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Volksmusik | Thalia Theater Blog https://thaliatheaterblog.wordpress.

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Thalia Theater Blog

Der Premieren- und Festivalblog des Thalia Theaters Hamburg

Volksmusik

Foto: Krafft Angerer

Von Phuong Ngoc Nguyen Le

Zwei Dinge muss ich zunächst anmerken, bevor ich mit dem eigentlichen Thema des gestrigen
Abends fortfahre :

1) Ich muss zugeben, dass ich, bevor ich in dieses Stück hineinging, noch nie etwas von Rainald
Grebe gehört habe. Denn leider weise ich eine gewisse Ignoranz auf, was die deutsche Kabare -
Szene anbelangt (ja, Schande über mein Haupt). Ich kann mit Ach und Krach gerade mal drei Namen
aufzählen, habe noch nie den Quatsch Comedy Club gesehen und konnte auch noch nie so wirklich
über deutsche Komiker im Fernsehen lachen – vielleicht auch, weil in unserem Haushalt bei
deutscher Comedy immer weitergeschaltet wurde. Ich habe den vietnamesischen Humor immer als
sehr anders empfunden als den deutschen. Wir machen sehr ungerne politische Wi e, sind dafür
aber umso derber und lieben Situationskomik über alles. O o Waalkes war für mich aber immer ein
Highlight, der kommt meinem persönlichen Sinn für Humor eigentlich ziemlich nahe.*

2) Neben dieser ersten Wissenslücke, beläuft sich mein deutsches volksmusikalisches Verständnis auf
null. Zu den einzigen Kinderliedern, an die ich mich schwach aus meinen Grundschuljahren in
Deutschland erinnern kann, gehören „Hänschen klein“ und „Drei Chinesen mit dem Kontrabass“.

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Ich finde, Kinderlieder sind dazu da, um sie mit anderen zu teilen. Daheim gab es einfach nie diese
Möglichkeit. Und als junges Mädchen in der Fremde wuchs ich quasi ohne Kinderlieder auf.

Und so kam es an diesem Abend, dass ich zwei Stunden lang im Publikum saß und mich recht oft
darüber wunderte, warum zur Hölle je t alle wieder schallend auflachten. Vielleicht hä e ich mich
doch vorher intensiver informieren und vorbereiten sollen, dann hä e ich zumindest so tun können,
als ob ich mit den anderen lachte. Kennen Sie das Gefühl, wenn jemand in der Gruppe einen Wi
erzählt und alle finden es urkomisch, nur Sie wissen nicht so recht, wo denn die Pointe abgeblieben
ist? – Ja, so ungefähr erging es mir. Mickie Krause? Andrea Berg? Lindenbaum? … HÄ?!

Während die meisten um mich herum anscheinend in ekstatischer Nostalgie schwelgten, war ich
schwer damit beschäftigt, die Wortspiele von vor fünf Minuten zu dechiffrieren. Und hä e mir meine
Nachbarin nicht zugeraunt, dass die meisten Liedtexte umgedichtet wurden, wäre mir der
Unterschied nie aufgefallen. Ist das vielleicht gescheiterte Integration? Wie konnte all das nach 19
Jahren Aufenthalt, Schulbildung, Universitätsbesuch in Deutschland an mir dermaßen vorbeigehen,
fragte ich mich unwillkürlich. Tröstlich empfand ich es, als ein Interview auf der Leinwand von
jungen Menschen gezeigt wurde, die genau wie ich ratlos waren. Herr Grebe beweist hier sehr
eindeutig, dass traditionelles Liedgut über Generationen weitergegeben werden. Solche Lieder
werden heu utage aber immer weniger besungen und verschwinden so langsam aus den Köpfen
der Menschen, was mir zumindest zum Teil ihre Fremdheit erklärte.

Tro meines Unwissens bezüglich populärer Musik hierzulande (auch gängige Ballermann-Hits und
Fußball-Gesänge sind mir ein Rätsel) war es ein sehr erheiternder Abend. Fast fühlte ich mich
dazugehörig, als ich mit den anderen Zuschauern zunächst zaghaft, dann doch bestimmt bei „Der
Mond ist aufgegangen“ mitsingen konnte. Zum Glück wurde der Text eingeblendet! Und auch der
größtenteils aus Migranten bestehende Laienchor spielte sehr überzeugend und sympathisch
(Besonders Uwe war ein drolliger Blickfang) und hat zudem bewiesen: „Volksmusik kann heute sehr
Vieles sein und ist im globalen Zeitalter von nationalen Fesseln befreit“, wie das Abendbla zu Recht
bemerkte.

Der Abend hat mir gezeigt, dass ich noch viel lernen muss, über diese Kultur, in der ich doch schon
so lange verweile und mit der ich mich zukünftig intensiver beschäftigen muss und auch werde.
Danke, Herr Grebe, für diesen heiteren und sympathischen Crashkurs in deutscher Liedkunst und
Kultur.

Die Vorstellung wird auch am Mi woch, dem 19.2. im Thalia Theater gezeigt.

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* Für diejenigen, die sich für Vietnamesischen Humor interessieren:

Über Fräulein Le

Hey, I am Fräulein Le, creative teacher and Madame in charge of my own language school. Nice to
meet you!
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3 Kommentare zu “Volksmusik”

natalielazar
31. Januar 2014

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damit endlich jemand mit kommentieren anfängt:
hab ich gelacht bei deinem text! danke!

Antworten
jenniferk123
31. Januar 2014

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Super Text! Das mit den übermäßig en ückten Si nachbarn habe ich in „die + wir = europa“
auch erlebt. Da gab’s ein medley, neue deutsche Welle, und ich hab maximal 3 Lieder erkannt…

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Hat wohl auch was mit dem Alter zu tun. Oder wir haben echt beide was Elementares nicht
mitgekriegt. So oder so: Du bist nicht allein!

Antworten
jenniferk123
31. Januar 2014

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Super Text! Das mit den übermäßig en ückten Si nachbarn hab ich so ähnlich in „die + wir =
europa“ auch erlebt. Da gab’s ein Medley, neue deutsche Welle, und ich hab so 2 Lieder
erkannt… Hat wohl auch was mit dem Alter zu tun. Oder wir haben einfach Beide was
Elementares verpasst. So oder so: Du bist nicht allein!

Antworten

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 31. Januar 2014 von Fräulein Le in Allgemein.
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