Sie sind auf Seite 1von 2

Stahlbau Arbeitshilfe 27.

4 Brandschutzverglasung

Das Glas
Aufgrund großer Temperaturdifferenzen zwi-
schen Scheibenmitte und Scheibenrand –
und damit verbundenen unterschiedlichen
Spannungsverhältnissen innerhalb der
Scheibe – zerspringt normales Glas (Floatglas)
im Brandfall schon nach recht kurzer Zeit, so
daß sich der Brand ungehindert ausbreiten
kann. Daher sind nur spezielle, auf den
Brandschutz hin optimierte Gläser, für die
jeweilige Verglasungsart geeignet. Folgende
Fabrikate kommen im Rahmen der jeweiligen
Gesamtkonstruktion zur Anwendung:

Tabelle 2: Brandschutzgläser

Fabrikat Merkmale/Aufbau Geeignet für


Verglasungen
der Feuerwider-
standsklasse

PYROSTOP Floatglasscheiben F 30/F 60/F 90


mit Brandschutz-
schichten
CONTRA- Isolierglas aus Ein- F 30/F 60/F 90
FLAM scheibensicher-
heitsglas und
Gelfüllung
PROMA- Floatglasscheiben F 30/F 90 Tabelle 3: Anwendungsbereiche von Brand- • das Deutsche Institut für Bautechnik,
GLAS mit Brandschutz- 10829 Berlin, Kolonnenstraße 30 L
schichten schutzverglasungen
• die Brandschutzdienststellen der Städte
Drahtglas Drahtgußglas G 30/G 60 F-Verglasungen G-Verglasungen und Kreise.
Drahtspiegelglas
PYRAN Borosilicatglas G 30/G 60/ Wände allgemein zu- Oberlichtverglasungen Die Organisation BAUEN MIT STAHL steht
G 90/G 120 gänglicher Flure, die als über 1,80 m ab Ober-
PYRODUR Floatglasscheiben G 30 Rettungswege dienen kante Fußboden Ihnen mit ihren Ingenieuren ebenfalls gern
mit Brandschutz- zur Verfügung
schichten Treppenraumwände Außen- u. Innenfassaden
Lichtöffnungen in (z. B. Lichthöfe), sofern • wenn Sie (z. B. im frühen Entwurfsstadium)
PYRO- Einscheibensicher- G 30
SWISS heitsglas Brandwänden keine Bedenken hin- eine firmenneutrale Beratung wünschen
CONTRA- Verbund aus Ein- G 30 sichtlich der Wärme- oder
FEU scheibensicher- strahlung bestehen • wenn Sie (auch im Gespräch mit den
heitsglas mit Folie
Eckbereiche winkelig Schrägverglasungen Behörden) die erforderlichen und ange-
angeordneter Gebäude messenen Brandschutzmaßnahmen bei
Außen- und Innen-
Kombinationen als Isoliergläser sind möglich. fassaden (z. B. Lichthöfe) einem konkreten Stahlbauprojekt ermitteln
Eine entsprechende bauaufsichtliche Zulas- Schrägverglasungen wollen.
sung als Bauteil geprüft muß vorliegen. Feuerschutztüren • Weitere Auskünfte erteilt:
(T30, T90)
Vielfach sind durch entsprechende Glaskom- Industrieverband Tore, Türen, Zargen
binationen weitere Funktionen und Anforde- Hochstraße 113-115, D-58095 Hagen,
rungen – beispielsweise im Hinblick auf Literatur: Telefon (0 23 31) 2 00 80
Schall-, Wärme-, Sonnen- und Einbruch- Stahlbau Arbeitshilfen
schutz – realisierbar. 2.1 Brandschutz für Stützen und Träger
2.2 Brandschutz bei Wänden
Anwendungsbereiche 2.4 Brandschutz für Decken
In erster Linie regeln die baurechtlichen Vor- 27.1 Fenster im Geschoßbau
schriften den jeweiligen Einsatz der Brand- 27.2 Sonnenschutz im Geschoßbau
schutzverglasung. Ansonsten obliegt der 27.3 Feuerschutz-Abschlüsse
örtlich zuständigen Bauaufsicht die Entschei-
dung hinsichtlich der erforderlichen Ver- Sicherheit: ausgereifte Technik
glasungskategorie. Grundsätzlich gilt, daß und qualifizierte Beratung
2. überarbeitete Auflage 7/02

zum Schutz von Personen und Sachen F-Ver- Die Mitgliedsfirmen des Deutschen Stahlbau-
glasungen zur Anwendung kommen müssen. Verbandes DSTV haben die Erfahrung, Sie Sohnstraße 65 · 40237 Düsseldorf
bei der Auswahl eines wirksamen und Postfach 10 48 42 · 40039 Düsseldorf
wirtschaftlichen Brandschutzes im Einzelfall Telefon (02 11) 67 07-828
fachmän-nisch zu beraten und diesen auszu- Telefax (02 11) 67 07-829
führen. In Fragen des baulichen Brand- Internet: www.bauen-mit-stahl.de
schutzes wenden Sie sich bitte an E-Mail: zentrale@bauen-mit-stahl.de
Stahlbau Arbeitshilfe
27.4 Brandschutzverglasung
Eine Gemeinschaftsorganisation von
stahlerzeugenden Unternehmen und dem
Deutschen Stahlbau-Verband DSTV

Transparenz und Brandschutz Um eine allgemeine bauaufsichtliche Zulas-


Ein lösbarer Zielkonflikt sung zu erlangen, ist es zuvor natürlich not-
Bevor Ende der 70er Jahre die Entwicklung wendig, das betreffende Bauteil komplett
bzw. Einführung der Brandschutzverglasun- bei einer staatlich anerkannten Materialprüf-
gen begann, waren Anforderungen hinsicht- anstalt zu prüfen. Auf die einzelnen Prüfkrite-
lich des vorbeugenden baulichen Brand- rien, die dabei erfüllt werden müssen, wird
schutzes nur durch den Einsatz massiver Bau- in folgender Tabelle 1 eingegangen.
teile aus Mauerwerk bzw. Beton realisierbar. 1
Die daraus resultierende Problematik, wie Tabelle 1: Prüfkriterien für Brandschutz-
beispielsweise fehlende Sichtverbindungen verglasungen gemäß DIN 4102 Teil 13
zur Beobachtung von Produktionsabläufen F-Ver- G-Ver-
sowie dunkle, nur durch elektrische Beleuch- glasungen glasungen
tung zu erhellende Treppenhäuser und Flure, 2
Prüfung nach ETK + +
schlugen sich letztlich in einem geringeren Kein Durchtritt von Flammen
Nutzungswert der Gebäude nieder. Dieser 3 auf die feuerabgekehrte Seite + +
Problematik sowie dem grundsätzlichen Kein Durchtritt von
Brandrauch auf die feuer-
Wunsch der Planer nach transparenter Ge- abgekehrte Seite + +
staltung, wurde durch Einführung von Brand- Thermische Isolation + –
schutzverglasungen Rechnung getragen. Wattebauschtest + –

4
Begriff der Brandschutzverglasung
Systemcharakter Der Unterschied zwischen F- und G-Vergla-
Brandschutzverglasungen werden als licht- sung liegt somit in der thermischen Isolation,
durchlässige Bauteile definiert, die aus einem d. h. in der Durchlässigkeit bzw. Undurch-
speziellen Rahmen, lichtdurchlässigen Ele- lässigkeit der Brandwärme auf die feuerabge-
menten (d. h. Brandschutzgläsern), Halterun- 5 kehrte Seite. Während bei G-Verglasung keine
gen, Dichtungen und Befestigungsmitteln be- Forderungen hinsichtlich des Durchtrittes der
stehen und je nach Anforderung eine Feuer- Brandwärme gestellt werden, darf auf der
6
widerstandsdauer von 30, 60 oder 90 Minu- feuerabgekehrten Seite der F-Verglasung die
ten aufweisen müssen. Temperatur innerhalb der Feuerwiderstands-
Hieraus ist bereits erkenntlich, daß es nicht dauer im Mittel nicht mehr als 140 °C über
ausreicht, ein Brandschutzglas in irgendeine 7 Ausgangstemperatur liegen. Im Hinblick auf
Rahmenkonstruktion einzusetzen. Vielmehr den Einsatz der jeweiligen Verglasungsart ist
muß die Gesamtkonstruktion, d. h. Glas, das Kriterium der Wärmestrahlung somit von
Rahmen, Verglasungsmittel sowie der jewei- zentraler Bedeutung.
lige Anschluß an das umgebende Bauteil den
brandschutztechnischen Anforderungen ent-
sprechen.

Rechtsgrundlagen
Der Einsatz von Brandschutzverglasungen ist 8 Verglasung „AS-Köln"
der Feuerwiderstandsklasse F 30 nach
in den Bauordnungen der jeweiligen Länder
DIN 4102. Zum Einbau in Wänden aus
geregelt. Begleitend hierzu gelten Sonderbau- Mauerwerk oder Beton
verordnungen sowie Verwaltungsvorschriften (Zulassungsnummer: Z-19.14-327)
und Richtlinien (z. B. Schulbau- und Sport-
stättenrichtlinie). Da Brandschutzverglasun- 1 Spezialstahlprofil RP 1572
gen gemäß DIN 4102 Teil 4 als klassifizierte 2 Glashalteleiste RP 5106
3 Silikon-Dichtstoff
Sonderbauteile gelten, muß deren Brauchbar-
4 PYROSTOP Brandschutzglas 1/30
keit nachgewiesen werden. 9 5 IBA-Spezialfüllkörper Nr. 5
Dies kann erfolgen durch: 6 IBA-Spezialfüllkörper Nr. 4
10
• Allgemeine bauaufsichtliche Zulassung, 7 Vorlegeband „Fiberfax“
• Genehmigung im Einzelfall durch die 8 Hartholz-Klötzchen
9 Mineralwolle (DIN 4102-A)
Oberste Bauaufsichtsbehörde des Bundes- 10 Wahlweise Versiegelung
landes, in dem die Verglasung zur Ausfüh-
rung gelangt.