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Dies ist eine Internet-Sonderausgabe des Aufsatzes


„Zur Überlieferungsgeschichte der Kartvelsprachen [I]“
von Jost Gippert (1993).
Sie sollte nicht zitiert werden. Zitate sind der Originalausgabe in
Georgica 17, 1994, 85-99 zu entnehmen.

Attention!
This is a special internet edition of the article
“Zur Überlieferungsgeschichte der Kartvelsprachen [I]”
“[The history of written tradition in the South Caucasian languages. I.]”
by Jost Gippert (1993).
It should not be quoted as such. For quotations, please refer to the original
edition in Georgica 17, 1994, 85-99.

Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved:


Jost Gippert, Frankfurt 1998-2011
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Jost Gippert

Zur Überlieferungsgeschichte der Kartvelsprachen

Unter den drei kaukasischen Sprach- 1. Die frühe Bezeugung eines megreli-
gruppen nehmen die sog. kartvelischen schen Wortes
oder südkaukasischen Sprachen bekannt-
lich eine Sonderstellung ein, insofern Das Megrelische, das heute nurmehr in
nur sie über schriftliche Denkmäler aus einem rel. kleinen Gebiet Westgeorgiens
älterer Zeit verfügen, wie sie für sprach- gesprochen wird und dabei mehr und
historische Fragestellungen benötigt mehr vom Georgischen als der Amts-
werden. Allerdings betrifft das auch und Schriftsprache verdrängt zu werden
innerhalb der kartvelischen Famillie nur droht, dürfte ursprünglich ein wesentlich
eine der dazu gehörenden Sprachen, größeres Verbreitungsgebiet gehabt
nämlich das Georgische, das seit dem 5. haben, wobei auch seine soziolinguisti-
Jhdt. reich mit inschriftlichen und hand- sche Stellung höher gewesen sein dürfte.
schriftlichen Zeugnissen dokumentiert So gibt es deutliche Anzeichen dafür,
ist. Für die Schwestersprachen des daß es in der Frühzeit der Christiani-
Georgischen, Lazisch, Megrelisch und sierung eine eigene kirchensprachliche
Svanisch, die keine eigene schriftliche Tradition entwickelt hat, die sich u.a. in
Tradition entwickelt haben, ist die histo- der Übernahme christlicher Termini aus
rische Sprachwissenschaft hingegen im dem Megrelischen ins Svanische manife-
großen und ganzen auf Materialien an- stiert2. Obwohl diese Tradition nach der
gewiesen, die im Zuge sprachwissen- Zentralisierung der kirchlichen Gewalt in
schaftlicher und ethnologischer Unter- Ostgeorgien abgebrochen ist, steht doch
suchungen seit dem Ende des 18. Jhdts. zu erwarten, daß sie ihre Spuren gerade
angefallen sind. auch in der kirchlichen georgischen
Dennoch gibt es auch hier einige verein- Überlieferung hinterlassen hat. Ein sol-
zelte frühere Zeugnisse, die es gestatten, cher Fall, der, soweit ich sehe, bisher
einen Einblick in die Geschichte dieser unbeachtet geblieben ist, ist in einer als
Sprachen zu gewinnen und den histo- autochthon geltenden christlichen Heili-
risch überblickbaren Zeitraum weiter genlegende anzutreffen, deren Entste-
auszudehnen. Im Falle des Megrelischen hungszeit nach allgemeiner Ansicht in
handelt es sich z.B. um die ca. 50 Wör- das 11. Jhdt. fallen dürfte. Es handelt
ter und Sätze, die der türkische Weltrei- sich um das Martyrium der hll. Davit
sende Evliya Çelebi im 17. Jhdt. aufge- und o ns a n i ne, das in verschiedenen
K̇ ṫ ṫ
zeichnet und in seinem »Fahrtenbuch« Hss. aus dem 13.-18. Jhdt. überliefert ist
(Seyahet-Name) der Nachwelt zugäng- und heute in der von I. ABULAZE
lich gemacht hat1. In der hiermit begon-
nenen Artikelserie sollen derartige Zeug-
nisse in loser Folge zusammengestellt 1. S. dazu zuletzt J. GIPPERT in: George HEWITT
und einer linguistischen Beurteilung (ed.), Caucasian Perspectives (1992) 8-62.

unterzogen werden. 2. Vgl. dazu G. DEETERS, Caucasica 7 (1930) 1-9,


bes. 5-6 sowie J. GIPPERT, Die Slawischen Spra-
chen 17 (1989) 13-35, bes. 28 ff.
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begründeten Sammlung hagiographi- Römern und jetzt von den Persern, und
scher Texte3 bequem zugänglich ist4. sie führten das Holz des Lebens, an dem
Da von dem Text bisher offenbar keine Christus für uns das Leiden auf sich
Übersetzung in eine westliche Sprache 3. Zveli kartuli agiograpiuli li e ra u ris zeglebi 3 ṫ ṫ
vorliegt5 und da die Legende wegen der (1971) 248-263.
in ihr enthaltenen Berichte über Ausein-
4. Die erste Ausgabe erfolgte in der von M. SABININ
andersetzungen zwischen der christli- herausgegebenen Sammlung Sakartvelos samotxe
chen und frühislamischen Welt von all- (St.-Petersburg [1882] 223-230); eine Neuausgabe
gemeinem historischem Interesse sein lieferte QUBANEIŠVILI in seiner Yveli kartuli lite-
˙ ˙
raturis krestomatia (Tbilisi [1946] 233-240). Ver-
˙ ˙
dürfte, halte ich es für zweckmäßig, eine schiedene Ausschnitte der Legende sind wortge-
6
dt. Übersetzung vorauszuschicken . treu als Zusätze in jüngere Hss. der georgischen
Chronik Kartlis Cxovreba übernommen worden;
Martyrium und Leiden der hll. sie sind in der Edition von QAUXČIŠVILI Bd. 1
˙
(1955) 233-239 als čanarti gekennzeichnet.
Davit und o s a n i ne
K̇ ṫ ṫ
7
Martyrium und Leiden der hll. und 5. Die einzige mir bekannte - bisher allerdings nicht
großen Märtyrer Davit und o s a n i ne,
K̇ ṫ ṫ zugängliche - Übersetzung ist die russische von
M. SABININ (in: Polnoe žizneopisanie svjatyx
die ihr Martyrium im Land des Nordens, gruzinskoj cerkvi 1 (1871) 154-165; cf. QUBANEI-
˙
in der Gegend von Argueti, im Herr- ŠVILI, a.O. 233).
schaftsgebiet der Kartveler, nach dem
Hinscheiden des großen und erhabenen 6. Die folgende Übersetzung versucht, das Original
möglichst getreu wiederzugeben, und stellt keine
Königs Vax a ng Gorgasali erlitten, der
ṫ stilistischen Ansprüche. Eine ausführliche Unter-
die Herrschaft über das ganze Land mit suchung der involvierten kirchengeschichtlichen
sich ins Grab nahm, von seiten des und allgemeinhistorischen Fragen, v.a. im Ver-
gleich mit der Nebenüberlieferung in der georg.
gottlosen Tyrannen, des Perserkönigs Chronik, bleibt ein Desiderat.
Marwān Abu’l-Qāsim8, der mit Spitz-
namen der "Taube" genannt wurde, 7. In verschiedenen Hss. auf den 31. Oktober datiert.
(und) der ein Schwesterkind Mu a m- ḣ
8. Georg. Murvan Abulkasim, im weiteren kurz Mur-
˙
mads9, des falschen Gesandten, war. van. Zur Person s. weiter unten.
Während der Königsherrschaft des
Gottes-Dieners Herakleios10, als (die- 9. Georg. Muhmad oder Muhmed.
ser) mit dem Stab seines Königtums sein 10. Byzantinischer Kaiser, * ca. 575, †
614. Georg.
Herrschaftsgebiet verwaltete, zog der Hera l es.

Perserkönig Xosrou11 mit dem Heer
gegen die von Gott geschützte hl. Stadt 11. Der Sasanidenkönig Xosrou II. Anōšērwān (* 590,

628). Georg. Xuasro.
Jerusalem12, in der die Erlösung der
ganzen Welt stattfand, nahm sie mit 12. Gemeint ist der Feldzug des Sasanidenherrschers
Gottes Duldung ein und nahm sie gefan- gegen Jerusalem im Jahre 614.
gen und erschlug eine zahllose Menge 13. Der Text ist in einer arabischen und einer (darauf
Väter und Mütter, Priester und Diakone beruhenden) georgischen Version erhalten; cf. die
und Jungfrauen, wie in dem Buch von Ausgaben von G. GARITTE, Expugnationis Hiero-
der Einnahme Jerusalems geschrieben solymae A.D. 614 Recensiones Arabicae I: A et B
/ II: C et V [...], Corpus Scriptorum Chirstianorum
steht13, auf daß sich das Wort des Erlö- Orientalium 340, 341, 347, 348 (= Scriptores
sers erfülle, das lautet: "Es wird kein Arabici, 26-29)(1973-1974) und ders., La prise de
Stein auf dem (anderen) Stein bleiben, Jérusalem par les Perses en 614 Corpus Scripto-
rum Chirstianorum Orientalium 202-203 (= Scrip-
bis daß alles in nichts zusammengefallen tores Iberici, 11-12)(1960). Für die hier gegebene
sein wird."14 Zusammenfassung vgl. die Einleitung der Legende
Denn mehrfach wurde Jerusalem einge- sowie Kap. VIII-IX; der Wortlaut ist nicht iden-
nommen, von den Babyloniern und den tisch.
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nahm, und Zacharias, den großen Patri- gedemütigt, und es erstarkten die Perser
archen (wtl. Oberhaupt der Väter), mit und die Araber mit Duldung Gottes,"
sich fort und kehrten wieder nach Per- und es erstarkte Mu a mmad, und er

sien zurück. Und es wurden unzählige herrschte über die Perser und die Araber
Wunder von dem Holz des Lebens ge- und nahm das Land Ägypten und Palä-
wirkt, so daß man unter den Persern stina ein, als Johannes der Barmherzige
sprach: "Der Gott der Christen ist ge- für sich die Flucht wählte und in seine
kommen." Heimat nach Zypern ging und dort da-
Dies aber betrübte den Gott dienenden hinschied17.
König der Griechen, Herakleios, und auf Und nach dem Tode Mu a mmad des ḣ
Geheiß Gottes zog er mit dem Heer Ungläubigen hinterließ er seine Herr-
gegen die Perser, und er gelangte in das schaft dem ihm an Bösartigkeit gleichen
Land der Kumanen, das sind die Kipča- Marwān dem "Tauben", seinem Schwe-
ken, und gab seine Tochter dem König stersohn. Dieser Gottlose aber, nachdem
der Kipčaken zur Frau und führte ihn er die Herrschaft (über) Perser und Ara-
mit seiner ganzen (Streit-)Kraft seiner ber übernommen hatte, hetzte alle Stäm-
eigenen (Streit-)kraft zu und zog hinein me der Heiden mit Duldung Gottes auf,
nach Persien, und er tötete den Perser- uns der Sünde(n) zu bezichtigen, und
könig Xosrou und nahm das Land Per- zog mit dem Heer gegen die Christen,
sien ein (wtl. ‘gefangen’) und verwüstete das ausgewählte und gotteigene Volk
es. Und er nahm das Holz des Lebens aus und verwüstete und zerstörte
und Zacharias, den Patriarchen, mit sich
und zog siegbekränzt in Jerusalem ein.
Und einen Teil des Holzes des Lebens
stellte er in Jerusalem auf und einen 14. Cf. Mt. 24,2 / Mk. 13,2 / Lk. 21,6. Durch die
Verwendung von vidremdis q̇ovelive "bis daß alle"
(Teil) sandte er nach Konstantinopel, anstelle von sonst üblichem romel(i) ara "der
und Zacharias, den Patriarchen, setzte er nicht" läßt sich der hier verwendete Text eindeutig
wieder auf seinen Thron. zuordnen: er entspricht dem Wortlaut des Mat-
thäusevangeliums in der Redaktion der sog. Proto-
Und als sich der König von Persien aus vulgata, die durch die Tetraevangeliare von Žruˇ i

nach Ägypten wandte, trat Mu a mmad
ḣ (Hs. des Museums zu Tbilisi H 1660 von AD
vor den König Hera l es hin und übergab
k̇ 936) und Parxali (Hs. des ehem. kirchlichen Mu-
˙
ihm ein großes Gastgeschenk, denn er seums zu Tbilisi A 1453 von AD 973) vertreten
ist und in der Redaktion des Urbnisi-Tetraevange-
war sehr reich und herrschte über die liars (Hs. des ehem. kirchlichen Museums zu
Araber, und er erbat sich vom König Tbilisi A 28, 11. Jh.) und des sog. Palästina-Evan-
Aufenthaltsplätze und Weiden für seine geliars (Hs. des Museums von Tbilisi H 1741, dat.
1048) weitertradiert ist; cf. die Ausgaben von A.
Herden. Der König aber gab ihm die ŠANIZE, Kartuli otxtavis ori yveli redakcia (1945)
Felder und Berge des Landes Sinai, das 86 (Redaktion DE) und I. IMNAIŠVILI, Kartuli
nahe bei Arabien gelegen ist, und der otxtavis ori bolo redakcia (1979) 341 (Redaktion
König kehrte wieder in seine Stadt zu- FG).
rück, und das Land Griechenland war 15. Gemeint ist der unter dem byzantinischen Kaiser
(wieder) befriedet, und alle Stämme Leo III. im Jahre 726 begonnene Bilderstreit.
waren ihm untertan.
16. Vermutlich der Theologe Maximus Confessor
Als aber Herakleios, der König, starb, (Maximos Homologetes; * ca. 580, † 662).
wurden nach ihm Könige und Patriar-
chen eingesetzt, (die) betrügerisch und 17. Gemeint ist offenbar der Patriarch Johannes von
unwürdig (waren) und die Bilder be- Alexandria; vgl. dazu G. GARITTE, Le calendrier
palestino-géorgien du Sinaiticus 34 (1958) 103 f.
kämpften15, (und,) wie Maksime16 sowie 381 f.
sagt: "Die Könige der Griechen wurden
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und unterjochte (wtl. nahm gefangen) ßem Fleisch, mit kastanienfarbenem


das Land Griechenland und Armenien Haar, schön von (körperlicher) Gestalt
bis zum Meer und breitete sich weiter und mit dichtem Bart. Und o s a n i K̇ ṫ ṫ
wie eine Wolke von Dunkelheit, mit
einer (Volks-)Menge, wie (von) Heu-
schrecke(n) oder Mücken, in den Ge-
bieten des Nordens aus und verhüllte das 18. Gebiet um das heutige Axalcixe.
Gesicht des Landes. Denn er kam nach 19. Das heutige Abastumani.
Samcxe18 und schlug sein Lager in dem
Gebiet von Ozrqe19 auf; denn diese 20. Gebiet östlich des heutigen Kutaisi.
Stadt war wegen ihrer Erzeugnisse seit 21. Die Nachricht, daß der Apostel Andreas in den
alters berühmt und ist es bis heute. Kaukasus gelangte und dort bekehrte, ist auch in
Jetzt aber ist die Zeit, der heiligen und Kartlis Cxovreba enthalten (ed. QAUXČIŠVILI 38, ˙

mit Leiden versehenen (wtl. ‘bekleide- Z. 25-27). Sie dürfte auf einer Apostel-Legende
wie der bei SABININ, Samotxe 24-45 (besd. 30)
ten’) Märtyrer Christi, Davit und o - K̇
herausgegeben beruhen (Hs. A 188, 100v-116v);
s a n i ne, zu gedenken, über die diese
ṫ ṫ als ihre Vorlage kann die bei MIGNE, Patrologia
unsere Rede handelt. Ihr aber, (die ihr) Graeca 120, Sp. 216-260 abgedruckte Vita gelten,
die einem Epiphanius Monachus zugeschrieben
Christi Herden und begierig (seid), den wird und im 10. Jh. entstanden sein dürfte (cf.
hl. Feiertag der hll. Märtyrer zu bege- dazu bereits K. KE E LIZE, Etiudebi zveli kartuli
˙ ˙ K̇ ˙
hen, (die ihr) begierig herbeigekommen literaturis istoriidan 5 [1957] 119, nach dem das
˙ ˙ ˙

(seid), richtet aufmerksam eure Sinne Werk von dem Hagioriten Ekvtime übersetzt
wurde). Zu vergleichen ist noch die Einleitung
und euer Gehör darauf, damit ihr nicht einer Legende vom hl. Theodor (die georg. Ver-
leer, sondern mit einer Last von An- sion ed. A. XAXANOV [XAXANAŠVILI] in: Materia-
nehmlichkeiten beladen wieder nach ly po gruzinskoj agiologii [1910] 1; vgl. die ar-
c c c
men. Version in Sop erk haykakank 16 [1854]
Hause geht. 57-58), wonach der Apostel Andreas bis nach
Wie ich euch also sagte, war die Kun- Sinope gelangte und an der Schwarzmeerküste
de von der Ankunft der Heiden überall wirkte; den griech. Fassungen der Theodorlegende
in diesem Lande zu hören, und die Her- bei H. DELEHAYE, Les légendes grecques des
saints militaires (1909) sowie H. STARCK, Theo-
zen der Menschen wurden mit Angst doros Teron (1912) fehlt diese Einleitung. Da
und Schrecken erfüllt. Wie wir jedoch auch die eigentlichen Andreas-Apokryphen (Passio
aus alten Überlieferungen erfahren ha- Andreae u.a., ed M. BONNET in: Acta apostolorum
apocrypha 2/1 [1959]; vgl. die georg. Version
ben, waren diese hll. Märtyrer Davit und unter dem Titel Mimodaslvay mocikultay in der
o s a n i ne Kartveler aus der Gegend
K̇ ṫ ṫ Edition von C. KURCIKIZE, Kartuli versiebi aṗo-
˙

von Argueti20, groß und edel von Her- r ipebisa mocikulta šesaxeb [1959] 21-42) die

kunft, und (sie waren) die Oberhäupter Nachricht nicht enthalten, handelt es sich offenbar
um einen späten, sekundären Zusatz. Wie man bei
dieses Landes, und sie waren mitein- dieser Überlieferungslage die missionarische Tä-
ander verwandt, und sie waren durch das tigkeit des Apostels Andreas im Kaukasus heute
Taufbecken des (Apostels) Andreas und noch als ein historisches Faktum hinstellen kann
(vgl. zuletzt M. LORTKIPANIDSE, Georgica 15
Simons des Kanaanäers erleuchtet wor- [1992] 38; vgl. dagegen bereits I. ŽAVAXIŠVILI
den; denn die hatten Christus zuerst [DŽAVAXOV], Žurnal Ministerstva Narodnago
unter den Kartvelern verkündet, vor der Prosvěščenija 333 [1901] 101 ff. sowie ausführ-
Ankunft Ninos . 21 lich F. DVORNIK, The Idea of Apostolicity in
Byzantium and the Legend of the Apostle Andrew
Und die Hll. waren jungfräulich im [1958], bes. 209 ff.), bleibt unverständlich.
Fleische und kundig des Alten und Neu-
en Glaubens, wahrhaftige Gläubige und
erfahren und tapfer bei Feldzügen und in
Kämpfen. Denn Davit war der ältere an
(Lebens-)Tage(n), zierlich und von wei-
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war schön von (körperlicher) Gestalt und dern, und einige wurden erschlagen.
mit kastanienfarbenem Haar, (aber) ohne Aber die hll. Davit und o s a n i ne und
K̇ ṫ ṫ
Bart, und beide waren voll des Hl. Gei- einige andere ihrer Gefolgsleute wurden
stes. gefangen genommen. Wie daraufhin der
Als nun diese Hll. davon hörten, daß böse "Taube" von der Ergreifung der
die Heiden von Samcxe aus in das Land Hll. erfuhr, applaudierte er mit den
kamen, kleideten sie sich in die Kraft Händen und pries seinen Mutterbruder
Gottes wie in eine Rüstung und sammel- Mu a mmad und seinen Glauben wegen

ten ein Heer des Landes zusammen. Und des Sieges. Und als sie wieder lagerten,
sie riefen den Namen Gottes an und setzter er sich auf seinen Thron und
bestärkten das Volk der Gläubigen durch befahl, den hl. Davit und den hl. o - K̇
Gebet(e) und Nachtwache(n). s a n i ne herbeizubringen. Und sie wur-
ṫ ṫ
Und als die Heiden von Samcxe aus den vor den Ungläubigen hingestellt, die
heraufzogen und in das Land Argueti Hände gebunden. Und als er die vor ihm
gelangten und (ihre) Vorkämpfer und stehenden sah, lachte Marwān der "Tau-
Elite(-Truppen) ankamen, da waren die be" sehr und sagte: "Wer seid ihr, (die
Hll. (bereits) versammelt und wachsam, ihr) Steinen und Hölzern dient, daß ihr
und sie sangen den Psalm Davids, den er es wagt, gegen mich anzutreten? Wißt
gedichtet hatte, als (er) gegen Goliath ihr denn nicht, daß ich der Schwester-
antrat22. sohn des großen Gesandten Mu a mmad ḣ
Und als die Heiden die Hll. sahen, bin, dessen Glauben ganz Arabien und
brüllten sie wie Bestien und kamen auf Persien dienen, und daß mir die ganze
sie zu. Aber der hl. Davit ergriff den Na- Welt von Westen bis Osten untertan
men Christi als (sein) Schild und be- ist?"
stärkte seine Truppe und machte sie Die Hll. antworteten und sprachen:
furchtlos, er brüllte auf wie ein Löwe, "Dein Gelächter und dein Stolz ist eitel
und sie schlugen sie in die Flucht und und leer für uns, denn deine Größe
zerstreuten sie und erschlugen unzählige währt (wtl. ‘ist’) nur eine kurze Zeit und
(von ihnen), und die Christen errangen wird bald verfliegen, denn dein Sieg ist
einen großen Sieg. nicht über uns gekommen, weil du sei-
Darauf kehrten die Flüchtlinge zurück ner würdig gewesen wärest, sondern
und erzählten Marwān dem "Tauben", wegen unserer Sünden, (also dafür,) daß
was über sie gekommen war: "Deine wir sein Gebot übertreten haben. Deine
Vorkämpfer und deine Elitetruppen sind Macht über uns ist zustandegekommen,
von den Dienern des Holzes geschla-
gen." Er aber verbarg sein Gesicht in
seinen Händen und sagte: "Und wer ist 22. Gemeint ist offenbar der "außerhalb der Zählung"
derjenige, der es wagt, sich gegen den geführte Ps. 151; vgl. dessen Überschrift in der
georg. Redaktion G (Hs. Jer. 161; cf. die Ausgabe
großen Gesandten Mu a mmad zu stel-
ḣ von M. ŠANIZE, Psalmunis yveli kartuli redakciebi
len, meinen Mutterbruder?" So sprach [1960] 409): ese psalmuni twsagan aġicera Davi-
˙
er, und er rief die ganze Menge der tis mier da gareše asormeocdaatta psalmuntaysa,
ražams ecq̇o goliatsa "Dieser Psalm wurde von
˙
Heiden zusammen, und sie zogen los, in Davit selbst aufgeschrieben und (steht) außerhalb
(ihrer) Menge wie Sand, und sie kamen der 150 Psalmen, als er gegen Goliat antrat." Dies
in das Land Argueti und nahmen Wald entspricht weitgehend dem Text der Septuaginta
und Feld und Berge und Hügel ein, und und der armen. Bibel: O}uto@ o" qalm>o@ ìdi<ogra-
fo@ eì@ Dauid ^a>i e( cw\en to?u àri\mo?u: o) te
von der Hand der Heiden wurden (gan- èmonomaxhsen
< tw?J Goliad / Ays sałmos inkcnagir
ze) Völker von Christen ausgerottet, Dawt i artak oy t owocc: I žamanaki zi el na naha-
c c c

denn einige verbargen sich in den Wäl- tak nddēm goliadow.


e
90

damit uns Gott durch eure ungläubige machte (wtl. ‘bildete’) er das Kreuzzei-
und gottlose Hand strafe. Aber dein chen vor seinem Gesicht und sprach:
Mutterbruder Mu a mmad, mit dem du
ḣ "Das darf uns niemals bis in alle Ewig-
prahltest, nichtig ist dein Stolz auf ihn, keit geschehen, oh (du) böser Tyrann,
denn wie wir erfahren haben, war er es, daß wir das Licht verlassen und in die
der euren Stamm verführt und verdorben Dunkelheit eintreten, denn unser Gott
hat." hat uns in sein Licht gerufen, als er
Als jedoch der Tyrann das von den Hll. seinen Sohn, sein Wort23 und ihm eben-
hörte, erzürnte er sehr und befahl den bürtig, auf die Welt sandte und er
dabeistehenden Schergen, sie ins Gesicht Mensch wurde für uns und alles Vor-
zu schlagen und mit Stöcken zu foltern. gesehene auf sich nahm: die Kreuzigung,
Und sie führten den Befehl des Tyran- das Begräbnis und die Auferstehung.
nen aus und schlugen sie ins Gesicht, bis Und dennoch pries er den Vater, und
sie müde wurden und die Hll. auf den derselbe wird kommen, zu richten die
Boden stürzten. Diese aber ertrugen es Lebendigen und die Toten24. Und er
tapfer und priesen Gott und riefen ihn sandte seine Schüler aus in die ganze
als ihren Helfer an. Da sprach der Ty- Welt, um seinen Namen zu verkünden
rann in Wut und Zorn: "Oh, was seid ihr und (die Menschen) vom Götzendienst
nur für Leute (wtl. ‘ihr derartigen’), erst abzubringen. Und es begaben sich zwei
habt ihr meine Vorkämpfer und Elite- von seinen Hauptschülern in unser Land
truppen geschlagen, und jetzt beschimpft und verkündeten die Ankunft Christi und
ihr den edlen und namhaften Gesandten bekehrten (die Menschen) vom Götzen-
Mu a mmad, meinen Mutterbruder, den
ḣ dienst. Und wir wurden durch sie belehrt
ganz Arabien und Persien preist, auf und erleuchtet, und wir dienen keinem
unverschämte Weise!" So sprach er, und anderen Glauben, (sei er) schlecht oder
dann (versuchte) er, sie mit Schmeiche- erfunden, sondern wir sind im Namen
lei (zu) verführen (wtl. ‘zum Magier- Christi bereit für alle Foltern und Mar-
tum’), und sagte zu dem hl. Davit: "Über tern, Feuer, Wasser, Schwert und Tod.
dich haben mir meine Feldherren zu Das ist unser Glaube, das wahre Chri-
hören gegeben, daß du ein vernünftiger stentum, hört uns, (ihr,) das ganze Heer
Mensch bist und in Feldzügen erfahren der Perser und Araber!"
und das Oberhaupt dieses Landes. Nun Der Tyrann sprach zu ihm: "Auf unse-
höre mir zu, der (ich) dir gut rate, und ren guten Vorschlag und Rat hin gibst
laß ab von dem eitlen und leeren Gerede Du uns (so) eine böse und dumme Ant-
eurer Tollheit und unterwerft euch dem wort? Denn über Christus, der Isa heißt
Glauben des ausgewählten Gesandten (wtl. ‘ist’), steht in unserem Koran25
Mu a mmad, meines Mutterbruders, und
ḣ geschrieben, daß er ein Prophet war und
ich werde euch zu Oberhäuptern und ein richtiger Mensch, der Sohn der Ma-
Edlen über ganz Persien und Arabien ria (Mariam), und daß er sich selbst
machen. Denn ich werde dich zum Feld- Gottes Sohn nannte, dafür töteten ihn die
herrn und Oberbefehlshaber über mein Juden am (wtl. ‘mit dem’) Kreuz. Und
ganzes Heer machen; jenen Knappen was ihr euch am großen Mu a mmad zu ḣ
aber, deinen Verwandten, werde ich die tadeln erdreistet, das sagt ihr
Ehre erweisen, daß er für immer vor
meinem Thron in meinem Hofstaat 23. Vgl. Jo. 1,1 und 14. Dieselbe Gleichsetzung noch
stehen und sich mit den anderen Edlen einmal weiter unten.
meines Hofes freuen soll." Und als der 24. Vgl. Röm. 14,9.
25. Georg. u ran-i.

Tyrann das zu den Hll. gesagt hatte,
91

ohne Verstand, denn er hat die Perser bekenne auch ich, daß wir in dem einen
und die Araber vom Feuerdienst bekehrt Glauben und der einen Überzeugung
und Gott anvertraut, denn es gibt nur belehrt (worden) sind und (daß) ich an
einen Gott." den Vater, den Sohn und den hl. Geist
Der hl. Davit entgegnete und sprach zu glaube und für ihn sterben werde."
ihm: "Das Buch das der Koran heißt Da erzürnte der Ungläubige über sie
(wtl. ‘ist’), habt ihr nicht richtig erfaßt, und rief einige erbarmungslose und
denn in eurem Koran steht über euch bösartige Schergen herbei und gab die
geschrieben: ‘Wenn ihr euch irrt, dann Hll. in ihre Hände und teilte ihnen mit,
lernt (es) aus dem Buch Isa, dem Evan- daß sie zehn Tage (lang) weder den
gelium Christi, das er selbst seinen Geschmack des Brotes noch des Wasser
Schülern gab, aus diesem Buch.’ (Das) erfahren sollten und alle Tage mit vie-
hat euch cAlı̄26, Mu a mmads engster
ḣ lerlei Folter(n) ohne Unterlaß gefoltert
Schüler, aufgeschrieben, ihr aber seid werden sollten, damit sie aufgrund der
unaufmerksam und kennt weder das Pein und der Folter gegen ihren Willen
Buch noch die Kraft Gottes, denn auch den Glauben Mu a mmads bekannten.

wenn Mu a mmad euch vom Feuerdienst
ḣ Aber die Hll. nahmen die Peinigungen
bekehrt hat, so hat er euch doch nicht zu unter Gebet und Ehrerbietung gegenüber
Kennern Gottes gemacht. So wie ein Gott auf sich, den Hunger und den Durst
Schiffbrüchiger wohl nicht im Herzen und die Martern und die Foltern und die
des Meeres Schiffbruch erleidet, sondern Qualen und die Schmähungen, aus Liebe
(in dem Moment), wenn er an das Mee- zu Christus, dem Gott.
resufer gelangt; es nützt (ihm) nichts, Und als die zehn Tage vergangen wa-
denn er ist nicht bis auf festen (Grund) ren, rief der gottlose Marwān der "Tau-
gelangt. Ebenso (seid) ihr, weil Mu a m-
ḣ be" die Magier und Zauberer Persiens
mad Christus, den Sohn Gottes, dessen herbei und sandte sie zu den Hll., damit
Kommen die Propheten von Anfang an sie die Hll. mit Schmeichelei verführten,
(vorher)sagten und die Patriarchen ver- um sie zu ihrem Glauben zu bekehren.
kündeten, nicht erkannt und euch auch Als sie aber hinkamen, und die Hll.
nicht zu kennen gegeben hat. Ihr seid sahen, erschöpft und vom Fleisch gefal-
verdorben und im Irrtum durch eure len durch die Foltern, denen sie von
große Unvernunft." seiten der Schergen ausgesetzt waren,
Der Tyrann sprach zu ihm: "Und wer erzürnten sie beim Nachdenken über die
hat dir von unseren Büchern gelehrt, Schergen (und sagten): "Oh, was seid ihr
Lebensunwürdiger?" Der hl. Davit sagte nur für Leute (wtl. ‘ihr derartigen’), was
ihm: "Eure Bücher sind für mich nicht erdreistet ihr euch, und (wtl. ‘oder’) was
brauchbar, aber das habe ich gesagt, um schätzt ihr diese edlen und beim Kampf
euch zu beschuldigen." tapferen Männer so gering, (oder) wißt
Darauf wandte sich der Tyrann dem hl. ihr nicht, daß dem Vorbeter der Perser,
dem großen Amı̄r al-Mu minı̄n27 Mar-
c
K̇o s a n i ne zu und sprach: "Du, Junge,
ṫ ṫ
was sagst du über dich selbst, unter- wān, sehr an ihrer Freude und (ihrem)
wirfst du dich unserem Befehl oder Wohlergehen gelegen ist?"
nicht?" Der Hl. aber ließ seine vernich-
tende Stimme erschallen und sprach zu 26. Georg. ali.
ihm: "Niemals wird es für mich Gehor-
sam deinem Befehl gegenüber geben, 27. Beiname der Kalifen, wtl. "Oberhaupt der Gläubi-
gen"; cf. The Encyclopaedia of Islam, New ed.,
sondern wie bereits mein Herr Davit Vol. 1, A-B, Leiden 1979 445. Die georg. Form
bezeugte und bekannte, bezeuge und amira muml- ist möglicherweise durch muml-i
"Mücke" beeinflußt.
92

Darauf wandten sie sich den Hll. zu und bereit sind zu Hunger und Durst, Feuer
sprachen unter Schmeichelei zu ihnen: und Schwert und Wasser und nach allem
"Der Vorbeter von ganz Persien und diesem zum Tod für das himmlische
Arabien, Marwān, hat uns zu euch ge- Königreich. (Und) die Gabe(n) und die
sandt, denn ich weiß um euren Verstand, Herrlichkeit(en, wtl. ‘Größe’), die uns
denn in der Vergangenheit (wtl. ‘in jener von euch überreicht wurden, sind näm-
Zeit’) habt ihr euch Besseres für euch lich häßlich und ekelhaft vor unseren
ausgedacht; nun antwortet mir mit ange- Augen, unsere Hoffnung aber und Herr-
messenem Wort, und verlaßt euch nicht lichkeit (wtl. ‘Größe’) ist Christus, und
(mehr) umsonst auf einen Menschen und der Tod in seinem Namen (ist) wün-
den Glauben (an ihn) und (zumal) einen schenswert. Geht fort und sagt alles das
Toten28 und zerstört nicht eure Jugend demjenigen, der euch geschickt hat, dem
vorzeitig durch einen bitteren und üblen Versucher und Verführer."
Tod, sondern wählt das Bessere für euch Und als sie das von den Hll. gehört
aus und erbarmt euch eurer selbst und hatten, gingen sie beschämt weg und
bekehrt euch zum Glauben Mu a mmads,
ḣ sagten alles dem tauben Marwān und
des auserwählten Gesandten, auf daß ihr sagten ihm auch das folgende: "Wir
euch mit uns erfreut. Denn auch mir tut haben keine Hoffnung (mehr) auf diese
es um eure Jugend und euren Mut leid, Leute, denn sie fürchten sich nicht vor
und ich rate euch zum Besseren. Das c
den Martern noch vor dem Tod, sondern
befiehlt euch der große Amı̄r al-Mu - stehen (wtl. ‘sind’) fest in (wtl. ‘auf’)
minı̄n Persiens und Arabiens. Wir aber, ihrem Glauben." Als das aber der un-
ihr schönen und tapferen jungen Män- gläubige Tyrann hörte, nahm er (wtl.
ner, sagen euch das, damit ihr euch dem ‘schnitt ab von’) ihnen die (letzte) Hoff-
Befehl des großen und erhabenen Ober- nung und ersann (wtl. ‘ließ erscheinen’)
haupts unterwerft. Denn siehe da, er hat in großem Zorn für die Hll. einen Tod
uns Fahnen und Gewänder (für euch der folgenden Art: er ließ nämlich bös-
zum Zeichen) eurer Herrschaftswürde artige und unbarmherzige Schergen
(mit)gegeben." Und sie zeigten den Hll. kommen (wtl. ‘erscheinen’), auf daß sie
großartige Gaben und königliche Ge- sie zuerst mit unbarmherziger Qual
schenke und schmeichelten den Hll. mit martern sollten, durch Aufhängen kopf-
vielerlei Schmeichelei. Da schauten die über, und ihnen dann die Hände und
Hll. auf sie hin und sprachen zu ihnen: Füße binden sollten und an ihren Hals
"Weil ihr (so) unvernünftig seid und schwere Steine binden sollten und sie so
solchen Unsinn sagt und Gesandte des
Tauben und Verschlagenen seid, deshalb
reden wir nicht mehr länger (wtl. ‘ver- 28. nu cudad gakus sasoebay kacisa mimart da sy̌u-
˙
längern wir unser Wort nicht mehr’) mit lisa da moklulisa. Zu der Verbindung von sasoe-
˙
ba-y "Hoffnung" + akus "haben" + Gen. + mimart
euch, sondern sagen nur, daß wir, eben- "auf" ≈ "sich verlassen auf" vgl. Jer. 17,5: cq̇eul˙
so wie wir unseren wahren Glauben iq̇avn kaci igi, romelsa sasoebay twsi akundes
˙
zuvor bekannt und bezeugt haben, (noch kacisa mimart "Verflucht ist der Mann, der sich
˙
auf Menschen verläßt". Die Wendung entspricht
genauso) fest und unbekehrbar zu (wtl. genau dem griech. e( xei èlp<ida ep>i + Akk. (`Epi-
‘auf’) ihm stehen (wtl. ‘sind’), und daß katarato@
< o" an\rwpo@,
( o] @ t>hn èlp<ida e( xei èp’
uns keinerlei Peinigung und auch nicht an\rwpon)
( bzw. dem armen. ar̄nem zyoys i ..
die Größe dieses Vergänglichen mehr (aniceal licci mard or arasccē zyoys iwr ’i mard).
Ähnlich auch Apg. 24,15 mit ġmrtisa mimart "auf
von der Liebe zu Jesus Christus und Gott", dem im griech. Text eì@ t>on \e>on ent-
dem Glauben an (ihn) abbringen wird, spricht.
daß wir vielmehr in seinem Namen
93

in den Fluß Pason werfen sollten, der in Damals waren aber die Kinder des gro-
georgischer Sprache Rioni heißt. ßen Königs Vax a ng Gorgasali, Arčil

Das ersann (wtl. ‘ließ erscheinen’) der
Tyrann für die Hll., und er selbst zog los
und schlug sein Lager in der Stadt Žixan-
ˇ
kuži auf, im Land der Megreler, im Ge- 29. Heute Didi q̇oni; s. dazu weiter unten.

biet von ˇ q̇ondidi29, das heißt (wtl. 30. Georg. etl-i bedeutet sonst auch "Sternzeichen";
Ċ ˙
‘ist’) in megrelischer Sprache ‘große Ei- hier wird die konkrete Bedeutung "Pferdegespann"
che’. (Und) sein Lager(gebiet) erstreckte vorgezogen, da im folgenden Satz etl-i neben ˙
hune- "Pferd, Roß" erscheint.
sich (wtl. ‘war’) nämlich vom (Fluß)
Cxenis q̇ali bis nach Abxazien, und er 31. Georg. abaš-i < arab. habašı̄.
ċ ˙
nahm Festungen und Städte ein, und er
machte das Land der Megreler und Ab- 32. Nebenfluß des Texuri.
˙

xazen unbegehbar und menschenleer. 33. Die letzten zwei Sätze finden sich wortgetreu in
Aber dort kam der Zorn Gottes über der jüngeren Bearbeitung der georg. Chronik
sein Heervolk und (sein) Lager und Kartlis Cxovreba wieder (Hss. T und k; cf. K.Cx.
30 1 238, Z. 12-14); eine vergleichbare Nachricht
(seine) Gespanne . Denn ein Stamm enthält aber auch die ältere (sog. "vorteimurazi-
von Äthiopiern31 lagerte an dem Fluß, sche") Redaktion der Chronik, nach der Marwān
den man jetzt Abaša32 nennt, und (ihre) "Cxumi, die Stadt Apšiletis zerstörte" (šemusra
Pferde und Gespanne am Ufer des Flus- kalaki Apšiletisa Cxumi: K.Cx. 1 235, Z.5). Dies
ist die einzige Stelle in der georg. Chronik, wo die
ses, den man jetzt Cxenis q̇ali (‘Pferde-
ċ Gegend um Cxumi als Apšileti bezeichnet wird.
wasser’) nennt. Und es kamen wunder- Bemerkenswert ist dabei, daß die älteste der Hss.,
(bare Erscheinungen) von oben herab: die Kartlis Cxovreba enthalten, nämlich die Hs.
der Königin Anna aus dem 15. Jh. (anaseuli nus-
Donner und Blitze, Hagel und Regen- xa: Sigle A), stattdessen von "Abxazien und Apši-
(schauer), heftig und stark. Und die Erde leti" spricht (apxazetisa da apšiletisa: ib., app.; die
öffnete ihren Mund und ließ Mengen von Varianten der anderen Hss. sind weniger erheb-
Wasser(n) heraufkommen (wtl. ‘herauf- lich: apbiletisa M, apbuletisa m, apxišetisa C).
Die armen. Version der georg. Chronik, die aus
wachsen’), und das feste Land wurde dem 13. Jh. stammt und damit den Text in einer
(zum) Meer, und der Fluß Abaša (wtl. noch älteren Ausprägung reflektiert, enthält die
‘von Abaša’) trat über sein(e) Ufer (wtl. betreffende Mitteilung hingegen überhaupt nicht
(cf. die Edition von I. ABULAZE, Kartlis cxovrebis
‘seine Grenze’) und kam über den zveli somxuri targmani, Tbilisi 1953 195, Z. 22).
Stamm der Äthiopier und überflutete den Die gemeinsame Nennung von Cxumi und Apšileti
ganzen Stamm der Äthiopier, und daher scheint also selbst ein späterer Zusatz zu sein.
entstand der Name des Flusses, Abaša. Man vgl. dazu die Ausführungen T. GAMQRE- ˙
LIZEs, Georgica 15 (1992) 82 ff., bes. 86 mit Fn.
Und der Fluß Cxenis q̇ali kam über
ċ 2; das dort aufgestellte Theoriegebäude, wonach
ihre Pferde und Gespanne und überflute- georg. apšil- dem griech. àq?il- entsprechen müs-
te alle(s), bis sich ihre Zahl auf 40 000 se und unmittelbar mit der Selbstbenennung der
Abchasen, aps-wa, zu verknüpfen sei, während
belief, und so erhielt der Fluß (den Na- der Terminus apxaz- zusammen mit griech.
men) Cxenis q̇ali. Und als Marwān der
ċ àbask/g- einen anderen, und zwar kartvelischen
"Taube" das alles sah, was über ihn Stamm bezeichnet haben müsse, steht also von
gekommen war, machte er sich selbst vornherein auf keinem sehr festen Boden. Wenn
bei dem von GAM R ELIZE herangezogenen griech.

und seinen Beratern schwere Vorwürfe, Autor Arrian die (Aq?ilai und die `Abasko<i als
daß sie in dieses enge und bewaldete o) moroi, d.h. "an(einander)grenzende" Nachbarn
Land gekommen waren, und er zog los bezeichnet werden (Periplus 11,3), so besagt das
über die Sprachen,
und schlug sein Lager in i i o a auf, am Ṗ ṫ ṫ
Meeresufer, in der Stadt, die man Cxumi
nennt33.
94

und Darčil, in der Festung, die man herziger Qual gequält, mit schweren
Ana o pia nennt34, denn sie waren da-
k̇ Stöcken. Darauf wurden sie wieder her-
hin geflohen aus Furcht vor den Persern. abgelassen, ihre Hände und Füße gebun-
Und sie zogen mit einem kleinen Heer den und schwere Steine an ihren Hals
(volk) aus, um gegen die Heiden zu gebunden. Die Hll. aber baten um (et-
kämpfen, und sie wurden von ihnen was) Zeit und erhoben ihre Augen nach
überwältigt, denn (diese) töteten den oben, denn sie konnten nicht zum Him-
älteren Bruder Arčil; Darčil aber begab mel hinaufschauen und auch nicht ihre
sich wieder in die Festung Ana o pia.
k̇ Knie beugen wegen des Gewichts der
Und der ungläubige Marwān "der Tau- Steine, aber mit glühendem Herzen
be" zog wieder ab und zog die Meeres- riefen sie zu Gott und sagten: "Oh Herr,
küste entlang (wtl. ‘lief ab’) und nahm (unser) Gott, Jesus Christus, Sohn und
Festungen und Städte der Meeresküste Wort Gottes des Vaters39, (ebenso) wie
ein und machte das ganze Land (an) der
Meeresküste wüst und unbegehbar, bis
er zu der von Gott geschützten Stadt die sie gesprochen haben, und damit über ihre
gelangte, die Konstantinopel heißt (wtl. Verwandtschaft mit heutigen nordkaukasischen
(abxazischen) oder südkaukasischen Stämmen
‘ist’), und er schlug sein Lager in der nicht das geringste; es kann sich ohne weiteres
Stadt auf, die man Chalkedon35 nennt, auch um zwei nahe verwandte (kartvelische oder
denn dort ist das Meer eng fließend und nicht-kartvelische) Stämme gehandelt haben. -
Angesichts der Tatsache, daß quellenkundliche
hat keine Form von Weite. Deshalb und etymologische Spekulationen im Hinblick auf
dachte sich der unvernünftige und unver- das hier in Frage stehende Gebiet in jüngster Zeit
ständige "Taube" aus, daß er das Meer in höchst bedauerlicher Weise benutzt worden
mit Stein(en) anfüllen und (so) über- sind, um kriegerische Auseinandersetzungen legi-
timieren zu helfen, scheint mir an dieser Stelle die
schreitbar machen könnte, daß er sein Feststellung angebracht, daß die Rechte heute
Heervolk zu Fuß über das Meer führen lebender Menschen durch derartige historische
und so die Stadt Konstantinopel einneh- Argumentationen weder untermauert noch beein-
trächtigt werden können.
men könnte. Aber der Gott der Wunder
machte seinen Plan zunichte, wie den 34. Vgl. K.Cx. 1, 235, 5-10; s. dazu weiter unten.
des Ahithophel36, und Gottes Zorn kam
schnell über ihn, denn er legte sich des 35. Heute Kadıköy, am kleinasischen Ufer des Bospo-
rus.
abends gesund nieder, und in der Frühe
wurde er tot aufgefunden, von allen ver- 36. Cf. 2.Kön. (2.Sam.) 17. Die georg. Namensform
haßt und in Vergessenheit geraten, und Akitobel- (≈ griech. Axitofel) entspricht derjeni-
˙
gen in der Mcxeta-Bibel.
als das seine Heere sahen, zerstreuten sie
sich und liefen flüchtend in ihr Land 37. Georg. mdinare- tba-, wtl. "fließender See".
˙
davon.
38. Die Anspielung auf die hll. Kosmas und Damian
Wir aber wollen auf unser(e) erste(n)
beruht möglicherweise auf der Ähnlichkeit des
Wort(e) zurückkommen und über jene Namenspaares (vgl. D a v it / K o s tantine). Daß
˙ ˙ ˙
Hll. sprechen, von denen unsere Rede die Hll. in Georgien verehrt wurden, geht aus
handelt. Denn wie wir sagten, wurden ihrer Erwähnung in den Lektionarien hervor (cf.
die Zusammenstellung bei G. GARITTE, Le calen-
die Hll. an den Ort gebracht, den sich drier palestino-géorgien du sinaiticus 24 [1958]
der Tyrann für sie ausgedacht hatte, an 359 f.). Auch ihre Vita existiert in georg. Version
jenem Fluß-See37, wo auch die Kirche (ed. I. IMNAIŠVILI in: Sakitxavi cigni yvel kartul
˙ ˙
enaši [1963] 52-53); sie entspricht dem "arabi-
der hll. Kosmas und Damian steht (wtl.
schen" Martyrium I bei L. DEUBNER, Kosmas und
‘ist’)38. Dem Wort des Tyrannen ent- Damian (1907) 218-220.
sprechend wurden sie entkleidet und
kopfüber aufgehängt und mit unbarm- 39. Vgl. Jo. 1,14.
95

du unsere Bitten erhört hast und uns von den Heiden gefangen genommen
würdig gemacht hast, deinen hl. Namen worden waren und die bei der ganzen
zu bezeugen, so erhöre jetzt auch unser, Folter und der Ansprache der Hll. an den
deiner Diener, Flehen und Bitten, und Tyrannen dabei gewesen waren, die
(ebenso) wie wir unsere Körper unbe- waren beim Abzug der Heiden frei ge-
fleckt und untadelig bewahrt haben in kommen und hatten sich in den Wäldern
deinem hl. Namen, ebenso bewahre (= versteckt, und sie waren in das Gewand
bestatte) unsere Leichname unbefleckbar der Araber40 gekleidet - als diese die
und unzerstörbar nach unserem Martyri- Staunen verursachenden Wunder sahen,
um. Und über alle, die in unserem Na- die Feuersäulen und das Strahlen des
men deinen hl. Namen anrufen, möge Lichts über dem See, erbebten sie und
schnell deine Barmherzigkeit kommen, wurden mutig und gingen zu den Was-
und gewähre ihnen Vergebung der sern hin und sahen die Leichname der
Schuld(en) und mache die Glieder unse- Märtyrer auf den Schultern der Wasser,
rer Körper (zu einem) Heilmittel für alle die leuchteten wie Sonnen. Da erkannten
Krankheiten und Schwächen, ganz zum sie sie und vor Freude und Trauer (zu-
Lobpreis (wtl. ‘Größe’) deines preis- gleich) erbebend schauten sie auf die
würdigen Namens." Hll.
Danach siegelten sie ihre Körper mit Da kamen zwei andere, die sich im
dem Siegel des lebenspendenden Kreu- Wald versteckt hatten, wieder heraus,
zes und sprachen: "Herr, Gott Jesus die, ebenfalls aus dem Heervolk der Hll.,
Christus, deinen Händen lassen wir von den Arabern freigekommen waren.
unsere Seelen anbefohlen sein, Amen!" Und als auch sie das Licht sahen, kamen
Darauf kam eine Stimme vom Himmel, auch sie zu dem Licht heraus, das von
die ihre Bitten (zu) erfüllen (versprach), den Lichtsäulen herüberstrahlte. Als sie
für alle hörbar, und die Schergen warfen aber ihre Gefährten im Gewande der
die Hll. in den See und liefen selbst Araber sahen, erbebten sie, denn sie
davon, von der Stimme, (die) an die hll. erkannten sie nicht, sie dachten (viel-
Märtyrer (gerichtet war), (und) die von mehr), daß sie zu den Heiden gehörten,
oben zu hören war, erschreckt. und flohen. Jene aber riefen, denn sie
Und in jener Nacht ereignete sich (wtl. hatten sie erkannt, und sprachen zu ih-
‘wurde’) ein furchterregendes und sich nen: "Fürchtet euch nicht, denn wir sind
entsetzlich anhörendes Wunder, denn keine Feinde, sondern eure Brüder, jetzt
über dem See stiegen drei stark strah- kommt und seht unsere Herren Davit
lende Säulen von Licht vom Himmel und o s a n i ne. Denn sie sind Märtyrer
K̇ ṫ ṫ
herab. Denn in der Nacht wurden Felder Christi geworden, und wir wollen euch
und Wälder, über die die Lichtsäulen alles berichten." Sie aber überwanden
hinwegstrahlten, von dem Glanz er- (wtl. ‘entfernten von sich’) die Furcht
leuchtet, und die Fesseln lösten sich von und kamen herbei, und (da) erkannten
den Händen und Füßen der Hll., und die auch sie jene, und sie fragten einander
Steine fielen ab von ihrem Hals, und der aus und erzählten sich alles, was mit den
seelenlose See lud sich, als wäre er be- Hll. in dem See geschehen war. Und sie
seelt, die Leichname der hll. Märtyrer berieten über die Leichname der Hll.,
auf die Schultern, und sie erstrahlten in was damit zu tun sei. Und siehe da die
den Wassern, wie die Lichter des Mor- Macht des menschenliebenden Gottes,
gengrauens. Dann - durch Gottes Vor-
sehung waren zwei von den Dienern der 40. Hier und im folgenden georg. agarian- ≈ griech.
hll. Märtyrer, die zusammen mit den Hll. àgarhn<o@.
96

denn aus der Feuersäule erscholl eine Davit und o s a n i ne (bis heute), unbe-
K̇ ṫ ṫ
Stimme: "Nehmt die Leichname der hll. fleckt und unversehrt und ganz (so)
Märtyrer auf euch und bringt sie fort gestaltet, wie sie es für sich selbst von
vom Wald Richtung Osten, und dort, wo Gott erbeten hatten. Und sie heilen alle
es zu tagen beginnen wird, bestattet die Leidenden, die im Glauben zu ihrer
hll. Leichname der Märtyrer, denn dort, Kirche kommen, damit sie sich Heilung
(so) ist der Befehl Gottes, daß bei dem, ihrer Seelen und ihrer Körper verschaf-
was dort gebaut ist, auch die Leichname fen.
der hll. Märtyrer bestattet (wtl. ‘aufge- Und die hll. Märtyrer erlitten ihr Mar-
baut’) werden sollen." tyrium im Jahre 6249 seit der Schöpfung
Und als sie diese an sie gerichtete (der Welt), und seit der Kreuzigung
Stimme hörten, da waren die Leichname Christi (im Jahre) 730, während der
der Hll. (noch) wie aufgebürdet inmitten Herrschaft Leo des Isauriers, des Ikono-
des Sees, aber sofort (danach) fanden sie klasten44, über die Griechen, und der
sich am Ufer des Sees, auf einer Sand- Söhne Vax a ng Gorgasalis über die Kart-

bank liegend. Da wunderten sich die veler, und während der Herrschaft unse-
Männer und priesen Gott, und sie traten res Herrn Jesus Christus über uns (alle),
mit Furcht und Scheu heran und nahmen dessen ist die Herrschaft und die Herr-
ihre hll. Leichname auf sich und bega- lichkeit45 zusammen mit dem Vater und
ben sich fort. Und als es tagte, befanden dem lebenspendenden Hl. Geist jetzt und
sie sich nach dem Willen Gottes oben von Ewigkeit zu Ewigkeit, Amen.
auf einem Felsen, an dem Ort, den man
q̇al i tel (‘Rotwasser’) nennt, denn
Ċ ċ Zunächst ist ein Wort zur Authentizität
dieser Ort war eine Festungsstadt und der Legende angebracht. Es wird all-
voller Heervolks (gewesen), aber der gemein angenommen, daß der Text in
taube Marwān hatte ihn eingenommen, der vorliegenden Form die sekundäre,
verwüstet und niedergebrannt, und (jetzt) "metaphrastische" Überarbeitung eines
war er menschenleer, und die Kirche älteren, selbst nicht erhaltenen Originals
zerstört. Aber unter der Kirche war die darstellt46 und im 12. Jhdt. entstanden
Krypta fest41 und unversehrt (geblie- ist. Ein terminus post quem für die Ent-
ben), und von den Toten war keiner stehung der vorliegenden Fassung ergibt
(mehr), der dort lag. Und darin bestatte- 41. Georg. šen-; älter šēn-.
ten sie die Körper der hll. Märtyrer. Und
sie blieben (wtl. ‘es war’) unsichtbar und 42. Bagrat IV., georg. König; s. dazu weiter unten.
˙

verborgen bis zu den Tagen des großen 43. Georg. saany̌mno, eine Weiterbildung des iran.
Herrschers Bagra 42, und (der) wurde
ṫ Lehnworts any̌aman- "Versammlung" (etwa: "zur
vom hl. Geist beseelt (wtl. ‘aufgehetzt’), Versammlung geeignet"); dasselbe Wort erscheint
z.B. auch in der Vita des Grigol von Xanzta (ed.
und er baute diesen Ort zu einem Klo- I. ABULAZE e.a. in Zveli kartuli agiograpiuli lite- ˙
ster aus, wegen der Abgeschiedenheit raturis zeglebi 1, 295, Z. 11).
˙
(wtl. ‘Einöde’) und der Friedlichkeit des

Ortes. Und er erbaute eine Märtyrerge- 44. Leo III., byzantinischer Kaiser (* 675, 741).
Georg. = griech. Leon.
denkstätte für die (beiden) hll. Märtyrer,
eine schöne Kirche, und er machte die 45. supevay da didebay; vgl. Mt. 6,13: supevay da
Leichname der hll. Märtyrer offen (und) yali da didebay "Herrschaft und Kraft und Herr-
lichkeit".
allgemein zugänglich43, und er bahrte
sie in der von ihm erbauten Kirche in 46. Vgl. dazu K. KE E LIZE, Zveli kartuli literaturis
˙ ˙ K̇ ˙ ˙
einem schönen Schrein auf, und darin istoria 1 5(1980) 538-539 oder QUBANEIŠVILI, a.O.
˙ ˙
liegen die Leichname der hll. Märtyrer 233.
97

Bagra , womit der von 1027-1072 regie-


ṫ dürfte hier eine zweifache Verwechslung
rende Bagra IV. gemeint sein dürfte;
ṫ vorliegen: Gemeint sind offenbar die
einen terminus ante quem stellt die älte- beiden Brüder Mir und Arčil, die sich -
ste Hs. dar, die den Text enthält, und die als Söhne des Königs S e panoz II. - ge-

auf das 13.-14. Jhdt. datiert wird47. mäß der georg. Chronik Kartlis Cxovre-
Zieht man nun die in der Legende ver- ba (Teiltext des Žuanšer) tatsächlich zur
arbeiteten historischen Fakten zurate, so fraglichen Zeit in der Festung Ana o pia k̇
läßt sich zeigen, daß die ihr zugrunde- aufhielten (K.Cx. 1, S. 235, Z. 4-10);
liegenden Quellen entweder selbst be- und die Söhne Vax a ngs, mit denen sie

reits nicht sehr zuverlässig gewesen sein in der Legende offenbar wegen der
können oder der Bearbeiter mit seinen Namensähnlichkeit verwechselt sind,
Quellen eher leichtfertig umgegangen hießen gemäß Kartlis Cxovreba viel-
ist. Dies betrifft zunächst den Protagoni- mehr Darčil und Mirda 49. ṫ
sten der "feindlichen" islamischen Seite.
Der Text führt ihn unter dem Namen Das sprachwissenschaftliche Interesse
Murvan Abul a sim ein, womit der
k̇ weckt der Text hingegen durch ein ganz
Umayyadenkalif Marwān I. Abu’l-Qāsim anderes Detail, für das die angeführten
gemeint sein müßte, der zwischen 684 chronologischen Probleme ohne Belang
und 685 regierte. Tatsächlich kann der sind. Es geht um die im Text ausgeführ-
beschriebene Feldzug in den Kaukasus te Deutung des Ortsnamens ˇ q̇ondidi, Ċ
jedoch nur der seines Enkels Marwān II. der ausdrücklich als megrelisch erklärt
gewesen sein, der im Jahre 737 stattfand. und durch georg. muxa didi, i.e. "große
Sollte sich hinter Murvan also durchweg Eiche" periphrasiert wird50.
Marwān II. verbergen, so bleibt offen, Dabei ist zunächst bemerkenswert, daß
wie er zu seinem Beinamen "der Taube" der Autor der Legende es überhaupt für
gekommen ist; arabischen Quellen zufol- nötig erachtet hat, den Ortsnamen zu
ge ist Marwān II. vielmehr als "der Esel" "übersetzen". Ein ähnliches Verfahren
(arab. al- i mār) bezeichnet worden48.
ḣ hat er noch an einer weiteren Stelle
Und daß Marwān nach seinem Sieges- eingeschlagen, nämlich im Falle des
zug im Kaukasus nach Konstantinopel Flußnamens Pason, der mit georg. Rioni
weitergezogen sein soll, um es zu bela- gleichgesetzt wird. Die Übersetzung
gern, ist ebenfalls in keiner Weise halt- wäre im letzteren Fall allein schon da-
bar; stattdessen dürfte hier auf die Bela- durch begründbar, daß die auf das
gerung Konstantinopels durch Maslama
ibn cAbd al-Malik, einen Vetter Mar- 47. Hs. des sog. "Neuen Fonds", Q 762; cf. Kartul
wāns II., im Jahre 717 angespielt sein, xelnacerta aġceriloba, axali (Q) kolekciisa Bd. 2
˙ ˙ ˙
auch wenn dieser nicht bei der Belage- (1958) 207.
rung ums Leben gekommen ist. Genauso 48. Vgl. zu beiden Marwāns z.B. The Encyclopaedia
ungenau verfährt die Legende aber auch of Islam, new ed., VI (1991) 621-625.
mit einheimischen historischen Perso-
49. S. z.B. K.Cx. 1 205, Z. 12-19. Darčil ist lt. K.Cx.
nen. Wenn sie im Zusammenhang mit
1 178, Z. 14 der "persische" Name, die
Marwāns Feldzug von "den beiden Söh- "georgische" Namensform lautete Dači.
nen Vax a ng Gorgasalis, Arčil und Dar-

čil" spricht, die in der Festung Anakopia 50. So in den ältesten Hss., die die Legende enthalten
(A = Q 762, C = A 518 u.a.); die Hs. B = A 170
gesessen hätten, so ist das als ein beson- hat anstelle von muxa "Eiche" cq̇or-i
ˇ "Stecheiche"
˙
ders krasser Anachronismus zu werten; (s. dazu weiter unten). In den Hss. D = A 130, E
denn diese müßten rund zwei Jahrhun- = H 2077, F = H 2121 und K = A 176 fehlt gera-
de muxa bzw. ein entsprechendes Wort.
derte früher gelebt haben. Stattdessen
98

griechische Fasi@,
? Akk. Fasin
? zurück- Legende in der vorliegenden Form letzt-
gehende Namensform Pason im georgi- lich auf eine autochthone Quelle zurück-
schen Sprachgebrauch unbekannt gewe- geht, die selbst nicht in georgisch gehal-
sen sein dürfte. Gleichzeitig erhebt sich ten war, sondern in megrelisch als der
allerdings die Frage, warum und wie der ehemaligen Kirchensprache Westgeor-
griech. Name überhaupt in den Text giens (zu denken wäre natürlich weniger
gelangt sein kann. Die einfachste Er- an ein schriftliches megrel. Original als
klärung wäre die Annahme eines griech. an eine mündliche Überlieferung, wofür
Originals, wofür auch die Verwendung nicht zuletzt auch die oben behandelten
der unmittelbar das griech. Pituo?unta Anachronismen sprechen würden). Daß
reflektierenden Namensform i i o a für
Ṗ ṫ ṫ dabei gerade für den Ortsnamen ˇ q̇on- Ċ
eine Festung an der abxaz. Schwarz- didi die megrel. Etymologie enthüllt
meerküste sprechen würde51. Für ˇ q̇on- Ċ wurde, wäre dann kaum zufällig; denn
didi kann die gleiche Erklärung jedoch ˇ q̇ondidi dürfte mit Sicherheit das Zen-

nicht geltend gemacht werden, da dieser trum der ehemaligen westgeorg. ("kol-
Ort auch in der innergeorg. Tradition nie chischen") Kirche gewesen sein, und
einen anderen Namen besessen haben zwar als Bischofssitz. Das zeigt sich
dürfte; und daß seine Kenntnis beim nicht zuletzt daran, daß noch heute die
georg. Leser der Legende ja auch vom megrel. Benennung des christlichen Bi-
Autor selbst vorausgesetzt wurde, zeigt schofs ˇ q̇ondari lautet, was entsprechend

sich daran, daß er ihn ohne weiteres zur georg. ˇ q̇ondid-eli53 als "der in ˇ q̇ondi-
ċ Ċ
Lokalisierung eines anderen Ortsnamens di, sc. sitzende" aufzulösen ist54; in der
"in seiner Nähe", nämlich Žixankuži, Form a-ˇ q̇° ndar ist dieselbe ċ e
heranzog. Die megrel. Namensdeutung
ist an der gegebenen Stelle also kaum
als erforderlich zu erweisen. 51. Der griech. Name ist als Akk. zu pituo?u@ "fich-
Nun gibt es im Text natürlich auch tenreich" aufzufassen; die ältesten Belege des
Ortsnamens finden sich in der "Geographia" Stra-
noch weitere Namensdeutungen, die der bos (Akk. Pituo?unta 11,2,14,11 und 21) und in
Autor sogar geschickter in seiner Le- den "Bella" Prokops von Caesarea (Akk. Piti-
gende untergebracht hat, nämlich die der o?unta 8,4,4,2 und Gen. Pitio?unto@ 2,29,18,4).
Daß die griech. Namensform gegenüber georg.
Flüsse Cxenis- q̇ali und Abašay. Abge-
ċ biˇ v in a die ursprüngliche darstellt, kann ange-
ċ ṫ
sehen davon, daß es sich in beiden Fäl- sichts der historischen Gegebenheiten keinem
len um typische Volksetymologien han- ernsthaften Zweifel unterliegen.
delt und daß derartige Deutungen in der
52. Was ist in diesem Zusammenhang davon zu hal-
altgeorg. Literatur auch sonst verbreitet ten, daß die Christianisierung des Gebiets in der
sind, scheint hierin einfach der Wunsch Legende ausdrücklich dem hl. Andreas v o r der
des Autors zum Ausdruck zu kommen, hl. Nino zugeschrieben wird?
sich als gebildet zu erweisen. 53. Vom eṗiskoṗos-i cq̇ondidel-i
ˇ ist z.B. in der Vita
˙ ˙
Dennoch bleibt zu bedenken, daß es sich des Hagioriten Giorgi die Rede (in: Zveli kartuli
bei allen "übersetzten" oder "gedeuteten" agiograpiuli literaturis zeglebi 2 [1967] 160-161;
˙ ˙
ˇ
ebenda wird auch ein Iovane von Cq̇ondidi (Iova-
˙
Namen um solche aus dem megrelischen
ne cq̇ondidel-i)
ˇ ˙ erwähnt (103, Z. 12 und 201, Z.
Sprachgebiet Westgeorgiens handelt, 19-20).
einem Gebiet also, wo sich die georg.
Schriftsprache erst rel. spät durchsetzen 54. ← cq̇ondidari;
ˇ ˙ cf. dazu bereits I. KIPŠIDZE (QIPŠI- ˙
ZE), Grammatika mingrel’skago (iverskago) jazyka
konnte; im Hintergrund könnten hier s" xrestomatieju i slovarem" (1914) 395 s.v. cq̇o-
ˇ ˙
also generelle Georgianisierungs- ni.
52
bestrebungen stehen . Möglicherweise
ist aber auch davon auszugehen, daß die
99

Ableitung weiter auch ins Abxazische nachgestelltem Adjektiv wäre für das
gedrungen55. heutige Megrelische ebenso wie das
Ist denn nun die im Text ausgespro- heutige Georgische nicht typisch - so
chene Etymologie des Ortsnamens rich- könnte man von der Rückbildung eines
tig? Diese Frage ist mit Sicherheit zu lokalen (dativischen) *ˇ q̇ons dids ausge- ċ
bejahen. Es dürfte sich tatsächlich um hen, deren Inlaut zu ˇ q̇ondid- vereinfacht

eine Zusammenrückung des megrel. worden wäre. Auffällig bleibt aber, daß
Wortes für die "Eiche", ˇ q̇oni, mit dem
ċ auch zahlreiche andere megrel. Orts-
Adjektiv didi "groß" handeln, das mit namen, die als Komposita aufzufassen
seinem georg. Pendant gleichlautet. sind, an der Kompositionsfuge unerwar-
Bemerkenswert ist dabei, daß in einer tete Lautungen aufweisen; das gilt z.B.
der Hss., die die Legende enthalten (die für das in unserem Text gleich neben
Hs. B = A 170), mit georg. ˇ q̇or-i "Ste-
ċ ˇ q̇ondidi erscheinende Y̌ixankuy̌i, das

cheiche" - anstelle von sonstigem muxa im Vorderglied offenbar das Wort y̌ixa
"Eiche" - auch für das Vorderglied die "Festung" enthält58, oder den Ortsna-
mit dem megrel. Wort verwandte georg. men Caleny̌ixe, das dasselbe Wort im
Entsprechung gewählt ist; da die Hs. Hinterglied aufweist: In beiden Fällen ist
aber vergleichsweise rezent ist (AD das -n- erklärungsbedürftig.
1733), kommt dieser Tatsache keine Festzuhalten bleibt, daß uns die Legen-
größere Bedeutung zu56. Das genaue de der hll. Davit und o s a n i ne mit derK̇ ṫ ṫ
lautliche Verhältnis zwischen megrel. megrel. Deutung des Ortsnamens ˇ q̇on- Ċ
ˇ q̇oni und georg. ˇ q̇or-i bleibt übrigens
ċ ċ didi mit Sicherheit einen der ältesten
unklar (als "normale" Entsprechung Belege für megrel. Wortmaterial über-
eines georg. zwischenvokalischen -r- haupt liefert.
wäre im Megrel. -r- wie in žiri "zwei" ≈
georg. or-i < *yor-i oder aber -y̌- wie in
ṗiy̌i ≈ georg. ṗir-i "Gesicht, Mund" oder 55. Vgl. dazu bereits N. Marr, Abxazsko-russkij slo-
sogar -ny̌- wie in ˇ a ny̌i ≈ georg. m e r-i
ċ ċ var’ (1926) 159 mit dem Eintrag a- k̇ondàr. ṫ
"Insekt" zu erwarten57). 56. cq̇or-i
ˇ ˙ wird im Wörterbuch Sulxan-Saba ORBELIA-
Eine letzte Bemerkung ist zu dem Bil- NIs durch baygar-i "Stechpalme" glossiert, nicht
dungstyp des Ortsnamens angebracht, durch muxa; es scheint sich also um eine andere
Eichenart zu handeln.
der oben einfach als "Zusammenrük-
kung" bezeichnet wurde. Es fällt auf, 57. Vgl. K.H. SCHMIDT, Studien zur Rekonstruktion
daß das Vorderglied dabei keine eigene des Lautstandes der südkaukasischen Grundspra-
Nominativendung hat, wie sie das Wort che (1962) 77.
ˇ q̇oni als Simplex zeigt. Will man hier
ċ 58. Vgl. I. KIPŠIDZE, a.O. 415.
kein gruppenflexivisches Muster anneh-
men - der Zusammenrückungstyp mit

Digital unterschrieben von Jost Gippert

Jost Gippert
DN: cn=Jost Gippert, o=Universität Frankfurt,
ou=Vergleichende Sprachwissenschaft,
email=gippert@em.uni-frankfurt.de, c=DE
Datum: 2011.12.28 15:33:47 +01'00'