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David Felder/Peter 'sikalischen und physischeh Ge- Nacht und von einer inneren 2 u
■barde in direkter Beziehung'zu einer âuBeren Landschaft. Zart
W eibel/Henry Jesionka dem Performer. Das Video wird angedeutete Tône werden zu
„Box Man" also auf drei Ebenen eingesetzt: einem Glissando und die Bewe­
1) Weiterführung der physi- gung wird durch sitzende und
schen Bewegung in direkt liegende Stellungen negiert. Der
BOX MAN ist ein 30minütiges wahrnehmbare Beziehung; 2) Posaunist schreitet ein Stück
Werk in zwei groBen Teilen.. Entwicklung vielfâltiger Schat- die Bühne hinauf und spielt den
Je'derh dieser'zwe’i groBen Teile tengestalten als Durchführung letzten Ton des ersten Teils, da
geht.. ein • Videozwischenspiel der musikalischen/verhaltens- endet der Performanceabschnitt
. voraus und/oder ' folgt ein mâSigen Charakteristika ohne in einem Stop und langsamer
Nachspiel. Der erste groBe Ab- d'rrekt auf Ebene 1 Bezug zu Auflôsung. Es verbleibt eiri
. schnitt führt drei. Arten von nehmen; 3) Projektion einer schier bewegungsloses, sehr
Verhaltensweisen musikalisch -Reihe unzusammenhângender, schônes Videobild' als Ab-
und in Bewegung vor, diese narrativer Bilder, die als Ursa- schluB.
.sind manisch, besessen und che und Wirkung fungieren.
tobend. Der erste Teil besteht Diese drei strukturellen Ebenen
•Beachten Sie bitte die Zeich-
aus fünf Àbschnitten, die. ihrer- ermoglichen Transformations-
nungen rechts als Beispiele der
seits wieder. in drei -.Gruppen prozesse, die hier durch Ebene
exakten musikalischen Struktur.
unterteilt .sind. Die ersten; zwei 2 ausgeldst werden. Im ersten
der fünf groBeren Absehnitte Teil von BOX MAN wird Ebene 1
dienen jeweils als Resonanz für vierundzwanzigmal, Ebene 2 Dieses Werk beschâftigt sich
die vorhe.rgegang.ene musikali- fünfzehnmal und die dritte Ebe­ mit mehreren Beziehungen: 1)
sche Sequenz, in der vorher ne dreimal auftreten. AuBerdem Den Beziehungen zwischen ei­
aufgezeichnete antiphonàie Vi- wird jeder der zwei Hauptteile nem Performer und seinertech-
deosequenzen sich überschnei- des Stückes durch ein pre- und nologischen Fortführung durch
den und die Phantomgestalten ein postkausales Bild eingelei- direkte Audioverarbeitûng über
erstehen lassen. In den drei tet. digitale Verzôgerung und Si-
folgenden Abschnitten deuten gnalprozessoren. 2) Beziehun­
Bilder, die zeitgemâB von den Der zweite Teil greift das lang- gen zwischen dem Live Perfor-.
musikalischen. Seqüenzen yer- same Tempo auf, das sehon mer und seinen vorher aufge-
setzt ; sind; . die zunehménde vorher im Hintergrund der Büh- nommenen und vorher kompo-
Desorientierung und Zersplitte- ne in der Bühnenausstattung nierten Phantomgestalten, die
rung des Posaunisten an und vorgegeben war. Wâhrend sich nun durch Multiprojektionsvi-
verbinden die sich eritwickelnde der erste Teil mit der Aufsplitte- deo und mehrspurige Tonband-
Abfolge von Ereignissen. durch rung eines einzelnen befaBte, einspielungen entstehen. 3) Den
unzusammenhângende Varia­ zeigt der zweite Teil diese Auf- psychotemporalen und psy-
tion, ih der ein ProzeB nicht splitterung gebrochen durch die cho-râumlichen Konsequenzen
unmittelbar wahrnehmbar ist. Linse des Kollektivs. der vorher genannten Bezie­
Das Video hat sowohl eine kau- hungen, diè den inneren Kampf
sale und eine deutende Funk- Nur das letzte Bild des Nach- zwischen dem einzelnen und
tion; es;rückt das Verhaiten des spiels bzw. des Zwischenspîels dem Kollektiv darstellen und
Pe.rf.ormers in den,.Mittel.punkt . von Teil 1 wird langsam ausgé- zwischen den Phantomgestal­
und.erkiârt es. '• ' ' ' ' " blendet, sonst werden keine ten, die durch Video, Beleuch-
Jede kleinere Einheit ist musi- Bilder projizi'ert. Ein abstrakter tung, Bewegung und Ausstat-
kalisçh als Fermate angelegt Wechsel des Tempos, der Per- tung sichtbar gemacht werden.
odér als Stop, als Hait, bel spektive, der râumlichen Di- Der musikalische Ausdruck des
dem erstarrte Bewegung ■oder • mensionen, der Instrumentation Posaunisten bleibt strikt eindi-
langsames Tempo-den-starkën {von-Ténor auf Altposaüne), der mensional trotz der aufgebro-
Gegensatz zü 'der herrschendèn ■ vorher aufgezeichneten Ton- chenen visuellen Weit und der
' manischen Energie vermitteln. ' bandeinspielungen (16 mehr- traumartig komprimierten,
Videobilder beantviorten. "und spurîge, vorprozessierte Posau- nicht-verbâlen, imagistischen
erweitérn die Geschwindigkeit;' nen)'etc. verdéutlichen den ra- Zeit, in der er sich befindet;
den.G'râd, das'AusmaB der mu- 1 dikalen Wechsel von Tag zu eine Zeit, die Erinnerungen an
der Geigerin Erika Sharp, vor. '
Anderson ist der erste Blaser in
den Vereinigten Staaten, der
vom National Endowment for
the Arts ein Stipendium für
Solisten zuerkannt bekam. Die- ;
ser auRerordentlich vielseitigei
und begabte Künstler kann a u f;
folgende Engagements verwei-
sen: Erster Posaunist des San ■
Francisco und des Los Angeles
Philharmonie Orchestra, Grün-
dungsmitglied des Los Angeles
Brass Quintett, lead Posaune
bei der Les Brown Jazz Band
und diverse andere. Er hat e k
nen Lehrauftrag am California.
Institut of the Arts und ist
Posaunist des dortigen En­
sembles für Neue Musik.

David Felrfer
(1953 geboren)
David Felder ist einer der füh-
renden amerikanischen Kompo-
nisten der jüngeren Génération, j
Seine Werke werden bei wichti-
gen Festivals und Veranstaltun-
gen zur Aufführung Neuer Mu- :
sik in den USA eingeführt, und
die Erteilung von Auftragswer-I
ken und Einzelaufführungen be-
weisen die Anerkennung, die.
seine Arbeit findet. Felders.
Miles Anderson • . Foto: Janice Booth vVerk zeichnet sich durch ein
k h ô c h s t energisches Profil aus|
' - und durch die Verwendung.:
die Vérgangenheit zerbricht und setzt werden, zu einem straff technologischer Erweiterungs
zukünftige Ereignisse vorweg-' durchkonzipierten Werk vereint. und Ausarbeitung virtuosen :
nirhmt; ■. ; . . Die physische Inszenierung upd musikalischen Materials. Diese
'P : t.:.: ; der . struktureile Aufbau sind Ausarbeitungen übertragen den
BÇX ;MÀN. .bringt ‘ 'die obenge- - faktïsch untrennbar verflochten. musikalischen Gedanken auch';
nannteri -.Beziphungen. tm. Rah-;'... - -auf aulîermusikalische Berei-
men des Kontéxtes des er- jvnies Anderson che, wie z. B. Video.
Staunligheh/gleichnamîgeh Ro- . Felder hat in Anerkennung se1
mans dés.japanisçhen Schrfft-' Miles Anderson ist einer der ner Arbeit zahlreiche Preise,
stpllers KQBQ ABE.-.D'er;kompp--.• besten Interpreten zeitgenôssi- Stipendien und Auftrage e-hal-
fifet .stelit ,sich. .eloe-;’ Inszénie^ ' scher Musik für Posaune in tien ten, unter anderèm bereits fünf{?
rung vor. die.Video und Bpwe- USA. Er spielt Auftragswerke im einzelne Stipendien und Aus-
gung spiegel.t die strukturell - Konzert und für Einspîelüngen zeichnungen vom National En-
alle ff brm ale h'( '■uhdt. aftik»! ato ri-;. und stelit seine eigenen Kom- dowment for the Arts. Seine
schen Attitudèn^ die in' der mu-' positionen in einzigartigem Zu- gegenwârtigen Projekte sind
sikalisehen-Kômposi.tîpn einge-•' sammenspiel mit seiner' Frau, Ausdruck seiner vielseitigen
' ;
,:0 ■
Interessen und Aktivitàten. Da-
zu gehôren: ein Streichquarteft.
fur das Arditti Quartett, ein Kon-
zert für das Buffalo Philharmo­
nie Orchestra, eiri Konzert für
drei Schlagwerker und drei Or-
chester; ein Fl ôte ri/Vi de q-We rk
für die Flôtistin Ann LaBerge
und ein Kammerkonzert für den
Geiger J an os Negyesy solien in
der Saison 1.988-89 zur-Urauf-,
führung kommen.
Zurzeit hat Felder einen Lehr-
auftrag für Komposition an der
State University of .New .York in .
Buffalo, wo er auch das Festival
June-în-Buffalo leitet und zwei-,
ter Dîrektor des North American
New Music Festivals ist. Er hat
vorher Komposition und- Musik-
theorie am Cleveland institute
of Music und an der Universitÿ
of California, San Diego, gelehrt
und war von 1982-85 Vorstand'
der Abteilung für Komposition
an der California State Universi-
ty, Long Beach. Er hat ein Henry Jesionka :
Doktorat von der Universitÿ of
California .in San Diego und
nennt Roger Reynolds, Donald
Erb, Bertrand, Rand s und Robert •
Erickson aïs Lehrer, die ihn in
seinem Werdegang als Kompo- ’
nist beeinfluBt haben. • ■

Henry Jesionka
1957 in Welland, .
Ontario/Kanada, geboren. .
Center for Media Sîudy an der
i State Universitÿ of New York,
! Buffalo. Ryerson.Polytechnical
• Institute, Toronto., ;
i Professor an der Simon Frazer
Universitÿ, Vancouver. Filme
(„Synapse“, „Resurrectéd
Fields“. ..), Videos und
? Video-lnstallationen.

Peter Weibel
Biografie siehe Seite 17 ■

.David Felder.