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B I LD E R D E S G LAUB E N S I N D E R ZE I T M A RT I N L U T H E RS

Museum Otto Schäfer


und Stadtarchiv Schweinfurt

BILDER DES GLAUBENS


IN DER ZEIT
M A RT I N L U T H E R S

Illustration und Einzelblattgraphik


1465-1565

Bearbeitet von Georg Drescher


Veröffentlichungen des Stadtarchivs Schweinfurt 28
Herausgegeben von Uwe Müller

Museum Otto Schäfer: Ausstellungskatalog / N.F. 7


Herausgegeben im Auftrag der
Dr.-Otto-Schäfer-Stiftung e. V. von Georg Drescher

Der Katalog erscheint anlässlich der Ausstellung


des Museums Otto Schäfer und des Stadtarchivs
Schweinfurt
BILDER DES GLAUBENS IN DER ZEIT MARTIN LUTHERS
Illustrationen und Einzelblattgraphik 1465-1565
im Museum Otto Schäfer, Schweinfurt
vom 27. September bis 29. November 2015

Die Ausstellung findet anläßlich der Lutherdekade


2008-2017 zum Motto des Jahres 2015 „Bild und
Bibel“ statt. Sie zählt zur Ausstellungsreihe der
Schweinfurter Museen „Im Zeichen der Luther- 7 Einleitung
dekade: 16 – 19 – 21“, die in Zusammenarbeit mit
dem Evangelisch-Lutherischen Dekanat Schweinfurt 17 Katalog
veranstaltet wird.
147 Künstler und Autoren in Auswahl
Text:
Georg Drescher 153 Abkürzungs- und Literaturverzeichnis

Kataloggestaltung:
Georg Drescher; Karl-Heinz Weppert

Druck: Bonitas print, Würzburg

ISBN: 978-3-926896-33-9

© 2015
Dr.-Otto-Schäfer-Stiftung e.V. und Stadtarchiv
Schweinfurt

Umschlag: Titelblatt der Niederdeutschen Lutherbi-


bel, Lübeck 1533/34 (Exp. 68)
Frontispiz: Albrecht Dürer: Die Hure Babylon.
Holzschnitt um 1496/98 (Exp. 24, Ausschnitt) Stadtarchiv und Stadtbibliothek
EINLEITUNG „Bild und Bibel“ lautet das Motto für 2015
der Lutherdekade 2008-2017 der Evangeli-
schen Kirche in Deutschland. Denn in die-
sem Jahr jährt sich der Geburtstag von
Lucas Cranach d. J. (1515-1586) zum fünf-
hundertsten Mal. Vater wie Sohn Cranach
gelten als künstlerische und mediale Propa-
gandisten der Reformation. Das Museum
Otto Schäfer und das Stadtarchiv Schwein-
furt präsentieren unter dem Titel „Bilder
des Glaubens in der Zeit Martin Luthers“
ein Jahrhundert religiöser Kunst von 1465
bis 1565. Die Schau zählt zur Ausstellungs-
reihe „Im Zeichen der Lutherdekade 16 –
19 – 21“,1 die die Schweinfurter Museen in
Zusammenarbeit mit dem Evangelisch-
Lutherischen Dekanat Schweinfurt veran-
stalten. Die Ausstellung beschränkt sich
dabei auf Buchillustration und Einzelblatt-
graphik und zeigt 76 Exponate, die weitge-
hend aus den lokalen Beständen des Muse-
ums Otto Schäfer, des Stadtarchivs Schwein-
furt und der Sakristeibibliothek St.
Johannis, Schweinfurt stammen.

Neben Arbeiten der Cranachs und ihrer


Werkstatt sind mit Albrecht Dürer, Hans
Holbein d. J., dem Hauptmeister der Lübe-
cker Bibel, Michael Wolgemut, Wilhelm
Pleydenwurff, Hans Baldung Grien, dem
Petrarcameister, Hans Schäufelein, Hans
Springinklee, Wolf Traut, Hans Sebald
Beham, Leonhard Beck, Jörg Breu d. Ä.,
Urs Graf, Heinrich Vogtherr d. Ä., Erhard
Altdorfer, Georg Lemberger und Jost
Amman ein Großteil der Künstler des
ausgehenden 15. und der ersten beiden
Drittel des 16. Jahrhunderts vertreten.

7
Während Dürer 1512 der festen Überzeu- glauben Gott gefalle und durch bilde yhm
gung war, die Kunst des Malens werde ge- keyn gefallen geschicht, sondern eyn verlor-
braucht im Dienst der Kirche, um das Lei- ner dienst und kost ist, fallen die leute selbs
den Christi anzuzeigen3, verwahrte sich Lu- williglich davon, verachten sie und lassen
ther in seinem Sermon von der Betrachtung keyne machen“.6 Und er verwies auf seine
des Heiligen Leidens Christi sieben Jahre Bibel, die auch von den Bilderstürmern eif-
später gegen eine Frömmigkeit, die sich mit rig gelesen werde, obwohl sie doch so viele
Hilfe von „bildelein und büchlein“4 in die Illustrationen enthalte. Was aber in den Bü-
Passion versenke. Dabei ging es weniger um chern nicht schade, könne man für ein bes-
die Bilder selbst – sie waren für Luther seres Verständnis der Heiligen Schrift auch
weder gut noch böse –, sondern um die An- an die Wände malen: „So bitten wyr sie nu°
betung und Verehrung von Bildwerken oder gar freuntlich, wollten uns doch auch gon-
ihrer Stiftung als gutem Werk oder um des nen zu thun, das sie selber thun, Das wyr
Ablasses willen. auch solche bilder mügen an die wende
malen umb gedechtnis und besser verstands
In der Auseinandersetzung um das Sakra- willen, Syntemal sie an den wenden ia so
ment des Abendmahls mit seinem aus Sach- wenig schaden als ynn den büchern, Es ist
sen ausgewiesenen Doktor vater Andreas yhe besser, man male an die wand, wie Gott
Albrecht Dürer: Der Heilige Hieronymus im Gehäuse Hans Baldung Grien: Martin Luther als Augustinermönch in Karlstadt, der 1522 den Bildersturm in Wit- die wellt schuff, wie Noe die arca bawet und
Monogrammierter und datierter Kupferstich, 1514 der Nische, Holzschnitt, 1520 tenberg ausgelöst hatte, verurteilte Luther was mehr guter historien sind, denn das
dann den Bildersturm entschieden und man sonst yrgent welltlich unverschampt
sprach sich für den didaktischen Einsatz von ding malet, Ja wollt Gott, ich kund die
Die Ausstellung beginnt mit dem Meister- die große Popularität eines Wittenberger Bildern aus: „Nu° begeren wyr doch nicht herrn und die reychen da hyn bereden, das
stich Albrecht Dürers aus dem Jahr 1514 Mönches. Lucas Cranachs Kupferstich mehr, denn das man uns ein crucifix odder sie die gantze Bibel ynnwendig und auswen-
„Der Heilige Hieronymus im Gehäuse“. „Martin Luther als Augustinermönch in der heyligen Bilde lasse zum ansehen, zum dig an den heusern fur ydermans augen
Der lateinische Kirchenvater genoss am Aus- Nische“ (1520) – vom sächsischen Hof zu zeugnis, zum gedechtnis, zum zeychen malen liessen, das were eyn Christlich
gang des Mittelalters größte Verehrung. In Propagandazwecken eingesetzt – wurde zu [...]“.5 Das Vorgehen der Bilderstürmer er- werck“.7 Luther denkt dabei vor allem an
Nürnberg erreichte sie gerade im Jahr des einem überwältigenden medialen Erfolg, kläre sich allein aus der Furcht vor der die Einfältigen und Kinder, die durch Bilder
Meisterstichs einen Höhepunkt, als der den die kurfürstliche Kanzlei nicht mehr zu Macht der Bilder: „Das bilde stürmen habe die göttliche Lehre besser begreifen könn-
Ratsschreiber Lazarus Spengler höchstper- steuern vermochte. In zahlreichen, häufig ich also an gryffen, das ich sie [= die Bilder, ten als durch das Wort. Er greift damit eine
sönlich die Vita des Heiligen ins Deutsche sakral aufgeladenen Nachschnitten kursierte d. A.] zu erst durchs wort Gottes aus den didaktische Idee Papst Gregors auf, nämlich
übertrug. Sein Freund Dürer steuerte hier- das Porträt des Reformators im ganzen hertzen rysse und unwerd und veracht die der Armenbibel. Er widerspricht damit
für den Holzschnitt „Der Heilige Hierony- Reich. Und der päpstliche Nuntius Hierony- machte, wie es denn auch also schön ge- Karlstadt, der von der Nutzlosig- und
mus in der Felsengrotte“ bei. Breiten Volks- mus Aleander meldete dem Heiligen Stuhl schehen ist, ehe denn D. Carlstadt vom bil- Schädlichkeit der Bilder fest überzeugt war:
schichten war der Kirchenvater als frommer, vom Wormser Reichstag 1521: „So hat man destürmen trewmete. Denn wo sie aus dem „Aber Gregorius spricht. Die Leyhen sollen
sich geißelnder Büßer in der Wüste heraus- ihn (= Luther) denn auch neuerdings mit hertzen sind, thun sie fur den augen keynen bilder gebrauchen/ fur bucher. Sage mhyr
ragendes Vorbild für die Nachfolge Christi, dem Sinnbild des Heiligen Geistes über dem schaden. Aber D. Carlstadt, dem nichts ge- lieber Gregori/ oder laß mirs ymand sagen.
als Gelehrter und Übersetzer der Bibel galt Haupte und mit dem Kreuz oder auf einem legen ist an den hertzen, hat das umkeret Was kunden doch leyhen auß bildern guts
er humanistischen Kreisen als Ideal. Sein anderen Blatt mit der Strahlenkrone darge- und sie aus den augen gerissen und ym hert- lernen? Du must ye spreche[n]/ das man
strahlender Nimbus und der anderer ‚Mode- stellt: und das kaufen sie, küssen es und tra- zen stehen lassen. [...] Denn wo die hertzen eytel fleyschlich leben vn[d] leyden darauß
heiliger‘ verblasste aber zunehmend durch gen es selbst in die kaiserliche Pfalz“.2 unterrichtet sind, das man alleyn durch den lernet/ vn[d] das sie nit weider furen dan

8 9
yns fleisch/ ferner mogen sie nit brengen. Bilderjahr der Reformation – erhält Luthers
Exemplum/ Auß dem bild des gecreuzigten Betbüchlein ein illustriertes Passional, seine
Christi lernestu nicht/ dan das fleischlich Evangelienpostillen erscheinen erstmals mit
leyden Christi. Wie Christus sein heubt ge- zahlreichen Holzschnitten und Großer und
neigt/ vnd der gleiche[n]. Nhu sagt Chris- Kleiner Katechismus werden mit Bildern
tus/ das sein eygen fleisch nit nutz sey/ ausgestattet. Aber auch die zwinglianische
sondern dz der geist/ nutz sey vn[d] Zürcher Bibel von 1531 (Exp. 10) enthält
lebe[n]dig thun machen. Szo spricht auch eine Holzschnittfolge, die gemessen an der
Petrus. Das Christus/ worte hat gehabt/ Zahl der Bilder alle bisherigen deutsch-
des ewigen lebens vnd gaistes. Dieweil nun sprachigen Bibeldrucke übertrifft. Im Buch
dye bilder stum/ vnd taub seind/ konden ist also wenig von protestantischer „Bilder-
weder sehen noch horen. weder lerne[n] feindlichkeit“ zu finden, aber auch wenn
oder leren. vn[d] deuten/ auff nichs anders alte Bildmotive wieder aufgegriffen werden,
dan vff lauter vnd blos fleisch/ das nicht stehen sie doch in neuem Kontext und
nutz ist“.8 neuer Funktionalität.

Luthers Sicht auf die Bilder – bei zuneh- In der Bibel gibt es dabei prinzipiell die
mend positiverer Bewertung derselben – wenigsten Veränderungen. Für die zahlrei-
wechselt so nach Adressat, an den er sich chen vorreformatorischen deutschsprachi-
wendet: Ein radikaler Ikonoklast gegenüber gen Bibeldrucke wie für die Lutherbibeln
altgläubiger Bildpraxis und -verehrung, ein gilt: Evangelien und Episteln werden im
vehementer Verteidiger der Kunstwerke ge- besten Fall nur mit einem Bild des jeweili-
genüber den Bilderstürmern und ihrer Be- gen Autors ausgestattet, die Apostelge-
kämpfung der Idolatrie. Geprägt ist die „via schichte mit Maria im Kreis der Jünger. Im
media“9 Luthers aber auch von Zweifeln in Neuen Testament bedarf allein die Apoka-
der Bilderfrage. Denn „alles, was Luther lypse einer umfangreichen Illustrierung, weil
zum Bild sagt,“ ist „gekennzeichnet von ihr schwer verständlicher Inhalt so besser
Unsicherheit und Zaudern, von Zurück- begriffen werden kann. Für Luther schon
nahme des früher Gesagten und fehlendem deshalb kein Problem, weil er die Offenba- Kreuzigung, Holzschnitt aus der Pflanzmann-Bibel, Augsburg um 1475/76
Zusammenhang“.10 Eine Bedingung ist für rung des Johannes nicht für ein authenti-
Luther aber unumstößlich: Das Bild hat sich sches Buch der Heiligen Schrift hielt. Got-
dem Wort unterzuordnen. So beraubt er es tesdarstellungen finden sich – neben der gibt es ansonsten nur auf dem Titelblatt, Lutherbibel schafft, der auch behutsam
weitgehend seiner Ausdruckskraft. Ein Bei- Apokalypse – nur im Alten Testament. Der meist in Form eines antithetischen oder ty- neue Illustrationen für die Evangelien vor-
spiel dafür sind die Holzschnittfolgen zur Schöpfer der Welt und Überbringer der Ge- pologischen Titelblattes, das Begebenheiten sieht, stößt das in Wittenberg auf Kritik:
Apokalypse von Albrecht Dürer und Lucas setzestafeln blickt zudem aus dem Himmel des Alten und Neuen Testaments gegen- „Der ehrwirdige Herr Doctor Martinus Lu-
Cranach d. Ä. Den Illustrationen von Cra- auf viele alttestamentarische Szenen herab. überstellt (Exp. 17, 68). ther hat die Figuren in der wittenbergischen
nach und seiner Werkstatt bescheinigt man Gegen dieses unausgesprochene Verbot ver- Biblia zum Teil selber angegeben [...] und
im Vergleich „nüchterne Lehrhaftigkeit“.11 stößt nur Jodokus Pflanzmann in seinem Als Jost Amman für das Frankfurter Verle- wollt nicht leiden, daß man uberlei und un-
Augsburger Bibeldruck um 1475. Er wagt gerkonsortium Georg Rab, Sigmund Feyer- nütz Ding, daß zum Text nicht dienet, sollt
In der gebundenen Graphik werden Luthers im Matthäusevangelium die Kreuzigung abend und die Erben von Weigand Han dazu schmieren, wie jetzt die Nachdrücker
Vorschläge bald aufgenommen. 1529 – im darzustellen. Einen Platz für das Bild Christi eine neue umfangreichere Bildfolge für die in ihren Biblien getan haben. Die Figuren in

10 11
ihren Biblien sind klein und was den Text Hatte Hans Baldung Grien noch 1516 – wie rers, aber auch der überbordende Schrein
belanget, fast unkenntlich. Um die Figuren meist üblich – die Gebote durch ihre Über- oder Schatzbehalter der waren Reichtümer
herum haben sie viel Narrenwerk, Puppen- tretung in einem zeitgenössischen Umfeld des Hails vnd der ewigen Seligkeit des Nürn-
werk und Teufelswerk lassen malen. Denn ins Bild gesetzt, bemüht Cranach allein bib- berger Predigers Stephan Fridolin aus dem
sie haben etliche Leisten um die Figuren las- lische Geschichten für die Darstellung des Jahr 1491. Der Christus der Passion ist für
sen machen, weil die Figuren so klein sind, göttlichen Gesetzes. Für das zehnte Gebot ihn „der punct, das centrum, das mytelst
darauf stehet so närrische Fantasey von teuf- wird etwa ein positives Beispiel gewählt, stetlein unßer hoffnung“16. Dem hätte Lu-
lischen Angesichten, Uhu und andern, un- nämlich die Flucht Josephs vor dem Weib ther sofort zustimmen können: „Christus
flätigen, gräßlichen Angesichten und Mons- Potiphars. Das vierte Gebot erhält ein ambi- finis omnium et centrum“17; aber auch Eras-
tris. Und haben solche Leisten um die Figu- valentes Bild: die Trunkenheit Noahs. Wäh- mus von Rotterdam zeigt dasselbe Verständ-
ren geschlossen und gesatzt, welche viel rend Ham den gebührenden Respekt vor nis für Christus in seinem Enchirdion militis
besser im Marcolfo [=Salomon und Markolf, seinem trunkenen und entblößten Vater ver- christiani. Er ermahnt den Leser, „daß du in
ein drastisches Volksbuch der Zeit], denn in missen lässt, bedecken Sem und Jafet seine Christus das einzige Ziel deines Lebens
der Biblia neben Gottes Wort stehen soll- Scham, ohne ihn dabei anzusehen (Exp. 61, siehst und auf ihn allen deinen Eifer, alle Be-
ten“.12 63-64). Die Dekalogbilder werden „Cra- mühungen, jede Muße und Beschäftigung
nachs einziger Holzschnittzyklus zu einem richtest“.18 Die Reformation „mit ihrer
Die Apokalypse bedarf besonderer Erwäh- speziellen Stück protestantischer Kirchen- christozentrischen, passionsorientierten,
nung. Sie wird zum Ort der konfessionellen lehre“13 bleiben. gnaden- und vertrauenszentrierten Theolo-
Polemik. Lucas Cranach d. Ä. erweitert für gie“19 wird diesen Strang der Frömmigkeit
das Septembertestament 1522 die berühmte In der zahllosen Passionsliteratur um 1500 aufnehmen. Es bleibt aber im Gegensatz
Holzschnittfolge Dürers aus dem Jahr 1498 Lucas Cranach d. Ä.: Die Hure Babylon spiegelt sich die Frömmigkeit und die Ori- zum Spätmittelalter wenig Platz für die
auf 21 Bilder. Die Hure Babylon und das Holzschnitt aus dem Septembertestament, 1522 entierung auf Christus in dieser krisen- Muttergottes, die zweite „Zentralgestalt der
Untier aus dem Untergrund tragen die geschüttelten Umbruchszeit, die sich „nach göttlichen Barmherzigkeit“20 jener Zeit, und
päpstliche Tiara, und Babylon erscheint in festen Gnaden- und Heilsgarantien“14 sehnt. für die Heiligen.
Gestalt der Heiligen Stadt. Der Papst wird den waren: Rekonstruktionen des Ornats „Frömmigkeit wird als tiefpersönliche Er-
in diesen Bildern zum Antichristen stilisiert. des Hohenpriesters, der Stiftshütte, des salo- fahrung von Religiosität verstanden, die eine Das Titelblatt der Reformationszeit be-
Zahlreiche Nachdrucke übernehmen diese monischen Tempels und des Tempelgerätes. eigene enge Beziehung und Bindung zwi- schließt die Ausstellung. Es wird zum Trä-
Bilder, in den Wittenberger Ausgaben müs- Denn auch Theologen sollen statt der Vul- schen dem Gläubigen und Gott herstellt. ger christlicher Botschaft. Noch bevor Lucas
sen auf Einspruch des sächsischen Herzogs gata seine deutsche Bibel verwenden. Sich in die Situationen des christlichen Cranach d. Ä. in der zweiten Hälfte der
Georg des Bärtigen zumindest die Papstkro- Heilsgeschehens hineinzuversetzen, sie 1520er Jahre von der rein ornamentalen Re-
nen entfernt werden. Die zensierten Holz- Zahlreiche Bilder zur Kindheit, zum Leben nachzuempfinden, wird eine wichtige Vor- naissancebordüre zu einer szenisch gestalte-
schnitte, die aber immer noch Rom als und Leiden Christi finden sich außerhalb aussetzung der Andachtspraxis [...]“.15 Bil- ten Titelrahmung übergeht21, hat Hans
Babel zeigen, dienen auch Emsers katholi- der Bibel. Dort verpönt, illustrieren sie um der erleichtern dabei die Meditation über die Holbein d. J. in Basel bereits programmati-
scher Ausgabe des Neuen Testaments von so häufiger Evangelienharmonien, Marienle- Leiden Christi. Die zeitgenössischen Drucke sche Entwürfe für das Titelblatt gestaltet
1527 zum Schmuck (Exp. 27). ben, Passionare, Plenarien, Postillen, Evan- der Passionare sind vielfältig. Die Texte kön- (Exp. 70).
gelienauslegungen und Gebetbücher. Viel- nen noch aus dem 14. Jahrhundert stam-
Wenn Luther im Alten Testament die Zahl fach greift reformatorisches Schrifttum tra- men, der Frömmigkeitsbewegung der Devo- Zu den komplexesten Lösungen zählt das
der Bilder gegenüber etlichen vorreformato- dierte Bildmotive nach einer kurzen Phase tio moderna nahestehen oder neulateini- Motiv von „Gesetz und Gnade“, das auch
rischen Drucken reduziert, nimmt er den- der Bilderlosigkeit wieder auf. Für Luthers scher, humanistischer Bibelepik angehören. als Gemälde weite Verbreitung fand. Es
noch neue Illustrationen auf, die bislang nur Katechismus aber wird Lucas Cranach d. Ä. Ein künstlerischer Höhepunkt sind sicher stellt antithetisch bzw. typologisch Szenen
in gelehrten lateinischen Editionen zu fin- den Dekalog in neue Bilder umsetzen. Die Große und Kleine Passion Albrecht Dü- des Alten Testaments unter dem Motto Ge-

12 13
setz und des Neuen Testaments unter dem sächsischen Kurfürsten kniend und betend
Motto Gnade gegenüber (Exp. 68). Es ist unter dem Kreuz: Für Altgläubige ein
immer wieder als rein protestantisches Lehr- Beleg, dass Luther nun Bildwerke anbete.
bild aufgefasst worden, war aber durchaus Für den Reformator selbst wird das neben-
überkonfessionell beliebt. Lucas Cranach d. sächlich gewesen sein. Denn ihm selbst ging
J. setzt den Schlusspunkt der Ausstellung es in erster Linie um eine missbräuchliche
mit einer Titelrahmung aus dem Jahr 1545 Bildpraxis, gegen die er sich durch seinen
für Luthers lateinische Werkausgabe (Exp. Glauben gut gewappnet sah.
76). Sie zeigt den Reformator und den

1
Die Zahlen 16, 19 und 21 verweisen auf die Jahr- der Oktav-Ausgaben des Neuen Testaments in
hunderte, deren Kunst die jeweilige Ausstellung Mittel-, Nord- und Westdeutschland). Straßburg
behandelt. 1924. (Studien zur deutschen Kunstgeschichte
2
Hofmann, S. 153 226), S. 4
3 12
Dürer I, S. 15 Drescher, Georg: Die Bibelillustration im ge-
4
WA II (1884), S. 136 druckten Buch. In: Wort, S. 13-18, S. 16
5 13
Luther, Martin: Wider die himmlischen Prophe- Cranach I, S. 368; s. S. 366-369 und Nr. 255
14
ten, von den Bildern und Sakrament. 1525. In: Hamm, S. 6
15
WA XVIII (1908), S. 37-214, S. 80 Lipowski, Katrin und Claudia Wiener: pia carmina
6
Ebd., S. 67 cum figuris. Dürers Zusammenarbeit mit dem
7
Ebd., S. 82 Dichter Benedictus Chelidonius. In: Marienleben,
8
Karlstadt, Andreas: Von Abthuhung der Bylder, S. 39-57, S. 48
16
vnd das keyn Betdler vnther den Christen seyn Hamm, S. 12
17
sollen. Wittenberg 1522, Bl. B1r-B1v Ebd.
9 18
Cottin, Jérôme: Das Wort Gottes im Bild. Eine Erasmus, Desiderius: Enchirdion militis christiani.
Lucas Cranach der Jüngere: Titelholzschnitt mit Luther und dem Kurfürsten betend unter dem Kreuz für eine Ausgabe des Neuen Testa- Herausforderung für die protestantische Theolo- In: Ders.: Ausgewählte Schriften. Herausgegeben
ments 1546, die deutsche Werkausgabe Luthers und andere Schriften; hier aus dem Dritten Teil der deutschen Werkausgabe gie, Göttingen 2001, S. 251 von Werner Welzig. 8 Bde., Darmstadt 1968, Bd.
10
Ebd., s. S. 251-273 1., S. 55-375, S. 169
11 19
Zimmermann, Hildegard: Beiträge zur Bibelillus- Hamm, S. 37
20
tration des 16. Jahrhunderts. (Illustrationen und Ebd., S. 12
21
Illustratoren des ersten Luther-Testamentes und Cranach I, S. 352-358

14 15
Übersicht über den Katalog KATALOG

Exp. 1-2 Auftakt: Hieronymus und Luther


Exp. 3-5 Memnotechnische Bildsysteme
Exp. 6-7 Evangelienharmonien
Exp. 8-28 Bibel
Exp. 8-10 Schöpfung
Exp. 11-15 Altes Testament
Exp. 16-19 Neues Testament
Exp. 20 Tendenzen des Titelblattes
Exp. 21-28 Apokalypse
Exp. 29-32 Marienverehrung
Exp. 33-38 Heiligenlegenden
Exp. 39-53 Passionsliteratur
Exp. 54-57 Plenar, Postille und
Evangelienauslegung
Exp. 58-60 Gebetbuch
Exp. 61-64 Dekalog und Katechismus
Exp. 65-67 Apostel
Exp. 68-76 Das Titelblatt der Reformationszeit

16 17
1
ALBRECHT DÜRER
Der Heilige Hieronymus im Gehäuse
Monogrammierter und datierter Kupferstich, 1514
MOS, D-59

Allein in seinem druckgraphischen Werk hat Im selben Jahr publizierte der Freund Dürers und
Albrecht Dürer den Kirchenvater Hieronymus Nürnberger Ratsschreiber Lazarus Spengler seine
sechs Mal ins Bild gesetzt. Das berühmteste Blatt ist Übersetzung der Vita des Kirchenvaters, für die der
sicherlich sein Meisterstich „Der Heilige Hieronymus Künstler bereits zwei Jahre zuvor den Holzschnitt
im Gehäuse“ aus dem Jahr 1514. Hier wird allein „Der Heilige Hieronymus in der Felsengrotte“
der gelehrte Bibelübersetzer und Theologe darge- geschaffen hatte (s. Exp. 35). Hierfür verband man
stellt, dessen Übersetzung der Heiligen Schrift aus das Motiv des Gelehrten mit dem des Büßers und
den Ursprachen ins Lateinische als Vulgata lange Eremiten. In Nürnberg galt der Kreis um den
Zeit als einzig maßgebliche Fassung galt. Der be- Augustiner Johannes von Staupitz als „Kern eines
reits von Dürer verwendete Begriff Gehäus, mit humanistischen Hieronymus-Kultes [...] im zweiten
dem der Künstler den Kupferstich wohl nur von sei- Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts“ (SMS I, S. 176).
nen Darstellungen des Hieronymus als Büßer und Auch Dürer gehörte zu diesem Kreis. Matthias
Eremit in der ‚Wüste‘ abgrenzen wollte, evoziert Mende hat angeregt, in dem Meisterstich im über-
Gemütlichkeit, die sich aber immer wieder als frag- tragenen Sinne ein Portrait des Erasmus von Rotter-
würdig erweist. Rückwand und Decke sind nach- dam als ‚neuen‘ Hieronymus zu sehen.
träglich aus Holz eingezogen: Sollen sie die Studier-
stube des Kirchenvaters von einem größeren, zugi- Lit.: Sander, S. 260; SMS I, Nr. 70, S. 174-178; Dürer III,
gen Raum abtrennen, oder hat man marode Nr. 8; Dürer I, Nr. 48
Bausubstanz provisorisch saniert? Der in seine Ar-
beit versunkene Greis ist von Todes- und Vanitas-
symbolen umstellt: der Totenkopf auf der Fenster-
bank, das Tischkreuz, die Sanduhr an der Wand und
der an der Decke aufgehängte, getrocknete Fla-
schenkürbis. Ist er sich dieser Bedrohung bewusst?
Er scheint sich zumindest dadurch nicht von seiner
Arbeit abhalten zu lassen. Im Vordergrund döst der
Löwe, dem Hieronymus einst einen Dorn aus der
Pfote gezogen hat und der zu den klassischen Attri-
buten des Kirchenvaters gehört. Der neben ihm
schlafende Hund entspringt einer anderen ikonogra-
phischen Tradition, dem aus Italien stammenden
Motiv des Gelehrten im Studiolo. Der kostbare
Kupferstich Dürers belegt die große Verehrung, die
der gelehrte Heilige gerade bei Humanisten genoss.

18 19
2
MARTIN LUTHER
De captivitate Babylonica ecclesiae praeludium
Straßburg: Johann Schott, 1520. 4°
Aufgeschlagen: Martin Luther, Holzschnitt von
Hans Baldung Grien
MOS, OS 1206

In seiner zweiten Programmschrift Von der babyloni- seret iratos impia terra Deos“. (Gottheiten haben
schen Gefangenschaft der Kirche wandte sich Luther uns den himmlischen Luther hervorgebracht, lange
der eigentlichen Theologie, vor allem der Sakramen- haben unsere Zeiten nichts Größeres gesehen.
tenlehre zu. Daher wurde sie auch in Latein ver- Wenn ihn der grausame Irrtum der Päpste nieder-
öffentlicht. Zudem sah er in seinem Werk für den drückt, wird das frevlerische Land keine zornigen
„gemeinen Haufen“ eine „noch zu starke Speise“ Götter hervorbringen) (Übers. nach Ritter! Tod!
(WA VI, S. 487). Kernpunkt war die Abendmahls- Teufel?, S. 171). In der vorliegenden Straßburger
lehre, die ihm durch drei „Gefangenschaften der Ausgabe des Druckers Schott hat Hans Baldung
Kirche“ verdunkelt erschien: Zum einen durch die Grien das Portrait nach dem bekannten Kupferstich
Verweigerung des Laienkelchs, zum zweiten die Lucas Cranachs Martin Luther als Augustinermönch
Transsubstantiationslehre, nach der die Substanz in der Nische (1520) entworfen. Dabei hält er in der
von Wein und Brot in das Blut und den Leib Christi Rechten ein Buch – wohl die Bibel –, „der linke
verwandelt wird, und zum dritten durch die Lehre Arm erhebt sich im Sprachgestus“ (Ritter! Tod!
von der Messe als gutem Werk und Opfer. Luther Teufel?, S. 173). Im Jahr darauf wird Baldung den
erkannte in der Schrift nur Abendmahl und Taufe, Holzschnitt variieren. Über dem Reformator
eventuell noch die Buße als Sakramente an. schwebt nun der Heilige Geist, dessen Aureole auch
das Haupt Luthers umfängt. Diese oder ähnliche
De captivitate Babylonica ecclesiae erschien erstmals Holzschnitte wird Aleander im Sinne gehabt haben,
am 6. Oktober 1520 in Wittenberg. Die Programm- als er vom Wormser Reichstag aus 1521 nach Rom
schrift wurde noch im selben Jahr in Straßburg und meldete: „In Augsburg verkaufte man vor einiger
Augsburg, in Wien und Basel, in Leiden und Ant- Zeit das Bild Luthers mit dem Heiligenscheine, hier
werpen nachgedruckt. Der päpstliche Nuntius wurde es ohne denselben feilgeboten und zwar
Hieronymus Aleander (1480-1542) brandmarkte unter so großem Zudrang, daß im Nu alle Exem-
sie als gotteslästerlich. Die Straßburger Ausgaben plare verkauft waren, ehe ich mir noch eines ver-
erweckten bei ihm weiteren Unmut, da in diesen schaffen konnte“ (Ritter! Tod! Teufel?, S. 171).
„zuletzt zwei Hunde gedruckt, die sich mit einan-
der beißen, welche die Pfaffen und Laien bedeuten“ Lit.: Ritter! Tod! Teufel?, S. 171-173, Nr. 3.14 a-c; Holm, Bo
(zit. nach WA VI, S. 493). In den Nachdrucken Christian: De captivitate Babylonica ecclesiae praeludium. In:
wurde der Rückseite des Titelblattes häufig ein Luther-Lexikon, S. 153-154; Hofmann, S. 153-154, Nr. 27;
Portrait Luthers mit einem lateinischen Vierzeiler Mende, Nr. 436; WA VI (1888), S. 484-496
eingedruckt: „Numina coelestem nobis pepere Lu-
therum, / Nostra diu maius saecla videre nihil. /
Quem si Pontificum crudelis deprimit error, / Non

20 21
3
Biblia pauperum
[Niederrhein?, ca. 1460; Druck um 1465-70]. 2°
Fragment mit den Doppelblättern 17r-18s, 19t-20v
Ausgestellt:
Judas erhält seinen Lohn, Fußwaschung,
Abendmahl (Abb.), Gefangennahme Christi
MOS, OS 461

Die Biblia pauperum oder Armenbibel, vermittelt Das Fragment enthält vier von einst 40 Blättern mit
die zentralen Inhalte der Bibel durch ein ausgeklü- den Motiven Judas erhält die 30 Silberlinge (r),
geltes, typologisches Bildsystem. Auf vierzig Seiten Abendmahl (s), Fußwaschung (t) und Gefangen-
wird in der Mitte eine Station des Lebens und Lei- nahme Christi (v). Das Bild der Gefangennahme
dens Christi (Antitypus) vorgestellt, seitlich flankiert zeigt den Moment, als die Juden zu Boden fallen.
von zwei Darstellungen aus dem Alten Testament
(Typus), die auf die neutestamentliche Szene ver- Dem Bild des Abendmahls werden folgende alt-
weisen. Eine ist dabei aus der Zeit vor der Gesetz- testamentarische Begebenheiten gegenübergestellt:
gebung Mose, die andere aus der Zeit danach. zum einen Melchisedek, der dem siegreichen Abra-
Dieses Bildsystem schafft somit Verknüpfungen zwi- ham Brot und Wein anbietet, zum anderen die
schen Altem und Neuem Testament, zwischen Mannalese. Das Brot, das der Priester Melchisedek
Heilsverheißung und Heilserfüllung. Am oberen Abraham präsentiert, hat bereits die Form einer
und unteren Rand jeder Seite erscheinen je zwei alt- Hostie angenommen. Oben rechts erscheint König
testamentarische Personen, häufig Propheten, als David mit Vers 25 des 78. (77.) Psalms: „Das Brot
Halbfiguren hinter Fensterbrüstungen. Sie werden der Starken durfte essen der Mensch, Speise sandte
mit Versen, die sich ebenfalls auf die zentrale Szene er ihnen in Fülle“, ihm gegenüber fordert Salomo
beziehen, auf den seitlichen Spruchbändern zitiert. auf: „Kommt! Esset von meinem Brot und trinkt
An den beiden Seiten oben werden die beiden Text- von dem Wein, den ich gemischt!“ (Spr IX,5).
stellen für die alttestamentarischen Bilder ausführ- Unten links mahnt der Prophet Jesaja: „Warum
lich angegeben. Die Szene aus dem Neuen Testa- wägt ihr Silber dar für das, was kein Brot ist, und
ment hingegen wird als bekannt vorausgesetzt. gebt euer mühsam Erworbenes für das, was nicht
sättigt. Höret doch auf mich, und ihr sollt das Beste
Die Biblia pauperum ist Mitte oder Ende des 13. essen und eure Seele wird sich am Fett laben“ (Js
Jahrhunderts entstanden und in zahlreichen Bilder- LV,2). Unten rechts wird aus dem apokryphen Buch
handschriften und wohl ab 1430/40 auch in Form der Weisheit zitiert: „Statt dessen nährtest du dein
von Blockbüchern verbreitet worden. Während die Volk mit Engelsspeise und reichtest ihnen unermüd-
Manuskripte ihren Ausgang von Österreich und lich fertiges Brot vom Himmel“ (Weish XVI,20). Schrift und eine zumindest rudimentäre Beherr- Lit.: Riedel-Bierschwale: Biblia pauperum. In: Vom ABC bis
Bayern genommen haben, ist die Urausgabe des schung des Lateinischen voraus. Sie könnte dem zur Apokalypse, Nr. 4, S. 46-53; Wendland, Henning: Biblia
Blockbuches in den Niederlanden zu lokalisieren. Die Biblia pauperum – der Name entstand erst in „didaktischen Zweck der Veranschaulichung und pauperum. In: LgB2 I (1987), S. 363-364; Henry, Avril:
Das ausgestellte Fragment gehört der vierten Block- späterer Zeit – ist weder eine Bibel für völlig Mittel- Memorierbarkeit typologischer Zusammenhänge“ Biblia pauperum. A facsimile edition. 1. publ., Aldershot 1987,
buchausgabe an. Die Druckstöcke dürften um lose, noch für die Armen im Geiste, denn sie setzte oder auch „privater Andacht“ (Riedel-Bierschwale, bes. S. 78-87
1460, die Abzüge um 1465/70 entstanden sein. Lesefähigkeit, eine gewisse Kenntnis der Heiligen S. 47) gedient haben.

22 23
4
PETRUS VON ROSENHEIM
Hexastichon Sebastiani Brant in memorabiles
euangelistar[um] figuras.
Bearbeitet von Sebastian Brant.
[Pforzheim]: Thomas Anshelm, 1502. 4°
Aufgeschlagen: Tafel 5 zum Matthäusevangelium
MOS, OS 646

5
PETRUS VON ROSENHEIM
Hexastichon Sebastiani Brant in memorabiles
euangelistar[um] figuras.
Bearbeitet von Sebastian Brant.
[Pforzheim]: Thomas Anshelm 1504. 4°
Aufgeschlagen: Tafel 1 zum Johannesevangelium
MOS, OS 510

Sebastian Brant (1457/58-1521) hat das Hexasti- zum Evangelium des Johannes, fünf zu Matthäus,
chon in memorabiles evangelistarum figuras aus zwei drei zu Markus und vier zu Lukas – bietet sie eine
Quellen biblischer Mnemonik zusammengestellt, Übersicht über die Kapitel der vier kanonischen
dem Roseum memoriale divinorum eloquiorum des Evangelien. Die Illustrationen zeigen als zentrales
Petrus von Rosenheim (um 1380-1433) und dem Motiv das Evangelistensymbol, also für Matthäus
Blockbuch Ars memorandi per figuras evangelista- den Mensch bzw. Engel, für Marcus den Löwen, für
rum. Petrus von Rosenheim, der Organisator der Lukas den Stier und für Johannes den Adler. Dem
Melker Klosterreform, hatte von 1418 bis 1423 als Symbol werden Gegenstände zugeordnet, die ein
Prior und anschließend bis 1426 als Cursor biblicus Kapitel charakterisieren und mit der entsprechenden
und Magister studentium in Melk gewirkt. In den Zahl versehen sind. Die Bilder werden von einem
letzteren Ämtern war er für die Bibellesung zustän- Prosatext begleitet, der die bedeutendsten Inhalte
dig, wie für die Unterrichtung der Novizen in gemäß den Bildern aufführt.
Grammatik, Rhetorik und Dialektik. Zu dieser Zeit
erstellte er im Auftrag des Kardinals Giulio Brandi Diese Bilder werden für das Hexastichon in memora-
di Castiglione das Roseum memoriale, das in jeweils biles evangelistarum figuras übernommen, aber der
einem Distichon je ein Kapitel aller biblischen Bü- Prosatext wird stark gekürzt und darunter die Verse
cher – mit Ausnahme des Psalters – charakterisierte. des Petrus von Rosenheim gesetzt. Daher kann der
Bibelschüler sollten so einen schnellen Überblick Text auch Begebenheiten anführen, die im Bild
über die Heilige Schrift erhalten und sich deren In- nicht symbolisiert werden. Auch für diese Schrift
halt besser merken können. Um 1470 kam Brants gilt wie für die Biblia pauperum (Exp. Nr. 3): Der
zweite Quelle, die Ars memorandi per figuras evan- Leser muss bereits mit der Bibel vertraut sein, um
gelistarum, auf. Mit fünfzehn Holzschnitten – drei Text und Bild zu begreifen.

24 25
Der erste Holzschnitt thematisiert Kapitel 1-6 des das Brot des Lebens“ (Jo VI,35). Beide Zeichen
Johannesevangeliums. Über dem Kopf des Adlers repräsentieren das sechste Kapitel.
erscheint der Heilige Geist, seitlich das Haupt
Christi bzw. Gottvaters als Zeichen der Trinität und Das fünfte Bild zum Matthäusevangelium symboli-
der Fleischwerdung Gottes für das erste Kapitel. Vor siert mit den fünf Öllampen der klugen Jungfrauen
dem Körper des Adlers erscheint für Kapitel 2 eine das Gleichnis von den zehn Jungfrauen (25. Kapi-
Laute (Hochzeit zu Kanaa) und drei Geldbeutel tel). Sie umgeben den Kopf des Engels gleich einem
(Vertreibung der Händler aus dem Tempel). Kapitel Heiligenschein. Die Hostie vor der Brust des Evan-
3 symbolisiert eine Vagina, die die Frage des Niko- gelistensymbols steht für das Abendmahl und die
demus aufgreift: „Wie kann ein Mensch geboren Einsetzung der Eucharistie (26. Kapitel). Aus den
werden, wenn er ein Greis ist? Kann er etwa zum Knien des Engels scheinen gleichsam zwei Köpfe zu
zweitenmal in den Schoß seiner Mutter eingehen erwachsen. Sie stehen für die Hohenpriester und die
und geboren werden?“ (Jo III,4). Das vierte Kapitel Ältesten, die Christi Tod beschlossen haben (27.
wird wiederum in zwei Zeichen am Ende des Adler- Kapitel). Das letzte und 28. Kapitel wird durch drei
schwanzes angezeigt: mit einem Eimer für die Be- Salbgefäße und die Fahne des Auferstandenen ge-
gegnung mit der Samariterin am Brunnen und einer kennzeichnet.
Krone für die Heilung des Sohnes des königlichen
Beamten. Der Fisch über dem linken Flügel ver- Lit.: Bacher, Rahel: Ars memorandi per figuras evangelistarum.
weist auf die Heilung am See Bethesda im fünften In: Vom ABC bis zur Apokalypse, Nr. 7, S. 68-73; Rosenfeld,
Kapitel. Über dem rechten Flügel stehen zwei Fi- Hellmut: Petrus von Rosenheim. In: Verfasserlexikon VII
sche und fünf Brote für die Speisung der Fünf- (1989), Sp. 518-521; Rosenfeld, Hellmut: Ars memorandi. In:
tausend sowie eine Hostie für Christi Wort: „Ich bin LgB2 I (1987), S. 144-145; Schreiber IV, S. 134-145

26 27
6
JOHANNES GEILER VON KAYSERSBERG
Passio Christi
Straßburg: Johann Knobloch, [1506]. 2°
Aufgeschlagen:
Ecce homo, Holzschnitt von Urs Graf
MOS, OS 1041

Evangelienharmonien bieten das Leben und Leiden fehlt, während die Schaustellung Christi mit „Ecce
Christi in einem Erzählstrang gemäß den vier homo“ und „Pilatus wäscht sich die Hände“ über
Evangelien. Johannes Geiler von Kaysersbergs zwei Holzschnitte verfügt. Die letzte Illustration
Evangelienharmonie beschränkt sich auf die Passion. zeigt Christus mit den Leidenswerkzeugen, die
Einbezogen werden auch alttestamentarische Stellen dem Schlussgedicht des Herausgebers Matthias
und die Evangelienharmonie Montessaron des fran- Ringmann (1482-1511) an Geilers Freund Jakob
zösischen Mystikers Johannes Gerson (1363-1429). Wimpfeling (1450-1528) gegenübergestellt ist. In
Am Rand werden die entsprechenden Bibelstellen der Evangelienharmonie selbst können die seiten-
und die Hauptbegebenheiten angeführt. Geilers großen Holzschnitte wegen der Kürze etlicher Kapi-
Darstellung gliedert sich in 24 respektive 25 Kapi- tel nicht immer dem zugehörigen Text beigesellt
tel, da der Abschnitt XIII doppelt gezählt ist. Die werden. Mehrmals entsteht dabei die Situation, dass
Passio setzt beim Tempelweihfest ein, auf dem sich sich zwei Illustrationen ohne jeglichen Text gegen-
Jesus als Sohn Gottes bezeichnet und die Juden überstehen. Den Holzschnitten von Urs Graf sind
ihn zu steinigen trachten, und endet mit der Auf- nicht wie in Beringers Evangelienharmonie (Exp.
erstehung. Nr. 7) die entsprechenden Bibelstellen eingeschnit-
ten, häufig werden aber Orte bzw. Personen ange-
Bei den Holzschnitten zu dieser ersten Ausgabe geben oder Schriftbänder eingefügt. Bei der Schau-
handelt es sich um ein Frühwerk des Schweizer stellung Christi umgibt Pilatus ein Band mit der
Künstlers Urs Graf (um 1485-1527/28). Die 25 Aufschrift: „Ecce homo“, während die Juden
Stöcke umfassende Folge könnte schon seit 1503 „crucifig[e eum]“ schreien. Im Palast des Pilatus ist
entstanden sein, als Graf während seiner Wander- als vorausgegangene Begebenheit das Verhör Christi
schaft als Goldschmiedegeselle in Straßburg tätig zu sehen.
war. Anregungen von Schongauer und Holzschnit-
ten der Straßburger Offizin Grüninger sind ebenso Lit.: 50 Jahre, Nr. 17; Buchillustration, Nr. 62; Oldenbourg,
deutlich wahrzunehmen, wie die Schwierigkeiten, Maria Consuelo: Die Holzschnitte des Vrs Graf zur Passion
die der Künstler noch bei der Zeichnung der Perso- und die des Johann Wechtlin zum Leben Jesu. In: Geck,
nen, der Anordnung der Gruppen und der perspek- Elisabeth (Hg.): Festschrift für Josef Benzing. Wiesbaden,
tivischen Wiedergabe hat. Jedem Kapitel ist ein 1964, S. 291 – 310
Holzschnitt zugeordnet, aber bei den beiden letzten
wird der Holzschnitt mit den drei Marien am Grab
wiederholt. Eine Illustration zur Dornenkrönung

28 29
7
Das Neue Testament kurz und gründlich in eine
Ordnung und Text geführt
Evangelienharmonie des Jacob Beringer nach der
Übersetzung Martin Luthers
Straßburg: Johann Grüninger für Jacob Beringer,
24. Dez. 1527 [i.e. 1526?]. 2°
Aufgeschlagen: 24. Figur, Jesus vor Hannas und
Kaiphas und die Verleugnung des Petrus, Holz-
schnitt von Heinrich Vogtherr d. Ä.
Olim Dr.-Otto-Schäfer-Stiftung e.V.

Die Evangelienharmonie des Speyrer Domvikars Aufgeschlagen ist die 24. Figur mit den vier Statio-
Jacob Beringer (ca. 1. H. 16. Jh.) stützt sich auf den nen Jesus vor Hannas (A) und Kaiphas (B), Verspot-
Text von Luthers Neuem Testament. Die Evange- tung Jesu (C) und Verleugnung des Petrus (D). Im
lien fasst er in 29 Abschnitten zusammen, denen Hintergrund ist noch die Wegführung Jesu aus
jeweils eine Figur, d. h. eine Merktafel vorangeht. Gethsemane zu sehen, der Kelch steht verlassen
Auf ihr sind die wichtigsten Szenen des Abschnitts auf dem Ölberg. Direkt darunter die Vorführung
abgebildet. Sie werden mit durchlaufenden Buch- Christi vor Hannas in dessen Haus. Links davon der
staben versehen, die auch den kurzen Versen über Palast des Kaiphas, dem Jesus ebenfalls vorgeführt
der Tafel und dem nachfolgenden Evangelientext wird. Hier hat der Künstler versäumt, den Buch-
beigegeben sind. Im Bild und im Text werden dazu staben B anzubringen. Im selben Gebäude die Ver-
die passenden Kapitel angegeben, M für Matthäus, spottung Jesu durch die Schergen, die ihm die
R für Markus, L für Lukas und I für Johannes. Nach Augen verbunden haben, damit er weissage, wer
der eigentlichen Evangelienharmonie gibt Beringer von ihnen ihn gerade schlage. Unterhalb des Hauses
den Text der Apostelgeschichte, der Episteln und ein ummauerter Garten, in dem Petrus dreimal
der Apokalypse wieder und setzt Merktafeln in sel- Christus verleugnet, unten mittig ein kleines Ge-
ber Art dazu. Da in Volkssprache gehalten, haben bäude, in dem der beschämte Apostel über seine Tat
die insgesamt 64 Figuren und die biblischen Texte bitterlich weint. Bei Station A ist allein Johannes 18
tatsächlich ein lesefähiges Laienpublikum angespro- (und fälschlich auch 11), bei Station D sind die Ka-
chen – im Gegensatz zu den früheren lateinischen pitel M 26, R 14, L 22 und I 18 angegeben, die
mnemotechnischen Bildsystemen (s. Exp. Nr. 3-5). auch für die beiden vorherigen Ereignisse stehen.
Die Bildtafeln hat Heinrich Vogtherr d. Ä. (1490-
1556) und seine Werkstatt ausgeführt. Beringer, der Lit.: Wort, Nr. 14; WLB E 167; Muller, Frank: Heinrich Vogt-
auch den Druck seiner Evangelienharmonie selbst herr der Ältere (1490-1556). Aspekte seines Lebens und Wer-
finanzierte, dürfte aber das Bildsystem zusammen- kes. Dillingen 1990 (Sonderdruck des Historischen Vereins
gestellt haben. Dillingen), S. 19

30 31
8
Biblia, deutsch
Augsburg: [Günther Zainer, ca. 1475-1476]. 2°
Aufgeschlagen: Schöpfung, Bildinitiale I zum
1. Buch Mose, Holzschnitt
AvS, 3728

Mit der Bibel Zainers von ca. 1475/76 beginnt die geschichtlichen Büchern ist eine Darstellung Gottes
Bibelillustration im deutschsprachigen Buchdruck. kaum anzutreffen. Neben seiner Darstellung als
Nach den beiden Straßburger Drucken von 1466 Schöpfer (Genesis) übergibt er nur zu Beginn des
und 1470 „versuchte Zainer nun den Text gründ- Buches Deuteronomium Moses die Gesetzestafeln.
lich nach der Vulgata zu bessern und sprachlich zu Häufig ist er auf den Illustrationen zu den propheti-
modernisieren, an der von der kaiserlichen Kanzlei schen Büchern zu sehen, aber auch zu Beginn der
gepflegten Schriftsprache auszurichten und (erst- Evangelien. In der Initiale zu Markus ist die Aufer-
mals in einer deutschsprachigen Bibel) durch Bild- stehung, in der zu Lukas die Darstellung und Be-
initialen am Textanfang der biblischen Bücher schneidung Christi zu sehen. Die rechte Hälfte der
durchgehend zu illustrieren“ (Reinitzer, S. 66). In Initiale I zum Johannes-Evangelium wird von einer
der Regel wird Zainers Bibeldruck Priorität vor dem Darstellung der Trinität eingenommen. Diese drei
seines Augsburger Konkurrenten Jodokus Pflanz- Initialen charakterisieren damit Schwerpunkte des
mann (s. Exp. 16) eingeräumt. Er ist nach Reinitzer entsprechenden Evangeliums.
wegen seiner Textredaktion und seines Buch-
schmucks eine „eigene und geschlossene Leistung“ Die Initiale I zu Beginn der Genesis zeigt Gottvater
(S. 69). als Schöpfer. Die Linke hat er auf die Erdscheibe
gelegt, die Rechte segnend erhoben. Gezeigt wird
Nach einem sorgfältigen Programm hat der Augs- die Weltschöpfung und in einem ummauerten Gar-
burger Drucker siebzig Initialen anfertigen lassen, ten der Sündenfall. Eine befestigte Ortschaft ver-
von denen er nur zwei ein zweites Mal einsetzt. Sie weist wohl bereits auf die Zeit nach dem Sündenfall.
zeigen eine oder mehrere bedeutende Begebenhei-
ten des jeweiligen biblischen Buches. Vor allem bei Lit.: Wort, Nr. 5; Ehe, Nr. 1; Doumit, S. 73-99; Reinitzer,
den Propheten, Evangelisten und Verfassern der S. 66-69; Eichenberger/Wendland, S. 29-38; Landgraf/
Episteln wird die szenische Darstellung mit einem Wendland, S. 33, 62-64; WLB E 7; Schramm I (1920),
Autorenbild kombiniert. Reine Autorenbilder sind S. 29-21, Nr. 609-681
selten. In den Initialen zum Pentateuch und den

32 33
9
Biblia, deutsch
Bd. 1. Nürnberg: Anton Koberger, 17. Februar
1483. 2°
Aufgeschlagen: Schöpfung, Holzschnitt zum
1. Buch Mose, um 1478
Olim Dr.-Otto-Schäfer-Stiftung e.V.

In Köln wurden um 1478/1479 zwei niederdeut- Gottvater ist in den Bildern zum Pentateuch fast
sche Bibeln mit 113 bzw. 123 Holzschnitten her- immer präsent. Dasselbe gilt auch für die Apoka-
ausgegeben. Die Finanzierung dieser beiden auf- lypse. Die Holzschnitte zum Markus-, Lukas- und
wendigen Ausgaben wurde durch ein Konsortium Johannes-Evangelium lehnen sich an die Initialen
getragen, dem auch der Nürnberger Drucker Anton Zainers an und zeigen daher wiederum Auferste-
Koberger angehört haben dürfte. Wohl deshalb hung, Weihnachtsgeschichte und Trinität.
stand ihm der größte Teil der Kölner Holzschnitte
1483 für seine oberdeutsche Bibelausgabe zur Ver- Das Schöpfungsbild der Koberger-Bibel unter-
fügung. Die Holzschnitte sind erstmals als durch- scheidet sich stark von der Bildlösung Zainers. Der
gängig großformatige, zweispaltige Illustrationen quadratische Holzschnitt präsentiert die Welt in vier
angelegt und stehen gleichberechtigt neben dem konzentrischen Kreisen. Der äußere steht für die
Text. Die meisten Motive gehen – mittel- oder un- himmlische Sphäre mit Gott und den Engelscharen.
mittelbar – auf eine handschriftliche Historienbibel Der Atem Gottes fließt auf die innere Scheibe, die
zurück, die um 1460 in Köln entstanden ist. Die Erde, wo wir Gott nochmals erblicken, wie er gerade
Vorbilder zu den zehn Holzschnitten für die Apoka- Eva aus der Rippe Adams erschafft. „Die doppelte
lypse dürften in den Miniaturen niederländischer Darstellung Gottvaters zeigt diesen nicht nur als
Handschriften zu suchen sein. Mit der weiten Ver- den Schöpfer und Herren aller seiner handgetat,
breitung der Koberger-Bibel in einer Auflage von sondern macht deutlich, daß die Schöpfung aus
1.500 Exemplaren wurden die Kölner Holzschnitte dem Wort Gottes mit dem Odem seines Mundes
zu den maßgeblichen vorreformatorischen Bibelillu- hervorgeht“ (Reinitzer, S. 69). Im zweiten Kreis
strationen. Im Original wurden sie nochmals in der ist das Meer mit seinen Bewohnern eingezeichnet,
Halberstädter Bibel von 1522 eingesetzt. Für die im dritten das Firmament mit Sonne, Mond und
Ausgaben von Grüninger (Straßburg), Schönsperger Sternen.
und Otmar (beide Augsburg) wurden sie kopiert.
Auch die eigenständigen Illustrationen der Lübecker Lit.: Wort, Nr. 6; WLB E 22; Doumit, S. 121-1991; Reinitzer,
Bibel (Exp. Nr. 11) nahmen Anregungen der Kölner S. 68-70; Landgraf/Wendland, S. 71-78; Eichberger/Wend-
Holzschnitte auf. Die Rezeption der Bilder zur land, S. 65-86, 91-96; Wendland, S. 355; Schramm XVII
Apokalypse reicht durch die berühmte Holzschnitt- (1934), S. 3, 8, Schramm VIII (1924), Nr. 357-473
folge Dürers, der die Kölner Illustrationen sicherlich
bei seinem Paten Anton Koberger gesehen hat, weit
darüber hinaus (s. Exp. 21).

34 35
10
Die ganze Bibel der ursprünglichen
hebräischen und griechischen Wahrheit
Zürich: Christoph Froschauer d. Ä., 1531. 2°
Aufgeschlagen: Schöpfung, Holzschnitt zum
1. Buch Mose
Olim Dr.-Otto-Schäfer-Stiftung e.V.

Noch bevor Martin Luther eine vollständige Bibel- Die Zürcher Bibel wählt für den Schöpfungsholz-
übersetzung vorlegen konnte, erschien in Zürich schnitt, der vielleicht von Hans Asper (1499-1571)
1531 eine Gesamtbibel reformierter Prägung. Man entworfen wurde, ein besonders großes Format.
übernahm weitgehend Luthers Übersetzungen, so- Bereits die Sensenschmidt-Bibel (um 1477/78)
weit sie schon vorlagen. Die fehlenden Schriften oder die Kölner Holzschnitte hatten sich für ein
übertrugen Zürcher Theologen ins Deutsche, wobei Sonderformat entschieden. Die Zürcher Illustration
Ulrich Zwingli (1484-1531) sich des Psalters an- beschränkt sich auf den letzten Schöpfungsakt Got-
nahm. tes, auf die Erschaffung der Eva. Sie scheint aus der
Seite des schlafenden Adams herauszuwachsen, wäh-
Obwohl im zwinglianischen Zürich seit 1524 keine rend Gottvater ihr die Linke auflegt und sie mit der
Bilder mehr in den Kirchen geduldet wurden, über- Rechten segnet. Das Bild zeigt nicht mehr die Erde
trifft Froschauers Bibel mit knapp 200 Holzschnit- als Scheibe oder die Welt in konzentrischen Kreisen,
ten und 216 Bildinitialen die Illustrationszyklen sondern einen Landschaftsausschnitt. Mit Land und
aller früheren Drucke. Die 21 Holzschnitte zur Wasser, Himmel und Gestirnen, Pflanzen und Tie-
Apokalypse gehen auf Hans Holbein d. J. zurück ren repräsentiert er aber die gesamte, noch friedlich
und waren bereits 1523 in Basel verwendet worden. vereinte Schöpfung. Die Initiale A zu Textbeginn
Sie setzten den Zyklus Cranachs für das September- der Genesis stellt hingegen schon den Sündenfall
testament (s. Exp. 27) unzensiert in kleinformatige dar.
Bilder um. 36 weitere Illustrationen stammen aus
früheren Bibelausgaben Froschauers. Neu sind 118 Lit.: Wort, Nr. 16; 50 Jahre, Nr. 10; WLB E 252
Holzschnitte zum Alten Testament, die wohl von
Veit Specklin (†1550) ausgeführt wurden. Minde-
stens 69 von ihnen liegen Zeichnungen Holbeins
zugrunde. Denn deren Motive finden sich neu
geschnitten in Holbeins Bilderbibel von 1538. Die
Illustrationen gelten als schlicht, schrift- und situa-
tionsgerecht. Mit einfachen Mitteln und strenger
Beschränkung werden dramatische Szenen vorge-
stellt. Holbeins Folge setzte neue Maßstäbe für die
Bibelillustration (s. Exp. 13).

36 37
11
Biblia, niederdeutsch
Lübeck: Steffen Arndes, 19. Nov. 1494. 2°
Aufgeschlagen:
Moses schlägt Wasser aus dem Felsen, Holzschnitt
Die Schlacht mit den Amalekitern, Holzschnitt
Olim Dr.-Otto-Schäfer-Stiftung e.V.

Die Lübecker Bibel von 1494, die dritte nieder- Die restlichen Schnitte eines zweiten, noch einem
deutsche Bibelausgabe, ist ein Meisterwerk der älteren Illustrationsstil verhafteten Künstlers sind
Buchillustration. Ihre 152 Holzschnitte von 100 weit stärker dem Bilderzyklus der Kölner Bibelaus-
Stöcken gelten als die bedeutendsten Bibelillustra- gaben verhaftet. Vier Holzschnitte hat der Drucker
tionen der Inkunabelzeit. Die Bilder zu den fünf Steffen Arndes seinem Plenarium von 1485 ent-
Büchern Mose und sechs weitere Schnitte werden nommen.
dem Hauptmeister der Lübecker Bibel zugeschrie-
ben, der mitunter mit dem lübischen Maler und Aufgeschlagen sind zwei Holzschnitte des Haupt-
Bildhauer Bernt Notke (um 1440-1509) oder mit meisters: „Moses schlägt Wasser aus dem Felsen“
verschiedenen niederländischen Wanderkünstlern und „Die Schlacht mit den Amalekitern“.
identifiziert worden ist. Seine eigenständigen Illu-
strationen zählen zu den kunstgeschichtlich bedeut- Die niederdeutschen Bibeln stehen der Frömmig-
samsten jener Zeit. Die realistische und deutliche keitsbewegung der Devotio moderna sehr nahe.
Charakteristik der Personen mit ihren bildbestim- Anders als die vorausgehenden Kölner Ausgaben,
menden, ausdrucksvollen Gesichtern und die be- die in ihrer Einleitung eine deutsche Übersetzung
achtliche perspektivische Beherrschung des Raums rechtfertigen, erhebt die Lübecker Bibel die selbst-
heben diese Holzschnitte weit über das Niveau der bewusste Forderung, alle sollten die Bibel lesen. Die
Buchillustration im 15. Jahrhundert, wenn man von Texterläuterungen wurden vorwiegend der Postille
Dürers Apokalypse absieht. Die doppelte Rahmung des Nicolaus von Lyra (um 1270/75-1349) ent-
der Bilder verstärkt ihren perspektivischen Eindruck. nommen und direkt in den Bibeltext einbezogen.
Die feine Schraffur und Binnenzeichnung vervoll- Der Glossator zeigt dabei große Vertrautheit mit
kommnete die Holzschnitte, so dass sie keiner der zeitgenössischen Erbauungsliteratur.
Kolorierung mehr bedurften.
Lit.: 50 Jahre, Nr. 7; Wort, Nr. 7; Buchillustration, Nr. 52;

Doumit, S. 215-251; Landgraf/Wendland, S. 80-81; Eichen-


berger/Wendland, S. 199-134; Schramm XI (1928), S. 10-12,

Nr. 948-1047

38 39
12
Der dritte Teil des Alten Testaments
Wittenberg: [Christian Döring und
Lucas Cranach d. Ä.], 1524. 2°
Aufgeschlagen: Die Verspottung des Hiob,
Holzschnitt von Lucas Cranach d. Ä.
Olim Dr.-Otto-Schäfer-Stiftung e.V.

1523/24 gab Martin Luther die ersten drei Teile Der dritte Teil ist am sparsamsten illustriert. Das
seiner Übersetzung des Alten Testamentes heraus. Titelblatt zeigt die Anschlagung Christi ans Kreuz.
Der erste Teil enthielt den Pentateuch, der zweite Auch hier zeigt sich bereits, dass die Darstellung des
die historischen Bücher (Josua bis Ester), der dritte Gottessohnes in der Bibel vor allem ein Thema des
Teil die poetischen Bücher (Hiob, Psalter, die Titelblattes ist. Von hoher Balustrade aus betrachten
Sprüche und den Prediger Salomonis, Hoheslied). Moses, David und zahlreiche Propheten das Ge-
Die im Register bereits aufgeführten prophetischen schehen. Damit wird klargestellt, dass es sich nicht
Bücher sind erst später in Einzeldrucken erschienen um das historische Ereignis selbst handelt, sondern
(vgl. Exp. 20). die Titelrahmung auf die Weissagung des kommen-
den Messias im Alten Testament verweist. Während
Mit der Illustrierung beauftragte er wie beim Neuen dieser Holzschnitt als Werkstattarbeit gilt, hat der
Testament Lucas Cranach d. Ä. und seine Werkstatt. Meister selbst den einzigen Textholzschnitt entwor-
Mit 38 Holzschnitten – die drei Titelblätter einge- fen. Die „Verspottung des Hiob“ zeigt den Aussät-
rechnet – bleibt die Bebilderung sparsam. Im zwei- zigen, den seine Frau und Freunde verhöhnen. Im
ten Buch Mose und im ersten Buch der Könige fal- Hintergrund ist der Tod seiner Kinder und der
len zahlreiche Sachillustrationen zum Ornat des Raub seiner Herden zu sehen.
Hohenpriesters, zum Tempel in Jerusalem und zu
seiner Ausstattung auf. Die meisten Illustrationen Lit.: Wort, Nr. 10; Cranach I, S. 334-335, S. 343, Nr. 230;
weist der zweite Teil mit Holzschnitten zur Ge- WLB E 99
schichte Samsons, Davids und Salomons auf, von
denen einige – vor allem zu Samson – auf Luthers
persönlichen Wunsch entstanden sind.

40 41
13
Die ganze Bibel, das ist alle Bücher alten und neuen
Testaments, den ursprünglichen Sprachen nach
Zürich: Christoph Froschauer d. Ä., 1539/1540. 2°
Aufgeschlagen: Illustration zu Psalm 52 (53),
Holzschnitt von Hans Holbein d. J.
AvS, 3616

Die Zürcher Bibel (s. Exp. 10) wurde mehrmals in die ersten Verse des Psalms wieder. Im Holzschnitt
kurzen Abständen aufgelegt. Die Ausgabe von Holbeins ist ein Tor zu sehen, den ein Windrad und
1539/1540 verwendet den originalen Bildschmuck ein Steckenpferd als kindisch ausweisen. Sein merk-
von 1531 wieder, darunter die 118 Holzschnitte würdiger Kopfputz mag im ersten Augenblick als
zum Alten Testament. Mindestens 69 von ihnen lie- indianisch erscheinen. Dieses Motiv findet sich aber
gen Zeichnungen Holbeins zugrunde. Denn deren bereits vor der Entdeckung Amerikas in einer Aus-
Motive finden sich neu geschnitten in Holbeins gabe der Malermi-Bibel, die 1490 in Venedig er-
Bilderbibel von 1538. Die Illustrationen gelten als schienen ist. Holbein wird dieses Bild aber wohl
schlicht, schrift- und situationsgerecht. Mit ein- durch Lyoner Bibeln des frühen 16. Jahrhunderts
fachen Mitteln und strenger Beschränkung werden kennengelernt haben, die seiner Komposition näher
dramatische Szenen vorgestellt. Holbeins Folge stehen. In Holbeins Icones von 1538 erscheint das
setzte neue Maßstäbe für die Bibelillustration. Motiv in Seitenverkehrung.

Der Künstler hat zudem Illustrationen zu biblischen Lit.: Wort, Nr. 16; 50 Jahre, Nr. 10; WLB E 312; Kästner,
Büchern geschaffen – etwa dem Psalter –, die zuvor Manfred: Die Icones Hans Holbeins des Jüngeren. Ein Beitrag
im deutschen Buchdruck kaum bebildert wurden. zum graphischen Werk des Künstlers und zur Bibelillustration
Der Holzschnitt zu Psalm 52 (heutige Zählung 53) Ende des 15. und in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts.
zeigt ein außergewöhnliches Motiv, das ohne Kon- Bd. 1-2, Heidelberg 1985, Bd. 2, S. 469, 469A, 469B, S. 894,
text nicht als Bibelillustration zu identifizieren wäre: Abb. 668-670; Wüthrich, Lucas: Windrädchenlanze und
„DJe leychtfertigen toren sprechend in jren Steckenpferd: Kinderturnier und Kampfspielzeug um 1500. In:
hertze[n] / Es ist kein Gott: Dann sy sind in boß- Zeitschrift für schweizerische Archäologie und Kunstgeschichte
heit alle zerbrochen und greüwlich worden/ es ist 38 (1981), H. 4, S. 279-289, bes. Nr. 24 und 35
keiner der gutes thüye“. So gibt die Zürcher Bibel

42 43
14 15
Textus bibliae Biblia, Das ist: Die ganze Heilige Schrift, deutsch
Bd. 1-7, Basel: [Johann Froben und Johann Frankfurt, Main: Kilian Han für Weigand Hans
Petri für Johann Amerbach, 1506?-1508?]. 2° Erben, 1574. 2°
Aufgeschlagen: Bd. 2, [1506], Bl. 138r, Aufgeschlagen: Der Tempel und der Palast Salomos,
Grund- und Aufriss des Tempels, Holzschnitt Holzschnitte von Jost Amman, um 1564
AvS, 3761-3767 AvS, B 70

Diese siebenbändige lateinische Vulgata war für ein Die Frankfurter Verlegergemeinschaft Sigmund Fey-
gebildetes Publikum bestimmt. Der Kommentar ist erabend, Georg Rab und Weigand Hans Erben gab
bei weitem umfangreicher als der biblische Text. 1564 eine deutschsprachige Luther-Bibel mit einer
Die Postilla des Nicolaus von Lyra (um 1270/75- umfangreichen Illustrationsfolge von Jost Amman
1349) spielte bei der Schriftauslegung eine heraus- heraus (s. Exp. 18 und 19). Auch hier hielt man an
ragende Rolle. Ihr entnahm man häufig auch Bilder den von Luther eingeführten Sachillustrationen fest.
christlicher Archäologie, nämlich Rekonstruktionen Aufgeschlagen ist in einer späteren Ausgabe von Ki-
des Ornats des Hohenpriesters, des Tempelgerätes lian Han mit demselben Bildzyklus der Tempel Sa-
und des Tempels Salomos in Jerusalem, die man lomos. Der Betrachter blickt in Vogelperspektive auf
dem Buch Exodus wie dem ersten Buch der Könige die Ostfassade des Tempels. In einem Geviert davor
beigab. Auch Luther benutzte die Schrift des Nico- stehen die beiden ehernen Säulen, in dem Hof
laus von Lyra und übernahm diese Bilder erstmals in davor mittig ein Brandopferaltar und die zehn eher-
deutschsprachige Bibelausgaben (vgl. Exp. 12). Auf- nen Gestelle mit den Kesseln, fünf an der Nord-
geschlagen sind Grund- und Aufriss des salomoni- und fünf an der Südseite. Das eherne Meer – getra-
schen Tempels im sechsten Kapitel des ersten Buchs gen von zwölf Rindern – ist im Südosten des Hofes
der Könige, das wegen der Zusammenziehung mit platziert. Trotz einiger künstlerischer Freiheiten bei
den beiden Büchern Samuel hier als drittes Buch architektonischen Details – vor allem den Toren –
der Könige bezeichnet wird. Im Mauerwerk sind folgt die Gesamtanlage dem biblischen Text. Auf
deutlich die im Text erwähnten vergitterten Fenster der Seite gegenüber ist der Palast Salomos zu sehen,
mit Rahmen zu erkennen. der fast gänzlich zeitgenössischer Idealarchitektur
entspricht.
Lit.: Wort, Nr. 3

Lit.: Wort, Nr. 27; New Hollstein, Amman book illustrations I,

S. 20-103, Nr. 6 und V, S. 62-71, Nr. 102

44 45
16
Biblia, deutsch
[Augsburg: Jodocus Pflanzmann, um 1475]. 2°
Aufgeschlagen: Beginn des Matthäusevangeliums
mit den Holzschnitten Kreuzigung und Ecclesia auf
dem Tetramorph
Olim Dr.-Otto-Schäfer-Stiftung e.V.

Zu den frühesten deutschsprachigen Bibeldrucken


gehört die ausgestellte Schrift, die der Augsburger
Jurist Jodocus Pflanzmann um 1475 besorgt und
vor Juni 1477 beendet hat. Etwa gleichzeitig, ver-
mutlich mit einem zeitlichen Vorsprung, gab auch
der Augsburger Erstdrucker Günther Zainer seine
deutsche Bibel aus. Zainer schmückte seinen Druck
mit Bildinitialen (Exp. 8). Pflanzmann aber setzte zeigt so das Ende des Alten Bundes an. Dem steht
erstmals eigenständige Illustrationen für den volks- zu Beginn des Matthäus-Evangeliums der Holz-
sprachlichen Bibeldruck ein, auch wenn er sie fast schnitt mit der siegreichen Ecclesia gegenüber. Sie
immer noch wie eine Initiale an den Textanfang reitet auf dem Tetramorph, einem Mischwesen, das
stellt. 57 spaltenbreite Holzschnitte von 21 Stöcken aus den vier Evangelistensymbolen zusammenge-
finden sich in seinem Druck. Durch die vielfache setzt ist, und steht für den Neuen Bund. In der
Verwendung des Typenbildes eines Propheten am Rechten hält sie eine (Kreuzes)Fahne, in der Linken
Schreibpult und eines thronenden Heiligen domi- den Kelch als Zeichen des Opfertods Christi. Dieses
niert das Autorenbild. Die qualitativ sehr unter- ist in der Kreuzigungsszene gegenwärtig, mit der
schiedlichen Holzschnitte werden bis zu vier Rei- Pflanzmann nicht nur das Matthäus-Evangelium
ßern zugeschrieben, darunter der Zamorensis- und einleitet, sondern auch den Schlusspunkt unter die
der Sorg-Meister. Während Zainer fast für jedes Apokalypse setzt. Eine solche direkte Darstellung
biblische Buch eine eigenständige Bildinitiale ent- Christi in den Evangelien lässt sich in keiner ande-
werfen ließ, fehlt in der Pflanzmann-Bibel ein solch ren vorreformatorischen deutschsprachigen Bibel
ausgereiftes Bildprogramm. Ob das den Schluss zu- finden.
lässt, die Holzschnitte seien ursprünglich für andere,
heute nicht mehr nachweisbare Drucke gedacht Für die siebente deutsche Bibel, datiert 20. Juni
gewesen, muss aber dahingestellt bleiben. Die Bilder 1477, verwendete Anton Sorg siebzehn der Holz-
der Pflanzmann-Bibel sind durchaus geeignet, das stöcke, vermehrt um einige Neuschnitte. Dabei ver-
jeweilige Buch zu repräsentieren. Die zahlreichen zichtete er u. a. auf die unübliche Kreuzigungsszene.
Wiederholungen einzelner Druckstöcke und der
ungleichmäßige Satz lassen aber auf große Eile bei Lit.: 50 Jahre, Nr. 6; Wort, Nr. 4; Buchillustration, Nr. 8;
der Drucklegung schließen. Doumit, S. 100-112; Landgraf/Wendland, S. 65-66; Eichen-

berger/Wendland, S. 39-44; WLB E6; Schramm XXIII (1943),


Drei Holzschnitte fallen aus dem Rahmen. Das Alte S. 16f., 21, Abb. 410-413 und IV Abb. 285-288, 296-298,
Testament endet mit dem Sturz der Synagoge und 300, 302, 307, 309, 315, 317-319

46 47
17 Im oberen Teil der Rahmung thront Gottvater mit
Biblia, Altes und Neues Testament den Gesetzestafeln in der einen und dem Abend-
Frankfurt, Main: Christian Egenolff d. Ä., 1. und mahlkelch in der anderen Hand. In dieses Bild ist
26. März 1534. 2° links der Sündenfall und die Vertreibung aus dem
Aufgeschlagen: Titelblatt mit Holzschnittrahmung Paradies und rechts der kreuztragende Gottessohn
von Hans Sebald Beham und die Kreuzigung mit aufgenommen. Die Bilder
Olim Dr.-Otto-Schäfer-Stiftung e.V. darunter sind antithetisch aufgebaut und ihrem Sinn
nach dem Motiv „Gesetz und Gnade“ verwandt
Zusammen mit Hans Holbein d. J. ist Hans Sebald (s. Exp. 68, 69). Auf der linken Seite die Bilder des
Beham (1500-1550) der erste Künstler, der eine Alten Testaments: Eva mit Kain und Abel sowie
umfangreiche Folge zur Bibel geschaffen hat, die Adam bei der Feldarbeit, Gottvater erscheint Abra-
zugleich als Bilderbibel erschien und zum Schmuck ham und Moses empfängt die Gesetzestafeln. Ein
von Vollbibeln diente. Holbeins Serie zum Alten weiterer Holzschnitt zeigt eine Beschneidung, bei
Testament erschien zwar erst 1538 in Lyon als Bil- der Moses die Tafeln präsentiert. Rechts davon sind
derbibel, viele seiner Entwürfe hatten aber bereits Juden um das Passahlamm versammelt, links davon
den Holzschnitten der Zürcher Bibel von 1531 (s. stehen zwei Priester an einen Brandopferaltar. Aus
Exp. 10 und 13) als Vorlage gedient. Auch Hans dem Marienleben ist zudem die Zurückweisung des
Sebald Beham konzentrierte sich auf das Alte Testa- Opfers von Joachim aufgenommen. Diese Bilder
ment und schuf für das Neue Testament nur fünf stehen für den Alten Bund und seine überkomme-
Autorenbilder mit den vier Evangelisten und dem nen Riten. Auf der anderen Seite finden sich die An-
Apostel Paulus. Der Vorabdruck seiner Bibelholz- betung Christi durch die Hirten, die Beschneidung
schnitte, nur mit einem kurzen Vermerk auf die je- Christi, der predigende Johannes der Täufer, die
weilige Textstelle, erschien 1533 in Frankfurt am Taufe Christi, die Fußwaschung der Apostel und das
Main bei Christian Egenolff d. Ä unter dem Titel Abendmahl. Dazu tritt ein Holzschnitt, der Christus
Biblisch Historien, Figürlich fürgebildet. Am 26. bei einem Besuch im Gefängnis zeigt, während ein
März 1534 verließ bei demselben Drucker auch eine alter Mann einen Nackten bekleidet. Dabei handelt
Bibel mit den Illustrationen Behams die Presse. Sie es sich um eine Darstellung der Werke der Barmher-
ist die letzte, die vor der ersten vollständigen Wit- zigkeit. Sie werden hier als Nachfolge Christi, nicht
tenberger Lutherbibel (September 1534) erschien. als gutes Werk propagiert. Diese Bilder stehen für
Sie fußte zwar weitgehend auf der Übersetzung des den Neuen Bund und die Gnade Gottes.
Reformators, musste aber für die Apokryphen und
die Makkabäerbücher noch auf die Übertragungen Lit.: Merian, Nr. 14, 15; Wort, S. 16-17; Buchillustration, Nr.
von Leo Jud und Melanchthon zurückgreifen. 82; Hofmann, S. 222, Nr. 96; Pauli, Gustav: Hans Sebald
Beham. Ein kritisches Verzeichnis seiner Kupferstiche, Radie-
Die 80 kleinen, meist querformatigen Holzschnitte rungen und Holzschnitte. Straßburg 1901. (Studien zur deut-
Behams entsprechen genau einer Spaltenbreite der schen Kunstgeschichte 33), S. 258-260; Rosenthal, Ludwig:
Egenolffschen Bibel. Sie wurden nicht nur im Text Hans Sebald Beham’s alttestamentarische Holzschnitte und
eingesetzt, sondern auch als Rahmung für die Zwi- deren Verwendung zur Bücher-Illustration. 1529 - 1612. In:
schentitelblätter verwendet. Für das Titelblatt kom- Repertorium für Kunstwissenschaft 5 (1882), S. 379-405
binierte Beham etliche alt- und neutestamentarische
Szenen, die im Bibeltext selbst nicht erscheinen.

48 49
18
Biblia, Das ist: Die ganze Heilige Schrift, deutsch.
Frankfurt, Main: Georg Rab, Sigmund Feyerabend
und Weigand Hans Erben, 1564. 2°
Aufgeschlagen: Das Gleichnis vom guten Hirten,
Holzschnitt von Jost Amman
AvS, B 69

19
Biblia Das ist: Die ganze Heilige Schrift, deutsch.
Frankfurt, Main: Georg Rab, Sigmund Feyerabend
und Weigand Hans Erben, 1564. 2°
Aufgeschlagen: Der Evangelist Lukas, Holzschnitt
von Jost Amman
SakrB, B 1

Die Frankfurter Verlegergemeinschaft Sigmund Neben die üblichen Bilder zum Alten Testament
Feyerabend, Georg Rab und Weigand Hans Erben und zur Apokalypse, Sachillustrationen und Auto-
gab 1564 eine deutschsprachige Luther-Bibel mit renbilder treten einige wenige Illustrationen in den
einer umfangreichen Illustrationsfolge von Jost Evangelien: Die Enthauptung des Täufers und die
Amman heraus (vgl. Exp. 15). Die Holzschnitte Gleichnisse vom reichen Mann und armen Lazarus,
dieses Druckes erschienen im selben Jahr ebenfalls vom barmherzigen Samariter und vom guten Hir-
bei Sigmund Feyerabend als Bilderbibel. Deren ten. Das letzte Gleichnis beruht auf Jo X,1-19. Der
Titel nennt Johann Melchior Bocksberger als Zeich- erste Vers lautet: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch:
ner und Jost Amman als Reißer der von mehreren Wer nicht durch die Türe in den Schafstall hinein-
Formschneidern ausgeführten Schnitte. In der Bibel geht, sondern anderswo einsteigt, der ist ein Dieb
selbst wird nur die Neuheit der Illustrationen her- und ein Räuber.“ Der Eindringling auf der Leiter ist
vorgehoben: „So haben wir erstlich/ so vil die Figu- von Philipp Schmidt als reformierter, zwingliani-
ren belangt/ ... gantz neuwe/ schoene/ kuenstliche scher Geistlicher bestimmt worden, unter der Leiter
(wie denn ein so edel theuwer Werck desselben wol bricht gerade ein feister Mönch ein Brett aus dem
wehrt) zurichten lassen.“ Die Vorzeichnungen Stall heraus. Konfessionelle Bildpolemik ist damit
Bocksbergers lassen sich heute nicht nachweisen. vom üblichen Ort der Apokalypse in die Evangelien
Seine Beteiligung erscheint inzwischen zweifelhaft. selbst verlagert worden. Hält man Schmidts Identi-
fizierung des einen Eindringlings als reformierten
Geistlichen für richtig, werden nicht mehr nur die
Altgläubigen angegriffen.

50 51
20
JONA <PROPHET>
Der Prophet Jona
Ausgelegt durch Martin Luther
Erfurt: Melchior Sachse d. Ä., 1526. 8°
AvS, 2649

Nach 1524 stockte die Arbeit Luthers an der Über-


setzung des Alten Testaments. Etliche prophetische
Bücher erschienen daher ab 1526 in Einzeldrucken,
so auch das Buch Jona. Zur selben Zeit rückte Cra-
nach von rein ornamentalen Titelbordüren für die
Drucklegung von Luthers Schriften ab. Diese wei-
sen nun immer häufiger eine szenische Gestaltung
auf. Bei der Titelrahmung der Cranachwerkstatt für
das Buch Jona wurde das Titelfeld verkleinert und
ganz nach oben verschoben, um mehrere Ereignisse
aus dem Leben des Propheten in einem Land-
schaftsraum darstellen zu können. Noch im Jahr der
Erstausgabe 1526 erschienen ein Dutzend Nach-
drucke, darunter die hier vorliegende Ausgabe aus
der Offizin des Melchior Sachse in Erfurt. Er ver-
zichtete bei seinem Nachschnitt der Cranachschen
Auch das Autorenbild des Evangelisten Lukas war- Jost Amman zeigt den Evangelisten beim Nieder- Titelrahmung ganz auf ein Schriftfeld, so dass ein
tet mit einem außergewöhnlichen Detail auf. Der schreiben seines Evangeliums, begleitet vom Stier. Titelholzschnitt entstand, über dem separat der
Evangelist gilt der Legende nach auch als Maler, Die Muttergottes, häufig als seine Inspirationsquelle Titel eingedruckt ist. Ansonsten hielt er sich genau
dem die Muttergottes öfter, mit und ohne Kind in das Bild aufgenommen, ist abwesend. Statt ihres an die Wittenberger Vorlage. Unten links wird Jona
Modell gestanden habe. So tritt im 15. Jahrhundert Bildes steht auf der Staffelei ein Gemälde mit dem über Bord geworfen und vom Walfisch verschlungen,
als zusätzliches Attribut neben Stier und Buch ein Antlitz Gottes. rechts unten spuckt dieser den Propheten wieder
Mariengemälde. Lukas im Atelier wird zudem ein aus. Darüber erscheint Jona dreimal im Disput mit
eigenständiges Bildmotiv. Das neue Attribut wird Lit.: Wort, Nr. 27; WLB E 436; New Hollstein, Amman book Gott, oben rechts wohl seine Berufung, in der Mitte
auch als Beleg seiner Autorschaft der Kindheits- illustrations I, S. 20-103, Nr. 6; Lechner, Gregor Martin: Lukas Jona vor einer Stadt (Ninive?) und oben links der
geschichte Jesu im Lukas-Evangelium gewertet. Evangelist. In: LCI VII, Sp. 448-464 Prophet unter der Staude. Da Sachse auf das Titel-
feld verzichtet hatte, war es ihm möglich, den Holz-
schnitt am Ende des Buches nochmals einzudrucken.

Lit.: Cranach I, S. 352-358 und Nr. 244; Benzing, Nr. 2268-

2280, bes. 2279; WLB E 152

52 53
Exp. 21

21 23
Biblia, deutsch ALBRECHT DÜRER
Bd. 2. Nürnberg: Anton Koberger, Johannes verschlingt das Buch Exp. 23
17. Febr. 1483. 2° Holzschnitt, um 1496/98
Aufgeschlagen: Bl. CCCCCLXXVIIr, Die vier Aus:
apokalyptischen Reiter, Holzschnitt, um 1478 Apocalypsis cum figuris Bilder zur Apokalypse waren im Mittelalter in hoher Folge angeregt. Da er aber auch die bei Koberger
Olim Dr.-Otto-Schäfer-Stiftung e.V. Nürnberg: [Anton Koberger] für Albrecht Dürer, Zahl aus Handschriften und Blockbüchern bekannt. ausgelassene Illustration heranzieht, wird er zudem
1498. 2° Im Buchdruck warten erst die Kölner Bibeln von auf die Straßburger Grüninger-Bibel von 1485 zu-
22 MOS, D-172 (1498, lat.) 1478/79 (vgl. Exp. Nr. 9) mit einer Illustrations- rückgegriffen haben, die eine vollständige Kopie der
ALBRECHT DÜRER folge für die Offenbarung des Johannes auf. Auf Kölner Folge enthält.
Apocalypsis cum figuris 24 neun Holzschnitten werden 23 Szenen dargestellt.
Nürnberg: [Hieronymus Höltzel] für Albrecht ALBRECHT DÜRER Mit Ausnahme des einen Bildes zu den Posaunen- Dürer dürfte mit seinen Illustrationen zur Apoka-
Dürer, 1511. 2° Die Hure Babylon engeln (Schramm VIII, Nr. 467) verwendete auch lypse um 1496 begonnen haben, 1498 publizierte
Ausgestellt: Titelblatt mit dem Titelholzschnitt Holzschnitt, um 1496/98, Separatdruck Anton Koberger für seine Bibel von 1483 die Köl- er sie im Eigenverlag in einer lateinischen und einer
Johannes erblickt die Muttergottes MOS, D-177 ner Druckstöcke. Bei seinem Paten Koberger mag deutschen Fassung. Sie sind mit dem Typenmaterial
MOS, D-163 (1511, lat., 1. Ex.) der junge Albrecht Dürer diese Bilder zum ersten und mit allergrößter Wahrscheinlichkeit auf einer
Mal gesehen haben. Nicht nur die eigentlichen der Pressen Kobergers gedruckt worden. Seine sei-
Illustrationen zur Apokalypse, sondern auch alt- tengroßen Holzschnitte in dem riesigen Format von
testamentarische Szenen haben ihn zu seiner eigenen ca. 39 x 28 cm stehen dabei immer auf der rechten,

54 55
der biblische Text auf der linken Seite. Neben die mache[n] bitter zewerden deinen bauch aber es wirt
vierzehn Textholzschnitte, die häufig mehrere Sze- in deinem mund süß als das hönig. vnd ich nam das
nen vereinen, tritt noch das Blatt mit dem Marty- buch von der hand des engels vnd verschland es vnd
rium des Johannes. Die lateinische Ausgabe ent- es was in meinem mund süß als hönig. vnd da ich es
nimmt ihren Text der Vulgata, für die deutsche het verschlunden. mein bauch erbittert. vnd er
Ausgabe übernimmt Dürer ihn aus der Koberger- sprach zu mir. Du must widerumb weissagen den
Bibel. Dürer kann in diesen Holzschnitten den ma- heyden. vnd den volckern. vnd den zungen. vnd
lerischen Holzschnittstil seines Lehrherrn Michael vielen künigen.“ (Dürer, Apokalypse, Bl. [6]v). An
Wolgemut nochmals übertreffen und orientiert sich diesem Blatt wird immer die stringente Umsetzung
dabei völlig an der Technik des Kupferstichs. Mit der Vision des Johannes gerühmt: „Niemals zuvor
diesen Illustrationen wird der Holzschnitt endgültig war der visionäre Charakter der Engelserscheinung
zu einem autonomen Bildmedium, das auch nicht so überzeugend dargestellt worden“. (SMS II, S.
mehr der Kolorierung bedarf. Sie bescheren dem 90).
jungen Dürer den internationalen Durchbruch als
Künstler und dürfen als die künstlerisch bedeutend- Das Blatt „Die Hure Babylon“ setzt sich aus vielen
sten Bibelillustrationen ihrer Zeit gelten. An Dürers Bildelementen zusammen, die über mehrere Kapitel
Apokalypse führt in der Folge kein Weg vorbei, der Apokalypse verstreut sind (XVII-XIX). Von
auch wenn die Künstler seiner Zeit die visionäre rechts reitet als Protagonistin die Hure Babylon auf
Endzeitstimmung seiner Holzschnitte nicht mehr einem scharlachroten Untier mit sieben Köpfen und
erreichen werden oder wollen. zehn Hörnern heran. Den Pokal, der „vol vnmen-
schlicher sünde“ (Dürer, Apokalypse, Bl. [10]v,
Aufgeschlagen sind in der Koberger-Bibel die vier Kap. XVII) ist, hebt sie hoch gen Himmel. Die Aus-
apokalyptischen Reiter. Bei diesem Bild ist die Über- führung, die „siben haubt sind sieben berg auff den
nahme der Grundstruktur der Komposition durch das weib sitzet“ (ebd.), gilt als eine „deutliche An-
Dürer deutlich wahrzunehmen. Aus Dürers Folge spielung auf das Dominitianische [sic!] Rom. Die
sind die Holzschnitte „Johannes verschlingt das Identifizierung der babylonischen Hure mit dem
Buch“ und „Die Hure Babylon“ ausgestellt. Das päpstlichen Rom war zur Dürerzeit so geläufig, daß
erste Blatt stellt einen Wendepunkt dar. Das Straf- dieser Bedeutungsaspekt wohl auch hier angenom-
gericht gegen die Menschen ist in Dürers Zyklus men werden kann“ (SMS II, S. 103). Die sieben
damit abgeschlossen, Kapitel XV und XVI wird er Häupter können aber auch als die sieben Todsün-
nicht für seine Illustrationen heranziehen. Das Kapi- den aufgefasst werden. Der Hure gegenüber steht
tel X, auf dem das Blatt „Johannes verschlingt das eine abwartende Menge Bürger und Kaufleute, die
Buch“ beruht, lautet in der deutschen Ausgabe von einst um sie gebuhlt haben. Ein Engel verkündet
1498: „vNd ich sahe einen andern starcken engel den Fall der bereits brennenden Stadt. Ein weiterer
herabsteigen vom himel bekleidet mit den wolcken Engel wirft symbolisch für den Untergang Babylons
vn[d] ein regenbog auff seim haubt. Vnd sein ant- einen Mühlstein in das Meer. Links oben sprengt
litz war als die sun. vnd sein füß als die seul des fe- eine himmlische Heerschar heran, die vom Ritter
wers. vnd het ein auffgethans buch in seiner hande. ‚Treu und Wahr’ angeführt wird. Sie entstammt
vnd er setzt sein gerechten fuß auf das mere aber schon dem Kapitel XIX mit dem himmlischen Jubel
den lincken auff die erde [...] vn[d] er sprach zu über das gefallene Babylon und der Vernichtung der
Exp. 24 mir. Nim das buch vn[d] verschlind es. vn[d] es wirt Heidenvölker.

56 57
25
Das Neue Testament deutsch
Wittenberg: [Melchior Lotter d. J. für Lucas
Cranach d. Ä. und Christian Döring, September
1522]. 2°
Aufgeschlagen: Johannes erblickt die sieben
Leuchter, Holzschnitt von Lucas Cranach d. Ä.
Olim Dr.-Otto-Schäfer-Stiftung e.V.

26
ALBRECHT DÜRER
Johannes erblickt die sieben Leuchter
Holzschnitt, um 1496/1498
Aus:
Apocalypsis cum figuris
Nürnberg: [Anton Koberger] für Albrecht Dürer,
1498. 2°
MOS, D-165 (1498, lat.)

Unter dem Titel Das Newe Testament Deutsch. so dass bereits drei Monate später die zweite Auf-
Vuittenberg erschien im September 1522 Martin lage erschien (Dezembertestament). Das September-
Luthers Übersetzung des Neuen Testaments, das testament gilt nicht nur als Meilenstein in der
sogenannte Septembertestament. Auf Drängen Geschichte der Bibelübersetzung, sondern förderte
seiner Wittenberger Freunde, vor allem Philipp maßgeblich die Verbreitung der reformatorischen
Melanchthons (1497-1560), hatte Luther während Lehre und die Entwicklung der deutschen Hoch-
der letzten elf Wochen seines Aufenthaltes auf der sprache.
Wartburg das Neue Testament ins Deutsche über-
setzt. Als Grundlage für seine Übersetzung be- Nur für die Apokalypse hat Luther erzählende Bil-
Exp. 22 nutzte er vor allem die zweite Auflage (1519) des der zugelassen, obwohl er in der Vorrede seine Ab-
griechisch-lateinischen Neuen Testaments des Eras- lehnung des Buches deutlich zum Ausdruck bringt.
mus von Rotterdam (1466/69-1536), daneben Der Reformator argumentiert, Apostel würden sich
Für die Erstausgabe schuf Dürer je einen deutschen Lit. : SMS II, S. 59-66, Nr. 111, S. 69, Nr. 120, S. 90-91, Nr. auch die Vulgata. Der Reihenfolge der biblischen „nicht mit gesichten vmbgeben, sondern mit klaren
und einen lateinischen, in Holz geschnittenen Zier- 125, S. 101-103; Dürer II, Nr. 8, Nr. 10; Wort, Nr. 6; WLB E Bücher im Urtext entsprechend, stellte Luther die vnd durren wortten weyssagen“, und stellt für seine
titel. Für die zweite Auflage 1511 gab er dem Titel 22, E 34b; Doumit, S. 121-191; Reinitzer, S. 135-141; Hof- Apostelgeschichte unmittelbar hinter die Evangelien. Person fest, „meyn geyst kann sich yn[n] das buch
einen Holzschnitt bei. Er zeigt Johannes bei der mann, S. 172, Nr. 44; Dürer, Albrecht / Johannes <Aposto- Hebräerbrief, Jakobusbrief, Judasbrief und Offen- nicht schicken“ (Bl. aa1r).
Niederschrift der Apokalypse auf Patmos mit seinem lus>: Die Apokalypse. Faksimile der deutschen Urausgabe von barung des Johannes stehen als nichtapostolische
Symbol, dem Adler. Er erblickt in einer Vision 1498 „Die heimliche Offenbarung Johannis“. Herausgegeben Schriften am Schluss. Die 21 Holzschnitte zur Apokalypse von Lucas
Maria als apokalyptisches Weib mit Sternenkrone. von Ludwig Grote. München, 1970. (Germanisches National- Cranach d. Ä. und seiner Werkstatt nahmen Dürers
Sie ist mit dem Jesusknaben als Halbfigur auf einer museum Nürnberg: Jahresgabe 1971); Schramm VIII (1924), Nach mehrmonatiger Drucklegung erschien Luthers Folge von 1498 zum Vorbild. Hatte Dürer jedoch
Mondsichel dargestellt. Nr. 464-473; Landgraf/Wendland, S. 71-78; Eichberger/ Übersetzung rechtzeitig zur Leipziger Herbstmesse. autonome Bilder geschaffen, ordneten sich die
Wendland, S. 65-86, 91-96 Das Septembertestament fand begeisterte Aufnahme, Illustrationen Cranachs dem biblischen Text unter.

58 59
Exp. 25 Exp. 26

60 61
„Denn bei Dürers über Buchgröße hinausgehenden 1527 erwarb Herzog Georg von Sachsen die
Bildschöpfungen, die sowohl als Einzeldrucke wie Druckstöcke der Apokalypse um 40 Gulden von
in Buchform erschienen, ist der Text das absolut Se- Lucas Cranach d. Ä. Sie dienten zur Illustration
kundäre; Cranachs Zyklus, obwohl ebenfalls blatt- einer von ihm veranlassten und gegen Luther ge-
groß, ist begleitende und dienende Illustration für richteten Ausgabe des Neuen Testaments von Hie-
den neugeschaffenen und sofort als kanonisch emp- ronymus Emser (1478-1527). Neunzehn der 21
fundenen biblischen Text“ (Cranach I, S. 332). Die Holzschnitte wurden dabei wieder verwendet. Nur
vierzehn Blätter Dürers mussten daher um sieben die fünfte und sechste Illustration wurden durch
erweitert werden, um sie eindeutig einer Textstelle Holzschnitte Georg Lembergers ersetzt, der auch
zuweisen zu können. Diese Holzschnitte erregten für den restlichen Buchschmuck sorgte. Die Holz-
aufgrund ihrer offensichtlichen antirömischen Pole- schnitte Cranachs liegen in der bereinigten Fassung
mik bald die Gemüter der Altgläubigen: Das Unge- des Dezembertestaments vor, so dass das Unge-
heuer aus dem Abgrund sowie die Babylonische heuer und die Babylonische Hure nicht mehr mit
Hure tragen eine Tiara, und die Stadt Babylon ist der päpstlichen Tiara gekrönt sind. Die Gleichset-
deutlich als Rom gekennzeichnet. Für das Dezember- zung Roms mit Babylon blieb aber erhalten (vgl.
testament wurden daher auf Protest Herzog Georgs Exp. 25). Für die Vorreden zu den Evangelien schuf
von Sachsen (1471-1539) die Papstkronen getilgt. Lemberger zusätzlich zu den Bildinitialen mit den
Autoren neue Illustrationen, die mit den Argumenta
Aufgeschlagen ist der von Lucas Cranach d. Ä. Emsers korrespondieren: zu Matthäus die Heilige
selbst entworfene Holzschnitt „Johannes erblickt Familie umgeben von Vertretern des Alten Bundes,
die sieben Leuchter“. Cranach orientiert sich schon Lucas Cranach d. Ä.: Die Hure Babylon zu Marcus den Auferstandenen mit dem Löwen, zu
bei diesem ersten Blatt stärker am biblischen Text Holzschnitt aus dem Septembertestament, Exp. 25 Lukas den Jesuknaben vor dem Priester und zu
als Dürer. Hatte dieser Johannes kniend vor Gott 27 Johannes eine Trinitätsdarstellung. Damit sprengte
dargestellt , liegt er bei jenem flach ausgestreckt am Das Neue Testament nach Laut der christlichen die herzogliche Bibelausgabe biblische Bildtradition.
Boden. „Vnd als ich yhn sahe, fiel ich zu seynen wahrte er seine künstlerische Selbständigkeit, mitun- Kirche bewährtem Text Vergleichbare Darstellungen waren etwa bei den
fussen als eyn todter“ (Bl. aa2v). Gott steht „mit ter um den Preis „nüchterne[r] Lehrhaftigkeit“ Dresden: Wolfgang Stöckel, 1527. 2° Illustrationen der Kölner Bibeln 1478/79 in die
fordernder Gestik“ (Cranach I, S. 332) aufrecht vor (Zimmermann, S. 4). Allerdings gelten nur neun Aufgeschlagen: Die Hure Babylon, Holzschnitt von Autorenbilder der Evangelisten eingebunden, aber
Johannes, während er bei Dürer auf einem Bogen- Illustrationen als seine Schöpfung, die restlichen Lucas Cranach d. Ä., 2. Zustand mit den heraus- nicht als autonome Darstellungen Christi, sondern
thron Platz genommen hat. Blätter als Werkstattarbeit. geschnittenen oberen Kronreifen der Tiara als eine Art innerer Schau der Evangelienverfasser.
AvS, 3646
Auch neue Motive lassen sich in Cranachs Folge fin- Lit.: 50 Jahre, Nr. 8; Kaiser Karl V., Nr. 18; Wort, Nr. 9; WLB Aufgeschlagen ist der Holzschnitt mit der Hure
den, etwa das Blatt „Die zwei Zeugen und das Un- E 71; Cranach I, S.331-340; einitzer, S. 130-134; Martin, Babylon von Lucas Cranach d. Ä. Dieser übernimmt
tier aus dem Abgrund“. Diese Illustration geht Peter: Martin Luther und die Bilder zur Apokalypse. Die Iko- von Dürer nur das Hauptmotiv. Die beim Nürnber-
ebenfalls auf einen eigenhändigen Entwurf Cranachs nographie der Illustrationen zur Offenbarung des Johannes in ger Künstler eher abwartende Menge wendet sich
zurück. Nicht bei Dürer vertreten sind zudem die der Lutherbibel 1522 bis 1546. Hamburg 1983 (Vestigia hier dem Weib aktiv zu.
Blätter „Ernte und Weinlese der Engel“ oder „Der bibliae 5), S. 19-120; Zimmermann, Hildegard: Beiträge zur
Brunnen des Abgrundes öffnet sich“. Cranach ver- Bibelillustration des 16. Jahrhunderts. (Illustrationen und Lit.: Wort, Nr. 15; WLB E 177
zichtet im Gegenzug auf den „Lobgesang der Aus- Illustratoren des ersten Luther-Testamentes und der Oktav-
erwählten im Himmel“ und den „Kampf des Heili- Ausgaben des Neuen Testaments in Mittel-, Nord- und West-
gen Michael“ und wählt aus der Folge Dürers nur deutschland). Straßburg, 1924. (Studien zur deutschen Kunst-
einzelne Szenen eines Holzschnittes aus. Damit geschichte 226); S. 1-20

62 63
28
Das Buch des Neuen Testaments deutsch
Augsburg: Johann Schönsperger d. J., [1523]. 2°
Aufgeschlagen: Die Versiegelung der
Hundertvierundvierzigtausend,
Holzschnitt von Hans Schäufelein
AvS, B 94

Die Nachdrucke des Septembertestaments orien- Aufgeschlagen ist der Holzschnitts Schäufeleins
tieren sich bei der Apokalypse meist an der Holz- mit der Versiegelung der Hundertvierundvierzig-
schnittfolge Cranachs. In dem Neuen Testament, tausend, also der Auserwählten Gottes. Es sind je
das Johann Schönsperger d. J. 1523 in Augsburg zwölftausend aus den zwölf Stämmen Israels:
auflegt, werden die Bilder zur Offenbarung meist „Danach sah ich vier Engel an den vier Ecken der
von einem unbekannten Künstler seitengroß und Erde stehen; sie hielten die vier Winde der Erde
detailgetreu kopiert. Dabei wird das Blatt „Die vier fest, auf daß kein Wind wehe über das Land noch
Euphratengel töten ein Dritteil der Menschen“ über das Meer noch über irgendeinen Baum. Und
ausgelassen. Nur die fünf Holzschnitte, die Hans ich sah einen andern Engel von Sonnenaufgang
Schäufelein beigesteuert hat, erlauben sich gewisse heraufkommen; der hatte das Siegel des lebendigen
Freiheiten gegenüber dem Vorbild Cranach und ste- Gottes [...] Er rief: ,Schädigt nicht das Land noch
hen stilistisch Schäufeleins einstigem Meister Dürer das Meer noch die Bäume, bis wir den Knechten
sehr nahe. unseres Gottes das Siegel auf ihre Stirn gedrückt
haben.‘ Und ich hörte die Zahl der Gesiegelten:
hundertvíerundvierzigtausend Gesiegelte aus allen
Stämmen der Söhne Israels.“ (Apk VII,1-4)

Lit.: Wort, Nr. 11; Schreyl I, Nr. 870-879, S. 147-148; WLB

E 86

64 65
29
ALBRECHT DÜRER
Die Heilige Familie mit der Libelle
Monogrammierter Kupferstich, um 1495
MOS, D-42

30
ALBRECHT DÜRER
Maria mit der Meerkatze
Monogrammierter Kupferstich, um 1498
MOS, D-30

Das Motiv der Muttergottes in der Landschaft hat Etwa drei Jahre später greift Dürer das Motiv der
Albrecht Dürer immer wieder aufgegriffen. Bereits Muttergottes auf der Rasenbank mit dem Kupfer-
kurz nach den Lehr- und Wanderjahren entstand stich Maria mit der Meerkatze wieder auf. Beide
das Blatt „Die Heilige Familie mit der Libelle“. Blätter sind häufig verglichen worden. Das ältere
Maria sitzt mit dem Christuskind im Arm auf einer wurde dabei als ‚spätgotisch‘ bezeichnet und die
Rasenbank. Der Nährvater Joseph hat sich hinter disparate Räumlichkeit der Landschaft bemängelt,
der Rasenbank niedergelassen und ist eingeschlafen. das jüngere als ‚klassisch‘ charakterisiert und die
Vom Himmel herab blickt Gottvater mit dem Hei- Harmonie von Raum und Körper gerühmt. Maria
ligen Geist auf die idyllische Szene herab. Der Gar- mit der Meerkatze steht damit beispielhaft für die
ten, in dem die Rasenbank steht, ist von einer künstlerische Entwicklung Dürers, die ohne das
Mauer umfangen und durch ein hohes, hölzernes Vorbild italienischer Kunst nicht vorstellbar ist. Der
Tor verschlossen. Als hortus conclusus verweist er Nürnberger Künstler kontrastiert seine italienisch
damit auf die Jungfräulichkeit Mariens. Der Dorn- anmutende Madonna mit einem Nürnberger Wei-
busch im Garten, der Turm in der nahegelegenen herhäuschen im Mittelgrund. Mit diesem turmähn-
Siedlung, das Meer, das Schiff, all das kann als lichen Bauwerk, mit Flusslandschaft und der Stadt
marianisches Symbol aufgefasst werden – genauso im Hintergrund lassen sich ähnliche marianische
wie das Insekt, das heute überwiegend als Libelle Symbole wie auf dem Blatt mit der Heiligen Familie
identifiziert wird. Das um Joseph erweiterte Motiv finden. Schoch sieht aber durch den „Naturalismus“
beruht auf Legenden und apokryphen Texten zur der Darstellung „die traditionelle Bildsymbolik
Kindheit Jesu. Es „verbindet Motive der ‚Geburt überlagert“ (SMS I, S. 72).
Christi‘ mit der ‚Ruhe auf der Flucht‘ und appelliert
an Empfindungen und Werte eines ‚bürgerlichen‘ Der Bildgehalt des jüngeren Blattes weist aber noch
Publikums. An seiner Ausbildung zum selbständi- weitere Facetten auf. An die Rasenbank ist die na-
gen Andachtsbild im späten 15. Jahrhundert hatte mensgebende Meerkatze angekettet. Der Affe er-
Dürer wesentlichen Anteil.“ (SMS I, S. 29). scheint „in der christlichen Ikonographie häufig in
Exp. 29

66 67
Begleitung der Eva oder der Synagoge und verkör- In Dürers Gemälde „Die sieben Schmerzen Mari-
pert das Laster, das Böse, sogar den Teufel. Der ens“ (um 1494) erscheint die Meerkatze als Attribut
Singvogel, mit dem der Jesusknabe spielt, symboli- der Schriftgelehrten bei dem Motiv „Der zwölfjäh-
siert dagegen die befreite Seele“ (SMS I, S. 72). rige Jesus im Tempel“. Die Meerkatze als Repräsen-
Insgesamt kann man dann die Szene „als Symbol tantin falscher Schriftauslegung ist damit möglicher-
des durch Christi Kreuzestod überwundenen weise auch ein Gegenpol zu dem Buch, auf dessen
Bösen“ (Dürer I, S. 32) verstehen. Rücken Mariens Linke ruht.

Lit.: SMS I, Nr. 2 und Nr. 20; Dürer I, Nr. 4 und Nr. 5

Exp. 30

68 69
31
ALBRECHT DÜRER
Maria als Königin der Engel
(Maria von zwei Engeln gekrönt)
Monogrammierter und datierter Holzschnitt, 1518
MOS, D-211

1518 griff Albrecht Dürer das Motiv der Marien- reift und deren gekelterter Saft auf seine Passion
krönung zweimal auf: in einem Kupferstich, der nur verweist. Die Maiglöckchen und Lilien in der Vase,
die Muttergottes mit dem Kind und die beiden die ein Putto zu Maria hochhebt, sind als Symbole
Engel mit der Krone zeigt, und in einem vielfiguri- ihrer Reinheit und Demut zu verstehen. Man darf
gen Holzschnitt „Maria als Königin der Engel“. in dem Bild einen „Höhepunkt der Marienverherr-
Beide Male findet die Krönung auf Erden durch lichung“ (SMS II, S. 446) sehen. Für Knappe klingt
Engel statt und nicht im Himmel durch den drei- in dem Holzschnitt auch die Begeisterung humani-
einigen Gott. stischer Marienhymnen nach, wie der des Nürnber-
ger Karthäuser-Priors Georg Pirckheimer († 1505):
Die Muttergottes thront majestätisch in einer fest- „Dich beten die Himmel an, Dir dienen die Teufel;
lichen Engelschar. Der Saum ihres voluminösen Du drehst den Erdkreis, erleuchtest die Sonne,
Gewandes wird durch musizierende und Geschenke regierst die Welt, bändigst die Hölle ...“ (Knappe,
darbringende Putten verdeckt. Rechts sind Engel S. 31).
mit Trommel und Flöte herangetreten, auf der an-
deren Seite präsentiert ein Engelpaar Weintrauben. Der Holzschnitt ist in der dekorativen bzw. höfi-
Darüber schweben zwei Engel, die die Krone über schen Phase Dürers entstanden, in der er zahlreiche
ihrem mit einem Blütenkranz geschmückten Haupt Aufträge für Kaiser Maximilian I. auszuführen hatte.
halten. Ein Wolkenband trennt sie von zahlreichen
Putten, die vom Himmel aus das Geschehen verfol- Lit.: SMS II, Nr. 248; SMS I, Nr. 84, Dürer III, Nr. 18;
gen. Der Apfel in der Rechten weist Maria als neue Knappe, Karl-Adolf (Hg.): Dürer – Das graphische Werk.
Eva aus. Die Weintrauben stehen für das Gleichnis Wien, München, 1964, S. 31
von Maria als Weinrebe, an der Christus als Traube

70 71
32
ALBRECHT DÜRER
Joachim und Anna unter der goldenen Pforte
Monogrammierter und datierter Holzschnitt, 1504
Separatdruck aus der Folge des Marienlebens
MOS, D-191

Dürer begann mit seinen Arbeiten an der Folge des Scham flieht Joachim zu seinen Herden aufs Land,
Marienlebens um 1501/1502. Bereits 1505 lagen wo ihm ein Engel die Geburt Mariens verkündet
fast alle Holzschnitte vor, die er mit auf seine Italien- und befiehlt, seine Frau Anna unter der Goldenen
reise nahm. Dort erregten sie großes Interesse und Pforte zu treffen. Das dritte, hier ausgestellte Blatt
wurden sofort kopiert. Erst um 1510/11 schuf er zeigt diese Begegnung. Das Paar umarmt sich, und
die restlichen Blätter, die er 1511 zusammen mit in diesem Moment empfängt Anna Maria. Seit
der Großen Passion und der zweiten Auflage der 1439, seit dem Dekret des Basler Konzils, galt die
Apokalypse als die drei großen Bücher veröffent- unbefleckte Empfängnis Mariens als unumstößlich,
lichte. Den Text zum Marienleben stellte der Nürn- jegliche Hinterfragung dieser Lehrmeinung war ver-
berger Benediktiner und Humanist Benedictus boten. Das Bild von der Begegnung unter der Gol-
Chelidonius zusammen. Es handelt sich dabei um denen Pforte avancierte zum Symbol dieser Lehre,
eine Kurzfassung des Marien-Epos’ Parthenice prima die auch von humanistischen Kreisen vehement pro-
des Karmeliters Giovanni Baptista Mantuanus pagiert wurde. Auch die Verse des Chelidonius’
(1447-1516), das 1488 erstmals veröffentlicht wur- bzw. Mantuanus’ betonen diesen Aspekt:
de und als das am weitesten verbreitete Marienleben „Anna schließt Joachim an der Goldenen Pforte
seiner Zeit galt. Chelidonius musste nur dort stärker wieder in ihre Arme und empfängt Maria.
in dessen Text eingreifen, wo Ereignisse nur kurz Zum Eingang des besagten Tores, welches die Gol-
oder gar nicht beschrieben werden. Für den bei dene Pforte heißt, kamen beide, am Ziel ihrer Wün-
Mantuanus fehlenden „Abschied Christi von seiner sche. Sogleich warf sich die gesegnete Anna in die
Mutter“ überarbeitete Chelidonius dessen Klage Arme ihres Mannes und beide frohlockten über die
Mariens unter dem Kreuz. Chelidonius hat daher Auszeichnung ihrer künftigen Tochter, die, wie sie
nicht – wie meist angenommen – im Auftrag Dürers von der Verkündigung des himmlischen Botens
einen Text für die fertigen Bilder erstellt. Mit der wußten, eine mächtige Königin im Himmel und auf
Textwahl präsentiert sich Dürers Marienleben als Erden werden sollte, Mutter des Königs, dessen er-
ausgesprochen modern, aber auch untypisch für ein habene Majestät von Ewigkeit her war, ist und sein
neulateinisches, humanistisches Epos, denn dieses wird, der in menschlichem Leib das Menschenge-
verzichtete in der Regel auf Illustrationen. In der schlecht vom Makel der Erbsünde reinwaschen
Folge Dürers wird die Passion Christi ausgespart, da sollte. Sie zweifelten also nicht, daß eine solche
diese bereits in der gleichzeitig erschienenen Großen Tochter mit dieser Bestimmung nicht auf gewöhnli-
Passion thematisiert war. che Weise zur Welt kommen könne, [...]“ (Marien-
leben, S. 107; Übersetzung Claudia Wiener).
Die Folge beginnt mit der Zurückweisung des Op-
fers von Joachim und Anna im Tempel, da das Paar Lit.: Marienleben, S. 29-35, 107; SMS II, S. 214-221 und S.
bis ins hohe Alter unfruchtbar geblieben war. Aus 232-234, Nr. 169

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33 34
FRATER PETRUS BONAVENTURA <SANCTUS>
Nova legenda sanctae Catherinae Die Legende des heiligen Vaters Franciscus
[Straßburg]: Johann Grüninger, 6. April 1500. 4° Nürnberg: Hieronymus Höltzel für Caspar Rosen-
Aufgeschlagen: thaler in Schwaz, 7. April 1512. 4°
Das Martyrium der Hl. Katharina, Holzschnitt Aufgeschlagen: Stigmatisierung des Heiligen
MOS, OS 484 Franziskus, Holzschnitt von Wolf Traut
MOS, OS 254
Neben Barbara, Dorothea und Margareta gehört
die Heilige Katharina von Alexandrien zu den vier Evangelium leben‘“ wollte, ist die Theologie Bona-
Hauptjungfrauen, mit Barbara und Dorothea seit venturas auf Christus als „Ausgang und Mitte“
dem 14. Jahrhundert zu den vierzehn Nothelfern. (Dettlof S. 51) konzentriert. Bonaventura hat eine
Katharina, Tochter des Königs von Cypern, „galt im Legenda maior und eine Legenda minor des Or-
Mittelalter als die nach Maria ranghöchste Heilige“ densgründers Franziskus hinterlassen. Mit seinen
(http://inkunabeln.digitale-sammlungen.de/Aus- Biographien, die frühere Viten weitgehend ablösten,
gabe_P-371.html). Aufgrund ihrer hohen Bildung sollten Auseinandersetzungen um die Armutspraxis
ist sie die Patronin der Gelehrten, der Theologen und die Strenge der Ordensregeln beigelegt wer-
und Juristen, der Schüler und Studenten, der Schu- den. Im vorliegenden Druck liegt die ausführlichere
len, Universitäten, Bibliotheken und der Buchdruk- Vita des Heiligen Franz vor. Sie ist mit über fünfzig
ker, aber auch der Mädchen und Jungfrauen, sowie Holzschnitten des Nürnberger Künstlers Wolf Traut
aller Berufe die mit Klingen und Rädern zu tun (um 1490-1520) geschmückt, die als dessen Haupt-
haben. Unter Kaiser Maxentius erlitt sie 306 ihr Die vorliegende Nova legenda hat ein Frater Petrus werk gelten. Der Holzschnitt mit der Stigmatisie-
Martyrium in Alexandrien. Nachdem sie sich dem aus Italien im 14. Jahrhundert aus sechs früheren rung des Heiligen Franz wird als Titelbild und auch
kaiserlichen Befehl verweigert hatte, heidnische Fassungen kompiliert. Aufgeschlagen ist der Holz- als Illustration zu den Kapiteln „Von seinen heyli-
Götzen anzubeten, und auch eine Disputation mit schnitt mit dem Martyrium der Heiligen. Am rech- gen wunden“ und „Die Wunderzaychen“ verwen-
fünfzig Philosophen sie nicht zum Abfall vom ten Bildrand ist das durch himmlisches Feuer zer- det und ist das zentrale Motiv der Holzschnittfolge.
christlichen Glauben bewegen konnte, wurde sie störte Rad zu sehen. Zentral ist der Scharfrichter Sie ist Beleg und Auszeichnung für die konsequente
zum Tod durch Rädern verurteilt. Engel zerstörten mit dem Schwert postiert, vor ihm die kniende und Nachfolge Christi durch den Heiligen Franziskus.
aber das Rad durch Feuer, wobei viertausend betende Heilige.
Ungläubige umgekommen sein sollen. Schließlich Die Stigmatisierung des Heiligen Franz und ihre
wurde Katharina mit dem Schwert hingerichtet. Die Lit.: Kreis und Kugel, Nr. 37; Dürer I, Nr. 45; Assion, Peter: bildliche Darstellung hat Luther entschieden abge-
Legende überlieferte zuerst allein ihr Martyrium, im Katharina von Alexandrien. In: LCI VII (1974), Sp. 289-297; Der Heilige Bonaventura (um 1217-1274) wurde lehnt: „Daß man also S. Francisci Werk des Herrn
Westen entstand daneben die Geschichte von ihrer http://inkunabeln.digitale-sammlungen.de/Ausgabe_P- als Kind auf die Fürbitte des Franziskus von Assisi Christi Wunderwerken und Leiden gleich gerechnet
Bekehrung und Frömmigkeit. Ihr vorangestellt 371.html von schwerer Krankheit geheilt. Er schloss sich wäh- und geachtet hat; welches eine große Gottesläste-
kann auch von Geburt und Kindheit der Königs- rend seines Studiums der Theologie in Paris dem rung ist gewesen“ (Hofmann, S. 153)
tochter berichtet werden. Zentraler Bestandteil der Franziskanerorden an. 1257 wählte ihn der Orden
Bekehrungslegende ist die Vermählung Katharinas zum Generalminister, 1273 wurde er zum Kardinal Lit.: Dettlof, Werner: Bonaventura. In: TRE VII, S. 48-55;
mit Christus durch die Muttergottes selbst. ernannt. Im Jahr darauf starb er in Lyon während Hofmann, S. 153, Nr. 128; Meister um Dürer, S. 217, Nr. 390
des Konzils. Wie Franziskus „einfach ,nach dem

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35
[PSEUDO-]EUSEBIUS VON CREMONA
Vom Leben und Sterben des heiligsten Hieronymus
Nürnberg: Hieronymus Höltzel, 14. Febr. 1514. 4°
Aufgeschlagen: Der heilige Hieronymus in der Fel-
sengrotte, monogrammierter und datierter Holz-
schnitt von Albrecht Dürer, 1512
MOS, OS 272

Der Nürnberger Ratsschreiber Lazarus Spengler geschlagenes Buch balanciert. Er scheint im Schrei-
(1479-1534) gab seine Übersetzung der Vita des ben innegehalten zu haben, um das Kruzifix auf
Heiligen Hieronymus 1514 heraus. Er widmete sie dem Felsen vor ihm zu betrachten. Sein Attribut,
dem einflussreichen Ratsherrn Hieronymus Ebner der Löwe, ruht friedlich hinter ihm. Hieronymus
(1477-1532), der im Jahr der Drucklegung zum 2. trägt ein einfaches Gewand, Kardinalsmantel und -
Losunger der Reichsstadt bestellt worden war, und hut hat er abgelegt. Wie in der Kaltnadelradierung
entbot ihm dabei seinen ungeteilten Dienst. Seine „Der Heilige Hieronymus neben dem Weidenbaum“
„lieb vnd hertzlich zunaygung […] zu dem glori- aus demselben Jahr kombiniert Dürer das Motiv des
wirdigen grossen heyligen Hieronymo, als meinen Buch- und Bibelgelehrten mit dem des frommen
sonderlich erwelten vn[d] furgeliebten patron“ Büßers. Damit werden die beiden Hauptaspekte aus
(Bl. A1r) habe ihn zu diesem Werk veranlasst. Die der Vita des Hieronymus in einem Bild vereint.
Furcht vor Kritikern, die ihm eine solche Überset-
zung „auß mangel billichs verstands“ nicht zutrau- Lazarus Spenglers Übersetzung fußt auf einem
ten, habe ihn bewogen, die „angefangen vbung vermeintlichen Brief des Eusebius von Cremona
solichs wercks, ain zeytlang in rwe [= Ruhe, d. A.] († 423), einem Schüler des Hieronymus’, den dieser
zestellen“ (ebd.). nach dem Tod des Kirchenvaters verfasst haben soll.
Er ist aber – wie zwei weitere Briefe über das Leben
Die Rückseite des Titelblattes ziert der Holzschnitt und Wirken des Hieronymus – Werk eines unbe-
„Der Heiligen Hieronymus in der Felsengrotte“, kannten Autors um 1300. Mit ihnen setzt eine Ver-
den Albrecht Dürer bereits 1512 geschaffen hat. ehrung des Kirchenvaters ein, die ihn weit über den
Trotz früherer Vermarktung als Einblattdruck und Rang der anderen drei lateinischen Kirchenväter
durch Einzelabzüge darf man vermuten, dass der erheben und ihn mit Johannes dem Täufer und
Holzschnitt von Anfang an als Illustration für die den Aposteln gleichsetzen sollte. Spenglers Schrift
Übersetzung seines Freundes Spengler gedacht war, markiert „die Kulmination der Nürnberger Hiero-
deren Drucklegung sich – wie aus der Vorrede her- nymus-Begeisterung unmittelbar vor der Reforma-
vorgeht – verzögert hatte. Dafür sprechen auch die tion“ (Hamm, S. 173). Sowohl Spengler wie Ebner
Maße des Holzschnittes, die dem Quartformat eines sollten eine Dekade später zu den bedeutendsten
Buches angepasst, für einen Einblattdruck mit seit- Befürwortern einer Einführung der Reformation in
lichen Textbeigaben aber eher zu breit sind. der Reichsstadt zählen.

Der Heilige sitzt mit übereinandergeschlagenen Lit.: Schauerte, S. 86, Nr. 26; Hamm, S. 170-183; SMS II,
Beinen in einer Felsengrotte, auf denen er ein auf- Nr. 232; Dürer II, Nr. 7

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36
Die Historie des Lebens, Sterbens
und der Wunderwerke Sankt Sebalds
Nürnberg: Hieronymus Höltzel, 1514. 4°
Aufgeschlagen: Der heilige Sebald, Holzschnitt
von Hans Springinklee
MOS, OS 1046

Die hystori des lebens: sterbens und wunderwerck des Sebald soll ein Königssohn aus Dänemark gewesen
heyligen Peichtigers und grossen nothelffers Sant sein, der seine Verlobung mit einer französischen
Sebalds, der von gepurt ain konig auß Tenmarck und Prinzessin gelöst hatte, um als Einsiedler zu leben.
ain sonnierlicher Löblicher Patron und furbitter ist Nach einer Wallfahrt nach Rom zog er sich wie-
der Stat Nüremberg, Alda er leibhafftig gar gnedigk- derum als Einsiedler in die Nürnberger Gegend
lich Rastet erschien 1514 bei Hieronymus Höltzel zurück, wo er auch als Künder des Glaubens wirkte.
in Nürnberg. Die fränkische Reichsstadt förderte Über seinem Grab in der Peterskapelle wurde im
den Kult ihres historisch nicht belegbaren Stadthei- 13. Jahrhundert die Sebalduskirche errichtet.
ligen um so tatkräftiger, je bedeutender ihre Stel-
lung im Reich wurde. Dessen Heiligsprechung im Üblicherweise wird er daher als Pilger dargestellt, in
Jahr 1425 durch Papst Martin V. erreichte eine der einen Hand einen Stab, in der anderen das Mo-
Nürnberger Delegation mit dem Verweis auf die dell der Sebalduskirche. Sein Bild wird häufig mit
jahrhundertelange Verehrung Sebalds in ihrer Stadt heraldischen Beigaben geschmückt, den Wappen
und dessen dort vollbrachten Wundertaten. Dies von Dänemark, Frankreich und der Reichsstadt
legte „den Grundstein für eine Wallfahrt zum Grab Nürnberg. Diese finden sich auch auf dem Holz-
in der Nürnberger Sebalduskirche“ (SMS III, S. schnitt in Höltzels Druck aus dem Jahr 1514.
529), die mit Einführung der Reformation zu Ende Früher Dürer zugeschrieben, gilt er heute als Werk
gehen sollte. Nürnberger Drucke seiner Ende des von Hans Springinklee.
14. Jahrhunderts kanonisierten Legenden dienten
daher wohl in erster Linie als Andenken für Pilger. Lit.: SMS III, S. 529-530, A 42

78 79
37
LEONHARD BECK
Images de saints et saintes
issus de la famille de l'empereur Maximilien I.
Wien: Franz Xaver Stöckl, 1799. 2°
Aufgeschlagen: Der heilige Sebald, Holzschnitt
von Leonhard Beck
MOS, OS 189

Zu den Buchprojekten Kaiser Maximilians I. zählt Druck der Blätter wird noch um 1518 stattgefun- dele sich um einen Hinweis auf die wunderbare
auch eine Fürstliche Chronik, die in vier Bänden die den haben. Ein einziges Exemplar hat sich im Bene- Speisung der Heiligen Willibald, Wunebald und
Genealogie des Habsburgers darlegen sollte. Sie diktinerstift St. Paul in Kärnten erhalten. Dionysius, des Evangeliers. Diesen war Sebald in
reichte zurück über die Franken und Merowinger der Wüste begegnet, und sie hatten ihm ihren gro-
bis zum antiken Helden Hektor. Ergänzend sollte in 1522 gab Mennel eine Kurzfassung der Heiligenvi- ßen Hunger geklagt. In einem Bittgebet an Gott,
zwei weiteren Büchern der Heiligen gedacht werden, ten in Freiburg im Breisgau heraus. Danach erschien das Sebald abseits verrichtete, spendete der Himmel
die mit seinem Geschlecht verwandt sind. Eine erste ein zweiter Abzug der Holzschnitte mit den Texten Brot und füllte ein Fass Wein, das Dionysius bereits
von Jakob Mennel 1513 zusammengestellte Fas- aus seinem Seel unnd heiligen buch, Keiser Maximili- geleert hatte. Braun deutet den Gegenstand in der
sung stieß beim Kaiser auf keine positive Resonanz. ans altfordern. Hier trägt das Bildnis Sankt Sebalds Rechten Sebalds als einen Aschenkuchen, also einen
Die Überarbeitung des Werkes dauerte bis Anfang folgende Unterschrift: „Sant Sebaldus / künigs sun Fladen, der in heißer Asche ausgebacken wird.
des Jahres 1518 und wurde nicht mehr publiziert. von Dennmarckt / wirt mit grosser solennitet zuo
Nur Handschriften in der Österreichischen Natio- Nueremberg gehalten / vnd ift fein heiliger tag / Laschitzer schließt bei diesem Holzschnitt auch eine
nalbibliothek können heute über das Ausmaß der auff den. XIX. tag. Augusti“ (Laschitzer, 1887, S. Fehlinterpretation des Formschneiders nicht aus,
Fürstlichen Chronik und der Heiligen aus der „Sipp-, 212). Dieser Druck muss vor 1551 erfolgt sein. der mit dem Heiligen Sebald und seinen Attributen
Mag- und Schwägerschaft“ Maximilians informie- nicht vertraut gewesen sei. Dazu muss aber ange-
ren. Ursprünglich auf genau hundert Heilige festge- Erst 1799 verlegte Adam von Bartsch (1757-1821) merkt werden, dass der ,Staatsheilige‘ vielleicht
legt, beschrieb Mennel 1518 123 Heilige und 47 in Wien unter dem Titel Images de saints et saintes nicht in derselben Art wie der Nürnberger Stadthei-
Selige. Mit den Bildnissen der Heiligen im Holz- issus de la famille de l'empereur Maximilien I. eine lige dargestellt werden sollte. Das genaue Verwandt-
schnitt wurde noch im Jahr 1516 begonnen. Denn dritte Ausgabe. Sie ist am weitesten verbreitet und schaftsverhältnis des Heiligen Sebald zu den Habs-
auf den erhaltenen Druckstöcken finden sich Prä- wird hier ausgestellt. Bartsch war noch der Ansicht, burgern ist nicht zu ersehen; es könnte sich um eine
sentationsvermerke von November 1516 bis Sep- Hans Burgkmair d. Ä. sei Schöpfer der Holzschnitte Verbindung zum dänischen Königshaus handeln, Tracht und Attribute der Heiligen in der deutschen Kunst.
tember 1518, die aber nur die Namen der Form- gewesen. die hier in Anspruch genommen wurde. Stuttgart, 1943, Sp. 640-642; Laschitzer, Simon: Die Heiligen
schneider nennen. Als Zeichner ist heute Leonhard aus der „Sipp-, Mag- und Schwägerschaft“ des Kaisers Maximi-
Beck anerkannt, nur ein Holzschnitt wird ihm abge- Die Darstellung des Heiligen Sebalds weicht in Lit.: Kaiser Maximilian I. und die Kunst der Dürerzeit. Ausstel- lian I. In: Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen des Al-
schrieben. einem Punkt von der üblichen Ikonographie ab (s. lung in der Albertina, Wien, 14. September 2012 bis 6. Januar lerhöchsten Kaiserhauses IV (1886), S. 70-288 und V (1887),
Exp. 36). Statt des Modells der Sebalduskirche hebt 2013. Hrsg. von Eva Michel und Maria Luise Sternath. Mün- S. 117-262
Eine erste Publikation der Heiligenbilder erfolgte er in der Rechten eine hostienartige Scheibe empor, chen, 2012, S. 165, 172-173; Hispania – Austria. Die Katholi-
wohl in Nürnberg. Dabei wurden den Abzügen nur die er ehrfürchtig mit einem Tuch ergriffen hat. schen Könige, Maximilian I. und die Anfänge der Casa de Au-
die Namen der Heiligen im Buchdruck beigegeben. Dieses Attribut lässt sich in seiner Vita nicht defini- stria in Spanien. Kunst um 1492. Innsbruck, Schloß Ambras,
Allein beim Nürnberger Stadtheiligen Sebald er- tiv belegen. Joseph Braun übernimmt eine Vermu- 3. Juli – 20. September 1992. Wissenschaftliche Gesamtleitung:
scheint zusätzlich die Bitte „Ora pro nobis“. Der tung Laschitzers als feststehendes Faktum, es han- Artur Rosenauer. Milano, 1992, S. 315-323; Braun, Joseph:

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Gloriosorum christi confessorum Uldarici & Symperti:
necnon beatissimae martyris Aphrae, Augustanae
sedis patronorum quam fidelissimorum historiae
[Augsburg]: Silvan Otmar, 14. April 1516. 4°
Aufgeschlagen: Das Martyrum der heiligen Afra,
Holzschnitt von Leonhard Beck
MOS, OS 783

Im Spätmittelalter entstanden zunehmend Nahwall- fig als Dirne bezeichnet wird. Im Traum ermahnt,
fahrten, die Heiligen einer Region galten. Neben St. dass ein ewiges Königreich in Augsburg auf sie
Sebald in Nürnberg (vgl. Exp. Nr. 36) zogen die warte, zieht sie dorthin. Vom legendären Augs-
Stadt- und Bistumsheiligen von Augsburg, Ulrich, burger Bischof Narcissus bekehrt, erleidet sie um
Afra und Simpert, die Pilger in Südostdeutschland 304 das Martyrium durch den Feuertod.
an. Die schwäbische Diözese genoss seit 1451 sogar
das Privileg, den römischen Ablass, der den Besu- Die Heilige Afra wird in der Regel in prächtigen
chern der sieben Hauptkirchen der Heiligen Stadt Kleidern an einen Baum gefesselt dargestellt, neben
erteilt wurde, ebenfalls spenden zu dürfen. Der vor- oder unter ihren Füßen ein Stoß brennendes Holz.
liegende Druck wurde vom Klerus der Augsburger Die Krone kann sowohl ihre königliche Herkunft,
Kirche Sankt Ulrich und Afra in Auftrag gegeben aber auch ihren Status als Märtyrerin anzeigen.
und enthält die Legenden aller drei Stadtpatrone. Leonhard Beck hat in seinem Holzschnitt die
Der Heilige Ulrich (790-873) leitete das Bistum zypriotische Prinzessin in eine aufwendige Architek-
Augsburg für fünfzig Jahre und hatte maßgeblichen turrahmung im Stil der Renaissance gestellt und
Anteil am Sieg auf dem Lechfeld. Der beliebte Bi- damit den repräsentativen Charakter des Bildes ge-
schof zog sich immer mehr aus der Politik zurück, steigert. Auch ein fiktives königliches Wappen gibt
um spirituell und seelsorgerisch wirken zu können. er der Heiligen bei. Dies dürfte im Sinne seiner Auf-
Bereits zwanzig Jahre nach seinem Tod soll er heilig traggeber gewesen sein, die den Kult der Stadt-
gesprochen worden sein. patrone, aber auch die Identifikation der Gläubigen
mit ,ihren‘ Heiligen fördern wollten. Neben der
Auch der Heilige Simpert (um 750-807) gilt als be- vorliegenden lateinischen Fassung der Legenden-
deutender Bischof von Augsburg. Während Ulrich, sammlung gab es natürlich auch einen deutsch-
aber auch Afra Heilige der katholischen Kirche sind, sprachigen Druck.
blieb Simpert ein reiner Ortsheiliger. Seine Vereh-
rung wurde 1450 für das Kloster St. Ulrich und Lit.: Hamm, S. 274-275; Bigelmair, Andreas: Afra. In: LThK I,
Afra und 1622 für das Bistum erlaubt. Sp. 169-170; Zoepfl, Friedrich: Ulrich (Udalrich). In: LThK X,

Sp. 454-456; Zoepfl, Friedrich: Sintpert. In: LThK IX, Sp.


Afra ist in der vorliegenden Legende in der Bearbei- 789-790, Zoepfl., Friedrich: Afra von Augsburg. In: LCI V, Sp.
tung des Augsburger Benediktiners Albertus (um 38-41; Das leben: verdienen: und wunderwerck der hailigen,
1200) eine Königstochter aus Zypern, die nach dem Augspurger Bisthumbs bischoffen, sant Ulrichs, und Sym-
Tod ihres Vaters nach Rom flieht. Ihre Mutter weiht prechts, auch der säligen martrerin sant Aphre. Augsburg,
sie hier dem Dienst der Venus, weswegen Afra häu- 1516

82 83
39
HEINRICH VON FRIEMAR D. Ä.
Passio domini litteraliter et moraliter ab Henrico de
Firmatia explanata
Landshut: Johann Weißenburger, [um 1516]
Aufgeschlagen Bl. B4v, C1r mit den Holzschnitten
Geißelung, Jesus vor Pilatus und Kreuztragung
MOS, OS 1317

Der Theologe Heinrich von Friemar d. Ä. Der Erstdruck der Passion soll nach Panzers Anna-
(um 1245-1340) erhielt seine erste theologische len 1514 in Paris erschienen sein, lässt sich aber
Ausbildung bereits vor 1265 in Bologna. Von 1290 nicht nachweisen. Die vorliegende Ausgabe druckte
bis 1299 war er Provinzial der deutschen Augusti- Johann Weißenburger um 1516 in Landshut. Sie ist
ner. Danach ging er zum weiteren Studium an die mit einer Folge von 14 kleinformatigen Holzschnit-
Universität Paris, wo er um 1305 den Magistergrad ten zur Passion – vom Abendmahl bis zur Grable-
erwarb und anschließend auf einen theologischen gung – geschmückt. Der Künstler ist unbekannt.
Lehrstuhl berufen wurde. Seit spätestens 1315 Der Titelholzschnitt zeigt in vier kreisrunden Me-
unterrichtete er Theologie am Augustinerkloster daillons in den Ecken die vier Evangelisten am
Erfurt bis zu seinem Tod. Hier verfasste er wohl Schreibpult mit ihren Symbolen. In der Mitte hält
den Großteil seiner zahlreichen Schriften. Sie wur- der sitzende Jesusknabe die Leidenswerkzeuge.
den auch ins Deutsche übersetzt und „haben einen Diese Arbeit wird Wolf Traut zugeschrieben.
spürbaren Einfluß auf das religiöse Leben des deut- Johann Weißenburger verwendete diesen Holz-
schen Spätmittelalters ausgeübt“. (Zumkeller, schnitt seit 1509 für kleinformatigere theologische
S. 408) Drucke. Auch die Passionsfolge dürfte bereits früher
entstanden sein.
Obwohl seinen Predigten nahestehend richtet sich
Friemars Passio domini litteraliter et moraliter expla- Lit.: Warnock, Robert G.: Heinrich von Friemar d. Ä. In: Ver-
nata an eine Leserschaft. Das belegt das Incipit so- fasserlexikon III (1981), Sp. 731-737, bes. Sp. 731-732; Zum-
wohl der lateinischen Fassung wie der deutschen keller, Adolar: Heinrich von Friemar (auch de Alemania). In:
Übersetzung: „Es beginnt die Erklärung des Lei- NDB VIII (1969), S. 408; Meister um Dürer, Nr. 388; Stroick,
dens des Herrn durch den Magister Heinrich von Clemens: Heinrich von Friemar. Leben, Werke, philosophisch-
Friemar zur Ehre Gottes und zur Erbauung der Le- theologische Stellung in der Scholastik. Freiburg, Breisgau,
senden nach der Erklärung der vier Evangelien nach 1954. (Freiburger theologische Studien 68), S. 42-45; Panzer
dem doppelten Sinn, dem buchstäblichen und dem VIII, S. 20, Nr. 763
moralischen“ (Stroick, S. 44). In den Erzählstrang
der Leidensgeschichte Jesu nach den Evangelien
werden daher Erläuterungen historischer und mora-
lischer Art eingeflochten, sowie Hinweise zu den
Verhältnissen im Palästina der Zeitenwende. Der
Autor arbeitet auch mit eingestreuten Fragen und
deren schulmäßiger Beantwortung.

84 85
40 41
JORDANUS DE QUEDLINBURG BRUDER BERTHOLD
Meditationes de vita et passione Jesu Christi Horologium devotionis circa vitam Christi
[Magdeburg: Moritz Brandis, um 1498]. 16° [Köln: Ulrich Zell, um 1488]. 16°
Aufgeschlagen: Christus am Ölberg. Holzschnitt, Aufgeschlagen: Bethlehemitischer Kindermord und
um 1498 zum 2. Artikel die Flucht nach Ägypten, altkolorierter Metall-
MOS, OS 1209 schnitt
MOS, OS 156
Der Augustiner Jordanus de Quedlinburg (um
1300-1370/80) gilt als einer der bedeutendsten
geistlichen Autoren seiner Zeit. Mit seinem Liber 42
Vitasfratrum hat er seinem Orden ein bis heute BRUDER BERTHOLD
beachtetes Denkmal gesetzt. Zu den beliebten Horologium devotionis circa vitam Christi
Schriften seiner Feder gehören die Meditationes de Nürnberg: Friedrich Creussner, 11. Mai 1489. 8°
passione Jesu Christi, die nicht nur in mehr als 110 Aufgeschlagen: Vertreibung der Händler aus dem
Handschriften überliefert sind, sondern im Spät- Tempel, Holzschnitt
mittelalter auch in zahlreiche Gebetbücher und MOS, OS 96
Passionspredigten eingeflossen sind und so die
Frömmigkeit ihrer Zeit stark beeinflusst haben. Der Verfasser des Horologium devotionis nennt sich hundert in illustrierten Handschriften weite Verbrei-
Neben der lateinischen Fassung kursierten zahlrei- Bruder Berthold und bezeichnet sich als Mitglied tung. Die Beigabe von Bildern war bereits von Bert-
che niederländische und niederdeutsche Überset- des Predigerordens. Vieles spricht dafür, dass er hold gefordert worden. Mit zehn gedruckten Aus-
zungen. Der Hauptteil des Textes gliedert sich in 65 auch jener Bruder Berthold ist, der eine deutsche gaben zwischen 1488 und 1510 wurde das Horolo-
kurze Artikel, vier davon mit längeren Einschüben. Bearbeitung der Rechtssumme des Johannes von gium zu einem der populärsten Erbauungsbücher
Freiburg vorgelegt hat. Dies ist allerdings nur dann um 1500. Ulrich Zells Kölner und Friedrich Creuss-
Von den Meditationes existierten neun Ausgaben möglich, wenn man ihn nicht mit dem um 1304 be- ners Nürnberger Druck von 1488 bzw. 1489 zählen
der Inkunabelzeit. Sie sind vor allem von Gerard zeugten Freiburger Dominikanerlektor Berthold zu den frühesten Ausgaben. Der große Erfolg
Leeu in Antwerpen aufgelegt worden. Der Magde- identifiziert. Denn das Horologium, das das Leben führte auch zu einer Rückübertragung von Bert-
burger Drucker Moritz Brandis nutzte deren ikono- und die Leiden Christi „von dem anbeginne seiner holds Schrift ins Deutsche, die aber nicht auf die ur-
graphisches Programm als Vorlage für die Holz- enpfencknüs bis an das ende“ (Steer, S. 4*) in 24 sprüngliche Fassung zurückgriff. Als Andächtiges
schnitte seiner hier vorliegenden Ausgabe. Neben Kapiteln – analog den Stunden eines Tages – abhan- Zeitglöcklein des Lebens und Leidens Christi erlebte
dem Titelholzschnitt ließ er 42 weitere Holzschnitte delt, wird erst in der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts sie zwischen 1491 und 1495 sechs deutschsprachige
nach den Antwerpener Drucken fertigen. Etliche entstanden sein. Mit der Titelwahl und der Stunden- Editionen. Das Horologium des Bruders Berthold ist
Illustrationen wurden mehrfach eingesetzt, so dass Lit.: Adolar Zumkeller: Jordan von Quedlinburg. In: Verfasser- einteilung, nicht aber inhaltlich, lehnt es sich an das öfter gemeinsam mit den Meditationes de vita et
die Meditationes insgesamt über 75 Illustrationen lexikon IV (1983), Sp. 853-861; Arnim, Nr. 198 Horologium sapientiae des Mystikers Seusse an. beneficiis salvatoris Jesu Christi des Thomas von
verfügen. Sie reichen von der Ölbergszene bis zur Ursprünglich hatte Bertholdus seine Schrift, die er Kempen und De spiritualibus ascensionibus des
Auferstehung. Eingestreut sind zudem Darstellun- aus mehreren lateinischen Quellen kompilierte, auf Gerardus de Zuthpania hergestellt und vertrieben
gen des Todes, des Jüngsten Gerichts, der Höllen- Deutsch verfasst und als Sager oder mircker der worden. Der Kölner Drucker Ulrich Zell hat eben-
strafen, des Sündenfalls, des Gnadenstuhls, der tugent bezeichnet. Für ein gebildetes Publikum falls alle drei Drucke um 1488 aufgelegt. Dem vor-
Gregorsmesse sowie Christus mit den Leidens- übertrug er seine Erbauungsschrift ins Lateinische. liegenden Exemplar seines Horologiums sind zumin-
werkzeugen. In dieser Fassung fand das Horologium im 15. Jahr- dest die Meditationes (vgl. Exp. 43) beigebunden.

86 87
Das Horologium Creussners beschränkt sich – der 43
Stundeneinteilung entsprechend – auf vierundzwan- THOMAS VON KEMPEN
zig Holzschnitte. Nichtsdestotrotz reicht die Band- Devotissimae Meditationes de vita, beneficiis,
breite der Illustrationen hier sogar von der Verkün- et passione salvatoris Jesu Christi
digung bis zum Jüngsten Gericht. Die letzten drei Augsburg: Sigismund Grimm und Marx Wirsung,
Holzschnitte in Creussners Druck fallen gegenüber 5. April 1520. 8°
den ersten 21 deutlich zurück. Diese Bilder betonen MOS, OS 434
die Körperlichkeit der Figuren, die in klarer räum-
licher Beziehung zueinander stehen und durch Thomas von Kempen (1379/80-1471) wird die
Andeutung von Schatten über einen festen Stand Schrift Meditationes de vita, beneficiis et passione sal-
verfügen. Die hohe Qualität der Illustrationen, die vatoris Jesu Christi zugeschrieben. Seine Autorschaft
sich auch in den plastisch herausgearbeiteten Land- ist wie bei allen 38 schon 1488 für ihn aufgeführten
schaftsformen, der differenzierten Darstellung der Schriften umstritten. Nur für die Imitatio Christi,
Bäume und den schrägen Fluchtlinien der Innen- dem bekanntesten und erfolgreichsten Werk, wird
räume widerspiegelt, hat zu vielen Vermutungen der bedeutende Vertreter der Devotio moderna ge-
über den Künstler geführt: Vorgeschlagen wurden meinhin als Verfasser anerkannt. Die Devotio mo-
Michael Wolgemut, Albrecht Dürer, aber auch der derna ist eine spätmittelalterliche religiöse Bewe-
damals in Nürnberg wirkende Meister des Ulmer gung, die sich um 1400 in den Niederlanden ent-
Terenz. Aufgeschlagen ist die „Vertreibung der wickelt und bei der die Nachfolge Christi, eine
Händler aus dem Tempel“. verinnerlichte Frömmigkeit und Weltverachtung im
Zentrum steht. Meditationen über das Leben und Johannes Oecolampadius verwendet worden. Die
Lit.: Marienleben Nr. 7; Steer, Georg [u.a.] (Hg.): Die Leiden Christi sind in der religiösen Praxis dieser Motive der Illustrationen reichen von der Erschaf-
‚Rechtssumme‘ Bruder Bertholds. Eine deutsche abecedarische Frömmigkeitsbewegung unerlässlich. fung Evas bis zur Grablegung, daneben präsentieren
Die Kölner Ausgabe verwendet zur Illustrierung 24 Bearbeitung der „Summa Confessorum“ des Johannes von vier Holzschnitte das Monogramm Christi, die
Holz- und 14 Metallschnitte, von denen sie einige Freiburg. Bd. 1, Tübingen 1987, S. 1*-6*; Stadler, S. 118- Die Meditationes sind um 1500 öfter gemeinsam Kreuzesinschrift, die Wundmale und die schmerz-
zweimal verwendet. Sie reichen von der Verkündi- 121; Buchillustration, Nr. 33, 36; GW 4166-4177; Index Au- mit dem Horologium des Bruders Berthold (vgl. hafte Muttergottes. Obwohl die Folge nicht ohne
gung bis zum Pfingstwunder. Aufgeschlagen ist der reliensis 118.027-118.030 Exp. Nr. 41-42) und der Schrift De spiritualibus gelegentliche Anleihen bei der Kleinen Passion und
Metallschnitt mit dem Bethlehemitischen Kinder- ascensionibus des Gerardus de Zuthpania hergestellt dem Marienleben Dürers auskommt, bleibt sie im
mord, im Hintergrund ist die Flucht der Heiligen und vertrieben worden. Großen und Ganzen eine eigenständige Leistung
Familie nach Ägypten zu erblicken. dieses bis heute nicht identifizierten Meisters. Aus-
Für die vorliegende Augsburger Ausgabe aus dem gestellt ist ein Holzschnitt, der sowohl die Vorfüh-
Jahr 1520 schuf der Petrarcameister, einer der rung bei Annas wie die Ankunft vor dem Palast des
fruchtbarsten und herausragendsten Buchillustrato- Herodes illustriert. Die Bordüre weist als bestim-
ren der Dürerzeit, eine neue, 35 Holzschnitte um- mendes Element einen Putto mit Peitsche auf, der
fassende Folge. Neun Illustration, die nur etwas einen Pfau vor sich her treibt.
mehr als die halbe Seite des Büchleins füllen, weisen
eine eigene kleine Rahmung auf, die 26 fast blatt- Lit.: Ruh, Kurt: Die niederländische Mystik des 14. bis 16.
großen Holzschnitte werden in separate Rahmun- Jahrhunderts. München, 1999. (Geschichte der abendländi-
gen gesetzt, die von Bordüren illuminierter Stun- schen Mystik 4), S. 187-188; Köpf, Ulrich: Thomas von Kem-
denbücher angeregt zu sein scheinen. Sie sind zum pem. In: TRE XXXIII, S. 480-483; Musper, L 63, Nr. 320-
Großteil bereits im Jahr zuvor für eine Schrift des 354, 603-622, 628

88 89
44
STEPHAN FRIDOLIN
Schatzbehalter
Nürnberg: Anton Koberger, 8. November 1491. 2°
Aufgeschlagen: Kreuzigung, Holzschnitt von Wil-
helm Pleydenwurff
MOS, OS 5

45
MICHAEL WOLGEMUT
Gefangennahme Christi
Probeabzug des Holzschnittes für Fridolins
Schatzbehalter, um 1491
MOS, OS 1660

Am 8. November 1491 erschien bei Anton Koberger zugleich als umfangreiche Auslegung der zweiten
anonym das Erbauungsbuch der schrein oder schatz- Kyrie-Bitte zu verstehen, während der dritte und
behalter der waren reichtümer des hails vnd der letzte Teil des Schatzbehalters die Worte Christi
ewigen seligkeit. Ein handschriftlicher Eintrag im während der Passion und am Kreuz heranzieht, um
Exemplar des Klosters Rebdorf benennt den Fran- die neunfache Anrufung Gottes im Kyrie zu behan-
ziskaner Stephan Fridolin als Verfasser. Fridolin deln und in vorbildliche Gebete umzusetzen.
wurde um 1430 geboren und ist erstmals im August
1460 als Prediger in Bamberg fassbar. Seit 1479 Allein der zweite Teil des Schatzbehalters ist aufwen-
übte er verschiedene Ordensämter in Nürnberg aus, dig bebildert. Michael Wolgemut, sein Stiefsohn
unter anderem war er bis zu seinem Tode 1498 als Wilhelm Pleydenwurff und ein unbekannter Geselle
Prediger und Beichtvater der Nürnberger Klarissin- ihrer gemeinsamen Werkstatt zeichnen für die Ent-
nen tätig. Auf Wunsch der Klarissinnen und ihrer würfe und Risse der 91 ganzseitigen Holzschnitte
Äbtissin Caritas Pirckheimer soll der Schatzbehalter verantwortlich. Durch die mehrfache Verwendung
entstanden sein. Petra Seegets hat zuletzt vermutet, einiger Druckstöcke erhöht sich die Zahl der Bilder
bedeutende Teile des Schatzbehalters habe Fridolin auf 96. Die Illustrationen des Schatzbehalters gelten
bereits in Bamberg verfasst. Auf alle Fälle aber ent- als ein Hauptwerk des malerischen Holzschnittes.
stand das Werk auf „bitt etlicher andechtiger per- Dodgson hat in ihnen – in strengem Sinn – den
son“ (Bl. G6r). Später geht Fridolin genauer auf ersten bedeutenden, eigenständigen Beitrag Nürn-
diese Bitte ein: „eyn edel fraw“ habe zu wissen be- bergs zur Buchillustration gesehen. Erstaunlich ist
gehrt, „wye man yn den kyrieleyson. die drey per- auch das große Format der Holzschnitte Wolgemuts
son in der heyligen drifeltigkeit vmb die barmhert- mit ca. 25 zu 17,5 cm.
zigkeit anrüffen solt“ (Bl. Z5v). Die Schrift gliedert
sich in drei Teile. Der erste ist als allgemeine Einlei- Vier der Holzschnitte dienen der Memorierung des
tung aufzufassen, der zweite und Hauptteil behan- Inhalts. Da sich Fridolin mit seinem Werk vor allem
delt in einhundert Abschnitten, die Fridolin als an Laien wenden möchte, werden die hundert Ab-
„Gegenwürfe“ bezeichnet, die Leiden Christi. Er ist schnitte des zweiten Teils den Gliedern und Gelen-

90 91
ken der rechten und der linken Hand eingeschrie- Michael Wolgemut werden von Bellm 33 Entwürfe
ben. So kann der Leser sich den Aufbau des Buches zugeschrieben, darunter auch der für die in einem
einprägen und den wahren Schatz der Passion Chri- Probedruck vorliegenden 57. Figur mit der Gefan-
sti behalten. Auch für den dritten Teil wurden zwei gennahme Christi. Die auf Wolgemut zurückgehen-
solche mnemotechnischen Bilder geschaffen. Die den Holzschnitte sind als zart, ruhig und ausgewo-
restlichen 87 Holzschnitte illustrieren die Mehrheit gen, aber auch als steif und kraftlos im Vergleich zu
der Abschnitte, aber nicht alle hundert Gegenwürfe den lebendigeren, dramatischeren und derberen
des zweiten Teils. Dabei verzichtete Fridolin vor Entwürfen Pleydenwurffs charakterisiert worden.
allem bei abstrakt-theoretischen Erwägungen auf Im Schatzbehalter selbst ist mit Christus am Kreuz
Bilder. Neben zahlreichen Illustrationen zum Leben ein Holzschnitt nach einer Vorlage Pleydenwurffs
und den Leiden Christi finden sich viele alttesta- aufgeschlagen.
mentarische Begebenheiten, die als Verweise auf die
Passion gelten. Fünfzehn Motive gehen auf die Lit.: Seegets, Petra: Passionstheologie und Passionsfrömmigkeit
Capistrantafel in Bamberg zurück, deren Szenen im ausgehenden Mittelalter. Der Nürnberger Franziskaner Ste-
Wolgemut in seinem Skizzenbuch festgehalten hat. phan Fridolin (gest. 1498) zwischen Kloster und Stadt, S. 169-

313; Bellm, Richard (Hg.): Stephan Fridolin: Der Schatzbehal-

ter. Ein Andachts- und Erbauungsbuch aus dem Jahr 1491. Bd.

1-2, Wiesbaden, 1962, Bd. 2; Stadler, S. 2-28; Dodgson I, S.

240-242

92 93
46
GIROLAMO DELLA VALLE
Jesuida
[Ingolstadt: Georg Wirffel d. J.
und Marx Ayer, 1497]. 4°
Aufgeschlagen: Kreuzigung, Holzschnitt
MOS, OS 1225

Girolamo della Valle (um 1420?-um 1494?) war ein Erstmals hat der Augsburger Drucker Günther Zai-
Arzt, Humanist, Diplomat und Schriftsteller aus ner die Jesuida um 1473 aufgelegt. Die ausgestellte
Padua. Sein berühmtestes Werk ist die Jesuida, ein Ausgabe ist in Ingolstadt 1497 bei den Wandedruk-
biblisches Epyllion (Kleinepos). Sie blieb auch seine kern Georg Wirffel d. J. und Marx Ayer erschienen.
einzige Schrift, die als gedrucktes Buch Verbreitung Der schmale Druck enthält nur eine einzige Illustra-
fand. Sein Epos von der Auferstehung des Herrn tion, Maria und Johannes unter dem Kreuz. Zum
blieb ungedruckt. Nach Vedova soll della Valle die einen kam das humanistische, neulateinische Bibel-
Jesuida dem Humanisten und Bischof seiner Vater- epos in der Regel ohne Bilder aus. Zum anderen
stadt, Pietro Donato (1380-1447) gewidmet haben. dürfte der Werkstattfundus der Wanderdrucker
Wenn die neuesten angenommenen Lebensdaten zu nicht übermäßig groß gewesen sein. Das traditio-
Girolamo della Valle und die Angabe Vedovas rich- nelle Bild mag hier als bildliche Inhaltsanzeige ver-
tig sind, dann kann es sich nur um ein Frühwerk standen werden, was für die Verwendung der Je-
handeln. Della Valle war Mitglied der medizinischen suida als Schullektüre durchaus von Bedeutung ge-
Fakultät der Universität Padua und nach Vedova wesen sein kann.
Sonderbotschafter Venedigs am Heiligen Stuhl.
Della Valles Schrift war eines der fünf Werke, die
Die Jesuida wählt als Auftakt eine Versammlung in Benedictus Chelidonius für den Text zur Großen
der Unterwelt, auf der Pluto den Tod Jesu ankün- Passion Dürers heranzog.
digt. Darauf folgt die Passionsgeschichte, bevor der
Dichter über Sterben und Leiden Christi meditiert. Lit.: Czapla, Ralf Georg: Das Bibelepos in der Frühen Neuzeit.
Die Jesuida war gerade in Deutschland weit verbrei- Zur deutschen Geschichte einer europäischen Gattung. Berlin,
tet, bevor sie von biblischen Großepen wie der Par- 2013, S. 125-130; http://www.mirabileweb.it/author/hiero-
thenice Mariana des Baptista Mantuanus (1447- nymus-de-vallibus-n-1420-ca-m-1494-ca-/23017; Vedova,
1516) abgelöst wird. Sie war auch als Schullektüre Giuseppe: Biografia degli scrittori padovani. Bd. 2, Padua,
aufgrund der „Verbindung von erbaulichem Inhalt 1836, S. 383-385; Jöcher, Christian Gottlieb: Allgemeines
und stilistischer Eleganz“ (Czapla, S. 129) beliebt. Gelehr ten-Lexicon. Bd. 4: S-Z. Leipzig 1751, Sp. 1430

94 95
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ULRICH PINDER
Speculum passionis domini nostri Jesu Christi
Nürnberg, [Privatdruckerei des Ulrich Pinder],
30. August 1507. 2°
Aufgeschlagen: Dornenkrönung Christi,
Holzschnitt von Hans Schäufelein
MOS, OS 287

Der Mediziner, Autor, Verleger und Humanist Ul- Jüngste Gericht behandeln, bevor der eigentliche
rich Pinder (†1519) wurde vermutlich in Nördlin- Schlussteil beginnt. Jeder dieser Stationen wird von
gen geboren, wo er von 1484 bis 1489 als Arzt einem seitengroßen Holzschnitt eingeleitet, meist
nachgewiesen ist, bis Friedrich der Weise ihn zum von der Hand Hans Schäufeleins. Drei weitere die-
Leibarzt nach Sachsen berief. Letzte Lebensstation ser Illustrationen gelten als Werk des Hans Baldung
ist Nürnberg, wo er von 1493 bis zu seinem Tod Grien, der auch für das eigentliche Passionsgesche-
am 1. Januar 1519 als Stadtarzt wirkte. Er gründete hen eine zusätzliche Serie kleinerer Holzschnitte
mit dem Typenmaterial der Sodalitas celtica eine entwarf. Sie sollen besonders bedeutsame Textstel-
eigene Druckerei, die sein späterer Schwiegersohn len hervorheben. Formal greift Pinder damit die
Friedrich Peypus führte. In dieser Offizin erschien Gestaltung des Schatzbehalters auf (Exp. 44). Auch
1507 das Speculum passionis. Als primäre Quelle bei Fridolins Schrift war vor allem der Hauptteil
gibt Pinder Ludolf von Sachsens populäre und weit- illustriert worden. Waren aber beim Schatzbehalter
verbreitete Evangelienharmonie an, sein Werk grün- nicht alle hundert Abschnitte des zweiten Buches
det aber vielfach auf der 1501 in Nürnberg erschie- bebildert, andere hingegen mit zwei Illustrationen
nenen Passio domini nostri Jesu Christi des Reform- versehen worden, so lässt Pinder konsequent für
augustiners Reinhard von Laudenburg. jede Station des Passionsgeschehens einen großen
Holzschnitt anfertigen und gibt dem Speculum be-
Das Speculum teilt sich in drei Teile. „Die methodi- reits damit eine klare Struktur. Pinders Passionar gilt
sche Einleitung, als meditatio fructuosa angekün- als eines der schönsten Holzschnittbücher des 16.
digt, führt in die verschiedenen Stufen und Ziele Jahrhunderts und die Illustrationen als das Meister-
der Andacht über die Leidensgeschichte ein“ (Mari- werk Schäufeleins. Der Dürerschüler konnte dabei
enleben, S. 78). So soll der Leser auf den Hauptteil sicherlich auf den Fundus der Werkstatt zurückgrei-
vorbereitet werden, der in einzelnen Abschnitten fen. Daneben sind aber auch starke Einflüsse des
die Evangelientexte zur Passion vom Gang zum Öl- Kupferstichwerks Martin Schongauers und der Illlu-
berg bis zur Grablegung predigtartig kommentiert. strationen zum Schatzbehalter spürbar.
Im ersten Teil ist daher nach der Einführung bereits
die Auslegung der Leidensgeschichte vom Einzug in Lit.: Marienleben, S. 18-19 und Nr. 10; Keunecke, Hans-Otto:
Jerusalem bis zum Abendmahl beinhaltet. Auch der Pinder, Ulrich. In: LgB2 VI (2003), S. 14; Lassnig, Ewald:
dritte und letzte Teil muss erst dem Weg Christi Dürers „Melencolia-I“ und die Erkenntnistheorie bei Ulrich
vom Abstieg in das Reich des Todes bis zur Pinder. In: Wiener Jahrbuch für Kunstgeschichte 57 (2008), S.
Himmelfahrt folgen und darüber hinaus noch das 51-95, S. 58 u. Anm. 42
Pfingstwunder, die Himmelfahrt Mariens und das

96 97
48
BENEDICTUS CHELIDONIUS UND ALBRECHT DÜRER
Passio Christi
Nürnberg: [Hieronymus Höltzel] für Albrecht
Dürer, 1511. 4°
Aufgeschlagen: Titelblatt mit dem Holzschnitt Der
Schmerzensmann von Albrecht Dürer
MOS, D-XVIII.1

Benedictus Chelidonius, Mönch im Nürnberger und Strophen nach dem Vorbild horazischer Oden
Egidienkloster und bedeutender Vertreter des Klo- oder auch senecanische Chorlyrik auf den neuen
sterhumanismus in der Reichsstadt, ließ seine Passio christlichen Inhalt thematisch angemessen über-
Jesu Christi salvatoris mundi um 1508 in Straßburg trägt“ (Marienleben, S. 168).
mit Holzschnitten von Hans Wechtlin drucken.
Dies war für eine neulateinische Bibeldichtung zu Dürer entwirft für diese Dichtung 36 Text- und
dieser Zeit immer noch eine Besonderheit. Aller- einen Titelholzschnitt. Bereits beim Titelholzschnitt
dings waren die Illustrationen ursprünglich für eine mit dem Schmerzensmann fällt die genaue Abstim-
Publikation zum Leben Jesu angefertigt worden. mung mit der Dichtung auf. Denn es scheint,
Bald nach dem Erstdruck muss sich der Benedikti- Christus spreche „in effigie“ die Verse des Titel-
ner entschlossen haben, eine zweite Ausgabe seiner epigramms: „Ach, der du Schuld an so großen
Passio mit Albrecht Dürer zu veranstalten. Die lange Schmerzen bist, die ich als Gerechter erleiden muß,
gehegte Vermutung, Dürer habe zuerst die Holz- ach, der du grausame Schuld am Kreuz, ach, an
schnitte geschaffen, und der Mönch anschließend meinem Tod trägst, ach Mensch, es soll doch genü-
die Texte zu ihnen verfasst, muss ad acta gelegt wer- gen, daß ich das einmal für dich ertragen habe:
den. Als Dürer um 1509 mit den Arbeiten an der O laß doch ab, mich mit neuer Schuldenlast zu fol-
Kleinen Passion beginnt, ist die Dichtung des Cheli- tern!“ (Marienleben, S. 48; Übersetzung: Claudia
donius’ längst vorhanden. Es handelt sich dabei um Wiener).
ein äußerst ambitioniertes Werk. „Nicht in die
bibelepische Traditionslinie reiht sich Chelidonius Auch der Druck stimmt Bild und Verse genau ab:
mit seiner Passio Jesu Christi salvatoris mundi ein, Der Holzschnitt steht immer auf der prominenten
sondern er präsentiert sie als Folge von 37 Einzel- rechten Seite, der Text passgenau auf der linken
gedichten in 18 verschiedenen Versmaßen. Wie im Seite gegenüber. Chelidonius’ Passio ist zwar 1526
Titel betont wird, ist die Leidensgeschichte als Tat in Köln und in den Jahren zwischen 1514 und 1586
des Erlösers in die Menschheitsgeschichte von der mehrfach in Krakau nachgedruckt worden. Nie aber
Weltschöpfung über den Sündenfall bis zum Jüng- hat sich ein Drucker an der konsequenten Anord-
sten Gericht eingeordnet. Dem Inhalt und der nung von Bild und Text, wie sie Dürer in der Klei-
Stimmung der Einzelszenen nuanciert angepaßt, nen Passion angewandt hat, orientiert. Weitaus öfter
kann er ein erstaunlich breites Spektrum antiker als die Dichtung des Chelidonius’ wurden die Bilder
Verse zum Einsatz bringen, indem er für erzählende Dürers rezipiert. Coelen geht davon aus, dass Lu-
Passagen und moralisch-tadelnde Kommentierung ther sie meinte, als er „das alte Passional büchlein“
den Hexameter vorzieht, dagegen äolische Verse (Coelen, S. 31) als Vorbild für die Illustrationen für

98 99
sein Passional von 1529 erwähnte. Allerdings sollte nicatio aus dem Jahr 1518. Der päpstliche Bann 49
diese Schrift erst ab 1538 tatsächlich mit Kopien sollte den Reformator dann 1521 tatsächlich treffen. MARTIN LUTHER
nach Holzschnitten Dürers geschmückt werden Ein Sermon von der Betrachtung
(vgl. Exp. 50-53). Lit.: Marienleben, S. 14, S. 168, Nr. 50; Lipowsky, Katrin und des heiligen Leidens Christi
Claudia Wiener: Pia carmina cum figuris. Dürers Zusammenar- Wittenberg: Johann Rhau-Grunenberg, 1521. 4°
Ein Motiv aus der Kleinen Passion findet sich schon beit mit dem Dichter Benedictus Chelidonius. In: Marienleben, Ausgestellt: Titelblatt mit Maria und Johannes unter
frühzeitig in einem Lutherdruck: der Schmerzens- S. 39-55, S. 42-51; SMS II, S. 280-285, S. 286-287, Nr. 186; dem Kreuz, Holzschnitt von Lucas Cranach d. Ä.?
mann. Der Leipziger Drucker Valentin Schumann Coelen, S. 21-63; Dürer III, Nr. 22; WA I (1883), S. 634-643, MOS, OS 1101
verwendete diesen als Titelholzschnitt für seinen bes. S. 636
Nachdruck von Luthers Sermo de virtute excommu- Der Sermon von der Betrachtung des heiligen Leidens
Christi, der 1519 erstmals erschien, beinhaltet eine
scharfe „Kritik an der herkömmlichen Passionsfröm-
migkeit“ (Mohr, S. 53). Zum einen wolle man sich
unter zu Hilfenahme von „bildelein und büchlein,
brieffen und creutzen“ (WA II, S. 136) bei der Ver-
senkung in die Passion vor eigenem Leid schützen,
zum anderen erregten sich andere allein über die
Missetaten des Judas und der Juden: „Das mocht
wol nit Christus leyden, sondern Judas und der
Juden bösheyt bedacht heyßen“ (ebd.). Die wahre
Frucht der Betrachtung der Leiden Christi könne
nur in der „Selbst-, d. h. der Sündenerkenntnis“
(Mohr, S. 53) liegen. Der Mensch müsse darüber
zutiefst erschrecken und verzagen, dass er es selbst
sei, „der Christum alßo martert, dan deyn sund ha-
bens gewißlich than“ (WA II, S. 137). Nur durch Da Martin Luther damals zumindest keinen Nutzen
die Gnade Gottes, nicht durch gute Werke oder Ab- darin sah, sich mit Hilfe von „bildelein“ in die Leiden
lass könne er diese Erkenntnis erreichen und an- Christi zu versenken, ziert den schmalen Druck nur
schließend frei werden, in dem er seine Sünden wie- auf dem Titelblatt ein Bild mit Maria und Johannes
der Christus auflade: „Dan wirffestu deyn sunde unter dem Kreuz. Diesen Holzschnitt weisen alle
von dir auf Christum, wan du festiglich gleubst, das Drucke des Sermons aus der Wittenberger Offizin
seine wunden und leyden seyn deine sunde, das er Rhau-Grunenberg seit der Erstausgabe 1519 auf.
sie trage und bezale ...“ (WA II, S. 140). Dodgson hat ihn zwar als „not very good“ (Dodg-
son II, S. 278, Nr. 10) klassifiziert, er habe aber so-
Bis 1524 wurde diese Schrift in 25 deutschen viel von Cranachs eigenem Stil, dass er keine Werk-
Drucken aufgelegt, nebst einer niederdeutschen, stattarbeit sein könne. Es müsse sich um eine sehr
niederländischen und lateinischen Übertragung. frühe Arbeit des Meisters selbst handeln.
Später sollte noch eine dänische Übersetzung
folgen. Dies gilt als Beleg, wie „sehr er [d.i. Luther] Lit.: WA II (1884), S. 131-142; Benzing Nr. 312-340; Mohr,
damit dem geistlichen Bedürfnis des Volkes entge- Rudolf: Erbauungsliteratur III: Reformation- und Neuzeit. In:
genkam“ (WA II, S. 131). TRE X, S. 51-80, S. 53f.; Dodgson II, S. 278, Nr. 10

100 101
50 52 1517 wird Johannes Bugenhagen das neu gegrün- auff der Cantzel, mit vielen vergeblichen worten,
ALBRECHT DÜRER ALBRECHT DÜRER dete biblische Lektorat des Prämonstratenserstiftes wie sie möchten die zwietrechtigen Evangelisten
Das Abendmahl Christus vor Kaiphas Belbuck bei Treptow an der Rega übertragen. Dort (wie sie meineten) vertragen. Solchs sahen und
Monogrammierter Holzschnitt um 1508/1509 Monogrammierter Holzschnitt um 1508/1509 wurde er mit dem betrüblichen Umstand konfron- höreten guthertzige Menschen ungern, nemlich,
aus der Kleinen Passion aus der Kleinen Passion tiert, dass zur Passionszeit Evangelienkonkordanzen das die heilige Schrifft sollte wider sich selbest sein,
Separatdruck Separatdruck benutzt wurden, die keine einheitliche Darstellung und derwegen verdechtig, Die doch Gottes Wort
MOS, D-133 MOS, D-138 der Leidensgeschichte ermöglichten: „In vorzeiten, ist, und bleibet war in ewigkeit“ (Exp. 53, Bl. A2r-
da die Capelane unnd Terminarien, einmal des jars A3r).
51 53 musten die Passion Predigen, wurden Büchlein ge-
JOHANNES BUGENHAGEN JOHANNES BUGENHAGEN schrieben und gedruckt, darinnen zusammen war Noch schlimmer stand es nach Bugenhagens Mei-
Das Leiden und Aufferstehung unsers Herrn Jesu Das Leiden und Auferstehung unsers Herrn Jesu gezogen die Historia oder geschicht des leidens nung um die Auslegung der Auferstehung. „Dar-
Christi, aus den vier Evangelisten fleißig zusammen Christi, aus den vier Evangelisten fleißig zusammen Christi aus den vier Evangelisten, welchs darumb umb verdros mich billich, das etlich wollten ... die
gebracht. Auch die Verstörung Jerusalems und der gebracht. Auch die Verstörung Jerusalems und der hies Concordantia quatuor Evangelistarum de Pas- Schrifft verdechtig machen, besonders in dem orte,
Juden Juden sione Christi. Es waren aber offt in solchen Concor- da unser höchster trost beschrieben ist“ (Exp. 53,
Wittenberg: Georg Rhau, 1542. 8° Wittenberg: Johann Schwertel, 1575. 8° dantjis, das ist, in solchen vereinigungen, wie sie es Bl. A4v). Als bei seiner Bibellesung das Matthäus-
Aufgeschlagen: Bl. E8r: Abendmahl, Holzschnitt in Aufgeschlagen: Bl. K2r: Christus vor Annas, seiten- nenneten, solche Discordantie, das ist Zwiespaltung evangelium an der Reihe war, beschloss Bugenhagen,
Anlehnung an das Abendmahl Dürers aus der Klei- verkehrter Nachschnitt des Holzschnittes Christus [...] Das war mir kein wunder von den Leuten, weil die Geschichte vom Leiden und von der Auferste-
nen Passion vor Kaiphas aus der Kleinen Passion Dürers sie auch viel zwietracht macheten zwischen den hung Christi gemäß den Evangelien für seine Hö-
AvS, B 1608 AvS, 2976 Evanglisten, unnd marterten sich und die Zuhörer rerschaft neu zusammenzustellen. 1524 erschien

Exp. 50 Exp. 51 Exp. 52 Exp. 53

102 103
seine lateinisch verfasste Leidensgeschichte Jesu un- anerkannt und 1529 eine Laienbibel – also eine Bil- 54
autorisiert in Nürnberg unter dem Titel Concordia derbibel – gefordert. In diesem Jahr erschien erst- Plenar
evangelistarum de resurrectione et ascensione domini mals im Anhang seines Betbüchleins ein bebildertes [Augsburg: Günther Zainer], 4. April 1474. 2°
im Druck. Mit Zustimmung Bugenhagens wurde Passional, dessen Vorbild laut Luther „das alte Pas- Aufgeschlagen: Gleichnis vom Pharisäer
darauf der Wittenberger Diakon Johannes Mantellus sional büchlein“ (Coelen, S. 31) sei. Coelen hat es und Zöllner, Holzschnitt
mit einer Übersetzung ins Deutsche beauftragt, die mit Dürers Kleiner Passion aus dem Jahr 1511 iden- MOS, OS 390
1526 im Druck vorlag: Die Historia des leydens und tifiziert. Nachschnitte und Adaptionen von
der Aufferstehung unsers Herrn Jhesu Christi aus den Dürers Passionsfolge finden sich seit 1538 im Im Spätmittelalter verstand man unter einem Plenar
vier Evangelisten. Lateinische wie deutsche Drucke Passional, aber auch in den beiden vorliegenden „eine nach dem Kirchenjahr geordnete Sammlung
erschienen anfangs ohne Illustrationen. Erst die Ausgaben von Bugenhagens Leiden und Auferste- der biblischen Lesungen (Perikopen) für den Meß-
Ausgabe des Wittenberger Druckers Peter Seitz aus hung unsers Herrn. Die Ausgabe von 1542, die bei gottesdienst der röm.-katholischen Kirche, also im
dem Jahr 1534 weist eine Folge von 42 Holzschnit- Geisenhof nicht verzeichnet ist, variiert Dürers Grunde eine volkssprachliche Fassung des „lectiona-
ten zu Passion und Auferstehung auf. In dieser Abendmahlsdarstellung mit der generellen Kompo- rum plenarium“ (Heinzer, S. 32). Häufig ist es er-
Edition ist erstmals auch eine Abhandlung über die sition, dem rechteckigen Baldachin und dem Lieb- weitert – wie auch bei dem ausgestellten Druck –
Zerstörung Jerusalems beigegeben, den spätere lingsjünger an der Brust Christi. In der Ausgabe von durch die Auslegung der Evangelientexte. So
Ausgaben in der Regel übernehmen. Bereits seit 1575 finden sich neben älteren Holzschnitten sei- bezeugt es auch das Plenar selbst: „... ein plenari
1530 hatte man das 53. Kapitel des Propheten tenverkehrte, relativ getreue Nachschnitte, etwa nach ortenung der heilige[n] cristelichen kirchen Jn
Jesaja aufgenommen. Christus vor Annas, wobei hier aber die Vorführung dem man hat epistel und ewangeli als die gesun-
Christi vor Kaiphas als Vorlage diente. ge[n] und gelesen werden in dem ampt der heiligen
Seit der Ausgabe von Peter Seitz wurde kaum auf messz/...“. Darüber hinaus wird betont, das es
eine Illustrierung des äußerst populären Werkes ver- Lit.: Coelen, S. 21-63; Geisenhof, Georg: Bibliotheca Bugen- „Auff eyn jeglich ewangeli an dem suntag ein be-
zichtet. Hatte doch Luther selbst bereits 1525 in hagiana. Bibliographie der Druckschriften des D. Joh. Bugen- sunder predigt“, (Bl. Ir) nämlich die Glossa enthält.
seiner Schrift Wider die himmlischen Propheten, von hagen. Repr. of the ed. Leipzig 1908. Nieuwkoop, 1963. Den Druck des ausgestellten Plenars hat der Augs-
den Bildern und Sakrament das Bedürfnis nach (Quellen und Darstellungen aus der Geschichte des Refor- burger Drucker Günther Zainer am 4. April 1474 sti auf. Sie werden auch nicht chronologisch einge-
einer Illustration der Passion Christi als berechtigt mationsjahrhunderts 6), S. 102-173 beendet. Bereits im Jahr davor hatte das erste setzt, sondern ordnen sich der Abfolge der Lesun-
deutschsprachige Plenar seine Presse verlassen. Für gen unter.
diese Ausgabe hatte er eine Folge von 50 fast qua-
dratischen Illustrationen in Holz schneiden lassen, Aufgeschlagen ist der Holzschnitt zum Gleichnis
die jeweils beim Sonntagsevangelium eingerückt vom Pharisäer und Zöllner (Lk 18,9-14). Die Illu-
werden. Ein seitengroßer Titelholzschnitt zeigte stration aktualisiert die Geschichte, indem sie den
zudem Jesus Christus. Auch das Plenar von 1474 selbstgerechten und heuchlerischen Pharisäer mit
enthält diesen Buchschmuck bis auf eine Illustration, einer Mönchskutte bekleidet und den um Gnade
deren Druckstock vielleicht schon verloren gegan- bittenden Zöllner in zeitgenössischer weltlicher
gen oder beschädigt war. Die Illustrationsfolgen in Tracht zeigt. Beide verrichten ihr Gebet in einer
den Plenarien, aber auch den Postillen und Evange- christlichen Kirche vor einem Flügelaltar.
lienauslegungen sind meist umfangreicher als die
zur Vita Christi, nehmen sie doch auch zahlreiche Lit.: Heinzer, F.: Plenar. In: LgB2 VI (2003), S. 32-33;
Gleichnisse, Heilungen und Unterweisungen Chri- Schramm II (1920), S. 11-12, Nr. 299-349

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GUILLELMUS PARISIENSIS
Postilla super epistolas et evangelia
Basel: Michael Furter, 1511. 8°
Aufgeschlagen: Der Sturm auf dem See Genezareth,
Holzschnitt von Urs Graf
AvS, B 1118

Die Postilla super epistolas et evangelia erschien allein Bereits 1509 hatte Urs Graf für eine Ausgabe des
im 15. Jahrhundert in knapp hundert Ausgaben Basler Druckers Adam Petri eine noch umfassendere
unter dem Namen des Dominikaners Guillelmus Folge für die Postilla geschaffen. Petri fügte seinem
Parisiensis († um 1485/1486). Der Postille liegt Druck die erste Ausgabe der Passio domini nostri
eine Schrift des Nürnberger Dominikaners Johannes Jesu Christi des Daniel Agricola (um 1490-um
Herolt (um 1380?-1468) zugrunde, die Guillelmus 1540) bei. Für diese Passion schuf Urs Graf noch-
nur überarbeitet hat. Das Originalmanuskript blieb mals 20 Holzschnitte. Auch Furter nimmt Agricolas
ungedruckt, während die Bearbeitung erstmals Passio in seine Edition auf, bestellte aber bei Graf
1473 aufgelegt wurde. Herolt bezeichnete sich keine neuen Entwürfe, sondern ließ die alten Holz-
selbst als discipulus, als Schüler. Seine Schriften schnitte kopieren.
haben allein zum Ziel, Klerikern Materialien und
Hilfestellungen für die Predigt an die Hand zu In der Postille sind die Illustrationen „Sturm auf
geben. dem See Genezareth“ und „Das Gleichnis vom
Sämann“ aufgeschlagen. Das Exemplar der Stadt-
Ausgestellt wird eine Basler Ausgabe aus dem Jahr bibliothek Schweinfurt ist gründlich studiert wor-
1511. Der erste Teil zu den Episteln weist keine Il- den und über und über mit Annotationen versehen.
lustrationen auf, der zweite Teil zu den Evangelien
ist reich bebildert. Die insgesamt 58 Illustrationen Lit.: GW X (2000), Sp. 426-430; Worstbrock, Franz Josef:
hat Urs Graf für die vorliegende Ausgabe entwor- Herolt, Johannes. In: Verfasserlexikon 3 (1981), Sp. 1123-
fen. Einige werden wiederholt eingesetzt, dazu 1127; Hollstein XI (1977), S. 82-94, 107-113
kommen etliche ältere Holzschnitte.

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JOHANNES GEILER VON KAYSERSBERG
Evangelia mit Auslegung des hochgelehrten Doctor
Kaysersberg und aus dem Plenarium
Straßburg: Johann Grüninger, 28. Aug. 1517. 2°
Aufgeschlagen: Bildinitiale D mit dem Zeugnis
Johannes’ des Täufers, Holzschnitt, um 1515?
MOS, OS 409

Das Evangelibuch des Straßburger Münsterpredigers noch als „predica[n]t des hohen stiffts zu Straßburg
Geiler von Kaysersberg wurde posthum 1515 erst- der zeit“ (Bl. IIv) bezeichnet wird. Der Buch-
mals aufgelegt. Ausgestellt ist die zweite Ausgabe schmuck des Evangelibuchs setzt sich aus zahlrei-
von 1517, eine dritte und letzte Ausgabe erfolgte chen Holzschnitten unterschiedlicher Größe, Quali-
1522. Im Gegensatz zum Plenar oder auch der Po- tät und Entstehungszeit zusammen. Auch Dürers
stilla des Guillelmus fehlen die Episteln. Auch wird Kanonblatt von 1493 findet hier seine vierte Ver-
mehrfach betont, dass die Auslegungen der Evange- wendung. Auffällig sind eine Reihe großer Bild-
lien „gesamlet“ seien „von de[m] mund des wirdi- initialen, die sicher nicht mehr als zeitgemäß gelten
gen hoch gelerten doctor Johannes Geiler vo[n] konnten, aber so stimmig sind, dass sie wohl für das
Kaysersberg“ und noch „nit getruckt waren“ (Bl. Evangelibuch angefertigt wurden. Aufgeschlagen ist
IIv). Diese Wendung zeigt auch an, dass die Evan- die Bildinitiale D mit dem Zeugnis Johannes’ des
gelienauslegungen Nachschriften von Hörern sind – Täufers.
wie der größte Teil der Schriften Geilers. Aus dem
Titel der Erstausgabe geht weiter hervor, dass die Lit.: Dürer II, Nr. 24; Kraume, Herbert: Geiler von Kaysers-
Texte 1504 zusammengestellt wurden. Das mag berg. In: Verfasserlexikon II (1980), Sp. 1141-1152
erklären, warum der 1510 verstorbene Geistliche

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MARTIN LUTHER
Auslegung der Evangelien von Ostern bis auf Advent
Bearbeitet von Stephan Roth
Wittenberg: Georg Rhau, [1530]. 2°
Aufgeschlagen: Christus lehrt das Volk, Holzschnitt
des Monogrammisten AW
MOS, OS 1262

Bereits 1519 forderte Friedrich der Weise Luther teils. Luthers Postillen verdrängten erfolgreich die
auf, eine Postille zu verfassen. Aber erst im März spätmittelalterlichen Plenare und Evangelienbücher.
1521 konnten die Ennarrationes epistolarum et Sie weisen anfangs keine Illustrationen auf. Erst für
evangeliorum, quas postillas vocant im Druck er- die Magdeburger Ausgaben von 1529/ 1530 schuf
scheinen, die zudem nur die Adventszeit berück- Hans Brosamer (1495-1554) umfangreiche Illustra-
sichtigten. Auf der Wartburg fasste der Reformator tionsfolgen.
den Entschluss, die Postille ins Deutsche zu über-
tragen. Im März 1522 gab er eine überarbeitete Der ausgestellte Band vereint Sommer- und Festpo-
deutsche Fassung der Adventspostille, im Monat stille aus dem Jahr 1530, die Georg Rhau in Witten-
darauf die Weihnachtspostille heraus. Erst 1524 berg gedruckt hat. Sie enthalten Holzschnitte des
nahm Luther die Arbeit an der Postille wieder auf. Monogrammisten AW, der im sächsischen Raum um
Im Herbst des folgenden Jahres erfolgte die Druck- 1525 bis 1545 gewirkt hat. Seine vierzig bzw. drei-
legung der Fastenpostille. Hier verwendete Luther unddreißig Illustrationen zum Sommer- und Festteil
erstmals für die Auslegung bereits von ihm gehal- sind dabei unabhängig von den Holzschnitten
tene Predigten. Noch 1525 wurden diese drei Po- Brosamers. Im Festteil ist zudem eine Cranach-
stillen unter dem Titel Auslegung der Episteln und Illustration aus dem Alten Testament eingefügt.
Evangelien vom Advent bis auf Ostern zur Winterpo- Das Bild zum fünften Sonntag nach Trinitatis aus
stille vereint. Die fehlende Sommerpostille – von der Sommerpostille zeigt die Berufung der ersten
Ostern bis auf Advent – stellte Stephan Roth (1492- vier Jünger nach Lukas 5,1-11. Im Vordergrund ist
1546) aus Drucken und Nachschriften der Predig- der lehrende Christus im Boot zu sehen. Im Mittel-
ten Luthers 1526 zusammen. 1527 gab er nach grund der wunderbare Fischzug.
demselben Muster eine Postille für die vornehmsten
Feste im Jahr heraus, 1528 erschien eine von ihm Lit.: Spehr, Christopher: Postillen. In: Luther-Lexikon, S. 551-
überarbeitete, unautorisierte Fassung des Winter- 556; Nagler I (1919), Nr. 1486, S. 662-664

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Hortulus animae, zu deutsch Seelenwurzgärtlein
Nürnberg: Friedrich Peypus für Johannes Koberger,
8. Mai 1518. 8°
Aufgeschlagen: Titelblatt mit der Holzschnitt-
rahmung Maria als Himmelskönigin von Hans
Springinklee
MOS, OS 11

Das Gebetbüchlein Hortulus animae, Seelengärtlein Szo unchristliche narheyt ynn den gepettlin tzu gott
oder Seelenwurzgärtlein kommt Ende des 15. Jahr- unnd heyligen, den eynfelltigen eyngetrieben ist,
hunderts auf. In Basel hatte man wohl bereits 1494 Und dennoch mit ablaß unnd rotten tittel hoch auf-
eine Ausgabe geplant, für die Dürer bereits erste geblassen, dazu kostlich namen drauff geschrieben.
Holzschnitte angefertigt hatte. Diese sollte aber nie- Eynß heyst Hortulus anime, das ander Paradißus
mals ediert werden. 1498 erschien in Straßburg ein anime und szo fort an, das sie woll wirdig weren
erster Druck des Hortulus, stark beeinflusst von der eyner starcken, gutter reformacion oder gar vertilget
dortigen Laienbewegung der Gottesfreunde. Bis weren, wilchs urteyll ich auch felle ubir die Passional
1523 sollten über hundert weitere lateinische oder odder legenden bucher, darynnen auch viel tzusatz
deutsche Ausgaben folgen. Das Seelengärtlein ist der teuffel eyngeworffen“ (WA X,2 (1907), S. 375).
eine Mischung aus französischem Stundenbuch und
privatem Gebetbuch. Es enthält daher „einen Kalen- Von den 62 Holzschnitten des ausgestellten Nürn-
der, das kleine Marienoffizium, die sieben Bußpsal- berger Hortulus’ von 1518 stammen fünfzig von
men, die Allerheiligenlitanei, die Suffragien und das Hans Springinklee, von denen 41 für diese Ausgabe
Totenoffizium; daneben auch Morgen- und Abend- neu geschaffen wurden. Neun fanden bereits in
gebete, Beicht-, Meß- und Ablaßgebete sowie Ge- einer früheren Auflage von 1516 Verwendung. Auf-
bete zur Verehrung der Wunden Christi“ (Kamme- geschlagen ist das Titelblatt. Es zeigt Maria als
rer, S. 175). Im Hortulus findet auch die spätmittel- Himmelskönigin auf der Mondsichel mit dem Chri-
alterliche Marienverehrung starken Niederschlag. stuskind. Sie wird umgeben von Puttenköpfen, die
aus Wolkenbändern hervorlugen. Eine Bordüre mit
Das im ersten Viertel des 16. Jahrhunderts so er- Grotesken rahmt die Mariendarstellung und das
folgreiche Büchlein sollte aber die Reformation darunter befindliche schmale Schriftfeld, in das der
nicht überleben. Gegen das Seelengärtlein und an- Titel rot eingedruckt ist.
dere schädliche Büchlein übte Luther 1522 in der
Vorrede zu seinem Betbüchlein scharfe Kritik: Lit.: Hollstein LXXV, Nr. 148, 166, 173, 175, 186-190; Holl-
„Unter andern viel schedlichen leren unnd buchlin, stein LXXVI, S. 8-25, Nr. 199-239; Kammerer, Elsa: Hortulus
da mit die Christen verfuret unnd betrogen unnd animae. Ein Marienbüchlein in Zusammenarbeit zwischen
untzehlich mißglawben auffkummen sind, acht ich Nürnberg und Lyon (1511-1519). In: Marienleben, S. 175-
nit fur die wenigsten Die bettbuchlin, darynnen so 183
mancherley iamer von beychten und sunde tzelen,

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59
Der Gilgengart
[Augsburg: Johann Schönsperger, um 1520]. 8°
Aufgeschlagen: Gottvater erscheint König David,
Holzschnitt von Jörg Breu
MOS, OS 684

Das Büchlein genant der Gilgengart (Liliengarten) ten sind, „Maria auf der Rasenbank“ steht weiteren
ist von der Offizin Schönsperger in Augsburg um Mariengebeten voran, „Gottvater erscheint König
1520-1521 in mindestens vier Auflagen gedruckt David“ ist vor die sieben Bußpsalmen gesetzt und
worden. Für den Satz wurde eigens eine neue „Anna Selbdritt“ leitet zu den Annengebeten über.
Schrifttype geschnitten, die eine verkleinerte Form Aufgeschlagen ist der Holzschnitt „Gottvater er-
der berühmten Teuerdanktype für Kaiser Maximi- scheint König David“, der Jörg Breu zugeschrieben
lian I. ist. Der Text wirkt daher wie handgeschrie- wird.
ben. Der Eindruck eines kostbaren Manuskriptes
wird auch durch Rahmenbordüren um die Illustra- Dem Schweinfurter Exemplar fehlen Titelblatt und
tionen und ausgewählte Textseiten unterstützt, die zwei Holzschnitte. Es hat sich bisher keiner der vier
sich an Stundenbücher im flämisch-burgundischen bekannten Ausgaben eindeutig zuordnen lassen.
Stil des 15. Jahrhunderts orientieren. „Damit wird
der Gilgengart, genau wie der Theurdanck, zu einer Lit.: New Hollstein Breu I (2008), S. 127-129, Nr. 179-182;
nostalgischen Rekonstruktion spätmittelalterlicher New Hollstein Beck II (2007), S. 266-267, Nr. 371; Lauter-
handschriftlicher Tradition“, urteilt Christiane Lau- bach, Christiane: Das Gebetbuch als Garten. Der „Gilgengart“
terbach (S. 1). Sie vermutet daher im Gilgengart ein für Kaiser Maximilian I. In: Germanisches Nationalmuseum:
Auftragswerk Kaiser Maximilians I., das erst post- Kulturgut. Aus der Forschung des Germanischen Nationalmu-
hum ausgeführt wurde. seums. III. Quartal 2004, H. 2, S. 1-2; Mazal, Otto: Gilgen-

gartschrift. In: LgB2 III (1991), S. 173; Musper, L61, Nr. 44,
Den acht Abteilungen des Gilgengarts werden je ein 46, 48, 588-602; Clemen, Otto (Hg.): Der Gilgengart. Augs-
Holzschnitt vorangestellt. Musper hat alle Illustra- burg, Hans Schönsperger, c. 1520. Zwickau, 1913. (Zwickauer
tionen für den Petrarkameister reklamiert, aber vier Facsimiledrucke 16)
der Holzschnitte werden inzwischen Jörg Breu d. Ä.
und einer Leonhard Beck zugeschrieben. Die Dar-
stellung einer Beichte leitet die Beicht- und Ablass-
gebete ein, „Maria als Himmelskönigin“ ist den Ge-
beten zur Muttergottes vorangestellt, eine Trinitäts-
darstellung geht den Dreifaltigkeitsgebeten voraus,
mit der „Messe des Heiligen Gregor“ beginnen die
Passionsgebete, auf eine Abendmahlsdarstellung fol-
gen die Gebete, die vor der Kommunion zu verrich-

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60
JACOB OTTER
Betbüchlein für allerlei gemeine Anliegen der Kirche
Straßburg: Wendelin Rihel d. Ä., 1539. 8°
Aufgeschlagen: Die wunderbare Vermehrung des
Weins auf der Hochzeit zu Kanaa,
Holzschnitt von Hans Baldung Grien, 1537?
MOS, OS 1446

Jakob Otter (um 1485-1547) war nach seinem Stu- Der Großteil der 36 Bilder zeigt Stationen aus der
dium in Heidelberg seit 1507 Sekretär des Straßbur- Vita Christi von der Verkündigung bis zur Himmel-
ger Münsterpredigers Geiler von Kaysersberg und fahrt Christi bzw. dem Pfingstwunder unter Einbe-
Herausgeber von dessen Schriften. Nach Geilers ziehung von Gleichnissen und Wunderheilungen,
Tod 1510 setzte er seine Theologiestudien in Frei- aber auch einige alttestamentarische Szenen sind
burg i. Br. fort. 1522 wandte er sich dem Protestan- eingestreut. Die Holzschnitte gehören mit Aus-
tismus zu. Nach mehreren Stationen wurde er 1532 nahme des älteren Pfingstwunders einer wesentlich
durch die Vermittlung von Ambrosius Blarer (1492- umfangreicheren Bildfolge an, die Rihel 1540 in sei-
1564) nach Esslingen berufen. Er gilt als der Refor- ner Laienbibel verwenden sollte. Der Straßburger
mator der schwäbischen Reichsstadt. Otter nahm Drucker griff damit Luthers Forderungen nach
auf oberdeutscher Seite an den Verhandlungen über einer Bilderbibel für Laien frühzeitig auf. Bilder aus
die Wittenberger Konkordie teil. der Laienbibel wurden nicht nur vorab in Otters
Betbüchlein, sondern auch in Martin Bucers Kate-
Sein Betbüchlein erschien 1537 erstmals in Straß- chismus von 1537 verwendet.
burg bei Wendelin Rihel, ausgestellt ist die zweite
Ausgabe von 1539. Otters Betbüchlein zählt „zu Ein Teil dieser Holzschnitte – vor allem die alttesta-
den eindrucksvollsten Werken der evangelischen mentarischen Bilder – hat Mende Hans Baldung
Gebetsliteratur“ (Schröder, S. 155). Es war zugleich Grien zugeschrieben, dabei aber die Frage nach der
mit „vil hübschen vn[d] schönen figuren“ ge- Eigenhändigkeit bzw. der Werkstattarbeit offen ge-
schmückt. In der Vorrede betont Otter, er habe lassen. Baldung gilt auch als Künstler der Titelbor-
„diese gebettlin auffs eynfaltigst gestelt vo[n] den düre, die ebenfalls bereits Otters Betbüchlein ziert.
hauptarticklen vnsers heylige[n] Christlichen glau- In die Architekturrahmung im Stil der Renaissance
bens/ vnd den fürnemsten wercke[n] Christi Jesu ist unten Christus am Kreuz mit den beiden Schä-
vnsers heylands/ auch anderen dingen/ so gemey- chern, oben der Auferstandene als Überwinder von
ner verstandt wissen vnd stetig vben solle. Das wol- Tod und Teufel eingezeichnet. Seitlich halten Peter
lest du Christlicher leser annemen, vn[d] dich in und Paul das Schriftfeld. Aufgeschlagen ist ein
deinem anligen vnnd beschwerden dadurch zur an- Holzschnitt Baldungs mit der wunderbaren Ver- Lit.: Thum, S. 97-102; Schröder, Tilman M.: Jakob Otter und gen, 1999, S. 144-158; Zoepfl, Friedrich: Otter, Jakob. In
dacht fürdern“ (Bl. Vv). Er geht in seiner Vorrede mehrung des Weines auf der Hochzeit zu Kanaa. die Reformation in Esslingen. In: Hermle, Siegfried (Hg.): Re- LThK VII, Sp. 1301; Mende, S. 62-64 und Nr. 471-525, 579-
nicht auf die Funktion der Illustrationen ein. formationsgeschichte Württembergs in Porträts. Holzgerlin- 693

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61
JOHANNES GEILER VON KAYSERSBERG
Alphabet in 23 Predigten
Straßburg: Johann Grüninger, 6. März, 1518. 2°
Aufgeschlagen: Du sollst Vater und Mutter ehren,
Holzschnitt von Hans Baldung Grien, 1516?
MOS, OS 1302

Hans Baldung Grien schuf für die Dekalogauslegung dritte, vierte und sechste Gebot zu finden sind. In
des Marquard von Lindau († 1392) zehn Holz- dem ausgestellten Exemplar sind vom selben Autor
schnitte, die der Straßburger Drucker Johannes Die Sünden des Munds (1518) vorgebunden, in
Grüninger für seine Ausgabe von 1516 in Auftrag denen die Illustration zum zweiten Gebot einge-
gegeben hatte. Sie gelten als Griens bedeutendste setzt wird.
Buchillustrationen. Die Darstellungen werden von
den bildfüllenden Gestalten mit ausdrucksstarken Aufgeschlagen ist in Geilers Alphabet der Holz-
Gesichtern dominiert. Zeitgenössische Tracht und schnitt zum vierten Gebot „Du sollst Vater und
Innenräume verlegen die Szenen ab dem zweiten Mutter ehren“. Sohn und Tochter, beide bereits er-
Gebot in den Alltag um 1500. Hans Baldung Grien wachsen, knien vor den sitzenden Eltern. Zwischen
stellt meist die Übertretung der göttlichen Vor- Vater und Sohn findet ein reger Disput statt, der
schrift dar. seinen Grund vermutlich im fehlenden Respekt des
Sohnes hat. Die Mutter verschränkt ihre Arme reso-
Grüninger hat die Holzschnitte auch für andere lut vor der Brust.
Publikationen genutzt, so etwa für Geiler von
Kaysersbergs Alphabet in XXIII predigen aus dem Lit.: Thum, S. 95-97; 50 Jahre, Nr. 19; Buchillustration, Nr.
Jahr 1518, in dem die Holzschnitte für das erste, 68; Mende, Nr. 421-430

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MARTIN LUTHER MARTIN LUTHER
Der Zehn Gebote nützliche Erklärung Deutscher Katechismus (Der große Katechismus)
Basel: Adam Petri, 1520. 4° Wittenberg: Georg Rhau, 1532. 8°
Aufgeschlagen: Du sollst den Namen des Herrn, Aufgeschlagen: 9. und 10. Gebot, Holzschnitte
deines Gottes, nicht missbrauchen, Holzschnitt nach Lucas Cranach d. Ä.
MOS, OS 857 MOS, OS 641

Seine Predigten zu den zehn Geboten aus den Jah- 64


ren 1516 und 1517 formte Luther zu einer lateini- MARTIN LUTHER
schen „fortlaufenden Auslegung des Dekalogs um“ Enchiridion. Der kleine Katechismus
(WA I, S. 394) und veröffentlichte diese 1518 unter Leipzig: Valentin Bapst, 1544. 8°
dem Titel Decem praecepta Wittenbergensi praedicta Aufgeschlagen: 4. Gebot, Holzschnitt nach Lucas
populo. Eine von Luther 1517 erwähnte deutsche Cranach d. Ä.
Fassung gilt als verschollen, aber in Basel übertrug MOS, OS 1263
der Hebraist, Geograph und Theologe Sebastian
Münster (1488-1552) das Werk des Reformators in Luther empfand frühzeitig die Notwendigkeit, die Katechismus geschaffen worden war, sondern viel-
die Volkssprache. Der dort ansässige Drucker Adam hauptsächlichen Glaubensformeln für das Volk und mehr an die Hausväter, denen nach altem Herkom-
Petri gab 1520 zwei Ausgaben dieser Übersetzung die Pfarrer in prägnanter, leichtfasslicher Form als men der Religionsunterricht der Kinder und des
heraus, die er mit je einem Holzschnitt zu jedem Lehrbuch zu verbreiten. Kern dieser Unterrichtung Hausgesindes oblag. Dieser bestand weitgehend aus
Gebot und einem Titelholzschnitt mit der Über- waren die drei herkömmlichen Stücke: Das Vaterun- dem Memorieren der Texte und Erläuterungen des
gabe der Gebote an Moses versah. Diese Illustratio- ser, das Glaubensbekenntnis und die Zehn Gebote, Vaterunsers, des Glaubensbekenntnisses und der
nen greifen eventuell auf ältere Vorlagen zurück. die mit Erläuterungen versehen wurden. Eine Zehn Gebote. Luther hatte den Text in Frage- und
knappe Auslegung jener Stücke war durch Luther Antwortform gehalten, ein Wechselgespräch zwi-
Aufgeschlagen ist der Holzschnitt zum zweiten schon 1520 in dem Büchlein Eine kurze Form der schen dem fragenden Hausvater und dem memorie-
Gebot „Du solt nit üppiglich in munt nemmen den Zehn Gebote, des Glaubens und des Vaterunsers her- renden Kind beabsichtigend. Das dem Titel voran-
namen gottes dynes herren“. Zwei Landsknechte ausgegeben worden. Diese Schrift übernahm Luther gestellte Enchiridion (gr.-lat.: in der Hand) weist
spielen im Vordergrund an einem Tisch Karten. Der 1522 auch in sein Betbüchlein. Die Visitation der den Kleinen Katechismus als stets zu nutzendes
Gewinner, der gerade ausbezahlt wird, hebt seine kursächsischen Gemeinden 1527 brachte jedoch an Handbuch aus.
Rechte zum Schwur zum Gekreuzigten empor, Lit.: Thum, S. 57-59; WA I (1883), S. 394-398; Dommer, den Tag, dass die Unkenntnis in Glaubensfragen
während ein dritter Landsknecht Christus sein Arrey von: Lutherdrucke auf der Hamburger Stadtbibliothek weiterhin groß war. In insgesamt 31 Predigten in Für den Katechismus schuf Lucas Cranach eine
Schwert in die Brust stößt. Ein missbräuchlich zu 1516 - 1523. Leipzig, 1888, S. 226 der Stadtkirche zu Wittenberg behandelte Luther Holzschnittfolge, die auf die vorreformatorischen
Gott schwörender Spieler kommt bereits in der De- daher die Hauptstücke des christlichen Glaubens Illustrationen mit ihren profanen Alltagsszenen zu-
kalogfolge des Augsburger Druckers Anton Sorg ausführlich und bereitete somit den Deutschen gunsten alttestamentarischer Historien verzichtet.
1478 vor. (Großen) Katechismus vor. Er erschien am 23. April Der erste Holzschnitt zeigt die Übergabe der Geset-
1529 im Druck. Als weitere Hauptstücke umfasste zestafeln und den Tanz um das goldene Kalb. Die-
er nun Abendmahl und Taufe. Im selben Jahr wurde ses Motiv war auch zuvor durchaus üblich. Das
auch Der Kleine Katechismus erstmals in Form eines zweite Gebot wird durch die Steinigung eines
Tafeldruckes aufgelegt. Er sollte in aller Kürze als Gotteslästerers angezeigt (Lv XXIV,16). Ein Mann,
Leitfaden dienen. Er wendete sich weniger an die der am Feiertag Holz sammelt, repräsentiert die
gemeinen Pfarrer und Prediger, für die der große Übertretung des dritten Gebots (Nm XV,32-36).

120 121
Noahs Trunkenheit steht für das vierte Gebot: Ham immer wieder kopiert werden. Auch in den beiden
sieht, dass sein Vater im Rausch eingeschlafen war ausgestellten Katechismen sind die Illustrationen
und sich entblößt hatte. Er erzählt es seinen Brü- Kopien der Cranach’schen Originale. Die Dekalog-
dern Sem und Jafet. Diese betreten rückwärts mit bilder sind „Cranachs einziger Holzschnittzyklus zu
einem Mantel das Zelt Noahs und bedecken ihn, einem speziellen Stück protestantischer Kirchen-
ohne seine Blöße zu erblicken. Die Tötung Abels lehre“ (Cranach I, S. 368) geblieben.
steht für das fünfte und die Geschichte von David
und Bathseba für das sechste Gebot. Der Diebstahl Aufgeschlagen sind im Deutschen Katechismus die
des Achan (Jos VII,19-21) illustriert das siebte Bilder zu den beiden letzten Geboten und im Klei-
Gebot. Die Verleumdung der Susanna durch die nen Katechismus Noahs Trunkenheit als Vergleich
beiden Alten markiert das achte Gebot. Für das zu Baldungs Holzschnitt zum vierten Gebot.
neunte Gebot wird die Teilung der Herden von
Jakob und Laban (Gn XXX) und für das zehnte Lit.: Johannes Schilling: Katechismen. In: Lutherlexikon, S.
Josephs Flucht vor dem Weib Potiphars gewählt. 336-338; Cranach I, S. 366-369 und Nr. 255; WA XXX,1
Diese Holzschnittfolge sollte sich durchsetzen und (1910), S. 426-474

122 123
65
Das Symbolum oder gemeine Bekenntnis der zwölf
Apostel, darin der Grund gelegt ist des christlichen
Glaubens, aufs kürzeste ausgelegt und erkläret
Wittenberg: Georg Rhau, 1539. 2°
Aufgeschlagen:
Das Martyrium des Apostels Thomas,
Holzschnitt von Lucas Cranach d. Ä., um 1512
MOS, OS 1023

Seit 1547 gab der Wittenberger Drucker Georg geschaf fen. Dazu gesellen sich Holzschnitte anderer
Rhau seinen Hortulus animae oder Lustgarten der Künstler, etwa aus Luthers Katechismen. Die alten
Seelen (vgl. Exp. Nr. 58) heraus, mit dem neben Bilder mussten nun einem neuen Kontext angepasst
„einigen anderen ... Schriften die Andachtsliteratur werden. Vor allem die Heiltumsillustrationen wur-
der neuen protestantischen Bürgergemeinden“ den umgearbeitet und beschnitten, „weil das Inter-
(Cranach I, S. 395) begründet wurde. Im Anhang esse nicht mehr dem kostbaren Reliquienbehälter,
findet sich das Symbolum der zwölf Apostel – also das sondern dem auf dem Schaustück angebrachten
Apostolische Glaubensbekenntnis. Dieses hatte biblischen Thema gilt“ (Cranach I, S. 396). Mitun-
Rhau bereits ab 1539 separat aufgelegt. Beide Titel ter erhielten die Bilder durch andere Überschriften
griffen damit vorreformatorische Formulierungen einen neuen Bildinhalt. Ein Beispiel dafür ist im
auf. Der Hortulus animae stellte unter diesem alten Symbolum die Verwendung des Holzschnittes mit
Titel aber reformatorisches und allgemein anerkann- dem Martyrium des Paulus für die Darstellung des
tes christliches Schriftgut zusammen. Wie die ausge- Todes des Matthäus. Das Bild zeigt aber eindeutig
stellte Ausgabe des Glaubensbekenntnisses war er drei Quellen. Sie begannen an den Stellen zu spru-
für „die Leyen und einfeltigen“ (Bl. A1r) gedacht. deln, an denen das abgeschlagene Haupt des Paulus
die Erde berührte. Beim Evangelisten Matthäus ist
Das Glaubensbekenntnis gliedert sich bei Rhau in hingegen umstritten, ob und wie er das Martyrium
zwölf Artikel, während Luther das Credo in trinita- erlitten hat. Die massiven Umformungen und Um-
rischem Sinne nur in drei Artikel eingeteilt hatte. deutungen der Holzschnitte im Seelenlustgarten
Die alte Aufteilung war bei Rhau wohl der Illustra- und Credo haben Dietmar Koepplin und Tilman
tion geschuldet, denn er zog die um 1512 entstan- Falk die Frage aufwerfen lassen, „wie nahe man hier
dene Folge Cranachs d. Ä. mit dem Martyrium der am Ausgangspunkt einer neuen protestantischen
Apostel zur Bebilderung heran. Auch der Buch- Ikonographie steht“ (Cranach I, S. 396 und Nr.
schmuck des Hortulus animae setzt sich aus Holz- 274).
schnitten älterer Zeit zusammen. Zu einem großen
Teil stammen sie aus dem Wittenberger Heiltums- Lit.: Cranach I, S. 395-396 und Nr. 274; Cranach II, Nr. 425-
buch, in dem 1509 die Reliquien der sächsischen 436; Wengert, Timothy: Glaubensbekenntnis. In: Luther-Lexi-
Kurfürsten beschrieben worden waren. Für diese kon, S. 261-263
Schrift hatte Cranach ebenfalls die Illustrationen

124 125
1514 begann auch Dürer mit einer Apostelserie, die Während Cranach den Apostel Thomas während
er allerdings nie fertigstellen sollte. Nach den Kup- des Martyriums darstellt – ein Soldat sticht dem
ferstichen mit Paulus und Thomas geriet die Arbeit Zurückweichenden gerade mit einer Lanze in die
ins Stocken und wurde erst 1523 wieder aufgenom- Seite –, erscheint er auf dem Kupferstich Dürers als
men. Nun entstanden drei weitere Blätter mit statuarische Gestalt mit wallendem Bart. In der Lin-
Simon, Bartholomäus und Philippus. Die Platte mit ken hält er ein Buch, das allgemeine Attribut aller
Philippus hat Dürer drei Jahre später überarbeitet Apostel, in der Rechten eine Lanze oder Saufeder
und deren Datierung in 1526 abgeändert. Damit als individuelles Attribut und Hinweis auf sein Mar-
bricht die Folge ab. Allerdings hat Dürer in seinen tyrium in Indien. Thomas wendet sein Gesicht ab,
beiden letzten Lebensjahren überhaupt keine Kup- das wie ein Großteil seines Gewandes verschattet ist.
ferstiche mehr geschaffen. Die imposante Erscheinung steht frei vor dem wei-
ßen Hintergrund, das Haupt umfangen von einem
Dass Dürer als Pedant zu Paulus nicht Petrus als fast überdimensionierten Nimbus. Im Gegensatz
zweites Blatt geschaffen hat, hat Verwunderung aus- dazu verzichtet Dürer bei den drei letzten Blättern
gelöst. Die lange Pause nach den beiden ersten auf die Heiligenscheine. Er steigert die Monumen-
Kupferstichen führt Mende auf die Vielzahl bedeu- talität der Figuren nochmals durch eine Verein-
tenderer Projekte und Aufträge zurück, die der fachung der voluminösen Gewänder und durch die
Nürnberger Künstler in jener Zeit ausgeführt hat, Aufgabe des Kontraposts. In diesem Zusammen-
den Abbruch der Arbeiten auf die generell verän- hang ist „immer auf den neuen Ernst der jüngeren
derte Einstellung zu Marien- und Heiligenbildern, Apostel hingewiesen“ und dies als möglicher Aus-
im besonderen aber auf die Einführung der Refor- weis „für ein neues Verständnis des Heiligenbildes“
mation in Nürnberg im Jahr 1525. Die zwischen- (SMS I, S. 231) verstanden worden.
zeitlich entstandenen Apostelfolgen von Hans Se-
bald Beham oder Hans Baldung Grien hätten Der Apostel Bartholomäus aus dem Jahr 1523 trägt
66 67 zudem die Nachfrage weitgehend gesättigt. Ein ebenfalls ein Buch und erhebt in der Linken ein
ALBECHT DÜRER ALBECHT DÜRER Blick auf die Buchgraphik dieser Zeit lässt eine ge- Messer, mit dem ihm bei lebendigem Leib die Haut
Der Apostel Thomas Der Apostel Bartholomäus nerelle Verdrossenheit an der Darstellung der Apo- abgezogen worden sein soll. Mit festem Blick schaut
Monogrammierter und datierter Kupferstich, 1514 Monogrammierter und datierter Kupferstich, 1523 stel nicht erkennen. In Titelrahmungen (Exp. 70- er den Betrachter mahnend an. Der Baumstamm im
MOS, D-50 MOS, D-45 72) sind sie selbst in Wittenberg oft anzutreffen Hintergund verleiht ihm noch größere Standfestig-
und scheinen eher ein willkommener Ersatz für die keit.
Kirchenväter zu sein. In Lutherbibeln werden sie
von Anfang an zu Beginn der von ihnen verfassten Lit.: SMS I, S. 189-190 und Nr. 74, 75, 95, 96, 100; Dürer
Evangelien und Briefe abgebildet. Und auch die III, Nr. 9
Aufnahme der alten Folge Cranachs in das Apostoli-
sche Glaubensbekenntnis (Exp. 65) lässt nicht auf
eine Abnutzung dieser Motive schließen.

126 127
68 elemente seien erst mit dem Bau von Fontainebleau
De Biblie vth der vthlegginge Doctoris Martini Luthers nach Frankreich gelangt – datierte sie den Holz-
Niederdeutsche Übertragung von schnitt auf frühestens 1534. Sie stimmte allerdings
Johann Bugenhagen zu, dass das Motiv „Gesetz und Gnade“ überkon-
Lübeck: Ludwig Dietz, 1533 / 1. April 1534. 2° fessionell und über das 16. Jahrhundert hinaus ver-
Aufgeschlagen: Titelblatt mit der Holzschnittrah- wendet wurde. Eine Entstehung sei aber trotzdem
mung Gesetz und Gnade (Gesetz und Evangelium) im Wittenberger Umkreis anzunehmen. Der dezi-
von Erhard Altdorfer (Prager Typ) diertere Gothaer Typ sei vor allem in Sachsen, der
MOS, OS 22 Prager Typ im restlichen Deutschland und weiten
Teilen Europas verbreitet gewesen. Das früheste da-
69 tierbare Bild ist ein Holzschnitt in einer Schrift des
MARTIN LUTHER Urbanus Rhegius Vom heiligen Sakrament des Altars,
In primum librum Mose enarrationes die 1525 in Leipzig gedruckt wurde. Diese Illustra-
Wittenberg: Peter Seitz d. Ä., 1544. 2° tion antizipiert aber nur die rechte Seite des Motivs,
Aufgeschlagen: Titelblatt mit der Holzschnittrah- die Seite der Gnade und des Neuen Bundes.
mung Gesetz und Gnade (Gesetz und Evangelium)
von der Cranachwerkstatt (Gothaer Typ), 1541 In der Mittelachse des Motivs „Gesetz und Gnade“
AvS, B 84 steht ein Baum. Er ist auf der linken Seite kahl, auf
der rechten steht er in vollem Laub. „Diese, auf
Das Bildthema „Gesetz und Gnade“ oder auch mittelalterliche Bildtraditionen u. a. der Kreuzes-
„Gesetz und Evangelium“ galt lange Zeit als eines allegorien rekurrierende Darstellungsform stellt
der wenigen, das als spezifisch protestantisches neuerlich die öde Ausweglosigkeit des Gesetzes der
Motiv in der Reformation entwickelt wurde. In ihm ‚aufkeimenden‘ Hoffnung auf die Erlösung im
„findet die Zusammenarbeit von Künstler und Neuen Testament gegenüber“ (Fleck, S. 16). Auf
Theologe […] ihren komprimiertesten Ausdruck“ den beiden Hälften des Bildes werden Szenen aus
(zit. nach Weniger, S. 115). Matthias Weniger hat dem Alten und Neuen Testament gegenübergestellt.
dem 2004 widersprochen. Er war der Ansicht, die Zur Seite der Gnade und des Neuen Bundes gehört
früheste Rezeption eines verschollenen Urtyps von in der Regel die Kreuzigung als Verweis auf den
„Gesetz und Gnade“ in einem französischen Holz- Opfertod Christi, der Sieg des Auferstandenen über
schnitt gefunden zu haben, der aufgrund seiner den Tod, eventuell auch über den Teufel und die
Marke aller Wahrscheinlichkeit nach als Verlagspro- sog. Emanuelszene. Letztere zeigt Maria auf dem
dukt des Pariser Humanisten und Kunsthändlers Berg Zion, wie sie Christus in Form des Logos-
Geoffrey Tory (1480-1533) angesehen werden knaben empfängt. Auf der Seite des Alten Bundes
dürfe. Er sei chronologisch vor den beiden Gemäl- darf der Sündenfall nicht fehlen. Beim Prager Typ
den Lucas Cranachs d. Ä. aus dem Jahr 1529 anzu- erscheint darüber die Übergabe der Gesetzestafeln
setzen, die sich in Gotha und Prag befinden und an Moses, während der Gothaer Typ Moses mit den
nach denen die beiden Hauptvarianten von „Gesetz Tafeln in einer Gruppe mit Propheten in der Nähe
und Gnade“ als Gothaer und Prager Typ bezeichnet des Baumstammes platziert. Oberhalb von Adam
werden. Miriam Fleck hat zuletzt den zeitlichen und Eva wirkt dann Jesus als Weltenrichter. Als
Vorrang des französischen Holzschnittes verneint. weiteres Gegensatzpaar wird häufig die Darstellung
Aus stilistischen Gründen – bestimmte Schmuck- der ehernen Schlange mit der Verkündigung an die

128 129
Hirten kombiniert. Die eherne Schlange kann mung für die erste niederdeutsche Lutherbibel, die
aber auch in die Nähe der Gnadenseite rücken. Im 1533/1534 in Lübeck gedruckt wurde, vertreten.
unteren Teil des Bildes liegen die hauptsächlichen Zum ersten Mal erscheint hier das Motiv „Gesetz
Unterschiede der beiden Bildvarianten. Beim Prager und Gnade“ auf dem Titelblatt der Heiligen Schrift.
Typ sitzt der sündige Mensch mittig unter dem 1541 wurde zum einzigen Mal eine niederdeutsche
Baum, der Körper der Seite des Alten, der Kopf der Lutherbibel in Wittenberg selbst aufgelegt. Die
Seite des Neuen Bundes zugewandt. Ein Prophet Cranachwerkstatt schuf hierfür einen Titelrahmen,
und Johannes der Täufer verweisen ihn gemeinsam der dem Gothaer Typ folgt und in der Hölle
auf den Gekreuzigten. Links unten steht dann auf schmorende Würdenträger der alten Kirche zeigt.
der Seite des Gesetzes ein Sarkophag als Symbol des
Todes. Der Gothaer Typ scheidet die beiden Bild- Lit.: Fantastische Welten. Albrecht Altdorfer und das Expres-
hälften stärker. Auf der Seite der Gnade verweist sive in der Kunst um 1500. Städel Museum, Frankfurt am
Johannes der Täufer den Sünder wiederum auf Main, 5. November 2014 - 8. Februar 2015, Kunsthistorisches
Christus am Kreuz. Ein Blutstrahl aus der Seiten- Museum Wien, 17. März 2015 - 14. Juni 2015. Herausgege-
wunde trifft diesen und rechtfertigt ihn. Auf der an- ben von Stefan Roller und Jochen Sander. München 2014, S.
deren Seite aber wird der Sünder von Tod und Teu- 94, Nr. 34; Fleck, Miriam Verena: Ein tröstlich gemelde: Die
feln in den Höllenschlund getrieben. Moses und die Glaubensallegorie „Gesetz und Gnade“ in Europa zwischen
Propheten können diesem Geschehen nur tatenlos Spätmittelalter und Früher Neuzeit. Korb 2010. (Studien zur
zusehen. Beim Gothaer Typ kann dabei auch kon- Kunstgeschichte des Mittelalters und der Frühen Neuzeit 5),
fessionelle Polemik zum Vorschein kommen, wenn S. 13-43, S. 444-445, Nr. 10, S. 457, Nr. 41, S. 461, Nr. 49;
bereits Papst und Bischof in der Hölle schmoren, Reinitzer, Heimo: Gesetz und Evangelium. Über ein reforma-
oder ein Teufel in Kardinalstracht den Sünder ins torisches Bildthema, seine Tradition, Funktion und Wirkungs-
Feuer treibt. geschichte. 2 Bde., Hamburg 2006, S. 226, Nr. 200, S. 457-

458, Nr. 790, S. 464, Nr. 806; Büttner, Frank und Andrea
Johannes der Täufer als Mittler zwischen Altem und Gottdang: Einführung in die Ikonographie. Wege zur Deutung
Neuem Testament spielt bereits in Predigten Lu- von Bildinhalten. München 2006, S. 39; Weniger, Matthias:
thers eine bedeutende Rolle. Sie kommt stärker im „Durch und durch lutherisch“? Neues vom Ursprung der Bil-
Prager als im Gothaer Typ zum Tragen: „Die der von Gesetz und Gnade. In: Münchner Jahrbuch für Bil-
Schriftt tzeygt Johannes alßo, das er stehe ym mittel dende Kunst 2004, S. 115-134; Mühlen, Reinhard: Die Bibel
des alltten und newen testaments, das er sey ein mit- und ihr Titelblatt. Die bildliche Entwicklung lutherischer Bi-
ler tzwischen Mosi und Christo, das ist ein groß beldrucke vom 16. bis zum 19. Jahrhundert. Würzburg, 2001
ding und uber alle werck zu heben“ (zit. nach (Theologische Studien 19), S. 32-36; Gesetz und Gnade.
Mühlen, S. 36). Cranach, Luther und die Bilder. Ausstellung im Cranach-Jahr
1994. Eisenach, Museum der Wartburg, 4. Mai - 31. Juli,
Der Prager Typ ist in der Ausstellung mit Erhard Torgau, Schloss Hartenfels, 25. August - 6. November [1994].
Altdorfers (nach 1480-nach 1561) Holzschnittrah- Eisenach 1994

130 131
70
IOANNES CHRYSOSTOMUS
In totum Geneseos librum homiliae sexagintasex
Basel: Andreas Cratander, September 1523. 2°
Aufgeschlagen: Titelblatt mit zwei
Metallschnittleisten von Hans Holbein d. J.
AvS, 3457

Die Genesisauslegung des Heiligen Chrysostomus gedruckten Evangelienkommentare Commentarii


in der lateinischen Übersetzung des Basler Reforma- initiatorii in quatuor evangelia. Das Bild greift
tors Johannes Oekolampadius (1482-1531) erschien dezidiert Lefèvres Auffassungen auf. Im Kommentar
im September 1523 in Basel bei Andreas Cratander. zu Matthäus (XVI,9) hatte er seiner Überzeugung
Die Titelblattrahmung setzt sich aus vier Leisten zu- Nachdruck verliehen, „dass der in den Evangelien
sammen, von denen zumindest die obere und un- und durch die Apostel verkündete Glaube der
tere von Hans Holbein d. J. entworfen und von Schlüssel zur Erlösung sei.“ Darauf – so Christian
Jakob Faber in Metall geschnitten worden sind. Sie Rümelin – „sei zurückzuführen, dass alle zwölf ur-
zeigen oben Christus als Fürbitter vor Gottvater sprünglichen Apostel einen Schlüssel tragen. Als
und unten den Apostelabschied. Die seitlichen dreizehnter ist Paulus zu ihnen hinzugestossen, und
Leisten bestehen aus von Putten gehaltenen Säulen. Matthias ersetzt Judas Ischarioth“ (Holbein, S.
Bei späteren Titelblättern sind die Säulen durch die 453). Der Metallschnitt mit Christus als Fürbitter ist
vier Evangelistensymbole ersetzt. in der vorliegenden Ausgabe eventuell das erste Mal
verwendet worden.
Die Leiste mit dem Apostelabschied ist für eine
Schrift des französischen Theologen und Huma- Lit.: Holbein, S. 453-455, Nr. D-14; Hollstein XIVa (1988), S.
nisten Jacques Lefèvre d’Étaples (um 1450/55- 89, Nr. 53a, S. 102, Nr. 57a
1536) entstanden: die im März 1523 bei Cratander

132 133
71
MARTIN LUTHER
Auslegung der Episteln und Evangelien, die nach
Brauch der Kirche gelesen werden, vom Christtag bis
auf den Sonntag nach Epiphanie
Wittenberg: Johann Rhau-Grunenberg, 1522. 4°
Aufgeschlagen: Titelblatt
AvS, 2885

Ausgestellt ist der Erstdruck von Luthers Weih- stille wird mit einer Bordüre versehen, die auf den
nachtspostille. Ihr vorgebunden ist in diesem Exem- theologischen Inhalt verweist. Oberhalb des Schrift-
plar die Adventspostille in der ersten lateinischen feldes erscheint der Gekreuzigte flankiert von den
und in der ersten deutschen Ausgabe von 1521 bzw. Symbolen der Evangelisten Lukas und Johannes,
1522 (s. Exp. 57). Als Buchschmuck weisen alle unterhalb das sächsische Wappen begleitet vom
drei Drucke nur eine Titelbordüre oder Zierinitialen Markuslöwen und dem Engel des Matthäus. Seitlich
auf. Für die beiden Ausgaben der Adventspostille rahmen Peter und Paul das Titelfeld. Die Bordüre
wählte der Drucker Johann Rhau-Grunenberg eine trägt unten auch das Monogramm des Drucker IG
Rahmung der Cranach-Werkstatt mit spielenden und die Datierung 1522.
und musizierenden Putten und den Wappen von
Sachsen und Wittenberg. Erst die Weihnachtspo- Lit.: Cranach I, Nr. 214; Luther, Nr. 4 und Nr. 9

134 135
72
MARTIN LUTHER
Auslegung der Evangelien von Ostern bis auf Advent
Wittenberg: Hans Lufft, 1527. 2°
Aufgeschlagen: Titelblatt mit Holzschnittrahmung
von Georg Lemberger
AvS, 2139

Ausgestellt ist eine Ausgabe von Luthers Sommer- Engelsgloriole umgeben, darunter der halb verweste
postille aus dem Jahr 1527, der eine Festpostille Schädel Adams“ (ebd.). Die Gloriole trennt den
desselben Jahres nachgebunden ist (s. Exp. Nr. 57). Gekreuzigten von Lukas und Johannes, die ihre
Auch ihr Buchschmuck beschränkt sich auf das Evangelien im Freien niederschreiben. Johannes er-
Titelblatt. Die „besonders prächtige Titeleinfassung“ blickt zudem in einer Vision die Mutter Gottes.
(Reindl Bd. 2, S. 69) hat Georg Lemberger 1526 Ihre Symbole, der Stier und der Adler, werden vom
für eine niederdeutsche Gesamtausgabe der Lu- Kreuz überschnitten. Die seitliche Rahmung glie-
ther’schen Evangelienpostille geschaffen. In der dert sich in zwei Etagen. Oben links und rechts sind
Mitte oben erscheint Christus mit weit ausgebreite- Petrus und Paulus postiert, darunter Judas Thad-
ten Armen, umgeben von einem Schriftband: „ITE däus und Jacobus.
IN ORBEM, VNIVERSVM ET PREDICATE
EVANGELION“. Zwei Säulen trennen ihn von Lit.: Reindl, Isabel Christina: Georg Lemberger, ein Künstler
den Schreibstuben der Evangelisten Matthäus und der Reformationszeit – Leben und Werk. Bd. 1-2, Bamberg,
Markus und ihren Symbolen zu beiden Seiten. 2006, Bd. 2, S.69, Nr. 1526.1 (http://www.opus-bayern.de/
„Unten mittig“ steht „das Kreuz Christi, von einer uni-bamberg/volltexte/2010/253/)

136 137
73
MARTIN LUTHER
Von der heiligen Taufe. Predigten
Wittenberg: Georg Rhau, 1535. 4°
Aufgeschlagen: Titeleinfassung mit dem
Löwenkampf Samsons. Holzschnitt
von Lukas Cranach d. Ä. und Werkstatt
AvS, B 355

Die Zusammenstellung einiger Predigten Martin für diese Schrift entstanden, passt das Motiv gut zu
Luthers zum Sakrament der Taufe erschien 1535 in der Thematik der Predigten. Gilt doch der Löwen-
drei Ausgaben bei Georg Rhau. Dass der Reforma- kampf Samsons als typologischer Verweis auf die
tor die Sammlung nicht selbst veranlasst hat, Überwindung von Tod und Teufel durch Christus.
schließt man aus einer Bemerkung in der Vorrede: Die populäre Bordüre hatte Georg Rhau bis 1546
„Darümb las ich mir auch gefallen, das diese meine in Gebrauch, von 1542 bis 1545 nutzte sie auch der
predigte, ausgehen, zu ehren der Heiligen Tauffe“ Wittenberger Drucker Nickel Schirlentz. Der Ent-
(Bl. a2v). Caspar Cruciger (1504-1548) ist als Her- wurf der Löwenkampfszene wird Lukas Cranach d.
ausgeber dieser recht freien Mitschriften lutheri- Ä. zugewiesen, der ornamentale Teil der Rahmung
scher Predigten vermutet worden. gilt als Werkstattarbeit.

Der Drucker Georg Rhau schmückte alle drei Auf- Die Predigten von der Taufe sind Teil eines Sam-
lagen mit einer Titelbordüre, die er bereits seit 1532 melbandes mit acht reformatorischen Schriften aus
verwendet hat. Das Titelfeld erscheint hier in einem Wittenberg der Jahre 1531 bis 1540.
Architekturrahmen, darunter bleibt aber ein recht-
eckiges Feld frei für die Darstellung des Kampfes Lit.: Cranach I, S. 387-388, Nr. 215, 216; Benzing, Nr. 3124-
Samsons mit dem Löwen. Obwohl sicherlich nicht 3126; Luther, Nr. 31; WA XXXVII (1910), S. XLIIIf.

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Confessio fidei exhibita invictiss. Imp. Carolo V.
Caesari Aug. in Comitiis Augustae Anno
M.D.XXX. Addita est Apologia confessionis
Wittenberg: Georg Rhau, 1540. 4°
Aufgeschlagen: Titelblatt mit der Titelrahmung
Kampf Davids gegen Goliath, Holzschnitt der
Cranachwerkstatt, 1532?
MOS, OS 1144

Diese Ausgabe der Confessio Augustana, des Augs- wiederum ein architektonisches Element die Bor-
burgischen Bekenntnisses, erschien 1540 mit der düre.
Apologie Philipp Melanchthons in Wittenberg bei
Georg Rhau. Die Titeleinfassung der Cranach- Georg Rhau verwendete die Einfassung von 1532
Werkstatt zeigt in einer weiten Landschaft, wie bis 1541, Nickel Schirlentz nochmals 1542. 1534
David mit Mühe das Schwert Goliaths ergreift, um findet man sie auch in Drucken von Hans Weiss.
ihm den Kopf abzuschlagen. Obwohl sich der Land-
schaftshintergrund bis zu Beginn des Titelfeldes Lit.: Cranach I, S. 388, Nr. 265; Luther, Nr. 30
hochzieht, ziert mit dem Giebel über der Titelei

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75
Kirchenordnung zum Anfang, für die Pfarrherrn in
Herzog Heinrichs zu Sachsen Fürstentum.
Wittenberg: Hans Lufft, 1539. 4°
Aufgeschlagen: Titelblatt mit der Titelrahmung
Guter Hirte
AvS, 3236

Mit der zweiten von Herzog Heinrich von Sachsen Die Wittenberger Drucker Hans Lufft, Hans Weiss
(1473-1541) im Jahr 1539 angeordneten Kirchen- und Joseph Klug hatten die Titeleinfassung zwi-
visitation wurde die vorliegende Kirchenordnung schen 1533 und 1539 gleichzeitig in Gebrauch.
eingeführt, die später stark erweitert werden sollte. Eventuell hat auch Georg Rhau den Druckstock
In seiner nur kurzen Regierungszeit führte Heinrich zeitweise in Besitz. Die sächsische Kirchenordnung
den Protestantismus in seinem Fürstentum ein. Die ist eine der letzten Schriften, die auf diese aussage-
Titeleinfassung lässt nur ein kleines Schriftfeld frei, kräftige Bordüre zurückgreifen konnte. Sowohl das
darunter ist überlebensgroß Christus als guter Hirte Motiv des guten Hirten als auch der Umstand, dass
mit einem Schaf über den Schultern dargestellt. An Justus Jonas und Caspar Cruciger zu den Unter-
beiden Seiten und unten mittig finden sich Medail- zeichnern der Vorrede gehören, lässt die Entschei-
lons, in die Embleme und Monogramme von füh- dung für diese Bordüre als plausibel erscheinen.
renden Reformatoren eingezeichnet sind: oben links Frühere Zuschreibungen des Holzschnittes an
die Lutherrose und ML für Martin Luther und dar- Georg Lemberger oder gar Lucas Cranach d. Ä.
unter der Walfisch mit Jonas und II für Justus Jonas, sind nicht aufrecht zu erhalten.
dem Lutheremblem gegenüber die eherne Schlange
und PM für Philipp Melanchthon, darunter die Lit.: Luther, Nr. 38; Mejer, Wolfgang: Der Buchdrucker Hans
Harfe Davids und IB für Johannes Bugenhagen, Lufft zu Wittenberg. 2. verm. Aufl., Leipzig, 1923, S. 24;
unten mittig die Taube mit dem Ölzweig über der Dodgson II, S. 415, Nr. 5; Richter, Ludwig Aemilius: Die
Arche und CC für Caspar Cruciger. Das Emblem evangelischen Kirchenordnungen des sechzehnten Jahrhun-
Crucigers überschneidet die Tallandschaft und den derts. Urkunden und Regesten zur Geschichte des Rechts und
guten Hirten, so dass die unterschiedlichen Pro- der Verfassung der evangelischen Kirche in Deutschland.
portionen nicht auf den ersten Blick offensichtlich Nachdr. der Ausg. Weimar 1846. Bd. 1-2, Nieuwkoop, 1967,
sind. Bd. 1, S. 307-315

142 143
76
MARTIN LUTHER
Omnia opera
Bd. 1., Wittenberg: Hans Lufft, 1545. 2°
Aufgeschlagen: Titelblatt mit der Titelrahmung
Luther und Kurfürst Johann Friedrich I. unter dem
Kreuz, Holzschnitt von Lucas Cranach d. J.
AvS, B 87

Ab 1539 gab der Wittenberger Drucker Hans Lufft


die deutsche Gesamtausgabe der Werke Luthers her-
aus, die 1559 mit dem zwölften Band abschließen
sollte. Seit 1545 folgte die lateinische Reihe in sie-
ben Bänden. Für diese zweite Ausgabe beauftragte
er Lucas Cranach d. J. mit einer neuen Titelrah-
mung. Das Schriftfeld ist seitlich und oben von Wol-
kenbändern und Puttenköpfen geziert. An den vier
Ecken sind Medaillons mit den Evangelistensymbo-
len angebracht. Im breiteren unteren Streifen ist
mittig der gekreuzigte Christus dargestellt. Zu
seinen Seiten knien betend Martin Luther und der
sächsische Kurfürst Johann Friedrich I. (1503- Lucas Cranach der Jüngere: Titelholzschnitt mit Luther und dem
1554). Im Jahr darauf schuf Cranach für eine Aus- Kurfürsten betend unter dem Kreuz für eine Ausgabe des Neuen
gabe des Neuen Testaments einen Titelholzschnitt, Testaments 1546, die deutsche Werkausgabe Luthers und andere
auf dem nur die untere Szene mit Kruzifix, Refor- Schriften; hier aus dem Dritten Teil der deutschen Werkausgabe,
mator und Kurfürst wiederholt wird. Seit 1548 er- AvS, 3476
schien dieser Holzschnitt auch auf den Titelblättern
der deutschen Gesamtausgabe. Weite Verbreitung
durch Original und zahlreiche Kopien verhalfen die- (WA Bibel II, S. 487). Immerhin hatte aber Luther
sem Bild zu einem großen Bekanntheitsgrad, der noch einen Probedruck des Neuen Testaments
„spitzfindige Luthergegner“ auf den Plan rief, die durchgesehen und gebilligt. Ebenso muss ihm die
„darin den Beweis sehen wollten, ‚dass Luther das weit weniger bekannte Vorgängerversion von 1545
Kruzifix [d. h. also ein Bild] anbete‘ “ (Cranach I., bekannt gewesen sein.
S. 411). Noch die Weimarer Ausgabe der Werke
Luthers wies zu Anfang des 20. Jahrhunderts diesen Lit.: Cranach I, S. 411, Nr. 283 und 284; WA Bibel II (1909),
Vorwurf gewunden zurück: „Sicher darf man Lu- S. 686-687
ther nicht persönlich für dieses immerhin mißver-
ständliche Bild verantwortlich machen, da es sich zu
seinen Lebzeiten nicht findet. Und schließlich kniet
der Kurfürst und Luther ja nicht vor dem Kreuze,
sondern neben ihm, in seinem Schutz und Schirm“

144 145
MEHRFACH VERTRETENE KÜNSTLER UND AUTOREN

147
JOST AMMAN 15, 18, 19 1503 Erlangung des Meisterrechts in LUCAS CRANACH D. J. 76 HANS HOLBEIN D. J. 13, 70
(getauft 13.6.1539 Zürich Augsburg (* 4. Oktober 1515 Wittenberg (* Ende 1497/Anfang 1498 Augsburg,
begraben 17.3.1591 Nürnberg) um 1515 zahlreiche Aufträge für Kaiser Maxi- † 25. Januar 1586 Wittenberg) † Herbst 1543 London)
Zeichner, Visierer, Holzschnittzeichner, Radierer, milians I.: Weißkunig, Theurdanck Maler und Graphiker Maler, Zeichner für den Holz- und Metallschnitt
Holzschneider und Maler und die Fürstliche Chronik (Heilige Lehre in der väterlichen Werkstatt, und für das Kunstgewerbe
1561 Ausbildung in den Techniken des des Hauses Habsburg) in die er nach Abschluss der Ausbil- Lehre bei seinem Vater, dem Maler
Holzschnitts und der Radierung bei dung eintrat Hans Holbein d. Ä.
Virgil Solis in Nürnberg LUCAS CRANACH D. Ä. 2, 11, 25, 27, 65, 73, 1537 Teilhaber der väterlichen Werkstatt 1515 Übersiedlung nach Basel, Mitglied
1562 Übernahme der Werkstatt Solis’ 74 seit 1549 Ratsherr der Stadt Wittenberg, der Werkstatt von Hans Herbst
1564 Illustrationsfolge zur Bibel (* 1472? in Kronach, Oberfranken zeitweise Bürgermeister 1517 mit dem Vater in Luzern tätig
† 16. Oktober 1553 in Weimar) 1550 Übernahme der Werkstatt 1519 Eintritt in die Basler Malerzunft
HANS BALDUNG GRIEN 2, 60, 61 Maler und Graphiker 1520 Basler Bürgerrecht
(*1484 / 1485 Schwäbisch-Gmünd Ausbildung bei seinem Vater, ALBRECHT DÜRER 1, 22-24, 26, 29-32, 1522 Illustrationsfolge zum Hortulus
† September 1545 Straßburg) Hans Maler 35, 48, 50, 52, 66-67 animae
Maler, Zeichner, Holzschnittzeichner und Wanderschaft (* 21.5.1471 Nürnberg, † 6.4.1528 Nürnberg) ab 1522/23 zahlreiche Illustrationen für die
Kupferstecher 1501-1504 Aufenthalt in Wien Maler, Graphiker und Kunsttheoretiker Basler Nachdrucke des Steptember-
Malerlehre in Straßburg 1505 Berufung zum Hofmaler Friedrichs Lehre bei seinem Vater, dem testaments
1503/07 in der Werkstatt Dürers tätig des Weisen von Sachsen Goldschmied Hans Dürer 1526/28 Englandreise
vor/um 1507 Illustrationen zu Ulrich Pinders Spe- 1510 Umzug vom Schloss in die Stadt seit 1486 Lehre zum Maler bei Michael 1531 Zürcher Bibel mit Holzschnitten
culum passionis domini nostri Jesu Wittenberg Wolgemut zum Alten Testament nach Entwür-
Christi 1512 Holzschnittfolge mit dem Marty- 1490/94 Wanderschaft mit Aufenthalt u.a. fen von Holbein
In Halle, Saale, tätig für Kardinal Al- rium der Apostel in Colmar, Basel und Straßburg 1532 Übersiedlung nach England
brecht von Brandenburg 1519-1549 Ratsherr der Stadt Wittenberg 1494/95 Italienreise 1538 Historiarum veteris instrumenti
1509 Rückkehr nach Straßburg 1520 Kupferstich „Martin Luther als Au- 1498 Dürer publiziert auf eigene Kosten icones (Bilder zu den Geschichten
seit 1512 in Freiburg im Br. tätig gustinermönch in der Nische“ die Apokalypse des Alten Testaments)
1516 Dekalogillustrationen Erwerb einer Apotheke 1505/07 Italienreise
1517 Bürgerrecht in Straßburg Verlagsgemeinschaft mit Christian seit 1509 Ratsherr der Reichsstadt Nürnberg
um 1537/40 Illustrationen zur Laienbibel des Döring 1511 Publikation der drei Großen Bücher HANS SCHÄUFELEIN 28, 47
Wendelin Rihel, 1540 1522 Illustration und Verlag von Luthers (Marienleben, Große Passion, Apo- (* um 1482/83 am Oberrhein (?)
1545 Ratsherr der Reichsstadt Straßburg Septembertestament kalypse) und der Kleinen Passion † zwischen 11.11.1539 und 13.9.1540 Nördlingen)
In der Folge zahlreiche Illustra- 1513/14 Meisterstiche Maler, Zeichner für Holzschnitt und Glasmalerei
LEONHARD BECK 37, 38 tionen für Bibelausgaben und um 1515 zahlreiche Aufträge für Kaiser 1503/1507 in der Werkstatt Dürers tätig
(* um 1480 Augsburg, Schriften Luthers Maximilian I., darunter der vor/um 1507 Illustrationen zu Ulrich Pinders
† zwischen dem 14. und 18.10.1542 Augsburg) 1537/44 mehrmals Bürgermeister von Wit- Triumphwagen Speculum passionis domini nostri
Maler, Buchmaler, Zeichner für Holzschnitt tenberg 1520/21 Reise in die Niederlande Jesu Christi
Ausbildung bei seinem Vater, 1550 folgt Cranach Johann Friedrich dem 1525/28 Drucklegung der kunsttheoretischen Wanderschaft
dem Maler und Miniaturisten Großmütigen in dessen Exil nach Werke 1509 in der Werkstatt Hans Holbeins
Georg Beck Augsburg d. Ä. tätig
Mitglied der Werkstatt Hans 1552 Cranach zieht mit seinem Landes- 1513 Gründung einer eigenen Werkstatt
Holbeins d. Ä. herrn in die neue Residenzstadt 1514/15 zahlreiche Aufträge für Kaiser Maxi-
Weimar milians I. Triumphzug, Weißkunig,

148 149
Theurdanck Niederdeutsche MARTIN LUTHER 7, 11, 12, 15, 18-20,
1515 Bürgerrecht in Nördlingen 1535 Mitglied der theologischen Fakultät 25, 27, 28, 49, 57,
nach 1520 Konzentration auf den der Universität Wittenberg 62-64, 68, 71-73, 76
Buchholzschnitt 1546 Grabrede auf Martin Luther (* 10. November 1483 Eisleben
† 18. Februar 1546 Eisleben)
BENEDICTUS CHELIDONIUS OSB Theologe und Reformator
HANS SPRINGINKLEE 36, 58 (BENEDIKT SCHWALBE) 32, 48 1501-1505 Studium an der Universität Erfurt
(* zwischen 1490 und 1495 in Nürnberg (* um 1460 Nürnberg, † 8. September 1521 Wien) 1505 Eintritt in das Augustinerkloster
† um 1522/1540) Dichter, Humanist, Abt des Wiener Schotten- Erfurt nach einem Gelübde an die
Maler, Zeichner für den Holzschnitt klosters Hl. Anna
1512/1515 in der Werkstatt Dürers tätig 1480/90 Eintritt in das Nürnberger 1507 Priesterweihe
um 1515 zahlreiche Entwürfe für die Ehren- Egidienkloster Theologiestudium in Erfurt und
pforte, den Triumphzug und Weiß- 1508 Elegie auf den Tod des Conrad Wittenberg
kunig Kaiser Maxilians I. Celtis 1510 Romreise
1516/21 zahlreiche Holzschnitte für den um 1508 Erstausgabe seiner Passio Jesu Christi seit 1512 Lehrtätigkeit an der Universität
Hortulus animae im Auftrag des salvatoris mundi in Straßburg, ge- Wittenberg
Verlegers Koberger widmet Willibald Pirckheimer 1517 Thesenanschlag
1511 Dürers Kleine Passion, Große Passion 1519 Entwicklung eines Reform-
JOHANN BUGENHAGEN 11, 51, 53, 68 und Marienleben erscheinen mit programmes
(* 24. Juni 1485 Wollin Texten von Chelidonius 1521 Exkommunikation, Reichsacht und
† 20. April 1558 Wittenberg) 1513/14 Wechsel an das Wiener Schotten- „Entführung“ auf die Wartburg
Theologe, Reformator Norddeutschlands und Weg- kloster Übersetzung des Neuen Testaments
gefährte Luthers 1518 Abt des Wiener Schottenklosters 1522 Bildersturm in Wittenberg unter
1501/04 Studium Universität Greifswald Andreas Karlstadt
Rektor der Stadtschule Treptow, JOHANN GEILER VON KAYSERSBERG Im September wird das Neue
Rega 6, 56, 61 Testament gedruckt
1509 Priesterweihe (* 16.3.1445 Schaffhausen, † 10.3.1510 Straßburg) 1523/24 Drucklegung der ersten drei Teile
1517 Lektorat des Prämonstratenserstiftes Theologe und Volksprediger des Alten Testaments
Belbuck bei Treptow, Rega seit 1460 Studium in Freiburg i. Br. 1525 Heirat mit Katharina von Bora
1521 Übersiedlung nach Wittenberg 1470 Priesterweihe 1529/30 Kleiner und Großer Katechismus
1523 Stadtpfarrer von Wittenberg 1471 Wechsel an die Universität Basel sowie Beifügung des Passional Chri-
1525 Trauung Luthers mit Katharina von 1475 Promotion zum Dr. theol. sti zum Betbüchlein
Bora 1476 Rektor der Universität Freiburg i. Br. 1530 Augsburger Bekenntnis
seit 1528 Kirchenordnungen für die Stadt 1478/86 Prediger an der St.-Lorenz-Kirche 1534 Abschluss der Bibelübersetzung
Braunschweig, für Hamburg, Lü- in Straßburg seit 1545 Edition der Gesamtausgabe der
beck, Pommern, Dänemark, Schles- seit 1486 Prediger am Straßburger Münster Lutherschriften
wig-Holstein, Braunschweig-Wol- (Posaune des Straßburger Münsters)
fenbüttel, Hildesheim Geiler vermittelt Humanisten wie
1533 Promotion zum Dr. theol. Sebastian Brant und Jakob Wimphe-
1533/34 Übertragung der Lutherbibel ins ling nach Straßburg
1506 Drucklegung der Passio Christi

150 151
ABKÜRZUNGS- UND LITERATURVERZEICHNIS

153
Abkürzungen Buchillustration Dürer I Eichenberger/Wendland
AvS = Stadtarchiv Schweinfurt Fünf Jahrhunderte Buchillustration. Meisterwerke Schneider, Erich (Bearb.) Eichenberger, Walter und Henning Wendland
MOS = Museum Otto Schäfer der Buchgraphik aus der Bibliothek Otto Schäfer. Dürer als Erzähler. Holzschnitte, Kupferstiche und Deutsche Bibeln vor Luther. Die Buchkunst der
SakrB = Sakristeibibliothek der Evangelisch-Lutheri- Germanisches Nationalmuseum Nürnberg, 11. Sep- Radierungen aus der Sammlung-Otto-Schäfer-II. achtzehn deutschen Bibeln zwischen 1466 und
schen Kirchengemeinde St. Johannis, Schweinfurt tember bis 15. November 1987, Bayerische Staats- Ausstellung vom 10. 12. 1995 - 31. 3. 1996, Bi- 1522. Hamburg 1977
bibliothek München, 4. Februar bis 16. April 1988. bliothek Otto Schäfer, Schweinfurt. Mitarbeit: Anna
Katalog und Ausstellung Eduard Isphording unter Scherbaum, Georg Drescher. Schweinfurt 1995 GW
Mitarbeit von Manfred von Arnim. Nürnberg 1987. Gesamtkatalog der Wiegendrucke. Bd. 1-, Leipzig
Alle Bibelzitate, sofern nicht anders vermerkt, nach: (Ausstellungskataloge des Germanischen National- Dürer II [u. a.] 1925-
Arenhoevel, Diego, Alfons Deissler und Anton museums Nürnberg: Serie A) / (Bayerische Staats- Schneider, Erich und Anna Scherbaum (Bearb.)
Vögtle (Hg.) bibliothek München: Ausstellungskataloge 42) Dürer. Die Kunst aus der Natur zu »reyssenn«. Hamm
Die Bibel. Die Heilige Schrift des Alten und Neuen Welt, Natur und Raum in der Druckgraphik. Holz- Hamm, Berndt
Bundes. Deutsche Ausgabe mit den Erläuterungen Cranach schnitte, Kupferstiche und Radierungen aus der Religiosität im späten Mittelalter. Spannungspole,
der Jerusalemer Bibel. Freiburg, Basel, Wien 1968 Koepplin, Dieter und Tilman Falk (Hg.) Sammlung-Otto-Schäfer-II, Ausstellung vom 28. Neuaufbrüche. Herausgegeben von Reinhold Fried-
Lukas Cranach. Gemälde, Zeichnungen, Druckgra- 09. 1997 - 25. 1. 1998, Bibliothek Otto Schäfer, rich und Wolfgang Simon. Tübingen 2011. (Spät-
phik. Ausstellung im Kunstmuseum Basel, 15. Juni Schweinfurt, Ausstellung vom 15. 2. 1998 - 26. 4. mittelalter, Humanismus, Reformation 54)
bis 8. September 1974. 2 Bde., Basel, Stuttgart 1998, Stadtmuseum Amberg. Schweinfurt 1997
Abgekürzt zitierte Literatur 1974-1976 Hofmann
Dürer III Hofmann, Werner (Hg.)
50 Jahre Coelen Schneider, Erich und Anna Scherbaum (Bearb.) Luther und die Folgen für die Kunst. Hamburger
Kostbare Drucke und Einbände aus sechs Jahrhun- Coelen, Peter van der Dürer, Himmel und Erde. Gottes- und Menschen- Kunsthalle, 11. November 1983 - 8. Januar 1984.
derten. Dauerpräsentation aus Anlaß des 50jährigen Bilder aus der Schrift. Studien zur alttestamentli- bild in Dürers druckgraphischem Werk. Holz- München 1983
Bestehens der Bibliothek Otto Schäfer. 18. März chen Druckgrafik des 16. und 17. Jahrhunderts. schnitte, Kupferstiche und Radierungen aus der
2001 - 12. Januar 2003. Bearbeitet von Georg Dre- Bern [u. a.] 2002. (Vestigia Bibliae 23) Sammlung-Otto-Schäfer-II. 17. Oktober 1999 - 6. Hollstein, Friedrich W. H. (Hg.)
scher. Schweinfurt 2001 (Bibliothek Otto Schäfer, Februar 2000, Bibliothek Otto Schäfer, Schwein- German engravings, etchings and woodcuts, ca.
Schweinfurt: Ausstellungskatalog 15) Dodgson furt, 20. Mai - 30. Juli 2000, Museum Bad Arolsen, 1400-1700. Bd. 1-, Amsterdam [u. a.] 1954-
Dodgson, Campbell Ausstellungen im Schloß, 2. September - 25.
Arnim Catalogue of early German and Flemish woodcuts November 2001, Josef Albers Museum Quadrat, Index Aureliensis
Katalog der Bibliothek Otto Schäfer. Teil I: Drucke, preserved in the Department of Prints and Draw- Bottrop. Schweinfurt 1999 Index Aureliensis. Catalogus librorum sedecimo
Manuskripte und Einbände des 15. Jahrhunderts. ings in the British Museum. 2 Bde., London 1903- saeculo impressorum. Abt. 1, Bd. 1-, Baden-Baden
Bearbeitet von Manfred von Arnim. 2 Halbbde. 1911 Ehe 1965-
Stuttgart 1984 Rautenberg, Ursula (Hg.)
Doumit Über die Ehe. Von der Sachehe zur Liebesheirat. Kaiser Karl V.
Benzing Doumit, Amin Eine Literaturausstellung in der Bibliothek Otto Diller, Stephan (Hg.)
Benzing, Josef (Bearb.) Deutscher Bibeldruck von 1466-1522. Schäfer in Schweinfurt, 18. April bis 31. Oktober Kaiser Karl V. und seine Zeit. Katalog zu den Aus-
Lutherbibliographie. Verzeichnis der gedruckten St. Katharinen 1997 1993. Schweinfurt 1993 stellungen 12. März - 11. Juni 2000 Bibliothek
Schriften Martin Luthers bis zu dessen Tod. Otto Schäfer Schweinfurt, 15. Juli - 15. Oktober
1. Aufl., Baden-Baden 1966. (Bibliotheca biblio- 2000 Historisches Museum Bamberg. Bamberg
graphica Aureliana 10,16,19) 2000. (Veröffentlichungen des Stadtarchivs
Schweinfurt 14)

154 155
Kreis und Kugel Marienleben Nagler Wolfenbüttel, 1983. (Ausstellungskataloge der Her-
Rautenberg, Ursula (Hg.) Wiener, Claudia, Anna Scherbaum und Georg Nagler, Georg Caspar zog-August-Bibliothek Wolfenbüttel 40)
Kreis und Kugel. Illustrierte Bücher der Bibliothek Drescher (Hg.) Die Monogrammisten und diejenigen bekannten
Otto Schäfer. Eröffnungsausstellung vom 21. Okto- Andachtsliteratur als Künstlerbuch. Dürers Marien- und unbekannten Künstler aller Schulen, welche Ritter! Tod! Teufel?
ber 1991 bis zum 17. Mai 1992. Schweinfurt 1991 leben. Eine Ausstellung der Bibliothek Otto Schäfer sich zur Bezeichnung ihrer Werke eines figürlichen Breul, Wolfgang (Hg.)
zu einem Buchprojekt des Nürnberger Humanis- Zeichens ... bedient haben etc. 5 Bde., München Ritter! Tod! Teufel? Franz von Sickingen und die
Landgraf/Wendland mus. Bibliothek Otto Schäfer, Schweinfurt, 23. Ja- 1858-1879 Reformation. Landesmuseum Mainz, 21. Mai bis
Landgraf, Michael und Henning Wendland nuar bis 17. April 2005. Herzog August Bibliothek, 25. Oktober 2015. 1. Aufl., Regensburg 2015
Biblia deutsch. Bibel und Bibelillustration in der Wolfenbüttel, 20. November 2005 bis 29. Januar NDB
Frühzeit des Buchdrucks. Speyer 2005. (Veröffentli- 2006. Schweinfurt 2005. (Bibliothek Otto Schäfer Historische Kommission bei der Bayerischen Sander
chungen des Pfälzischen Bibelvereins 3) Schweinfurt: Ausstellungskatalog 21) Akademie der Wissenschaften (Hg.) Sander, Jochen (Hg.)
Neue deutsche Biographie. Bd. 1-, Berlin 1953- Dürer. Kunst – Künstler – Kontext. Städel Museum,
LCI Meister um Dürer Frankfurt am Main, 23. Oktober 2013 - 2. Februar
Kirschbaum, Engelbert (Hg.) Meister um Albrecht Dürer. Ausstellung im New Hollstein 2014. München, London, New York 2013
Lexikon der christlichen Ikonographie. 8 Bde., Germanischen National-Museum vom 4. Juli bis Luijten, Ger und Robert Zijlma (Hg.)
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des Germanischen Nationalmuseums 1960/1961) and woodcuts, ca. 1400 - 1700. Rotterdam Schauerte, Thomas (Hg.)
2
LgB Jost Amman book illustrations. Compiled by Deutschlands Auge & Ohr. Nürnberg als Medien-
Corsten, Severin, Günther Pflug und Friedrich Mende Gero Seelig. Edited by Giulia Bartrum and Marjo- zentrum der Reformationszeit. Eine Ausstellung der
Adolf Schmidt-Künsemüller (Hg.) Mende, Matthias lein Leesberg. 11 Bde., 2001-2012 Kunstsammlungen der Stadt Nürnberg, 24. April
Lexikon des gesamten Buchwesens. Zweite, völlig Hans Baldung Grien. Das graphische Werk. Voll- Leonhard Beck. Compiled by Guido Messling. bis 31. Oktober 2015, Stadtmuseum Fembohaus.
neubearbeitete Auflage. Bd.1-, Stuttgart, 1987- ständiger Bildkatalog der Einzelholzschnitte, Buch- Edited by Hans-Martin Kaulbach. 2 Bde., 2007 Begleitpublikation. Nürnberg 2015
illustrationen und Kupferstiche. Unterschneidheim Jörg Breu the Elder and the Younger. Compiled
LThK 1978 by Guido Messling. Edited by Hans-Martin Kaul- Schramm
Höfer, Josef und Kurt Rahner (Hg.) bach. 2 Bde., 2008 Schramm, Albert
Lexikon für Theologie und Kirche. 2., völlig neu Merian Der Bilderschmuck der Frühdrucke. 23 Bde., Leip-
bearb. Aufl., Sonderausg. 14 Bde., Freiburg 1986 Müller, Uwe, Georg Drescher und Michael Bucher Panzer zig 1920-1943
(Bearb.) Panzer, Georg Wolfgang
Luther Matthäus Merian d.Ä. – Ätzkünstler und Verleger. Annales typographici ab artis inventae origine ad Schreiber IV
Luther, Johannes Ausstellung der Bibliothek Otto Schäfer und des annum MD. Reprografischer Nachdruck der Aus- Schreiber, Wilhelm Ludwig
Titeleinfassungen der Reformationszeit. Stadtarchives Schweinfurt vom 27. April 2003 - 31. gabe Nürnberg 1793-1803. 11 Bde., Hildesheim Catalogue des livres xylographiques et xylochirogra-
Mit Verbesserungen und Ergänzungen von Josef Oktober 2004, Bibliothek Otto Schäfer. Schwein- 1963-1964 phiques. Leipzig 1902 (Schreiber, Wilhelm Ludwig:
Benzing, Helmut Claus und Martin von Hase. furt 2003. (Bibliothek Otto Schäfer Schweinfurt: Manuel de l’amateur de la gravure sur bois et sur
Durchgesehener Nachdruck der Ausgabe Leipzig Ausstellungskatalog 19) / (Veröffentlichungen des Reinitzer métal au XVe siécle 4)
1909-1913. Hildesheim, New York 1973 Stadtarchivs Schweinfurt 17) Reinitzer, Heimo
Biblia deutsch. Luthers Bibelübersetzung und ihre Schreyl
Luther-Lexikon Musper Tradition. Ausstellung in der Zeughaushalle der Schreyl, Karl Heinz
Leppin, Volker und Gury Schneider-Ludorff (Hg.) Musper, Heinrich Theodor Herzog August Bibliothek, 7. Mai bis 13. Novem- Hans Schäufelein. Das druckgraphische Werk.
Das Luther-Lexikon. Regensburg 2014 Die Holzschnitte des Petrarkameisters. ber 1983. Staats- und Universitätsbibliothek Ham- Herausgegeben von den Stadtgeschichtlichen
Ein kritisches Verzeichnis. München 1927 burg, 21. November 1983 bis 25. Februar 1984. Museen Nürnberg und dem Verein Rieser Kultur-
tage e. V. 2 Bde., Nördlingen 1990

156 157
SMS stellung 17. Februar bis 6. Mai 2012, Bayerische
Schoch, Rainer, Matthias Mende und Anna Scher- Staatsbibliothek. Luzern 2012
baum (Bearb.)
Albrecht Dürer. Das druckgraphische Werk. Her- WA
ausgegeben vom Germanischen Nationalmuseum Luther, Martin
Nürnberg. 3 Bde, München, Berlin, London, New Werke. Kritische Gesamtausgabe (Weimarer
York 2001-2004 Ausgabe)
Abt. 4. Schriften. 61 Bde., Unveränderter
Stadler Nachdruck. Weimar 2003-2007
Stadler, Franz J.
Michael Wolgemut und der Nürnberger Holz- WA Bibel
schnitt im letzten Drittel des 15. Jahrhunderts. Luther, Martin
2 Bde., Straßburg 1913. (Studien zur deutschen Werke. Kritische Gesamtausgabe (Weimarer
Kunstgeschichte 161) Ausgabe)
Abt. 2. Deutsche Bibel 1522-1546. 12 Bde.,
Thum Unveränderter Nachdruck. Weimar 2001
Thum, Veronika
Die Zehn Gebote für die ungelehrten Leut’. Beim Literaturnachweis WA und WA Bibel werden
Der Dekalog in der Graphik des späten Mittelalters nicht die Nachdruckjahre, sondern die ursprünglichen
und der frühen Neuzeit. München, Berlin 2006. Erscheinungsjahre angegeben.
(Kunstwissenschaftliche Studien 136)
Wendland
TRE Wendland, Henning
Krause, Gerhard und Gerhard Müller (Hg.) Bibelillustration. In: LgB2, I (1987), S. 354-362
Theologische Realenzyklopädie. Studienausgabe.
36 Bde., Berlin, New York 1993-2006 WLB
Bd. 1-17 = Teil 1, 1993 Strohm, Stefan (Bearb.)
Bd. 18-27=Teil 2, 2000 Die Bibelsammlung der Württembergischen
Bd. 28-36=Teil 3, 2006 Landesbibliothek Stuttgart. Abt. 2, Bd. 1. Die
deutschen Bibeldrucke 1466-1600. Stuttgart 1984
Verfasserlexikon
Wachinger, Burghart (Hg.) Wort
Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserle- „Das Wort sie sollen lassen stahn“. Bibeln aus
xikon. Zweite völlig neu bearbeitete Auflage. 14 Schweinfurter Bibliotheken. Ausstellung im
Bde., Berlin, New York 1978-2008 Gunnar-Wester-Haus und in der St. Johanniskirche,
31. Oktober 1996 - 1. Dezember 1996, und in
Vom ABC bis zur Apokalypse der Bibliothek Otto Schäfer, 3. Dezember 1996 -
Wagner, Bettina (Hg.) 2. Februar 1997. Schweinfurt 1996. (Veröffent-
Vom ABC bis zur Apokalypse. Leben, Glauben und lichungen des Stadtarchivs Schweinfurt 11)
Sterben in spätmittelalterlichen Blockbüchern. Aus-

158