Christen tatsächlich in
die ganze Welt gegangen – manchmal unter hohem persönlichem Einsatz –,
um das Evangelium zu verbreiten.
Und was sagte Jesus im Missionsbefehl? Zu Jüngern zu machen, zu taufen
und die Menschen zu lehren „alles [zu halten], was ich euch befohlen habe“
(Mt 28,20). Und wie wir gesehen haben, hat sehr vieles von dem, was Jesus
befohlen hatte, damit zu tun, sich um Menschen zu kümmern, die bedürftig
sind oder Schmerzen leiden oder nicht in der Lage sind, für sich selbst zu
sorgen. Von daher müssen wir daran denken, dass diese Anweisungen an
Jesu erste Jünger nicht so sehr ein neuer Auftrag waren, etwas, das sie zuvor
noch nicht gehört oder gesehen hatten, sondern vielmehr eine Fortführung
des Auftrags, an dem Jesus bereits unter ihnen arbeitete. Von daher kann
dieser Aspekt der Lehre Jesu im Leben der neuen Kirchengemeinschaft klar
als Teil der Erfüllung des Missionsbefehls gesehen werden.

* Studiere diese Lektion zur Vorbereitung auf Sabbat, den 31. August.

103
Sonntag, 25. August 9

Eine neue Art Gemeinschaft


Nach Jesu Himmelfahrt und der Ausgießung des Heiligen Geistes zu Pfings-
ten wuchs die Gruppe der Gläubigen rasch an und bildete die erste Gemein-
de, eine neue Art Gemeinschaft aus Nachfolgern Jesu, anfänglich geleitet
von den ursprünglichen Jüngern Jesu. Diese neue Gemeinschaft war jedoch
nicht einfach etwas, das sie sich selbst ausgedacht hatten; vielmehr wurde
sie aufgebaut auf die Lehren und den Dienst Jesu und griff auf die lange Ge-
schichte der hebräischen heiligen Schriften und ihrer Propheten zurück.

Lies Apostelgeschichte 2,42–47 und 4,32–37. Was in diesen


­Beschreibungen würdest du als die Hauptmerkmale der ersten
­Kirchengemeinschaft bezeichnen?

Während die Israeliten es anscheinend nie schafften, den Entwurf für eine
gerechte und freigiebige Gesellschaft umzusetzen, nahm die erste Kirchen-
gemeinschaft die Anweisung ernst, dass „überhaupt kein Armer unter euch
sein“ sollte (5 Mo 15,4). Eins der praktischen Zeichen ihres Glaubens bestand
darin, dass sie ihre materiellen Güter teilten – sogar Land verkauften und den
dadurch erzielten Gewinn beisteuerten (siehe Apg 4,34–5,2) –, um die Not
ihrer Mitgläubigen zu lindern, wie auch denen, die außerhalb der jungen
Gemeinschaft standen, zum Segen zu sein und zwar besonders durch ihren
Heilungsdienst (siehe Apg 3,1–11; 5,12–16).
Doch diese Gemeinschaft war bei Weitem keine utopische Gesellschaft.
Als die Anzahl der Gläubigen zunahm, wuchsen Spannungen über die Ver-
waltung der Ressourcen, speziell in Bezug auf die tägliche Essensverteilung
an die Witwen (siehe Apg 6,1). Die Jünger, die die natürlichen Führer der
Gruppe waren, wollten sich auf die Verkündigung des Evangeliums konzen-
trieren. Um eine Lösung für die bestehende Situation zu finden, mussten sie
einiges umorganisieren.
Deshalb wurden sieben Männer ernannt, die sich auf die praktischen
­Angelegenheiten der Kirchengemeinschaft konzentrieren sollten. Dies war
vielleicht das erste Anerkennen der verschiedenen Dienste und Fähigkei-
ten, die in der Gemeinde ausgeübt werden sollten; gleichzeitig zeigt es, wie
wichtig der praktische Dienst für das Leben und Zeugnis der Gemeinde ist.
„Dieselben Grundsätze von Frömmigkeit und Gerechtigkeit, an die sich die
Obersten im Volk Gottes zur Zeit Moses und Davids halten mussten, galten
auch für die Leiter der neu organisierten Gemeinde Gottes in neutestament-
licher Zeit.“ (GNA 71)

Versuche dir vorzustellen, wie es in dieser frühen Gemeinschaft gewesen


sein muss. Wie können wir dieselben Prinzipien heute umsetzen?

104
Sonntag, 25. August 9

105
Montag, 26. August 9

Dienst und Zeugnis von Tabita


Als die Gemeinde begann, sich – wie von Jesus vorhergesagt – „in Jerusalem
und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde“ (Apg 1,8)
auszubreiten, nahmen neue Gläubige den Glauben und den Dienst Jesu auf.
Unter ihnen war Tabita, auch bekannt als Dorkas, aus der Stadt Joppe. Sie
nahm offensichtlich Jesu konkrete Anweisung ernst, dass sie, wenn sie Nack-
te kleidete, dies für Jesus selbst tat (siehe Mt 25,38.40).

Lies die Beschreibung von Tabita und ihrem Dienst in Apostelge-


schichte 9,36. Auf welche Weise lässt sich dein Leben und Dienst in
ähnlicher Form wie dieser Vers beschreiben? Wie würdest du gerne
beschrieben werden?

Es scheint, dass der Dienst von Tabita so war, dass die Beschreibung von ihr
als „Jüngerin“ (siehe Apg 9,36) und ihre Glaubenstreue, ihre Energie und ihr
Fokus auf andere über die Grenzen ihres Heimatorts hinaus bekannt waren.
Petrus besuchte die nahegelegene Stadt Lydda und die Einwohner Jop-
pes baten ihn, wegen des vorzeitigen Todes von Tabita zu ihnen zu kommen
(siehe Apg 9,37–41). Bei seiner Ankunft in Joppe wurde Petrus von vielen
Menschen empfangen, denen Tabita im Laufe ihrer Arbeit für die Armen ge-
holfen hatte. Sie zeigten ihm die Kleider, die sie gemacht hatte, und zweifel-
los erzählten sie ihm viele Geschichten darüber, wie sie ihnen und anderen
geholfen hatte.
Dass Petrus dann für Tabita betete und Gott sie ins Leben zurückholte, ist
natürlich keine Garantie dafür, dass für diejenigen, die ihr Leben dem Dienst
an anderen verschrieben haben, alles immer gut ausgeht. Schließlich hatte
Tabita bereits Krankheit und Tod erlitten, und Stephanus, einer der ersten
Diakone, die zum Dienst an den Witwen in der Gemeinde beauftragt worden
war, wurde auch der erste Märtyrer (siehe Apg 7,54–60). Ein Leben im Dienst
ist kein einfacher Weg; manchmal kann er sogar der steinigere Weg sein.
Doch bei dieser Begebenheit nutzte Gott die Erkenntnis seiner Liebe und
Macht sowohl im Leben als auch im Tod von Tabita, um die Menschen in
Joppe tief zu beeindrucken: „Das wurde in ganz Joppe bekannt und viele
kamen zum Glauben an den Herrn“ (Apg 9,42).

Würde, wenn du stirbst, dein Beitrag so betrauert und vermisst werden wie
der Dienst von Tabita in Erinnerung blieb und betrauert wurde? Wie können
wir ein gutes Erbe des Dienens hinterlassen? Welche praktischen Fähigkei-
ten hast du – wie Tabitas Fähigkeit, Kleidung herzustellen –, die du im Dienst
für andere Menschen einsetzen kannst?

106
Montag, 26. August 9

107
Dienstag, 27. August 9

Geben als Möglichkeit der Evangeliumsverkündigung


Nach seiner Bekehrung übernahm der Apostel Paulus den Auftrag, der heid-
nischen Welt das Evangelium zu bringen. Der Erfolg, den Gott ihm schenkte,
ließ wichtige Fragen über die Beziehung zwischen den jüdischen Wurzeln
des aufstrebenden christlichen Glaubens und den neuen heidnischen Nach-
folgern von Jesus aufkommen. Ein Konzil aus jüdischen und heidnischen
Führern der Christen traf sich in Jerusalem, um die Angelegenheit zu dis-
kutieren und Gottes Führung in diesen komplizierten Fragen zu suchen. Das
Treffen und seine Ergebnisse sind in Apostelgeschichte 15 verzeichnet.
Jedoch fügte Paulus in seinem Bericht über dieses Treffen in Galater 2 ein
weiteres wichtiges Element zu den Anweisungen hinzu, die er vom Konzil in
Jerusalem für seinen fortgesetzten Dienst unter den Heiden erhalten hatte:
„Nur eines haben sie uns nahe gelegt: Wir sollten nicht vergessen, die Be-
dürftigen zu unterstützen, und darum habe ich mich nach Kräften bemüht.“
(Gal 2,10 NLB)
Und Paulus verfolgte diesen Schwerpunkt weiterhin persönlich (siehe z. B.
Apg 20,35) und während seines ganzen Dienstes. Wie die erste Gemeinde in
Jerusalem weitete Paulus die Vision der christlichen Gemeinschaft aus, um
alle Mitgläubigen einzuschließen.

Lies 2. Korinther 8,7–15. Wie verknüpft Paulus das Evangelium mit


großzügigem Geben?

Paulus bediente sich auch zweier Verweise auf das Alte Testament, um die
Gläubigen zur Großzügigkeit und Fürsorge für ihre Mitgläubigen in schwie-
rigen Umständen aufzurufen. Er zitierte den Bericht von Gottes großzügiger
Bereitstellung von Manna für die Israeliten in der Wüste als Beispiel für das
Geben und Teilen in der breiter gefassten Kirchengemeinschaft (siehe 2 Kor
8,15). Er zitierte auch Psalm 112,9: „Er hat ausgestreut und den Armen gege-
ben; seine Gerechtigkeit bleibt in Ewigkeit.“ (2 Kor 9,9)
Paulus forderte seine Leser auf, bewusst zu geben. Sie sollten regelmäßig
einen Teil ihres Einkommens zur Seite legen. Dann wäre es leicht, etwas zu
geben, wenn er oder Titus die Gemeinde besuchen kämen, um die Spenden
einzusammeln und zu den bedürftigen Christen in Jerusalem zu bringen. Er
benutzte das Beispiel einer Gemeinde, um die anderen Gemeinden zu ähn-
licher Großzügigkeit anzuregen. „Durch eure Unterstützung zeigt sich, wie
sich euer Glaube bewährt. Dann werden die Beschenkten Gott loben, weil
ihr euch so treu zur rettenden Botschaft von Christus bekennt und so bereit-
willig mit ihnen und mit allen anderen teilt.“ (2 Kor 9,13 Hfa)

Wie sollten wir Prioritäten bei unseren Spenden setzen, wenn wir nicht in
der Lage sind, für jedes Anliegen und jede Not zu geben, die uns vorgelegt
werden?

108
Dienstag, 27. August 9

109
Mittwoch, 28. August 9

Leitfaden von Paulus für ein Leben in Liebe und Güte


Der Brief von Paulus an die Römer ist hauptsächlich bekannt für seine tief-
greifenden Erklärungen der großen Lehre der Erlösung durch Glauben, [be-
wirkt] durch den Tod Christi. Aber nach elf Kapiteln solcher Lehre ändert
sich der Schwerpunkt. Paulus gibt praktischen Rat, wie man ein Leben der
Liebe und Güte lebt, und zwar aufgrund der Gnade und Liebe Gottes, wie sie
in Jesus und dem Evangelium offenbart sind: „Ich ermahne euch nun, Brü-
der und Schwestern, durch die Barmherzigkeit Gottes, dass ihr euren Leib
hingebt als ein Opfer, das lebendig, heilig und Gott wohlgefällig sei. Das sei
euer vernünftiger Gottesdienst.“ (Röm 12,1) Im Prinzip sagt Paulus, dass wir
aufgrund dessen, was Gott für uns in Jesus getan hat, so leben sollten.

Lies Römer 12 und fasse das Kapitel zusammen; beachte dabei beson-
ders die Anweisungen zur Liebe und Fürsorge für andere, vor allem
solchen in Not.

In gewisser Weise stellt Römer 12 eine Zusammenfassung von vielen Themen


dar, denen Paulus in einigen seiner anderen Briefe mehr Aufmerksamkeit
schenkt. Er spricht über verschiedene Aufgaben und Gaben in der Gemein-
de als Leib, einschließlich dem Dienen und Ermutigen anderer, und groß-
zügigem Spenden (siehe V. 3–8). Aber dies sollte nicht nur getan werden, es
sollte gut getan werden, mit Begeisterung und – vor allem – mit Liebe (siehe
V. 9–11).
Paulus beschreibt, worum es bei dieser Art von Leben in der Praxis geht.
Er fordert die Gläubigen auf, in Schwierigkeiten und Verfolgung geduldig zu
sein, sich um Bedürftige zu kümmern, des Weiteren wo immer und wann
immer möglich Friedensstifter zu sein und – wie wir bereits gesehen haben
– auf Böses und Ungerechtigkeit mit Freundlichkeit zu reagieren und so das
Böse durch gute Taten zu überwinden (siehe Röm 1,20–21).
Dieses Kapitel umreißt, was es bedeutet, als neuer Mensch zu leben, Gott
persönlich und als Teil einer Glaubensgemeinschaft zu dienen. Paulus sagte
diesen neuen Nachfolgern Jesu, dass sich ihr Leben, ihre Prioritäten und ihre
Taten verändern sollten, weil sie auf das, was Jesus durch seinen Tod am
Kreuz für sie getan hat, und die Hoffnung auf ewiges Leben reagieren. Da
sie in einer unterdrückerischen und oft grausamen Gesellschaft im Herzen
des Römischen Reiches lebten, weist Paulus sie an, anders zu leben: „Stellt
euch nicht dieser Welt gleich, sondern ändert euch durch Erneuerung eures
Sinnes, auf dass ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute und
Wohlgefällige und Vollkommene.“ (Röm 12,2)

Welchen Geisteshaltungen und Praktiken deiner Umgebung musst du dich


widersetzen, damit du heute als Nachfolger Jesu ein Leben in Liebe und
Güte führen kannst? 

110
Mittwoch, 28. August 9

111
Donnerstag, 29. August 9

Jakobus „der Gerechte“


Die christliche Tradition besagt, dass Jakobus, der Bruder oder Stiefbruder
von Jesus, ein Leiter der frühen Kirche in Jerusalem wurde und der Jako-
bus war, der als Vorsitzender des Konzils in Jerusalem agierte (siehe Apg 15
­sowie Gal 1 und 2). Wenn das stimmt, ist es wahrscheinlich, dass er der Au-
tor des Briefes war, der in der Bibel als Jakobusbrief erhalten ist.
Jakobus war zur damaligen Zeit ein häufiger Name, aber wenn es ein
und dieselbe Person war, war er eventuell auch der Gemeindeleiter, der als
­Jakobus „der Gerechte“ bekannt wurde – dies deutet auf einen klugen Leiter
hin, der seinen Umgang mit anderen Menschen in der richtigen Weise zu
seiner Priorität machte und sich um diejenigen kümmerte, die oft vergessen
und unterdrückt worden waren. Das Buch, das seinen Namen trägt, wurde
als das „neutestamentliche Buch der Sprüche“ bezeichnet, das sich auf prak-
tische Frömmigkeit und kluge Lebensweise als Nachfolger Gottes konzen­
triert.
Der Autor Jakobus achtete sehr darauf, seine christlichen Leser zu erin-
nern: „Seid aber Täter des Worts und nicht Hörer allein; sonst betrügt ihr
euch selbst.“ (Jak 1,22). Er erinnerte sie auch daran, dass die Religion, die
zählt – die aus Gottes Sicht rein und anhaltend ist –, sich darauf konzentriert,
sich um Bedürftige und Unterdrückte zu kümmern, und den korrumpieren-
den Einflüssen der Gesellschaft zu widerstehen.

Lies Jakobus 2,1–9 und 5,1–5. Inwiefern unterscheidet sich Jakobus’


Haltung reichen Menschen gegenüber von der Sicht, die in den
meisten Gesellschaften üblich ist? Wie lauten seine konkreten An-
weisungen dazu, wie Reiche und Arme in der Kirchengemeinschaft
behandelt werden sollten?

Jakobus argumentiert, dass jemandem Gutes wünschen – selbst ihm Gottes


Segen wünschen – wenig Trost spendet, wenn er an Kälte und Hunger leidet.
Ihn mit echtem Essen und echter Kleidung zu versorgen ist als Fürsorge viel
hilfreicher als alle edlen Gefühle und guten Wünsche (siehe Jak 2,14–16).
Jakobus benutzt dies als Beispiel für das Zusammenspiel von Glaube und
Werken im Kontext unserer Beziehung zu Gott. Er wiederholt auch (Jak 2,8),
was Jesus darüber gelehrt hatte, den Nächsten wie sich selbst zu lieben, und
zeigt, wie dieses Gebot im Alltag umgesetzt werden soll. Es wird im Dienst
an Gott und an anderen Menschen ausgelebt, nicht um die Erlösung zu ver-
dienen, sondern weil es ein Ausdruck echten Glaubens ist.

Warum zieht man Reiche so leicht Armen vor, selbst wenn es unbewusst
­geschieht?

112
Freitag, 30. August 9

Weiterführendes Studium:
Lies Ellen White, „Dorcas – Her Ministry and Its Influence”, S. 66– 67 in Welfa-
re Ministry; „Eine freigebige Gemeinde”, S. 250–257 in Gute Nachricht für alle,
Krattigen 2016; „This Is Pure Religion”, S. 35–41 in Welfare Ministry.
„Christus hat sein kostbares Leben dahingegeben, um eine Gemeinde auf-
zubauen, die fähig ist, sich um Menschen zu kümmern, die von Sorgen und
Versuchungen geplagt werden. Eine Gruppe von Gläubigen mag arm, unge-
bildet und unbekannt sein, doch durch Christus kann sie in ihren Familien,
in der Nachbarschaft, in der Kirche und sogar in der Ferne etwas ausrichten,
dessen Auswirkungen bis in die Ewigkeit reichen.“ (SDL 624)
„Selbstlose Bereitschaft zum Geben versetzte die Urgemeinde in über-
schwängliche Freude, weil die Gläubigen wussten, dass ihre Hilfe dazu bei-
trug, die Evangeliumsbotschaft zu denen zu tragen, die noch in Finsternis
waren. Ihre Opferbereitschaft bezeugte, dass sie die Gnade Gottes nicht
vergeblich empfangen hatten. Was sonst als die Heiligung durch den Geist
konnte eine solche Gebefreudigkeit bewirken? In den Augen von Gläubigen
wie von Nichtgläubigen war dies ein Wunder der Gnade.“ (GNA 256)
Fragen für ein Gespräch:
1. Wie kann eure Ortsgemeinde mehr wie die Gemeinde werden, die in
den ersten Kapiteln der Apostelgeschichte beschrieben wird? Welche
praktischen Schritte könnte eure Gemeindeleitung unternehmen, um die
Gemeinde in diese Richtung zu fördern?
2. Die weltweite Adventkirche verwendet einige der in dieser Woche bespro-
chenen Prinzipien, um vorzugeben, wie Zehnten und Gaben zwischen
den verschiedenen Teilen der Welt aufgeteilt werden. Welche Vorteile hat
diese Art der weltweiten Ressourcenteilung?
3. Sind Anweisungen, wie man leben soll – wie zum Beispiel die, die in
Römer 12 zusammengefasst sind – realistische, praktische Möglichkeiten,
funktionieren sie in der „realen Welt“ oder empfindet ihr sie eher als idea-
lisierte Motive für „Heilige in Bleiglasfassung“?
4. In Jakobus 5,1–5 werden starke Worte verwendet, in denen die Art harter
Warnungen der alttestamentlichen Propheten widerhallt. Warum ist eine
derart harte Ausdrucksweise angemessen und nötig?
Zusammenfassung:
Angespornt von Jesu Befehl und der Kraft des Heiligen Geistes machten sich
die Jünger und die ersten Gläubigen auf, um die Botschaft und den Auftrag
Jesu so weit wie möglich zu verbreiten. Die erste Gemeinde war, ausgehend
von den Lehren Jesu und den hebräischen heiligen Schriften, eine neue Art
von Gemeinschaft, die das, was sie hatte, mit Menschen in Not teilte, und
zwar sowohl innerhalb als auch außerhalb ihrer Gemeinschaft. Anhand ihres
Beispiels und ihrer Lehre, die in den Briefen an diese Gemeinden aufgezeich-
net ist, riefen die ersten christlichen Leiter die Gläubigen zu einem Leben der
Glaubenstreue und des Dienstes auf – besonders an den Bedürftigen.
Sabbatanfang: 20:12 Uhr Kassel / 19:42 Uhr Wien

113
Mit Gott erlebt
(Inside Story)

Ein Vater in Finnland vergibt


Sakari Vehkavuori
Finnland erlebte 1918 einen blutigen Bürgerkrieg. Die „Roten“, die hauptsächlich
der Arbeiterschicht angehörten, befanden sich im Streit mit den „Weißen“, zu
denen vor allem die Mittel- und Oberschicht gehörte. Mein Urgroßvater Viktor
Ståhlberg bat seinen Sohn, meinen Großonkel Väinö Ståhlberg, sich nicht den
Weißen anzuschließen. Viktor, der drei Jahre zuvor Mitglied der Adventgemein-
de geworden war, zitierte Jesu Worte: „Wer das Schwert nimmt, der wird durchs
Schwert umkommen.“ (Mt 26,52) Aber Väinö spürte den Drang, für das zu kämp-
fen, an was er glaubte, und er verließ sein Heim in der Nacht. Er gesellte sich am
frühen Sonntagmorgen am eisbedeckten Golf von Finnland zu seinen Kamera-
den. Kurz darauf ergriffen Soldaten der Roten Väinö und die anderen. Später
stellte sich heraus, dass ein Hausmädchen, das in Väinö verliebt gewesen war,
seine Pläne an einen Sympathisanten der Roten verraten hatte.
Die jungen Männer wurden in einen Pferdeschlitten verfrachtet. Zwei Soldaten
der Roten brachten die jungen Männer zum zugefrorenen Golf von Finnland zu-
rück. Die Soldaten schlugen ein Loch ins Eis und befahlen den Gefangenen, sich
in einer Reihe aufzustellen. Väinö weigerte sich und wurde sofort erschossen.
Dann wurden drei weitere junge Männer getötet. Zwei versuchten zu fliehen und
wurden ebenfalls erschossen. Anschließend lief eine weitere Gruppe Gefangener
weg. Während sie von zwei Soldaten verfolgt wurden, entkam ein junger Mann,
der sich am Eisloch totgestellt hatte, in die Freiheit. Er berichtete, was geschehen
war.
Väinös Vater Viktor und der Rest der Familie trauerte tagelang. Nach einiger
Zeit gewannen die Weißen die Oberhand, als sich der Bürgerkrieg 1918–20 dem
Ende zuneigte. Sie nahmen zehn Rote gefangen und beschlossen, sie als Rache
für den Tod von Väinö und seinen Kameraden zu exekutieren. Viktor griff nach
seiner Bibel und lief zum Exekutionsplatz. Er erklärte: „Das Schlachten muss ein
Ende haben. Ihr dürft keinen Roten für den Tod meines Sohnes umbringen, kei-
nen einzigen.“ Dadurch war der Kreislauf der Rache durchbrochen und die Ge-
fangenen wurden verschont. Unter den zehn Roten befanden sich zwei Söhne
des Schmiedes im Ort. Als dieser erfuhr, dass seine Söhne nicht getötet worden
waren, begann er die Bibel zu lesen und schloss sich der Adventgemeinde an.
Gott segnete auch Viktors Familie. Acht Familienmitglieder wurden Pastoren,
einschließlich mir und Väinös Bruder Toivo Seljavaara, der als Evangelist über
1500 Menschen taufen durfte.

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Lektion 10
Woche vom 31. August. bis 6. September*

Das Evangelium leben

Sabbatnachmittag

Lies für das Studium dieser Woche:


Römer 8,20–23; Johannes 3,16–17; Matthäus 9,36; Epheser 2,8–10;
1. Johannes 3,16 –17; Offenbarung 14,6–7

Merktext:
„Denn aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben, und das nicht aus euch:
Gottes Gabe ist es, nicht aus Werken, damit sich nicht jemand rühme. Denn
wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott
zuvor bereitet hat, dass wir darin wandeln sollen.“ (Eph 2,8–10)

Sobald wir über Gottes Gebote, Forderungen oder Anweisungen sprechen,


stehen wir in der Gefahr – oder sind sogar der Versuchung ausgesetzt – zu
denken, dass etwas, das wir tun, uns unsere Erlösung verdienen oder dazu
beitragen oder uns anderweitig Gottes Gunst einbringen könnte. Aber die
­Bibel sagt uns wiederholt, dass wir Sünder sind, die aus Gottes Gnade durch
Jesus und seinen stellvertretenden Tod für uns am Kreuz gerettet sind. Was
sollten wir dazu schon beisteuern können? Oder, wie Ellen White schrieb:
„Wenn wir alles zusammen nehmen würden, was im Menschen gut, heilig,
edel und liebenswert ist, um es dann den Engeln Gottes als Anteil an der
Erlösung der menschlichen Seele oder als Verdienst zu präsentieren, würde
dieser Vorschlag als Hochverrat zurückgewiesen werden.“ (GUW 20)
Deshalb sollte auch das, was wir aus Barmherzigkeit und Mitgefühl Be-
dürftigen gegenüber tun, nicht als gesetzlich angesehen werden. Im Gegen-
teil, während wir in unserem Verständnis und unserer Wertschätzung der
Erlösung wachsen, wird uns, den Empfängern von Gottes Liebe, die Verbin-
dung zwischen seiner Liebe und seiner Fürsorge für Arme und Unterdrückte
weitergegeben. Wir haben empfangen, also geben wir. Wenn wir spüren, wie
sehr Gott uns liebt, spüren wir auch, wie sehr er andere Menschen liebt und
uns dazu aufruft, sie genauso zu lieben.

* Studiere diese Lektion zur Vorbereitung auf Sabbat, den 7. September.

115
Sonntag, 1. September 10

Denn so hat Gott geliebt …


Johannes 3,16 sagt: „Denn so hat Gott die Welt geliebt …“ – und das
­ursprüngliche griechische Wort lautet kosmos, was „die Welt als geschaffe-
ne, geordnete Einheit“ bedeutet (The SDA Bible Commentary, Bd. 5, S. 929.)
In diesem Vers geht es um die Erlösung der Menschheit, aber der Erlösungs-
plan wirkt sich auch auf die ganze Schöpfung aus.

Lies Römer 8,20–23. Was lehren uns diese Verse über die
­umfassenderen Themen des Erlösungsplans?

Natürlich geht es beim Erlösungsplan auf einer Ebene um jeden von uns in
seiner persönlichen Beziehung zu Gott. Aber er geht darüber hinaus. Bei der
Rechtfertigung geht es nämlich nicht nur darum, dass uns unsere Sünden
vergeben werden. Idealerweise sollte es auch darum gehen, wie der Herr
durch Jesus und die Kraft des Heiligen Geistes die Familie Gottes erschafft,
die ihre Vergebung und Heilsgewissheit unter anderem dadurch feiert, dass
sie durch ihre guten Taten der Welt Zeugnis gibt.

Lies Johannes 3,16–17. Inwiefern trägt Vers 17 zu einem


­umfassenderen Verständnis von Vers 16 bei?

Wir können akzeptieren, dass Gott andere Menschen außer uns selbst liebt.
Er liebt die, die wir lieben, und wir freuen uns darüber. Er liebt auch die-
jenigen, die wir mit dem Evangelium erreichen wollen, und unser Wissen
um diese Wahrheit ist oft unsere Motivation dafür, dass wir sie zu erreichen
versuchen. Aber er liebt auch diejenigen, die uns unangenehm sind oder vor
denen wir sogar Angst haben. Gott liebt alle Menschen überall, selbst diejeni-
gen, die wir nicht besonders mögen.
Die Schöpfung ist ein Weg, wie wir das gezeigt bekommen. Die Bibel zeigt
beständig auf die Welt um uns herum als Beweis für Gottes Güte: „Er lässt
seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerech-
te und Ungerechte.“ (Mt 5,45) Sogar das Leben selbst ist ein Geschenk Got-
tes, und ungeachtet dessen, wie der Einzelne auf Gott reagiert oder welche
­Einstellung er ihm gegenüber hat, ist jeder Mensch ein Empfänger dieses
­Geschenks.

Auf welche Weise sollte sich unsere Einstellung andern Menschen und ihren
Lebensumständen gegenüber verändern, wenn wir sie als von Gott geschaf-
fene und geliebte Wesen wahrnehmen?

116
Sonntag, 1. September 10

117
Montag, 2. September 10

Mitgefühl und Reue


Die miteinander verwobenen Berichte von Erlösung und dem großen Kampf
fordern uns auf, eine Wahrheit über das Leben anzuerkennen, die grundle-
gend für unser Verständnis von unserer Welt und uns selbst ist, und sie lautet:
Wir und unsere Welt sind gefallen, gebrochen und sündig. Unsere Welt ist
nicht so, wie sie geschaffen wurde, und auch wenn wir immer noch das Bild
des Gottes in uns tragen, der uns schuf, sind wir Teil der Gebrochenheit der
Welt. Die Sünde in unserem Leben ist vom Wesen her dasselbe wie das Böse,
das so viel Schmerz, Unterdrückung und Ausbeutung überall auf der Welt
verursacht.
Deshalb ist es richtig, dass wir den Schmerz, das Unbehagen, die Trauer
und die Tragödie der Welt und des Lebens um uns herum spüren. Wir müss-
ten Roboter sein, um den Schmerz des Lebens hier auf der Erde nicht zu
spüren. Die Klagen in den Psalmen, die Trauer Jeremias und der anderen
Propheten, die Tränen und das Mitgefühl Jesu zeigen, dass diese Art Reak-
tion auf die Welt und ihr Böses – und besonders auf diejenigen, die so oft
von diesem Bösen verletzt werden – angemessen ist.

Lies Matthäus 9,36; 14,14; Lukas 19,41–42 und Johannes 11,35. Was
war es in diesen Versen, das Jesu Mitgefühl erregte? Wie können wir
ein Herz haben, das von dem Schmerz um uns herum berührt wird?

Wir dürfen auch nicht vergessen, dass Sünde und das Böse nicht nur ein-
fach „da draußen“ sind oder das Ergebnis der Gebrochenheit von jemand
anderem: „Wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, so betrügen wir uns
selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns.“ (1 Joh 1,8) Im Verständnis der bib-
lischen Propheten war Sünde eine Tragödie, die nicht hauptsächlich daraus
entsprang, dass jemand „die Regeln“ verletzt hatte, sondern weil Sünde die
Beziehung zwischen Gott und seinem Volk zerbrochen hatte, und auch, weil
unsere Sünde andere Menschen verletzt. Das kann im Kleinen wie im Gro-
ßen geschehen, aber es ist alles dasselbe Böse.
Egoismus, Gier, Boshaftigkeit, Vorurteile, Ignoranz und Achtlosigkeit sind
die Wurzel alles Bösen in der Welt, von Ungerechtigkeit, Armut und Unter-
drückung. Und das Bekennen unserer Sündhaftigkeit ist ein erster Schritt im
Angehen gegen dieses Böse, wie auch ein erster Schritt hin dazu, es Gottes
Liebe zu gestatten, ihren rechtmäßigen Platz in unserem Herz einzunehmen:
„Wenn wir aber unsre Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er
uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit.“ (1 Joh 1,9)

Betrachte dich selbst (aber weder zu genau noch zu lang). Inwiefern bist zu
zerbrochen und Teil eines größeren Problems? Wie lautet die einzige Ant-
wort und wo ist der einzige Ort, wohin du schauen solltest?

118
Montag, 2. September 10

119
Dienstag, 3. September 10

Gnade und gute Werke


Fasse Epheser 2,8–10 in eigenen Worten zusammen. Was sagen uns
diese Verse über die Beziehung zwischen Gnade und guten Werken?

Die Bibel sagt uns, dass wir unter anderem geschaffen wurden, um Gott an-
zubeten und anderen Menschen zu dienen. Wir können nur versuchen, uns
in unserer Fantasie vorzustellen, wie dies in einer sündlosen Umgebung aus-
sehen würde.
Im Moment kennen wir wegen der Sünde nur eine gebrochene und ge-
fallene Welt. Zu unserem Glück öffnet uns Gottes Gnade, die in dem Opfer
Jesu für die Sünden der Welt ausgedrückt und umgesetzt wurde, den Weg
zu Vergebung und Heilung. Somit wird unser Leben selbst mitten in dieser
gebrochenen Existenz noch mehr zu Gottes Wertarbeit, und Gott gebraucht
uns, damit wir mit ihm in dem Bemühen zusammenarbeiten, den Schaden
und den Schmerz im Leben anderer Menschen zu heilen und zu reparieren
(siehe Eph 2,10). „Wer etwas geschenkt bekommt, soll es auch an andere
weitergeben. Von überall her kommen doch Hilferufe. Gott ruft uns alle auf,
unseren Mitmenschen freudig zu dienen.“ (SGA 70)
Um es noch einmal zu sagen: Wir tun keine guten Werke – sich um Arme
kümmern, Unterdrückte aufrichten, Hungrige speisen –, um uns die Erlösung
und Ansehen bei Gott zu verdienen. In Christus haben wir durch den Glau-
ben alles Ansehen bei Gott, das wir je brauchen. Vielmehr erkennen wir uns
selbst sowohl als Sünder als auch als Opfer der Sünde, die nichtsdestotrotz
von Gott geliebt und erlöst sind. Während wir immer noch mit Versuchungen
des Egoismus und der Gier kämpfen, bietet uns die selbstaufopfernde Liebe
und demütige Gnade Gottes eine neue Art von Leben und Liebe, die unser
Leben verändern werden.
Wenn wir auf das Kreuz blicken, sehen wir das große und umfassende Op-
fer, das für uns gebracht wurde, und erkennen, dass wir dem, was es uns in
Christus bietet, nichts hinzufügen können. Aber das schließt nicht aus, dass
wir als Reaktion darauf, was uns in Christus geschenkt wurde, etwas tun soll-
ten. Im Gegenteil, wir müssen reagieren, und wie könnten wir besser auf die
Liebe, die uns erwiesen wurde, reagieren als anderen Liebe zu erweisen?

Lies 1. Johannes 3,16–17. Auf welche Weise erfassen diese Verse


kraftvoll, was unsere Reaktion auf das Kreuz sein sollte?

120
Dienstag, 3. September 10

121
Mittwoch, 4. September 10

Unser gemeinsames Menschsein


Jesus forderte durch seinen Dienst und in seinen Lehren radikale Inklusivi-
tät: Jeden, der seine Aufmerksamkeit mit ehrlicher Motivation suchte – egal
ob Frauen mit zweifelhaftem Ruf, Steuereintreiber, Aussätzige, Samariter,
­römische Offiziere, religiöse Führer oder Kinder –, hieß er mit echter Wärme
und Fürsorge willkommen. Wie die erste Gemeinde auf umwälzende Weise
entdecken sollte, schloss dies das Angebot des Geschenks der Erlösung mit
ein.
Als die ersten Gläubigen langsam die Inklusivität des Evangeliums
­erkannten, fügten sie ihrem Glauben nicht einfach gute Taten für andere als
„Nettigkeit“ hinzu. Es war der Kern ihres Verständnisses des Evangeliums,
wie sie es im Leben, Dienst und Tod Jesu erfahren hatten. Während sie mit
den aufkommenden Problemen und Fragen rangen – zuerst individuell bei
Leitern wie Paulus und Petrus (siehe z. B. Apg 10,9–20), später in der ganzen
Gemeinde beim Konzil in Jerusalem (siehe Apg 15) –, begann ihnen die dra-
matische Veränderung bewusst zu werden, die diese Gute Nachricht ihrem
Verständnis von Gottes Liebe und Nichtausgrenzung gebracht hatte, und wie
sie im Leben derer ausgelebt werden sollte, die sich als seine Nachfolger
­bekennen.

Was lehrt uns jeder der folgenden Verse über unser gemeinsames
Menschsein? Wie sollte jede dieser Vorstellungen unsere Einstellung
zu anderen Menschen beeinflussen?

Maleachi 2,10

Apostelgeschichte 17,26

Römer 3,23

Galater 3,28

Galater 3,28 ist eine theologische Zusammenfassung der lebensnahen Ge-


schichte, die Jesus über den barmherzigen Samariter erzählte. Statt darüber
zu streiten, wem wir dienen sollen, geh einfach und diene, und stell dich
vielleicht sogar darauf ein, dass dir von denen gedient wird, von denen du es
nicht erwartest. Das gemeinsame Element der globalen Menschheitsfamilie
wird auf einer höheren Ebene von der gemeinsamen Familie derer realisiert,
die durch das Evangelium verbunden sind, durch die erlösende Gnade Got-
tes, die uns zur Einheit in ihm auffordert: „Denn wir sind durch einen Geist
alle zu einem Leib getauft, wir seien Juden oder Griechen, Sklaven oder
Freie, und sind alle mit einem Geist getränkt.“ (1 Kor 12,13)

122
Mittwoch, 4. September 10

123
Donnerstag, 5. September 10

Das ewige Evangelium


Die verändernde Einladung und Aufforderung des Evangeliums an „alle[…]
Nationen und Stämmen und Sprachen und Völker[n]“ (Offb 14,6) zieht sich
durch die ganze christliche Geschichte. Die Offenbarung beschreibt jedoch
am Ende der Zeit eine erneuerte Verkündigung dieser Botschaft – die Gute
Nachricht von Jesus und allem, was sie mit sich bringt.

Lies Offenbarung 14,6–7. Auf welche Weise ist das allgemeine Ver-
ständnis des Evangeliums – das meist durch Johannes 3,16 zusam-
mengefasst wird – in der konkreten Botschaft des Engels in Vers 7
enthalten?

Offenbarung 14,7 bringt drei Schlüsselelemente zusammen, die uns b ­ ereits


beim Studium von Gottes Besorgnis in der ganzen Bibel bezüglich des B ­ ösen,
der Armut und Unterdrückung bewusst wurden:
Gericht: Der Aufruf zu richten – dass Gerechtigkeit geschaffen wird – ist
ein wiederholter Ruf derjenigen, die im Lauf der Weltgeschichte unterdrückt
wurden. Glücklicherweise zeigt die Bibel Gott als den, der die Schreie derer
in Not hört. Wie oft in den Psalmen ausgedrückt, sehen zum Beispiel die,
welche ungerecht behandelt werden, das Gericht als eine gute Nachricht an.
Anbetung: Die Schriften der hebräischen Propheten verknüpfen oft die
Themen Anbetung und gute Taten, besonders wenn sie die Anbetung derer,
die behaupten, Gottes Volk zu sein, mit den Fehlern verglichen, die sie be-
gangen hatten und weiterhin taten. In Jesaja 58 sagte Gott zum Beispiel expli-
zit, dass die Art von Anbetung, die er sich am meisten wünscht, freundliche
und fürsorgliche Taten für Arme und Bedürftige sind (siehe Jes 58,6–7).
Schöpfung: Wie wir gesehen haben, ist eines der grundlegenden Elemen-
te in Gottes Aufruf zur Gerechtigkeit die gemeinsame Menschheitsfamilie,
dass wir alle zu seinem Bild geschaffen sind und von ihm geliebt werden,
dass wir alle in seinen Augen einen Wert haben und niemand für unrechten
Gewinn oder aus Gier ausgebeutet oder unterdrückt werden sollte. Es scheint
eindeutig, dass diese endzeitliche Verkündigung des Evangeliums ein umfas-
sender und weitreichender Aufruf ist, die Rettung, Erlösung und Wiederher-
stellung anzunehmen, die Gott sich für die gefallene Menschheit wünscht.
Deshalb wird Gott trotz Problemen mit echter und falscher Anbetung und
Verfolgung (siehe Offb 14,8–12) ein Volk haben, das für das einsteht, was
recht ist, für die Gebote Gottes und den Glauben an Jesus, selbst inmitten
des schlimmsten Bösen.

Wie können wir Möglichkeiten finden, Bedürftigen zu helfen, während wir


ihnen gleichzeitig die Hoffnung und die Warnung mitteilen, die in der drei-
fachen Engelsbotschaft enthalten ist?

124
Freitag, 6. September 10

Weiterführendes Studium:
Lies Ellen White, „Gott mit uns“, S. 12–19 in Sieg der Liebe, Krattigen 2016;
„Gerettet um zu lieben“, S. 64–74 in Auf den Spuren des großen Arztes, Lüne-
burg 1999.
„Gott beansprucht die ganze Erde als seinen Weinberg. Mag sie jetzt auch
in den Händen Satans sein, so gehört sie doch allein Gott, der sie geschaf-
fen und erlöst hat. Christus starb für sie den Opfertod: ‚Denn also hat Gott
die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab.‘ (Johannes 3,16)
Durch diese eine Gabe erhalten die Menschen auch alle anderen Gaben Got-
tes. Täglich empfängt die ganze Welt seinen Segen. Regen und Sonne, jedes
Blatt, jede Pflanze, jede Frucht – sie alle zeigen uns, die wir oft so undankbar
sind, Gottes Geduld und Liebe.“ (BRG 246)
„Für Christen gibt es keinen Unterschied zwischen Juden und Griechen,
Sklaven und Freien (Galater 3,28), denn sie sind einander alle ‚nahe gewor-
den durch das Blut Christi‘ (Epheser 2,13). Auch bei unterschiedlicher Glau-
bensauffassung müssen wir Menschen in Not helfen …
Überall in unserer Nachbarschaft gibt es Menschen mit schwerem Schick-
sal, die Verständnis und praktische Hilfe brauchen. Da hat eine Frau den
Mann verloren und braucht einmal unser Gespräch oder einen Rat. Nach
Gottes Willen sollen wir uns auch für ihre Kinder verantwortlich fühlen, um
die sich sonst vielleicht niemand kümmert. Selbst wenn sie uns einen ver-
wahrlosten und keinen vielversprechenden Eindruck machen sollten, so sind
sie doch Gottes Eigentum, teuer erkauft und in seinen Augen nicht weniger
wertvoll als wir. Auch sie gehören zu Gottes großer Familie, und als Christen
sind wir für sie verantwortlich.“ (BRG 316–317)
Fragen für ein Gespräch:
1. Wie können wir in unserem Bemühen, gute Taten zu tun und anderen zu
helfen, der Versuchung widerstehen, zu meinen, dass uns dies irgendwie
besser macht und uns Verdienste einbringt, die Gott anerkennen sollte?
2. Ist eure Gemeinde eine Gemeinschaft, in der es „keine Unterschiede“ gibt,
sondern ihr alle eins seid in Christus? Wie könnt ihr mehr dazu werden?
Wie integrativ ist eure Gemeinde anderen gegenüber?
3. Wie finden wir die richtige Ausgewogenheit zwischen Bedürftigen Gutes
tun – schlichtweg, weil sie in Not sind und wir ihnen helfen können – und
ihnen gleichzeitig die Evangeliumswahrheit verkündigen? Wie können wir
lernen, beides zu tun, und warum ist es immer besser, beides zu tun?
Zusammenfassung:
Die Liebe Gottes, wie sie sich im Erlösungsplan ausdrückt und im Leben
und Opfer Jesu umgesetzt ist, bietet uns Vergebung, Liebe und Hoffnung
an. Als Empfänger dieser Gnade streben wir danach, sie anderen weiterzu-
geben, nicht um die Erlösung zu verdienen, sondern weil es das ist, wozu
wir g ­ eschaffen und neu geschaffen wurden. Somit verändert das Evangelium
Beziehungen und bringt uns dazu, zu dienen, besonders denen, die es am
nötigsten brauchen.
Sabbatanfang: 19:56 Uhr Kassel / 19:28 Uhr Wien
125
Mit Gott erlebt
(Inside Story)

Ein halber Laib Brot


Andrew McChesney, Adventist Mission
Maya reichte Valentina nach dem Gottesdienst einen Laib Weißbrot und sagte:
„Das ist für dich.“ Die 40-jährige Valentina sah das Brot hungrig an. Sie hatte in
den letzten sechs Monaten keinen einzigen Bissen Brot gegessen. Im Jahr 1993
hatte der monatelange bewaffnete Konflikt zwischen Georgien und Abchasien zu
Lebensmittelknappheit in dem betroffenen Gebiet geführt. In den Regalen der
Lebensmittelläden in Sukhumi, der Hauptstadt der abtrünnigen Region Abcha-
sien, war kein einziger Laib Brot zu finden.
Noch einmal sagte Maya: „Bitte nimm das Brot. Ich schenke es dir.“ Langsam
schüttelte Valentina den Kopf und antwortete: „Das kann ich nicht annehmen.
Ihr braucht das Brot genauso dringend wie wir.“ Maya kamen die Tränen. „Bitte,
nimm es doch. Du bist so weit gelaufen, um uns zu helfen. Es ist ein Geschenk
von uns an dich, bitte lehn es nicht ab.“
„Na gut“, sagte Valentina schließlich, „aber wir teilen das Brot und jede nimmt
eine Hälfte.“ Die beiden Frauen holten ein Messer aus der Küche des Gemeinde-
zentrums, in dem sich 40 Menschen regelmäßig unter Leitung von Valentinas
Ehemann Pavel, einem adventistischen Pastor, zum Gottesdienst trafen. Anschlie-
ßend machten sich Valentina und Pavel auf den 15 km langen Heimweg.
Valentina lächelte beim Gedanken an das Brot in ihrer Tasche. Sie freute sich
auf das Abendessen und sagte: „Ich werde eine Suppe machen und dazu ­essen
wir das Brot.“ Nach einigen Kilometern begegnete das Ehepaar einer älteren
Frau. Sie war sehr dünn und ihre Kleider waren schmutzig. Die Frau sah Valentina
an und fragte mit dünner Stimme: „Tochter, hast du vielleicht einen Bissen Brot
für mich?“ Valentina holte den halben Laib Brot aus ihrer Tasche und reichte ihn
der Frau mit den Worten: „Bitte, Mütterchen, nimm dieses hier.“ Die Frau weinte
dankbar, als sie das Brot entgegennahm und sagte: „Danke! Ich habe seit drei
Tagen nichts mehr gegessen. Du hast mich vor dem Hungertod gerettet.“
Valentina und Pavel setzten ihren Heimweg mit einem glücklichen Lächeln im
Gesicht fort. Sie freuten sich, dass sie ihr Brot weitergeben konnten. Valentina,
die heute 65 Jahre alt ist, sagte in einem Interview in ihrer Heimatstadt Belgorod
in Russland: „Wie gaben das Eine, über das wir uns sehr gefreut hatten, einer
alten Frau und retteten ihr Leben. Es war ein echtes Opfer – und wir waren über
nichts so glücklich wie darüber.“

Geliefert vom Büro der Generalkonferenz für Adventist Mission: www.AdventistMission.org

126
Lektion 11
Woche vom 7. bis 13. September*

Die Adventhoffnung
leben

Sabbatnachmittag

Lies für das Studium dieser Woche:


Lukas 18,1–8; Matthäus 24–25; 1. Korinther 15,12–19; Prediger 8,14; 12,13–14;
Offenbarung 21,1–5; 22,1–5

Merktext:
„Darum, meine lieben Brüder und Schwestern, seid fest und unerschütter-
lich und nehmt immer zu in dem Werk des Herrn, denn ihr wisst, dass eure
Arbeit nicht vergeblich ist in dem Herrn.“ (1 Kor 15,58)

Jesus verkündigte das Reich Gottes als gegenwärtige Realität, an der wir heu-
te schon teilhaben können. Er sandte seine Jünger aus, um dasselbe zu ver-
kündigen und sein Reich auszuleben, indem sie das Evangelium predigten
und andern Menschen dienten; das heißt, indem sie so großzügig gaben, wie
sie empfangen haben (siehe Mt 10,5–8 NLB).
Aber Jesus machte auch deutlich, dass sein Reich eine andere Art von
Reich war – „nicht von dieser Welt“ (Joh 18,36 NLB) – und noch in seiner
Gänze kommen würde. Durch Jesu Menschwerdung, Dienst, Tod und Auf-
erstehung war das Reich Gottes gewissermaßen eröffnet worden, aber Jesus
erwartete auch eine Zeit, in der sein Reich die Reiche dieser Welt gänzlich
ersetzen und Gottes Regierung vollkommen sein würde.
Per Definition sind Adventisten – diejenigen, die diese Wiederkunft und
dieses Reich Gottes erwarten – Menschen der Hoffnung. Aber diese Hoff-
nung dreht sich nicht nur um eine künftige neue Welt. Obwohl Hoffnung in
die Zukunft blickt, verändert sie die Gegenwart. Mit einer derartigen Hoff-
nung leben wir in der Gegenwart schon so, wie wir es in der Zukunft erwar-
ten, und beginnen an Veränderungen zu arbeiten, die zu dem passen, wie
wir die Welt in der Zukunft erwarten.

* Studiere diese Lektion zur Vorbereitung auf Sabbat, den 14. September.

127
Sonntag, 8. September 11

„Herr, wie lange noch?“


In der ganzen Bibel findet sich der wiederholte Ruf des Volkes Gottes – be-
sonders von Menschen, die Sklaverei, Exil, Unterdrückung, Armut oder ande-
re Ungerechtigkeiten oder Tragödien erlebten – nach Gottes Eingreifen. Die
Sklaven in Ägypten, die Israeliten in Babylon und viele andere riefen zu Gott,
dass er ihr Leiden sehen und hören und das, was falsch lief, geraderücken
möge. Und die Bibel zeigt ausdrucksstarke Beispiele dafür, wie Gott handel-
te, um sein Volk zu retten und wiederherzustellen, manchmal sogar, indem
er an ihren Unterdrückern und Feinden Rache nimmt.
Aber diese Rettungen waren gewöhnlich von kurzer Dauer, und die ver-
schiedenen Propheten wiesen anhaltend auf ein letztendliches Eingreifen
hin, wenn Gott dem Bösen ein Ende setzen und die Unterdrückten aufrich-
ten wird. Gleichzeitig riefen diese Propheten weiterhin aus: „Herr, wie lange
noch?“ Der Engel des Herrn fragte zum Beispiel in Bezug auf das Exil der
Israeliten: „HERR Zebaoth, wie lange noch willst du dich nicht erbarmen“
(Sach 1,12)?
Die Psalmen sind voller Klagen über das offensichtliche Wohlergehen und
Glück der Bösen, während die Gerechten misshandelt, ausgebeutet und arm
sind. Der Psalmist ruft Gott wiederholt auf einzugreifen, während er darauf
vertraut, dass die Welt gegenwärtig nicht so geordnet ist, wie Gott sie schuf
oder es sich wünscht; damit nimmt er den Ruf der Propheten und Unter-
drückten auf. „HERR, wie lange noch?“ (Siehe z. B. Ps 94,3–7)
In gewissem Sinne ist Ungerechtigkeit von denen, die an einen gerech-
ten Gott glauben, der sich Gerechtigkeit für sein ganzes Volk wünscht, noch
schwerer zu ertragen. Das Volk Gottes wird immer ein Gefühl der Ungeduld
wegen des Bösen in der Welt verspüren – und Gottes scheinbare Untätigkeit
ist eine weitere Quelle der Ungeduld; darum die manchmal harten Fragen
der Propheten: „HERR, wie lange soll ich schreien, und du willst nicht hören?
Wie lange soll ich zu dir rufen: ‚Frevel!‘, und du willst nicht helfen?“ (Hab
1,2)
Ein ähnlicher Schrei wird im Neuen Testament aufgegriffen, wenn be-
schrieben wird, dass selbst die Schöpfung nach Gottes Rettung und Neu-
schaffung stöhnt (siehe Röm 8,19–22). In Offenbarung 6,10 wird dieser Ruf
„Herr, wie lange noch?“ um derer willen aufgegriffen, die wegen ihres Glau-
bens an Gott den Märtyrertod erlitten. Aber es ist derselbe Ruf, die Bitte an
Gott, um seiner unterdrückten und verfolgten Menschen willen einzugreifen.

Lies Lukas 18,1–8. Was sagt Jesus über Gottes Reaktion auf die wiederholten
Rufe und Gebete seines Volks, um ihretwillen einzugreifen? Wie ist dies mit
der Notwenigkeit, Glauben zu haben, verflochten?

128
Sonntag, 8. September 11

129
Montag, 9. September 11

Eine bestimmte Art von Hoffnung


Religion wird oft für die Tendenz kritisiert, die Gläubigen weg vom Leben im
Hier und Jetzt zu einem besseren Leben nach dem Tod zu ziehen. Die Kritik
lautet, dass der Fokus auf das Jenseits zu einer Form heiliger Wirklichkeits-
flucht wird und den Gläubigen dazu bringt, in der Welt und zur Gesellschaft
weniger beizutragen. Zu manchen Zeiten haben sich Gläubige derartige
Kritik berechtigterweise gefallen lassen müssen, manchmal sogar diese Art
Geisteshaltung kultiviert, gepredigt und gepflegt.
Und wir haben auch schreckliche Beispiele davon, dass die Mächtigen
den Armen und Unterdrückten sagten, sie sollen ihr trauriges Los einfach an-
nehmen, weil alles gut werde, wenn Jesus wiederkommt.
Ja, unsere Welt ist ein gefallener, gebrochener und tragischer Ort – und
es ist nichts Falsches oder Unangebrachtes daran, sich nach der Zeit zu seh-
nen, wenn Gott die Welt wieder in Ordnung bringt; wenn er Ungerechtigkeit,
Schmerz und Leid beendet und wenn er die gegenwärtige Unordnung durch
sein wunderbares und gerechtes Reich ersetzt. Schließlich hätten wir ohne
diese Hoffnung, ohne diese Verheißung überhaupt keine Hoffnung.
Jesus nutzte in seiner Predigt über das Ende der Welt (siehe Mt 24 und 25)
die erste Hälfte seiner Ausführungen dazu, die Notwendigkeit der Flucht de-
tailliert zu beschreiben. Er ging sogar so weit, dass er sagte: „Wenn jene Tage
nicht verkürzt würden, so würde kein Mensch gerettet werden“ (Mt 24,22).
Aber dies ist mehr eine Einleitung zu seiner Erklärung der Bedeutung die-
ser Verheißungen Gottes. Sich nur – oder auch nur hauptsächlich – auf den
„Flucht“-Aspekt der christlichen Hoffnung auf die Zukunft zu konzentrieren,
bedeutet, einige der tiefergehenden Aussagen von Jesus zu übersehen.

Lies Matthäus 24 und 25. Was von dem, was du gelesen hast, sind die
wichtigsten Aussagen in dieser Predigt Jesu? Wie würdest du Jesu
Anweisungen für unsere Lebensgestaltung, während wir auf seine
Wiederkunft warten, zusammenfassen?

Was wir über die Zukunft glauben, hat wichtige Auswirkungen darauf, wie
wir heute leben. Ein gesundes Vertrauen auf Gottes Verheißungen für die Zu-
kunft unserer Welt sollte der Katalysator für energiegeladenes Engagement
sein, der Funke für ein Leben, das reich und tief ist und etwas für andere
bewirkt.

Wie kann und sollte die Hoffnung und die Verheißung der Wiederkunft Jesu
beeinflussen, wie wir heute leben, besonders im Hinblick darauf, Menschen
in Not zu helfen?

130
Montag, 9. September 11

131
Dienstag, 10. September 11

Auferstehungshoffnung
Bei der christlichen Hoffnung auf die Wiederkunft Jesu geht es nicht nur dar-
um, sich auf eine strahlende Zukunft zu freuen. Für die ersten Christen mach-
te die leibliche Auferstehung Jesu die Verheißung seiner Rückkehr zu einer
festen Realität. Wenn er vom Tod zurückkehren konnte – was sie selbst erlebt
hatten –, würde er ganz sicher zurückkommen, um das Projekt der Beseiti-
gung der Sünde und ihrer Folgen und die Erneuerung der Welt zu vollenden
(siehe 1 Kor 15,22–23).
Für den Apostel Paulus war die Auferstehung das Schlüsselelement der
Adventhoffnung. Er war bereit, die Glaubwürdigkeit all dessen, was er pre-
digte, für dieses krönende Wunder der Geschichte Jesu aufs Spiel zu setzen.
„Wenn aber Christus nicht auferstanden ist, dann ist euer Glaube nutzlos“
(1 Kor 15,17 NLB). Denke über diese Worte nach und wie wichtig die Auf-
erstehung Christi für all das ist, worauf wir hoffen.

Lies 1. Korinther 15,12–19. Wie würdest du einem interessierten


Nichtchristen erklären, warum die Wahrheit der Auferstehung so
ausschlaggebend für die christliche Hoffnung ist?

Den auferstandenen Jesus zu erleben, veränderte die ersten Jünger. Wie wir
gesehen haben, hatte Jesus sie zuvor ausgesandt, um das Reich Gottes an-
zukündigen und auszuleben (siehe Mt 10,5–8), aber Jesu Tod erschütterte
ihren Mut und machte ihre Hoffnungen zunichte. Ihr späterer Auftrag (siehe
Mt 28,10–20), den sie vom auferstanden Jesus erhielten und zu dem sie durch
den Heiligen Geist befähigt wurden (siehe Apg 2,1–4), brachte sie auf den
Weg, die Welt zu verändern und das Reich auszuleben, das Jesus aufgerich-
tet hatte.
Von der Macht des Todes und der Furcht davor befreit, lebten und ver-
kündigten diese ersten Gläubigen mutig im Namen Jesu (siehe z.  B. 1  Kor
15,30–31). Das Böse, das den Tod bringt, ist dasselbe Böse, das Leid, Un-
gerechtigkeit, Armut und Unterdrückung in all ihren Formen bringt. Doch
wegen Jesus und seinem Sieg über den Tod wird all dies eines Tages vorbei
sein. „Der letzte Feind, der vernichtet wird, ist der Tod.“ (1 Kor 15,26)

Egal, wem wir heute helfen, es werden letztendlich alle sterben. Was lehrt
uns diese harte Tatsache darüber, wie wichtig es ist, andere Menschen um
die Hoffnung wissen zu lassen, die wir im Tod und der Auferstehung Jesu
finden können?

132
Dienstag, 10. September 11

133
Mittwoch, 11. September 11

Gerichtshoffnung
Lies Prediger 8,14. Wie siehst du die harte und mächtige Realität
­dessen, was hier geschrieben steht?

Während Leid, Unterdrückung und Tragödien an sich schon schwer genug


auszuhalten sind, sind Ungerechtigkeit und Beleidigungen noch schlimmer,
wenn sie sinnlos und unbeachtet zu sein scheinen. Die mögliche Sinnlosig-
keit von Leid wiegt schwerer als die ursprüngliche Last. Eine Welt ohne Auf-
zeichnung [des Schlimmen] oder letztendliche Gerechtigkeit ist das Non-
plusultra an grausamer Absurdität. Kein Wunder, dass atheistische Autoren
des 20. Jahrhunderts über das klagten, was sie für die Absurdität des mensch-
lichen Lebens hielten. Ohne Hoffnung auf Gerechtigkeit, ohne Hoffnung auf
Gericht, ohne Hoffnung darauf, dass alles in Ordnung gebracht wird, wäre
unsere Welt in der Tat eine absurde Welt.
Aber der Aufschrei von Prediger 8,14 ist nicht das Ende der Geschichte.
Am Ende seiner Proteste macht Salomo eine plötzliche Wende. Mitten in sei-
nen Klagen über die Bedeutungslosigkeit sagt er im Grunde: Moment! Gott
wird richten, also ist nicht alles sinnlos; vielmehr ist nun alles und jeder wich-
tig.

Lies Prediger 12,13–14. Was sagt uns dies darüber, wie wichtig alles
ist, was wir hier tun?

Die Gerichtshoffnung läuft auf das hinaus, was man über das Wesen Gottes,
das Leben und die Welt, in der wir leben, glaubt. Wie wir gesehen haben, be-
steht die Bibel darauf, dass wir in einer Welt leben, die Gott schuf und liebt,
aber einer Welt, die in die Irre gegangen ist und in der Gott auf seinen Plan
der Neuschaffung durch das Leben und den Tod Jesu hinarbeitet. Gottes Ge-
richt ist ein Schlüsselelement seines Unterfangens, die Welt in Ordnung zu
bringen. Für diejenigen, die vieles von dem, was in der Welt falsch läuft, er-
leiden mussten – diejenigen, die ausgegrenzt, brutal behandelt, unterdrückt
und ausgebeutet wurden – ist das Versprechen des Gerichts ganz gewiss eine
gute Nachricht.

Was bedeutet es dir zu wissen, dass eines Tages – auf eine Art und Weise, die
wir uns nicht vorstellen können – die Gerechtigkeit, nach der wir uns so sehr
sehnen, schließlich kommen wird? Wie können wir aus diesem Versprechen
Hoffnung schöpfen?

134
Mittwoch, 11. September 11

135
Donnerstag, 12. September 11

Keine Tränen und Schmerzen mehr


Lies Offenbarung 21,1–5; 22,1–5 und nimm dir etwas Zeit, um dir vor-
zustellen, wie das hier beschriebene Leben sein wird. Warum ist es
schwierig, sich ein Leben ohne Sünde, Tod, Schmerz und Tränen vor-
zustellen?

Die Beschreibungen der Bibel von unserem Leben nach der Sünde sind ohne
Frage wunderbar und herrlich und können zweifellos kaum wiedergeben,
was uns erwartet. Selbst in diesen Versen handeln die Beschreibungen fast
genauso viel davon, was nicht vorhanden sein wird, wie von dem, was sein
wird. Da diese Welt alles ist, was wir kennen, kann es schwer sein, sich ein
Leben ohne Schmerz und Leid, Tod und Angst, Ungerechtigkeit und Armut
vorzustellen.
Nicht nur, dass es dies alles nicht mehr gibt, nein, die Beschreibung fügt
eine persönliche Note hinzu: „Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Au-
gen“ (Offb 21,4). Im Umfeld derer, die erlöst wurden, erreicht Gottes Mitge-
fühl für diejenigen, die im Laufe der Menschheitsgeschichte gelitten haben,
in diesem einen Satz ihren Höhepunkt. Er setzt ihrem Leiden nicht nur ein
Ende, sondern wischt ihnen persönlich die Tränen ab.
Von einem Leben in Sünde und einer Welt voll Ungerechtigkeit und Katas-
trophen gebrochen und gezeichnet können wir in der Offenbarung Hinweise
auf einen Heilungsprozess für alle von uns entdecken, die auf sehr verschie-
dene Weise Opfer der Sünde sind. Als Johannes den Baum des Lebens be-
schreibt, erklärt er: „Die Blätter der Bäume dienen zur Heilung der Völker.“
(Offb 22,2) Wieder zeigt Gott sein Verständnis und sein Mitgefühl dafür, was
es bedeutete, Mensch zu sein, das Böse dieser Welt zu spüren, zu erleben,
zu sehen und sogar Teil davon zu sein. Sein Plan für die Wiedererschaffung
unserer Welt schließt das Wiederherstellen und Heilen von jedem von uns
mit ein.
Bis dahin versuchen wir alles, was uns in Christus möglich ist, um unseren
Teil zu tun – wie klein und schwach er auch sein mag –, um den Menschen
um uns herum zu dienen, die das brauchen, was wir anzubieten haben. Was
es auch sein mag – freundliche Worte, eine warme Mahlzeit, medizinische
Hilfe, zahnärztliche Hilfe, Kleidung, Rat – was wir tun können, sollten wir
mit der Art selbstverleugnender, selbstaufgebender, selbstaufopfernder Liebe
tun, die Jesus zeigte, während er auf der Erde war.
Natürlich wird es in der Welt trotz unserer größten Bemühungen schlim-
mer und schlimmer. Jesus wusste das; und doch hielt diese Wahrheit ihn
nicht davon ab, anderen Menschen zu dienen – und es sollte auch uns nicht
davon abhalten.

136
Freitag, 13. September 11

Weiterführendes Studium:
Lies Ellen White, „Zum höheren Standard berufen“, S. 232–241 in Gute Nach-
richt für alle, Krattigen 2016; „Die Verwüstung der Erde“, S. 598–606 in Vom
Schatten zum Licht, Krattigen 2016.
„Wenn Gottes Stimme die Gefangenschaft seines Volkes wendet, wird es für
jene, die im großen Kampf des Lebens alles verloren haben, ein böses Erwa-
chen geben. Während der Gnadenzeit wurden sie durch Satans Täuschungen
geblendet und rechtfertigten ihren sündhaften Lebenswandel. Die Reichen
rühmten sich ihrer Vorherrschaft über die weniger Begünstigten, doch ihren
Reichtum hatten sie durch die Verletzung des Gesetzes Gottes erzielt. Sie hat-
ten es versäumt, die Hungrigen zu speisen, die Nackten zu kleiden, recht zu
handeln und Barmherzigkeit zu üben … Sie haben ihr Gewissen für irdische
Reichtümer und irdische Freuden verkauft und nicht danach gestrebt, in Gott
reich zu werden. Ihr Leben wurde zu einem Fehlschlag, ihre Freuden sind
verdorben, ihre Schätze zerstört.“ (VSL 598–599)
„Der große Kampf ist zu Ende. Sünde und Sünder gibt es nicht mehr. Das
ganze Universum ist rein. Eintracht und Freude durchdringen alle Bereiche
der unermesslichen Schöpfung. Von dem, der alles schuf, strömen Leben,
Licht und Freude durch alle Bereiche des grenzenlosen Raums. Vom kleins-
ten Atom bis zum größten Weltenkörper verkündet alle lebende und unbe-
lebte Natur in ihrer ungetrübten Schönheit und vollkommenen Freude: Gott
ist Liebe.“ (VSL 621)
Fragen für ein Gespräch:
1. Erklärt, wie das, was ihr diese Woche studiert habt, zeigt, dass das Leben
hier und heute sinnvoll ist. Vergleicht dies mit der Überzeugung von
manchen, dass wir uns um dieses Leben und diese Welt nicht zu küm-
mern brauchen, weil Gott alles zerstören und von vorne beginnen wird.
Wie können wir auch darauf achten, die Wahrheit der Verheißung eines
neuen Lebens nicht dazu zu benutzen, Bedürftige zu vernachlässigen
(schließlich wird Gott am Ende alles gut machen)? Oder noch schlimmer:
Wie können wir sicherstellen, dass wir nicht zu denen gehören, die diese
Wahrheit dazu anwenden, andere auszunutzen?
2. Das adventistische Verständnis der biblischen Prophetie erwartet, dass
das Böse, Probleme und Leid zunehmen, je näher die Wiederkunft
kommt. Wenn so etwas geschieht, verweisen wir oft auf Matthäus 24. Wie
sollten wir diese tragischen Ereignisse im Licht von Matthäus 25 sehen?
Zusammenfassung:
Unser Gott wird nicht zulassen, dass das Böse ewig andauert. Die große Hoff-
nung der Bibel ist, dass die Wiederkunft Jesu dem Bösen ein Ende bereiten,
Ungerechtigkeit heilen und eine neue Welt schaffen wird, die so ist, wie sie
sein soll. Auf die Auferstehung Jesu gegründet, verändert diese Hoffnung das
Heute und gibt uns Mut für unseren Dienst für Gott und andere Menschen,
während wir auf Jesu Rückkehr warten.
Sabbatanfang: 19:40 Uhr Kassel / 19:14 Uhr Wien

137
Mit Gott erlebt
(Inside Story)

Das Fernsehen zieht Leute an


Andrew McChesney, Adventist Mission
Coralie Schofield, die in Neuseeland aufgewachsen war, wurde als Kind vor den
Gefahren des Fernsehens gewarnt; sie durfte nur wenig fernsehen. Heute ist sie
erstaunt und glücklich darüber, dass viele Menschen wegen des Fernsehpro-
gramms in die Adventgemeinden im ganzen Land kommen. Als Frau des Leiters
des Hope Channels Neuseeland bekommt sie diese Entwicklung hautnah mit.
Außerdem kümmert sie sich um die Korrespondenz des Senders.
Sie sagt: „Als Kind adventistischer Eltern wurde bei mir sehr genau darauf ge-
achtet, was ich im Fernsehen anschaute. Heute gibt es viel mehr Möglichkeiten
als damals. Man kann den ganzen Tag jeden Tag in der Woche adventistische
Sendungen ansehen.“
Zuschauer sprechen Coralie und ihren Mann bei Gottesdiensten in ganz Neu-
seeland an. Ein älteres Ehepaar erzählte zum Beispiel, dass ihre Tochter durch die
Kanäle gezappt und beim Hope Channel hängen geblieben war. Von da an sah
sie den Sender regelmäßig an und erzählte ihren Eltern und ihrer Schwester da-
von. Heute sind alle vier getauft.
Der Hope Channel wird in Neuseeland durch die Unterstützung der besonde-
ren Missionsgaben am 13. Sabbat seit 2016 unverschlüsselt ausgestrahlt. Heute
hat der Sender laut Marktanalysen monatlich etwa 200.000 Zuschauer, das sind
5 Prozent der Bevölkerung. Die Adventgemeinde in Neuseeland hat ca. 12.000
Mitglieder. Die neuseeländische Gesellschaft ist stark säkularisiert und die Kirche
kann nur sehr schwer Kontakt zu den Menschen herstellen.
Das Ehepaar Schofield begegnet Zuschauern an den ungewöhnlichsten ­Orten.
Während eines Inlandflugs arbeitete Neale auf seinem Laptop, als ein Mitrei-
sender das Hope Channel Logo auf dem Bildschirm bemerkte und ihn darauf
ansprach. Der Mann stellte sich als Pastor einer anderen christlichen Kirche in
Auckland vor. Er erzählte, dass seine 15 und 18 Jahre alten Töchter nur den Hope
Channel ansahen.
Immer wieder geschieht es in den 16 adventistischen Schulen in Neuseeland,
dass Eltern ihre Kinder dort anmelden wollen, weil sie den Hope Channel an-
sehen. Coralie sagt dazu: „Die Eltern wissen, dass der Hope Channel von der
Adventkirche betrieben wird. Sie wollen, dass ihre Kinder die moralischen Werte
beigebracht bekommen, die sie dort sehen.“
Niemand weiß genau, wie viele Menschen aufgrund der Arbeit des Hope
Channels zur Adventgemeinde gefunden haben. Coralie meint dazu: „Ich bin
sehr dankbar und demütig, dass ich Teil dieses Prozesses sein darf.“

Geliefert vom Büro der Generalkonferenz für Adventist Mission: www.AdventistMission.org

138
Lektion 12
Woche vom 14. bis 20. September*

Barmherzigkeit lieben

Sabbatnachmittag

Lies für das Studium dieser Woche:


Matthäus 6,25–33; Jakobus 1,5–8; 2,15–16; Jesaja 52,7; 1. Johannes 3,16–18;
Jesaja 58,1–10

Merktext:
„Den Frommen geht das Licht auf in der Finsternis, gnädig, barmherzig und
gerecht. Wohl dem, der barmherzig ist und gerne leiht und das Seine tut,
wie es recht ist!“ (Ps 112,4–5)

Wie wir gesehen haben, ist die Bibel voller leidenschaftlicher Beschreibun-
gen von Gottes Interesse an Armen und Unterdrückten, wie auch Aufforde-
rungen an sein Volk, sich um diese zu kümmern. Trotz der Aufmerksamkeit,
die diesen Themen gewidmet ist, wurde der biblische Auftrag nur sporadisch
und teilweise erfüllt und wird erst mit der Wiederkunft und den sich an-
schließenden übernatürlichen Ereignissen beendet sein.
Bis dahin bleibt das Böse in vielen Formen bestehen und wird angeheizt
von dunklen geistlichen Einflüssen des Teufels und seiner Engel. Das Böse
wird oft am meisten sichtbar in Armut, Gewalt, Unterdrückung, Sklaverei,
Ausbeutung, Egoismus und Gier. In solch einer Welt müssen unsere Gesell-
schaft, unsere Kirchen und unsere Familien diesem Bösen entgegentreten,
egal wie schwer dies manchmal ist. Wir leben im Licht des Dienstes und
Opfers Jesu und sind gestärkt und geleitet von der Gegenwart des Heiligen
Geistes. Auf der Basis dessen und als Reaktion auf die Liebe und die Gebote
Gottes müssen wir mitfühlend, kreativ und mutig danach streben, „Recht zu
üben und Güte zu lieben und bescheiden zu gehen mit deinem Gott“ (Mi 6,8
EB).

* Studiere diese Lektion zur Vorbereitung auf Sabbat, den 21. September.

139
Sonntag, 15. September 12

Prioritäten des Reiches Gottes


Wie in den Lehren Jesu und bei den Autoren des Neuen Testaments deutlich
wird, leben die Mitglieder von Gottes Reich nach anderen Werten und Priori-
täten als die Welt.

Lies Matthäus 6,25–33. Welche Zusicherung erhalten wir in diesen


Versen und wie sollte sich diese Zusicherung auf unsere Prioritäten
auswirken?

Jesus lehrte, dass „das Leben mehr [ist] als die Nahrung und der Leib mehr
als die Kleidung“ (Mt 6,25). Diese Dinge sind natürlich wichtig, aber wir müs-
sen sie im Lichte des Reiches Gottes sehen – was bedeutet, wir müssen in
unserem Leben auf echte und praktische Weise neue Prioritäten festlegen.
Wenn wir die in der Bibel immer wieder getätigte Aufforderung erkennen,
andere Menschen aufzubauen und für sie zu sorgen, wird diese Aufforde-
rung auch zu einer unserer Prioritäten, während wir uns bemühen, so wie
­Jesus zu leben. Idealerweise sollte uns diese Aufforderung helfen, uns weni-
ger auf uns selbst und mehr auf andere zu konzentrieren.
Diese andere Verteilung der Prioritäten verändert auch unsere Beziehung
zu denen, die Macht über uns und die Unterdrückten haben. Während die
Bibel Christen anweist, ihre Regierung zu respektieren und ihr so weit wie
möglich zu gehorchen (siehe z. B. Röm 13,1–7), kommt auch ein Punkt, an
dem wir die Worte von Petrus wiederholen müssen: „Man muss Gott mehr
gehorchen als den Menschen.“ (Apg 5,29) Jesus gab diesem Prinzip das rich-
tige Gleichgewicht in seiner Antwort an jene, die versuchten, ihn mit dieser
Frage auszutricksen: „So gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was
Gottes ist!“ (Mt 22,21)
Wer Macht hat, sei es in der Regierung oder anderweitig, benutzt oft Dro-
hung und Gewalt, um diese Macht durchzusetzen oder zu erhalten. Wie wir
im Leben von Jesus gesehen haben, erfordert glaubenstreues Leben nicht
immer und in jeder Situation Passivität gegenüber dem Bösen. Ellen White
schrieb zum Beispiel zum Thema Sklaverei in Amerika: „Wenn die Gesetze
der Menschen dem Wort und dem Gesetz Gottes widersprechen, müssen
wir ungeachtet der Konsequenzen Letzterem gehorchen. Das Gesetz unse-
res Landes verlangt von uns, einen Sklaven seinem Herrn auszuliefern, dem
dürfen wir nicht gehorchen; und wir müssen die Folgen dafür, dieses Gesetz
zu verletzen, ertragen. Der Sklave ist nicht Eigentum eines Menschen. Gott ist
sein rechtmäßiger Herr, und der Mensch hat kein Recht, Gottes Wertarbeit
in seine Hände zu nehmen und den Sklaven als sein Eigentum zu beanspru-
chen.“ (Testimonies for the Church, Bd. 1, S. 201–202)

Wo ist die Grenze zwischen Gehorsam den Autoritäten gegenüber und dem
Eintreten für diejenigen, die Opfer einer unterdrückerischen Autorität sind?

140
Sonntag, 15. September 12

141
Montag, 16. September 12

Erschöpft vom Mitgefühl


Viele von uns widersetzen sich der Gefahr, dass unsere guten Absichten von
„den ganzen Problemen der Welt“ erdrückt werden, und würden gerne mehr
tun, um das Leben der Leidenden zu verbessern. Es gibt eine Reihe von Ein-
stellungen und Taten, die uns helfen können, positive Maßnahmen für die
Bedürftigen zu ergreifen.
Mitgefühl: Wie wir gesehen haben, besteht der erste Schritt darin, den
Schmerz der Leidenden zu erkennen und nachzuempfinden. Wir müssen
unsere Sensibilität für Menschen in Not intensivieren und erhalten. Man
spricht heute über „Mitgefühlserschöpfung“, die Vorstellung, dass wir Leid
und Katastrophen so sehr ausgesetzt sind, dass viele von uns wegen der
mannigfaltigen Anliegen, die nach emotionaler Energie und finanzieller
Unterstützung rufen, müde geworden sind. Jesus war sich des Bösen und des
Leides um ihn herum deutlich bewusst; doch er blieb mitfühlend. Das müs-
sen auch wir.
Bildung: Weil viele Situationen der Ungerechtigkeit und Armut komplex
sind, ist es wichtig, dass wir so viel wie möglich zuhören und über diese
Situationen lernen. Es gibt viele Beispiele dafür, dass wohlmeinende Leute
anderen Menschen mit ihren Hilfsversuchen geschadet haben. Eine Ent-
schuldigung für Tatenlosigkeit darf dieser Umstand jedoch nicht sein. Den-
noch sollten wir, wenn wir uns einbringen, informiert sein und durchdacht
handeln.
Gebet: Wenn wir ein Problem sehen, ist unser erster Gedanke, etwas
„Praktisches“ zu tun. Aber die Bibel erinnert uns daran, dass beten etwas
Praktisches ist. Wir können im Leben der Armen und Unterdrückten durch
unsere Gebete für sie und jene, die Macht haben, etwas bewirken (siehe
1 Tim 2,1–2), wie auch Gottes Führung dafür erbitten, wie wir mit weiter­
gehenden Hilfsangeboten am besten reagieren können (siehe Spr 2,7–8).
Erwartungen: Ein weiteres wichtiges Element, wenn man darauf hin-
arbeitet, Leid zu lindern, besteht darin, mit den richtigen Erwartungen an die
Komplexität der sozialen, politischen und persönlichen Umstände heranzu-
gehen. Unsere Hoffnung sollte darin liegen, Menschen Entscheidungs- und
Wahlmöglichkeiten zu bieten, die sie anderweitig nicht hätten. Manchmal
wird uns das, was die Menschen mit diesen Möglichkeiten tun, enttäuschen,
aber wir müssen ihre Entscheidungen respektieren. Egal auf welche Weise
wir versuchen, etwas für Leidende zu bewirken, muss unsere Richtlinie lau-
ten: „Geht so mit anderen um, wie die anderen mit euch umgehen sollen.“
(Mt 7,12 NLB)

Lies Jakobus 1,5–8. Welche Rolle sollte das Gebet bei dem, was ein Christ
tut, spielen? Was schlägt Jakobus 2,15–16 vor, wie wir dazu beitragen kön-
nen, dass unsere Gebete für andere Menschen erhört werden?

142
Montag, 16. September 12

143
Dienstag, 17. September 12

Großzügigkeit
„Einen fröhlichen Geber hat Gott lieb“ (2 Kor 9,7) und großzügiges Geben ist
ein wichtiger Aspekt des Lebens als Christ. Während wir es der Bibel gestat-
ten müssen, unser Geben und unsere finanziellen Prioritäten zu hinterfragen,
ist Großzügigkeit mehr als einfach Geld in eine Sache hineinzustecken, egal
wie löblich dies ist.
Vielmehr ist Großzügigkeit eine der größten Lebenseinstellungen und eine
Haupteigenschaft derer, „die den Herrn fürchten“, wie mehrmals in Psalm
112 angemerkt: „Wohl dem, der barmherzig ist und gerne leiht und das Seine
tut, wie es recht ist!“ (Ps 112,5)

Was lehren die folgenden Verse über Großzügigkeit Bedürftigen


gegenüber? 3. Mose 25,35–37; Psalm 119,36; 2. Korinther 8,12–15;
1. Johannes 3,16–18; 1. Timotheus 6,17–19

Paulus erwähnte in seinen neutestamentlichen Briefen regelmäßig die Groß-


zügigkeit Gottes als Quelle der christlichen Hoffnung. Sie trat am umfas-
sendsten darin zutage, dass Jesus sein Leben für uns gab. Im Gegenzug wäre
Jesu Tod auch die Motivation für uns, ein Leben in Großzügigkeit anderen
gegenüber zu führen: „Und ich bete nun, dass der Glaube, den wir miteinan-
der teilen, in dir zunimmt, indem du erkennst, wie viel Gutes wir in Christus
haben.“ (Phlm 6 NLB)
Großzügigkeit ist eine Lebenseinstellung, die groß, mutig und umfassend
ist. Vieles in unserem persönlichen Leben, in der Gesellschaft und der Kultur
drängt uns dazu, uns auf uns selbst zu konzentrieren, so viel wie möglich für
uns selbst zu behalten. Und seien wir ehrlich: Für die meisten von uns ist der
Standardmodus ohnehin immer ich, ich, ich.
Wenn unser Glaube echt ist, bringt er uns dazu, unserem Ich zu sterben
und mehr für andere zu leben. Unser Glaube hilft uns, uns die Welt und ihre
Menschen so vorzustellen, wie Gott sie sieht – sowohl in ihrem Gutsein als
auch in ihrer Gebrochenheit – und spornt uns dabei an, Bedürftigen so gut
wie irgend möglich zu helfen.
Großzügigkeit als Lebensqualität wird von Spendensammlern und Wohltä-
tigkeitsorganisationen sehr geschätzt. Eine solche Großzügigkeit ist messbar
und unmittelbar praktisch. Aber große Spenden sind nicht unbedingt Indi-
kator für ein großzügiges Leben (siehe Mk 12,41–44). Ein großzügiges Leben
ist umfassender und wertvoller als jede Spende. Wir müssen eine großzügige
Einstellung in allem, was wir tun, stärker wertschätzen und pflegen. Für die
meisten Menschen ist Großzügigkeit nicht selbstverständlich; sie ist Gnade,
die wir – ungeachtet des Sogs unserer sündigen und egoistischen mensch-
lichen Natur – in unserem Leben proaktiv und bewusst entfalten müssen.

Wie können wir über großzügiges Spenden hinaus eine großzügige Geistes-
haltung zeigen?

144
Dienstag, 17. September 12

145
Mittwoch, 18. September 12

Frieden stiften
Lies Matthäus 5,9. Wie tun wir das, was Jesus hier sagt, in der
­heutigen Welt? Wie erfolgreich können wir letztendlich sein?
Siehe Markus 13,7.

Gewaltsame Konflikte sind eine herausragende Ursache für Leid. Die Kos-
ten eines Kriegs setzen sich zusammen aus direkten Opfern und zerstörten
­L eben, der Aufmerksamkeit und den Ressourcen, die in den Militärapparat
gesteckt werden und die besser dafür verwendet würden, andere mensch-
liche Nöte zu lindern, und dem anhaltenden Leid von Kriegsüberlebenden
und Veteranen, selbst bei den „Siegern“. Dann gibt es viele kleinere Konflikte,
die zahllose Leben in Familie und Gesellschaft zeichnen. Eine Leidenschaft
für Gerechtigkeit kann daher das Mandat zum Friedenstiften nicht ignorie-
ren.
Im Mittelpunkt des Evangeliums Jesu steht Gottes gnadenvoller und groß-
artiger Akt des Friedenstiftens, indem sündige Menschen mit ihrem Schöpfer
versöhnt werden (siehe 2 Kor 5,18–21). Und die Versöhnung, die wir empfan-
gen, wird für uns zum Verhaltensmuster, um auch „Botschafter“ dieser Ver-
söhnung für andere zu sein.

Lies Jesaja 52,7. Wie leben wir auch diesen Vers aus?

Das Friedensevangelium wird auch Motivation, Verhaltensmuster und Hilfs-


mittel, um in unserer gewalttätigen Welt für Frieden zu arbeiten: „Ein Herz,
das mit Gott in Einklang steht, hat am himmlischen Frieden Anteil und wird
dessen segensreichen Einfluss um sich her verbreiten. Der Geist des Friedens
ruht auf allen, die der Zwietracht in der Welt überdrüssig sind.“ (BL 33)
In der Bergpredigt sagte Jesus: „Selig sind, die Frieden stiften; denn sie
werden Gottes Kinder heißen.“ (Mt 5,9) Als er dies weiter ausführte, bestä-
tigte er nicht nur das Gebot, nicht zu töten, sondern sagte, wir sollten nicht
wütend oder nachtragend sein (siehe Mt 5,21–26) und unsere Feinde lieben
und für diejenigen beten, die uns verfolgen (siehe Mt 5,43–48) – das heißt,
wir sollen aktive Schritte unternehmen, um ihr Gutes zu suchen. Es gibt viele
inspirierende Berichte über Menschen, die ihr Leben dem Friedenstiften an
den Brennpunkten der Welt gewidmet, kleine Funken von Versöhnung und
Heilung gebracht und oft einen Großteil der Ungerechtigkeit und des Leids,
das diese Konflikte mit sich brachten, gelindert haben.

Wie könnte deine Ortsgemeinde auf der lokalen Ebene die Rolle eines Frie-
densstifters übernehmen?

146
Mittwoch, 18. September 12

147
Donnerstag, 19. September 12

Eine Stimme für die, die keine Stimme haben


Salomo schrieb, es gibt Zeit fürs Schweigen und Zeit fürs Reden (vgl. Pred
3,7). Er hatte Recht, und die richtige Balance zu finden ist für keinen von uns
einfach. Aber haben wir als Kirche, wenn es darum geht, für Unterdrückte zu
sprechen, eine Stimme für die zu sein, die keine Stimme haben, und Böses
mit Gutem zu überwinden, möglicherweise den Fehler begangen, zu oft zu
schweigen, wenn man unsere Stimme hätte hören sollen?
Christen sprachen oft darüber, die Hände und Füße Jesu zu sein, womit
sie sich auf die Aufforderung zum praktischen Dienst an anderen Menschen
beziehen, den sich Jesus von uns wünscht. Aber bei der Aufgabe des Pro-
pheten, wie die Bibel sie zeigt, besteht Gottes erste Aufforderung an Männer
und Frauen darin, seine Stimme zu sein – und indem man für Gott spricht,
auch für diejenigen zu sprechen, von denen Gott möchte, dass sie verteidigt
werden (siehe Ps 146,6–10).

Lies Jesaja 58,1–10. Was sollte uns diese Botschaft, die zu einer kon-
kreten Zeit an einem konkreten Ort und in einem konkreten Umfeld
gegeben wurde, heute zu einer anderen Zeit, einem anderen Ort und
in einem anderen Umfeld sagen? Wie viel hat sich wirklich verändert
zwischen der Zeit, als Jesaja dies schrieb, und unserer Welt heute?

Der Ruf der Propheten nach Gerechtigkeit war nie etwas, das ihnen zu Popu-
larität verhalf. Aber motiviert durch ihren Auftrag von Gott, dem Verständnis
von Gottes Leidenschaft für Gerechtigkeit, ihrem Mitempfinden mit der Not
der Armen und Unterdrückten und ihrem Streben nach dem Besten für ihre
Gesellschaft wagten diese Propheten es, zu ihrer Zeit und an ihrem Ort eine
Stimme für die ohne Stimme zu sein trotz Widerstand, Unbehagen und Ge-
fahr (siehe 1 Ptr 3,17).
Siebenten-Tags-Adventisten haben auf der Grundlage ihres Verständnisses
des Evangeliums und der Aufforderung, der Welt Jesus zu zeigen, im Umgang
mit dem Bösen in der Welt ebenfalls viel Gutes zu bieten.
Zum Beispiel: „Siebenten-Tags-Adventisten glauben, dass Maßnahmen
zum Abbau der Armut und der damit verbundenen Ungerechtigkeit ein wich-
tiger Teil der sozialen Verantwortung der Christen sind. Die Bibel zeigt deut-
lich Gottes besonderes Interesse für die Armen und seine Erwartungen, wie
seine Nachfolger jenen helfen sollten, die nicht für sich selbst sorgen können.
Alle Menschen tragen das Bild Gottes in sich und sind Empfänger von Gottes
Segen (Lukas 6,20). Indem wir uns für die Armen einsetzen, folgen wir dem
Beispiel und den Lehren Jesu (Matthäus 25,35.36). Als Glaubensgemein-
schaft verteidigen Siebenten-Tags-Adventisten als Anwälte der Gerechtigkeit
die Armen und sprechen anstelle jener, die ‚nicht für sich selbst sprechen
können‘ (Sprüche 31,8) und gegen jene, welche die ‚Armen ihrer Rechte be-
rauben‘ (Jesaja 10,2). Wir arbeiten mit dem Gott zusammen, der ‚Gerechtig-
keit schafft für die Armen‘ (Psalm 140,13).“ (Stellungnahme der Siebenten-
Tags-Adventisten zur weltweiten Armut, 24.6.2010)

148
Freitag, 20. September 12

Weiterführendes Studium:
Lies Ellen White, „Eine höhere Erfahrung“, S. 422–431 in Auf den Spuren des
großen Arztes, Lüneburg 1999; „Duty to the Unfortunate“ and „Man’s Duty to
His Fellow Men“, S. 511–526 in Testimonies for the Church, Bd. 3; „ Doing for
Christ“, S. 24–37 in Testimonies for the Church, Bd. 2.
„Nirgendwo wird seine Wahrheit machtvoller offenbart als dort, wo sie sich
in Hilfe für Menschen manifestiert, die unser Mitgefühl und unsere Unterstüt-
zung brauchen. Wenn jene, die den Namen Christi tragen, nach dem Prin-
zip der goldenen Regel handeln würden, würde die Verbreitung des Evan-
geliums von der gleichen Macht Gottes begleitet werden wie damals zur Zeit
der Apostel.” (BL 137)
„Höchste Liebe zu Gott und selbstlose Liebe untereinander – das ist die
beste Gabe, die uns unser himmlischer Vater schenken kann. Diese Liebe ist
keine momentane Gefühlsregung, sondern ein göttliches Prinzip, eine stän-
dig wirksame Macht. Wer sich Christus nicht hingegeben hat, kann sie weder
erzeugen noch bewirken. Sie ist nur in dem Herzen zu finden, in dem Jesus
regiert … Wird diese Liebe geschätzt und gehegt, versüßt sie das eigene Le-
ben und übt einen veredelnden Einfluss auf die Umwelt aus.“ (GNA 415–416)
Fragen für ein Gespräch:
1. Wie wir in der Studienbetrachtung dieser Woche gesehen haben, ist das
Evangelium weiterhin Vorlage und Motivation, um für andere Menschen
zu handeln, so wie Jesus für uns handelte. Inwiefern hat dies euer Ver-
ständnis und eure Wertschätzung der Guten Nachricht davon erweitert,
was Gott für uns getan hat und wie er seine Liebe zu uns zeigt?
2. Die Stimme für diejenigen erheben, die keine Stimme haben, sich als Frie-
densstifter betätigen und ähnliche Aktivitäten kann uns in die öffentliche
und politische Arena hineinziehen. Die Kirche der Siebtenten-Tags-Adven-
tisten befürwortet jedoch die Trennung von Kirche und Staat. Worin liegt
der Unterschied zwischen unangebrachtem politischem Engagement und
öffentlich durch Wort und Tat für Frieden einzutreten?
3. Welchen Schritt oder welche Aktion, die in der Studienbetrachtung dieser
Woche angeführt waren, würdet ihr gerne in euer Leben integrieren und
in eure Umgebung hineintragen? Wie kann das erfolgen?
4. Für welches Thema in Bezug auf Böses und Unterdrückung – entweder in
eurer Umgebung oder weiter gefasst – wollt ihr beten?
Zusammenfassung:
Ein Nachfolger Jesu zu werden verändert das Leben auf vielfältige Weise,
einschließlich dem Herausbilden der Leidenschaft dafür, sich an Gottes akti-
ver Sorge um die Armen und Unterdrückten anzuschließen. Dies ist nie ein-
fach und selten populär, wird aber unsere Prioritäten verändern und moti-
viert uns, aktive Schritte zu unternehmen, um das Leid in der Welt um uns
herum zu heilen.

Sabbatanfang: 19:24 Uhr Kassel / 18:59 Uhr Wien

149
Mit Gott erlebt
(Inside Story)

Ein amerikanischer Motorradfahrer entdeckt den Sabbat für sich


Andrew McChesney, Adventist Mission
Die Einladung verblüffte Richard Smith, der beim Seniorenzentrum Essen abho-
len wollte, das er mit seiner Harley Davidson zu Rentnern in Huntington im US-
Bundesstaat Virginia ausfuhr. Ruth, die im Seniorenzentrum arbeitete, hatte ihn
gefragt: „Hast du Lust, mit mir in die Adventgemeinde zu gehen?“ Richard ant-
wortete: „Ich weiß nicht. Ich kenne die Adventgemeinde nicht.“
Der 72-jährige Richard hatte in seinem Leben, in dem er zweimal verheiratet
gewesen war und zwei verschiedene Jobs gehabt hatte, schon mehrere sonn-
tagshaltende Kirchen besucht. Aber er war nicht getauft. Er wusste nicht, welcher
Kirche er sich anschließen sollte. Oft dachte er: „Wenn Gott mich eines Tages
aufweckt und zu mir sagt: Geh in eine andere Kirche, dann will ich meine Sachen
packen und dorthin gehen können.“
Als Ruth ihn nun einlud, antwortete er: „Gehen wir doch zuerst mal in meine
Kirche.“ Nach dem Gottesdienst fragte er Ruth, die sechs Jahre jünger als er, ge-
schieden und von Beruf Krankenschwester war, nach ihrer Meinung. Ruth sagte
über die Donuts und den Saft, den es in der Kirche gab: „Wenn ich nur Frühstück
gewollt hätte, wäre es sehr gut gewesen.“ Sie besuchten noch eine andere Kirche,
in die Richard ging. Als er wieder nach ihrer Meinung fragte, meinte Ruth, der
Pastor hätte mehr Zeit für die Bekanntmachungen als für die Predigt verwendet.
Dies gab Richard zu denken und er stimmte schließlich zu, mit Ruth in die
Adventgemeinde zugehen. Schon bald begann er den Pastor, Bill Hunt, mit Fra-
gen über die Bibel zu löchern. Die Antworten erstaunten ihn. Er erzählt: „Es war,
als hätte ich einen Schleier über meinem Kopf gehabt. Ich konnte hindurchsehen,
aber alles war irgendwie unscharf. Bill zog mir diesen Schleier vom Kopf und ich
sagte: Wow! Jetzt sehe ich alles glasklar!“
Außerdem stellten Richard und der Pastor fest, dass sie auch ein gemeinsa-
mes Interesse haben: Beide waren Biker. Der Pastor lud Richard zu einer evan-
gelistischen Vortragsreihe ein. Von den besonderen Missionsgaben 2015 wur-
den 35 Evangelisationen in West Virginia finanziert. Eine davon besuchte Richard
2016 gemeinsam mit Ruth. Im Anschluss daran ließ er sich zusammen mit sieben
anderen in der Adventgemeinde in Huntington taufen.
Heute erzählt Richard jedem, der es hören will, von seiner Liebe zu Jesus. Er
sagt: „Gott hat sich so wunderbar um mich gekümmert und ich frage mich oft:
Warum? Ich weiß, dass er sich um jeden Menschen kümmert, aber warum? Es ist,
als würde ich an einem gedeckten Tisch mit all meinen Lieblingsspeisen sitzen.
Was sollte mir noch fehlen?“

Geliefert vom Büro der Generalkonferenz für Adventist Mission: www.AdventistMission.org

150
Lektion 13
Woche vom 21. bis 27. September*

Eine Gemeinschaft von Dienern

Sabbatnachmittag

Lies für das Studium dieser Woche:


2. Korinther 2,14–16; 2. Mose 32,1–14; 1. Petrus 2,12; Philipper 2,15;
Epheser 2,19; Hebräer 10,23–25

Merktext:
„Lasst uns festhalten an dem Bekenntnis der Hoffnung und nicht wanken;
denn er ist treu, der sie verheißen hat; und lasst uns aufeinander acht­haben
und einander anspornen zur Liebe und zu guten Werken.“
(Hbr 10,23–24)

Während wir danach streben, unseren Auftrag als Christen zu erfüllen, dür-
fen wir das Potenzial der Gemeinde als organisierte Gemeinschaft von Gläu-
bigen nicht unterschätzen. Wir haben bereits festgestellt, welchen Heraus-
forderungen wir begegnen, wenn wir uns mit Ungerechtigkeit und Armut
beschäftigen. Aber in der Zusammenarbeit mit Mitgläubigen in einer Glau-
bensgemeinschaft können wir für die Menschen um uns herum ein Segen
sein.
Wenn wir als Gemeinde zusammenkommen, werden wir leicht dadurch
abgelenkt, die Gemeinde an sich am Laufen zu halten und dabei zu verges-
sen, dass die Gemeinde dafür existiert, der Welt zu dienen, in die Gott uns
gestellt hat. Als Ortsgemeinde dürfen wir das Leid und das Böse, das überall
um uns herum existiert, nicht vergessen. Wenn Christus es nicht ignorierte,
dürfen wir dies auch nicht. Wir müssen unserem Auftrag treu sein, das Evan-
gelium zu verkündigen, und mit diesem Predigen geht Hand in Hand, dass
wir den Unterdrückten, Hungrigen, Nackten und Hilflosen helfen.
Als Kirchengemeinde und als Organisation zusammengenommen sind wir
der Leib Christi (siehe 1 Kor 12,12–20). Als solcher sollen wir als Gemein-
schaft so gehen, wie Jesus ging, so verkündigen, wie Jesus verkündigte, und
als Hände, Füße, Stimme und Herz Jesu in der Welt heute dienen.

* Studiere diese Lektion zur Vorbereitung auf Sabbat, den 28. September.

151
Sonntag, 22. September 13

Botschafter der Veränderung


In den ersten Kapiteln der Apostelgeschichte sehen wir, wie die frühen Chris-
ten eine andere Art Gemeinschaft aufbauten, indem sie für die Bedürftigen
unter sich sorgten und sich gemeinsam um Menschen außerhalb ihrer Ge-
meinschaft kümmerten, Hilfe anboten wo nötig und sie einluden, gemein-
sam mit ihnen an dem teilzuhaben, was Gott unter ihnen tat.
Zusätzlich zu Jesu Beschreibung von Salz und Licht verwendet Paulus
eine Vielzahl Metaphern, um das zu beschreiben, was die Gemeinde in der
Welt tut. Unter anderem beschreibt er die, welche als Gottes Volk leben, als
ein Opfer (siehe Röm 12,1), als Leib Christi (siehe 1 Kor 12,12–20), als Bot-
schafter (siehe 2 Kor 5,18–20) und als Geruch (siehe 2 Kor 2,14–16). Jedes
dieser Bilder spricht über eine Aufgabe als Repräsentant oder Botschafter
des Reiches Gottes – auch heute, mitten in einer Welt, die vom großen Kampf
schwer gezeichnet ist.

Denke über jede dieser oben genannten Beschreibungen als „Reprä-


sentant“ nach. Welche beschreibt am besten, wie du Gott und sein
Handeln in deiner Umgebung repräsentieren möchtest? Warum?

Jedes dieser Bilder ist mit aktivem Handeln verbunden, und zwar nicht als
Mittel, um von Gott angenommen zu werden, sondern von Menschen, die
Gott bereits durch Christi Opfer angenommen hat und die auf Gottes Liebe
und Gnade reagieren, indem sie seine Botschafter in einer verletzten und
sterbenden Welt sind.
Aber man kann diese Bilder auch auf einer tiefergehenden Ebene betrach-
ten: Weil es in Gottes Reich um Gottes Liebe und Gnade geht, leben wir die-
ses ewige Reich schon heute aus und sind bereits Teil davon, wenn wir so
handeln, dass wir für andere Liebe und Gnade widerspiegeln.
In der internationalen Rechtsprechung wird die Botschaft eines Landes
als Teil der Nation angesehen, die sie repräsentiert, selbst wenn sie physi-
kalisch in einem anderen Land liegt, vielleicht sogar sehr weit von der Hei-
matnation entfernt. Genauso bietet das Ausleben der Prinzipien von Gottes
Reich hier und heute einen Einblick in diese ewige Realität, weist somit auf
den endgültigen Sieg über das Böse hin und ist ein Vorgeschmack darauf.
Indem wir so handeln – als Christi Botschafter, als Christi Vertreter – können
wir die Realität seiner Liebe und Gerechtigkeit in unserem eigenen Leben, in
der Gemeinde und im Leben all der Menschen erleben, denen wir dienen.

Lies 2. Korinther 2,16. Welcher Unterschied besteht zwischen den beiden Ge-
rüchen und wie können wir wissen, welcher wir sind?

152
Sonntag, 22. September 13

153
Montag, 23. September 13

Dienende Übrige
Die Standarddefinition der Übrigen, wie sie in der biblischen Prophetie dar-
gestellt werden, findet sich in Offenbarung 12,17: „die Gottes Gebote halten
und haben das Zeugnis Jesu“ (siehe auch Offb 14,12). Im biblischen Bericht
grenzen diese Eigenschaften Gottes Volk in den späten Phasen der Erd­
geschichte ab. Aber wir können in den biblischen Berichten auch Beispiele
dafür finden, wie dieser „Rest“ handelt und vor allem wie diese Leute ande-
ren Menschen dienen.

Das Beispiel von Mose ist in dieser Beziehung alarmierend. Lies


2. Mose 32,1–14. Wie lässt sich Mose in diesem Bericht mit den in
Offenbarung 12,17 beschriebenen Übrigen vergleichen?

Gott drohte in seinem großen Zorn über das Volk Israel, es zu vernichten und
die Abraham gegebene Verheißung – dass seine Nachkommen ein großes
Volk sein würden – auf Mose und seine Familie zu übertragen (siehe 2 Mo
32,10).
Aber Mose wollte das nicht. Vielmehr besitzt Mose die Kühnheit, mit Gott
so zu argumentieren, dass, wenn Gott wie angedroht handeln würde, es ihn
schlecht dastehen lassen würde (siehe 2 Mo 32,11–13). Aber dann geht Mose
noch weiter und wirft sein eigenes Leben in die Waagschale, um seinem An-
liegen Nachdruck zu verleihen.
Mose hatte mit Mühe diese Menschen durch die Wüste geführt. Sie hatten
sich fast von dem Augenblick an, als er sie in die Freiheit geführt hatte, be-
schwert und gestritten. Und doch sagt Mose zu Gott: Wenn du ihnen nicht
vergeben kannst, „dann tilge mich aus deinem Buch, das du geschrieben
hast“ (2 Mo 32,32). Mose bietet an, die Ewigkeit aufzugeben, um diejenigen
zu retten, mit denen er unterwegs war.
Was für ein starkes Beispiel selbstaufopfernder Fürsprache für die, die es
nicht verdienen! Und was für ein starkes Symbol für den ganzen Erlösungs-
plan!
„Als Mose Fürsprache für Israel einlegte, war seine Ängstlichkeit verflo-
gen. Sie machte einer tiefen Anteilnahme und Liebe zu einem Volk Platz, für
das er als Gottes Werkzeug so viel getan hatte. Der Herr hörte auf sein Fle-
hen und gewährte seine selbstlose Bitte. Er hatte seinen Diener einer Prüfung
unterzogen und dessen Treue und Liebe zum undankbaren, irrenden Volk
auf die Probe gestellt. Und Mose hatte diese Prüfung edelmütig bestanden.
Seine Anteilnahme für Israel entsprang keinem selbstsüchtigen Beweggrund.
Das Wohlergehen des erwählten Volkes Gottes war ihm mehr wert als seine
eigene Ehre und lieber als das Vorrecht, selbst Stammvater eines großen Vol-
kes zu werden. Gott war mit seiner Treue, seiner schlichten Gesinnung und
Lauterkeit zufrieden. Deshalb übertrug er ihm als treuem Hirten die hohe
Aufgabe, Israel in das verheißene Land zu führen.“ (WAB 297)

Was sagt uns das darüber, wie wir – im Rahmen des Möglichen – mit unse-
ren Mitmenschen, die Fehler begehen, umgehen sollen?
154
Montag, 23. September 13

155
Dienstag, 24. September 13

Menschen erreichen
Diskussionen in Gemeinden scheinen sich manchmal an der offensicht-
lichen Notwendigkeit festzufahren, zwischen einem Fokus auf Sozialarbeit
oder Evangeliumsarbeit wählen zu müssen, zwischen Wohltätigkeit oder
Zeugendienst, Gerechtigkeit oder Evangelisation. Aber wenn wir jedes dieser
Konzepte besser verstehen und den Dienst Jesu genau ansehen, verschwin-
det dieser Unterschied und wir erkennen, dass Evangeliumsverkündigung
und Hilfe für Mitmenschen eng verknüpft sind.
In einer ihrer bekanntesten Aussagen erklärte Ellen White dies so: „Allein
die Vorgehensweise Christi wird den wahren Erfolg garantieren. Der Heiland
aber begab sich unter die Menschen als einer, der Gutes für sie wünschte. Er
bewies sein Mitgefühl für sie, half ihren Nöten ab und gewann ihr Vertrauen.
Erst dann gebot er ihnen: ‚Folgt mir nach.‘ … Den Armen soll geholfen, die
Kranken sollen versorgt, die Trauernden und Betrübten getröstet, die Unwis-
senden unterwiesen und die Unerfahrenen beraten werden. Wir sollen mit
den Weinenden weinen und uns mit den Fröhlichen freuen.“ (SGA 106)
Wie wir gesehen haben, sind diese beiden Handlungsweisen des Reiches
Gottes – Gerechtigkeit und Evangelisation – eng miteinander verknüpft, und
zwar nicht nur im Dienst Jesu, sondern auch in Jesu erstem Auftrag an seine
Jünger: „Geht und verkündet ihnen, dass das Himmelreich unmittelbar be-
vorsteht. Macht die Kranken gesund, erweckt die Toten zum Leben, heilt die
Aussätzigen und treibt böse Geister aus. Teilt eure Gaben genauso großzügig
aus, wie ihr sie geschenkt bekommen habt!“ (Mt 10,7–8 NLB) Kurz gesagt be-
steht eine der besten Methoden, andere Menschen mit unserer Botschaft zu
erreichen, darin, ihre Bedürfnisse zu stillen.

Lies 1. Petrus 2,12 und Philipper 2,15. Was sagten Petrus und Paulus
über die Aussagekraft guter Werke, die von Gottes Volk getan wer-
den?

Gemäß einem umfassenden Verständnis von Gottes guter Nachricht ist Evan-
gelisation ohne Leidenschaft für Menschen sinnlos. Verse wie 1. Johannes
3,16–18 und Jakobus 2,16 betonen den Widerspruch, wenn das Evangelium
gepredigt wird, ohne es auszuleben. Optimalerweise ist Evangelisation – die
Gute Nachricht von Hoffnung, Rettung, Reue, Veränderung und Gottes allum-
fassender Liebe weitergeben – ein Ausdruck von Gerechtigkeit.
Sowohl Evangelisation als auch die Sehnsucht nach Gerechtigkeit ent-
stehen aus der Erkenntnis der Liebe Gottes für verlorene, gebrochene und
verletzte Menschen – eine Liebe, die in unserem Leben unter dem Einfluss
Gottes auch in unserem Herzen wächst. Wir entscheiden uns nicht für das
eine oder das andere, vielmehr arbeiten wir mit Gott, um für die Menschen
zu arbeiten, ihre wahren Bedürfnisse zu stillen, und nutzen dabei alle Res-
sourcen, die Gott uns anvertraut hat.

156
Dienstag, 24. September 13

Wie können wir jedoch sicherstellen, dass wir, während wir anderen Gutes
tun, nicht versäumen, gleichzeitig die Gute Nachricht der Erlösung zu predi-
gen?

157
Mittwoch, 25. September 13

Gnade innerhalb der Gemeinde


Am Anfang des Buches Hiob weist Gott auf Hiob und dessen Treue ihm
gegenüber hin, um zu zeigen, wie gut Gottes Wege und sein Umgang mit der
gefallenen Menschheit sind (siehe Hiob 1,8). Es ist bemerkenswert, dass Gott
es zulässt, dass sein Ruf davon abhängig ist, wie sein Volk auf dieser Erde
lebt. Doch Paulus weitete dieses Vertrauen, dass Gott in einige seiner „Heili-
gen“ setzt, aus, um die Gemeinschaft der Gläubigen einzuschließen: „Gottes
Absicht war es, dass Mächte und Gewalten im Himmel durch seine Gemein-
de den Reichtum seiner Weisheit erkennen.“ (Eph 3,10 NLB)

Lies Epheser 2,19. Was ist deiner Meinung nach in der Vorstellung
enthalten, die die Kirchengemeinschaft als „Familie“ [Hfa] Gottes
­beschreibt? Inwiefern sollte diese Beschreibung beeinflussen, wie
die Kirchenorganisation funktioniert?

In jeder Gemeinschaft oder Organisation spiegelt die Art und Weise, wie die
Mitglieder behandelt werden, die Werte der Gruppe wider. Als Familie Got-
tes, Leib Christi und Gemeinschaft des Geistes hat die Gemeinde die höchste
Berufung, das Folgende auszuleben und auszufüllen: „Denn Gott ist nicht ein
Gott der Unordnung, sondern des Friedens, wie in allen Gemeinden der Hei-
ligen.“ (1 Kor 14,33 SLT)
Die Werte Gerechtigkeit, Gnade und Liebe – wie sie sich in Gottes Ge-
rechtigkeit, Gnade und Liebe zeigen – sollten alles bestimmen, was in der
Gemeinde geschieht. Diese Prinzipien sollten von der Ortsgemeinde bis zur
weltweiten Kirchenorganisation Leitlinie der Kirchenverantwortlichen in Be-
zug darauf sein, wie sie führen, Entscheidungen treffen und sich um „die Ge-
ringsten“ in der Kirchengemeinde kümmern. Sie sollten auch Leitlinien dafür
sein, wie wir Auseinandersetzungen beilegen, die von Zeit zu Zeit unter den
Mitgliedern aufkommen. Wenn wir uns untereinander nicht mit Fairness und
Würde behandeln können, wie wollen wir das bei anderen Menschen tun?
Wenn die Kirchenorganisation Menschen beschäftigt, sollte sie ein groß-
zügiger Arbeitgeber sein, der die Menschen vor alle anderen Überlegungen
stellt und sich gegen eine ungerechte Behandlung der Mitglieder einsetzt.
Gemeinden sollten sichere Orte sein, wo alle Gemeindeglieder alles ihnen
Mögliche tun, um die Verletzlichen zu schützen. Und wie wir an der ersten
Gemeinde sehen, sollten die Mitglieder der Kirchengemeinschaft besonders
bereit sein, diejenigen ihrer „Gemeindefamilie“ zu unterstützen, die leiden
oder in Not sind.
Jesus gab dies als Gebot, als er sagte, dies würde nicht nur die Gemein-
schaft von Gläubigen verändern, sondern auch denen, die sie beobachten,
die Realität ihres Glaubens zeigen: „Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr
euch untereinander liebt, wie ich euch geliebt habe, damit auch ihr einander
lieb habt. Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn
ihr Liebe untereinander habt.“ (Joh 13,34–35)

158
Mittwoch, 25. September 13

159
Donnerstag, 26. September 13

Einander zu guten Werken ermutigen


Selbst mit der besten Motivation und den besten Absichten und in dem Glau-
ben, dass wir auf der Seite Gottes und des Guten sind, kann Arbeit für Gott
schwierig und entmutigend sein. Die Trauer und der Schmerz in unserer Welt
sind real. Dies ist einer der Gründe, warum wir eine Kirchengemeinschaft
benötigen. Jesus zeigt mit seinen Jüngern diese Art unterstützender Gemein-
schaft. Er schickte Leute selten allein aus, und selbst wenn, dann würden sie
bald wieder zusammenkommen, um von ihren Erlebnissen zu berichten und
Energie und Mut zu tanken.

Lies Hebräer 10,23–25. Hebräer 10,25 ist der bekannteste dieser


Verse; was ergänzen die vorhergehenden Verse unserem Verständnis
dieses wohlbekannten Verses? Wie können wir uns gegenseitig „zur
Liebe und zu guten Werken“ anspornen?

Bei nahezu jeder Aufgabe, jedem Anlass und jedem Projekt kann eine Grup-
pe von Menschen, die zusammenarbeiten, mehr erreichen, als wenn jeder
für sich arbeitet. Dies erinnert uns wieder an das Bild der Gemeinde als Leib
Christi (siehe Röm 12,3–6), in dem wir alle unterschiedliche, aber einander
ergänzende Aufgaben haben. Wenn jeder das tut, was er am besten kann,
aber so, dass unsere Beiträge zusammenpassen, können wir im Glauben da-
rauf vertrauen, dass unser Leben und unsere Arbeit etwas für die Ewigkeit
bewirken.
Auch wenn Ergebnisse wichtig sind, wenn wir danach streben, das Rich-
tige zu tun – bei den Ergebnissen geht es um Menschen und deren Leben –,
müssen wir hinsichtlich der Ergebnisse manchmal einfach auf Gott vertrau-
en. Mitunter erleben wir wenig Fortschritte, wenn wir uns bemühen, Armut
zu lindern, Verletzliche zu schützen, Unterdrückte zu befreien und Stimm-
losen eine Stimme zu geben. Aber wir haben die Hoffnung, dass wir für eine
viel größere und letztendlich siegreiche Sache arbeiten: „Deshalb werdet
nicht müde zu tun, was gut ist. Lasst euch nicht entmutigen und gebt nie auf,
denn zur gegebenen Zeit werden wir auch den entsprechenden Segen ern-
ten. Lasst uns jede Gelegenheit nutzen, allen Menschen Gutes zu tun, beson-
ders aber unseren Brüdern und Schwestern im Glauben.“ (Gal 6,9–10 NLB;
siehe auch Hbr 13,16)
Darum sind wir aufgerufen, einander zu ermutigen – wörtlich: mit Mut zu
inspirieren. Glauben auszuleben ist sowohl freudvoll als auch schwierig. Un-
ser Gott der Gerechtigkeit und unsere Gemeinschaft der Gerechtigkeit sind
unsere größten Unterstützer, und wir laden andere ein, daran teilzuhaben.

Wen kennst du oder von wem weißt du, der regelmäßig daran arbeitet, das
Leiden anderer Menschen zu lindern? Wie kannst du diese Person oder
Gruppe in dem guten Werk, das sie tun, ermutigen?

160
Freitag, 27. September 13

Weiterführendes Studium:
Lies Ellen White, „Ein zuverlässiger Zeuge“, S. 412–419 in Gute Nachricht für
alle, Krattigen 2016; „Kindness the Key to Hearts“, S. 81–86 in Welfare Ministry.
„Das Werk, das die Jünger taten, sollen auch wir tun. Jeder Christ muss ein
Missionar sein. Wir müssen denen, die Hilfe benötigen, mit Sympathie und
Mitgefühl dienen, und mit selbstloser Ernsthaftigkeit danach streben, den
Schmerz der leidenden Menschheit zu lindern …
Wir müssen die Hungrigen speisen, die Nackten kleiden und die Leiden-
den und Kranken trösten. Wir müssen den Verzweifelten dienen und den
Hoffnungslosen Hoffnung geben.
Die Liebe Christi, die sich in selbstlosem Dienst zeigt, wird denjenigen,
der Böses tut, weit wirksamer verändern als das Schwert oder ein Gerichts-
verfahren … Oft schmilzt das Herz, das sich bei Tadel verhärtet, durch die
Liebe Christi.“ (Ellen White, The Ministry of Healing, S. 104.106.)
„Sklaverei, das Kastensystem, ungerechtfertigte Rassenvorurteile, Unter-
drückung der Armen, Vernachlässigung der weniger Begünstigten – all dies
wird aufgeführt als unchristlich und als eine ernste Bedrohung des Wohl-
ergehens der Menschheit und als Übel, das die Gemeinde Christi im Auf-
trag ihres Herrn bezwingen soll.“ (Generalkonferenzpräsident A. G. Daniells,
Rede über das Werk Ellen Whites an ihrer Beerdigung, Life Sketches of Ellen
G. White, S. 473.)
Fragen für ein Gespräch:
1. Es gibt viele Menschen, Gruppen und Organisationen, die versuchen, die
Not in der Welt zu lindern. Welche einzigartigen Stärken, Erkenntnisse
und Ressourcen kann die Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten dazu
beitragen?
2. Könnt ihr euch daran erinnern, wie es war, als ihr euch durch eure Kir-
chengemeinde ermutigt und unterstützt gefühlt habt? Wie könnt ihr auf
Grundlage dieser Erfahrung anderen dieselbe Ermutigung zuteilwerden
lassen?
3. Was kann neben der Unterstützung der Kirchengemeinde noch vermei-
den helfen, dass man „müde im Gutes tun“ wird?
4. Welche Projekte und Initiativen für Gerechtigkeit und gegen Armut, die
momentan von der Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten auf der Welt
unterstützt werden, kennt ihr? Wie könnt ihr etwas zu diesem Aspekt des
Wirkens der Kirche beitragen?
Zusammenfassung:
Ja, als Christen sind wir aufgerufen, den Nöten anderer Menschen zu begeg-
nen, besonders den Menschen, die verletzt sind, leiden und unterdrückt sind.
Und auch wenn jeder von uns eine individuelle Verantwortung auf diesem
Gebiet hat, können wir als Gemeinschaft, die sich auf den Dienst an anderen
konzentriert, viel mehr bewirken, wenn wir als Gemeindefamilie zusammen-
arbeiten.
Sabbatanfang: 19:01 Uhr Kassel / 18:44 Uhr Wien

161
Mit Gott erlebt
(Inside Story)

Fahrgäste zu Christus bringen


Andrew McChesney, Adventist Mission
Byungeun Oh, ein Taxifahrer in einer ländlichen Gegend Südkoreas, gehörte
schon viele Jahre zur Adventgemeinde, konnte aber noch nie jemanden zu Chris-
tus führen. Das wollte er ändern. Viele von Byungeuns Fahrgästen buchten ihn
immer wieder und es entstanden Beziehungen zu ihnen. Er ließ sich ihre Handy-
nummer geben, lud sie gemeinsam mit seiner Frau zum Essen ein und besuchte
sie.
An einem Sabbatnachmittag besuchten Byungeun und seine Frau Herrn Choi,
einen Fahrgast. Sie unterhielten sich eine Weile und Byungeun lud ihn zum
Abendessen in ein Restaurant ein. Als sie gemeinsam losgingen, deutete Herr
Choi auf eine kleine Kirche in der Nähe und erzählte, dass er dort früher in den
Gottesdienst gegangen war. Byungeun sah dies als Möglichkeit, über seinen
Glauben zu sprechen. „Wir haben eine schöne Kirche. Möchten Sie sie einmal
sehen?“ Herr Choi nahm die Einladung an.
Dann fuhr Byungeun zu einem Restaurant im Ort. Der adventistische Eigentü-
mer freute sich, dass Herr Choi die Gemeinde besuchen wollte und erklärte, das
Essen gehe aufs Haus. Diese Freundlichkeit überraschte Herrn Choi und verstärk-
te seinen Vorsatz, in die Adventgemeinde zu gehen. Nach seinem ersten Besuch
kam Herr Choi jeden Sabbat wieder und ließ sich schließlich taufen. Byungeun
hatte seinen ersten Fahrgast zu Christus bringen können; und er hörte an dieser
Stelle nicht auf.
Eines Tags sah Byungeun beim Vorbeifahren einen älteren Mann aus seinem
Haus kommen, den er schon einmal gesehen hatte. Byungeun hielt an und grüß-
te den Mann. Dieser sagte: „Ich wollte mir gerade ein Taxi suchen.“ Byungeun bot
sich sofort an, den Mann zu fahren. Unterwegs erfuhr er, dass der Mann Herr
Park hieß. Er beschloss, ihn am Abend zu besuchen.
Als Byungeun und seine Frau mit ein paar kleinen Aufmerksamkeiten zu Herrn
Park kamen, führte sie dieser ins Wohnzimmer und stellte ihnen seine Frau
­Chunja An vor. Im Gespräch erfuhr Byungeun, dass sie ein Problem hatte: Sie
wollte gern zum Gottesdienst gehen, musste aber sonntags arbeiten und hat-
te nur samstags frei. Byungeun lud sie ein: „Wir gehen samstags in die Kirche.
Möchten sie nicht zu uns kommen?“ Es dauerte nicht lange, bis sich Chunja An
taufen ließ.
Innerhalb von zwei Jahren hatte Byungeun drei Menschen zu Christus bringen
dürfen. Er ist überzeugt: Wenn er, ein 58-jähriger Taxifahrer, das kann, dann kann
es jeder. Er sagt: „Reduziere deine Arbeit, sodass du für Gott arbeiten kannst.“

Geliefert vom Büro der Generalkonferenz für Adventist Mission: www.AdventistMission.org

162
Vorschau auf das Studienheft für das vierte Vierteljahr 2019:
Esra und Nehemia
Esra und Nehemia ist der Titel des Leitfadens für das vierte Quartal von Jiří
Moskala. Diese beiden außergewöhnlichen Führer wünschten, dass das
Volk Gottes aufblüht und dass sein Name weltweit verkündet wird. Ihr Le-
ben ist ein Vorbild dafür, was Gott durch treue Führer tun kann. In diesem
Quartal konzentrieren wir uns auf die Bücher, die ihre Namen tragen. Wenn
Hindernisse auftreten und Widersprüche entstehen, kann nur Gott den Sieg
sichern. Die Themen dieser Bücher sind Gottes Vorsehung, seine Treue und
sein Bund. Durch seine Diener rief Gott sein Volk zur Erweckung und Refor-
mation auf. Indem wir das in diesen beiden Büchern beschriebene Muster
sorgfältig studieren, können wir Gottes Handeln und Leitung erkennen. Möge
der Herr unser Denken verändern und uns während des Studiums in diesem
Viertel befähigen, ihm täglich treu zu folgen.
Lektion 1 – Geschichte verstehen: Serubbabel und Esra
Die Woche im Überblick:
Sonntag: Die erste Rückkehr von Exilanten (Jer 25,11–12)
Montag: Überblick über Könige und Ereignisse (Esr 4,1–7)
Dienstag: Die zweite Rückkehr der Exilanten (Esr 7,1–10)
Mittwoch: Der Erlass von Artaxerxes (Esr 7,11–28)
Donnerstag: Die Bedeutung von Bildung (Esr 7,6.10)
Merkvers: Esra 1,2
Sabbatperle:
Gott versprach, dass sein Volk nach 70 Jahren babylonischer Verbannung
nach Hause zurückkehren würde. König Kyrus war Gottes Werkzeug, um
dies zu ermöglichen, aber Gott war der Garant dafür, dass Jerusalem wie-
der aufgebaut werden würde. Das Volk wiederum reagierte auf Gottes
mächtige und barmherzige Taten.
Lektion 2 – Nehemia
Die Woche im Überblick:
Sonntag: Schlechte Nachrichten für Nehemia (Neh 1,1–4)
Montag: Nehemias Gebet (Neh 1,5–11)
Dienstag: Nehemia spricht offen (Neh 2,1–8)
Mittwoch: Nehemia wurde abgesandt (Neh 2,9–10)
Donnerstag: Nehemia bereitet sich auf seine Aufgabe vor (Neh 2,11–20)
Merkvers: Nehemia 1,4–5
Sabbatperle:
Die Lektion spricht von zwei Gruppen von Gefangenen, die bereits nach
Juda zurückgekehrt sind, um die Verheißungen Gottes an die hebräische
Nation zumindest teilweise zu erfüllen. Gott bereitet jedoch eine letzte
Gruppe von Exilanten vor, die beauftragt werden, seinen Willen zur Errich-
tung Jerusalems und seiner Mauern zu erfüllen.

163
Abkürzungsverzeichnis der deutschen Bücher und Kompilationen
von Ellen G. White
ABC Ellen-White-Zitate in: The Seventh-day Adventist Bible Commentary (1–7ABC = Bd. 1–7)
BH Biblische Heiligung (original: The Sanctified Life)
BL Das bessere Leben im Sinne der Bergpredigt (Neuausgabe 2008, vormals: Gedanken
vom Berg der Seligpreisungen; original: Thoughts From the Mount of Blessing)
BRG Bilder vom Reiche Gottes (Neuausgabe 2000, vormals: Christi Gleichnisse;
original: Christs Object Lessons)
BW Der bessere Weg zu einem neuen Leben (Neuausgabe 2017;
moderne Übertragung von Steps to Christ)
CKB Christus kommt bald (original: Last Day Events)
DC Im Dienst für Christus (original: Christian Service)
DE Diener des Evangeliums (original: Gospel Workers)
E Erziehung (Neuausgabe 1998; original: Education)
En Die Engel (original: The Truth About Angels)
Evg Evangelisation (original: Evangelism)
FGG Für die Gemeinde geschrieben (1–2FGG = Bd. 1–2; original: Selected Messages, Bd. 1–2)
FS Frühe Schriften von E. G.White (vormals: Erfahrungen und Gesichte;
original: Early Writings)
GGV Gottes Gaben verwalten (original: Counsels on Stewardship)
GNA Gute Nachricht für alle (Textausgabe 2017; vormals: Das Wirken der Apostel:
original: The Acts of the Apostles)
GUW Glaube und Werke (original: Faith and Works)
ICP Intellekt, Charakter und Persönlichkeit (1–2ICP = Bd. 1–2;
original: Mind, Character, and Personality)
MG Mission in Großstädten (original: Mission to the Cities)
MUO Macht und Ohnmacht (Textausgabe 2017; vormals: Propheten und Könige;
original: Prophets and Kings)
RS Ratschläge für die Sabbatschule (früher: Das Sabbatschulwerk;
original: Counsels on Sabbath School Work)
Sch Aus der Schatzkammer der Zeugnisse (1–3Sch = Bd. 1–3;
original: Testimony Treasures, Bd. 1–3)
SC Schritte zu Christus (Neuausgabe 2017; original: Steps to Christ)
SGA Auf den Spuren des großen Arztes (original: The Ministry of Healing)
SDL Der Sieg der Liebe (Textausgabe 2017; vormals: Das Leben Jesu;
original: The Desire of Ages)
THG Ein Tempel des Heiligen Geistes (original: Temperance)
VSL Vom Schatten zum Licht (Textausgabe 2017; vormals: Der große Kampf;
original: The Great Controversy Between Christ and Satan)
WAB Wie alles begann (Textausgabe 2017; vormals: Patriarchen und Propheten;
original: Patriarchs and Prophets)

164
Abkürzungen der biblischen Bücher und Bibelübersetzungen

Altes Testament Neues Testament


1 Mo = 1. Mose Mt = Matthäus
2 Mo = 2. Mose Mk = Markus
3 Mo = 3. Mose Lk = Lukas
4 Mo = 4. Mose Joh = Johannes
5 Mo = 5. Mose Apg = Apostelgeschichte
Jos = Josua Röm = Römer
Ri = Richter 1 Kor = 1. Korinther
Rut = Rut 2 Kor = 2. Korinther
1 Sam = 1. Samuel Gal = Galater
2 Sam = 2. Samuel Eph = Epheser
1 Kön = 1. Könige Phil = Philipper
2 Kön = 2. Könige Kol = Kolosser
1 Chr = 1. Chronik 1 Ths = 1. Thessalonicher
2 Chr = 2. Chronik 2 Ths = 2. Thessalonicher
Esr = Esra 1 Tim = 1. Timotheus
Neh = Nehemia 2 Tim = 2. Timotheus
Est = Ester Tit = Titus
Hiob = Hiob Phlm = Philemon
Ps = Psalm 1 Ptr = 1. Petrus
Spr = Sprüche 2 Ptr = 2. Petrus
Pred = Prediger 1 Joh = 1. Johannes
Hld = Hohelied 2 Joh = 2. Johannes
Jes = Jesaja 3 Joh = 3. Johannes
Jer = Jeremia Hbr = Hebräer
Kla = Klagelieder Jak = Jakobus
Hes = Hesekiel Jud = Judas
Dan = Daniel Offb = Offenbarung
Hos = Hosea
Joel = Joel Bibelübersetzungen
Am = Amos
EB = Elberfelder Bibel
Obd = Obadja
EÜ = Einheitsübersetzung
Jona = Jona
GNB = Gute Nachricht Bibel
Mi = Micha
Hfa = Hoffnung für alle
Nah = Nahum
JB = Jerusalemer Bibel
Hab = Habakuk
KJV = King James Version
Zef = Zefanja
LB = Lutherbibel
Hag = Haggai
NGÜ = Neue Genfer Übersetzung
Sach = Sacharja
NKJV = New King James Version
Mal = Maleachi
NLB = Neues Leben Bibel
SLT = Schlachterübersetzung
ZB = Zürcher Bibel

165
Advent-Wohlfahrtswerk e.V.

„Nichts Neues“ in Bergisch Gladbach


Im Oktober 2017 hat die Kleiderkammer „Nichts Neues“ ihre Türen in Bergisch Gladbach
geöffnet. Sie ist ein Angebot für sozial schwächere Menschen, von ­Armut bedrohte Familien,
Kinder, Senioren und Flüchtlinge.
In Bergisch Gladbach hat sich seit 2010
der erste eigenständige ADRAshop
sehr gut etabliert und wächst kontinu­
ierlich hinsichtlich Umsatz, Kunden­
stamm und Sachspenden. Der ADRA­
shop hat als Zielgruppe Kunden der
Mittelschicht, die bereit sind, für ein Se­
cond-Hand-Kleidungsstück etwas mehr
auszugeben. Denn das Ziel ist, Geld für
die Entwicklungszusammenarbeit und
Die Kleiderkammer möchte ein fester Bestandteil des
­Katastrophenhilfe einzunehmen.
Stadtteils werden. © Projekt „Nichts Neues“ Mit „Nichts Neues“ möchte die örtliche
Adventgemeinde „Projekt Hoffnung“ in
einem anderen Stadtteil als Ergänzung zum ADRAshop nun ein etwas anderes Konzept ver­
folgen: Für einen sehr geringen Betrag werden gut erhaltene Kleidungsstücke angeboten, die
im ADRAshop keinen Käufer gefunden haben, ebenso wie Hausrat, Spielzeug und Bücher. Der
Gedanke der sozialen und karitativen Hilfe für Bedürftige in Bergisch Gladbach steht dabei im
Vordergrund.
Die Entscheidung fiel auf einen seit mehreren Jahren leerstehenden Raum direkt am ADRA­
shop-Lager, der sich zudem in unmittelbarer Nähe der örtlichen Tafel befindet. Da die NRW-
Vereinigung Geld für sozial-missionarische Projekte zur Verfügung gestellt hatte, konnte das
Projekt „Nichts Neues“ auf den Weg gebracht werden.
Derzeit hat die von ehrenamtlichen MitarbeiterInnen geführte Kleiderkammer „Nichts Neu­
es“ dreimal wöchentlich geöffnet und bedient ca. 50–60 Kunden, vornehmlich Tafelkunden.
Heißer Tee, Gespräche, Gesundheitstipps und praktische Hilfe werden vor den Räumen von
„Nichts Neues“ während der parallel laufenden Öffnungszeit der Tafel angeboten. Außerdem
gibt es Nachhilfeangebote zum Lernen der deutschen Sprache und einen Feriennachmittag
für Kinder, und mit der örtlichen Pfadfinder­
gruppe „Bensberger Tukane“ streben wir
eine Zusammenarbeit an.
„Nichts Neues“ möchte gern ein fester
Bestandteil (Partner) guter Nachbarschaft
­
werden und ein Ort, an dem Menschen
Annahme und Hilfe erfahren. Durch diese
praktische Nächstenliebe erfahren Men­
schen etwas von der Liebe Gottes, manche
von ihnen werden unsere Freunde und eini­
ge nehmen vielleicht auch Jesus als ihren
Freund an. Darum beten und dafür arbeiten
wir gemeinsam mit der Adventgemeinde
„Projekt Hoffnung“ in Bergisch Gladbach.
 Silvia Nern Das Team der Kleiderkammer „Nichts Neues“
© Viola Schmitz

Advent-Wohlfahrtswerk e.V. – Bundesgeschäftsstelle ∙ Hildesheimer Straße 426 ∙ 30519 Hannover


Telefon: 0511 971773-00 ∙ Fax: 0511 971773-99 ∙ www.aww.info ∙ E-Mail: mail@aww.info
Spendenkonto: KD-Bank eG ∙ IBAN: DE87 3506 0190 1570 5291 25 ∙ BIC: GENODED1DKD
Liebe Geschwister und Freunde!
Diese Tabelle ist ein wichtiges
Instrument zum Nachweis
unserer sozialen Arbeit
gegenüber der Öffentlichkeit.
Wir bitten euch, den Bericht
ausgefüllt in eurer ­G emeinde
abzugeben. Der bzw. die
­G emeindeschreiber/in wird
die Berichte zusammen-
gefasst an das jeweilige

167
­Vereinigungsbüro senden,
die offizielle ­L andesstelle des
Advent-Wohlfahrtswerkes.
Wir bedanken uns für euer
soziales und finanzielles
­Engagement und freuen uns
auf die Zusendung von
Bildern und Berichten eurer
Aktionen (Adresse siehe
Seite ­gegenüber).
168
Liebe Glaubensgeschwister!
In diesem Vierteljahr steht die Südpazifische Division im Mittelpunkt des Interesses. Zur
Südpazifischen Division gehören: Amerikanisch-Samoa, Australien, die Cookinseln,
Fidschi, Französisch-Polynesien, Kiribati, Nauru, Neukaledonien, Neuseeland, Niue,
Papua-Neuguinea, die Pitcairninseln, Samoa, die Salomonen, Tokelau, Tonga, Tuvalu,
Vanuatu sowie Wallis und Futuna.
Gott handelt großartig in dieser Region, in der 40,5 Millionen Menschen leben. Es gibt
dort gut 518.000 Adventisten, das heißt, einer von 78 Einwohnern ist ein Adventist.
Die drei Projekte der besonderen Missionsgaben in diesem Vierteljahr sind sehr
unterschiedlich:
„Save 10.000 Toes“ – „Rettet 10.000 Zehen“ – bietet Gesundheitstraining, um
Diabeteserkrankten die Amputation ihrer Zehen zu ersparen. Im Gebiet der
Südpazifischen Division amputieren Ärzte jeden Tag 80 Zehen – das heißt umgerechnet
alle zehn Minuten während der Wachzeit eines Menschen –, wie mir Paul Rankin, der
stellvertretende Leiter der Gesundheitsabteilung, mitteilte. Er berichtete, dass 19 Prozent
der 40,5 Millionen Einwohner dieser Region an Diabetes Typ 2 leiden, einer Krankheit,
die durch schlechte Lebensgewohnheiten verursacht wird. In Amerikanisch-Samoa, einem
der sieben Länder, die von den besonderen Missionsgaben am 13. Sabbat profitieren
werden, leiden sogar 47 Prozent der Menschen an Diabetes Typ 2.
Ein anderes Projekt ist darauf ausgerichtet, den Hope Channel nach Tonga zu bringen. Die
besonderen Missionsgaben 2016 ermöglichten es, dass der Hope Channel in Neuseeland
ausgestrahlt werden kann. Seither kommen als direktes Ergebnis davon viele Menschen in
Adventgemeinden. Wir beten um ähnlichen Segen in Tonga.
In Australien wird mithilfe der besonderen Missionsgaben eine 13-teilige
Zeichentrickserie für Kinder zwischen 8 und 12 Jahren über Daniel und seine drei
Freunde produziert.
Ein Viertel der Missionsgaben des letzten Sabbats dieses Vierteljahres wird für die
genannten Projekte verwendet. Danke, dass ihr mit euren Missionsgaben Gottes Werk in
der Südpazifischen Division unterstützt!
Weitere Informationen über die Projekte finden sich auf der englischsprachigen
Internetseite www.adventistmission.org.
Taiwan
TTai
aiwan
S Ü D PA Z I F I S C H E D I V I S I O N MISSIONARISCHE PROJEKTE
1 „Save 10.000 Toes“ – „Rettet 10.000 Zehen“ – eine Kampagne, um durch Gesundheits-
VERBÄNDE GEMEINDEN GRUPPEN MITGLIEDER BEVÖLKERUNG dienste Zehenamputationen in Fidschi, Vanuatu, den Salomonen, Amerikanisch-Samoa,
Australien Philippinen
Phi
ilippinen 429 107 61.338 24.487.000 Kiribati und Tonga vorzubeugen.
Neuseeland-Pazifik 146 50 20.474 5.378.000
a Viet
Vietnam
t nam 2 Bau von Hope-TV- und Hope-Radio-Studios auf Tongatapu, Tonga.
Papua-Neuguinea 1.045 3.182 315.759 8.317.000
Transpazifikregion 530 701 120.445 2.333.000 3 Kinderprojekt: Produktion einer Kinderserie über Daniel, eine 13-teilige Zeichentrick-
Gesamt 2.150 4.040 518.016 40.515.000 serie für Kinder zwischen 8 und 12 Jahren über die Abenteuer von Daniel
Palau
P a la u und seinen drei Freunden, in Australien.
Brunei
B runei
Mehr Informationen bei www.adventistmission.org
Malaysia
alay sia
DIVISION

Kiribati
Südpazifische

1
Indonesien
Papua
1
Neuguinea
Salomoninseln

Osttimor
Port Moresby 1
1 Samoa
Vanuatu Amerikanisch-Samoa
1
1
Fiji

Tonga
3
1 2

Australien

Canberra

Neuseeland
Wellington