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Aserbaidschan

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Für die historische Region Aserbaidschan im äußeren
Nordwesten des Iran siehe Aserbaidschan (Iran).

Azərbaycan Respublikası

Republik Aserbaidschan

Flagge Emblem

Amtssprache Aserbaidschanisch

Hauptstadt Baku

Staatsform Republik

Regierungssystem Präsidialsystem

Staatsoberhaupt Präsident İlham Əliyev

Regierungschef Premierminister Əli Əsədov

Fläche 86.600 km²

Einwohnerzahl 10.357.175 (2019)[1]

Bevölkerungsdichte 119,6 Einwohner pro km²

Bevölkerungsentwicklung  ▲ +1,3 % pro Jahr

Bruttoinlandsprodukt 2016[2]

 Total (nominal)  37,5


 Total (KKP)
 BIP/Einw. Milliarden
(nominal) $ (92.)
 BIP/Einw. (KKP)  165,5
Milliarden
$ (72.)
 3.956 $ (110.)
 17.439 $ (74.)
Index der menschlichen  ▲ 0,759 (78.) (2016)[3]
Entwicklung
Währung 1 Aserbaidschan-Manat (AZ
N) = 100 Qəpik/Qäpik

Unabhängigkeit 28. Mai 1918 (Deklaration)


18. Oktober 1991
(Wiedererlangung)

Nationalhymne Azərbaycan Marşı

0:00

Nationalfeiertag 28. Mai

Zeitzone UTC+4

Kfz-Kennzeichen AZ

ISO 3166 AZ, AZE, 031

Internet-TLD .az

Telefonvorwahl +994
Baku

Gəncə

Sumqayıt

Mingəçevir

Şirvan

Şəki

Naxçıvan

Cəlilabad
Bərdə

Bazardüzü
RUSSLAND
IRAN
ARMENIEN
GEORGIEN
Nachitschewan
Kaspisches Meer
Mingəçevir-Stausee

Aserbaidschan (aserbaidschanisch Azərbaycan, amtlich Republik Aserbaidschan,


aserbaidschanisch Azərbaycan Respublikası) ist ein Staat in Vorderasien mit rund 10
Millionen Einwohnern. Zwischen Kaspischem Meer und Kaukasus gelegen, grenzt er im
Norden an Russland, im Nordwesten an Georgien, im Süden an den Iran, im Westen
an Armenien und über die Exklave Nachitschewan, die vom aserbaidschanischen
Kernland durch einen armenischen Gebietsstreifen getrennt ist, an die Türkei.
Hauptstadt und mit rund 2,2 Millionen Einwohnern größte Stadt Aserbaidschans
ist Baku (aserbaidschanisch Bakı), eine bedeutende Hafenstadt am Kaspischen Meer.
Weitere wichtige Städte sind Sumgait, Gandscha und Lankaran. Die Gesamtfläche des
Landes beträgt 86.600 km². Mehr als 89 Prozent der Bevölkerung sind schiitische
Muslime.
„Aserbaidschan“ bezeichnete ursprünglich die weiter südlich gelegene iranische Region
Aserbaidschan, während das heutige Staatsgebiet Arrān und Albania hieß. Als
das Russische Kaiserreich zerfiel, wurde am 28. Mai 1918 die
unabhängige Demokratische Republik Aserbaidschan ausgerufen.
Die Aserbaidschanische Sozialistische Sowjetrepublik war ein Teilstaat
der Sowjetunion. Sie wurde 1991 unabhängig, das Land wird wie zuvor autoritär regiert.
Aserbaidschan verfügt über bedeutende Ölreserven. Ein rasanter
Wirtschaftsaufschwung ab dem Jahr 2000 hat es zu einem Land mittleren Einkommens
gemacht.

Inhaltsverzeichnis

 1Etymologie und Gebrauch

 2Geographie

o 2.1Landschaft

o 2.2Tierwelt

o 2.3Klima
 3Bevölkerung

o 3.1Sprachen

o 3.2Religionen

 3.2.1Islam

 3.2.2Judentum

 3.2.3Christentum

 4Geschichte

 5Politik

o 5.1Regierung

o 5.2Opposition

o 5.3Außenpolitik

 5.3.1Armenien

 5.3.2Europapolitik

 5.3.3Kaviar-Diplomatie

 5.3.4Verhältnis zu Deutschland

 6Recht

o 6.1Menschenrechte

 6.1.1Presse- und Medienfreiheit

 6.1.2Homosexualität

 7Militär

 8Verwaltung

o 8.1Rayons

o 8.2Autonome Republik

o 8.3Städte

 9Wirtschaft
o 9.1Entwicklung

o 9.2Bodenschätze

 9.2.1Öl

 9.2.2Gas

o 9.3Arbeitsmarkt

o 9.4Außenhandel

o 9.5Staatshaushalt

 10Infrastruktur

o 10.1Eisenbahn

o 10.2Flugverkehr

o 10.3Sonstige Infrastruktur

 11Gewerkschaften

 12Kultur und Bildung

o 12.1Feiertage

o 12.2Küche

o 12.3Filmkunst

o 12.4Literatur

o 12.5Bildung

o 12.6Sport

o 12.7Schach

o 12.8Bekannte Aserbaidschaner

 13Siehe auch

 14Literatur

 15Weblinks

 16Einzelnachweise
Etymologie und Gebrauch
Der Name Aserbaidschan stammt höchstwahrscheinlich von Atropates,
einem Satrapen Alexanders des Großen im Jahr 328 v. Chr., ab,[4] der über das Gebiet
des heutigen Iranisch-Aserbaidschan herrschte. Das von ihm kontrollierte Gebiet
nannten die Griechen (Media) Atropatene; die Parther machten daraus Aturpatakān,
die Sasaniden dann Adurbadagān bzw. Adeirbadagān, woraus schließlich die heutige
Namensform wurde. Nach einer älteren, heute allgemein als überholt geltenden
Hypothese könnte der Ausdruck Aserbeidschan seine Wurzeln hingegen auch im
antiken Zoroastrismus haben, wo es in der avestischen Frawardin Yasht heißt:
„âterepâtahe ashaonô fravashîm ýazamaide“ („Wir verehren den Faravahar des heiligen
Atarepata“).[5] Hierfür könnte immerhin sprechen, dass sich in jenem Gebiet, das in
der Spätantike Adurbadagān hieß, das große Feuerheiligtum Tacht-e Suleiman befand
(heute liegt es im Iran). Das Gebiet der heutigen Republik Aserbaidschan ist deutlich
kleiner als das des antiken Media Atropatene und stimmt großteils mit Albania überein.
[6]

Geographie

Topografie Aserbaidschans und des Nachbarlands Armenien

Aserbaidschan liegt größtenteils im Kaukasus und grenzt an Russland (Dagestan),


Georgien (Niederkartlien und Kachetien), Armenien und Iran. In der Autonomen
Republik Nachitschewan, die eine Exklave darstellt, hat Aserbaidschan eine
17 Kilometer lange Grenze mit der Türkei.[7] Das Staatsgebiet erstreckt sich von 44 bis
52 Grad östlicher Länge und von 38 bis 42 Grad nördlicher Breite.
Landschaft
Großer Kaukasus

Aserbaidschan hat eine Fläche von 86.600 km². Davon nimmt die Autonome Republik
Nachitschewan 5500 Quadratkilometer ein. Circa 14 %[8] des Staatsgebiets sind seit
Anfang der 1990er Jahre von den Einheiten der Karabach-Armenier besetzt,
darunter Bergkarabach und dessen Verbindungswege nach Armenien.[9]
Aserbaidschan hat Anteil am Kaspischen Kaukasus. Im Süden des Landes befindet
sich der Kleine Kaukasus. An der Grenze zum Iran erhebt sich das Talyschgebirge. Der
höchste Berg ist der zum Großen Kaukasus gehörende Bazardüzü mit 4466 Metern
unmittelbar an der Grenze zu Russland. Größter See ist der Sarısu mit 67 km².
Die Kura (aserbaidschanisch Kür), die im Mingetschaur-Stausee zum größten
künstlichen Binnensee des Landes aufgestaut wird, mündet nach 1364 Kilometern
Länge in das Kaspische Meer. Der Aras bildet die Grenze zum Iran. Zum Staatsgebiet
gehören auch die Inseln Pirallahı und Cilov im Kaspischen Meer. Auf der
Halbinsel Abşeron gibt es mehrere Ölfelder.
Das Land ist zu 50 % von Ackerland, zu 11,5 % von Wald und zu 1,6 % von Wasser
bedeckt.
Tierwelt
Etwa 18.000 Tierarten – darunter 102 Säugetierarten – leben in Aserbaidschan, so zum
Beispiel Braunbären, Wölfe, Wildschweine, Hirsche, Gazellen, Goldschakale, Eurasisch
e Luchse, Leoparden und Streifenhyänen, aber auch Reptilien und Nagetiere.
Die Spinnenfauna Aserbaidschans ist gut untersucht – bisher sind hier 717 Arten
nachgewiesen worden (Stand 2019).[10][11]
Siehe auch: Liste der Reptilien Aserbaidschans

Klima
→ Hauptartikel: Klima Aserbaidschans

Am Rande der gemäßigten und subtropischen Klimazonen gelegen weist das Klima


Aserbaidschans reliefbedingt erhebliche Unterschiede auf. In der Kura-Aras-
Niederung und Abşeron-Halbinsel herrscht Halbwüsten- und Steppenklima mit 200–
300 mm Niederschlag jährlich vor. In den südlichen Küstengebieten dagegen findet
sich feucht-subtropisches Klima mit im äußersten Süden erheblichen
Niederschlagsmengen (1800 mm, überwiegend im Winterhalbjahr). Im Gebirge
herrscht alpines Klima mit ebenfalls hohen Niederschlägen (1500 mm). Die
durchschnittliche Jahrestemperatur beträgt 13,1 °C.
Bevölkerung

Bevölkerungsentwicklung in Tausend (1960 bis 2017)

Bevölkerungspyramide Aserbaidschan 2016

Volksgruppen in Aserbaidschan 2003

Die Republik Aserbaidschan hat 9.593.000 Einwohner (Stand 2015). 53,1 % der
Bevölkerung leben in Städten.[12] Das Bevölkerungswachstum 2010 betrug 1,3 %. 23 %
der Bevölkerung sind unter 14 Jahre alt.[13] Die Lebenserwartung betrug 2016 im
Durchschnitt 72,5 Jahre (Männer: 69,5 Jahre, Frauen: 75,8 Jahre).[14]
Siehe auch: Frauen in Aserbaidschan

91,6 % oder 8.172.809 Personen der Bevölkerung betrachteten sich bei der
Volkszählung 2009 als Aserbaidschaner. Den restlichen Anteil bildeten die
180.300 Lesgier (2,02 %), 120.306 Armenier (1,35 %), 119.307 Russen (1,34 %),
111.996 Talyschen (1,26 %), 49.838 Awaren (0,56 %), 37.975 Türken (0,43 %),
25.911 Tataren (0,29 %), 25.218 Taten (0,28 %), 21.509 Ukrainer (0,24 %),
12.289 Zachuren (0,14 %), 9912 Georgier (0,11 %), 9084 Juden (0,1 %),
6065 Kurden (0,07 %) und 3821 Udinen (0,04 %). Andere Minderheiten sind
die Mescheten (ca. 106.000), Grizen (ostkaukasische Sprache; ca. 4400)
und Chinalugen (ostkaukasische Sprache; ca. 2200).[15] Die seit dem 19. Jahrhundert in
der Region lebenden Kaukasiendeutschen wurden während des Zweiten Weltkrieges
zumeist deportiert. Die hauptsächlich aus dem Königreich Württemberg stammenden
landlosen Bauern (Schwaben) waren auf Initiative des russischen Zaren Alexander I. im
westlichen Teil Aserbaidschans angesiedelt und gründeten dort mehrere Kolonien,
darunter Helenendorf, Annenfeld, Georgsfeld, Traubenfeld und Eigenfeld. Bis zu ihrer
Deportation lebten Schätzungen zufolge bis zu 20.000 Deutsche in Aserbaidschan. [16]
Zwischen 12 und 15 Millionen Aserbaidschaner leben in Iran, bis zu 16 % der
Bevölkerung des Irans.[17] Damit gibt es mehr Aserbaidschaner im Iran als in
Aserbaidschan selbst, die meisten davon im Nordwesten des Landes. Aserbaidschaner
betrachten sich ethnisch, sprachlich und kulturell mit den Türken verwandt.
Infolge des Bergkarabachkonflikts und der seit 1993 andauernden armenischen
Besetzung dieser Gebiete leben 600.000 bis 700.000 Aserbaidschaner (Stand 2003)
als Flüchtlinge in Aserbaidschan unter schlechten Lebensbedingungen.
Die intern Vertriebenen aus der Bergkarabach-Region bedeuten einen finanziellen
Aufwand für Aserbaidschan. 2005 hat das World Food Programme der Vereinten
Nationen die Ernährungssicherheit von über 90 % der Binnenvertriebenen in
Aserbaidschan als „food insecure“ bezeichnet. [18] Laut Regierungsaussagen belaufen
sich die Ausgaben für die intern Vertriebenen auf jährlich 3 % des Gesamtbudget des
Landes.[19]
Sprachen
→ Hauptartikel: Turksprachen und Aserbaidschanische Sprache

Staats- und Amtssprache ist seit Ende der Sowjetunion ausschließlich die


aserbaidschanische Sprache (Eigenbezeichnung Azərbaycan dili/türkçesi), die – nach
unterschiedlichen Schätzungen, einschließlich der Sprecher im Iran – etwa 20 bis 32
Millionen Muttersprachler hat. Die Sprache wurde bis zum Jahr 1937
als Türkisch (Eigenbezeichnung: Türk dili) bezeichnet; nach dem Jahr 1937 wurde die
Sprache als ein Teil der Stalinpolitik ins Aserbaidschanisch umbenannt.
[20]
 Aserbaidschanisch gehört zu den Turksprachen und weist große Ähnlichkeiten
zur türkischen Sprache auf. Seit Dezember 1992 wird Aserbaidschanisch – in
Anlehnung an das Türkische – in lateinischer Schrift geschrieben, zuvor wurde
das kyrillische Alphabet benutzt.
Bis 1991 war das Russische ebenfalls Amtssprache. Seit der Unabhängigkeit nahm
dessen Bedeutung jedoch ab; es spielt aber noch immer eine große Rolle im täglichen
Leben und wird von vielen Schülern bereits ab der ersten Klasse gelernt. [21][22] Russisch
dient außerdem als Sprache zur interethnischen Kommunikation. Trotzdem lernen
daneben mehr und mehr junge Aserbaidschaner auch Englisch. Viele Schüler
bekunden zudem Interesse an weiteren Fremdsprachen, unter
anderem Deutsch, Französisch und insbesondere (Türkei-)Türkisch.
Außerdem werden in Aserbaidschan noch 14 Minderheitensprachen aus vier
verschiedenen Sprachfamilien gesprochen, darunter etwa Georgisch oder Awarisch.
[23]
 Armenisch, das vor dem Krieg um Bergkarabach von 70 % der dortigen Bevölkerung
und von Minderheiten in vielen anderen Regionen Aserbaidschans, insbesondere
Städten, gesprochen wurde, ist heute praktisch nur noch im Gebiet
Bergkarabach anzutreffen, dort aber nunmehr zu nahezu 100 %.
Religionen
Islam
→ Hauptartikel: Schia und Islam

Bibi-Heybat-Moschee

Vorherrschende Religion ist der schiitische Islam, der im 8. Jahrhundert von arabischen
Eroberern verbreitet wurde. Aserbaidschan ist neben dem Iran,
dem Irak und Bahrain eines der wenigen Länder mit schiitischer Bevölkerungsmehrheit:
85 % der muslimischen Aserbaidschaner sind Schiiten, 15 % Sunniten.[24]
Viele Aserbaidschaner wurden während der Sowjetherrschaft säkularisiert. Daher
bezeichnen sich heute nur etwa 10 % als regelmäßig praktizierende Muslime. Die
meisten Aserbaidschaner praktizieren den Islam nur an hohen Feiertagen wie
dem Ramadan; nach dem Zerfall der Sowjetunion erlebte der Islam aber eine
Wiedergeburt. Immer mehr Menschen wandten sich dem Islam wieder zu. [25] Besonders
im Süden des Landes entsteht seit einigen Jahren durch iranischen Einfluss eine
orthodoxere Form des Islams. Bereits 1991 wurden erste politische Organisationen mit
islamischem Charakter in Aserbaidschan gegründet. Hierzu gehören die Islamische
Partei Aserbaidschans, die Aserbaidschanische Partei für islamischen Fortschritt und
die Organisation Azad Ruhaniler.[26] Anschließend wurden unter den
aktualisierten laizistischen Gesetzen Aserbaidschans im Jahr 1995 die Islamische
Partei Aserbaidschans, die Aserbaidschanische Partei für islamischen Fortschritt und
andere islamische Parteien und Organisationen verboten. Auch die (Neu-)Gründung
religiöser Parteien wurde gesetzlich verboten. [27]
Judentum
In Aserbaidschan leben heute noch 25.000 bis 30.000 Juden, die zu rund 75 % in Baku
leben. Sie lassen sich in drei Gruppen unterteilen: Aschkenasim europäischer
Herkunft, Bergjuden bzw. Taten (konzentriert in der Siedlung Qırmızı Qəsəbə im
Norden des Landes) und georgische Juden. In Baku gibt es heute drei Synagogen, eine
kleine Jeschiwa, eine jüdische Schule namens Hebrew Language School, die von ca.
300 Schülern besucht wird, sowie ein israelisches Zentrum. [28][29]
Bei Ausgrabungen in der Stadt Şabran (Nordosten Aserbaidschans) zu Beginn der
1990er Jahre wurden die Überreste des ältesten jüdischen Viertels und einer Synagoge
aus dem 7. Jahrhundert entdeckt.[30] Während der Zeit der Demokratischen Republik
Aserbaidschan (1918–1920) war Jewsei Gindes, ein ethnischer Jude,
Gesundheitsminister des Landes.[31] Zu den prominenten Persönlichkeiten der jüdischen
Gemeinde aus Aserbaidschan zählen unter anderem
der Nobelpreisträger für Physik Lew Landau, der Arzt Solomon Gusman, sowie der
Panzerkommandant Albert Aqarunov, der im Bergkarabach-Krieg starb.
[32]
 Aserbaidschan gilt weltweit als eines der sichersten Länder für Juden, wo
überwiegenden Angaben zufolge kaum antisemitische Übergriffe bekannt sind. [33] Nach
Einschätzung der deutschen Bundesregierung erfährt die jüdische Minderheit in
Aserbaidschan Schutz und Unterstützung, ihre Repräsentanten werden von der
Staatsführung gleichrangig mit den muslimischen Vertretern wahrgenommen. [34]
Christentum
→ Hauptartikel: Christentum in Aserbaidschan und Römisch-katholische Kirche in
Aserbaidschan

1998 waren 3,8 % der Bevölkerung russisch-orthodox. Es existiert eine Eparchie der


Russisch-orthodoxen Kirche (ROK) für Aserbaidschan. Weitere christliche Kirchen
haben jeweils nur einige tausend Mitglieder. In Baku gibt es drei russisch-orthodoxe,
eine katholische und eine lutherische Kirche.[35] Armenisch-apostolische Christen gibt es
seit dem Bergkarabachkonflikt allerdings nur noch in der de
facto unabhängigen Republik Arzach, da die Armenier aus Aserbaidschan vertrieben
wurden, ähnlich wie umgekehrt die Aserbaidschaner aus Armenien. So wird kein
armenisch-apostolisches Kirchengebäude mehr genutzt; viele sind abgerissen worden.
[36][37][38]
 Seit 1993 besteht in Baku eine evangelisch-lutherische Gemeinde, der viele
Nachfahren der deutschen Minderheit (zwischen 1000 und 2000) angehören. Die
Seelsorge gestaltet sich kompliziert; 1999 wurde Pastor Günther Oborski ausgewiesen.
[39]

Geschichte
→ Hauptartikel: Geschichte Aserbaidschans
Khanspalast von Şəki

Am östlichen Rande des Südkaukasus gelegen, gehört Aserbaidschan zu den ältesten


industriellen Produktionsstätten von Energieträgern wie Öl und Gas. Bereits im frühen
Mittelalter war das als „Griechisches Feuer“ verwendete Erdöl wichtiges Exportprodukt
der Region um Abşeron (Halbinsel).
Im persischen Sassanidenreich dienten die Fundstätten von Öl und Gas auf dem Gebiet
von Abşeron und in anderen Ortschaften von Aserbaidschan nicht nur der Bereicherung
des kaiserlichen Schatzamtes, sondern erlangten auch ihre Bedeutung als wichtige
Kultstätten der damals herrschenden zoroastrischen Religionslehre. Bis heute kann
man in vielen Bezirken Aserbaidschans die Überreste der alten zoroastrischen Tempel
in Ortschaften mit besonders intensiven natürlichen Erdgasemissionen finden.
Die Ölfelder Abşerons wurden nach der Islamisierung Aserbaidschans als Quelle der
sagenhaften finanziellen Wohlfahrt berühmt und zum Eigentum der religiösen Stiftungen
(waqf) erklärt. Somit trugen sie erheblich zum Erhalt und ihrer Blüte bei.

Persien unter den Safawiden

Der groß angelegte industrielle Abbau der kohlenwasserstoffhaltigen Energieträger auf


dem Gebiet des heutigen Aserbaidschan ist jedoch auf engste Weise mit der so
genannten „russischen Periode“ der Geschichte des Landes verbunden. Die russische
Kolonialverwaltung im nördlichen Teil des Landes trieb Anfang der 1870er Jahre
energisch die Versteigerung des Staatslandes auf der Halbinsel Abşeron voran.
Ziel war es, private Investitionen für den Abbau der wirtschaftlich attraktiven
Ressourcen der Region zu gewinnen. Der darauf folgende wirtschaftliche Aufschwung,
verbunden mit der enormen Produktionssteigerung auf den Feldern von Abşeron,
schaffte eine erfolgreiche Grundlage für die autarke Versorgung der russischen
Wirtschaft mit wichtigen Produkten der petrochemischen Industrie
wie Kerosin, Masut und Schmierstoffen.
Während 1893 noch 51 % der Weltförderung auf die USA und 46 % auf Russland
entfielen, hatte 1898 das Bakuer Revier die US-amerikanische Ausbeute überholt und
stieg zum weltgrößten Erdölfördergebiet auf, welches auch Westeuropa versorgte und
sich mit amerikanischen Exporteuren einen harten Konkurrenzkampf lieferte.
Am 28. Mai 1918 wurde die Aserbaidschanische Demokratische Republik (AXC)
ausgerufen. Sie wurde von der Weltgemeinschaft als Subjekt des Völkerrechts de facto
anerkannt und unterhielt diplomatische Beziehungen mit der Ukraine, Georgien, der
Türkei und Litauen. Aserbaidschan war das erste islamische Land und weltweit eines
der ersten Länder, das das Frauenwahlrecht einführte.[40] Die Aserbaidschanische
Demokratische Republik war ein weltlicher und pro-westlich orientierter Staat mit starker
Legislative. Politiker wie Mammedamin Rasulzade, Fatalixan Xoyski, Elimardan
Toptschubashov spielten eine herausragende Rolle im damaligen
Staatswerdungsprozess. Den 23 Monaten der Freiheit folgte die Eroberung durch
Bolschewiki am 27. April 1920, worauf viele der führenden Politiker sich ins europäische
Exil begaben.
Am 30. Dezember 1922 wurde Aserbaidschan als Aserbaidschanische SSR und Teil
der Transkaukasischen SFSR (ein Verbund der Aserbaidschanischen SSR,
der Armenischen SSR, der Georgischen SSR und der Abchasischen SSR) insgesamt
Teil der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken (UdSSR). Diese gründete sich aus
der Russischen SFSR, der Ukrainischen SSR, der Weißrussischen SSR und der
Transkaukasischen SFSR.
Nach der zwangsweisen Sowjetisierung 1920 und der Verstaatlichung aller
aserbaidschanischen Produktionsstätten erfolgten neue Investitionen in die
petrochemische Industrie Aserbaidschans. Die Folge war ein erheblicher Anstieg der
Produktion, obwohl die direkte Kontrolle seitens der Moskauer Zentrale über die
strategischen Ressourcen Aserbaidschans keine Möglichkeit zur Einflussnahme auf die
Verteilung der Produktion seitens der aserbaidschanischen Republikführung zuließ.
1941 lieferte Aserbaidschan immerhin 175 Millionen Barrel Erdöl, was einem Anteil von
75 % an der gesamtsowjetischen Produktion entsprach. Es ist deshalb nicht
überraschend, dass die Ölfelder von Baku zu strategischen Zielen des Kaukasus-
Feldzugs der Wehrmacht während des Zweiten Weltkriegs erklärt wurden. Im Zweiten
Weltkrieg kämpften über 270.000 Aserbaidschaner in der Roten Armee.
Mit der Erschließung der neuen gigantischen Ölfelder in anderen Regionen der
Sowjetunion, insbesondere in Westsibirien, ging die Bedeutung der
aserbaidschanischen Ölquellen im wirtschaftlichen Leben der Sowjetunion allmählich
zurück. Die hohe Qualität des aserbaidschanischen Erdöls, gemessen an seinem
niedrigen Schwefelanteil, ermöglichte jedoch auch später seinen Einsatz als Treibstoff
für Flugobjekte, insbesondere für Militärflugzeuge und Raketen. Bei den in Baku
ansässigen Ausbildungseinrichtungen wurde weiterhin das notwendige Fachpersonal
für die sowjetische petrochemische Industrie ausgebildet.
Am 18. Oktober 1991 wurde Aserbaidschan mithilfe von Befreiungsbewegungen wie
der Volksfront Aserbaidschans von der Sowjetunion unabhängig.
Das verursachte Chaos durch die militärischen Auseinandersetzungen um die
Bergkarabach-Region führte in den ersten Jahren der Unabhängigkeit (erklärt am 18.
Oktober 1991) zum Rückgang der gesamten nationalen Öl- und Gasförderung. In den
nächsten Jahren wurde das niedrigste Förderungsniveau registriert: acht bis neun
Millionen Tonnen jährlich.
2012 fand der Eurovision Song Contest in der Hauptstadt Baku statt, die
Veranstaltungsarena, die Bakı Kristal Zalı wurde eigens dafür errichtet. Aserbaidschan
rückte durch diese Großveranstaltung in die Aufmerksamkeit europäischer Medien,
dabei wurden die Zustände im Land, insbesondere das autoritär herrschende Regime,
vielfach kritisiert.[41]

Politik
→ Hauptartikel: Politisches System Aserbaidschans

Aserbaidschan ist seit 1992 geprägt vom autoritären Führungsstil der Präsidenten und
durch Korruption unterminiert. Laut Demokratieindex des Economist gehörte
Aserbaidschan 2019, wie schon in den Jahren zuvor, zu den autoritären Regimen. [42]
Die Aserbaidschanische Verfassung wurde am 12. November 1995 verabschiedet.[43] Im
Artikel 7. der aserbaidschanischen Verfassung ist der Staat als eine demokratische,
rechtsstaatliche, weltliche und unitarische Republik gekennzeichnet. [44] Nach der
Verfassung sind die gesetzgebende, die vollziehende und die rechtsprechende Gewalt
im Rahmen ihrer Befugnisse unabhängig und wirken zusammen. [44]
Die Gesetzgebung wird offiziell vom Parlament, der aserbaidschanischen
Nationalversammlung (Milli Məclis) ausgeübt. Es hat 125 Sitze, die seit 2005 nach
einem Mehrheitswahlsystem für eine Periode von fünf Jahren gewählt werden. Ein
Parlamentssitz wird für den Wahlkreis Bergkarabach (Dağliq Qarabağ) freigehalten. Die
jüngsten Parlamentswahlen fanden am 1. November 2015 statt. 1918, als
Aserbaidschan erstmals als Demokratische Republik Aserbaidschan unabhängig
wurde, erhielten Frauen das aktive und passive Wahlrecht. Dies wurde unter
sowjetischer Verwaltung beibehalten und bei der erneuten Unabhängigkeit 1991
bestätigt.[45]
Die vollziehende Gewalt übt der Präsident aus.[44] Die Amtszeit des Präsidenten dauert
sieben Jahre.[46]
Nach Artikel 125. der Verfassung üben die rechtsprechende Gewalt
durch Rechtsprechung nur Gerichte (das Verfassungsgericht, das Oberste Gericht, die
Berufungsgerichte, die allgemeinen und die speziellen Gerichte der
Aserbaidschanischen Republik) aus.[44]
Regierung

İlham Əliyev, Präsident Aserbaidschans

Staatsoberhaupt ist der Präsident, der in geheimer, allgemeiner Wahl für die Periode
von sieben Jahren gewählt wird. Bis 2016 galt eine fünfjährige Amtszeit, bis 2009 eine
Beschränkung auf zwei Amtszeiten. Beides wurde durch Verfassungsreferenden
abgeschafft beziehungsweise geändert.[47] Das Amt des Staatspräsidenten hat İlham
Əliyev, Sohn des zuvor verstorbenen Staatspräsidenten Heydər Əliyev, inne. Er gehört
der regierenden Partei Neues Aserbaidschan (as. Yeni Azərbaycan) an. Nach der Wahl
vom 15. Oktober 2003 verkündete man ein Ergebnis von über 80 % für ihn. Er ließ sich
am 31. Oktober 2003 inaugurieren.
Ministerpräsident ist seit dem 4. November 2003 wieder Artur Rasizadə von der
Präsidentenpartei Neues Aserbaidschan.
Siehe auch: Ministerkabinett der Republik Aserbaidschan

Opposition
Wichtigste Oppositionspartei ist die Aserbaidschanische Hoffnungspartei. Eine
besondere Rolle hat die älteste politische Partei in Aserbaidschan,
die Gleichheitspartei (auch Müsawat). Daneben gibt es die Aserbaidschanische
Kommunistische Partei.
Internationale Wahlbeobachter (unter anderem von der OSZE) berichten
von Wahlfälschung und Einschüchterungsversuchen. Auch die Opposition warf der
Regierung etwa bei den Präsidentenwahlen im Oktober 2003 Fälschung vor. Nach
Bekanntgabe des Ergebnisses kam es am 16. Oktober in der Hauptstadt Baku zu
Unruhen, bei denen mindestens zwei Menschen getötet, viele verletzt und mehrere
Oppositionspolitiker festgenommen wurden.
Außenpolitik
→ Hauptartikel: Außenpolitik Aserbaidschans
İlham Əliyev mit Angela Merkel im August 2018

Unmittelbar nach der Unabhängigkeit Aserbaidschans war die Sicherstellung der


Eigenständigkeit oberste Priorität in der Außenpolitik des Landes. Es verfolgte zunächst
eine stark pro-türkische und pro-westliche Politik. Die Beziehungen zu Russland waren
gespannt, weil Russland auf verschiedenste Weise Druck ausübte, um es in seinen
Einflussbereich zurückzuholen. Seit dem Amtsantritt von Heydər Əliyev und der
Inbetriebnahme der Baku-Tiflis-Ceyhan-Pipeline, die den Export von
aserbaidschanischen Energieträgern unter Umgehung Russlands ermöglicht, haben
sich die Beziehungen verbessert.[48]
Die Beziehungen zu seinem südlichen Nachbarn Iran sind aufgrund der Widersprüche
zwischen Aserbaidschans säkularisiertem und Irans klerikalen System angespannt.
Auch die Frage der ethnischen Aserbaidschaner, die auf beiden Seiten der Grenze
leben, und die Konkurrenz im Rohstoffmarkt tragen zu Spannungen bei. Mit dem Ziel,
Aserbaidschan zu schwächen, ist der Iran eine enge Partnerschaft mit dem mit
Aserbaidschan verfeindeten Armenien eingegangen.[49] Aserbaidschan arbeitet
hingegen im Rohstoffmarkt und Rüstungsbereich stark mit Israel zusammen.
[50]
 Die Beziehungen zur Türkei waren kurz nach der Unabhängigkeit Aserbaidschans
aus ethnischen und sprachlichen Gründen besonders eng; sie sind in den letzten
Jahren aber etwas abgekühlt. Somit ist Aserbaidschan Bestandteil der West-Ost-Achse
(USA, Türkei, Israel, Georgien, Aserbaidschan) gegenüber der konkurrierenden Nord-
Süd-Achse bestehend aus Russland, Armenien und dem Iran. [51]
Außenminister ist seit dem 2. April 2004 Elmar Məmmədyarov.
Aserbaidschan ist seit 1992 Mitglied der Vereinten Nationen. Es hat 1997 die
Mitgliedschaft bei der WTO beantragt, die Beitrittsverhandlungen laufen bis heute.
[52]
 Aserbaidschan ist weiterhin Mitglied in folgenden internationalen
Institutionen: EBRD, Europarat, GUS, GUAM, IWF, NATO-Partnerschaft für den
Frieden, OSZE, Schwarzmeer-Wirtschaftskooperation, OIC, Türkischer
Rat, UNESCO, Weltbank, Interpol, Internationale Fernmeldeunion und OATCT. Es ist
nicht mehr Mitglied in der von Russland geführten Sicherheitsstruktur Organisation des
Vertrags über kollektive Sicherheit.
Armenien
→ Hauptartikel: Bergkarabachkonflikt
Karte des Konflikts:
Bergkarabach
Armenisch besetztes Gebiet Aserbaidschans

Aserbaidschan streitet sich seit langem mit Armenien um Bergkarabach. Das früher


autonome Gebiet auf aserbaidschanischem Territorium wird mehrheitlich
von Armeniern bewohnt. Am 2. September 1991 erklärte es sich für unabhängig. Seit
1992 ist Bergkarabach zu einem großen Teil von Truppen der international nicht
anerkannten Republik Bergkarabach (heute Republik Arzach) kontrolliert, die dieses
Gebiet beansprucht. Bergkarabach gehört völkerrechtlich zu Aserbaidschan, befindet
sich de facto aber unter Kontrolle armenischer Kräfte. [53] Rund ein Drittel der
Waffenstillstandslinie vom 12. Mai 1994, die auch umliegende, nicht zu Bergkarabach
gehörende Teile Aserbaidschans umschließt, wird von Truppen der Republik Armenien
gehalten. Mit Armenien bestehen keine diplomatischen Beziehungen, die beiden
Staaten befinden sich heute noch im Krieg miteinander.[54] Der Rückzug armenischer
Truppen aus ganz Bergkarabach und den umliegenden Gebieten ist für Aserbaidschan
absolute Vorbedingung für weitere friedenspolitische Schritte. Auch die 2007 in Madrid
dazu ausgehandelten Basic Principles sehen den Truppenabzug vor, der bereits 1993
in vier UNO-Resolutionen (822, 853, 874, 884) [55] und später auch in Stellungnahmen
des Europarats und des Europäischen Parlaments gefordert wurde.
Einige von armenischem Gebiet umgebene aserbaidschanische Exklaven, wie
z. B. Kərki, sind von Armenien besetzt; Aserbaidschan seinerseits hat wiederum
armenische Exklaven wie Arzwaschen besetzt.
Europapolitik
→ Hauptartikel: Aserbaidschan und die Europäische Union

Eine Grundlage der bilateralen Beziehungen zwischen der Europäischen Union und


Aserbaidschan bildet das 1996 unterzeichnete und Mitte 1999 in Kraft
getretene Partnerschafts- und Kooperationsabkommen.[56] Als Mitglied
des Europarats ist Aserbaidschan in die europäischen Strukturen eingebunden. Mit
der EU ist das Land über die Europäische Nachbarschaftspolitik mit Aktionsplänen
verbunden. Seit 2009 ist es darüber hinaus Mitglied der Östlichen Partnerschaft, deren
Ziel die Heranführung von Ländern Osteuropas an die Europäische Union ist. Der
parlamentarische Kooperationsausschuss zwischen der EU und Aserbaidschan, dem
beiderseitig hochrangige Politiker angehören, hält einen Beitritt Aserbaidschans zur EU
für möglich.
Zur Europäischen Nachbarschaftspolitik hat die Europäische Kommission im
Zusammenhang mit der EU-Erweiterung am 12. Mai 2004 ein unilateral formuliertes
Strategiepapier vorgelegt, das den strategischen Kern der ENP enthält. Mit dieser
Mitteilung empfahl die Kommission dem Rat zum ersten Mal, einen Beschluss zu
fassen, um die südkaukaukasischen Ländern, einschließlich Aserbaidschan, in die
Europäische Nachbarschaftspolitik einzubeziehen.[57]
Im September 2014 wurde in Baku der Grundstein für die Transanatolische
Pipeline (TAP) gelegt. Für diesen Teil des geplanten „Südlichen Gaskorridors“ wurden
Transportmengen von jährlich 16 Milliarden Kubikmeter Erdgas bis 2020 und
30 Milliarden Kubikmeter bis 2031 projektiert. [58][59]
Kaviar-Diplomatie
Die Europäische Stabilitätsinitiative (ESI) berichtete 2012, wie seit Aserbaidschans
Eintritt in den Europarat jedes Jahr 30 bis 40 EU-Abgeordnete auf Reisen nach
Aserbaidschan eingeladen und mit Gastgeschenken, darunter teurem Kaviar (Kilopreis
1400 Euro), wertvollen Seidenteppichen, Gold, Silber und mit hohen Geldbeträgen
überhäuft wurden.[60] Auch zahlreiche Abgeordnete des deutschen Bundestages ließen
sich luxuriöse Reisen nach Baku finanzieren und fungierten als Gegenleistung
als Lobbyisten im Durchsetzen der Interessen der aserbaidschanischen Regierung.
Neben der ESI kritisierte ebenfalls die Antikorruptionsorganisation Transparency
International die als „Kaviar-Diplomatie“ bezeichnete Vorgehensweise Aserbaidschans.
[61][62][63][64]

Im Frühjahr 2017 wurde der italienische Abgeordnete des Europarates Luca


Volontè wegen der Annahme von Bestechungsgeldern In Millionenhöhe angeklagt. Die
Gelder seien aus Aserbaidschan geflossen.[65] Der Europarat setzte daraufhin eine
unabhängige Kommission ein, die eine Einflussnahme Aserbaidschans auf Mitglieder
des Gremiums untersuchen sollte. Am 22. April 2018 legte die Kommission ihren
Abschlussbericht vor, in dem mehreren aktuellen und ehemaligen Mitgliedern des
Europarates Lobbyarbeit für Aserbaidschan gegen Bezahlung vorgeworfen wurde.
Korruptionsvorwürfe wurden unter anderem gegen die deutschen Politiker Eduard
Lintner und Karin Strenz sowie gegen den ehemaligen Präsidenten
der Parlamentarischen Versammlung des Europarates, den Spanier Pedro Agramunt
Font de Mora, erhoben.[66]
Ein Bericht der belgischen Beratungs- und Lobbyingfirma E.S.I.S.C aus dem Jahr 2017
stellt umgekehrt die Berichte über die sogenannte „Kaviar-Diplomatie“ als Werk eines
Netzwerkes dar, das gezielt für Armenien und gegen Aserbaidschan geworben habe. [67]
Verhältnis zu Deutschland
Aserbaidschan war 2020 unter den zehn wichtigsten Rohöllieferanten Deutschlands.
[68]
 2015 führte Aserbaidschan Erdöl im Wert von 1,2 Mrd. USD. nach Deutschland aus.
[69]
 Eine aserbaidschanische-deutsche parlamentarische Arbeitsgruppe und eine
deutsch-südkaukasische parlamentarische Arbeitsgruppe fördern eine parlamentarische
Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Aserbaidschan. [70]

Recht
Siehe auch: Verfassungsgericht der Republik Aserbaidschan und Verwaltungsgerichtsbarkeit
in der Republik Aserbaidschan

Menschenrechte
Die aserbaidschanische Verfassung enthält einen umfassenden
Menschenrechtskatalog. Bis 1998 existierte die Todesstrafe, sie ist heute aber
abgeschafft. Das Land ist einer Reihe internationaler Abkommen zum Schutz von
Menschenrechten beigetreten. Ende 2001 hat Aserbaidschan die Europäische
Menschenrechtskonvention ratifiziert. Seit dem Beitritt Aserbaidschans
zum Europarat im Januar 2001 unterliegt das Land einem sogenannten „Monitoring“
durch die Parlamentarische Versammlung und das Ministerkomitee des Europarates.
[71]
 Diese Institutionen übten Kritik an der mangelnden Umsetzung der Vorgaben des
Europarates, insbesondere hinsichtlich der Medienfreiheit.
Am 24. März 2009 hat die Parlamentarische Versammlung des Europarats den
Bundestagsabgeordneten Christoph Strässer (SPD) zum Sonderberichterstatter
für politische Gefangene in Aserbaidschan ernannt. Strässer durfte aber bisher (Stand
2012) in dieser Funktion nicht nach Aserbaidschan einreisen. [71] Er wies 2011 darauf
hin, dass rund 50 mutmaßliche politische Gefangene, also Oppositionelle, Journalisten
und Blogger, die von ihrem Recht auf Meinungs- und Pressefreiheit Gebrauch gemacht
hatten, im Gefängnis sitzen. Aserbaidschan selbst vertritt die Position, dass es keine
politischen Gefangenen im Land gibt. Am 24. Januar 2013 hat die Parlamentarische
Versammlung des Europarats den Bericht von Christoph Strässer "über politische
Häftlinge in Aserbaidschan" mit 125 Stimmen abgelehnt [72]. Das offizielle Baku gab sich
mit der Abstimmung zufrieden und bekräftigte, Strässers Bericht habe zahlreiche
Widersprüche beinhaltet und sei politisch motiviert gewesen. [73]
Einige regimekritische Nichtregierungsorganisationen sind in Aserbaidschan tätig. Sie
müssen allerdings große administrative Hürden überwinden, wie umfangreiche
Registrierungspflichten.
Presse- und Medienfreiheit
Die Organisation Reporter ohne Grenzen führt Aserbaidschan auf ihrer Rangliste der
Pressefreiheit 2019 auf Platz 166 von 180 und damit deutlich hinter den
Nachbarländern Georgien (60) und Armenien (61). Laut dem Bericht der NGO war die
Situation der Pressefreiheit im Land „schwierig“.[74] Die meisten Medien des Landes
gelten als regierungskonform. Zusätzlich wurde das Büro des National Democratic
Institute 2014 geschlossen.[75]
Nach einem Bericht des Institute for Reporters’ Freedom and Safety (IRFS) von 2012 ist
es der aserbaidschanischen Bevölkerung nicht möglich, an seriöse, umfangreiche und
objektive Nachrichten bezüglich menschenrechtsrelevanter Themen aus Aserbaidschan
zu gelangen. Bei Themen von öffentlichem Interesse ist die aserbaidschanische
Bevölkerung „wenig informiert“. Radio- sowie Fernsehanstalten stehen unter Kontrolle
der aserbaidschanischen Regierung, und die Mehrheit der Informationen basiert auf
Quellen der Regierung.[76]
Die Rundfunksender BBC, Radio Free Europe und Voice of America sind in
Aserbaidschan seit Januar 2009 gesperrt. [77] Die internationale
Nichtregierungsorganisation Freedom House stufte Aserbaidschans Presse als „Nicht
frei“ ein[78] und auch das Committee to Protect Journalists gab an, dass in
Aserbaidschan keine ausländischen oder unabhängigen Rundfunkanstalten existieren
und die wenigen unabhängigen Journalisten Einschüchterungsversuchen sowie
Gefängnisstrafen auf Grund fingierter Beweise ausgesetzt sind. [79]
2009 und 2010 wurden die kritischen Blogger und Jugendaktivisten Emin „Milli“
(Abdullayev) und Adnan Hajizade wegen „Rowdytums“ verhaftet. Sie wurden
zwischenzeitlich (2012) wieder auf freien Fuß gesetzt. Im Mai 2011 kam der Journalist
Eynulla Fatullayev hinter Gitter und ist mittlerweile ebenfalls wieder frei (2012). Nach
Einschätzung des Auswärtigen Amtes (2012) ist die Presse-, Meinungs- und
Versammlungsfreiheit in Aserbaidschan erheblich eingeschränkt. [71] Die
Menschenrechtsorganisation Amnesty International ordnet 17 Personen, die seit
Frühjahr 2011 zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt wurden, als „Gefangene aus
Gewissensgründen“ ein.[80][81]
2012 fand in Baku der Eurovision Song Contest statt. Laut Amnesty International
wurden vor dem Wettbewerb insbesondere Oppositionelle, Medienschaffende und
junge Internet-Aktivisten Zielscheibe von staatlichen Schikanen und
Verhaftungsaktionen.[82]
Menschenrechtsorganisationen starteten die Aktion „Sing for Democracy“. Die Aktion
wollte die internationale Aufmerksamkeit rund um den ESC nutzen, um auf die
Menschenrechtsverletzungen und die mangelnde Meinungsfreiheit im Land
aufmerksam zu machen. Die Aktivisten haben unter anderem kurz vor dem ESC einen
eigenen Songcontest mit Liedern über Demokratie und Freiheit organisiert.
Am 18. Juli 2016, drei Tage nach dem Putschversuch in der Türkei, gab die zuständige
Rundfunk-Aufsichtsbehörde bekannt, dass sie die Tätigkeit des privaten
Fernsehsenders Azerbaijani News Service (ANS) einstweilen für einen Monat
unterbinden und den Widerruf seiner Sendelizenz beantragen werde, nachdem der
Sender angekündigt hatte, ein Interview mit dem in den Vereinigten Staaten von
Amerika im Exil lebenden Fethullah Gülen auszustrahlen. Zur Begründung gab die
Behörde an, dass damit „die strategischen Beziehungen zur Türkei“ vor Provokationen
und vor offener terroristischer Propaganda geschützt werden sollen. [83]
Homosexualität
→ Hauptartikel: Homosexualität in Aserbaidschan

Nach Informationen des Auswärtigen Amts ist Homosexualität zwar nicht ausdrücklich
strafbar, sei aber gesellschaftlich nicht akzeptiert. Gleichgeschlechtlicher intimer
Umgang in der Öffentlichkeit wird teilweise als Provokation betrachtet und kann
Gegenreaktionen hervorrufen bis hin zur Abmahnung durch die Polizei. [84]

Militär
→ Hauptartikel: Aserbaidschanische Streitkräfte

Aserbaidschan hat etwa 150.000 aktive Soldaten. Es besteht eine 12- bis 18-monatige
Wehrpflicht, ein Kriegsdienstverweigerungsrecht hat das Land nicht. Aserbaidschan gab
2017 knapp 3,9 Prozent seiner Wirtschaftsleistung oder 1,5 Milliarden Dollar für seine
Streitkräfte aus.[85]