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Aus dem Inhalt:

Rechtsradikalismus an der Uni?


Thema: Drogenpolitik und Freiheit
„Volksfeind“-Inszenierung in der Kammer
Diskussion: Gedanken zur Magdeburger Szene
Mutig: Willis neue Imagekampagne in Stadtfeld!
Inhalt
3 Zu diesem Heft
4 Ab heute wird zurückgesprayt!
Die alten Leiden des Willi P.
5 Staatlicher Rassismus?
Gedanken zum staatlichen Umgang mit Rassismus
7 Gegen Weltbank und IWF
Global Action Day in Magdeburg
8 Totgesagt und doch nie gestorben
Gedanken zur Magdeburger Szene
10 Sturm im Wasserglas
Imagepflege an der Uni
12 Die Freiheit, die sie nicht meinen
oder: Was zu Drogen noch zu sagen ist
16 Widerstand ist tanzbar!
Die Schnitter in Magdeburg
18 Von Wahrheitsliebe und Demagogie
Die „Volksfeind“-Inszenierung in der Kammer
21 Politik bizarr
24 Utopie wagen!
Gegenbilder zur Expo - Buchvorstellung
26 Zeitungsschau
28 Über den Tellerrand geschaut
Sommerlager der Aktion Sühnezeichen in Sankt-Petersburg
30 Demoaufruf zum 10.2.
34 Börsenfieber
Ein modernes Märchen
36 Termine
Zu diesem Heft
Ihr haltet nun die dritte Ausgabe des lichung der Naziübergriffe des letzten
Störenfried in den Händen. Euch erwar- Quartales haben wir uns diesmal dann
ten - wie immer - sorgfältig recherchierte doch erspart - Infos dazu gibt’s im Blaue
Artikel mit Hintergrundinfos aus aller Welt Archiv oder beim AKA.
Welt - nicht zuletzt aber aus Magdeburg. Zudem wollen wir mit dem Beitrag
Dabei ist uns diesmal ein besonderes „Totgesagt und doch nie gestorben“, der
journalistisches Schmankerl gelungen uns von „einigen Autonomen“ aus MD
- ein Exklusivbericht über die neuen erreichte, die Diskussion über die Zukunft
Methoden des uns hoffentlich noch lange der radikalen Linken in dieser Stadt er-
erhalten bleibenden OBs bei der Vorbe- öffnen. Schreibt uns Eure Meinung dazu,
reitung der Wahlkampagne 2001 (Leider berichtet, wie es weiter voran gehen
haben wir kurz vor Redaktionsschluß die könnte oder wo es noch klemmt. Wenn
schmerzvolle Nachricht erhalten, daß er wir verhindern wollen, daß das Jahr 2000
sich fortan nicht mehr um Politik, son- nur als eine Art Strohfeuer der linken
dern nur noch um die Liebe kümmern Szene in die (Lokal-)Geschichte eingeht,
will - ein Verlust für Magdeburg, dessen sollten wir gemeinsam versuchen, daß das
umfassende Bedeutung uns wohl erst Erreichte die Ausgangsbasis für endlich
zu spät bewußt werden wird.) Uns war wieder mal offensive Aktionen in MD
es vergönnt, Herrn P. auf frischer Tat wird. Immer nur Antifa-Aktionen sind auf
zu ertappen - beim Wände beschm - äh, die Dauer ermüdend, auch wenn uns das
verzieren in Stadtfeld. Näheres dazu auf Naziproblem auch im neuen Jahrtausend
Seite 4. mit Sicherheit weiterhin beschäftigen
Weiterhin haben wir einen Hinter- wird.
grundartikel zum Thema Drogen von den Und noch was Neues gibt’s zu vermel-
Jung­demokratInnen/JL erhalten, es gibt den: Das Blaue Welt Archiv eröffnet nun
einen Reisebericht vom Sommercamp in auch offiziell seine Pforten. Am 16.2. wird
der Aktion Sühnezeichen in St. Peters- Einweihung gefeiert. Zudem gibt es dort
burg und natürlich diverse Berichte über bereits am 25.1. eine Veranstaltung zum
Aktionen, die hierzulande im letzten Thema „Rechtsradikalismus in Osteuropa“
Quartal gelaufen sind. (gemeinsam mit AG JG und AZ) und am
Außerdem taten uns wunschgemäß wie- 2. März in Zusammenarbeit mit der FAU
der PolitikerInnen aller Schattierungen Magdeburg eine Erich-Mühsam-Abend.
den Gefallen, Vorlagen für unsere Rubrik Ansonsten bleibt uns nur noch, wie ge-
„Politik bizarr“ zu liefern. habt darauf hinzuweisen, daß ihr immer
Neu in dieser Ausgabe haben wir diesmal Texte & Termine zur Veröffentlichung im
Berichte zu zwei kulturellen Höhepunk- Störenfried einsenden bzw. Euch auch an
ten in der gewiß nicht als Kulturhaupt- der Redaktion beteiligen könnt. Kontakt-
stadt fungierenden Metropole MD - die adressen findet ihr auf der letzten Seite.
„Volksfeind“-Inszenierung in der Kammer
und das Konzert der Schnitter im Cam- Frohes Schaffen wünschen
pustheater.
Die ursprünglich angedachte Veröffent- Die Störenfriede

Editorial 3
Die alten Leiden des Willi P.:
Ab heute wird zurückgesprayt!
Es konnte einfach nicht mehr so weiter Schließlich war der kahlköpfige Täter zur
gehen. Trotz massiven Einsatzes der Tatzeit betrunken und konnte gar keinen
Sonder­einsatzgruppe Graffiti im leidge- klaren - geschweige denn rechtsextremi-
prüften Magdeburger Stadtteil Stadtfeld stischen - Gedanken fassen.
gelang es bis heute nicht, dem Unwesen Nicht zuletzt solche Hetzkampagnen sind
der jugendlich-verblendeten Schmierfin- schuld daran, daß amerikanische Journa-
ken Einhalt zu gebieten. listen oder gar Investoren einen falschen
Jetzt aber hat Willi P. endgültig die Nase Eindruck von unserer im Grunde geradezu
voll. Da weder seine Klagen gegenüber der vorbildlich friedlichen Stadt bekommen.
„Volksstimme“ über die verleumderischen Das meint auch der CDU-Stadtverordnete
Parolen an Stadtfelds Häuserwänden Gerhard Ruden, der folgerichtig Aufkleber
erhört wurden noch seine uniformierten für die Aktion „Noteingang“ in Magdeburg
bzw. Zivil-Bediensteten in der Lage sind, ablehnte, da diese den falschen Anschein
einem der dringendsten Probleme in dieser vermitteln würden, daß Magdeburg eine
Stadt Herr zu werden, dreht der mit dem Hochburg der Gewalt sei, in der solche
Titel „Oberbürgermei- Noteingänge not-
ster auf Lebenszeit“ „Ich sage immer: Image ist die halbe wendig wären.
liebäugelnde nun Miete. Dafür sollte jeder Magdeburger Die Volksstimme
kurz vor den Wah- etwas tun.“ hat das inzwischen
len den Spiess um. Herr Polte im Volksstimme-Interview auch geschnallt,
Er nimmt ab sofort vom 30.12.00 und „Gäste aus 22
die Sache - bzw. die Ländern in der Lan-
Spraydose - selbst in deshauptstadt“ über
die Hand und korrigiert die bolschewi- ihre Impressionen von der Stadt befragt.
stischen Hetzparolen höchstpersönlich Nahezu einhellig beschieden diese der
(siehe Titelbild dieser Ausgabe). Nachdem Stadt einen „herrlichen weihnachtlichen
er erst kürzlich seinen populären Namen Duft“, einen „toll restaurierten Bahnhof“
für ein Konzert gegen Rechts zur Verfü- und schließlich gar „Westniveau“. Zusam-
gung gestellt hatte, ist das nun schon der menfassend wurde Wilhelm Haberzettel
zweite Anfall von Zivilcourage unseres aus dem fernen, exotischen Österreich
obersten Imagewächters innerhalb nur zitiert: „Magdeburg ist eine Stadt, in der
weniger Tage! wir uns gerne aufhalten.“ Wenn das nun
Unterstützung erhält er dabei von seinem auch noch die Wirtschaftsasylanten und
Kollegen Püchel, der Versuche seitens der sonstigen Asylbetrüger begreifen würden,
PDS, das Ansehen der Stadt durch die bei daß sie hierher nur zu Kongressen (wie
den Stalinisten beliebten Methoden der alle von der Volksstimme Befragten) oder
Fälschung von Statistiken zu schädigen, als spendierwillige Investoren zu kommen
entschieden Einhalt gebietet. So wies er haben, hätte Magdeburg weit weniger
alle Versuche, die Ermordung des Punkers Probleme mit seinem Ruf!
Frank Böttcher als rechtsextremistische
Straftat einzuordnen, konsequent zurück.

4 Magdeburg
Staatlicher Rassismus?
Über die Wirksamkeit der an Stadtfelds gar nicht verstoßen kann, rund ein Drittel
Häuserwände gesprühten Meinungsäu- aller Straftaten ausmacht. Bezieht man
ßerungen zum staatlichen Rassismus, zudem das Durchschnittsalter (der weit
die Poltes Empörung hervorriefen, kann überwiegende Teil der Straftaten wird von
man durchaus geteilter Meinung sein. Menschen bis 30 Jahren verübt), die sozi-
Einen Wahrheitsgehalt muss man ihnen ale Lage und die größere Aufmerksamkeit
jedoch zugestehen. Zwar bekommt der/ der Polizei gegenüber AusländerInnen mit
die Normalbürgerin meist wenig mit bzw. ein, ergibt sich eine Kriminalitätsrate, die
will das auch gar nicht, da zumeist rassi- von der deutschen kaum abweicht.
stische Stimmungen in der Bevölkerung Wenn sich Politiker wegen wachsender
mindestens genauso weit verbreitet sind, Ausländerfeindlichkeit äußern, dann
wie unter Politikerinnen und sonstigen geschieht das i.d.R. lediglich aus Sorge
Staatsdienern. um den „Standort“, sei es Deutschland,
Wenn man sich allerdings die Reali- die Region oder eben Magdeburg. Gefragt
tät „unserer ausländischen Mitbürger“ sind nur die sogenannten „nützlichen
anschaut, findet man nur zu oft An- Ausländer“, nämlich denjenigen, die das
haltspunkte für staatlich geförderten Steuersäckel füllen helfen - entweder weil
Rassismus. Das fängt bei der Stimmungs- sie hier investieren wollen oder sie aber
mache gegen „Wirt­schafts­asylanten“ und Qualifizierungen besitzen, für die auf dem
„russische Mafia“ in den Parlamenten an, Arbeitsmarkt ein Engpaß besteht.
die sich durch alle Parteien zieht und Ebenso kann man das Verhalten der
die den Nährboden für rechtsradikale Polizei Ausländern gegenüber oftmals
Bauernfänger bildet. Auch in der PDS nur als rassistisch bezeichnen. Da gelten
wird neuerdings zwischen nützlichen
und weniger nützlichen Auslän­derInnen
unterschieden. So will die PDS-Vizechefin
Petra Pau nur denjenigen AusländerIn-
nen unbegrenzte Aufenthaltserlaubnis
in Deutschland gewähren, deren „Le-
bensunterhalt gesichert ist“ und damit
ihrer - Umfragen zufolge - in nicht unbe-
trächtlichem Maße ausländerfeindlichen
Wählerschaft gerecht zu werden.
Zudem wird oft mit frisierten Statistiken
argumentiert, nach denen die ausländi-
sche Bevölkerung in Deutschland eine
weit höhere Kriminalitätsrate aufweist,
als die inländische. Berücksichtigt wird
dabei eben nicht, daß allein der Anteil
der Verstößen gegen das Ausländerrecht
(also meist Überschreitung des Aufent-
haltsbereiches), gegen das ein Deutscher

Magdeburg 5
Personen mit ausländischem Aussehen Leserpost
von vornherein als verdächtig und wer- Mangels eigener Leserbriefe hat sich die
den weit öfter kontrolliert, als Deutsche Redaktion nun entschlossen, auf selbige
und bei Auseinandersetzungen zwischen in der Volksstimme zu antworten. Was
Deutschen und Nichtdeutschen haben aber nicht heissen soll, dass nun kein
letztere von vornherein schlechtere Interesse mehr an Reaktionen auf Artikel
Karten (siehe bspw. das Verhalten der im Störenfried bestehen würde...
Polizei beim Himmelfahrtspogrom in
Magdeburg). Auch wurden in der Vergan- In der Ausgabe vom 25.11. beschwert
genheit immer wieder Fälle bekannt, bei sich Johannes Stroth aus MD über die
denen ausländische Tatverdächtige durch „unerträgliche“ Art und Weise, mit der die
die Polizei geschlagen und gedemütigt Stadt auf das Thema Neonazis reagiert und
wurden. verlangt von den Stadtverordneten einen
Ob ein solches Verhalten von Polizisten Aufruf zu „einer kraftvollen Kundgebung
eher die Ausnahme oder aber die Regel gegen Rechts“.
ist, bzw. ob der Staat oder die persönliche Sicher, Herr Stroth, ist die Einschätzung
Einstellung der einzelnen Beamten dafür richtig, dass die Reaktionen der städti-
verantwortlich ist, darüber kann man si- schen Politiker in Magdeburg unerträg-
cher auch wieder streiten. Das kann man lich sind, jedoch ist das völlig normal.
jedoch nicht mehr, wenn man verschiede- Schließlich sind sie ja Politiker, denen ihre
ne staatliche Gesetze u.a. Bestimmungen Wiederwahl am Herzen liegt. Und dazu
betrachtet, wie z.B. das Asylrecht und das brauchen sie vor allem wirtschaftlich Erfol-
Grenz­regime insgesamt, die vor nicht allzu ge, auf die sie im nächsten Wahlkampf ver-
langer Zeit legalisierten „verdachtsun­ weisen können. Dabei macht sich eben ein
ab­hängigen Kontrollen“ im grenznahen fremdenfeindlicher Ruf der Stadt schlecht,
Raum, das Verbot für Taxifahrer, im da dadurch Investoren verschreckt werden
Grenzgebiet Menschen mitzunehmen, die könnten. Und ein solcher Ruf entsteht
sich nicht mit legalen Papieren ausweisen eben auch durch öffentlichkeitswirksame
können oder die Abschiebung von Folte- Demonstrationen gegen Rechts, da - wie
ropfern in die Staaten ihrer Peiniger. So uns z.B. Herr Ruden von der CDU beweist
haben in Abschiebehaft seit 1993 insge- (siehe vorangegangenen Artikel) - dadurch
samt 79 Menschen Selbstmord verübt, die ja erst der Anschein erweckt würde, diese
Zahl der an den Grenzen bei der illegalen Stadt hätte ein Problem mit Fremden-
Einreise nach Deutschland seit 1993 zu feindlichkeit.
Tode gekommenen beläuft sich auf etwa Wenn Sie also ernsthaft ein Zeichen gegen
100 Menschen. Somit übertrifft die Anzahl rechts setzen wollen, dann kommen Sie
die durch die (Mit-)Schuld des deutschen doch mit den „Frauen und Männern, die
Staates umgekommen AusländerInnen auf ein Signal warten“ einfach zu einer
sogar die der Opfer des Straßenmobs. der nicht allzu seltenen Antifa-Demon-
Ich denke, das dürfte doch zumindest strationen oder nehmen Kontakt mit den
ausreichen, jeden vernunftbegabten Menschen in MD auf, deren fast tägliches
Menschen, auch einen Herrn Polte, zum Brot es ist, Widerstand gegen rechten
Nachdenken über den Zusammenhang von Terror zu organisieren. Kontaktadressen
Staat und Rassismus anzuregen... finden Sie auf der letzten Seite.

6 Magdeburg
Gegen Weltbank und IWF
Global Action Day in Magdeburg
Am 26. September 2000 demonstrierten westlichen Industriestaaten nicht nur am
auch in Magdeburg rund 200 Menschen Konferenzort zu protestieren, sondern
gegen die Politik von IWF und Weltbank. auch in möglichst vielen überall auf dem
Mit einem Zug durch die Innenstadt Globus symbolische Aktionen gegen die
gaben sie ihrem Protest gegen die selbst- neoliberale Politik durchzuführen.
herrliche Politik der Mächtigen dieser Der nächste Global Action Day findet
Welt Ausdruck. Sie schlossen sich damit übrigens am 27.1. 2001 statt. Zu diesem
den internationalen Protesten gegen den Zeitpunkt tagt in Davos (Schweiz) das
IWF-Gipfel in Prag an. sogenannte Weltwirtschaftsforum (WEF).
Auch wenn die Botschaft von vielen Um- Wie schon beim letzten Treffen der „glo-
stehenden wahrscheinlich nicht so recht balen Führer“ soll auch diesmal versucht
verstanden wurde (die Öffentlichkeits- werden, durch Blockaden der Zufahrtswe-
arbeit ließ da wohl noch zu wünschen ge das Treffen zu behindern. Die geplante
übrig), ist es doch ein gutes Zeichen, daß Demo wurde bereits verboten, wogegen
hier in Magdeburg mal nicht wegen eines die Schweizer Anti-WTO-Koordination
Naziaufmarsches demonstriert wurde, allerdings Berufung eingelegt hat. Aus-
sondern die Politik der Herrschenden serdem wurde bekräftigt, daß die Demo
generell thema­tisiert wurde. in jedem Falle stattfinden wird, denn
Spätestens seit den spektakulären Pro- Widerstand läßt sich nicht verbieten!
testen in Seattle im vergangenen Jahr ist
es zur Tradition geworden, anläßlich der
Gipfeltreffen der Herrschaftsin-
stitutionen der vor-
nehmlich

Aktion 7
Totgesagt und doch nie gestorben
Nachdem die Staatsschutzabteilung, der in den Aufmarsch der Nazis. Am “Herrentag”
VS und Konsorten wahrscheinlich schon gab es Auseinandersetzungen mit Fascho-
mit der radikalen linken in Magdeburg hools, die mit Verletzten auf beiden Seiten
abgeschlossen hatte (siehe Ver­fassungs­ endeten. Am “Global-Action-Day” beteilig-
schutzbericht 99), haben wir dieses Jahr ten sich diesmal auch Leute in Magdeburg,
durchaus bewiesen, dass es uns noch gibt die Demo am 26.9. brachte rund 150 Leute
und wir noch handlungsfähig sind. Klar auf die Straße. Außerdem fand ein Fussball-
sind wir (noch) wenige, aber das wird turnier “kicken gegen iwf und weltbank” am
schon noch. 27.10. in der Goetheanlage statt. Schließlich
Das Jahr hat zwar ziemlich beschissen gab es eine Kundgebung mit anschließender
angefangen, als wir im Januar auf einer Mahnwache und weitere Aktionen gegen die
Kranzniederlegung der Nazis auf dem Abschiebung eines nigerianischen Oppositio-
Westfriedhof mit 25 Leuten auf ca. 100 nellen am 19. und 20.Oktober.
Faschisten trafen, aber im Laufe der folgen- Weiterhin ist mit dem “Störenfried” seit
den Monate haben sich unsere Aktivitäten diesem Jahr eine neue Zeitschrift am Start,
verstärkt und dabei sind ganz nette Sachen und auch die schon etwas länger erschei­nene
gelaufen. Zeitung “der Sündenbock” hat es endlich
geschafft, einigermaßen regelmäßig zu er-
Ein kleiner Rückblick... scheinen. Außerdem feiert das “Blaue-Welt-
Im letzten Jahr ist doch so einiges gelaufen. Archiv” demnächst seine Wiedereröffnung.
Ich denke da an die Kundgebung und Demo Die Chronik ist natürlich unvollständig
zum Gedenken an Frank B. am 12.02.00, an und es war (ist) noch weitaus mehr los. Es
der sich ca. 100 Leute beteiligten, an die ist spürbar, dass es (wieder) mehr aktive
(versuchte) Blockade von Bussen auf dem Gruppen und Menschen gibt (Konzis und
Weg zu einer DVU-Veranstaltung im Febru- Partys, Flugi­aktionen, Infoveranstaltungen,
ar oder die Demo gegen Luxussanierung, Voküs...) und auch direkte Aktionen schei-
Speku­lanten­tum und Sozialabbau am 11.03. nen zuzunehmen.
mit ca. 120 Menschen. Anfang Mai demon-
strieren 120-130 Menschen zum 8.Todestag Wie weiter?
von “Lampe”, am 17.06. brachten ca. 400 Um zum Thema zu kommen: Es stellt sich
Menschen ihren Protest gegen den NPD- uns die Frage, wie wir das erreichte Niveau si-
Aufmarsch zum Ausdruck, wobei die Route chern und erweitern können. Die Antworten,
der Nazis in der Nacht zuvor nahezu komplett die wir uns darauf überlegt haben, sind so alt
mit Antifa-Plakaten zugekleistert wurde. Am wie einfach. Doch wir halten sie für richtig
Tag des Aufmarsches schoß eine “Autonome und wirkungsvoll. Leute die Widerstand
Zelle Frank Böttcher” Leuchtspurgeschosse leisten wollen, sollten sich organisieren,

8 Magdeburg
sprich Gruppen
mit Freun­dInnen
gründen, oder
aktiven Gruppen
beitreten! (Am
Ende der Zeitung
findet ihr eine
Auflistung der
Gruppen und wie Meinung nach möglich, eine konstante
ihr sie erreicht.) Wenn ihr keinen Bock auf Widerstandskultur aufzubauen. Nur durch
feste Struk­turen habt, achtet auf Ankündi- Kontinuität und Zuverlässigkeit können wir
gungen und unterstützt Aktionen! Anziehungskraft nach aussen gewinnen.
Die aktiven Gruppen müssen transparenter Zum Selbstschutz ist zu sagen, dass wir
arbeiten (schreibt doch mal über eure Vor- auch dazu ganz nette Ansätze beobachtet
stellungen und Aktivitäten) und sich inter- haben, z.B. die Plakate “Organisiert den an-
essierten Menschen (ausgenommen natürlich tifaschistischen Selbstschutz” in Stadtfeld.
Bullen und Justiz) öffnen. Unterschiede Auch das kann nur ein ausbaufähiger Ansatz
zwischen den Gruppen sind völlig natürlich sein. So könnte mensch solche Plakataktio-
und machen die politische Landschaft erst nen auch regelmäßig bringen oder/und diese
richtig bunt. Jedoch nervt es ziemlich, dass durch Flugi- und Sprühaktionen erweitern.
diese Unterschiede immer wieder zu Spal- Auch ist uns nichts von einer funkti-
tereien führen. Sie sollten sich viel mehr onsfähigen Telefonkette bekannt, um auf
ergänzen und in konstruktiver Diskussion Fascho­übergriffe rechtzeitig reagieren bzw.
selbstkritisch zueinander stehen. Schließlich diese verhindern zu können. Klappt zwar
befinden wir uns doch alle auf der selben manchmal ganz gut (z.B. am Herrentag),
Seite der Barrikade. So sollten wir versuchen, aber eben nur manchmal. Auch könnten
mehr zusammen zu arbeiten, denn das könn- wir Spaziergänge organisieren, unseren Kiez
te unsere Wirksamkeit wesentlich erhöhen. weiterhin nazifrei halten und versuchen,
Nur gemeinsam sind wir stark!!! den Faschisten überall die “Strasse” (z.B.
öffentliche Verkehrsmittel, Innenstadt usw.)
Kulturarbeit und Selbstschutz zu nehmen. Ein weiterer Vorschlag wäre, die
Andere Punkte, die uns auf den Nägeln bren- Faschos gezielt zu verunsichern und einzu-
nen, sind Selbstschutz und “Kulturarbeit”. schüchtern (dazu hatte der “Sündenbock”
Zu beiden gab es schon prima Ansätze, aber schon ganz gute Ideen). Naja, das soll es
leider wurde in diesen Bereichen unserer erstmal gewesen sein.
Meinung nach zu wenig getan. Die Reggae- Wir wissen, dass sich unser Text ziemlich
partys, die Konzis im Winterhafen und im klugscheisserisch liest, alles alter Brei und
Knast oder die Vorträge und Veranstaltungen so. Ausserdem erweckt er den Eindruck,
waren (sind) Beispiele für Ansätze zu einer alles wäre ganz einfach, was es mit Sicher-
“Gegenkultur” zur herrschenden “Ellenbo- heit nicht ist. Doch wir glauben, dass die
gen-Kohlekultur”. Sicherlich gibt es einiges radikale Linke in Magdeburg den Tiefpunkt
an den Veranstaltungen zu kritisieren, z.B. überwunden hat und finden, wir sollten das
der Umgang untereinander, aber es sind erreichte Niveau halten und ausbauen. Auf
erfolgversprechende Versuche, die ausge- dass dies bloss der Anfang ist!
baut werden sollten. Wenn wir regelmäßig
Absprachen halten würden, wäre es unserer Einige Autonome aus MD

Magdeburg 9
Sturm im Wasserglas
Imagepflege an der Uni
Zur Zeit ist der Rechtsextremismus das ebenfalls Probleme. Die Volksstimme, sonst
Modethema in der deutschen Medien- eher für relativierende Berichterstattung
landschaft. Um da nicht abseits zu bekannt (die Zugehörigkeit zur konser-
stehen, veranstaltete die Volksstimme vativen Bauer-Verlagsgruppe mindert
in Zusammenarbeit mit der Otto-von- die journalistische Qualität der Zeitung
Guericke-Universität Magdeburg eine Po- stetig), veröffentlichte einen Artikel, der
diumsdiskussion zum Thema suggerierte, die Uni
Magdeburg sei eine
heimliche brau-
ne Hochburg.
Die geball-
te Wut der
Betroffenen
richtete sich
allerdings nicht
“Ausländerfeindlichkeit – Das Ende der gegen die verantwortlichen Redakteure,
weltoffenen Uni?”. sondern, wie könnte es anders sein, gegen
Im Vorfeld hatte der dort ebenfalls ein- die Verfasser des Infoblattes. Diese hatten
geladene Rektor der Uni, Prof. Dr. Klaus in der Tat an einer Stelle eine unglückli-
Erich Pollmann, geäußert, dass auf dem che Formulierung benutzt. In der Folge
Campus die Welt noch in Ordnung sei. wurden juristische Konsequenzen ange-
Speziell gegen diese Form der Verharmlo- droht und es entwickelte sich eine wahre
sung wandten sich zwei Studierende der Schlammschlacht mit Gegendarstellungen,
Universität in einem Infoblatt, das sie vor Rücktrittsfor­derungen, Instituts­versamm­
der Veranstaltung an alle Teilnehmer der lungen bis hin zu direkten Drohungen.
Veranstaltung verteilten. Dadurch wurde das eigentliche Anliegen,
Während der Veranstaltung selber ga- eine sachliche Auseinandersetzung mit
ben die Studierenden, Mitglieder des bestehenden Problemen zu beginnen,
Studentenrates der Uni Magdeburg, vollkommen verdrängt. Zwar kam als
weitere Erläuterungen zur Thematik ab. Folge ein intensiver Diskussions­prozess
Äußerungen ausländischer Studierender, in Gang, dieser jedoch fand überwiegend
eines Vertreters des StuRas der FH Mag- im Verborgenen statt. Denn nach außen
deburg Stendal und von Professoren des hin hatte Pollman längst erreicht, die
Instituts für Politikwissenschaft sahen ganze Angelegenheit so darzustellen, als

10 Magdeburg
ob die Uni durch maßlose Übertreibung und Skins reduziert, allenfalls wird dann
ungerechtfertigt in den Ruf eines braunen und wann noch auf die “neue Rechte” ver-
Rattennestes geraten sei. wiesen. Eigene Fremdenangst, heimliche
Was aber ist nun eigentlich dran an dem Faszination für das Militärische und die
Vorwurf, es gebe rechte Tendenzen an der Sehnsucht nach Sicherheit in autoritären
Uni? Es gibt einige Studierende, die sich Strukturen werden ausgeblendet und auf
offen durch szenetypische Kleidung als sich offen als rechts zu erkennen gebende
rechts zu erkennen geben, jedoch sind Personen projiziert.
sie in der absoluten Minderheit. Weitaus Daher rühren wohl auch die heftigen
größer ist die Gruppe der Studierenden, Reaktionen - getroffene Hunde bellen.
die sehr geschickt platte Parolen ver- Menschen, denen man plötzlich den
meiden, aber revisionistische Literatur Spiegel vorhält und ihnen ihre verdräng-
verwenden, die Wehrmacht glorifizieren, ten Widersprüche präsentiert, reagieren
streng autoritäre Strukturen befürworten in der Regel besonders emotional. Was
und sozialdarwinistische Thesen vertreten. also tun, um solche Dinge aufzuarbeiten,
Sie kleiden ihre kruden Ideen in rechts- damit der rechte Konsens in den Köpfen
konservative Argumentationsmuster, die aufgearbeitet und, wenn möglich, durch
oft logisch und überzeugend klingen, so Vernunft ersetzt werden kann?
dass politisch unbedarfte Studierende und Es nützt wohl nichts, diesen Leuten ihre
Dozenten die Brisanz solcher Äußerungen unbewußten Ängste und Ver­klem­mungen
gar nicht erst erkennen. So sickert rechtes vorzuwerfen, sondern ihnen Strategien
Gedankengut in Diskussionen, Referate zu zeigen, wie sie damit besser umge-
hen können. Dadurch kann man sie
gegen noch

extremere
u.ä. ein und gewinnt in den Köpfen Argumente immunisieren und deshalb
mancher Studierender Dominanz. Daher ist es notwendig, das Thema weiterhin
auch die Empörung über den Rechts­ öffentlich anzusprechen. Die vernagelten
extre­mismusvorwurf, denn viele derer, die Köpfe in der Wolle gefärbter Neonazis,
unbewußt rechts­konservative und neolibe- Revisionisten und Nationalisten kann man
rale Denkmuster übernehmen, halten sich so zwar nicht erreichen, aber zumindest
für waschechte Demokraten und halten alle die, die aufgrund mangelnden Wissens
Stiefelnazis für Kriminelle. jeden Blödsinn nachplappern und gar
Genau hier beginnt das eigentliche Pro- nicht bemerken, das man sie langsam in
blem, denn Rechtsextremismus wird in der Richtung neue Mitte, dann Konservativ
öffentlichen Diskussion und somit auch und schließlich Rechts lockt.
an der Hochschule auf militante Neonazis

Magdeburg 11
Die Freiheit, die sie nicht meinen
oder: Was zu Drogen noch zu sagen ist
Eigenverantwortung ist eins der meist auf, die Verfassungsmäßigkeit des Canna-
genutzten Schlagwörter, wenn es darum bisverbotes zu prüfen. Es legte dar, daß
geht, gesellschaftliche Probleme wie Mas- das Verbot von Cannabis bei gleichzeitigem
senarbeitslosigkeit und soziale Ungerech- Nicht-Verbot von Alkohol und Tabak gegen
tigkeit auf des Individuum abzuschieben. Artikel 3 des Grundgesetzes (Grundsatz
Wenn eine noch junge Frau am Ende ihres der Gleichbehandlung ) verstoße und des
Berufslebens noch Geld zur Verfügung weiteren der Artikel 2 Abs. 1 GG (freie
haben will, muß sie mittlerweile schon am Entfaltung der Persönlichkeit inkl. Recht
Anfang eine private Altersvorsorge tref- auf Selbstschädigung) verletzt sei, denn
fen. Und Menschen, die zu regelmäßigen - so das Gericht - jede habe ein „RECHT
Gästen auf dem Arbeits- oder Sozialamt AUF RAUSCH.“
werden, haben - so wird ihnen erklärt
- im Selbstmanagement versagt. Staat Drogentote sind
und Wirtschaft fordern Eigenverantwort- Drogenverbotstote
lichkeit. Und auch aus den Splittergrup- Da wohl kaum jemand bestreiten wird, daß
pen der Gesellschaft, die sich unter der es unmöglich ist, eine Gesellschaft ohne
Bezeichnung „links“ versammeln, hallt Drogen zu schaffen, stellt sich nun mehr
der Ruf nach Emanzipation und der oft nur noch die Frage, wie eine Gesellschaft
fehlinterpretierten Freiheit des Individu- mit Drogen umgeht. Darf sie überhaupt
ums. Fordert mensch aber nun im gleichen Mitspracherecht haben, wenn ein Indivi-
Zusammenhang die Freigabe aller Drogen, duum der Meinung ist, seinen körperlichen
verhallt der Ruf nach Selbstbestimmheit oder geistigen Zustand zu verändern? Da
zu oft. sich die BRD an die „Single Convation
on Narcotic Drugs“ von 1961 hält, sind
Selbstbestimmung heißt auch hier Stoffe wie Amphitamine, Cannabis,
„Recht auf Rausch“ Kokain, Halluzinogene, MDMA und wei-
„Zu den grundlegenden Sektoren mensch- tere im BtmG (Betäu­bungsmittelgesetz)
licher Selbstbestimmung gehört die zusammengefaßt und somit verboten.
eigenverantwortliche Entscheidung dar- Herstellung, Konsum und Handel finden
über, welche Nahrungs-, Genuß-, und bekanntermaßen aber dennoch statt, so
Rauschmittel der Bürger zu sich nimmt. unkontrolliert wie bei keiner anderen
Die Geschichte der Drogen belegt, daß Ware. Denn niemand prüft die Qualität,
die Menschen, obwohl der Konsum auch niemand prüft den Preis. Es gibt keine
erhebliche Probleme herbei führte, auf Verbraucherinnenaufklärung und keinen
den Gebrauch nicht verzichten konnten Konsumentinnenschutz. Wie verheerend
oder wollten. Der Rauch gehört wie Essen, sich das auswirkt, und daß somit das
Trinken und Sex zu den fundamentalen wahre Drogenproblem im Verbot der
Bedürfnissen des Menschen“, stellt das Stoffe liegt, zeigt sich am deutlichsten
Lübecker Landgericht im März 1992 fest an der „Teufelsdroge Nr. 1“, dem Hero-
und forderte das Bundesverfassungsgericht in. Da nie die bloße Substanz abhängig

12 Thema
macht oder gar tötet, entscheidet
darüber der Gebrauch. Hero-
in beispielsweise hinterläßt in
Reinform und korrekt dosiert
keine körperlichen Schäden. Im
allgemeinen schwankt der Rein-
haltsgehalt des Straßenheroins
zwischen 10 und 50 Prozent. Der
Heroinkonsumentin ist es somit
unmöglich, den Reinhaltsgehalt
exakt zu bestimmen, so daß sie
sich bei jedem Konsumakt ei-
nem nicht abschätzbaren Risiko
aussetzt. Über 70 Prozent der
„Herointoten“ sterben an einer
unbeabsichtigten Überdosierung
- „Verbotstote“. Überdies wird -
bedingt durch den hohen Preis
- auf risikoärmere Konsumformen
wie Rauchen oder Inhalieren
verzichtet, da hierfür größere
Substanzmengen nötig wären.
Diese Phänomen trifft auf jede
andere Droge ebenso zu. Kaum
jemand backt Haschplätzchen
anstatt sich eine Tüte zu drehen,
innerhalb der Subkultur werden durch die
und noch seltener trifft mensch Speed in
strafrechtliche Verfolgung weitestgehend
Kapseln verpackt an, um es schonend zu
unmöglich gemacht. Unter dem Verfol­
schlucken anstatt sich Nasenschleimhaut
gungsdruck, dem die „Szene“ ausgesetzt
und - wand zu ruinieren. Da die Straf-
ist, ist eine Drogensubkultur entstanden,
verfolgung und nicht die Substanz die
die im wesentlichen durch Mißtrauen, Be-
Konsumentinnen in eine gesundheitsge-
trug und Angst gekennzeichnet ist. Diese
fährdende Situation bringt, kann ohne
wiederum verstärkt die Isolation und erhöht
weiteres behauptet werden, daß die re-
die Wahrscheinlichkeit, von einem anfäng-
pressive Drogenpolitik in einschneidender
lich kontrollierten Gebrauch in die Sucht
Weise das in Artikel 2 Abs. 2 GG garantierte
abzugleiten. Die repressive Drogenkontrolle
„Recht auf körperliche Unversehrtheit“
schafft somit Süchtige. Wer die gesellschaft-
beeinträchtigt.
lich vorbestimmten Bahnen verläßt, wird
Sinn oder Unsinn der rausgekantet. Nettes Spiel. Nun dominiert
Drogenpolitik in der drogenpolitischen Diskussion aber
Der kontrollierte Umgang mit Drogen und die Prämisse, daß Selbstschä­digungen (denn
die Entwicklung stabiler Formen informeller nichts weiter ist der Drogenkonsum) minde-
sozialer Kontrolle und solidarischer Hilfe stens in dem Moment sanktionswürdig ist,

Thema 13
wenn übergeordnete Interessen des Gemein- gesundheit“ noch Verwendung findet, sollte
wohls verletzt sind. Maßgebliches Kriterium der geschichts­­bewußten Bürgerin bitter
ist hierbei die „Sozialschädlichkeit“ - als auf­stoßen. Betrachtet mensch, daß es ca.
vom Strafrecht zu schützendes Rechtsgut 100mal soviel „ Alkohol- und Nikotintote“
wird die „Volksgesundheit“ angegeben. als „Drogentote“ gibt, wird noch deutlicher,
Die sozialen Kosten sind Wegfall der Ar- daß Drogenpolitik wenig mit der Sorge um
beitsfähigkeit, Beschaf­fungs-, Begleit- und „Volksgesundheit“, geschweige denn mit
Folgekrimi­nalität und daraus resultierende der Bekämpfung von Drogen zu tun hat.
Versicherungsleistungen und der zu be- Vielmehr benötigt der Staat Sündenböcke,
an denen unmoralisches
Verhalten manifestiert
werden kann und die
zu einer solchen Be-
drohung aufgebauscht
werden können, um
Grundrechts­ein­schrän­
kungen zu legitimieren.
Der große Lauschan-
griff, Umkehrung der
Unschulds­vermutung,
Raster­fahndung, Wegfall
des Anfangsverdachtes,
Wohnungsdurch­su­chun­
gen ohne richterliche
Geneh­­migung, Video­
über­wachung des öffent-
lichen Raums, Beschnei-
dung des Asylrechtes...
law-and-order-Wahn
aufgrund einer imagi-
nären Drogengefahr.
Oder geht es dem wohl-
wollendem Staat nur
darum, den Spaßfaktor
im Leben seiner Mitglie-
der möglichst gering zu
halten? Schließlich ist
zahlende Polizei - und Justizapparat. Dies ja das anziehende an Rauschmitteln, daß
sind allerdings Kosten, die der Gesellschaft mensch mit ihrer Hilfe die Realität zumin-
aufgrund der Prohi­bitionspolitik aufgebür- dest subjektiv verlassen bzw. verändern
det werden, so daß nicht der Konsum als kann. Aber unsere Hauptaufgabe als treue
sozial schädlich bezeichnet werden darf, Staatsdienerinnen ist es ja, fit für den
sondern die repressive Drogenkontrolle. Ausbeutungsalltag zu sein und nicht unsere
Allein die Tatsache, daß der Begriff „Volks- Bedürfnisse zu befriedigen.

14 Thema
Der Mißbrauch des Themas Keine Alternativen in Sicht
Während das Hauptmerkmal der verschie- Nun tut sich ja in der Drogenpolitik doch
denen Jugendkulturen mittlerweile ist, noch etwas mehr. Hin und wieder wird an
wie oft und welche Drogen von den Gestal- neuen Modellen gebastelt. So fordern viele
terinnen genutzt werden, wird über Dro- Drogenpolitikerinnen für Heroinsüchtige
gen weiterhin nur in Form von Skandalen (was auch immer das nun heißen mag)
berichtet. Wissenschaftlich nicht belegba- „Stoff vom Staat“.
re Studien und angebliche Opfer, wie z.B. Dieses selektive Modell aber würde ca.
XCT-Tote, werden zur Panikmache benutzt 80% der Heroinkonsumentinnen - nämlich
und somit Aufklärung verhindert. Fast alle Gelegenheitsnutzerinnen - vom Zugang zu
denken bei einem wohlhabenden, nicht in ihrer Droge ausschließen und somit die
diesem Land geborenen Menschen sofort Logik - „je süchtiger, desto legaler und
an Drogen. Von dem schwarzen Kleindealer gesicherter der Zugang zum Stoff“ - nach
auf dem Schulhof, der einer ganzen Eltern- sich ziehen. Auch die oft als fortschrittlich
generation den Schlaf raubt, mal ganz zu gepriesene Forderung nach Fixerstuben
schweigen. Kann Drogenpolitik rassistisch hätte - in die Realität umgesetzt - fatale
sein? Und obwohl sie nichts anderes macht Folgen. Wie mensch in der Schweiz sehen
als Bedürfnisse zu befriedigen, wird die kann, steigen die Observierungsmöglich-
Drogendealerin zur meistgefürchteten keiten und damit die Repressionen mit
Kriminellen. Im schönen Magdeburg wurde der Erschaffung dieser Räumlichkeiten.
unlängst der stadtweite Platzverweis für Der Stoff würde knapp und nach der Lo-
ganze 14 Tage bei Drogendelikten einge- gik des Schwarzmarktes, die ja dadurch
führt. Vielleicht dürfen wir ja auch bald, nicht aufgehoben wird, Preis und Grad
weil wir Klamotten geklaut haben, unsere der Unreinheit des Stoffes erhöht. Aber
Heimatstadt für immer verlassen oder, um diesen darf sich die Konsumentin dann
in einer Stadt aufgenommen zu werden, wenigsten unter hygienisch einwandfreien
eine Haarprobe abgeben. Bedingungen spritzen.
Aber statt sich gemeinsam gegen den
Mißbrauch des Themas zu wehren, haben Gar keine Drogenpolitik -
die Menschen, die sich damit beschäfti- Freiheit, die wir meinen!
gen, nichts besseres zu tun, als sich zu Es gibt wohl noch viele Forderungen. Die
streiten, welche Droge gefährlicher ist und einzige aber, die das Drogenproblem lösen
immer wieder neue Definitionen für Sucht kann, ist die Freigabe aller durch das BtmG
zu kreieren. Während die Hanflobby ihre verbotenen Stoffe. Anstatt eines Verbotes
Droge als Heilmittel für Mensch und Wirt- könnten verbraucherinnenschützende
schaft lobpreist, werden Leistungsdrogen Regelungen treten. Damit wäre für jede
(Speed, Koffein, Kokain) in weiten Kreisen offengelegt, was sie denn gerade ihrem
toleriert und konsumiert, weil sie nicht Körper antut. Das Grundgesetz gebietet
berauschen und die Leistungsfähigkeit es. Aber Kapitalismus und somit die Aus-
steigern. Und ein Glas Rotwein am abend beutung des Menschen stehen ja bekann-
macht über hundert Jahre alt. Prost. termaßen konträr zur Freiheit des Indivi-
duums. Zu Risiken und Nebenwirkungen...
(jungdemokratInnen-junge linke
sachsen-anhalt, Nov. 2000)
Thema 15
Widerstand ist tanzbar!
“Die Schnitter” in Magdeburg
Im November war es endlich soweit: “Die die Castor-Transporte in Ahaus verhaftet
Schnitter” – in widerständigen Kreisen wurde.
wohl die Folk-Punk-Legende schlechthin – Hervorgegangen ist die aus Kassel stam-
beehrten Magdeburg mit einem fulminanten mende Formation Mitte der 90er Jahre aus
Konzert im Campustheater. Trotz der recht der Band “Stonehaven”. Damals beschlossen
beengten Räumlichkeiten war es ein rund- die damals eher als Gelegenheitsmusiker zu
um gelungenes Konzert, bei dem es die bezeichnenden Bandmitglieder, sich fortan
Schnitter schafften, den Saal von Anfang “hauptamtlich” der Musik zu widmen.
an in Stimmung zu versetzen. Sänger und Gitarrist Ralf Kemper hängte
Die Band ist in ihrer Szene diejenige, die seinen “Beamtenstatus auf Lebenszeit” an
ihre politische Botschaft am unge­schmink­ den Nagel und mit Bettina Weber kam die
testen verbreitet. Zum einen vertonte sie so ihre Musik so prägende Violinistin ins Boot.
manchen “Hit” aus Zeiten der Bauernkriege Da die Plattenfirma (Autogram Records) be-
oder der 1848er Revolution neu, der vielen fürchtete, daß der englische Bandname der
gelernten DDR-Bürgern noch aus dem Schul- Vermarktung deutscher Texte hinderlich sei,
unterricht bekannt gewesen sein dürfte. wurde mit »Die Schnitter« - in Anspielung
Aber auch eigene, aktuellere Texte (gleich- auf die Tagelöhner, die das Korn von den
wohl auch so manche 500jährige Liedzeile Feldern einbrachten und dem Schnitter, der
noch erstaunliche Aktualität besitzt), die die Seele der Sterbenden holte, ein ebenso
zum Mitsingen, –tanzen und –denken anre- passender wie origineller Name gefunden.
gen, haben sie in ihrem Re- 1997 erschien dann mit “Mähdrescher” die
pertoire. Dabei erste CD der Band – mit so herausragenden
kommt Stücken wie “Die Weber” nach Heinrich
ihre Musik Heine oder “Des Geyers Schwarzer Haufen”,
alles andere als einem bekannten Lied aus den Bauernkrie-
bierernst oder gar gen. 1998 folgte mit “Arg” (“Arg muss sich
belehrend daher, statt- der Bauer quälen”) der zweite, im letzten
dessen fehlt in ihren Kon- Jahr mit “Saat und Ernte” ihr “dritter
zerten selten ein Schuss Streich” – u.a. mit den “Moorsoldaten” oder
(Selbst-)Ironie. Jedoch der gar lustigen Polizistenhymne “Es lebe
propagieren die Schnitter hoch die Polizei” aus Zeiten der Sozialisten-
nicht nur singend den Wi- gesetze Ende des 19. Jahrhunderts.
derstand, sondern leben Im März 2000 ereilte sie ein herber
ihn auch. So mußte die Schicksalsschlag, als Bassist (und Bruder
Band bei ihrem 98er Kon- des Sängers) Peter Kemper an Herzversagen
zert in Köln auf Bettina verstarb. Ihm widmeten sie mit “Abschied”
Weber verzich- einen alten Traditional Song. Für Peter
ten, da diese übernahm dann Rainer Zink den Bass-Part.
bei den Pro- Ende letzten Jahres betraten die Schnitter
testen gegen Neuland. In Kassel hatte ihr erster Film

16 KULTur
“Ein Weihnachtslied” – eine mittelalterli-
che Horrorgroteske im Stile der bekannten Pressestimmen
„Dogma95“-Reihe - Premiere. Derzeit Schnittig auf Erfolgskurs! Protest-
arbeiten die Schnitter an einer neuen CD songs waren in den 60er-Jahren in
(Arbeitstitel: “Webstuhl des Lebens”), die Mode. Und Minne- oder Marktsänger
im Herbst 2001 erscheinen soll. braucht in den Zeiten des Internets
Hoffen wir, daß “Die Schnitter” mit ihrer wohl niemand mehr – könnte man
98er Tour-Devise “Widerstand ist tanzbar” meinen. Die Schnitter beweisen mit
noch so manchen müde gewordene(n) einer Mischung aus alten Stilen exakt
Linke(n) vor des Schnitters Bruder “Rück- das Gegenteil.
zug ins Privatleben” bewahren. (Sound Check 4/00)
Die Schnitter sind Überzeugungstä-
ter mit Gefühl für starke Musik und
Diskographie aufrüttelnde Texte!
1997 - Mähdrescher (Mitteldeutsche Zeitung, 22.02.00)
1998 - Arg Die Schnitter agieren trotz kriti-
2000 - Saat und Ernte scher Texte jedoch nicht bitterernst,
2000 - Ein Weihnachtslied (Vid) sondern beweisen, augenzwinkernd
2001 - Am Webstuhl des Lebens ironisch vorgetragen, dass sie auch
Potenzial als politische Kabarettisten
Weitere Infos: http://www.dieschnitter.de haben.
(Zillo 2/00)

KULTur 17
Von Wahrheitsliebe und Demagogie
Die „Volksfeind“-Inszenierung in der Kammer
Lange hat das Ensemble der “Freien kalpresse wie auch der einflußreichen
Kammerspiele” gebraucht, um Ibsens Hausbesitzervereinigung, jedoch beugen
Schauspiel “Ein Volksfeind” an die Öf- die sich dem mit Drohungen und Verspre-
fentlichkeit zu bringen. Nachdem das chungen agierenden Bürgermeister. Auch
Stück bereits Ende des letzten Jahres die die Bestrebungen des Arztes zuerst
seine Premiere haben sollte, hat es nun unterstützenden kleinen Leute wenden
endlich geklappt. Intendant Bunge und sich – nicht zuletzt unter dem Einfluß der
mit ihm einige Schauspieler gaben ihr Presse – schließlich gegen ihn. Dieser läßt
Abschiedsstück in der “Kammer”. sich davon aber nicht beeinflussen und
Das ist bedauernswert, denn mit dem verteidigt die von ihm erkannte Wahrheit.
“Volksfeind” ist den Kammerspielen ein Nachdem es ihm in einer Bürgerversamm-
Stück gelungen, das an alte Traditionen lung nicht gelingt, die “kleinen Leute”
der Nachwendezeit anknüpft, in dem es auf seine Seite zu ziehen, ergeht er sich
einem über hundertjährigen Stück ein in wüsten Beschimpfungen nicht nur der
ungeheuere aktuell-politische Brisanz städtischen Bürokratie, sondern schließ-
verleiht. Das ist freilich nicht allein lich der Mehrheit der Bürger, die er mit
Verdienst der Theaterleute, sondern vor Strassenkötern vergleicht – im Gegensatz
allem auch den politischen Zuständen zur geistigen Elite der “Pudelmenschen”.
geschuldet, die sich von denen Europas Zu letzteren zählt er vor allem sich selbst.
am Ende des 19. Jahrhunderts wohl nur Nachdem er nochmalige Versuche, ihn
unwesentlich unterscheiden. zur Rückkehr in die Gemeinschaft der
Die Handlung des Stückes ist kurz Bürger zu bewegen, abgelehnt hat, wird
erzählt. Doktor Stockmann, Badearzt seine Familie - aller Existenzmöglich-
einer aufstrebenden Kleinstadt, deren keiten beraubt – endgültig verstoßen.
Bürger in ihrem neuerrichteten Bad Stockmann sieht sich dadurch aber eher
hauptsächlich eine fleissig sprudelnde gestärkt (“Ein Mann, der meist allein
Geldquelle sehen. Die Lorbeeren für die steht, ist der stärkste!”) und verspricht
Errichtung des Bades heftet sich vor sich von seinen Söhnen, die er entspre-
allem der Bürgermeister – und Bruder chend erziehen will, spätere Genugtuung
des Badearztes – an die Brust. Jedoch und Rache an der städtischen Bürokratie.
entdeckt der seinem Bruder nicht sonder- Soweit gesehen, ist die Geschichte
lich zugeneigte Arzt, dass das Wasser des wenig spektakulär. Solche Geschichten
Bades hochgradig verseucht ist. Nur eine gehören schließlich zum Alltag der bür-
– mit hohen Kosten für die Bürgerschaft gerlichen Gesellschaft. Das interessante
verbundene - Verlegung des Bades kann an dem Stück ist die Bloßstellung der
da Abhilfe schaffen. Trotz Versuchen bürgerlichen Heuchelei, der Funktions-
seitens des Bürgermeisters, ihn daran weise von “freier” Presse und Demokratie,
zu hindern, bringt Dr. Stockmann den die letztendlich nichts anderes als die
Skandal an die Öffentlichkeit. Zunächst Herrschaft eines Filzes von Politikern,
hat er dabei die Unterstützung der Lo- wirtschaftlich einflußreichen Bürgern

18 KULTur
und städtischer Bürokratie darstellt. “demokratischer” Meinungsbildung. In
Dieser selbsternannten “kompakten Ibsens Stück werden (fast) alle Register
Mehrheit” gelingt es mittels gezielter gezogen: Bestechung, Beeinflussung von
Manipulation der Öffentlichkeit immer Familienangehörigen, öffentliche Ver-
wieder den Anschein von demokratisch leumdung, Entzug der Existenzgrundlage
legitimierten Entscheidungen zu erzeu- (durch die Entlassung sämtlicher Famili-
gen. Besonders deutlich wurde das in enmitglieder), Mobilisierung des Mobs...
der Szene der Bürgerversammlung, in Dr. Stockmann erscheint dagegen auf
der Dr. Stockmann “demokratisch” daran den ersten Blick als unbeugsamer, der
gehindert wird, seine Erkenntnisse zum Wahrheit und seiner “Vaterstadt” ver-
Bäder-Skandal darzulegen. Das Publikum pflichteter Mensch. Jedoch schon die Be-
wird dabei als “Volk” mißbraucht, unter handlung seiner Familienmitglieder läßt
das sich die einflußreichen Politiker ge- ahnen, daß es mit seiner Freiheitsliebe
mischt haben, die mittels Zwischenrufen, so weit nicht her sein kann. Letztendlich
demonstrativem Beifall oder Buhrufen entpuppt er sich in der Bürgerversamm-
und durch geschickte Übernahme der lung der Kämpfer gegen Bürokratie und
Versammlungsleitung den Ausgang der politischen Klüngel als ebenso machtbe-
Zusammenkunft in ihrem Sinne steuern sessen, wie seine Widersacher. Nicht der
und gleichzeitig den demokratischen Kampf um die Wahrheit treibt ihn, der
Schein wahren. sich zur geistigen Elite zählt, sondern die
Aber das sind nicht die einzigen Mittel Herausstellung seiner eigenen Verdienste,

KULTur 19
die er nicht entsprechend gewürdigt sah.
„Heut’ ist der Tag ein Gedicht“
Die “einfachen Leute” stellen auch für Im Anschluß an die „Volksfeind“-Vorstellung
ihn nur Schachfiguren im Spiel um die präsentierten die Kammerspiele noch ein
Macht dar. besonderes Schmankerl: den hierzulande bis
Das ist dann auch das brisante an der dato recht unbekannten Volkskünstler Gerd
Inszenierung, daß der Zuschauer sich Schneider. Leider konnte diese Würdigung nur
in der Schlußszene um seine Sympathie noch postum durch einige rührige Mitglieder
gegenüber dem standhaften Doktor betro- der Gerd-Schneider-Gesellschaft, die sich der
gen sieht. Das läßt sich dann auch an dem Sicherung und Wahrung des Erbes des beinahe
der Vergessenheit anheim gefallenen Meisters
verhaltenen Schlußbeifall ablesen, der
des Trivialen aus dem Herzen des Ruhrpott
nach dieser Szene einfach nicht stärker angenommen haben, erfolgen.
ausfallen konnte. Jedoch gelang es den Mannen um Mathias Herr-
Im Sück gab es dann auch ein paar Sei- mann in eindrucksvoller Weise einen repräsen-
tenhiebe auf Lokalpresse und -politiker, tativen Einblick in das vielseitige Schaffen des
die darum streiten, ob das Stadtzentrum oft unterschätzten Dichters, Komponisten und
nun untertunnelt oder überdacht werden Fotografen zu geben. Hermann interpretierte
soll. Jedoch ist das Stück – im Gegensatz selbst - begleitet von Marliese Reinhardt am
zu den Erwartungen vieler – weniger eine Schlüsselbrett - die anmutigen, zu Herzen ge-
henden Stücke der naturverbundenen Persön-
spezielle Abrechnung mit dem Magde-
lichkeit G. Schneider. Daneben gab Sven Reese
burger Lokalklüngel, sondern dürfte auf einige heitere Stücke typisch Schneiderscher
so ziemlich alle Städte übertragbar sein. Prosa zum Besten, deren Wirkung sich selbst
Der Verdienst des Stückes liegt vor allem der ansonsten mit dem nötigen Ernst zur Sache
darin, daß hier nicht die üblichen Erklä- gehende Herrmann nicht entziehen konnte. Ein
rungsmuster für den wachsenden Einfluß Diavortrag mit bisher unveröffentlichten Farb-
rechtsradikalen Gedankengutes dargebo- und Schwarzweiss-Fotografien sowie Auszüge
ten werden, sondern die Verstrickungen aus Tagebüchern aus Schneiders Wanderzeit
der selbsternannten Demokratiewächter, zwischen Ruhr und dem fernen Kanada rundete
den gelungenen Abend ab.
wie auch der “einfachen Bürger” selbst,
Leider wird Schneider in der Fachwelt noch
thematisiert werden. Der Einfluß rechter nicht der ihm gebührende Respekt gezollt,
Ideologen mit ihrer Verachtung jeglicher erschließt sich doch so manche Feinheit sei-
Demokratie beruht schließlich nicht zu- nes Werkes erst auf den zweiten oder dritten
letzt auf der alltäglichen Heuchelei der Blick. Etliche Details auf seinen Fotografien,
Politiker, die ihre Privatinteressen als Sor- der wahre Gehalt seiner oft zunächst etwas
ge um das Gemeinwohl ausgeben und dem schlicht erscheinenden Verse und Melodien
stummen Einverständnis bzw. täglichen erschließen sich erst nach intensiver Beschäf-
Wegschauen der Masse der Menschen. tigung mit der Materie. Dem Zuschauer dafür
den Blick geschärft zu haben, ist das Verdienst
der Gerd-Schneider-Gesellschaft, der  viel Kraft
Nächste Vorstellungen am 19. u. 20.1.01 und Erfolg zu wünschen ist, bei ihrem Ansin-
nen, das Schaffen dieses außergewöhnlichen
„Grenzgängers“ weiteren Kreisen zugänglich
zu machen.
Ein Muß für alle Freunde volksverbundenen
Schaffens und vielleicht ein Forschungsfeld für
die hiesige Germanistik-Fakultät!?

20 KULTur
Grün ist die Hoffnung!? ein Gespür für die nötige Cleverness heraus-
Endlich begreifen’s auch die Grünen - die bilden lassen. Sie wechselte vom Verein der
Politik hat sich den Realitäten zu stellen ewig nörgelnden AtomkraftgegnerInnen
und nicht nach Veränderungen zu streben, direkt zum modernen und innovativen
die von den Mächtigen im Lande nicht ge- Atomkonzern eon und verschafft diesem
wünscht sind. So bekennt Thomas Bichler, das Feigenblatt was dieser für etwaige
der neue Chef der Grünen in Sachsen- ewiggestrige aber heute durchaus zah-
Anhalt, im Volksstimme-Interview, daß er lungskräftige und einflußreiche Altacht-
nie ein „Autogegner“ gewesen wäre. Zwar undsechziger benötigt. Und Frau Röstels
hat er noch immer was an der „Kahlschlag- Schade wird es gewiß auch nicht sein...
politik der SPD-PDS-Regierung im Umwelt-
und Naturschutz“ rumzumäkeln. So meint Not macht erfinderisch...
er, daß der Elbeausbau so nicht akzeptabel In Nöte geraten ist das Agrarministerium
sei, daß man um diesen aber nicht herum- in Sachsen-Anhalt, nachdem sich die
kommt, das hat er auch eingesehen. Waldarbeiter zunächst recht lautstark ge-
Sein Kollege im Bundestag, Fraktionschef gen den geplanten Stellenabbau gewehrt
Schlauch, ist da schon etwas weiter. hatten. Nach zähen Verhandlungen ist
Er stellt sich gleich an die Spitze der man sich aber doch noch einig geworden:
Vordenker im neoliberalen Mainstream die Waldarbeiter im Landesdienst dürfen
und fordert, daß Unternehmer mit ihren in selbigem verbleiben. Lediglich einen
Betriebsräten auch Verträge abschließen Klimawechsel müssen sie in Kauf neh-
könnten, die eine Entlohnung unterhalb men. Statt frischer Waldluft dürfen sie
des Tarifniveaus zuließen. Bislang fällt nun gesiebte Luft atmen - als Schließer
das noch immer unter die Tarifhoheit der im neugebauten Knast in Rassnitz. Aber
„strukturkonservativen“ Gewerkschaften, Hauptsache Arbeit!
die die Probleme vor Ort gar nicht beur- ...und kennt kein Gebot
teilen können. Ebenfalls in Nöten sind hierzulande die
Das reicht jedoch noch immer nicht an Frau Krankenhäuser. Jedoch nicht mehr lange
Röstel heran. Mehrere Jahre an der Spitze - zumindest wenn es nach Vorsitzenden
der Bündnisgrünen im Bund haben bei ihr des Marburger Bundes
geht. Dieser forderte die
Krankenhäuser auf, ver-
stärkt Auslandspatienten
zu umwerben. Sie sollen
sich greise Ölscheichs ins
Land bzw. Bett holen,
schließlich nehme die
Zahl der über 60jährigen
weltweit stetig zu. Da
kann man die drohende
Überfremdung deutscher
Krankenanstalten durch-
aus in Kauf nehmen.

Politik bizarr 21
Lösung für das Glatzenproblem in Sicht!
Na Gottseidank! Nicht nur W. Polte wird aufatmen: Endlich gibt es ein Mittel gegen die
lästigen Glatzen. Wie in der Volksstimme vom 25.11. berichtet wurde, haben Forscher ein
Mittel gegen die Dumpfbacken entdeckt, das garantiert wirkt.
Damit dürfte sich (nicht nur) Magdeburgs Imageproblem in absehbarer Zeit erledigt ha-
ben. Und: keine lästigen Aufklärungskampagnen und Lichterketten mehr und auch keine
nächtlichen Fußballturniere. Kein Investor wird mehr über Magdeburg die Nase rümpfen!
Auch die Antifa wird arbeitslos und kann sich endlich mal vernünftigen Dingen widmen.
Die Lösung ist so einfach wie wirkungsvoll, eine Salbe, die das Problem mit der Wurzel
ausrottet. Wech ist sie, die braune Brut. Einen Haken hat die Sache allerdings: Das rezept-
pflichtige Medikament wurde - politsch nicht korrekt - mit Hilfe der Gentechnik entwickelt.

So nicht, Daniel! Aus Ninas Nähkästchen


Auf der Landesdelegiertenkonferenz der Auf die Frage eines Reporters der Süd-
Jusos in Thale im Oktober letzten Jahres deutschen Zeitung, was es eigentlich
richtete der neue Juso-Vize-Chef, Daniel heiße, deutsch zu sein, antwortete Nina
Winter, heftige Vorwürfe gegen den al- Hagen, 45, Sängerin:
ten Vorstand. Dieser sei „karrieristisch“
und von der „Neuen Mitte beeinflußt“. Für mich gehört zum Deutschsein der
Es sei ihnen nur noch um „Posten und Pioniergeist. Ich glaube, ich bin da meiner
Positionen“ und nicht um „inhaltliche Zeit weit voraus. Weil ich in Deutschland
Politik“ gegangen. Mit Verlaub, lieber ganz viele positive atmosphärische Plätze
Daniel, genau darum geht es doch in der sehe, und hier alles voll Öko ist. Ich bin das
Politik! Man sollte meinen, als Landesvize ja auch. Ich will, dass wir alle im Einklang
müsstest du das schon begriffen haben. mit Mutter Erde leben, die Menschen und
Deine Vorgänger dürften da etwas heller auch die Bienen. Und außerdem gibt mir
gewesen sein. Wenn du das nicht einse- das Land natürlich Zuflucht und Schutz,
hen willst, schaffst du nie den Weg durch wo doch überall auf diesem Planeten alles
bzw. in die neue Mitte. Denn genau dort voller Not und Krieg ist.
winken die Pöstchen, die sicher auch du
während deiner Karriere antreten willst. Alles klar?!
Unser Rat: dem Chef besser auf’s Maul (SZ vom 9.11.00 auf Seite 12)
schauen oder gleich in den A... kriechen!

22 Politik bizarr
Gedanken zum Gerech­tigkeitsbegriffs“. So hat man jetzt
Jahreswechsel... erkannt, daß „begrenzte Ungleichheit im Er-
...macht sich so manche Politikerin und auch gebnis“ eher stimulierend wirkt. Teddy Thierse
so mancher Politiker. Petra Sitte von der PDS will sich zwar noch nicht von den Grundwer-
z.B. hält es für an der Zeit, daß endlich nicht ten „Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität“
nur die Machenschaften der Regierung in verabschieden - sie müßten nur „zeitgemäß
Sachsen-Anhalt toleriert werden, sondern aktiv gefüllt werden“. Dem kommt das Mitglied der
auch von der PDS in einer echten Koalitionsre- SPD-Grund­werte­komission, Thomas Meyer,
gierung eingebracht werden können. Dazu soll sicherlich entgegen. Der hat nämlich schon
schon mal ‘Ausbeutung light’ gefördert werden, eine Übersetzung ins Neusprech gefunden:
indem Betrieben „Lohn­kosten­zuschüsse“ ge- „gerechte Ungleichheit“.
zahlt werden, anstelle die schöne Kohle bei Nur aus den Reihen der Grünen hört man kaum
ABMs zu verpulvern. (Da wird ja schließlich was innovatives zum Jahreswechsel. Aber die
nach Aussagen ihres obersten Dienstherren, haben ja schließlich das ganze Jahr über beim
Herrn Höppner, eh nur gegammelt.) „Denn Ar- Wettbewerb um den Titel „Neoliberalissimus
beitnehmer, die dazu fähig sind, sollten lieber des Jahres“ ganz vorne mitgemischt. Das
in Unternehmen, statt in Förder­maßnahmen bescheinigt ihnen auch der scheidende Chef
arbeiten.“ Wenn schon Ausbeutung, dann auch des Bundesverbandes der Deutschen Industrie
beim ‘richtigen’ Kapitalisten! (BDI), Hans Olaf Henkel, als er gegenüber der
Loser-Kollege Bergner von der einzig echten Presse äußerte: „Wer hätte denn ahnen kön-
Opposition im Landtag hingegen befürwortet nen, daß Oskar Lafontaine so schnell von der
weiterhin einen „offensiven Umgang“ mit dem Bildfläche verschwinden würde und die Grünen
Begriff der „deutschen Leitkultur“. Schließ- alles anstandslos mitmachen?“ Dem selbster-
lich sei beim gemeinen Ossi „das Bedürfnis klärten „Ordoliberalen“ und Fraktionschef der
nach Orientierung“ sehr groß. Auch wolle Grünen im Bundestag, Rezzo Schlauch, atte-
man sich davon abbringen lassen, das Thema stierte er gar Positionen „sehr nahe bei denen
„Ausländerpolitik“ im kommenden Wahlkampf der Arbeitgeber“. Damit ist dieser wohl ganz
zu einem zentralen zu machen. Schließlich heißer Kandidat für den Titel...
orientiere man sich
da nur an dem, was
auch „ein Thema in
der Bevölkerung“ sei.
Das wünscht sich zu-
dem zu einem nicht
zu vernachlässigenden
Teil auch einen neuen
Führer bzw. - da die-
ses Wort doch etwas
verbraucht ist - einen
neuen Leithammel.
Wär das nicht was für
Sie, Herr Bergner?
Auch bei der SPD ist
man emsig beim Grü-
beln. Nicht ohne Er-
folg! Erste Ergebnisse
gibt es bereits bei der
„Neudefinition des

Politik bizarr 23
Utopie wagen!
Gegenbilder zur Expo - Buchvorstellung
Da auch wir schon die derzeitige Visions­ dieser Entwicklung bescherte dem Kapital
losigkeit der Linken beklagt hatten, möch- zugleich auch eine tiefgehende Krise.
ten wir Euch diesmal ein Buch vorstellen, Derzeit wird versucht, durch verschiedene
das genau bei diesem Problem ansetzt. Es Ansätze diese Krise zu überwinden. Einer
handelt sich um ein Gemeinschaftsprojekt davon ist die Reintegration der schöp-
verschiedener AutorInnen, die der kapi- ferischen Initiative der Arbeitenden in
talistische Vision, wie sie auf der Expo den Produktionsprozeß, ein zweiter eine
propagiert wurde, eine emanzipatorische umfassende Flexibilisierung der vormals
Alternative entgegenstellen. starren Massenproduktion standardisierter
Begonnen wird da- Produkte.
bei mit einem kurzen Jedoch sind
Überblick über die die Möglichkei-
(Vor-)Geschichte der ten eines neuen
kapitalistischen Ge- Produk­t ivi­t äts­
sellschaft, die nicht schubes durch
zuletzt als eine Ab- ne u e P ro d u k -
folge von Epochen tionsmittel er-
dargestellt wird, die schöpft. Einen
durch bestimmte Pro- Ausweg aus dem
duktivkräfte dominiert Dilemma bietet
wurden bzw. werden. nur die Haupt­
Demnach unterteilt pro­d uktiv­k raft
sich die Geschichte - der Mensch.
in drei grundlegende Das haben auch
Epochen: die auf der die Kapitalisten
Landwirtschaft basie- erkannt und ver-
rende Natur-Epoche, suchen, die Krea-
die alle vorkapitalisti- tivität eines Teils
schen Gesellschaften der Angestellten
umfaßt, die industri- durch Erweite-
elle Mittel-Epoche des rung von deren
Kapitalismus und die noch zu realisierende Spielräume zu steigern. Gleichzeitig wer-
Menschen-Epoche. Die Entwicklung des Ka- den diese aber dem direkten Marktdruck
pitalismus ist dabei von einer Abfolge von ausgesetzt, wodurch diese Räume wieder
verschiedenen Maschinenformen geprägt, begrenzt werden und gleichzeitig die
deren letzte die moderne Algorithmusma- Verantwortung anonymen Marktkräften
schine des Computer darstellt. In diesem angelastet wird.
Prozeß werden die Arbeitenden immer Letztendlich kann es so nicht gelingen,
mehr ihrer eigenen Subjektivität beraubt, der Mehrheit der Bevölkerung eine Per-
bis sie schließlich selbst zu „Robotern“ spektive zu bieten. Dazu bedarf es einer
degradiert sind. Doch der Höhepunkt grundlegenden Umwälzung, die der umfas-
senden Vergesellschaftung der Produktion
24 BücherKiste
Rechnung trägt. Weltbank, WTO...) organisieren.
Dennoch sind die Wege, die die Linke bis Das eigentliche Gegenbild, das sie zum glo-
dato gegangen ist, allein wenig erfolgver- balisierten Kapitalismus entwerfen, basiert
sprechen. Das Problem des Kapitalismus zuerst einmal auf einem generellen freien
wurde zumeist auf die ungerechte Ver- Zugriffen auf sämtliche (wissenschaftlichen)
teilung des gesellschaftlichen Reichtums Erkenntnisse der Menschheit, wodurch ein
beschränkt. Nicht berücksichtigt wurde ungeheueres Potential freigesetzt werden
dabei, daß im Kapitalismus auch der Kapi- könnte. Zudem muß die „unsichtbare Hand“,
talist Zwängen unterworfen ist - nämlich von der die heutige Gesellschaft beherrscht
denen des Marktes. Dadurch wird dieser wird, von einer direkten Selbstbestimmung
zwar nicht zum Opfer des Systems, wichtig eigenverantwortlich handelnder Menschen
ist jedoch die Erkenntnis, daß es keine abgelöst werden, in der nicht mehr für einen
Lösung des Problems mittels „sozialerer anonymen Markt produziert wird, sondern
Politik“ oder gar Appellen an die Aus- konkrete Bedürfnisse den Ausgangspunkt der
beuter, sich mit etwas Produktion bilden.
weniger Profit zufrieden Gruppe Gegenbilder: Freie Menschen in Eine solche Gesell-
zu geben. Es gibt auch freien Vereinbarungen. Gegenbilder zur schaft muss sich aber
nicht den Kapitalisten, Expo 2000, A5, 192 Seiten, 19,80 DM. zunächst im Rahmen
gerade in den westli- Das Buch gibt’s auch als Download im der alten heraus-
chen Industriestaaten pdf-Format (allerdings 6MB) unter bilden. Als Beispiel
sind die Verhältnisse http://www.projektwerkstatt.de/to- für eine solche Ent-
wesentlich komplizier- paktuell/Expo/gegenbil.pdf wicklung wird hier
ter, da hier die Mehrheit das Betriebssystem
der Bevölkerung in Ausbeu­tungsprozesse Linux angeführt, welches schon heute nach
nicht nur als Opfer verstrickt ist. Auch den Prinzipien selbstorganisierter Kooperation
hat es wenig Sinn, irgendwelche Politker/ (weiter-)entwickelt wird.
ManagerInnen für bestimmte Mißstände Leider ist hier der Platz zu gering, um alle
haftbar zu machen. im Buch angesprochenen Aspekte darzule-
Konsequent weisen daher die Autoren gen. Auch vermisst mensch manchmal den
alle Versuche zurück, durch Teilhabe von berühmten ‘roten Faden’ zwischen den ver-
NGOs an politischen Entscheidungen, den schiedenen Kapiteln. Ans Herz legen möchte
Kapitalismus „nachhaltiger“ oder die Welt­ ich den LeserInnen das das Kapitel „Freie
wirtschafts­ordnung gerechter zu machen. Menschen in freien Aktionsgruppen“, wo die
Alternativen sehen sie nur in einer kon- immer wieder anzutreffenden Hemmnisse
sequenten Entwicklung eigener, unabhän- praktischer Arbeit in linken Basisgruppen
giger Aktions- und Vernetzungsformen. angesprochen werden, wie z.B. der Hang
Jegliche Versuche des „Systems“, Wider- zur Nischenbildung, die oft anzutreffende
stand durch Integration zu schwächen Desorganisation, die Entstehung von infor-
und letztendlich zu neutralisieren, sind mellen Herrschaftsstrukturen in formal herr­
von vornherein abzuweisen. Erfolgver- schafts­kritischen Gruppen, das Verharren in
sprechendere Ansätze sind internationale Ein-Punkt-Bewegungen oder auch der oft zu
Netzwerke wie z.B. People’s Global Action beobachtende Rückzug aus dem politischen
(PGA), ein eher loser internationaler Leben zu Beginn des Berufslebens usw.
Zusammenhang, in dem verschiedenste Hoffen wir, das den AutorInnen mit dem
Gruppen den Widerstand gegen die Insti- Buch der Anstoß für eine spannende Zu-
tutionen des globalisierten Kapitals (IWF, kunftsdebatte gelungen ist.
BücherKiste 25
kelüberschrift in einem der letzten Hefte.
Letzteres brachte dem Redaktions­­kollektiv
aber auch z.T. heftige Kritik ein - vor allem
Der „telegraph“ dürfte die wohl einzige aus dem antinationalen (west-)linken
Zeitung der Bürgerbewegung aus der Ex- Spektrum.
DDR sein, die nicht nur die Wende-Wirren, In der Rubrik „NowOsti“ erscheinen regel-
sondern auch die nachfolgende Jahre „deut- mäßig Kurznachrichten über den aktuellen
scher Einheit“ überlebt hat. Und das ohne Stand der „inneren Einheit“ bzw. Zwietracht
- wie eine Vielzahl der inzwischen zu Ideolo­ und in fast jeder Ausgabe gibt es Artikel zu
gInnen der „freien Marktwirtschaft“ konver- linken Initiativen oder rechten Schweinerei-
tierten ex-Bürgerbewegten - politisch Scha- en im Osten „diesen, unseren Landes“. Sehr
den zu nehmen. Zwar informativ sind auch immer Knobis Buch-
stand die Zeitschrift vorstellungen, die einen
zwischenzeitlich kurz guten Überblick über die
vor dem (finanziellen) Neuerscheinungen
Ruin, jedoch erscheint der unabhängigen
sie seit zwei Jahren linken Verlage geben.
wieder regelmäßig als In der letzten Aus-
„ostdeutsche quartals­ gabe (Nr. 101) war
schrift“. (Den alten Un- der Schwerpunkt
tertitel „behörden- und des Heftes das The-
unternehmerun­freund­ ma „postmoderne
lich“ fand ich freilich Kriegs­führung“ mit
sympathischer.) Analysen (nicht
Der „telegraph“ ist nur) zum Jugo-
noch zu DDR-Zeiten aus slawienkrieg und
den seit 1986 erschie- „information­ warfa-
nenen „Umweltblät­ re“ im Internet. In
tern“ entstanden und weiteren Beiträgen
wird auch heute noch von geht es um die aktu-
der Umweltbibliothek in Ost- ellen Entwicklungen
berlin herausgegeben. Im Gegensatz zu in Tsche­tschenien, Polen oder Mocambique
den oben erwähnten Ex-MitstreiterInnen oder um „Überlegungen, wie eine andere
aus der Zeit der Wende beschränken sich DDR möglich gewesen wäre“.
die MacherInnen des „telegraph“ heute Auch gehört der „telegraph“ zu den Pio-
nicht nur noch auf die Stasihatz (wobei nieren des Internet. Schon lange vor dem
aber das Thema Geheimdienste durchaus heutige WWW-Boom waren ausgewählte
einen zentralen Platz einnimmt), sondern Artikel im Netz zu lesen (http://www.
thematisieren vorrangig die Probleme der schliemann.com/telegraph).
heutigen Gesellschaft, wie z.B. Neue Rechte, Redaktion telegraph, Schliemannstr.23
neue Weltordnung oder die Situation in den 10437 Berlin;
Ländern der „zweiten“ bzw. „dritten“ Welt Email: telegraph@schliemann.com; Fon
und - nicht zuletzt mit dem Dauerbrenner 030/4445622; Fax: 030/4445623. Ein Jah-
„Kolonie Ostdeutschland“ - so eine Arti- resabo kostet 24 Mark.

26 Zeitungsschau
Contraste Ausgabe beschäftigt sich schwerpunktmä-
ßig mit den internationalen Protesten von
Diese inzwischen seit über 10 Jahren existie- Seattle bis Prag.
rende Zeitschrift mit dem Untertitel „Monats- Im Kleinanzeigenteil kann mensch Jobs in
zeitung für Selbstverwaltung“ wendet sich selbstverwalteten Betrieben oder Wohnmög-
primär an selbstverwaltete Projekte, sei es lichkeiten in Kommunen finden. Zusätzlich
nun eine „richtige“ anarchistische Kommu- gibt es seit 1985 die „Bunten Seiten“, einen
ne, eine wie auch immer selbstorganisierte alternativen Adreßreader selbstverwalteter
Lebensgemeinschaft, ein genossenschaftlich und selbstorganisierter Projekte und Betrie-
betriebener Fahrradladen oder einfach nur be, die zunächst als jährliche Zeitungsbeilage
am Thema Interessierte. erschienen und seit 1995 jährlich in Buch-
Entstanden ist die monatlich erschei- form herausgegeben werden.
nende Zeitschrift im Jahre 1984, auf dem Einziger Nachteil ist der Preis der Zeitung:
Höhepunkt der Entwicklung der Selbst­ stolze 10 Mark pro Ausgabe oder 80 im
ver­waltungsszene in der Bundesrepublik. Jahresabo. Für einen 10DM - Schein gibt es
Ursprünglich als „Wandelsblatt“ gestartet, ein 3 - Ausgaben - Probeabo, das sich nicht
mußte die Zeitschrift aber schon nach ihrer automatisch verlängert. Außerdem besteht
ersten Ausgabe den Namen ändern, da das die Möglichkeit, „Contraste“ im Blaue Welt
große „Handelsblatt“ gegen das nur wenig Archiv zu lesen.
verfremdete Logo der kleinen Alternativzei-
tung klagte und eine einstweilige Verfügung
gegen dessen Verwendung erwirkte. Aller-
dings hatte diese Aktion Goliaths gegen
David einen positiven Nebeneffekt: durch
die damit erreichte Popularität konnte die
Zeitschrift sofort einen hohen Abo­nennten­
stamm gewinnen.
Derzeit wird „Contraste“ von einer rund
40köpfigen Redaktion, die in mehreren
Städten quer durchs Land dezentralisiert ist,
in einer Auflage von ca. 7000 Exemplaren
herausgegeben.
In der Zeitschrift werden jedoch nicht nur
Themen behandelt, die einzelne Projekte
betreffen, sondern auch über den Teller-
rand der Szene hinausgeblickt. So wird
über Solida­ritätsprojekte in der „Dritten
Welt“, Initiativen im Bereich der Bildungs-
arbeit, Frauen/Mädchenprojekte, Ökologie
& fairer Handel, Tauschringe, Geschichte der
Genossen­schaftsbewegung usw. berichtet.
In letzter Zeit ist vor allem die „Krise der
Arbeitsgesellschaft“ und ihre Alternativen
in den Vordergrund gerückt. Die aktuelle

Zeitungsschau 27
Über den Tellerrand geschaut
Sommerlager der Aktion Sühnezeichen in Sankt-
Petersburg

Diesen Sommer verbrachte ich mit 20 jun- festgelegten Mindestrente), Verteilen von
gen Menschen aus Polen, Ukraine, Rußland Medikamenten, Hilfe im Haushalt und psy-
und Deutschland in Sankt-Petersburg, um chische Unterstützung. Allein in Sankt-
für zwei Wochen gemeinsam zu leben und Petersburg leben heute noch bis zu 10.000
zu arbeiten. Initiatorin dieses Sommer- Menschen, die unter der Repression Stalins
lagers war die Organisation Aktion Süh- zu leiden hatten. Davon sind aber nur
nezeichen Friedensdienste (ASF), die von 3000 Mitglieder von Memorial. Wie kommt
Vertretern/Innen des protestantischen Wi- das? Einerseits benötigen nicht alle Hilfe
derstandes gegen den Nationalsozialismus und außerdem spielt die Unterstützung
gegründet wurde und bis heute von den innerhalb der Familien oder auch durch
evangelischen Kirchen in Deutschland un- religiöse und andere Vereine eine wichti-
terstützt wird. Ziel dieser Begegnungen ist ge Rolle. Andererseits haben viele Angst
es, sich mit Jugendlichen anderer Länder zuzugeben, daß sie Opfer waren. Denn es
auszutauschen und gibt auch heute noch
mit gemeinsamer viele Anhänger des
Arbeit ein Zeichen alten Regimes, aber
für Toleranz zu set- auch großen Zulauf
zen. bei faschistischen
ASF bietet dazu Gruppierungen.
vielfältige Einsatz- Viele haben auch
möglichkeiten für Angst, daß die An-
ein Freiwilliges So- hänger des staatli-
ziales Jahr oder Zi- chen Terrors in Ruß-
vildienst im In- und Ausland an. Jedes land wieder die Macht ergreifen könnten.
Jahr finden Sommerlager statt mit den Der Faschismus ist in Rußland ebenfalls
Schwerpunkten: Arbeit in Gedenkstätten, ein großes Problem. Das wird – ähnlich
sozialen Projekten und im Bereich inter- wie bei uns in Deutschland - vom Groß-
kulturelle Begegnungen. Jeder Interessier- teil der Bevölkerung überhaupt nicht
te ist zur Mitarbeit herzlich eingeladen, wahrgenommen. Ganz wichtig finde ich
die Weltanschauung spielt keine Rolle. deshalb, daß Memorial seine Pforten auch
Die Partnerorganisation vor Ort in Ruß- für Jugendliche öffnet und sie in ihre Ar-
land ist Memorial. Sie ist in fast jeder beit miteinbeziehen will. Dort können sie
größeren Stadt zwischen Moskau und z.B. für Ältere einkaufen gehen oder im
Wladiwostok vertreten. Memorial ent- Haushalt helfen, sondern auch aus erster
stand in der Zeit des Umbruchs ´88/´89 Hand gelebtes Leben erfahren oder sich
und betreut Opfer des Stalinismus und in Seminaren zu entsprechenden Themen
Faschismus. Dazu zählt materielle Hilfe informieren und miteinander diskutieren.
(die meisten bekommen nicht mal die Das alles steckt zwar noch in den Kinder-
Hälfte der von der russischen Regierung schuhen. Jedoch können sich hier junge
28 PoliTour
Leute engagieren, was in einem Land, wo digung. Wieviel unschuldig geflossenes
die Arbeit mit Jugendlichen an letzter Blut die Erde von Lewaschowa tränkt, ist
Stelle steht, besonders wichtig ist. bis heute nicht eindeutig geklärt. Nach
Zudem ist Memorial eine der wenigen Schätzungen der damaligen Fahrer der
russischen Organisationen, die eine “Menschentransporte” belief sich die Zahl
eigene Antifa-Zeitung herausgibt. Au- auf 19.000 Opfer. Geht man nach den Un-
ßerdem sammeln sie in ihren Archiven terlagen des KGB müßten es über 40.000
viele Dokumente, Fotos... Memorial sieht gewesen sein. Sie waren Großbauern,
sich als landesweite Bewegung, deren Christen, Orthodoxe, Offiziere der alten
Hauptanliegen das Erinnern ist, damit die zaristischen Armee, Polen, Deutsche (oft
Zeit der furchtbaren Repressionen nicht angebliche Spione), Ladeninhaber, Linke,
vergessen wird. die den Kommunismus anders sahen und,
Unsere Gruppe hatte die Aufgabe, vier und, und... Gründe gab es genug für jeden.
Wohnungen von Opfern des stalinistischen Ein Zeitzeuge berichtete uns, daß sogar
Terrors zu renovieren. So konnten wir in dieser Zeit für jede russische Großstadt
ihren Alltag miterleben und einiges über eine Quote aufgestellt wurde, wieviel
ihr Leben erfahren. Julia und ihre Toch- Menschen zuviel in einer Stadt lebten (die
ter, 80 und um die 60 Jahre alt, leben in Planwirtschaft war damals berüchtigt).
einer Einraumwohnung. Das wenige Geld Die Quote lautete für Sankt Petersburg:
reicht nur für Brot, Kartoffeln und Tee. 14.000 Menschen. 4.000 wurden sofort auf
Möbel, Kleidung und sonstiges Inventar dem Gebiet von Lewaschowa erschossen,
war in einem maroden Zustand, ebenso die anderen 10.000 kamen ins Lager und
das Bauwerk selbst. das Terrorregime bereicherte sich an ihrer
Ich mußte in diesem Augenblick daran Arbeitskraft und baute somit auf ihren
denken, in welchem Reichtum dagegen die schwitzenden Knochen ihren Staat aus.
Mehrzahl von uns lebt. Trotz des armse- Grenzenloser Wahnsinn.
ligen, beschwerlichen Lebens freute sich Zum Andenken an die Greuel stehen heu-
Julia riesig, wenn sie für uns schwarzen te stellvertretend für die Herkunftsländer
Tee kochte und wir von ihren Kartoffeln der Ermordeten Denkmäler oder Kreuze. An
aßen. Ein breites Lächeln im Gesicht vom den Bäumen hängen Fotos, stehen Namen.
linken bis zum rechten Ohr. Sie erzählte Ein Baum für einen Toten.
uns, daß ihr Mann ein deutscher Ingenieur
war. Eines Tages wurde er abgeholt und Sankt-Petersburg hat aber auch erfreu-
sie wartete jahrelang vergeblich auf eine lichere Seiten zu bieten. Da reichen zwei
Nachricht von ihm. Nach dem Umbruch in Wochen wohl kaum aus, um alles zu sehen.
der damaligen Sowjetunion erfuhr sie, daß Sankt-Petersburg ist eine Kulturstadt von
er irgendwann zwischen ´37 und ´53 bei Weltklasse – mit ihren Sehenswürdigkei-
Lewa­schowa, in der Umgebung von Sankt- ten, wie das Winterpalais (auch als Ere-
Petersburg, ermordet wurde. Dort befindet mitage bekannt), die zahllosen schönen
sich ein Massengrab von unzählig vielen. Zwiebelkirchen, Klöster, Museen. Ein be-
Julia mußte damals mit ihrer kleinen sonderes Erlebnis war auch die Bootsfahrt
Tochter 10 Jahre in der Verbannung leben. auf der Newa entlang an alten schmucken
Von der Regierung kam bis heute kein Häuschen.
Wort des Bedauerns oder gar der Entschul- Der russische Kreuzer “Aurora” liegt

PoliTour 29
immer noch vor Anker, von dem aus im
Wer Kontakt zu ASF aufnehmen will,
Herbst 1917 das Signal zum Sturm auf das
kann dies unter folgender Adresse tun:
Winterpalais gegeben wurde und damit
die Oktoberrevolution einleitete. Auf dem
Aktion Sühnezeichen Friedensdien-
Nevskij-Prospekt läßt es sich auch schön
ste e.V.
flanieren, wo sich Tausende von Menschen
Auguststr. 80
tummeln wie Ameisen. In der Umgebung
10117 Berlin
der Stadt läßt sich ebenfalls Interessantes
Tel.:030/493028395184
entdecken, z.B. die Sommerresidenz des
e-mail: sommer@asf-ev.de
Zaren, Peterhof, große Parkanlagen und
oder einfach mal unter www.asf-ev.
auch die Ostsee ist nicht weit. Sonnen-
de gucken.
untergang am Meer. Unberührte Natur
gibt´s am Ladoga­see zu erleben, denn der
Wer Zugang zu Medikamenten (bitte
ist gleich um die Ecke.
keine verfallenen) hat, die für Memo-
Diese zwei Wochen werden mir fest in
rial gespendet werden können, melde
Erinnerung bleiben.
sich bitte bei der Redaktion!!!

Wut & Trauer zu Widerstand!


Gegen Nazi-Terror und staatlichen Rassismus
Aufruf zur Demo am 10.2.2001 in Magdeburg

In der Nacht vom 7. zum 8.2.1997 wurde der Punk Frank Böttcher in Neu-Olvenstedt,
einem Stadtteil der weit über Magdeburg hinaus als „National Befreite Zone“ gilt,
brutal von Faschisten ermordet. Seine Mörder lauerten ihm an einer Straßenbahn-
haltestelle, vor dem Krankenhaus, in dem sich Frank behandeln ließ, auf. Die
Nazis traten ihm die Schädeldecke ein (mehrere Schädelbasisbrüche) und stachen,
obwohl er seinen Verletzungen schon erlag, noch 7 mal mit einem Messer auf ihn
ein. Frank ist nicht das einzige Opfer rassistisch motivierter Gewalt in Magdeburg.
1992 überfallen 60 Faschisten, bewaffnet mit Stahlrohren und Baseballschlägern
eine Geburtstagsfeier und erschlagen den Punk Torsten Lamprecht.
Am Herrentag 1994 jagen Nazi-Hools und Faschos farbige Menschen durch die
Innenstadt und verletzen viele davon schwer. Die Polizei schaut zu und verhaftet
später auch die Opfer. In den Jahren 1998 und 1999 werden mehrere Wohnungen
von Punks und Linken überfallen und diese zum Teil lebensgefährlich verletzt. Die
Zahl der Opfer wächst!
Während der kontinuierliche Abbau der radikalen Linken in Magdeburg ab 1997 erst
zur Jahrtausendwende mit dem „Heranwachsen einer neuen Generation“ gestoppt
werden konnte, haben die Faschisten ihre Aktivitäten massiv verstärkt. Übergriffe
auf MigrantInnen, Punks, Linke, Obdachlose und alles „Undeutsche“ gehören hier
zum Alltag. Doch die Nazis beschränken sich auch in Magdeburg schon lang nicht
mehr auf Terror, sondern versuchen sich durch massive Öffentlichkeitsarbeit zu

30 PoliTour
etablieren.
Der Ortsverband der NPD & „freie“ Nationalisten führen regelmäßig Flugblatt und
Plakataktionen, Infostände (vor allem in den Neubaugebieten), Kundgebungen
& Aufmärsche in Magdeburg & Umland durch. Für die schön organisierten Nazis
werden Schulungsveranstaltungen (unter anderem mit dem Nazi-Terroristen Peter
Naumann) organisiert. Regionale Presse und Politik verhalten sich bisher absolut
fahrlässig den erstarkenden Nazi-Gruppierungen gegenüber. Rassistische Übergriffe
& Nazi-Terror werden wie fast überall in Deutschland ignoriert, heruntergespielt
und als unpolitische Einzeltaten hingestellt.
Dies verwundert jedoch nicht, da dieser Staat genauso rassistisch ist. Auch in
Magdeburg werden mehrmals monatlich Menschen in ihr Elend abgeschoben,
wie z.b. die derzeitigen Massenabschiebungen von KosovoalbanerInnen, die laut
Oberbürgermeister Willi Polte „alle samt Wirtschaftsflüchtlinge sind“.
Medienhetze gegen „Ausländerkriminalität und Asylantenschwemme“, gegen „linke
Chaoten“ oder gegen Punks, Bettlerinnen und sozial schwache Menschen, die als
Sozialschmarotzer hingestellt werden, fördert und erzeugt rassistisches Denken.
So bereiten Staat und Medien den Boden, auf dem die Nazis ihre menschenver-
achtende Ideologie verbreiten.

Antirassistische Aktionstage
Im letzen Jahr hat sich die radikale Linke in Magdeburg ein Stück weit stabilisiert
und gewinnt allmählich wieder an „Stärke“. Dies spiegelt sich im Entstehen neuer
Gruppen, Haus- und Zeitungsprojekte wieder. Es gelingt uns teilweise, linke Inhalte
und unsere Positionen öffentlich wahrnehmbar zu machen. Auch hat sich gezeigt,
dasz wir wieder in der Lage sind, die Faschisten in ihren Aktivitäten zu stören
oder diese zu verhindern. Um weiter aus der Defensive zu kommen organisieren
wir (Punks & autonome Gruppen) Anfang Februar Antirassistische Aktionstage.
In Flugblatt-Aktionen soll staatlicher Rassismus am Beispiel Magdeburg the-
matisiert werden. Außerdem sind eine Kranzniederlegung an Franks Grab und
Informationsveranstaltungen über den Mord an Frank und über Faschostrukturen
im Osten geplant.
Abschluss der Aktionstage soll eine kraftvolle (!!!) Demo am 10.2.2001 nach Olven-
stedt werden. Aus Erfahrungen ist damit zu rechnen, daß die Faschisten versuchen
werden, die Demo in Olvenstedt zu stören oder anzugreifen - wir vertrauen auf
eure Antifaschistische Solidarität!!!

Demo am 10.2.2001 in Magdeburg, Treffpunkt 14.00 Uhr Bahnhofsvorplatz

Wut & Trauer zu Widerstand!


Gemeinsam gegen Nazi-Terror und staatlichen Rassismus!!!

Autonome Gruppen

Aktion 31
Börsenfieber
Ein modernes Märchen. Von Klaus Britting

Es war um die Jahrtausendwende, als oder jene Aktie vielleicht überteuert sei,
immer mehr Menschen die Aktienkurse weil der Börsenwert des Unternehmens
verfolgten. Und weil sie hörten, daß man inzwischen beim Zweihundertfachen, ja
mit Aktien praktisch im Schlaf viel Geld sogar beim Tausendfachen des Gewinns
verdienen könne, kauften sie auch Aktien. liege, so wurde ihm von Leuten, die sich
Und immer mehr Menschen hörten dies, Analysten nennen, umgehend bedeutet,
kauften sich Computer und Börsensoft- daß er keine Ahnung habe. Schließlich
ware, lasen Börsenzeitschriften und gin- handle es sich um Zukunftsmärkte mit
gen ins Internet, um gleich online direkt ungeahnten Möglichkeiten. Und hier
bei ihrer Bank zu ordern. Und so stiegen müsse man beim Kurs-/Gewinnverhält-
die Aktienkurse unaufhaltsam. nis bitte schon ein bißchen weiter in
Und meinte jemand vorsichtig, daß diese die Zukunft blicken. Als schließlich die
BLIND-Zeitung, die ansonsten glücklich
war, wenn es ihr gelang, Microsoft von
Zewasoft zu unterscheiden, immer häufi-
ger von jungen Börsenmillionären in ihren
prächtigen Villen berichtete, stürmten die
kleinen Leute die Banken und baten die
Angestellten händeringend, doch einen
großen Teil ihrer Ersparnisse sofort in
Aktien anzulegen, weil sie auch so reich
werden wollten. Erfahrene Banker, die in
ihrem Leben mehrere Crashs erlebt hatten,
sprachen untereinander grinsend von der
sogenannten Dienstmädchenhausse, hüte-
ten sich aber, dies öffentlich kundzutun.
Verständlich.
Es geschah praktisch über Nacht. Der
amerikanische Notenbankpräsident erlitt
während einer wichtigen Rede einen Hu-
stenanfall, weil er vorher unvorsichtiger-
weise drei Stück Diätzwieback gegessen
hatte. Ein dabei ausgestoßenes Wortfrag-
ment wurde von niemandem verstanden,
deshalb als sehr negativ für den Markt
betrachtet, worauf der Dow Jones inner-
halb von 90 Minuten 420 Punkte verlor.
Am folgenden Tag brachen zunächst die
asiatischen, dann die europäischen Börsen
im Schnitt um sechs Prozent ein. Das führ-
32 Thema
te an der Wall Street zu einem weiteren suchten in immer größerem Ausmaß zu
Rückgang von acht Prozent, worauf die retten, was zu retten war. Und die Kurse
Asiaten mit einem Minus von neun bis sanken und sanken, bis einige Aktien, vor
zwölf Prozent konterten. Das ließ den DAX allem jene, deren Besitz als besonders cool
nicht ruhen, er stürzte um zehn Prozent. galt, bis zu 90 Prozent ihres Höchstwertes
Der Down Jones in New York ließ sich nicht verloren hatten. Da weinten viele kleine
lumpen und gab weitere sechs Prozent Anleger und schworen sich, nie wieder mit
nach, worauf der DAX am nächsten Morgen Aktien zu spekulieren.
schon in der ersten Stunde sieben Prozent Als die Kurse ganz unten waren, stiegen
verlor. Und in den folgenden Wochen fielen die Banken wieder ein, auch mit ihren
die Kurse immer mehr. Fonds. Und die Aktien begannen zu
Nun meldeten sich die Analysten zurück, steigen und zu steigen. Dann gaben die
wiesen auf die exorbitant gestiegenen Anaylsten in großer Zahl Empfehlungen
Kurse hin und meinten, der Rückgang für Aktienkäufe und meinten, daß man
sei natürlich vorhersehbar gewesen, so billig nie wieder kaufen könne. Und
man müsse mit weiteren Verlusten in der die Kurse gingen hoch und immer höher
nächsten Zeit rechnen. Die Kurs- /Gewinn- und die Analysten empfahlen, weiter
verhältnisse vieler Aktien seien geradezu einzusteigen. Und alle, die sich geschwo-
abenteuerlich hoch gewesen. Das hätte ren hatten, nie wieder mit Aktien zu
man nun wirklich klar sehen können. Die spekulieren, kauften wieder. Und wenn
Hausfrauen und die jungen Zocker, die in sie nicht gestorben sind, werden sie es
ihrem Leben nie einen Börsencrash erlebt immer wieder tun.
hatten, bekamen zittrige Hände und ver-
(Aus: Junge Welt vom 15.12.2000)

Junge Mode
Diesem un­scheinbaren jungen Mann behagte das unifor-
mierte Outfit seiner überwiegend kahlgeschorenen und
hohl­köpfigen Kameraden vermutlich nicht mehr so recht.
Deswegen verpasste er sich ein feschen kleinen Iro. Allerdings
schien ihm das auch noch
nicht so ganz zu gefallen,
weswegen er sich am
Abend des Magdeburger
Konzertes „Bunt statt
Ansicht von links Braun“ heimlich auf die
Pirsch machte, um Fotos
der vor der Johannis­kirche zahlreich versammelten
Punker-Models anzufertigen. Sicher wollte er sich
neue Anregungen für Frisur und Klamotten holen...
Das erscheint uns auch dringend nötig. Zur Abschrec-
kung dokumentieren wir hier, wie ein echter Punk Ansicht von hinten.
eben nicht aussieht.

Thema 33
Bunt statt Braun! obwohl in Togo seit über 30 Jahren der
Unter diesem Motto fand am 2. Dezem- Diktator Eyadéma an der Macht ist, der
ber in Dessau eine Demonstration gegen Regimekritiker systematisch „inhaftieren,
Nazigewalt statt. An der Veranstaltung foltern und töten“ läßt - nachzulesen
beteiligten sich über 2000 Menschen. Sie u.a. bei amnesty international. Dort
richtete sich auch gegen eine am gleichen kann man auch erfahren, daß Togolesen
Tag von Nazis angemeldete Kundgebung immer wieder „nach ihrer freiwilligen
„gegen Drogen und organisierte Krimi- oder zwangsweisen Rückkehr nach Togo
nalität“, wofür im schlichten Weltbild gefoltert und misshandelt“ werden. Für
der glattrasierten Hohlköpfe gemeinhin deutsche Behörden ist das meist jedoch
„der Ausländer“ verantwortlich gemacht kein ausreichender Grund, Flüchtlingen
wird. Ein zuvor schon ausgesprochenes aus dem westafrikanischen Land Asyl
Verbot der Naziveran­staltung wurde vom zu gewähren. Beihilfe zum Mord würden
Magdeburger Oberverwaltungsgericht JuristInnen das wohl nennen...
wieder aufgehoben.
Bereits einen Monat zuvor, am 4.11. Solikundgebung für Alabi
demonstrierten in Dessau fast ebenso Am 19.10.00 fand vor dem Innenministe-
viele Menschen gegen einen - kurz zuvor rium in der Halberstädter Straße eine So-
abgesagten - Naziaufmarsch. lidaristätskundgebung mit anschließender
nächtlicher Mahnwache für den von der
Demo gegen rechte Gewalt... Abschiebung bedrohten nigerianischen
Am 11.11. fand in Burg eine Demonstra- Oppositionellen, Adebayo Alabi, statt.
tion gegen rechte Gewalt statt. Unter den Dem Folteropfer wurde der Asylfolgeantrag
rund 500 TeilnehmerInnen waren auch vom Bundesamt für die Anerkennung aus-
zahlreiche Antifas aus Magdeburg, die ländischer Flüchtlinge in Halberstadt ab-
einige am Rande der Demo provozierende schlägig beschieden, da sich Nigeria nach
Glatzen attackierten. Dabei wurde auch Meinung von westlicher Menschenrechts-
ein Fahrzeug ihrer grün uniformierten Be- „Experten“ seit der Regierungsübernahme
schützer beschädigt. In der „Volksstimme“ durch Obasanjo im Mai 1999 auf dem
wurde darüber unter der Überschrift „Lin- Wege zur Demokratie befinde. Daß jener
ke randalierten bei Demo gegen Rechts“ allerdings die - mit Sicherheit demokra-
wie gewohnt ganz unparteiisch berichtet. tisch gefällte - Weisung gab, Mitglieder
des Oppo­sitionsbündnisses OPC, dem
...und gegen staatliche auch Alabi angehört,
Gewalt zu erschiessen, trübt
Am 19.12. gedachten rund hundert Togo- dieses Bild sicher
lesen mit einem Marsch durch die Mag- nur unwesentlich.
deburger Innenstadt eines Landsmannes, Schließ­lich gibt es
der in der Abschiebehaft in Salzwedel aus im rohstoffreichen
Angst vor der Deportation in sein Heimat- Nigeria höhere In-
land Selbstmord beging. Sie protestierten teressen, die es zu
damit auch gegen die Praxis deutscher berücksichtigen
Stellen, die immer wieder Flüchtlinge gilt.
aus Togo in ihr Heimatland abschieben,

34 Aktion
Magdeburger Ortsgruppe der Seit Ende der 70er Jahre sind in vielen Län-
FAU gegründet dern wieder Gewerk­schaftsorganisationen
In Magdeburg hat sich im November letzten entstanden, die sich am anarchosyndikali-
Jahres - nachdem schon längere Zeit ein stischen Konzept orientieren. Ein Großteil
Kontakt bestand - nun auch eine Ortsgruppe von ihnen ist in der Internationalen Arbei-
der Freien Arbeiter und Arbeiterinnen Union terassoziation (IAA) vereint.
(FAU) gegründet. Die FAU ist eine anarcho- In Magdeburg wollen wir zunächst vor allem
syndikalistische Gewerkschaftsinitiative, de- über verschiedenste Formen der Öffentlich-
ren Bestreben es ist, wieder unabhängige und keitsarbeit bekannter werden. Zudem wollen
kämpferische Gewerkschaften aufzubauen. wir mit Volx­küchen, Kleidersamm­lungen,
Dabei ist das anarchistisch orientierte Ge- Schaffung von Wohnmöglichkeiten für
werkschaftskonzept grundverschieden von Obdachlose ... aktive Selbsthilfe betreiben.
dem der etablierten Gewerkschaften. Zum Auch werden wir uns an internationalen
einen gibt es keine Trennung von ökono- Protesten, wie z.B. den Aktionstagen gegen
mischem und politischem Kampf, d.h die die Politik von Weltbank und -konzernen
FAU ist weder eine Arbeitsrechtsschutzver­ beteiligen.
sicherung mit Tarifaushandlungsoption á la Wir haben vor, monatlich eine Veranstaltung
DGB, noch ein „Transmissionsriemen“ irgend- und/oder öffentliche Mitgliederversammlung
einer Kaderpartei. Im Gegensatz zu letzteren durchzuführen. Dort könnt ihr uns bei In-
setzt die FAU auf das Prinzip der direkten teresse ansprechen oder ihr wendet Euch an
Demokratie und lehnt daher konsequent jeg- die Kontaktadresse auf der letzten Seite.
liche Stellvertreterpolitik ab. So gibt es keine FAU im Netz: http://www.fau.org
hauptamtlichen Funktionäre, alle organisa-
torischen Funktionen rotieren regelmäßig
und sind weitgehend dezentralisiert. Die FAU
setzt sich aus Orts- und Branchengruppen
zusammen, jedes Mitglied organisiert sich
da, wo es seinen Lebensmittelpunkt bzw. die
meisten Veränderungsmöglichkeiten hat, sei
es der Betrieb, die Erwerbslosengruppe, das
Wohngebiet oder die (Hoch-)Schule.
Ganz neu ist dieses Konzept freilich nicht.
Die Hochzeit der AnarchosydnikalistInnen
war die Zeit zwischen den zwei Weltkriegen.
So gab es Anfang der 20er Jahre in Deutsch-
land um die 150.000 Mitglieder in der FAUD,
einem Zusammenschluß verschiedenster
syndika­listischer Verbände - und Magdeburg
war eine ihrer Hochburgen. Am bekanntesten
wurden der Anarchosyndikalismus durch
die spanische Revolution von 1936. Diese
war - vor allem in Katalonien - weitgehend
durch die anarchosyndikalistische CNT mit
ihren weit über 1 Mio Mitgliedern geprägt,
bevor sie zwischen Stalinisten einerseits und
Faschisten andererseits zerschlagen wurde.

Aktion 35
ine - Termine - Termine - Termine - Termine - T
Rosa-Luxemburg-Konferenz 2001 Welt Archiv, Thiemstr. 13
„Menschenrechtsimperialismus“ und Wilhelm Weitling - ein kommunisti-
Gegenwehr scher Evangelist
13.1.2001 im Audimax der Humboldt- ELSA-Seminar zum 130. Todestag des
Universität Berlin Frühsozialisten, mit Wolfram Tschiche
Von 9 bis 15 Uhr Vorträge. Donnerstag, 25.01. im einewelthaus,
Podiumsdiskussion 15 Uhr - ca. 17 Uhr. Schellingstr. 3-4, Magdeburg
Thema: Die Linke und der Krieg - Schar-
pings willige Helfer? „Weg mit der NPD!“
Abends Konzert mit Madonnahiphop- Die NPD hat für den Jahrestag der
massaker, Parole Trixi, Jeans Team Befreiung des Konzentrationsla-
gers Auschwitz einen Aufmarsch am
Globalisierung und Proteste Holocaust­mahnmal angemeldet. Die An-
Diskussionsveranstaltung mit Freerk tifaschistische Aktion Berlin [AAB] ruft
Huisken (Prof. Uni Bremen), Thomas dazu auf, eine solche Verherrlichung
Ebermann (Publizist) und Maria Mies der NS-Verbrechen und Verhöhnung der
(Prof. Uni Köln - angefragt) Opfer nicht hinzunehmen.
13. Januar, 19 Uhr im SO 36 in Berlin- 27. Januar 2001, Berlin
Kreuzberg Nähere Infos unter www.antifa.de
anschließend Party mit drum’n’bass +
2step + house (Beginn 22 Uhr) Ökologie ohne Markt!
Seminar mit Besuch, Diskussionen und
Antifa-Jugendtreffen Rel. 6.0 Aktionen auf der „Grünes-Geld-Messe“
der VVN-BdA und VVdN-BdA Kritische Auseinandersetzung mit
am 13. Januar in Berlin in der Ellen- ökoneoliberalen Instrumenten, für
Key-Oberschule, Rüdersdorfer Straße ökologische und selbstbestimmte Wirt-
20-27, (S-Bahnhof Ostbahnhof) schaftsformen jenseits von Profit und
12:00 Uhr Eröffnungsplenum, ab 13:30 Vermarktung.
Uhr Arbeitsgruppen 25.-28.1. in Berlin
Luxemburg-Liebknecht-Demo Info: Institut für Ökologie, Fachbereich
14. Januar in Berlin, Treffpunkt des Wirtschaft & Politik, 06401/903283.
Antifablocks um 10:00 Uhr am Frank- Neue Perspektiven für die Befreiung
furter Tor der Frau
Nationalismus und Rechtsradikalis- Buchlesung mit Stefan Engel
mus in Osteuropa Samstag, 3.2., 17.00Uhr, Magdeburg.
am Beispiel SU/Rußland und Rumänien Genauer Ort kann unter 0391/7225249
- Vortrag & Diskussion erfragt werden.
Gemeinsame Veranstaltung von AG JG,
AZ und Blaue Welt Archiv
Donnerstag, 25.01., 18.00 Uhr im Blaue

36 Termine
Rechtsextremistische Strukturen in Esoterik und neue Rechte
der BRD bzw. Sachsen-Anhalt Wochenendseminar der jdjl-sachsen-
Vortrag & Diskussion anhalt
Montag, 5.2., 18.00 Uhr in der „Ulrike“, 23.-25.02.2001 in der JH Halle
Diesdorfer Str. 15
Das Herz in der Hand
Kranzniederlegung am Grab von Lieder nach Texten von Erich Mühsam,
Frank Böttcher vertont und vorgetragen von dem Mag-
Donnerstag, 8.2., 16.30 Uhr, Westfried- deburger Liedermacher Gregor Hause.
hof Neben seinem künstlerischen Schaffen
wird auch das Leben und Werk des an-
Was geschah ‘97?
archistischen Dichters vorgestellt.
Der Mord an Frank Böttcher
Eine Veranstaltung von FAU und Blaue
Vortragsveranstaltung des AKA
Welt Archiv
Donnerstag, 8.2., 19.00 Uhr in der Feu-
Freitag, 2. März, 19:30 im Blaue Welt
erwache Sudenburg
Archiv, Thiemstr. 13
Wut & Trauer zu Widerstand! Gegen
Interessenvertretung unter Anpas-
Nazi-Terror und staatlichen Rassis-
sungszwang
mus
ELSA-Tagung zur Zukunft der Gewerk-
Demonstration (siehe dazu den Aufruf
schaften in Verbindung mit der AG
auf S. 30/31)
Betrieb und Gewerkschaft
Treffpunkt 14.00 Uhr Bahnhofsvorplatz
Themen u.a.: Veränderung der Arbeits-
Eröffnung Blaue Welt Archiv wirklichkeit im Betrieb, Gewerkschaften
Offizielle Eröffnungsfeier in den neuen in der Globalisierungsfalle, Arbei-
Räumen in der Thiemstraße 13 ten ohne Ende, Anstieg unbezahlter
Freitag, 16. Februar, 18.00 Uhr Mehrarbeit unter dem Deckmantel von
Flexibilisierung
Referent: Richard Detjes, Forum Ge- Anzeige

Termine 37
werkschaften, Hamburg lismus und Rechtsextremismus
Samstag, 24.02., 10:00 Uhr im Haus der ELSA-Wochenendseminar in Kooperati-
Gewerkschaften, Otto-von-Guericke- on mit AIZ e.V. Dessau
Str.6 U.a.: aggressiver Nationalismus, Eta-
tismus und Führerkult, Freund-Feind-
Geschlechterverhältnisse
Schemata-Denken, Gewalt als Mittel
Wochenendseminar der jdjl-sachsen-
von Politik...
anhalt
Referent: Wolfram Tschiche
01.-03.03.2001 in der JH Dessau
Sa/So 17./18.03. in Dessau
Die europäische Sozialcharta
Castor-Alarm Information zu Ursachen, Zielen und
Nach letzten Informationen sollen Ansprüchen der Charta im Zeitalter von
zwischen dem 1. und 12. März Castor- Globalisierung und veränderter Arbeits-
Transporte von Neckarwestheim ins wirklichkeit
Zwischenlager Ahaus rollen. Vortrag mit Diskussion mit Uwe Hiksch
Also schon mal bereithalten - aktuelle Donnerstag, 22.3., 17:30 Uhr im Haus
Infos gibt’s z.B. unter: der Gewerkschaft, Otto-von-Guericke-
http://www.x1000malquer.de Str.6, Magdeburg
Vergangenheit, die nicht vergeht
- Geschichtspolitik der BRD in den
Landesversammlung 2001 von jdjl- 90er Jahren
sachsen-anhalt Zum öffentlichen Umgang mit der
03.03.2001 im AJZ Dessau Wehrmachtsausstellung
(Genaueres bitte erfragen) Vortrag und Diskussion mit Dr. Ulrich
Schneider, Kassel
Rosa Luxemburg und die revolutio-
Samstag, 24.3., 9:30 Uhr im einewelt-
näre Linke
haus, Schellingstr. 3-4, Magdeburg
ELSA-Seminar mit Wolfram Tschiche
anläßlich ihres 130. Geburtstages
Die sozialdemokratische Revolutionärin
im Spannungsfeld zwischen Bernstein
und Lenin.
Donnerstag, 8.3., 17:30 Uhr im eine- Anmerkung
welthaus, Schellingstr. 3-4, Magdeburg Wir möchten Euch an dieser Stelle
wieder aufrufen, uns rechtzeitig Eure
Das Schweigen der Dinosaurier Termine zukommen zu lassen - Kon-
Wie überlebensfähig ist die Gewerk- taktadressen findet Ihr auf der letz-
schaftsbewegung? ten Umschlagseite. Am günstigsten
Vortrag mit Diskussion, Referent: für uns ist natürlich eine Zusendung
Richard Detjes, per Mail, damit sparen wir uns das
Donnerstag, 15.3., 18:00 Uhr im Gale- mühselige Abtippen.
riecafe Schloßstraße, Dessau Redaktionsschluß für die nächste
Die historische Kontinuität von Rassis- Ausgabe ist der 15.März 2001.
mus/Antisemitismus im Nationalsozia-

38 Termine
Kontaktadressen:
AG Junge GenossInnen Freie ArbeiterInnen Union MD
Gerhart-Hauptmann-Str. 18 (Anarchistische Gewerkschaftsinitiative)
39108 Magdeburg c/o MAGMA,
Tel.: 0391/7333251 oder 0391/7317056 Postfach 1751,
Fax: 0391/7346152 39007 MD
Email: djannack@crosswinds.net Email: faumd@fau.org

Arbeitskreis Antifaschismus MD Harte Zeiten


(AKA) Offene Jugendzeitung
http://www.crosswinds.net/~akamagdeburg für Sachsen-Anhalt
bzw. www.antifa-md.de.vu Postfach 1106
Email: akamagdeburg@crosswinds.net 39328 Hermsdorf
Postfach 0834, 39104 Magdeburg Tel.: 0177 / 2434264
Fax: 039206 / 51004
Email: HarteZeiten@gmx.de
Autonomer Zusammenschluß MD http://www.atglobal.net/hartezeiten/
MAGMA, PF1751, 39007 MD
Email: azmagdeburg@hotmail.com
jungdemokratInnen - junge linke
Sachsen-Anhalt
http://www.jungdemokratinnen.de/lsa
Thiemstraße 13, 39104 MD c/o IVVdN, Ebendorfer Str. 3, 39108 MD
Email: Blaue-Welt-Archiv@web.de 0177/6378066 (Stefan)
Web: blaue-welt-archiv.exit.de Email: lsa@jungdemokratinnen.de
Treffen jeden Mittwoch um 19.30 Uhr im Büroöffnungszeit jeden Dienstag ab 17.00 Uhr
Archiv in der Thiemstraße 13 (Buckau) in der Ebendorfer Str.3
Der Rundbrief „Verhältnisse“ kann über o.g.
Adresse kostenlos bezogen werden.
Die Gruppe MD
Postfach 1943
Rechtsausschuß Magdeburg
39009 Magdeburg
Email: die_gruppe_md@gmx.de Email: RechtsausschussMD@gmx.net
http://www.die-gruppe-md.de http://www.rechtsausschuss-md.2xs.net/

ELSA (Bildungsverein Elbe-Saale) Rote Hilfe MD


Landesgeschäftstelle Email: magdeburg@rote-hilfe.de
Ebendorfer Straße 3 http://www.nadir.org/nadir/in-
Telefon und Fax: 0391/7324980 itiativ/rote-hilfe/magdeburg/
39108 Magdeburg
Email: bildungsverein.elbe-saale@t-online. Wabe e.V. (Wohnprojekthaus)
de Thiemstraße 13
39104 Magdeburg
Kneipe in der „Ulrike“ Wabe e.V. hat auch ein eigenes Café mit dem
dienstags Videoaband, donners­tags Knei- schönen Namen „ThiemBuktu“
penabend jeweils ab 17:30 Uhr, Öffnungszeiten:
Diesdorfer Str. 15 (Hinterhaus) Mittwoch und Sonntag ab 18.00 Uhr

Kontakte 39
Den Störenfried erreicht ihr über folgende
Kontaktadresse:

Der Störenfried
Postfach 1943
39009 Magdeburg

eMail: der-stoerenfried@gmx.net
Web: http://der-stoerenfried.exit.de