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Inhaltszusammenfassung

Der Ich-Erzähler Robby Lohkamp lebt nach dem Ersten Weltkrieg in Berlin. Die Stadt ist geprägt von den
goldenen 20er Jahren einerseits, mit viel Lebensfreude und einem Sinn für das Amüsement, und von der
Inflation, Armut und politischem Chaos andererseits.
Lohkamp ist zur Zeit seiner Erzählung dreißig Jahre alt und gehört somit zur verlorenen Generation. Schon
mit achtzehn Jahren wurde er Rekrut und ein Jahr später stand er mitten im brutalen und unmenschlichen
Kriegsgeschehen. Diese Zeit hat seine Jugend zerstört und ihn wertlos und unbrauchbar für die
Nachkriegszeit gemacht.
Er gibt jedoch nicht auf und versucht seine Krise, die prototypisch für die gesamte Generation ist, individuell
zu lösen. Seinen verlorenen Posten im Krieg ersetzt er durch seine Vorstellung nun Soldat in der Armee des
Lebens zu sein.
Sein Schicksal teilt er mit den beiden ehemaligen Kriegskameraden Lenz und Köster. Gemeinsam eröffnen
sie eine Auto-Reparatur-Werkstatt. Zunächst läuft diese sehr erfolgreich, später muss sie jedoch wegen
mangelnder Kundschaft geschlossen werden.
Auch im Privaten gehen die drei Freunde durch dick und dünn und versuchen die Fronterlebnisse, bei denen
es um das nackte Überleben ging, gemeinsam zu besiegen. Ihre neue Lebenseinstellung nach dem Krieg
und insbesondere der Alkohol hilft ihnen dabei. Die Bar wird zum wichtigen Lebensmittelpunkt, und der Rum
hilft ihnen die traurige Realität zu durchbrechen.
Doch dann lernt Robby die Offizierstochter Pat kennen, und ihre Liebe gestaltet sich trotz der schlechten
Verhältnisse und der vielen elendig dahinlebenden Menschen in ihrer Umgebung positiv. Ihre Liebe ist
intensiv und schon bald wird Pat in den Kreis der drei Kameraden aufgenommen. Robby und Pat sind sich
schnell einig, dass ihre Liebe das einzig sinnvolle, wahre und große in ihrem Leben ist. Sie trösten einander
hinweg über die Sinnlosigkeit und die Vergänglichkeit des Lebens und stimmen darin überein, dass sie die
Welt anders geschaffen hätten.
Das Gefühl der Vergänglichkeit und des Sterbenmüssens äußert sich besonders stark in der Ermordung von
Lenz. Der politische Mord, begangen durch eine SA-Bande, zieht Rache nach sich. Die verbleibenden
Kameraden töten die Mörder und Mitarbeiter des bedrohlichen Systems und sorgen selbst für eine
angemessene Todesfeier für ihren Freund.
Doch auch die großartige und starke Liebe zwischen Robby und Pat soll nicht von langer Dauer sein, denn
Pat kämpft bereits gegen den Tod. Durch einen Blutsturz und Erstickungsanfälle kündigt sich ihr naher Tod
an. Sie verstirbt zur Trauer von Robby und lässt ihn in einem offenen Ende traurig und leer zurück.

Auszüge

Ich saß ziemlich lange und dachte an allerlei Dinge. Auch daran, wie wir damals zurückgekommen waren aus
dem Kriege, jung, ohne Glauben, wie Bergleute aus einem eingestürzten Schacht. Wir hatten marschieren
wollen gegen die Lüge, die Ichsucht, die Gier, die Trägheit des Herzens, die all das verschuldet hatten, was
hinter uns lag – wir waren hart gewesen , ohne anderes Vertrauen als das zu dem Kameraden neben uns
und das eine andere, das nie getrogen hatte: zu den Dingen – zu Himmel, Tabak, Baum und Brot und Erde -;
aber was war daraus geworden? Alles war zusammengebrochen, verfälscht und vergessen. Und wer nicht
vergessen konnte, dem blieben nur die Ohnmacht, die Verzweifelung, die Gleichgültigkeit und der Schnaps.
Die Zeit der großen Menschen- und Männerträume war vorbei. Die Betriebsamen triumphierten. Die
Korruption. Das Elend. (Kapitel IV)

„Nein“, sagte Lenz. „Wirf dein Grammophon ´raus und bring größere Gläser. Und dann mach die Hälfte von
dem Licht aus, stell ein paar Flaschen her und verschwinde in deinem Büro nebenan.“
Fred nickte und knipste die Deckenbeleuchtung aus. Nur noch die kleinen Lampen mit den
Pergamentschirmen aus alten Landkarten brannten. Lenz füllte die Gläser. „Prost, Kinder! Weil wir leben!
Weil wir atmen! Weil wir das Leben so stark empfinden, dass wir nichts mehr damit anzufangen wissen!“
„So ist es“, sagte Ferdinand. „Nur der Unglückliche kennt das Glück. Der Glückliche ist ein Mannequin des
Lebensgefühls. Er führt es nur vor; er besitzt es nicht. Licht leuchtet nicht im Licht; es leuchtet im Dunkel.
Prost auf das Dunkel. Wer einmal im Gewitter gewesen ist, kann mit einer Elektrisiermaschine nichts mehr
anfangen. Verflucht sei das Gewitter! Gesegnet sei unser bisschen Leben! Und weil wir es lieben, wollen wir
es nicht auf Zinsen legen! Wir wollen es kaputtmachen! Trinkt, Kinder! Es gibt Sterne, die jede Nacht noch
leuchten, obwohl sie schon vor zehntausend Lichtjahren zerplatzt sind. Trinkt, solange es noch Zeit ist! Es
lebe das Unglück! Es lebe das Dunkel!“
Er schenkte sich ein Wasserglas voll Kognak ein und trank es aus. (Kapitel XXII)

Sie sah mich eine Zeitlang an. „Wenn man so liegt, denkt man über manches nach. Und vieles kommt einem
sonderbar vor, was man sonst gar nicht beachtet. Weißt du, was ich jetzt nicht mehr verstehen kann? Dass
man sich so liebt wie wir und dass trotzdem einer stirbt.“
„Sei still“, sagte ich. „Einer muss immer zuerst sterben, immer im Leben. Aber so weit sind wir lange noch
nicht.“
„Man dürfte nur sterben, wenn man allein ist. Oder wenn man sich hasst – aber nicht, wenn man sich liebt.“
Ich zwang mich zu einem Lächeln. „Ja, Pat“, sagte ich und nahm ihre heißen Hände in meine, „wenn wir die
Welt machen würden, würde sie besser aussehen, was?“
Sie nickte. „Ja, Liebling. Wir würden solche Sachen nicht zulassen. Wenn man nur wüsste, was dahinter ist.
Glaubst du, dass es weitergeht, nachher?“
„Ja“, erwiderte ich. „ Es ist so schlecht gemacht, dass es nicht zu Ende sein kann.“
Sie lächelte. „Das ist auch ein Grund. Aber findest du das auch schlecht gemacht?“ Sie zeigte auf einen
Busch gelber Rosen neben ihrem Bett.
„Das ist es ja gerade“, erwiderte ich. „Die Einzelheiten sind wunderbar, aber das ganze hat keinen Sinn. Als
wenn es von einem gemacht ist, dem auf die wunderbare Vielfalt des Lebens nichts anderes eingefallen ist,
als es wieder zu vernichten.“
„Und es wieder neu zu machen“, sagte Pat.
„Auch da sehe ich den Sinn nicht“, erwiderte ich. „Besser ist es dadurch bis heute nicht geworden.“
„Doch Liebling“, sagte Pat, „mit uns, das hat er schon gut gemacht. Besser ging`s gar nicht. Nur zu kurz. Viel
zu kurz.“ (Kapitel XXVIII)

Kontext/Analyse

Der Roman Drei Kameraden wurde 1936 von Erich Maria Remarque im Exil fertiggestellt und ist seiner
ersten Frau Ilse Jutta Remarque-Zambona gewidmet. Er entspricht bis auf wenige Veränderungen der bis
1933 ausgearbeiteten Erstfassung Pat und gehört zu einer Trilogie. Nach Im Westen nichts Neues und Der
Weg zurück reiht der Roman Drei Kameraden sich in eine Folge von vergleichbaren
Schicksalsbeschreibungen ein. Die männlichen Hauptfiguren der drei Romane durchleiden ein ähnliches
Nachkriegsschicksal und versuchen alle drei diese Krise individuell auf ihre Weise zu lösen. Eine kollektive
Lösung erschien Remarque wohl zu utopisch und so zeigt er in Drei Kameraden den sozioökonomischen
Zustand des Landes, sowie den seelischen Zustand der Nachkriegsgeneration. Den absolut unmenschlichen
Krieg und seine Folgen schildert Remarque in diesem Zusammenhang als Lebenskatastrophe und analysiert
daran die zerbrochene Psyche des Individuums und die eines ganzen Volkes zugleich.
Der Roman fragt nach dem „Warum?“ von Leben und Tod und nach dem Sinn des Lebens in dieser
schweren Zeit. Remarque stellt zur Verdeutlichung dieser Thematik der beängstigenden politischen Situation
eine starke und erfüllte Liebe gegenüber. Die besonders in dieser Zeit utopische Liebe zwischen Robby und
Pat ist geprägt von Mitgefühl und Verständnis, schon allein deshalb wurde Drei Kameraden als die beste
Liebesgeschichte Remarques gefeiert. Die beiden Liebenden entgehen der Bürgerlichkeit mit all ihren
Lebenszielen und führen ihr Leben ohne höheren Zweck. Sie genießen gemeinsam die kleinen Dinge des
Alltags und trotzen als Anhänger des „Orden(s) der Erfolglosen“ dem Leben, das für sie ohne Dauer, ohne
Plan und ohne Zukunft ist.
Das politische Thema des Romans hingegen beschäftigt sich mit dem aufkommenden Faschismus in
Deutschland. Während Remarque im schweizer Exil den Roman überarbeitete, ergriffen die Nazis in
Deutschland die Macht und Remarque erahnte bereits die Folgen. Allein schon aus diesem Grund konnte der
Roman nicht in Deutschland veröffentlicht werden. In den USA, in England, Argentinien und in einigen
nordischen Ländern wurde er hingegen schon 1937 herausgegeben und bekam besonders in Amerika und
England hervorragende Kritiken. Zwischen 1938 und 1941 folgten eine französische, eine brasilianische und
eine türkische Fassung. Eine deutsche Ausgabe wurde 1938 im Exil-Verlag Querido gedruckt, sie wurde
jedoch kaum von deutschen Rezipienten gelesen. Besonders lobend hervorgehoben wurden in
ausländischen Rezensionen Remarques Talent die Zeitgeschichte authentisch und für Nicht-Deutsche
zugänglich zu erfassen, sowie eine glaubwürdige Liebesgeschichte in diese Zeit zu setzen.
Drei Kameraden wurde als Zeitroman der Neuen Sachlichkeit wegen seiner unmittelbaren Sprache, sowie
seiner zeitlichen und faktischen Authentizität gelobt. Schlechte Kritiken wurden nur vereinzelt laut, so zum
Beispiel im Juli-Heft der marxistischen Moskauer Exil-Zeitschrift von 1938 Das Wort. Die Kritik, verfasst von
Heinrich Werth, bemängelt die literarische Qualität von Remarques neuem Roman und wirft ihm einem
„peinlichen Gesamteindruck“, sowie „billige [...] Effekthascherei“ vor. Erst 1951 wurde der Roman Drei
Kameraden in Deutschland veröffentlicht und erntete sofort schlechte Kritiken. Die Verdrängung des
Faschismus und die Trauer über die große Niederlage 1945 hinderten die deutschen Leser einen Zugang zu
Remarques Werk zu finden. Im russischsprachigen Raum wurde hingegen durch die erste Veröffentlichung
1958 große Begeisterung ausgelöst. In sozialistischen Ländern avancierte der Roman schnell zum Kultbuch
der Jugend und ist es bis heute. Besonders die starke Kameradschaft und Liebe, die die schlechten Zeiten
leichter erscheinen lässt, fesselte ganze Generationen der dortigen Leser.

Inhaltszusammenfassung

Der Ich-Erzähler Robby Lohkamp lebt nach dem Ersten Weltkrieg in Berlin. Die Stadt ist geprägt von den
goldenen 20er Jahren einerseits, mit viel Lebensfreude und einem Sinn für das Amüsement, und von der
Inflation, Armut und politischem Chaos andererseits.
Lohkamp ist zur Zeit seiner Erzählung dreißig Jahre alt und gehört somit zur verlorenen Generation. Schon
mit achtzehn Jahren wurde er Rekrut und ein Jahr später stand er mitten im brutalen und unmenschlichen
Kriegsgeschehen. Diese Zeit hat seine Jugend zerstört und ihn wertlos und unbrauchbar für die
Nachkriegszeit gemacht.
Er gibt jedoch nicht auf und versucht seine Krise, die prototypisch für die gesamte Generation ist, individuell
zu lösen. Seinen verlorenen Posten im Krieg ersetzt er durch seine Vorstellung nun Soldat in der Armee des
Lebens zu sein.
Sein Schicksal teilt er mit den beiden ehemaligen Kriegskameraden Lenz und Köster. Gemeinsam eröffnen
sie eine Auto-Reparatur-Werkstatt. Zunächst läuft diese sehr erfolgreich, später muss sie jedoch wegen
mangelnder Kundschaft geschlossen werden.
Auch im Privaten gehen die drei Freunde durch dick und dünn und versuchen die Fronterlebnisse, bei denen
es um das nackte Überleben ging, gemeinsam zu besiegen. Ihre neue Lebenseinstellung nach dem Krieg
und insbesondere der Alkohol hilft ihnen dabei. Die Bar wird zum wichtigen Lebensmittelpunkt, und der Rum
hilft ihnen die traurige Realität zu durchbrechen.
Doch dann lernt Robby die Offizierstochter Pat kennen, und ihre Liebe gestaltet sich trotz der schlechten
Verhältnisse und der vielen elendig dahinlebenden Menschen in ihrer Umgebung positiv. Ihre Liebe ist
intensiv und schon bald wird Pat in den Kreis der drei Kameraden aufgenommen. Robby und Pat sind sich
schnell einig, dass ihre Liebe das einzig sinnvolle, wahre und große in ihrem Leben ist. Sie trösten einander
hinweg über die Sinnlosigkeit und die Vergänglichkeit des Lebens und stimmen darin überein, dass sie die
Welt anders geschaffen hätten.
Das Gefühl der Vergänglichkeit und des Sterbenmüssens äußert sich besonders stark in der Ermordung von
Lenz. Der politische Mord, begangen durch eine SA-Bande, zieht Rache nach sich. Die verbleibenden
Kameraden töten die Mörder und Mitarbeiter des bedrohlichen Systems und sorgen selbst für eine
angemessene Todesfeier für ihren Freund.
Doch auch die großartige und starke Liebe zwischen Robby und Pat soll nicht von langer Dauer sein, denn
Pat kämpft bereits gegen den Tod. Durch einen Blutsturz und Erstickungsanfälle kündigt sich ihr naher Tod
an. Sie verstirbt zur Trauer von Robby und lässt ihn in einem offenen Ende traurig und leer zurück.

Auszüge

Ich saß ziemlich lange und dachte an allerlei Dinge. Auch daran, wie wir damals zurückgekommen waren aus
dem Kriege, jung, ohne Glauben, wie Bergleute aus einem eingestürzten Schacht. Wir hatten marschieren
wollen gegen die Lüge, die Ichsucht, die Gier, die Trägheit des Herzens, die all das verschuldet hatten, was
hinter uns lag – wir waren hart gewesen , ohne anderes Vertrauen als das zu dem Kameraden neben uns
und das eine andere, das nie getrogen hatte: zu den Dingen – zu Himmel, Tabak, Baum und Brot und Erde -;
aber was war daraus geworden? Alles war zusammengebrochen, verfälscht und vergessen. Und wer nicht
vergessen konnte, dem blieben nur die Ohnmacht, die Verzweifelung, die Gleichgültigkeit und der Schnaps.
Die Zeit der großen Menschen- und Männerträume war vorbei. Die Betriebsamen triumphierten. Die
Korruption. Das Elend. (Kapitel IV)

„Nein“, sagte Lenz. „Wirf dein Grammophon ´raus und bring größere Gläser. Und dann mach die Hälfte von
dem Licht aus, stell ein paar Flaschen her und verschwinde in deinem Büro nebenan.“
Fred nickte und knipste die Deckenbeleuchtung aus. Nur noch die kleinen Lampen mit den
Pergamentschirmen aus alten Landkarten brannten. Lenz füllte die Gläser. „Prost, Kinder! Weil wir leben!
Weil wir atmen! Weil wir das Leben so stark empfinden, dass wir nichts mehr damit anzufangen wissen!“
„So ist es“, sagte Ferdinand. „Nur der Unglückliche kennt das Glück. Der Glückliche ist ein Mannequin des
Lebensgefühls. Er führt es nur vor; er besitzt es nicht. Licht leuchtet nicht im Licht; es leuchtet im Dunkel.
Prost auf das Dunkel. Wer einmal im Gewitter gewesen ist, kann mit einer Elektrisiermaschine nichts mehr
anfangen. Verflucht sei das Gewitter! Gesegnet sei unser bisschen Leben! Und weil wir es lieben, wollen wir
es nicht auf Zinsen legen! Wir wollen es kaputtmachen! Trinkt, Kinder! Es gibt Sterne, die jede Nacht noch
leuchten, obwohl sie schon vor zehntausend Lichtjahren zerplatzt sind. Trinkt, solange es noch Zeit ist! Es
lebe das Unglück! Es lebe das Dunkel!“
Er schenkte sich ein Wasserglas voll Kognak ein und trank es aus. (Kapitel XXII)

Sie sah mich eine Zeitlang an. „Wenn man so liegt, denkt man über manches nach. Und vieles kommt einem
sonderbar vor, was man sonst gar nicht beachtet. Weißt du, was ich jetzt nicht mehr verstehen kann? Dass
man sich so liebt wie wir und dass trotzdem einer stirbt.“
„Sei still“, sagte ich. „Einer muss immer zuerst sterben, immer im Leben. Aber so weit sind wir lange noch
nicht.“
„Man dürfte nur sterben, wenn man allein ist. Oder wenn man sich hasst – aber nicht, wenn man sich liebt.“
Ich zwang mich zu einem Lächeln. „Ja, Pat“, sagte ich und nahm ihre heißen Hände in meine, „wenn wir die
Welt machen würden, würde sie besser aussehen, was?“
Sie nickte. „Ja, Liebling. Wir würden solche Sachen nicht zulassen. Wenn man nur wüsste, was dahinter ist.
Glaubst du, dass es weitergeht, nachher?“
„Ja“, erwiderte ich. „ Es ist so schlecht gemacht, dass es nicht zu Ende sein kann.“
Sie lächelte. „Das ist auch ein Grund. Aber findest du das auch schlecht gemacht?“ Sie zeigte auf einen
Busch gelber Rosen neben ihrem Bett.
„Das ist es ja gerade“, erwiderte ich. „Die Einzelheiten sind wunderbar, aber das ganze hat keinen Sinn. Als
wenn es von einem gemacht ist, dem auf die wunderbare Vielfalt des Lebens nichts anderes eingefallen ist,
als es wieder zu vernichten.“
„Und es wieder neu zu machen“, sagte Pat.
„Auch da sehe ich den Sinn nicht“, erwiderte ich. „Besser ist es dadurch bis heute nicht geworden.“
„Doch Liebling“, sagte Pat, „mit uns, das hat er schon gut gemacht. Besser ging`s gar nicht. Nur zu kurz. Viel
zu kurz.“ (Kapitel XXVIII)

Kontext/Analyse

Der Roman Drei Kameraden wurde 1936 von Erich Maria Remarque im Exil fertiggestellt und ist seiner
ersten Frau Ilse Jutta Remarque-Zambona gewidmet. Er entspricht bis auf wenige Veränderungen der bis
1933 ausgearbeiteten Erstfassung Pat und gehört zu einer Trilogie. Nach Im Westen nichts Neues und Der
Weg zurück reiht der Roman Drei Kameraden sich in eine Folge von vergleichbaren
Schicksalsbeschreibungen ein. Die männlichen Hauptfiguren der drei Romane durchleiden ein ähnliches
Nachkriegsschicksal und versuchen alle drei diese Krise individuell auf ihre Weise zu lösen. Eine kollektive
Lösung erschien Remarque wohl zu utopisch und so zeigt er in Drei Kameraden den sozioökonomischen
Zustand des Landes, sowie den seelischen Zustand der Nachkriegsgeneration. Den absolut unmenschlichen
Krieg und seine Folgen schildert Remarque in diesem Zusammenhang als Lebenskatastrophe und analysiert
daran die zerbrochene Psyche des Individuums und die eines ganzen Volkes zugleich.
Der Roman fragt nach dem „Warum?“ von Leben und Tod und nach dem Sinn des Lebens in dieser
schweren Zeit. Remarque stellt zur Verdeutlichung dieser Thematik der beängstigenden politischen Situation
eine starke und erfüllte Liebe gegenüber. Die besonders in dieser Zeit utopische Liebe zwischen Robby und
Pat ist geprägt von Mitgefühl und Verständnis, schon allein deshalb wurde Drei Kameraden als die beste
Liebesgeschichte Remarques gefeiert. Die beiden Liebenden entgehen der Bürgerlichkeit mit all ihren
Lebenszielen und führen ihr Leben ohne höheren Zweck. Sie genießen gemeinsam die kleinen Dinge des
Alltags und trotzen als Anhänger des „Orden(s) der Erfolglosen“ dem Leben, das für sie ohne Dauer, ohne
Plan und ohne Zukunft ist.
Das politische Thema des Romans hingegen beschäftigt sich mit dem aufkommenden Faschismus in
Deutschland. Während Remarque im schweizer Exil den Roman überarbeitete, ergriffen die Nazis in
Deutschland die Macht und Remarque erahnte bereits die Folgen. Allein schon aus diesem Grund konnte der
Roman nicht in Deutschland veröffentlicht werden. In den USA, in England, Argentinien und in einigen
nordischen Ländern wurde er hingegen schon 1937 herausgegeben und bekam besonders in Amerika und
England hervorragende Kritiken. Zwischen 1938 und 1941 folgten eine französische, eine brasilianische und
eine türkische Fassung. Eine deutsche Ausgabe wurde 1938 im Exil-Verlag Querido gedruckt, sie wurde
jedoch kaum von deutschen Rezipienten gelesen. Besonders lobend hervorgehoben wurden in
ausländischen Rezensionen Remarques Talent die Zeitgeschichte authentisch und für Nicht-Deutsche
zugänglich zu erfassen, sowie eine glaubwürdige Liebesgeschichte in diese Zeit zu setzen.
Drei Kameraden wurde als Zeitroman der Neuen Sachlichkeit wegen seiner unmittelbaren Sprache, sowie
seiner zeitlichen und faktischen Authentizität gelobt. Schlechte Kritiken wurden nur vereinzelt laut, so zum
Beispiel im Juli-Heft der marxistischen Moskauer Exil-Zeitschrift von 1938 Das Wort. Die Kritik, verfasst von
Heinrich Werth, bemängelt die literarische Qualität von Remarques neuem Roman und wirft ihm einem
„peinlichen Gesamteindruck“, sowie „billige [...] Effekthascherei“ vor. Erst 1951 wurde der Roman Drei
Kameraden in Deutschland veröffentlicht und erntete sofort schlechte Kritiken. Die Verdrängung des
Faschismus und die Trauer über die große Niederlage 1945 hinderten die deutschen Leser einen Zugang zu
Remarques Werk zu finden. Im russischsprachigen Raum wurde hingegen durch die erste Veröffentlichung
1958 große Begeisterung ausgelöst. In sozialistischen Ländern avancierte der Roman schnell zum Kultbuch
der Jugend und ist es bis heute. Besonders die starke Kameradschaft und Liebe, die die schlechten Zeiten
leichter erscheinen lässt, fesselte ganze Generationen der dortigen Leser.

Ein Erzähler kann entweder von Handlungen berichten oder er kann seine Figuren selbst zu Wort
kommen lassen. Im ersten Fall kann man von der Erzählung von Ereignissen im herkömmlichen
Sinne sprechen, während im zweiten "sprachliche Ereignisse" in Form von Worten und Gedanken
der Figuren wiedergegeben werden. Die Erzählung ist also in jedem Fall der Sprechakt eines
Erzählers, der allerdings wiederum Sprechakte seiner Figuren enthalten kann. Eine Figur kann sogar
innerhalb eines Textes selbst zum Erzähler einer ausführlichen Geschichte werden - und zwar auf
einer zweiten Erzählebene (vgl. Stimme des Erzählers).
Wo der Erzähler selbst über nicht-sprachliche Ereignisse berichtet, haben wir es mit einem
sogenannten 'Erzählerbericht' zu tun. Bei der Wiedergabe der Rede oder der Gedanken von Figuren
gilt es, wesentlich genauer zu unterscheiden. Der Erzähler kann durch die Wahl eines bestimmten
Blickwinkels den Informationsfluß zwischen seiner Geschichte und dem Leser qualitativ regulieren
(vgl. Fokalisierungstypen). Er kann aber auch mehr oder weniger nachdrücklich erzählen, indem er
die Worte oder die Gedanken seiner Figuren mehr oder weniger originalgetreu wiedergibt. Wenden
wir uns zunächst den verschiedenen Formen der Redewiedergabe zu.
Je weniger ein Erzähler sich zwischen die Worte seiner Figuren und den Leser stellt, desto
unmittelbarer erscheint uns diese Rede und desto ausgeprägter ist ihre 'mimetische' Qualität (vgl.
Mimesis).
Im Falle der 'direkten Rede' sprechen die Figuren selbst - also ohne Umformungen durch den
Erzähler. Der beschränkt sich darauf, ihre Worte zu wiederholen, ohne etwas hinzuzufügen. Genette
spricht deswegen auch von 'berichteter Rede'. Bestenfalls ist der Erzähler noch spürbar in
Wendungen, die die Rede ankündigen wie 'sagte, zeterte, flüsterte, schrie .. sie oder er'. Bei der
lauten Rede wird diese Redeankündigung (die sogenannte 'inquit-Formel') durch ein 'verbum
dicendi', also ein Verb des Sagens gebildet.
Bei der 'indirekten Rede' (in Genettes Terminologie 'transponierte Rede') werden die
ursprünglichen Worte der Figur aus dem grammatischen Modus Indikativ bekanntlich in den
Konjunktiv und das Redesubjekt von der ersten in die dritte Person verschoben. Auch wenn der
Erzähler sich weitgehend an den Wortlaut der "originalen" Rede hält, ist er doch schon stärker
präsent. Prinzipiell könnte er die gesamte Figurenrede wiedergeben, doch meist bearbeitet und
verdichtet er sie etwas und paßt sie seinem eigenen Stil an.
Im 'Redebericht' schließlich ist der Erzähler allgegenwärtig. Er faßt die Worte seiner Figuren
zusammen und kommentiert sie nach Belieben. Die originale Rede ist dabei nicht mehr
wiederzuerkennen. Man könnte fast sagen, daß der Erzähler seine Figuren bevormundet. Genette
nennt diese Redeform 'narrativisierte Rede', weil die Worte hier wie ein ganz normales Ereignis
behandelt werden. (vgl. Beispiele für Formen der Rede- und Bewußtseinswiedergabe)
Wie verhält es sich nun mit der Wiedergabe von Gedanken und Gefühlen der Figuren?
Verschiedene Erzähltheoretiker vertreten die Ansicht, daß nicht nur Gedanken, sondern
größtenteils auch Gefühle als sprachlich formulierte Rede betrachtet werden können. Nur daß diese
"Rede" nicht laut ausgesprochen wird, sondern sozusagen "stumm" bleibt. Also kann man bei diesen
unausgesprochenen Gedanken, Wahrnehmungen und Gefühlen - etwas paradox - auch von
"stummer Rede" sprechen. Die Techniken ihrer Wiedergabe ähneln denen der Rede, so daß beide
Formen nebeneinandergestellt werden können (vgl. Formen der Bewußtseinswiedergabe).
© SR

Sekundärliteratur:
1. G. Genette: Die Erzählung, hg. v. J. Vogt, München 1994.
2. M. Martinez / M. Scheffel: Einführung in die Erzähltheorie, München 1999.
3. J. Vogt: Aspekte erzählender Prosa, 8. Aufl., Opladen 1998, Kap. 4.

Handbuch Deutscher Kommunikationsverben: Worterbuch


Verfasser: Gisela Von Harras, Edeltraud Winkler, Erb Sabine, Kristel Proost
Verlag: Walter de Gruyter
Erscheinungsjahr: 2005
ISBN: 9783110179354
Seitenzahl: 534
Format: pdf
Größe: 5.5 MB
Sprache: Deutsch
Eine ausfuhrliche semantische Beschreibung von Kommunikationsverben - speziell
Sprechaktverben - des Deutschen steht bisher noch aus. Mit diesem Handbuch wird diese
Lucke geschlossen. Der Schwerpunkt liegt auf den Sprechaktverben des Deutschen; es
sind aber auch allgmeine verba dicendi (wie sagen, reden, sprechen), Verben, mit denen
auf gesprachsstrukturierende Akte Bezug genommen wird (wie nachhaken, einwenden,
wiederholen), modale Kommunikationsverben (wie schreien, grolen, flustern) und
mediale Kommunikationsverben (wie e-mailen, simsen) aufgenommen worden. Fur die
semantische Beschreibung der Verben ist ein konzeptuelles Ordnungssystem entwickelt
worden, das es gestattet, die Ausdrucke in Paradigmen (Wortfeldern) zu prasentieren,
innerhalb derer Bedeutung, Argumentstruktur und spezielle Verwendungsweisen der
Verben in ausfuhrlichen Lexikoneintragen beschrieben werden. Diese enthalten auch
Kommentare zu den synonymischen Beziehungen der Ausdrucke, deren Ersetzbarkeit in
geeigneten, aus Korpusanalysen gewonnenen, Kontexten exemplarisch vorgefuhrt wird.