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Audioinnovation ist ein Thema, das mich besonder faziniert, aber für mich ist die Magie des

Musikgeschäfts, dem ich meine Karriere als Musiker und Tonmeister widmen möchte, die
Musik und die Künstler, die diese Kunstform zum Leben erwecken, sei es auf die Bühne oder
als Aufnahme.

Als ich auf der Suche nach einem Praktikum war, hatte ich keine Bedenken, mich bei einer
der berühmtesten Plattenfirmen der Welt zu bewerben: Sony Classical International mit Sitz
in Berlin. Als ich für die Marketing- und Promotion-Abteilung arbeitete, konnte ich sehen,
worum es bei der Arbeit einer Plattenfirma geht und was ihre Ziele sind. Ich hatte die
Gelegenheit, für mehrere bekannte Künstler zu arbeiten: Igor Levit, Wiener Philharmoniker,
Theodor Currentzis. Am Anfang ging es darum, die Marketing und Promotion-Strategien zu
verstehen. Mit der Zeit begann ich, die Schwierigkeiten zu erkennen. Damals wurde die
Vorbereitung der Kampagne zum 250. Jubiläum Beethovens diskutiert. Da ergab sich für
mich ein interner Konflikt: Es war das erste Mal, dass ich Musik als Produkt begreifen
musste. Das war der Wendepunkt und der Ursprung dieser Masterarbeit.

ENTER- Ich werde mit der Kampagnen anfangen, danach mit der Aufbau dieses
Masterarbeit: Meine Erfahrung bei Sony, die Recherche von Markt und Adornos Analyze zu
Musik, Soziologie und Musikwissenschaft. Am Ende die Ergebnis dieses Projekt und Fazit.

ENTER
Die hohe Medienaufmerksamkeit des Jubiläums bietet Labels wie Sony Classical, Decca,
Deutsche Grammophon eine große Chance, ihre Veröffentlichungen und Künstler zu fördern.
Sie profitieren von der möglichen Umsatzmaximierung durch spezielle Beethoven Frontline-
und Katalog-Projekte. Verschiedene Strategien zielen darauf ab, ein Publikum außerhalb der
Kernzielgruppe zu erreichen und die Reichweite in Social Media zu erhöhen. Unter dem
Motto "#Beethovennow", einer digitale Kampagne von Sony Classical, wird Einsteigern,
Gelegenheitshörern und Experten ein Beethoven-Erlebnis geboten.

Sonys Ansatz zum Beethovens Jubiläum darlegt, wie die Aufnahmetechnik die Erhaltung und
den Schutz des musikalischen Erbes ermöglicht. Aber auch, wie die klassische Musik zu
einem kommerziellen Produkt wurde und damit zu einer tragenden Säule der Musikindustrie.
Dies ist ein Beispiel dafür, wie Kunst und Wissenschaft in den Dienst kommerzieller
Strategien gestellt werden. Hier beginnt die Debatte über die kommerzielle Nutzung des
kulturellen Erbes. Einerseits ist Musik als Tonträger "Ausdruck künstlerischen Schaffens und
Kreativität", andererseits ist sie ein Wirtschaftsgut.

ENTER
SCI
Große Plattenfirmen wie Sony bringen internationale große Künstlermarken hervor, während
sich die Indies mehr auf Repertoire konzentrieren. Labels nehmen Künstler unter Vertrag,
vereinbaren das Repertoire, machen oder lizenzieren die Aufnahmen, veröffentlichen sie auf
dem weltweiten Markt in allen Formaten und entwickeln Strategien für ihre Promotion und
Vermarktung. Sie können mit globalen Vertreiber wie Apple, Amazon, Spotify
zusammenarbeiten, was eine Bedingung zum Erfolg auf dem heutigen Musikmarkt ist.

Diese Labels stehen vor der Herausforderung, spannende Möglichkeiten zu finden,


Repertoire zu präsentieren, das bereits mehrfach aufgenommen wurde, oder neues Repertoire
zu entdecken, das die Begeisterung wecken kann. Das Team sucht nach dem "heiligen Gral"
lebender Komponisten, die Musik schreiben, welche das Publikum dauerhaft zu kaufen bereit
ist. Das Kerngeschäft ist nach wie vor die Entdeckung und Entwicklung der weltbesten
Künstlern, diejenigen, die die "Star-Qualität" und die Fähigkeit und Bereitschaft haben, sich
den Massenmedien auszusetzen und mit ihrem Alben um die Welt zu tournieren.

ENTER

Marketing-Techniken: Klassische Musik als eine Form der Populärkultur.


Geschäftsmodelle in der klassischen Musikindustrie nutzen die Pop-Marketing-Techniken,
die Kundenbasis zu erweitern: Single-Track-Promotion im Radio und Fernsehen, gedruckte
und Online-Werbung in Zeitungen, Konzertprogrammen und Fachzeitschriften. Angesichts
des alternden Publikums müssen sich die Labels an junge Konsumenten vermarkten, um ihr
Überleben zu sichern. Die Nutzung sozialer Medien, die Neugestaltung von Websites mit
Informationen über die Musik mit einfacher Worten erklärt, Video Tools u.a. zielen darauf
ab. Durch den direkten Zugang zum Markt nutzen die Künstlern selbst das Web, die Musik
zugänglich zu machen, indem gesprochene Einführungen, Videos, Tutorials, Interviews, usw.
angeboten werden. Auf diese Weise kommunizieren sie auch mit Fans, erwecken
Aufmerksamkeit und verkaufen CDs, Konzertkarten und Merchandising-Artikeln.

Die Plattenfirmen strukturieren ihre Abteilungen in einem zweistufigen System: Core-Classic


und Classic-Mainstream. In Mainstream wird Musik produziert und dafür Kampagnen
gestalten, die ein Publikum erreichen sollten, der nicht unbedingt an der Interpretation der
Musik selbst interessiert ist. Stattdessen liegt der Fokus entweder auf dem Künstler selbst
oder auf einem Repertoire, das leicht gehört werden könnte und keiner Analyse bedurfte.
Dieser Doppelansatz ermöglicht nicht-traditionelle Märkte zu erreichen. Dazu gehören
Crossover Projekte, Musicals oder Soundtracks, wie Max Raabe, Hans Zimmer, Three
Tenors oder Andrea Bocelli, die im Fernsehen ausgestrahlt werden, und somit im Vergleich
zu den typischen klassischen Projekte, erfolgreicher sind. Da die Reichweite des Publikums
größer ist, erhalten Werke in diesem Kontext eine massenkulturelle Perspektive. Sie stellen
auch benötigte Mittel für die längerfristige Entwicklung von Künstlern bereit. Allerdings
werden deswegen die Labels häufig kritisiert.

Bei Core Classical findet man weltweit beliebte Komponisten wie Vivaldi, Tschaikowsky
oder Beethoven. Auch bekannteste Künstlern, die überall auftreten, und die großen Namen
der Vergangenheit, die für die alternden Spezialisten von primärem Interesse sind.
Traditionell werden die Aufnahmen nach Interpretation von großen Künstler vermarktet:
beispielsweise die Beethoven 5te Sinfonie von Abaddo mit der Wiener Philharmoniker.
Damit man mehr Käufer anziehen aber gleichzeitig die bestehenden behalten kann, werden
Alben von populäre Komponisten und Werken veröffentlicht, interpretiert von jungen oder,
prominenten, attraktiven Stars. Es werden aber gleichzeitig Katalog-Alben oder Gesamte
Sammlungen von legendäre Künstler released, um den Kernzielgruppe zu erhalten.

Mit dieser Grundlegende Information konnte ich mich mit der Analyse der Market
beschäftigen. Meine Frage war, wie reagiert das Publikum auf alle Initiativen und digitalen
Vertrieb und vor allem, was ist jetzt mit Streaming?

Als Nischenbereich haben Labels Initiativen ergriffen, um ihr Geschäftsmodell auszubauen


und sich in einen Prozess des Massenkonsums einzubringen. Der Bereich steht am Rande
einer weiteren Wachstumsphase in der die Streaming-Verkäufe ansteigen, die CD-Verkäufe
zurückgehen und ein neuer "Mini-Markt" für die Vinyl entsteht. Im Gegensatz zum
unmittelbaren Erfolg der CD wurde die schnelle Expansion des Streaming-Geschäfts von
Pop-Fans vorangetrieben. Die Veränderungsrate und das Verbraucherverhalten variiert stark
zwischen Ländern, wobei das Wachstum des Streaming vor allem in den USA und UK zu
beobachten ist, während in Europa, und Asien klassische Musik in allen Formaten konsumiert
wird, egal ob physisch oder digital.

Radio und Streaming – zu Hause, beim Autofahren oder im Büro – sind die vorherrschenden
Konsummodi klassischer Musik, gefolgt von CDs und dann Video Live-Konzerten. Letztlich
hat sich die klassische Musikbereich zu einer produktorientierten Dienstleistung entwickelt.
Die zunehmende Verfügbarkeit und Qualität in digitale Formate, die Ausweitung des
Eigentumsrechte und die Ausnutzung der Kataloge sind für die langfristige Vitalität dieses
Bereichs von strategischer Bedeutung.

Der soziale Kontextes stellt ein wesentliches Hindernis oder ganz im Gegenteil für den
Konsum dar. Das Publikum und die Interessenentenbasis sind unterschiedlich anspruchsvoll.
Ein erkanntes Problem im Bereich ist die mangelnde Bereitschaft vieler Zuhörer, sich mit
neuer Musik zu beschäftigen. Das ist heute noch akuter, weil die meisten Rundfunksender
und Konzertsäle keine musikalische Risiko nehmen wollen.

Mit der Etablierung des Streaming wurden die Konsumenten zunehmend fragmentiert und
selbstbewusst. Gleichzeitig wurde ein neues jüngeres Publikum angeregt, das ein neues
Musikgenre in den Vordergrund gerückt, das Elemente der Klassik, des Pop und der
Elektronik kombiniert. Dieses neue Genre "Neo-Klassik" umfasst eine breite Palette von
Komponisten wie Ludovico Einaudi, Max Richter, Nils Frahm u.a. Die Umsätze solcher
Angebote sind im Vergleich zu traditionelle Katalog hoher.
2019 stiegen die Einnahmen im klassischen Bereich um 2 Prozent. Die Probleme der
klassischen Musik im Streaming-Zeitalter allerdings scheinen auf zwei miteinander
verflochtene Kräfte zurückzuführen zu sein: Format und Metadaten.

Die Hörer klassischer Musik gehören immer noch der analogen Welt an. Laut MIDIA
Untersuchungen wird am liebsten diese Musik über Radio und CDs gehört. Ab 2017 gingen
jedoch die Verkäufe von CDs zurück.

Da die Interpretation eines Werkes ebenso entscheidend wie die Komposition selbst ist, sind
Metadaten - die beigefügte Tags, von existentieller Bedeutung für das Genre. Es gibt tausend
Unterschiede zwischen verschiedenen Aufnahmen von jedem Werk, je nach Künstler,
Dirigent, Orchester, etc. Wenn man nach Mozart sucht, wird jede verfügbare Einspielung
präsentiert, aufgelistet nach Veröffentlichungsdatum, und nicht nach Albumtitel. Und
zumindest bei Spotify ist es schwierig, nach verschiedenen Eingaben wie Performer,
Aufführung, oder Dirigent etwas zu filtern. Das macht die Suche zu einer Quälerei.

Metadaten sind nicht nur ein Mittel, um Inhalte so zu organisieren, dass die Künstler bezahlt
werden, sondern auch definitiv bei der Musikentdeckung. So ist es kein Wunder, dass Käufer
klassischer Musik immer noch auf CDs zurückgreifen, damit sie ihre Lieblingsaufführungen
garantiert finden. Der Mangel an verfügbaren Metadaten hat noch eine weitere Auswirkung
auf die klassische Musik: Sie wird zu einem Genre, das als Mittel und nicht als Zweck
existiert.

Unter den jungen Zuhörern ist dies ein Genre, die als Erfrischung fungiert. 2018 war
"relaxing piano" das sechste beliebteste Genre- vor Jazz oder Indie. Mood Playlisten,
Beethoven for reading, chillen, etc generieren hohe Umsatz, obwohl ein wichtiges
Diskussionsthema sind, da nur Einzelne kurze ausgewählte Sätze aus Gesamtwerken
gemischt werden. Von einem strategischen Standpunkt aus gesehen, wäre eine Umstellung
der Definition um "klassische Musik" erforderlich, auch die Anerkennung die zugrunde
liegenden Werte und Vorteile, die ein neues Publikum erwarten könnte.

Die Tonträgerindustrie und Verlage existieren alle im Einklang mit einer im Wesentlichen
non-Profit Welt klassischer Orchester, Operngesellschaften, Festivals und Konzertsäle, die
stattlich oder private subventioniert werden. Das Angebot regelmäßiger kostenloser
Veranstaltung über Streaming schadet den Interessen des Bereich. Es besteht aber die große
Möglichkeit einer Wiederbelebung und ständige Entwicklung der klassischen
Tonträgerindustrie, da neue Künstler, Führungskräfte und die Belohnungen des Streaming der
Branche neuen Wohlstand bringen. Nie zuvor war es einfacher, mit Fans zu interagieren.

Mit dieser gesammelten Information hatte ich noch mehr Fragen als Antworten. Ist das
musikalische Wert eines Werkes in frage zu stellen, das sich millionenfach verkauft hat? Ist
das musikalische Wert nicht notwendigerweise mit seinem kommerziellen Wert
gleichzusetzen? Ist der musikalische Inhalt nicht so relevant wie der kommerzielle Aspekt?
Was ist "klassische Musik", und wessen Definition ist von Bedeutung? Kann ein besseres
Marketing die Wählerschaft für klassische Musik erneuern? Bringen die digitale Media
Initiativen tatsächlich eine neue Generation von Zuhörern hervor? Wenn die Mehrheit der
Käufer ein begrenztes Wissen über klassische Musik hat, auf welcher Grundlage treffen sie
dann ihre Entscheidungen? Was wird passieren, falls das klassische Streaming wirklich
erfolgreich wird? Werden wir zukünftig ein klassisches Werk ganz durchhören können? Wie
viele Nutzer, die sich einzelne Sätze auf einer Playlist anhören, später das gesamte Werk
hören wollen? Was passiert mit der Musik, die nicht bekannt ist oder nicht unter beliebte
Suchkategorien wie ‚zum Studieren‘ oder ‚Chillen‘ etc. fällt? Welche Aufnahme soll ein
Nutzer aus dem enormen Katalog empfohlen bekommen? Inwieweit können digitale
Plattformen sich von dem Monopol der großen Plattenfirmen befreien? Wenn unabhängige
Künstler ihre Produktionen selbst finanzieren und ihren Inhalt über die Plattformen verbreiten
könnten, wären sie dennoch konkurrenzfähig? Können Apple, Spotify und Amazon den
Verbraucher davon überzeugen, für ein Abonnement zu bezahlen? Gibt es einen ausreichend
Markt von Experten, die eine höhere Audioqualität und besser kuratierte Plattformen fordern?
Können die DSPs diese anspruchsvolle Zielgruppe bedienen? Wie sieht die Zukunft des
audiovisuellen Streaming aus, das ein großes Publikum anzieht, insbesondere für kostenlose
Inhalte? Wie wird jemals ein rentables Geschäft entwickeln können, wenn ein erstklassiges
künstlerisches Produkt ständig gratis angeboten wird?

Ergebnis
Da habe ich mich mit Adorno beschäftigt, am Anfang mit der Dialektik der Aufklärung und
danach mit verschiedene Beiträge zu Musik und Musiksoziologie. Im Laufe der Zeit meiner
Recherche, konnte ich feststellen, dass Adorno Einschätzungen somit bei der Analyse
folgender aktueller Phänomene relevant wurden: Schallplatte, Künstler, Unterhaltungsshows,
Konzerte, Tourneen, Radiosendungen. Themen, die heutzutage als Säulen der Strategien zur
Produktplatzierung und Produktvermarktung dienen.

Es besteht eine Dichotomie zwischen leichter und seriöser Musik: Aufgrund der „Passivität
der Konsumenten“ wird am liebsten leichter Musik gehört und höherer Kunst lediglich aus
Prestigegründen. Die populäre Musik wird als gute Musik betrachtet; die ernste Musik
verwandelt sich in eine populäre und kommerzielle Version. Die Entdeckung der „guten
Musik“ über Medien und Plattformen ist daher illusorisch.

Die Vermarktung der klassischen Musik steht im Gegensatz zu dem, was sich Adorno von
einem 'ernsthaften'/klassischen Musik gewünscht hätte: Im Mittelpunkt steht nicht die Musik
selbst, sondern die Popularität des Albums und wie viele Streams, Downloads und
CD-Verkäufe es erzielt und wie viele Interviews der Künstler macht, indem er das Album
vorstellt. Wenn Alben mit großen Künstler wie Simon Rattle und Berliner Philharmoniker
oder Daniel Barenboim gemacht werden, wird der Künstler in den Mittelpunkt gestellt.
Adorno definiert die Kulturindustrie als "fortschreitende technische Dominanz, [die] zu einer
Massentäuschung wird, behindert die Entwicklung autonomer, unabhängiger Individuen, die
selbst urteilen und entscheiden". Konsumenten sind nicht unbedingt behindert worden.
Tatsächlich hat das Wachstum des Online-Handels auf dem Musikmarkt insgesamt die
Möglichkeiten, klassische Musik zu hören und selbst zu entscheiden, ob sie das Genre weiter
erforschen wollen, erheblich verbessert. Darüber hinaus hat es den Künstler selbst befähigt,
ihre Kunst zu handeln.

Classic Mainstream ist ein Beispiel dafür, was nach Ansicht von Adorno und Horkheimer mit
der Musikindustrie geschah. Die Musik wurde zum Produkt, die auf den Konsum ausgerichtet
ist. Kunst oder Statussymbol? In diesem Sinne hat die Kulturindustrie eine umgekehrte
Übernahme dessen vollzogen, was Adorno ernste Musik nannte. Klassische Musik kann als
hohe Kunst bezeichnet werden, jedoch diese Definition hebt eine Geschäftsethik nicht auf.
Hohe Kunst hat einen Produktfokus und populäre Kunst einen Marktfokus. Für den
traditionellen Konsumenten ist die Interpretation des Werkes von größter Bedeutung. Auch
für die Künstler, obwohl sie auch so viele Verkäufe wie möglich wollen und daher ist jede
Marketinginitiative zu begrüßen, weil sie ihren Lebensunterhalt verdienen müssen und zum
Objekt des Konsums wurden. So verlieren somit ihre kritische gesellschaftliche Rolle, oder
trauen sich nicht darüber zu äußern.

Die Ähnlichkeit der Musikprogramme in Schallplattenunternehmen, im Radio und auf


Konzerten zeigt ein verringerte marktwirtschaftlichen Handlungsspielraum. Das weltweite
Angebot bleibt zumeist dieselbe vor 100 Jahren und hat sich tatsächlich kaum verändert.

„ätherisch“ und „sublim“ sind zu Marketingbegriffen im klassischen Bereich geworden. Für


Adorno ist es eine der Folgen der Kapitalkonzentration in der Kommunikationsindustrie und
der Massenproduktion standardisierter Güter.

Dem Zuhörer werden Produkte aufgezwungen. Trotzdem ist er davon überzeugt, dass er eine
Wahl hat und das System nur für ihn agiert. Diese Illusion ist mit der Tendenz zu einer
Individualisierung und der Standardisierung verbunden, was besonders in der Nutzung von
Radio, Apps und Streaming zu erkennen ist.

Wie Adorno darlegte, und immer noch umstritten ist, inwieweit die technischen Bedingungen
des Rundfunks und Streamings ausreichend sind, die Musik in bestmöglicher Qualität zu
übertragen. Klassische Musik ist allerdings nicht notwendigerweise kompatibel mit Radio
und Streaming. Diese Musik ist nicht dafür gemacht, überall gehört zu werden: Weder
Handy- Kopfhörer oder Autolautsprecher, sind für das Klangerlebnis optimal.

Die profitorientierte Produktion wirkt sich sowohl auf die Form der Musik als Produkt als
auch auf ihre Wahrnehmung aus. Die aktuelle Musik verrät viel über die gegenwärtige
Kultur. Was am meisten gewöhnlich gehört wird, egal ob gestreamt, übers Radio oder im
Fernsehen, ist Unterhaltungsmusik. Damit wird die Aufmerksamkeit abgelehnt. Deshalb wird
Musik produziert, die unterhält und erfreut. Im Gegensatz zu Sinfonien, die mindestens 30
Minuten länger dauern, bedienen fünfminütige Lieder die kurze moderne
Aufmerksamkeitsspanne, weswegen sie für Streaming-Plattformen und deren Playlisten
geeignet sind. Diese Lieder sind zwar effizient für den Konsum, nicht aber in Hinsicht auf
reflektierte Wahrnehmung.

Der heutige Hörer kann eingängige, einfache musikalische Ideen erkennen und verstehen.
Das wurde von Adorno als „strukturelles Zuhören” definiert und kritisiert, da man nicht mehr
unterschiedliche Teile verbinden kann. Auf der anderen Seite kann man aufmerksam und
wesentlich bestimmter musikalische Diskurse festhalten. Deswegen sind Playlists so populär
geworden.

Gleichzeitig zieht man von der Möglichkeit einer anderen Musik zurück. Man will neue
Lieder mögen, die wie alten Lieder klingen. Nicht nur, weil mit Erinnerungen verbunden
werden. Das wurde als „Regressives Zuhören von Adorno definiert und deswegen findet man
Kompilationen wie Neujahrskonzert, Mozart for Babies, Christmas mit Jonas Kaufmann, etc.
Neue Musik zu hören ist anstrengend und erfordert Disziplin.

Die Mainstream-Musikkultur offenbar anstrebt ein ästhetischer Stillstand, in dem keine neue
„musikalische Idee“ hervorgebracht wird. Qualität wird nach Statistischen gemessen. Zahlen
scheinen die Determinanten der Ästhetik zu sein. Beim Hören wird auf jede Anstrengung so
weit wie möglich verzichtet und wird sich begnügt damit, geschmackliche Qualitäten zu
konsumieren und zu bewerten. Da die Popularität auf quantifizierbaren Daten beruht, wird
das „Anhören“ zum Kauf der Musik, sodass das tatsächliche Anhören keine Rolle mehr
spielt. Das bedingt den Musikgeschmack und setzt die Parameter dessen, was als „gute“
Musik gelten soll. Neue Musik kann ein großes Publikum erreichen, wenn sie die etablierte
‘Modelle‘ hält.

Der aktuelle Kontext rund um die klassische Musik ist nicht allzu weit entfernt von der
Typologie der Hörer von Adorno: Der Expert, der gute Zuhörer, der Kulturkonsument,, der
emotionale Zuhörer, der Zuhörer, der sich der Musik aus der Vergangenheit zuwendet und
die der „unterhaltsame“ Zuhörer, für den Musik nur der Entspannung willen dient.

Unter dem Motto der Demokratisierung der Kunst ergibt sich die Illusion, dass allen
Menschen Kultur gegeben wird. Das führt dazu, dass Plattensammeln und Konzertbesuche
regelmäßige Aktivitäten geworden sind. Allerdings gibt es kein bestätigendes Anzeichen,
dass aufgrund der großen Reichweite, die durch die technischen Entwicklungen ermöglicht
wird, die Konsumenten musikalisch kultivierter werden. Es fällt einem neuen Publikum nicht
immer leicht, sich mit dem Repertoire in Verbindung zu setzen. Ein Mangel an Sensibilität
und ungeschulte ästhetische Disposition führen häufig zu Ablehnung. Ohne einen scharfen
Verstand, um die musikalische Landschaft zu beurteilen, wird man, Adorno zufolge, am Ende
von der gleichen Kultur eingeschlossen, in der man aufgewachsen ist. Im Einklang mit
Adornos stellte Bourdieu fest, dass aus verschiedenen Gründen die Einfühlung einen Akt des
Erkennens voraussetzt, der die Umsetzung eines kognitiven Wissens und eines kulturellen
Codes impliziert.

Die Demokratisierung des Zugangs zur Musik selbst wird wenig nützlich sein, wenn nicht
das Wissen erworben werden kann, um den Wert dieser Musik zu erkennen. Ein Indiz dafür
ist die Reaktion des Publikums gegen zeitgenössische Musik. Das Publikum heißt die
unendliche Wiederholung von Klassikern gut, verlangt geradezu danach. Es ist auch kein
Zufall, dass in Ländern, in denen am meisten klassische Musik konsumiert wird, der Anteil
der Einwohner, die ein symphonisches Instrument gelernt haben, höher ist. Weltweite
Orchesterprojekte können als Teil eines Prozesses der Demokratisierung und Globalisierung
der klassischen Musik verstanden werden oder als ein Instrument der Kolonialisierung, der
darauf abzielt, künftiges Publikum auszusäen. Hierbei werden die sozialen Schichten und die
kulturelle Weitergabe innerhalb der Familie eine relevante Rolle spielen. Diejenigen, die zur
Kunst gelangen, werden diejenigen sein, die sich in besserer ökonomischer Lage befinden, da
der Erwerb einer ästhetischen Disposition von der Nähe zur Notwendigkeit und zur
praktischen Dringlichkeit abhängt.

Es wird infrage gestellt, und dies ist für relevanter denn je, ob die Menschen tatsächlich mit
der Musik in Berührung gebracht werden, die gesellschaftlich als wünschenswert oder gut
anerkannt werden sollte, ob sie wirklich an der Musikkultur teilnehmen oder lediglich
gezwungene Konsumenten sind. Welche Rolle spielt für sie die Musik tatsächlich?
Konsumiert man eine Sinfonie von Beethoven?

Die Kulturindustrie bestimmt die Objekte der Fetische, der „Werte“ und den „persönlichen“
Geschmack, aber auch Vorlieben und Wünsche, und bietet zugleich deren Befriedigung an.
Der musikalische Fetischismus geschieht unter einer Kultur, die die Gelehrsamkeit als
Statussymbol nimmt. Die großen Stars unserer Zeit, die Musikfestivals und Aufnahmen
unterstreichen das Konzept des Fetischs. Die übertriebene Fixierung auf den Klang eines
Stradivari oder Steinway, Konzerthäuser, Dirigenten und Solisten, z. B. Simon Rattle oder
Anne Sophie Mutter, oder „Greatest Hits“ wie Beethovens 5ter oder der Genuss des Erwerbs
einer Eintrittskarte, schaffen am Ende mehr Aufmerksamkeit, als die Musik selbst.

Damit verbunden ist die Bedeutung der Medien und der Regionalismus in der europäischen
Region. Medien neigen dazu, sich mehr auf Künstler aus eigenen Ländern zu konzentrieren,
und es ist klar, dass ein Künstler aus einer wohlhabenden und traditionellen Musikland wie
Frankreich, Österreich, oder Deutschland mehr Musik verkaufen wird als ein Star aus Peru.
Leider ist dieser Faktor heute wichtiger, und deshalb ist es schwieriger geworden, Künstler
aus kleineren und nicht traditionalen Länder zu positionieren.
Was oder wer ausgewählt wird, wird von mächtiger Akteuren bestimmt. Das Stars-Phänomen
verstärkt sich mit Streaming, Top Charts, Playlists und sozialen Medien weltweit weiterhin.
Das Bekannteste ist das Erfolgreichste und wird deshalb immer wieder gespielt und noch
bekannter gemacht. Streaming-Dienste werden über Playlist-Empfehlungen, weiter
entscheiden, welche Künstler oder Rechteinhaber ihre Hörerzahl und damit ihr Einkommen
erhöhen können. Künstler, die nicht populär sind, werden ignoriert, unabhängig davon, auf
wie vielen Plattformen ihre Musik verfügbar ist. Obwohl die Produktionskosten relativ
billiger geworden sid und der niedrigen Einstiegskosten egalitärer geworden sind, werden
jedoch die Einkommen der Künstler immer ungleicher.

Die Kulturindustrie hat alle Lebensräume, sowohl Arbeit als auch Freizeit, kolonialisiert. Wie
man mit anderen Menschen umgeht, ist immer in den Lehren des Kinos und des Fernsehens
enthalten, was ohne die Zustimmung der Kunden nicht überdauern würde. Das wird dadurch
unterstützt, dass die Verhaltensweisen in Form eines Produkts legitimiert werden.

Fazit
Adorno und Horkheimers Kritik in der Dialektik der Illustration ist alles andere als
optimistisch. Ein großer Teil der beschriebenen Strukturmerkmale und Strategien der
Kulturindustrie sind bis heute nicht nur erhalten geblieben, sondern verstärkt. Wir werden mit
hohen Dosen von Ablenkung durch die Medien bombardiert, was von uns fordert, die
Qualität des Inhalts kritisch zu bewerten.

Die kritische Entwicklung von Adornos Gedanken über die Technologie im Laufe der Zeit
jedoch ist ein Hinweis darauf, dass die Wahrnehmung der Realität dynamisch ist und sozial,
ökonomisch, technisch und historisch beeinflusst wird.

Die Kulturindustrie und die Konsumgesellschaft fordert einen ständigen Prozess der
Musikentwicklung. Durch die Kontrolle der Industrie und die Medien werden der
Musikkultur ästhetische Standards auferlegt. Nichtsdestoweniger ist die Einstellung und
Reaktion der Individuen auf das, was die Medien anbieten, ebenfalls ein wichtiger Faktor.
Änderungen in der Musikästhetik lassen sich daher aus dem technologischen, sozialen,
wirtschaftlichen und somit insgesamt kulturellen Wandel erklären. Die Analyse der Praktiken
des Produzierens, Verteilens und Konsumierens von Musik sind daher von großer Relevanz.

Die Musikindustrie befindet sich in einer Spannungsbeziehung mit der Gesellschaft. In


diesem Zusammenhang wird von den Konsumenten eine ständige Wachsamkeit verlangt.
Wenn der Wert der Musik gesellschaftlich als kritische Stimme hervorgehoben würde,
könnten Menschen dazu ermutigt werden, kritischen Zuhörern und aktiven Teilnehmern zu
werden.

Adorno Kritik ist eine Einladung, darüber nachzudenken, was in der klassischen
Musikbetrieb als merkantil und widersprüchlich aufgefasst werden könnte. Solange die
Musikerziehung und das Ästhetik-Wissen nicht erweitert werden, ist es unwahrscheinlich,
dass neue Zuhörer zu Konsumenten klassischer Musik entstehen werden, egal wie viele
Playlists oder Online-Inhalt verfügbar sind. An jener Stelle könnten Programme zur
Förderung der Musikerziehung von frühester Kindheit ansetzen und neue, interessierte
Rezipienten heranziehen.

Die Vermarktung und Objektivierung des kulturellen Erbes stellen eine komplexe
Problemstellung dar. Kulturerbe wird dank des industriellen Systems aufrechterhalten. Kunst
ist traditionell ein Objekt des Marktes mit einem beigemessenen, historisch veränderlichen
Wert. Tschmuck „Doppelgesichtigkeit der Kulturgüter“ betrachtet die Ökonomie selbst als
Kultur. Kulturgüter stiften also nicht nur einen ökonomischen Nutzen, sondern auch Sinn und
erzeugen damit gesellschaftlichen Zusammenhalt, Identität, soziales und kulturelles
Selbstverständnis und vieles mehr. Sie verlieren aber nicht ihre Symbolfunktion, nur weil sie
einen Tauschwert erhalten. Der soziale Zusammenhang entscheidet darüber, ob der kulturelle
oder der ökonomische Wert in den Vordergrund tritt.

Die Plattenfirmen investieren viel Kapital, um das Erbe für alle im Einklang mit den neuen
technologischen Fortschritten zugänglich zu machen. Labels sind sich des monetären und
nicht-monetären Wertes der Musik bewusst. Sie sind sowohl die Grundstruktur für die
Erhaltung des musikalischen Erbes als auch die treibende Kraft für technologische
Innovationen im Audiobereich.

Die Digitalisierung wirft grundlegende Fragen für die Musikwirtschaft auf: die Rolle von
Eigentumsrechten, das Verhalten von Akteuren und vor allem die Rolle der Innovation. Aus
der Perspektive der Informatik sind daher die Möglichkeiten ihrer Weiterentwicklung sowie
deren Auswirkungen interessante Forschungsgegenstände. Beispielsweise die
Personalisierung von Musikangeboten, Musikempfehlungen unter Zuhilfenahme
entsprechender Algorithmen.

Time is money: Es scheint die These richtig zu sein, dass das wichtigste wirtschaftliche
Problem, mit dem die Menschen konfrontiert sein werden, sei, was sie mit ihrer Freizeit
anfangen sollen.

Das Musikhören wird weiterhin ein wesentliches Element sein, Erfahrungen begleiten zu
können, Erinnerungen zu verstärken, Sinn und Zweck im Leben zu finden und
Gemeinschaften aufzubauen. So übersteigt Musik ihren wirtschaftlichen Wert. Das
Musikgeschäft offenbart auch die durchdringende Rolle von Emotionen bei der
Entscheidungsfindung und wirtschaftlichen Ergebnissen. Und genau deswegen, unabhängig
davon, wie rational die Produktion und Vermarktung der Musik gerechtfertigt wird, bleibt
ihre zukünftige Wahrnehmung unvorhersehbar.
● Aus welchem Grund haben Sie dieses ​Thema für Ihre Masterarbeit​ gewählt?
● Können Sie den Begriff X genauer erläutern?
● Warum haben Sie diesen Forschungsansatz gewählt?
● Womit haben Sie die ​Gütekriterien für die Erhebung von Daten in Ihrer
Methodik​eingehalten?
● Inwiefern lässt sich das Forschungsergebnis X Ihrer Arbeit auf den Bereich Y
übertragen?
● Welchen Mehrwert haben Ihre ​Forschungsergebnisse​?
● In dem Gutachten Ihrer Masterarbeit wurde X kritisiert. Welche Stellung nehmen Sie
zu dieser Kritik ein?
● Das Thema X wird momentan in den aktuellen Medien diskutiert. Wie tragen Ihre
Ergebnisse zu diesem Thema bei?