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Brigitta Schmidt-Lauber (Hg.)

Ethnizitat und Migration

Einführung ' in Wissenschaft und Arbeitsfelder

Bibliografische Information Der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http: // dnb.d - nb.de abrufbar .

© 2007 by Dietrich Reimer Verlag GmbH , Berlin www . reimer-verlag.de

Lektorat und Satz : Andreas Reucher, Garding Redaktionelle Mitarbeit: Astrid Baerwolf Umschlaggestaltung: Nicola Willam, Berl i n Umschlagbild : Team World@Zürich

Alle Rechte vorbehalten Printed in Germany Gedruckt auf alterunqsbestandiqern Papier

ISBN 978-3-496-02797-3

Inhalt

Brigitta Schmidt - Lauber Ethnizitat und Migration als ethnologische Forschungs- und Praxisfelder. Eine Einführung

Theorien und Zugange

7

Martin Sökefeld Problematische Begriffe: »Ethnizit á t« , »Rasse« , »Kult u r«, »Minderheit«

31

Margit Feischmidt Ethnizitát - Perspektiven und Konzepte der ethnologischen Forschung

51

Tsypylma Darieva Migrationsforschung in der Ethnologie

69

UlfHannerz Das Lokale und das Globale : Kontinuitat und Wandel

95

Klaus J. Bade Migration und Ethnizitat in der Historischen Migrationsforschung 115

Jochen Oltmer Staat, Nation und Migration. Zur politischen Konstruktion von Minderheiten in der deutschen Geschichte

Alltagspraxen und Manifestationen

Regina Römhild Fremdzuschreibungen - Selbstpositionierungen . Die Praxis der Ethnisierung im Alltag der Einwanderungsgesellschaft

l 35

157

Sabine Hess Transnationalismus und die Demystifizierung des Lokalen

179

Dorle Dracklé Jenseits von Verbinden und Trennen : Migration und Medien

195

Gise la Wel z Inszenierungen der Multiku l turalit á t: Paraden und Festival s als F orschungsgegenstande

221

Alois Moosmülier Interkult u relle Kommunikation als Wissen und Al l tagspraxis

235

Aufgaben und Praxisfelder

Karin Vorhoff Ethnologinnen und Ethnologen in der Sozialen Arbeit :

Zwischen Verbandspo l itik und Projektarbeit

257

Christine Tusc hinsky Interkulturelle Fortbildungen in der Einwanderungsgesellschaft 263

Elk e Bosse Vermitt l ung interku l tureller Kompetenzen im Hochschulstudium 275

Die ter Kram e r Ethnologen und interkulturelle Handlungsfelder in Staat und Kommunen

285

Charlotte U z arewicz Ethnologische Ges u ndheitsarbeit und transkulturelle Pflege

293

Chri s tian Giordano Recht s anthropologie zwischen Theorie und Praxis

303

Die Autorinnen und Autoren

314

Register

316

Margit Feischmidt

Ethnizitat - Perspektiven und Konzepte der ethnologischen Forschung

Begriffe und theoretische Konzepte ethnologischer Ethnizitatsforschung

»Ethnizitát« ist heute sowohl in den Sozial - als auch in den Kulturwissenschaf- ten ein geUiufiger Terrninus, gehört jedoch nicht zu den Grundbegriffen der Klassiker. Vielmehr handelt es sich um ein relativ neues Konzept im wissen - schaftlichen Vokabular. Verlaufer sind bereits in den community studies der Chicagoer Schule seit den 1920er Jahren zu finden (Park 1950 ; Wirth 1928 ; dazu auch Persons 1987). Ein gröJ3eres Gewicht erfuhr das Konzept der Eth- nizitat in der amerikanischen Soziologie zur Beschreibung kultureller Rückbe - sinnungen und sogenannter Revivalphanomene, nachdem die gesellschaftliche Realitat die Idee des melting pot - also eines Schmelztiegels heterogener kultureller Traditionen - endgültig widerlegt hatte (Glazer / Moynihan 1963; Gans 1979). In der britischen Sozialanthropologie erscheint der Begriff zudem in der Auslegung der sozialen und kulturellen Konsequenzen der Modemisie - rungsprozesse des postkolonialen Afrika bei den Teilnehmern der sogenannten Manchester Schule (Mitchell 1956; Cohen 1974; dazu auch Banks 1996). Doch es dauerte insgesamt recht lang - etwa bis in die 1980er Jahre -, bis der Begriff Ethnizitat in GroJ3britannien ebenso wie im amerikanischen sozial- wissenschaftlichen Diskurs die Kategorie Rasse als Modus zur Beschreibung kultureller Vielfalt ersetzte. In der Europáischen Ethnologie (also der früheren deutschsprachigen »Volkskunde«) wiederum wurde Ende der 1970er , Anfang der 1980er Jahre die Perspektive auf»kulturelle Inseln« (sogenannte »Sprach - inseln«) durch eine neue Art der Ethnizitatsforschung abgelöst , wobei sich die Forschung hier einerseits auf Fragen von Religion und Politik, andererseits auf die Alltaglichkeit und interkulturelle Kommunikation fokussierte (Greverus

1981 ; Köstlin l Bausinger 1980; darüber auch Schmidt - Lauber 1998).

Ethnizitat wird heute als eine besondere Dimension sozio-kultureller Unter- scheidung betrachtet , wobei sie sowohl als strukturelles als auch als symbolisch-

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Margit Feischmidt

kulturelles Phánomen beschreibbar ist . Allerdings werden diese Aspekte zu verschiedenen Zeiten und von verschiedenen Forschem in unterschiedlichem MaJ3e betont . Wissenschaftler hatten zunachst die soziale Organisation und die kulturelle Eigenart kleiner, marginalisierter Gruppen entdeckt, deren Sprach en , Brauche , oft auch raumliche und soziale Lagen si ch von der Umgebung , yor allem von der dominierenden Mehrheit unterschieden . Hauptbegriffe der For- schung waren aus dieser Perspektive die »ethnische Grupp e « (ethnic group) und das »gemeinsame kulturelle Erbe«, das als konstitutive Substanz der Kol- lektive vorgestellt wurde. Spater erkannten Wissenschaftler, dass eine ethnische Gruppe nur im Verhaltnis mit anderen zu verstehen sei , wie auch die ethnische Minderheit nur im Verhaltnis zum Staat . Ausdruck findet diese Sichtweise im Begriff der »ethnischen - oder interethnisch e n - Beziehungen« (ethnic rela- tions) , der Ethnizitat innerhalb der sozialen Struktur und im Zusammenhang mit sozialen Verhaltnissen und Interaktionen verankert. Dem folgte eine weitere Perspektive, die Ethnizit á t als Erfahrung von Gemeinsarnkeiten und Unterschie- den sowie als Folge der Intemalisierung von Fremdzuschreibungen versteht, die die sogenannte ethnische Identitat des Individuums hervorruft. Die konzeptuellen Debatten innerhalb der Ethnizitatsforschung werden oftmals durch zwei entgegengesetzte Begriffspaare dargestellt. Der erste und vielleicht am haufigsten erwahnte konzeptuelle Unterschied besteht zwischen den sogenannten Primordialisten oder Essenzialisten einerseits und den Instru-

andererseits. Aus Sieht der Primordialisten ist

mentalisten oder Konstruktivisten

Ethnizitat eine grundlegende Ideutitat und beruht auf einem Set von kulturellen Ausstattungen und Identifikationen , die sich jedes Individuum mit anderen von Geburt an teilt , und zwar durch die zufallige Zugehörigkeit zu der Familie , in die es zu einem gegebenen Zeitpunkt und an einem gegebenen Ort hineingeboren wurde (Isaacs 1975). Der Begriff der Primerdialitat geht auf Edward Shils zu- rück (Shils 1957). Die damit gemeinte Ethnizitatsperspektive wurde besonders von Clifford Geertz vertreten, der bei modemen Gesellschaften zwei Formen der Zusammengehörigkeit unterscheidet : auf der einen Seite die b ü rgerliche Zusammengehörigkeit (im Sinne von Demos) , die durch den modemen Staat geschaffen wird, und auf der anderen Seite die primordialen Formen von Zu- sammengehörigkeit wie Familie , Verwandtschaft und religiöse bzw. ethnische Gruppe . » Subjective claims to ethnic identity derived from the affective potency of primordial attachments «, so heillt es bei Clifford Geertz (1973: 259). Die Gegenposition zum primordialistischen Ansatz folgt der allgemeinen Theorie des sozialen Konstruktivismus und umfasst ihrerseits zwei Version en , wobei sich die erste auf die Makroebene der sozialen Phanomene konzentriert und den elitedominierten instrumentellen Charakter der Ethnizitat betont , wáhrend sich die zweite Perspektive auf die Mikroebene der sozialen Prozesse bezieht und die Relationalitat wie auch die Sitnativitat der Ethnizitat hervor-

E thniz i tat - Perspek t ive n u nd Konzep t e

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h ebt (R. Co h en 19 7 8 ; Oku m ara 1981 ; Jenkins 1994) . Nach Ansicht des er s ten

ko n s t r u ktivist i schen Ansatzes e n tstehen d i e modemen For m en der E thniziti it

i m Unterschied z u den prarno d ernen Formen im V e rtei l ungskampf um knap-

p e R essourcen . In der Manchester Schule der britischen Sozialanth r opologie

w u rde in diesem Zu s amme n hang der Begriff » political eth n ici t y « eingeführt

für d i e Strategie der gemeinsamen Handlung und I n teressendurchsetz ung der nic h t - do m i n ierenden Gruppen (Cohen 1969 : 27) . D a s zweite theoretische G e g e nsatzpaar v on Eth n izit á tstheorien be s teht

a u s der s ogenannten obj e kti v i s ti sch e n und der s ubj e ktivi s ti s chen Annáherung

a n d a s Thema . Au s o b jektivisti s ch e r Sieht wird Ethnizitiit v on den mei s t e n Sozio l ogen - auf str u kt u re ll er Basis - und v on v ielen Eth n olog e n - auf kultu -

r e ller Basis - a l s ein objektives Merkmal v on Ge s ellschaften betracht e t . Ihre Ergebnisse sind entweder Beschreibungen der vorge s tellten ethni s ch e n C ha -

ra kteri stika der einzelnen Grupp e n oder Er klarungen der sozial e n und M a cht-

unterschiede der nebeneinander lebenden e t hnischen Gruppen . Schon zu Beginn des 20. Jahrhundert s hat Max Weber die objekti v istis c h e

p

rimordi a l e Sichtweise hi nt erfragt, als er die T h ese vom geglaubten Herkunfts -

b

ew u sstsein a l s konstit u tiv f ű r et hn ische Gruppen formul i erte . Nach Weber ist

die ethnische Gruppe ei n e Gr u ppe von Menschen , die keine »Nation « bilden , do ch auf grund ihrer ii u Beren Ersc h einung oder der Ahn l ic h keit ihrer Gewohn-

h

eiten oder ab e r wegen áhn l icher Erinner u ngen an Ko l onia l isierung und Wan-

d

er u ng subjekti v von einer gemeinsamen Herkunft überzeugt s ind und diesen

Gl a uben in e iner Wei s e pftegen und v erbreiten , so d a s s er eine bed e utende Rolle in der Gemeinschaft s bildung einnimmt ( W e ber 1990: 234 - 2 44 , hier 239) . We- ber s P a r a digma blieb - wie die v er s teh e nd e Sozio l ogie im Al l gemeinen - zu -

n ach s t ohn e unmittelbare Folgen f ü r die e mpiri s che Ethnizitiit s fors chung . Er s t Jahr z ehnt e sp i iter - Anfang der 1 960 e r Jahre - s tellte der Kultura nthropologe

Michel M oerm a n bezüg l ich d e r ethni s ch e n Ve rhaltni sse in Thail a nd di e Fr age :

» Who a r e t h e Lue ? «, da er keine » obj e kti ve n kult u r e ll e n Eigen s ch a ften « f a nd ,

d

ie dies e Gruppe hatten definieren und v on ihren N achbarn unter s cheiden k ö n-

n

en . S o formulierte Moerman die e r s te »s ubjekt i v e« Definition der E thnizitat,

ind e m e r s ie als emische Kategorie der Zugehörigkeit bezeichnet e : » Som e one is L ue b y v irtue of believing and call ing him s elf Lue and of acting in w a ys that

validat e his Lue s nes s« ( zitiert nach E rik s en 1993 : 11). Dieser A n s atz wu r d e besonders im Kontext der Phanornenologie weiter entwickelt, innerhalb d e r e r

- etwa in den Arbeiten von Soziolog e n und Ethnologen wie Rogers Brub a ker ,

Thomas Hyland E r i ksen and Richard Jenkins - die Erfa h r u ngsdimension d e s Eth nischen in den Mittelpunk t rückt e und Ethnizi tat als Aspekt der Sprache , des Denkens und der sozialen Praxis - im G e g e nsat z z u »Ethnopolitic s« ode r ethnischen Ideo l ogien - konzeptua l i s iert wurde (siehe Brubaker l Fei s chmidt J Fox / Grancea 2006) .

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Margit Feischmidt

Ethnizitát als soziale Praxis der Grenzziehung und Kategorisierung

Statt den Fokus auf die Kultur- und Gruppenzugehörigkeit zu lenken , der für die Ethnizitatsforschung in der Ethnologie anfangs kennzeichnend war , r ü ck- ten ab den 1970er Jahren also die sozialen Prozesse und Handlungsformen

verstarkt in den Blick . Diese Wende wird im Allgemeinen mit dem Namen

norwegischen Sozialanthropologen Fredrik Barth in Verbindung gebracht, der zentralen Einfluss auf die Ethnizitatsforschung wie die ethnologische Gegen - standsbestimmung insgesamt ausgeübt hat . Nach Barth sind ethnische Grup- pen das Ergebnis von sozialen Prozessen der Identifizierung und Abgrenzung zwischen Akteuren. Es gibt also keine »objektiven« kulturellen Unterschiede, die von wissenschaftlicher Seite als primordial gegebene Kennzeichen von Ethnizitat betrachtet werden können. Ethnizitatsbildend sind stattdessen nur Merkmale, die für die Akteure selbst signifikant sind: »(E)thnic groups are cat- egories of ascription and identification by the actors themselves, and thus have the characteristic of organizing interaction between people« (Barth 1969: 10). Um im Barthschen Sinne von Ethnizitát sprechen zu können, ist der stan- dige Kontakt zwischen zwei Gruppen bzw. ihren Mitgliedern vorauszusetzen. Die Beziehung zwischen diesen sich unterschiedlich identifizierenden Men- schen ist das, was Ethnizit á t überhaupt erst ermöglicht. Ethnische Gruppen bilden eine besondere Form der sozialen Organisation, ein »organisational ve ssel «, die verschiedene, sich im Laufe der Zeit verandernde » kulturelle Inhalte « haben kann . Grundbegriff seines Ethnizitat s -Konzepts ist die soziale Gren ze, die die Gruppe im organisatorischen Sinne » begrenzt « und , wie Barth meint , sie sogar erst schafft . Die soziale Grenze zwischen zwei ethnischen Gruppen wird in den alltaglichen Handlungen , Identifizierungen und Abgren - zungen ausgehandelt und reproduziert . Die Tatsache , dass Barth wie auch seine Nachfolger bei der Konstituierung ethnischer Gruppen die interethnischen Beziehungen und Interaktionen bzw. die Ereignisse der Grenzziehung in den Mittelpunkt stellten, fuhrte zu einem bedeutenden Wendepunkt in der empirischen Ethnizitiitsforschung . Vielfach ist sein Konzept der Grenze angewandt und auch weiterentwickelt worden. Die Sozialanthropologin Sandra Wallman z.B. konstatierte eine doppelte Be-

des

deutung des Barthschen Begriffs der s ozialen Grenze : » The first (meaning) is structural and organisational . It is objective to the extent that outsiders can

see it . In this respect the boundary marks the edge of a social system. [

second kind of meaning inherent in the social boundaries is subjective to the

e x tent that it inheres in the experience of participant s« (Wallman 1986 ~ 36) .

Einerseit s beschreibt Ethnizitat also eine Art der Gesellschaftsorg a nisation ,

] The

Ethnizitat ~ Perspektiven und Konzepte

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andererseits eine Art und Weise der Perzeption, Einordnung und Deutung von individuellen Erfahrungen (»ethnicity is about the organisation of society and the organ i sation of experience« [ebd . j) , Das innovative Potential Fredrik Barths war beachtlich, dennoch blieb sein Ethnizitatsverstándnis nicht ohne Kritik : So scheint es, als ob die ethnischen Identitaten lediglich Ergebnisse der Verhandlung gleichgestellter Menschen seien und die Zugehörigkeit oder Abgrenzung eine Frage der freien Entschei- dung des Menschen ware, Der britische So z ialanthropologe Marcus Banks etwa konstatiert in seinem wegweisenden Überblicksbuch zur anthropologi- schen Ethnizit á tsforschung, dass Barths analytische Indifferenz gegenüber den Machtverhaltn i ssen und dem Staat ein liberales Modell des ethnischen Pluralismus impliziert, mit dem man die Effekte von soz i aler Ungleichheit nur schwer analysieren kann (Banks 1996: 76)0 Ein anderer Kritiker, der Sozial- anthropologe Richard Jenkins, bezieht sich auf die Barthsche T hese vom Primat der Definitionen und Wahmehmungen der Akteure und moniert, dass Barth , obwohl er sowohl die »innere« als auch die » á ufiere« Defin i tion der ethnischen Gruppe erwahnt , nichts Grundsátzliches über Letztere sagt (Jenkins 1994) 0 Entsprechend gab es Fortführungen und Differenzierungen des konstruk- tivistischen Ethnizit á tsverst á ndnisses, die diese Kritik umsetzten, So hat Richard Jenkins gefordert , neben dem Verstandnis der Gruppe als Ergebnis der Selbstidentifikation, sie ebenso als Ergebnis der Zuschreibung oder Fremd - zuschreibung zu verstehen. D i e ethni sch en Fremdzuschreibungen kommen informell oder nicht-institutionalisiert sowie institutionell oder formal zustan- deo Zu den informellen Zuschre i bungsprozessen gehören die routinemaííigen Interaktionen - wie z.B, die Identifizierung von Unbekanntem mit ethn i schen Kategorien oder die Mobilisierung ethnischer K ategorien durch spezifische Diskurs e oder Stereotypen -, aber auch das Lebensumfeld wie Nachbarschaft , Freundeskreise ode r Familie, das eine starke Kontrolle über die ethnische Grenze ausübt, so auch über als legitim gesehene Partnerschaften und andere Beziehungen. Zu den institutionelle n Dimensionen, die an der Entstehung und Rep r oduktion ethnischer Kategor i en beteiligt sind , gehören beispielsweise de r S ta a t , der die Bevö l kerung über Gesetze, Volkszahlungen , S t ati s t i ken und durch die Sozialwissenschaften öffentlich klassifiziert , der Arbeits m a rkt w i e auch die ethnischen Institutionen , z . B . Parte i en , Organisationen und Kir- chen der Minderheiten . Die Klassifikation nach gesellschaftl i ch anerkannten und legitimierten Kategorien erfolgt durch Inst i tutionen und ist fest in den Machtverhaltnissen verwurzelt, da das V e rmögen , die Iderititat anderer zu bestimmen , Macht und Kontrolle über v erschiedene Ressourcen voraussetzt (ebd. : 199): »[00o] identities are imposed upon individuals in school and i n the labour market , in a dialectical process of internal and external definition . [ooo] The individual's experience of the consequences of being categoriz ed may ,

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Margit Feischmidt

o v er time , lead to an adjustment in hi s or her s elf-image in th e direction of the stigm a tizing public im a ge« (ebd.: 206). In der Ge s chichte d e r Ethnizit á t s for s chung gab e s noch weitere Versuche hin s iehtlich e i n e r S y nthes e der strukturellen und der individuellen Kompo - nent e n d e r Ethni z itat, E in anderer E thnologe , Leo Depre s, hat beis piels w eis e in s ein e r For s chung in Gu y ana drei Haupter s ch e inungsformen oder E benen der Ethnizit á t ausfindig gemacht : erstens a us einer Makroperspektive und o r gan is atorischen S i eht die ethnische Teilung v on Arbeit (ethnic di v i sion o f

l a bo ur) , zwe iten s die polit i sche Organi s ation d e r ethnischen Gruppe , in d e r e n R a hm e n formuliert und kontrolliert w ird , w i e innerh a lb einer Gruppe die M it- g li eder ihre Zugehörigk e it , ihre Id e nt i tat reprasentier e n können und s ollt e n , und s chli e J31ich dritten s die interethnischen Bez iehungen i n den a lltaglichen I nterak t ionen , wo es di e gröBte Freih e it für V e rhandlungen b e züglich der eth- nis ch e n Identit a t g ib t ( Depr es 1975 ) .

A u c h F r e drik Bar t h s elb s t unter s cheid e t in s e i n e r jün g st e n th e oretisch e n

Ü ber si cht , in d e r e r se ine e i nflu ssr e ich e n Th ese n v on 1969 z um T e il re v idie rt, drei E benen d er Konst i tuierung d e r E thni z i ta t (Barth 1994). Au f d e r er s t e n E bene , die er a l s Mikro e bene bezeichn e t , w ird E thni z it a t in den Inte raktionen h e r v orge bracht und a u s geh a nd e lt , w o auch die indi v idu e lle n Pro zes se d e r I d e nt if i zier un g sta ttfind e n . Di e z w ei te, » mi t tl e re E b e n e« i s t de r Ort der sym- b o lisc h e n Politik , w o s ich ethnisch e G em e in schaft e n kon stituiere n . Auf d e r dritten E bene w ird v on Barth e ben fa ll s die Politik in den Mittelpunkt geste lIt , wobei hier j e do c h die Frage , wodurch eine s truktur e ll e Di ff eren z ges cha f f e n wir d , ei n e s t arkere B e tonung find e t . Di e H a upt a kt e ur e s ind hi e r : di e Bürok ra- t i e, d ie d e n s o z i a len und ethni sch e n Gruppen R ec ht e und Verbote vo r sc h re ib t , die id e olo g i sch e n Di s kur s e d e r S t aate n und di e g lob a len Identita t s di s kur se . Die d a m i t ang es prochen e F rage nach d e m Zu sammenhang v on Ethnizitat und Macht b z w . Po litik so ll nunmehr v ert i eft w e rden , d a sie e ine lang e w issen - sc h a ftli c h e T radition in d e r E thnologi e und Soz iolo g i e hat .

Instrumentalisierung der Ethnizitat

D e r Z u sa mme n h a n g v on Ethnizi t á t und Mac h t b zw. d ie ethnolo g i sc he D e u-

t un g di eses Verh á ltni sses w urd e sch o n v o n d e r M a nch este r Schul e der bri- t i sc h e n S ozi a l a nthropologie und i hr e r kla ssi schen Forsc hung in Co pp e r b e lt

(i m eh e malig en Rhodesien, heute S a mbia) a ufgegri f fen . A bner C ohen , d er

a nf a n g li c h z u di eser Schul e g e hörte , s chrieb s pate r in s einem Buch Cu stom and P o l itics in Ur ban Af r ic a ( 1969 ) üb er di e H a u sa in d e r nig e rian isch e n St a dt I b a d a n und s t e llt e d a rin v er schi e d e n e Dim e n s ion e n d er Solid a ritat zw i s ch e n

E t h n iz i t a t - Perspektiven und Konzepte

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den Hausa fe s t: Sie leben in einem s egregi e rten Wohnviertel , sie s prechen eine gemeinsame und besondere Sprache , sind Teiln e hmer an besonderen w irt- schaftlichen Aktivitat e n u nd rituell e n Er eigniss en . Jedoch betonte C ohen , d ass keines di es er Merkrnale primordial , be s tandig od e r un ve randerbar s ei. Er v e r -

s u chte , den Proze s s der »retr ibalizati o n c - heute würden wir da s E thnis i er u ng

nennen - auf d e r E bene der Politik z u e rk l ar e n und s prach s ich dami t gege n die quasi - p sy chologi s che Erklarung sein e r Kollegen Mitch e l l und Maye r au s . Cohen fiihrte d e n B e griff der politi sch e n Et hni z i td t ipoliti c al e thn icity , Co h e n

1969 : 27 ) ein , w omit er E thnizitat ni c ht al s eine F orm der I dentitat , s ondern a l s

eine Strat e gie d e r c orporat e a c ti o n d ef iniert e: >>>R e tribalization < i s a proc ess

b y w hich a g roup from one ethni c ca t e gor y , who se member s a re i n v ol ve d in

a str u ggl e for power and privileg e with the member s of a group f r om a nother

ethnic categor y, w ithin the framework of a form a i politic a i s ys t e m , manipul a t e

some custom s , v alue s , myths , s y mbo l s , a nd ce r e monials from th e ir c ul t ur a l

tr adition in order to articulate an i nfo r mal p o l i ti ca i organization w hich i s u se d

as a we a pon in that struggle« (ebd .: 2 ) . Cohen meinte damit e i ne ino f fi zi elle Po l itik , die er fiir jene Gr uppen a l s kennz e ichnend erachtete, denen eine f ormelle Organisation verwehrt i st. E th - nizit a t stelIt demnach eine Form der informellen polit i schen Strukturierun g dar , die kultur e lle Grenzen u nd Unters c hiede prod u ziert , um die w irt s chaftl i - chen Ressourcen der Gruppe oder ihre politische Machtposition z u b e w a hr e n . Cohen s einflus s r e ich e s Ethnizitat s kon z ept i s t ein k1assisches Beispiel f iir di e sog e nannte Jn s tr u m e ntal i s ie ru ng s th ese , b e i der die ra ison d 'é t re de r E thnizitá t in ihre r politi s ch e n Funktion liegt . E ine á hnliche T hese hin s iehtlich d es in s tru-

mente ll e n C har a kter s der Ethni z it a t wurd e a u c h am Bei s pi e l d er e ur o p á isc h e n Mind e rh e it e n und Migranten formuli e rt . Ge m e in sa m i s t di e sen A nsátz e n s o w ohl in d e r E thno l ogi e a l s a u c h in d er So z i o lo g i e di e Annahm e , dass Zu s am me n ge hörigk e itsgefiihle und Gemein -

s ch a ft svo r s t e llungen der Menschen im Di e n st politi s ch e r oder m a t e rie ller In -

tere sse n in s trumentali s iert w erd e n könn e n . E thnizit á t w ird al s eine A u s pr ág un g

so zi al e r Int e r esse n , a l s s y mboli s ch e R ess ourc e ve r st anden , di e f iir die I nt er -

es se n d er politi s chen F ührung oder b est i mmter politi s ch e r Elite n im K a mp f um Einflu ss od e r Ma c ht genutzt werden kann . Wie Br ass formuliert: »T h e cult ur a l form s , va lu e s and practi c es of group s b e com e political re s ourc es f o r elites i n comp e tition f or pol i tical power a nd ec onomic a d va ntage . Th ey bec o m e s ym - bols a nd ref e rent s for the id e ntificatio n o f me mb er s o f a group , whi c h a re ca lle d up in o r d e r to cre a te a pol i tical identi t y mor e ea sily« (Brass 1991: 15) . Die m e i s t e n Th e orien, die Ethnizitat als Element spezif i sche r Mac h t k onste l- lation e n e rkl a r e n , betr a chten E thni z i ta t i n zwei e rlei Kontexten: ein erse i ts die Org a ni sa tion und Reorganisation der eth n i s ch e n Diff e renzen i n fo I ge der Mo- dernisi e rung und Binnenmigra tion , a nder erse it s d as V e r ha l tnis der E thnizitat

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Margit Feischmidt

z ur sozialen Gliederung und den institutionalisierten Mechanismen der Macht. Hinsiehtlich der Wirkung der Modemisierung gibt die soziologische Ethnizi- tatsforschung zwei grundlegend unterschiedliche Antworten. Mit zunehmender

Modemisierung , so nehmen Max Weber und die me isten

theoretiker nach ihm an , reduziert sich infoige des freien Wettbewerbs , der Individualisierung und der nationalstaatlichen Inklusion die Loyalitat zu den geglaubten Herkunftsgemeinschaften und damit die Bedeutung von Ethnizitat und darüber die ethnische Vielfaltigkeit der modemen Gesellschaften. Kritiker dies er Anschauung behaupten dagegen , dass die Modemisierung nicht nur funktionale Differenzierung und Individualisierung bedeute , die zur Überwindung der ethnischen Vergemeinschaftungen fuhrt . Ganz im Gegenteil hatten gesellschaftliche Modernisierung und die damit einhergehenden Pro- zesse der Industrialisierung , Urbanisierung und Binnenmigration sogar die Ver s charfung sozialer Ungleichheit und Ethnisierung der neu entstandenen

sozialen Unterschiede zur Folge. So stelIt ein klassischer Vertreter dieser Posi- tion, der Soziologe Michael Hechter , fest , dass die sozialen Benachteiligungen in den modemen Industriegesellschaften, die sich aus dem ungleichen Verhalt- nis der dominanten Kernregion zu der sich kulturell oder ethnisch unterschei- denden Peripherie ergeben, zur Entstehung ethnoregionaler Bewegungen füh- ren. Die hierarchische Aufteilung von Arbeit auf kultureller Basis - das heiBt yor allem die Zuordnung von niedrigeren Arbeitslöhnen und schlechteren Arbeitsbedingungen zu Minderheitengruppen - starkt die Solidaritat und fiihrt unter den Mitgliedem der deprivierten Gruppe zu einem ethnischen Zusam-

mengehörigkeitsgefiihl

damit eine Variante der marxistischen Klassentheorie , die ursprünglich davon ausgeht , dass die ethnische Gruppe , ebenso wie jede andere Gruppe , nicht eine klassenspezifische Form sozialer Unterschiede darstellt, sondem durch Unter- schiede im Zugang zu Macht und Ressourcen entsteht . Modemisierungsprozesse fiihren auch im Sinne der sogenannten Wettbe - we rbstheorie (Olzak / Nagel 1982) zur Ethnisierung der Gesellschaft , jedoch wird da s Schlü s selmoment im Unterschied zu den vorangegangen e n Theorien hier darin gesehen , dass sich zuvor getrennt lebende Gruppen in den Stadten , die zu Zielpunkten der Migration geworden sind , auf dem Arbeits markt der

indu s triellen Z e ntren begegnen. Im Sinne dieser Th e orie , die sich auf Grund-

the se n der Humanökologie und der Chicagoer Schule

stützt , stei gem die in

Immigrationszentren gebildeten gemeinsamen Lebensr á ume die Möglichkeit des Konflikts und setzen Krafte des Wettbewerbs frei. Wettbewerb kann aber auch zwischen Ausassigen unterschiedlicher ethnischer oder regionaler Her - kunft entstehen , wenn sich eine lang w á hrende institutionalisierte Segregation auftöst , und zwar insbesondere zwischen Gruppen , die sich zuerst auf dem Arbeitsmark t begegnen . Susan Olzaks An s icht nach bringt die soziale Inte-

Modemisierungs-

(Hechter 1974; Hechter / Levi 1979). Hechter vertritt

Ethnizitat - Perspektiven und Konzepte

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gration innerhalb des Arbeitsmarktes die Betroffenen in eine Wettbewerbs - situation , was daraufhin zur ethnischen Mobilisierung führt, Diejenigen, die diesen Konftikt schüren, gehören dabei selbst nicht zu den sozialen Gruppen mit dem geringsten Prestige, sondem zu jenen, die bereits mobilisiert worden sind , doch in diesem Prozess angehalten wurden . Die Frustration der »Minder- heitenelite«, ob Einwanderer oder einheimische Minderheit , provoziert dies er Auffassung nach die Ethnopol i tik und ist das Schlüsselmoment der Entstehung von Nationalismen .

Nationali s mus und Ethnizitá t

Damit ist ein Kempunkt der sozialwissenschaftlichen Ethnizitá tsforschung angesprochen : das Verhaltnis der Ethnizitat zur Politik und yor allem zum Nationalismus und z u den Nationalisierungsprozessen , In der Deutung dieses Verhaltnisses stehen sich zwei entgegengesetzte Paradigmen gegenűber, Das eine Paradigma betont die Kontinuit á t der pramodernen Formen der Ethn i e, Das umfangreichste Argumentationssystem hat in dieser Hinsieht Anthony Do Smith ausgearbeitet, der die Kontinuitat besonderer kultureller Merkmale, gemeinsamer My then und der sozialen Erinnerung innerhalb einer »Ethnie« betont : »Ethnie (ethnic communities) may [000] be defined as named human populations with shared ancestry my ths , histories and cultures , having an asso- ciation with aspecific territory and a sense of solidarity , [00 o] [1] hope to show that ethnie (different ones, usually) have emerged and re-emerged at different periods i n several continents and culture-areas right up to the modem era , and that ethnicity has remained as a socio-cultural smodek for human organization and communication from the early third mil l ennium Be until today , even if not every society has followed this model of organization« (Smith 1999: 27)0 Dem anderen Paradigma, den Modemisten oder Sozialkonstruktivisten zufolge, hat Ethnizitat in spatmodernen Gesellschaften im primordialen S i nn keine Bedeutung, als gesellschaftspolitische Zuschre i bung jedoch schon (Dittri c h I R a dtke 1990)0 Der Nationalstaat selbst schaffe die aktuellen Formen von Ethnizitat, wie Katherine Verdery formuliert : »[00 o] die nationale Ideutitat ent w ickelt sich nicht aus der ethnischen , sondem schafft vielmehr den Rahmen , innerhalb dessen s i ch die Ethnie differenziert , da sie so sozi ale Anerkennung gewinnt« (Verdery 1994: 38)0 In ihr e r A r gumentation folgt Verdery Foucault und kennzeichnet den Nationalismus als einen homogenisierenden , differenzie- renden und kategorisierenden Diskurs. In Bezug auf jene Menschen , die von dieser homogenen Kultur - und Gemeinschaftsvorstellung abweichen , se t zen der Nationalstaat und seine Akteure zwei Strategien ein , einerseits die Assimilation

60

Margit Fe i sc hmid t

und damit A u sschal tu n g je n er E l eme n te , di e d as nationa l e Homogen i tat s k on - zept stören , und andererseits d ie Sicht b armach u ng u nd D i ffere n z i e r u n g nach eth n ischen o d er rassistischen Kategorien. D iese gese ll sch aftl ich e S i c htb ar -

machung eth n ischer Unte r sc h iede wird a u c h a l s Segrega t ion besc h rie b e n , die da s A ndere n i cht n u r e tik et t iert , son d em a u c h mit b eso nd ere n po litisc h e n u nd sozialen Praxen vom Ma in s t ream d e r Gese l lschaft fe m h al t , sowie als Po l iti k des Multikult ur a l ismus , d i e d e n Minder hei ten einen n e u e n politisc h en Statu s ver l eiht , d e r auf der Anerkennu ng ihr e r K u lt ur b asier t .

E thnizit á t sowie et hn isch e Ersc h e i nu ngsweise n kön n e n fo l g l ich in

(sp i it)modemen Ge s e l lschaften nu r im Z u sammen h ang mi t d er n a t ional staat - lichen Logik und den E th n isierungsstrategien betrac ht et werden , d ie dieser Logik folgen. Dabei ist Et h ni s ierung ein reakti v er Prozess, der nicht n u r von

S e ite n des Staat e s , s ondem auch von Seiten d er Einwanderer oder der Mind er -

heiten s tattfindet , wobei vie l es dafiir spricht , da ss E th n izitat meist strategisch

a l s Antwort a u f den Mangel a n I n tegration eingesetzt

Die E th n isierung soz i a l er Reprase n tatio n ssysteme und sozia l er Verhá l t - nisse schafft haufig soz i ale Strukt ur en de r Minderheite n , die i n de n Sozial- wissenschaften mit u nter als »ethnische I n sel n« , »Gettos« o d er »Para l lel ge - sellschaften« konzept u a l is i ert wurden . Der Vor l a ufer d ie ser Sic h tweise war in d e r k l assischen Sozia l a n t h ropo l ogie der Begriff der p l u r a l so c i e t y, der von Furni v all im Zusamme n hang mit p lu riethnischen Gese ll sch aften , die u nter Kolonialherrschaft stande n , verwendet wurde. Die » pl u ra l e Gese llschaft « besteht demnach aus Gruppen , die in derselben politi s chen Einheit ne b enein - ander leben , j e doch in höchstem Mal3e v oneinander separiert sind (Furni v alI 1945: 304 - 307) . In Westeu ropa und in (bestimmten) La n dern Nordamer i ka s bedeutet Plurali s mu s in erster Linie institutione l ler P lur a l ismu s . Das h eil 3t , die nebeneinander l ebenden eth n ischen o d er religiösen Gruppen werden von ethnischen oder rel i giöse n In s t i t utionen inkorporiert u nd z u g l e i c h reprod u z i ert (Amersfoor t 1995 : 167). Ethnischer P lu ral i smus i st jedoch nicht nur u nd oft w eniger auf der Ebene der Institutionen von Bedeut u ng, se i ne gese llsc h aftli- che Wirkung i s t yor a ll em und am e hesten durch di e et h nisch gepragten Be - ziehung s netzw e rke greifbar . Raymond Breton beschreibt am Bei s piel Qué b ecs par a llele in s titutionel l e Strukturen s owie sich daraus e rgebende p a rall e le Netz -

werke. D as bedeutet , das s die mei s t e n gesellsc haft l ichen Beziehung s netze sich innerh a lb einer ethnisc h en Gruppe und n u r in den s eltensten Fallen ü b er die ethnis c he Grenze hinaus o r ganisieren (Bre t on 1985) . Darau s fo l gen wiederu m die Segregation des Ar b eits m arkt e s u nd die partiel l e Enklavenb ildung in der Wirtsch a ft . Die Insti t utiona l isierung des ethnisch en P lur alismus verle iht der nicht - staatsbi ld enden ethnischen Gruppe zwar Würde , Pre s t ige und Sta tu s , wodurch - n ach Ansicht d er Mehr heit der Experten - d ie Wahrscheinlich k eit eines ethnischen Konflikts sinkt , doch werden gleichzeitig i n divid u e lle I nter -

wird (Bukow 1 996) .

E thni z it at - Pe r s p e k t i ve n u n d Kon ze pt e

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aktion e n , d ie über di e et hn isc h e Gre n ze hin a u sre i c h e n , s o wie di e Kommu ni- ka tion und i n noc h g röJ 3e r e m MaJ 3e di e Kooperatio n e r sch wert , in gewissen Fa llen sogar geradezu unm ög l ic h gemac ht . Dort , wo d ie Vors t e llung d er paral- le l e n o d er inse l ahnlic h e n gese ll sch aft l ic h e n Str u kt u r vo n Mi nd erheiten im po- l iti sc h e n A lIt ags d isk u rs ve r a n ke r t ist , wi rd sie a u ch a l s Leg i timations s trategie d er staat l ic h en o d er z ivi l en Segrega t ionspo l itik verwen d et . De s w e gen wird d as b esonders von Me d ie n u n d Po l iti k bereitwi ll ig a u fgegriffene u nd genutzte Kon zept der » Paral le l gesell sc h aft « ( v gl . Heitr n eyer 1 998) a u s e thnologi s cher Pers p ektive au ch kritisch b etrachtet .

Ethn i z it á t im kommunikativen und alltaglichen Kontext

I n d er h eutigen Ethniz it atsforsch u ng spiel en jedoch andere Ausricht u ngen a ls

d er B l ick a uf d i e po l itis ch-staa t lic h e Ge b unden h eit vo n Et h n iz itat eine gröBere R olle. Der Sozia l an t hropo lo ge Thomas H . Eriksen mac h te dara u f a u fmerksam, da ss man nic h t vom k ul t u rel l e n Kontext der Ethnizita t a bs e h en d ü rfe , auch wenn in erster Linie die soz ia len Pro z esse de r A b grenz u n g und Identifizierung fu r E t hn i zitat best i mme nd seien. Eth n izit á t wir d von ih m in diesem Sinne als th e syst e mati c s o c ial commu n ication of c u l tural difJ e rence gedeutet (Erik s en

1 993) . Was a b er bedeu tet K ul t u r im Verha l tni s z u r Ethnizitat? Ku l t u r bedeutete über l a n ge Zeit in der Ethnologie bzw . Kulturanthro- polog i e etwa s Kontinuier l iches und Essenzi e l l es: die gemeinsame Sprache ,

B rauche , Werte etc . , a u f deren Grundlag e ethni s che Gr u ppen als eine Form pr imordialer Z u sammeng e hörigkeit definiert w urden. A l s A n twort a u f diesen la nge gü l tigen kult u rel l en Determinismu s wurde v on der darauf folgenden Gen eration v on Forscherin n en und Forschem gena u das Gegenteil angenom-

m en . Angeregt durch d ie sozia l ko n str u kti v istische

m eisten v on ihnen K ul t u r n un me h r a l s a u stau sch b are n , va r ia b len Bestandteil

v on Eth n i z itat oder als Instr u men t im Kampf um k n appe R esso u rcen. Manche W i s s en s ch a ft l er argumen tier t en sogar gegen den Ge b ra u ch des Kulturkon - ze p t s ( Roo s ens 1989 ; Kaschub a 1995). Andererseits w u r d e der Versuch un - t emommen , dem Begriff d er Kult u r einen n euen Si n n z u verleihen . Statt von e i n e r f e sten und homogenen K ult ur auszugehen , konzen t riert man sich in der

n eueren Eth n izita t s f orschun g

T h eorie v erstanden di e

a u f die Prozesse der Produktion und Ver á nde-

ru ng ku l turel l er Phanome ne u n d a u f die kult u relle n A u sta u schprozesse zwi- sch en benachbarten Gemeinschaften ( s i ehe Eriksen 19 9 3 und Je n k i ns 1997). D iesen Weg best r i t t ansat zweise auch die deutsc h sprac hig e Vo l ksk u nde , die s i c h n ach dem Zweiten We l tkrieg in kritisc h er Ause in an d ersetzung mit der Tr a d ition der Sprachinselvo lk sk u nde in Richt u ng einer Interethnik - F orschung

62

Margit F eischmidt

bewegte . So standen für Ingeborg Weber-Kellermann die Veranderungen de s

» kulturellen In ve nt a r s« sowie die Austauschprozess e zwischen deutschen

und benachbarten Minderheiten in Süd- und Südo s t e uropa im Zentrum der Inter e thnik-For s chung. Zudem betonte sie (eben s o w ie ihre Schüler) die histo -

ri s ch e Dimension und damit die s ich verand e rnd e n Merkmale der Ethnizitat

(Web e r-Kellermann 1959 , 1978) . Einflussreicher f ű r die For s chung als diese noch immer tenden z iell e s -

sentialistische Si e ht auf kultu r ell def i nierte Ethnien ist eine Perspektive ,

d e r z ufolge Kultu r a ls Reprasenta tionssystem ver s t a nden wird , und zwar in

ein e m ahnli c hen Sinn e wie Stuart Hall die Nation als Repra s enta tion s s ys tem

b eze ichnet hat ( H a ll 1994) , oder al s ein Diskur s , w obei Gerd Baumann die

A n s icht v ertritt , d ass e s überhaupt s innlos s ei , üb e r Kultur in e in e m objekti - ve n Sinn zu s prechen (Baumann 1996 ) . Pierre Bourdi e u s chr e ibt in einer v on se in e n in der E thni z it á t s forsc hung v i e l z iti e rten Arbeiten über die diskursiv en

und gegenstandlichen Formen der Reprásent a tion , wobei er unt e r Letzte r e n die symbolischen G egenst á nd e ver s teht , unter Er s teren hin ge gen jene so z ialen K a tegorien, welche die sogenannt e vi s ion of di v i s ion , also di e Aufteilung der sozi a len Welt , determinieren (Bourdieu 1990) . In Übereinstimmung mit die-

s er A uffassung Bourdieus empfiehlt eine For s chungsrichtung die kogniti ve

Herang e hen s w e i s e z ur Unter s uchung der Kategori s ierung v on E thnie , Ra ss e od e r N a tion . Ro g e rs Brubaker b e tra c ht e t die s s ogar als di e Möglichkeit d e r theor e ti sc hen und m e thodisch e n E meuerung d e r konstrukti v istischen Ann a -

h e run g in der E thn iz it á t s fors chun g . » The cogn i ti ve v ie w u se full y direct s our

a tte ntion to c 1a ss ifyin g , categori z ing , coding , id e nti fy ing , and s o on a s mental proce ss e s a nd s ocial acti vi ties . It focuses on the p sy chologicall y grounded , soci a ll y sanctioned , and culturally elaborated cognitive schem as a ceording to which c1assification is carried out both in everyday interactions and in special- iz e d institutional routines ; and it highlights the cognitive and socia l struggles ov e r principles and practices of class ification and categorization « (Brubaker/ Lo ev ernan / St a m a to v 2004 : 9 ).

Di e kulturelle Reprasentation d e r ethni sch e n U nter s chi e d e und G e mein-

s amk e iten w urde in den Kultur w i sse nschaft e n , v or a llem in de r V olk s kunde ,

d er Ste r e ot y pen- und Vorurt e il s for schung unterg e ordnet . Stark v on ame -

r i k a ni sc h e n s o z ialp syc hologi s chen Theorien d e r 1960er und 19 7 0 e r Jahre

b eein f lusst , ging m a n da v on au s , d ass die ethni s che Kategori s ier ung und di e

da vo n untrennbar e ethnische St e reot y pi s ierun g in jeder Ge se lls ch a ft eine der w icht i gsten Formen der Wahrnehmung und Formulierung kultureller und sozi- al e rUnterschiede s e i (Gemdt 1988; Roth 1996 ; H euberger 199 9 ) . Ste r eotypen be s it ze n eine kogniti ve, eine a f fektiv - emotional e und eine verhalten s steuemde Komponente , s i e s ind unk r iti sch e Verallgem e in e rungen , die gegen Überprü-

f un g a b g e s chottet und g egen Ve randerungen r e l a ti v resistent s ind. F ür di e z u-

Ethnizitat - Perspektiven und Konzepte

63

nach st yor allem sozialpsychologischen Untersuchungen in diesem Feld war eine wichtige Frage, wie diese stereotyp e n Bilder und der Verurteilungsgrad

der einzelnen Menschen wie auch ganzer Gesellschaften zu verandern sei en.

Der sogenannten »contact hypothesis« Gordon Allports zufolge vermindem bestimmte Formen interethnischer Kontakte die Vorurteile (Allport 1954 ; vgl. Forbes 1997) . Ethnologen waren und sind demgegenüber weniger an den psychologischen Konsequenzen als an der Reprasentation und Praxis dies er Kontakte interessiert . Eine andere Form der kulturellen Reprásentation der ethnischen Un- terschiede und Gemeinsarnkeiten bzw. der ethnischen Iderititat bilden die kollektiven Narrative. Viele Et p nologen , beeinflusst durch psychologische und literaturwissenschaftliche Erzahltheorien im Zuge des linguistic tum, meinen, dass das ethnische Gemeinschaftserlebnis - wie auch andere Gemein- schaftserlebnisse - in á hnlichen Erzahlungen wurzelt , wobei die ethnischen Unterschiede mit abweichenden narrativen Darstellungen ausgedrückt und ge- schaffen werden. Die gemeinsame narrative Struktur organisiere die Erfahrung der Einzelnen und versehe sie mit sozialer Bedeutung , das mache nicht nur einige Dinge erzáhlbar und andere im Gegensatz dazu nicht , sondem v e rsehe bestimmte N a rrative auch mit Macht , wahrend andere diskreditiert würden (Bruner 1986 ; Bhabha 1990) . Bezüglich der Bourdieuschen Reprasentationstheori e wurd e bereits weiter oben die Bedeutsarnkeit der Symbole h ervorgehobe n. Bei den N achfolgem der s ymbolischen Anthropologi e in der Ethnizitatsforschung werden nun jene als ethnische Symbole gedeutet , die nach auB e n di e Differ e nz , nach innen die Gleichheit und den Zusam m en h alt be s t i mmter Menschen kommunizieren. John Armst r ong hat die B arthschen Thesen in Bezug auf ethn i c groups and boundaries weitergedacht , indem er konstatierte , dass die ethnischen Grenzen besonders von Symbolen aufrechterhalten werden (Armstrong 1982) . Ein áhnliches Argument taucht bei dem Ethnologen Anthony P . Cohen au f, der das Wesen jeder Gemeinschaftsbildung in der Erzeugung von Symbolen und in der Bewahrung bzw . Reproduktion der gemeinsamen Bedeutungen d i eser Symbol e sieht (A . P. Cohen 1985) . Wi rd Ethnizitat als Kommunikation kultureller Di f ferenzen definiert , so be- trifft dies n i cht nur die Frage nach dem Inhalt und der Bedeutung , Kommunika- tion b ez ieht sich vielmehr auch auf die Form, den praxeologischen und sozialen Aspekt des Handelns. Damit ist die F r age aufgeworfen, wie di e durch Institu- tionen produ z ierten Narrative und Symbole der ethnischen Gemeinschaft unter den Bedingungen alltaglichen Handelns e i ngesetzt und geschaffe n werden , und über welche Besonderheit d i e a l ltagliche Praxis der ethnischen Identi fizierung bzw. Differenzierung verfügt . A u sgangspunkt vieler neuerer e thnologischer Ethnizitatsfor s chungen i st d a m i t der Alltag bz w. ein Al l tags v er s tandnis , da s

64

Margit Feischmidt

sowohl den gesellschaftlichen und historischen Kontext als auch das konkrete Handein von Subjekten in den Blick nirnmt . Demnach stehen im Mittelpunkt der Forschung : » Erfahrungshorizonte , Handlungsmuster und Selbstentwürfe von Menschen. Damit entgeht die Forschung der Gefahr , Kultur , Sozialstruktur oder Politik als vers elbstandigte Kategorien zu begreifen , deren Vermittlung und Gestaltwerdung auBer acht bleiben. Eine Alltagsforschung zu Ethnizitá t fragt vielmehr, wie ethnische Kategorisierungen vermittelt und genutzt werd en, wie sie im taglichen Leben zur Geltung kommen und wie diese Alltagserfah - rungen zu den materiellen und sozialen Strukturen einer Gesellschaft in Bezug stehen « (Schmidt-Lauber 1998: 14) . Stephen Cornell und Douglass Hartmann konkretisieren das Erkenntnispotential wie folgt: » [I]t is in daily experience tha t boundarie s between groups often are most c \early drawn or most subtly re -

inforced . In day-to-da y interaction s, people enact their assumptions , conveying

m e ssages about which identities are important to them and what those identities

mean « (Cornell / Hartrnann 1998: 184) . Wichtig sind in dieser Alltagsperspektive die Praxen und Interaktionen von Individuen gleicher und verschiedener Loy a litaten, wofür oftmals die theoretischen und methodischen Zugange des symbolischen Interaktionismus angewendet werden . So ging auch der Barthsche Grenzbegriff davon aus , dass die Interaktionen zwischen den Mitgliedern verschiedener ethniscber Gruppen durch be s tirnmte gesellschaftliche Regein , Vor s chriften, Verbote und Sanktio- nen gelenkt werden , we1che eine Begegnung in bestirnmten Handlungsberei- chen erlauben , in anderen hingegen v erhindern. Damit determinieren diese Regein in bedeutendem MaBe auch den Ablauf der Interaktionen . Das Indi- viduum verfügt trotzdem über eine relative Selb s tstandigkeit im Umgang mit ihnen. Es ist fáhig , seine ethni s che Identitát entsprechend der Situation bzw .

seiner Interpretation der Situation zu betonen (ov e r c ommunicate ) oder zu ver - bergen (under c ommunicate) (Eriksen 1993 : 31) , die Bedeutung im Vergleich zu s einen anderen Identitaten bzw. Loyalitaten zu steigern oder zu senken. Somit ist die Bedeutung und Relevanz der Ethnizit á t nicht in jeder Situation gleich bzw. im Hinblick auf die gesamte Gesellschaft homogen . Vielmehr gibt es Situationen , in denen sie bestirnmend i s t , in anderen hingegen i s t sie un- bedeutend. E benso gibt es Menschen , die sensibler für ethnische Differenzen

s ind und für die die e igene Gruppenzugehörigkeit w ichtiger er s cheint , w á h-

rend dies bei anderen weniger oder gar nicht der Fall ist (Fei s chmidt 2003) . Brubaker und seine Mitarbeiter behaupten in ihrer Monografie über ever y da y

e thn ic it y sogar, es gebe e i ne grundsatzliche Asyrnmetrie der subjektiven Er - fahrung von Ethnizitat und damit eine relative Wichtigkeit derselben für die

M a rkierten , die Mitglieder der Minderheiten , im Vergleich zur nicht etiket -

tierten Mehrheit der Dominanten (Brubaker / Feischmidt/ Fox / Grancea 2006) .

E in T e il der Bedeutungsunterschiede

ethnischer od er ethnisch - interpretierter

E thniz i t at - Perspekt ive n u nd Konzep t e

65

Phá no mene kann auf die un t erschiedlic h en sit u a t iven Rahmenbedingungen

z u r ü ckgef u hrt werden (Ok u mara 1981), ein anderer Tei l auf die individuellen Lebensgeschichten u nd Erfahmngen. In d i es em Zusamme nh ang werden in letzter Zeit verstarkt a u ch d i e Be- so nd erheiten und Einf l ü sse hybrider Leben(swelten) betont . Die Analyse von

I d enti tatsnarrativen und -praxen von Indiv i duen u nd Gemeinsc h aften, die sich

an mehrere et hn ische oder nationale Traditionen gleichzei t ig knüp f en , bilden

e in Forschungsfeld , auf dem sich die z ul etzt erwahnte Mi k ro-A nn á herung der neueren Eth n iz i tatsforschung sowie die postmodemen Theorien treffen

( Werb n er/Modood 199 7 ; Ha l l 1994) . Im Anschluss an Homi Bhabha versteht

St ua rt Hall hybr i de Lebenswelten und Identitatsformen als »das Produkt mehre - rer ineinandergreifender Geschic h ten und Kult u ren. Menschen, die zu solchen

K ulturen der Hybriditát gehören , musst en den Tra u m und di e A mbition a u f ge-

b en, i rgende i ne sverlorenec kulture l le Reinheit, einen ethnischen Absolutismus wiederentdecken z u k ö nnen« (Hall 1994 : 218).

Ausblick

E th nizitat ist ein analyt i sches Konzep t der Soz i a l- und Kulturwissenschaften , das d i e soziale Organisation k u lture ll er Diversi t a t beschreibt und s ich in ver - schiedene methodologische und theoretisch e Richtungen verzweigt. Es handelt sich um einen Begriff, der in den let z ten Jahren a h nl i ch wie Klasse , Schicht

a der Gender z u e i ner zentralen soziokulture l len Kategorie avancierte. Ihre

Anwendung als analytische Kategorie f u hrt al l erdings auch zur zunehmenden gesellschaftlichen Prasenz bzw . politischen Instmmentalisiemng von Ethnos im Sinne des statischen essentialis i erenden Ku l t u r- und Gmppe n begriffs. Manche Sozialwissenschaftler beha u pten deshalb , Ethnizitat se i heutz utage eher ein Begr i ff der Anerkennungskampfe und als analytisches Konzept gar

unbrau c h b ar geworden . Andere, so auch die A u tor i n dieser Abhandlung , s ind der An si cht, dass die Beschreibung, Analyse und Interpretatio n der sozial vera n ke r ten Praxen u nd Proze s se der ku l ture l len D i fferenziemng und Ge - meins c haftsbildung, die wir als ethnisch kennzeichnen, e i nen unerla ss liche n Teil de r kultur- und sozialwissenschaftl ichen Arbeit darstellt . Dafur müssen

d i e wissenschaftlichen De u tungen ethnischer Phanomene jedoch vom Alltags-

verstandnis abgegrenzt werden , so betonen auch Bmbaker (2004) und E riksen (1993) . Durch Feldforschung , Beobachtungen und Interviews wie auch durch reflexive T h eoriebildung können wir in der Ethnologie die unterschiedlich e n Darstellungsformen und Konstruktionsprozesse von Ethnizi t á t erklaren und damit sowohl die alltaglichen Narrative und Praxen de r Diffe re n z i e rung und

66

Margit Feischmidt

Identifizierung als auch die öffentlichen und politi s chen Diskurse » der Minder- heiten «, » de s E thnischen « und » der Nation « dechi f frieren . Weiterhin verfü gen wir über die geeigneten theoretischen und methodischen Mittel, um i h ren Bezug zuein a nder zu v erstehen und grundlegende Fragen gesell schaft l icher Re a litat zu beantworten .

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