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Unterricht 25.12.

Finanzielle Probleme: Ein Drittel der Studierenden ist wegen Corona wieder zu
den Eltern gezogen

www.businessinsider.de

17. Dez. 2020

Getty Images

Die Folgen der Corona-Pandemie sind auch für Studierende deutlich spürbar, wie
eine Befragung des Deutschen Zentrums für Hochschul- und
Wissenschaftsforschung (DZHW) zeigt.

Vor allem der Verlust oder die Einschränkung von Nebenjobs bringt viele junge
Menschen an Universitäten in eine Notlage.

Ein beträchtlicher Anteil von ihnen ist im Sommersemester 2020 zurück zu den
eigenen Eltern gezogen. Doch auch die haben oft nur begrenzt die Möglichkeit dazu,
für ihr erwachsenes Kind langfristig aufzukommen.

Ob im Einzelhandel, als Kellner oder hinter der Kinokasse — viele typische


Studierendenjobs fallen gerade weg. Andere, zum Beispiel die Tätigkeiten als
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Nachhilfelehrerin, Werkstudent oder Babysitter sind nur sehr eingeschränkt möglich.


Diejenigen Studierenden, die auf die Einkünfte aus ihren Nebenjobs angewiesen
sind, haben es seit der Corona-Krise und besonders jetzt, im zweiten, „harten“
Lockdown, also schwer.

Wie schwer, das haben nun Forscherinnen und Forscher vom Deutschen Zentrum
für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DHZW) in Hannover herausgefunden.
Ihre Studie ist nun in der Publikationsreihe „DZHW-Brief“ erschienen. Knapp 28.600
deutsche Studierende von 23 staatlichen Unis nahmen im Sommersemester 2020 an
der DHZW-Befragung „Studieren in Deutschland zu Zeiten der Corona-Pandemie“
teil. Von ihnen wollte die Forschungsgruppe um Projektleiter Markus Lörz unter
anderem wissen: Vor welchen Herausforderungen standen die Studis im
Sommersemester, das weitgehend digital stattfand? Wie ist es um ihre finanzielle
Situation bestellt? Und inwiefern beeinträchtigt die Corona-Pandemie eigentlich den
Erfolg im Studium?

Bei vielen sind die Eltern gefragt

Die Antworten, die Lörz und sein Team erhielten, geben teilweise Grund zur
Besorgnis. Fast 40 Prozent aller erwerbstätigen Studierenden geben an, dass sich
ihre finanzielle Situation verschlechtert hat. Hochgerechnet auf alle Studierenden in
Deutschland bedeutet das: 21 Prozent von ihnen sind durch Corona in eine
finanzielle Notlage gekommen — oder stehen zumindest vor einer
Herausforderung. Die Gründe dafür sind offensichtlich: Diese Studierenden sind
coronabedingt entlassen, unbezahlt freigestellt oder in Kurzarbeit oder vergleichbare
Arbeitszeitreduzierungen geschickt worden. 

Hilfe nehmen die betroffenen Studis der Befragung zufolge besonders von zwei
Institutionen entgegen — die eine staatlich, die andere familiär: Einige nehmen
Leistungen wie die BAföG-Aktualisierung, den zinsfreien KfW-Studienkredit oder die
Überbrückungshilfen in Anspruch. Zusätzlich sind bei vielen aber besonders die
Eltern gefragt. Wohnten im Wintersemester 2019/2020 nur 18 Prozent aller
Studierenden noch bei Mama oder Papa, erhöhte sich dieser Anteil im
Sommersemester 2020 auf 29 Prozent. Auch hier liegt der Grund auf der Hand: Wer
zurück zu den Eltern zieht, spart damit Kosten für Miete und Lebenshaltung. 

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Was die Forscherinnen und Forscher allerdings auch herausfanden, ist, dass viele
Eltern von Studierenden durch Corona ebenfalls weniger Geld zur Verfügung haben.
Fast ein Drittel der Befragten (32 Prozent) gab an, dass die finanzielle Lage der
eigenen Eltern sich im Laufe des Jahres 2020 verschlechtert habe. Eine
Dauerlösung kann der „Zurückzug“ demnach nicht sein — weil auch viele Eltern es
sich nicht langfristig leisten können, sämtliche Kosten für ihr erwachsenes Kind zu
tragen.

Risiko für einen Studienabbruch steigt

Doch was folgt nun aus all dem? Vor allem, dass viele der betroffenen Studis ihre
Perspektive an der Uni überdenken müssen, sagt Projektleiter Markus Lörz vom
DHZW. „Die Daten weisen jetzt schon darauf hin, dass insbesondere Studierende,
deren Erwerbssituation sich verschlechtert hat und deren Eltern zudem von einer
verschlechterten Einkommenssituation betroffen sind, häufiger über einen
Studienabbruch nachdenken.“ 

Den Ergebnissen zufolge fürchten besonders internationale Studierende an


deutschen Universitäten, ihr Studium möglicherweise nicht fortführen zu können. Um
daraus wirkliche Trends ableiten zu können, müssten Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftler genau beobachten, was in den kommenden Semestern passiert,
heißt es in der Studie. Vielleicht lässt sich anhand solcher Beobachtungen dann eine
Lösung entwickeln, die es mehr jungen Menschen ermöglicht, ihr Studium doch
erfolgreich abzuschließen — und mit einem besseren Gefühl in den Arbeitsmarkt zu
starten.

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