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Das Erbe ohne Zweifel zu einem Elite-Orchester geformt.

scher, aber wohl nur selten so feierlich gehört

des Sergiu Traumhaft ist das Zusammenspiel der Musiker.


Wie sehr Celibidache das am Herzen lag, verrät
der Probenmitschnitt: „Hören, hören", ruft er
hat. Nicht umsonst werden in den Bruckner-
Rezensionen immer wieder Begriffe wie „Ersatz-
Kirche" oder „Bruckner-Gott" benutzt. Vielmehr
da an einer Stelle der zweiten Geige zu. Und verleihen die langsamen Tempi den Sinfonien

Celibidache immer wieder fordert er die Musiker auf, über


den Horizont der eigenen Stimme das ganze
Werk ins Auge zu fassen.
häufig eine feierliche und majestätische Aus-
strahlung, die man ähnlich aus der Sakral-Musik
kennt. Wo Wand das Drama sucht, geht Celi-
Ein Ergebnis dieses gegenseitigen Hörens ist bidache meditieren. Beide Wege sind legitim.
Eine CD ist eine CD, ist eine CD - und sicherlich die mustergültige Transparenz, die Und Bruckners Sinfonien, darin liegt viel-
kein Konzert. Man kann sich diesen Satz Celibidaches Interpretationen auszeichnet. Da leicht die Geistesverwandschaft zwischen Bruck-
nicht oft genug vergegenwärtigen, wenn wirkt selbst ein Fortissimo nicht breiig, sondern ner und Celibidache begründet, bieten auch den
durchhörbar. Celibidache verleiht jeder Stimme zweiten Weg an. Wenn Mahler der Komponist
man sich mit der zwölf CDs umfassenden dabei ihr je eigenes, dem funktionalen Zusam- der Brüche ist, oder zumindest immer stärker
Bruckner-Box von EMI Classics auseinan- menhang der Komposition entsprechendes Ge- dazu wurde, so kann man Bruckner als den
dersetzt. Denn nur so vermeidet man wicht. Als Beispiel sei nur der Beginn des Finales Meister des Verhältnisses von Spannung und
der Vierten erwähnt: Cel- . . .. Entspannung bezeich-
den Fehler, sich dem musikalischen Erbe
li und Kontrabässe geben » f* O I C M f f nen. Endlose Span-
des Sergiu Celibidache unter völlig mit ihren ständig wieder- nungsbögen, Crescendi,
falschen Voraussetzungen zu nähern. holten Vierteln auf dem die zu triumphalen

Ton B bis zum Takt 34 nicht nur das harmoni- Blechbläser-Fanfaren führen oder ins Nichts
sche Gerüst, sondern auch den Bewegungs- einer Pause fallen, Motive, die wie ein Stein über

E
inige Wochen ist die Box nun veröffent- Gefühle, an spannende Momente zwischen Still- alten, gebrechlichen Mann vor sich?" Aber
impuls vor. Erste Violinen und Bratschen tre- den anderen geschichtet werden — all das prägt
licht. Und natürlich gab es das erwartete stand und letztem Glück. Doch es bleibt bei den indem er darüber reflektiert, schützt er sich
molieren, die zweiten Violinen füllen in einer Bruckners Sinfonien. Und Celibidache ist der
Rauschen im Blätterwald der Tages- und Erinnerungen. Denn Celibidaches Bruckner gegen „solch sentimentale Anwandlungen". Er
Achtelbewegung das Intervall zwischen Des und rechte Baumeister, um dieses ständige Wachsen
Wochenzeitungen. Celi und Bruckner - das galt wirkt trotz aller grandios gelungener Momente geht wirklich auf die Qualität der Aufnahmen
B aus. Darüber intonieren Klarinetten und Hör- und Vergehen - besonders schön in der achten
bereits zu Lebzeiten des Dirigenten als gute nicht lebendig. Schon allein, weil sich das eigene ein. Außerdem prägt Goertz die kluge Formu-
ner ihre düster abwärtsweisenden Dreiton- und neunten Sinfonie zu erleben — mit den
Kombination. Der Generalmusikdirektor der Wohnzimmer nicht in eine Ersatzkirche ver- lierung von der „Realität ohne Erinnerung".
motive. Während beispielsweise bei Riccardo Münchner Philharmonikern darzustellen.
Stadt München fühlte sich der Musik Bruckners wandelt". Brembeck kommt zu dem Schluß, Und er beschreibt damit ausgezeichnet die Re-
Muti mit den Berliner Philharmonikern (EMI) Für mich ist diese Edition das musikalische
besonders verbunden. Und immer wieder war daß Celi wohl geahnt habe, daß sich sein Bruck- zeptionsweise, mit der viele tausend Menschen
die Bässe zu leise klingen und somit der Impuls Erbe des Sergiu Celibidache. Was wissen wir
nach Konzerten mit den Münchner Philharmo- ner nicht auf Platte einfangen lassen könnte. weltweit diesen CDs gegenübertreten werden -
fehlt, kommen bei Eugen Jochum — ebenfalls heute noch von Dirigenten wie Hans von
nikern von seinem kongenialen Verständnis zu Und er habe mit dieser Ahnung Recht gehabt. nämlich all die, die den Maestro nicht leibhaftig
mit den Berlinern (DG) - die Bläser zu kurz. Bei Bülow, Felix Mottl oder Hans Richter? Ihre
lesen. So war es auch kein Wunder, daß bei- Manuel Brug geht in der „Welt" mit der Box erlebt haben. Für sie gilt ganz besonders: Eine
Celibidache hingegen ist alles präsent. Leistungen kennen wir nur aus Geschichts-
spielsweise Hans Zenders vielbeachteter Nach- nicht ganz so hart ins Gericht. Aber auch er stellt CD ist eine CD.
ruf in der „Zeit" sich fast ausschließlich mit Doch die Präsenz der Einzelteile sagt natür- büchern. Die Celibidache-Edition wird die
fest, daß sich die Vergeistigung, die Unmittel- Kommen wir also zum Wesentlichen: Was
Celibidaches Art beschäftigte, Bruckner zu diri- lich noch nicht viel über das Ganze aus. So Kunst dieses Maestros noch dann erlebbar wer-
barkeit des realen Er-Lebens nicht einstellen. findet sich nun auf diesen zwölf CDs? Erst ein-
gieren. bestimmt etwa das Tempo ebenso die Wirkung den lassen, wenn seine Freunde, Schüler und
Zitat Brug: „Auch ein Bruckner-Gott kocht aus mal die Sinfonien Nr. 3 bis Nr. 9 von Anton
des Satzes wie das Verhältnis der Stimmen zuein- Zeitgenossen längst Geschichte sind. „Es ist eine
Bruckner und Celi erhielten jetzt also die der Konserve nur mit Wässer." Markus Thiel Bruckner, jeweils in der letzten Fassung.
ander. Und Celibidache braucht in diesem Fall besondere Freude, Sie zu dirigieren", sagte Celi-
Aufmerksamkeit der Tagespresse, die sich die schließlich urteilt im „Münchener Merkur": Celibidache war offensichtlich nicht darauf ver-
fast acht Minuten länger als Jochum — und bidache am Ende der Probe zu Bruckners
Plattenfirma wohl erhofft hatte. Und insofern „Der Maestro hatte schon recht. Aufnahmen sessen, einen vollständigen Zyklus vorzulegen.
immerhin noch fast sechs Minuten länger als Neunter im September 1995. Und es ist eben-
kann man es schon als ungemein geschickten können nur eine Ahnung von der Spannung des So hat er die ersten beiden Sinfonien während
Wand in seiner neuesten Einspielung für RCA. falls eine besondere Freude, das Ergebnis dieser
Schachzug der verantwortlichen Marketing- live-haftigen Celi vermitteln." Immerhin gesteht seiner Münchener Zeit nie dirigiert. Als Aus-
Die Tempi — und die daraus resultierenden Arbeit sich heute noch anhören zu können.
abteilung bezeichnen, „Celis spätes CD-Debüt" er den CDs zu: „Aber gleich für den unvoll-
- wie FONO FORUM im Dezember letzten auch diese ,Unvollkom- >; C i U S ständigen Sinfonie-Zy- Längen — sind dabei ohne Zweifel vordergründig Ein kleines Wort zum Schluß: Unter den
Jahres schrieb — zuerst mit Aufnahmen von menheit' entwaffnet." J u klus hält EMI allerdings das Auffälligste an Celibidaches Interpretatio- Danksagungen von Serge Celebidachi, die in
Werken Wagners, Beethovens, Haydns, Schu- nen. So braucht er für die Vierte insgesamt rund jedem CD-Booklet der Edition abgedruckt sind,
Ist es jedoch überhaupt *""' drei Zugaben bereit:
manns, Tschaikowskys u.a. betrieben zu haben. 15 Minuten länger als Jochum. Auch Michael finden sich neben Marcus Herzog, der die Auf-
legitim, die CDs mit den Konzerten zu verglei- Bruckners Messe Nr. 3 in f-Moll, das „Te
Celis Bruckner — das konnte man absehen — Gielen (man vergleiche nur die Tempi der nahmen technisch bearbeitete, und Bettina
chen? Gerade angesichts der Äußerungen Celi- Deum" sowie erhellende Auszüge aus den Pro-
erhält die Aufmerksamkeit von Presse und Siebten), natürlich Günter Wand und der zu Huchtemann, die für das Cover-Design verant-
bidaches? Mir scheint das äußerst fragwürdig. ben zu Bruckners Neunter. Die Aufnahmen
Publikum auch ohne dem Umstand, daß es sich wenig gewürdigte Lovro von Matacic - um nur wortlich war, auch die frühere EMI-Produktion-
Denn es bleibt festzuhalten: Celibidache hat die- stammen aus den Jahren 1982 bis 1995, decken
um das CD-Debüt eines Mannes handelt, der einige große Bruckner-Dirigenten zu nennen — Managerin Christine Schweitzer und der frühe-
se CDs nicht verhindert, er hat sie aber auch also einen großen Zeitraum von Celibidaches
zu Leibzeiten Schallplatten als „tönende bevorzugen wesentlich schnellere Tempi. re Chef von EMI Classics Deutschland Stefan
nicht ausdrücklich gewollt, geschweige denn Münchner Wirken ab. Zusammengestellt hat sie
Pfannkuchen" beschimpft hatte. „Tempo ist nicht eine Realität an sich, son- Piendl namentlich genannt. Ohne die beiden
produziert. Und hat je irgendjemand das Ab- - wie auch schon die erste Celibidache-Edition
dern eine Bedingung. Ist da eine enorme letzteren hätte es diese verdienstvolle Edition so
Daß Celibidache ein unglaubliches Charisma schlußkonzert des Schleswig-Holstein-Musik- - Marcus Herzog. Bei Bruckner hatte er teilwei-
Vielfalt, die zusammenwirkt, so brauche ich nie gegeben. Beide haben im Zuge der
besaß, das läßt sich jetzt noch erspüren, wenn Festivals von 1987 - Günter Wand dirigierte se die Qual der Wahl, konnte aus verschiedenen
mehr Zeit, um damit etwas musikalisch an- Umstrukturierungen der EMI im Frühjahr die-
man die Kritiken jener - zumeist Münchener - Bruckners Achte - mit der daraus resultierenden Aufnahmen die nach seiner Meinung künstle-
fangen zu können", meinte der Außenseiter sen Jahres die Firma verlassen. Ihre Nachfolger
Herren liest, die ihn selbst am Pult erlebt haben. EMI-CD verglichen? Daß ein Konzert und eine risch wertvollste Aussuchen. Und er hat dabei
(zitiert nach Wolfgang Schreiber: Andere Wege müssen sich an dieser Edition messen lassen.
Man merkt aber auch, daß sich die Autoren CD nicht miteinander zu vergleichen sind, ist ein gutes Händchen gehabt.
nicht davon frei machen können, die CDs mit eigentlich eine Selbstverständlichkeit - selbst zur Musik). Und man muß feststellen, daß bei rregor Willmes
Viel gelobt wurden in allen bereits erschiene-
wenn die Biographie eines Dirigenten diesen Celi, dem Phänomenologen, Länge nie in
den Konzerten zu vergleichen. Am stärksten nen Rezensionen die Münchner Philharmoniker.
Vergleich so anbietet wie im Falle Celibidaches. Langeweile umschlägt. Stets ist es erfüllte Zeit, Bruckner, Sinfonien Nr. 3 bis 9, Te Deum,
wird das bei Reinhard J. Brembeck deutlich, der Und dem kann man sich nur anschließen. Die
und manches — zumeist in den Ecksätzen — hört Messe Nr. 3; Margaret Price (Sopran) u.a.,
in der „Süddeutschen Zeitung" schreibt: „Na- Eine tiefergehende Rezension zu den Celi- wunderbar homogene Streichergruppe, das
man regelrecht neu: etwa den Beginn der Philharmonischer Chor München, Mitglieder
türlich spielen die Philharmoniker gut, fabelhaft bidache-Aufnahmen hat Wolfram Goertz in der selbst im Fortissimo noch weiche, nie lärmende
Dritten, wo die Terassen-Motive der Streicher des Münchener Bach-Chores, Münchner
und im gleichen Atem mit Celibidache. Erinne- „Zeit" veröffentlicht. Auch er fragt sich: „Sieht Blech, die weit klingenden Holzbläser - Sergiu
eine ganz andere Dimension erhalten. Oder das Philharmoniker, Sergiu Celibidache
rungen an Sternstunden werden wach, an große man beim Hören nicht immer wieder diesen Celibidache hat die Münchner Philharmoniker EMI 12 CD 5 56688
»Te Deum", das man sicherlich schon dramati-

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