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Projekt Lärmreduktion Propeller PC-21

Autor(en): Studer, Jürg

Objekttyp: Article

Zeitschrift: ASMZ : Sicherheit Schweiz : Allgemeine schweizerische


Militärzeitschrift

Band (Jahr): 181 (2015)

Heft 3

PDF erstellt am: 02.04.2020

Persistenter Link: http://doi.org/10.5169/seals-513466

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Luftwaffe

Projekt Lärmreduktion Propeller PC-21


Seit der Einführung des PC-21, vor allem aber auf Grund seiner Einsätze
in etwas tieferen Lufträumen und über etwas dichter besiedeltem
Gebiet, häuften sich entsprechende Lärmreklamationen. Um diesem
Umstand Abhilfe zu schaffen, hat die Luftwaffe Versuche mit einem neuen
Design für den Propeller in Auftrag gegeben. Ziel war eine wahrnehmbare
Lärmreduktion von mindestens 4,5 Dezibel zu erreichen.

Jürg Studer, Redaktor ASMZ schränkung resultierte sowie eine phasenweise rell als sehr klein bezeichnet. Andere Grössen,
Umsetzung, um das Risiko zu wie z.B. die Distanz oder das Wetter
2008 wurde der PC-21 als Schulflugzeug minimieren. In einer ersten Phase entwickelten haben einen deutlich grösseren Einfluss
der Fortgeschrittenenschulung für die Firmen MT-Propeller (Deutschland) auf die resultierenden Pegel bzw. die
Jetpiloten eingeführt und ersetzte in dieser und Hartzell-Propeller (USA) in Lästigkeit als der Propeller-Typ.
Rolle das Jetflugzeug F-5 Tiger. Mit Zusammenarbeit mit der Firma Pilatus zwei Die geforderte Lärmreduktion von 4,5
dem PC-21 wurde ein modernes, an die neue Propeller-Modelle. In einer zweiten dB(A) konnte bei weitem nicht erreicht
Bedürfnisse der Jetpilotenausbildung Phase wurden durch die Eidgenössische werden und die Versuchsgruppe stellte im
anpassbares Hochleistungs-Propellerflugzeug Materialprüfungs- und Forschungsanstalt subjektiven Hörversuch praktisch keine
eingesetzt, welches eine markante (Empa) akustisch-technische
Treibstoffeinsparung und dadurch eine grosse Vergleichsmessungen zwischen dem alten und den

Reduktion des Schadstoffausstosses mit neuen Propellern auf dem Militärflugplatz


sich brachte. Auch die Gesamtlärmbelastung Emmen durchgeführt. Die armasuisse
wurde dabei im Vergleich mit dem ihrerseits unternahm mit den neu
F-5 Tiger beträchtlich verringert. Zusätzlich entwickelten Propellern vergleichende
wurden die Ausbildungs-/Betriebs- Leistungsmessungen am Flugzeug PC-21.
kosten um die Hälfte reduziert. Hingegen Schliesslich wurde auch mit einer
war der durch den Propeller verursachte Versuchsgruppe durch die Empa der subjektive
hochfrequente Lärm seit Beginn ein Makel, Höreindruck erfasst. In einer dritten
welcher als unangenehm empfunden Phase sollte dann der neue Propeller
wurde und viele spezifische Lärmreklamationen zertifiziert, beschafft und die PC-21-Flotte
verursachte. damit umgerüstet werden.
Die Luftwaffe war sich dessen bewusst Die Leistungsmessungen am PC-21
und gab an der Zürcher Hochschule Win- zeigten, dass zwar ein Unterschied
terthur (ZHW) eine Studie in Auftrag. zwischen den Propellern erkennbar, der
ope-
Das Jetpiloten-Ausbildungssystem PC-21
Diese im Jahr 2011 vollendete Studie kam rationelle Einfluss hingegen vernachlässigbar
(JEPAS PC-21) der Luftwaffe. Bild: VBS
zum Schluss, dass der Lärm mit einem war. Die zwei neuen Propeller zeigten
neuen Propeller-Design verringert werden eine leicht bessere Leistung in tiefen
könne. Versuchsmessungen des Bereichs und eine etwas schwächere Leistung in Verbesserungen fest. Somit waren die mit
Operationelle Erprobung und Evaluation grösseren Höhen. Zudem verursachten sie einem Propeller-Ersatz verbundenen Kosten
(OEE) stützten diese Theorie. In der Folge einen leicht höheren Treibstoflverbrauch. von über 7Mio. Franken nicht zu
wurde die auf das Gebiet der Strömungslehre Die akustisch-technischen Vergleichsmessungen rechtfertigen. Da davon ausgegangen werden

spezialisierte Firma Advanced Engi- zwischen den drei Propellerausführungen muss, dass die festgestellten Pegelunterschiede
neerig Desing Solutions (AEDS), welche hingegen ergaben bezüglich in der Grössenordnung zwischen
eng mit der Ecole Politechnique Federale Lärmimmissionen zwar nachweisbare, 0 und 2 dB nicht mehr wahrnehmbar sind,
de Lausanne (EPFL) zusammen arbeitet, aber nur kleine Unterschiede. Der Propeller vor allem, wenn die Ereignisse zeitlich
mit einer weiteren Studie zur Risikoabklärung Prototyp 1 verursachte im Mittel um weit auseinander liegen (Stunden, Tage)
beauftragt. Diese Studie beinhaltete 0,9 dB(A) tiefere Ereignispegel und um und andere Grössen, wie z.B. die Distanz
auch Simulationen mit verschiedenen 1,4 dB(A) tiefere Maximalpegel als der oder das Wetter einen deutlich grösseren
Propeller-Designs und kam zum Schluss, Original-Propeller und der Propeller Einfluss haben, musste der Versuch
dass eine Lärmreduktionen von 3-5 dB(A) leider als gescheitert betrachtet werden. Auf
Prototyp 2 verursachte sogar einen um <0,5
im Bereich des Möglichen liegen sollte. dB(A) höheren Pegel als der Original- Grund der erhaltenen Resultate wurde das
Die Ergebnisse veranlassten den Armeestab, Propeller. Der subjektive Höreindruck Projekt abgebrochen und der bestehende
der armasuisse 2013 einen Projektauftrag der 45-köpfigen Versuchsgruppe attestierte Propeller PC-21 beibehalten. Die
zur Entwicklung eines neuen dem Propeller Prototyp 1 die geringste aufgelaufenen Kosten
- für die Entwicklung
Propellers zu erteilen. Die Anforderung waren Lästigkeit, gefolgt von Propeller Prototyp der neuen Propeller sowie für die Aufwendungen
eine Lärmreduktion von 4,5 dB(A), 2 und der Original-Version. Die
Unterschiede wurden jedoch auch hier gene¬
-
der Vergleichsmessungen belaufen
sich auf 1,82 Mio. Franken.
ohne dass beim PC-21 eine Leistungsein¬ M

Allgemeine Schweizerische Militärzeitschrift 03/2015 43