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Die Frühzeit Österreichs

Im mittleren Paläolithikum, etwa zwischen 100 000 und 80 000, wurden in Österreich in
hochgelegenen Höhlen der Kalkalpen Jagdstationen des Steinzeitmenschen errichtet. Sie
dienten als Zufluchtsstätten, Unterkünfte, Vorratslager und als Ausgangspunkte für die Jagd.
Die bedeutendsten sind die Drachenhöhle bei Mixnitz, die Repolusthöhle und Badelhöhle bei
Peggau sowie die Salzofenhöhle bei Bad Aussee; sie liegen alle in der Steiermark. Sehr
wahrscheinlich diente auch die Bärenhöhle bei Winden im Burgenland dem gleichen Zweck.
In der vierten und letzten Kaltzeit, der Würmeiszeit, bewirkte die
Klimaverschlechterung eine weitgehende Umgestaltung der Pflanzen- und der Tierwelt; der
Bergwald verkümmerte, in den Ebenen wuchsen Gräser, Moose und Flechten. Da die Alpen
bis ins Vorland vergletschert waren, könnten nur die Randzonen besiedelt werden. Der
Mensch mußte sich den ungünstigeren Lebensbedingungen anpassen.
Am Ende der Würmeiszeit vollzog sich der Übergang zu einem spezialisierten
Jägertum. Der Homo sapiens jagte Mammut, Steinbock, Ren, Edelhirsch, Wildpferd,
Schneehase und Schneehuhn. Seine Fellkleidung war mit Muschel- und Bernsteinschmuck
versehen. Als Werkstoff verwendeten die Bewohner des jüngeren Paläolithikums Feuersteine
und Knochen. In sogenannten „Steinschlägerateliers" stellten sie Blattspitzen, Klingen,
Schaber, Stichel, Bohrer und Pfeilspitzen in Massen her. Der Jungpaläolithiker siedelte im
außeralpinen Raum, wobei er vor allem die Lößgegenden in Donautal, Kamptal und im
Weinviertel bevorzugte Die bedeutendsten Funde wurden in Willendorf (,,Venus von
Willendorf") und in der Gudenushöhle gemacht.
Mit dem Abschmelzen der Gletscher im Postglazia (nach 10000) und einer
Klimaverbesserung begann eine bedeutende Änderung der menschlichen Lebensweise Da die
eiszeitlichen Großsäuger in der nun folgender Warmzeit ausstarben, wurde die Fauna
artenärmer. Der Wald drang in die Gebirge vor; die Waldgrenze lag in dieser Zeit in den
Alpen sogar höher als heute. Der Mensch des Postglazials mußte sich auf die Kleintierjagd
und den Fischfang umstellen. Waffen und Werkzeuge wurden kleiner; als neues Gerät trat das
Kernbeil auf.
Der Mensch griff in der Mittelsteinzeit erstmals gestaltend in die Landschaft ein und
begann die Naturlandschaft in eine Kulturlandschaft umzuwandeln. Er wurde seßhaft und
führte die Vorratswirtschaft ein. Die wichtigsten festen Siedlungen fand man in Limberg,
Horn-Galgenberg und in Kamegg sowie in der Zigeunerhöhle bei Gratkorn.
In der Jungsteinzeit, im Neolithikum, begann der Mensch zur produzierenden
Wirtschaftsform überzugehen. Er betrieb Ackerbau auf Weizen, Gerste, Roggen, Hirse,
Erbsen und Linsen. Zunächst verwendete er noch den Grabstock; später erfand er den
Hakenpflug. Der Jungsteinzeitmensch erntete Äpfel und Birnen und zähmte Hund, Schwein,
Rind, Ziege und Schaf. Erst gegen Ende der Jungsteinzeit trat auch das Pferd als Haustier auf.
Der jungsteinzeitliche Österreicher errichtete Pfahlbauten und hauste nur noch selten
in Wohngruben. In den Pfahlbausiedlungen an den Alpenseen verwendete er den Einbaum als
Verkehrsmittel. Er bearbeitete Serpentin und den Feuerstein zu Steinkeilen, Äxten, Hacken
und Keulen. Ton benötigte er für die Herstellung von Vorratsgefäßen. Durch die Kenntnis des
Knüpfens, Spinnens und Webens fertigte er bessere Kleidung an.
In Österreich traten in der Jungsteinzeit etwa nach 4000 zwei keramische
Grundformen auf. Die Linearkeramische Kultur hatte ritzverzierte Gefäße mit Spiralen und
Mäandermustern. Sie war vor allem in Niederösterreich und im nördlichen Burgenland
vertreten. Die bemalte Bandkeramik-Kultur, besonders im Südburgenland, in der Süd- und
Oststeiermark und im Klagenfurter Becken vorherrschend, wird nach ihrem Hauptfundgebiet
in Ungarn auch Lengyelkultur genannt. Die Gefäße wurden häufig mit
Fruchtbarkeitssymbolen bemalt.

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Die Klimaverbesserung führte zur Errichtung größerer Siedlungen, zumeist an
Flußläufen, und zu einer stärkeren beruflichen Aufgliederung der Bevölkerung.
Die Wanderungen indoeuropäischer Stämme um 2300 brachten Unruhe in die
jungsteinzeitlichen Bauernkulturen Mitteleuropas. Durch diese erste indogermanische
Wanderung verschmolz die Donauländische Kultur mit der Nordischen und der
Westeuropäischen. Erstmals gelangte Kupfer als neuer Werkstoff nach Österreich. Etwas
später drang von Spanien her die Glockenbecherkultur auch nach Österreich. Die
kurzköpfigen, rundschädeligen Träger dieses Kulturkreises erzeugten glockenförmige Gefäße
mit feiner Stempelverzierung.
Zu Beginn der Metallzeit, um 2000, querten die in Nord-Süd-Richtung verlaufenden
Fernhandelsstraßen und der west-östlich gerichtete Donauweg den Alpenraum. Auf der
Grundlage der jungsteinzeitlichen Glockenbecherkultur entstand nach einer kurzen
Übergangszeit, in der nur reines Kupfer verwendet wurde, eine Kultur, die auf der Herstellung
von Bronze basierte. Als man in der nördlichen Grauwackenzone, vor allem in Tirol und in
Salzburg, Kupfererze in größerem Umfang abzubauen begann, setzte sich die Bronze rasch
gegen den Stein durch. Waffen, Geräte und Schmuckgegenstände wurden aus der neuen
Legierung erzeugt. Die gewerbliche Verarbeitung des Rohstoffes erforderte besondere
Fachkenntnisse, so entstanden die neuen Berufe der Gießer und Schmiede. Neben der Bronze
war der Bernstein das wichtigste Handelsgut des 2. Jahrtausends.
Allmählich verwendete man auch Metallbarren als Zahlungsmittel. Die keramischen
Gefäße waren damals nur wenig verziert, dagegen war die künstlerische Bearbeitung der
Metallgegenstände üblich.
Seit 1800 wurden auch die inneralpinen Gebiete immer mehr erschlossen. Die
Siedlungen rückten in größere Höhen. Die Lößgebiete im nördlichen Weinviertel waren
damals bereits dicht bewohnt. Der Mensch trennte den Wohnraum vom Stall und von der
Vorratskammer; an Stelle der Grubenwohnungen entstanden Wohnhäuser. Die
Metallverarbeitung war gut entwickelt. Die Toten wurden weiterhin in Hockerstellung in
flachen Gräbern bestattet; vereinzelt kamen Holzsärge vor.
Infolge der räumlichen Abgeschlossenheit der inneralpinen Täler blieben dort die
Formen der späten Jungsteinzeit noch viel länger erhalten als im übrigen Österreich. In
Landeck, Kufstein, Zell am See und im Klagenfurter Becken fand man die Spuren solcher
Siedlungen aus dieser Zeit mit stark jungsteinzeitlichem Charakter.
In der mittleren Bronzezeit erfolgte der Übergang von Flachgräbern zu Hügelgräbern,
vereinzelt auch zu Brandbestattung. Dolche, Schwerter, Ringe, Nadeln und Gürtel waren die
typischen Grabbeigaben der Wohlhabenderen. Um 1200 drang aus dem östlichen Teil
Mitteleuropas, aus Sachsen und Schlesien, die Lausitzer Kultur nach Österreich vor. Sie
vermischte sich mit der ansässigen zur Urnenfelder-Kultur, welche die Kultur der
Hügelgräber ablöste. Die Brandbestattung erfolgte auf riesigen Friedhöfen (= „Urnenfelder");
es wurden dabei tönerne Urnen verwendet.
Gegen Ende der Urnenfelderkultur war der größte Teil Österreichs besiedelt.
Zwischen 1000 und 800 wurde in geringem Umfang importiertes Eisen verarbeitet. Die
Menschen stellten daraus Waffen und Werkzeuge her.
Bald war Eisen der wichtigste Werkstoff überhaupt. Bronze wurde nur noch für die
Erzeugung von Schmuckgegenständen verwendet.
In der Älteren Eisenzeit, die man nach ihrem wichtigsten Fundort auch Hallstattzeit
nannte, wurde außer Eisen auch Salz gewonnen. Um das Jahr 1000 setzte die zweite
indogermanische Wanderung ein. Die Träger der Hallstattkultur waren die indoeuropäischen
Illyrer. Die Menschen wohnten in Blockhäusern, trugen wollene Kleidung sowie reichen mit
Elfenbein und Gold verzierten Schmuck und besaßen viele verschiedene keramische Geräte.
Allgemein wurde das Salz als Zahlungsmittel verwendet.
Der vielfältige Handel erstreckte sich auf Bernstein, Glas, Eisen, Gold, Fellkörbe,

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Fackeln, Leuchtspäne, Schaufeln und Pickel, Schalen und Fibeln, Harnische, Helme etc.
In der Jüngeren Eisenzeit, der La-Tene-Zeit ab 400, drangen keltische Stämme aus
dem Westen in den Donauraum vor und unterwarfen die ansässigen Illyrer. Im 2.
vorchristlichen Jahrhundert entstand durch Zusammenschluß mehrerer keltischer Stämme das
erste selbständige Staatsgebilde auf österreichischem Boden, in dem die Kelten die
Oberschicht, die Illyrer die Grundschicht bildeten. In vielen Gegenden Österreichs sind heute
noch illyrische und keltische Berg-, Fluß- und Ortsnamen deutlich zu erkennen. Das
"Norische Eisen" war eine begehrte Handelsware in Italien. Dagegen zeigten heimische
Erzeugnisse deutlich den Einfluß griechischer, etruskischer und römischer Handelsgüter.
Der führende Stamm wurden die Noriker, die das Königreich Norikum in den
Ostalpen errichteten; es umfaßte die Bundesländer Salzburg, Steiermark, Kärnten sowie
Nieder- und Oberösterreich südlich der Donau. Zentren waren Noreia, Teurnia, der
Magdalensberg und Hallein-Dürrnberg sowie der Leopoldsberg bei Wien und der Braunsberg
bei Hainburg. Seit dem 2. Jahrhundert v. Chr. drangen immer wieder Kelten aus dem alpinen
Raum gegen die Adria vor und kamen dadurch mit den Römern in Berührung.

Zeittafel
bis ca. 8000: Altsteinzeit: Gudenushöhle, Drachenhöhle, Venus von Willendorf
8000-4000: Mittelsteinzeit: Galgenberg bei Horn, Zigeunerhöhle bei Gratkorn
4000-2000: Jungsteinzeit: Seßhaftwerdung, bäuerliche Lebensweise,
Glockenbecherkultur
2000-1000: Bronzezeit: Lausitzer Kultur, Urnenfelderkultur, Bergbau, „Große
Wanderung" der Illyrer
1000-400: Ältere Eisenzeit (Hallstattperiode): Eisen- und Salzgewinnung, reiche
Grabbeigaben
400-0: Jüngere Eisenzeit (La-Tene-Periode): Magdalensberg, Braunsberg,
Leopoldsberg, Königreich Norikum; Erfindung der Töpferscheibe

(Aus: Altertum. Ein approbiertes Arbeits- und Lehrbuch für Geschichte und Sozialkunde von Herbert Hasenmayer und Walter
Göhring, unter wiss. Bearbeitung von Gerhard Dobesch, Wien Verlag Ferdinand Hirt)