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Epidemiologie ist die Lehre über die Verteilung von Gesundheit und Krankheit und die Variablen, die

darauf Einfluss haben Erforschung von Krankheitsursachen.

Man untersucht die Häufigkeit von Erkrankungen in bestimmten Zeiten und unterschiedlichen
Populationen, wobei sich die Frage stellt, ob sich die Merkmale der Gruppe der erkrankten
Individuen systematisch von den Merkmalen der Nichterkrankten unterschieden.

Die Information zur Erkrankung und ihren möglichen Ursachen wird am Menschen selbst erhoben.

Isoliert gewonnene Erkenntnisse aus der experimentellen Forschung können nicht unmittelbar zur
Krankheitsprävention herangezogen werden.

1. Kausalität

Unter Kausalität versteht man eine feststellbare Beziehung zwischen einer möglichen
Krankheitsursache und der Erkrankung selbst.

Bewertung durch Evans – Kriterien:

• Krankheit sollte bei Personen, die gegenüber dem ursächlichen Faktor exponiert sind,
häufiger auftreten als bei Nichtexponierten

• Exposition gegenüber dem ursächlichen Faktor sollte bei Erkrankten intensiver und häufiger
sein

• Zeitlich gesehen, sollte die Krankheit der Exposition folgen

• Dosis – Wirkung – Beziehung sollte nachweisbar sein

• Experimenteller Nachweis soll Ursache – Wirkungsbeziehung bestätigen

• Bei Eliminierung des ursächlichen Faktors sollte die Inzidenz der Krankheit vermindert sein
bzw. auf ein normales Niveau zurückgehen

• Prävention sollte die Krankheit verhindern bzw. vermindern

• Alle Beziehungen sollten epidemiologisch und biologisch sinnvoll sein

2. Demographie

Es ist wichtig zu wissen, wie sich die Bevölkerung zusammensetzt und welche Veränderungen in der
Zusammensetzung mit der zeit stattfinden.
Zur Darstellung gibt es verschiedene Formen und Parameter:

• Bevölkerungspyramide

• Zahl der Lebengeborenen/Totgeborenen/Gesamtbevölkerung im Zeitverlauf

• Darstellung der Lebenserwartung bei Geburt und fernerer Lebenserwartung

• Darstellung von Säuglingssterblichkeit im Zeitverlauf

• Tabellen über Lebendgeborene oder Gesamtbevölkerung getrennt nach Geschlecht

3. Absolute und relative Zahlen

Eine absolute Zahl gibt eine Häufigkeit an; sie gibt aber keine Auskunft über den Anteil der
Betroffenen.

Die relative Zahl (die Quote) gibt den Anteil der Betroffenen an. Hierfür wird die Anzahl der
Betroffenen durch die Gesamtanzahl dividiert und dann mit 100 multipliziert um eine Angabe in
Prozent zu bekommen.

• Relativzahl = Quote = Ratio

Um eine Häufigkeit auf eine Grundgesamtheit zu beschreiben, verwendet man eine Relativzahl, z.B.
die Prozentzahl.

Um auch größere Bevölkerungsteile zu beschreiben, kann man die Relativzahl in größere Verhältnisse
umwandeln. 55% = 550 / 1000 = 5500 / 10.000 = 550.000 / 1 Million

• Rate = Ziffer

Die Rate gibt an, wie schnell Krankheiten oder Todesfälle auftreten. In der Epidemiologie misst man
meist die durchschnittliche Rate, mit der eine Erkrankung in der beobachteten Zeitperiode auftritt.
Die Rate wird in Tagen, Wochen, Monaten oder Jahren angegeben.

Man rechnet die Zahl der Betroffenen durch die Anzahl der Beobachtungsjahre und nimmt das
Ergebnis mal 100.000. Somit ergibt sich die Neuerkrankungsrate pro 100.000 Personen.
4. Epidemiologische Maßzahlen

Bei der Bewertung des Gesundheitszustandes geht man von folgender Betrachtung aus: Merkmal
vorhanden = krank; Merkmal nicht vorhanden = gesund.

Auch die genaue Definition der Population ist eine Grundvoraussetzung. Die einbezogene Population
kann nur die Personen umfassen, die die Krankheit auch bekommen können bei Brustkrebs werden
nur Frauen einbezogen.

Die Beobachtungszeit wird als Zeitpunkt (t0) oder als Zeitperiode (t1 – tn) angegeben; meistens
bezieht man sich auf 1 Jahr.

5. Population unter Risiko

Als Population unter Risiko bezeichnet man den Anteil der Bevölkerung, die für die Krankheit
empfänglich ist. Die Population unter Risiko teilt man in die statische Population und die dynamische
Population.

• Statische Population:

Es gibt keinen Zu- oder Abgang; alle Personen bleiben gleich lang unter Beobachtung. Bei Statistiken,
die die gesamte Bevölkerung betreffen, geht man von einer statischen Population ohne Zu- oder
Abgänge aus.

• Dynamische Population:

Die dynamische Population verändert sich durch Zu- und Abgänge; die Personen haben verschieden
lange Beobachtungszeiträume. Um den Nenner genau bestimmen zu können, muss für jede einzelne
Person die tatsächliche Aufenthaltsdauer in der Population unter Risiko bestimmt werden.

6. Erfassung der Krankheitshäufigkeit

Inzidenz:
Die Inzidenz I beschreibt die Zahl der Fälle, die in einer definierten Bevölkerung während einer
definierten Zeit neu aufgetreten sind. Die Population unter Risiko ist die Zeitabfolge, die jede
einzelne Person unter Beobachtung verbracht hat, z.B. die Summe der Personenjahre.

Eigentlich müssten alle Personen, die die Krankheit bereits haben, aus der Studie ausgeschlossen
werden, und sobald eine Neuerkrankung auftritt, müsste diese Person aus der Population unter
Risiko ausscheiden bei großen Studien nicht beachtet.

Berechnung: Zahl der Personen die während der Beobachtung neu Erkrankten / Summe der
Aufenthaltsdauer jeder einzelnen Person unter Beobachtung; mal 100.000

Kumulative Inzidenz:

Die kumulative Inzidenz KI beschreibt die Neuerkrankungen bezogen auf die Summe der Personen in
der Population unter Risiko, die zu Beginn der Beobachtung frei von der Krankheit waren. Sie gibt die
Wahrscheinlichkeit an, im beobachteten Zeitraum an der Krankheit zu erkranken.

Berechnung: Zahl der Personen die während der Beobachtung neu erkrankten / Zahl der Personen
ohne Krankheit in der Risikopopulation am Anfang der Beobachtung; mal 100 Ergebnis in Prozent

Unterschied zwischen I und KI

Die beiden Inzidenzen unterscheiden sich durch ihren Nenner.

Bei I ist der Nenner die Summe der Zeit, in der die Mitglieder der Population gefährdet waren.

Bei KI ist der Nenner die Zahl der Personen, die zu Beginn der Studie gesund war.

Prävalenz:

Die Prävalenz gibt Auskunft über die Anzahl der Fälle eines bestimmten Zustandes zu einem gewissen
Zeitpunkt oder in einer Zeitperiode bezogen auf die Gesamtbevölkerung Bestand einer Krankheit in
einer Bevölkerung.

Berechnung: Zahl der Personen mit Merkmal zu best. Zeitpunkt/Zeitperiode / Zahl der Personen
unter Risiko zu best. Zeitpunkt/Zeitperiode; mal 100.000

Die Morbidität gibt einfach die Zahl der Erkrankten an, egal ob Neuerkrankung oder nicht.
7. Erfassung der Sterbehäufigkeit

Mortalität (Sterblichkeit):

Die Mortalitätsziffer gibt das Verhältnis der Zahl der Sterbefälle in einer Bevölkerung in Bezug auf die
Gesamtbevölkerung an = Zahl der an einer best. Krankheit Verstorbenen bezogen auf die
Gesamtbevölkerung.

Berechnung: Zahl der unter Beobachtung Verstorbenen / Summe der Aufenthaltsdauer jeder
einzelnen Person der Risikopopulation; mal 100.000

Letalität (Tödlichkeit):

Die Letalitätsrate gibt das Verhältnis der an einer Krankheit Verstorbenen zu den an der Krankheit
Leidenden an.

Berechnung: Zahl der unter Beobachtung Verstorbenen / Zahl der Personen die unter Beobachtung
erkrankt sind; mal 100 Angabe in Prozent

8. Zusammenhang zwischen Inzidenz, Prävalenz und Letalität

Die einzelnen epidemiologischen Kenngrößen können zueinander in Beziehung gebracht werden.


Dies ergibt ein „dynamisches“ Modell, in welches die Medizin therapeutisch oder kurativ eingreift.

• Inzidenz nimmt zu durch:

o Bessere Erfassung, Diagnose, Registrierung

o Zuwanderung von Personen unter Risiko

o Zunahme des exogenen und/oder endogenen Risikos

• Inzidenz nimmt ab durch:


o Abwanderung von Personen unter Risiko

o Primäre Prävention

o Abnahme des exogenen und/oder endogenen Risikos

• Prävalenz nimmt zu durch:

o Bessere Erfassung

o Verbesserung der Prognose bessere Therapie, Abschwächung

o Zunahme der Inzidenz

o Zuwanderung von Fällen

o Abwanderung gesunder

• Prävalenz nimmt ab durch:

o Abnahme der Inzidenz

o Zunahme der Letalität

o Verbesserung der Heilungsrate

o Zuwanderung von gesunden Personen

o Abwanderung von Erkrankten