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Klassische Ästhetik

Grundlagen einer autonomen Kunst


Klassische Ästhetik

Bild von John Baldessari: Pure Beauty (1967/68)

Thesen bzgl. der so genannten Weimarer Klassik


 Autonomie des Kunstschönen
 Weimarer Klassik als eine Art „Neoklassizismus“, da
Anknüpfen an formale Regeln der Renaissance und der
doctrine classique der französischen Klassik des 17. Jh.
 Künstlerische Harmonie erscheint als ‚sinnliche
Erscheinung‘ der ‚sittlichen Ordnung‘
 Der Kontrast zum „Sturm und Drang“ ist teilweise nur
scheinbar: Hier wie dort soll die weltimmanente Ordnung
aufgezeigt werden
 Wichtigste Vertreter der Autonomie-Ästhetik: Johann
Joachim Winckelmann, Karl Philipp Moritz und Immanuel
Kant
Klassische Ästhetik
Winckelmann in Thesen
2. ästhetische Überlegenheit des griechischen Altertums
gegenüber der römischen Antike
3. deutsche Künstler sollen sich an griechischen Vorbildern
orientieren (gegen kulturelle Hegemonie des
französischen Barock-Klassizismus)
4. Charakteristika griechischer Schönheit: ‚edle Einfalt‘ /
‚stille Größe‘
5. Kunstschönheit bringt Sittlichkeit zum Ausdruck
(stoizistische Ethik)
6. Schönheit ist rational erfassbar, daher sind die
Geschmacksnormen überzeitlich gültig und unabhängig
von der jeweiligen Kultur
7. Kunst ist Idealisierung der Natur
Klassische Ästhetik

Kant in Thesen
2. man kann niemanden zwingen, etwas als schön zu
empfinden; dennoch geht jedermann davon aus, dass
sein Geschmack mit dem der anderen identisch sein
muss
3. ‚Form‘ des ästhetischen Urteils: Wahrnehmung einer
‚Zweckmäßigkeit ohne Zweck‘ als ‚Form‘ der ästhetischen
Wahrnehmung: ‚interesseloses Wohlgefallen‘
4. Kunstschönheit ist ‚Symbol des Sittlich-Guten‘
5. ästhetischer Komplementär-Begriff zu ‚Schönheit:
‚Erhabenheit‘
Klassische Ästhetik
Klassische Ästhetik

Die Laokoon-Gruppe
Mythologischer Hintergrund:
Laokoon als Priester Apollons, warnte Trojaner, das Pferd
hineinzulassen. Apollo schickt Laokoon und seinen Söhnen
zwei Riesenschlangen, da jener auf der Seite der Griechen .
Klassische Ästhetik

Winckelmann über Laokoon


So wie die Tiefe des Meers allezeit ruhig bleibt, die Oberfläche
mag noch so wüten, ebenso zeiget der Ausdruck in den Figuren
der Griechen bei allen Leidenschaften eine große und gesetzte
Seele. Diese Seele schildert sich in dem Gesicht des Laokoons,
und nicht in dem Gesichte allein, bei dem heftigsten Leiden. Der
Schmerz, welcher sich in allen Muskeln und Sehnen des
Körpers entdecket, und den man ganz allein, ohne das Gesicht
und andere Teile zu betrachten, an dem schmerzlich
eingezogenen Unterleibe beinahe selbst zu empfinden glaubet;
dieser Schmerz, sage ich, äußert sich dennoch mit keiner Wut
in dem Gesichte und in der ganzen Stellung.
Neoklassizistische Ästhetik

Er erhebet kein schreckliches Geschrei, wie Vergil von seinem


Laokoon singet: Die Öffnung des Mundes gestattet es nicht; es
ist vielmehr ein ängstliches und beklemmtes Seufzen ... Der
Schmerz des Körpers und die Größe der Seele sind durch den
ganzen Bau der Figur mit gleicher Stärke ausgeteilet und
gleichsam abgewogen. Laokoon leidet, ... sein Elend gehet uns
bis an die Seele; aber wir wünschten, wie dieser große Mann,
das Elend ertragen zu können.
Der Ausdruck einer so großen Seele gehet weit über die
Bildung der schönen Natur: Der Künstler musste die Stärke des
Geistes in sich selbst fühlen, welche er seinem Marmor
einprägete.
Neoklassizistische Ästhetik

 [...] Je ruhiger der Stand des Körpers ist, desto geschickter ist er,
den wahren Charakter der Seele zu schildern: in allen Stellungen,
die von dem Stande der Ruhe zu sehr abweichen, befindet sich
die Seele nicht in einem gewaltsamen und erzwungenen
Zustande.
 Aus: Gedanken über die Nachahmung der griechischen Werke in der Malerei und
Bildhauerkunst von Johann Joachim Winckelmann.
Neoklassizistische Ästhetik

Kurzer Exkurs: Barocke und klassische Kunstauffassung


Klassische Ästhetik

Apoll im Belvedere, Gianlorenzo Bernini:


Kopie nach einem Apoll und Daphne,
Original aus dem 4. 1625
Jh.
Neoklassizistische Ästhetik

Verwendete Quellen:
http://www.kerber-net.de/literatur/deutsch/drama/goethe/personen/winklaok.htm (Helmut
Kerber: Lehrer-Homepage des Gymnasiums Illingen)

http://www.ndl-medien.uni-kiel.de/mitarbeiter/mitarbeiter.htm (Vorlesung von Prof. Albert Meier:


Die Literatur des 18. Jahrhunderts, SoSe 2001)

Texte, Themen und Strukturen. Deutschbuch für die Oberstufe. Berlin 22006, S. 241f.)